Wie geht es eigentlich dem Berner Eidgenossen Michael Wiget? Er sagt: «Schön wäre, am ESAF in Pratteln dabei sein zu können. Es ist der Wunsch und das Ziel.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Michael Wiget, der Neueidgenosse von Zug, ist ein Phänomen. 2019 startete er praktisch aus dem Nichts durch und krönte seine hervorragende Saison mit dem Eidgenössischen Kranz. Letztes Jahr musste der 11-fache Kranzschwinger die Saison noch während dem Schwarzsee-Schwinget verletzungsbedingt abbrechen. Die Karriere des Berners mit Innerschweizer Wurzeln wurde leider schon immer begleitet von Verletzungen. Gerade jetzt kämpft sich Michael nach einer grösseren Verletzung wieder zurück.

Michael Wiget mit dem Schwägalp-Kranz 2021

Bild: michaelwiget.ch

Der Aufsteiger der Saison 2019

Der Schreibende stellte den Jura-Studenten am 7. Juni 2019 im Beitrag «Nachgefragt bei Michael Wiget, dem grossen Berner Talent» näher vor. Darin kann nochmals nachvollzogen werden, welch grossen Schritt Michael in jener Saison tat, und was für eine Verletzungsgeschichte der mittlerweile 23-Jährige hinter sich hat. Auf einmal hielt der in Wünnewil FR wohnende Schwinger mit den Besten mit, gewann acht Kränze und stand beim Mittelländischen Schwingfest und beim Weissenstein-Schwinget im Schlussgang. Nach der Krönung zum Eidgenossen durfte man ihn anerkennend zum Aufsteiger der Saison ernennen. 

2021: Nach starken Leistungen Verletzung am Hamstring zugezogen

Nach dem Pandemie-Jahr 2020 konnte letztes Jahr endlich wieder geschwungen werden. Auch 2021 zeigte Michael starke Leistungen: Es resultierten der Kranz am Bernisch-Kantonalschwingfest in Aarberg und als Saisonhöhepunkt der Schlussgang-Einzug sowie der Kranz auf der Schwägalp. Und am Schwarzsee-Schwinget führte der vierfache Bergkranzer zur Mittagspause das Klassement an, musste den Wettkampf aber wegen einer neuerlichen Verletzung aufgeben. Michael blickt zurück: «Am Anfang des dritten Ganges riss ich mir im hinteren Oberschenkelmuskel (Hamstring) diverse Sehnen und Muskeln.»

Schleimbeutel-Entzündung

Michael trat bereits angeschlagen am Schwarzsee an. Denn: Ein entzündeter Schleimbeutel im Knie machte sich seit dem Frühling bemerkbar und liess in der Folge weder geordnetes Schwingtraining noch Schwingfeste zu. Der 196 Zentimeter grosse und 114 Kilogramm schwere Athlet absolvierte im Winter 2020/2021 ohne gesundheitliche Probleme die Spitzensport-RS in Magglingen. Durch die zunehmende Belastung im Schwing-Training begannen die Probleme mit dem Schleimbeutel. Michael entschied sich im Frühsommer, eine Pause einzulegen und sich behandeln zu lassen. Eine Operation kam nicht in Frage, denn so wäre die Saison gleich ganz vorbei gewesen. Es trat denn glücklicherweise auch eine Besserung ein und diese liess wieder eine Teilnahme an Schwingfesten zu. So startete das Mitglied vom Schwingklub Laupen und Umgebung am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in die Saison. Er hatte überdies alle Hebel in Bewegung gesetzt, um am Kilchberger-Schwinget dabei sein zu können. Dieser Traum wurde aber beim Schwarzsee-Schwinget jäh zerstört.

Freude pur nach dem gewonnenen Eidgenössischen Kranz 2019 in Zug

Bild: michaelwiget.ch

Positiver Rückblick

Michael sagt rückblickend zur 2021er-Saison: «Ich habe ohne Training die Schwingfeste bestritten und es war umso schöner, dass es so gut gelaufen ist. Unter Anbetracht der Umstände bin ich mit der Saison sehr zufrieden, und es hätte alles gepasst auf den Saisonhöhepunkt hin. Es hat mir aufgezeigt, dass der Weg stimmte. Es ist einfach schade, dass der Körper nicht mitgemacht hat. Die Verletzung am Oberschenkel zwei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt war sehr ärgerlich. Diese hatte überdies rein gar nichts mit dem entzündeten Schleimbeutel zu tun.»

