Samir Leuppi strebt am Sonntag in Balterswil seinen achten NOS-Kranz an. Er sagt: «Am Ende des Tages will ich sagen können, dass es ein super Wettkampf war und ich alles gegeben habe. Was dabei herausspringt ist Zugabe.»

Text: Schwinger-Blog

Samir Leuppi gehört mit seinem Palmarès und seiner offensiven Schwingweise zur Spitze in der Nordostschweiz. In dieser Saison gewann er bereits drei Kränze. Beim St. Galler Kantonalschwingfest stand der bärenstarke Athlet gar im Schlussgang und wurde hervorragender Zweiter. Die Vorbereitung auf die neue Saison wurde allerdings durch gesundheitliche Probleme beeinträchtigt. Nun ist Samir wieder einigermassen fit und so richtig im Wettkampf-Modus angelangt. An diesem Sonntag steht für ihn mit dem Nordostschweizer Schwingfest in Balterswil TG ein erster Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Beim Anschwingen wird er auf den Appenzeller Michael Bless treffen.

Samir konnte bisher drei Kranzfestsiege feiern

Bild: schlussgang.ch

2017, 2019 und 2021 jeweils 7 Kränze gewonnen

Samir’s Geburtsdatum ist der 24. Februar 1993. Der 29-Jährige wohnt mit seiner Freundin im Kanton Zug, und weist mit seiner Grösse (194 Zentimeter) und seinem Gewicht (140 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Samir ist gelernter Zimmermann und lässt sich momentan bei der Transportpolizei zum Polizisten ausbilden. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport benennt der Sennenschwinger Jassen, Kraftsport und Fischen als seine Hobbys.

Samir ist Mitglied vom Schwingklub Winterthur und hat drei Kranzfestsiege und sieben Regionalfestsiege auf seinem Konto. Weiter gehören zu seinem Palmarès 47 Kränze: 33 Kantonalkränze, 8 Teilverbandskränze, 5 Bergkränze und 1 Eidgenössischer Kranz (ESAF 2019 in Zug). Der Winterhurer gewann seinen ersten Kranz am 2. Mai 2010 beim Thurgauer Kantonalschwingfest in Wängi. Ab der Saison 2015 wurde Samir zu einem regelmässigen Kranzsammler. In den Jahren 2017, 2019 und 2021 gewann er jeweils sieben Kränze.

2022: Trotz beeinträchtigter Vorbereitung schon drei Kränze gewonnen

Von November bis Februar plagten Samir Schleimbeutelprobleme. Während dieser Zeit konnte der Eidgenosse leider kein Sägemehl-Training absolvieren. Hinzu kam anschliessend eine langwierige Reflux-Erkrankung, welche ihm zu schaffen machte. Für das Thurgauer Kantonale musste Samir deshalb Forfait erklären. Vor seinem Heimfest, dem Zürcher Kantonalen, musste Samir zudem eine Erkältung auskurieren. In Ossingen stieg er schliesslich in die Saison ein, und mit Rang 5d war der Einstand geglückt. Beim St. Galler Kantonalschwingfest in Wil wurde Samir sehr guter Zweiter. Bei diesem Anlass gewann er gleich gegen zwei Sieger eines eidgenössischen Anlasses, nämlich gegen Damian Ott und Arnold Forrer. Der Schlussgang gegen Werner Schlegel endete gestellt, was dem Toggenburger den Sieg einbrachte. Eine Woche später gewann Samir beim Glarner-Bündner Schwingertag in Netstal mit Rang 6d den dritten Saisonkranz.

Tragische Figur beim Kilchberger Schwinget

In den Köpfen der Schwingerfreunde blieb ein kapitaler Fehlentscheid beim letztjährigen Kilchberger Schwinget hängen. Samir bodigte im fünften Gang mit einer blanken Zehn Bernhard Kämpf. Die Kampfrichter sahen dies jedoch anders, der Gang endete gestellt und der Zürcher verpasste dadurch den Schlussgang. Der «Blick» schrieb hinterher: «Leuppi ist der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere geraubt worden.» Samir verhehlte nicht, dass er am Boden zerstört war und die Welt nicht mehr verstanden habe. Er sagte aber auch: «Ich hatte trotz allem eine tolle Saison und habe in Kilchberg gespürt, dass ich ganz an der Spitze mithalten kann.»

