Das starke Comeback von Nick Alpiger ist eine der schönsten Geschichten, welche der Schwingsport bisher in diesem Jahr schrieb

Text: feldwaldwiesenblogger

«Alpiger zu Tränen gerührt» schrieb der BLICK nach dem Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest. Und: «Ich kann es fast nicht in Worte fassen, was dieser Sieg für mich bedeutet!», erklärt Nick Alpiger auf Facebook. Der Nordwestschweizer Team-Leader kehrte nämlich letzten Sonntag in Muttenz wieder auf die Siegerstrasse zurück und gewann in überzeugender Manier. Das starke Comeback von Nick Alpiger nach einer anfangs Saison erlittenen Verletzung ist eine der schönsten Geschichten, die der Schwingsport dieses Jahr schrieb. Anhand der Emotionen nach dem Schlussgang konnte man ein Stück weit erahnen, wie erleichtert Nick war. Denn die Zwangspause verhinderte dem Maurer eine Zeit lang was er am liebsten macht: Schwingen.

Drei Eidgenossen bezwungen

Am «Basellandschaftlichen» bodigte der Aargauer Eidgenosse der Reihe nach Oliver Hermann, Adrian Walther, Andreas Döbeli, Michael Mangold, David Schmid und im Schlussgang Joel Strebel. Das Notenblatt von Nick zählte am Schluss 59.75 Punkte, ein «Vierteli» fehlte zum Punktetotal. Zudem bezwang er drei Eidgenossen, allesamt Aargauer Verbandskollegen. 

Konter führte zum Erfolg im Schlussgang

Im Schlussgang konnte der nun mittlerweile sechsfache Kranzfestsieger abwarten und die Kurz-Angriffe von Strebel parieren. Denn ein «Gestellter» hätte ihm gereicht. So weit kam es aber nicht: Nach rund zehn Minuten setzte sein Kontrahent einen Inneren Haken an. Dabei konterte Nick und brachte Strebel mittels Überstossen aus dem Gleichgewicht und auf den Rücken.

Nachgefragt bei Nick Alpiger

Der Schwinger-Blog fragte darum beim glücklichen Sieger nach und wollte wissen, wie die Gefühlslage nach dem Sieg in Muttenz war, wie die Heilung nach der Verletzung verlief und was beim Kilchberger Schwinget drin liegt. Weiter wie man sich den Alltag von so einem leidenschaftlichen Schwinger vorstellen muss. Und: Hat Nick den Trainingsumfang nach dem «Eidgenössischen» in Zug eigentlich verändert? Beim Telefongespräch war der 45-fache Kranzschwinger am Hallwilersee und frönte seinem Hobby Fischen.

Nick Alpiger, der glückliche Sieger vom «Basellandschaftlichen» erklärt auf Facebook: «Ich kann es fast nicht in Worte fassen, was dieser Sieg für mich bedeutet!»

Bild: David Sigg

Herzliche Gratulation zum Sieg beim Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest! Wie war die Gefühlslage nach deinem sechsten Kranzfestsieg?

«Danke vielmals! Für mich war es sehr schön und ich war einfach nur glücklich, dass ich wieder ein Schwingfest gewinnen konnte. Der Weg nach dem Eidgenössischen bis zum Sieg in Muttenz war für mich nicht immer einfach. In dieser Zeit habe ich Verletzungen auskuriert, war oft bei der Physiotherapie und habe viel allein trainiert. Ich konnte dabei immer auf die Unterstützung meine Familie zählen. Der Kranzfestsieg letzten Sonntag ist die Bestätigung dafür, dass es sich gelohnt hat diesen Weg zu beschreiten. Als Hauptprobe vor dem «Basellandschaftlichen» bestritt ich den Homberg-Schwinget, um zu schauen, ob wieder alles einwandfrei funktioniert. In Muttenz trat ich ohne Druck an. Ich empfand einfach grosse Freude, dass ich wieder das machen kann, was ich am liebsten mache.»

Der Start in die 2021er-Saison verlief beim Aargauer Kantonalen verheissungsvoll. Doch dann kam eine Woche darauf die Verletzung am Solothurner Kantonalen. Was war dort passiert?

«Ich zog mir am Solothurner Kantonalen eine Fussverletzung zu, dabei wurde das vordere Syndesmoseband beschädigt. Dadurch konnte ich sechs Wochen nicht trainieren.»

