Vorschau eines grossen Fans auf den Kilchberger Schwinget

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute Morgen habe ich zu mir gesagt: Was soll man jetzt noch gross über den Kilchberger Schwinget schreiben? Gefühlt in fast jeder Zeitung und in jedem Online-News-Portal stehen Vorschauen, Einschätzungen und verschiedene spannende Geschichten zu diesem Saisonhöhepunkt. Auf meinem Schwinger-Blog habe ich diese Berichte fleissig geteilt. Und: Ich habe mich beim Lesen dieser Beiträge als wohl einer der grössten Schwingfans des Landes ertappt… Aus dieser Motivation heraus betreibe ich nämlich den Schwinger-Blog und betrachte unseren Nationalsport aus der Warte des Fans.

Der für gewöhnlich alle sechs Jahre stattfindende Kilchberger Schwinget kennt seine eigenen Gesetze und die bisherigen Sieger waren allesamt Ausnahmekönner

Bild: Luzerner Zeitung

Eigene Gesetze

Wie bereits erwähnt: Viele Vorschauen wurden verfasst, die Spitzenpaarungen landauf-landab diskutiert und die Favoriten erkoren. Nun gilt es ernst für die 60 besten Schwinger des Landes. Der traditionelle Kilchberger Schwinget kennt seine ganz eigenen Gesetze. Hier werden Helden geboren, Erfolgsgeschichten geschrieben und viel Stoff für Generationen produziert.

Ausnahmekönner

Die bisherigen Sieger waren allesamt Ausnahmekönner aus jener Epoche. Auch diesmal wird der Beste zuoberst stehen. Denn: Einzelne Überraschungen sind möglich, der «Kilchberger» ist aber über alles gesehen das härteste Schwingfest und lässt kaum einen Aussenseiter- oder Überraschungs-Sieg zu.

Hochkarätiges Teilnehmerfeld – absolute «Knüller-Paarungen»

Trotz verletzungsbedingten Ausfällen in allen fünf Teilverbänden steht ein hochkarätiges Teilnehmerfeld am Start. Jede Paarung wäre an jedem anderen Schwingfest eine sogenannte Spitzenpaarung. Apropos Spitzenpaarungen im ersten Gang: Stefan Strebel, TK-Chef vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV), stellte absolute «Knüller-Paarungen» zusammen. Man kann und darf bei der Einteilung anderer Meinung sein. Schlussendlich muss aber jeder den ihm zugeteilten Gegner erstmal bezwingen, um sich Schritt für Schritt dem Sieg, oder in diesem Fall dem Schwinger-Olymp, zu nähern.

Blick in die Kristall-Kugel

Riskiert man eine Prognose, kommt man nicht um die heutige «Bote der Urschweiz»-Schlagzeile umhin, die da lautet: «Giger, Wicki oder doch wieder ein Berner?». Der siebenfache Saisonsieger Samuel Giger ist morgen klar Favorit, der Festsieg wird über ihn laufen. Sein erster Herausforderer wird der wieder genesene Joel Wicki sein. Schwingt der Sörenberger wie am ESAF 2019 in Zug, dann steht er im Schlussgang. Und: Viel hängt davon ab, wie die Begegnung zwischen Giger und Wicki beim Anschwingen verläuft. Einer der beiden Topfavoriten, oder gar beide, werden bereits im ersten Gang Punkte lassen. Das kommt den stets brandgefährlichen Bernern zugute. Gewinnt Kilian Wenger seinen ersten Gang, und kommt hinterher in einen Superlauf wie anno 2010 in Frauenfeld, dann könnte der Sieger am Ende des Tages durchaus Wenger heissen. Die diesjährige Saison mit Siegen auf dem Brünig und am Bernisch-Kantonalen macht den Schwingerkönig zu einem heissen Kandidaten.

Der Sieger von 2014 hiess Matthias Sempach, im Schlussgang bodigte er mit einem Blitzsieg Philipp Laimbacher

Bild: Aargauer Zeitung

Sind Staudenmann und Aeschbacher bereit für den grossen Wurf?

