Lario Kramer’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Lario Kramer ist einer der drei Südwestschweizer Neueidgenossen von Zug. Nebst dem Freiburger sind dies Benjamin Gapany und Steve Duplan. Das tut dem kleinsten der fünf Teilverbände nur gut, und wird deren Arbeit in den nächsten Jahren enorm unterstützen. Just im Jahr Eins nach dem ESAF in Zug konnte und durfte Lario seinen Kranz nicht bestätigen. Die Corona-Pandemie überzog das Land und liess das öffentliche Leben runterfahren. Umso mehr freut sich die Schwinger-Schweiz, wenn die «jungen Wilden» aus dem Südwesten sich wieder im Sägemehl beweisen dürfen. Heute berichtet Lario Kramer aus seinem Corona-Alltag.

Lario wird im Juli 23-jährig und hat insgesamt 26 Kränze auf seinem Konto. Nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren sein Palmarès 16 Kantonal-, 4 Berg- und 5 Teilverbandskränze. Dazu kommen 2 Kranzfestsiege. Der 186 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Kerzers. Der Sennenschwinger arbeitet derzeit als Gemüsegärtner und macht nebenbei eine Ausbildung zum Agrokaufmann HF. Lario wohnt in Galmiz.


Die Freude über den gewonnenen Eidgenössischen Kranz ist gross
Bild: Lario Kramer

Wie geht es dir?
«Den Umständen entsprechend geht es mir und meiner Familie sehr gut. Ich bin fit.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich bin momentan im Spitzensport-WK in Magglingen. Wir trainieren dort am Morgen und am Nachmittag jeweils zweieinhalb Stunden im Kraftraum. Dies erfolgt unter der Anleitung von Matthias Glarner. Wir können enorm von ihm profitieren, auch von der Ausführung der Übungen her. Es ist ein Glück, dass ich dort trainieren darf. Denn die Krafträume sind derzeit geschlossen und man muss sich privat organisieren.
Da das Schwingtraining verboten ist, liegt der Schwerpunkt im athletischen- und im Ausdauerbereich. Die Woche ist trotzdem verplant, wie wenn Normalzustand herrschen würde.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Es ist nicht ganz einfach. Für gewöhnlich plane ich mir für den Formstand um vier Frühjahresschwingfeste ein, da ich am Saisonanfang meist noch nicht so spritzig bin. Wie es aber aussieht, wird man nicht viele Härtetests bis zu den Kranzfesten machen können. Da ich letztes Jahr kaum geschwungen habe, möchte ich so viele Wettkämpfe wie möglich bestreiten. Sei es im eigenen Teilverband und auch ausserhalb, wenn man zum Beispiel an ein Teilverbandsfest eingeladen wird. Mit dem Fokus auf die beiden Schwingfeste mit Eidgenössischem Charakter.
Zudem: Das physische habe ich im Griff, das spüre ich im Kraft- und Ausdauertraining. Im Kraftbereich habe ich Fortschritte gemacht. Wenn das Schwingen wieder möglich ist, wird es schwierig abzuschätzen, wo man genau steht. Man trainiert nun so, dass man parat ist. Und nicht lange braucht, bis man an Wettkämpfe kann.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ich habe das Glück, dass ich zuhause in unserem Gemüsebetrieb normal arbeiten kann, und zwar in einem 80 Prozent Pensum. Auf dem Feld braucht’s keine Maske, ausser man hat Kontakt mit Kunden. So ist das Corona-Virus nicht ständig präsent.
Ich absolviere nebenher eine Ausbildung zum Agrokaufmann HF und befinde mich im letzten Jahr der Schulung. Der Unterricht erfolgt online via Zoom. Schade ist, dass wir unter den Schülern und den Dozenten keinen Austausch haben. Die Prüfungen finden teilweise online und teilweise vor Ort statt. Leider fallen auch die praktisch bezogenen Exkursionen weg. Es ist trotzdem eine gute Ausbildung.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Ich persönlich habe Respekt vor dem Virus, auch wenn ich jung und fit bin und nicht zu einer Risikogruppe gehöre. Aber: Man muss auch leben und nicht nur immer an Corona denken. Das Drumherum kann auch krank machen. Zum Glück geht es meiner Familie gut. Ich leiste meinen Beitrag zur Eindämmung des Virus, halte mich an die Schutzmassnahmen und vermeide soziale Kontakte. Damit die Pandemie möglichst schnell vorüber ist.»


Lario Kramer als glücklicher Stoos-Sieger von 2018
Bild: stoosschwinget.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Unter der Woche habe ich nicht mehr Freizeit. Das Krafttraining ersetzt nun das Schwingtraining. Im letzten Sommer war das Trainingsvolumen sogar grösser, als wenn eine normale Saison mit Wettkämpfen stattgefunden hätte. Die Erholungsphasen nach den Schwingfesten fielen weg. An den Sonntagen hatte ich dann mehr Freizeit und machte mit meiner Familie, meiner Freundin und meinen engsten Kollegen Ausflüge und Wanderungen. Oder wir grillierten gemeinsam. Das Positive daran ist, dass ich meinem Umfeld, welches stets hinter mir steht und sehr viel für mich leistet, so auch mal etwas zurückgeben konnte.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Es gilt, die empfohlenen vier Wochen Vorbereitungszeit einzuhalten. Demzufolge wäre das dann Ende April. Ich bin extrem hungrig auf das Schwingen und vermisse es sehr. Ich bin nun anfangs 20 und möchte möglichst rasch ins Geschehen eingreifen. Ich vergleiche die jetzige Situation mit einem Saisonende: Nach einer Pause braucht es eine gewisse Angewöhnungszeit im Sägemehl für die Kräfte und die Bereitschaft. Aber: Es geht ja allen gleich. Darum habe ich keine Angst, dass ich nicht parat wäre oder einen Nachteil hätte.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Ich habe regelmässig Kontakt mit meinem Schwingklub. In meinem Freundeskreis befinden sich sehr viele Schwinger und ich halte auch zu ihnen Kontakt. Die Stimmung ist überall gleich: Man möchte sich gerne wiedersehen, miteinander essen und trinken und zusammen schwingen. Es sind schon etliche Leute «coronamüde». Wir vermissen unsere gemeinsame Leidenschaft, für die wir den grössten Teil unserer Freizeit investieren. Ich nehme die Schwingpause in Kauf und kann dies nachvollziehen. Es geht schliesslich um unser aller Gesundheit, dass wir möglichst gut diesen Virus überstehen und bald aus dieser Pandemie herauskommen können.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Wie bereits erwähnt, ist es der positive Aspekt, dass ich meinem Umfeld in dieser Zeit etwas zurückgeben kann. Viel mehr Positives hat die Pandemie ansonsten nicht, und die Stimmung ist schon etwas gedrückt.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Ich bin jung und gehöre nicht zu einer Risikogruppe. Stand heute will ich mich nicht impfen lassen. Wenn aber die Devise kommen würde, dass man nur geimpft an einem Schwingfest antreten könnte, würde ich mich sofort impfen lassen. Ich bin zudem überzeugt, dass der Bund uns kein Gift injizieren lässt. Es ist ja nicht die erste Impfung, die wir über uns ergehen lassen müssen.»

