Der Eidgenosse Stefan Stöckli meldet sich mit einem Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest zurück

Text: feldwaldwiesenblogger

Vor Wochenfrist erklärte ich Sven Schurtenberger und Joel Ambühl zu Topfavoriten bei den beiden Oberhabsburger Rangschwingfesten in Root. Bei Ambühl lag ich richtig. Schurtenberger startete zwar vielsprechend mit einem Sieg in den Wettkampf, musste aber nach dem dritten Gang wegen gesundheitlichen Problemen (Hitzschlag) vorzeitig aufgeben. Stefan Stöckli, der zweite Eidgenosse im Teilnehmerfeld, erwischte hingegen einen guten Tag und gewann das vormittägliche Oberhabsburger Schwingfest 1. Zudem vermeldete ich im Vorfeld, dass es ihm in erster Linie nach zwei gravierenden Knieverletzungen darum geht, wieder richtig Fuss zu fassen. Stefan gelang das am vergangenen Sonntag eindrücklich, gerade rechtzeitig vor dem Kranzfest-Start in der Innerschweiz. Der Luzerner ist morgen Samstag am Stoos-Schwinget in Ibach SZ auch am Start. Im ersten Gang bekommt er es mit dem Berner Teilverbands- und Berkranzer Simon Mathys zu tun.

Stefan Stöckli durfte sich als Sieger vom Oberhabsburger Rangschwingfest 1 feiern lassen

Bild: feldwaldwiesenbloger

Überlegener Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest 1

Mit fünf Siegen und einem «Gestellten» durfte Stefan einen überlegenen Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest 1 feiern. Der Luzerner reihte Roman Fellmann, Sven Wyss, Ueli Doppmann, Lukas Lemmenmeier und im Schlussgang Ronny Schöpfer unter die Verlierer. Einzig mit Remo Vogel teilte er im vierten Gang die Punkte. Gut eine Woche vorher lief es dem Eidgenossen am Oberseetaler Rangschwinget bei seinem Comeback noch nicht ganz rund. Drei Siege, zwei «Gestellte» und eine Niederlage bedeuteten Rang 9a. 

Feine Schwingerarbeit – Comeback geglückt

Am Oberhabsburger Rangschwingfest zeigte Stefan feine Schwingerarbeit. Die fünf Siege fielen überzeugend aus, und man durfte hinterher konstatieren: Das Comeback nach zwei gravierenden Knieverletzungen ist geglückt. Blick zurück in die Vergangenheit: Betrachtet man die Tabelle der Kranzerfolge, kommt die Frage auf, warum hat dieser exzellente Schwinger eigentlich nicht mehr Eichenlaub-Exemplare auf seinem Konto? Weiter fällt auf: Der erste Kranzerfolg feierte Stefan als 21-Jähriger, dann folgte zwei Jahre später Kranz Nummer zwei und wieder zwei Jahre später Kranz Nummer drei. Waren da auch schon Verletzungen im Spiel? In den Jahren 2015 und 2016 durfte sich der Rottaler jeweils dreimal den Kranz aufsetzen lassen. Als Meilensteine 2015 und 2016 jeweils den Innerschweizer Kranz und als Höhepunkt 2016 Eidgenössisches Eichenlaub. Ab dann kam kein Kranz mehr hinzu. Wie bereits erwähnt setzten zwei schwerwiegende Knieverletzungen den Eidgenossen ausser Gefecht.

Zeit, bei Stefan nachzufragen und ihn besser kennen zu lernen. Um zu erfahren, wie seine Verletzungsgeschichte nach dem Kranzgewinn am Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer aussah. Und: Ist der Technische Kaufmann mit seinen 30 Jahren nun bereit, an der Innerschweizer Spitze mitzumischen?

Stefan Stöckli’s bisheriger Karrierehöhepunkt: Der Eidgenössische Kranz 2016 in Estavayer

Bild: Stefan Stöckli

2016 in Estavayer den Eidgenössischen Kranz gewonnen

Stefan’s Geburtsdatum ist der 8. Mai 1991. Der 30-Jährige wohnt in Geiss, ist verlobt und weist mit seiner Grösse (189 Zentimeter) und seinem Gewicht (110 Kilogramm) optimale Masse für den Schwingsport auf. Der Geisser machte eine Ausbildung zum Schlosser (Anlage- und Apparatebauer) und arbeitet derzeit in einem Betrieb in Buttisholz als Technischer Kaufmann. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport ist der gelernte Schlosser im Sommer mit dem Rennvelo unterwegs, und verbringt zudem gerne Zeit mit Kollegen in einer gemütlichen Runde.

