Zweiklassengesellschaft im Schwingsport? ESV-Obmann Markus Lauener sagt: «Das wollen wir ganz klar nicht. Es braucht alle, vom Nichtkranzer bis hin zum Schwingerkönig.»

Text: Schwinger-Blog

Letztes Wochenende wurde an der Abgeordnetenversammlung (AV) des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) das Thurgauer Anliegen «Keine Bevorzugung gewisser Schwinger des ESV während einer vom Bund verhängten Sperre für Amateursportarten» mit 89 zu 116 Stimmen knapp abgelehnt. Die Thurgauer Schwinger schrieben hinterher auf ihrer Facebook-Seite: «Kein Gehör für Thurgauer Anliegen». Das stimmt so sicher nicht. 89 Stimmen für dieses Ansinnen sind nicht von der Hand zu weisen. Und: Der Emmentaler Thomas Sempach meinte am vergangenen Wochenende in einem Beitrag auf dem Schwinger-Blog: «Die Zweiklassengesellschaft ist Realität, da gibt es nichts schönzureden.» Die Thurgauer, aber auch Sempach nehmen mit Bedauern zur Kenntnis, dass man auf höchster Verbandsstufe offensichtlich bereit ist, diese besagte Zweiklassengesellschaft in Kauf zu nehmen. Wirklich? Dieser und anderen Fragen geht heute der Schwinger-Blog in einem Gespräch mit Markus Lauener, dem ESV-Obmann, nach.

Markus Lauener ist seit 2020 ESV-Obmann

Bild: esv.ch

Thurgauer Antrag: Breitabgestützt in der Nordostschweiz

Der Vorstand des Nordostschweizer Schwingerverbandes (NOSV) stimmte dem Thurgauer Antrag einstimmig zu, bevor die Delegierten im Februar diesen mit 215 Ja- zu 16 Nein-Stimmen zuhanden der Abgeordnetenversammlung des ESV weiterleiteten. Der Thurgauer Antrag wurde an der AV vom zurückgetretenen Eidgenossen Tobias Krähenbühl, Präsident des Schwingerverbandes Unterthurgau, eingehend erörtert. Das Ansinnen hat in seiner Philosophie den Gedanken, dass in Zukunft bei einer Krise keinem Schwinger, ob nun Schwingerkönig oder Nichtkranzer, einen Trainingsvorteil zugestanden wird. Markus Lauener erläuterte die Beweggründe des Zentralvorstandes, der Technischen Kommission und des Aktiven-Rates für deren Vorgehen im Winter/Frühjahr 2021. Man befand die stufenweise Öffnung damals als einzige Möglichkeit. Verschiedene weitere Votanten beleuchteten Pro und Contra des Antrages. So meldete sich unter anderem Simon Schild, der Technische Leiter und Vizepräsident des Thurgauer Kantonalen Schwingerverbandes, mit einer Pro-Empfehlung zu Wort. Eine Contra-Empfehlung gab Stefan Strebel, der technische Leiter des ESV, ab. Schliesslich wurde der Antrag mit bloss 27 Stimmen Unterschied, bei 9 Enthaltungen, abgelehnt. 

Zweites Anliegen der Thurgauer

Parallel zum Antrag stellte der Thurgauer Kantonale Schwingerverband eine Anfrage in Bezug auf die «Einseitige Spitzensportförderung durch den ESV mit Bundesgeldern» an den NOSV. Die Anfrage wurde am 1. Januar an Stefan Strebel weitergeleitet. Laut der Website der Nordostschweizer Schwinger hat der Technische Leiter vom ESV zurückgemeldet, dass er die Fragen klären werde und die Kommunikation anschliessend in einem stufenweisen Vorgehen über den Zentralvorstand und die Technische Kommission des ESV erfolgen wird. 

Der Antrag und die Anfrage sowie das knappe Abstimmungsergebnis zeigen, dass man sich nicht nur in der Nordostschweiz um den Schwingsport sorgt. Die Thurgauer, und mit ihnen wohl ein nicht zu unterschätzender Teil der Schwingerfamilie, befürchten, dass der ESV eine Zweiklassengesellschaft zulassen könnte. Diese Befürchtungen und wie dem der ESV entgegenwirken möchte, sind die nachfolgenden Themen im Gespräch mit Markus Lauener. Zur Sprache kam aber auch, dass der Obmann an der AV mit den Thurgauern zusammengesessen ist und sich mit ihnen ausgesprochen hat.

Markus Lauener hat sich an der AV am Schwarzsee mit den Thurgauern ausgesprochen: «Im Moment ist die Angelegenheit zur Zufriedenheit aller geregelt.»

Bild: Barbara Loosli

Der SCHLUSSGANG schreibt in seiner neusten Ausgabe: «Die Corona-Massnahmen sind zumindest vorerst vom Tisch, noch nicht aber aus den Köpfen aller Funktionäre und Schwinger.» Könnten dies auch die Gedanken des Zentralvorstandes beim Erhalt des Thurgauer-Antrages gewesen sein?

«Nein, diese Gedanken kamen bei uns nicht auf. Denn: Ich sehe da keinen Zusammenhang.»

Nimmt der ESV die Zweiklassengesellschaft tatsächlich in Kauf?

