Hanspeter Luginbühl feiert mit bald 38 Jahren als Co-Sieger vom Seeländischen Schwingfest seinen zweiten Kranzfestsieg. Er sagt: «Ich habe mich riesig gefreut, dass es nochmals zu einem solchen Erfolg gereicht hat.»

Text: Schwinger-Blog / Bilder: Hanspeter Luginbühl

Am letzten Sonntag gab es beim Seeländischen Schwingfest in Oberwil bei Büren gleich fünf Sieger. Nebst Curdin Orlik (1a), Kilian von Weissenfluh (1b), Florian Gnägi (1c) und Michael Ledermann (1d) ziert mit Hanspeter Luginbühl (1e) ein Routinier aus der zweiten Reihe die Ranglistenspitze. Dieses Resultat zeigt einerseits, wie gross und breit die Spitze der Berner ist, andererseits die erfreuliche Tatsache, dass die Mittelschwinger den Spitzenschwingern gefährlich nahekommen. Ein Garant für Spektakel und Überraschungen. Einer dieser freudigen Überraschungen ist Hanspeter Luginbühl.

Hanspeter Luginbühl errang beim Seeländischen Schwingfest den zweiten Kranzfestsieg seiner Karriere

Starke Frühjahrsschwingfeste

Den ersten und bis zum letzten Sonntag einzigen Kranzfestsieg errang Hanspeter am Walliser Kantonalfest 2013 in Leukerbad. Den Co-Sieg in Oberwil bei Büren kam daher wohl für viele überraschend. Dennoch hat sich dieser im Verlaufe des Frühlings angekündigt. Am Frühjahrsschwinget Zäziwil belegte der Berner Oberländer den guten vierten Rang, und den Wislisauschwinget in Rüschegg gewann der bald 38-Jährige. Im Schlussgang bezwang er gar den aufstrebenden Severin Schwander. Schliesslich holte sich Hanspeter beim Abendschwinget Frutigen mit Platz zwei eine weitere Spitzenklassierung.

Zweiter Kranzfestsieg im zweiten Schwinger-Frühling

Der Auftakt beim «Seeländischen» verlief mit einem «Gestellten» gegen Roman Sommer noch eher mässig. Dann folgten gegen Thierry Neukomm und Ueli Rüegsegger zwei Plattwürfe, ehe gegen den Eidgenossen Philipp Roth eine weitere gestellte Begegnung notiert wurde. Die beiden Zehner-Würfe im Ausstich gegen Fabian Bader sowie Christian Rüegsegger und der gestellte Schlussgang zwischen Curdin Orlik und Kilian von Weissenfluh bescherten dem bescheidenen Schwinger den zweiten Kranzfestsieg. Man darf im Fall von Hanspeter wortwörtlich von einem zweiten Schwinger-Frühling sprechen, welchen er in diesen Tagen erleben darf.

Stolzer Palmarès

Hanspeter’s Geburtsdatum ist der 26. Juni 1984. Der zweifache Kranzfestsieger wohnt zusammen mit seiner Partnerin und den gemeinsamen zwei Kindern in Trimstein, einem Weiler von Münsingen. Aufgewachsen ist der 178 Zentimeter grosse und 108 Kilogramm schwere Athlet in Aeschiried im Kandertal. Hanspeter machte ursprünglich die Ausbildung zum Forstwart und liess sich zum Forstingenieur weiterbilden. Er arbeitet derzeit beim Staatsforstbetrieb Bern und bewirtschaftet dort mit seinem Team die kantonseigenen Wälder. Hanspeter geniesst seine Freizeit gerne zusammen mit der Familie in der Natur.

Der Sennenschwinger schwingt für den Schwingklub Aeschi und gewann bisher stolze 64 Kränze. Diese setzen sich aus 48 Gau-/Kantonal-, 10 Teilverbands- und 6 Bergkränzen zusammen. Nebst den beiden Kranzfestsiegen blickt Hanspeter auf 11 Regionalfestsiege, 5 ESAF- und 2 Unspunnen-Schwinget-Teilnahmen zurück. Der erste Kranzgewinn datiert auf den 26. Juni 2005 am Bern-Jurassischen Schwingfest in Tavannes, just an seinem 21. Geburtstag. Der Schwinger-Blog unterhielt sich nach dem Erfolg beim Seeländischen Schwingfest mit Hanspeter, und brachte dabei interessante Fakten in Erfahrung. 

Hanspeter Luginbühl packt in seiner unverkennbaren Art an

Herzliche Gratulation zum Co-Kranzfestsieg! Wie war die Gefühlslage nach dem Sieg?

«Überwältigend! Ich war mir erst nicht sicher, welche Note Michael Ledermann im letzten Gang geschrieben wurde, und wie das Ganze ausgeht. Als dann das Endergebnis feststand, habe ich mich riesig gefreut, dass es nochmals zu einem solchen Erfolg gereicht hat.»

Welcher Gang war der Schlüssel zum Erfolg?

«Einerseits der fünfte Gang gegen Fabian Bader, welchen ich ziemlich schnell gewann. Andererseits der sechste Gang gegen Christian Rüegsegger, beide Gegner konnte ich platt gewinnen. Und schliesslich der vierte Gang gegen Philipp Roth, dass ich nicht verloren habe. Natürlich hätte ich gerne auch diesen gewonnen.»

Was ist im Rückblick dein Fazit über das Seeländische Schwingfest 2022?

