Saison-Zwischenbilanz der Nordostschweizer: Samuel Giger dominierte nach Belieben, dahinter besteht noch Luft nach oben

Text: Schwinger-Blog

Der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) hat ihre Schwinger fürs ESAF von Ende August noch nicht selektioniert. Die Bekanntgabe der Selektion soll nach dem Schaffhauser Kantonalschwingfest am 9. August erfolgen. Die Nordostschweizer verfügen über den Königskandidaten Nummer 1, Samuel Giger. Der Thurgauer Überschwinger startete bisher an fünf Kranzfesten und trug bei vieren den Sieg davon. Eine am Nordostschweizer Schwingfest zugezogene Nackenblessur zwang ihn zu einer Pause. Auf dem Brünig ist der führende der SCHLUSSGANG-Wertung wieder dabei. Ein Blick auf die ersten 50 Plätze dieser Liste zeigt, welche Nordostschweizer Schwinger nebst Giger in dieser Saison bisher am meisten auf sich aufmerksam machten: Es sind dies Werner Schlegel (Rang 11), Domenic Schneider (Rang 14), Armon Orlik (Rang 15), Roger Rychen (Rang 17), Michael Bless (Rang 31), Samir Leuppi (Rang 37), Marcel Räbsamen (Rang 38), David Dumelin (Rang 46), Thomas Koch (Rang 47), Mario Schneider (Rang 48) und Janic Voggensperger (Rang 49). Erwähnenswert sind zudem der Rigi-Kranzer Shane Dändliker, der Weissenstein-Kranzer Martin Roth und der 150-fache Kranzer Nöldi Forrer. Man erkennt bei der Analyse eine deutliche Zäsur: Zur absoluten Spitze zählen demnach nebst Samuel Giger noch Werner Schlegel, Domenic Schneider, Armon Orlik und Roger Rychen. Es fehlt dabei der letztjährige Kilchberger Co-Sieger Damian Ott. Ihm lief es in dieser Saison bisher nicht nach Wunsch. Hinzu kommt eine Fussverletzung, welche bereits eine Teilnahme auf der Rigi verhinderte, und nun auch keinen Start auf dem Brünig und beim Nordwestschweizer Schwingfest zulässt. Für den Brünigschwinget mussten sich zudem auch Roger Rychen (Rückenbeschwerden), Michael Bless, Samir Leuppi (körperliche Beschwerden), Martin Hersche und Raphael Zwyssig abmelden. Die Spitze der Nordostschweizer ist dünn geworden.

Das Nordostschweizer Team ist derzeit wegen Verletzungen ziemlich gebeutelt. Hinzu kommt, dass sich einige routinierte Kräfte am Ende ihrer Karriere befinden. Und: Wie sieht es eigentlich mit den Nachwuchsleuten rund um Werner Schlegel und Damian Ott aus? Der Schwinger-Blog unterhielt sich heute mit Fridolin Beglinger, dem Technischen Leiter der Nordostschweizer. Der Glarner zog zu den bereits bekannten fünf Stichworten eine Saison-Zwischenbilanz.  

Fridolin Beglinger ist der Technische Leiter der Nordostschweizer Schwinger

Bild: nosv.ch

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom Nordostschweizer Team?

«Diese beurteile ich als positiv, mit Abstrichen wegen dem Abschneiden auf dem Weissenstein.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

«Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass es an den bisherigen Kantonalschwingfesten fünf verschiedene Festsieger gab. Das ist für unser Team sehr motivierend. Und: Das Auftreten der Mittelschwinger auf der Rigi war auch sehr positiv.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

«Negativ ist das ganze Theater um die Kampfrichter, welches in der Boulevardpresse breitgeschlagen wurde. Es missfällt mir auch, dass es wirklich Leute gibt, die ernsthaft über den VAR nachdenken.»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalfesten?

«Wie bereits erwähnt freute ich mich über die fünf verschiedenen Festsieger. Zudem waren die Teilnehmer- und die Zuschauerzahlen an unseren Kantonalen sehr erfreulich.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

«Die Bilanz auf der Rigi fällt sehr positiv auf: Wir haben am meisten Kränze gemacht, und Armon Orlik wäre für den Schlussgang qualifiziert gewesen. Auf dem Weissenstein traten wir hinsichtlich dem Brünig- und dem Schwägalp-Schwinget mit der zweiten Garde an. Nichtsdestotrotz: Domenic Schneider lieferte eine super Leistung ab.»

