Was ist mit den Innerschweizer Schwingern los?

Text: feldwaldwiesenblogger

Am vergangenen Montag schrieb der «Bote der Urschweiz» nach dem Brünigschwinget: «Innerschweizer Debakel auf dem Brünig». Und tatsächlich: Es resultierten gerade mal vier Kränze für den Innerschweizer Schwingerverband (ISV), einen mehr als für die Nordwestschweizer. Die Berner hamsterten mit 12 Exemplaren den Löwenanteil. So bescheiden schnitten die ISV-Athleten auf der Wasserscheide zwischen der Innerschweiz und dem Bernbiet wohl schon seit Jahren nicht mehr ab. Schon eine Woche vorher ergatterten sie sich auf dem Weissenstein gerade mal so viele Bergkränze wie die gastgebenden Nordwestschweizer, nämlich deren vier. Auf dem Solothurner Hausberg schwangen die Nordostschweizer mit sechs «Schlaufen» oben aus. 

Viele verletzte und angeschlagene Schwinger

Da stellen sich dem geneigten Beobachter etliche Fragen, die wichtigste lautet: Was ist mit den Innerschweizer Schwingern los? Denn bereits die Startlisten sprechen eine Sprache für sich: Auf dem Brünig traten gar nur drei Innerschweizer Eidgenossen an, und der Rigi-Schwinget war so schwach besetzt wie schon lange nicht mehr. Die Liste der verletzten und angeschlagenen Schwinger ist gross.

Nachgefragt beim ISV-Präsidenten Peter Achermann

Die Ursachen sind vielerlei: Corona, die üble Verletzungshexe und die Schwingfestagenda sind dabei wohl die wichtigsten Gründe. Und: Die lange Corona-Pause bekam den Innerschweizer Schwingern wohl um einiges weniger gut als den anderen Teilverbänden. Der Schwinger-Blog fragte deshalb bei Peter Achermann, dem Präsidenten der Innerschweizer Schwinger, nach.

Die Innerschweizer Schwinger (auf dem Bild beim Einzug am ESAF 2019 in Zug) durchlaufen derzeit eine schwierige Phase

Bild: isv.ch

Was ist deine Meinung zum schlechten Abschneiden auf dem Brünig?

«Wenn wir die Rangliste vom Brünigschwinget 2019 betrachten, stellen wir das konträre Bild fest. Damals gewannen wir 12 Kränze – und es gab auch etliche Innerschweizer Paarungen. Wir konnten dieses Jahr für den Brünig leider nicht die stärkste Truppe stellen, das Ergebnis ist ein Abbild der Situation. Aber: Das Ganze ist ein ständiges auf und ab. Wenn beispielsweise unser aktueller Team-Leader Joel Wicki und auch Christian Schuler hätten antreten können, hätte es durchaus anders laufen können. Ich bin überzeugt, dass wieder andere Zeiten kommen. Die Schwinger, welche antraten, gaben ihr Bestes. Ohne die vielen Zuschauer herrschte zudem eine sehr spezielle Atmosphäre auf dem Brünig.»

Etliche Innerschweizer Schwinger sind verletzt oder angeschlagen. Das kann kein Zufall sein. Wo siehst du die Hauptgründe?

«Der Hauptgrund ist sicher, dass man die Saisonvorbereitung nicht wie üblich im letzten Herbst starten konnte. Man stellt hinsichtlich Trainingsstand schon Unterschiede fest, das ist auch verständlich. Die jungen Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger durften früher mit dem Schwingtraining beginnen. Sie haben gut trainiert und absolvierten schon etliche Feste. Auch unsere Spitze durfte von der Ausnahmeregelung profitieren. Es ist auch so, dass der eine oder andere Schwinger die Corona-Pause nicht optimal genutzt hat oder diese Zeit in eine Weiterbildung investiert hat. Aber: Unfälle mussten wir leider schon immer registrieren. Die weiteren Gründe sind vielfältiger Natur. Auch im Training kann es zu Verletzungen kommen. Oder die jungen Athleten wollen manchmal zu früh zurückkehren, statt eine Verletzung vollständig ausheilen zu lassen. Und: Die Halswirbelverletzung von Carlo Gwerder beim Stoos-Schwinget in Ibach ist uns sehr nahe gegangen. Zum Glück war auch unser Verbandsarzt Didi Schmidle auf dem Platz. Die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst vor Ort hat hervorragend funktioniert. In solchen Momenten ist mir dies wichtiger, als den einen oder anderen Kranz mehr zu gewinnen.»

War das geballte Kranzfest-Programm der Innerschweizer so kurz nach den Öffnungsschritten anfangs Juni nicht zu streng? Denn: Ganz offensichtlich ist die Schwingfestagenda nicht gut koordiniert. Warum brachte man nicht den Mut auf, die verspätet gestartete Saison so zu gestalten, dass erst etliche Rangschwingfeste, dann Kantonal-/Gaufeste und erst dann Teilverbands- und Bergfeste auf dem Programm gestanden hätten?

«Traditionell finden unsere Kantonalschwingfeste in den Monaten Mai und anfangs Juni statt. Das war dieses Jahr aus den bekannten Gründen nicht möglich. Es mussten in dieser speziellen Zeit Entscheidungen getroffen werden, und wir wollten einfach wieder schwingen und damit Schritt für Schritt zurück zur Normalität kehren. Und eine zweite Saison ohne Schwingfeste wäre wohl die schlechtere Alternative gewesen. Die entsprechenden OK’s sind teilweise seit Jahren am Planen und Organisieren. Die Verfügbarkeit von Sportanlagen und die einzuhaltenden Schutzkonzepte – mit ständigen Unsicherheiten – mussten ebenfalls mit in die Planung aufgenommen werden. Um auch Synergien zu nutzen, haben die Organisatoren in Absprache mit den Verbänden den Entschluss gefasst, die verschiedenen Schwingfeste Stoos, Innerschweiz, Rigi und das Schwyzer Kantonale in Ibach zu organisieren. Denn der Terminplan ist hinten raus ebenfalls schon dicht gedrängt. Zum Glück wurde schon früh festgelegt, dass der Saisonhöhepunkt, der Kilchberger Schwinget, erst am 25. September stattfinden soll. Das gab für die weiteren Kantonalschwingfeste etwas mehr Luft.»