Aufbau in Magglingen

Auf die Frage wie es ihm momentan gehe, erklärt Michael: «Ich bin auf dem Weg der Besserung. Die nötige Operation am Hamstring war ein grosser Eingriff und die Heilung verlief nach Plan. Nach dem Eingriff durfte ich während sechs Wochen nur liegen oder stehen. Sitzen war nicht möglich. So hatte ich viel Zeit für mein Studium, welches sehr zeitaufwendig ist. Zudem habe ich mit Kollegen den einen oder anderen Ausflug gemacht.» Momentan befindet sich der Sennenschwinger in Magglingen, wo er sich dem körperlichen Aufbau widmet. Michael hat sich so organisiert, dass er zudem sein Jura-Studium von Magglingen aus betreiben kann. Er ist dankbar für diese Chance. Weiter kann der zweifache Teilverbandskranzer dort auf die Unterstützung von verschiedenen Trainern zählen, einer davon ist der Schwingerkönig Matthias Glarner. «Ich werde in Magglingen gut betreut», ergänzt der Wünnewiler.

Optimistisch und zuversichtlich

Michael arbeitete in einem ersten Schritt zusammen mit der Physiotherapie an der Stabilität, damit er die Muskeln und die Sehnen am geflickten Hamstring wieder richtig belasten kann. Momentan geht es fliessend über zu den Grundübungen für den rekonvaleszenten Körper. Der vierfache Gaukranzer meint: «Ich bin optimistisch, wie es grad läuft. Es braucht aber seine Zeit, bis ich wieder dort bin, wo ich hinmöchte. Diese Zeit nehme ich mir, und ich höre auf meinen Körper. Es ist zudem wichtig, dass man auch lernt mit so einer Situation umzugehen.» Michael kennt wegen seiner Verletzungsgeschichte solch schwierige Situationen leider zur Genüge. Er ist aber zuversichtlich, dass er voraussichtlich im Mai den Schritt zurück ins Sägemehl wagen darf.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Bild: michaelwiget.ch

In guter schwingerischer Gesellschaft in Magglingen

Da über den Winter verschiedene Spitzenschwinger Sport-WK’s in Magglingen absolvieren, ist der Berner Mittelländer nun dort in guter schwingerischer Gesellschaft. Das Sägemehl-Training kann er aber frühestens im Frühling wieder aufnehmen. Michael erläutert: «Wann ich wieder schwingen kann, ist schwierig zu sagen. Es kommt zudem auch auf mein Knie an. Der Schleimbeutel ist in der derzeitigen Situation aber kein Thema. Weiter hängt es vom Aufbau der Muskulatur ab und unter dem Vorbehalt, dass dies mein Körper zulässt. Ich verwende nun meine Energie für den gezielten Aufbau, nehme mir die nötige Zeit und lasse mich nicht stressen.»

Leidenschaft Schwingen

Michael hat es sehr bedauert, dass er nicht am Kilchberger Schwinget dabei sein konnte. Das Schwingen ist seine grosse Leidenschaft, und es ist das, was er am liebsten macht. Früher oder später möchte er wieder seiner Leidenschaft nachgehen. Angesichts der Umstände ist ihm aber bewusst, dass er derzeit einfach die nötige Geduld aufbringen muss. Der Sieger vom Worblentaler Hallenschwinget 2019 führt weiter aus: «Ich weiss, dass es seine Zeit braucht. Schön wäre, am ESAF in Pratteln dabei sein zu können. Vielleicht kann ich schon im Sommer wieder Schwingfeste bestreiten. Es ist der Wunsch und das Ziel. Es ist aber momentan zu früh, um beurteilen zu können, ob es reichen wird. Das Ganze hängt von vielen Faktoren ab. Ich habe zudem aus den gemachten Fehlern von letztem Jahr gelernt.» Der Schreibende wünscht Michael alles Gute auf dem Weg zurück und hofft zusammen mit der ganzen Schwinger-Schweiz, dass der Berner bald wieder schwingen kann.

