Christian Schmutz, der Technische Leiter der Südwestschweizer, zieht eine durchzogene Saisonbilanz. Er sagt: «Das Ziel für 2022 sind Kranzgewinne am ESAF in Pratteln, an den Bergfesten und an den auswärtigen Teilverbandsfesten.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Südwestschweizer Schwinger durften nach dem ESAF 2019 in Zug mit drei Eidgenössischen Kränzen die Heimreise antreten. Die starken Resultate waren die Früchte harter und gezielter Arbeit. Und diese wollte man letztes Jahr weiterführen und sich erneut beweisen. Aber: Die Saison 2020 fiel wegen der Corona-Pandemie fast komplett ins Wasser. Glücklicherweise konnte dieses Jahr mit etwas Verspätung doch noch geschwungen werden. Das Team der Romands zeigte sich dabei bemüht und war gewillt, einen weiteren Schritt nach vorne zu tun. Das gelang teilweise, das Unterfangen wurde aber durch zahlreiche Verletzungen gebremst. So kamen auch die die drei Eidgenossen nicht verletzungsfrei durch die Saison. Beim Saisonhöhepunkt, dem Kilchberger Schwinget, fehlte mit Lario Kramer einer der Team-Leader. Und die beiden anderen Eidgenossen Benjamin Gapany und Steve Duplan waren kurz vorher verletzt ausgefallen und kehrten nicht in Bestform zurück. So verwunderte es nicht, dass Romain Collaud, der eigentliche Südwestschweizer Aufsteiger im Jahr 2021, mit einem respektablen Auftritt die Kastanien aus dem Feuer holte. Für seinen engagierten Auftritt wurde Romain mit dem Schönschwingerpreis belohnt.

Das kleine, aber feine Team der Südwestschweizer wird von den drei Eidgenossen Steve Duplan, Lario Kramer und Benjamin Gapany angeführt

Bild: Christian Schmutz

Gute Leistungen

Der angesprochene Romain Collaud wurde 2018 ENST-Sieger beim Jahrgang 2002 und feierte in diesem Jahr als Co-Sieger vom Freiburger Kantonalen seinen ersten Kranzfestsieg. Steve Duplan, welcher das Walliser Kantonale gewann, hiess der andere Kranzfestsieger. Die meisten Kränze gewann Lario Kramer, nämlich deren fünf. Lario, welcher unter anderem den Stoos-, den Innerschweizer und den Schwägalp-Kranz gewann, verletzte sich leider anfangs September im Training am Aussenband und fiel für den Rest der Saison aus. Benjamin Gapany holte sich vier Kränze und setzte mit dem Gewinn des Schwägalp-Kranzes und desjenigen am Bernisch-Kantonalen starke Duftmarken. Leider musste der Freiburger wegen Verletzungen immer wieder mal pausieren. Den Kranz am Bernisch-Kantonalen sicherte sich zudem Johann Borcard, ein weiterer Routinier im Team der Südwestschweizer. Zu den festen Grössen darf man zudem Marc Gottofrey und Mickael Matthey zählen. Zu ihnen gehören aber auch Steven Moser, Vincent Roch, Pascal Piemontesi oder Michel Dousse. Das Quartett wurde in der Vergangenheit aber immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Weiter drücken mit Christoph Baeriswyl, Sven Hofer, Dorian Kramer oder Nicolas Sturny junge Nachwuchskräfte nach. Und: Am ENST in Schwarzenburg holte man sich vier Doppelzweige, gleich viele wie 2018 in Landquart.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Trotz der zahlreichen Ausfälle, dem mässigen Abschneiden beim Kilchberger Schwinget und nur zwei Kranzfestsiegen gab Christian Schmutz, der Technische Leiter, in der Schwingerzeitung SCHLUSSGANG zu Protokoll: «Die sportliche Entwicklung stimmt mich für die Zukunft sehr optimistisch.» Hier setzt der Schwinger-Blog an und fragte bei Christian nach. Im Gespräch war die Saisonbilanz und eben diese sportliche Entwicklung ein Thema. Weiter auch die Trainings-Arbeit, der Team-Geist, das ESAF 2022 in Pratteln und die Ziele des Technischen Leiters für kommende Saison.

