Dass wieder ALLE schwingen dürfen, hat die Gemüter innerhalb der Schwingerwelt ziemlich beruhigt. Wie geht es nun weiter?

Text: feldwaldwiesenblogger

Am Donnerstag letzter Woche überraschte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) mit einer frohen Botschaft: Es dürfen wieder ALLE schwingen! In Zusammenarbeit mit der Technischen Kommission (TK) und dem Aktivenrat hat der Zentralvorstand (ZV) nämlich folgendes beschlossen: Die Öffnungsschritte vom 1. März (Training im Sägemehl und Wettkämpfe der U20-Schwinger) und 17. März (120 in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic definierte Schwinger der Leistungssportgruppe) behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Die restlichen Ü20-Schwinger dürfen das Training unter strengen Schutzmassnahmen auch wieder aufnehmen. In der Tat eine gute Neuigkeit und ein weiterer Schritt zurück in die Normalität.

Training unter Schutzmassnahmen

Für die Ü20-Schwinger gilt nun: Die wichtigste Schutzmassnahme ist die permanente Maskenpflicht beim Training, auch beim Schwingen. Weiter dürfen maximal 15 Schwinger inklusive Trainingsleiter an einer Trainingslektion teilnehmen, und diese Lektionen dürfen nur im Freien abgehalten werden. Pro trainierendes Schwingerpaar soll eine Sägemehlfläche von 20 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Der Sägemehlring soll zudem eine Mindesthöhe von 15 gewalzten Zentimetern aufweisen. Schwinger der Gruppen U20 und des Leistungssports können an den Trainings ebenfalls teilnehmen, haben sich dann aber an diese strengeren Regeln zu halten. Der ESV empfiehlt zudem, mit dem Schulschwingen, dem sogenannten Techniktraining zu beginnen. Weiter sollen sich die Schwinger einmal wöchentlich einem Corona-Selbsttest unterziehen. Soweit die Spielregeln für diesen eminent wichtigen Öffnungsschritt.

Stefan Strebel als Motor hinter den Öffnungsschritten

Diese stufenweisen Öffnungsschritte darf man als Erfolg werten. Der bisher letzte Öffnungsschritt mit dem Verdikt «Es dürfen wieder ALLE schwingen» lässt innerhalb der Schwingerwelt nach den jüngsten Turbulenzen sicher etwas Ruhe einkehren. Denn das sollte inzwischen allen klar sein, dass der ESV nicht einfach tun und machen kann, was ihm beliebt. Auch dieser grosse Sportverband muss sich an die Vorgaben des Bundes halten. Darum sind die einzelnen Öffnungsschritte so wichtig, mit dem einzigen Ziel, in absehbarer Zeit wieder Schwingsport geniessen zu können, wie wir ihn kennen. Dazu braucht es jetzt einfach ein wenig Geduld. Der grosse Motor hinter den einzelnen Öffnungsschritten ist Stefan Strebel, der TK-Chef vom ESV. Beharrlich ging er seinen Weg und setzte sein Ziel, dass alle wieder schwingen können, in die Tat um. Im Gespräch mit Stefan wollte ich erfahren, ob sich die erhitzten Gemüter nun tatsächlich etwas beruhigt haben, wie die Ü20-Schwinger diese gute Nachricht aufnahmen und wie die Erfahrungen in der ersten Trainingswoche aussahen. Weiter erzählte Stefan von den Reaktionen auf die bisherigen Öffnungsschritte und wann mit Schwingfesten der Aktiven zu rechnen ist. 

Seit diesem Montag sind Schwingtrainings auf Aussenschwingplätzen möglich, wie hier in Amriswil TG

Bild: Schwingerverband Oberthurgau (Facebook)

Haben sich nach dem letzten Öffnungsschritt die erhitzten Gemüter innerhalb der Schwingerwelt etwas beruhigt?

«Diese Frage kann ich klar mit ja beantworten. Ich habe viele positive Nachrichten erhalten. Einerseits von Seiten der Sozialen Medien und den herkömmlichen Medien, andererseits bekam ich auch Briefe. Die meisten haben nun verstanden, um was es bei diesen Öffnungsschritten geht.» 

Steckt hinter dem Öffnungsschritt «Schwingen auch für die Ü20-Schwinger» ein grosses Ringen mit BASPO/Swiss Olympic?

«Ja, dahinter stecken tatsächlich ein grosses Ringen und viele Telefonate mit den entsprechenden Stellen. Damit alle schwingen können, wurde der Kompromiss mit der Maskenpflicht beim Training ausgehandelt. Wir vom ESV haben dabei quasi die Vorreiterrolle für die Kampfsportarten übernommen. Die nächsten Öffnungsschritte werden direkt vom Bundesrat kommen. Swiss Olympic wird dann nur noch eine beratende Rolle einnehmen und Informationen übermitteln.»

Wie nahmen die Ü20-Schwinger die frohe Botschaft samt den strengen Schutzmassnahmen auf?

«Die Ü20-Schwinger haben das sehr positiv aufgenommen. Einige von ihnen haben zum Teil seit eineinhalb Jahren nicht mehr geschwungen. Es stimmt für sie, dass sie mit Schulschwingen beginnen können. Es ging ihnen auch darum, sich wieder mal zu treffen und austauschen zu können. Viele Schwingklubs haben bereits Aussenplätze errichtet, auch das ist ein positiver Aspekt.»

