Samuel Giger und seine Nordostschweizer Kollegen nehmen nun auch das Sägemehl-Training auf

Text: feldwaldwiesenblogger

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) unter dem Titel «Ausführungen des ZV ESV zur schrittweisen Öffnung im Schwingen» eine längere Mitteilung. In dieser erläutert der ESV seine bisher getroffenen Entscheide im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Zugleich möchten die Verbandsoberen damit eine breitere Akzeptanz erlangen. Bekanntlich führte einer der Entscheide, nämlich 120 Spitzenschwinger im Sägemehl trainieren zu lassen, teilweise zu harscher Kritik.

Samuel Giger bekam viel Lob für seinen Trainingsverzicht, nimmt ab Mitte April nun aber auch sein Sägemehl-Training auf

Bild: pinterest.ch

Verzicht aus Solidarität

In vier von fünf Teilverbänden haben die selektionierten Athleten mittlerweile ihr Schwingtraining aufgenommen. Aber: Bis auf drei Schwinger haben sich die Nordostschweizer Spitzenschwinger mit ihren Mittelschwingern solidarisiert und verzichten bis Mitte April aufs Sägemehl-Training. Samuel Giger nahm in einem «Sportpanorama»-Beitrag von «SRF Sport» Stellung und begründete seinen Verzicht einerseits wegen der angesprochenen Solidarität. Andererseits erwähnte der Thurgauer eine Umfrage, welche der Nordostschweizer Teilverband anfangs März vorgenommen hatte. Darin kommt zum Ausdruck, dass fast 72 Prozent aller Schwinger sich zu einem «Entweder alle oder keine» bekennen.

Die Nordostschweizer lenken ein, und unterstützen die Bestrebungen für eine weitere Öffnung

Eine weitere Passage in der ESV-Mitteilung liess aufhorchen: Nach einer intensiven Diskussion anlässlich einer ZV-Sitzung erklärt sich der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) bereit, bis am 13. April die restlichen Ü20-Schwinger an Stefan Strebel, dem Technischen Leiter vom ESV, zu melden. Und: Der NOSV unterstützt damit die Bestrebungen des ESV mit Swiss Olympic/BASPO für eine weitere Öffnung. Die Nordostschweizer lenken demzufolge nun ein. Wir erinnern uns: Der NOSV publizierte am 20. März eine Mitteilung mit dem Titel «Starkes Zeichen der NOSV-Eidgenossen an ihre Trainingskollegen». Darin bekräftigten die Technische Kommission und die Eidgenössischen Kranzschwinger die Solidarität zu ihren Mittelschwingern. Es wurde damals beschlossen, den Trainingsverzicht bis Mitte April aufrecht zu halten. 

Den Öffnungsschritt zähneknirschend unterstützt

Gemäss einem Beitrag der Aargauer Zeitung von gestern Donnerstag («Die neue Gewinnzahl im Schwingen lautet 168 – die stufenweise Öffnung soll weiter gehen») unterstützen die Nordostschweizer den Öffnungsschritt nun zähneknirschend. Denn: Dieser ist Bedingung für nächste Verhandlungen zwischen Stefan Strebel und Swiss Olympic/BASPO. Strebel’s Ziel ist, dass bei einem weiteren Öffnungsschritt weitere 48 Schwinger ihr Training aufnehmen dürfen. Dann stünden nämlich alle Schwinger, welche an einem Eidgenössischen, an einem Teilverbands- oder an einem Bergfest einen Kranz gewannen, wieder im Sägemehl. Der Technische Leiter vom ESV möchte zudem, dass auf Aussenplätzen bis zu 15 Athleten schwingen dürfen. 

Samuel Giger und Co. steigen nun auch ins Sägemehl

Die Aargauer Zeitung schreibt weiter im erwähnten Beitrag: «Spannend wird sein, ob sich Spitzenschwinger wie Samuel Giger, der sich öffentlich gegen die Öffnung wehrte, aufstellen lassen.» Diese Frage kann mit Ja beantwortet werden. Auf Nachfrage bestätigte Samuel Giger, dass er und seine 22 Kollegen ab Mitte April nun auch ins Sägemehl steigen werden.

Schwingfeste für die besten 120 Schwinger?