Stefan ist Mitglied beim Schwingklub Rottal, welcher dem Luzerner Kantonalverband angehört. Der Sennenschwinger hat bisher neun Kränze herausgeschwungen, nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren zwei Teilverbands- und sechs Kantonalkränze sein Palmarès. Zu den grössten Erfolgen zählt Stefan den am ESAF in Estavayer gewonnenen Kranz und den Sieg am erwähnten Oberhabsburger Rangschwingfest, der bisher einzige Festsieg bei den Aktiven.

Als 11-Jähriger zum Schwingsport gefunden

Die bevorzugten Schwünge sind der Wyberhaken und der Kurz, diese kommen am häufigsten zur Anwendung. Stefan fand als 11-Jähriger zum Schwingsport. Sein Vater war damals Jungschwingerbetreuer und nahm den Knirps eines Tages mit zum Training. Stefan bekam Freude am Nationalsport, und besuchte hernach die Trainings vom Schwingklub Rottal. Zu dieser Zeit war zudem kein Geringerer als der Eidgenosse Thomas Stöckli Jungschwingerbetreuer, ein Onkel von Stefan. Die «Stöckli’s» sind in der Innerschweiz eine kleinere Schwinger-Dynastie. Ein Cousin hat auch geschwungen und Bruder Damian ist immer noch aktiv.

Wie sah deine Verletzungsgeschichte nach dem ESAF 2016 aus?

«Diese Geschichte begann schon vor dem ESAF in Estavayer. 2016 verspürte ich ab Mitte Jahr Schmerzen im rechten Knie. Ich machte dann Physiotherapie und liess mir wegen den Schmerzen Cortison spritzen. Bis zum «Eidgenössischen» verspürte ich immer einen Druck auf dem Knie. Um teilnehmen zu können, versuchte ich alles, und nahm auch Schmerztabletten. Ich absolvierte in Estavayer meine acht Gänge, und holte mir den Kranz. Nach dem ESAF konnte ich kaum mehr laufen und das Knie war stark geschwollen. Ich liess mich untersuchen, die Abklärung ergab: Von der Kniescheibe waren einige Knorpel abgesplittert, diese drückten auf das Gelenk und lösten den Schmerz aus. Mit einer Eigenblut-Therapie versuchte man, die Knorpel aufzulösen. Das funktionierte leider nicht wunschgemäss, die Knorpel mussten schlussendlich operativ von den Gelenken entfernt werden. Die Saison darauf wollte ich möglichst rasch wieder auf den Schwingplatz. Ich nahm am Luzerner Kantonalen 2017 in Malters teil, brach die Saison aber hinterher ab. Mein Knie fiel wieder ins selbe Stadium zurück wie nach dem ESAF 2016. Ich unterzog mich nochmals einer Eigenblut-Therapie, welche diesmal anschlug. Ein Eingriff war nicht nötig, und ich konnte mich gut auf die Saison 2018 vorbereiten. Ich fühlte mich gut und bestritt als Vorbereitung zwei oder drei Frühjahrsschwingfeste. Am Frühjahrsschwinget in Ibach bezwang ich beim Anschwingen gar Martin Grab, und konnte so viel Selbstvertrauen tanken. Etwas später nahm ich am Schwyzer Kantonalen in Sattel teil. Im sechsten Gang wurde mir Guido Gwerder zugeteilt. Ich zog mit Kurz an, trat in ein Loch und rutschte weg. Gwerder gab Gegendruck, mein Knie bewegte sich ins Leere. Dabei gab’s einen «Chlapf» und ich verspürte einen Riesenschmerz. Im linken Knie wurde ein Kreuzbandriss, ein beschädigter Meniskus und eine in Mitleidenschaft gezogene Kniescheibe diagnostiziert. Es folgte ein grösserer operativer Eingriff, und hinterher eine längere Phase mit Physiotherapie und Aufbau. Im Winter 2018/2019 war das Knie noch zu wenig stabil, um schwingen zu können. Ich entschied mich, die Saison 2019 nicht in Angriff zu nehmen. Stattdessen entschloss ich mich für einen sauberen Aufbau für 2020. Ich war im Frühling gut drauf und körperlich fast noch fitter als jetzt. Wegen Corona fiel dann die Saison ins Wasser, ehe sie begonnen hatte. In dieser ungewissen und schwierigen Zeit war ich nahe dran, die Schwinghosen an den Nagel zu hängen. Ich führte viel Gespräche mit meinem Umfeld und entschied mich, weiterzumachen. Mit dem Hintergedanken, 2022 am ESAF in Pratteln teilnehmen zu können. Ich muss dazu aber auch sagen, dass mein Körper nun den Takt vorgibt und mir signalisiert, was drin liegt.»

