Vor dem Zuger Kantonalen – Nachgefragt bei TK-Chef Bruno Müller. Er sagt: «Das ESAF hat keinem Zuger Schwingklub etwas gebracht. Die Zahlen sind derzeit eher rückläufig.»

Ab Sonntag gilt es wieder Ernst: Es wird wieder um Kränze geschwungen. Der Start in die Kranzfestsaison erfolgt in der Innerschweiz beim Zuger Kantonalen und in der Nordostschweiz beim Thurgauer Kantonalen. In Baar führt der Erstgekrönte Joel Wicki das Teilnehmerfeld an, in Müllheim der Kilchberg-Sieger Samuel Giger. Der Schwinger-Blog hat sich mit dem Zuger TK-Chef Bruno Müller vor ihrem Ehrentag unterhalten.

Text: Schwinger-Blog

Joel Wicki ist Topfavorit in Baar

Die Frage lautet: Wer kann Joel Wicki am Sonntag schlagen? Den Surentaler Frühjahrsschwinget in Sursee und den Bad-Schwinget in Wolhusen gewann der Sörenberger überlegen mit jeweils sechs gewonnenen Gängen. Der 25-Jährige ist bereits jetzt in einer beneidenswerten Form. Gleich beim Anschwingen wird es Wicki mit seinem grössten Herausforderer, dem vierfachen Zuger-Sieger Christian Schuler, zu tun bekommen. Ein Blick auf die Statistik bei zwilch.ch zeigt allerdings, dass Schuler noch nie gegen Wicki gewinnen konnte. Weitere Herausforderer für Wicki werden die routinierten Eidgenossen Mike Müllestein, Benji von Ah und Andi Imhof sein. Aus der Gilde der Nicht-Eidgenossen stechen vor allem Werner Suppiger (Sieger Frühjahrsschwinget Pfäffikon), Matthias Herger (Sieger Urner Rangschwinget Bürglen), Tobias Riget (Gast vom Schwingklub Rapperswil und Umgebung), Marco Fankhauser und Stefan Ettlin ins Auge.

TK-Chef Bruno Müller, selbst zweifacher Eidgenosse, gibt vor dem Zuger Kantonalen Auskunft

Bild: Bruno Müller

Welche Zuger könnten ein Wörtchen mitreden?

Sucht man die Startliste nach Zugern ab, fällt einem vor allem die Liste der fehlenden Spitzenschwinger auf. Die komplette Spitze um Pirmin Reichmuth (Kreuzbandriss), Marcel Bieri (Oberschenkel-Verletzung) und Marco Reichmuth fehlt. In den Spitzenpaarungen tauchen einzig Dominik Waser und Christian Bucher auf. Und ein weiterer Name machte diesen Frühling von sich reden: Roland Reichmuth, der Bruder von Pirmin und Marco Reichmuth. Roland gewann den Frühjahrsschwinget Cham und stand beim Hallenschwinget Engelberg im Schlussgang. ENST-Sieger Luca Müller ist ein grosses Talent, und dürfte am Sonntag ebenfalls den einen oder anderen Spitzenschwinger fordern. Diesem Quartett werden aus Zuger Sicht die grössten Chancen auf eine gute Klassierung in Baar zugetraut.

Wie aber steht es um die verletzten Zuger Spitzenschwinger? Wann werden diese wieder ins Geschehen eingreifen? Wie steht es allgemein um die Zuger Schwinger und wer könnte Joel Wicki in Baar ernsthaft fordern? Diese und andere Fragen werden heute mit Bruno Müller, dem TK-Chef der Zuger, geklärt. Müller war selbst ein erfolgreicher Schwinger und durfte sich zweimal zum Eidgenossen krönen lassen. Der 44-Jährige wohnt in Unterägeri, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Müller arbeitet als Messassistent und ist seit 2020 TK-Chef des Zuger Kantonalen Schwingerverbandes.

Wer schlägt Joel Wicki in Baar?

Bild: joelwicki.ch

Wann werden Pirmin Reichmuth und Marcel Bieri wieder auf die Schwingplätze zurückkehren?

