Saisonrückblick mit Kilchberger Sieger Damian Ott, dem Aufsteiger der Saison

Text: feldwaldwiesenblogger

Damian Ott darf man wahrlich als «den Aufsteiger» der diesjährigen Saison bezeichnen. Praktisch aus dem Nichts gewann der 21-Jährige am 17. Juli den Weissenstein Schwinget und landete eine faustdicke Überraschung. Hernach folgte zwar eine kleinere Berg- und Talfahrt mit Tops und Flops, bis der St. Galler am Schwarzsee wieder zuschlug. Damian bezwang im Schlussgang keinen Geringeren als den Überschwinger der Saison, Samuel Giger. Der Erfolgshunger des 197 Zentimeter-Mannes war aber noch nicht gestillt: Am Kilchberger Schwinget setzte er eine Marke für die Ewigkeit und durfte sich als Co-Sieger eines eidgenössischen Anlasses feiern lassen. 

Zusammen mit Samuel Giger (Mitte) und Fabian Staudenmann (links) gewann Damian den Kilchberger Schwinget 2021

Bild: Luzerner Zeitung

Nicht von 0 auf 100, sondern von 4 auf 10 respektive 0 auf 2

Die Medien erwähnen dieser Tage öfters, dass Damian von 0 auf 100 durchstartete. Im übertragenen Sinn stimmt das sicher, in reinen Fakten gemessen aber nicht. So besass der 100 Kilogramm schwere Athlet vor dieser Saison 4 Kränze, liess die Ausbeute nun auf 10 anwachsen. Vor 2021 hatte das Mitglied vom Schwingklub Wil 0 Kranzfestsiege auf dem Konto, Ende Saison steht er nun auf deren 2. Dazu kommt der hochdekorierte Kilchberger Sieg. Aus der bärenstarken 2021er-Saison resultierte Rang zwei in der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes.

Starkes Toggenburger Umfeld

Der schlaksige Hüne wohnt in Dreien, einer Ortschaft der Gemeinde Mosnang, welche im St. Gallischen Toggenburg liegt. Damian wuchs zusammen mit sieben Geschwistern auf. Das Toggenburg brachte schon etliche hervorragende Schwinger hervor, wie beispielswiese die beiden Schwingerkönige Jörg Abderhalden und Nöldi Forrer, oder den Unspunnen-Sieger Daniel Bösch. In deren Sog ist nun mit Damian Ott, Werner Schlegel und Marcel Räbsamen eine neue starke Generation herangewachsen, welche den Schwingsport in den nächsten Jahren entscheidend prägen wird.

Erster Schwingfestsieg im Sertig-Tal

Damian’s erster Sieg an einem Schwingfest der Aktiven datiert auf den 28. Juli 2019. Er gewann damals als 19-Jähriger den Sertig-Schwinget in Davos. Zu Beginn dieser Saison folgte mit dem ersten Rang beim Rüfeli-Schwinget in Untervaz Sieg Nummer zwei, bevor die grosse «Ott-Show» begann. 

Damian arbeitet als Zimmermann, und zählt das Trycheln und Skifahren zu seinen Hobbies. Für den Schwinger-Blog ist es nun höchste Zeit, sich mit dem Aufsteiger von 2021 zu unterhalten und von ihm ein paar spannende Informationen zum Saisonrückblick zu entlocken.

Damian bezwang im Schlussgang des Schwarzsee-Schwingets überraschend Samuel Giger, den Überschwinger dieser Saison

Bild: Berner Zeitung

Herzliche Gratulation zu dieser sensationellen Saison. Kannst du diese kurz in Worte fassen?

«Ich habe daraufhin gearbeitet, Kränze zu gewinnen, konstante Leistungen abzuliefern und vorne dabei zu sein. Und nach Möglichkeit den einen oder anderen Eigenossen zu bezwingen. Dass es dann so rauskommt, hätte ich mir nie erträumt!»

Praktisch aus dem Nichts führte dein Weg an die absolute Schwingerspitze. Hast du eine Erklärung dafür? 

«Mein erstes Kranzfest in dieser Saison war das Appenzeller Kantonale. Ich war nicht 100 Prozent fit und leicht erkältet. Es lief mir dann mittelmässig, ich holte mir dennoch den Kranz. Mein Team-Kollege Werner Schlegel gewann das Fest. Das war mir Ansporn genug, um weiter Gas zu geben, und es zeigte mir, was möglich ist. Ich fuhr auf den Weissenstein mit dem Ziel Kranzgewinn. Als ich voll angriff und meine Gänge gewann, darunter auch namhafte Eidgenossen, kam ich in einen richtigen Lauf. Vor dem Schlussgang hatte ich mein Ziel längst erreicht. Ich ging völlig entspannt in diesen und schwang voller Freude. Dieses Gefühl konnte ich dann die ganze Saison mittragen. Am Schwarzsee lief es mir wieder fantastisch, und der Sieg am Kilchberger Schwinget war das i-Tüpfelchen auf diese grossartige Saison. Obwohl ich dies nicht speziell trainiert habe, spürte ich, dass ich mental parat bin. Ich konnte während der ganzen Saison locker in die Zweikämpfe gehen.»

Hast du zu Saisonbeginn gespürt, dass dies dein Jahr werden könnte? Oder warst du ob deiner Erfolge selbst erstaunt?

«Bevor ich in die Kranzfestsaison einstieg, hat Werner Schlegel schon drei Kranzfeste bestritten. Ich sah, wie gut es ihm lief, und ich wusste, ich kann auch auf diesem Level schwingen. Ich spürte, dass vieles möglich sein könnte. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, ob ich mental stark genug bin, und dem Druck standhalten würde. Ich war dann am meisten überrascht, dass ich so locker und mit so wenig Nervosität an den Schwingfesten antreten konnte. Und dass ich mit so viel Freude schwingen durfte. Wie bereits erwähnt: Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass es so gut herauskommen würde.»