feldwaldwiesenblogger

Nick Alpiger’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Nick Alpigiger’s letzte Teilnahme an einem Schwingfest war am «Eidgenössischen» 2019 in Zug. Dieses musste er aber verletzungsbedingt nach vier Gängen aufgeben: Die Beugesehne zwischen Becken und Oberschenkel war gerissen. Ein Anriss dieser Sehne erfolgte bereits rund fünf Wochen vorher beim Bergschwinget auf dem Weissenstein. Es folgte eine Operation mit anschliessender Physiotherapie. Nick kehrte bereits Ende 2019 wieder ins Sägemehl zurück und arbeitete top motiviert an seinem Comeback für 2020. Dieses wurde wegen der Corona-Pandemie aber verhindert. Inzwischen ist der Eidgenosse vollständig genesen, brennt auf die Rückkehr ins Sägemehl und berichtet heute aus seinem Corona-Alltag.

Der Nordwestschweizer Team-Leader Nick Alpiger gehört dem Aargauer Kantonalverband an und wurde im vergangenen Dezember 24-jährig. Nick hat insgesamt 43 Kränze auf seinem Konto, nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren sein Palmarès 22 Kantonal-, 11 Berg- und 9 Teilverbandskränze. Hinzu kommen 5 Kranzfestsiege. Der 186 Zentimeter grosse und 117 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Lenzburg. Der Sennenschwinger ist gelernter Maurer, arbeitet derzeit auch auf seinem Beruf und wohnt in Staufen.


Nick Alpiger freut sich auf sein Comeback
Bild: Nick Alpiger

Wie geht es dir?
«Es geht mir gut, danke vielmal. Ich bin gesund und fühle mich fit.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich bin momentan zwei Wochen im Spitzensport-WK in Magglingen. Anschliessend arbeite ich zwei Wochen und darf dann nochmals zwei Wochen nach Magglingen. Wir absolvieren dort unter Anleitung von Schwingerkönig Matthias Glarner am Morgen und am Abend jeweils ein zweieinhalbstündiges Training. Am Freitag ist nur am Morgen ein Training, dann erfolgt die Heimreise. Unser Training sieht so aus, dass wir eine halbe Stunde im Aufwärmbereich und zwei Stunden im Kraftraum trainieren.
Für mich ist die Teilnahme am Spitzensport-WK in Magglingen ein Privileg. Es ist ein hartes Training, mit den vorgeschriebenen Corona-Schutzmassnahmen. Nach den Trainingseinheiten wird immer alles desinfiziert. Wir machen dort keinen Schritt ohne die nötige Maske, ausser draussen im Freien. Beim Essen tragen wir sogar Handschuhe und sitzen versetzt, zwei Meter voneinander entfernt. Das Schutzkonzept ist hervorragend.
Wenn ich arbeite, trainiere ich mindestens viermal pro Woche Kraft, Kondition und Intervall-Training.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Ja, jetzt wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus. Ich passe mich der Situation an und plane, wie wenn diese Saison geschwungen wird. Auch letztes Jahr habe ich normal trainiert und wäre Ende März in die Saison gestartet. Ich habe dann während dem ganzen Sommer trainiert. Ich will parat sein, wenn es los geht. Und: Ich will unbedingt schwingen.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ich arbeite in einem 80 Prozent-Pensum als Maurer und wir haben immer arbeiten können. Natürlich mit den nötigen BAG-Schutzmassnahmen. Ich bin froh, dass ich arbeiten kann, und so dadurch einen geregelten Alltags-Rhythmus habe.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Ich passe mich an die jetzige Situation an. Wichtig ist, dass man den Kopf hochhält und nicht in den Sand steckt. Ich denke positiv und sage mir: Das Leben geht weiter.»


Nick Alpiger feierte 2019 am Innerschweizerischen in Flüelen einen seiner bisher grössten Erfolge
Bild: aargauerzeitung.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Man hat nun definitiv mehr Zeit. Ich gehe sehr viel fischen und mache das einfach gerne. Dieses Hobby kann ich derzeit mehr ausleben und stecke das während einer normalen Saison wieder zurück. Ich besitze mehrere Patente und kann so an verschiedenen Orten fischen: Am Hallwilersee, am Vierwaldstättersee und an der Bünz.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Wenn dem so wäre, wäre das super. Sobald es zulässig ist und ich mich fit und gut fühle, werde ich in der Nordwestschweiz antreten. Um ein gutes Gefühl zu bekommen, möchte ich möglichst rasch an einem Schwingfest antreten. Nach dem Schwingtraining bist du froh um Schwingfeste. Bei den Anlässen hast du eine gewisse Spannung, welche du bei den Trainings nicht immer hast. Ich besuche auch gerne die kleinen Rangschwingfeste und möchte diese sobald es möglich ist, fortlaufend bestreiten. Wenn diese Feste gut laufen, bin ich automatisch parat für die Kranzfeste.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Unser technischer Leiter bemüht sich sehr um uns. Er fragt regelmässig nach und die Stimmung ist gut. Jeder muss sich momentan natürlich selber orientieren. Meine Kameraden schauen, dass sie auch fit bleiben. Wenn wir dann wieder im Schwingkeller trainieren dürfen, freuen und geniessen wir es gemeinsam.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Natürlich gibt es das. Man hat viel Zeit für anderes, für sich selber und die Nächsten. Es ist eine andere Zeit, und es ist ruhiger als sonst. Ich empfinde diese Zeit nicht als langweilig. Durch die Arbeit und dank meinem individuellen Training habe ich einen Rhythmus in meinem Alltag. Es fühlt sich so an, wie es nach der Schwing-Karriere sein könnte.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Das ist eine schwierige Frage und ich möchte sie offenlassen.»