«Wir wollen ganz klar keine Zweiklassengesellschaft. Nach einem fast schwingfestfreien 2020 wollten wir, dass 2021 nach Möglichkeit geschwungen werden kann. Unsere Entscheidungen basierten auf den Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Unser Ziel war, dass möglichst alle, und möglichst bald eine Rückkehr ins Sägemehl erfolgen konnte. Das ging vorerst nicht, und es war in dem Moment der einzig gangbare Weg. Wenn wir tatsächlich eine Zweiklassengesellschaft wollten, hätten wir das längstens einführen können. Es braucht im Schwingsport alle, vom Nichtkranzer bis hin zum Schwingerkönig. Zudem, was heisst Zweiklassengesellschaft schon? Der Begriff ist dehnbar. Einige Schwinger machen mehr für den Erfolg, andere halt weniger.»

«Kein Gehör für Thurgauer Anliegen» schrieben diese nach der Abstimmung. Geht man nach dem knappen Abstimmungsergebnis nun einfach zur Tagesordnung über?

«Wir hoffen alle, dass wir nie mehr so eine Situation haben werden. Wir vom ZV gehen nicht einfach so zur Tagesordnung über. Für uns ist es zum Beispiel ein Riesenanliegen, dass den Mittelschwingern, welche 2021 teilweise in grosser Zahl fehlten, grosse Beachtung geschenkt wird. Dass die Klubs alles unternehmen, um diese Schwinger wieder zurückzugewinnen. Es hat mich positiv gestimmt, dass vor zwei Wochen am Hallenschwinget Oberdiessbach 97 Schwinger teilgenommen haben. Im Teilnehmerfeld waren einige Athleten, welche letzte Saison nicht geschwungen haben.»

Eine Antwort betreffs der «Einseitigen Spitzensportförderung durch den ESV mit Bundesgeldern» ist noch hängig. Wann erfolgt die Kommunikation bezüglich der Spitzensport-WK’s?

«Die Kommunikation wird demnächst in einem ESV-Newsletter erfolgen. Wir haben zu diesem Anliegen gründlich recherchiert. Den Anfragestellern haben wir inzwischen in einem Schreiben die Antworten gegeben. Anhand der Gespräche, die ich rings um die AV am Schwarzsee führte, sind die Thurgauer mit den Antworten zufrieden. Sollten noch Unklarheiten oder Fragen auftauchen, bin ich jederzeit bereit, mit ihnen zusammenzusitzen.»

Obmann Markus Lauener sagt: «Es hat mich positiv gestimmt, dass vor zwei Wochen am Hallenschwinget Oberdiessbach 97 Schwinger teilgenommen haben»

Bild: Schwinger-Blog

Thomas Sempach sagt in einem Beitrag im Schwinger-Blog: «Meines Erachtens sollte ein Sport-WK nicht länger gehen als drei Wochen. Dabei sollten alle Schwinger die Möglichkeit haben, diesen WK besuchen zu können. Ich kritisiere nicht die Schwinger, welche die WK’s besuchen. Sondern diejenigen, welche diese überzogene Möglichkeit bieten.» Was entgegnest du diesem gestandenen Schwinger?

«Sempach’s Gedanken entstammen aus der Anfrage der Thurgauer. TK-Chef Stefan Strebel hat nun dazu ein neues Anforderungsprofil ausgearbeitet. Darin enthalten sind die Kriterien, wer darf, welche Resultate es dafür braucht und wie lange die WK’s dauern. Es geht auch um mehr Transparenz in dieser Angelegenheit. Bis jetzt war das kein Thema, und es wurde auch nicht gefordert. Angefangen hat das Ganze mit der Spitzensport-RS von Kilian Wenger. Daraus entstanden die Spitzensport-WK’s mit einem Kontingent an Schwingern, was im übrigen nicht der ESV entscheiden kann. Es gab schon Zeiten, da hatten wir Mühe, das Kontingent auszuschöpfen. Mittlerweile ist das Interesse wieder grösser.»

Wie will man sicherstellen, dass die Professionalität tatsächlich nicht noch mehr überhandnimmt und das Schwingen eine Liga bleibt?

«Unser Anliegen ist, dass die Schwingfeste ihren jetzigen Charakter beibehalten. Solange die Schwingfeste in der Hand des Verbandes bleiben und es keine «Spezialschwingfeste» nebst den traditionellen Anlässen gibt, wird das Schwingen eine Liga bleiben. Betreffs Sponsorings haben einige Schwinger schon andere Möglichkeiten als andere. Wir laufen dank unseren Strukturen aber nicht Gefahr, dass es auf eine Seite kippt. Ich habe keine Angst, dass die Professionalität in unserem Schwingsport überhandnehmen könnte.»

Man sieht beim Anliegen der Thurgauer und dem knappen Abstimmungsergebnis sowie bei den Äusserungen von Thomas Sempach deutlich, dass Gesprächsbedarf vorhanden ist. Wäre nicht ein runder Tisch mit ihnen angebracht? 

«Unser Angebot für Gespräche steht jederzeit. Ich bin überdies an der AV mit den Thurgauern zusammengesessen. Im Grundsatz ist ihr Antrag nicht verkehrt. Es ist aber nun ein Entscheid gefallen. Dabei gab es keine Sieger oder Verlierer. Wir haben uns ausgesprochen, und im Moment ist die Angelegenheit zur Zufriedenheit aller geregelt.»

Thomas Sempach ist mit einem guten zweiten Rang am Hallenschwinget Oberdiessbach in die Saison gestartet. Er sagt: «Die Zweiklassengesellschaft ist Realität, da gibt es nichts schönzureden.»