Der Zuger Pirmin Reichmuth forderte kürzlich im «Blick», dass für die besten 120 Schwinger nicht nur Trainings erlaubt sein sollen, sondern auch Schwingfeste organisiert werden. Ein Konzept von Stefan Strebel für solche Wettkämpfe besteht zwar seit einiger Zeit. Dieses fand im Zentralvorstand jedoch bisher keinen Anklang. Der TK-Chef dazu in der Aargauer Zeitung: «Und ich gehe nicht davon aus, dass sich daran zeitnah etwas ändern wird. Darum sollten wir nun weitere Öffnungen im Trainingsbetrieb vorantreiben.»

Rolf Lussi, der Präsident der Nordostschweizer Schwinger, sagt: «Wir wollen das System für die weiteren Öffnungsschritte nicht blockieren»

Bild: esv.ch

Der Präsident der Nordostschweizer gibt Auskunft

Dem Vernehmen nach haben beim ZV-Beschluss der Nordostschweizer und der Innerschweizer Vertreter gegen das Verdikt der stufenweisen Öffnung für die 120 Spitzenschwinger gestimmt. Anders als die Nordostschweizer bekannten sich hinterher die Innerschweizer zum Mehrheitsbeschluss und deren Spitzenschwinger verzichteten nicht aufs Training. Rolf Lussi, der Präsident der Nordostschweizer Schwinger, beschreibt nachfolgend den Sinneswandel und erklärt diesen der ziemlich aufgebrachten Schwinger-Basis. Weiter gibt er Auskunft darüber, welche Reaktionen ihre Solidarität innerhalb der Schwingerwelt ausgelöst haben und wie die Nordostschweizer Pirmin Reichmuth’s Forderung sehen.

Die Nordostschweizer unterstützen nun die Bestrebungen für eine weitere Öffnung. Wie kam es zum Sinneswandel?

«Wir haben darüber im ZV intensiv diskutiert. Weitere Öffnungsschritte hängen davon ab, ob das Kontingent mit den 120 Schwingern ausgeschöpft wird oder nicht. Wir wollen dieses System nicht blockieren. Und: Wir hätten per Mitte April sowieso entschieden, wie es weitergehen soll. Zudem wollen wir unsere Schwinger nicht weiter warten lassen. Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass dies einer Ungleichbehandlung gleichkommt und einen Trainingsvorsprung gegenüber denen, welche nicht schwingen dürfen, bedeutet.»

War der Plan von Anfang an, nur bis Mitte April aufs Training zu verzichten? Oder brauchte es für den Sinneswandel die erwähnte Diskussion innerhalb des ZV?

«Wie bereits erwähnt, wollen wir das System für die weiteren Öffnungsschritte nicht blockieren. Aber: Wir haben in unserer Mitteilung vom 20. März kommuniziert, dass wir so oder so Mitte April das weitere Vorgehen entschieden hätten. Das war von vorneherein der Plan. Denn: Aufgrund der Rückmeldungen auf die Umfrage bei unserer Basis war für uns klar, wie wir vorzugehen hatten. Wir haben schlicht basisdemokratisch gehandelt und in der Technischen Kommission und im Vorstand des NOSV die Umfrageergebnisse ernst genommen. Den Sinneswandel vollziehen wir nun im Wissen, dass die Mehrheit auf der Strecke bleibt.»

Es rumort an der Schwinger-Basis. Sehr viele Schwingerfreunde fanden das solidarische Verhalten der Nordostschweizer vorbildlich, und es löste viele Emotionen aus. Wie sahen die Rückmeldungen aus? Und: Was überwog, die positiven oder die negativen Reaktionen?

«Ich bekam unzählige Rückmeldungen. Die Reaktionen hinsichtlich der Solidarität waren zu 100 Prozent positiv.»

Nun lenken die Nordostschweizer auch ein. Wie erklärst du das der aufgebrachten Schwinger-Basis?

«Das Ziel ist, dass alle schwingen können. Es nutzt niemandem etwas, wenn wir jetzt weitere Öffnungsschritte blockieren. Damit das geschehen kann, schöpfen wir nun unser Kontingent auch aus. Wichtig ist für mich zudem, dass Schwingfeste erst dann stattfinden werden, wenn alle Schwinger mindestens einen Monat trainieren konnten.»

Hat die Solidarität der Nordostschweizer die Schwingerschweiz auf die Probe gestellt? Bestand wegen diesem Sonderweg nicht die Gefahr einer Spaltung innerhalb der Schwingerwelt?

