Michelle Brunner’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Michelle Brunner wurde am 29. September 2019 in Menznau LU zur Schwingerkönigin gekrönt. Ihren Titel konnte sie letztes Jahr wegen der Corona-Pandemie leider nicht verteidigen, und so steigt sie als amtierende Königin in diese ungewisse Saison. Ob diese wie geplant am 1. Mai in Posieux FR beginnen kann, steht noch in den Sternen. Auf dem Programm stehen momentan neun Kranzschwingfeste. Das letzte davon ist das Eidgenössische Frauenschwingfest am 21. August in Uezwil AG.

Zum Schwingsport kam Michelle durch Franziska Schatt, eine frühere Schwingerkönigin. Die Hochschwung-Spezialistin entstammt zudem einer Schwingerfamilie, denn ihr Vater Ruedi und ihr Onkel Sepp haben früher auch geschwungen.

Michelle lieferte sich 2019 bis zum allerletzten Gang ein spannendes Duell mit Diana Fankhauser, der Schwingerkönigin von 2018. Den begehrten Titel holte sie sich mit einem Viertel-Punkt Vorsprung. Die Frauen erküren ihre Königin jeweils mittels der Jahreswertung, in welche die Resultate aller Kranzfeste einfliessen.
Den Schwingerinnen ergeht es gleich wie den Schwingern. So darf die Ostschweizerin noch nicht im Sägemehl trainieren und berichtet heute aus ihrem Corona-Alltag.

Michelle Brunner wird am 23. April 23-jährig. Sie hat insgesamt 15 Kränze und 30 Zweige auf ihrem Konto. Dazu kommen drei Kranzfestsiege und der in Menznau gewonnene Königstitel. Die 155 Zentimeter grosse und etwa 85 Kilogramm schwere Athletin ist Mitglied beim Frauenschwingclub Linth. Die Sennenschwingerin ist gelernte Zimmerin (Zimmermann), arbeitet derzeit auf diesem Beruf und wohnt in Benken.


Michelle Brunner strahlte am 29. September 2019 als frischgebackene Schwingerkönigin in Menznau LU um die Wette
Bild: Michelle Brunner

Wie geht es dir?
«Den Umständen entsprechend geht es mir gut. Ich bin gesund und fit.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Diese Woche durfte ich wieder in den Schwingkeller, um unsere Jungschwingerinnen zu betreuen. Diese dürfen nun wieder im Sägemehl trainieren. Ansonsten gehe ich momentan keinem spezifischen Training nach, da unser Schwingkeller bis anfangs Woche zu war. Die Arbeit als Zimmerin ist quasi mein Kraft- und Konditionstraining.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Ich hake diese Saison eh schon ab. Ich denke, dass es kaum Schwingfeste geben wird. Ansonsten lasse ich es auf mich zukommen und nehme es wie es kommt.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Im April letztes Jahr hatten wir mal Kurzarbeit. Seit damals ist wieder Normalbetrieb und wir haben mehr als genug Arbeit.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Für mich ist der Alltag gleich wie immer. Bis auf die Maske, welche man nun tragen muss. So langsam aber sicher kann man das Ganze nicht mehr richtig ernst nehmen.»


Michelle Brunner wartete gespannt auf dem Ricken, wo am 3. August 2019 das erste Frauen- und Meitlischwingfest über die Bühne ging
Bild: Michelle Brunner (Facebook)

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Ich bin nun einiges mehr als sonst bei meinen Eltern auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb und helfe mit. Letzten Sommer habe ich viel Zeit mit ihnen auf der Alp Wielesch (Gemeinde Rieden) verbracht und mitgearbeitet.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Ich setze mir zwei Monate Vorlaufzeit. Denn die braucht man sicher und das ist das mindeste. Wenn ich im besten Fall anfangs April wieder im Sägemehl trainieren dürfte, würde ich vermutlich im Juli mein erstes Schwingfest bestreiten.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameradinnen?
«Wir haben es im Frauenschwingklub Linth auch in dieser Zeit gut miteinander. Üblicherweise hätten wir am Freitagabend Training. Da dies nun wegfällt, stellt jeweils eine Kollegin ein Foto in unseren Whatsapp-Chat und demonstriert dabei eine Übung. Das machen wir, um einander zu motivieren und den gemeinsamen Kontakt aufrecht zu halten.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Man hat gelernt, die kleinen Sachen zu schätzen, welche vorher wie selbstverständlich waren. Viel mehr Positives kann ich dieser Pandemie nicht abgewinnen.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwingerinnen eine Option?
«Schlussendlich muss das jeder selber wissen. Für mich ist es aber keine Option. Ich denke zudem nicht, dass eine Impfung Pflicht wird, um an unseren Schwingfesten antreten zu können. Es ist kein Thema bei uns, da wir sowieso nicht so viele Schwingerinnen sind.»

feldwaldwiesenblogger

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