Stefan Stöckli inmitten der Preisgewinner vom Oberhabsburger Rangschwingfest 1 (Zweiter von rechts). Die Schwingerfreunde hoffen auf weitere solcher Bilder

Bild: feldwaldwiesenblogger

Was sagst du rückblickend zum Comeback-Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest?

«Dieser Sieg hat mich sehr gefreut, es war ein super Gefühl! Ich war froh, dass ich schmerzfrei und unbeschwert schwingen konnte. Ich habe diesen Schwinget als Training angesehen und dabei beobachtet, was funktioniert und was noch nicht. Es zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Kurs bin, trotz meiner Verletzungsgeschichte und Corona.»

Haben dich schon in jungen Schwingerjahren Verletzungen geplagt?

«2010 erlitt ich am Luzerner Kantonalen in Zell einen Halswirbel-Bruch. Bei einem Gang steckte ich mit dem Kopf im Sägemehl fest, und dabei ist es wohl passiert. Ich habe das Schwingfest noch fertig geschwungen und den Kranz gewonnen. Ich liess mich hinterher untersuchen. Es hiess, dass es sich um eine Verstauchung handle, und nicht weiter abgeklärt werden müsse. Vier Wochen später verspürte ich starke Schmerzen. Die darauffolgende MRI-Untersuchung brachte den Halswirbel-Bruch zu Tage. Man hatte mir dabei gesagt, dass ich trotz allem grosses Glück hatte. Ich war dann während zwei Jahren nicht mehr oft im Schwingkeller anzutreffen, und war stattdessen mehr bei der Physiotherapie. Am Luzerner Kantonalen 2012 trat ich zwar an, und holte mir den Kranz. Im Halswirbel-Bereich war aber längst noch nicht alles in Ordnung. Weitere Physiotherapie-Stunden folgten. Erst ab 2014 konnte ich wieder richtig trainieren und schwingen.»

Bist du mit 30 Jahren nun bereit, an der Innerschweizer Spitze mitzumischen?

«Ja, ich bin bereit. Das oberste Ziel ist aber, dass ich unfallfrei bleibe und mich von Fest zu Fest steigern kann.»

Was rechnest du dir für den Stoos-Schwinget von morgen Samstag aus?

«Das Ziel ist der Kranz, und dass ich meine Bestleistung abrufen kann. Alles andere ist Zugabe. Ich brauche nun Schwingfeste, um richtig in die Saison reinzukommen. Damit es läuft und das Vertrauen da ist. Der Festsieg in Root kam mir dabei sehr entgegen. Wenn morgen der Kranz resultieren würde, wäre das sehr optimal. Es ist ein starkes Teilnehmerfeld am Start, dabei wird es einige Überraschungen geben.»

Wie sieht deine Saisonplanung aus und welche Ziele hast du dir für 2021 gesteckt?

«Nebst dem Stoos-Schwinget, starte ich in den darauffolgenden Wochen am «Innerschweizerischen» und am Rigi-Schwinget in Ibach. Dann folgt eine Woche Pause, bevor ich am Brünig-Schwinget in die Schwinghosen steige. Anschliessend mache ich Ferien. Hinterher nehme ich am Ob- und Nidwaldner, am Zuger und schliesslich am Luzerner Kantonalfest teil. Nach Möglichkeit starte ich noch an einem Regionalschwingfest, wenn es mein Körper zulässt.

Das oberste Ziel ist, unfallfrei zu bleiben. Dann natürlich Kränze zu gewinnen, alles weitere ist Zugabe. Ich nehme Fest um Fest, und schaue, wie sich das entwickelt. Eine Teilnahme am Kilchberger Schwinget ist sicher auch ein Ziel. In erster Linie freue ich mich aber, dass ich wieder schmerzfrei schwingen kann, nach all der Zeit mit Verletzungen und Physiotherapie.»

feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger und Joel Ambühl als Topfavoriten am Oberhabsburger Rangschwingfest in Root LU

Text: feldwaldwiesenblogger

Seit 1950 führt der Schwingklub Oberhabsburg regelmässig den Michaelskreuz-Schwinget durch. Wegen der aktuellen Pandemie-Situation findet dieser Anlass 2021 nicht statt. Aber: Als Ersatz steht am kommenden Sonntag, 20. Juni in Root LU das Oberhabsburger Rangschwingfest auf dem Programm. Das OK um Präsident Walter Fässler hat dies letzte Woche so entschieden. Die Organisatoren haben zudem festgelegt, am gleichen Tag gleich zwei Schwingfeste durchzuführen, dies allerdings ohne Zuschauer. Denn: Wegen den noch immer bestehenden Corona-Massnahmen im Monat Juni dürfen nur 50 Schwinger an einem Schwingfest, welches nicht als kantonaler Pilotanlass durchgeführt wird, teilnehmen. Am Vormittag kommt das Oberhabsburger Rangschwingfest 1 zur Austragung, am Nachmittag das Oberhabsburger Rangschwingfest 2.

