Nachgefragt bei der neuen Schwingerkönigin Michelle Brunner

Text: feldwaldwiesenblogger / Fotos: Michelle Brunner

Die Ostschweizerin Michelle Brunner wurde am vorletzten Sonntag in Menznau Schwingerkönigin. Der Schreibende war selber vor Ort und berichtete auf dem Schwinger-Blog live vom Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwingfest.

Spannende Ausgangslage am «Eidgenössischen»
Vor dem alles entscheidenden «Eidgenössischen» lag Michelle in der Jahreswertung an der Spitze. Der Vorsprung war allerdings knapp, und so entwickelte sich in Menznau ein Zweikampf zwischen ihr und der letztjährigen Schwingerkönigin Diana Fankhauser. Beim Anschwingen bodigte Michelle die Schwingerkönigin in einem spannenden Duell. Diana machte allerdings in der Folge mit vier Siegen Boden gut. Die Ostschweizer Königsanwärterin hingegen musste nebst zwei Siegen zwei «Gestellte» in Kauf nehmen. Aus diesem Grund blieb der Kampf bis zum sechsten Gang hochspannend. In diesem kamen beide in ihren Duellen nicht über einen «Gestellten» hinaus. In der Endabrechnung lag Michelle mit einem «Vierteli» hauchdünn vor Diana und wurde zur neuen Schwingerkönigin gekürt.

Schwingerkönigin dank dem Sieg in der Jahreswertung
Im Gegensatz zu den Männern krönen die Frauen jährlich eine Schwingerkönigin. Und zwar mittels einer Jahreswertung, und nicht am Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwingfest. In der Jahreswertung wurden in diesem Jahr sechs Kranzfeste gewertet. Diese Feste fanden der Reihe nach in Hergiswil, Kandersteg, auf dem Ricken, in Boveresse, Uezwil und im bereits erwähnten Menznau statt. Zwei dieser Feste konnte Michelle für sich entscheiden. Zu Beginn der Saison fand zudem mit dem 1. Frauen- und Meitli-Hallenschwingfest in Brugg ein Schwinget statt, an welchem keine Kränze abgegeben wurden.
Wer aber ist Michelle Brunner? Nachfolgend versuche ich die junge Sennenschwingerin etwas besser kennen zu lernen und gratuliere ihr auf diesem Weg zum Königstitel.


Die neue Schwingerkönigin Michelle Brunner

Mitglied beim Frauenschwingclub Linth
Das Geburtsdatum von Michelle ist der 23. April 1998. Die 21-Jährige wohnt in Benken. Die frisch gebackene Schwingerkönigin absolvierte eine Ausbildung zur Zimmerin (Zimmermann) und arbeitet momentan auf diesem Beruf in einem Betrieb in St. Gallenkappel. Die Zeit nebst der Arbeit widmet die St. Gallerin hauptsächlich dem Schwingsport.
Die Zimmerin ist Mitglied beim Frauenschwingclub Linth, bei welchem sie das komplette Training absolviert. Dieser Klub zählt derzeit 15 Schwingerinnen, und zwar von allen Kategorien (Aktive, Meitli 1, Meitli 2 und Zwergli). Es gibt etliche Frauen, die regelmässig zusammen mit Männern trainieren. Michelle macht dies derzeit aber nicht.

Michelle’s Erfolge
In der nun zu Ende gegangenen Saison gewann Michelle die beiden Kranzfeste in Kandersteg sowie Uezwil und holte fünf Kränze, was ihr in der Endabrechnung den ersten Titel als Schwingerkönigin einbrachte. In Kandersteg realisierte sie vier Siege und zwei Gestellte. Im Schlussgang, gegen Franziska Ruch, reichte ein «Gestellter» mit der Note neun zum alleinigen Tagessieg. Die zweifache Saisonsiegern überzeugte in Uezwil mit fünf Siegen, unter anderem im Schlussgang gegen Angela Riesen, dem eine Niederlage gegenübersteht.
Michelle’s Palmarès umfassen 15 Kränze (inklusive dem Goldkranz für die Schwingerkönigin) und 30 Zweige. Bei den Aktiven hat sie bisher drei Tagessiege geholt, bei den Nachwuchskategorien waren es etliche. Die genaue Anzahl weiss die Schwingerin nicht.
Michelle ging mit sechs Jahren zum ersten Schwingtraining und blieb diesem Sport bis heute treu. Den ersten Kranz als Aktive gewann sie 2014 beim Frauen- und Meitlischwingfest in Oron-la-Ville. Der bevorzugte Schwung ist der Hochschwung. Zum Schwingsport kam die schwingbegeistere Frau durch Fränzi Schatt, eine frühere Schwingerkönigin vom Schwingklub Linth. Schwingergene wurden Michelle bereits in die Wiege gelegt. Denn ihr Vater Ruedi und ihr Onkel Sepp haben in jungen Jahren ebenfalls geschwungen.