Nach den beiden Bergkranzfestsiegen und vor allem dem Kilchberger Sieg bist du nun in aller Leute Mund. War der Rummel nach dem Saisonhöhepunkt gross?

«Ja, in der ersten Woche nach dem Kilchberger Schwinget war sehr viel los. Es war sehr schön, zugleich auch streng. Es galt, Interviews und viele Fragen zu beantworten. Ich habe es genossen und es war schön zu sehen wie sich die Leute an meinen Erfolgen freuten. Dies war eine neue Situation für mich, und ich konnte gut damit umgehen.»

Arbeitest du in einem 100 Prozent Pensum?

«Bis im Juni habe ich in einem 100 Prozent gearbeitet, welches ich ab Juli auf 90 Prozent gesenkt habe. Damit ich Zeit fand für ein zusätzliches Training am Mittwochnachmittag. Der Beginn war eine Woche vor dem Weissenstein Schwinget. Mit dem zusätzlichen Training strebten wir die Qualifikation für den Kilchberger Schwinget an, welche ich ja dann mit dem Sieg auf dem Solothurner Hausberg eine Woche später im Sack hatte. Dieses zusätzliche Training hat sich definitiv gelohnt. Und: Auch vor dem «Eidgenössischen» werde ich wieder mein Arbeitspensum reduzieren. Denn ich möchte mich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Es braucht viel Zeit für Training und Erholung.»

Scheinbar hast du den Lockdown und die Zwangspause im Jahr 2020 optimal genutzt. Wer und was hat dich so stark werden lassen?

«Dazu gehören viele Leute. Nebst meinen Klubkollegen zähle ich die Schwing-Trainer und Robin Städler, den Kraft- und Konditionstrainer, dazu. Wir sind ein gutes Team. Zudem haben wir auch im NOS-Verband eine sehr gute Truppe beisammen, welche trainingsfleissig ist und will. Je mehr mitmachen, je mehr hat man davon.»

Im Jahr 2019 gewann Damian beim Sertig-Schwinget sein erstes Schwingfest als Aktiver

Bild: feldwaldwiesenblogger

Etwas verwundert nahm man zur Kenntnis, dass ein so grosser Schwinger wie du den Münger-Spezial anwendet. Wie kam es dazu?

«So genau weiss ich das nicht mehr. Diesen Schwung habe ich schon als Jungschwinger im Training geübt. Ich wendete ihn damals schon bei Schwingfesten an, und gewann damit etliche Gänge. Ich habe mir betreffs Münger-Spezial Videos von Marcel Kuster und Schwingerkönig Silvio Rüfenacht angesehen. Beide Eidgenossen hatten diesen Schwung im Repertoire. Ich habe mich mit Kuster denn auch darüber unterhalten, und er gab mir einige Tipps. Am ESAF 2019 in Zug gewann der inzwischen zurückgetretene Appenzeller fünf Gänge mit «Münger», was mir sehr imponierte. Jetzt fokussiere ich mich im Training aber auf andere Schwünge, vor allem auf jene, welche ich nicht so gut beherrsche.»

Zwischen den Siegen auf dem Weissenstein und am Schwarzsee gab’s resultatmässig eine kleinere Berg- und Talfahrt. Einerseits Tops wie am Thurgauer Kantonalen oder am Bernisch-Kantonalen Schwingfest. Andererseits Flops wie am St. Galler Kantonalen und auf der Schwägalp. Wie erklärst du dir das?

«Dafür gibt’s eine einfache Erklärung. Vor dem St. Galler Kantonalen befand ich mich im Hoch, griff stets voll an und machte dabei meine Gegner müde. Ich bin wohl übermütig geworden, und wurde deswegen in Kaltbrunn zweimal ausgekontert. Unterschätzt habe ich meine Gegner nie, ich nehme jeden ernst. Ich wollte wohl zu schnell gewinnen, um Kraft zu sparen. Ich habe daraus gelernt, und wurde geduldiger. Was mir am «Kilchberger» im Gang gegen Matthias Aeschbacher, welchen ich kurz vor Gang-Ende bezwingen konnte, zum Vorteil gereichte. Auf der Schwägalp hatte ich anfänglich ein gutes Gefühl, und schwang im fünften Gang gar um den Schlussgang-Einzug. Ich verlor den Kampf gegen Michael Wiget aber relativ schnell. Im sechsten Gang haben mir dann die Nerven etwas versagt. Ich ging mit einem schlechten Gefühl in den Zweikampf, verlor diesen prompt und weiss nun, dass das nicht funktionieren kann. Ich habe daraus eine Lehre gezogen, und dies hat mir eine Riesenstärke verliehen für den letzten Gang in Kilchberg. Ich weiss jetzt, dass man mental parat sein muss, damit es am Schluss nach ganz vorne reicht. In einem Formtief befand ich mich nicht. Ich wusste stets, dass ich starke Gegner bezwingen kann. Am Schwarzsee habe ich das alles hinter mir gelassen, und es hat dann auch sehr gut funktioniert.»

Jetzt bist du nicht mehr Jäger, sondern Gejagter. Wie kommst du mit der neuen Rolle zurecht?

