Rückblick auf Adrian Steinauer’s Triumph beim Herbstschwingertag Siebnen

Text: feldwaldwiesenblogger

Adrian Steinauer gewann letzten Sonntag den Herbstschwingertag Siebnen, und zeigte dabei feine Schwingerkost. Am Vortag lief es dem Schwyzer beim Kilchberger Schwinget nicht optimal. Es ist Adrian deshalb hoch anzurechnen, dass er sich einen Tag später wieder aufraffte und mit einer starken Leistung bewies, zu was er fähig ist.

Adrian Steinauer feierte in Siebnen seinen vierten Sieg an einem Rangschwinget

Bild: feldwaldwiesenblogger

Der Weg in den Schlussgang

Der in Vorderthal wohnhafte Sennenschwinger stellte beim Anschwingen mit dem Thurgauer Oldie Stefan Burkhalter. Im zweiten Gang bekam er es mit Thomas Burkhalter, dem Sohn von Stefan, zu tun. Diesen bodigte er mit Lätz und überdrücken. Vor der Mittagspause bezwang Adrian ebenfalls mit Lätz und der Note 10 Manuel Vogel, ehe er nach dem Mittagessen den Höhenflug von Jvo Kurmann mit innerem Haken und nachdrücken beendete. Um den Schlussgang-Einzug bekam es der 30-Jährige mit Fabian Rüegg zu tun. Dieser zog mit Kurz an, Adrian verstand es aber sofort zu kontern und gewann platt: Der zweite Schlussgang in Siebnen nach 2013 war perfekt. 

Sein Kontrahent, der Luzerner Reto Fankhauser, zeigte ebenfalls eine starke Leistung. Zum Auftakt bezwang der Entlebucher Roland Kälin. Dann besiegte Reto jeweils platt Dominik Streiff und Joel Kessler. Im vierten Gang folgte ein «Gestellter» mit Reto Nötzli und für den Schlussgang-Einzug bezwang er Marcel Betschart. Dies bedeutete für Reto den ersten Schlussgang-Einzug am Herbstschwingertag Siebnen.

Mit einem wuchtigen Kurz zum Erfolg

Die Ausgangslage vor dem Schlussgang war offen, beide Schwinger waren an diesem Tag bereit für den Sieg. In der dritten Minute der Endausmarchung zog Adrian wuchtig mit einem Kurz an, bettete Reto so ins Sägemehl und vervollständigte zum gültigen Ergebnis mit nachdrücken. Der Sieg am Herbstschwingertag Siebnen bedeutete für den Vorderthaler Erfolg Nummer vier an einem Rangschwinget. 

In Siebnen traten 105 Schwinger an und lieferten den 1’800 Zuschauern spannende und teilweise spektakuläre Zweikämpfe. Interessant zu beobachten war, dass es keiner der drei angetretenen Eidgenossen in den Schlussgang schaffte. Wobei man dabei bedenken muss, dass Reto Nötzli am Vortag ebenfalls am Kilchberger Schwinget antrat und sich dabei an einem Finger verletzte, Stefan Burkhalter inzwischen 47 Jahre jung ist und Willy Graber seit 2019 kein Schwingfest bestritten hat. Der Berner absolvierte den Wettkampf in Siebnen als Vorbereitung für sein allerletztes Schwingfest am Hallenschwinget Bolligen (Samstag, 9. Oktober).

Adrian’s Palmarès

Adrian ist verheiratet, Vater einer Tochter und arbeitet als Fachmann Betriebsunterhalt im Werkdienst der Gemeinde Freienbach. Das Mitglied vom Schwingklub Einsiedeln ist 184 Zentimeter gross und 110 Kilogramm schwer. Nebst den bereits erwähnten vier Siegen an Rangschwingfesten hat Adrian zudem einen Kranzfestsieg (Schwyzer Kantonales 2016) auf seinem Konto. Sein Palmarés zieren weiter 34 Kränze (8 Teilverbands-, 6 Berg- und 20 Kantonal-/Gaukränze), vier ESAF- und eine Unspunnen-Schwinget-Teilnahme. Und nicht zu vergessen: Die Schlussgangteilnahme am Schwarzsee-Schwinget 2015. Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz, innerer Haken, Gammen und Lätz. Aber auch die Bodenarbeit beherrscht der Routinier.

In der nun zu Ende gehenden Saison holte sich Adrian fünf Kränze, beim Schwyzer Kantonalen belegte er mit Rang 3a gar einen Spitzenplatz. Diese gute Bilanz brachte dem Schwyzer die Qualifikation für den «Kilchberger». Nebst dem Schwingsport verbringt er viel Zeit mit der Familie, klopft gerne einen Jass, fährt Ski und zählt den Sport ganz allgemein zu seinen Hobbys.

Nebst schwingerischer Kost bekam man in Siebnen auch urchige Klänge zu hören

Bild: feldwaldwiesenblogger

Herzliche Gratulation zum Sieg in Siebnen! Wie war die Gefühlslage nach dem Schlussgang?

«Meine Gefühlslage war sehr gut. Da es mir am Kilchberger Schwinget nicht wunschgemäss lief, war es für mich eine einmalige Geschichte, vor heimischem Publikum einen Tag später gewinnen zu dürfen.»

Mit vier souveränen Siegen und einem «Gestellten» gegen Stefan Burkhalter hast du den Schlussgang erreicht. Welcher dieser fünf Gänge war der härteste Kampf? 

«Der erste Gang gegen Stefan, der Thurgauer ist und bleibt eine Knacknuss. Ich habe schon oft mit ihm geschwungen, und ich möchte ihn gerne mal bezwingen. Der fünfte Gang mit Fabian Rüegg war ebenfalls hart, in diesem ging es um Biegen und Brechen, und ich hatte schliesslich das glücklichere Ende für mich.»