Verlief die Heilung problemlos? Ab wann konntest du wieder trainieren?

«Ich war bei der erforderlichen Physiotherapie in sehr guten Händen. Die Heilung verlief dadurch optimal. Ich ging nach der Verletzung während vier Wochen an Stöcken. Dann erfolgte während zwei Wochen ein gezielter Aufbau und schon stand der Homberg-Schwinget auf dem Programm.»

Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt bist du wieder in bestechender Form. Was liegt drin am Kilchberger Schwinget?

«Das wird ein ganz hartes Fest, und es geht eigentlich nur um den Tagessieg. Ich versuche mich gut vorzubereiten, um dann parat zu sein. Mein Ziel ist, dass ich an diesem Tag ohne Druck und unbeschwert schwingen kann. Was dabei herausschaut, wird sich zeigen. Aber: Zuerst stehen für mich noch das Nordwestschweizer und das Nordostschweizer Schwingfest auf dem Programm.»

Blickt man kurz zurück, darf man dich zu den Topfavoriten am «Kilchberger» zählen. Denn: Du bist nebst René Suppiger der bisher letzte Schwinger, welcher Samuel Giger eine Niederlage (ESAF 2019 in Zug, 1. Gang) zugefügt hat. Wie hast du das geschafft?

«Ich ging ohne Druck ans ESAF in Zug, und es war für mich eine Riesenehre und Freude dort zu schwingen. Ich habe dabei probiert, mein Bestes zu geben. Ich konnte Samuel auf einen Zug abkontern. Er griff mit Gammen an und ich fing ihn mit Lätz ab. Am Boden hatte ich gute Griffe, und konnte ihn schliesslich bezwingen.»

Nick Alpiger im energischen Zweikampf mit dem Aargauer Eidgenossenkollegen David Schmid

Bild: Facebook / Pascale Alpiger

Mit dem Sieg am «Basellandschaftlichen» unterstreichst du einmal mehr, dass du der Team-Leader in der Nordwestschweiz bist. Ist das für dich Bürde oder Würde? 

«Das ist für mich eine Würde und es ist für mich zugleich eine Ehre, dass ich zu den Stärksten in der Nordwestschweiz gehöre. Die Dichte bei uns ist allerdings nicht so gross wie bei den Bernern, Innerschweizern und Nordostschweizern. Und: Joel Strebel, Patrick Räbmatter und Andreas Döbeli haben in dieser Saison grossartige Schwingfeste gezeigt und führen unseren Teilverband ebenfalls an. Wir sind ein gutes Team.»

Bei dir spürt man aus jeder Faser: Das Schwingen ist dein Leben und deine Leidenschaft. Wie müssen sich Aussenstehende deinen Alltag, eingebettet im Schwingsport, vorstellen?

«Ich ordne dem Schwingen alles unter. Mein Alltag dreht sich um den Schwingsport und ich wäge jeweils ab, ob diese oder jene Tätigkeit gut oder schlecht fürs Schwingen ist. Ich denke fast den ganzen Tag nur ans Schwingen, und gehe mit grosser Freude an die Trainings und die Schwingfeste. Ich versuche mit Technik und Gefühl zu schwingen, weniger mit Rohkraft. Ich bin darum froh um Trainings mit Patrick Räbmatter und David Schmid, beides sind starke und kräftige Schwinger. Mein Trainingsschwerpunkt gilt dem Schwingen, das Krafttraining ist Zusatz. Meine Arbeit als Maurer ist anstrengend und fordert mich körperlich. Während der Corona-Pause war ich viel im Kraftraum, das hat sich nun wieder geändert.»

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Ich habe mich professionalisiert, dabei Neues ins Training integriert. Wie bereits angesprochen trainiere ich nun vermehrt auch im Kraftraum. Ich ging zudem eine Zeitlang ringen. Ich versuche stets neue Impulse zu setzen, damit es nicht langweilig wird, und ich vorwärtskomme.»

Wie viele Trainingszusammenzüge wird das Nordwestschweizer Team bis zum Kilchberger Schwinget noch bestreiten? Und: Wirst du bis zum Saisonhöhepunkt zudem eine spezielle Vorbereitung absolvieren?