Die Berner sind für gewöhnlich ähnlich stark wie die Innerschweizer. Diesmal waren sie auf dem Brünig um Längen besser. Was machen die Mutzen derzeit besser?

«Unsere Spitze ist mit etlichen Ausfällen, darunter Joel Wicki und Pirmin Reichmuth, dezimiert. Die Verletzungshexe hat leider zugeschlagen. Aber: Wir mussten nach dem ESAF 2019 auch gewisse Abgänge von Spitzenleuten, wie beispielsweise jene von Marcel Mathis, Andreas Ulrich und Lutz Scheuber in Kauf nehmen. Sie waren eine Stütze und überall einsetzbar. Der Fokus muss nun aber wieder nach vorne gerichtet werden: Auf den Kilchberger Schwinget und auf das ESAF 2022 in Pratteln. Wir werden dann wieder parat sein. Wie bereits erwähnt: Hochs und Tiefs gab es schon immer, diese liegen oft sehr nahe beisammen.»

Den Innerschweizern bekam wohl auch die lange Corona-Pause deutlich weniger gut als den anderen Teilverbänden. Warum?

«Das würde ich so nicht sagen. Es gibt einzelne Schwinger, die haben während der Corona-Pause sehr gut trainiert, andere halt weniger. Wie bereits angesprochen, fehlen unserer Spitze etliche Athleten. Die Berner hatten zudem einen anderen Start in die Schwingfest-Saison. Was mir trotz allem Freude bereit sind die vielen jungen Schwinger, welche grosse Fortschritte gemacht haben. Und zwar bei allen Teilverbänden. Diese prägen zum Teil die Schwingfeste in beträchtlichem Masse, was viel Vorfreude fürs «Eidgenössische» in Pratteln auslöst. Und: Unsere Schwinger wissen, was sie zu tun haben, und richten den Fokus auf zukünftige Ziele.»

ISV-Präsident Peter Achermann sagt: «Wir werden mit dem Betreuerteam zusammensitzen und das ganze analysieren.»

Bild: esv.ch

Gibt es aus deiner Sicht noch andere Aspekte für das derzeitige Formtief der Innerschweizer?

«Nein, und ich würde nicht von einem Formtief sprechen. Es ist in meinen Augen keine aussergewöhnliche Situation. Bei dieser Konstellation mit den vielen Verletzten muss man für die einzelnen Schwingfeste nun halt anders selektionieren.» 

Hat sich der ISV-Vorstand eigentlich schon zu einer Krisensitzung getroffen?

«Nein. Wir werden mit dem Betreuerteam zusammensitzen und das ganze analysieren. Die Technische Kommission macht das auch. Der Austausch im sportlichen Bereich funktioniert gut. Im Betreuerteam sammeln wir die gemachten Erfahrungen der letzten Zeit und bereiten uns so auf den Kilchberger Schwinget vor. Für die Betreuer war die Corona-Pause auch nicht einfach, wegen dieser aussergewöhnlichen Situation haben sie die Schwinger teilweise länger nicht gesehen.»

Muss man sich aus Innerschweizer Sicht Sorgen um den Saisonhöhepunkt Kilchberger Schwinget machen?

«Überhaupt nicht. Wir werden Ende August die Selektion vornehmen und unsere 17 Startplätze vergeben. Ich bin überzeugt, dass wir für den Kilchberger Schwinget eine gute Mannschaft beisammenhaben werden. Die selektionierten Schwinger werden ihr Bestes geben, um vorne an der Spitze auch mitmischen zu können. Wir hoffen natürlich, dass sie gesund antreten können. Und: Schön, wenn die Favoritenrolle mal andere tragen müssen.»

Machen sich die Verbandsoberen momentan auch Gedanken hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe?

«Verbandsarzt Didi Schmidle und das Betreuerteam werden, wie bereits erwähnt, die Situation analysieren. Schlussendlich geht es darum, gewisse Dinge zu optimieren. Früher gingen praktisch alle Schwinger einer körperlichen Arbeit nach. Das ist heute längst nicht mehr der Fall. Die Kraft eignen sich die Athleten – nicht alle – deshalb im Kraftkeller an. Wir wissen, dass übermässiges Krafttraining nicht optimal ist. Die Anfälligkeit auf Verletzungen ist dadurch erhöht. Wir vom Verband versuchen dabei unseren Beitrag zu leisten und die Rahmenbedingungen so gut wie möglich zu optimieren.»

Und: Wie nimmst du die Hauptakteure, die Schwinger, zu der momentanen Situation wahr? Wirken sie verunsichert?