Hinter den drei meistgenannten Topfavoriten lauern einige Spitzenschwinger, allen voran Fabian Staudenmann und Matthias Aeschbacher. Aeschbacher zeigte zuletzt am NOS in Mels, das mit ihm absolut zu rechnen ist. Der Emmentaler ist in meinen Augen so weit gereift, dass er ein möglicher Kandidat für den Schlussgang sein könnte. Staudenmann ist für den Schreibenden der eigentliche Geheimfavorit. Straucheln die bereits genannten, könnte der junge Berner Mittelländer quasi erben und seine eigenen Stärken ausspielen. Und diese konnte Fabian in dieser Saison einige Male erfolgreich einsetzen.

Wie werden sich die jungen wilden Toggenburger schlagen?

Der zweifache Bergfestsieger Damian Ott gehört ebenfalls zur Kategorie «Geheimfavorit», ebenfalls der erst 19-jährige Werner Schlegel. Allerdings fehlt es beiden trotz super Ergebnissen in dieser Saison noch ein wenig an Konstanz. Für einen so bedeutenden Festsieg ist es wohl noch zu früh, für eine Spitzenklassierung sind sie aber alleweil bereit.

Nick Alpiger und die starken Nordwestschweizer Mannen als Spielverderber?

Die Nordwestschweizer Delegation darf man durchaus als Spielverderber sehen. Allen voran Nick Alpiger: Dass der junge Aargauer an einem einzelnen Tag grosses zu leisten vermag, bewies er 2019 am «Innerschweizerischen» in Flüelen, und zu Beginn des «Eidgenössischen» in Zug als er Samuel Giger bodigte. Allerdings: Ist Nick nach der in dieser Saison erlittenen Fussverletzung und der Corona bedingten Pause in der körperlichen Verfassung wie 2019?

Und die Innerschweizer?

Die Innerschweizer sind diesmal Aussenseiter. Der Erfolgsdruck lastet auf dem Team der Nordostschweizer und der Berner. Dies könnte einigen vom ISV-Team Flügel verleihen, allen voran Joel Wicki. Kommt der Erstgekrönte in einen Lauf, könnte Joel am Abend gar zuoberst stehen. Seit dem Sieg am Luzerner Kantonalen hat man den Eindruck, dass er wieder parat ist. Überhaupt: Es würde wohl niemanden überraschen, wenn morgen der erste und letzte Gang Samuel Giger gegen Joel Wicki heissen würde. Im Sog von Joel’s möglichem Siegeszug könnten Athleten wie Sven Schurtenberger, Christian Schuler, Mike Müllestein oder Benji von Ah ebenfalls in der Lage sein mit Topleistungen an der Spitze mitzumischen.

Die Südwestschweizer leider ohne ihren Leader

Die vier Südwestschweizer Akteure müssen leider auf ihren Leader Lario Kramer verzichten. Inwieweit Benjamin Gapany, Steve Duplan, Romain Collaud und Mickael Matthey das Geschehen an der Spitze mitzuprägen vermögen, bleibt abzuwarten. Wie der «SCHLUSSGANG» in seiner Sonderausgabe schreibt, sind sie aber allemal fähig für ein paar wirkungsvolle Nadelstiche. Und diese mag man dem kleinsten der fünf Teilverbände von Herzen gönnen

Der siebenfache Saisonsieger Samuel Giger hat das nötige Rüstzeug für einen «Kilchberger» Sieg

Bild: Bote der Urschweiz

Giger hat ein starkes Team im Rücken

Läuft alles wie so oft in dieser Saison, heisst der Sieger am Ende Samuel Giger. Der Thurgauer Ausnahmekönner hat nun das nötige Rüstzeug und ist fähig, den Schwinger-Olymp zu besteigen. Samuel hat seine Lektion aus Zug gelernt und inzwischen im mentalen Bereich zugelegt. Weiter hat der 23-Jährige an seiner Vielseitigkeit gearbeitet und sein wuchtig gezogener Kurz ist nach wie vor ein Erfolgsgarant. Zudem hat Samuel ein starkes Team im Rücken, einer davon ist der 10-fache Saisonkranzer und Klubkollege Domenic Schneider. Ein sicherer Wert, welcher im Stand ist mit den allerbesten mitzuhalten. Unterstützung erfährt der mittlerweile 22-fache Kranzfestsieger aber auch von den formstarken Nordostschweizer Eidgenossen Samir Leuppi, Roger Rychen und Michael Bless. Und nicht zu vergessen: Die bereits erwähnten Damian Ott und Werner Schlegel. Diese beiden Jungspunde sind jederzeit in der Lage, einen arrivierten Spitzenschwinger zu bezwingen.

