Joel Strebel’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Wie man unschwer erkennen kann, streife ich bei den Berichten aus dem Corona-Alltag durch alle fünf Teilverbände. Mittlerweile bin ich in der zweiten Runde, heute ist mit Joel Strebel ein Schwinger aus der Nordwestschweiz an der Reihe. Der Aargauer Eidgenosse lieferte 2019 mit sieben gewonnenen Kränzen eine Spitzensaison ab. Das begehrte Eichenlaub erkämpfte sich Joel am Aargauer Kantonalen, am Baselstädtischen Schwingertag, am Solothurner Kantonalen, auf der Rigi sowie auf dem Weissenstein, am Nordwestschweizer Schwingfest und als Krönung am ESAF in Zug. Das Tüpfelchen auf dem «i» war der erste Kranzfestsieg am Solothurner Kantonalen. Ich wurde damals schon auf Joel aufmerksam, galt er doch als einer der Aufsteiger der Saison. Sein bisher letztes Schwingfest war 2019 der Niklaus Schwinget in Dietikon. Letzte Saison konnte er wegen der Corona-Pandemie keinen Ernstkampf bestreiten.

Joel Strebel wird am 25. März 24-jährig und hat insgesamt 15 Kränze auf seinem Konto. Nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren sein Palmarès 9 Kantonal/Gau-, 2 Berg- und 3 Teilverbandskränze. Hinzu kommen der bereits erwähnte Kranzfestsieg und 2 Siege an Rangschwingfesten. Der 192 Zentimeter grosse und 118 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Freiamt. Der Sennenschwinger ist gelernter Landmaschinenmechaniker, arbeitet als Gartenbauer im familieneigenen Betrieb und wohnt in Aristau.


Joel Strebel gewann 2019 am ESAF in Zug den Eidgenössischen Kranz
Bild: August Köpfli

Wie geht es dir?
«Mir geht es gut, ich bin fit. Mir ginge es gleich noch besser, wenn dem so wäre, was ich heute im Radio mitgekriegt habe. Nämlich, dass wir vermutlich im April wieder im Sägemehl trainieren dürfen.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich absolviere zuhause zwei- bis dreimal pro Woche eine Krafttrainingseinheit. Dieses Training führe ich nach einem Plan von Tommy Herzog aus, bei welchem ich gewöhnlich meine Athletik trainiere.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Gar nicht. Solange wir nicht wissen, wie es weitergeht, kann man nichts planen. Man hat auch keine Ahnung, ob und wie zum Beispiel die Kantonalen Schwingfeste stattfinden werden. Erst müssen wir ins Sägemehl zurückkehren können. Das ist, wie eingangs erwähnt, immer noch ungewiss.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, das konnte ich immer und ohne Einschränkung. Ich arbeite als Gartenbauer in unserem Familienbetrieb, dies in einem 90 Prozent Pensum.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Es ist eine schwierige Zeit. Auch auf dem Bau haben wir es nicht einfach. Bei der Znünipause beispielsweise standen wir bei minus acht Grad draussen in der Kälte und konnten uns nicht in einem Restaurant verpflegen.
Ein Vorteil war, dass ich bei meinem Job im letzten Sommer immer etwas zu tun hatte. Da keine Wettkämpfe und Schwingtrainings stattfanden, konnte ich ohne Stress länger arbeiten. Die schwingfestfreie Zeit tat dem Körper gut, und er war für einmal nicht den grossen Belastungen ausgesetzt. Trotzdem: Es ist an der Zeit, dass es endlich wieder losgeht.»


Joel Strebel als glücklicher Sieger vom Guggibadschwinget 2018
Bild: joelstrebel.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Ich kann mit meiner Freundin mehr Zeit verbringen. Leider kann man nicht in den Ausgang und auch andere Freizeitaktivitäten sind nicht möglich. Darum bleibe ich viel zu Hause und kann so andere Dinge erledigen.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Ich setze mir eine Vorlaufzeit von vier bis sechs Wochen. Dann schaue ich, wie ich mich fühle und plane an den Schwingfesten zu starten, die grad anstehen.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Nicht so gut. Die Kontakte untereinander sind rar geworden. Ich habe zwischendurch Kontakt mit meinen gleichaltrigen Trainingskameraden wie den Döbeli-Brüdern. Von den ganz jungen Schwingern habe ich schon länger nichts mehr gehört. Innerhalb unseres Teilverbandes ist der Kontakt auch auf Sparflamme, die gemeinsamen Trainings sind bis auf weiteres abgesagt.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Wie bereits erwähnt, ist es die zusätzliche Zeit für meine Freundin und anderen Beschäftigungen. Es fühlt sich an, wie wenn die Karriere vorbei wäre. Man hatte plötzlich Zeit für andere Dinge und es wurde mir bewusst, dass es nicht nur das Schwingen gibt.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Momentan sicher nicht. Für mich ging das ganze Prozedere der Impfstoffherstellung etwas gar schnell. Es kommt nun darauf an, ob wir nur geimpft an einem Schwingfest antreten können. Dann würde ich mich schon impfen lassen. Aber: Ich bin jung und gesund, darum ist eine Corona-Impfung für mich keine Option.»

feldwaldwiesenblogger

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