«Das ist eine gute Frage. Wir durchleben alle derzeit eine schwierige Situation. Wichtig ist nun, dass wir gemeinsam Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren können. Ein Schwingfest ist ein Volksfest mit Folklore, was momentan so überhaupt noch nicht stattfindet. Die Schwinger hätten an den Festen gerne ihre Familien und Fans dabei, auch unsere verdienten Ehrenmitglieder würden gerne wieder Schwingfeste besuchen und ihre Kameraden treffen. Wir hoffen nun auf weitere Lockerungen. Denn die Schutzkonzepte, welche nach wie vor gelten, ziehen eine enorme Mehrarbeit mit sich. Dabei müssen Lösungen unter Zeitdruck erarbeitet und Entscheidungen getroffen werden. Die Saison ist nämlich in gut zwei Monaten schon wieder vorbei. Ich finde es grossartig, dass das OK vom Kilchberger Schwinget mit 6’000 Zuschauern plant. Das ist ein gutes Zeichen für den Saisonabschluss. Wir hoffen einfach, dass sich die Corona-Situation bis dann nicht massiv verschlechtert. Ich widme allen OK’s ein grosses Kränzchen, denn sie haben trotz allen Widrigkeiten schöne Schwingfeste organisiert. Wir hoffen alle, dass die nächste Saison normal gestartet und durchgeführt werden kann, und wir ohne Einschränkungen den Saisonhöhepunkt in Pratteln geniessen können. Selbstverständlich mit einem starken Auftritt der Innerschweizer.»

feldwaldwiesenblogger

Comeback beim «Mitteländischen» geglückt – Nachgefragt bei Kilian Wenger

Text: feldwaldwiesenblogger

Kilian Wenger ist letzten Sonntag beim Mittelländischen Schwingfest in die Saison eingestiegen. Eine beim Training zugezogene Rippenverletzung verhinderte eine frühere Rückkehr auf die Sägemehlplätze. Der Berner Oberländer Schwingerkönig war sofort bereit: Das Ergebnis war der Einzug in den Schlussgang. Im finalen Endkampf wurde Kilian aber von Fabian Staudenmann besiegt. Am kommenden Sonntag steht für den Diemtigtaler bereits das nächste Kranzfest auf dem Programm: Der Bergklassiker auf dem Brünig, welchen der 31-Jährige 2014 gewinnen konnte.

Der Schwinger-Blog fragte bei Kilian nach und wollte wissen, wie er sein Comeback am «Mittelländischen» erlebte, wie der Familienvater Joel Wicki am Sonntag beim Anschwingen hätte besiegen wollen und ob der ESV und die Teilverbände hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe mehr tun könnten. Inzwischen wurde bekannt, dass Wicki nicht beim Brünigschwinget startet und sein Comeback verschiebt. Welchen Gegner Kilian nun zugeteilt wird, ist derzeit nicht bekannt.

Der Schwingerkönig von 2010 ist zufrieden mit seinem Comeback

Bild: kilianwenger.ch

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim Mittelländischen Schwingfest! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Danke vielmal! Ich war schon enttäuscht, mit etwas Abstand betrachte ich das Comeback aber als gelungen. Ich wusste, dass Fabian gut schwingt, habe aber nicht damit gerechnet, ihm so reinzufallen.»

Wie genau verlief der Schlussgang?

«Er zog mit Kurz an. Ich konterte mit Gammen, aber zu wenig tief und zu spät. Und schon war es passiert.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Ehrlich gesagt nicht. Das war seit 23 Monaten mein erstes Kranzfest, zudem komme ich von einer Verletzung zurück. Ich wusste daher nicht wo ich stehe, es war gewissermassen ein Tappen im Dunkeln. Ich habe aber gut trainiert, und ich war angespannter als sonst.»

Bist du mit dem Comeback zufrieden?

«Ja, grundsätzlich schon. Wenn man in einem Schlussgang steht, will man gewinnen. Mit etwas Distanz sehe ich es nun weniger dramatisch. Zudem habe ich, wie oben erwähnt, erst eine Verletzung auskuriert.»

Bist du wieder topfit?

«Ja, ich kann das mit gutem Gewissen sagen. Was mein Körper anbelangt bin ich sehr zufrieden. Beim Schwingen spüre ich vom Feingefühl her, dass es noch etwas braucht. Wegen der verkürzten Vorbereitung war aber auch nicht alles möglich.»

Schwungvoll bezwingt Kilian am «Mittelländischen» Dominik Gasser

Bild: Barbara Loosli

An diesem Wochenende steht der Brünigschwinget auf dem Programm. Liegt gar wieder der Schlussgang drin?

«Das wäre natürlich schön. Ich freue mich auf den Brünigschwinget, es ist mein Lieblingsschwingfest. Ich bin sehr zuversichtlich, und glaube, dass es ein gutes Fest wird.»

Beim Anschwingen hättest du es mit Joel Wicki zu tun bekommen. Der Sörenberger muss sein Comeback nun aber verschieben. Wie hättest du den Erstgekrönten vom ESAF 2019 in Zug bezwingen wollen?

«Mit einem Geheimrezept, welches ich hier nicht verrate.»

Die jungen «wilden Berner» wie Fabian Staudenmann, Kilian von Weissenfluh oder Michael Wiget streben an die Spitze. Ihr arrivierten Kräfte lasst euch aber noch nicht vom Thron stossen?

«Ich habe auch den Eindruck, dass die Jungen drücken. Das ist aber auch bei den anderen Teilverbänden der Fall. Das ist gut, und ein Zeichen für hervorragende Nachwuchsarbeit. Aber: Überaltert sind wir arrivierten Kräfte noch nicht. Da mögen wir schon noch eine Weile dagegenhalten.»

Die Verletzungshexe zirkuliert wieder ungemein unter den Schwingern. Wegen der Corona-Pause noch mehr als sonst. Könnten der ESV und die Teilverbände hinsichtlich Prophylaxe mehr tun?

«Nein, das glaube ich nicht. Grundsätzlich ist jeder Schwinger für seine Gesundheit verantwortlich. Der Schwingfestkalender ist zudem vorgegeben. Jeder kann so viele Feste machen wie er will, sollte dabei aber auf seinen Körper hören. Als 31-Jähriger möchte ich deshalb nicht mehr als vier oder fünf Schwingfeste am Stück bestreiten. Und: Die Euphorie darf man nach der langen Pause auch nicht unterschätzen.»