Text: Schwinger-Blog

Der Emmentaler Thomas Sempach zeigte am vergangenen Wochenende beim Hallenschwinget Oberdiessbach, welches für einmal in Heimenschwand ausgetragen wurde, mit Rang zwei eine gute Leistung bei seinem Saisonstart. Für den im Januar 37 Jahre jung gewordenen Sennenschwinger war es ein Heimspiel in der Reithalle Rohrimoos. Er wohnt nämlich in Heimenschwand, einem Dorf in der Gemeinde Buchholterberg und bewirtschaftet dort mit seiner Familie einen Bauernhof. 

Thomas Sempach gewann 2021 das Waadtländer Kantonale

Bild: thsempach-eicherdigital.ch

Gute Frühform

Thomas zeigte sich in einer guten Frühform und feierte beim gut besetzten Schwingfest vier Siege. Er bodigte dabei Steve Duplan, Lorenz Berger, Florian Aellen und Gustav Steffen. Der Schlussgang zwischen ihm und Fabian Staudenmann endete nach 10 Minuten gestellt. Dem Mittelländer Staudenmann reichte der Vorsprung zum alleinigen Sieg. Die Punkte teilte Thomas zudem im dritten Gang mit dem Oberländer Jan Wittwer, mit welchem er in der Endabrechnung auch den zweiten Rang teilte. Trotz fortgeschrittenem Alter: Thomas ist nach wie vor Schwinger von Kopf bis Fuss. Man spürt bei ihm die Leidenschaft für diesen Sport aus jeder Faser seines Körpers.

107 Kränze und 10 Kranzfestsiege auf dem Konto

Die Erfolgszahlen von Thomas sind äusserst beeindruckend: 107 Kränze, 10 Kranzfestsiege und 22 regionale Festsiege. Der vierfache Eidgenosse besitzt zudem alle möglichen Kränze, die er als Emmentaler gewinnen kann und holte sich prestigeträchtige Siege wie jener auf dem Brünig oder der Schwägalp.

Thomas konnte sich trotz fünf Kränzen und dem Sieg am Waadtländer Kantonalen nicht für den letztjährigen Kilchberger Schwinget qualifizieren. Das zeigt einerseits die breite Dichte der Berner, andererseits aber, dass die Saison für Thomas durchzogen verlief. Man darf deshalb gespannt sein, was er 2022 zu leisten vermag. Der Start ist ihm auf jeden Fall gelungen.

Gespräch mit einem Mitglied der goldenen Generation

Wie eingangs erwähnt, führt Thomas in Heimenschwand einen Landwirtschaftsbetrieb mit 20 Milchkühen. Sein Bauernhof liegt etwas ausserhalb des Dorfes, und er betreibt ihn zusammen mit seiner Partnerin Andrea und den beiden Kindern Lia und Lorin. Zudem arbeitet Thomas in einem 40 Prozent Pensum als Maurer. Der 115 Kilogramm schwere und 186 Zentimeter grosse Athlet widmet sich in der Freizeit nebst dem Schwingsport seiner Familie, dem Krafttraining und der Viehzucht. Thomas hat den gleichen Jahrgang wie die Schwingerkönige Christian Stucki und Matthias Glarner: 1985. Diese goldene Generation hat den Schwingsport im Bernbiet nachhaltig geprägt. Thomas ist einer dieser Garde. Ihm hat der Schwinger-Blog einen Kratten Fragen gestellt, und einen Strauss an Antworten erhalten.

Der Schlussgang am Hallenschwinget Oberdiessbach zwischen Fabian Staudenmann und Thomas Sempach ging gestellt aus

Bild: thsempach-eicherdigital.ch

Mit dem zweiten Rang beim Hallenschwinget Oberdiessbach ist dir der Start in die Saison geglückt. Was für ein persönliches Fazit ziehst du?

«Es lief mir sehr gut. Ich wusste vor dem Schwingfest allerdings nicht genau, wo ich stehe. Denn: Die harten Gänge haben mir im Training durch die Abwesenheit von Matthias Aeschbacher und Patrick Schenk etwas gefehlt. Die beiden Athleten verbrachten halt eine längere Zeit im Sport-WK in Magglingen.»

Wie sieht dein Trainingsaufwand aus? Hat der sich im Vergleich zu jüngeren Jahren verändert? 

«Ich absolviere wöchentlich zwei bis drei Schwingtrainings. Hinzukommen Krafttrainings in meinem eigenen Kraftraum. Ich mache täglich etwas. 2014 übernahm ich von meinen beiden Onkeln den Bauernhof. Das war sehr einschneidend für mich. Von einem Tag auf den anderen bin ich nun zwischen 17 und 19 Uhr im Stall und kann in dieser Zeit kein Training besuchen. Aus diesem Grund habe ich mir in der Turnhalle in Heimenschwand einen eigenen Kraftraum eingerichtet.»

Was ist deine Motivation, mit 37 Jahren noch wettkampfmässig zu schwingen?

«Ich schwinge einfach gerne und gehe auch gerne ins Training. Voraussetzung ist, dass die Gesundheit mitmacht. Mir fehlen zudem wegen Verletzungen in jüngeren Jahren ein paar Saisons.»

Du hast mittlerweile 107 Kränze auf deinem Konto. Zum alleinigen Rekordhalter im Emmental fehlen dir noch vier Kränze. Strebst du diese Marke an?