Beim Gespräch mit dem dreifachen Kranzfestsieger blickt der Schwinger-Blog aber nicht mehr zurück, sondern nach vorn. In die aktuelle Gegenwart, auf das bevorstehende Nordostschweizer Schwingfest, auf einen möglichen Sieg an einem grossen Fest und natürlich auch aufs ESAF in Pratteln.

Beim St. Galler Kantonalen bezwang Samir Schwingerkönig Nöldi Forrer

Bild: Lorenz Reifler

Wie geht es dir? Bist du wieder vollständig gesund?

«Es geht mir so weit gut und ich bin gesundheitlich recht gut dran. Die Schleimbeutelentzündung ist vollständig auskuriert, der Reflux macht aber noch ein wenig Probleme. Bei übermässiger Anstrengung äussert sich dies mit Husten.»

Trotz beeinträchtigter Saisonvorbereitung hast du bereits drei Kränze gewonnen. Wie bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

«Es läuft trotz der verkürzten Vorbereitung gut. Die Routine fehlt mir noch etwas und ich bin schwingerisch noch nicht ganz auf dem Stand wie ich gerne möchte. Dadurch, dass ich längere Zeit ausfiel, ist es dennoch gut herausgekommen.»

In der SCHLUSSGANG-Wertung für die diesjährige Saison belegst du aktuell Platz 43. In der Schluss-Wertung für 2021 warst du auf Platz 15 zu finden. In der zweiten Saisonhälfte besteht da durchaus noch Luft nach oben?

«Diese Wertung halte ich während der Saison nicht unbedingt für repräsentativ. Zum jetzigen Zeitpunkt wird wegen unterschiedlicher Anzahl Kranzfeste sowieso nicht mit gleichen Ellen gemessen. Und: Ich habe erst drei Kantonalfeste bestritten, die grossen Schwingfeste stehen für mich erst noch bevor.»

Nun steht am kommenden Sonntag mit dem Nordostschweizer Schwingfest ein erster Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Wie siehst du deine Erfolgschancen?

«Es ist ein erster Höhepunkt und wie ich auf Bildern gesehen habe, sieht die Arena toll aus. Ich handhabe es wie immer: Ich gehe an den Wettkampf und will ein gutes Gefühl haben. Ich werde meine beste Leistung abrufen und möchte wieder gesund heimfahren. Am Ende des Tages will ich primär sagen können, dass es ein super Wettkampf war und ich alles gegeben habe. Was dabei herausspringt ist Zugabe. Zudem: Die Jungen drücken und wir haben ein sehr gutes Team. Da bin ich gefordert, wenn ich vorne dabei sein möchte. Dieser Umstand bereitet mir aber grosse Freude.»

Samuel Giger ist der absolute Topfavorit in Balterswil. Du hast dir sicher auch schon Gedanken gemacht, wie man den Überschwinger aus dem Thurgau bezwingen könnte. Verrätst du uns diese?

Samir lacht. «Er ist der absolute Favorit. Wenn ich wüsste wie, hätte ich ihn schon längst bezwungen. Ich suche aber mein Erfolgsrezept gegen ihn immer noch.»

Samir will seine Aufgabe am Nordostschweizer Schwingfest konzentriert angehen

Bild: samir-leuppi.ch

Welche weiteren Saisonhöhepunkte stehen bei dir nebst dem NOS noch auf dem Programm?

«Nach dem NOS folgt mit dem Bernisch-Kantonalen Schwingfest ein weiteres Teilverbandsfest. Anschliessend geht es auf die Berge: Der Reihe nach trete ich auf dem Weissenstein, auf dem Brünig und auf der Schwägalp an. Und Ende August steht das ESAF in Pratteln auf dem Programm. Jetzt folgen in dem Sinne nur noch Highlights.»

Wie sieht deine aktuelle Trainingswoche aus?

«Im Moment gestalte ich diese flexibel. Weil ich im Praktikum stecke und Schicht arbeite, muss ich mein Athletiktraining flexibel planen und die Schwingtrainings auf die freien Abende legen. Das sind dann wöchentlich drei bis vier Trainingseinheiten: Zwei Krafttrainings und ein bis zweimal Schwingen.»

Wirst du dein Arbeitspensum hinsichtlich ESAF reduzieren, und dein Training noch intensivieren?

