Nachgefragt bei Florian Gnägi, dem Vorsitzenden des Aktivenrates

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Schwingerzeitung «SCHLUSSGANG» thematisiert in der aktuellen Ausgabe unter der Rubrik «Anschwingen» den Aktivenrat der Schwinger. Man erfährt darin, dass der Aktivenrat ein Gremium ist, welches die Interessen der Athleten vertritt. Dieses Gremium gibt es seit dem 1. Januar 2017 und funktioniert eigenständig.

Start an der AV 2016
Ins Leben gerufen wurde der Aktivenrat im März 2016 an der Abgeordnetenversammlung (AV) des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV), an welcher die entsprechenden Statuten genehmigt wurden. So ist darin vorgesehen, dass jeder Teilverband je ein Aktivschwinger als Vertreter stellt, und der Rat einen Vorsitzenden bestimmt. Dies ist seit diesem Jahr Florian Gnägi. Der Berner Vertreter erklärt im «SCHLUSSGANG»: «Unsere Aufgabe ist es, Anliegen der Aktiven gegen oben weiterzugeben. Wir sind die Basis, welche die Probleme oder Anregungen beim Eidgenössischen Schwingerverband kommunizieren». Wie der «SCHLUSSGANG» weiter schreibt, ist der Aktivenrat als Beirat für die Technische Kommission und den Zentralvorstand zu verstehen. An der AV haben die fünf Vertreter auch ein Stimmrecht.

Während der Corona-Pandemie stark gefordert
Während der Corona-Pandemie ist der Aktivenrat stark gefordert und war beispielsweise auch involviert, als die Technische Kommission das Rahmenschutzkonzept «Schwingfeste 2021 zu 100 % ja» erarbeitete. Nebst Gnägi gehören zu diesem Rat Pirmin Reichmuth (Vertreter Innerschweiz), Armon Orlik (Vertreter Nordostschweiz), Andreas Döbeli (Vertreter Nordwestschweiz) und Steven Moser (Vertreter Südwestschweiz).

Zehn Fragen an Florian Gnägi, den Vorsitzenden des Aktivenrates
Der Berner Seeländer ist zweifacher Eidgenosse, und hat insgesamt 95 Kränze sowie neun Kranzfestsiege auf seinem Konto. Der 32-jährige Turnerschwinger hat kürzlich seine Freundin Bettina Burren geheiratet und ist gelernter Kaufmann. Derzeit arbeitet Gnägi beim VBS als Sachbearbeiter Finanzen beim Kompetenzzentrum Sport, und ist wie erwähnt seit diesem Jahr Vorsitzender des Aktivenrates. Der «Schwinger-Blog» hat bei ihm nachgefragt, und wollte wissen, wie die Stimmung unter den Schwingern ist. Welche Forderungen der Aktivenrat während der Corona-Pandemie bisher beim ESV vorbrachte, und wie man der nächsten Saison entgegenblickt. Dabei wurde in Erfahrung gebracht, dass Bestrebungen in Gang sind, um das Schwingverbot wieder aufzuheben.


Florian Gnägi hält seit diesem Jahr den Vorsitz im Aktivenrat inne
Bild: esv.ch

Wie ist die Stimmung unter den Athleten nach dem neuerlichen Schwingverbot?
«Ich rede zwar nicht gerne für die Allgemeinheit. Es geht aber allen gleich, nachdem die Saison 2020 praktisch nicht stattfand. Und jetzt, wo es wieder losgegangen wäre, gilt wieder ein Schwingverbot. Sehr viele von uns Athleten brennen darauf, wieder schwingen zu können. Uns ist sehr wohl bewusst, dass man beim Zweikampf Schwingen die BAG-Forderungen nicht einhalten kann. Es ist halt ein Kontaktsport. Trotzdem darf man sagen, dass wir langsam ungeduldig werden.»