«Das ist eine Zahl und diese ist nicht unbedingt meine Motivation weiter zu schwingen. Wenn Matthias Aeschbacher gesund bleibt, wird er dereinst mehr machen. Schwingen ist einfach meine Leidenschaft und dies führt mich zu meinem Grundsatz: Leidenschaft ist eine Eigenschaft die Leiden schafft.»

Ist nach dem ESAF in Pratteln Schluss?

«Das kann ich heute noch nicht sagen. Ich halte es mir offen, und werde nicht wie Dario Cologna meinen Rücktritt schon zu Saisonbeginn verkünden. Sowieso geht die Gesundheit vor, und ich habe aus meinen Verletzungen gelernt, sorgfältig zu planen. Was sicher feststeht ist, dass ich in einem Jahr einen neuen Stall bauen werde. Ob dies auf die Fortsetzung meiner Karriere Einfluss haben wird, sehen wir dann.»

Wie sind die Erinnerungen an deinen ersten Kranzgewinn?

«Die sind immer noch präsent. Das war 2002 am Mittelländischen Schwingfest in Niederscherli. Ich war damals 17-jährig und steckte mitten im Bauernlehrjahr. Im sechsten Gang bekam ich es mit einem Kranzschwinger zu tun. Ich setzte dabei alles auf eine Karte, gewann den Gang und meinen ersten Kranz. Am Abend bin ich dann wieder auf meinem Lehrbetrieb eingerückt.» 

Mit viel Herzblut und Leidenschaft für die Viehzucht

Bild: thsempach-eicherdigital.ch

Bekannt ist, dass du dir in jungen Jahren zweimal das Kreuzband gerissen hast. Hast du in der Folge die Schwingweise angepasst?

«Ich riss mir im linken und im rechten Knie das Kreuzband und war damals 17 respektive 20 Jahre alt. Das erste Mal passierte es einen Monat nach meinem ersten Kranzgewinn. Weiter ist mir die Kniescheibe zweimal rausgesprungen. Ich zog meine Lehren daraus und stellte meine Schwingweise in der Folge um. Vorher griff ich vor allem mit Brienzer und einhängen an. Ich eignete mir gerade Züge an, versuchte mich fortan mit Hüfter und schwang vermehrt aus der Flanke. Die beiden längeren Verletzungspausen hinterliessen bei mir einen bleibenden Eindruck. Meine gleichaltrigen Kollegen wie beispielsweise Matthias Sempach oder Matthias Siegenthaler wurden nun besser und besser und ich konnte nicht mittun. Ich lernte, Geduld zu haben und wollte mir zudem nicht vorwerfen, ich hätte nicht alles dafür gegeben, um weiter schwingen zu können. Ich weiss heute aus eigener Erfahrung, wie schnell es gehen kann und geniesse seither jeden Erfolg und bin dankbar für alles.»

Warst du seither verschont von schweren Verletzungen?

«2009 zog ich mir eine Verletzung am Fussgelenk zu, welche operiert werden musste. 2019 hatte ich einen Infekt in einem Ellbogen und durfte zwei Monate nicht schwingen. Seit 2010 konnte ich an jedem Kranzfest teilnehmen, an welchem ich startberechtigt war und durfte so über die letzten Jahre zwischen neun und zehn Kranzfeste jährlich bestreiten.»

Hast du als sehr erfahrener Schwinger Tipps für die jungen Athleten, wie man das Verletzungsrisiko minimieren kann?

«Der Kraftraum bedeutet für mich Unfallverhütung. 80 Prozent aller Übungen, die ich absolviere, sind Beinübungen. Den Bizeps trainiere ich gar nicht gross. Thomas Stauffer, heute Swiss-Ski-Herrencheftrainer, half mir seinerzeit bei der Umstellung des Trainings. Er lehrte mich, dass es wichtig ist, die Kräfte abzufangen. Haben Schwinger Probleme mit den Knien, ist es wichtig, das speziell zu trainieren. Es gilt dabei, die Muskulatur hinter den Knien gezielt aufzubauen. Wichtig ist, dass man immer dranbleibt.»

Von deinen schwingerischen Anfangstagen bis heute hat sich rings um den Schwingsport allerhand getan. Was beurteilst du positiv, was negativ?

«Der Schwingsport ist sehr populär geworden und ich habe den Wandel hautnah miterlebt. Es ist schön, dass Jung und Alt Freude am Schwingen haben und die Traditionen nicht nur erhalten, sondern auch aufleben lassen. Negativ ist, dass es fast Richtung Professionalität geht. Die Zweiklassengesellschaft ist bereits vorhanden, und dies muss nicht noch mehr gefördert werden. Es braucht einfach alle, um ein Schwingfest durchzuführen. Es soll eine Liga bleiben, vom einfachen Aktivschwinger bis hin zum Schwingerkönig. Zu dieser Eigenart muss man einfach Sorge tragen.»

Die Thurgauer Schwinger haben via den Nordostschweizer Schwingerverband eine Anfrage und einen Antrag zuhanden des ESV gestellt. Die Anfrage wurde in Bezug auf die «Einseitige Spitzensportförderung durch den ESV mit Bundesgeldern» gestellt. Der Antrag lautet: «Keine Bevorzugung gewisser Schwinger vom ESV während einer vom Bund verhängten Sperre für Amateursportarten». Die beiden Anliegen kommen an der an diesem Wochenende stattfindenden Abgeordnetenversammlung zur Sprache. Wie stehst du diesen beiden Ansinnen gegenüber?

