Philipp Schuler beendet am Schwyzer Kantonalen seine lange Karriere. Er sagt: «1992 bestritt ich in Muotathal mein erstes Schwingfest. Nach 30 Jahren schliesst sich nun ein Kreis.»

Text: Schwinger-Blog

Der am 12. Mai 40 Jahre jung gewordene Philipp Schuler tritt beim Schwyzer Kantonalen in Muotathal zu seinem letzten Schwingfest an. Der Rothenthurmer gewann in seiner langen und erfolgreichen Karriere 48 Kränze, darunter 34 Kantonal-, acht Teilverbands und sechs Bergkränze. Weiter feierte Philipp sechs Regionalfestsiege und qualifizierte sich für sieben «Eidgenössische». Der Schwyzer schwingt seit 1992. Der 181 Zentimeter grosse und 98 Kilogramm schwere Athlet begeisterte mit seiner feinen Technik schweizweit das Schwingfest-Publikum und lehrte dabei auch angehende Schwingerkönige das Fürchten. Die bevorzugten Schwünge sind der Stich und Flankenschwünge.

Philipp Schuler beendet am Schwyzer Kantonalen in Muotathal seine aktive Schwingerkarriere

Bild: Philipp Schuler

Schwinger-Dynastie Schuler

Philipp entstammt der bestens bekannten Schwinger-Dynastie Schuler in Rothenthurm. Schon sein Vater Franz war ein erfolgreicher Schwinger. Diese Tradition haben nun seine Söhne Philipp und Christian mit viel Erfolg weitergeführt. Auch die Cousins Alex und Daniel sind begeisterte Schwinger. In Philipp’s Wiege wurden aber auch Schwingergene mütterlicherseits gelegt. Denn: Alle Brüder seiner Mutter haben geschwungen. Einer davon ist der inzwischen verstorbene Eidgenosse Thomas Bisig.

Präsident vom Schwingklub Einsiedeln

Philipp ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er ist gelernter Lastwagenmechaniker und betreibt heute in Rothenthurm ein eigenes Geschäft mit dem Namen Philipp Schuler Fahrzeugtechnik AG, mit sechs Mitarbeitern. Der Sennenschwinger ist seit letztem Dezember Präsident vom Schwingklub Einsiedeln. Vorher bekleidete er während neun Jahren das Amt des technischen Leiters. Philipp blickt heute mit dem Schwinger-Blog auf seine erfolgreiche Schwingerkarriere zurück.

In seinem unverkennbaren Stil griff Philipp Schuler etliche Male energisch an

Bild: einsiedleranzeiger.ch

Wie ist die Gefühlslage vor dem letzten Schwingfest?

«Meine Gefühlslage ist sehr gut und ich freue mich auf meinen letzten Wettkampf. Ich möchte dabei eine gute Leistung abrufen und es wäre schön, mit dem Kranz abtreten zu können.»

Wann hast du dich definitiv entschlossen, zurückzutreten?

«Ende März habe ich mich definitiv durchgerungen. Ich war mir davor nicht sicher, ob ich noch bis zum ESAF in Pratteln schwingen soll. Rund um das Regionalschwingfest in Chavornay, bei welchem wir vom Schwingklub Einsiedeln Gast waren, reifte mein Entschluss, am Schwyzer Kantonalen zurückzutreten.»

Gibt es einen bestimmten Grund, dass du das Schwyzer Kantonale in Muotathal als Schlusspunkt ausgewählt hast?

«Ja, den gibt es. 1992 bestritt ich in Muotathal an einem Nachwuchsschwinget mein erstes Schwingfest. Mein Vater Franz gewann 1984 im «Thal» das Schwyzer Kantonale und meine Frau Irene ist von Muotathal. Es schliesst sich nun ein Kreis nach 30 Jahren.»

Du hast deinen ersten Kranz 2001 am Schwyzer Kantonalen in Ingenbohl gewonnen. Welches war deine erfolgreichste Saison?

«Das war 2008. In jener Saison gewann ich zwei Bergkränze, und ich konnte mich für den Kilchberger Schwinget qualifizieren.»

Was sind rückblickend deine Karrierehöhepunkte?

«2001 durfte ich als junger Schwinger am ESAF in Nyon starten und schloss mit einem guten Notenblatt ab. Weiter zähle ich meine sieben ESAF-Teilnahmen dazu. Speziell ist auch der gewonnene ISAF-Kranz 2016 in Einsiedeln, jenes Fest wurde von meinem Bruder Christian gewonnen. Zu erwähnen gäbe es viele guten Gänge. In bester Erinnerung bleiben mir die beiden gewonnenen Gänge gegen Daniel Bösch und Mario Thürig am Stoos-Schwinget 2008.» 