«Eine Reduktion des Arbeitspensums ist wegen der Ausbildung nicht möglich. Zudem stehen kurz vor dem ESAF Prüfungen an. Das Training werde ich so gut es geht intensivieren. Ich versuche alles unter einen Hut zu bringen, muss aber auch auf meinen Körper hören, damit ich nicht in ein Übertraining gerate.»

Das Nordostschweizer Team darf sich in Pratteln berechtigte Hoffnungen machen, dass der neue Schwingerkönig aus ihren Reihen kommen wird und sie ein gewichtiges Wörtchen um die Kranzverteilung mitreden werden. Wie ist die momentane Stimmung im Team?

«Mein Gefühl ist sehr gut. Der Team-Spirit ist sehr gut und man mag einander den Erfolg gönnen. Jeder gibt alles und nach dem Wettkampf sitzt man gemeinsam zusammen. Beim NOS treten wir noch als Gegner gegeneinander an. Bei den anstehenden Bergkranzfesten werden wir dann zum ersten Mal in dieser Saison als Team zusammenspannen und auftreten. Ich bin stolz, ein Teil dieses Teams sein zu dürfen und freue mich riesig auf diese Anlässe.»

Apropos grosse Feste: Beim letztjährigen Kilchberger Schwinget hast du gezeigt, dass du für den Sieg an einem grossen Fest bereit bist. Was braucht es in deinen Augen für so einen Triumph?

«Ich glaube, da müssen viele Faktoren zusammenstimmen und passen. Dazu gehört das nötige Glück, es muss dein Tag sein, du musst dich super fühlen, man muss mental parat sein und es müssen Gegner sein, die dir liegen. Ein eigentliches Rezept gibt es nicht. Am Ende so eines Tages wirst du vermutlich sagen, dass du niemals mit so einem Erfolg gerechnet hast.»

Der Spatenstich zum ISAF 2022 ist erfolgt

Am Sonntag, 3. Juli findet das 115. Innerschweizer Schwing- und Älplerfest (ISAF) in Ennetbürgen statt. Rund zwei Wochen vor dem Fest erfolgte am Freitag, 17. Juni der offizielle Spatenstich zum sportlichen Grossanlass, wie er so nur alle rund 15 Jahre in Nidwalden durchgeführt wird.

Text und Bild: Peter Bircher / Bearbeitung: Schwinger-Blog

In rund zwei Wochen, am Sonntag, 3. Juli, wird im Gebiet der Herdern in Ennetbürgen Schwingsport vom Feinsten geboten. Rund 200 Schwinger aus der Innerschweiz und aus anderen Teilverbänden schwingen um Kränze und um den Festsieg. Daneben werden auch Steinstösser um jeden Zentimeter kämpfen.

Von links nach rechts: Marco Zimmermann (OK-Vizepräsident und Festwirt Aussenstände), Peter Keller (OK-Präsident) und Yves Seiler (OK Infrastruktur und Bau) beim Spaten-, bzw. Tribünenstich des ISAF 2022

Auf- und Abbau dauert rund 3 Wochen

Am Freitag, 17. Juni fand vor Ort der offizielle Spatenstich und damit auch der Start zum Fest statt. In den kommenden rund zwei Wochen wird das gesamte Festareal aufgestellt und in Betrieb genommen. Neben der Schwingerarena mit rund 7’000 Zuschauerinnen und Zuschauer braucht es ein Festzelt für rund 1’000 Personen, ein Zelt für die Schwingerfreunde, zahlreiche Ess- und Getränkestände, sanitäre Anlagen sowie Strom- und Wasserleitungen. Weiter werden Mobiliar wie Tische, Bänke, Sonnenschirme, Einrichtungen für den Gabentempel und Einrichtungen fürs Festbankett für rund 1’500 Gäste aufgebaut. «Der ganze Auf- und Abbau beginnt heute und dauert bis rund eine Woche nach dem Schwingfest am 8. Juli», erklärt Yves Seiler, Leiter Infrastruktur und Bau. «Die Koordination mit allen Lieferanten, Partnern und Helfenden funktioniert hervorragend. Die grosse Unterstützung und auch Flexibilität aller Beteiligten helfen dabei sehr.»