Du bist 2019 Vater geworden. Wie schaffst du es, Familie, Beruf und den Schwingsport in Einklang zu bringen?

«Im Moment funktioniert und harmoniert es gut. Ich erfahre viel Verständnis von Seiten meiner Partnerin und meiner Sponsoren. Zudem habe ich einen flexiblen Arbeitgeber und ein gutes Umfeld. Der Sport hat momentan einen hohen Stellenwert, und ich habe dafür extra Platz geschaffen. Mit der nötigen Kommunikation kann man vieles organisieren.» 

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Mike Müllestein: «Die Freude am Schwingen ist eine grosse Motivation für die Feste»

Text: feldwaldwiesenblogger

Mike Müllestein ist derzeit einer der besten Innerschweizer Eidgenossen. Er zeigte beim Stoos-Schwinget, beim «Innerschweizerischen» und zuletzt beim Rigi Schwinget starke Leistungen. Der Steinerberger versuchte letzten Sonntag in Ibach Samuel Giger Paroli zu bieten. Obwohl er sich zweimal geschlagen geben musste, ist ihm dies sicher über weite Strecken gelungen. Selbst der Sieger aus dem Thurgau attestierte hinterher, dass Mike stets brandgefährlich und ein sehr guter Schwinger sei. Unbestritten war der 32-Jährige an diesem Wettkampf der zweitbeste Schwinger, und stand deshalb absolut verdient im Schlussgang.

Der Schwinger-Blog fragte nun beim dreifachen Familienvater nach und wollte wissen, wie er den Rigi Schwinget erlebte, wie Mike mit der teilweise nicht gut koordinierten Schwingfest-Agenda 2021 zurechtkommt und wie er Familie, Beruf und Schwingsport unter einen Hut bringt.

Der Eidgenosse aus Steinerberg (rechts) fuhr die letzten drei Wochenenden kranzgeschmückt nach Hause. Auf dem Bild zusammen mit Marco Ulrich und dem Stoos-Kranz

Bild: Mike Müllestein

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim Rigi Schwinget! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Im ersten Moment war ich schon enttäuscht. Es bestand die Chance, das Fest zu gewinnen. Diesem Umstand nachzutrauern bringt aber nichts. Schlussendlich bin ich zufrieden mit meiner Tagesleistung.»

Mit welcher Taktik oder Schwingweise könnte man Samuel Giger bezwingen?

«Um ihn zu bezwingen muss man angreifen, stehen zu bleiben bringt nichts. Meine Taktik war, mit dosiertem Risiko meine Angriffe zu platzieren. Oder aus einem Konter heraus, wenn Giger zieht.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Schon ein wenig, ich habe es mir vom Teilnehmerfeld her erhofft. Ich habe mich letzten Sonntag zudem gut gefühlt. Dennoch: Das Ganze muss immer zuerst geschwungen werden.» 

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt vom Rigi Schwinget?

«Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Ich war explosiv, und konnte meine Schwünge sauber ansetzen. Die Leistung beim Rigi Schwinget gibt mir ein gutes Gefühl für die nächsten Feste.»

Deine bisherigen Schwingfestauftritte im 2021 zeigen: Du bist gar noch besser als vor Corona. Wie kommt das?

«Es läuft gut in dieser Saison. Ja, wie kommt das? Ich hatte während der Corona-Pause mehr Erholung als üblich. Man konnte längere Zeit nicht schwingen. Ich habe für mich aber immer etwas gemacht. Als es wieder los ging mit Schwingen, war einfach eine grosse Freude vorhanden. Die Freude am Schwingen ist eine grosse Motivation für die Feste.»

Mike bestreitet an diesem Wochenende mit den Schwingfesten auf dem Weissenstein und beim Schwyzer Kantonalen gleich zwei Kranzfeste

Bild: esv.ch

An diesem Wochenende trittst du beim Weissenstein-Schwinget und beim Schwyzer Kantonalen an. Siehst du das als Härtetest fürs ESAF 2022 in Pratteln?

«Nein, nicht unbedingt. Es hat sich einfach so ergeben, denn das Schwyzer Kantonale wurde nach hinten geschoben. Auf dem Weissenstein bin ich noch nie angetreten, deshalb will ich unbedingt an diesem Bergfest starten. Das werden sicher zwei harte Tage. Das Ziel ist, an beiden Orten den Kranz zu gewinnen. Ich werde mein Bestes geben, bin aber auch nicht mehr der Jüngste. Ich werde dabei beobachten, wie sich mein Körper erholt. Am besten wäre, wenn es am Samstag gut läuft. Dann geht es mir am Sonntag auch besser.»

Wie kommst du mit der teilweise nicht gut koordinierten Schwingfest-Agenda 2021 zurecht?

«Da die Kantonalschwingfeste erst abgesagt, und nun doch in die Agenda aufgenommen wurden, kam nun eine geballte Ladung an Schwingfesten zusammen. Das ist schon ein bisschen viel. Und: Jedes Wochenende möchte ich nicht einen Wettkampf bestreiten. Wir dachten erst, dass nur die Bergfeste auf dem Programm stehen würden. Das ist einfach unglücklich, auch für die Organisatoren von Rangschwingfesten wie dem Allweg oder dem Herbstschwingertag Sieben. Der Allweg-Schwinget wurde wegen Termin-Kollisionen abgesagt, und der Anlass in Siebnen findet einen Tag nach dem Kilchberger Schwinget statt. Ich hätte gerne das eine oder andere Rangschwingfest besucht, dies ist aber unter diesen Umständen schwierig.»