Wie beurteilst du die Leistung deines Teams am Nordostschweizer Schwingfest in Balterswil?

«Die Leistung in Balterswil war sehr erfreulich. Wir hatten die Gäste im Griff, auch unsere Mittelschwinger haben sehr gut mit ihnen geschwungen. Es wurde zudem attraktiver Schwingsport geboten. Die Zuschauer durften ein sehr schönes Schwingfest mit vielen spannenden Zweikämpfen erleben.»

Das Nordostschweizer Team beim Einzug am ESAF 2019 in Zug

Bild: Radio Top

Selektionierung fürs ESAF

Nach welchen Selektionskriterien wirst du dein Team zusammenstellen?

«Berücksichtigt werden die Leistungen dieses Jahres, der Formstand und wie häufig das Kadertraining besucht wurde. Wir führen deswegen aber keine Punkteliste.»

Kannst du bereits aus dem Nähkästchen plaudern: Werden Vater und Sohn Burkhalter gemeinsam fürs ESAF selektioniert? Nebst mässigen Kranzfest-Resultaten überzeugten die beiden immerhin an etlichen Rangschwingfesten.

«Beide sind fürs Schaffhauser Kantonalschwingfest angemeldet, und können sich dort mit guter Leistung empfehlen. Die Chancen sind intakt, fix ist aber noch gar nichts.»

Und: Wird Nöldi Forrer am ESAF antreten?

«Jeder Athlet, welcher den NOS-Kranz gewonnen hat, ist selektioniert. Nöldi ist also selektioniert. Ob er dann tatsächlich in Pratteln antreten wird, muss er selbst entscheiden.»

Die beiden Toggenburger Werner Schlegel (links) und Damian Ott führen die junge Garde des Nordostschweizer Teams an

Bild: Hallowil.ch

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Auch in dieser Saison hatten die Nordostschweizer bisher viel Verletzungspech zu beklagen. Für den Brünigschwinget fallen beispielsweise etliche Eidgenossen aus. Die Spitze ist demzufolge dünn geworden. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

«Die einen Schwinger kurieren teilweise nur kleine Blessuren aus. Am meisten Sorgen bereiten mir Damian Ott, Martin Hersche und Roger Rychen. Bei diesen drei dürfte die Zeit bis zum ESAF knapp werden.»

Wie sieht die Situation der Nachwuchsleute rund um Werner Schlegel und Damian Ott aus? Es beschleicht einem das Gefühl, dass sich hinter diesen beiden ein Loch auftut.

«Das würde ich so nicht sagen. Mit This Kolb, Thomas Burkhalter oder Gian Maria Odermatt verfügen wir über aufstrebende Nachwuchskräfte.»

Wie sieht der eingeschlagene Weg für euren Nachwuchs aus?

«Nach dem biederen Abschneiden am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST 2021) in Schwarzenburg mussten wir etwas unternehmen. Wir haben inzwischen ein neues Nachwuchskonzept erarbeitet, mit welchem wir ab dem kommenden November arbeiten werden. Wir schlagen diesbezüglich einen neuen Weg ein und planen damit längerfristig.»

Samuel Giger ist der Topfavorit fürs ESAF in Pratteln

Bild: Tages-Anzeiger

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technischer Leiter für das ESAF in Pratteln?

«Wir wollen den Königstitel holen und möglichst viele Kränze gewinnen. Eine Anzahl Kränze definieren wir nicht.»

Nebst Samuel Giger: Welchen deiner Schwinger traust du den Königstitel auch zu?

«Das sind die üblichen Namen, auf welche ich nicht näher eingehen möchte. Vor einem halben Jahr hätte ich auch Damian Ott zu diesen gezählt. Jetzt bin ich nur froh, wenn er antreten kann.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

«Wir haben bereits eine verschworene Truppe, diese hat sich in den letzten beiden Jahren gebildet. Man sieht nur schon am Auftreten an den Bergfesten, wie gut das Team funktioniert.»

Wie sieht die Vorbereitung der Nordostschweizer bis zum ESAF aus?

«Bis eine Woche vor dem ESAF haben wir jeden Donnerstagabend jeweils Kadertraining. Einen Tag vor dem Schwägalp-Schwinget (Samstag, 13. August) haben wir einen Zusammenzug geplant, an dem der Plausch im Vordergrund steht. An diesem sind Informationen fürs ESAF, die Einkleidung des Teams und ein Pressetermin auf dem Programm.»