Über 1’500 Personen im Einsatz

Für den Auf- und Abbau werden neben rund 30 Personen vom Zivilschutz auch 350 Helferschichten vorwiegend am Abend und teilweise auch am Tag unterstützend zur Seite stehen. Am Festwochenende werden rund 1’200 Personen vom Donnerstag bis Sonntag etwa 9’000 Einsatzstunden leisten. «Es ist einfach grossartig, wie uns die Helferinnen und Helfer, sowohl aus Vereinen wie auch Privatpersonen, unterstützen», meint OK-Präsident Peter Keller.

Rund 50’000 Liter Getränke und über 4 Tonnen Esswaren

Das ganze Festgelände öffnet bereits am Donnerstag seine Türen. Jeder Tag wird dabei unter ein Motto gestellt: Am Donnerstag ist «Ländlerabig», am Freitag «Partyabend» und am Samstag «Familientag». «Mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm wollen wir für jeden Geschmack und jedes Alter etwas bieten und natürlich auch die umfassende Infrastruktur über mehrere Tage nutzen», erklärt Peter Keller. Der Eintritt ans gesamte Rahmenprogramm ist frei.

Um das leibliche Wohl kümmert sich ein grosses Team unter der Leitung von Alois Keiser und Marco Zimmermann. Die Mengen, die dabei im Vorfeld bestellt werden müssen, sind beeindruckend: Je 4’500 Kalbs- und Schweinsbratwürste, 2’500 Schweinshalssteak, 3’000 Buttergipfeli, knapp 15’000 Liter Bier sowie rund 16’000 Liter Wasser und Softgetränke. «Die grosse Schwierigkeit für uns ist das Wetter und damit auch der Aufmarsch der Besucherinnen und Besucher», meint Marco Zimmermann, OK-Vizepräsident und Festwirt Aussenstände, und ergänzt, dass «wir dank der grossen Flexibilität der Lieferanten auch kurzfristig reagieren und allenfalls Nachschub organisieren können. Hunger oder Durst muss am ISAF bestimmt niemand haben.»

Buebeschwinget am Samstag

Als besonderes Highlight beim Rahmenprogramm findet am Samstag ein Buebeschwinget mit rund 250 Teilnehmenden im Alter von 8 bis 15 Jahren statt. «Für unseren Nachwuchs ist das Buebeschwinget in der grossen Arena enorm wichtig und im Rahmen eines Innerschweizer Schwingfests einzigartig», so Marco Zimmermann, der zudem Präsident der mitorganisierenden Schwingersektion Beckenried ist.

Die Vorfreude ist gross

Die Vorfreude auf das Fest ist riesig. Die Bilder der letzten Schwingfeste helfen hier sicher mit. «Das Kribbeln und die Spannung steigen wieder mit den Übertragungen im Fernsehen und natürlich mit den Besuchen vor Ort bei den zahlreichen Schwingfesten in den letzten Wochen», erklärt Peter Keller und ergänzt: «Das OK ist topmotiviert und arbeitet mit grossem Elan. Immer mehr Zahnräder greifen ineinander und bringen das ganze Fest mehr und mehr in Schwung.» Weitere Infos findet man unter www.isaf2022.ch.

Der Innerschweizer Schwinger-Nachwuchs misst sich am INST in Attinghausen

Text und Bilder: David Zurfluh / Bearbeitung: Schwinger-Blog

Stefan Arnold (rechts) sorgte 2004 in Cham für den ersten Kategoriensieg des Schwingklubs Attinghausen an einem INST

20. Innerschweizer Nachwuchsschwingertag (INST)

Am 26. Juni wird dem Schwingklub Attinghausen die Ehre zuteil, den 20. Innerschweizer Nachwuchsschwingertag (INST) zu organisieren. Die 160 besten Schwinger der Jahrgänge 2004 bis 2007 aus der Innerschweiz und dem Tessin werden in vier Kategorien jeweils den stärksten ihres Jahrgangs ausmachen. 
Um 08.15 Uhr werden die Athleten zum Appell erwartet, bevor dann um 09.00 Uhr die Wettkämpfe beginnen. Die Schlussgänge werden um etwa 16.00 Uhr stattfinden. An der Rangverkündigung um 17.00 Uhr erhalten die maximal ersten 40 Prozent einen Doppelzweig. Den ersten drei in jeder Kategorie wird eine Glocke überreicht. Zudem gibt es für alle angetretenen Schwinger einen praktischen Einheitspreis als Andenken an die Teilnahme.

