Zum Jahreswechsel: Gedanken und ein frecher Text

Einleitung und Bilder: feldwaldwiesenblogger

Mit herrlichem Sonnenschein über dem Bisisthal verabschiedet sich das Jahr 2021

Das Bestreben des Schwinger-Blogs ist es unter anderem auch, Ungewohntem, wenig Bekanntem oder sogar Frechem rund um den Schwingsport nachzugehen. Nachfolgend ein frecher Text, der zum Jahreswechsel zum Schmunzeln aber auch zum Nachdenken anregen soll. Der Schwingsport ist bodenständig, traditionell und unaufgeregt. Er fasziniert deshalb auch immer wieder Künstler, Schriftsteller und Musiker. Es ist dabei interessant zu beobachten, was diese Zunft am Schwingsport fasziniert und wo sie Berührungspunkte feststellen. Ein Miteinander statt Gegeneinander, auch wenn unterschiedliche Meinungen und Gegensätze vorhanden sind – Das wünsche ich mir von ganzem Herzen für 2022! Denn: Gräben in der Gesellschaft, wie sie sich 2021 auftaten, schaden dem Land und den Bewohnern. Es ist hier wie dort Achtung vor den Mitmenschen geboten, und seien ihre Meinungen noch so diametral verschieden. Für ein anständiges und friedliches Zusammenleben sind WIR alle gefordert – Miteinander statt Gegeneinander.

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Alternativ- und Künstlerschwingen

Text aus dem Buch: «Hosenlupf – eine freche Kulturgeschichte des Schwingens»; herausgegeben von Stephan Pörtner (2010)

Das Schwingen ist etwas Bodenständiges, Traditionelles und Unaufgeregtes. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hat es auch immer wieder Künstler, Schriftsteller und Musiker fasziniert. Sogar die Leute, die von der herkömmlichen schweizerischen Lebensweise vielleicht am weitesten entfernt sind, die Hausbesetzer, Punks und Alternativen liessen sich immer wieder vom Schwingen inspirieren. Was auf den ersten Blick erstaunen mag, ist bei näherem Hinsehen gar nicht so verwunderlich. Oft sahen diese Kreise im Schwingen einen Gegenentwurf zur oberflächlichen, städtischen Glitzerwelt, in der sie lebten. Die Fairness und Zusammengehörigkeit der Schwingerfamilie, das Ablehnen von Kommerz und Stars, damit konnte man sich identifizieren. 

Im Buch «Hosenlupf – eine freche Kulturgeschichte des Schwingens» findet sich Ungewohntes, wenig Bekanntes oder sogar Freches rund um den Schwingsport

Das erste alternative Schwingfest

Eines der ersten, wenn nicht das erste alternative Schwingfest fand Anfang der Achtzigerjahre in Wolfenschiessen statt. Martin Hess, der spätere Manager von Stephan Eicher, lud damals zum Künstlerschwinget. Mit dabei war eine Menge vor allem Zürcher Kulturschaffender mit Anhang, darunter auch Beat Schlatter. Geschwungen wurde auf einem Hof in idyllischer Umgebung. Wer gewonnen hat, ist nicht mehr zu eruieren, wahrscheinlich war es auch nicht so wichtig.

Unentwegte an Schwingfesten

Es gab auch während der Achtzigerjahre Unentwegte, die sich mit Lederjacken und in Pogostiefeln an Schwingfeste wagten, wo sie ziemlich misstrauisch beäugt und gebeten wurden, ihre Bierdeckel nicht herumzuspicken (damals hatte die 0,58cl Flasche einen Plastikverschluss, den der geübte Trinker beim Öffnen mit lautem «Plopp» mehrere Meter weit wegfliegen lassen konnte). 

Schwinget im Café Boy

In Zürich gab es das Café Boy, das ein beliebter Treffpunkt wurde. Im Keller war ein schöner Raum, der genutzt werden sollte. Er wurde «U-Boy» genannt, und weil die Nachbarn heikel waren, durften dort nur frühe Konzerte oder Veranstaltungen stattfinden, die keinen Lärm machten. Eines Tages kam jemand auf die Idee, ein Schwinget zu veranstalten. Der Boden wurde mit Sägemehl ausgelegt, mitmachen durfte, wer wollte, Schwünge und Regeln waren nicht wirklich bekannt. Aber es machte Spass. Wenn man schon keine richtigen Schwinger kannte, so kannte man doch ein paar Älpler. Viele Städter arbeiteten irgendwann einmal auf einer Alp, mit Kühen, Rindern oder Schafen, weil es zu der Zeit schwierig geworden war, Einheimische für die schlechtbezahlte Arbeit zu finden. Einige kamen aber vom Land und hatten als Jugendliche geschwungen (oder behaupteten es zumindest). Sie fungierten als Trainer und Schiedsrichter.

