Stefan Burkhalter startet an diesem Wochenende am Hallenschwinget Untervaz in seine 33. Saison als Aktiver

Text: Schwinger-Blog

Den Thurgauer Stefan Burkhalter bezeichnen viele als Methusalem des Schwingsports. Kein Wunder, denn der in Homburg lebende Turnerschwinger wird am 1. Juni 48 Jahre jung. «Burki», wie ihn seine Fans nennen, startet morgen Samstag beim Hallenschwinget Untervaz in seine 33. Saison als Aktivschwinger. Vor einigen Jahren erzählte Stefan der Berner Zeitung, dass er die Gebresten wie vor 20 Jahren in Kauf nimmt und ergänzte: «Schwingen sei ein Kampfsport, kein Ballett.»

«Burki’s» optimistischer Blick in die neue Saison

Bild: esv.ch

109 Kränze auf dem Konto

Stefan’s letztjährige Saison verlief durchzogen. Ein einziger Kranz stand am Ende zu Buche. Auch beim Heim-Kantonalen, dem «Thurgauer», verpasste er den Kopfschmuck, allerdings nur knapp. Im Herbst, am Nordostschweizer Schwingfest in Mels, schlug der zweifache Eidgenosse allerdings zu, belegte den hervorragenden vierten Rang und gewann seinen 25. Teilverbandskranz. Stefan darf nun 109 Eichenlaub-Exemplare als sein Eigen nennen. Laut ESV-Statistik haben nur elf Schwinger mehr Kränze erschwungen. Und: Der vierfache Kranzfestsieger schraubte am «Nordostschweizer» den Rekord des ältesten Kranz-Gewinners nochmals nach oben. Dass auch diese Saison weitere Exemplare hinzukommen könnten, unterstrich der gelernte Landwirt mit seiner Leistung in Mels. An guten Tagen kann er immer noch vorne mithalten.

Gemeinsam mit Sohn Thomas am ESAF in Pratteln?

Letzte Saison liess der Agrar-Manager verlauten, dass Ende Jahr Schluss sei. Es folgte aber der Rücktritt vom Rücktritt und Stefan hängt nun eine weitere Saison an. Die Vermutung liegt nahe, dass Sohn Thomas verantwortlich ist für eine Verlängerung der Karriere. Der 18-Jährige tritt in Vaters Fussstapfen, und gehört seit letzter Saison (Kranzgewinn am Schaffhauser Kantonalen) auch zu den Kranzschwingern. Ein erklärtes Ziel des zweifachen Schwägalp-Siegers ist, gemeinsam am ESAF in Pratteln starten zu dürfen. Dieses Unterfangen dürfte dem engagierten Duo durchaus gelingen.

Gemeinsamer Start am Hallenschwinget Untervaz

Nach dem Wegfall der meisten Corona-Massnahmen steht nun einem Start in die neue Saison nichts mehr im Weg. Vater Stefan und Sohn Thomas packen denn auch die Gelegenheit und starten am Hallenschwinget in Untervaz gemeinsam in die neue Saison. Das Schwingfest in der nigelnagelneuen Schwinghalle Rüfeli ist ein Novum in der Agenda. Den Organisatoren vom Schwingklub Unterlandquart obliegt corona-bedingt zudem die Ehre, das erste Schwingfest des Jahres austragen zu dürfen. Vor dem Start in die Saison unterhielt sich der Schwinger-Blog mit Stefan, und hatte allerlei Fragen zu seiner Karriere aber auch zur aktuellen Gegenwart.

Vater und Sohn starten am Hallenschwinget Untervaz gemeinsam in die neue Saison

Bild: burkhalter.top

Wann hast du mit dem Schwingen begonnen?

«Ich ging an meinem 14. Geburtstag (Mittwoch, 1. Juni 1988) an mein erstes Schwingtraining als Jungschwinger. Zwei Jahre später wechselte ich zu den Aktiven. 1990 war die erste Saison als Aktivschwinger. 2022 wird die 33. Saison sein, das Corona-Jahr 2020 eingerechnet. In jenem Jahr startete ich immerhin am Berchtold-Schwinget.»

Was ist die Motivation eine weitere Saison anzuhängen?

«Es ist die pure Freude am Schwingen. Weiter auch die Freude, gemeinsam mit meinem Sohn Thomas die Saison in Angriff zu nehmen. Und natürlich ist da irgendwo im Hinterkopf das ESAF in Pratteln.»

Ist Ende dieser Saison wirklich Schluss?

«Diese Frage wird mir seit zehn Jahren gestellt. Nach dieser Saison ist aber wirklich Schluss. Ich habe keine Motivation, 2023 noch weiterzumachen.» 

Wie sind die Erinnerungen an deinen ersten Kranzgewinn?

«Das war am 1. Mai 1994 am Thurgauer Kantonalen in Nussbaumen. Ich war damals 20-jährig und steckte in der Rekrutenschule. In Uniform, mit dem Kranz auf dem Kopf und der gewonnenen Glocke in der Hand rückte ich am Abend wieder ein.»

Du hast mittlerweile 109 Kränze auf deinem Konto und gehörst somit einem illustren Kreis an. Zudem bist du der Rekordhalter im Thurgau. Was bedeuten dir diese Werte? 

«Dass ich Rekordhalter im Thurgau bin, bedeutet mir viel. Erst war es das Ziel, den 100. Kranz zu gewinnen. Als dies geschafft war, fasste ich den 103. Kranz ins Auge, überholte so den legendären Otto Brändli und bin nun alleiniger Rekordhalter im Thurgau. In nächster Zeit wird es im Kanton Thurgau keinen Schwinger geben, der nur in die Nähe dieses Wertes kommen könnte.»

Der Altmeister legt die Jungen immer noch auf den Rücken

Bild: Raphael Moser (Berner Zeitung)

Wie erklärst du dir, dass du trotz deiner 47 Jahre mit den teilweise deutlich jüngeren Schwingern mithalten kannst?

«Ich habe das grosse Glück und Geschenk, dass mein Körper mitmacht. Wenn der Körper nein sagt, dann ist Schluss. Ich kenne meinen Körper am besten und habe gelernt, gut auf ihn zu hören. Wenn es erforderlich ist, schalte ich dann und wann einen Tag mehr ein für die Regeneration.»

Wie lief das Wintertraining bisher?

«Das lief sehr gut, und ich konnte mein Training fast planmässig durchziehen. Bis auf eine kürzlich zugezogene Corona-Erkrankung, welche eine Woche Pause nach sich zog. Für gewöhnlich absolviere ich pro Woche zwei Schwingtrainings, zwei Crossfit-Einheiten und gehe viermal für Kraft und Kondition ins Fitness-Center.»

Fühlst du dich fit und bereit für das erste Schwingfest der Saison, den Hallenschwinget Untervaz?

«Ich bin bereit, fühle mich aber wegen der erwähnten Corona-Erkrankung nicht 100 Prozent fit. Wir schauen mal, was dabei rausschaut.»

Wie sehen deine Ambitionen für die Saison 2022 aus?

«Ich möchte noch einige Kränze gewinnen und gute Resultate zeigen. Das Ziel ist die Qualifikation für das ESAF in Pratteln. Im Vordergrund steht aber, dass ich gesund durch die Saison komme.»

Planst du zu deinem Karriere-Ende ein ganz spezielles Schwingfest oder einen Event?

«Ich plane nichts dergleichen. Und: Ich setze mir noch kein sogenanntes letztes Schwingfest.»