Der logische Aufbau der Schwingfest-Reihenfolge fehlt in diesem Jahr, und bereitet den Mittelschwingern sichtlich Mühe. Was ist deine Meinung dazu?

«Für die Mittelschwinger, die den Schwingsport als reines Hobby praktizieren, war es schon eine kurze Vorbereitungszeit. Ihnen fehlte zudem teilweise die Motivation, auch ohne Schwingtraining sich fit zu halten. Für sie kann es schon gefährlich werden an Schwingfesten. Als ich Mitte März das Schwingtraining aufnehmen durfte, haben wir mit Schulschwingen sachte gestartet. Ich war in einer guten Trainingsgruppe und wir absolvierten wöchentlich drei harte Trainings. Zusätzlich gleisten wir weitere Schwingtrainings auf. Passieren kann immer etwas. Das Verletzungsrisiko lässt sich aber mit regelmässigem Training minimieren.» 

Du darfst zwar seit Mitte März im Sägemehl trainieren. Die Vorbereitung auf diese Saison, welche anfangs Juni ziemlich abrupt von Null auf Hundert durchgestartet wurde, war dir sicher auch zu kurz. Warst du bei den bisherigen Schwingfesten deswegen nicht fast am Anschlag?

«Körperlich gesehen eigentlich nicht. Das Vertrauen hat aber am Anfang gefehlt. Ich konnte zwei Rangschwingfeste als Vorbereitung bestreiten. Trotzdem ist es an Kranzfesten anders. Das Vertrauen fehlte erst und man war etwas gehemmt. Es fehlten zudem die Anhaltspunkte: Wo stehe ich und wo stehen meine Gegner aus den anderen Teilverbänden?»

Du bist kürzlich zum dritten Mal Vater geworden. Wie schaffst du es, Familie, Beruf und den Schwingsport in Einklang zu bringen?

«Momentan ziehe ich den Vaterschaftsurlaub ein. Ich habe eine gute Frau, und meine Eltern wohnen im selben Haus. Ich denke, wenn es mit zwei Kindern gut lief, wird das auch mit drei der Fall sein. Wir unternehmen gemeinsam viel, gehen beispielsweise in den Tierpark oder in Spielhallen für Kinder. Es kann nun sicher mal vorkommen, dass ich ein Training auslassen werde. Dann praktiziere ich aktive Erholung zu Hause mit den Kindern.»

feldwaldwiesenblogger

Weissenstein-Schwinget: Warum wurden die 40 Startplätze der Nordwestschweizer auf deren 30 reduziert?

Text: feldwaldwiesenblogger

Letzte Woche informierte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV), dass es Startplatz-Änderungen für den Weissenstein-Schwinget von kommendem Samstag, 17. Juli geben wird. Diese Meldung machte nicht gross Furore, ging angesichts der im Wochentakt stattfindenden Kranzfeste regelrecht unter. Der Schwinger-Blog wollte es trotzdem genauer wissen, und fragte bei einem Kenner der Nordwestschweizer Szene nach. Der freie Aargauer Sportjournalist Wolfgang Rytz nahm dabei schriftlich Stellung zu sechs Fragen/Thesen. Rytz legt Wert darauf, dass er die nachfolgenden Aussagen als freier Sportjournalist und nicht als Mitarbeiter vom SCHLUSSGANG macht.

Am kommenden Samstag, 17. Juli steht der Weissenstein-Schwinget auf dem Programm, allerdings ohne Zuschauer

Bild: esv.ch

Für den Weissenstein-Schwinget wurden die 40 Startplätze der Nordwestschweizer auf deren 30 reduziert. Als primäre Gründe führst du Corona und die Führungsschwäche des Verbandes, seiner Kantonalverbände sowie der Schwingklubs an. Kannst du das präzisieren?

Wolfgang Rytz: Die aktuelle Misere, die das ganze Schwingerwesen erfasst hat, führe ich auf fehlende Weitsicht an der Verbandsspitze zurück. In den ersten Monaten im 2021 zeichnete sich mit der anlaufenden Impfkampagne ab, dass wir in diesem Sommer Corona bewältigen werden und Breitensport wieder möglich sein wird. Dazu zählt sich auch der Schwingsport. Da wäre es am ESV gewesen, die verspätet beginnende Saison zusammen mit den Teilverbänden neu aufzugleisen, umzuplanen. Der normale Ablauf und der logische Aufbau ist folgender: Hallen-, Regional- und erst dann Kantonal-, Bergkranz- und Teilverbandsfeste. Nach einer 20-monatigen Pause kann man für die Aktiven nicht gleich mit Kranzfesten beginnen und tun, als wäre alles normal. Dafür bezahlt jetzt insbesondere die Nordwestschweiz die Zeche.

Im Vorgang zu diesem Gespräch hast du folgendes erwähnt: «Nachwuchs ist genügend da, aber mit der Bevorzugung der Spitze und dem Wiedereinstieg mit zwei Kranzfesten vergass man, auf die Mittelschwinger Rücksicht zu nehmen». Was läuft falsch beim Nordwestschweizer Schwingerverband?

Rytz: Nicht nur im Nordwestschweizer Schwingverband (NWSV) ist einiges falsch gelaufen. Richtig war sicher, dem Nachwuchs bis 20 Jahre möglichst schnell wieder den Trainingsbetrieb zu erlauben. Deshalb müssen wir uns wohl landesweit um den Nachwuchs noch am wenigsten Sorgen machen. Schlimmer bestellt ist es mit den sogenannten Mittelschwingern. Dazu zähle ich auch Ü23-Schwinger ohne Kranz, die zum hinteren Mittelfeld gehören. Da sind die Absenzen gross. Während die Spitze im März wieder in Kleingruppen intensiv zu trainieren begann, wurde es für die «normalen» Aktiven Juni, bis ein normales Training im Sägemehl wieder möglich war. Ohne richtige Vorbereitung folgten gleich zwei Kantonalfeste. Verletzungen und Frust waren die Folge bei vielen Aktiven, die ihr Leben nicht völlig aufs Schwingen ausrichten.