Das erste Kanzleischwinget

Wenig später fand im Kanzleizentrum, das damals noch nicht bloss aus einer Disco bestand, sondern allerlei Veranstaltungen beherbergte, darunter auch ein Badmintonturnier, das erste Kanzleischwinget statt. in der Turnhalle wurde ein richtiger Sägemehlring aufgebaut, ein Speakertisch, alles, was dazugehört. Natürlich gab es Frauen- und Männerkategorien, zu gewinnen war eine Sau. Schwierig war vor allem, jemanden zu finden, der das Frauenschwinget leitete, die Berührungsängste waren damals noch gross. Schliesslich stellte sich jemand vom traditionell eher linksgerichteten Turnerverein Satus als Schiedsrichter zur Verfügung. Das Kanzleischwinget wurde zweimal durchgeführt. 

Kein Bedarf nach alternativer Schwingerszene

Unterdessen sind sowohl das Schwingen wie die Alternativkultur im Mainstream angekommen und sich nur schon dadurch nähergekommen. Bedarf nach einer alternativen Schwingerszene gibt es nicht. Trotzdem gab es vor ein paar Jahren noch ein Schwinget in einem besetzten Haus in Zürich, anlässlich eines Festes zum Thema Bauern. Ausserdem wird gemunkelt, trendige Zürcher bastelten an der Gründung einer „Urban-Schwinging“- oder „Swiss-Style-City-Wrestling“-Veranstaltung.

Zitat aus: 50 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband, 1895-1945 (1945)

«Recht angenehm fiel in dieser Ausstellung auf, wie wieder mehr und mehr sich die Kunst mit dem Schwingen beschäftigt. Das ist aber auch nicht verwunderlich; denn nirgends kommt die menschliche Körperform kraft- und bewegungsvoller zur Geltung. Das zeigen uns namentlich die Schwingerstatuen von Hugo Siegwart, Luzern, von J. Schwyzer, Zürich und von Brandenberger, Zug und schon von Alb. Kerns (1840), sodann die Gemälde von Giron und Hodler, die sich anreihten an die zahlreichen Bilder früherer Künstler wie Freudenberg, Köing, Levy, Frau Vigée-Lebrun u.a. All das machte sich augenscheinlich auch geltend in den Festplakaten, deren künstlerische Gestaltung entschieden gewonnen hat.»

feldwaldwiesenblogger

Christian Schmutz, der Technische Leiter der Südwestschweizer, zieht eine durchzogene Saisonbilanz. Er sagt: «Das Ziel für 2022 sind Kranzgewinne am ESAF in Pratteln, an den Bergfesten und an den auswärtigen Teilverbandsfesten.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Südwestschweizer Schwinger durften nach dem ESAF 2019 in Zug mit drei Eidgenössischen Kränzen die Heimreise antreten. Die starken Resultate waren die Früchte harter und gezielter Arbeit. Und diese wollte man letztes Jahr weiterführen und sich erneut beweisen. Aber: Die Saison 2020 fiel wegen der Corona-Pandemie fast komplett ins Wasser. Glücklicherweise konnte dieses Jahr mit etwas Verspätung doch noch geschwungen werden. Das Team der Romands zeigte sich dabei bemüht und war gewillt, einen weiteren Schritt nach vorne zu tun. Das gelang teilweise, das Unterfangen wurde aber durch zahlreiche Verletzungen gebremst. So kamen auch die die drei Eidgenossen nicht verletzungsfrei durch die Saison. Beim Saisonhöhepunkt, dem Kilchberger Schwinget, fehlte mit Lario Kramer einer der Team-Leader. Und die beiden anderen Eidgenossen Benjamin Gapany und Steve Duplan waren kurz vorher verletzt ausgefallen und kehrten nicht in Bestform zurück. So verwunderte es nicht, dass Romain Collaud, der eigentliche Südwestschweizer Aufsteiger im Jahr 2021, mit einem respektablen Auftritt die Kastanien aus dem Feuer holte. Für seinen engagierten Auftritt wurde Romain mit dem Schönschwingerpreis belohnt.