Gibt es von Seiten der Schwingklubs viele Fragen zur Umsetzung der entsprechenden Vorgaben?

«Nein, ich erhielt keine einzige Frage. Das von uns erarbeitete Schutzkonzept beschreibt meines Erachtens die Wiederaufnahme des schwingtechnischen Trainingsbetriebes sehr gut. Das Konzept enthält vier Eckpunkte: Die Teilnahme von 15 Schwingern inklusive eines Technischen Leiters, Trainings nur draussen und mit Maske, das empfohlene Praktizieren des Schulschwingens und das wöchentliche Testen.»

Wie waren die ersten Erfahrungen bei den Trainings dieser Woche mit den entsprechenden Schutzmassnahmen?

«Ich bekam etliche positive Feedbacks. Die Ü20-Schwinger sind froh um das Techniktraining und das Schulschwingen mit Maske ist machbar. Die Schwinger müssen sich nun einfach ein wenig gedulden, denn der nächste Öffnungsschritt mit frei schwingen ohne Maske wird folgen.»

Stefan Strebel ist der Motor hinter den Öffnungsschritten

Bild: esv.ch

Du darfst diese schrittweisen Öffnungen, welche nun seit dem 1. März erfolgen, auch als deine Erfolge verbuchen. Welche Schritte erwartest du als nächstes?

«Am 12. Mai erwarte ich den nächsten Bundesrats-Entscheid, welcher für Ende Mai weitere Öffnungsschritte vorsehen sollte. Ich rechne damit, dass ab anfangs Juni die Schwingtrainings ohne Maske erfolgen können. Meiner Einschätzung nach können ab anfangs Juli Schwingfeste mit 3’000 Personen stattfinden. Zu diesen 3’000 Personen zählen die Schwinger, Funktionäre, Hilfspersonal und die Zuschauer. Diese Einschätzung ziehe ich aus meinem engen Kontakt mit Swiss Olympic.»

Das eine definierte Anzahl von 120 Schwingern nun der Leistungssportgruppe angehören war eine besonders umstrittene Geschichte, sowohl innerhalb des Zentralvorstands als auch in der grossen Schwingerfamilie. Wie beurteilst du dieses zähe Ringen rückblickend?

«Die stufenweisen Öffnungsschritte waren rückblickend der richtige Weg, auch wenn dieser viel Gegendruck verursachte. Ich würde es wieder genau gleich machen. Ich habe mich dabei ständig hinterfragt, und habe viel Verständnis für andere Meinungen aufgebracht. Denn: Wenn ich nicht so nahe am ganzen wäre, hätte ich wohl auch für ein «Entweder alle oder keiner» plädiert.»

Erhieltest du deswegen auch böse Reaktionen und Kommentare?

«Ich konnte wegen der Corona-Pandemie bisher noch an keinem Schwingfest die Einteilung leiten. Ich rechne damit, dass es dann schon ein paar böse Reaktionen geben könnte. Es war schon heftig Ende Februar/anfangs März mit dem vielen Druck. In dieser Zeit war die Situation ziemlich angespannt, und etliche haben fast schwarzgesehen. Wenn die ESV-Abgeordnetenversammlung in dieser Zeit physisch stattgefunden hätte, hätte ich wohl einige Kommentare über mich ergehen lassen müssen. Im Verlauf vom März und April hat sich die Situation nun sichtlich entspannt.»

Gestern wurde bekannt, dass in Ibach SZ in den Monaten Juni/Juli gleich vier Kranzfeste stattfinden sollen. Die ersten beiden Feste sind für den 20. respektive 26. Juni geplant. Das bedingt aber, dass der Bundesrat weitere Lockerungen auf Ende Mai bekannt gibt. Darum die Frage: Braucht’s die sogenannte Vier-Wochen-Regel vor dem ersten Schwingfest gar nicht mehr, jetzt wo alle Schwinger mindestens Techniktraining machen können?

«Diese vier Wochen sind nicht in Stein gemeisselt. Wenn es auf Ende Mai tatsächlich den nächsten Öffnungsschritt gibt, werde ich mich innerhalb des Zentralvorstandes, der Technischen Kommission und beim Aktivenrat dafür stark machen, dass ab Mitte/Ende Juni Wettkämpfe möglich sind. Bedingung ist, dass ab anfangs Juni die Maske weggelassen werden kann und Wettkämpfe für die Aktiven auch tatsächlich möglich sind. Übrigens: Ich habe mich gestern über die gute Nachricht aus der Innerschweiz sehr gefreut. Vier Kranzfeste auf einem Platz für die Monate Juni/Juli zu planen zeugt von grossem Innovationsgeist und liess mich jubeln. Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es halt manchmal harzt.»

Ein Blick in die Zukunft: Ob das Eidgenössische Jubiläumsschwingfest am 5. September zur Austragung kommen wird, entscheidet sich nächste Woche. Im Raum steht eine Verschiebung ins 2022. Der Kilchberger Schwinget vom 25. September besitzt jedoch gute Chancen auf eine Durchführung. Wird der Zutritt für möglicherweise 10’000 Zuschauer nur mit einem Covid-Zertifikat des Bundes möglich sein?

