«Ds Füür brännt im Glarnerland» – Gespräch mit Jakob Kamm, dem OK-Präsident vom ESAF 2025

Text: feldwaldwiesenblogger

«Ds Füür brännt im Glarnerland», erst recht seit dem 6. März, als der Zuschlag fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) für die Glarner erfolgte. Die 93 Prozent Ja-Stimmen der ESV-Delegierten gleichen einer Sensation. Einmal mehr setzte sich «David gegen Goliath» durch, wie Appenzell anno 2017 bei der Vergabe für das ESV-Jubiläumsschwingfest zum 125. Geburtstag. Die «Kleinen» scheinen bei den Abgeordneten einen mächtigen Stein im Brett zu haben. Man gönnt es dem sympathischen und kleinen Bergkanton Glarus von Herzen, welcher doch ansonsten ziemlich unter dem Radar der Wahrnehmung läuft.

Während der entscheidenden Kandidatur-Phase hielten sich die Glarner Organisatoren mit der Öffentlichkeitsarbeit zurück und konzentrierten sich mit einem kleinen Personenkreis voll und ganz auf die entsprechenden Dossiers. Die Strategie war goldrichtig und die Delegierten sind überzeugt, dass die Schwingerfreunde im Glarnerland inmitten der herrlichen Bergwelt ein stimmungsvolles und bestens organisiertes ESAF vorfinden werden.

Der Schreibende aus dem Nachbarkanton freut sich ebenfalls mit den Glarnern. Im Gespräch mit Jakob Kamm, dem Organisationkomitee-Präsident, möchte ich in Erfahrung bringen wie die Gefühlslage im Glarnerland ist, wann die eigentlichen Arbeiten beginnen und was für Dimensionen das ESAF einnehmen soll. Weiter wie die gut 300’000 erwartenden Besucher auf den Festplatz im Glarnerland gelangen sollen, und wo diese übernachten können.


«Ds Füür brännt im Glarnerland»
Bild: gl.ch

Jakob, beschreibe doch bitte die momentane Gefühlslage im Glarnerland!
«Wir haben uns sehr gefreut! Für diejenigen, welche intensiv in die Kandidatur involviert waren, ist es eine Genugtuung. Es ist aber auch eine Demut spürbar, für das was jetzt kommt. Denn es geht nun um die Umsetzung. Die Menschen im Glarnerland und in den umliegenden Regionen haben einfach eine wahnsinnige Freude. Es gilt zu erwähnen, dass wir das ohne überregionale Unterstützung nicht hingekriegt hätten.»

Wie erklärst du dir das sensationelle JA für eure Kandidatur?
«Das ist eine schwierige Frage, denn wir waren völlig perplex. Erklären kann man das nicht, keiner von uns hat nur im Traum daran gedacht. Erklären müssten das eigentlich die stimmberechtigten Delegierten. Wir haben bei unserer Kandidatur wahrscheinlich vieles richtig gemacht. Wir waren überzeugt, dass ‘weniger kann mehr sein’, verbunden mit den Schwingerwerten und grosser Demut gegenüber diesem Projekt, der richtige Weg zum Erfolg ist. Aber: Unsere Gedanken waren auch beim OK von St. Gallen, und wie es ihnen mit diesem Ergebnis geht.»

Wann starten die eigentlichen Arbeiten fürs ESAF?
«Die haben am Montag, 8. März um sieben Uhr gestartet. Im Moment gibt es drei Hauptaufgaben zu bewältigen. Der Trägerverein, wo alle Schwinger zusammengefasst sind, wird am 27. März gegründet. Weiter sind wir daran, den OK-Verein zu gründen. Und: Operativ geht es darum, die Strukturen zu verfeinern. Eine kleine Gruppe definiert nun, wie es weitergeht. Es werden Aufgaben verteilt und die einzelnen Ämter vergeben. Mit der operativen Führung mitsamt einem Geschäftsführer legen wir vermutlich Ende 2021 / Anfang 2022 los. Die Statuten sind vorhanden und wir können nun beginnen. Es liegt viel Arbeit vor uns.»