Anstelle des beliebten Michaelskreuz-Schwinget (auf dem Bild die 59. Austragung 2019) wird 2021 das Oberhabsburger Rangschwingfest in Root LU durchgeführt. Dies allerdings ohne Zuschauer

Bild: lk-sv.ch

Weitere Gelegenheit vor den anstehenden Kranzfesten

Der Schwingklub Oberhabsburg möchte den Schwingern vor den anstehenden Kranzfesten eine Gelegenheit bieten, trotz der aktuellen Situation wettkampfmässig zu schwingen. Zudem können sich auf dem gleichen Schwingplatz auch die Nachwuchsschwinger messen, und zwar morgen Samstag, 19. Juni am 3. Oberhabsburger Nachwuchsschwinget. Jungschwinger mit den Jahrgängen 2006 bis 2013 kämpfen in vier Kategorien um den Kategoriensieg und den Zweig als Auszeichnung. Auch dieser Anlass wird ohne Zuschauer ausgetragen.

Diese Spitzenschwinger haben sich angemeldet

Folgende Spitzenschwinger sind am Vormittag beim Oberhabsburger Rangschwingfest 1 am Start: Die beiden Eidgenossen Sven Schurtenberger und Stefan Stöckli sowie die Berg- und Teilverbandskranzer Roger Bürli, Urs Doppmann, Damian Egli, Reto Fankhauser, Roman Fellmann und Remo Vogel. 

Für das Oberhabsburger Rangschwingfest 2 am Nachmittag haben sich keine Eidgenossen angemeldet. Den Sieg werden wohl die gemeldeten Berg- und Teilverbandskranzer unter sich ausmachen. Dies sind Joel Ambühl, Dominic Fässler, Marco Reichmuth und Roman Zurfluh. Ambühl werden dabei die grössten Chancen zugerechnet.

Der Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest 1 vom Vormittag wird über Sven Schurtenberger führen

Bild: feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger als Topfavorit am Vormittag

Beim Schwingfest am Vormittag wird der Sieg über Sven Schurtenberger führen, alles andere wäre eine Überraschung. Beim Oberseetaler Rangschwinget (Ballwil) vom letzten Freitag belegte der Buttisholzer den hervorragenden zweiten Schlussrang und musste sich nur dem Sieger Joel Wicki geschlagen geben. Daneben zierten lauter Siegkreuzchen sein Notenblatt. Zu den Verlierern reihte Schurtenberger unter anderem Marco Fankhauser, Joel Ambühl und Urs Doppmann, welche am Sonntag auch in Root antreten werden. Stefan Stöckli’s Auftritt in Ballwil verlief nicht ganz so erfolgreich. Nebst drei Siegen musste der Geisser zwei Gestellte und eine Niederlage hinnehmen. Für Stöckli geht es aber in erster Linie darum, wieder richtig Fuss zu fassen. Der Klubkollege von Schurtenberger erlebte nach dem Kranzgewinn am Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer eine lange Verletzungsgeschichte, und konnte in der Folge nur ganz wenige Schwingfeste bestreiten. Stöckli meldete sich Ende 2019 wieder fit und munter zurück, Corona verhinderte aber 2020 ein Comeback. Man darf gespannt sein, wie es dem 9-fachen Kranzschwinger bei seinem zweiten Schwingfest in Root laufen wird.

Joel Ambühl klassierte sich beim Oberseetaler Rangschwinget auf dem exzellenten zweiten Rang, und gilt als Sieganwärter am nachmittäglichen Oberhabsburger Rangschwingfest 2 

Bild: esv.ch

Augenmerk auf Joel Ambühl am Nachmittag

Joel Ambühl zeigte beim Oberseetaler Rangschwinget eine exzellente Leistung und klassierte sich am Ende wie Schurtenberger auf Rang zwei. Der in Hergiswil bei Willisau wohnhafte Sennenschwinger verlor nur gegen «Schurti», die anderen fünf Gänge gestaltete er siegreich. So unter anderem gegen Marco Fankhauser und den oben angesprochenen Stefan Stöckli. Ambühl gilt als Sieganwärter am nachmittäglichen Oberhabsburger Rangschwingfest 2.