«Meines Erachtens ja. Ich glaube, dass 10’000 Zuschauer teilnehmen können, halt gemäss den Vorgaben des Bundes. Eine Ausnahme wird es für den Schwingerverband nicht geben.»

feldwaldwiesenblogger

Romain Collaud, das grosse Talent der Südwestschweizer Schwinger

Text: feldwaldwiesenblogger

Romain Collaud war einer der drei gefeierten ENST-Sieger von 2018 in Landquart. Er holte sich mit fünf Siegen und einer Niederlage den begehrten Kategoriensieg beim Jahrgang 2002. Im Schlussgang bodigte der Freiburger den Luzerner Roman Wandeler. Die Südwestschweizer haben sich diesen Erfolg redlich verdient, bedeutet dieser doch die Ernte einer fruchtbaren Nachwuchsarbeit in der Romandie. 

Bereits zwei Kantonalkränze auf dem Konto

Romain wurde am 9. Januar 19-jährig und wohnt in Vallon FR. Die Freiburger Gemeinde befindet sich im Distrikt Broye, sieben Kilometer nördlich von Payerne. Der junge Sennenschwinger absolviert in Payerne eine Lehre als Landmaschinenmechaniker, und steht kurz vor der Lehrabschlussprüfung. Nebst der Ausbildung und dem Schwingsport hilft Romain auf dem elterlichen Bauernhof mit, ist 300 Meter-Schütze und spielt gerne mit seinem jüngeren Bruder Bastien Fussball. Der 188 Zentimeter grosse und 107 Kilogramm schwere Athlet hat zwei im Jahr 2019 gewonnene Kantonalkränze auf seinem Konto, und gehört dem Schwingklub Estavayer-le-Lac an. Bei diesem trifft das grosse Südwestschweizer Talent unter anderen auf den erfahrenen Kranzschwinger Vincent Roch. Als Aktiver darf Romain den Sieg am Regionalschwingfest La Berra (2019), die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug und die Schlussgangteilnahme am Hallenschwinget Lausanne anfangs 2020 als Achtungserfolge verbuchen.

Beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann Romain 147 Zweige (Rekord im Südwestschweizer Verband) und holte sich zwischen 70 und 80 Festsiege. Darunter zählen sieben Siege an Südwestschweizer Teilverbandsfesten und der eingangs erwähnte Sieg am ENST 2018. Ein solch beeindruckender Leistungsausweis hat in der Romandie noch nicht mancher Jungschwinger erreicht. Nebst seinem Talent zeichnet Romain seine Zielstrebigkeit und seine mentale Stärke aus. Christian Schmutz, der Technische Leiter der Südwestschweizer Schwinger, sagt: «Romain ist ein aufgestellter und anständiger Bursche. Er gibt stets Vollgas, geht auf Tutti und hat zudem keine Angst vor den gestandenen Kranzschwingern.» Der angehende Landmaschinenmechaniker konnte beim Übertritt zu den Aktiven sofort mit den Kranzschwingern mithalten, und schwang bereits 2018 um den ersten Kranz. Die ersten beiden Kranzgewinne 2019 waren denn auch keine Überraschung in der Romandie. Schmutz meint rückblickend: «Die Teilnahme als Nichtkranzer am ENST 2018 in Landquart war in dem Sinne ein positiver Aspekt. Der Fokus lag so weniger auf Romain, welcher dadurch am ENST unbeschwerter schwingen konnte.»

Durch einen regionalen Anlass zum Schwingsport gefunden

In Romain’s Familie hat niemand geschwungen. Der Jungspund fand durch einen Anlass in der Region Estavayer zum Schwingsport, an welchem verschiedene Sportarten vorgestellt wurden. Romain absolvierte ein Probetraining, und bald darauf war er Mitglied vom Schwingklub Estavayer-le-Lac. Seither ist er ein begeisterter und erfolgreicher Schwinger. Romain’s Freundin Lena Etter war beim nachfolgenden Gespräch auch dabei, und fungierte als sprachgewandte Übersetzerin. Herzlichen Dank, Lena!

Romain Collaud ist seit dem 7. Juli 2019 (Walliser Kantonalschwingfest in Martigny) Kranzschwinger

Bild: Romain Collaud

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Es ist ein gutes Gefühl, und die Vorfreude auf das erste Sägemehl-Training war gross. Das Schwingen fühlte sich nach der längeren Pause zu Beginn schon sehr speziell an. Vor dem Trainingsstart im Sägemehl habe ich an meiner Ausdauer gearbeitet.»

Wann wird dein erster Schwingfest-Einsatz dieses Jahr sein?

«Am 2. Mai organisiert unser Schwingklub Estavayer-le-Lac in Vallon FR ein Schwingfest für den Nachwuchs und für die Jungaktiven mit Jahrgang 2001 und jünger. Das wird mein erster Schwingfest-Einsatz in diesem Jahr.»

Wie sehen die Startmöglichkeiten an Schwingfesten für euch Jungaktiven in der Südwestschweiz aus?

«In Oron-la Ville VD soll am 9. Mai ein weiteres Schwingfest stattfinden, es ist jedenfalls noch nicht abgesagt. Dort werde ich sicher teilnehmen. Weitere Einsatzmöglichkeiten an Schwingfesten in der nahen Zukunft weiss ich derzeit keine.»

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Ich absolviere wöchentlich zwei Schwingtrainings und drei Einheiten Kraft und Kondition. Da ich mich momentan auf die Lehrabschlussprüfung vorbereite, trainiere ich nebst dem Schwingen nur einmal Kraft und Kondition. Das Pensum wird hinterher wieder gesteigert.»