«Eigentlich bis jetzt sehr gut. Nach dem Kilchberger Schwinget bestritt ich mit dem Olma-Schwinget bisher erst ein Schwingfest. Es lief mir dabei mit vier gewonnenen und zwei gestellten Gängen sehr gut. Beim Anschwingen stellte ich mit dem späteren Sieger Nick Alpiger und im Gang zwei folgte ein weiterer «Gestellter» gegen Adrian Odermatt. Der junge Baselbieter hat sich sehr defensiv auf mich eingestellt. Im Winter werde ich daran arbeiten. Ich versuche dabei, ein Mittel zu finden, um auch passive Gegner bezwingen zu können.»

2022 wird eine andere Saison als 2021 und etliche Schwinger werden sich im Zweikampf mit dir passiver verhalten. Wie wirst du diesen Umstand in dein Wintertraining einbauen?

«Darum wird sich unser Trainer kümmern, welcher Trainings so gestalten wird, dass einer angreift und der andere dagegenhält. Ich werde dabei einen Schwung üben, welcher gegen passive Gegner effizient ist. Diesen Schwung werde ich hier nicht verraten. Weitere gute Ideen kommen aber auch von ehemaligen Spitzenschwingern wie Jörg Abderhalden, Urban Götte oder Dani Bösch. Diese versuchen uns Tipps zu geben, wie sie sich während ihrer Aktivzeit in solchen Situationen geschlagen haben.»

SRF schrieb diese Woche, dass der zweite Platz am letzten Sonntag nach dieser unglaublichen Saison schon kein grosser Erfolg mehr ist. Wie bist du persönlich mit dem Abschneiden am Olma-Schwinget zufrieden?

«Ich bin sehr zufrieden, und erwarte von mir nicht, dass ich nun jedes Schwingfest gewinne. Ich nehme das locker und habe mich über den zweiten Platz gefreut. Zudem: Ich habe mich sehr über die Schlussgangteilnahme von meinem Teamkollegen Marcel Räbsamen gefreut. Das ist zusätzliche Motivation fürs Wintertraining.»

Gibt’s jetzt nun Ferien? Und: Wann erfolgt der Trainingsstart für die neue Saison?

«Im Winter haben wir zwei Wochen Betriebsferien, jetzt gibt’s keine. Dann werde ich vermutlich ein Trainingslager bestreiten. Nach dem Kilchberger Schwinget haben wir eine zweiwöchige Trainingspause eingelegt. Anschliessend haben wir uns zu einer Trainingsbesprechung mit Robin Städler, Jörg Abderhalden und Urban Götte getroffen. Jörg hat uns dabei Videos gezeigt, und uns im Hinblick auf die nächste Saison sowie fürs Wintertraining Tipps gegeben. Urban gab uns ebenfalls wertvolle Tipps. Zudem haben wir mit Robin die Trainingsgestaltung besprochen. Das Kraft- und Konditionstraining haben wir mittlerweile aufgenommen. Anfangs November legen wir dann mit dem Schwingtraining los.»

feldwaldwiesenblogger

Willy Graber blickt auf seine äusserst erfolgreiche Karriere zurück

Text: feldwaldwiesenblogger

Willy Graber bestritt am letzten Samstag beim Heimfest, dem Hallenschwinget Bolligen, sein letztes Schwingfest und sagte mit einem vielumjubelten Sieg Adieu vom aktiven Schwingsport. Der Publikumsliebling bezwang im Schlussgang seinen jungen und aufstrebenden Klubkollegen Adrian Walther. «Wilu», wie er von seinen Berner Kollegen liebevoll genannt wird, gewann in seiner langen und erfolgreichen Karriere 110 Kränze, darunter fünf eidgenössische, und holte sich sechs Kranzfestsiege. 

Von der grossen Bühne ist der 37-Jährige bereits nach dem Kranzgewinn am ESAF 2019 in Zug abgetreten. Der geplante Rücktritt am Heimschwingfest verzögerte sich wegen der Corona-Pandemie, dieser Schwinget musste dreimal verschoben werden. Willy investierte seit dem «Eidgenössischen» nicht mehr viel Zeit fürs Training. Der vierfache Familienvater absolvierte aber als Vorbereitung vor seinem endgültigen Abschied den Herbstschwingertag Siebnen.

Willy Graber als glücklicher Sieger zum Abschluss seiner erfolgreichen Karriere

Bild: Barbara Loosli

Würdigung durch Stefan Hofmänner

Willy’s älterer Bruder Alfred bestritt in Bolligen ebenfalls seinen letzten Wettkampf. Alfred gewann in seiner Karriere sechs Kränze, und war der Wegbegleiter von Willy. Die beiden wurden am Schluss des Schwingfestes von keinem geringeren als dem SRF-Schwingexperten Stefan Hofmänner gewürdigt. Dieser fand die passenden Worte und erzählte in einer Gesprächsrunde die eine oder andere amüsante Anekdote. Das Publikum in der vollen Halle lauschte aufmerksam, und spendete immer wieder grossen Applaus. Der bisher erfolgreichste Berner Mittelländer Schwinger sagte dabei: «Von der ersten Minute an war «Fredu» mein Wegbegleiter. Ich bin überzeugt, dass ohne ihn meine Karriere nicht so erfolgreich gewesen wäre.»

Der Publikumsliebling

Die NZZ schrieb am 5. September 2011, unmittelbar nach dem Unspunnen-Schwinget: «Eine Kampfsau wird er zuweilen genannt und lobend als besonders unangenehmer Gegner bezeichnet. Die Stärke am Boden hat sich Graber gezwungenermassen angeeignet: «Ich war lange einer der Kleinsten und musste meine Unterlegenheit irgendwie ausgleichen.» Weil er seine Widersacher öfters zur Verzweiflung bringt und attraktive Kämpfe ausficht, ist Graber bei den Zuschauern sehr beliebt. Nach dem Rücktritt von Hanspeter Pellet wäre er ein Kandidat für den neuen Publikumsliebling – er hat auch ein ähnlich spitzbübisches Lachen.» Wie wir mittlerweile wissen, avancierte «Wilu» dank erstklassiger Bodenarbeit zum Publikumsliebling. Mit seiner filigranen Technik begeisterte er schweizweit das Schwingfest-Publikum, zuletzt am Hallenschwinget Bolligen.