So oder so: Die Ausgangslage ist äusserst spannend und die Schwingerfreunde dürfen sich auf viele heisse Duelle freuen. Der Schreibende reist wie eingangs erwähnt als grosser Fan nach Kilchberg und berichtet auf dem Schwinger-Blog über das Geschehen auf und rings um die beiden Schwingplätze. Wie die Schwingerfamilie ist auch Petrus bereit für einen strahlend schönen Kilchberger Schwinget 2021. Mein grösster Wunsch: Dass sich morgen keiner der 60 Schwinger verletzt. Und: Der Beste möge gewinnen!

feldwaldwiesenblogger

Ein fast «normaler» Siebner Herbstschwingertag

Am Sonntag, 26. September führt der Schwingklub March–Höfe (SKMH) den 83. Herbstschwingertag Siebnen unter sehr erschwerten Bedingungen durch. Um endlich wieder einmal ein normales Schwingfest mit Zuschauern und ohne Schutzmasken zu erleben, wird der Anlass strikt nach dem 3G-Konzept durchgeführt.

Text und Foto: Hansruedi Ulrich (Pressechef SKMH) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Die leidige Covid-Szenerie hat die Schwingsaison 2021 richtig schmucklos, hektisch und unübersichtlich aussehen lassen. Die ersten Feste hatten ohne Zuschauer einen richtig tristen Charakter. Mit der Zeit waren wieder Zuschauer erlaubt, sofern man ein Covid-Zertifikat vorweisen konnte. Eine Tatsache an der sich bis heute leider die Geister scheiden. Das mit Abstand wichtigste aber war, dass alle Schwinger wieder ihrer Leidenschaft frönen durften. Sieger konnten gekürt und Kränze herausgeschwungen werden. Ein Vereinsleben, verbunden mit sportlichem Ehrgeiz sowie musikalischen, kulturellen und kameradschaftlichen Stunden, ist in unserem Land genau so wichtig wie die Luft zum Atmen. Eine Bevölkerung, die im Vereinsleben seit ewiger Zeit ihre Befriedigung und Ansporn findet, entweder als aktiver Teilnehmer oder geniessender Zuschauer, ist einfach zufriedener, ausgeglichener und krisenresistenter. Genau darum ist es wichtig, das Vereinsleben zu unterstützen, auch wenn man dabei halt einmal eine etwas unappetitliche Suppe essen muss.

Die drei Lebendpreise mit ihren Züchtern und Spendern

Zutritt aufs Festgelände nur mit gültigem Covid-Zertifikat

Für den Schwingklub March–Höfe war klar, dass man nach einem Jahr Abstinenz den beliebten Herbstschwingertag Siebnen wieder durchführen will. Wenn möglich so normal wie immer, mit Zuschauern und ohne Einschränkungen im Festablauf. Aber: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Zertifikat leider nicht möglich. Das Kern-OK unter der Leitung von Präsident Benno Züger hat etliche mühsame Stunden in die Vorbereitung des Festes gesteckt. Einige brauchten Nerven wie Drahtseile um die Odyssee der Ämter und Behörden für die notwendigen Bewilligungen zu überstehen. Längst nicht alle OK-Mitglieder waren einverstanden mit dieser Art Zuschauerbehandlung. Einige taten sich schwer mit diesen Richtlinien, mit der Tatsache, dass Zuschauer mit einer anderen Einstellung draussen bleiben müssen. Einige dachten es still für sich, andere brachten es offen zum Gespräch. Aber alle internen Kritiker sahen die Realität vor Augen, ohne 3G ist momentan ein normales Schwingfest leider nicht durchführbar. Und sie respektierten den grossen Einsatz ihrer Kameraden und unterstützen das geplante Schwingfest trotz ihrer eigenen Widersprüche. So dürfen alle, die ein gültiges Zertifikat vorweisen können, sich auf ein normales Schwingfest freuen. Etwas, dass dieses Jahr Seltenheitswert besitzt. Die Schwinger jedenfalls honorieren den grossen Einsatz des SKMH. Mit über 130 Schwingern haben sie sich so zahlreich angemeldet wie schon lange nicht mehr. Darunter befinden sich die Eidgenossen und ehemaligen «Siebnen»-Sieger Willi Graber, Stefan Burkhalter und Reto Nötzli sowie weitere knapp 50 Kranzschwinger. 