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Vom 1. März bis vor kurzem trainierte ich in unserem Schwingkeller mit den U20-Schwingern. An diesen Trainings nahmen jeweils etwa fünf Schwinger teil, alle mit Jahrgang 2001 bis 2005. Nun trainiere ich in der vom Eidgenössischen Schwingerverband definierten Leistungssportgruppe. Zu meiner Vierergruppe gehören Steven Moser, Michel Dousse, Simon Grossenbacher und ich. Unsere Trainings finden zweimal wöchentlich im Schwingkeller von Cottens und Umgebung statt.»

Romain Collaud (oben) gewann als Jungschwinger 147 Zweige

Bild: Romain Collaud

Auf welche gleichaltrigen Talente triffst du bei den Schwingfesten in der Romandie? 

«Das sind Sandro Baliman, Hans Fankhauser und Simon Grossenbacher. Sie besitzen alle je einen Kranz. Wir vier sind zudem gut befreundet. Grossenbacher ist vom gleichen Schwingklub wie ich, Balimann und Fankhauser sind vom Schwingklub Kerzers.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Zu Beginn legten wir den Fokus auf die Kondition, damit wir uns alle etwa auf dem gleichen Stand befanden. Jetzt feilen wir an der Schwingtechnik, um wieder auf Topniveau zu gelangen.»

Welches sind deine bevorzugten Schwünge?

«Zu meinen bevorzugten Schwüngen zähle ich den Kurz, den Brienzer vorwärts und den Kopfgriff.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Wir errichteten neben unserem Haus einen Schwingplatz, auf welchem mein drei Jahre jüngerer Bruder Bastien und ich miteinander schwangen. Zudem trainierte ich beim Joggen und Velofahren meine Kondition.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«In meinem Alter gehöre ich zwar nicht zur Risikogruppe. Aus Solidarität halte ich mich aber an die Schutzmassnahmen und nehme Rücksicht auf meine Mitmenschen. Ich mache das Beste aus der Situation und nehme jeden Tag wie er kommt.»

feldwaldwiesenblogger

Lars Hugelshofer, ein grosses Nordostschweizer Talent, ist hervorragend in die Saison gestartet

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Schwingfest-Saison der Jungaktiven, also für die Aktiven mit Jahrgang 2001 und jünger, ist noch jung. Sie dürfen seit dem 1. März wieder trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen. Auf dem Nordostschweizer Teilverbandsgebiet fanden seit Ostermontag bereits zwei Schwingfeste für die Jungaktiven statt. 

Zwei Schwinger stechen hervor

Dabei stechen zwei Schwinger hervor: Werner Schlegel und Lars Hugelshofer. Werner Schlegel gewann sowohl das Schaffhauser Frühlingsschwingfest als auch das Thurgauer Frühjahrsschwingfest in Langrickenbach: Beide Male mit sechs gewonnenen Gängen, und beide Male hiess sein Gegner im Schlussgang Lars Hugelshofer. Den 18-jährigen Toggenburger Schlegel porträtierte der Schreibende bereits im Januar 2019 im Beitrag «Werner Schlegel – Eine grosse Nachwuchshoffnung der Nordostschweizer». Heute widme ich mich Schlegels Kontrahenten Lars Hugelshofer. Dieser war bei den zwei angesprochenen Schwingfesten hinter dem Toggenburger der zweitbeste Schwinger. Die Ausbeute für den Thurgauer kann sich sehen lassen: Acht gewonnene Gänge, zwei Gestellte und die beiden Niederlagen gegen Schlegel.

Eines der grössten Nordostschweizer Talente

Fragt man bei der Technischen Leitung der Nordostschweizer nach den grössten Talenten nebst Werner Schlegel, fällt alsbald der Name von Lars. Der angehende Landwirt wird am 19. Juli 20-jährig und wohnt in Schönholzerswilen, einer Gemeinde im Bezirk Weinfelden des Kantons Thurgau. Lars befindet sich zurzeit in Ausbildung zum Landwirt (drittes Lehrjahr) auf dem Lehrbetrieb von Felix Würth in Hagenwil bei Amriswil. Der Thurgauer widmet sich in der Freizeit nebst dem Schwingsport dem Skifahren, Nationalturnen und ist als Jungzüchter von Brown Swiss-Vieh tätig. Der 190 Zentimeter grosse und 97 Kilogramm schwere Turnerschwinger gehört dem Schwingklub am Ottenberg an. Bei diesem trifft das aufstrebende Jungtalent auf so namhafte Trainingspartner wie Samuel Giger, Stefan Burkhalter oder Domenic Schneider. Als Aktiver darf Lars zwei im Jahr 2019 gewonnene Kantonalkränze und die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug als Erfolge verbuchen. Und: Der junge Schwinger legte bei den Aktiven einen guten Start hin, und konnte von Anfang an mit den Kranzschwingern mithalten.

Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann Lars etwa 50 Zweige im Schwingen sowie um die 15 im Nationalturnen, und holte sich etwa 25 bis 30 Festsiege. Als Höhepunkte bezeichnet er die vier Siege am Nordostschweizer Teilverbandsfest: Viermal gestartet, viermal gewonnen. Am ENST 2019 in Landquart gewann Lars den begehrten Doppelzweig. In der Sparte Nationalturnen holte sich der Jungzüchter den Schweizermeister-Titel in einer Junioren-Kategorie. 

