Vorschau mit dem Schwyzer Talent Severin Steiner auf den kleinen Frühjahrsschwinget Ibach

Text: feldwaldwiesenblogger

An Ostermontag wird die Freiluftsaison der Schwinger eröffnet. In Ibach SZ steigt ein kleiner Frühjahrsschwinget. Die Organisatoren rund um den Schwingerverband am Mythen schreiben auf ihrer Homepage: «Der Anlass wird nach den Vorgaben des BAG und unter Einhaltung eines strengen Schutzkonzepts durchgeführt, um alle Anwesenden zu schützen. Daher werden wir auf und neben dem Gelände keine Zuschauer empfangen dürfen.» Am Start sind maximal 100 Schwinger, startberechtigt sind junge Aktive mit den Jahrgängen 2001 bis 2005. Erwartet werden Schwinger aus dem Innerschweizer Verbandsgebiet sowie von den befreundeten Schwingklubs Worblental und Gruyère. Zudem wird parallel dazu ein Klubschwinget für die Jungschwinger des Mythenverbandes (Jahrgänge 2006 bis 2013) durchgeführt.

Severin Steiner ist einer der Topfavoriten

Zu den Topfavoriten auf den Tagessieg darf man vier Schwinger zählen. Einerseits zwei Kranzschwinger, nämlich den Zuger Noe van Messel und den Berner Adrian Walther vom Schwingklub Worblental. Andererseits wird der Sieg auch über den Schwyzer Severin Steiner und den Luzerner Roman Wandeler führen. Beides zwar noch Nichtkranzer, aber dennoch ebenso grosse Talente wie die beiden Erstgenannten. Mit Severin Steiner, einem der Topfavoriten auf den Tagessieg, blicken wir heute auf den kleinen Frühjahrsschwinget in Ibach voraus. Der Schwyzer erzählt uns aber auch aus seinem Trainingsalltag. Weiter berichtet er von seinen Gedanken zur leider immer noch vorherrschenden Corona-Pandemie.

Starker dritter Rang am 1. Tessiner Rangschwinget

Severin wird am 18. Mai 20-jährig und wohnt in Ibach. Der 178 Zentimeter grosse und 90 Kilogramm schwere Sennenschwinger hat, wie bereits erwähnt, noch keine Kränze auf seinem Konto. Als Aktiver darf man ihm 2019 die Achtungserfolge am 1. Tessiner Rangschwinget in Vezia (3. Rang) und am Herbstschwingertag in Unteriberg (4. Rang) zugutehalten. Ebenfalls 2019 fehlten Severin am Urner und Schwyzer Kantonalen jeweils das berühmte «Vierteli» zum ersten Kranzgewinn. 

Beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann der junge Schwyzer 59 Zweige und holte sich 20 Festsiege. Darunter stehen vier Siege an Innerschweizerischen und vier Siege an Schwyzer Kantonalen Nachwuchsschwingertagen zu Buche. Am ENST 2019 in Landquart gewann der Ibächler den begehrten Doppelzweig. Ein solch beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger gelang in der Innerschweiz zuletzt nur Talenten wie Joel Wicki oder seinem Trainingskameraden Michael Gwerder. Nebst dem Talent zeichnen Severin Ehrgeiz, Wille, Geduld und die mentale Einstellung aus. So ist der erste Kranzgewinn eine Frage der Zeit.

Durch eine Tante zum Schwingsport gefunden

Severin absolviert derzeit eine Lehre als Zimmermann bei einem Zimmerei-Betrieb in Ibach. Der Zimmermann-Lehrling im vierten Lehrjahr gehört dem Schwyzer Kantonalen Schwingerverband an und schwingt für den Schwingerverband am Mythen. Der «Mythenverbändler» entstammt aus keiner Schwinger-Dynastie, weder Vater noch Grossvater haben jemals geschwungen. Zum Schwingsport fand er durch seine Tante Astrid Steiner, welche den Knirps damals auf den Schnuppertag des Schwingerverbandes am Mythen aufmerksam machte. Severin gefiel das Schwingen auf Anhieb, welches für ihn inzwischen zu seiner grossen Leidenschaft geworden ist.