Gratis-Testmöglichkeiten vor Ort

In Siebnen gibt es an zwei Tagen die Möglichkeit, sich gratis testen zu lassen, um ein Zertifikat zu erhalten. Am Samstag in der alten Turnhalle beim Stockbergareal von 14.00 bis 20.00 Uhr, und am Sonntag auf dem Festgelände des Schwingfests von 06.00 bis 12.00 Uhr. Wichtig: Mitzubringen sind ein Krankenkassenausweis und ein gültiger Ausweis oder eine Identitätskarte. 

Stier «Hector» sticht heraus

Gabenchef Michael Gemperli und seine fleissigen Mitsammler waren positiv überrascht wie erfolgreich die Gabensammlung abgelaufen ist. Sie können den Schwingern und Zuschauern einen prächtigen Gabentempel präsentieren. Die Prunkstücke daraus sind die drei Lebendpreise. Der Siegerstier Hektor wurde gespendet von Roman Kohler (Hagedorn AG, Pfäffikon). Als zweiter Preis winkt das Rind Ragusa, gespendet von Barbara Krieg (Gasthaus Kapellhof, Tuggen) und von Guido Vogt (Balz Vogt AG, Wangen). Als dritter Lebendpreis steht das Kalb Utta bereit, der Spender ist Edi Diethelm (Diethelm Bauplanung GmbH, Tuggen). Mit vielen weiteren schönen Gaben wird der reichhaltige Gabentempel abgerundet. Der Schwingklub March-Höfe bedankt sich bei allen Spendern recht herzlich.  

Der Beginn des Schwingfestes ist auf 08.30 Uhr angesetzt. Den Festbesuchern wird wie jedes Jahr Feines aus der Festwirtschaft und urchige Folklore geboten. Ein Verschiebedatum ist nicht geplant. Ab 06.00 Uhr kann man sich am Festtag auf www.skmh.ch oder der Nummer 1600 über die Durchführung des Festes informieren. Es bleibt zu hoffen, dass OK-Präsident Benno Züger auch dieses Jahr wieder einen guten Draht zu Petrus findet. Der SKMH würde sich freuen, trotz der ungewöhnlichen Umstände möglichst viele Besucher in Siebnen begrüssen zu können. 

feldwaldwiesenblogger

Andreas Döbeli zeigte am Nordwestschweizer Schwingfest eine abgeklärte und taktisch reife Leistung

Text: feldwaldwiesenblogger

Andreas Döbeli gewann vor Wochenfrist überzeugend das Nordwestschweizer Schwingfest in Zunzgen BL. Am eigenen Teilverbandsfest bot er dem Schwingerkönig Kilian Wenger Paroli und bezwang im Schlussgang den formstarken Verbandskollegen Patrick Räbmatter. In der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, belegt Andreas derzeit den hervorragenden 10. Platz und ist dabei gleich hinter Kilian Wenger und vor Kilian von Weissenfluh rangiert. Und: Der Aargauer Eidgenosse ist gemäss dieser Wertung der beste Nordwestschweizer Schwinger in dieser Saison.