Willy Graber bleibt dem Schwingsport in verschiedenen Funktionen erhalten, und wird sein schwingerisches Knowhow so weitergeben können: Als Technischer Leiter von seinem Schwingklub Worblental und als Trainingsleiter im Berner Mittelländer Verband. Willy blickt heute mit dem Schwinger-Blog auf seine äusserst erfolgreiche Schwingerkarriere zurück.

Die beiden Brüder «Wilu» und «Fredu» umarmen sich zum Abschluss ihrer Karrieren

Bild: Barbara Loosli

Herzliche Gratulation zum Sieg in Bolligen! Was für Gedanken gingen dir nach dem allerletzten Gang deiner Karriere durch den Kopf? 

«Ich verspürte eine Erleichterung, und dass nun alles ein schönes Ende gefunden hat. Ich werde nun mehr Zeit für meine Familie haben.»

Wie war die Gefühlslage vor dem Schlussgang?

«Mein Bruder Alfred beendete kurz vorher seinen allerletzten Gang. Ich hatte mich bisher immer gut unter Kontrolle. Aber das hat mich emotional ziemlich durchgeschüttelt. Am Anfang des Schlussganges hatte ich noch Schwierigkeiten mit der Konzentration. Aber bereits beim zweiten Zusammengreifen konnte ich mich wieder gut konzentrieren. Mein Ziel war, meine Karriere mit einem gewonnenen Gang zu beenden. Dass dies gleich der Schlussgang war, ist umso schöner.»

Am Mittag hast du gesagt: «Ich schwinge einfach gerne!» Wann hast du dich eigentlich dazu entschlossen zurückzutreten?

«Das ist schon eine Weile her. Im Frühling 2019 vor dem «Eidgenössischen» in Zug entschied ich mich, nochmals voll zu trainieren, um an einem ESAF mitreden zu können. Für mich war es logisch, dass hinterher alles fertig ist. Denn: So viel Zeit für noch ein intensiveres Training finde ich gar nicht mehr.»

Den Herbstschwingertag Siebnen hast du gemäss deiner eigenen Aussage benötigt, um wieder in den Wettkampf-Modus zu finden. Wie viel hast du eigentlich in letzter Zeit trainiert? 

«Ich hatte seit dem ESAF in Zug keine Hantel mehr in den Fingern. Als Vorbereitung für die beiden letzten Schwingfeste war ich einmal pro Woche, manchmal auch zweimal, im Schwingkeller. Ansonsten habe ich keine weiteren Trainings bestritten.»

Du hast deinen ersten Kranz 2003 beim Emmentalischen Schwingfest in Wasen gewonnen. Welches war deine erfolgreichste Saison?

«Das ist schwierig zu sagen. Ich blicke als Ganzes auf meine Karriere zurück und kann dabei keine einzelne Saison hervorheben. Ich habe meine Ziele verfolgt und nach vorne geschaut. So ging es denn auch stetig aufwärts. Ich riss mir leider je einmal pro Knie das Kreuzband, kehrte aber beide Male stark auf die Schwingplätze zurück.»

Was wird dir in deiner nun zu Ende gegangenen Karriere besonders positiv in Erinnerung bleiben?

«Mein erster Kranzfestsieg am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Eggiwil. Das war besonders schön, denn die Verwandtschaft mütterlicherseits ist von dort. Es gab einen speziellen Empfang samt Feier auf dem Bauernbetrieb meiner Verwandten, wo ich damals in der Lehre war. Dieser Anlass hat einen sehr grossen Stellenwert in meiner Erinnerung.» 

Willy Graber vor seinem allerletzten Schwingfest als Aktiver

Bild: feldwaldwiesenblogger

Was hat sich deiner Meinung nach während deiner Karriere im Schwingsport verändert?

«Die Zunahme der Sponsoren für die Schwinger und die Schwingfeste einerseits. Andererseits die Grösse der Eidgenössischen Schwing- und Älplerfeste. Das ESAF in Luzern erlebte schon einen gewaltigen Sprung. Die «Eidgenössischen» danach waren nochmals grösser.»

Mit einer Körpergrösse von 181 Zentimetern hast du beinahe das Optimum aus deinen körperlichen Möglichkeiten herausgeholt. Hast du dir bereits als Jungschwinger vorgenommen, deine Siege in einer spezialisierten Bodenarbeit zu holen?

«Vorgenommen habe ich mir das nicht. Als ich aus der Schule kam und damals zu den Aktiven wechselte, war ich 172 Zentimeter gross und etwa 65 Kilogramm leicht. Als kleiner und leichter Schwinger blieb mir nichts anderes übrig. Um Erfolg zu haben, eignete ich mir eine spezialisierte Bodenarbeit an. Später konnte ich je länger je mehr auch aus dem Stand schwingen.»

Du hast am Hallenschwinget Bolligen in der Gesprächsrunde mit dir, deinem Bruder Alfred und dem Moderator Stefan Hofmänner erklärt, dass ohne «Fredu» deine Karriere nicht so erfolgreich gewesen wäre. Wie darf man sich das vorstellen? 