2021 holte sich Lukas Bissig (rechts) den Kategoriensieg am INST in Baar

Gute Erinnerungen an den INST

Stefan Arnold, Marco Wyrsch, Michael Zurfluh und Lukas Bissig heissen die aktiven Kranzschwinger des Schwingklubs Attinghausen. Neben dem Schwingklub verbindet sie aber noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie alle konnten am INST schon einmal einen Kategoriensieg feiern. Stefan Arnolds Kategoriensieg liegt 18 Jahre zurück, Lukas Bissig gelang dieses Kunststück im letzten Jahr. In Attinghausen verbindet man durchaus positive Erinnerungen mit dem Anlass, deshalb freut man sich im Freiherrendorf schon jetzt auf den 26. Juni. «Das Organisationskomitee arbeitet seit mehr als einem Jahr daran, dem Ehrentag der Innerschweizer Nachwuchsschwinger einen würdigen Rahmen zu verleihen», sagt OK-Präsident Stefan Bissig. Der Festplatz und die Schwingarena sind frei zugänglich. Die leistungsfähige Festwirtschaft sorgt den ganzen Tag über für das leibliche Wohl der Athleten und der Besucher. Eine Reise nach Attinghausen lohnt sich definitiv! Weitere Informationen findet man unter www.inst2022.ch.

Starkes Comeback: Steven Moser wurde bei den ersten beiden Kranzfesten in der Südwestschweiz zweimal Zweiter, und peilt nun einen Kranzfestsieg an. Er sagt: «Es ist eine grosse Herausforderung, da wir mittlerweile viele gute Schwinger bei uns haben.»

Text: Schwinger-Blog

Steven Moser ist im Südwestschweizer Schwingerverband momentan der beste Nichteidgenosse, und zählt zusammen mit den drei Eidgenossen Benjamin Gapany, Lario Kramer sowie Steve Duplan zum Team-Leader-Quartett. Bei den beiden bisher ausgetragenen Kranzfesten (Walliser und Neuenburger Kantonales) belegte er jeweils den hervorragenden zweiten Platz, und beim Mittelländischen Schwingfest anfangs Mai sicherte sich der Freiburger mit Rang 6d den Kranz. Nach einer längeren Verletzungspause gab er diesen Frühling beim Regionalschwingfest in Ried bei Kerzers mit dem dritten Rang ein starkes Comeback. Beim Regionalschwingfest in Le Mouret stand Steven mit Benjamin Gapany im Schlussgang. Diesen verlor er allerdings und landete erneut auf dem dritten Platz.

Am Walliser Kantonalen in Savièse wurde Steven Zweiter, und durfte kranzgeschmückt die Heimreise antreten

Bild: Fabio Salvatore Sabatino

Vor dieser Saison: Letztmals am 19. August 2018 vor die Kranzdamen getreten

Steven’s Geburtsdatum ist der 29. März 1996. Der 26-Jährige wohnt in Rechthalten, ist ledig und weist mit seiner Grösse (192 Zentimeter) und seinem Gewicht (120 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Der Freiburger ist gelernter Polymechaniker und absolvierte eine Ausbildung zum Maschinenbau-Ingenieur. Er arbeitet derzeit in einem 100 Prozent-Pensum bei der Firma Polytype in der Stadt Freiburg. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport findet der Sennenschwinger nur wenig Zeit für weitere Aktivitäten. Am ehesten noch für Wanderungen.

Steven ist Mitglied vom Schwingklub Sense und hat einen Kranzfestsieg (Waadtländer Kantonalschwingfest 2017 in Mont-Pèlerin), 27 Kränze und fünf Regionalfestsiege auf seinem Konto. Der Sensler gewann seinen ersten Kranz am 21. April 2013 beim Genfer Kantonalschwingfest in Satigny. Ab jener Saison sammelte er regelmässig Kränze. Am meisten in den Saisons 2017 und 2018, nämlich jeweils sechs Eichenlaub-Exemplare. Vor der diesjährigen Saison durfte Steven letztmals am 19. August 2018 beim Walliser Kantonalen vor die Kranzdamen treten. 