feldwaldwiesenblogger

Matthias Aeschbacher’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Matthias Aeschbacher ist vermutlich der einzige Schwinger, welcher letztes Jahr an vier (!) Schwingfesten teilnahm. Den Hallenschwinget Kirchberg vom 8. Februar gewann er souverän und beim Hallenschwinget Büren belegte Matthias am 22. Februar den hervorragenden Rang 2b. Hinzu kommen zwei Siege an Klubschwingfesten vom Schwingklub Sumiswald. Der erste Klubschwinget fand am 9. Juli statt, der «Coronaschwinget 2.0» am 31. August. An diesen beiden Anlässen wurde sogar ein kleiner Gabentempel organisiert.
Das alles scheint aus einer ganz anderen Zeitrechnung, und die beiden erwähnten Hallenschwingfeste mussten für 2021 leider wegen der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie abgesagt werden. Heute berichtet der Neueidgenosse nun aus dem Corona-Alltag.

Der Berner gehört dem Emmentalischen Gauverband an und wird am 28. Januar 29-jährig. Matthias hat insgesamt 58 Kränze auf seinem Konto. Nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren sein Palmarès 32 Gauverbands-, 14 Berg- und 11 Teilverbandskränze. Dazu konnte er bereits 8 Kranzfestsiege feiern. Der 191 Zentimeter grosse und 120 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Sumiswald. Der Sennenschwinger ist gelernter Maurer, arbeitet derzeit als Vorarbeiter auf dem Bau und wohnt in Rüegsauschachen.


Matthias Aeschbacher gehört seit Zug nun auch zum erlauchten Kreis der «Eidgenossen»
Bild: esv.ch

Wie geht es dir?
«Mir geht es tipptopp, danke!»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Aktuell bin ich im Spitzensport-WK in Magglingen, insgesamt sind wir um 16 Schwinger. Wir trainieren zweimal am Tag im Kraftraum und wärmen uns vorgängig entsprechend auf. Total sind wir momentan fünf Stunden pro Tag im Kraftraum, das Schwingtraining ist leider verboten.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Ich habe für mich persönlich eine Saisonplanung gemacht. Wenn es dann losgeht, beginne ich an jenen Schwingfesten teilzunehmen, die ich geplant habe. Ich bin optimistisch, dass es diese Saison Feste geben wird. Die Situation ist für jeden gleich. Darum stresst es mich nicht, denn die anderen können ja auch nicht im Sägemehl schwingen. Es ist nicht das gleiche, wenn ich verletzt wäre und nicht trainieren dürfte, und die anderen trainieren könnten.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, das kann ich. Ich habe letztes Jahr, als die Pandemie begann, mein Pensum wieder auf 100 Prozent erhöht. Ich war froh drum, und die Arbeit auf dem Bau ging normal vonstatten. Wie bereits erwähnt, bin ich nun während acht Wochen im Spitzensport-WK in Magglingen. Derzeit bin ich in der ersten Phase, welche drei Wochen dauert. Es folgt eine Woche Pause und dann wieder drei Wochen am Stück. Dann wieder eine Woche Pause und in der dritten Phase nochmals zwei WK-Wochen.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Ich kann ohne Einschränkung arbeiten. Mir fehlt vor allem das Schwingen. Aber auch die Restaurant-Besuche vermisse ich, um etwas feines Essen zu gehen. So kocht man halt zuhause. Nein, langweilig wird’s mir nicht. Seit dem 3. August letzten Jahres bin ich Vater, und da ist man auch anderweitig beschäftigt. Ein kleiner Vorteil der Corona-Pandemie ist, dass ich so mehr Zeit für meinen Sohn Nino hatte, welche während einer normalen Saison deutlich kleiner ausgefallen wäre.»


Matthias Aeschbacher schwang 2020 beim «Coronaschwinget 2.0», einem klubinternen Schwingfest, obenaus
Bild: Barbara Loosli (Facebook)

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Die gewonnene Zeit verbringe ich mit meiner Familie. Das ist sicher ein schöner Aspekt und ich geniesse es. Ich bin letztes Jahr zudem mehr als üblich aufs Velo gestiegen. Weiter gingen wir viel laufen, zusammen mit Nino im Kinderwagen.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Sobald die festgelegte Vorlaufzeit von vier Wochen vorbei ist, werde ich das erste Schwingfest bestreiten. Im April stünden der Frühjahrsschwinget Zäziwil, der Hallenschwinget Thörigen und der Wislisauschwinget auf dem Programm. Mal schauen, ob diese Schwingfeste drin liegen.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Wir haben es gut miteinander. Es ist einfach schade, dass wir einander so wenig sehen. Mit meinen Kollegen vom Schwingklub bin ich in regelmässigem Austausch. Ausserhalb sind die Kontakte mit den Emmentaler Verbandskollegen und allgemein mit den Berner Kollegen selten geworden. Den Kontakt zu meinen Schwingerkollegen vermisse ich sehr.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Wie gesagt, ich hatte sehr viel Zeit für meine Familie. Aber ansonsten finde ich nicht viel Positives an dieser Corona-Pandemie.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Schwierige Frage. Ich werde mich nicht impfen lassen, ausser es kommt eine Impfplicht. Ich persönlich glaube aber nicht daran, dass so etwas verordnet wird. Es scheint mir zudem unrealistisch, wenn das der Eidgenössische Schwingerverband durchdrücken möchte.»

feldwaldwiesenblogger

Am 25. Januar: Öffentliche Präsentation «St. Gallen schwingt mit»

Text: Pascal Schönenberger / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Die Kandidaturen «St. Gallen» und «Glarnerland+», welche sich für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 (ESAF) bewerben, befinden sich auf der Zielgeraden. Anfangs März werden die Delegierten des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) entscheiden, wo das ESAF im Jahr 2025 stattfinden wird. In der Endphase sind die Verantwortlichen beider Kandidaturen nochmals gefordert, die Argumente für ihr eigenes Fest zu bündeln und sich für die Präsentation vorzubereiten. Die aktuelle Situation in Bezug auf Corona beeinflusst den Bewerbungsprozess dahingehend, als dass die geplante Präsentation vor den Delegierten nicht wie üblich mittels Präsenzveranstaltung, sondern online stattfinden wird.