Von den am Sonntag in Root startenden Schwingern konnten sich nebst Sven Schurtenberger, Joel Ambühl und Stefan Stöckli auch Roman Fellmann und Urs Doppmann mit je vier gewonnenen Gängen die Auszeichnung in Ballwil abholen.

Auszeichnung und Preise

Da das Oberhabsburger Rangschwingfest innert kürzester Zeit organisiert werden musste, wird es keinen Gabentempel geben. Die ersten 30 Prozent der Schlussrangliste erhalten eine Auszeichnung. Den Schwingern auf den Rängen eins bis drei wird zudem ein Preis ausgehändigt.

Das vormittägliche Rangschwingfest beginnt um 09.00 Uhr, dasjenige am Nachmittag um 13.00 Uhr. Der Schreibende wird am Sonntag vor Ort sein, und auf den Kanälen des Schwinger-Blogs das Schwingfestgeschehen zusammenfassen.

feldwaldwiesenblogger

Samuel Giger fordert die Nordwestschweizer heraus

Text: feldwaldwiesenblogger

Nach dem geglückten und stimmungsvollen Aargauer Kantonalschwingfest von vergangenem Sonntag steht an diesem Wochenende bereits Kranzschwingfest Nummer zwei auf dem Programm. Die Solothurner dürfen ihr «Kantonales» am Sonntag, 13. Juni ebenfalls als Pilotanlass durchführen. Erwartet werden um die 100 Schwinger, erlaubt sind total 1000 Personen auf dem Festgelände. Nebst den Nordwestschweizer Schwingern werden am Schwingfest in Matzendorf Schwinger von den befreundeten Schwingklubs am Ottenberg und Langnau am Start sein. Im Fokus wird dabei der Thurgauer Spitzenschwinger Samuel Giger stehen. Wie in Lenzburg Christian Stucki das Festgeschehen diktierte, wird beim Solothurner Kantonalen wohl Giger den Takt vorgeben.

Der Thurgauer Samuel Giger fordert in Matzendorf die Nordwestschweizer heraus

Bild: bauernzeitung.ch

Revanche beim Anschwingen

Als Revanche vom Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug treffen im absoluten Spitzengang beim Anschwingen Samuel Giger und Nick Alpiger aufeinander. Wir erinnern uns: Vor fast zwei Jahren bezwang der Aargauer etwas überraschend im ersten Gang den Thurgauer. Die Wege der beiden gingen in der Folge am ESAF ganz unterschiedlich vonstatten. Giger fing sich nach einer weiteren Niederlage im dritten Gang, und belegte schlussendlich Rang vier. Ganz anders bei Alpiger: Beim zweiten Gang riss bei ihm die Beugesehne zwischen Becken und Oberschenkel, und nach dem vierten Gang musste der Innerschweizer Sieger von 2019 schliesslich aufgeben. 

Dem Vernehmen nach ist Giger topfit, und hat sein Trainingspensum auch ausserhalb des Sägemehls nochmals gesteigert. Aber auch Alpiger bewies vor Wochenfrist am Aargauer Kantonalen in Lenzburg, dass er bereit ist. Im Spitzengang beim Anschwingen lief der Nordwestschweizer Team-Leader zwar Schwingerkönig Christian Stucki ins offene Messer. Hernach holte er auf, und es kam nochmals zum Duell mit Stucki. Der fade Schlussgang war dann leider taktisch geprägt. Es ist zu hoffen, dass der absolute Spitzengang am Solothurner Kantonalen auch seinem Namen gerecht wird, und beide Athleten ein Feuerwerk ins Sägemehl zaubern.

Auf diesem Festplatz in Matzendorf wird am Sonntag um Kränze geschwungen

Bild: matzendorf2020.ch

Läuft der Festverlauf am «Solothurner» ähnlich ab wie beim «Aargauer»?

Vieles deutet daraufhin, dass sich Samuel Giger wie Christian Stucki der Reihe nach mit der Nordwestschweizer Elite duellieren wird. Wird der Festverlauf ähnlich verlaufen wie in Lenzburg? Dagegen etwas einzuwenden haben nebst Nick Alpiger die weiteren Aargauer Eidgenossen Joel Strebel, Andreas Döbeli sowie Patrick Räbmatter und der Solothurner Teilverbands- und Bergkranzer Marcel Kropf. Strebel und Döbeli bewiesen in Lenzburg, dass sie in einer Topverfassung sind. «Räbi» hingegen hat noch Luft nach oben und wird in erster Linie wohl den verpassten Kranz nachholen wollen. Joel Strebel tritt am Sonntag zudem als Titelverteidiger an, er gewann die letzte Austragung 2019 in Zuchwil.

