Samir Leuppi strebt am Sonntag in Balterswil seinen achten NOS-Kranz an. Er sagt: «Am Ende des Tages will ich sagen können, dass es ein super Wettkampf war und ich alles gegeben habe. Was dabei herausspringt ist Zugabe.»

Text: Schwinger-Blog

Samir Leuppi gehört mit seinem Palmarès und seiner offensiven Schwingweise zur Spitze in der Nordostschweiz. In dieser Saison gewann er bereits drei Kränze. Beim St. Galler Kantonalschwingfest stand der bärenstarke Athlet gar im Schlussgang und wurde hervorragender Zweiter. Die Vorbereitung auf die neue Saison wurde allerdings durch gesundheitliche Probleme beeinträchtigt. Nun ist Samir wieder einigermassen fit und so richtig im Wettkampf-Modus angelangt. An diesem Sonntag steht für ihn mit dem Nordostschweizer Schwingfest in Balterswil TG ein erster Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Beim Anschwingen wird er auf den Appenzeller Michael Bless treffen.

Samir konnte bisher drei Kranzfestsiege feiern

Bild: schlussgang.ch

2017, 2019 und 2021 jeweils 7 Kränze gewonnen

Samir’s Geburtsdatum ist der 24. Februar 1993. Der 29-Jährige wohnt mit seiner Freundin im Kanton Zug, und weist mit seiner Grösse (194 Zentimeter) und seinem Gewicht (140 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Samir ist gelernter Zimmermann und lässt sich momentan bei der Transportpolizei zum Polizisten ausbilden. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport benennt der Sennenschwinger Jassen, Kraftsport und Fischen als seine Hobbys.

Samir ist Mitglied vom Schwingklub Winterthur und hat drei Kranzfestsiege und sieben Regionalfestsiege auf seinem Konto. Weiter gehören zu seinem Palmarès 47 Kränze: 33 Kantonalkränze, 8 Teilverbandskränze, 5 Bergkränze und 1 Eidgenössischer Kranz (ESAF 2019 in Zug). Der Winterhurer gewann seinen ersten Kranz am 2. Mai 2010 beim Thurgauer Kantonalschwingfest in Wängi. Ab der Saison 2015 wurde Samir zu einem regelmässigen Kranzsammler. In den Jahren 2017, 2019 und 2021 gewann er jeweils sieben Kränze.

2022: Trotz beeinträchtigter Vorbereitung schon drei Kränze gewonnen

Von November bis Februar plagten Samir Schleimbeutelprobleme. Während dieser Zeit konnte der Eidgenosse leider kein Sägemehl-Training absolvieren. Hinzu kam anschliessend eine langwierige Reflux-Erkrankung, welche ihm zu schaffen machte. Für das Thurgauer Kantonale musste Samir deshalb Forfait erklären. Vor seinem Heimfest, dem Zürcher Kantonalen, musste Samir zudem eine Erkältung auskurieren. In Ossingen stieg er schliesslich in die Saison ein, und mit Rang 5d war der Einstand geglückt. Beim St. Galler Kantonalschwingfest in Wil wurde Samir sehr guter Zweiter. Bei diesem Anlass gewann er gleich gegen zwei Sieger eines eidgenössischen Anlasses, nämlich gegen Damian Ott und Arnold Forrer. Der Schlussgang gegen Werner Schlegel endete gestellt, was dem Toggenburger den Sieg einbrachte. Eine Woche später gewann Samir beim Glarner-Bündner Schwingertag in Netstal mit Rang 6d den dritten Saisonkranz.

Tragische Figur beim Kilchberger Schwinget

In den Köpfen der Schwingerfreunde blieb ein kapitaler Fehlentscheid beim letztjährigen Kilchberger Schwinget hängen. Samir bodigte im fünften Gang mit einer blanken Zehn Bernhard Kämpf. Die Kampfrichter sahen dies jedoch anders, der Gang endete gestellt und der Zürcher verpasste dadurch den Schlussgang. Der «Blick» schrieb hinterher: «Leuppi ist der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere geraubt worden.» Samir verhehlte nicht, dass er am Boden zerstört war und die Welt nicht mehr verstanden habe. Er sagte aber auch: «Ich hatte trotz allem eine tolle Saison und habe in Kilchberg gespürt, dass ich ganz an der Spitze mithalten kann.»

Beim Gespräch mit dem dreifachen Kranzfestsieger blickt der Schwinger-Blog aber nicht mehr zurück, sondern nach vorn. In die aktuelle Gegenwart, auf das bevorstehende Nordostschweizer Schwingfest, auf einen möglichen Sieg an einem grossen Fest und natürlich auch aufs ESAF in Pratteln.

Beim St. Galler Kantonalen bezwang Samir Schwingerkönig Nöldi Forrer

Bild: Lorenz Reifler

Wie geht es dir? Bist du wieder vollständig gesund?

«Es geht mir so weit gut und ich bin gesundheitlich recht gut dran. Die Schleimbeutelentzündung ist vollständig auskuriert, der Reflux macht aber noch ein wenig Probleme. Bei übermässiger Anstrengung äussert sich dies mit Husten.»

