Saison-Bilanz der Innerschweizer: Verletzungssorgen, nüchterne Ergebnisse und viele Fragen zur nahen Zukunft

Text: feldwaldwiesenblogger

Der SCHLUSSGANG schreibt in seiner aktuellen Ausgabe treffend: «Nachdem sie vor der Corona-Pandemie unbeirrt nach vorne schritten, wurde der Aufwärtstrend jäh gestoppt.» Gemeint sind dabei die Innerschweizer Schwinger, welche in der nun abgelaufenen Saison ziemlich unten durchmussten. Der Hauptgrund liegt an den überdurchschnittlich vielen verletzten Akteuren. Aber nicht nur.

Pirmin Reichmuth, welcher sich vor Beginn der Saison verletzte, befindet sich wieder im Aufbautraining für die neue Saison

Bild: pirminreichmuth.ch

Lange Verletzungs-Liste

Schon vor der Saison verletzte sich Pirmin Reichmuth und zu Saisonbeginn Michael Gwerder sowie Noe van Messel. Während der Saison fielen Marcel Bieri oder René Suppiger wegen Verletzungen aus. Und nicht zu vergessen Joel Wicki: Der Erstgekrönte verletzte sich während der Saison gleich zweimal und musste deswegen länger pausieren. Auch Sven Schurtenberger, der mit acht Kränzen beste Kranzsammler, erwischte es. Der Luzerner verletzte sich am eigenen Kantonalen und schied deswegen am Kilchberger Schwinget frühzeitig aus. Mike Müllestein fiel zudem krankheitsbedingt eine Zeitlang aus. Die Liste ist leider noch länger. Der Schwinger-Blog fragte deshalb bei Thedy Waserdem Technischen Leiter der Innerschweizer, nach.

Wie sieht die Verletzungssituation derzeit aus? Konkret: Wie geht es Pirmin Reichmuth, Michael Gwerder, Noe van Messel, Marcel Bieri, René Suppiger und Sven Schurtenberger?

Thedy Waser: «Sie befinden sich mit Rehabilitation und Kraftaufbau auf einem guten Weg. Wir sind sehr zuversichtlich. Die einen nehmen das Training im Sägemehl früher auf, die anderen etwas später.»

Im SCHLUSSGANG erwähnt Thedy Waser zudem: «Verletzungen kann man nicht beeinflussen.» Das ist wohl wahr. Trotzdem: Ganz offensichtlich verletzten sich viele Schwinger am «Innerschweizerischen» wegen des unglücklichen Festkalenders nach der Corona-Pause. So einem Kalender kann und darf ein Technischer Leiter in Zukunft doch niemals mehr zustimmen, oder?

Waser: «Das war eine Ausnahmesituation. Die grossen Feste folgten gleich zu Beginn, teilweise ohne grosses Training vorher. Das darf man in Zukunft nicht mehr so durchführen. Zu dieser Aussage stehe ich.»

Thedy Waser sagt: «Das darf man in Zukunft nicht mehr so durchführen.»

Bild: esv.ch

Nüchterne Saisonbilanz der Innerschweizer

Weiter erwähnt Thedy Waser im besagten SCHLUSSGANG-Artikel: «Wir haben das eigene Verbandsfest, einen Bergklassiker und ein Ausserkantonales gewonnen, was gar nicht so schlecht ist. Die Nichtverletzten haben ihre Ansprüche erfüllt.» Hand aufs Herz: Mit dieser nüchternen Bilanz darf der Technische Leiter des grössten Teilverbandes nicht zufrieden sein?

Waser: «Es wäre eventuell schon mehr drin gelegen. Wenn man aber schaut auf wen wir verzichten mussten, durften wir nicht unbedingt mehr erwarten.»

Analysiert man weiter die Ergebnisse der einzelnen Innerschweizer Kantonalverbände, dann schneidet eigentlich nur derjenige der Luzerner zufriedenstellend ab. Was läuft in den anderen Kantonalverbänden nicht optimal?

Waser: «Die Ob- und Nidwaldner mussten nach dem ESAF 2019 in Zug mit Marcel Mathis und Lutz Scheuber zwei gewichtige Rücktritte zur Kenntnis nehmen. Zudem war Martin Zimmermann, welcher kürzlich zurückgetreten ist, während einem grossen Teil der Saison verletzt. Das sind einfach Verluste, die nicht so schnell kompensiert werden können. Bei den Urnern war Stefan Arnold praktisch während dem ganzen letzten Winter verletzt. Weitere Urner Kranzschwinger waren zudem wegen Verletzungen ausser Gefecht gesetzt. Bei den wenigen noch übrig gebliebenen Schwyzer Eidgenossen fällt jeder Ausfall ins Gewicht, wie beispielsweise derjenige von Michael Gwerder. Und bei den Zugern fehlten je länger die Saison ging die meisten Spitzenleute verletzungsbedingt.»