Ein weiterer Unterschied zum «Aargauer» werden die hochkarätigen Begleiter von Giger ausmachen. Die Brüder Domenic und Mario Schneider sind garantiert ebenso heiss darauf sich mit den Nordwestschweizer Spitzenschwingern zu duellieren. Der Festverlauf könnte deshalb erstens anders und zweitens noch spannender ablaufen als vor Wochenfrist.

Fünf Verletzte nach dem Aargauer Kantonalen

Der 100-fache Kranzgewinner Christoph Bieri steht in Matzendorf nicht am Start. Ob er nochmals ins Wettkampfgeschehen eingreifen wird, lässt der 35-jährige Aargauer noch offen. Ebenfalls fehlen werden die beiden Nordwestschweizer Eidgenossen David Schmid und Remo Stalder, beide wegen Verletzung. Stichwort Verletzungen: Am Aargauer Kantonalschwingfest schieden gleich fünf Schwinger wegen Verletzung aus, und dies bei einem Teilnehmerfeld von «nur» 87 Schwingern. Wie man in Erfahrung bringen konnte, seien diese Verletzungen auf eine ungenügende Vorbereitung zurückzuführen. Kritische Stimmen haben nach dem Lockerungsschritt vom 31. Mai befürchtet, dass die zu kurze Vorbereitungszeit für die Mittelschwinger ein grösseres Verletzungsrisiko mitbringen könnte. Hoffen wir, dass sie Unrecht behalten werden, und am Solothurner Kantonalen keine weiteren Verletzten beklagt werden müssen.

Siegermuni «Trumpf» wartet auf den Festsieger

Bild: Festführer (matzendorf2020.ch)

Das Schwingfest wird mit einem Live Stream übertragen

Der Siegerpreis ist der stolze Simmentaler Muni «Trumpf», welcher am 25. Oktober 2017 geboren ist. Mit dem Rind «Bluejay» und der Stute «Darina» stehen zwei weitere Lebendpreise bereit. Zusätzlich wird für die Schwinger ein schöner Gabentempel hergerichtet. Anschwingen in Matzendorf ist am Sonntagmorgen um 08.45 Uhr. Wie die Solothurner Organisatoren mitteilen, ist das Schwingfest nicht öffentlich und kann nur auf Einladung besucht werden. Eintritt haben dabei nur Personen nach dem GGG-Prinzip: Getestet, geimpft oder genesen. Ein vorgängiger Test wird für die eingeladenen Schwingerfreunde empfohlen. 

Für die Zuschauer zuhause besteht die Möglichkeit eines Live Streams: Upstream Media bietet via Web-Portal www.schwingen-live.ch das Solothurner Kantonale live an. SCHLUSSGANG-Chefredaktor Manuel Röösli und ein Co-Kommentator werden das Geschehen auf dem Schwingplatz kommentieren. 

feldwaldwiesenblogger

Nach 21 Monaten wieder ein Kranzfest! Die Aargauer beenden mit ihrem Kantonalen eine unglaubliche Durststrecke.

Text: feldwaldwiesenblogger

Es ist fast nicht zu glauben: Wegen der Corona-Pandemie konnte während 21 Monaten (!) kein Kranzfest durchgeführt werden. Eine unglaublich lange Durststrecke, welche die Aargauer am kommenden Sonntag nun beenden. Das Aargauer Kantonalschwingfest in Lenzburg steht auf dem Programm.

Dieser schöne Holzbrunnen wird in Lenzburg den Festplatz zieren

Bild: Pascale Alpiger

Der Schwingerkönig gibt sich die Ehre

Passend zum ersten Kranzfest nach fast überstandener Pandemie gibt sich Christian Stucki, Schwingerkönig von Zug, als Gast in Lenzburg die Ehre. Denn das letzte kranzberechtigte Schwingfest vor 21 Monaten war ausgerechnet das ESAF 2019 in Zug. Stucki bezwang damals Joel Wicki im Schlussgang und konnte sich hinterher als Schwingerkönig feiern lassen. Dass der sanfte Riese aus dem Seeland so lange auf eine Gelegenheit warten muss um als amtierender Schwingerkönig anzutreten, hat damals keiner geahnt.