«Nein, wir haben es als unsere Pflicht gesehen, auf die Solidarität hinzuweisen. Unser Ziel ist es, alle gleich zu behandeln. Ich finde eher, dass wir jetzt eine Spaltung haben.»

Pirmin Reichmuth fordert Schwingfeste für die 120 Spitzenschwinger. Wie sehen die Nordostschweizer diese Forderung?

«Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies undenkbar. Solange die Saison noch so jung ist, kann man nicht über diesen Punkt diskutierten

feldwaldwiesenblogger

Vorschau mit dem Schwyzer Talent Severin Steiner auf den kleinen Frühjahrsschwinget Ibach

Text: feldwaldwiesenblogger

An Ostermontag wird die Freiluftsaison der Schwinger eröffnet. In Ibach SZ steigt ein kleiner Frühjahrsschwinget. Die Organisatoren rund um den Schwingerverband am Mythen schreiben auf ihrer Homepage: «Der Anlass wird nach den Vorgaben des BAG und unter Einhaltung eines strengen Schutzkonzepts durchgeführt, um alle Anwesenden zu schützen. Daher werden wir auf und neben dem Gelände keine Zuschauer empfangen dürfen.» Am Start sind maximal 100 Schwinger, startberechtigt sind junge Aktive mit den Jahrgängen 2001 bis 2005. Erwartet werden Schwinger aus dem Innerschweizer Verbandsgebiet sowie von den befreundeten Schwingklubs Worblental und Gruyère. Zudem wird parallel dazu ein Klubschwinget für die Jungschwinger des Mythenverbandes (Jahrgänge 2006 bis 2013) durchgeführt.

Severin Steiner ist einer der Topfavoriten

Zu den Topfavoriten auf den Tagessieg darf man vier Schwinger zählen. Einerseits zwei Kranzschwinger, nämlich den Zuger Noe van Messel und den Berner Adrian Walther vom Schwingklub Worblental. Andererseits wird der Sieg auch über den Schwyzer Severin Steiner und den Luzerner Roman Wandeler führen. Beides zwar noch Nichtkranzer, aber dennoch ebenso grosse Talente wie die beiden Erstgenannten. Mit Severin Steiner, einem der Topfavoriten auf den Tagessieg, blicken wir heute auf den kleinen Frühjahrsschwinget in Ibach voraus. Der Schwyzer erzählt uns aber auch aus seinem Trainingsalltag. Weiter berichtet er von seinen Gedanken zur leider immer noch vorherrschenden Corona-Pandemie.

Starker dritter Rang am 1. Tessiner Rangschwinget

Severin wird am 18. Mai 20-jährig und wohnt in Ibach. Der 178 Zentimeter grosse und 90 Kilogramm schwere Sennenschwinger hat, wie bereits erwähnt, noch keine Kränze auf seinem Konto. Als Aktiver darf man ihm 2019 die Achtungserfolge am 1. Tessiner Rangschwinget in Vezia (3. Rang) und am Herbstschwingertag in Unteriberg (4. Rang) zugutehalten. Ebenfalls 2019 fehlten Severin am Urner und Schwyzer Kantonalen jeweils das berühmte «Vierteli» zum ersten Kranzgewinn. 

Beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann der junge Schwyzer 59 Zweige und holte sich 20 Festsiege. Darunter stehen vier Siege an Innerschweizerischen und vier Siege an Schwyzer Kantonalen Nachwuchsschwingertagen zu Buche. Am ENST 2019 in Landquart gewann der Ibächler den begehrten Doppelzweig. Ein solch beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger gelang in der Innerschweiz zuletzt nur Talenten wie Joel Wicki oder seinem Trainingskameraden Michael Gwerder. Nebst dem Talent zeichnen Severin Ehrgeiz, Wille, Geduld und die mentale Einstellung aus. So ist der erste Kranzgewinn eine Frage der Zeit.

Durch eine Tante zum Schwingsport gefunden

Severin absolviert derzeit eine Lehre als Zimmermann bei einem Zimmerei-Betrieb in Ibach. Der Zimmermann-Lehrling im vierten Lehrjahr gehört dem Schwyzer Kantonalen Schwingerverband an und schwingt für den Schwingerverband am Mythen. Der «Mythenverbändler» entstammt aus keiner Schwinger-Dynastie, weder Vater noch Grossvater haben jemals geschwungen. Zum Schwingsport fand er durch seine Tante Astrid Steiner, welche den Knirps damals auf den Schnuppertag des Schwingerverbandes am Mythen aufmerksam machte. Severin gefiel das Schwingen auf Anhieb, welches für ihn inzwischen zu seiner grossen Leidenschaft geworden ist.