Wie viele Zuschauer soll die Arena dereinst fassen? Mit wie vielen Personen rechnet ihr für die drei ESAF-Tage?
«Wir gehen heute davon aus, dass die Arena 56’500 Zuschauer fassen soll. Für uns war klar, dass sie nicht grösser sein soll als in Zug. Die Grösse der Arena hängt vom Spannungsfeld Budget und einer optimalen Verkehrsbewältigung ab. Was wiederum mit dem Sponsoring zusammenhängt.
Wir erwarten um 300’000 ESAF-Besucher. Grundsätzlich liegt unser Festplatz mitten in der wunderschönen Glarner Bergwelt. Aufgrund dieser ‘Naturgrenzen’ gehen wir heute davon aus, dass neben der Arena (also am Fest selber) eher weniger Besucher begrüsst werden können als dies in Zug der Fall war.»

Was dabei sehr interessiert: Wie sollen die gut 300’000 Besucher auf den Festplatz in Mollis gelangen?
«Es gibt ein 70-seitiges Verkehrsdossier, welches wir nach dem Landsgemeinde-Beschluss 2017 erarbeitet haben. Dieses gibt Auskunft über Camping, Wohnmobile, SBB, Shuttle-Betrieb, Busse, Motorräder, Velos und Fussgänger. Der ESV stellte uns bei der Bewerbung die Frage, ob jeder der ein Ticket hat, am Samstagmorgen um 07.30 Uhr rechtzeitig auf seinem Platz sitzen kann. Dies haben wir im erwähnten Dossier mit Ja beantwortet. Das Dossier ist auch kritisch, und es ist eine gute Ausgangslage für die Organisation der Verkehrssituation, damit wir 2025 eine Toplösung – angepasst auf unsere Verhältnisse – bieten können. Dabei sind wir auf die Hilfe der umliegenden Regionen angewiesen. Wir sind derzeit am Erarbeiten von verschiedenen Planmodellen, auch mit unterschiedlichen Zuschauerzahlen.
Zudem: Wir haben beispielsweise festgestellt, dass es ein grosses Bedürfnis der Zuschauer ist, dass sie mit Bussen direkt ans ESAF-Gelände fahren können. Wir haben uns weiter überlegt, ob es möglich ist, dass am Donnerstag bereits möglichst viele Wohnmobile vor Ort sein könnten. Damit diese den Verkehr am Wochenende nicht belasten. Diese werden zusammen mit dem Zeltplatz vis-à-vis der Arena ihren Platz finden. Wir haben Modelle entwickelt, wo das alles funktionieren kann.
Dabei ist mir wichtig, dass wir das Rad nicht neu erfinden. Wir unterhalten beste Beziehungen mit den Leuten vom ESAF in Burgdorf, welches von der Lage absolut vergleichbar ist mit Mollis. Wir verstehen uns auch gut mit den Verantwortlichen von Estavayer, welches hinsichtlich Verkehrskonzept sehr ähnlich ist wie unseres. Auch mit den Zugern haben wir einen sehr guten Kontakt. Es laufen persönliche Gespräche mit den angesprochenen OK’s, und wir können dabei auf grosse Hilfe zählen. Natürlich müssen wir gewisse spezifische Punkte fürs Glarnerland ‘neu erfinden’. Im grossen Stil geht das aber nicht, da uns die Zeit fehlt. Denn: Ab September sind es noch genau vier Jahre. Das ist eine kurze Zeit.»


OK-Präsident Jakob Kamm reckt die Faust, er hat soeben den Zuschlag telefonisch erfahren
Bild: Jakob Heer

Wo findet man für diese grosse Anzahl Besucher genügend Schlafmöglichkeiten?
«Das ist für mich eine relativ einfache Frage. Ich gehe seit 1998 mit zehn Kollegen an jedes ESAF. Ich habe dabei festgestellt, dass ein Schwingerfreund immer irgendwo eine Übernachtungsmöglichkeit findet. Von der Hotellerie her planen wir die benachbarten Regionen mit ein. Vom Pflichtenheft vorgeschrieben sind zirka 1’000 Betten für die Bedürfnisse des ESV und des OK’s, welche wir bereits reserviert haben. Wir haben dabei sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass wir die in der näheren Umgebung organisieren konnten. Beim Sportzentrum Kerenzerberg bei Filzbach stehen uns fast 400 Betten für die Schwinger, deren Betreuer und für den Zentralvorstand zur Verfügung. Weiter werden sich die verschiedenen Tourismusverbände in der Umgebung zusammenschliessen und für Übernachtungsmöglichkeiten sorgen.
Wir sind wie jedes bisher durchgeführte ESAF aufgestellt. Darum bin ich überzeugt, dass die Unterkunftsmöglichkeiten nicht das heisseste Dossier sein wird. Ein Vorteil ist unsere zentrale Lage, etliche werden zuhause übernachten und am nächsten Tag wiederkommen. Man muss in Betracht ziehen, dass die Agglomeration Zürich in 35 Minuten und diejenige von Chur in 40 Minuten erreichbar ist.»