Kranzfest eins nach fast überstandener Corona-Pandemie

Was sich seit dem ESAF in Zug weltweit zutrug, ist eine Wahnsinns-Geschichte. Für die einen eine unglaublich harte Leidenszeit wegen Krankheit, für andere ein behördlich verordneter Stillstand. Was in dieser Zeit alles geschah, gezeigt, gesprochen und geschrieben wurde, hat niemanden kalt gelassen. Die Welt wurde in ihren Grundfesten erschüttert, auch der Schwingsport. Letztes Jahr wurde fast alles abgesagt, in diesem Jahr hingegen wurde mit viel Ehrgeiz und Wille der Start-Knopf gedrückt. Stefan Strebel, der TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes, versuchte alles, damit baldmöglichst wieder geschwungen werden konnte. Erst liessen die Behörden die Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger wieder ins Sägemehl. Dann setzte sich Strebel und der ESV dafür ein, dass die 120 besten Schwinger wieder trainieren durften. Dies alles erfolgte unter viel Getöse, Kritik und harten Nebentönen. Nach und nach legte sich das aufgewallte Sägemehl. Denn: Die vielen Mittelschwinger durften nach einiger Zeit auch wieder ihr Training aufnehmen. Allerdings vorerst unter Einschränkungen, wie beispielsweise mit einer Maskenpflicht. Aber auch da probierte Stefan Strebel alles und präsentierte einen passenden Mundnasen-Schutz, welcher extra auf die Schwinger adaptiert wurde. Kaum hatten einige Athleten diese spezielle Maske probiert und als schwingtauglich befunden, erfolgte kürzlich der so wichtige Öffnungsschritt: Es dürfen wieder alle ohne Maske schwingen, und auch Schwingfeste sind wieder für alle erlaubt. Den Aargauern passte dieser Öffnungsschritt ausgezeichnet, liegt doch ihr Kantonalschwingfest wenige Tage nach dem 31. Mai. Denn ab letztem Montag ist wieder vieles möglich. 

Übrigens: Das Wort Öffnungsschritt fristete bis anhin ein Mauerblümchen-Dasein. Seit diesem Jahr wird dieser Begriff gehätschelt und manchmal gar überstrapaziert. Er löst aber hüben und drüben Hoffnungen aus. Und eben wegen diesem Öffnungsschritt ist es nun endlich möglich: Am kommenden Sonntag, 6. Juni folgt das Kranzfest eins nach fast überstandener Corona-Pandemie.

Der Aufbau auf der Schützenmatte in Lenzburg ist fast abgeschlossen

Bild: Pascale Alpiger

Freude herrscht!

Um Bundesrat Adolf Ogi’s Ausspruch wieder mal zu verwenden: «Freude herrscht!» Der Schreibende hat sich für das Aargauer Kantonale angemeldet und bekam zur grossen Freude eine Akkreditierung. Da im Monat Juni eigentlich nur Sportanlässe mit höchstens 50 Sportlern erlaubt sind (gilt auch für Schwingfeste), kam eine andere Möglichkeit ins Spiel. Der Bund ermöglicht es jedem Kanton, je fünf Pilotanlässe mit Zuschauern und Akteuren mit entsprechender Bewilligung durchzuführen. Das Aargauer Kantonalschwingfest in Lenzburg ist so ein behördlich bewilligter Anlass. Darum habe ich bereits eine ausgefüllte Liste übermitteln müssen und ein A4-Formular mit meinen Angaben ausgefüllt, welches ich am Sonntag beim Eingang zum Gelände zeigen muss. Diese administrativen Auflagen nehme ich aber gerne in Kauf, nur um endlich wieder Sägemehlduft einatmen zu dürfen. Wie hat einem dieses Gefühl in den vergangenen Monaten doch gefehlt!

Nick Alpiger, einer der Topfavoriten auf den Festsieg, blickt dem Aargauer Kantonalen optimistisch entgegen

Bild: aargauerzeitung.ch

Kommt das Kranzfest für die einen nicht zu früh?

Nun ja: Für die Schwinger wäre der Monat Juni eigentlich gedacht, um ordentlich trainieren zu können, und sich wettkampftauglich vorzubereiten. Darum empfiehlt der ESV, Rangschwingfeste für maximal 50 Schwinger durchzuführen. Stefan Strebel, der Motor hinter den Öffnungsschritten, war aber auch diesmal wieder eine Nasenlänge voraus. Hinter den Kulissen wurde alles versucht, um dieses Aargauer Kantonale zur Austragung zu bringen. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass das erste Kranzfest in jenem Kanton steigt, wo er herkommt. Mit meiner Freude vom vorherigen Abschnitt winde ich ihm und den Organisatoren rund um den Schwingklub Lenzburg ein grosses Kränzchen. 