Severin Steiner steigt am Ostermontag als einer der Topfavoriten auf den Tagessieg in den Ring, und sagt: «Das wird ein hartes Schwingfest werden!»

Bild: Severin Steiner

An Ostermontag steht mit dem kleinen Frühjahrsschwinget Ibach ein erster Ernstkampf auf dem Programm. Was rechnest du dir dabei aus?

«Das wird ein hartes Schwingfest werden! Man hat seine Gegner über ein Jahr nicht mehr gesehen und mit ihnen geschwungen. Dementsprechend schwer sind die Chancen einzuschätzen. Das Ziel ist eine vordere Rangierung. Wenn alles zusammenstimmt, liegt der Tagessieg drin. Aber: Es warten harte und unangenehme Gegner auf mich.»

Haben dir die fünf Wochen Vorbereitungszeit bis zum ersten Schwingfest gereicht?

«Ja, das haben sie. Wir haben von Anfang an das Training mit Schulschwingen und frei schwingen kombiniert. Das Schwingtraining erfolgte unter der Leitung von Edi Kündig und Aktivschwingern aus unserem Schwingklub. Bei den ersten Trainings habe ich noch an der Kondition gearbeitet. Inzwischen feile ich an meiner Technik.»

Welches werden deine nächsten Schwingfest-Einsätze sein?

«Das kann ich momentan nicht sagen. Ich rechne aber damit, dass in nächster Zeit weitere kleine Schwingfeste organisiert werden.»

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Es ist einfach schön! Am Anfang war es recht stressig, gleich von Null auf Hundert wieder zu schwingen. Ich habe hinterher meinen Körper schon gespürt. Inzwischen hat man sich an die Kräfte und die Schläge gewöhnt und das Schwingtraining ist wieder alltäglich geworden.»

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Ich absolviere zweimal wöchentlich ein Schwingtraining bei unserem Schwingklub. Am Dienstags-Training kommen jeweils zusätzliche Schwinger von Schwyzer Klubs zu uns ins Training. Das Tourenski-Fahren ist so quasi mein momentanes Konditionstraining.»

30. Juni 2019 in Sachseln: Severin Steiner hat soeben zum vierten Mal an einem Innerschweizer Jungschwingertag den Tagessieg geholt

Bild: luzernerzeitung.ch

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Ja, es sind immer zwischen 10 und 20 Schwinger im Training. Es sind jeweils die gleichen Trainingspartner, was die Sache ausgeglichen macht. Was auffällt: Vom Jahrgang 2001 hat es auf dem ganzen Kantonsgebiet relativ wenig Schwinger. Und: Bis jetzt fanden noch keine Trainings mit Gleichaltrigen ausserhalb des Schwyzer Kantonsgebietes statt. Wann solche Trainings angesetzt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Es ging darum, richtig ins Schwingen reinzukommen, und die verschiedenen Schwünge regelmässig und konsequent zu ziehen. Ich habe in den letzten fünf Wochen vor allem meine bestehenden Schwünge repetiert, aber kaum neue ausprobiert. Meine bevorzugten Schwünge sind vom Stand aus der Übersprung und am Boden das Päckli.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Eine Zeitlang habe ich relativ wenig trainiert. Später begann ich, meine Kondition mit Velofahren zu trainieren. Aber: Da ich immer arbeiten konnte, bekomme ich bei meiner täglichen Arbeit als Zimmermann eine bestimmte Grundfitness.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Man muss damit leben. Viele der Massnahmen sind übertrieben und man findet schon Wege, um trotzdem einiges machen zu können. Ich schenke dem Ganzen nicht mehr so grosse Beachtung wie zu Beginn der Pandemie.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?

«Man trifft sich zwischendurch immer mal wieder. Im Winter gingen wir öfters zusammen Skifahren. Etwa einmal pro Woche machen wir ab, und treffen uns bei einem Kollegen zuhause. Und in der Berufsschule rede ich mit dem einen oder anderen Kollegen länger als sonst.»

feldwaldwiesenblogger