Der Jungschwinger Gian Kuratli, vom lokalen Schwingerverband St. Gallen und Umgebung, ist eines von vielen Gesichtern bei der Präsentation der Kandidatur St. Gallen
Foto: Robert Diener

Wahl des Austragungsortes erfolgt per Briefabstimmung
Nach der – coronabedingt – kurzfristig abgesagten ESV-Abgeordnetenversammlung im März 2020, kann auch im März 2021 die in Chur geplante Versammlung nicht physisch durchgeführt werden. Der ESV hat sich Ende November 2020 entschieden, sämtliche Abstimmungen und Wahlen mittels Briefabstimmung durchzuführen. Dieser Entscheid betrifft auch die wichtige Abstimmung über den Austragungsort des ESAF 2025, welches innerhalb des Teilverbandes Nordostschweiz durchgeführt wird. Für die Austragung kandidiert nebst Glarnerland+ auch der Verein ESAF 2025 St. Gallen.

Offizielle Kandidatur und Abstimmung
Durch den Entscheid, die Versammlung als Briefabstimmung durchzuführen, waren die beiden Kandidierenden gefordert, ihre Präsentation entsprechend anzupassen. Die Vorgabe war, dass sich die beiden Kandidaturen mit einem Online-Auftritt bei den Schwingern präsentieren sollen. Dies führt dazu, dass die Präsentationen zum ersten Mal in der Geschichte einer Vergabe für ein «Eidgenössisches» öffentlich durchgeführt werden. Es ist somit nicht nur für alle Delegierten und Ehrenmitglieder des Eidgenössischen Schwingerverbandes möglich, sich ein Bild zu den eingereichten Kandidaturen zu machen, sondern auch für die interessierte Schwingergemeinschaft und die breite Öffentlichkeit.
Die beiden Bewerber haben nebst einer virtuell eingereichten Präsentation die Möglichkeit, den Delegierten und Ehrenmitgliedern in einem kompakten Dossier die Kandidatur zusätzlich vorzustellen. Diese Informationen werden zusammen mit den Abstimmungsunterlagen für die Abstimmung verschickt. Die Resultate der Abstimmung sind am 6. März zu erwarten.

St. Gallen präsentiert sich per Live-Sendung am 25. Januar
Der Vereinsvorstand von ESAF 2025 St. Gallen nahm sich der Herausforderung zur Online-Bewerbung mit Elan und Flexibilität an und hat sich darauf mit kreativen Ideen vorbereitet. Die Verantwortlichen der St. Galler-Kandidatur entschieden sich, im Vorfeld zur Kandidatur die Vorteile des Austragungsortes St. Gallen in einer Live-Sendung zu präsentieren. Am 25. Januar ab 20.00 Uhr wird dieser Stream live auf der Webseite www.esaf2025.sg aufgeschaltet. Während der 30-minütigen Sendung erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer, wie sich der Verein ESAF 2025 St. Gallen auf das Schwingfest vorbereitet hat, wo die Austragungsstätten für die Schwinger, Steinstösser und Hornusser geplant sind, und wie stark sich die ganze Region über eine Austragung in St. Gallen freuen würde. In diversen Interviews und Gesprächen kommen Fachpersonen rund um die Kandidatur zu Wort und präsentieren ihre Einschätzung zum Fest in St. Gallen.

St. Gallen als geeigneter Austragungsort
Die Verantwortlichen der Kandidatur sind überzeugt, dass sie mit der 30-minütigen Online-Präsentation aufzeigen können, wie perfekt die Rahmenbedingungen für das ESAF 2025 in St. Gallen wären. Selbstverständlich werden die Informationen zur Kandidatur und zum Austragungsort im Breitfeld auch über die sozialen Medien gestreut. Es ist erfreulich zu sehen, wie oft die kleinen Beiträge «gelikt» und geteilt werden.

Der Vereinsvorstand ist überzeugt, dass das ESAF 2025 in St. Gallen ein Fest mit perfekten Rahmenbedingungen sein wird:
Ein Fest, an welchem der Sport im Mittelpunkt steht.
Ein Fest, welches sowohl für die Schwinger als auch für die Festbesucher ein Fest der kurzen Wege sein wird.
Ein Fest, für welches ein perfektes Festgelände mit viel vorhandener Infrastruktur, vier SBB-Bahnhöfen in unmittelbarer Nähe und festivalerprobte ÖV-Betriebe zur Verfügung stehen.
Ein Fest, für welches wenig temporäre Bauten für die Infrastruktur rund um das Fest erstellt werden müssen.
Ein Fest mit Übernachtungsmöglichkeiten in sämtlichen Kategorien; von 4-Sterne Hotels über Campingplätze bis zu Massenunterkünften, und dies in unmittelbarer Umgebung.
Ein Fest, welches durch den Einbezug der angrenzend an das Festgelände angesiedelten Grossverteilzentren in Bezug auf das Logistikkonzept einzigartig sein wird.
Ein Fest, welches vor allem im Bereich der Umweltbelastung durch nicht gefahrene Logistikkilometer viele Vorteile haben wird.

Der Verein ESAF 2025 St. Gallen ist bereit und hoch motiviert, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 in St. Gallen zu organisieren und ist überzeugt, dass der Schwingsport dadurch in der ganzen Region viel Schub erhalten wird.

feldwaldwiesenblogger

Benji von Ah’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Mit Samuel Giger habe ich vor zwei Tagen eine Serie gestartet, bei welcher ich die Schwinger aus ihrem Corona-Alltag berichten lasse. Diese dürfen bekanntlich seit dem 29. Oktober letzten Jahres wegen des Kontaktsport-Verbots kein Schwingtraining ausüben. Das ist hart für unsere Sägemehl-Athleten! Wir alle müssen mit Einschränkungen leben, und auf bessere Zeiten hoffen. Diese kommen aber ganz bestimmt wieder. Und: Ich freue mich jetzt schon darauf, unseren Schwingern wieder bei der Arbeit zusehen zu können!