Ein Blick auf zwilch.ch zeigt, dass dir Reto Fankhauser durchaus liegt. Vor letztem Sonntag hattest du ihn bisher viermal bezwungen und einmal gestellt. War dir das vor dem Schlussgang bewusst?

«Mir war bewusst, dass ich ihn bisher meist besiegt habe und er mir als Gegner liegen könnte. Die Taktik für mich war klar: Für den Festsieg musste ich den Schlussgang gewinnen. Deshalb stellte ich mich von Anfang an auf Angriff ein.»

Wie bereits angesprochen, lief es dir beim Kilchberger Schwinget nicht optimal. Auf was führst du das zurück? 

«Die Gegner, welche mir zugeteilt wurden, waren am Schluss zuvorderst im Klassement. Das heisst aber nicht, dass ich nicht gegen sie schwingen könnte. Ich suchte den Sieg aber vermutlich zu wenig und schwang nicht so frech wie sonst. Ich verspürte zudem viel Druck, dieser ist vor so einem Anlass um einiges grösser als bei anderen Schwingfesten. 2014 schaute ich als Ersatzschwinger zu. Es war deshalb schön, teilnehmen zu dürfen und ich bin aus diesem Grund nicht völlig unzufrieden. Zudem gilt es anzuführen, dass ich in die Saisonvorbereitung nicht so viel investiert habe wie üblich.»

Wie hast du es geschafft, dich einen Tag später wieder aufzuraffen und in Siebnen zu brillieren?

«Ich bin am Sonntagmorgen mit Enttäuschung und Wut im Bauch aufgestanden und wollte allen zeigen, dass es auch anders geht. Ich fühlte mich von Beginn an gut und spürte, dass etwas drin liegen könnte.»

Adrian Steinauer holte sich am Luzerner Kantonalen in Schachen den fünften Saisonkranz 

Bild: Adrian Steinauer

Wie sieht deine Saisonbilanz insgesamt aus?

«Mit dem Herbstschwingertag in Siebnen schloss ich nun meine Saison ab. Da ich leicht angeschlagen bin, werde ich in Unteriberg nicht an den Start gehen. Die Saison verlief für mich nach dem Kaltstart im Juni alles in allem gesehen gut. Hervorheben darf ich die fünf Kranzgewinne, der dritte Rang am Schwyzer Kantonalen, den Kranzgewinn am Freiburger und den vierten Kranz in Serie am Luzerner. Bei den Bergfesten lief es nicht optimal und den Brünigschwinget verpasste ich wegen einer gequetschten Rippe. Am ersten Schwingfest, dem Abendschwinget Weggis, stand ich im Schlussgang und das letzte Schwingfest in Siebnen habe ich gewonnen.»

Apropos Saisonbilanz: Hat sich das Team Innerschweiz nach einem nicht sonderlich guten Auftritt am Kilchberger Schwinget bereits zu einer Nachbesprechung getroffen?

«Nein, noch nicht. Am Samstag in einer Woche trifft sich das Kilchberger- und das ENST-Team zu einem Abschluss-Anlass. Dabei wird Rückblick und Ausblick gehalten. Ich habe das Gefühl, dass die Saison mit der konzentrierten Reihe an Kranzfesten falsch aufgebaut war. Beim «Innerschweizerischen» beispielsweise gab es viel mehr Verletzungen als üblich, und das Innerschweizer Team wurde ganz allgemein am härtesten von der Verletzungshexe heimgesucht. Das hatte auch zur Folge, dass am Kilchberger einige angeschlagen angetreten sind. Die ganze Situation war einfach unglücklich.»

Du hast deinen ersten Kranz 2010 beim Schwyzer Kantonalen in Lachen gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?

«2016 war meine erfolgreichste Saison. Die Highlights waren der Sieg am Schwyzer Kantonalen sowie die Kranzgewinne auf dem Brünig, auf der Schwägalp und beim Teilverbandsfest der Südwestschweizer. Am ESAF in Estavayer durfte ich dreimal um den Kranz schwingen, und hätte einen Gang davon gewinnen müssen. Es hat leider nicht sein sollen.»

Am 29. Juni 2022 wirst du 31 Jahre jung. Das ideale Alter für den ersten eidgenössischen Kranz?

«Ideal wäre vorher, optimal für die schwingerische Laufbahn als 25-Jähriger. Ich werde schon länger wie ein «Eidgenosse» eingeteilt. Darum würde es für mich nach einem möglichen Kranzgewinn in Pratteln nicht viel anders laufen.»

Was meinst du, in welchen Bereichen müsstest du noch zulegen, um tatsächlich mit einem ESAF-Kranz von Pratteln heimkehren zu können?

«Ich spürte am «Kilchberger», dass schon noch etwas drin liegen würde. Denn: Wie bereits erwähnt, habe ich im Hinblick auf diese Saison nicht übermässig viel gemacht und hauptsächlich meine Familie genossen. Mein Ziel für 2022 ist, einen sauberen Aufbau über den Herbst/Winter zu machen. Dabei konsequent dranzubleiben, und die Trainings konstant und gezielt zu bestreiten. Der mentale Bereich ist für mich die grösste Herausforderung. Dieses Jahr habe ich nichts in diese Richtung gemacht, was ich in der Vergangenheit aber schon tat und in Zukunft wieder in meine Vorbereitung aufnehmen werde. Dann könnte der ESAF-Kranz drin liegen.» 

feldwaldwiesenblogger

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