Sehr gute Bilanz

Die Kranzfestsaison ist für Andreas nun abgeschlossen. Es resultieren sechs Kränze (ein Teilverbands-, zwei Berg- und drei Kantonalkränze), der erwähnte Kranzfestsieg, eine weitere Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und fünf Topklassierungen. Einzig beim Innerschweizer Schwing- und Älplerfest und beim Rigi-Schwinget kehrte der mittlerweile 22-fache Kranzschwinger ohne Kopfschmuck heim.

Gespräch mit spannenden Stichworten

Der Schwinger-Blog führte mit dem glücklichen Nordwestschweizer Sieger ein Gespräch und sprach ihn beispielsweise auf die abgeklärte und taktisch reife Leistung in Zunzgen an. Weiter kamen verschiedene spannende Stichworte wie «Räbi», der Kilchberger Schwinget, Athletiktrainer Tommy Herzog, das ESAF 2022 in Pratteln und der Beruf von Andreas zur Sprache.

Andreas Döbeli sagt: «Mit dem Kranzfestsieg zum Abschluss, der Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und mit dem errungenen Brünigkranz bin ich mit der Saison sehr zufrieden.»

Bild: Andreas Döbeli

Herzliche Gratulation zum Sieg in Zunzgen! Wie war die Gefühlslage nach dem Sieg?

«Herzlichen Dank. Für mich war es unbeschreiblich schön, das erste Mal so an einem grossen Kranzfest gewinnen zu können. Es war einfach super!»

Du hast am Nordwestschweizer Schwingfest eine abgeklärte und taktisch reife Leistung gezeigt. Auf was führst du das zurück?

«Das hat mit der Erfahrung zu tun, welche nun langsam kommt. Weiter auch mit besserer Kenntnis der Gegner. Zudem habe ich aus meinen Fehlern gelernt und konnte dadurch locker in den Wettkampf gehen.»

Stichwort «Räbi»: Wie bezwingt man eigentlich einen gut 150 Kilogramm schweren Schwinger wie Patrick Räbmatter? Denn: Dem Schreibenden fiel auf, dass du es mit Kurz gar nicht erst probiert hast, stattdessen dreimal mit innerem Haken, beim dritten Mal warst du erfolgreich. Stammt dieses Erfolgsrezept vom gemeinsamen Training?

«Nein, eigentlich nicht. Ich habe «Räbi» noch nie in einem Training mit diesem Schwung bezwungen. Mit einem Kurz hätte ich mich zu unsicher gefühlt, ich stellte dies bereits beim Greifen fest. Beim ersten Versuch mit innerem Haken fiel «Räbi» auf die Seite, und ich konstatierte, dass es so gehen könnte. Mir war bewusst, dass es etwas Geduld brauchen würde. Schliesslich ging es dann auf.»

Du hast eine starke Kranzfest-Saison mit sechs Kränzen hinter dir. Ausser beim ISAF und Rigi-Schwinget holtest du bei jedem von dir bestrittenen Kranzfest den begehrten Kopfschmuck. Wie beurteilst du rückblickend deine Saison?

«Mit dem Kranzfestsieg zum Abschluss, der Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und mit dem errungenen Brünigkranz bin ich mit der Saison sehr zufrieden. Mein Ziel war es, in dieser Saison meinen ersten Bergkranz zu gewinnen. Das habe ich nun erreicht. Beim ISAF und beim Rigi-Schwinget hatte ich eine kleine Baisse und das Wettkampfglück war nicht auf meiner Seite. Auf dem Weissenstein lief es dann wieder rund. Es ist schön, dass ich wieder einen Schritt nach vorne tätigen konnte. Ich versuche mich, mit kleinen Schritten an die Spitze zu bewegen. Ich hatte auch das Glück, dass ich nie verletzt war und immer trainieren konnte.»

Stichwort Kilchberger Schwinget: Man darf dich durchaus als Geheimfavoriten handeln. Wie sehen deine Ambitionen für den Saisonhöhepunkt aus?

«Ich glaube nicht, dass ich dort zu den Geheimfavoriten gehöre. Der Festverlauf ist zudem schwierig abzuschätzen. Ich werde von Beginn weg, ohne gross abzuwarten, Gas geben und dabei versuchen, meine Gänge zu gewinnen. Wenn es gut läuft, kann es durchaus weit nach vorne gehen. Es zählt nur der Sieg, Kränze kann man keine gewinnen. Ich bereite mich auf diesen Anlass wie auf jedes andere Kranzfest vor.»