Was meint der Aktivenrat zur gewagten «BLICK»-These, darüber nachzudenken, den Schwingern den Profi-Status zu verleihen, damit diese wie die Berufs-Boxer auch trainieren dürfen?
«Den Profi-Status haben wir im Rat nicht diskutiert. Aus meiner Sicht ist es relativ schwierig, eine Grenze zu ziehen. Ab wann ist man Profi, und wo ist man kein Profi mehr? Etliche Schwinger haben jetzt schon ihr Arbeitspensum reduziert, um mehr Zeit für das Training und die Erholung zu investieren. Es ist daher schwierig zu differenzieren. Es gilt aber Chancengleichheit. Und da wäre es sicher problematisch, wenn die Eidgenossen oder die Kaderschwinger der einzelnen Teilverbände trainieren dürften, die anderen aber nicht. Unsere Haltung ist klar, dass erst geschwungen wird, wenn es die Situation zulässt und alle dürfen. Und zwar vom Genfersee bis zum Bodensee, und von Basel bis ins Tessin.»

Der Schwinger-Blog hat kürzlich im Blogbeitrag «Trotz Corona: Bitte keine Schwing-Profis!» vorgeschlagen, dass die ESV-Verantwortlichen sich direkt an den Bundesrat wenden sollen, um für diese mit einem ausgeklügelten Schutzkonzept eine Trainingserlaubnis einzuholen. Was hältst du davon?
«Auch das ist schwierig zu beantworten. Es laufen Bestrebungen, dass möglichst bald wieder geschwungen werden kann. Das Problem ist, dass der Bundesrat gewisse Richtlinien vorgibt, die Kantone sie aber verschärfen dürfen. Meines Erachtens braucht es eine gesamtschweizerische Lösung. Sonst sind wir wieder bei der Diskussion um den Profi-Status: Die einen dürfen, die anderen nicht. Der ESV ist mit Swiss Olympic und dem BASPO (Bundesamt für Sport) im Austausch. Es geht dabei um Schwingtrainings in Gruppen von jeweils acht Schwingern. Die Zusammensetzung soll immer gleichbleiben. Wenn dies der Bund gutheissen sollte, gewisse Kantone das aber nicht erlauben, wird es schwierig, eine sinnvolle Lösung für die ganze Schweiz zu finden.»

Es heisst, dass der Aktivenrat während der Corona-Pandemie stark gefordert ist. Was muss man sich darunter vorstellen? Und: Welche Forderungen hat der Aktivenrat in diesem Zusammenhang beim ESV deponiert?
«Es stimmt, dass wir mehr gefordert sind. Wir vom Aktivenrat haben dabei die Stimmung und die Gemütslage aus der Schwingerschweiz zusammengetragen. Wir halten Sitzungen ab und tauschen uns in einer Whatsapp-Gruppe aus. Wir gehen pragmatisch vor. Unser direkter Vorgesetzter ist Stefan Strebel, der TK-Chef vom ESV. Wenn etwas anfällt, diskutieren wir das untereinander, und beraten, in welche Richtung es gehen soll.
Am Frühling trugen wir dem ESV vor, dass es vor dem Start in die Schwingsaison eine mindestens sechswöchige Schwingtrainings-Phase braucht. Es wäre aus unserer Sicht schlicht zu gefährlich, direkt vom Kraftraum auf den Schwingplatz zu gehen. Durch die Verschiebung des Eidgenössischen Jubiläumsschwingfestes auf 2021 war es uns wichtig, dass der Kilchberger Schwinget und der Anlass in Appenzell nicht innert Wochenfrist stattfinden. Diese beiden Anliegen haben wir vorgebracht, und sie wurden auch umgesetzt.»

Wie oft tauschst du dich eigentlich mit deinen Ratskollegen aus?
«Dieses Jahr trafen wir uns bisher zu vier Sitzungen. Im Februar haben wir uns einmal vor Ort getroffen. Während der Corona-Zeit hielten wir zweimal eine Videokonferenz per Zoom ab. Dies aus terminlichen Gründen, aber auch als Pandemie-Vorsichtsmassname. Im September haben wir uns mit der Technischen Kommissionen vom ESV getroffen, um das Rahmenschutzkonzept «Schwingfeste 2021 zu 100 % ja» zu erarbeiten. Wir Fünf sind in regelmässigem und regem Austausch in der bereits angesprochenen Whatsapp-Gruppe.»


