Zum Jahreswechsel: Gedanken und ein frecher Text

Einleitung und Bilder: feldwaldwiesenblogger

Mit herrlichem Sonnenschein über dem Bisisthal verabschiedet sich das Jahr 2021

Das Bestreben des Schwinger-Blogs ist es unter anderem auch, Ungewohntem, wenig Bekanntem oder sogar Frechem rund um den Schwingsport nachzugehen. Nachfolgend ein frecher Text, der zum Jahreswechsel zum Schmunzeln aber auch zum Nachdenken anregen soll. Der Schwingsport ist bodenständig, traditionell und unaufgeregt. Er fasziniert deshalb auch immer wieder Künstler, Schriftsteller und Musiker. Es ist dabei interessant zu beobachten, was diese Zunft am Schwingsport fasziniert und wo sie Berührungspunkte feststellen. Ein Miteinander statt Gegeneinander, auch wenn unterschiedliche Meinungen und Gegensätze vorhanden sind – Das wünsche ich mir von ganzem Herzen für 2022! Denn: Gräben in der Gesellschaft, wie sie sich 2021 auftaten, schaden dem Land und den Bewohnern. Es ist hier wie dort Achtung vor den Mitmenschen geboten, und seien ihre Meinungen noch so diametral verschieden. Für ein anständiges und friedliches Zusammenleben sind WIR alle gefordert – Miteinander statt Gegeneinander.

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Alternativ- und Künstlerschwingen

Text aus dem Buch: «Hosenlupf – eine freche Kulturgeschichte des Schwingens»; herausgegeben von Stephan Pörtner (2010)

Das Schwingen ist etwas Bodenständiges, Traditionelles und Unaufgeregtes. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hat es auch immer wieder Künstler, Schriftsteller und Musiker fasziniert. Sogar die Leute, die von der herkömmlichen schweizerischen Lebensweise vielleicht am weitesten entfernt sind, die Hausbesetzer, Punks und Alternativen liessen sich immer wieder vom Schwingen inspirieren. Was auf den ersten Blick erstaunen mag, ist bei näherem Hinsehen gar nicht so verwunderlich. Oft sahen diese Kreise im Schwingen einen Gegenentwurf zur oberflächlichen, städtischen Glitzerwelt, in der sie lebten. Die Fairness und Zusammengehörigkeit der Schwingerfamilie, das Ablehnen von Kommerz und Stars, damit konnte man sich identifizieren. 

Im Buch «Hosenlupf – eine freche Kulturgeschichte des Schwingens» findet sich Ungewohntes, wenig Bekanntes oder sogar Freches rund um den Schwingsport

Das erste alternative Schwingfest

Eines der ersten, wenn nicht das erste alternative Schwingfest fand Anfang der Achtzigerjahre in Wolfenschiessen statt. Martin Hess, der spätere Manager von Stephan Eicher, lud damals zum Künstlerschwinget. Mit dabei war eine Menge vor allem Zürcher Kulturschaffender mit Anhang, darunter auch Beat Schlatter. Geschwungen wurde auf einem Hof in idyllischer Umgebung. Wer gewonnen hat, ist nicht mehr zu eruieren, wahrscheinlich war es auch nicht so wichtig.

Unentwegte an Schwingfesten

Es gab auch während der Achtzigerjahre Unentwegte, die sich mit Lederjacken und in Pogostiefeln an Schwingfeste wagten, wo sie ziemlich misstrauisch beäugt und gebeten wurden, ihre Bierdeckel nicht herumzuspicken (damals hatte die 0,58cl Flasche einen Plastikverschluss, den der geübte Trinker beim Öffnen mit lautem «Plopp» mehrere Meter weit wegfliegen lassen konnte). 

Schwinget im Café Boy

In Zürich gab es das Café Boy, das ein beliebter Treffpunkt wurde. Im Keller war ein schöner Raum, der genutzt werden sollte. Er wurde «U-Boy» genannt, und weil die Nachbarn heikel waren, durften dort nur frühe Konzerte oder Veranstaltungen stattfinden, die keinen Lärm machten. Eines Tages kam jemand auf die Idee, ein Schwinget zu veranstalten. Der Boden wurde mit Sägemehl ausgelegt, mitmachen durfte, wer wollte, Schwünge und Regeln waren nicht wirklich bekannt. Aber es machte Spass. Wenn man schon keine richtigen Schwinger kannte, so kannte man doch ein paar Älpler. Viele Städter arbeiteten irgendwann einmal auf einer Alp, mit Kühen, Rindern oder Schafen, weil es zu der Zeit schwierig geworden war, Einheimische für die schlechtbezahlte Arbeit zu finden. Einige kamen aber vom Land und hatten als Jugendliche geschwungen (oder behaupteten es zumindest). Sie fungierten als Trainer und Schiedsrichter.

Das erste Kanzleischwinget

Wenig später fand im Kanzleizentrum, das damals noch nicht bloss aus einer Disco bestand, sondern allerlei Veranstaltungen beherbergte, darunter auch ein Badmintonturnier, das erste Kanzleischwinget statt. in der Turnhalle wurde ein richtiger Sägemehlring aufgebaut, ein Speakertisch, alles, was dazugehört. Natürlich gab es Frauen- und Männerkategorien, zu gewinnen war eine Sau. Schwierig war vor allem, jemanden zu finden, der das Frauenschwinget leitete, die Berührungsängste waren damals noch gross. Schliesslich stellte sich jemand vom traditionell eher linksgerichteten Turnerverein Satus als Schiedsrichter zur Verfügung. Das Kanzleischwinget wurde zweimal durchgeführt. 

Kein Bedarf nach alternativer Schwingerszene

Unterdessen sind sowohl das Schwingen wie die Alternativkultur im Mainstream angekommen und sich nur schon dadurch nähergekommen. Bedarf nach einer alternativen Schwingerszene gibt es nicht. Trotzdem gab es vor ein paar Jahren noch ein Schwinget in einem besetzten Haus in Zürich, anlässlich eines Festes zum Thema Bauern. Ausserdem wird gemunkelt, trendige Zürcher bastelten an der Gründung einer „Urban-Schwinging“- oder „Swiss-Style-City-Wrestling“-Veranstaltung.

Zitat aus: 50 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband, 1895-1945 (1945)

«Recht angenehm fiel in dieser Ausstellung auf, wie wieder mehr und mehr sich die Kunst mit dem Schwingen beschäftigt. Das ist aber auch nicht verwunderlich; denn nirgends kommt die menschliche Körperform kraft- und bewegungsvoller zur Geltung. Das zeigen uns namentlich die Schwingerstatuen von Hugo Siegwart, Luzern, von J. Schwyzer, Zürich und von Brandenberger, Zug und schon von Alb. Kerns (1840), sodann die Gemälde von Giron und Hodler, die sich anreihten an die zahlreichen Bilder früherer Künstler wie Freudenberg, Köing, Levy, Frau Vigée-Lebrun u.a. All das machte sich augenscheinlich auch geltend in den Festplakaten, deren künstlerische Gestaltung entschieden gewonnen hat.»

feldwaldwiesenblogger

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