Heute folgt mit dem Innerschweizer Benji von Ah der zweite Bericht. Der Obwaldner wird im kommenden Februar 34-jährig und ist vierfacher Eidgenosse. Benji hat insgesamt 72 Kränze auf seinem Konto: 33 Kantonal-, 21 Berg-, 14 Teilverbands- und vier Eidgenössische Kränze. Hinzu kommen sieben Kranzfestsiege. Der 188 Zentimeter grosse und 118 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Giswil. Der Turnerschwinger ist gelernter Sanitär-Monteur und arbeitet bei der SBB in Luzern als Chefmonteur für Kabelanlagen. Benji wohnt in Giswil.


Der vierfache Eidgenosse Benji von Ah hat 72 Kränze auf seinem Konto
Bild: Rolf Eicher (esafzug.ch)

Wie geht es dir?
«Mir geht es sehr gut.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich absolviere drei- bis viermal pro Woche ein Athletiktraining, bestehend aus Kraft und Kondition. Diese Trainingseinheiten praktiziere ich momentan alleine, aber unter Anleitung. Zusätzlich sitze ich nun öfters auf dem Hometrainer, um den Muskelkater wegzubringen.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Eine Planung ist unter diesen Umständen schwierig. Ich hatte schon viele Verletzungen und musste deswegen auch länger pausieren. Ich fand den Anschluss hinterher immer wieder. Es braucht so oder so eine Anlaufzeit. Man weiss zudem nicht, wie es momentan weitergehen soll. Ich denke, wenn es los geht, muss man gefasst und parat sein.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, das kann ich. Am Anfang des Lockdowns im vergangenen Frühling musste ich mal eine Woche zu Hause bleiben. Seit damals sind wir aber immer dran, und arbeiten meist in Zweierteams. Natürlich eingeschränkt und mit den nötigen Schutzmassnahmen. Ich arbeite in Luzern bei der SBB und bin seit kurzem Chefmonteur für Kabelanlagen.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Ich empfinde es als sehr langweilig. Vorher war ich wegen Trainings und Schwingfesten viel unterwegs, und auch ab und zu im Ausgang. Jetzt ist nicht mehr viel los. Ich vermisse einfach das gesellschaftliche Leben. Man hat nun gelernt, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Ich lasse mich deswegen aber nicht verrückt machen.»


Benji von Ah konnte sich 2019 als Rigi-Sieger feiern lassen
Bild: appenzell24.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
Benji grinst. «Ich lese zwischendurch ein Buch und habe begonnen, Serien im TV zu schauen. Das hatte ich vorher noch nie gemacht. Man soll ja zuhause bleiben, dann beschäftigt man sich halt so.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Ein bisschen Vorlauf muss man schon haben, um sich gezielt vorbereiten zu können. Ein erstes Schwingfest könnte man unter diesen Umständen auf Ende April planen.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Einige sind zum Teil sind nicht so motiviert. Gewisse Kameraden haben wegen fehlender Motivation nicht mehr viel gemacht. Ein paar von diesen trainieren gewöhnlich zweimal pro Woche im Sägemehl und trainieren einmal Kondition. Wegen dem fehlenden Sägemehl-Training machen sie halt nicht mehr viel. Sollte wieder eine Saison ausfallen, besteht die Befürchtung, dass einige den Schwingsport an den Nagel hängen könnten. Angst haben wir vor allem um die Jungschwinger, welche auf dem Sprung zu den Aktiven sind. Wir hoffen, dass wir sie nicht verlieren.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Es ist alles ruhiger geworden. Man ist auch bescheidener geworden, und schätzt gewisse Dinge wieder mehr. Das Virus schränkt schon ziemlich ein. Man lernt alltägliche Sachen zu schätzen, die erst nach der Pandemie wieder möglich sind.
Positiv ist, dass sich meine Knie wegen der ausgefallenen Saison sehr gut erholen konnten. Dank der Schonung könnte so in den nächsten Jahren noch etwas drin liegen.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Ich handhabe es wie Christian Stucki, und warte ab. Ich hätte meine Mühe damit, wenn TK-Chef Stefan Strebel und der Verband eine Impflicht durchsetzen möchten. Ich würde das gar nicht befürworten. Aber: Ich verstehe die Befürworter und Gegner der Corona-Impfung, und deren Argumente. Meiner Meinung nach soll diese Entscheidung jedem selber überlassen sein.»

feldwaldwiesenblogger

Samuel Giger’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Corona-Pandemie hat alles fest im Griff, auch die Schwinger. Statt sich mit festem Griff im Sägemehl Mann gegen Mann gegenüber stehen zu dürfen, können die Kurzholz-Athleten momentan nur Kraft und Kondition trainieren. Vermutlich gegen Ende März dürfen die Schwinger wieder in die Schwingkeller, um sich für die diesjährige Saison vorzubereiten. Stefan Strebel, der TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes, gab diese Einschätzung gestern in der St. Galler Zeitung ab. Er sagt dazu: «Ich hoffe, dass dies nach Ostern wieder möglich sein wird.»

Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen lasse ich die Hauptakteure, die Schwinger, zu Wort kommen und aus ihrem Corona-Alltag berichten. Der Start erfolgt heute mit dem Nordostschweizer Samuel Giger. Der Thurgauer wird im kommenden März 23-jährig und ist bereits zweifacher Eidgenosse. Samuel hat insgesamt 37 Kränze auf seinem Konto, nebst den zwei Eidgenössischen Kränzen zieren sein Palmarès 17 Kantonal-, zehn Berg- und acht Teilverbandskränze. Dazu kommen 15 Kranzfestsiege. Der 194 Zentimeter grosse und 120 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Ottenberg. Der Sennenschwinger ist gelernter Zimmermann, arbeitet derzeit als LKW-Chauffeur und wohnt in Ottoberg.