«Geplant sind noch zwei Zusammenzüge, unser Technischer Leiter Guido Thürig ist dabei bedacht, professionelle Trainings zusammenzustellen. Nach dem Nordwestschweizer Schwingfest wird der Kader zusammengestellt. Vor dem «Kilchberger» werden wir uns dann sicher nochmals treffen und den Anlass im Detail besprechen. Eine spezielle Vorbereitung ziehe ich nicht in Betracht, ich versuche alles gleich zu halten und gebe Vollgas im Training. Ich freue mich einfach, dass ich wieder schwingen kann. Mein Leitmotiv ist: Das bestmögliche Geben und dann kommt’s gut. Vorderhand zählt momentan aber die Vorbereitung auf die bereits angesprochenen Teilverbandsfeste der Nordwestschweizer und der Nordostschweizer.»

Wie gross sieht dein Pensum als Maurer aus? Und: Bleibt da noch Zeit für Hobbys neben dem Schwingsport?

«Ich arbeite in einem 80 Prozent Pensum von Montag bis Donnerstag. Da ich am Freitag frei habe, liegt am Donnerstagabend ein Auswärtstraining drin. Das Fischen ist mein grosses Hobby, welches ich während der Saison nicht so oft pflegen kann wie ausserhalb der Saison. Das Fischen ist für mich ein guter Moment, um abzuschalten. Ich gehe überdies gerne vor Schwingfesten fischen. Zudem schaue ich auf genügend Schlaf. Dies ist schlussendlich die beste Erholung.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Marcel Bieri, dem Sieger vom Zuger Kantonalen

Text: feldwaldwiesenblogger

Marcel Bieri gewann am letzten Sonntag das Zuger Kantonale in Baar. Es war dies der zweite Kranzfestsieg in seiner Karriere. Auch den ersten Sieg erschwang sich der Edlibacher an einem Zuger Kantonalen (2017, ebenfalls in Baar), auch damals hiess sein Schlussganggegner Christian Schuler. 

Die verspätet gestartete 2021er-Saison begann für den Primarlehrer mit Rang 2b am Stoos-Schwinget verheissungsvoll, ein weiterer Kranzgewinn folgte am «Innerschweizerischen» in Ibach. Auf dem Weissenstein lief es Marcel überhaupt nicht und für den Brünigschwinget musste er wegen einer Finger- und Schulterblessur Forfait geben. Beim Bernisch-Kantonalen Schwingfest startete der 26-Jährige mit einem «Gestellten» gegen Schwingerkönig Kilian Wenger und einem Sieg über Fritz Ramseier gut in den Wettkampf. Doch dann riss der Faden und der Kranzgewinn blieb aus. Die Berg- und Talfahrt von Marcel nahm so richtig Schwung auf und so fuhr der mittlerweile 33-fache Kranzschwinger beim Zuger Kantonalen wieder den Berg hoch.

Der Schwinger-Blog wollte darum von Marcel wissen, wie es zu dieser Berg- und Talfahrt in dieser Saison kam, wie die Vorfreude auf den Kilchberger Schwinget aussieht und ob der Modellathlet seinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug verändert hat. Und: Führt Marcel eigentlich eine Datenbank über seine Gegner im Sägemehl? 

Marcel Bieri, der glückliche Sieger vom Zuger Kantonalen in Baar

Bild: Facebook / Tobias Meyer

Herzliche Gratulation zum Sieg beim Zuger Kantonalschwingfest! Wie war die Gefühlslage nach deinem zweiten Kranzfestsieg?

«Ich fühlte mich nach dem Schlussgang-Sieg sehr erleichtert und zugleich gefasst. Ich war zudem überglücklich, denn es liegen zwei Kranzfeste hinter mir, welche nicht optimal verliefen. Es ist für mich eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» 

Wie hast du es geschafft, den formstarken und mittlerweile 102-fachen Kranzschwinger Christian Schuler zu bezwingen?

«Ich trainiere häufig in Einsiedeln und bin mit den Schwyzer Schwingern kameradschaftlich verbunden. So habe ich schon etliche Male mit Christian beim Training wie auch an Wettkämpfen geschwungen. Die Begegnungen zwischen uns sind meist attraktiv, denn beide suchen die Entscheidung. Die Bilanz der ausgetragenen Zweikämpfe ist ausgeglichen. In Baar habe ich taktisch geschwungen und liess ihn erst angreifen. Je länger der Gang ging, je mehr sah ich meine Chance kommen. Ich bezwang Christian schliesslich mit Kreuzgriff/Hüfter und links ableeren.»