«Bei Reichmuth weiss ich nicht genau, wo er steht. Er sagt selbst, dass es im Training mal besser, dann wieder weniger gut läuft. Ein genaues Datum kann wohl auch er nicht benennen. Wenn bei Bieri alles optimal verläuft, könnte er am Schwyzer Kantonalen in Muotathal starten.»

Marco Reichmuth ist noch nicht in die Saison gestartet. Ist er ebenfalls verletzt?

«Nein, Marco ist nicht verletzt. Er ist leider ein Kandidat für Long-Covid, und zog sich zudem letztes Jahr beim Ob- und Nidwaldner Kantonalen eine schwere Hirnerschütterung zu. Diese beiden Tatsachen sind ein grosses Handicap für ihn. Er war zwar ein- oder zweimal im Training, hat aber einfach noch keine Power.»

Was traust du deinem Sohn Luca am Zuger Kantonalen zu?

«Ich habe so eine Frage erwartet. Ich traue ihm viel zu, will ihn aber auch nicht verheizen. Er kann mit allen schwingen. Ich hoffe einfach, dass er sich nicht zu viel Druck macht. Sein primäres Ziel ist der Kranz.»

Wie steht es allgemein um die Zuger Schwinger?

«Es ist wie überall, es dürfte einfach besser sein. Wir haben derzeit 20 Verletzte, darunter acht Schwinger vom Schwingklub Cham-Ennetsee. Ursprünglich hatte ich 80 Anmeldungen von Zuger Schwingern, jetzt sind es noch deren 60. Schön wäre, wenn es in allen vier Schwingklubs einen Schub geben würde.»

Gab es nach dem ESAF 2019 im Zuger Kantonalverband einen Aufschwung? Sind die Schwingerzahlen gestiegen?

«Nein, wir konnten keinen Aufschwung beobachten. Das ESAF hat keinem Zuger Schwingklub etwas gebracht. Die Zahlen sind derzeit eher rückläufig. Da hat die Corona-Pandemie leider auch keinen guten Beitrag geleistet.»

Roland Reichmuth machte diesen Frühling mit starken Resultaten auf sich aufmerksam

Bild: esv.ch

Wie viele Kränze erwartest du am Sonntag von deinen Schützlingen?

«Ich erwarte zwischen acht und zehn Kränze. Es ist ein hohes, aber realistisches Ziel. Es müssen dabei aber einige über sich hinauswachsen.»

Wer könnte deiner Meinung nach Joel Wicki am Sonntag ernsthaft fordern?

«Ernsthaft fordern können ihn die Schwyzer Christian Schuler und Mike Müllestein. Diesen traue ich am ehesten zu, dass sie ihm ein Bein stellen könnten. Von Wicki’s Luzerner Kollegen könnten dies Werner Suppiger und Marco Fankhauser sein. Nur: Sie würden wohl erst im Schlussgang auf ihn treffen.»

Wer sind für dich nebst Wicki die Favoriten auf den Tagessieg? Hast du einen Geheimfavoriten?

«Wenn Wicki gesund bleibt, läuft es zu 99 Prozent über ihn. Den Sieg werden die Eidgenossen unter sich ausmachen. Alles andere wäre eine Riesenüberraschung, wenn plötzlich jemand anders zuvorderst im Schlussklassement auftauchen würde. Einen Geheimfavoriten habe ich keinen. So jemand müsste mit Wicki, Schuler oder Müllestein erfolgreich die Klingen kreuzen.»

Anhand der Resultate der Regionalschwingfeste scheint Roland Reichmuth der Knopf aufgegangen zu sein. Was erwartest du von ihm in dieser Saison?

«Dass er so konstant weiter schwingt wie bei den Frühlings-Schwingfesten. Dass er unbeschwert bleibt und sich keinen Druck macht. Wenn er so weiterfährt, kommt das gut.»

Welche Zuger könnten demnächst den Sprung an die Spitze schaffen?

«Das sind in erster Linie Christian Bucher und der angesprochene Roland Reichmuth, welche nach vorne drücken. Es wäre aber schön, wenn noch ein paar weitere dazu stossen könnten.»

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