«Er ist bloss ein Jahr älter, und wir haben so ziemlich alles zusammen gemacht. «Fredu» war immer für mich da, und wir haben uns gegenseitig gepusht. Körperlich hatten wir die gleichen Voraussetzungen. Ich war aber mental stärker. Diese Stärke hat mir unter anderem bei Verletzungen geholfen. Es wurde mir dabei bewusst, wie viel eigentlich im Kopf abläuft.»

Dank deiner Grösse und deiner Schwingweise warst du in der ganzen Schweiz ein Publikumsliebling. Hat dich das jeweils an den Schwingfesten zusätzlich beflügelt?

«Ich habe es wahrgenommen und es hat mir zusätzlich Kraft verliehen. Ich ging aber unbeirrt an die Kämpfe und versuchte dabei dem Gegner meinen Schwingstil aufzuzwingen.»

Du bleibst dem Schwingsport glücklicherweise als Technischer Leiter erhalten. Was ist dir bei der Zusammenarbeit mit den Schwingern besonders wichtig?

«Die Kameradschaft, die Ehrlichkeit und der Trainingsfleiss. Und: Ich habe Freude an den Schwingern, welche wirklich wollen.»

Auf was freust du dich nun am meisten nach deiner aktiven Schwingerkarriere?

«Ich freue mich darauf, mit meiner Familie mehr Zeit verbringen zu können. Ich freue mich aber auch darauf, im Schwingkeller solche Schwinger formen zu können, welche nicht die grössten Talente sind. Dabei meine Schwünge weitergeben kann und so unsere Athleten weiterbringe.»

feldwaldwiesenblogger

Saisonrückblick mit Stefan Strebel, dem TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes

Text: feldwaldwiesenblogger

Was war das für ein Schwinger-Jahr! Erst wusste man lange nicht, ob und wie geschwungen werden kann, und ob eine reguläre Saison in Angriff genommen werden kann. Anfangs Juni lichtete sich langsam der Covid-Nebel, und die Schwingerei nahm Fahrt auf. Und wie! Die Innerschweizer legten gleich mit dem Stoos-Schwinget, dem «Innerschweizerischen» und dem Rigi-Schwinget im Wochentakt los. Die anderen Teilverbände taten es ihnen gleich, und schickten ihre Schwinger ohne längere Vorlaufzeit zum Ernst-Kampf ins Sägemehl. Anfänglich hatte man das Gefühl: Das kommt hinsichtlich Verletzungen gar nicht gut, vor allem aus Innerschweizer Sicht. Und: Die Verletzungshexe machte vor keinem Teilverband Halt. Man fand sich mit diesem Umstand ab und arrangierte sich. Je länger die Saison dauerte, je spektakulärer wurde geschwungen. Und so jagte ein Höhepunkt den anderen, eine Verschnaufpause gab es (fast) keine. Zu guter Letzt folgte der Höhepunkt Kilchberger Schwinget. Was dort schwingtechnisch geboten wurde war erste Sahne. Was gewisse Funktionäre entschieden, weniger. Diese und andere Themen möchte heute der Schwinger-Blog mit Stefan Strebel, dem TK-Chef vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) besprechen.

Stefan Strebel, der TK-Chef vom ESV, blickt auf die zu Ende gehende Saison zurück

Bild: esv.ch

Stichwort stufenweise Öffnungsschritte:

Würdest du mit dem Wissen von heute nochmals alles so machen wie im vergangenen Spätwinter/Frühling?

«Absolut, ich würde nochmals die genau gleiche Linie fahren. Im Nachhinein gestehe ich ein, dass ich nicht so polarisieren hätte sollen. Aber ich stehe zu meiner Rolle als Vorreiter, welcher den Karren zog. Dabei benötigte es mehrere Leute, welche mich unterstützten. Zu ihnen zähle ich unter anderem Rolf Gasser und Matthias Glarner.»

Du warst der eigentliche Motor hinter den Öffnungsschritten. Dein Elan hat sich bei den Teilverbänden gewissermassen zum Turbo entwickelt. War die Ansetzung fast aller Kranzfeste in der verkürzten Saison im Sinne des ESV?

«Es war der einzige Weg und wir hatten keine andere Möglichkeit. Drei Kranzfeste fanden nicht statt. Die OK’s arbeiteten sehr gut und stellten die Schwingfeste teilweise in kürzester Zeit auf die Beine. Und: Wir vom Zentralvorstand haben nie Druck gemacht betreffs Zuschauerzahl an den Festen.»

Stichwort Saisonrückblick:

Kürzlich hat ein Schwinger gesagt: Die Saison mit der konzentrierten Reihe an Kranzfesten war falsch aufgebaut. Was entgegnest du ihm?

«Er hat nicht unrecht. Die Saison hatte nicht den üblichen Aufbau. Aber: Dies war aus meiner Sicht nicht möglich, da wir in vier Monaten alles durchbringen mussten. Ich nehme dabei die OK’s in Schutz, welche teilweise keine grosse Vorplanungszeit hatten. Die Lage war lange ungewiss, und man war auf die nächsten Bundesrats-Entscheide angewiesen. Ich darf behaupten, dass wir in dieser Zeit der fortschrittlichste Verband waren und Anlässe organisierten, sobald dies möglich war. Im Nachhinein hätte man die Festplanung anders machen können, die Lage aber war zu ungewiss.»

Wie beurteilst du schwingtechnisch gesehen die verspätet gestartete und hoch intensive Saison?

«Beim ENST durfte ich feststellen, dass die Jungen technisch besser geworden sind. Die Aktiven machten einen guten Job und sie wollten unbedingt schwingen. Ich war sehr zufrieden mit dem Gezeigten an den Schwingfesten.»

Was fiel dir in der Saison 2021 positiv auf, was negativ?