Trotz beeinträchtigter Saisonvorbereitung hast du bereits drei Kränze gewonnen. Wie bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

«Es läuft trotz der verkürzten Vorbereitung gut. Die Routine fehlt mir noch etwas und ich bin schwingerisch noch nicht ganz auf dem Stand wie ich gerne möchte. Dadurch, dass ich längere Zeit ausfiel, ist es dennoch gut herausgekommen.»

In der SCHLUSSGANG-Wertung für die diesjährige Saison belegst du aktuell Platz 43. In der Schluss-Wertung für 2021 warst du auf Platz 15 zu finden. In der zweiten Saisonhälfte besteht da durchaus noch Luft nach oben?

«Diese Wertung halte ich während der Saison nicht unbedingt für repräsentativ. Zum jetzigen Zeitpunkt wird wegen unterschiedlicher Anzahl Kranzfeste sowieso nicht mit gleichen Ellen gemessen. Und: Ich habe erst drei Kantonalfeste bestritten, die grossen Schwingfeste stehen für mich erst noch bevor.»

Nun steht am kommenden Sonntag mit dem Nordostschweizer Schwingfest ein erster Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Wie siehst du deine Erfolgschancen?

«Es ist ein erster Höhepunkt und wie ich auf Bildern gesehen habe, sieht die Arena toll aus. Ich handhabe es wie immer: Ich gehe an den Wettkampf und will ein gutes Gefühl haben. Ich werde meine beste Leistung abrufen und möchte wieder gesund heimfahren. Am Ende des Tages will ich primär sagen können, dass es ein super Wettkampf war und ich alles gegeben habe. Was dabei herausspringt ist Zugabe. Zudem: Die Jungen drücken und wir haben ein sehr gutes Team. Da bin ich gefordert, wenn ich vorne dabei sein möchte. Dieser Umstand bereitet mir aber grosse Freude.»

Samuel Giger ist der absolute Topfavorit in Balterswil. Du hast dir sicher auch schon Gedanken gemacht, wie man den Überschwinger aus dem Thurgau bezwingen könnte. Verrätst du uns diese?

Samir lacht. «Er ist der absolute Favorit. Wenn ich wüsste wie, hätte ich ihn schon längst bezwungen. Ich suche aber mein Erfolgsrezept gegen ihn immer noch.»

Samir will seine Aufgabe am Nordostschweizer Schwingfest konzentriert angehen

Bild: samir-leuppi.ch

Welche weiteren Saisonhöhepunkte stehen bei dir nebst dem NOS noch auf dem Programm?

«Nach dem NOS folgt mit dem Bernisch-Kantonalen Schwingfest ein weiteres Teilverbandsfest. Anschliessend geht es auf die Berge: Der Reihe nach trete ich auf dem Weissenstein, auf dem Brünig und auf der Schwägalp an. Und Ende August steht das ESAF in Pratteln auf dem Programm. Jetzt folgen in dem Sinne nur noch Highlights.»

Wie sieht deine aktuelle Trainingswoche aus?

«Im Moment gestalte ich diese flexibel. Weil ich im Praktikum stecke und Schicht arbeite, muss ich mein Athletiktraining flexibel planen und die Schwingtrainings auf die freien Abende legen. Das sind dann wöchentlich drei bis vier Trainingseinheiten: Zwei Krafttrainings und ein bis zweimal Schwingen.»

Wirst du dein Arbeitspensum hinsichtlich ESAF reduzieren, und dein Training noch intensivieren?

«Eine Reduktion des Arbeitspensums ist wegen der Ausbildung nicht möglich. Zudem stehen kurz vor dem ESAF Prüfungen an. Das Training werde ich so gut es geht intensivieren. Ich versuche alles unter einen Hut zu bringen, muss aber auch auf meinen Körper hören, damit ich nicht in ein Übertraining gerate.»

Das Nordostschweizer Team darf sich in Pratteln berechtigte Hoffnungen machen, dass der neue Schwingerkönig aus ihren Reihen kommen wird und sie ein gewichtiges Wörtchen um die Kranzverteilung mitreden werden. Wie ist die momentane Stimmung im Team?

«Mein Gefühl ist sehr gut. Der Team-Spirit ist sehr gut und man mag einander den Erfolg gönnen. Jeder gibt alles und nach dem Wettkampf sitzt man gemeinsam zusammen. Beim NOS treten wir noch als Gegner gegeneinander an. Bei den anstehenden Bergkranzfesten werden wir dann zum ersten Mal in dieser Saison als Team zusammenspannen und auftreten. Ich bin stolz, ein Teil dieses Teams sein zu dürfen und freue mich riesig auf diese Anlässe.»

Apropos grosse Feste: Beim letztjährigen Kilchberger Schwinget hast du gezeigt, dass du für den Sieg an einem grossen Fest bereit bist. Was braucht es in deinen Augen für so einen Triumph?

«Ich glaube, da müssen viele Faktoren zusammenstimmen und passen. Dazu gehört das nötige Glück, es muss dein Tag sein, du musst dich super fühlen, man muss mental parat sein und es müssen Gegner sein, die dir liegen. Ein eigentliches Rezept gibt es nicht. Am Ende so eines Tages wirst du vermutlich sagen, dass du niemals mit so einem Erfolg gerechnet hast.»

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