Das Nordwestschweizer Talent Adrian Odermatt erzählt aus seinem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Adrian Odermatt ist derzeit eines der grössten Nachwuchstalente der Nordwestschweizer Schwinger. Er gehört zu der Gruppe «Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger», welche seit dem 1. März wieder schwingen und an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Aber: Der junge Sennenschwinger kann momentan nicht im Sägemehl trainieren – mehr dazu später.

Adrian wurde am 24. Januar 20-jährig und wohnt in Liesberg BL. Der 192 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet hat drei Kantonalkränze auf seinem Konto. Er gehört dem Basellandschaftlichen Kantonal-Schwingerverband an und schwingt für den Schwingklub Binningen. Als Achtungserfolge stehen die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug und die Schlussgangteilnahme am Steinegg-Schwinget in Himmelried (2019) zu Buche. Als Jungschwinger gewann Adrian 56 Zweige und holte sich um die 40 Festsiege. Am ENST 2018 in Landquart sicherte er sich den begehrten Doppelzweig.

Der Name Odermatt deutet es an: Die Wurzeln der Familie liegen in der Innerschweiz, genauer gesagt im Kanton Nidwalden. Adrian’s Vater Armin kommt aus Ennetmoos und zog vor 25 Jahren nach Liesberg ins Baselbiet. Dort bewirtschaftet er zusammen mit seiner Familie einen Landwirtschaftsbetrieb. Armin Odermatt versuchte sich in jungen Jahren ebenfalls als Schwinger. Er musste wegen einem Unfall aber die Schwinghosen bereits als Jungschwinger an den Nagel hängen. Ruedi Odermatt, ein Cousin von Armin, war ein erfolgreicher Schwinger und gehört zur Gilde der Eidgenossen.

Adrian schloss eine Lehre als Forstwart ab, und arbeitet nun in einem Gartenbau-Betrieb in Büsserach SO. Momentan absolviert der dreifache Kranzschwinger die Rekrutenschule in Isone TI. Der Rekrut berichtet uns heute aus seinem Corona-Alltag.

Adrian Odermatt ist mittlerweile dreifacher Kranzschwinger
Bild: Adrian Odermatt (Facebook)

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?

«Ich bin seit Januar in der Rekrutenschule und habe darum keine Zeit und Möglichkeit für spezifisches Schwingtraining. Zum RS-Alltag gehört ein allgemeines Sporttraining. Wir trainieren dabei viel Kondition und die Rumpfkraft.»

Wann hast du das letzte Mal im Sägemehl trainiert? Welches war dein letztes Schwingfest?

«Seit letztem Herbst habe ich kein Schwingtraining mehr absolviert. Der letzte Ernstkampf datiert auf den 8. Februar 2020 beim Hallenschwinget Kirchberg. Ich belegte in der Endabrechnung Rang 5c und bekam es im vierten Gang mit dem späteren Sieger Matthias Aeschbacher zu tun.»

Wann startest du mit dem Schwingtraining? 

«So wie es aussieht Ende Juni, wenn die Rekrutenschule vorbei ist. Derzeit habe ich alle drei Wochen Urlaub. An den Wochenenden darf ich Corona-bedingt zuhause nicht schwingen. Sollten Schwingfeste anstehen, müsste man mit der RS-Leitung eine Lösung finden. Ansonsten ist für mich das Schwingtraining bis Ende Juni leider nicht möglich.»

Reichen dir vier Wochen Vorlaufzeit bis zum ersten Schwingfest?

«Das ist eine gute Frage und zugleich schwierig zu beantworten. Optimal ist das nicht, es muss aber wohl reichen. Ich werde mich beobachten, wie es im Training läuft. Um nichts zu riskieren, würde ich eher ein Schwingfest auslassen. Eine Schwingfestplanung für 2021 ist nicht möglich und habe ich demzufolge nicht gemacht.»

Wie sehen die Startmöglichkeiten an Schwingfesten für euch jungen Aktiven momentan aus?

«So wie ich mitbekommen habe, organisiert unser Kantonalverband ein Schwingfest für die Aktiven mit Jahrgang 2001 und jünger. Von weiteren Schwingfesten weiss ich noch nichts.»

Adrian Odermatt sagt: «Das ist eine unschöne Sache und es war nicht der Plan, dass ein Käfer unseren Sport lahmlegt.»
Bild: Lukas Gerster (Facebook)

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Zuhause richtete ich mir einen Kraftraum ein, und zusammen mit einem Trainingskamerad habe ich Kraft, Schnellkraft und Kondition trainiert. Das waren zwischen drei und sechs Trainingseinheiten pro Woche. Ich habe in dieser Zeit mehr Ausdauer trainiert als sonst, und habe im Krafttraining andere Sachen ausprobiert. Als draussen Trainings mit 15 Personen erlaubt waren, ging ich mit meinen Klubkollegen regelmässig in den Vitaparcours.»

Wie trainierst du für gewöhnlich in Normalzeiten?

«Die Schwinger vom Schwingklub Binningen und Oberwil trainieren zusammen im Sägemehl, um so eine grössere Gruppe bilden zu können. Freitags findet jeweils das Kantonaltraining statt und innerhalb des Teilverbandes sind je nach Phase der Saison ein bis zwei Trainingszusammenzüge monatlich geplant. Das Krafttraining ist individuell organisiert. Wir absolvieren es aber meist in Zweiergruppen, um uns gegenseitig pushen zu können.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Das ist eine unschöne Sache und es war nicht der Plan, dass ein Käfer unseren Sport lahmlegt. Aber: Es geht allen gleich, und es gilt, das Beste aus der Situation zu machen. Interessant zu beobachten war, wie sich ein Jahr ohne Schwingfeste anfühlt. Es wurde mir bewusst, wie sehr das Schwingen fehlt. Und: Es fühlte sich komisch an.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?

«Man telefoniert ab und zu miteinander. Wenn es erlaubt ist, trainiert man zusammen. Der Kontakt untereinander fehlt einem schon. Denn: Im normalen Trainingsalltag sieht man seine Schwingkollegen mehr als seine Familie. Vieles ist nicht möglich, und das ist schade.»

Was vermisst du derzeit am meisten?

«Das Schwingen als solches, den Kampf Mann gegen Mann und die Kameradschaft, welche zurzeit nicht gelebt werden kann. Die Kameradschaft ist eine der wichtigsten Eigenschaften in unserem Schwingklub, auf welche wir viel Wert legen.»

feldwaldwiesenblogger

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