«Es sind heikle Themen. Wie erwähnt, die Zweiklassengesellschaft ist Realität, da gibt es nichts schönzureden. Meines Erachtens sollte ein Sport-WK nicht länger gehen als drei Wochen. Dabei sollten alle Schwinger die Möglichkeit haben, diesen WK besuchen zu können. Ich kritisiere nicht die Schwinger, welche die WK’s besuchen. Sondern diejenigen, welche diese überzogene Möglichkeit bieten. Das zweite ist die Bevorzugung im letzten Frühling. Ich bin nun seit rund 18 Jahren Technischer Leiter in meinem Schwingklub Oberdiessbach. Ich war der einzige Schwinger, welcher hätte trainieren dürfen. Das stiess mir sauer auf. Das war nicht gerecht gegenüber den schwächeren Aktiven. Ich finde es negativ, dass dies der ESV ermöglicht hat. Für die Zukunft hoffe ich für mehr Rücksicht auf alle.»

Beim SCHLUSSGANG kann man lesen, dass du ein eigenes Videoarchiv mit Aufnahmen der letzten 20 Jahre besitzt. Welches sind deine liebsten Schätze darin?

«Das sind Filme von den «Eidgenössischen» 1989 und 1992. Mittlerweile habe ich sogar Material vom ESAF 1983 in Langenthal. Da wurde noch ohne grosses Sponsoring geschwungen, das beeindruckt mich sehr. Das Professionelle war noch kein Thema, man schwang am Sonntag und ging am Montag wieder arbeiten. Im Verlaufe der Zeit sammelte sich einiges an Filmmaterial an. Mein Archiv führe ich derzeit nicht mehr nach, dafür fehlt mir einfach die Zeit. Denn: Auf Platz eins und zwei folgen die Familie und der Bauernhof. Schwingen ist «nur» noch auf dem dritten Platz. Dereinst möchte ich meine Filme aber digitalisieren.»

Pirmin Reichmuth fordert «böse» Aargauer heraus – Aargauer Kantonalschwingfest am 10. Juli mit Innerschweizer Aushängeschild

Text: Wolfgang Rytz (Medienchef) / Bearbeitung: Schwinger-Blog

Das 115. Aargauer Kantonalschwingfest, das vom 8. bis 10. Juli in Beinwil/Freiamt steigt, verspricht höchstes sportliches Niveau im Sägemehl. Der Zuger Gast Pirmin Reichmuth fordert die Aargauer «Eidgenossen» heraus. Andreas Döbeli, Joel Strebel, Nick Alpiger und Patrick Räbmatter stehen vor einer Herkulesaufgabe. Der Vorverkauf beginnt am 1. April.

Pirmin Reichmuth (oben, hier am «Eidgenössischen» 2019 in Zug gegen Mike Peng) fordert die besten Aargauer Schwinger am Kantonalfest in Beinwil/Freiamt heraus.

Bild: swiss-image.ch

OK-Präsident Hermann Bütler freut sich mächtig, dass Pirmin Reichmuth plant, 15 Monate nach seinem Kreuzbandriss im Freiamt anzutreten. Bütler sagt: «Wir werden definitiv einen hochstehenden und spannenden Wettkampf erleben.» Nebst dem Schwingklub Cham-Ennetsee hat auch der Schwingklub am Albis Gastrecht. Dessen Aushängeschild ist Teilverbands-Kranzschwinger Marco Nägeli. Somit können sich die erwarteten 4’000 Zuschauer in der Schwingerarena «Chäbere» auf einen attraktiven Hosenlupf mit Athleten aus drei Teilverbänden freuen.

Dreitägiges Festprogramm

Das Festprogramm des 115. Aargauer «Kantonalen» startet schon am Freitag, 8. Juli. Der Auftakt gehört einem Feierabendbier für die Bevölkerung aus nah und fern, bevor um 19 Uhr die Eröffnung des Gabentempels erfolgt. Um 20.30 Uhr spielt im Festzelt die Berner Mundartrockband «VolXRoX» auf, die mit ihrer neuen CD für Furore sorgt und in den Charts vorderste Plätze belegt.

Am Samstag steht der Jungschwingertag im Mittelpunkt. Über 150 Nachwuchsathleten messen sich ab 9 Uhr in der Arena der Grossen. Am Abend ist volkstümliche Unterhaltung angesagt. Nicht stattfinden kann der ursprünglich geplante Ringerländerkampf Schweiz – Deutschland, weil die Mehrheit der Spitzenathleten in Trainingslagern im Ausland weilt.

Der Hauptevent, das 115. Aargauer Kantonalschwingfest mit über 100 Aktiven, beginnt am Sonntagmorgen um 8 Uhr. Der Festakt um 15 Uhr leitet über zur entscheidenden Phase in den vier Sägemehlringen. Der Schlussgang um den Siegermuni ist auf 16.45 Uhr angesetzt. Gelingt einem der beiden Freiämter Leader, Andreas Döbeli und Joel Strebel, der Einzug in die Endausmarchung? Ist der starke Gast Pirmin Reichmuth tatsächlich der zu schlagende Mann? Oder stiehlt Nick Alpiger als Nordwestschweizer Leader allen die Schau? Der 10. Juli liefert Antworten auf all’ diese Fragen.