Severin Steiner steigt am Ostermontag als einer der Topfavoriten auf den Tagessieg in den Ring, und sagt: «Das wird ein hartes Schwingfest werden!»

Bild: Severin Steiner

An Ostermontag steht mit dem kleinen Frühjahrsschwinget Ibach ein erster Ernstkampf auf dem Programm. Was rechnest du dir dabei aus?

«Das wird ein hartes Schwingfest werden! Man hat seine Gegner über ein Jahr nicht mehr gesehen und mit ihnen geschwungen. Dementsprechend schwer sind die Chancen einzuschätzen. Das Ziel ist eine vordere Rangierung. Wenn alles zusammenstimmt, liegt der Tagessieg drin. Aber: Es warten harte und unangenehme Gegner auf mich.»

Haben dir die fünf Wochen Vorbereitungszeit bis zum ersten Schwingfest gereicht?

«Ja, das haben sie. Wir haben von Anfang an das Training mit Schulschwingen und frei schwingen kombiniert. Das Schwingtraining erfolgte unter der Leitung von Edi Kündig und Aktivschwingern aus unserem Schwingklub. Bei den ersten Trainings habe ich noch an der Kondition gearbeitet. Inzwischen feile ich an meiner Technik.»

Welches werden deine nächsten Schwingfest-Einsätze sein?

«Das kann ich momentan nicht sagen. Ich rechne aber damit, dass in nächster Zeit weitere kleine Schwingfeste organisiert werden.»

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Es ist einfach schön! Am Anfang war es recht stressig, gleich von Null auf Hundert wieder zu schwingen. Ich habe hinterher meinen Körper schon gespürt. Inzwischen hat man sich an die Kräfte und die Schläge gewöhnt und das Schwingtraining ist wieder alltäglich geworden.»

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Ich absolviere zweimal wöchentlich ein Schwingtraining bei unserem Schwingklub. Am Dienstags-Training kommen jeweils zusätzliche Schwinger von Schwyzer Klubs zu uns ins Training. Das Tourenski-Fahren ist so quasi mein momentanes Konditionstraining.»

30. Juni 2019 in Sachseln: Severin Steiner hat soeben zum vierten Mal an einem Innerschweizer Jungschwingertag den Tagessieg geholt

Bild: luzernerzeitung.ch

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Ja, es sind immer zwischen 10 und 20 Schwinger im Training. Es sind jeweils die gleichen Trainingspartner, was die Sache ausgeglichen macht. Was auffällt: Vom Jahrgang 2001 hat es auf dem ganzen Kantonsgebiet relativ wenig Schwinger. Und: Bis jetzt fanden noch keine Trainings mit Gleichaltrigen ausserhalb des Schwyzer Kantonsgebietes statt. Wann solche Trainings angesetzt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Es ging darum, richtig ins Schwingen reinzukommen, und die verschiedenen Schwünge regelmässig und konsequent zu ziehen. Ich habe in den letzten fünf Wochen vor allem meine bestehenden Schwünge repetiert, aber kaum neue ausprobiert. Meine bevorzugten Schwünge sind vom Stand aus der Übersprung und am Boden das Päckli.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Eine Zeitlang habe ich relativ wenig trainiert. Später begann ich, meine Kondition mit Velofahren zu trainieren. Aber: Da ich immer arbeiten konnte, bekomme ich bei meiner täglichen Arbeit als Zimmermann eine bestimmte Grundfitness.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Man muss damit leben. Viele der Massnahmen sind übertrieben und man findet schon Wege, um trotzdem einiges machen zu können. Ich schenke dem Ganzen nicht mehr so grosse Beachtung wie zu Beginn der Pandemie.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?

«Man trifft sich zwischendurch immer mal wieder. Im Winter gingen wir öfters zusammen Skifahren. Etwa einmal pro Woche machen wir ab, und treffen uns bei einem Kollegen zuhause. Und in der Berufsschule rede ich mit dem einen oder anderen Kollegen länger als sonst.»

feldwaldwiesenblogger