Das kleine, aber feine Team der Südwestschweizer wird von den drei Eidgenossen Steve Duplan, Lario Kramer und Benjamin Gapany angeführt

Bild: Christian Schmutz

Gute Leistungen

Der angesprochene Romain Collaud wurde 2018 ENST-Sieger beim Jahrgang 2002 und feierte in diesem Jahr als Co-Sieger vom Freiburger Kantonalen seinen ersten Kranzfestsieg. Steve Duplan, welcher das Walliser Kantonale gewann, hiess der andere Kranzfestsieger. Die meisten Kränze gewann Lario Kramer, nämlich deren fünf. Lario, welcher unter anderem den Stoos-, den Innerschweizer und den Schwägalp-Kranz gewann, verletzte sich leider anfangs September im Training am Aussenband und fiel für den Rest der Saison aus. Benjamin Gapany holte sich vier Kränze und setzte mit dem Gewinn des Schwägalp-Kranzes und desjenigen am Bernisch-Kantonalen starke Duftmarken. Leider musste der Freiburger wegen Verletzungen immer wieder mal pausieren. Den Kranz am Bernisch-Kantonalen sicherte sich zudem Johann Borcard, ein weiterer Routinier im Team der Südwestschweizer. Zu den festen Grössen darf man zudem Marc Gottofrey und Mickael Matthey zählen. Zu ihnen gehören aber auch Steven Moser, Vincent Roch, Pascal Piemontesi oder Michel Dousse. Das Quartett wurde in der Vergangenheit aber immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Weiter drücken mit Christoph Baeriswyl, Sven Hofer, Dorian Kramer oder Nicolas Sturny junge Nachwuchskräfte nach. Und: Am ENST in Schwarzenburg holte man sich vier Doppelzweige, gleich viele wie 2018 in Landquart.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Trotz der zahlreichen Ausfälle, dem mässigen Abschneiden beim Kilchberger Schwinget und nur zwei Kranzfestsiegen gab Christian Schmutz, der Technische Leiter, in der Schwingerzeitung SCHLUSSGANG zu Protokoll: «Die sportliche Entwicklung stimmt mich für die Zukunft sehr optimistisch.» Hier setzt der Schwinger-Blog an und fragte bei Christian nach. Im Gespräch war die Saisonbilanz und eben diese sportliche Entwicklung ein Thema. Weiter auch die Trainings-Arbeit, der Team-Geist, das ESAF 2022 in Pratteln und die Ziele des Technischen Leiters für kommende Saison.

Was für eine Bilanz ziehst du nach der 2021er-Saison?

«Es ist schwierig eine Bilanz zu ziehen, denn es war ein spezielles Jahr. Anfangs Jahr war Schwingen gar nicht möglich. Dann war es erst für die Spitzenschwinger möglich und etwas später auch für die anderen Athleten. Die stattgefundenen Schwingfeste bei der etwas verspätet gestarteten Saison waren wichtig. Wir konnten bis auf das Neuenburger Kantonale alle Kranzfeste durchführen. Die Teilnehmerzahlen waren allerdings nicht berauschend, diese waren tiefer als in den vergangenen Jahren. Zudem waren etliche Schwinger verletzt. Unter dem Strich ziehe ich eine durchzogene Bilanz, angesichts der Umstände war die Saison mittelmässig.»

Nach welchen Schwingfesten warst du besonders stolz auf dein Team?

«Es sind einzelne Dinge, die hervorstechen und mich stolz machten. Eines der Feste ist das Bernisch-Kantonale Schwingfest, an welchem beide unserer Athleten kranzgeschmückt heimkehren durften. Das war sehr erfreulich. Weiter das «Innerschweizerische», wo Lario Kramer eine grossartige Leistung bot. Und nach dem Freiburger Kantonalen, an welchem mit Romain Collaud eine junge Nachwuchshoffnung sein erstes Kranzfest gewinnen konnte. Da darf man sicher stolz sein.»

Christian Schmutz ist seit 2017 der Technische Leiter der Südwestschweizer Schwinger

Bild: esv.ch

Stichwort sportliche Entwicklung

Die sportliche Entwicklung stimmt dich sehr optimistisch. Kannst du das erläutern?

«Nach den drei Eidgenössischen Kränzen 2019 in Zug durften wir auch in dieser Saison an auswärtigen Teilverbands- und Bergfesten regelmässig um Kränze schwingen. Es drücken Junge nach, acht Nachwuchsschwinger haben in diesem Jahr ihren ersten Kranz gewonnen. Diese jungen Athleten sind teilweise noch nicht mal 20-jährig. Da ist einiges an Potenzial vorhanden. Wir haben allgemein ein junges Team. Schwinger, die über 30 Jahre alt sind, kannst du bei uns an einer Hand abzählen.»