feldwaldwiesenblogger

Wie geht es eigentlich dem Freiburger Eidgenossen Lario Kramer? Er sagt: «Es braucht noch einen Moment, bis ich wieder das volle Vertrauen in mein Knie habe.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Lario Kramer, der Neueidgenosse von Zug, bestritt den grössten Teil der letztjährigen Saison. Anfangs September zog sich der Freiburger aber eine Verletzung im Training zu. Die Fortsetzung der Saison war hernach leider gelaufen, und der Traum einer Teilnahme am Kilchberger Schwinget geplatzt.

Lario Kramer ist seit dem ESAF 2019 in Zug Eidgenosse

Bild: Lario Kramer

Bis zur Verletzung starke 2021er-Saison

Lario startete sehr gut in die Saison. Gleich zu Beginn setzte er mit Rang 3e am Stoos-Schwinget in Ibach SZ eine Duftmarke. Eine Woche später sicherte sich der Stoos-Sieger von 2018 an gleicher Stelle am «Innerschweizerischen» mit Platz 2a eine weitere Spitzenklassierung. Es folgte das eigene Teilverbandsfest in der Südwestschweiz, an welchem Lario erst im Schlussgang gebremst wurde. Dies von niemand geringerem als seinem Kumpel und Trainingskameraden Remo Käser. Es schaute Rang 5a heraus. Mitte August fuhr das Mitglied vom Schwingklub Kerzers auf der Schwägalp einen weiteren Spitzenplatz ein: Rang 3e. Und eine Woche später holte sich Lario am Freiburger Kantonalen bereits den fünften Saisonkranz (Rang 3). Bis zur Verletzung zeigte der in Galmiz FR wohnende Sennenschwinger eine hervorragende Saison und unterstrich mit dem Gewinn von Eichenlaub beim Stoos-Schwinget, ISAF und Schwägalp-Schwinget seine grossartige Form. Mehr noch: Lario etablierte sich so zum Team-Leader der Südwestschweizer.

Lario Kramer am Fusse des grossen Mythen mit dem gewonnenen Stoos-Kranz

Bild: Lario Kramer (Facebook)

Verletzung zwei Tage vor dem Schwarzsee-Schwinget

Der 23-Jährige hat sich mittlerweile gut von der Verletzung erholt und befindet sich inmitten der Vorbereitung auf die neue Saison. Wir blenden zurück: Am 3. September, zwei Tage vor dem Schwarzsee-Schwinget, passierte es. Der 186 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet zog sich im Training im rechten Knie eine fatale Aussenband-Verletzung zu. Lario sagt dazu: «Es war in jenem Training, an welchem ich mir ein gutes Gefühl für den Schwarzsee-Schwinget holen wollte.» Daraus wurde leider nichts. Es folgte eine Operation, an welchem dem 31-fachen Kranzschwinger der Meniskus genäht wurde. Die Verletzung am Aussenband wurde konservativ behandelt. Lario musste während sechs Wochen eine Schiene tragen. Dank dieser konnte er zwar laufen, an geordnetes Training war aber nicht zu denken. Angesagt war dreimal die Woche Physiotherapie. Den Oberkörper durfte der gelernte Gemüsegärtner in dieser Zeit so gut es ging mit entsprechenden Übungen und Geräten trainieren. Die Heilung verlief glücklicherweise nach Plan. Nach sechs Wochen kam die Schiene weg, und Lario durfte mit dem operierten Knie gezielt Bewegungen und Übungen machen. 