«Positiv war, dass die Schwingfeste stattfanden und der grösste Teil der Kranzfeste durchgeführt wurde, mit dem Fokus Schwingsport. Das von uns definierte Ziel «Schwingfest 2021 zu 100 Prozent ja» wurde erfüllt. Die Zusammenarbeit innerhalb aller Stufen des Verbandes hat dabei gut funktioniert. Negativ war, dass anfangs Saison von Zweiklassengesellschaft gesprochen wurde. Dabei stand dies alles im Kontext mit der stufenweisen Öffnung. Ein weiterer negativer Punkt sind die vielen Verletzten in dieser Saison.»

Der Kilchberger Schwinget, welcher unbestritten der Saisonhöhepunkt war, gab viel zu reden

Bild: kilchberger-schwinget.ch / Lorenz Reifler

Stichwort Verletzungen:

Wie schätzt du die Situation mit den überdurchschnittlich vielen Verletzten ein?

«Das hat verschiedene Faktoren. Wir konnten wegen der Corona-Pandemie lange nicht schwingen und die Schwinger haben anderweitig trainiert. Innerhalb der vier Monate wurde ein strenges Programm durchgeführt. Wie bereits angesprochen fehlte der sonst übliche Saisonaufbau. Die hohe Intensität hat dann teilweise zu Überbelastung geführt, was leider überdurchschnittlich viele Verletzungen nach sich zog. An dieser Stelle wünsche ich allen verletzten Schwingern gute Besserung!»

Gedenkt der ESV hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe etwas zu tun?

«Nein. Ich bin überzeugt, dass nächstes Jahr mit 3G eine normale Saison durchgeführt werden kann, mit einem sauberen Trainings- und Schwingfestaufbau. Da Planungssicherheit besteht, braucht es keine Massnahmen von unserer Seite.»

Stichwort Saisonhöhepunkt Kilchberger Schwinget:

Schwingkundige Fachleute haben nach der Fehlentscheidung im Gang Samir Leuppi gegen Bernhard Kämpf von einem Fehler gesprochen, welche halt im Schwingsport passieren können. Was ist dein Kommentar zu dieser Aussage?

«Das sehe ich genauso. Man muss bedenken, dass ein Kampfrichter an einem Schwingfest zwischen 500 bis 600 Entscheide zu treffen hat. Dass dabei Fehler passieren, ist menschlich. Ich schütze dabei jeden Kampfrichter. Dieser sieht an einem Schwingfest eine Situation nur einmal. Ich habe die Szene zwischen Samir Leuppi und Bernhard Kämpf mittlerweile mehrmals gesehen. Leuppi hat eindeutig gewonnen. Wichtig ist, dass man dazu steht und sich entschuldigt. Und: Ich wurde wegen meiner öffentlichen Entschuldigung mehrheitlich gelobt, es war nur vereinzelt Kritik zu vernehmen.»

Wegen einiger strittigen Entscheidungen haben nicht schwingkundige Zuschauer nach dem Saisonhöhepunkt von «Mauschelei» gesprochen. Konkret geht es um den Fehlentscheid betreffs Samir Leuppi und die Nichtberücksichtigung von Damian Ott für den Schlussgang. Was entgegnest du diesen Leuten?

«Das stimmt nicht. Betreffs Samir Leuppi gab es keine Mauschelei, der Kampfrichter hat so entschieden. Und ich bin in meiner Funktion nach vorne gestanden und habe mich entschuldigt. Mauschelei wäre gewesen, wenn ich nichts gesagt hätte. Betreffs Damian Ott: Innerhalb der Einteilung haben wird die Schlussgang-Paarung nur kurz diskutiert. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass bei Punktgleichheit ein Schwingerkönig gesetzt ist. Es stimmt, dass Ott mit vier gewonnenen Gängen zu diesem Zeitpunkt ein Siegkreuzchen mehr auf dem Notenblatt hatte als die anderen. Wir haben aber auch auf die Qualität der Notenblätter geschaut. Schlussendlich kristallisierte sich der Saisondominator Samuel Giger als zweiter Schwinger für den Endkampf heraus. Zudem wollten viele diese Paarung bereits beim Anschwingen. Ich forderte den Kampf Giger – Wenger im vierten Gang, kam aber nicht durch. Letztendlich lag diese Paarung auf der Hand, die meisten Zuschauer wünschten sich diese. Es ist und bleibt eine Grauzone, welche die Einteilung dabei beschreitet.»

Nächstes Jahr steht mit dem ESAF 2022 in Pratteln ein nächster Meilenstein auf dem Programm. Wird der eidgenössische Anlass nur mit der 3G-Regelung stattfinden können?

Bild: Tages Anzeiger

Stichwort Vorausblick auf 2022

Wird es aus den gemachten Erfahrungen von 2021 Änderungen oder Anpassungen für 2022 geben? 

«Von meiner Seite her nicht. Denn: Wir können schwingen. Politisch wird sich in nächster Zeit betreffs Corona-Tests und Impfungen noch einiges regeln.»

Auffallend war, dass bei einigen Kranzfesten deutlich weniger Schwinger antraten als üblich. Wie will man diesem Umstand begegnen?

«Ich erwarte von unseren Mittelschwingern, dass sie wieder das Training aufnehmen und zurückkehren werden. Wir haben nun Planungssicherheit, welche für die Saisonvorbereitung auf 2021 fehlte. Ich habe volles Verständnis, dass wegen diesem Umstand einige Mittelschwinger fehlten.»

Inwieweit bleibt das Corona-Virus ein Thema beim ESV?