Samuel Giger absolviert momentan wöchentlich sieben bis acht Trainingseinheiten
Bild: Reto Martin (Tagblatt)

Wie geht es dir?
«Mir geht es soweit sehr gut. Ich bin körperlich fit und versuche mich auch fit zu halten.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich trainiere täglich und komme so wöchentlich auf sieben bis acht Einheiten. Auf dem Programm stehen Kondition, Koordination, Kraft und Schnellkraft. Diese Trainings absolviere ich alleine.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Das ist eine gute Frage, ich weiss es selber nicht genau. Ich gehe davon aus, dass die Kranzfest-Saison im Mai starten kann und bereite mich dementsprechend vor. Das ist meine Motivation. Schwingfest-Daten kann man momentan nicht festlegen. Niemand weiss, ob, wie und wann diese Anlässe stattfinden können.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, das kann ich zum guten Glück. Ich arbeite in der der Baubranche als LKW-Fahrer. Wir verzeichneten bisher nie einen Unterbruch und konnten durcharbeiten. Natürlich mit den bekannten Schutzmassnahmen und Maskenpflicht. Ich arbeite in einem 80 Prozent Pensum.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Ich erlebe es wie die meisten, und dass man es nämlich langsam gesehen hat. Nichtsdestotrotz versuche ich sportlich wie privat das Beste aus dieser Situation zu machen, und versuche auch die positiven Aspekte daraus zu ziehen.»


Samuel Giger konnte sich 2018 auf der Schwägalp als Sieger feiern lassen
Bild: appenzell24.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Aufgrund der fehlenden Schwingfeste 2020 nutzte ich die zusätzliche Freizeit und verbrachte diese mit meiner Freundin und meiner Familie. Wir gingen wandern und machten Tagesausflüge. Das fehlende Schwingtraining kompensiere ich momentan mit anderen Trainings und habe so dadurch nicht mehr Freizeit.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Ich denke, sobald wir wieder schwingen dürfen, baue ich mir eine Vorlaufzeit von vier bis fünf Wochen vor dem ersten Schwingfest ein. Aber: Wenn der Trainingsstart im Sägemehl Ende März erfolgen sollte, würde ich ein Frühlingsfest Mitte April bestreiten. Natürlich wäre es schön, wenn die Vorlaufzeit länger wäre. Das wird dieses Jahr aber schwierig.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Die Stimmung ist hauptsächlich positiv. Es gibt schon ein paar, die man fürs Training zusätzlich motivieren muss. Im Grossen und Ganzen haben meine Trainingskameraden aber die gleiche Einstellung wie ich.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Das wird im Nachhinein sicher die zusätzliche Zeit mit meiner Freundin und meiner Familie sein. Ein sehr schöner und positiver Aspekt. Weitere Punkte gibt es eigentlich gar nicht. Das Schwingen ist sportlich gesehen so ein grosser Teil von meinem Leben, was nun nicht stattfinden kann. Ein Vorteil dieser Pandemie ist sicher, dass der Körper nun ein Jahr lang schonen konnte. Ich hoffe, dass sich das für die Zukunft positiv auswirkt.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Ich kann nur für mich sprechen. Wenn es irgendwie geht, lasse ich mich nicht impfen. Ich bin gesund und denke, dass ich, Stand heute, diese Impfung nicht brauche. Ob man dann wegen der fehlenden Impfung nicht schwingen darf, weiss ich derzeit nicht. Aber momentan ist eine Corona-Impfung für mich keine Option.»

feldwaldwiesenblogger

Eine Zukunftsskizze des Schwingsports

Quelle: «Schwere Kerle rollen besser» – Autor: Linus Schöpfer (2019)
Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Zukunftsskizze des Schwingsports? Nein, heute geht es ausnahmsweise nicht um die nahe Zukunft in der Corona-Pandemie, um die Frage, wann die Schwinger den Trainingsbetrieb im Sägemehl wieder aufnehmen dürfen. Dies dürfte laut jüngsten Berichten und Aussagen vermutlich im März wieder der Fall sein.
Nein, ich möchte vielmehr eine allgemeine Zukunftsskizze von Linus Schöpfer heranziehen. Um sich selber seine eigenen Gedanken machen zu können.

Der nachfolgende Text stammt aus Linus Schöpfer’s Buch «Schwere Kerle rollen besser». Schöpfer widmet sich im letzten Kapitel um das «Wie weiter?». Er macht sich dabei vor allem Gedanken um das ESAF, das mit Abstand grösste aller Schwingfeste. Etliche Kritiker sehen im «Eidgenössischen» eine Kommerzialisierung des Schwingsports und ein Zurückdrängen des Brauchtums. Doch Schöpfer sieht noch lange nicht das Ende des Schwingens. Denn dieses hat sich in der Vergangenheit ständig neu erfunden.

Linus Schöpfer ist Historiker und Kulturjournalist. Er erzählt im besagten Buch vom Schwingen als Bühne menschlicher Dramen und als Spiegel der Schweizer Geschichte – Schwingen: der Lieblingskult der Eigenossen.
Ich kann dieses Buch jedem Schwingerfreund wärmstens empfehlen.


Das Buch «Schwere Kerle rollen besser» – «Warum die Schweiz das Schwingen erfand» erzählt eine interessante Kulturgeschichte über unseren Nationalsport
Bild: «Schwere Kerle rollen besser»

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Die Sehnsucht nach einem urtümlicheren Schwingen ohne Zwang und Kalkül
Ein Wanderer schreibt, nachdem er ein lokales Schwingfest in den Bergen besucht hat: «Ich habe dieses Fest immer weit interessanter gefunden, als die angeordneten Feste bey Unspunnen, wo das Ungezwungene fehlt.» Jeder schwinge, wann er will, und so erscheine der Mensch in «seiner ächten glücklichen Freyheit». Wer schreibt diese nostalgischen Zeilen? Es ist kein anderer als Franz Niklaus König, der sie 1814 in seinem Buch «Reise in die Alpen» notiert. Die Sehnsucht nach einem urtümlicheren Schwingen ohne Zwang und Kalkül erfasste also bereits ihn, den Erfinder des Unspunnenfests.