Vorverkauf ab 1. April

Der Vorverkauf für die restlichen Plätze in der Chäbere-Arena beginnt am 1. April (kein Scherz!) über die Internetseite des Schwingfestes, www.ag20.ch. Bereits gekaufte Tickets für die ursprüngliche Durchführung 2020 behalten Ihre Gültigkeit, müssen aber ab dem 1. April neu gedruckt werden.

Hallenschwinget Oberdiessbach: Kilchberg-Sieger Fabian Staudenmann, Matthias Aeschbacher und die jungen Wilden aus dem Bernbiet führen das Teilnehmerfeld an

Text: Schwinger-Blog

Am kommenden Sonntag, 13. März steht mit dem 22. Hallenschwinget Oberdiessbach das dritte Schwingfest der Aktiven in diesem Jahr auf dem Programm. Dieses Jahr wird der Schwinget nicht wie üblich in der Reithalle in Oberdiessbach, sondern in der geheizten Reithalle Rohrimoos in Heimenschwand ausgetragen. Am Start sind die fünf Eidgenossen Fabian Staudenmann, Matthias Aeschbacher, Thomas Sempach, Patrick Schenk und Steve Duplan. Weiter darf man sich auf die jungen Wilden aus dem Bernbiet, angeführt von Adrian Walther, Severin Schwander, Michael Ledermann, Lukas Renfer, Lorenz Berger und Domink Gasser, freuen. Am Tag zuvor messen sich an derselben Stelle die Berner Jungschwinger und diejenigen vom Gastverband Waadt am 13. Buebeschwinget Oberdiessbach.

Matthias Aeschbacher (links) und Fabian Staudenmann, welche 2021 gemeinsam das Mittelländische Schwingfest gewannen, führen in Oberdiessbach das Teilnehmerfeld an

Bild: Barbara Loosli (SCHLUSSGANG)

Organisator Schwingklub Oberdiessbach

Der dem Emmentaler Schwingerverband zugehörige Schwingklub Oberdiessbach organisiert den beliebten Hallenschwinget Oberdiessbach heuer bereits zum 22. Mal. Der erste Anlass fand 1999 statt, und wurde in der Folge jedes Jahr durchgeführt. 2020 und 2021 fiel das Hallenschwingfest allerdings dem Corona-Virus zum Opfer. Wegen der Pandemie entschied das Organisationskomitee (OK) bereits im letzten Herbst, den Anlass 2022 in Heimenschwand durchzuführen. Das OK, welches vom Vorstand des Schwingklubs Oberdiessbach gebildet wird und dem Präsident Michael Scheuner vorsteht, musste wegen den engen Platzverhältnissen in Oberdiessbach umdisponieren. 2023 soll der Hallenschwinget aber wieder in der Reithalle in Oberdiessbach stattfinden.

Fabian Staudenmann ist bereits in guter Form

Der Kilchbergsieger Fabian Staudenmann konnte seine grossartige Form von letztem Jahr über den Winter konservieren und gewann trotz gestelltem Schlussgang mit Florian Gnägi unlängst den Hallenschwinget Büren. Dabei bezwang der Mittelländer im fünften Gang den Schwingerkönig Christian Stucki. Der bald 22-Jährige führt am Sonntag das Teilnehmerfeld zusammen mit dem Emmentaler Matthias Aeschbacher an. Der 11-fache Kranzfestsieger ist bekannt für rassige Gänge, bei dem oft der innere Haken, seine gefürchtete Waffe, zum Zug kommt. Der Sieg in Heimenschwand dürfte wohl über diese beiden Athleten führen, gehören sie doch nicht nur zur Berner, sondern auch zur nationalen Spitze.

Der Schwingklub Oberdiessbach macht mit einem schönen Plakat auf ihren Hallenschwinget aufmerksam

Bild: Schwingklub Oberdiessbach

Fünf Eidgenossen im Teilnehmerfeld

Zu den beiden genannten Eidgenossen kommen drei weitere hinzu: Thomas Sempach, Patrick Schenk und Steve Duplan. Sempach, welcher dem Schwingklub Oberdiessbach angehört, wohnt in Heimenschwand und hat am Sonntag ein Heimspiel. Der 107-fache Kranzschwinger konnte sich trotz fünf Kränzen und dem Sieg am Waadtländer Kantonalen nicht für den letztjährigen Kilchberger Schwinget qualifizieren. Man darf gespannt sein, was der 37-Jährige in dieser Saison zu leisten vermag. Patrick Schenk, welcher ebenfalls aus dem Emmental kommt, fehlte letzte Saison verletzungsbedingt und gibt am Sonntag sein Comeback. Der zweifache Eidgenosse wird bestimmt alles daransetzen, so schnell wie möglich wieder den Anschluss zu finden. Wie eingangs erwähnt nimmt am Hallenschwinget Oberdiessbach auch der Gastverband Waadt teil. Ihm gehört der Eidgenosse Steve Duplan vom Schwingklub Aigle an. Der 24-Jährige blickt auf eine durchzogenen 2021er-Saison zurück. Zwar gewann er das Walliser Kantonale und holte sich beim Freiburger Kantonalen sowie beim Südwestschweizer Schwingfest den Kranz. Beim Kilchberger Schwinget und beim Schwarzsee-Schwinget fehlte der 18-fache Kranzschwinger aber verletzungsbedingt.