«Das bleibt ein Thema und wird uns ins 2022 begleiten. 3G wird uns erhalten bleiben. Ich hoffe, dass 2G nicht kommen wird. In nächster Zeit wird sich zeigen, wie die Entwicklung weitergehen wird.»

feldwaldwiesenblogger

Rückblick auf Adrian Steinauer’s Triumph beim Herbstschwingertag Siebnen

Text: feldwaldwiesenblogger

Adrian Steinauer gewann letzten Sonntag den Herbstschwingertag Siebnen, und zeigte dabei feine Schwingerkost. Am Vortag lief es dem Schwyzer beim Kilchberger Schwinget nicht optimal. Es ist Adrian deshalb hoch anzurechnen, dass er sich einen Tag später wieder aufraffte und mit einer starken Leistung bewies, zu was er fähig ist.

Adrian Steinauer feierte in Siebnen seinen vierten Sieg an einem Rangschwinget

Bild: feldwaldwiesenblogger

Der Weg in den Schlussgang

Der in Vorderthal wohnhafte Sennenschwinger stellte beim Anschwingen mit dem Thurgauer Oldie Stefan Burkhalter. Im zweiten Gang bekam er es mit Thomas Burkhalter, dem Sohn von Stefan, zu tun. Diesen bodigte er mit Lätz und überdrücken. Vor der Mittagspause bezwang Adrian ebenfalls mit Lätz und der Note 10 Manuel Vogel, ehe er nach dem Mittagessen den Höhenflug von Jvo Kurmann mit innerem Haken und nachdrücken beendete. Um den Schlussgang-Einzug bekam es der 30-Jährige mit Fabian Rüegg zu tun. Dieser zog mit Kurz an, Adrian verstand es aber sofort zu kontern und gewann platt: Der zweite Schlussgang in Siebnen nach 2013 war perfekt. 

Sein Kontrahent, der Luzerner Reto Fankhauser, zeigte ebenfalls eine starke Leistung. Zum Auftakt bezwang der Entlebucher Roland Kälin. Dann besiegte Reto jeweils platt Dominik Streiff und Joel Kessler. Im vierten Gang folgte ein «Gestellter» mit Reto Nötzli und für den Schlussgang-Einzug bezwang er Marcel Betschart. Dies bedeutete für Reto den ersten Schlussgang-Einzug am Herbstschwingertag Siebnen.

Mit einem wuchtigen Kurz zum Erfolg

Die Ausgangslage vor dem Schlussgang war offen, beide Schwinger waren an diesem Tag bereit für den Sieg. In der dritten Minute der Endausmarchung zog Adrian wuchtig mit einem Kurz an, bettete Reto so ins Sägemehl und vervollständigte zum gültigen Ergebnis mit nachdrücken. Der Sieg am Herbstschwingertag Siebnen bedeutete für den Vorderthaler Erfolg Nummer vier an einem Rangschwinget. 

In Siebnen traten 105 Schwinger an und lieferten den 1’800 Zuschauern spannende und teilweise spektakuläre Zweikämpfe. Interessant zu beobachten war, dass es keiner der drei angetretenen Eidgenossen in den Schlussgang schaffte. Wobei man dabei bedenken muss, dass Reto Nötzli am Vortag ebenfalls am Kilchberger Schwinget antrat und sich dabei an einem Finger verletzte, Stefan Burkhalter inzwischen 47 Jahre jung ist und Willy Graber seit 2019 kein Schwingfest bestritten hat. Der Berner absolvierte den Wettkampf in Siebnen als Vorbereitung für sein allerletztes Schwingfest am Hallenschwinget Bolligen (Samstag, 9. Oktober).

Adrian’s Palmarès

Adrian ist verheiratet, Vater einer Tochter und arbeitet als Fachmann Betriebsunterhalt im Werkdienst der Gemeinde Freienbach. Das Mitglied vom Schwingklub Einsiedeln ist 184 Zentimeter gross und 110 Kilogramm schwer. Nebst den bereits erwähnten vier Siegen an Rangschwingfesten hat Adrian zudem einen Kranzfestsieg (Schwyzer Kantonales 2016) auf seinem Konto. Sein Palmarés zieren weiter 34 Kränze (8 Teilverbands-, 6 Berg- und 20 Kantonal-/Gaukränze), vier ESAF- und eine Unspunnen-Schwinget-Teilnahme. Und nicht zu vergessen: Die Schlussgangteilnahme am Schwarzsee-Schwinget 2015. Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz, innerer Haken, Gammen und Lätz. Aber auch die Bodenarbeit beherrscht der Routinier.

In der nun zu Ende gehenden Saison holte sich Adrian fünf Kränze, beim Schwyzer Kantonalen belegte er mit Rang 3a gar einen Spitzenplatz. Diese gute Bilanz brachte dem Schwyzer die Qualifikation für den «Kilchberger». Nebst dem Schwingsport verbringt er viel Zeit mit der Familie, klopft gerne einen Jass, fährt Ski und zählt den Sport ganz allgemein zu seinen Hobbys.

Nebst schwingerischer Kost bekam man in Siebnen auch urchige Klänge zu hören

Bild: feldwaldwiesenblogger

Herzliche Gratulation zum Sieg in Siebnen! Wie war die Gefühlslage nach dem Schlussgang?

«Meine Gefühlslage war sehr gut. Da es mir am Kilchberger Schwinget nicht wunschgemäss lief, war es für mich eine einmalige Geschichte, vor heimischem Publikum einen Tag später gewinnen zu dürfen.»

Mit vier souveränen Siegen und einem «Gestellten» gegen Stefan Burkhalter hast du den Schlussgang erreicht. Welcher dieser fünf Gänge war der härteste Kampf? 