Michelle (mit Ohrenschutz) im erfolgreichen Zweikampf

Der Königstitel ist das Resultat einer starken Saison. Was für Gedanken begleiteten dich bei der Krönung?
«Ich realisierte es in Menznau nicht wirklich und konnte nicht fassen, was gerade passiert ist. Inzwischen habe ich es wahrgenommen. Am Abend des «Eidgenössischen» gab es zuhause einen kleinen Empfang und der offizielle Empfang der Gemeinde folgt am 19. Oktober.»

Das Rennen um den Titel war spannend bis zum letzten Gang, beim Skifahren würde man von einem Hundertstel-Krimi sprechen. Wie verlief für dich der alles entscheidende letzte Gang?
«Im alles entscheidenden letzten Gang war Diana Fankhauser vor mir dran, und stellte diesen mit der Note neun. Ich wusste, dass mir mit dieser Ausgangslage ein guter Gestellter reicht. Ich riskierte trotzdem alles, damit es schlussendlich aufging und ich mir so auch den Kranz sichern konnte.»

Was für ein Fazit ziehst du vom Eidgenössischen Schwingfest in Menznau?
«Ich durfte ein wunderbares Schwingfest erleben und war glücklich, dass ich dort dabei sein durfte. Ich habe es genossen, auch wegen der schönen Kulisse und dem Traumtag. In Menznau zählte man überdies am meisten Zuschauer aller Feste dieses Jahres.»

Wie verlief diese Saison in deinen Augen?
«Ich bin sehr zufrieden mit dieser Saison. Zudem hat unser Schwingklub ein stimmungsvolles Schwingfest auf dem Ricken organisiert, wo alles bestens geklappt hat und wir auch schönes Wetter erleben durften.»

Mit den zwei Kranzfestsiegen konntest du vor dem „Eidgenössischen“ eine gute Basis legen. War das rückblickend die Vorentscheidung?
«Nein, das war keine Vorentscheidung, denn der Vorsprung war zu knapp. Eine gute Ausgangslage war es dennoch. Mir war klar, dass ich am Eidgenössischen alles geben musste, damit es für den Titel klappen könnte. Als ich im ersten Gang die Königin besiegen konnte, war mein Ziel klar. Ich sagte mir, wenn es am Schluss nicht reicht, soll es halt nicht so sein.»


In Kandersteg realisierte Michelle den ersten von zwei Kranzfestsiegen 2019, und wurde dafür mit einem Lebendpreis belohnt

Wie viel Zeit investierst du in dein Training? Wie sieht dieses aus?
«Ich absolviere bei meinem Schwingklub zwei Trainings pro Woche. Das Schwingtraining dauert jeweils rund zwei Stunden, welches zudem Kraft- und Ausdauer-Einheiten beinhaltet. Momentan haben wird Trainingspause, der Start ins Wintertraining ist Mitte November.»

Woran wirst du im Wintertraining verstärkt arbeiten?
«Ich möchte meine Technik weiter verbessern und an der Ausdauer und der Kraft feilen.»

Gibt es im Frauen-Schwingsport eigentlich auch fünf Teilverbände? Wie sieht die Organisation generell aus?
«Wir sind nicht in Teilverbände unterteilt. Der Frauen-Schwingsport besteht aus verschiedenen Schwingklubs, welche in der ganzen Schweiz und in allen Landesteilen anzutreffen sind. Diese sind direkt im Eidgenössischen Frauenschwingverband integriert.»

Erlebst du Vorurteile rings um deinen Sport? Wie begegnest du diesen?
«Ich erlebe eigentlich keine Vorurteile, mir kommen gelegentlich Sprüche zu Ohren. Diese kann ich aber gut ausblenden. Ich betreibe den Schwingsport schon von klein an, und der Schwingsport ist ein Teil von mir. Das weiss mein Umfeld. Weiter bin ich allgemein sehr am Schwingsport interessiert und besuche auch Schwingfeste der Männer.»

Was wünscht du dir für den Frauen-Schwingsport im Allgemein?
«Dass er weiterhin so familiär ist und der Zusammenhalt so gut bleibt wie bisher. Dass jährlich genügend Organisatoren, Helfer und Gabenspender für unsere Schwingfeste gefunden werden können, damit unser Sport weiterhin lebendig bleibt. Unser Klub ist derzeit sehr gut aufgestellt mit Trainern und Funktionären. Wir erleben momentan im Frauenschwingsport allgemein eine gute Phase, und erhoffen uns, dass es so bleibt. Es war nämlich bei weitem nicht immer so, und es herrschten auch schon schwierigere Verhältnisse.»

feldwaldwiesenblogger

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