Ich füge trotzdem ein leises Aber an: Für die Mittelschwinger, welche erstens noch nicht so lange im Sägemehl trainieren dürfen, und zweitens ohne Maske erst seit vergangenem Montag, kommt das Kranzfest wohl doch ein bisschen früh. Ich hoffe für diese Schwinger, dass sie nicht «Kanonenfutter» für die Topcracks sind. Denn diese sind nebst den Jungaktiven schon ein Weilchen im Kurzholz tätig. Diese beiden Gruppen dürften am Sonntag beim Wettkampf den Ton angeben. Man muss den Aargauer Organisatoren aber zugutehalten, dass das Kranzfest eins in der neuen Zeitrechnung für ALLE eine grosse Motivation sein wird. Für die Schwinger, ob Spitzenathlet, Mittelschwinger oder Jungaktiver, aber auch für die Organisatoren, Funktionäre, uns Medienschaffende und die Zuschauer. Denn über allem stehen die Wettkämpfe, und diese sind der Antrieb für alle. Die eingangs gestellte Frage «Kommt das Kranzfest für die einen nicht zu früh?» beantworte ich mit JEIN.

Die angekündigten Spitzenpaarungen vom ersten Gang sorgen jetzt schon für viel Spannung

Bild: esv.ch

Die Topfavoriten auf den Festsieg

Da das Aargauer Kantonalschwingfest halt in diesen schwierigen Zeiten ein etwas anderes und zugleich besonderes Kranzfest sein wird, bedurfte es nun einer etwas längeren Einleitung. Die Topfavoriten lassen sich aus den Spitzenpaarungen vom ersten Gang herauslesen. Und auch aus diesen wird schon bald ersichtlich, dass der Festsieg über Schwingerkönig Christian Stucki, den einheimischen Nick Alpiger, Patrick Räbmatter, Joel Strebel und Andreas Döbeli laufen wird. Ich habe mir bereits Gedanken über den absoluten Spitzengang im ersten Gang gemacht: Nick Alpiger gegen Christian Stucki. Es ist alles möglich, von «gestelltem» Abtasten, über einen Blitzsieg von Christian Stucki bis hin zu einem gerissenen Sieg von Nick Alpiger. Die beiden Athleten werden wohl während dem Tag das Zünglein an der Waage spielen. Sind beide in Topform, treffen sie sich wieder im Schlussgang. Wenn nicht, steht am Abend ein lachender Dritter zuoberst. Da in Lenzburg quasi ein «Kaltstart» für alle bevorsteht, wird vieles unberechenbar sein. Ich wage zu behaupten, dass wir faustdicke Überraschungen erleben werden. Auf diese Überraschungen, und auf spannende und hoffentlich unfallfreie Zweikämpfe freue ich mich riesig. Aber auch auf die Schwingfest-Atmosphäre, und sei es momentan halt noch mit Einschränkungen, freue ich mich ebenfalls ungemein. 

Live-Übertragung vom Schwingfest

Für die langsam ungeduldig wartenden Zuschauer sei folgendes erwähnt: Das Fest am kommenden Sonntag wird von Tele M1 live übertragen, und die Schwingerzeitung SCHLUSSGANG bietet einen Live-Ticker an. Der «Schwinger-Blog» versucht die Übertragung mit regelmässigen Beiträgen auf seinen Kanälen abzurunden. 

Beim Schwingsport ist es nicht anders als bei anderen Sportarten: Der Wettkampf lebt von den Zuschauern und der damit verbundenen knisternden Atmosphäre. Die Fans bringen die so wichtigen Emotionen mit ein, und machen aus einem normalen Anlass ein rundum gelungenes Schwingfest. Beim Pilotanlass am kommenden Sonntag sind nur wenige Zuschauer zugelassen. Leider haben jetzt schon etliche Veranstalter verkündet, dass sie trotz weiteren Lockerungen ab anfangs Juli ihre Schwingfeste ohne Zuschauer durchführen werden. Obwohl ich dafür durchaus Verständnis habe, appelliere ich dennoch an die Veranstalter, die weitergehenden Lockerungen in die Planung miteinzubeziehen, und Zuschauer zuzulassen. Denn für ein rundum gelungenes Schwingfest braucht es fünf Faktoren: Nebst schönem Wetter motivierte Schwinger, gut ausgebildete Funktionäre, ein einwandfreier Festplatz und eben: die Schwingerfreunde. Ich wünsche mir, dass diese auch möglichst rasch wieder auf die Schwingplätze dürfen.

feldwaldwiesenblogger