Das Schwingen, die Bratwurst und am Abend eine gute Party
Die Sehnsucht ist nicht kleiner geworden seither. Als der Berner Schwingerkönig Matthias Glarner 2017 bei einem Foto-Shooting vom Dach einer Seilbahngondel stürzt, ist für das Onlineportal «watson.ch» der Fall klar: «Ein König als Opfer des Geldes». Überall ist die Klage zu hören, das Eidgenössische als Hauptfest des Schwingens sei zu einem blossen Event verkommen, der Kommerz habe das Brauchtum verdrängt.
Man kann den Erfolg des Schwingens, des «Eidgenössischen» und die hervorragenden TV-Quoten auch anders sehen. Hunderttausende haben sich mittlerweile daran gewöhnt, die Kämpfe im Fernsehen zu schauen, vor Bildschirmen. Eine Umfrage der Hochschule Luzern zeigt, dass drei Viertel der Besucher des «Eidgenössischen» in Burgdorf 2013 die Live-Übertragungen auf den großen Screens des Festgeländes als «gerade richtig» schätzten. Und auch das viel kritisierte, ins Gigantische gewachsene Drumherum der Ess-, Trink- und T-Shirt-Stände und der Festzelte – es stört die meisten gar nicht. Im Gegenteil: 57 Prozent empfanden in Burgdorf die Anzahl der Verkaufsstände «gerade richtig», 56 Prozent empfanden die Größe des Festbetriebs «gerade richtig» oder sogar zu klein. Die Studie hält fest, dass die Besucher hauptsächlich wegen des Schwingens und des Festbetriebs kämen. Nur vier Prozent der Besucher schauten sich das traditionelle Hornussen an. Vielleicht bekommen die Schweizerinnen und Schweizer erst jetzt, was sie wirklich wollen von den Schwingfesten: das Schwingen, die Bratwurst und am Abend eine gute Party.


Das ESAF 2019 in Zug war ein Fest der Superlative: Eine Arena mit 56’500 Plätzen und rund 420’000 Besucherinnen und Besucher während den drei Festtagen
Bild: esafzug.ch

Wohin treibt die Kommerzialisierung das Schwingen?
Natürlich fragt man sich, wohin die Kommerzialisierung das Schwingen treibt. Zwischen 2000 und 2010 verwandelten sich die besten Schwinger zu Pseudo-Amateuren mit kleinen Arbeitspensen. Vorbei ist die Zeit, in der sich ein Schwingerkönig mit dem Rollen von Käsen oder dem Hieven von Heuballen die nötigen Muskeln angeeignet hat. Die Einkommen stiegen in Manager-Gefilde, die Trainingsbedingungen und Ernährungspläne wurden raffinierter. Ab und zu wurde einer beim Dopen erwischt.

Hat sich der Kommerz auch hörbar durchgesetzt?
Wenn die beiden Teilnehmer des Schlussgangs in den 2010er-Jahren einliefen, ertönte kein Alphorn oder Örgeli, sondern «Conquest of Paradise». Ein bombastischer, pseudo-sakraler Popsong, komponiert von Vangelis, einem griechischen Synthesizer-Künstler, der berühmt geworden ist für seinen Soundtrack zu Ridley Scotts Science-Fiction-Film «Blade Runner». Den Traditionalisten in den Zuschauerrängen musste das vorkommen, als habe sich der Kommerz damit auch hörbar durchgesetzt auf den Schwingplätzen, als habe er sich das «Paradies» Schwingen definitiv erobert.


Die vier letzten Schwingerkönige, allesamt Berner, blieben trotz der Kommerzialisierung auf dem Boden und sind der Tradition verbunden
Bild: Matthias Sempach (Instagram)

Vergleich mit anderen Kampfsportarten
Andere Kampfsportarten lassen vermuten, welche Entwicklung das Schwingen nehmen könnte. Im Boxen kam es nach der großen Zeit um Ali, Foreman und Frazier zu einem Durcheinander der Titel und Verbände und zu absurden Hypes um dubiose Kämpfe. Promoter und Funktionäre machten noch ein paar Jahre ordentlich Geld, doch der Glanz der Ali-Ära verflüchtigte sich. Heute ist das Boxen wieder eine Randsportart von zweifelhaftem Ruf.

Noch lange nicht das Ende des Schwingens
Das Schwingen ist nicht gefeit vor solchen Entwicklungen. Die Eigenart, dass auch Verbandskollegen gegeneinander antreten müssen, und die undurchsichtige Arbeit der Einteilungsrichter machen es sogar besonders anfällig für Absprachen und Mauscheleien. Je größer die Summen im Spiel, desto größer die Verlockung. Was, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein mittelmäßiger Schwinger und ein Top-Athlet einen Schaukampf aufführten, damit der Spitzenmann einen besonders spektakulären Schwung zeigen konnte? Gut möglich, dass die Menschen dennoch kämen und sich das Schwingen der irreführenden englischen Übersetzung vom «Swiss Wrestling» allmählich anpassen würde. Vielleicht verlöre das Eidgenössische durch solche Skandale aber tatsächlich an Reiz, würde anrüchig. Vielleicht kämen dann plötzlich nur noch ein paar Tausend an die Feste.
Doch damit wäre noch lange nicht das Ende des Schwingens gekommen. Dann schlüge die Stunde des nächsten Königs, Schärers, Zschokkes. Dann könnte das Schwingen neu erfunden werden, einmal mehr.

feldwaldwiesenblogger

Schwingen in der Stadt: Der Schwingklub Zürich

Quelle: «Hosenlupf – Eine freche Kulturgeschichte des Schwingens» (Herausgeber: Stephan Pörtner / Mitarbeit: Samuel Schnydrig; 2010)
Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Heute, am 2. Januar, stünde eigentlich der traditionelle Berchtold-Schwinget auf dem Programm. Diesen musste der Organisator, der Schwingklub Zürich, aber schweren Herzens absagen. Wegen der Corona-Pandemie dürfen derzeit weder Schwingtrainings noch Anlässe in dieser Grössenordnung stattfinden.

Wegen dem leider nicht stattfindenden Berchtold-Schwinget widme ich meinen heutigen Beitrag darum dem Schwingklub Zürich. Nachfolgender Text fand ich in einem interessanten Buch: «Hosenlupf – Eine freche Kulturgeschichte des Schwingens». Darin findet der Schwingklub Zürich auf zwei Seiten Erwähnung, welche den Berchtold-Schwinget bisher 123 Mal organisiert haben. Der letztjährige Sieger war kein Geringerer als der Thurgauer Ausnahmekönner Samuel Giger.


