Wie geht es eigentlich dem Schwyzer Eidgenossen Michael Gwerder? Er sagt: «Ans Schwingen darf ich noch gar nicht denken.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Verletzungshexe hatte letzte Saison die Innerschweizer in starkem Masse heimgesucht. Überdurchschnittlich viele Schwinger zogen sich Verletzungen zu, einige davon schwere. Der Schwyzer Michael Gwerder ist einer davon. In der Saison 2019 ging sein Stern so richtig auf, und das i-Tüpfelchen auf einer erfolgreichen Saison war der Eidgenössische Kranz am ESAF in Zug. 

Michael Gwerder als frischgebackener Eidgenosse

Bild: isv.ch

Hoffnungsvoll in die 2021er-Saison gestartet

Der gelernte Maurer startete hoffnungsvoll in die 2021er-Saison, gewann den Abendschwinget Weggis und wurde Zweiter am UKSV Rangschwinget (Ü20) in Schattdorf. Mit zwei tollen Resultaten im Gepäck startete der inzwischen 21-Jährige am 26. Juni am Stoos-Schwinget in Ibach. Dort reüssierte Michael sofort und bezwang im ersten Gang den späteren Kilchberg-Sieger Fabian Staudenmann. Im zweiten Gang zog Johann Borcard den Kürzeren, ehe im dritten Gang gegen Raphael Arnold ein «Gestellter» folgte. Für den vierten Gang wurde dem Brunner Matthias Aeschbacher zugeteilt. Der Kampf ging verloren, aber nicht nur das: Michael zog sich dabei eine schwere Knie-Verletzung zu. Seit diesem Unfall sind nun mehr als sechs Monate vergangen. Der Schwinger-Blog fragte deshalb beim Schwyzer Eidgenossen nach, und wollte wissen, wie es ihm geht.

Porträt im Schwinger-Blog

Der Schwinger-Blog widmete sich am 27. Dezember 2018 Michael und verfasste ein Porträt über den talentierten Schwinger. Der Neueidgenosse von Zug ist eine grosse Nachwuchshoffnung der Innerschweizer. Mit den drei Bergkränzen vor dem ESAF und eben diesem Eidgenössischen Kranz hievte sich der bärenstarke Modellathlet bereits als 19-Jähriger zum Spitzenschwinger und Leistungsträger empor. Von den Verantwortlichen des Innerschweizer Verbandes bis hin zu den Schwingerfreunden würden sich alle freuen, wenn der ruhige und bescheidene Sennenschwinger möglichst bald wieder seinen unwiderstehlichen «Kurz» auf den Schwingplätzen anwenden kann.

Michael Gwerder gewann 2021 beim Abendschwinget Weggis sein erstes Schwingfest als Aktiver

Bild: esv.ch

Operation am rechten Knie

Auf die Frage wie es ihm gehe, meint Michael: «Den Umständen entsprechend geht es mir gut. Voraussichtlich ab Februar kann ich wieder zu 50 Prozent meinem Beruf als Maurer nachgehen. Für diesen Job braucht’s Muskeln und das Vertrauen in den Körper. Zum Glück steht mein Chef zu 100 Prozent hinter mir.» Dann holt der in Ingenbohl wohnhafte Schwinger etwas aus, und erzählt von seiner Verletzungsgeschichte. Am Stoos-Schwinget passierte es im vierten Gang im Kampf mit Matthias Aeschbacher. Michael hörte ein Knacken, und bekam etwas später die Diagnose: Im rechten Knie riss das vordere Kreuzband, der Meniskus kam zu Schaden und das Aussenband wurde auch in Mitleidenschaft gezogen. Die nötige Operation, welche im Juli im St. Anna in Meggen vorgenommen wurde, verlief gut. Geflickt wurden dabei das Kreuzband und der Meniskus. Das Aussenband behandelte man konservativ.

Starke Schwellung am operierten Knie

Das operierte Knie von Michael war nach der Operation stark geschwollen. Die Schwellung klang auch nach acht Wochen noch nicht ab. In der Physiotherapie wurde alles versucht, zur Anwendung kamen auch Lymphdrainage und Elektrotherapie. Der dreifache Bergkranzer hielt sich an die Vorgaben und übertrieb es keineswegs mit überforcierten Übungen. «Ich ging drei- bis viermal pro Woche zur Physiotherapie, machte die mir aufgetragenen Übungen und lagerte für einen optimalen Heilungsprozess das Bein hoch», ergänzt der 12-fache Kranzschwinger. Die Therapeuten konnten sich das Verhalten seines Knies auch nicht erklären. Der Arzt versuchte die Schwellung mit einer Spitze zu punktieren und die darunter gebildeten Eiweissklumpen herauszuziehen, ohne Erfolg. Eine erneute Operation war nötig. Dabei wurden die Klumpen herausgespült. Zudem wurde untersucht, ob ein Infekt vorlag. Das war glücklicherweise nicht der Fall. Nach diesem Eingriff ging es Michael’s Knie eine Woche gut. Dann bildete sich wieder eine Schwellung. 