Wie wird die sportliche Entwicklung in der Südwestschweiz vorangetrieben?

«Das läuft nicht anders als in anderen Teilverbänden. Wir versuchen bei den Kaderzusammenzügen jeweils einen Schritt weiterzukommen. Hinsichtlich Professionalität wurden auch diese Trainings optimiert. Es wird nicht nur bei den Aktiven gut gearbeitet. Auch bei den Nachwuchsschwingern wird sehr gut trainiert. Stéphane Rogivue und sein Team leisten hervorragende Arbeit. Das erleichtert den jungen Schwingern den Übergang zu den Aktiven. Wichtig ist, dass wir dranbleiben.»

Wie siehst du die Breite deines Kaders?

«Ich sehe sie zu wenig breit. Aber: In einem kleinen Verband hast du halt naturgemäss nicht die Breite wie bei einem der grossen Teilverbände. Ausfälle fallen sofort ins Gewicht. Das sieht man beispielsweise beim eigenen Teilverbandsfest. Fallen zwei oder drei unserer Spitzenleute aus, wird es schon ziemlich schwierig, gegen acht starke Gäste zu bestehen. Oder wie beim diesjährigen Schwarzsee-Schwinget, als alle drei Eidgenossen verletzt gefehlt haben. Da fehlt dann schon Substanz, um mithalten zu können.»

Lario Kramer belegte am «Innerschweizerischen» in Ibach SZ mit Rang 2a einen Spitzenplatz

Bild: Lario Kramer (Facebook)

Stichwort Trainings-Arbeit und Team-Geist

Worin siehst du als Technischer Leiter primär deine Aufgabe?

«Meine Aufgabe ist, den Überblick über alles zu haben. Ich fungiere als Koordinator. Weiter liegt mein Augenmerk im Bereich Einteilung. Ich habe gute Leute im Staff, auf welche ich zählen kann. Die Leitung der Kader-Trainings ist nicht primär meine Aufgabe.»

Nach der Saison ist vor der Saison. Welche Punkte musst du mit den Schwingern im Wintertraining angehen?

«Weil die Saison lange ging, haben wir nun einen Break eingebaut. Dies auch deswegen, da noch einige Schwinger rekonvaleszent sind. Wir starten im Januar mit den Trainingszusammenzügen. Schwingerisch werden wir auf der gleichen Linie weiterfahren. Wir haben hinsichtlich auf das ESAF in Pratteln einen Systemwechsel geplant. Die Kadertrainings werden nun statt einmal im Monat im Zwei- oder Drei-Wochen-Rhythmus stattfinden. Diese werden fortan nicht mehr separat, sondern mit den kantonalen Zusammenzügen kombiniert, und so an mehrere Standorte verteilt. Die gemeinsamen Trainings finden auch nicht mehr nur an Freitagabenden, sondern auch an anderen Wochentagen statt. Zudem sind zwei zusätzliche Trainingstage, welche an einem Samstag durchgeführt werden, geplant.»

Wie sieht der Team-Geist und deren Bildung in der Südwestschweiz aus?

«Der Team-Geist ist sehr gut, die Schwinger haben einen sehr guten Zusammenhalt untereinander. Dieser hat sich in den letzten Jahren merklich verbessert. Die Sprachgrenze, welche früher öfters ein Hindernis war, ist kein Thema mehr. Bei den Trainingszusammenzügen liegt der Fokus primär auf dem Schwingen. Hinsichtlich des «Eidgenössischen» wollen wir aber noch andere Komponenten wie die Ernährung oder die Saisonplanung in die Zusammenzüge reinbringen.»

Stichwort ESAF 2022 in Pratteln

Drei Kränze wie am ESAF 2019 in Zug liegen 2022 auch in Pratteln drin?

«Das würde ich sofort unterschreiben. Die drei Kränze zu bestätigen wäre schön. Denn: Man macht nicht gerne weniger Kränze als beim letzten Anlass. In so einem kleinen Verband wie dem unsrigen hängt das aber mit vielen Faktoren zusammen. Wir definieren nicht eine bestimmt Anzahl Kränze, wir sprechen vom Gewinn von Kränzen.»

Wie bereitet sich ein kleines Team wie dasjenige der Südwestschweizer auf das ESAF vor? Holt man sich zusätzlich Unterstützung von aussen?

«Wir haben unseren Staff erweitert und unsere Arbeit wurde in den letzten Jahren professioneller. Ich habe zwei Coaches, welche die Trainings leiten. Seit diesem Jahr ist ein zusätzlicher Betreuer dabei an den Schwingfesten. Es ist kein Unbekannter: Werner Jakob, der ehemalige Technische Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes. Der Staff wird aufs ESAF hin nicht weiter vergrössert. Wir werden mit den Leuten arbeiten, welche wir in den Letzen Jahren an Bord geholt haben.»