In Erinnerung bleiben den Schwingerfreunden auch Gänge, in denen du zwei zukünftige Berner Schwingerkönige das Fürchten lehrtest. Erzähl doch bitte!

«Christian Stucki rang ich am ISAF 2013 in Emmen einen «Gestellten» ab. Wegen diesem gestellten Gang erreichte er den Schlussgang nicht. Stucki gewann an jenem Fest ansonsten fünf Gänge. Gegen Matthias Sempach konnte ich am «Innerschweizerischen» 2011 in Küssnacht stellen.»

Der Kranzgewinn am ISAF 2016 in Einsiedeln gehört zu den Highlights der Karriere

Bild: Philipp Schuler (Facebook)

Was wird dir in deiner nun zu Ende gehenden Karriere besonders positiv in Erinnerung bleiben?

«Besonders in Erinnerung bleiben mir die vielen freundschaftlichen Beziehungen, welche ich an den Schwingfesten knüpfen konnte. Daraus entstanden Freundschaften in allen Teilverbänden. Es ist halt wie eine grosse Familie.»

Dein Bruder Christian war sicher dein grösster Wegbegleiter. Wie wichtig waren für dich seine Inputs?

«Die Inputs waren gegenseitig. Christian ist technisch sehr versiert und kann dazu viel erklären. Wir haben beide eine eigene Technik und konnten uns so gegenseitig mit Tipps den Feinschliff verpassen. Wir ergänzen uns mental sehr gut und haben viel über die Schwingerei und unsere Gegner gesprochen.»

Gab es in deiner langen Schwingerkarriere auch Enttäuschungen?

«Ja, die gab es. Die grösste Enttäuschung erlebte ich am ESAF 2013 in Burgdorf, an welchem sie mir den letzten Gang gestohlen haben. Ich war der Meinung, dass ich Urs Abderhalden bezwungen hatte. Das Resultat wurde leider nicht gegeben und ich verlor den Gang. Es kamen hinterher viele zu mir, welche einen Sieg sahen. Ich mochte Urs den Erfolg gönnen. Es wurde mir dort einmal mehr bewusst, wie nahe Glück und Pech liegen. Es war für mich einfach schade, dass das Pech gerade in dem Moment zuschlug. Ich stand damals kurz vor dem Rücktritt.»

Was hat sich deiner Meinung nach während deiner Karriere im Schwingsport verändert?

«Was die sportliche Sichtweise angeht, hat sich das Schwingen nicht verändert. Was man heute mehr sieht sind athletische Schwinger. Kein Wunder, sind diese doch etwa gleich lang im Kraftraum wie im Schwingkeller. Was eindeutig zunahm, ist der Kommerz und das Drumherum. Ob diese viele Werbung immer nur zum Positiven gereicht, wage ich zu bezweifeln. Wegen der zunehmenden Kommerzialisierung besteht eine grosse Gefahr, dass sich eine Zweiklassengesellschaft bildet. Wegen den Schwingerzahlen müssen wir aufpassen, die einzelnen Klubs sind dabei hart am Kämpfen. Mir bereitet das Sorgen, und wir müssen zum Nachwuchs Sorge tragen. Ausser Frage steht, dass dabei grosse Arbeit geleistet wird. Das sind eben die zwei Seiten der Medaille.»

Du bleibst dem Schwingsport als Präsident vom Schwingklub Einsiedeln erhalten. Was ist dir bei der Zusammenarbeit innerhalb eines solchen Gremiums besonders wichtig?

«Die Kommunikation ist das Wichtigste. Am Herzen liegt mir auch, dass sich die Leute in ihrem Amt wohl fühlen. Ich sehe es nicht gerne, wenn Spannungen vorhanden sind. Du kannst nur konstruktiv arbeiten, wenn das Wohlbefinden von allen da ist.»

Auf was freust du dich nun am meisten nach deiner aktiven Schwingerkarriere?

«Ich freue mich darauf, mehr Zeit für die Familie und Kollegen zu haben. Unser Familienleben war doch sehr auf das Schwingen ausgelegt. Ich habe mich bis anhin stark für den Schwingsport engagiert und kann dieses Engagement nun etwas reduzieren. Natürlich werde ich weiterhin das eine oder andere Schwingfest besuchen. Ich bin nun aber nicht mehr so an den Schwingfest-Kalender gebunden.»

Ein Gedanke zu “Philipp Schuler beendet am Schwyzer Kantonalen seine lange Karriere. Er sagt: «1992 bestritt ich in Muotathal mein erstes Schwingfest. Nach 30 Jahren schliesst sich nun ein Kreis.»

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