Deine bisherige Saison gleicht einer kleineren Berg- und Talfahrt. Wie kommt das?

«Ich stand nach dem Gewinn des Eidgenössischen Kranzes mehr unter Druck. Ich muss nun angreifen, denn gewisse Gegner sind inzwischen mit einem Gestellten gegen mich zufrieden. Daher stellte ich meinen Schwingstil um. Auf dem Weisstenstein und am Bernisch-Kantonalen lief es mir darum nicht so gut. Es ist eine reine Kopfsache, ich machte mir zu viel Druck und dachte über unnötige Dinge nach. Vor dem Zuger Kantonalen führte ich mit meinem Athletiktrainer Tommy Herzog ein längeres Gespräch. Dies hat mir enorm Druck weggenommen. Die Quintessenz ist, dass ich nun versuche, Gang um Gang zu nehmen. Eine Floskel zwar, aber dennoch wichtig. Ich konzentriere mich nun jeweils voll auf den nächsten Gang, welcher ansteht, und lege mir eine Strategie zurecht. Ich war bis anhin ein sehr lockerer Schwinger. Nun muss ich lernen, den Kopf beim Schwingen abzustellen. Dies hat mir fürs Zuger Kantonale sehr geholfen.»

Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt bist du wieder in Topform. Wie sieht die Vorfreude auf den Kilchberger Schwinget aus?

«Ich habe noch nie am Kilchberger Schwinget teilgenommen und schaute kürzlich die Statistik vom Anlass von 2014 an. Spannend, denn man bekommt es da fast nur mit Eidgenossen zu tun und Schonung gibt es in keinem Gang. Solche Schwingfeste habe ich gern, denn es zählt nur der Sieg. Der Druck betreffs Kranzgewinn fällt weg und man kann unbeschwert schwingen. Es wird darum an solchen Anlässen offensiver Schwingsport geboten. Ich hoffe, dass ich für den Kilchberger Schwinget selektioniert werde. Es ist ein Privileg und eine Ehre, an diesem Traditionsanlass teilnehmen zu dürfen. Apropos Topform: Ich bin noch nicht ganz topfit. Am Stoos-Schwinget in Ibach erlitt ich eine Verletzung am Mittelfinger. Ich hoffe, dass sie bis zum Saisonhöhepunkt vollständig verheilt ist.»

Welche Schwingfeste wirst du vor dem Kilchberger Schwinget noch bestreiten?

«Das nächste Schwingfest ist das Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest an diesem Wochenende. Zudem starte ich am 12. September beim Luzerner Kantonalschwingfest. Um meinen Finger zu schonen, werde ich vermutlich an keinem Rangschwingfest teilnehmen.»

Marcel Bieri sagt: «Vor dem Zuger Kantonalen führte ich mit meinem Athletiktrainer Tommy Herzog ein längeres Gespräch. Dies hat mir enorm Druck weggenommen.»

Bild: Facebook / Tobias Meyer

Der Schwinger-Blog hat kürzlich in einem Beitrag versucht, die momentane Situation des Innerschweizer Schwingerverbandes mit den vielen Verletzten und angeschlagenen Schwingern zu ergründen. Ein Punkt dabei war die unglückliche Schwingfestplanung. Was ist deine Meinung zu diesem Thema?

«Ich finde nicht, dass es eine unglückliche Planung war. Unglücklich wäre gewesen, wenn keine Kranzfeste stattgefunden hätten und nicht geschwungen worden wäre. Bei zwei Saisons ohne Schwingfeste wäre die Motivation wohl bei vielen abhandengekommen. Ich finde es schön, wie sich die Organisatoren grosse Mühe machen, um die Schwingfeste zu organisieren. Der Umsatz ist wegen dem Fehlen der Zuschauer zudem viel geringer. Sie alle machen das Beste aus der jetzigen Situation.»

Fallen die verletzungsbedingten Lücken beim Kadertraining hinsichtlich des Kilchberger Schwingets gross ins Gewicht?