«Ich habe am Montag Dankesbriefe geschrieben, einer davon ging auch ans OK. Es war ein super Fest mit einem schönen Rahmen. Ich habe mich auf dieses Schwingfest gefreut, denn ich bin in dieser Gegend auch beruflich tätig. In Oberwil war ein gutes Teilnehmerfeld am Start, dieses war auch mit vielen guten Mittelschwingern besetzt. Den Zuschauern wurden gute Gänge und viele Überraschungen geboten. Man konnte dabei beobachten, wie stark das Mittelfeld in den letzten zwei Jahren geworden ist. Diese hatten während der Pandemie keine Chance sich zu zeigen, und mischen nun die Rangliste gehörig auf. Es ist eine Riesenfreude, das zu sehen.»

Man ist geneigt zu sagen, dass du derzeit einen zweiten Schwinger-Frühling erlebst. Hast du den Trainingsumfang im Vergleich zu früheren Jahren vergrössert?

«Nein, überhaupt nicht. Ich habe eine gute Balance zwischen Familie, Beruf und Schwingen gefunden. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Zudem gehe ich das Ganze in diesem Jahr viel lockerer an. Das «Seeländische» war bereits mein neuntes Schwingfest. Bei den ersten fünf lief es nicht so gut, die Sicherheit war noch nicht vorhanden. Diese kehrte beim Frühjahrsschwinget Zäziwil zurück. Beim Wislisauschwinget, welches ich gewinnen konnte, konnte ich das umsetzen, was ich mir vorgenommen habe. Von da an hat es gepasst. Natürlich gehört auch Glück dazu, und dass einem die Gegner in die Hand passen. Mein Ziel war es schon immer, möglichst viele kleine Schwingfeste zu besuchen. Dies als Training und als Wertschätzung für die Organisatoren.»

Wie sieht dein aktuelles Training aus?

«Ich absolviere am Dienstag das Verbandstraining mit den Oberländer Schwingern, am Donnerstag steht das Klubtraining auf dem Programm. Relativ fix ist der Termin am Mittwoch: Da spiele ich mit meinen Kollegen jeweils zwei Stunden Badminton. Wenn ich an zwei Wochenenden hintereinander Schwingfeste bestreite, lasse ich in der Woche dazwischen die Schwingtrainings weg. Als Erholung, denn diese ist mit meinen bald 38 Jahren wichtig.»

Hanspeter Luginbühl verbringt seine Freizeit gerne zusammen mit der Familie in der Natur

Die Berner scheinen ein unermessliches Reservoir an Spitzenschwingern zu haben. Sowohl bei den Jungen wie auch bei den älteren Semestern scheints prima zu laufen. Sind die Berner Trainings nochmals professionalisiert worden?

«Ich weiss nicht, wie das in anderen Teilverbänden organisiert ist. Wir werden durch TK-Chef Roland Gehrig und seinen Helfern sehr gut betreut. Ich erlebe super organisierte Trainings, welche bei uns Schwingern keinen Druck erzeugen. Wir gehen motiviert ins Training und pflegen innerhalb der sechs Gauverbände eine gute Freundschaft. Gehrig konnte bei der Übernahme des Amtes die gute Stimmung mitnehmen. Wir haben viele gute Schwinger und die Grundlage sind die Schwingklubs. Darunter sind einige Klubs, welche ganz stark aufgestellt sind, diese sind enorm wichtig für das ganze Kollektiv innerhalb des Bernisch Kantonalen Schwingerverbandes.»

Du stehst als Kranzfestsieger nun mehr im Fokus. Was für Gedanken erzeugt das bei dir?

«Das war nicht mein Saison-Ziel. Ich versuche mich deswegen nicht unter Druck setzen zu lassen. Ich will einfach Freude am Schwingen haben und ich will auch mit Freude an die Schwingfeste gehen. Der Kranzfestsieg hat Aufmerksamkeit erweckt: Ich hatte hinterher 105 Nachrichten auf meinem Handy. Ich verspürte eine Riesenfreude und durfte nachfühlen, wie es Spitzenschwingern ergeht. Darum: Auf dem Boden bleiben und auf das nächste Schwingfest freuen.»

Korrigierst du nach dem Co-Kranzfestsieg deine Ziele nach oben? 

«Nein, ich korrigiere diese nicht nach oben. Wie in der vorherigen Frage schon erklärt: Ich will bescheiden und am Boden bleiben. Das habe ich während meiner ganzen bisherigen Karriere so gehandhabt. Ich hielt mich zurück und habe alle Entscheide akzeptiert, was mir einen gewissen Respekt eingebracht hat. Das versuche ich bis zum Karriereende durchzuziehen, und natürlich auch darüber hinaus.»

Ist dies eigentlich deine letzte Saison?

«Eventuell, aber vielleicht schwinge ich weiter. Stand heute höre ich Ende Saison nicht auf, Philipp Schuler war am Ende seiner Karriere 40-jährig… Und: Ich hatte Riesenglück, dass ich immer verletzungsfrei blieb. Solange ich Freude habe, bin ich dabei. Ich versuche zudem zu vermeiden, einen Rücktritt anzukündigen. Ich will mit positiven Gedanken an die Schwingfeste reisen, und nicht dabei denken müssen, dass ich nun das letzte Mal dort starte.»

Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?

«Meine Highlights sind die Saisons 2011 und 2012. Ein weiteres Highlight ist der 2012 gewonnene Brünigkranz. Ich habe mich damals so gefühlt wie heute. Es hat alles gestimmt, das Umfeld und im Kopf. Stimmen diese Faktoren nicht, wirkt sich das auf die Leistung aus.»

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