Vier Monate an Krücken gelaufen

Beim erneuten Gang zum Arzt erklärte dieser Michael, dass das Kreuzband gut am Verheilen sei. Die Reaktion seines Körpers sei aber ein Extremfall. Eine weitere Säuberung des Knies würde nichts bringen. Gefragt seien Geduld und das Weiterführen der bisherigen Therapiemassnahmen. Diese wurden mit dem Auftragen von «Kabiswickel» und «Munggensalbe» ergänzt. So nach und nach trat eine Besserung im geschwollenen Knie ein. Michael erläutert: «Ende November war dann die Schwellung endlich abgeklungen. Ich durfte mein Bein wieder trainieren. Vermutlich wegen Überbelastung schwoll das Knie leider wieder an. Dies warf mich drei Wochen zurück.» Im Verlauf des Dezembers ging es aber endlich aufwärts. Insgesamt lief der «Mythenverbändler» vier Monate an Krücken, und ist aktuell daran, die zurückgebildete Muskulatur mittels Physiotherapie wieder aufzubauen. Er ist zudem dabei, wieder richtig laufen zu lernen. Michael ist bewusst, dass er gut auf seinen Körper hören muss, und gestaltet dementsprechend auch sein Training. «Ich habe immer versucht, aktiv zu bleiben, damit ich nicht einroste. Den Oberkörper habe ich so gut es ging trainiert. Im Sitzen habe ich Krafttraining für meine Schultern und meine Arme absolviert», schliesst der 100 Kilogramm schwere und 188 Zentimeter grosse Athlet dieses Kapitel ab.

Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Michael Gwerder sagt: «Es ist ein Lernprozess, welchen ich momentan beschreite. Das ist neu für mich. Ebenso der Umgang nach einer schweren Verletzung.»

Bild: esv.ch

Motivation durch Gespräche mit anderen Schwingern

Michael erzählt, dass ihm Gespräche mit Schwingern, welche ebenfalls wegen Knieverletzungen länger pausieren mussten, geholfen haben. Der Maurer ergänzt: «Ich habe mit Pirmin Reichmuth, Christian Schuler, Philipp Laimbacher und Dario Gwerder gesprochen. Sie hatten teilweise ähnliche Verletzungen. Sie erzählten mir von ihren gemachten Erfahrungen während Verletzungen und anschliessender Rehabilitation. Das war sehr hilfreich und zugleich motivierend.»

«Ans Schwingen darf ich noch gar nicht denken»

Mit gezieltem Aufbautraining versucht Michael nun, die Muskulatur ums Knie wieder aufzubauen und dieses gut zu trainieren. Nach einem Plan macht er Übungen für sein Bein und das Knie. Der Kurzzüger erklärt: «Ich nehme Tag um Tag, manchmal geht’s besser, manchmal weniger gut. Anhand der Fortschritte wird entschieden, wie es weitergeht. Ich habe gelernt, dass jeder Körper anders reagiert. Und: Ich darf mich auch nicht mit anderen Schwingern vergleichen. Ich muss auf meinen Körper hören, und wie er reagiert. Es ist ein Lernprozess, welchen ich momentan beschreite. Das ist neu für mich. Ebenso der Umgang nach einer schweren Verletzung.» Dem Neueidgenossen ist bewusst, dass der Heilungsprozess nach einem Kreuzbandriss neun bis zwölf Monate dauert. Da ihn eine starke Schwellung längere Zeit daran hinderte mit gezieltem Aufbautraining zu beginnen, kann Michael derzeit nicht einschätzen, wann er wieder das Schwingtraining aufnehmen darf. Abschliessend meinte er: «Ans Schwingen darf ich noch gar nicht denken.» Der Schreibende wünscht dem jungen Schwyzer einen guten Heilungsprozess, einen sauberen Aufbau und eine erfolgreiche Rückkehr ins Sägemehl!

feldwaldwiesenblogger

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