Durch einen Kollegen zum Schwingsport gefunden

Lars fand durch einen Kollegen zum Schwingsport, in seiner Familie hat niemand geschwungen. Den Jungspund hat es vom ersten Training an gepackt, und so blieb er dem Nationalsport treu. Ein Vorbild benennt der Thurgauer keines, vielmehr schaut er von vielen Schwingern Dinge ab. Kurz, Fussstich und Gammen sind seine bevorzugten Schwünge.

Lars Hugelshofer hat bereits zwei Kränze auf seinem Konto

Bild: Lars Hugelshofer

Die beiden ersten Schwingfeste liefen gut für dich. Was sagst du rückblickend zu diesen?

«Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Ein Ernstkampf nach so langer Zeit zu bestreiten war nicht einfach, und zudem ein spezielles Gefühl. Nach einem längeren Unterbruch ist es schwierig, gleich von Null auf Hundert zu gelangen. Mit den beiden Schlussgangteilnahmen bin ich sehr zufrieden, und ich bin auf einem guten Weg.»

Beim nächsten Zusammentreffen mit Werner Schlegel bodigst du ihn. Wie könnte das gehen?

«Das ist das Ziel. Wie das gehen könnte? Mit angreifen und dem Versuch meine Schwünge sauber durchzuziehen, könnte es klappen.»

Haben dir die fünf Wochen Vorbereitungszeit bis zum ersten Schwingfest in Schaffhausen gereicht?

«Optimal war es sicher nicht. Dazu hätte es mindestens doppelt so viel Zeit gebraucht. Es ist nun gut gekommen, und anhand der beiden guten Ergebnissen hat die Vorbereitungszeit scheinbar gereicht.»

Welches werden deine nächsten Schwingfest-Einsätze sein?

«Das weiss ich derzeit noch nicht. Mögliche Schwingfeste in den nächsten drei bis vier Wochen sind alle abgesagt worden.»

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Ein sehr schönes Gefühl. Es fühlt sich an wie eine Rückkehr in ein bisschen Normalität. Ich darf dabei tun was ich am liebsten mache, und kann so auch wieder meine Schwingerkameraden treffen.»

Lars Hugelshofer, hier bei einem siegreichen Wurf, sagt: «Ich trainiere nun in einer Vierergruppe mit Samuel Giger, Domenic und Mario Schneider.

Bild: Lars Hugelshofer

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Derzeit absolviere ich wöchentlich zwei Schwingtrainings und trainiere zusätzlich zwei bis dreimal Kraft und Kondition. Letzteres mit YouTube-Videos von vorgezeigten Workout-Trainings.»

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Seit dem 1. März habe ich mit den Ü20-Schwingern in einer Gruppe von etwa 15 Thurgauer Schwingern in der Schwinghalle von unserem Schwingklub in Weinfelden trainiert. Nun hat es eine Änderung gegeben. Ich wurde bei den 26 Spitzenschwingern, welcher der Nordostschweizer Schwingerverband selektionieren kann, eingeteilt. Ich trainiere nun in einer Vierergruppe mit Samuel Giger, Domenic und Mario Schneider. Vorerst handelt es sich um zwei Trainings pro Woche, mit Aussicht auf Erhöhung auf drei bis vier Schwingtrainings.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Es geht darum, das Gefühl und die Leichtigkeit fürs Schwingen wieder zurückzubekommen. Weiter möchte ich die Routine wiedererlangen und bei jeder Situation einen entsprechenden Schwung ansetzen können. In erster Linie will ich wieder voll schwingen können, und nach und nach an der Technik feilen. Dabei wird die sauberere Ausführung der Schwünge und die Kraft dahinter trainiert.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Wie bereits erwähnt habe ich Kraft und Kondition anhand von YouTube-Videos trainiert. Je nach Temperatur ging ich zudem draussen joggen und Velofahren.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Es ist für alle eine schwierige Zeit, und für die Betroffenen ist es noch schwieriger. Gut ist, dass sich unsere Verbandsoberen für Lockerungen im Schwingsport einsetzen. Ich finde, es wäre nun an der Zeit, dass nebst den Spitzenschwingern auch die Mittelschwinger wieder trainieren dürften. Ansonsten ist nebst dem Schwingen nicht viel los. In den Ausgang kann man nicht, und man trifft so fast niemanden mehr. Da ich wieder schwingen darf, habe ich wieder Kontakt mit meinen Schwingerkollegen, welche ich vorher wöchentlich drei- bis viermal getroffen habe.»

feldwaldwiesenblogger

Samuel Giger und seine Nordostschweizer Kollegen nehmen nun auch das Sägemehl-Training auf

Text: feldwaldwiesenblogger

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) unter dem Titel «Ausführungen des ZV ESV zur schrittweisen Öffnung im Schwingen» eine längere Mitteilung. In dieser erläutert der ESV seine bisher getroffenen Entscheide im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Zugleich möchten die Verbandsoberen damit eine breitere Akzeptanz erlangen. Bekanntlich führte einer der Entscheide, nämlich 120 Spitzenschwinger im Sägemehl trainieren zu lassen, teilweise zu harscher Kritik.