Romain Collaud (links) gewann zusammen mit Christian Schuler das Freiburger Kantonale, und darf sich nun auch Kranzfestsieger nennen

Bild: bote.ch

Stichwort Ziele für 2022

Wie sehen die Ziele des Technischen Leiters für 2022 aus?

«Das Ziel sind Kranzgewinne am ESAF in Pratteln, an den Bergfesten und an den auswärtigen Teilverbandsfesten. Ein weiteres Ziel ist, mit dem Team schwingerisch einen Schritt vorwärtszukommen.»

feldwaldwiesenblogger

Guido Thürig, der Technische Leiter der Nordwestschweizer, sagt: «Mein Ziel ist es, dass wir 2022 an den Bergfesten und am ESAF die Qualität an den Tag legen, wie wir sie dieses Jahr am Nordwestschweizer Schwingfest taten.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Wie sieht die Bilanz für den Nordwestschweizer Schwingerverband (NWSV) nach der nun abgelaufenen Saison aus? Kurz zusammengefasst darf man konstatieren, dass sie das eigene Teilverbandsfest, trotz starken Gästen, mit Andreas Döbeli gewonnen haben. Und an ihrem Bergfest auf dem Weissenstein stand der genannte Döbeli im Schlussgang. Joel Strebel zeigte bis zu seiner Verletzung eine starke Saison (am meisten Kränze) und Patrick Räbmatter lief nach einem schwachen Start zu toller Form auf. Nick Alpiger wurde nach starkem Beginn durch eine Verletzung ausser Gefecht gesetzt und fehlte etwas später wegen Corona am Teilverbandsfest in Zunzgen. Die beiden letzten Schwingfeste des Jahres gewann Alpiger aber in absolut überzeugender Manier. Und: Am Kilchberger Schwinget lief es für die Nordwestschweizer gelinde gesagt nicht gut.

Das Team der Nordwestschweizer vor dem letzten ESAF 2019 in Zug

Bild: aargauerzeitung.ch

Viel Potenzial

Im kleinen Teilverband in der Nordwestschweiz ist man an der Spitze auf jeden Schwinger angewiesen. Das zeigte sich besonders deutlich am Kilchberger Schwinget, wo Joel Strebel fehlte, Nick Alpiger noch nicht ganz der «Alte» war, Patrick Räbmatter nicht seine beste Form ausspielte und Andreas Döbeli keinen guten Tag einzog. Die vier erwähnten Aargauer Eidgenossen bilden die Spitze, mit Nick Alpiger als Team-Leader. Dahinter befinden sich mit Roger Erb, Samuel Brun, Oliver Hermann, Marcel Kropf, Samuel Schmid, Fabian Bader, Kaj Hügli und Simon Schmutz weitere Kranzschwinger, welche diese Saison starke Leistungen zeigten. Dass auch viel Potenzial im Nachwuchs vorhanden ist, beweist einerseits Adrian Odermatt, welcher diese Saison zum Teilverbandskranzer aufstieg. Andererseits aber auch die Ausbeute am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) in Schwarzenburg. Nebst einem Kategoriensieg mit Sinisha Lüscher holten sich die Nordwestschweizer elf Doppelkränze, gleich viele wie die Berner. Das sind verglichen mit dem ENST 2018 eine Steigerung um sechs Doppelzweige. Die Nordwestschweizer wurden in dieser Saison aber auch durch zahlreiche Verletzungen und Corona-bedingte Ausfälle gebeutelt.

Saisonbilanz

Guido Thürig ist seit letztem Jahr der technische Leiter der Nordwestschweizer. Mit ihm unterhielt sich der Schwinger-Blog, und liess ihn eine Saisonbilanz ziehen. Weiter wurde Thürig mit Kritik konfrontiert, welche fünf Monate zurückliegt. Zudem erzählte der Aargauer von der Trainings- und Team-Arbeit seiner Athleten, blickte auf das nächstjährige ESAF 2022 in Pratteln voraus, und wurde nach den Zielen für kommende Saison befragt.

Was für eine Bilanz ziehst du nach der 2021er-Saison?