Augenmerk auf die jungen Wilden

Die Startliste mit Stand vom 11. März umfasst einige hochkarätige Namen. Nebst den fünf Eidgenossen stechen die jungen Wilden aus dem Bernbiet ins Auge. Angeführt wird diese Garde von den Mittelländern Adrian Walther, Severin Schwander, Michael Ledermann, Lukas Renfer und Lorenz Berger, sowie dem Emmentaler Dominik Gasser. Dieses Sextett wirbelte vergangene Saison gehörig Sägemehl auf und unterstrich einmal mehr, wie gut die Nachwuchsarbeit im Bernisch Kantonalen Schwingerverband ist. Begleitet werden die Mittelländer von den Verbandskollegen Stefan Marti und Martin Rolli. Die Emmentaler Schwinger werden nebst Matthias Aeschbacher, Thomas Sempach und Domink Gasser mit René Berger, Stefan Gäumann, Philipp Gehrig und Gustav Steffen vertreten sein. Verletzungsbedingt nicht am Start sind Christian Gerber (Knie-Operation) und Fritz Ramseier (Arbeitsunfall). Adrian Klossner, Hanspeter Luginbühl und Jan Wittwer führen die Berner Oberländer Delegation, und Stephan von Büren sowie Florian Weyermann diejenige der Oberaargauer an. Gemeinsam mit Steve Duplan stehen Mickael Matthey, Stéphane Haenni und Thomas Sonnay dem Gastverband Waadt vor. Die Südwestschweizer Schwinger haben in den letzten Jahren einen grossen Schritt nach vorne getan. Man darf gespannt sein, wie sie sich gegen die Berner zu behaupten vermögen.

Zupackende Hände bereiten die Reithalle Rohrimoos für den Hallenschwinget vor

Bild: Rolf Eicher

Anschwingen ist um 09.00 Uhr

2019 fand der Hallenschwinget Oberdiessbach zum letzten Mal statt. Der Sieger hiess damals Matthias Aeschbacher, welcher Severin Schwander im Schlussgang mit innerem Haken bezwang. Beide Akteure sind auch 2022 am Start. Anschwingen ist am kommenden Sonntag um 09.00 Uhr. Den Schwingern winken schöne Preise in Form von Naturalgaben und Gutscheinen. Die Zuschauer können gleich neben den drei Schwingplätzen Platz nehmen. Für das leibliche Wohl sorgt die Festwirtschaft, welche sich ebenfalls in der Reithalle Rohrimoos befindet. Im Angebot sind nebst verschiedenen Getränken Hammen und Kartoffelsalat sowie Steak und Bratwürste. Parkplätze befinden sich gleich in unmittelbarer Nähe zur Reithalle. Eine Anreise mit den ÖV via Zug nach Thun und mit dem Bus nach Heimenschwand ist ebenfalls möglich. Der Buebeschwinget beginnt am Samstag bereits um 08.30 Uhr, und wird auf vier Schwingplätzen ausgetragen. Am Start sind Berner und Waadtländer Nachwuchsschwinger mit Jahrgang 2007 und jünger.

Wie geht es eigentlich Pirmin Reichmuth? Mit viel Optimismus sagt er: «Ich bin zuversichtlich, dass es fürs ESAF in Pratteln reichen sollte.»

Text: Schwinger-Blog

Am 15. April 2021 verbreitete sich die Schockmeldung über den vierten Kreuzbandriss von Pirmin Reichmuth wie ein Lauffeuer in der Schwingerszene. Der Zuger zog sich dabei im Training einen Riss des vorderen Kreuzbandes, des Aussenmeniskus sowie eine Zerrung des Aussenbandes am linken Knie zu. Und dies, nachdem der 26-Jährige zwischen 2014 und 2017 bereits drei Kreuzbrandrisse im rechten Knie erlitten hatte. 

Pirmin Reichmuth blickt optimistisch in die Zukunft

Bild: pirminreichmuth.ch

Königskandidat vor dem ESAF 2019 in Zug

Pirmin kehrte nach der Heilung des dritten Kreuzbandrisses so stark auf die Schwingplätze zurück, dass er im Vorfeld des «Eidgenössischen» 2019 in Zug als Königskandidat gehandelt wurde. Nach der neuerlichen Verletzung wusste der zweifache Eidgenosse, was auf ihn zukommt, und liess ausrichten: «Wie es danach weitergeht, will und muss ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entscheiden.» Wie aber geht es dem vierfachen Kranzfestsieger heute, und wie steht es um die Fortsetzung der Karriere? Denn: Der Schreibende schnappte kürzlich ein Gerücht auf, wonach Pirmin wohl kaum mehr ein Schwingfest bestreiten kann. Diesen und anderen Fragen möchte der Schwinger-Blog heute auf den Grund gehen, und Gerüchte ein für allemal aus der Welt schaffen.

Operativer Eingriff, Reha und Physio

Pirmin sagt gleich zu Beginn des Gesprächs: «Mir geht es sehr gut und ich bin zufrieden, wie es momentan läuft.» Hinter ihm liegen nicht einfache Monate. Nach der Verletzung wurde das vordere Kreuzband operativ geflickt und der Aussenmeniskus sowie das Aussenband wurden konservativ behandelt. Anschliessend begab sich der gelernte Metzger in die Rehabilitation, welche fliessend in die Physiotherapie lief. Zur Physio geht Pirmin derzeit immer noch, und zwar dreimal die Woche. Mit dem Heilungsverlauf ist er zufrieden. Während der Reha und der Physio plagten ihn aber immer wieder Schmerzen. Pirmin erklärt: «Wenn die Schmerzen zu gross waren, musste ich mein Training anpassen und auch mal eine Pause einschalten. Von der Trainingsintensität her sieht fast keine Woche gleich aus. Jetzt geht es aber langsam aufwärts und es sieht wirklich gut aus.»