Schwierige Zeit

Nach der Verletzung sind nun vier Monate vergangen. Lario ergänzt: «Es war eine mühsame Zeit, und ich war mich das bis anhin nicht gewohnt. Denn: Es war die bisher gravierendste Verletzung in meiner Karriere. Momentan fehlt mir noch ein wenig die Mobilität.» Der siebenfache Teilverbandskranzer hat in dieser für ihn nicht einfachen Zeit viel mit seinem engsten Umfeld, der Familie und seinen Kollegen, unternommen. «Mit Leuten, die mir guttun», wie er sagt. Gedanken wie «Warum passierte das ausgerechnet mir?» gingen dem zweifachen Kranzfestsieger kurz nach der Verletzung durch den Kopf. Lario führt weiter aus: «Bis zur Operation war es für mich am schlimmsten. In dieser Zeit hätte ich den Kopf am liebsten in den Sand gesteckt. Als ich dann nach der Operation das Spital verlassen durfte, ging es bergauf. Ich wusste, dass es nur noch besser werden konnte. Mit meinen Trainern und der Physiotherapie haben wir das Bestmögliche unternommen. Ich habe versucht, laufend zu steigern und freute mich an den kleinen Fortschritten. Das hat mir von Anfang an den Druck genommen. Mir war bewusst, dass es seine Zeit braucht, bis das ganze verheilt ist.»

Am Schwägalp-Schwinget bezwang Lario Kramer im dritten Gang den Thurgauer Domenic Schneider

Bild: Barbara Loosli

Wettkampfmässiges Schwingtraining ist wieder möglich

Lario kann nun wieder normal trainieren. Pro Woche absolviert er drei Schwingtrainings, zwei Krafttrainings und weitere Einheiten für die Kondition. Just in dieser Woche durfte der Südwestschweizer wieder mit wettkampfmässigem Schwingtraining beginnen. Er sagt dazu: «Es braucht noch einen Moment, bis ich wieder das volle Vertrauen in mein Knie habe.» Lario arbeitet derzeit in einem 80 Prozent Pensum beim Familienbetrieb in Galmiz. Im letzten Sommer schloss er ein Zusatzstudium zum Agrokaufmann ab. Im Hinblick auf die bevorstehende Saison und genügend Erholung will der sechsfache Bergkranzer dieses Pensum beibehalten. Von Dezember bis März ist Lario überdies etappenweise während insgesamt sechs Wochen in Magglingen, und absolviert dort den Spitzensport-WK. Unter der Leitung von Schwingerkönig Matthias Glarner benutzt er die Möglichkeit, zusammen mit anderen Spitzenschwingern zu trainieren.

Das Ziel ist, beim Start in die Kranzfestsaison parat zu sein

Lario sagt: «Wenn alles gut läuft, kann ich im Frühling als Vorbereitung an Rangschwingfesten teilnehmen. Das Ziel ist, dass ich spätestens zum Start in die Kranzfestsaison wieder zu 100 Prozent parat bin.» Wie eingangs erwähnt, zeigte der Sieger vom Walliser Kantonalen 2019 bis zur Verletzung eine hervorragende Saison. Rückblickend meint er dazu: «Ich habe eine solide Leistung gezeigt und eine gewisse Konstanz an den Tag gelegt. Ich habe zudem weniger Kämpfe verloren, manchmal auch den einen oder anderen Gang gestellt. Schade war, dass mir ein Festsieg verwehrt blieb. Das wäre eine zusätzliche Motivation gewesen.» Lario hat es ziemlich gefuchst, dass er sich so kurz vor dem Heimbergfest am Schwarzsee und ein paar Wochen vor dem Kilchberger Schwinget verletzt hat. «Es war schon nicht einfach, diese beiden Feste zu verpassen. Vor allem auch, da 2020 kaum Schwingfeste stattfanden. Aber diese Situation war ja für alle gleich. Nun freue ich mich riesig auf die neue Saison», ergänzt der Neueidgenosse von Zug zum Abschluss.

feldwaldwiesenblogger

Wie geht es eigentlich dem Schwyzer Eidgenossen Michael Gwerder? Er sagt: «Ans Schwingen darf ich noch gar nicht denken.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Verletzungshexe hatte letzte Saison die Innerschweizer in starkem Masse heimgesucht. Überdurchschnittlich viele Schwinger zogen sich Verletzungen zu, einige davon schwere. Der Schwyzer Michael Gwerder ist einer davon. In der Saison 2019 ging sein Stern so richtig auf, und das i-Tüpfelchen auf einer erfolgreichen Saison war der Eidgenössische Kranz am ESAF in Zug. 

