Trotz Corona: Bitte keine Schwing-Profis!

Text: feldwaldwiesenblogger

Gestern konnte man im «BLICK» die Schlagzeile lesen: «Löst Corona Profi-Revolution im Schwingsport aus?» Der Grund für diese Aussage ist der Amateur-Status im Schwingsport. Denn Kontakt-Sport ist nach den jüngsten Entscheiden des Bundesrates wieder verboten, dies betrifft auch die Schwinger. Eine Ausnahmeregelung gilt nur für jene Sportler, welche einen Profi-Status innehaben. Beispielsweise für die Profi-Boxer.


Bild aus besseren Tagen: Joel Wicki und Christian Stucki vor dem ESAF-Schlussgang in Zug
Bild: watson.ch

Wird die «heiligste Kuh» gebodigt?
In der Einleitung des erwähnten «BLICK»-Beitrages steht wörtlich: «Die Traditionalisten wehren sich seit Jahrzehnten gegen den Profi-Status im Schwingsport. Doch vielleicht bodigt Corona selbst die heiligste Kuh in der Sägemehl-Schweiz.» Dass der Schwingsport wegen dieser leidigen Corona-Pandemie quasi über die Hintertür zu einem Profi-Status kommen könnte, fände ich nicht richtig. Der «BLICK» hat gar die Frage aufgeworfen, ob
sämtlichen Kader-Schwingern der Profi-Status verliehen werden soll. Stefan Strebel, TK-Chef vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV), entgegnete dem, dass man über diese Frage noch nicht diskutiert habe. Weiter meinte Strebel: «Und ich möchte klar betonen, dass ich grundsätzlich gegen das Profitum im Schwingen bin, weil ich in unserem Sport keine Zweiklassengesellschaft haben möchte.»

Bitte auch in Zukunft keine Schwing-Profis!
Der sogenannte «Profi-Status» würde die absoluten Spitzenschwinger wohl gänzlich zu Profis machen und die von Strebel angesprochene Zweiklassengesellschaft wäre dann leider Tatsache. Aber: Der Schwingsport lebt nicht nur von seinen Spitzenschwingern. Die ganz grosse Masse an Mittelklasse-Schwingern ist das Fundament des Schwingsports. Sie machen den Sägemehl-Sport zu dem Breitensport, welcher dieser heute ist. Eine Zweiklassengesellschaft kann und soll nicht das Ziel des ESV sein. Denn dieses Ansinnen würde unseren Nationalsport wohl nachhaltig verändern. Für die Mittelschwinger könnte sportlich gesehen der Abstand zu den Spitzenathleten immer grösser werden. Der eine oder andere «Amateur» würde wohl oder übel irgendwann frustriert die Flinte ins Korn werfen. Ein mögliches Szenario könnten dann Schwingfeste nur mit «Profis», andere nur mit «Amateuren» sein. So quasi wie beim Fussball oder beim Eishockey: In der obersten Liga tummeln sich die Profis, in den unteren Ligen messen sich die Amateure. Denn sportlich gesehen müsste man dies bei einer «Zweiklassengesellschaft» wohl so praktizieren. Darum: Bitte auch in Zukunft keine Schwing-Profis!


Die Schwinger dürfen derzeit nicht im Schwingkeller trainieren
Bild: feldwaldwiesenblogger

Falsches Signal für die Nachwuchsschwinger
Für die Nachwuchsschwinger wäre dieses Ansinnen ein falsches Signal. Denn die Hürde beim Übertritt eines Nachwuchsschwingers zu den Aktiven würde so nochmals höher. Es bestünde die Gefahr, dass man etliche Nachwuchsschwinger verlieren würde. Dieses Problem kennt man heute schon, und würde dadurch noch mehr verschärft. Die Zahlen bei den Aktiven und beim Nachwuchs könnten vermutlich dramatisch einbrechen. Gewisse Schwingklubs, welche sich jetzt schon mit Nachwuchssorgen herumplagen, würden dann wohl mangels Mitglieder irgendwann die Segel streichen.
Ich weiss, das tönt jetzt alles nach Schwarzmalerei. Aber wer eins und eins zusammenzählen kann, stellt fest, dass meine Befürchtungen nicht weit hergeholt sind. Sind wir doch ehrlich: Jeder Spitzenschwinger hat sich in der Vergangenheit positiv zum «Amateur-Status» im Schwingsport geäussert. Keiner von diesen möchte eine Zweiklassengesellschaft. Sie sind froh um eine berufliche Tätigkeit, der sie aber dank abgeschlossenen Werbeverträgen nicht mehr unbedingt fünf Tage pro Woche nachgehen müssen. Sie können sich so zusätzliche Trainings und mehr Erholungspausen gönnen. Das ist der verdiente Lohn für harte Arbeit. Ich bin überzeugt, dass das die meisten Schwingerfreunde so sehen. Wegen «Corona» gleich den Schwingsport revolutionieren? Nein, wirklich nicht.

Wie weiter für den Schwingsport in der Corona-Pandemie?
Die Verantwortlichen vom ESV tun sich gut daran, sich nicht von der «Profi-Status-Geschichte» überrennen zu lassen. Die Corona-Pandemie wird irgendwann vorüber sein, und das normale Leben wird weitergehen. Die überwiegende Mehrzahl der Schwinger und des Schwingervolkes wird dann froh sein, wenn noch alles beim Alten ist.
Die aktuelle Frage lautet aber: Wie weiter für den Schwingsport? Der ESV hat kürzlich das Rahmenschutzkonzept «SCHWINGFESTE 2021 ZU 100% JA» verabschiedet. Dieses sieht vor, dass 2021 unter den gegebenen Umständen wann immer möglich Schwingfeste durchgeführt werden. Die Verantwortlichen, aber auch die Schwinger sind in erster Linie froh, wenn Schwingfeste stattfinden. Diese dürfen und sollen auch kleiner als ursprünglich geplant über die Bühne gehen. So konnte man diese Woche aus den Medien entnehmen, dass die Organisatoren vom Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfest in Ibach SZ, statt eine Arena für 13’000 Zuschauer, nun eine mit 2’500 Plätzen herrichten möchten. Das absolut richtige Zeichen in diesen Zeiten!
Ein starkes Zeichen von den Verbandsoberen wäre aber auch, dass sie beim Bundesrat vorstellig werden, und sich mit einem ausgeklügelten Schutzkonzept eine Trainingsgenehmigung für die Schwingkeller zusichern lassen. Denn dieses Vorgehen ist zu begrüssen, und nicht darüber nachzudenken, den Schwingern den Profi-Status zu verleihen. Covid-19 unterscheidet nämlich nicht zwischen Amateuren und Profis.

feldwaldwiesenblogger