«Ich ziehe eine durchzogene Bilanz von dieser Saison, welche auch durch Inkonstanz geprägt war. Die Schwinger-Zahlen im eigenen Verband bereiten mir Sorgen. Von den Schwingfesten her waren der Rigi- und der Kilchberger Schwinget die Tiefpunkte. An diesen wurde nicht das gezeigt, wie von uns erhofft. Die Highlights waren der Brünig-Schwinget und das Nordwestschweizer Schwingfest in Zunzgen. An diesen beiden Anlässen lief es gut.»

Nach welchen Schwingfesten warst du besonders stolz auf dein Team?

«Wie bereits erwähnt, nach dem Brünig-Schwinget und nach unserem Teilverbandsfest. In Zunzgen zeigten wir eine gute Mannschaftsleistung, und einzelne Athleten lieferten eine Topleistung ab. Trotz Ausfall von Nick Alpiger konnten wir den Sieg in den eigenen Reihen halten. Auf dem Weissenstein lief es auch gut.» 

Guido Thürig ist seit 2020 Technische Leiter der Nordwestschweizer Schwinger

Bild: nwsv.ch

Stichwort Kritik vom Schwinger-Blog

In einem Beitrag vom 13. Juli gab es Kritik hinsichtlich der Reduktion der Startplätze für den diesjährigen Weissenstein-Schwinget. Die 40 Startplätze der Nordwestschweizer wurden auf deren 30 reduziert. Der Schwinger-Blog schrieb, dass die primären Gründe auf Corona und die Führungsschwäche des Verbandes, seiner Kantonalverbände sowie der Schwingklubs zurückzuführen sind. Eine Stellungnahme von dir war längst überfällig. Was ist dein Kommentar?

«Der Weissenstein-Schwinget ist ein Bergkranzfest und das Teilnehmerfeld soll auch deren Qualität haben. Das ist eine Momentaufnahme, und wir müssen uns der Realität stellen. Mit solchen Aussagen wie im erwähnten Beitrag kann ich leben, aber sie bringen nicht viel und zaubern können wir auch nicht. Wir sind bestrebt, die Breite an Kranzschwingern zu erhöhen. Das Kader haben wir bereits verjüngt. Nun gilt es, die jungen Schwinger heranzuführen und auf baldige Kranzgewinne zu hoffen. Man muss bedenken, dass bei weniger Schwinger wie bei uns in der Nordwestschweiz halt auch weniger Kränze an den Schwingfesten abgegeben werden können. Es ist bei uns schwieriger einen Kranz zu gewinnen als in den drei grossen Teilverbänden.»

Treten nächstes Jahr wieder 40 Nordwestschweizer auf dem Weissenstein an?

«Nein, es werden wieder 30 Schwinger von uns dabei sein. Das haben wir in der Technischen Kommission vom Eidgenössischen Schwingerverband so entschieden.»

Weiter schrieb der Schwinger-Blog im erwähnten Beitrag, dass die Nordwestschweizer in den nächsten Jahren Mühe haben werden, an den eigenen Kantonalfesten 100 Schwinger an den Start zu bringen. Wie siehst du das?

«Corona hat uns hart getroffen. Wir hoffen, dass das ESAF in unserem Verbandsgebiet etwas bewirkt und wir den Schwung mitnehmen können. Wir streben zudem eine Verbreiterung auf Kaderstufe an. Und: Wir haben vom Vorstand einen Workshop initiiert, welchen wir momentan in Kleingruppen vorbereiten. Dieser Workshop, welcher anfangs nächstes Jahr über die Bühne gehen soll, ist dem Thema Schwingen NWSV 2030 gewidmet. Wir wollen dabei Massnahmen definieren, um die Zukunft positiv gestalten zu können.»

Die Kranzgewinner vom Nordwestschweizer Schwingfest 2021 in Zunzgen. In der Mitte erkennt man den glücklichen Sieger Andreas Döbeli.

Bild: aargauerzeitung.ch

Stichwort Trainings- und Team-Arbeit

Worin siehst du als Technischer Leiter primär deine Aufgabe?

«Wir möchten unser Kader schwingerisch vorwärtsbringen. Es finden im Zwei-Wochen-Rhythmus Kadertrainings statt, welche wir anfangs November gestartet haben. Ich leite diese Trainings, zusammen mit einem Trainer-Stab. Zum Team gehören mein Bruder Mario, Thomas Notter und Yanick Klausner. Weiter möchten wir den NWSV noch mehr als Team formen, unabhängig von der Kantonszugehörigkeit.»

Nach der Saison ist vor der Saison. Welche Punkte musst du mit den Schwingern im Wintertraining angehen?

«Ich konzentriere mich auf zwei Fokusgeschichten. Ich möchte die Schwinger technisch weiterbringen und ihre Vielseitigkeit fördern. Das andere ist die Trainingsgestaltung, in welcher ich sportliche Härte reinbringen möchte. Damit wir vom Mindset her anders auftreten können.»