Das Budget des ESAF in Zug lag bei über 36 Millionen Franken. Wird das bei euch in ähnlichen Dimensionen sein?
«Ja, das wird so sein. Unser Budget wird um die 35 Millionen Franken zu stehen kommen. Für mich ist wichtig, dass wir vorgängig keine falschen Signale aussenden. Der eine oder Franken werden wir in die Infrastruktur investieren müssen, wie das andere Austragungsorte auch schon gemacht haben.»

Soll die Festmeile ähnlich gross werden wie in Zug?
«Ja, das wird sie. Diesbezüglich haben wir mit dem OK von Zug zusammengearbeitet. Wir schickten einem Ingenieurbüro in Zug den Plan unseres Festgeländes, und die platzierten es ins Festgelände vom ESAF Glarnerland+. Das Resultat war: Unser Festgelände ist gross genug. Unsere Tribüne wird genau dort zu stehen kommen, wie wir es geplant haben. Das Drumherum muss aber im Detail noch festgelegt werden.»

Mit den 40’590 Einwohnern vom Kanton Glarus (Stand Dezember 2019) würde man nicht mal die ESAF-Arena füllen. Um diesen Grossanlass stemmen zu können, habt ihr euch Unterstützung von ausserhalb bereits an Bord geholt. Auf welche ausserkantonale Unterstützung dürft ihr konkret zählen?
«Das Sarganserland, das Walensee- und Linthgebiet sowie die March-Höfe sind mit an Bord. Die meisten sind seit acht Jahren dabei, March-Höfe seit zwei Jahren. Es ist ein Novum, dass mit March-Höfe ein Schwingklub mitmacht, welcher ausserhalb des organisierenden Teilverbandes beheimatet ist. Wenn wir den Märchlern bei einem möglichen ESAF 2034 helfen können, ist das schlicht genial. Eine klassische Win-win-Situation.»

Stichwort Nachhaltigkeit: Nimmt man sich diesbezüglich das ESAF 2019 in Zug als Vorbild? Oder beschreitet man einen eigenen Weg?
«Es gibt eine ökologische und eine ökonomische Nachhaltigkeit. Die ökologische Nachhaltigkeit muss eine Selbstverständlichkeit sein. Wir verfolgen wie die Zuger ein CO2-neutrales Fest. Wir haben dazu schon vor vier Jahren bei der Hochschule Wädenswil unter der Leitung von Professor Jürg Rohrer eine Nachhaltigkeitsstudie in Auftrag gegeben. Es ist für uns wichtig, eine grüne Meinung miteinzubeziehen und auch an Bord zu holen. Das OK ist verantwortlich für diese Form der Nachhaltigkeit.
Mit dem ‘ESAF-Füür’ im Glarnerland haben wir ein riesiges Tor in unserer Region geöffnet. Der Tourismus und das Gewerbe sollen sich nun zusammenschliessen, über die ökonomische Nachhaltigkeit nachdenken und mit entsprechenden Konzepten über das ESAF hinaus ein Mehrwert schaffen. Das ist aber nicht die Aufgabe des OK’s.
Unser grösstes Ziel ist, dass die Schwingfest-Besucher mit dem Gefühl eines tollen Festes mitsamt einer imposanten Kulisse heimkehren können und dabei auf einen problemlosen Verkehr treffen. Und die Besucher hinterher sagen: Ich komme wieder zurück. Alle im OK müssen dieses Ziel über alles andere stellen. Selbstverständlich sind die schwingerischen Belange ebenso wichtig.»

feldwaldwiesenblogger

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