Florian Gnägi gewann 2019 am ESAF in Zug zum zweiten Mal eidgenössisches Eichenlaub
Bild: floriangnaegi.ch

Welches sind die Anliegen, welche euch im Rat momentan am meisten unter den Fingernägeln brennen?
«Aktuell ist es natürlich das Schwingverbot. Wir möchten aus einer grossen Leidenschaft heraus so schnell wie möglich wieder schwingen. Ein weiterer Punkt ist, dass die nächste Saison ordentlich und wie geplant über die Bühne gehen kann. Das ist ein grosses Anliegen von jedem von uns. Es zeichnet sich ab, dass die Schwingfeste vor kleinerem Publikum als üblich durchgeführt werden müssen. Wir hoffen trotzdem, dass möglichst viele Zuschauer kommen dürfen. Es ist schon etwas anderes, wie in Zug vor 56’500 Zuschauern in die Arena einzulaufen, statt auf einen Schwingplatz, wo’s nur Schwingplätze, ein Rechnungsbüro und wenige Zuschauer hat. Schlussendlich ist uns aber wichtig, dass wir schwingen können.»

Wie oft kommunizierst du mit dem ESV? In welcher Form geschieht dies?
«Als klar war, dass die Saison 2020 nicht stattfinden kann, gab es nicht mehr viel zu besprechen. Derzeit ist der Austausch wieder reger und es besteht ein intensiver Kontakt. Einerseits mit Rolf Gasser, dem ESV-Geschäftsstellenleiter, andererseits mit dem TK-Chef Stefan Strebel. Viele Dinge werden gleich telefonisch geregelt, und ich hole ein Feedback von meinen Rats-Kollegen ein. Es besteht eine gute und konstruktive Zusammenarbeit mit dem ESV. Dabei geht es allen beteiligten stets um das Wohl der Schwinger. Es ist zudem angedacht, dass wir künftig einmal pro Jahr an einer Sitzung der Technischen Kommission vom ESV dabei sind. Es gibt Regeln, die akzeptiert werden müssen. Uns ist auch klar, dass nicht alle Wünsche von uns Schwingern umgesetzt werden können.»

Planungssicherheit sieht anders aus. Wie trainieren die Schwinger derzeit?
«Ich kann vorwiegend für mich reden. Wir stecken jetzt inmitten der Aufbauphase für die nächste Saison. Diese beinhaltet üblicherweise nebst dem Training im Sägemehl ein gezieltes Kraft- und Konditionstraining. Da wir momentan nicht im Kurzholz trainieren dürfen, legen wir den Fokus nun vermehrt auf den Aufbau. Ich bin polysportiv, und spiele daher nun mehr Tennis und fahre Velo, wenn es die Witterung erlaubt. Wir haben momentan tatsächlich keine grosse Planungssicherheit. Wir müssen aber auch damit rechnen, dass es bald wieder losgehen könnte. Wir sind daher gut beraten, gleich zu trainieren wie in anderen Jahren.»

Wie blickt ihr Athleten der kommenden Saison entgegen?
«Mit grosser Vorfreude! Ich hatte bisher das Glück, dass ich wegen einer Verletzung noch nie eine ganze Saison verpasst habe. Wegen dem Coronavirus ist es nun passiert. Man trainiert, um seine Ziele und Träume erfüllen zu können. Wir fiebern und hoffen darauf, dass die nächste Saison so abläuft wie jene von 2019. Das gibt den meisten genug Motivation, um dran zu bleiben, zu trainieren und Vollgas zu geben.»

Nach der Absage des Berchtold-Schwingets: Ab wann sollte spätestens das Schwingtrainings-Verbot aufgehoben werden, damit die Frühjahrsfeste stattfinden können?
«Das ist eine Frage, welche wir uns im Aktivenrat auch stellen. Optimal wäre, wenn wir ab Neujahr uneingeschränkt trainieren könnten. Im Moment sehe ich einfach, dass wir flexibel bleiben müssen. Viel mehr kann man gar nicht machen. Im August oder September hat niemand von uns damit gerechnet, dass ein paar Wochen später wieder ein Schwingverbot gilt. Es braucht nun seine Zeit, um wieder zurück zur Normalität zu gelangen. Es gilt, das Ganze vorneweg zu nehmen, und darauf zu hoffen, dass es möglichst schnell wieder los geht.»

feldwaldwiesenblogger