Nachgefragt bei Mike Müllestein: «Die Freude am Schwingen ist eine grosse Motivation für die Feste»

Text: feldwaldwiesenblogger

Mike Müllestein ist derzeit einer der besten Innerschweizer Eidgenossen. Er zeigte beim Stoos-Schwinget, beim «Innerschweizerischen» und zuletzt beim Rigi Schwinget starke Leistungen. Der Steinerberger versuchte letzten Sonntag in Ibach Samuel Giger Paroli zu bieten. Obwohl er sich zweimal geschlagen geben musste, ist ihm dies sicher über weite Strecken gelungen. Selbst der Sieger aus dem Thurgau attestierte hinterher, dass Mike stets brandgefährlich und ein sehr guter Schwinger sei. Unbestritten war der 32-Jährige an diesem Wettkampf der zweitbeste Schwinger, und stand deshalb absolut verdient im Schlussgang.

Der Schwinger-Blog fragte nun beim dreifachen Familienvater nach und wollte wissen, wie er den Rigi Schwinget erlebte, wie Mike mit der teilweise nicht gut koordinierten Schwingfest-Agenda 2021 zurechtkommt und wie er Familie, Beruf und Schwingsport unter einen Hut bringt.

Der Eidgenosse aus Steinerberg (rechts) fuhr die letzten drei Wochenenden kranzgeschmückt nach Hause. Auf dem Bild zusammen mit Marco Ulrich und dem Stoos-Kranz

Bild: Mike Müllestein

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim Rigi Schwinget! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Im ersten Moment war ich schon enttäuscht. Es bestand die Chance, das Fest zu gewinnen. Diesem Umstand nachzutrauern bringt aber nichts. Schlussendlich bin ich zufrieden mit meiner Tagesleistung.»

Mit welcher Taktik oder Schwingweise könnte man Samuel Giger bezwingen?

«Um ihn zu bezwingen muss man angreifen, stehen zu bleiben bringt nichts. Meine Taktik war, mit dosiertem Risiko meine Angriffe zu platzieren. Oder aus einem Konter heraus, wenn Giger zieht.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Schon ein wenig, ich habe es mir vom Teilnehmerfeld her erhofft. Ich habe mich letzten Sonntag zudem gut gefühlt. Dennoch: Das Ganze muss immer zuerst geschwungen werden.» 

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt vom Rigi Schwinget?

«Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Ich war explosiv, und konnte meine Schwünge sauber ansetzen. Die Leistung beim Rigi Schwinget gibt mir ein gutes Gefühl für die nächsten Feste.»

Deine bisherigen Schwingfestauftritte im 2021 zeigen: Du bist gar noch besser als vor Corona. Wie kommt das?

«Es läuft gut in dieser Saison. Ja, wie kommt das? Ich hatte während der Corona-Pause mehr Erholung als üblich. Man konnte längere Zeit nicht schwingen. Ich habe für mich aber immer etwas gemacht. Als es wieder los ging mit Schwingen, war einfach eine grosse Freude vorhanden. Die Freude am Schwingen ist eine grosse Motivation für die Feste.»

Mike bestreitet an diesem Wochenende mit den Schwingfesten auf dem Weissenstein und beim Schwyzer Kantonalen gleich zwei Kranzfeste

Bild: esv.ch

An diesem Wochenende trittst du beim Weissenstein-Schwinget und beim Schwyzer Kantonalen an. Siehst du das als Härtetest fürs ESAF 2022 in Pratteln?

«Nein, nicht unbedingt. Es hat sich einfach so ergeben, denn das Schwyzer Kantonale wurde nach hinten geschoben. Auf dem Weissenstein bin ich noch nie angetreten, deshalb will ich unbedingt an diesem Bergfest starten. Das werden sicher zwei harte Tage. Das Ziel ist, an beiden Orten den Kranz zu gewinnen. Ich werde mein Bestes geben, bin aber auch nicht mehr der Jüngste. Ich werde dabei beobachten, wie sich mein Körper erholt. Am besten wäre, wenn es am Samstag gut läuft. Dann geht es mir am Sonntag auch besser.»

Wie kommst du mit der teilweise nicht gut koordinierten Schwingfest-Agenda 2021 zurecht?

«Da die Kantonalschwingfeste erst abgesagt, und nun doch in die Agenda aufgenommen wurden, kam nun eine geballte Ladung an Schwingfesten zusammen. Das ist schon ein bisschen viel. Und: Jedes Wochenende möchte ich nicht einen Wettkampf bestreiten. Wir dachten erst, dass nur die Bergfeste auf dem Programm stehen würden. Das ist einfach unglücklich, auch für die Organisatoren von Rangschwingfesten wie dem Allweg oder dem Herbstschwingertag Sieben. Der Allweg-Schwinget wurde wegen Termin-Kollisionen abgesagt, und der Anlass in Siebnen findet einen Tag nach dem Kilchberger Schwinget statt. Ich hätte gerne das eine oder andere Rangschwingfest besucht, dies ist aber unter diesen Umständen schwierig.»

Der logische Aufbau der Schwingfest-Reihenfolge fehlt in diesem Jahr, und bereitet den Mittelschwingern sichtlich Mühe. Was ist deine Meinung dazu?

«Für die Mittelschwinger, die den Schwingsport als reines Hobby praktizieren, war es schon eine kurze Vorbereitungszeit. Ihnen fehlte zudem teilweise die Motivation, auch ohne Schwingtraining sich fit zu halten. Für sie kann es schon gefährlich werden an Schwingfesten. Als ich Mitte März das Schwingtraining aufnehmen durfte, haben wir mit Schulschwingen sachte gestartet. Ich war in einer guten Trainingsgruppe und wir absolvierten wöchentlich drei harte Trainings. Zusätzlich gleisten wir weitere Schwingtrainings auf. Passieren kann immer etwas. Das Verletzungsrisiko lässt sich aber mit regelmässigem Training minimieren.» 

Du darfst zwar seit Mitte März im Sägemehl trainieren. Die Vorbereitung auf diese Saison, welche anfangs Juni ziemlich abrupt von Null auf Hundert durchgestartet wurde, war dir sicher auch zu kurz. Warst du bei den bisherigen Schwingfesten deswegen nicht fast am Anschlag?

«Körperlich gesehen eigentlich nicht. Das Vertrauen hat aber am Anfang gefehlt. Ich konnte zwei Rangschwingfeste als Vorbereitung bestreiten. Trotzdem ist es an Kranzfesten anders. Das Vertrauen fehlte erst und man war etwas gehemmt. Es fehlten zudem die Anhaltspunkte: Wo stehe ich und wo stehen meine Gegner aus den anderen Teilverbänden?»

Du bist kürzlich zum dritten Mal Vater geworden. Wie schaffst du es, Familie, Beruf und den Schwingsport in Einklang zu bringen?

«Momentan ziehe ich den Vaterschaftsurlaub ein. Ich habe eine gute Frau, und meine Eltern wohnen im selben Haus. Ich denke, wenn es mit zwei Kindern gut lief, wird das auch mit drei der Fall sein. Wir unternehmen gemeinsam viel, gehen beispielsweise in den Tierpark oder in Spielhallen für Kinder. Es kann nun sicher mal vorkommen, dass ich ein Training auslassen werde. Dann praktiziere ich aktive Erholung zu Hause mit den Kindern.»

feldwaldwiesenblogger

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