Andreas Döbeli hatte seinen Kontrahenten Patrick Räbmatter im Schlussgang vom Nordwestschweizer Schwingfest in festen Griffen

Bild: Andreas Döbeli

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Mit meinem Arbeitspensum und der Weiterbildung, welche ich zurzeit absolviere, bringe ich nicht mehr Zeit auf fürs Training. Ich habe aber Dinge in meinen Alltag eingebaut, die auf die Erholung abzielen. Dazu gehören einmal pro Woche ein Besuch in einer Eiskammer (drei Minuten bei -110 Grad Celsius), des weiteren Physiotherapie und Massage. Das sind vielleicht die Gründe, dass ich ohne grosse Blessuren und Schmerzen an die Schwingfeste fahren konnte. Ich habe zudem dann und wann ein Training ausgelassen, wenn ich mich nicht gut gefühlt habe. Ich verdanke überdies viel meinem Athletiktrainier Tommy Herzog, er hat ein gutes Feingefühl für die Trainingsgestaltung.»

Stichwort Tommy Herzog: Was macht der Athletik-Trainer mit euch Schwingern, dass seine Schützlinge so befreit und stark schwingen?

«Er pflegt einen guten Umgang mit uns Schwingern und besitzt ein gutes Gespür dafür, in welcher Situation die richtige Belastung stimmt. Dank der Zusammenarbeit mit Tommy braucht es keinen Mentaltrainier. Er findet die richtigen Worte und spricht die entscheidenden Punkte an. Tommy hat mittlerweile viel Erfahrung mit uns Schwingern. Zudem findet bei ihm im Training ein reger Austausch mit anderen Schwingern statt. Am Freitag trainieren wir jeweils gemeinsam mit Christian Stucki. Das ergibt einen guten Spirit und eine grossartige Trainingsatmosphäre.»

Stichwort ESAF in Pratteln: Der Schwingerkönig-Titel ist für dich nicht ganz unerreichbar. Was meinst du, in welchen Bereichen müsstest du noch zulegen?

«Um das anzustreben, müsste ich im Kraft- und Athletikbereich noch besser werden. Ich bin kraftmässig sicher gut, aber nicht top. Ich spüre das beim Vergleich mit anderen Athleten. Schwingtechnisch gesehen müsste ich noch vielseitiger werden. Es besteht zudem die Frage: Würde das Potential bei meinen Voraussetzungen reichen?»

Stichwort Beruf: Was arbeitest du, und wie sieht dein Pensum aus?

«Ich arbeite zu 70 Prozent im Betrieb meines Vaters, dieser ist auf die Legehennen-Brüterei spezialisiert. Ich bin zuständig für die Planung und das Qualitätsmanagement. Zudem bin ich in einem 30 Prozent Pensum in unserem familieneigenen Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt, welchen ich dereinst übernehmen werde. Wie bereits erwähnt, absolviere ich eine Weiterbildung. In einer höheren Fachschule lasse ich mich zum Agrokaufmann ausbilden. Dafür drücke ich jeweils am Samstag die Schulbank. Mein wöchentliches Arbeitspensum beträgt also 100 Prozent. Der Vorteil dabei ist, dass es sich um ein flexibles Pensum handelt.»

Bleiben neben der Arbeit und der Weiterbildung sowie dem Schwingsport noch Zeit für Hobbys?

«Grundsätzlich schon, man muss sich dafür nur die nötige Zeit nehmen. Im Winter fahre ich gerne Ski. Die Arbeit auf unserem Bauernhof erachte ich als Hobby und Ausgleich. Weiter verbringe ich möglichst viel Zeit mit meiner Freundin, was nun einfacher ist, seit wir zusammenwohnen. Es ist alles eine Sache der Organisation. Und: Schwingen ist meine Leidenschaft und in dem Sinne mein grösstes Hobby. Ich verdiene mein Geld nicht mit diesem Sport.»

feldwaldwiesenblogger