Der Einstieg in die 2021er-Saison erfolgte wegen der Corona-Pandemie verspätet. Das Schwingtraining wurde später als üblich und gestaffelt aufgenommen. Statt den Reigen mit Rangschwingfesten zu starten, wurde teilweise gleich mit Kranzfesten begonnen. Es mussten in der Folge etliche Verletzte beklagt werden, am ISAF in Ibach gleich deren 17. Was ist deine Meinung zu diesem unglücklichen Umstand?

Rytz: Wenn nach einigen wenigen Regionalfesten gleich Bergfeste und ein Teilverbandsfest folgen statt Kantonalfeste, braucht sich auch im Innerschweizer Schwingerverband niemand zu wundern, wenn dies negative Folgen hat. Die Verbandsführungen aller Stufen stehen in der Schuld.

Wie sieht die Verletzungs-Situation in der Nordwestschweiz aus?

Rytz: Auch in der Nordwestschweiz haben wir einige Verletzte. Nick Alpiger sollte aber auf dem Weissenstein wieder zurückkehren. Schlimmer sind jedoch die grossen Lücken im Aktivbestand. Nach dem langen Corona-Unterbruch und dem fehlenden geduldigen Neuaufbau fehlt dem NWSV mindestens ein Drittel der bisherigen Aktiven, Tendenz steigend, wie die jüngsten Regionalfeste zeigten.

Erwartest du für die nächstjährige Saison eine Entspannung der angesprochenen Situation in der Nordwestschweiz?

Rytz: Eine schnelle Verbesserung ist ungewiss bis unwahrscheinlich. Nur dank guter Arbeit vieler Vereine im Nachwuchsbereich ist für die mittlere Zukunft vorsichtiger Optimismus erlaubt. Aber wir werden in den nächsten Jahren Mühe haben, an unseren Kantonalfesten 100 Schwinger an den Start zu bringen. Ausserdem serbeln zahlreiche Klubs nach Corona noch mehr.

Die Nordwestschweizer haben am letzten ESAF 2019 in Zug drei Kränze gewonnen, gleich viele wie die Südwestschweizer. Liegen am eigenen «Eidgenössischen» 2022 in Pratteln mehr Eichenlaub-Exemplare drin?

Rytz: Diese Prognose ist schwierig und auch abhängig von der Entwicklung an der Verletztenfront. Aber nach den vielen Abgängen an der Spitze können wir nicht davon ausgehen, dass beim «Heimfest» in Pratteln sechs Kränze wie nach dem ESAF 2007 in Aarau herausschauen werden. Das wäre sicherlich das Optimum.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei René Suppiger, welcher am letzten Sonntag im ISAF-Schlussgang stand

Text: feldwaldwiesenblogger

René Suppiger stand am letzten Sonntag verdient im Schlussgang des 114. Innerschweizer Schwing- und Älplerfestes (ISAF). Der Luzerner hatte mit einem Inneren Haken eine gute Chance, diesen Endkampf zu seinen Gunsten zu entscheiden. Es sollte aber anders kommen, und Kantonskollege Joel Ambühl schwang schliesslich mit einem satt gezogenen Kurz oben aus. So oder so: René zeigte in Ibach eine starke Leistung.

René Suppiger (rechts), zusammen mit seinem Klubkollegen Roman Fellmann, durfte sich verdient den ISAF-Kranz aufsetzen lassen

Bild: René Suppiger

Der Weg in den Schlussgang

Auf dem Weg in den Schlussgang bodigte der Eidgenosse beim Anschwingen den Urner Stefan Arnold schon nach kurzer Gangdauer platt. Im zweiten Gang kam der Surentaler gegen Alex Huber im ersten Zug mit einem Inneren Haken zu einer weiteren «Zehn». Der dritte Kampf mit Lario Kramer begann beidseits verheissungsvoll, offensive Schwingweise war angesagt. Als René anzog, konnte der Freiburger Neueidgenosse mit Kreuzgriff kontern und ihn ins Sägemehl betten. Den vierten Gang gestaltete der 32-fache Kranzschwinger wieder siegreich, und wie: Beim zweiten Angriff kam er gegen den Obwaldner Eidgenossen Benji von Ah mit Übersprung zu einem sehenswerten Plattwurf. Um den Schlussgang-Einzug wurde René der Schwyzer Routinier Philipp Schuler zugeteilt. Gegen Schuler gewann er relativ rasch mit einem Kurz, und konnte sich die Note Zehn schreiben lassen. Dieser Erfolg bedeutete den Schlussgang-Einzug.

Der Sieg am ISAF wäre Kranzfest-Sieg Nummer zwei gewesen

Das Palmarès von René sieht folgendermassen aus: Nebst einem Kranzfestsieg am Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest 2017 in Beckenried gewann der 31-Jährige bisher vier Rangschwingfeste. Der kräftige Sennenschwinger vom Schwingklub Surental konnte sich 2016 den Eidgenössischen Kranz aufsetzen lassen. In seinem Kranzkasten hängen zudem je sechs Teilverbands- und Bergkränze sowie 19 Kantonalkränze. René’s bevorzugte Schwünge sind der Kurz, der Innere Haken, der Übersprung und der Gammen. Der Lebensmittelingenieur lebt in Luthern, zusammen mit seiner Partnerin und dem gemeinsamen kleinen Sohn. Der gelernte Metzger ist 189 Zentimeter gross und wiegt 114 Kilogramm, ideal für einen Standschwinger.