Der Schwingklub Zürich findet in dieser interessanten Schwingerlektüre auch Erwähnung
Bild: Buch «Hosenlupf – Eine freche Kulturgeschichte des Schwingens»

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Der Schwingklub Zürich: Etwas versteckt, aber mitten in der Stadt
Etwas versteckt, aber mitten in der Stadt, in der Nähe des Rigiplatzes, befindet sich der Schwingklub Zürich. Ein geschnitztes Holzschild im modernen Gebäude weist den Weg die Treppe hinunter in einen der schönsten Schwingkeller der Schweiz. Die versteckte Lage des Schmuckstücks ist sinnbildlich für das Schwingen in Zürich. Es wird von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Natürlich sind die Grossanlässe wie das Eidgenössische auch in der Stadt ein Thema. Das traditionelle Berchtoldschwinget am 2. Januar, das in der Saalsporthalle in Zürich stattfindet, hat ebenfalls seinen festen Platz im Schwingkalender. Aber sonst wissen die wenigsten Zürcher:
… dass es in der Stadt überhaupt einen Schwingklub gibt.
… dass dieser einer der ältesten Schwingklubs des Landes ist.
… dass der Klub mit 1’250 Passiv- und dreissig Aktivmitgliedern (wovon etwa zwölf an Schwingfeste gehen) plus acht Jungschwingern einer der grössten des Landes ist.
… dass der Klub das traditionelle und prestigeträchtige Kilchberger Schwinget organisiert

Die stärkste Zeit in den 1950er und 1960er Jahren
Der Schwingklub Zürich hatte seine stärkste Zeit in den 1950er und 1960er Jahren, wie Peter Hoff erklärt, der elf Jahre Präsident war. «Zu jener Zeit war der Zürcher Verband mit Abstand der Stärkste. Heute macht er am Nordostschweizer Verbandschwingen zwei, drei Kränze, in den besten Jahren kam der Schwingklub Zürich mit neun Kränzen heim.» Von den Aktiven wohnt die Mehrheit auch nicht mehr in der Stadt, sondern am Stadtrand oder in der Nähe.


Der Schwingklub Zürich ist einer der grössten Schwingklubs des Landes Bild:sk-zuerich.ch

1923 konnte der Schwingklub einen Schwingerkönig feiern
Der Verein stellte einmal, 1923 in Vevey, mit Karl Thommen den Schwingerkönig. Guido Zurkirchen war ein gefürchteter Böser, der bis in die 1970er Jahre aktiv war und unzählige Schlussgänge gegen Meli Karl bestritt. Er war zwar nicht besonders schwer, dafür aber technisch versiert und sogar einmal Schweizer Meister im Judo. 2010 ging vom Stadtklub niemand ans Eidgenössische. Dafür holte der Bergdietiker Jodok Huber vom Schwingklub Glatt- und Limmattal, der öfters im Zürcher Schwingkeller anzutreffen ist, in Frauenfeld den Kranz und klassierte sich im neunten Rang. «Wir haben eine sehr junge Mannschaft», erklärt Hoff. «Wir hatten ein enormes Tief in den 1980er und 90er Jahren, jetzt bessert es wieder. Wir hoffen, dass am nächsten Eidgenössischen wieder einer oder zwei von uns dabei sind.»

Hoffnung, dass sich der Boom auf die Mitgliederzahlen auswirkt
Als Exoten sehen sich die Zürcher Schwinger nicht. Zumindest nicht in der Schwingerwelt, eher vielleicht in Zürich selber. «Sogar die Nachbarn wissen zum Teil nicht, dass hier ein Schwingkeller ist.» Vom Schwingboom merkt der Schwingklub vor allem wegen des gestiegenen Medieninteresses etwas, auf die Aktivenzahlen wirkt er sich aber noch nicht aus. Sogar ein Spielfilm wurde im Schwingkeller gedreht. Jetzt hofft man, dass sich der Boom irgendwann auch in den Mitgliederzahlen, vor allem den Aktiven, niederschlägt. Aber die Schwinger begnügen sich natürlich nicht mit Hoffen und Warten, sie packen an.


Der Berchtold-Schwinget fand bisher 123 Mal statt, musste dieses Jahr aber leider abgesagt werden
Bild: feldwaldwiesenblogger

«Der Aufwand ist enorm, der Ertrag gering»
Der Schwingklub Zürich führt rund fünfundzwanzig Werbeanlässe pro Jahr durch. Probeschwingen, Auftritte an Quartierfesten, ein Stand am Zürifest, an Open Airs. «Trotzdem ist es sehr schwierig, Junge zu gewinnen. In der Stadt ist das Angebot einfach riesig. Nach dem Eidgenössischen fangen jeweils wieder ein paar an. Aber nicht viele bleiben. Von zehn Anlässen bleibt vielleicht ein Schwinger hängen, und da muss man schon zufrieden sein. Der Aufwand ist enorm, der Ertrag gering», sagt Daniel Reichlin, der die Jungen einst trainierte. «In der Stadt sind die asiatischen Sportarten populärer als das Schwingen.» Das Schwingervolk lebt heute mehr auf dem Land, auch in den lokalen Medien wird viel übers Schwingen berichtet. «Hier bringen die Zeitungen nichts, aber wenn das Kilchberger Schwinget ist, wollen sie dann fünf Billette», winkt Peter Hoff ab.

Zähe Zürcher Schwinger
Aber nicht nur für den Schwingklub Zürich ist der Boom nicht einfach ein Segen. Peter Hoff: «Heute schauen alle auf die grossen Feste, und die kleineren haben zusehends Mühe, gute Schwinger zu gewinnen. Auch das Publikum wird weniger. Das ist eigentlich schade, früher gingen auch Spitzenschwinger an kleinere Feste, das gibt es heute fast nicht mehr.» Schwinger aber, das weiss man, sind zäh, und die Zürcher sind vielleicht noch ein wenig zäher. Der Schwingklub Zürich wird sicher noch lange bestehen, nur schon wegen dem Veteranentisch in der gemütlichen Schwingstube, wo jeweils lebhaft diskutiert wird.

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