Michael Gwerder als frischgebackener Eidgenosse

Bild: isv.ch

Hoffnungsvoll in die 2021er-Saison gestartet

Der gelernte Maurer startete hoffnungsvoll in die 2021er-Saison, gewann den Abendschwinget Weggis und wurde Zweiter am UKSV Rangschwinget (Ü20) in Schattdorf. Mit zwei tollen Resultaten im Gepäck startete der inzwischen 21-Jährige am 26. Juni am Stoos-Schwinget in Ibach. Dort reüssierte Michael sofort und bezwang im ersten Gang den späteren Kilchberg-Sieger Fabian Staudenmann. Im zweiten Gang zog Johann Borcard den Kürzeren, ehe im dritten Gang gegen Raphael Arnold ein «Gestellter» folgte. Für den vierten Gang wurde dem Brunner Matthias Aeschbacher zugeteilt. Der Kampf ging verloren, aber nicht nur das: Michael zog sich dabei eine schwere Knie-Verletzung zu. Seit diesem Unfall sind nun mehr als sechs Monate vergangen. Der Schwinger-Blog fragte deshalb beim Schwyzer Eidgenossen nach, und wollte wissen, wie es ihm geht.

Porträt im Schwinger-Blog

Der Schwinger-Blog widmete sich am 27. Dezember 2018 Michael und verfasste ein Porträt über den talentierten Schwinger. Der Neueidgenosse von Zug ist eine grosse Nachwuchshoffnung der Innerschweizer. Mit den drei Bergkränzen vor dem ESAF und eben diesem Eidgenössischen Kranz hievte sich der bärenstarke Modellathlet bereits als 19-Jähriger zum Spitzenschwinger und Leistungsträger empor. Von den Verantwortlichen des Innerschweizer Verbandes bis hin zu den Schwingerfreunden würden sich alle freuen, wenn der ruhige und bescheidene Sennenschwinger möglichst bald wieder seinen unwiderstehlichen «Kurz» auf den Schwingplätzen anwenden kann.

Michael Gwerder gewann 2021 beim Abendschwinget Weggis sein erstes Schwingfest als Aktiver

Bild: esv.ch

Operation am rechten Knie

Auf die Frage wie es ihm gehe, meint Michael: «Den Umständen entsprechend geht es mir gut. Voraussichtlich ab Februar kann ich wieder zu 50 Prozent meinem Beruf als Maurer nachgehen. Für diesen Job braucht’s Muskeln und das Vertrauen in den Körper. Zum Glück steht mein Chef zu 100 Prozent hinter mir.» Dann holt der in Ingenbohl wohnhafte Schwinger etwas aus, und erzählt von seiner Verletzungsgeschichte. Am Stoos-Schwinget passierte es im vierten Gang im Kampf mit Matthias Aeschbacher. Michael hörte ein Knacken, und bekam etwas später die Diagnose: Im rechten Knie riss das vordere Kreuzband, der Meniskus kam zu Schaden und das Aussenband wurde auch in Mitleidenschaft gezogen. Die nötige Operation, welche im Juli im St. Anna in Meggen vorgenommen wurde, verlief gut. Geflickt wurden dabei das Kreuzband und der Meniskus. Das Aussenband behandelte man konservativ.

Starke Schwellung am operierten Knie

Das operierte Knie von Michael war nach der Operation stark geschwollen. Die Schwellung klang auch nach acht Wochen noch nicht ab. In der Physiotherapie wurde alles versucht, zur Anwendung kamen auch Lymphdrainage und Elektrotherapie. Der dreifache Bergkranzer hielt sich an die Vorgaben und übertrieb es keineswegs mit überforcierten Übungen. «Ich ging drei- bis viermal pro Woche zur Physiotherapie, machte die mir aufgetragenen Übungen und lagerte für einen optimalen Heilungsprozess das Bein hoch», ergänzt der 12-fache Kranzschwinger. Die Therapeuten konnten sich das Verhalten seines Knies auch nicht erklären. Der Arzt versuchte die Schwellung mit einer Spitze zu punktieren und die darunter gebildeten Eiweissklumpen herauszuziehen, ohne Erfolg. Eine erneute Operation war nötig. Dabei wurden die Klumpen herausgespült. Zudem wurde untersucht, ob ein Infekt vorlag. Das war glücklicherweise nicht der Fall. Nach diesem Eingriff ging es Michael’s Knie eine Woche gut. Dann bildete sich wieder eine Schwellung. 