Wie sieht der Team-Geist und deren Bildung in der Nordwestschweiz aus?

«Dieser ist auf einem Stand, der sehr positiv ist. Vor Jahren war der noch anders, insbesondere wegen dem Kantönligeist. Wir arbeiten darauf hin, dass dies kein Thema mehr sein wird. Mein grosser Wunsch für das ESAF 2022 in Pratteln ist, dass Schwinger aus dem Baselland und wenn möglich auch aus dem Solothurn Eidgenössische Kränze gewinnen können. Es ist zwingend nötig, dass wir nicht nur im Aargau Eidgenossen haben.»

Stichwort ESAF 2022 in Pratteln

Wenn Nick Alpiger die Form, welche er Ende Saison ausspielte, bis zum ESAF konservieren könnte, wäre er in deinen Augen ein Königskandidat?

«Aus meiner Sicht gehört er zu den absoluten Topschwingern. Ich traue ihm für Pratteln alles zu.»

Das «Eidgenössische» im eigenen Teilverbandsgebiet war auch schon eine Sondermotivation. Liegen sechs Kränze wie nach dem ESAF 2007 in Aarau auch 2022 drin?

«Träumen darf man und ist erlaubt. Fünf Kränze sind ein realistisches Ziel.»

Der Nordwestschweizer Schwingerverband feierte diesen Herbst in Möhlin den 125. Geburtstag

Bild: nwsv.ch

Stichwort Ziele für 2022

Wie sehen die Ziele des Technischen Leiters für 2022 aus?

«Die Highlights der nächsten Saison sind die Bergkranzfeste Stoos, Weissenstein und Schwägalp. Diese sind für mich sehr wichtig. Dann das ESAF, welches im Zentrum steht. Mein Ziel ist es, dass wir an diesen Festen die Qualität an den Tag legen, wie wir sie dieses Jahr am Nordwestschweizer Schwingfest taten. Weiter ist es für mich ein Bedürfnis, diejenigen Schwinger, welche in dieser Saison wegen Verletzungen oder Corona fehlten, wieder gut ins Team zu integrieren. Ich denke da insbesondere an Tobias Widmer oder Lars Voggensperger.»

feldwaldwiesenblogger

Rück- und Ausblick mit Fridolin Beglinger, dem Technischen Leiter der Nordostschweizer. Er sagt: «Die Ziele für 2022 sind der Schwingerkönig-Titel, möglichst viele Kranzgewinne am ESAF in Pratteln und der Brünig-Sieg.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Nordostschweizer dürfen auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Ihre Schwinger lieferten, gewannen wichtige Schwingfeste und fuhren schöne Erfolge ein. Zwar musste auch dieser Teilverband Verletzte und Ausfälle beklagen. Sie fielen aber nicht derart ins Gewicht wie bei den Innerschweizern, oder in etwas kleinerem Ausmass bei den Bernern.

Die Nordostschweizer Schwinger zeigten eine starke Saison

Bild: nosv.ch

Starkes Team

Der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) verfügt zum einen mit Samuel Giger über den Kilchberger Sieger und Überschwinger des Jahres. Zum anderen gehört zu ihrem Team Kilchberger Co-Sieger Damian Ott, der eigentliche Aufsteiger des Jahres. Dahinter befinden sich mit Domenic Schneider, Samir Leuppi, Roger Rychen oder Michael Bless weitere starke Leader. Einen grossen Sprung nach vorne taten diese Saison Werner Schlegel, ebenso Marcel Räbsamen. Aber auch der inzwischen zurückgetretene Tobias Krähenbühl, Shane Dändliker und Jeremy Vollenweider zeigten 2021 starke Leistungen. Nicht richtig auf Touren kam Armon Orlik, mit ihm dürfte aber 2022 wieder zu rechnen sein.

Saisonbilanz

Der Schwinger-Blog führte heute mit Fridolin Beglinger, dem technischen Leiter der Nordostschweizer, ein Gespräch. Einerseits ging es um die Saisonbilanz, andererseits aber auch um Stichworte wie Teamgeist, Trainingsarbeit, das ESAF 2022 in Pratteln und die Ziele für kommende Saison.

Was für eine Bilanz ziehst du nach der 2021er-Saison?

«Ich ziehe eine sehr positive Bilanz. Wir haben alle vier Bergfeste gewonnen, an welchen wir antreten durften und konnten zwei Kilchberger Sieger feiern.»

