Florian Gnägi ist dreifacher Saisonsieger und gewann unter anderem am Schwarzsee, für ihn ein spezieller Ort. Er sagt: «Ich gewann dort meinen ersten Bergkranz und nun mein erstes Bergkranzfest.»

Text: Schwinger-Blog

Florian Gnägi holte sich in dieser Saison bereits drei Kranzfestsiege. Der 33-jährige scheint in der Form seines Lebens zu sein und gewann nebst dem Seeländischen Schwingfest (Co-Sieger) auch den Bergschwinget Schwarzsee und letztes Wochenende das Bern-Jurassische Schwingfest. Zudem stehen beim dreifachen Saisonsieger bereits fünf Saisonkränze zu Buche. Eine hervorragende Zwischenbilanz, welche dem sympathischen Athleten den vierten Zwischenrang in der SCHLUSSGANG-Wertung einbringt.

Ein überglücklicher Schwarzsee-Sieger

Bild: Barbara Loosli

12 Kranzfestsiege und 106 Kränze auf dem Konto

Florian wurde am 31. Oktober 1988 geboren, ist verheiratet und wohnt in Aarberg. Er ist 188 Zentimeter gross und 125 Kilogramm schwer, was Idealmasse für den Schwingsport bedeuten. Florian ist gelernter Kaufmann und arbeitet beim Kompetenzzentrum Sport der Armee als Sachbearbeiter Finanzen. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport sitzt der Seeländer im Vorstand des Turnvereins und spielt im Winter mit einem Plausch-Verein Eishockey. Zudem sieht er sich gerne Spiele vom EHC Biel an.

Florian ist Mitglied vom Schwingklub Biel und hat 12 Kranzfestsiege und 20 Regionalfestsiege auf seinem Konto. Weiter gehören zu seinem stolzen Palmarès 106 Kränze: 62 Gau-/Kantonalkränze, 24 Bergkränze, 18 Teilverbandskränze und 2 Eidgenössische Kränze. Der Turnerschwinger gewann seinen ersten Kranz am 14. Mai 2005 beim Oberaargauischen Schwingfest in Burgdorf. Nebst 9 Gauverbands-/Kantonalfest- und 2 Teilverbandsfestsiegen darf sich der versierte Athlet seit dem diesjährigen Bergschwinget Schwarzsee auch Bergfestsieger nennen.

Zweitbester Berner

Die hervorragende Klassierung in der SCHLUSSGANG-Wertung verdiente sich Florian mit drei Kranzfestsiegen und fünf Kränzen. Dies ist wohlverstanden erst eine Zwischenbilanz, welche ihn als zweitbesten Berner taxiert. Dass der Schwarzsee-Sieger ein regelmässiger Kranzsammler ist, beweist seine Zugehörigkeit zum «Hunderter-Klub». Anders als in anderen Jahren wirkt Florian aber noch fitter und abgeklärter. Die präzis angesetzten Schwünge sitzen und das Selbstvertrauen in sein Können ist vorhanden. Durchaus möglich, dass der Aarberger beim ESAF in Pratteln das berühmte Zünglein an der Waage spielen könnte.

Die jüngsten Erfolge, die «VAR»-Diskussion und das ESAF in Pratteln

Beim Gespräch mit Florian blickt der Schwinger-Blog auf seine jüngsten Erfolge zurück. Angesprochen werden dabei auch seine Fitness und die Vorbereitung. Es werden aber auch Themen angeschnitten wie die vom «Blick» losgetretene «VAR»-Diskussion, und welche Schwerpunkte ihn derzeit als Vorsitzenden des Aktivenrates beschäftigen. Selbstverständlich ist auch der bevorstehende Saisonhöhepunkt, das ESAF in Pratteln, ein Thema. Liebäugelt Florian gar mit dem Königstitel? Lesen Sie selbst!

Florian bodigte beim Bergschwinget Schwarzsee im ersten Gang den Zuger Marcel Bieri mit einem Plattwurf

Bild: Barbara Loosli

Herzliche Gratulation zu den drei Kranzfestsiegen und den fünf Kränzen. Erlebst du gerade deinen zweiten Frühling?

«Danke vielmals! Ich hatte einen sehr guten Winter. Ende letzter Saison konnte ich ohne Problem in die Winterpause und gut ins Training einsteigen. Das Wintertraining durfte ich ohne gesundheitliche Probleme absolvieren. Man darf vielleicht schon von einem zweiten Frühling sprechen. Dennoch: Es steckt viel Arbeit dahinter.»

Beim vierten Bergkranzfest-Schlussgang hat es beim Bergschwinget Schwarzsee zum ersten Sieg gereicht. Wie war die Gefühlslage hinterher?

«Ich habe mich sehr gefreut! Ich erwischte einen guten Tag und bezwang Gegner, welche ich vorher noch nie besiegt habe. Der Schwarzsee ist für mich ein spezieller Ort: Ich gewann dort meinen allerersten Bergkranz und nun mein allererstes Bergkranzfest.»

In der SCHLUSSGANG-Wertung liegst du auf Rang vier und bist der zweitbeste Berner. In dieser Saison scheint für dich fast nichts unmöglich zu sein?

«Im Sport ist bekanntlich vieles möglich. Ich lege aber nicht so viel Wert auf diese Liste. Es läuft mir gut, ich bin gesund und ich habe Freude an meinen Leistungen und Resultaten.»

Du wirkst noch fitter und abgeklärter als in vergangenen Jahren. Hast du in deiner Vorbereitung etwas verändert? 