«Es ist schwierig, eine klare Antwort darauf zu geben. Kadertrainings fanden bis jetzt noch nicht viele statt. Ja, in dieser Saison gab es mehr Verletzte als auch schon. Das könnte durchaus einen Einfluss auf den Kilchberger Schwinget haben. Ich beobachte zwar, dass trotzdem etliche Topschwinger an den Schwingfesten teilnehmen, diese werden dann auch in Kilchberg dabei sein. Andererseits ist es eine Chance für die Jungen, für den Kilchberger Schwinget nominiert zu werden.»

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Vergrössert nicht, aber verändert. Neu trainiere ich einmal pro Woche beim bereits angesprochenen Athletiktrainier Tommy Herzog. Zudem höre ich mehr auf meinen Körper und gebe ihm Zeit, die Blessuren auszukurieren. Weiter ist mein Schwingtraining ein kleinerer Balanceakt. Ich trainiere nun öfters auswärts, so unter anderem mit den Schwyzern oder mit den Gebrüdern Reichmuth. Ich möchte aber meinen eigenen Schwingklub Aegerital nicht vernachlässigen und absolviere alle zwei Wochen ein Training mit ihnen. Und: Ich darf nun auch den Spitzensport-WK in Magglingen besuchen und habe so die Möglichkeit bis fünf Wochen pro Jahr dort zu trainieren.»

Führst du eigentlich eine Art Datenbank betreffs der Stärken und Schwächen deiner Gegner im Sägemehl? Oder hast du das alles im Gedächtnis abgespeichert?

«Eine Datenbank führe ich nicht. Viele Schwinger kennt man aus eigener Erfahrung und durch die Beobachtung an Schwingfesten. Ich habe deren Schwingweise in meinem Gedächtnis abgespeichert. Wenn ich einen Schwinger nicht kenne, frage ich beispielsweise den Technischen Leiter und hole mir so vor einem Gang wichtige Tipps ab. Zudem schaue ich gerne bei Zwilch.ch nach, um in Erfahrung zu bringen, wie oft und wie ich gegen einen bestimmten Gegner geschwungen habe. Ich kenne Schwinger, welche hinsichtlich Resultate und Noten wandelnde Lexika sind.»

Wie gross sieht dein Pensum als Primarlehrer aus? Und: Bleibt da noch Zeit für Hobbys neben dem Schwingsport?

«Ich arbeitete bis 2020 in einem 80 Prozent-Pensum als Primarlehrer. Nun habe ich mein Pensum auf knapp 100 Prozent erhöht. Ich habe aufs neue Schuljahr hin zudem in einer neuen Schule angefangen. Nebst dem Schwingsport habe ich tatsächlich nicht viel Zeit für andere Hobbys. Mein Wochenplan ist jeweils voll mit Arbeit und Trainings. Immerhin: Ich versuche einmal pro Monat mit einem Kollegen ein Tennis-Match zu spielen, und ich nehme mir auch etwas Zeit für den Ausgang mit meinen Kollegen. Ich finde das aber überhaupt nicht schlimm, denn der Schwingsport ist meine Leidenschaft.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt beim fünffachen Saisonsieger Samuel Giger

Text: feldwaldwiesenblogger

Samuel Giger gewann am letzten Sonntag das St. Galler Kantonalschwingfest in Kaltbrunn. Wir notieren dabei den fünften (!) Kranzfestsieg in dieser Saison, den 20. insgesamt – ein kleines Jubiläum also. Dem Thurgauer schien die Corona-Pause nichts anzuhaben, ganz im Gegenteil: Samuel ist um einiges vielseitiger und unberechenbarer geworden. War der Lastwagen-Chauffeur vorher ein kompromissloser Kurzzüger, gewinnt er in dieser Saison mit den verschiedensten Schwüngen und Kombinationen. Zu erwähnen gilt auch die starke Bodenarbeit, welche der grossgewachsene Athlet nun auch öfters einsetzt.

Der Schwinger-Blog unterhielt sich mit Samuel über das St. Galler Kantonalschwingfest, seine vielseitige Schwingweise, die Saison-Zwischenbilanz, über eine Aussage von Matthias Sempach und was ihn eigentlich so stark macht.

Samuel Giger holte sich am St. Galler Kantonalen den fünften Saisonsieg

Bild: Facebook / Lorenz Reifler

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim St. Galler Kantonalschwingfest! Was ging dir nach dem gewonnenen Schlussgang durch den Kopf?