«Der erste Gang gegen Stefan, der Thurgauer ist und bleibt eine Knacknuss. Ich habe schon oft mit ihm geschwungen, und ich möchte ihn gerne mal bezwingen. Der fünfte Gang mit Fabian Rüegg war ebenfalls hart, in diesem ging es um Biegen und Brechen, und ich hatte schliesslich das glücklichere Ende für mich.»

Ein Blick auf zwilch.ch zeigt, dass dir Reto Fankhauser durchaus liegt. Vor letztem Sonntag hattest du ihn bisher viermal bezwungen und einmal gestellt. War dir das vor dem Schlussgang bewusst?

«Mir war bewusst, dass ich ihn bisher meist besiegt habe und er mir als Gegner liegen könnte. Die Taktik für mich war klar: Für den Festsieg musste ich den Schlussgang gewinnen. Deshalb stellte ich mich von Anfang an auf Angriff ein.»

Wie bereits angesprochen, lief es dir beim Kilchberger Schwinget nicht optimal. Auf was führst du das zurück? 

«Die Gegner, welche mir zugeteilt wurden, waren am Schluss zuvorderst im Klassement. Das heisst aber nicht, dass ich nicht gegen sie schwingen könnte. Ich suchte den Sieg aber vermutlich zu wenig und schwang nicht so frech wie sonst. Ich verspürte zudem viel Druck, dieser ist vor so einem Anlass um einiges grösser als bei anderen Schwingfesten. 2014 schaute ich als Ersatzschwinger zu. Es war deshalb schön, teilnehmen zu dürfen und ich bin aus diesem Grund nicht völlig unzufrieden. Zudem gilt es anzuführen, dass ich in die Saisonvorbereitung nicht so viel investiert habe wie üblich.»

Wie hast du es geschafft, dich einen Tag später wieder aufzuraffen und in Siebnen zu brillieren?

«Ich bin am Sonntagmorgen mit Enttäuschung und Wut im Bauch aufgestanden und wollte allen zeigen, dass es auch anders geht. Ich fühlte mich von Beginn an gut und spürte, dass etwas drin liegen könnte.»

Adrian Steinauer holte sich am Luzerner Kantonalen in Schachen den fünften Saisonkranz 

Bild: Adrian Steinauer

Wie sieht deine Saisonbilanz insgesamt aus?

«Mit dem Herbstschwingertag in Siebnen schloss ich nun meine Saison ab. Da ich leicht angeschlagen bin, werde ich in Unteriberg nicht an den Start gehen. Die Saison verlief für mich nach dem Kaltstart im Juni alles in allem gesehen gut. Hervorheben darf ich die fünf Kranzgewinne, der dritte Rang am Schwyzer Kantonalen, den Kranzgewinn am Freiburger und den vierten Kranz in Serie am Luzerner. Bei den Bergfesten lief es nicht optimal und den Brünigschwinget verpasste ich wegen einer gequetschten Rippe. Am ersten Schwingfest, dem Abendschwinget Weggis, stand ich im Schlussgang und das letzte Schwingfest in Siebnen habe ich gewonnen.»

Apropos Saisonbilanz: Hat sich das Team Innerschweiz nach einem nicht sonderlich guten Auftritt am Kilchberger Schwinget bereits zu einer Nachbesprechung getroffen?

«Nein, noch nicht. Am Samstag in einer Woche trifft sich das Kilchberger- und das ENST-Team zu einem Abschluss-Anlass. Dabei wird Rückblick und Ausblick gehalten. Ich habe das Gefühl, dass die Saison mit der konzentrierten Reihe an Kranzfesten falsch aufgebaut war. Beim «Innerschweizerischen» beispielsweise gab es viel mehr Verletzungen als üblich, und das Innerschweizer Team wurde ganz allgemein am härtesten von der Verletzungshexe heimgesucht. Das hatte auch zur Folge, dass am Kilchberger einige angeschlagen angetreten sind. Die ganze Situation war einfach unglücklich.»

Du hast deinen ersten Kranz 2010 beim Schwyzer Kantonalen in Lachen gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?

«2016 war meine erfolgreichste Saison. Die Highlights waren der Sieg am Schwyzer Kantonalen sowie die Kranzgewinne auf dem Brünig, auf der Schwägalp und beim Teilverbandsfest der Südwestschweizer. Am ESAF in Estavayer durfte ich dreimal um den Kranz schwingen, und hätte einen Gang davon gewinnen müssen. Es hat leider nicht sein sollen.»

Am 29. Juni 2022 wirst du 31 Jahre jung. Das ideale Alter für den ersten eidgenössischen Kranz?

«Ideal wäre vorher, optimal für die schwingerische Laufbahn als 25-Jähriger. Ich werde schon länger wie ein «Eidgenosse» eingeteilt. Darum würde es für mich nach einem möglichen Kranzgewinn in Pratteln nicht viel anders laufen.»

Was meinst du, in welchen Bereichen müsstest du noch zulegen, um tatsächlich mit einem ESAF-Kranz von Pratteln heimkehren zu können?

«Ich spürte am «Kilchberger», dass schon noch etwas drin liegen würde. Denn: Wie bereits erwähnt, habe ich im Hinblick auf diese Saison nicht übermässig viel gemacht und hauptsächlich meine Familie genossen. Mein Ziel für 2022 ist, einen sauberen Aufbau über den Herbst/Winter zu machen. Dabei konsequent dranzubleiben, und die Trainings konstant und gezielt zu bestreiten. Der mentale Bereich ist für mich die grösste Herausforderung. Dieses Jahr habe ich nichts in diese Richtung gemacht, was ich in der Vergangenheit aber schon tat und in Zukunft wieder in meine Vorbereitung aufnehmen werde. Dann könnte der ESAF-Kranz drin liegen.» 

feldwaldwiesenblogger