Ehemalige Schwingergrössen: Lothar Herrsche

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit III (1986) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger


Lothar Herrsche ist am 19. Mai 1960 geboren, und schwang für den Schwingklub Rheintal-Oberland

Den Abstand zu Schläpfer verkleinern
Der Sieg am Nordostschweizerischen Schwingfest 1985 und das Erreichen des Schlussgangs am Kilchberger Schwinget 1984 haben Lothar Herrsche gutgetan. Er hat sich jetzt das Ziel gesteckt, den Abstand zu Ernst Schlüpfer noch mehr zu verringern. Lothar weiss, dass Ernst der härteste und strengste Massstab ist, den er sich setzen kann. Er weiss aber auch, dass solche Vorsätze ein wichtiger Ansporn sein können.

Eine vielseitige und ausgefeilte Technik
Lothars Hauptwaffe ist eine vielseitige und ausgefeilte Technik. Es sind weniger die klassischen Schwünge wie Kurz und Hüfter als die vertrackteren wie Brienzer, Hochschwung, Souplesse und Bodenarbeit, die ihm Erfolge bringen.
Herrsche ist zweifacher Schweizermeister im Ringen und hat drei eidgenössische Kränze im Nationalturnen geholt. Dieser Erfahrungsschatz hat auch seine Schwingerlaufbahn befruchtet und umgekehrt. Von Verletzungen ist der durchtrainierte Bursche bis jetzt verschont geblieben.

Schwingen und Ringen
Schwingen und Ringen füllen seine ganze Freizeit. Das Training ist ausserordentlich intensiv und umfasst im Sommer viermal anderthalb Stunden Technik und Kraft sowie täglich Vitaparcours. Im Winter ist Herrsche auch beim Ringklub Kriessern dabei, aus dem der Olympiamedaillengewinner Hugo Dietsche hervorgegangen ist, der nach einigen Rückschlägen noch weitere Anläufe in Richtung Edelmetall unternahm und an den Europameisterschaften 1986 in Griechenland — wieder Bronze — eine glanzvolle Bestätigung erbrachte.
Mit der Ringernationalmannschaft war Herrsche des Öftern auf Reisen in Europa und Übersee.

Schwingen ist Willenssache und vom Trainingsfleiss abhängig
Radfahren hilft ihm, die Kondition zu verbessern. «Gut essen» ist ein Hobby, das vorläufig noch etwas zu kurz kommt. Lothar hat als Knabe eine Erfahrung gemacht, die er mit einigen erfolgreichen Schwingern teilt: «Schulkollegen nahmen mich zum Schwingertraining mit. Wobei ich damals gegen alle verlor. Heute zieht keiner von ihnen mehr Schwinghosen an.» Gerade für einen nicht mit einer riesenhaften Statur ausgestatteten Jüngling ist Schwingen eben in starkem Masse Willenssache und vom Trainingsfleiss abhängig.

Triumph am Nordostschweizerischen Schwingfest 1985
Besonders gefreut hat den Ostschweizer, dass er nur zwei Wochen nach dem Stoosschwinget, der ihm missriet und keinen Lorbeer eintrug, seinen Triumph am Nordostschweizerischen feiern konnte. Der Weg zum Sieg führte unter anderem über die starken Gäste Franz Käslin und Johann Santschi. Zum Schlussgang durfte dann überraschend der 38-jährige Armin Meier mit Herrsche antreten. «Ich habe ihn nicht unterschätzt,» berichtete Lothar, «denn seine Routine hätte ihn durchaus zu guten Gegenschwüngen befähigen können. Doch schliesslich konnte ich meinen Spezial, den Hochschwung, anbringen.»

Am Kilchberger Schwinget 1984 im Schlussgang
Vordere Plätze gab es für Lothar ausserhalb des eigenen Verbandsgebiets unter anderem am Innerschweizerischen 1985 (3.), am Brünig 1984 (4.) und am Nordwestschweizerischen 1984 (5.). Am Kilchberger lieferte er Schläpfer im Schlussgang eine offene und kämpferische Partie und brachte ihn sogar an den Rand der Niederlage. Nach acht Minuten gewann dann Schläpfer mit Linkskurz.
In Sitten erreichte Lothar Herrsche trotz einer im fünften Gang zugezogenen Verletzung, dank seinem eisernen Willen, im Rang 9g den zweiten Eidgenössischen Kranz.

Zukunftsaussichten
Wie es weitergeht, da mag er sich noch nicht festlegen. Herrsche möchte sich im Beruf — er ist bei einer grossen Firma angestellt, die Küchen und Innenausstattungen fabriziert — noch weiterbilden und sein Haus in Montlingen umbauen. Ob sich das mit einem weiterhin so harten Training kombinieren lässt, vermag er heute nicht zu entscheiden. Herrsche, ältester Sohn eines Landwirts mit neun Schwestern (sie konnten ihn nicht unterkriegen) und einem noch kleinen Brüderchen, meint:
«Das Schwingen bedeutet mir viel. Bis jetzt habe ich aus Überzeugung den Beruf zurückgestellt. Doch in Zukunft werde ich dem Beruflichen mehr Bedeutung zumessen müssen.»

feldwaldwiesenblogger