Verletzungsgeschichte und Corona-Pandemie

Die Verletzungsgeschichte begann 2019: Steven zog sich im Januar am rechten Knie einen Kreuzbandriss zu und musste operiert werden. Kurz vor dem ESAF in Zug kehrte er wieder auf die Schwingplätze zurück. Beim «Eidgenössischen» schwang der 27-fache Kranzschwinger immerhin acht Gänge. Dann folgte 2020 die Corona-Pandemie und wie fast das gesamte öffentliche Leben wurde auch der Schwingsport ausgebremst. Als es wieder erlaubt war, nahm der Modellathlet das Training auf und bereitete sich entsprechend auf die Saison 2021 vor. Beim allerersten Schwingfest im Juni, am Regionalschwingfest Schwarzsee, riss sich Steven erneut das Kreuzband im rechten Knie. Es erfolgte wieder eine Operation und anschliessend ein monatelanger Aufbau. Wie schon erwähnt, gewann Steven in dieser Saison bereits drei Kränze. An diesem Sonntag steht für den Maschinenbau-Ingenieur beim Waadtländer Kantonalen in Aigle das nächste Kranzfest auf dem Programm.

Nach 2018 das zweite Gespräch

Steven schnupperte am ESAF 2016 in Estavayer-le-Lac schon mal am Eidgenössischen Kranz. Mit der momentanen Form darf er sich berechtigte Hoffnungen machen, dass es diesmal in Pratteln tatsächlich gelingen kann. Und: Wenn Steven gesund bleibt, ist es eine Frage der Zeit bis zum zweiten Kranzfestsieg. Der Schwinger-Blog besuchte Steven Ende Mai 2018, und berichtete im Beitrag «Gespräch mit Steven Moser, einem Team-Leader der Südwestschweizer» von einem hoffnungsvollen Südwestschweizer Talent. Steven gehört nach wie vor zu den Team-Leadern in der Südwestschweiz, welches inzwischen zu einem Quartett herangewachsen ist. Im heutigen Gespräch wird auf die jüngsten Erfolge eingegangen, eine Zwischenbilanz gezogen, sowie aufs ESAF und das Südwestschweizer Team geschaut.

Beim Neuenburger Kantonalen auf Vue-des-Alpes wurde Steven wieder Zweiter und durfte nebst dem Kranz auch ein schönes Bild nach Hause nehmen

Bild: Schwingklub Sense

Herzliche Gratulation zu den beiden Top-Platzierungen in der Südwestschweiz und zum gewonnenen Kranz am Mittelländischen Schwingfest. Wie ordnest du diese Erfolge ein?

«Für mich ist das sehr gut. Beim ersten Schwingfest, dem Regionalschwingfest in Ried bei Kerzers, konnte ich noch nicht richtig einschätzen, wo ich stehe. Beim Mittelländischen Schwingfest in Bern ging es für mich auf, und es machte «klick» im Kopf. Ich dachte mir, wenn es bei den Bernern funktioniert, dann kann ich auch Kränze bei uns in der Südwestschweiz gewinnen.»

Rückblick auf den 7. Mai: Der Einstieg ins «Mittelländische» endete mit einer Niederlage gegen Adrian Walther, ehe vier Siege und ein «Gestellter» folgten. Welcher Gang war in deinen Augen der Schlüssel-Gang zum Kranzerfolg?

«Das war klar der vierte Gang, in welchem ich den Eidgenossen Patrick Schenk bezwingen konnte. Das war für mich eine Kopfsache. Denn: Das war derjenige Gegner am ESAF 2016 in Estavayer-le-Lac, gegen den ich im letzten Gang um den Kranz verloren habe.»

Der Auftakt beim Walliser Kantonalen verlief mit zwei gestellten Gängen ebenfalls wenig verheissungsvoll. Anschliessend gab’s vier Zehner-Würfe. Verrätst du uns, wie du den Schalter umlegen konntest?

«Das war so nicht geplant, dass ich mit zwei «Gestellten» startete. Im ersten Gang waren wir beide nicht sonderlich aktiv. Im zweiten Gang schwang ich drauf los, mein Gegner hat sich aber defensiv auf mich eingestellt. Ich kam anschliessend schon kurz ins Studieren, entschied mich dann Vollgas zu geben und in jedem Gang anzugreifen.»