Nach welchen Schwingfesten warst du besonders stolz auf dein Team?

«Das ist einerseits nach dem Weissenstein Schwinget, an welchem überraschend Damian Ott gewann und wo wir die meisten Kränze mit nach Hause nehmen konnten. Andererseits war ich nach dem Kilchberger Schwinget besonders stolz auf mein Team.

Der Glarner Fridolin Beglinger ist der Technische Leiter der Nordostschweizer

Bild: nosv.ch

Stichwort Teamgeist

Rückblick: Im März wurde ein Trainingsverzicht bis Mitte April beschlossen. Dies als Zeichen der Solidarität der NOSV-Eidgenossen mit den Mittelschwingern. Der Teamgeist bei den Nordostschweizern lebt. War der schon immer so stark?

«Der Teamgeist ist in letzter Zeit viel besser geworden und wurde mit dieser Solidaritäts-Aktion noch mehr gestärt. Es ist schön, dass unser Team-Leader Samuel Giger so pflegeleicht ist und voll hinter unseren Mittelschwingern steht. Das ist sehr wertvoll für das Team.»

Der NOSV ist der einzige Teilverband mit zwei Technischen Leitern. Du teilst das Amt mit Christian Heiss. Erfolgte dies auch aus dem Teamgeist heraus? 

«Eigentlich nicht. Wir haben dem Vorschub geleistet, damit sich jeder auf seine Aufgaben konzentrieren kann.»

Wie teilen sich Christian und du die Arbeit auf?

«Christian ist zuständig für die administrativen und organisatorischen Belange. Er organisiert unter anderem die Trainings und die Lokalitäten. Ich kann mich dadurch voll auf die Arbeit mit den Schwingern und das Training konzentrieren, und bin zudem für die Einteilung zuständig.»

Der Saisondominator Samuel Giger feierte in Mels beim Nordostschweizer Schwingfest seinen 22. Kranzfestsieg

Bild: tagblatt.ch

Stichwort Trainingsarbeit

Was macht eigentlich ein Technischer Leiter während der Winterpause?

«Wir haben die Kadertrainings wieder aufgenommen und führen einmal pro Woche eines durch. Ich leite diese Trainings und bin darum bemüht, dass möglichst alle anwesend sind. Weiter führe ich Gespräche mit den Schwingern, was sehr wichtig ist.»

Trotz erfolgreicher 2021er-Saison: Gibt es dennoch Punkte, welche der Technische Leiter im Training angehen muss?

«Man kann sich immer verbessern, auch in technischen Belangen. Wir arbeiten auch daran, dass die Spitze noch breiter wird.»

Stichwort ESAF 2022 in Pratteln

Seit 2010 wurden ausnahmslos Berner Schwingerkönige gekrönt. Ist 2022 wieder einmal die Nordostschweiz an der Reihe?

«Das ist unser Ziel, und nach dieser erfolgreichen Saison dürfen wir dieses auch so setzen. Denn: Wenn alle gesund bleiben, besitzen wir gute Chancen auf den Königstitel.»

2019 stand trotz grossen Ambitionen kein Schwinger von euch im Schlussgang in Zug. Welche Lehren habt ihr aus diesem ESAF gezogen?

«Wir suchen noch mehr den Kontakt zu den Schwingern und legen grossen Wert auf die Teambildung. Gewisse Schwinger haben nach ihrem Abschneiden in Zug auch persönliche Lehren gezogen.»

Als erst 18-Jähriger gewann Werner Schlegel beim Appenzeller Kantonalen in Urnäsch seinen ersten Kranzfestsieg

Bild: toggenburg24.ch

Stichwort Ziele für 2022

Wie sehen die Ziele des Technischen Leiters für 2022 aus?

«Die Ziele sind der Schwingerkönig-Titel, möglichst viele Kranzgewinne am ESAF in Pratteln und der Brünig-Sieg. Wir sind nächstes Jahr Gast auf der Wasserscheide zwischen der Innerschweiz und dem Bernbiet. Der letzte Sieg eines Nordostschweizers beim Brünig-Schwinget war 2006 und liegt einige Zeit zurück. Damals gewann Stefan Fausch.»

Definierst du auch individuell mit den Schwingern Ziele? 

«Wir haben unsere Ziele klar im Team kommuniziert und dass wir mit der bestmöglichen Mannschaft auf dem Brünig und am ESAF antreten möchten. Die Schwinger definieren ihre individuellen Ziele mit ihren persönlichen Betreuern, Bezugspersonen oder den technischen Leitern der Schwingklubs.»

feldwaldwiesenblogger