«Nein, verändert habe ich nichts, auch der Trainer ist immer noch der gleiche. Letztes Jahr habe ich schon ähnlich geschwungen. 2021 musste ich anfangs Juni mein Knie operieren lassen. Hinterher ging es einen Moment, bis ich wieder richtig fit war. Anfangs September war ich rechtzeitig auf den Bergschwinget Schwarzsee hin in Topform. Kurze Zeit später lief es mir beim Kilchberger Schwinget ebenfalls sehr gut. In dieser Saison lief es mir schon von Anfang an sehr gut. Dass ich abgeklärter bin, ist dem Alter und der dazugehörigen Routine geschuldet

Beim Bern-Jurassischen Schwingfest vor Wochenfrist war die Entscheidung im Schlussgang umstritten. Der «Blick» hat nach dem Bergschwinget Schwarzsee eine «VAR»-Diskussion gerade wegen solchen Situationen losgetreten. Wie stehst du zu diesem Ansinnen?

«Ich persönlich halte nicht wirklich viel davon. Nick Alpiger hat es während dem NOS im Interview mit SRF treffend formuliert: Manchmal hast du Glück und manchmal trifft dich das Pech. Ich bin der Meinung, dass sich das im Verlaufe der Karriere gerecht ausgleicht. Nehmen wir das Beispiel Bern-Jurassisches Schwingfest: Der Verband ist nur schon froh, dass das Fest jedes Jahr ausgetragen werden kann. Wenn dann an so einem Schwingfest mit fünf Schwingplätzen noch ein «VAR» installiert werden sollte, mit je drei Kameras pro Platz und entsprechendem Personal vor Ort: Wer bezahlt das? Zudem: Mit unserem technischen Regulativ ist es schwierig, abschliessend sagen zu können, ob diese oder jene Situation nun Resultat ist oder nicht. In meinen Augen bringt der «VAR» im Schwingsport nicht viel. Und: Man sieht selbst beim Fussball, dass es trotz «VAR» immer noch strittige Entscheidungen gibt.»

Du bist seit 2019 der Vorsitzende des Aktivenrates und warst bei der Corona-Pandemie stark gefordert. Welche Schwerpunkte stehen momentan auf der Traktandenliste?

«Wir hoffen im Moment, dass Corona nicht mehr zum Thema wird. Ich stehe mit Stefan Strebel, dem Technischen Leiter vom ESV, im Austausch. Mit dem Aktivenrat tauschen wir uns regelmässig in einem Whatsapp-Chat aus. Wir greifen beispielsweise auf, was in den Medien gefordert wird. Da für mich an diesem Wochenende kein Schwingfest auf dem Programm steht, werde ich den «VAR» in die Runde werfen. Zudem diskutieren wir die Einteilungs-Zusammensetzung an Bergfesten. Das sind aber längerfristige Themen, die jetzt nicht eine Entscheidung erfordern.»

Der Berner Seeländer ist seit 2019 der Vorsitzende des Aktivenrates

Bild: esv.ch

Welche weiteren Saisonhöhepunkte stehen für dich vor dem ESAF noch auf dem Programm?

«Nun habe ich an zwei Wochenenden frei. Dann folgt das Bernisch-Kantonale Schwingfest, das Freiburger Kantonale und der Brünigschwinget. Auf dem Programm stehen bis zum ESAF also noch drei Kranzfeste. Am 13. August starte ich zudem am Bözingenberg-Schwinget, welches am Trainingswochenende mit den Berner Schwingern stattfindet.»

Wie sieht deine aktuelle Trainingswoche aus?

«Während der laufenden Saison steht am Montag ein Schwingtraining auf dem Programm. Am Dienstag eine lockere Ausdauer-Einheit, am Mittwochmorgen früh ein Krafttraining und am Abend ist Schwingen angesagt. Am Donnerstag ist Ruhetag. Vor einem Schwingfest-Wochenende absolviere ich freitags und samstags ein Warm-up. Bei einem schwingfestfreien Wochenende sind für Freitag und Samstag zwei harte Trainingseinheiten geplant.»

Absolvierst du auch ein Mental-Training?

«Nein, kein spezifisches. Ich stimme mich jeweils auf die Wettkämpfe ein und lege mir vor den Gängen einen klaren Plan zurecht. Diese Vorbereitung, welche ich ohne externe Hilfe absolviere, gehört zum Bereich Visualisierung.»

Wirst du dein Arbeitspensum hinsichtlich ESAF reduzieren, und dein Training noch intensivieren?

«Nein, ich werde arbeiten wie bisher. Vor dem ESAF werde ich am Freitag freinehmen. Zusätzlich stehen Trainings mit dem Berner Team auf dem Programm. Wichtig für mich ist aber gute Erholung, Regeneration und genügend Schlaf. Das ist in meinen Augen fast wichtiger als das Training noch zusätzlich zu forcieren. Denn: In den letzten Wochen vor dem ESAF kann man nicht das wettmachen, was man im Winter verpasst hat.»

Das starke Berner Team darf sich in Pratteln berechtigte Hoffnungen auf die Königskrone und die meisten Kränze machen. Wie ist die momentane Stimmung im Team?

«Auf dem Stoos und am Schwarzsee hat man aufgrund der Resultate gesehen, dass die Stimmung gut ist. Das Ziel unseres Teams ist, wieder den Schwingerkönig-Titel ins Bernbiet zu holen und erneut am meisten Kränze zu gewinnen.»

Liebäugelst du mit deiner derzeitigen Form gar mit dem Königstitel?

Florian grinst. «Nein, überhaupt nicht. Mein Ziel ist der Kranz.»