Vier Monate an Krücken gelaufen

Beim erneuten Gang zum Arzt erklärte dieser Michael, dass das Kreuzband gut am Verheilen sei. Die Reaktion seines Körpers sei aber ein Extremfall. Eine weitere Säuberung des Knies würde nichts bringen. Gefragt seien Geduld und das Weiterführen der bisherigen Therapiemassnahmen. Diese wurden mit dem Auftragen von «Kabiswickel» und «Munggensalbe» ergänzt. So nach und nach trat eine Besserung im geschwollenen Knie ein. Michael erläutert: «Ende November war dann die Schwellung endlich abgeklungen. Ich durfte mein Bein wieder trainieren. Vermutlich wegen Überbelastung schwoll das Knie leider wieder an. Dies warf mich drei Wochen zurück.» Im Verlauf des Dezembers ging es aber endlich aufwärts. Insgesamt lief der «Mythenverbändler» vier Monate an Krücken, und ist aktuell daran, die zurückgebildete Muskulatur mittels Physiotherapie wieder aufzubauen. Er ist zudem dabei, wieder richtig laufen zu lernen. Michael ist bewusst, dass er gut auf seinen Körper hören muss, und gestaltet dementsprechend auch sein Training. «Ich habe immer versucht, aktiv zu bleiben, damit ich nicht einroste. Den Oberkörper habe ich so gut es ging trainiert. Im Sitzen habe ich Krafttraining für meine Schultern und meine Arme absolviert», schliesst der 100 Kilogramm schwere und 188 Zentimeter grosse Athlet dieses Kapitel ab.

Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Michael Gwerder sagt: «Es ist ein Lernprozess, welchen ich momentan beschreite. Das ist neu für mich. Ebenso der Umgang nach einer schweren Verletzung.»

Bild: esv.ch

Motivation durch Gespräche mit anderen Schwingern

Michael erzählt, dass ihm Gespräche mit Schwingern, welche ebenfalls wegen Knieverletzungen länger pausieren mussten, geholfen haben. Der Maurer ergänzt: «Ich habe mit Pirmin Reichmuth, Christian Schuler, Philipp Laimbacher und Dario Gwerder gesprochen. Sie hatten teilweise ähnliche Verletzungen. Sie erzählten mir von ihren gemachten Erfahrungen während Verletzungen und anschliessender Rehabilitation. Das war sehr hilfreich und zugleich motivierend.»

«Ans Schwingen darf ich noch gar nicht denken»

Mit gezieltem Aufbautraining versucht Michael nun, die Muskulatur ums Knie wieder aufzubauen und dieses gut zu trainieren. Nach einem Plan macht er Übungen für sein Bein und das Knie. Der Kurzzüger erklärt: «Ich nehme Tag um Tag, manchmal geht’s besser, manchmal weniger gut. Anhand der Fortschritte wird entschieden, wie es weitergeht. Ich habe gelernt, dass jeder Körper anders reagiert. Und: Ich darf mich auch nicht mit anderen Schwingern vergleichen. Ich muss auf meinen Körper hören, und wie er reagiert. Es ist ein Lernprozess, welchen ich momentan beschreite. Das ist neu für mich. Ebenso der Umgang nach einer schweren Verletzung.» Dem Neueidgenossen ist bewusst, dass der Heilungsprozess nach einem Kreuzbandriss neun bis zwölf Monate dauert. Da ihn eine starke Schwellung längere Zeit daran hinderte mit gezieltem Aufbautraining zu beginnen, kann Michael derzeit nicht einschätzen, wann er wieder das Schwingtraining aufnehmen darf. Abschliessend meinte er: «Ans Schwingen darf ich noch gar nicht denken.» Der Schreibende wünscht dem jungen Schwyzer einen guten Heilungsprozess, einen sauberen Aufbau und eine erfolgreiche Rückkehr ins Sägemehl!

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