Was für eine Bilanz ziehst du nach der 2021er-Saison?

«Es ist schwierig eine Bilanz zu ziehen, denn es war ein spezielles Jahr. Anfangs Jahr war Schwingen gar nicht möglich. Dann war es erst für die Spitzenschwinger möglich und etwas später auch für die anderen Athleten. Die stattgefundenen Schwingfeste bei der etwas verspätet gestarteten Saison waren wichtig. Wir konnten bis auf das Neuenburger Kantonale alle Kranzfeste durchführen. Die Teilnehmerzahlen waren allerdings nicht berauschend, diese waren tiefer als in den vergangenen Jahren. Zudem waren etliche Schwinger verletzt. Unter dem Strich ziehe ich eine durchzogene Bilanz, angesichts der Umstände war die Saison mittelmässig.»

Nach welchen Schwingfesten warst du besonders stolz auf dein Team?

«Es sind einzelne Dinge, die hervorstechen und mich stolz machten. Eines der Feste ist das Bernisch-Kantonale Schwingfest, an welchem beide unserer Athleten kranzgeschmückt heimkehren durften. Das war sehr erfreulich. Weiter das «Innerschweizerische», wo Lario Kramer eine grossartige Leistung bot. Und nach dem Freiburger Kantonalen, an welchem mit Romain Collaud eine junge Nachwuchshoffnung sein erstes Kranzfest gewinnen konnte. Da darf man sicher stolz sein.»

Christian Schmutz ist seit 2017 der Technische Leiter der Südwestschweizer Schwinger

Bild: esv.ch

Stichwort sportliche Entwicklung

Die sportliche Entwicklung stimmt dich sehr optimistisch. Kannst du das erläutern?

«Nach den drei Eidgenössischen Kränzen 2019 in Zug durften wir auch in dieser Saison an auswärtigen Teilverbands- und Bergfesten regelmässig um Kränze schwingen. Es drücken Junge nach, acht Nachwuchsschwinger haben in diesem Jahr ihren ersten Kranz gewonnen. Diese jungen Athleten sind teilweise noch nicht mal 20-jährig. Da ist einiges an Potenzial vorhanden. Wir haben allgemein ein junges Team. Schwinger, die über 30 Jahre alt sind, kannst du bei uns an einer Hand abzählen.»

Wie wird die sportliche Entwicklung in der Südwestschweiz vorangetrieben?

«Das läuft nicht anders als in anderen Teilverbänden. Wir versuchen bei den Kaderzusammenzügen jeweils einen Schritt weiterzukommen. Hinsichtlich Professionalität wurden auch diese Trainings optimiert. Es wird nicht nur bei den Aktiven gut gearbeitet. Auch bei den Nachwuchsschwingern wird sehr gut trainiert. Stéphane Rogivue und sein Team leisten hervorragende Arbeit. Das erleichtert den jungen Schwingern den Übergang zu den Aktiven. Wichtig ist, dass wir dranbleiben.»

Wie siehst du die Breite deines Kaders?

«Ich sehe sie zu wenig breit. Aber: In einem kleinen Verband hast du halt naturgemäss nicht die Breite wie bei einem der grossen Teilverbände. Ausfälle fallen sofort ins Gewicht. Das sieht man beispielsweise beim eigenen Teilverbandsfest. Fallen zwei oder drei unserer Spitzenleute aus, wird es schon ziemlich schwierig, gegen acht starke Gäste zu bestehen. Oder wie beim diesjährigen Schwarzsee-Schwinget, als alle drei Eidgenossen verletzt gefehlt haben. Da fehlt dann schon Substanz, um mithalten zu können.»