Zurück im Sägemehl

Bild: felstechnik.ch

Seit drei Wochen wieder im Sägemehl

Um dem erwähnten Gerücht entgegenzuwirken: Pirmin hat sich entschieden, weiter zu schwingen. Im ersten Moment nach der Verletzung wollte er sich nicht festlegen. Die Gefühlslage war dementsprechend, und der Chamer wusste zunächst auch nicht, ob er sich das nochmals antun soll. Er nahm sich aber bewusst Zeit, liess die Operation über sich ergehen, absolvierte geduldig die Reha und dann war für ihn relativ schnell klar, dass er weitermacht. Es gab schon Durchhänger, er fühlte sich aber noch zu jung, um aufzuhören. Auf Instagram konnte man unlängst beobachten, wie Pirmin sein Krafttraining absolviert. Der Wochenplan sieht am Montag ein Krafttraining bei Tommy Herzog in Beromünster vor. Am Dienstag steht Physio in Cham auf dem Programm. Am Mittwoch besucht der gross gewachsene Athlet in Rheinfelden eine spezielle Art der Physio, bei welcher sein Knie passiv behandelt wird. Am Donnerstag steht wieder eine Physio-Einheit in Cham auf dem Programm und am Freitag ein weiteres Krafttraining bei Tommy Herzog. Zum Wochenabschluss absolviert Pirmin am Samstag ein eigenes Krafttraining bei sich zuhause. Seit drei Wochen geht er wieder ins Sägemehl. Der Sennenschwinger erklärt: «Ich gehe das Schwingen bewusst langsam an. Ich greife, ziehe und halte dagegen. Dabei laufe ich im Sägemehl herum. Weiter widme ich mich auch dem Bodenschwingen. Das vorsichtige Abtasten im Sägemehl praktiziere ich so lange, bis ich mein Knie nicht mehr spüre.»

Zuversicht für das ESAF in Pratteln

Fragt man Pirmin nach dem «Eidgenössischen» im Baselbiet, versprüht er regelrecht Optimismus: «Ja, ich bin zuversichtlich, dass es reichen sollte. Mein primäres Ziel ist, dass ich gesund bin und mein Knie beim Schwingen nicht spüre.» Pirmin sagt aber auch, dass nach einem Jahr Unterbruch sein operiertes Knie und der Körper nach dem Training im Sägemehl entsprechend reagieren. Dem gilt es, Rechnung zu tragen. Der Plan ist, ab April mit dem Techniktraining, dem sogenannten Schulschwingen, zu beginnen. Das Ziel dabei ist nicht unbedingt das Erlernen von neuen Schwüngen, sondern das Zurückerlangen des Vertrauens und der Abläufe. Die Zeit für viel Techniktraining ist in diesem Stadium der Saison sowieso nicht vorhanden. Es versteht sich von selbst, dass Pirmin ein bisschen aufs Tempo drücken möchte. Und wenn der Körper mitmacht, will er möglichst rasch mit dem wettkampfmässigen Schwingtraining starten. Sobald es die Situation zulässt, möchte der Brünig-Sieger von 2019 wieder Schwingfeste bestreiten und ergänzt: «Ich nehme mir die nötige Zeit, und werde nochmals voll angreifen.»

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Bild: esv.ch

Physiotherapeuten-Ausbildung abgeschlossen und Fischerprüfung abgelegt

Fragt man Pirmin, was ihn während der Verletzungspause besonders motivierte, so erklärt er: «Es motiviert mich der Gedanke, wieder vor Leuten schwingen zu können. Ich habe bisher so viel trainiert, konnte aber wegen Verletzungen noch nicht sehr viele Kranzfeste bestreiten. Ich möchte dem Publikum zeigen, was ich wirklich kann.» Der Innerschweizer Vertreter im Aktivenrat hatte das Glück, dass er seine Ausbildung zum Physiotherapeuten just eine Woche vor dem Kreuzbandriss abgeschlossen hatte. Seither arbeitet er in einem 80 Prozent Pensum als Physiotherapeut in einer Praxis in Cham. In derjenigen, welche er auch seine eigene Physio absolviert. Langweilig wurde es Pirmin auch ohne Schwingfeste nicht. Letztes Jahr heiratete er seine langjährige Freundin Marion. Geplant ist derzeit ein Umzug von Arth nach Steinen. Zudem hat er die Fischerprüfung abgelegt und in der Saison 2021 war der 17-fache Kranzschwinger für den Live-Stream der Innerschweizer Kantonalschwingfeste als Kommentator tätig. Er hat diese Seite sehr genossen. Denn der permanente Druck, welchen er während einer aktiven Saison spürt, war nicht vorhanden. Trotzdem: Der Schwinger mit dem hellblauen Hemd freut sich darauf, sich wieder an Schwingfesten im Zweikampf messen zu dürfen. Das viel Potenzial vorhanden ist, wissen wir spätestens seit der starken 2019er-Saison. Die Innerschweizer können einen starken Pirmin Reichmuth dringend gebrauchen. Und: Die Schwingerszene darf sich heute schon auf sein Comeback freuen.