«Ich verspürte viel Freude und zugleich eine grosse Erleichterung, dass alles so gut geklappt hat.»

Wie hast du deinen Klubkollegen Mario Schneider im Endkampf überlistet? War es eine Kombination aus einem Inneren Haken und einem Fussstich?

«Genau, so war es. Ich zog zuerst mit Innerem Haken an, das funktionierte aber nicht. Dann wechselte ich zum Fussstich, und mit diesem war ich erfolgreich.»

Apropos Schwünge: Du schwingst um einiges vielseitiger als vor der Corona-Pause. Wie kommt das?

«Jeder Sportler ist bestrebt, sich weiter zu entwickeln, genauso ist es bei mir. Während der Corona-Pause versuchte ich mich in erster Linie fit zu halten. Ich habe mir aber auch Gedanken gemacht, wie ich schwingen möchte. Das Ergebnis meiner Überlegungen versuche ich nun umzusetzen.» 

Saison-Zwischenbilanz: Fünf Kranzfestsiege und der zweite Platz beim «Innerschweizerischen». Es läuft wie am Schnürchen?

«Ja, es läuft tatsächlich wie am Schnürchen. So habe ich das nicht unbedingt erwartet. Darum bin ich mit der Zwischenbilanz mehr als zufrieden.»

Bei den bisher 36 absolvierten Gängen resultieren sensationelle 32 Siege und 4 Gestellte. Bei welchem Kampf wurdest du am meisten gefordert? War es gar der Gang am «St. Galler» gegen Werner Schlegel?

«Einen einzelnen Gang hervorzuheben ist schwierig. Jeder ist speziell und ich werde in jedem Gang gefordert. Auch auf dem Papier schwächer eingestufte Schwinger muss man zuerst mal gewinnen. Speziell waren sicher die Schlussgänge, vor allem jene gegen meine Klubkollegen.»

Samuel Giger sagt: «Jeder Sportler ist bestrebt, sich weiter zu entwickeln, genauso ist es bei mir.»

Bild: Facebook / zubischuhe.ch

Es stehen noch einige hochkarätige Schwingfeste wie der Schwägalp-Schwinget, das Nordostschweizer Schwingfest und der Kilchberger Schwinget auf dem Programm. Wie gedenkst du bis zum Saison-Ende deine derzeitige Topform zu konservieren?

«Das ist eine gute Frage. Ich werde weitertrainieren wie bis anhin und dranbleiben. Und ich möchte weiterhin mit viel Freude schwingen.»

Trotz verkürzter Vorbereitungszeit warst du nach der Corona-Pause auf den Punkt genau parat. Wie hast du das geschafft?

«Ich denke, ich habe die Corona-Pause gut genutzt. Den Trainingsaufwand habe ich dabei nicht verkleinert, ich habe ihn einfach verlagert, da Schwing-Training nicht möglich war. Die Fitness war stets vorhanden, das ungewisse war der Wiedereinstieg ins Sägemehltraining. Ich habe mich schliesslich am Solothurner Kantonalschwingfest gut gefühlt, und ich habe mich auch gefreut, wieder wettkampfmässig schwingen zu dürfen. Ich würde mal sagen, dass dies mein Rezept war.»

Am 11. Juli sagte Matthias Sempach als SRF-Schwingexperte: «Samuel ist unbestritten ein kompletter Schwinger, er ist Top «zwäg». Aber ich habe dennoch das Gefühl, dass ich ihn schon schnellkräftiger erlebt habe.» Was entgegnest du dem Schwingerkönig von 2013?

«Das ist vielleicht gut möglich. Aber: Ich fühle mich fit und bis zum Saisonhöhepunkt, dem Kilchberger Schwinget, geht es noch einen Moment.»

Beim ESAF 2019 in Zug lief es zu Beginn nicht ganz nach Wunsch. Hast du inzwischen auch im mentalen Bereich etwas unternommen?

«Ja, ich bin mich auch auf diesem Gebiet am Weiterentwickeln, und mache auch in diesem Bereich etwas.»

Wer oder was macht dich eigentlich so stark?

«Ich kann von einem super Umfeld profitieren und habe tolle Trainingspartner. Zudem stimmt meine Eigenmotivation, der Ehrgeiz und der Wille sind vorhanden. Es sind viele Puzzleteile, die sehr gut zusammenpassen.»

feldwaldwiesenblogger