Trotz grossen Verletzungssorgen: Das Abschneiden der Innerschweizer am Kilchberger Schwinget wirft grosse Fragen auf. Wurde der Saisonhöhepunkt inzwischen analysiert?

Waser: «Wir haben ihn analysiert. Sven Schurtenberger musste wegen einer Verletzung vorzeitig aufgeben. Joel Wicki, welcher eine verknorzte Saison mit zwei Verletzungen hinter sich hatte, lieferte eine sehr gute Leistung ab. Auch Christian Schuler, eine wichtige Stütze in unserem Verband, zeigte einen sehr guten Wettkampf. Marco Reichmuth musste leider kurzfristig wegen Krankheit verzichten. Die Schwinger hinter der Spitze konnten an jenem Tag keinen Exploit landen. Wenn man halt am Tag X nicht eine besondere Leistung abrufen kann, kommt das dann so heraus.»

Die ISV-Spitze ist nach etlichen Rücktritten dünner geworden

Bild: Tobias Meyer

Dünne Spitze – Wird wirklich alles für den Erfolg getan?

Nach etlichen Rücktritten in den letzten Jahren ist die Spitze der Innerschweizer nicht mehr so breit besetzt. Man hat nicht unbedingt den Eindruck, dass diese Lücken schnell geschlossen werden, zumal in naher Zukunft weitere Spitzenschwinger wie Andi Imhof oder Benji von Ah zurücktreten werden.

Waser: «Wenn all die Verletzten wieder zurückkehren, wird die Breite auch wieder grösser. Die verschiedenen Rücktritte versuchen wir mit jungen Talenten wie beispielsweise Joel Ambühl aufzufüllen. Ich bin zuversichtlich, dass sich unsere Breite weiterentwickelt und nicht schmäler wird. Guter Nachwuchs ist vorhanden. Denn: Am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) in Schwarzenburg holten wir einen Kategoriensieg, stellten einen weiteren Schlussgang-Teilnehmer und gewannen die meisten Auszeichnungen.»

Man sieht deutlich, dass vor allem die Berner und die Nordostschweizer alles für ihr Team und den Teamgeist an den Schwingfesten unternehmen. Diesen Eindruck bekommt man leider immer noch nicht von den Innerschweizern. Tun die Verantwortlichen wirklich alles für den Erfolg?

Waser: «Wir tun alles für den Erfolg und versuchen alles, um den Zusammenhalt zu stärken. Wir führen beispielsweise ein monatliches Training mit allen Kranzschwingern durch. Es liegt viel Arbeit vor uns und es braucht einfach seine Zeit. Den «Kantönligeist» haben wir inzwischen wegbekommen. Und: Den gestärkten Zusammenhalt kann man daran erkennen, wie das ISV-Team am ESAF 2019 in Zug einmarschiert ist.»

ENST-Sieger und Neukranzer Luca Müller ist ein Lichtblick für die Innerschweizer

Bild: luzernerzeitung.ch

Lichtblick, Nachwuchskonzept und Ziele für 2022

Der Zuger Luca Müller bescherte mit seinem Kategorien-Sieg am ENST und seinem ersten Kranz am Luzerner Kantonalen einen Lichtblick für das ISV-Team. Drücken noch mehr solcher Talente nach?

Waser: «Mit Luca Müller besitzen wir ein Riesentalent, und beim Jahrgang 2005 schlummern weitere grosse Talente. Wenn wir diese Jungen optimal aufbauen und ins ISV-Team integrieren können, werden uns diese dereinst viel Freude bereiten.»

Stichwort Berner Breite: Fällt beispielsweise Schwingerkönig Christian Stucki aus, stossen junge und hungrige Schwinger aus der zweiten oder dritten Reihe nach, und können an der Spitze mitreden. Diese Dichte fehlt den Innerschweizern einfach. Müsste man sich diesbezüglich nicht ein wenig am Nachwuchskonzept der Mutzen orientieren?

Waser: «Wir haben auch ein gutes Nachwuchskonzept und verrichten ebenfalls gute Arbeit. Unser Ziel ist es, unseren Nachwuchs zu fördern, sie beim Übertritt von den Jungschwingern zu den Aktiven zu begleiten und sie gut in das Team zu integrieren.»

Welche Ziele definiert der Technische Leiter für die Saison 2022?

Waser: «Wir wollen mit unserer Mannschaft am ESAF 2022 in Pratteln vorne mitreden, und zwar bis zum Schluss. Mein Wunsch ist es, dass alle schwingen können, gesund bleiben, und der Innerschweizer Schwingerverband so seine Ziele erreichen kann.»

feldwaldwiesenblogger

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