Samuel Giger bekam viel Lob für seinen Trainingsverzicht, nimmt ab Mitte April nun aber auch sein Sägemehl-Training auf

Bild: pinterest.ch

Verzicht aus Solidarität

In vier von fünf Teilverbänden haben die selektionierten Athleten mittlerweile ihr Schwingtraining aufgenommen. Aber: Bis auf drei Schwinger haben sich die Nordostschweizer Spitzenschwinger mit ihren Mittelschwingern solidarisiert und verzichten bis Mitte April aufs Sägemehl-Training. Samuel Giger nahm in einem «Sportpanorama»-Beitrag von «SRF Sport» Stellung und begründete seinen Verzicht einerseits wegen der angesprochenen Solidarität. Andererseits erwähnte der Thurgauer eine Umfrage, welche der Nordostschweizer Teilverband anfangs März vorgenommen hatte. Darin kommt zum Ausdruck, dass fast 72 Prozent aller Schwinger sich zu einem «Entweder alle oder keine» bekennen.

Die Nordostschweizer lenken ein, und unterstützen die Bestrebungen für eine weitere Öffnung

Eine weitere Passage in der ESV-Mitteilung liess aufhorchen: Nach einer intensiven Diskussion anlässlich einer ZV-Sitzung erklärt sich der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) bereit, bis am 13. April die restlichen Ü20-Schwinger an Stefan Strebel, dem Technischen Leiter vom ESV, zu melden. Und: Der NOSV unterstützt damit die Bestrebungen des ESV mit Swiss Olympic/BASPO für eine weitere Öffnung. Die Nordostschweizer lenken demzufolge nun ein. Wir erinnern uns: Der NOSV publizierte am 20. März eine Mitteilung mit dem Titel «Starkes Zeichen der NOSV-Eidgenossen an ihre Trainingskollegen». Darin bekräftigten die Technische Kommission und die Eidgenössischen Kranzschwinger die Solidarität zu ihren Mittelschwingern. Es wurde damals beschlossen, den Trainingsverzicht bis Mitte April aufrecht zu halten. 

Den Öffnungsschritt zähneknirschend unterstützt

Gemäss einem Beitrag der Aargauer Zeitung von gestern Donnerstag («Die neue Gewinnzahl im Schwingen lautet 168 – die stufenweise Öffnung soll weiter gehen») unterstützen die Nordostschweizer den Öffnungsschritt nun zähneknirschend. Denn: Dieser ist Bedingung für nächste Verhandlungen zwischen Stefan Strebel und Swiss Olympic/BASPO. Strebel’s Ziel ist, dass bei einem weiteren Öffnungsschritt weitere 48 Schwinger ihr Training aufnehmen dürfen. Dann stünden nämlich alle Schwinger, welche an einem Eidgenössischen, an einem Teilverbands- oder an einem Bergfest einen Kranz gewannen, wieder im Sägemehl. Der Technische Leiter vom ESV möchte zudem, dass auf Aussenplätzen bis zu 15 Athleten schwingen dürfen. 

Samuel Giger und Co. steigen nun auch ins Sägemehl

Die Aargauer Zeitung schreibt weiter im erwähnten Beitrag: «Spannend wird sein, ob sich Spitzenschwinger wie Samuel Giger, der sich öffentlich gegen die Öffnung wehrte, aufstellen lassen.» Diese Frage kann mit Ja beantwortet werden. Auf Nachfrage bestätigte Samuel Giger, dass er und seine 22 Kollegen ab Mitte April nun auch ins Sägemehl steigen werden.

Schwingfeste für die besten 120 Schwinger?

Der Zuger Pirmin Reichmuth forderte kürzlich im «Blick», dass für die besten 120 Schwinger nicht nur Trainings erlaubt sein sollen, sondern auch Schwingfeste organisiert werden. Ein Konzept von Stefan Strebel für solche Wettkämpfe besteht zwar seit einiger Zeit. Dieses fand im Zentralvorstand jedoch bisher keinen Anklang. Der TK-Chef dazu in der Aargauer Zeitung: «Und ich gehe nicht davon aus, dass sich daran zeitnah etwas ändern wird. Darum sollten wir nun weitere Öffnungen im Trainingsbetrieb vorantreiben.»

Rolf Lussi, der Präsident der Nordostschweizer Schwinger, sagt: «Wir wollen das System für die weiteren Öffnungsschritte nicht blockieren»

Bild: esv.ch

Der Präsident der Nordostschweizer gibt Auskunft

Dem Vernehmen nach haben beim ZV-Beschluss der Nordostschweizer und der Innerschweizer Vertreter gegen das Verdikt der stufenweisen Öffnung für die 120 Spitzenschwinger gestimmt. Anders als die Nordostschweizer bekannten sich hinterher die Innerschweizer zum Mehrheitsbeschluss und deren Spitzenschwinger verzichteten nicht aufs Training. Rolf Lussi, der Präsident der Nordostschweizer Schwinger, beschreibt nachfolgend den Sinneswandel und erklärt diesen der ziemlich aufgebrachten Schwinger-Basis. Weiter gibt er Auskunft darüber, welche Reaktionen ihre Solidarität innerhalb der Schwingerwelt ausgelöst haben und wie die Nordostschweizer Pirmin Reichmuth’s Forderung sehen.

Die Nordostschweizer unterstützen nun die Bestrebungen für eine weitere Öffnung. Wie kam es zum Sinneswandel?

«Wir haben darüber im ZV intensiv diskutiert. Weitere Öffnungsschritte hängen davon ab, ob das Kontingent mit den 120 Schwingern ausgeschöpft wird oder nicht. Wir wollen dieses System nicht blockieren. Und: Wir hätten per Mitte April sowieso entschieden, wie es weitergehen soll. Zudem wollen wir unsere Schwinger nicht weiter warten lassen. Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass dies einer Ungleichbehandlung gleichkommt und einen Trainingsvorsprung gegenüber denen, welche nicht schwingen dürfen, bedeutet.»