Beim Schlussgang-Einzug in Ibach hätte beinahe Kranzfest-Sieg Nummer zwei resultiert. Im Gespräch mit dem Schwinger-Blog erzählt René rückblickend nochmals über den offensiv geführten Endkampf. Weiter über die Saisonvorbereitung, das wöchentliche Training und die Chancen auf einen Kranzfestsieg. 

Als glücklicher Sieger vom Schwarzenberg-Schwinget 2019

Bild: feldwaldwiesenblogger

Zuerst das Positive: Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim ISAF! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Es gab einen Moment der Enttäuschung und das Nachtrauern einer verpassten Chance. Die üblichen Gedanken und Fragen nach einer Niederlage begleiteten mich: Was hätte man besser machen können, was hat noch gefehlt? Die Enttäuschung verflog relativ rasch und machte der Freude über die an diesem Tag gezeigte Leistung Platz. Ich gönne Joel den Sieg von Herzen. Wir trainieren zusammen und kennen uns sehr gut. Und:  Es kommt wieder eine Chance.»

Was genau passierte im Schlussgang? Wie beurteilst du den rückblickend?

«Kurze Zeit vor Joel’s Siegeswurf hatte ich selber eine gute Chance mit Innerem Haken. Die Ausgangslage vor dem Schlussgang war klar: Gewinnt nicht einer von uns beiden, erbt ein Gästeschwinger. Deshalb haben wir abgesprochen, offensiv und mit Vollgas zu schwingen. Joel und ich sind Angriffsschwinger, da konnte man darauf bauen, dass es ein Siegresultat geben würde. Zudem kennen wir uns gegenseitig sehr gut, was eine andere Vorbereitung nach sich zieht, als wenn man einen Gegner nicht richtig einschätzen kann. Die Ausgangslage war für uns beide sehr speziell.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?

«Nein, absolut nicht. Wie bereits erwähnt, war die Ausgangslage klar. Ich war auf Angriffstaktik eingestellt, und würde dies wieder so machen.»

Worin meinst du, lagen die Stärken von Joel Ambühl im Schlussgang?

«Die liegen in seiner Explosivität, er kann sehr schnell aus einer Situation heraus einen Schwung ziehen. Zudem ist er sehr wendig. Dadurch konnte er sich auch sehr schnell bei meinem ersten Zug ausdrehen.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Nein, gar nicht. Ich habe nicht erwartet, dass ich am späteren Nachmittag im Schlussgang stehen würde. Das primäre Ziel war, eine gute Leistung abzurufen. Es lief mir gut, und fast alles ging auf.»

Zur Taktik beim ISAF-Schlussgang meint René: «Ich war auf Angriffstaktik eingestellt, und würde dies wieder so machen.»

Bild: esv.ch

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt vom ISAF 2021?

«Ich ziehe insgesamt ein positives Fazit, und ich konnte meine offensive Schwingweise wie gewünscht anwenden. Ich habe dabei auf beide Seiten geschwungen. Das berühmte «i-Tüpfelchen» hat am Ende leider gefehlt.»

Wie lief die doch ziemlich kurze Saisonvorbereitung ab? Wann hast du diese gestartet?

«Mitte März habe ich das Schwingtraining in einer Vierergruppe aufgenommen. Interessanterweise mit meinem Schlussgang-Gegner Joel Ambühl, Werner Suppiger und Michael Müller. Uns Vieren ist es am ISAF sehr gut gelaufen. Diese Vierergruppe wurde im Verlauf des Frühlings aufgelöst und hernach besuchte ich wie gewohnt die Klub- und Kantonaltrainings. Nebst dem Schwingen habe ich mich dem üblichen Kraft- und Konditionstraining gewidmet, welches wichtig ist für die Stabilität und die Explosivität.»

Welche Schwingfeste hast du vor dem «Innerschweizerischen» bestritten? Wie lief es bei diesen?

«Zum Saisonauftakt trat ich beim Oberseetaler Rangschwinget in Ballwil an, an welchem ich im Schlussgang gegen Joel Wicki verlor. Beim Stoos-Schwinget vor zwei Wochen lief es nicht gut, und ich verpasste den Kranz.»

Die Trainingsgestaltung für 2021 ist sicher sehr ungewöhnlich. Wie sieht dein wöchentliches Training momentan aus?

«Auf dem wöchentlichen Programm stehen ein bis zwei Schwingtrainings. Das kann variieren, je nachdem ob am Wochenende ein Schwingfest ansteht und wie ich mich fühle. Weiter absolviere ich ein Kraft-, ein Ausdauer- und ein Intervalltraining. An den Wochenenden steht nun meist ein Wettkampf an, und diese verspätet angelaufene Saison fühlt sich doch ziemlich kompakt an.»

Welches werden deine nächsten Einsätze sein? Mit deiner Form liegt gar ein Kranzfestsieg im Bereich des Möglichen? 

«Die Bergfeste auf dem Weissenstein und dem Brünig stehen an. Weiter möchte ich beim Urner, Zuger sowie Luzerner Kantonalfest antreten, und als Saisonhöhepunkt beim Kilchberger Schwinget. Ich spüre langsam, dass ich nicht mehr 20 bin, und muss diesem Umstand Rechnung tragen. Für einen Kranzfestsieg muss alles zusammenpassen und die Gesundheit mitspielen. Wenn das Gesamtpaket stimmt, ist jeweils alles möglich. Es ist für mich aber keine Selbstverständlichkeit, dies locker zu erreichen.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Roger Rychen, welcher beim «Glarner-Bündner» im Schlussgang stand

Text: feldwaldwiesenblogger

Roger Rychen bestritt vor Wochenfrist am Glarner-Bündner Kantonalschwingfest in Näfels den Schlussgang. Der zweifache Glarner Eidgenosse verlor diesen zwar, seine Leistung an seinem ersten Kranzfest seit dem ESAF 2019 in Zug ist aber allemal erwähnenswert.