Lario Kramer belegte am «Innerschweizerischen» in Ibach SZ mit Rang 2a einen Spitzenplatz

Bild: Lario Kramer (Facebook)

Stichwort Trainings-Arbeit und Team-Geist

Worin siehst du als Technischer Leiter primär deine Aufgabe?

«Meine Aufgabe ist, den Überblick über alles zu haben. Ich fungiere als Koordinator. Weiter liegt mein Augenmerk im Bereich Einteilung. Ich habe gute Leute im Staff, auf welche ich zählen kann. Die Leitung der Kader-Trainings ist nicht primär meine Aufgabe.»

Nach der Saison ist vor der Saison. Welche Punkte musst du mit den Schwingern im Wintertraining angehen?

«Weil die Saison lange ging, haben wir nun einen Break eingebaut. Dies auch deswegen, da noch einige Schwinger rekonvaleszent sind. Wir starten im Januar mit den Trainingszusammenzügen. Schwingerisch werden wir auf der gleichen Linie weiterfahren. Wir haben hinsichtlich auf das ESAF in Pratteln einen Systemwechsel geplant. Die Kadertrainings werden nun statt einmal im Monat im Zwei- oder Drei-Wochen-Rhythmus stattfinden. Diese werden fortan nicht mehr separat, sondern mit den kantonalen Zusammenzügen kombiniert, und so an mehrere Standorte verteilt. Die gemeinsamen Trainings finden auch nicht mehr nur an Freitagabenden, sondern auch an anderen Wochentagen statt. Zudem sind zwei zusätzliche Trainingstage, welche an einem Samstag durchgeführt werden, geplant.»

Wie sieht der Team-Geist und deren Bildung in der Südwestschweiz aus?

«Der Team-Geist ist sehr gut, die Schwinger haben einen sehr guten Zusammenhalt untereinander. Dieser hat sich in den letzten Jahren merklich verbessert. Die Sprachgrenze, welche früher öfters ein Hindernis war, ist kein Thema mehr. Bei den Trainingszusammenzügen liegt der Fokus primär auf dem Schwingen. Hinsichtlich des «Eidgenössischen» wollen wir aber noch andere Komponenten wie die Ernährung oder die Saisonplanung in die Zusammenzüge reinbringen.»

Stichwort ESAF 2022 in Pratteln

Drei Kränze wie am ESAF 2019 in Zug liegen 2022 auch in Pratteln drin?

«Das würde ich sofort unterschreiben. Die drei Kränze zu bestätigen wäre schön. Denn: Man macht nicht gerne weniger Kränze als beim letzten Anlass. In so einem kleinen Verband wie dem unsrigen hängt das aber mit vielen Faktoren zusammen. Wir definieren nicht eine bestimmt Anzahl Kränze, wir sprechen vom Gewinn von Kränzen.»

Wie bereitet sich ein kleines Team wie dasjenige der Südwestschweizer auf das ESAF vor? Holt man sich zusätzlich Unterstützung von aussen?

«Wir haben unseren Staff erweitert und unsere Arbeit wurde in den letzten Jahren professioneller. Ich habe zwei Coaches, welche die Trainings leiten. Seit diesem Jahr ist ein zusätzlicher Betreuer dabei an den Schwingfesten. Es ist kein Unbekannter: Werner Jakob, der ehemalige Technische Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes. Der Staff wird aufs ESAF hin nicht weiter vergrössert. Wir werden mit den Leuten arbeiten, welche wir in den Letzen Jahren an Bord geholt haben.»

Romain Collaud (links) gewann zusammen mit Christian Schuler das Freiburger Kantonale, und darf sich nun auch Kranzfestsieger nennen

Bild: bote.ch

Stichwort Ziele für 2022

Wie sehen die Ziele des Technischen Leiters für 2022 aus?

«Das Ziel sind Kranzgewinne am ESAF in Pratteln, an den Bergfesten und an den auswärtigen Teilverbandsfesten. Ein weiteres Ziel ist, mit dem Team schwingerisch einen Schritt vorwärtszukommen.»

feldwaldwiesenblogger

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