War der Plan von Anfang an, nur bis Mitte April aufs Training zu verzichten? Oder brauchte es für den Sinneswandel die erwähnte Diskussion innerhalb des ZV?

«Wie bereits erwähnt, wollen wir das System für die weiteren Öffnungsschritte nicht blockieren. Aber: Wir haben in unserer Mitteilung vom 20. März kommuniziert, dass wir so oder so Mitte April das weitere Vorgehen entschieden hätten. Das war von vorneherein der Plan. Denn: Aufgrund der Rückmeldungen auf die Umfrage bei unserer Basis war für uns klar, wie wir vorzugehen hatten. Wir haben schlicht basisdemokratisch gehandelt und in der Technischen Kommission und im Vorstand des NOSV die Umfrageergebnisse ernst genommen. Den Sinneswandel vollziehen wir nun im Wissen, dass die Mehrheit auf der Strecke bleibt.»

Es rumort an der Schwinger-Basis. Sehr viele Schwingerfreunde fanden das solidarische Verhalten der Nordostschweizer vorbildlich, und es löste viele Emotionen aus. Wie sahen die Rückmeldungen aus? Und: Was überwog, die positiven oder die negativen Reaktionen?

«Ich bekam unzählige Rückmeldungen. Die Reaktionen hinsichtlich der Solidarität waren zu 100 Prozent positiv.»

Nun lenken die Nordostschweizer auch ein. Wie erklärst du das der aufgebrachten Schwinger-Basis?

«Das Ziel ist, dass alle schwingen können. Es nutzt niemandem etwas, wenn wir jetzt weitere Öffnungsschritte blockieren. Damit das geschehen kann, schöpfen wir nun unser Kontingent auch aus. Wichtig ist für mich zudem, dass Schwingfeste erst dann stattfinden werden, wenn alle Schwinger mindestens einen Monat trainieren konnten.»

Hat die Solidarität der Nordostschweizer die Schwingerschweiz auf die Probe gestellt? Bestand wegen diesem Sonderweg nicht die Gefahr einer Spaltung innerhalb der Schwingerwelt?

«Nein, wir haben es als unsere Pflicht gesehen, auf die Solidarität hinzuweisen. Unser Ziel ist es, alle gleich zu behandeln. Ich finde eher, dass wir jetzt eine Spaltung haben.»

Pirmin Reichmuth fordert Schwingfeste für die 120 Spitzenschwinger. Wie sehen die Nordostschweizer diese Forderung?

«Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies undenkbar. Solange die Saison noch so jung ist, kann man nicht über diesen Punkt diskutierten

feldwaldwiesenblogger

Vorschau mit dem Schwyzer Talent Severin Steiner auf den kleinen Frühjahrsschwinget Ibach

Text: feldwaldwiesenblogger

An Ostermontag wird die Freiluftsaison der Schwinger eröffnet. In Ibach SZ steigt ein kleiner Frühjahrsschwinget. Die Organisatoren rund um den Schwingerverband am Mythen schreiben auf ihrer Homepage: «Der Anlass wird nach den Vorgaben des BAG und unter Einhaltung eines strengen Schutzkonzepts durchgeführt, um alle Anwesenden zu schützen. Daher werden wir auf und neben dem Gelände keine Zuschauer empfangen dürfen.» Am Start sind maximal 100 Schwinger, startberechtigt sind junge Aktive mit den Jahrgängen 2001 bis 2005. Erwartet werden Schwinger aus dem Innerschweizer Verbandsgebiet sowie von den befreundeten Schwingklubs Worblental und Gruyère. Zudem wird parallel dazu ein Klubschwinget für die Jungschwinger des Mythenverbandes (Jahrgänge 2006 bis 2013) durchgeführt.

Severin Steiner ist einer der Topfavoriten

Zu den Topfavoriten auf den Tagessieg darf man vier Schwinger zählen. Einerseits zwei Kranzschwinger, nämlich den Zuger Noe van Messel und den Berner Adrian Walther vom Schwingklub Worblental. Andererseits wird der Sieg auch über den Schwyzer Severin Steiner und den Luzerner Roman Wandeler führen. Beides zwar noch Nichtkranzer, aber dennoch ebenso grosse Talente wie die beiden Erstgenannten. Mit Severin Steiner, einem der Topfavoriten auf den Tagessieg, blicken wir heute auf den kleinen Frühjahrsschwinget in Ibach voraus. Der Schwyzer erzählt uns aber auch aus seinem Trainingsalltag. Weiter berichtet er von seinen Gedanken zur leider immer noch vorherrschenden Corona-Pandemie.

Starker dritter Rang am 1. Tessiner Rangschwinget

Severin wird am 18. Mai 20-jährig und wohnt in Ibach. Der 178 Zentimeter grosse und 90 Kilogramm schwere Sennenschwinger hat, wie bereits erwähnt, noch keine Kränze auf seinem Konto. Als Aktiver darf man ihm 2019 die Achtungserfolge am 1. Tessiner Rangschwinget in Vezia (3. Rang) und am Herbstschwingertag in Unteriberg (4. Rang) zugutehalten. Ebenfalls 2019 fehlten Severin am Urner und Schwyzer Kantonalen jeweils das berühmte «Vierteli» zum ersten Kranzgewinn. 

Beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann der junge Schwyzer 59 Zweige und holte sich 20 Festsiege. Darunter stehen vier Siege an Innerschweizerischen und vier Siege an Schwyzer Kantonalen Nachwuchsschwingertagen zu Buche. Am ENST 2019 in Landquart gewann der Ibächler den begehrten Doppelzweig. Ein solch beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger gelang in der Innerschweiz zuletzt nur Talenten wie Joel Wicki oder seinem Trainingskameraden Michael Gwerder. Nebst dem Talent zeichnen Severin Ehrgeiz, Wille, Geduld und die mentale Einstellung aus. So ist der erste Kranzgewinn eine Frage der Zeit.

Durch eine Tante zum Schwingsport gefunden

Severin absolviert derzeit eine Lehre als Zimmermann bei einem Zimmerei-Betrieb in Ibach. Der Zimmermann-Lehrling im vierten Lehrjahr gehört dem Schwyzer Kantonalen Schwingerverband an und schwingt für den Schwingerverband am Mythen. Der «Mythenverbändler» entstammt aus keiner Schwinger-Dynastie, weder Vater noch Grossvater haben jemals geschwungen. Zum Schwingsport fand er durch seine Tante Astrid Steiner, welche den Knirps damals auf den Schnuppertag des Schwingerverbandes am Mythen aufmerksam machte. Severin gefiel das Schwingen auf Anhieb, welches für ihn inzwischen zu seiner grossen Leidenschaft geworden ist.

Severin Steiner steigt am Ostermontag als einer der Topfavoriten auf den Tagessieg in den Ring, und sagt: «Das wird ein hartes Schwingfest werden!»

Bild: Severin Steiner

An Ostermontag steht mit dem kleinen Frühjahrsschwinget Ibach ein erster Ernstkampf auf dem Programm. Was rechnest du dir dabei aus?

«Das wird ein hartes Schwingfest werden! Man hat seine Gegner über ein Jahr nicht mehr gesehen und mit ihnen geschwungen. Dementsprechend schwer sind die Chancen einzuschätzen. Das Ziel ist eine vordere Rangierung. Wenn alles zusammenstimmt, liegt der Tagessieg drin. Aber: Es warten harte und unangenehme Gegner auf mich.»

Haben dir die fünf Wochen Vorbereitungszeit bis zum ersten Schwingfest gereicht?

«Ja, das haben sie. Wir haben von Anfang an das Training mit Schulschwingen und frei schwingen kombiniert. Das Schwingtraining erfolgte unter der Leitung von Edi Kündig und Aktivschwingern aus unserem Schwingklub. Bei den ersten Trainings habe ich noch an der Kondition gearbeitet. Inzwischen feile ich an meiner Technik.»

Welches werden deine nächsten Schwingfest-Einsätze sein?

«Das kann ich momentan nicht sagen. Ich rechne aber damit, dass in nächster Zeit weitere kleine Schwingfeste organisiert werden.»

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Es ist einfach schön! Am Anfang war es recht stressig, gleich von Null auf Hundert wieder zu schwingen. Ich habe hinterher meinen Körper schon gespürt. Inzwischen hat man sich an die Kräfte und die Schläge gewöhnt und das Schwingtraining ist wieder alltäglich geworden.»

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Ich absolviere zweimal wöchentlich ein Schwingtraining bei unserem Schwingklub. Am Dienstags-Training kommen jeweils zusätzliche Schwinger von Schwyzer Klubs zu uns ins Training. Das Tourenski-Fahren ist so quasi mein momentanes Konditionstraining.»

30. Juni 2019 in Sachseln: Severin Steiner hat soeben zum vierten Mal an einem Innerschweizer Jungschwingertag den Tagessieg geholt

Bild: luzernerzeitung.ch

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Ja, es sind immer zwischen 10 und 20 Schwinger im Training. Es sind jeweils die gleichen Trainingspartner, was die Sache ausgeglichen macht. Was auffällt: Vom Jahrgang 2001 hat es auf dem ganzen Kantonsgebiet relativ wenig Schwinger. Und: Bis jetzt fanden noch keine Trainings mit Gleichaltrigen ausserhalb des Schwyzer Kantonsgebietes statt. Wann solche Trainings angesetzt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Es ging darum, richtig ins Schwingen reinzukommen, und die verschiedenen Schwünge regelmässig und konsequent zu ziehen. Ich habe in den letzten fünf Wochen vor allem meine bestehenden Schwünge repetiert, aber kaum neue ausprobiert. Meine bevorzugten Schwünge sind vom Stand aus der Übersprung und am Boden das Päckli.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Eine Zeitlang habe ich relativ wenig trainiert. Später begann ich, meine Kondition mit Velofahren zu trainieren. Aber: Da ich immer arbeiten konnte, bekomme ich bei meiner täglichen Arbeit als Zimmermann eine bestimmte Grundfitness.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Man muss damit leben. Viele der Massnahmen sind übertrieben und man findet schon Wege, um trotzdem einiges machen zu können. Ich schenke dem Ganzen nicht mehr so grosse Beachtung wie zu Beginn der Pandemie.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?

«Man trifft sich zwischendurch immer mal wieder. Im Winter gingen wir öfters zusammen Skifahren. Etwa einmal pro Woche machen wir ab, und treffen uns bei einem Kollegen zuhause. Und in der Berufsschule rede ich mit dem einen oder anderen Kollegen länger als sonst.»

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