«Nichtsdestotrotz, ein Lachen meiner wundervollen Tochter muntert eine Schlussgangniederlage schnell wieder auf», schreibt Roger Rychen auf Facebook

Bild: Roger Rychen (Facebook)

Den Eidgenossen Tobias Krähenbühl auf dem Weg in den Schlussgang besiegt

Roger’s Einstieg in den Glarner Ehrentag verlief nicht ganz wunschgemäss. Im ersten Gang wurde er vom Urner Gast Andi Imhof besiegt. Dann aber folgte eine eindrückliche Aufholjagd. Der Reihe nach besiegte der Maschinist Corsin Jörger, Michael Steiner und Nicola Funk. Um den Schlussgang-Einzug duellierte sich der mittlerweile 51-fache Kranzschwinger mit dem Thurgauer Eidgenossen Tobias Krähenbühl, welchen er ins Sägemehl betten konnte. Roger stand seit 2018 (Bündner-Glarner und St. Galler Kantonalschwingfest) erstmals wieder in einem Schlussgang eines Kranzfestes.

Warten auf den ersten Kranzfestsieg

Im Schlussgang stand Roger dem Thurgauer Schwergewicht Domenic Schneider gegenüber. Dieser überlistete den Glarner Sennenschwinger mit einem Stich und feierte so seinen zweiten Kranzfestsieg. Derweil der Familienvater aus Mollis immer noch auf seinen ersten Kranzfestsieg wartet. Roger, welcher am 26. Februar Vater von Tochter Ariana wurde, stand mittlerweile zum siebten Mal in einem Kranzfest-Schlussgang. Prognose: Beim achten Anlauf klappt’s! Denn: Wie Siege sich anfühlen, weiss der gelernte Landwirt bestens, zieren doch 17 Siege an Rangschwingfesten sein Palmarès.

Der 30-Jährige stand dem Schwinger-Blog vergangene Woche Rede und Antwort zum Schlussgang am «Glarner-Bündner», aber auch zur Trainingsgestaltung und zur Saisonvorbereitung. Und: Am kommenden Sonntag, 4. Juli, geht’s für den Modelathlet mit den Gardemassen von 190 Zentimeter Körpergrösse und 110 Kilogramm Gewicht am «Innerschweizerischen» in Ibach SZ bereits weiter. Als Nordostschweizer Gast bekommt er es beim Anschwingen mit dem Schwyzer Eidgenossen Mike Müllestein zu tun. Das grosse Ziel wird der Innerschweizer Teilverbands-Kranz sein. Denn dieser fehlt noch in der Sammlung von Roger.

Um die Schlussgang-Qualifikation duellierte sich Roger mit dem Thurgauer Turnerschwinger Tobias Krähenbühl

Bild: Lorenz Reifler

Zuerst das Positive: Herzliche Gratulation zum ersten Saisonkranz! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang in Näfels durch den Kopf?

«Vielen Dank für die Gratulation! Aus meiner Sicht gesehen ist es schade, dass es so schnell vorbei war.»

Was genau passierte im Schlussgang? Wie beurteilst du den rückblickend?

«Domenic Schneider hat mit Stich angegriffen, und am Boden konnte ich mich nicht mehr wegdrehen. Dabei ist mir ein taktischer Fehler unterlaufen.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?

«Ja, das würde ich. Ich habe den Gang inzwischen analysiert. So kann ich mich stetig weiter entwickeln.»

Worin meinst du, lagen die Stärken von Domenic Schneider im Schlussgang?

«Er hat sofort angegriffen, und mich am Boden gut fixiert.»

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt für dein erstes Kranzfest der Saison?

«Ich ziehe ein positives Fazit. Denn ich konnte meine Konsequenz in einigen Bereichen verbessern.»

Nach 17 Siegen an Rangschwingfesten (auf dem Bild am Gibelschwinget Bonstetten 2017) wäre nun die Zeit reif für einen Sieg an einem Kranzfest

Bild: rogerrychen.ch

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Klar, das ist immer das Ziel. Mir ging es darum, Gang für Gang meine beste Leistung abzurufen, samt sauberer technischer Ausführung.»

Wie lief die doch ziemlich kurze Saisonvorbereitung ab?

«Ich bin trotz allem in verschiedenen Bereichen nach Fahrplan unterwegs. Aufs Schwingen bezogen hatte ich von Anfang an ein sehr gutes Gefühl im Sägemehl.»

Das Glarner-Bündner Kantonalfest in Näfels war gewissermassen ein Kaltstart in die Saison. Wie bist du mit diesem Umstand umgegangen?

«Es ist eine zusätzliche Erfahrung, um mich weiterzuentwickeln. Diese Herausforderung habe ich gerne angenommen.»

Die Trainingsgestaltung für 2021 ist sicher sehr ungewöhnlich. Wie sieht dein Training momentan aus?

«Ich habe aktualisierte Trainingspläne, welche ich befolge. Das Schwingtraining ist in dieser Phase umfangreicher als üblich.»

Am kommenden Sonntag bist du Gast am ISAF in Ibach. Was rechnest du dir für das erste Teilverbandsfest der Saison aus?

«Ich freue mich sehr auf das Fest in Ibach, an welchem ich als Gast antreten darf. Ich bereite mich gut darauf vor, und bin bereit meine Chancen zu nutzen.»

feldwaldwiesenblogger