Auch beim Neuenburger Kantonalen verlief der Start in den Wettkampf mit der Niederlage gegen Lario Kramer nicht wunschgemäss. Anschliessend folgten fünf Siege. Worin bestand auf der Vue des Alpes das Erfolgsrezept?

«Im ersten Gang lief es für mich blöd und ich habe mich überschätzt. Sieben Sekunden vor Schluss ging der Kampf verloren. In den nächsten Gängen gab ich Vollgas, und mein Ziel war der Schlussgang. Diesen verpasste ich leider um einen Viertel Punkt. Bei einem gestellten Schlussgang hätte ich sogar erben können.»

Was auffällt, sind deine verhaltenen Starts. War das Zufall, oder brauchst du jeweils einen «Gingg» um wirklich wach zu werden?

Steven lacht. «Das ist nicht einfach zu erklären. Im ersten Gang kriegt man jeweils die besten Gegner und geht die Aufgabe dementsprechend sachte an. Ich denke, die Saison ist noch jung und das wird im weiteren Verlauf sicher noch besser. Es war für mich zudem schwierig einzuschätzen, wo ich nach der langen Verletzungspause stehe. Auf einige Topschwinger bin ich im Übrigen schon länger nicht mehr getroffen. Deshalb spielte auch ein Abwägen mit.»

Beim Gespräch im Mai 2018, inmitten der schönen Natur auf dem Menzisberg bei Steven’s Elternhaus

Bild: Schwinger-Blog

Was für eine persönliche Saison-Zwischenbilanz ziehst du?

«Ich bin recht zufrieden. Von drei möglichen Kränzen habe ich drei geholt, das ist positiv. Wenn ich mich noch besser vorbereite und noch etwas fitter werde, liegt noch mehr drin. Schlussgang-Teilnahmen oder Schlussgang-Siege liegen im Bereich des Möglichen. Es ist aber eine grosse Herausforderung, da wir mittlerweile viele gute Schwinger bei uns haben.»

Wie sieht deine aktuelle Trainingswoche aus?

«Aktuell absolviere ich zwei Schwing- und zwei Krafttrainings. Das Trainingsprogramm habe ich momentan wegen den anstehenden Schwingfesten stark reduziert. Ich möchte nicht körperlich kaputt bei diesen antreten. In der Vorbereitungszeit ist das Trainingspensum um einiges grösser.»

Wirst du dein Arbeitspensum hinsichtlich ESAF reduzieren, und dein Training noch intensivieren?

«Eine Reduktion des Arbeitspensums ist nicht geplant. Ich arbeite in einem Büro und kann die Arbeitszeiten flexibel gestalten, damit ich zu genügend Erholungszeit komme. Hinsichtlich ESAF werde ich das Training schon intensivieren. So beispielsweise untertags, wenn ich mit dem Velo zur Arbeit fahre.»

Apropos ESAF: Das Südwestschweizer Team darf sich berechtigte Hoffnungen machen, die Kranzausbeute von Zug am ESAF in Pratteln gar zu übertreffen. Wie siehst du das?

«Ja, dieser Meinung bin ich auch. Wir haben etliche starke Schwinger und es sind einige von Verletzungen zurückgekehrt. Das Ziel ist, mehr Kränze zu gewinnen als in Zug. Und: Jene zu gewinnen, welche wir können. Wenn alle fit sind und die Form in Pratteln stimmt, können wir dieses Ziel durchaus erreichen.»

Beim Gespräch Ende Mai 2018 waren du und Benjamin Gapany die beiden einzigen Team-Leader im Südwestschweizer Verband. Inzwischen ist das Duo zu einem Quartett herangewachsen. Die Leader-Rolle wurde nun auf mehrere Schultern verteilt. Was hat sich dahinter, bei den sogenannten Mittelschwingern, in den letzten vier Jahren verändert?

«Die drei Eigenossen von Zug haben sich enorm auf die Schwinger-Szene in der Romandie ausgewirkt. Die Mittelschwinger haben inzwischen mächtig aufgeholt. Die Corona-Pandemie hinterliess allerdings auch bei uns Spuren. Das hat man beispielsweise an den tiefen Schwingerzahlen beim Walliser Kantonalen gesehen. Wir hoffen, dass die Zahlen wieder steigen. Es braucht alle Schwinger, auch die stärker gewordenen Mittelschwinger, welche den Schwingsport weitergeben. Das ist beste Werbung für den Nachwuchs.»