Die Arbeiterschwinger von Oerlikon

Einleitung: feldwaldwiesenblogger

Just am heutigen Tag feiert der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) in Collombier (NE) seinen 125. Geburtstag. Dieser wäre zwar letztes Jahr gewesen, Corona-bedingt wurde die grosse Feier aber auf dieses Jahr verschoben. Der ESV gab zu diesem runden Jubiläum 2020 eine dicke und schön illustrierte Chronik heraus. Der geschichtlichen Details gäbe es viele zu erwähnen, ist die Historie rund um unseren Nationalsport doch gespickt mit unzähligen spannenden und legendären Fakten, Anekdoten und Erzählungen. 

«Schwere Kerle rollen besser»

Der Schwinger-Blog entschied sich heute für eine Geschichte aus dem Buch von Linus Schöpfer: «Schwere Kerle rollen besser». Darin gibt es mit «Links abgedreht: Die Arbeiterschwinger von Oerlikon» ein besonders interessantes Kapitel zu lesen. Da der Schreibende von den «Arbeiterschwingern» bis anhin noch nie etwas gehört oder gelesen hatte, fand er, dass man dieses Thema in einem eigenen Beitrag thematisieren sollte.

Die Arbeiterschwinger bilden ein «seltsames Kapitel des Schweizer Sports», schreibt Schöpfer. Sie gehören zwar zur Geschichte des Schwingsportes, nicht aber zu jener des Eidgenössischen Schwingerverbandes. Die Arbeiterschwinger waren während ihrem Bestehen in eigenen Verbandsstrukturen eingebunden. 

Linus Schöpfer’s Buch «Schwere Kerle rollen besser» enthält viel Wissenswertes rund ums Schwingen

Bild: feldwaldwiesenblogger

Links abgedreht: Die Arbeiterschwinger von Oerlikon

Autor: Linus Schöpfer

«Stellen wir uns vor, in Olten stehe eine Statue von Kilian Wenger. Fünf Meter hoch, aus demselben roten Granit gehauen wie das Lenin-Denkmal in Berlin-Friedrichshain, in die Zwilchhose hineingemeisselt das Emblem von Hammer und Sichel. Eine groteske Vorstellung, nicht? Doch die Idee vom Schwinger als Vorarbeiter des Sozialismus, die gab es tatsächlich. Sie ist heute vergessen. So wie die ganze merkwürdige Episode des Arbeiterschwingens vergessen ging. 

1919, Oerlikon bei Zürich. Fünf Herren mit Schnäuzen und biederen Anzüge blicken in die Kamera. Bäggli heisst der eine, Bommeli ein anderer. Lassen wir uns nicht täuschen: Diese Herren sind radikal. Es geht ihnen um sehr viel, wenn nicht um alles, um die grosse gesellschaftliche Umwälzung. Ein glücklicheres Leben schwebt ihnen vor, das hinter sich lässt die proletarische Baracken-Existenz, die trostlosen Hallen, hungrigen Münder und engen Zimmer, die man auch in der Schweiz des frühen 20. Jahrhunderts kennt. Das Foto hält einen sporthistorischen Moment fest: Eben wurde der Arbeiterschwingerverband gegründet. Er wird bald Teil des Satus werden, des Schweizer Arbeiter- und Turnverbands, einer von sechs Unterverbänden. Das Schwingen soll ein Fitnesstraining sein, seine Übungen sollen der einförmigen Belastung des Fabrikalltags entgegenwirken und die Körper der Arbeiter abhärten.» (…)

Hier endet ein kurzer Ausschnitt aus diesem Kapitel. Unter diesem Link gelangt man bei Zeit.de zu einem Vorabdruck zu Linus Schöpfer’s Buch «Schwere Kerle rollen besser». Der Schreibende empfiehlt interessierten Lesern unbedingt zum Kauf dieses Buches.

Bild: Aus dem Buch «Schwere Kerle rollen besser» 

Schlusswort aus dem Kapitel «Links abgedreht: Die Arbeiterschwinger von Oerlikon»

«Ein kurzes, seltsames Kapitel des Schweizer Sports wird damit geschlossen. Die Aneignung und Neu-Erfindung des Schwingers linkerseits ist missglückt. Als 1989 erst die Mauer zusammenkracht und dann in ganz Europa die sozialistischen Denkmäler eingerissen werden, sind die Arbeiterschwinger schon vergessen.»

feldwaldwiesenblogger

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