Comeback beim «Mitteländischen» geglückt – Nachgefragt bei Kilian Wenger

Text: feldwaldwiesenblogger

Kilian Wenger ist letzten Sonntag beim Mittelländischen Schwingfest in die Saison eingestiegen. Eine beim Training zugezogene Rippenverletzung verhinderte eine frühere Rückkehr auf die Sägemehlplätze. Der Berner Oberländer Schwingerkönig war sofort bereit: Das Ergebnis war der Einzug in den Schlussgang. Im finalen Endkampf wurde Kilian aber von Fabian Staudenmann besiegt. Am kommenden Sonntag steht für den Diemtigtaler bereits das nächste Kranzfest auf dem Programm: Der Bergklassiker auf dem Brünig, welchen der 31-Jährige 2014 gewinnen konnte.

Der Schwinger-Blog fragte bei Kilian nach und wollte wissen, wie er sein Comeback am «Mittelländischen» erlebte, wie der Familienvater Joel Wicki am Sonntag beim Anschwingen hätte besiegen wollen und ob der ESV und die Teilverbände hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe mehr tun könnten. Inzwischen wurde bekannt, dass Wicki nicht beim Brünigschwinget startet und sein Comeback verschiebt. Welchen Gegner Kilian nun zugeteilt wird, ist derzeit nicht bekannt.

Der Schwingerkönig von 2010 ist zufrieden mit seinem Comeback

Bild: kilianwenger.ch

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim Mittelländischen Schwingfest! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Danke vielmal! Ich war schon enttäuscht, mit etwas Abstand betrachte ich das Comeback aber als gelungen. Ich wusste, dass Fabian gut schwingt, habe aber nicht damit gerechnet, ihm so reinzufallen.»

Wie genau verlief der Schlussgang?

«Er zog mit Kurz an. Ich konterte mit Gammen, aber zu wenig tief und zu spät. Und schon war es passiert.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Ehrlich gesagt nicht. Das war seit 23 Monaten mein erstes Kranzfest, zudem komme ich von einer Verletzung zurück. Ich wusste daher nicht wo ich stehe, es war gewissermassen ein Tappen im Dunkeln. Ich habe aber gut trainiert, und ich war angespannter als sonst.»

Bist du mit dem Comeback zufrieden?

«Ja, grundsätzlich schon. Wenn man in einem Schlussgang steht, will man gewinnen. Mit etwas Distanz sehe ich es nun weniger dramatisch. Zudem habe ich, wie oben erwähnt, erst eine Verletzung auskuriert.»

Bist du wieder topfit?

«Ja, ich kann das mit gutem Gewissen sagen. Was mein Körper anbelangt bin ich sehr zufrieden. Beim Schwingen spüre ich vom Feingefühl her, dass es noch etwas braucht. Wegen der verkürzten Vorbereitung war aber auch nicht alles möglich.»

Schwungvoll bezwingt Kilian am «Mittelländischen» Dominik Gasser

Bild: Barbara Loosli

An diesem Wochenende steht der Brünigschwinget auf dem Programm. Liegt gar wieder der Schlussgang drin?

«Das wäre natürlich schön. Ich freue mich auf den Brünigschwinget, es ist mein Lieblingsschwingfest. Ich bin sehr zuversichtlich, und glaube, dass es ein gutes Fest wird.»

Beim Anschwingen hättest du es mit Joel Wicki zu tun bekommen. Der Sörenberger muss sein Comeback nun aber verschieben. Wie hättest du den Erstgekrönten vom ESAF 2019 in Zug bezwingen wollen?

«Mit einem Geheimrezept, welches ich hier nicht verrate.»

Die jungen «wilden Berner» wie Fabian Staudenmann, Kilian von Weissenfluh oder Michael Wiget streben an die Spitze. Ihr arrivierten Kräfte lasst euch aber noch nicht vom Thron stossen?

«Ich habe auch den Eindruck, dass die Jungen drücken. Das ist aber auch bei den anderen Teilverbänden der Fall. Das ist gut, und ein Zeichen für hervorragende Nachwuchsarbeit. Aber: Überaltert sind wir arrivierten Kräfte noch nicht. Da mögen wir schon noch eine Weile dagegenhalten.»

Die Verletzungshexe zirkuliert wieder ungemein unter den Schwingern. Wegen der Corona-Pause noch mehr als sonst. Könnten der ESV und die Teilverbände hinsichtlich Prophylaxe mehr tun?

«Nein, das glaube ich nicht. Grundsätzlich ist jeder Schwinger für seine Gesundheit verantwortlich. Der Schwingfestkalender ist zudem vorgegeben. Jeder kann so viele Feste machen wie er will, sollte dabei aber auf seinen Körper hören. Als 31-Jähriger möchte ich deshalb nicht mehr als vier oder fünf Schwingfeste am Stück bestreiten. Und: Die Euphorie darf man nach der langen Pause auch nicht unterschätzen.»

Du bist 2019 Vater geworden. Wie schaffst du es, Familie, Beruf und den Schwingsport in Einklang zu bringen?

«Im Moment funktioniert und harmoniert es gut. Ich erfahre viel Verständnis von Seiten meiner Partnerin und meiner Sponsoren. Zudem habe ich einen flexiblen Arbeitgeber und ein gutes Umfeld. Der Sport hat momentan einen hohen Stellenwert, und ich habe dafür extra Platz geschaffen. Mit der nötigen Kommunikation kann man vieles organisieren.» 

feldwaldwiesenblogger