Vorschau aufs «Eidgenössische» in Pratteln: Der Topfavorit, die fünf Favoriten und die vier Geheimfavoriten auf die Königskrone

Text: Schwinger-Blog

Nun ist es also so weit: Das Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln steht vor der Tür. Nach dem ESAF 2019 in Zug ging 2020 wegen der Corona-Pandemie fast nichts. 2021 konnte mit geschickter und flexibler Organisation fast das gesamte Kranzfest-Programm bestritten werden, samt stimmungsvollem Kilchberger Schwinget Ende September. Und 2022 war, abgesehen von den ersten Hallenschwingfesten, wieder ganz normal – wie im letzten Eidgenössischen Jahr 2019. Die Ausgangslage für ein spannendes und spektakuläres «Eidgenössisches» in Pratteln ist ausgezeichnet. Die Vorzeichen stehen auch bezüglich der etlichen zuletzt verletzten oder angeschlagenen Spitzenschwinger gut: So sind Stucki, Wenger, Reichmuth und Co. dabei. Einzig der Südwestschweizer Steve Duplan und der Nordostschweizer Thomas Koch mussten ihre Teilnahme zu Beginn der Woche absagen.

In dieser prächtigen Arena dürfen 50’900 Zuschauer den 274 besten Schwingern bei ihrer Arbeit zusehen

Bild: Schwinger-Blog

Der Topfavorit

Unbestrittener Topfavorit ist Samuel Giger. Hält der Thurgauer dem ungeheuren Druck stand, wird er der neue Schwingerkönig. Fünf Kranzfestsiege in dieser Saison, zuletzt auf der Schwägalp, ist Beweis genug für seine Extraklasse. Giger war 2021 und 2022 der beste Schwinger und hat in Sachen Technik, Athletik und Taktik nochmals zugelegt. Zudem hat der Modell-Athlet nach dem ESAF in Zug gerade mal zwei Kämpfe verloren. Aus dem Umfeld von Giger war zu vernehmen, dass er seit dem Kilchberger-Sieg noch befreiter schwingt. Und: Der 24-Jährige arbeitet seit zwei Jahren mit einem Mentaltrainier zusammen. Ein Schwingerkönig, welcher nicht Samuel Giger heissen würde, wäre fast schon eine Überraschung.

Die fünf Favoriten auf die Königskrone

Gegen Gigers Unterfangen haben aber die weiteren Königs-Favoriten Adrian Walther, Joel Wicki, Werner Schlegel, Matthias Aeschbacher und Fabian Staudenmann etwas einzuwenden. Was diese Schwinger in dieser Saison boten, zeugt von Extraklasse. Bis auf Staudenmann gewannen sie in überzeugender Manier an übergeordneten Schwingfesten wie an Berg- und Teilverbandsfesten. Fabian Staudenmann belegte an den meisten von ihm bestrittenen Kranzfesten Spitzenplätze (siebenmal Rang zwei). Diese fünf Athleten werden es wohl sein, welche Giger am gefährlichsten werden können. Sie sind in einer absoluten Topform und würden einen Ausrutscher von Giger wohl gnadenlos ausnutzen. Der Schwinger-Blog handelt den Kilchberger-Co-Sieger Fabian Staudenmann als einen von insgesamt vier Geheimfavoriten. 

Samuel Giger gilt als Topfavorit auf die Königskrone, er gewann kürzlich zum fünften Mal den Schwägalp-Schwinget 

Bild: SCHLUSSGANG

Der erweiterte Favoriten-Kreis

Zu dieser Kategorie darf man Christian Stucki, Pirmin Reichmuth, Florian Gnägi, Michael Ledermann, Kilian Wenger und Damian Ott zählen. Der amtierende Schwingerkönig hat in dieser Saison zwar wegen einer Schulterverletzung noch gar kein Kranzfest bestritten und nahm seit Mitte April an keinem einzigen Schwingfest mehr teil. Erst am Donnerstag-Vormittag liess Stucki verlauten, dass er in Pratteln starten wird. Wie gut der Seeländer Hüne drauf ist, weiss wohl nur er selbst. Sein Athletik-Trainer liess unlängst verlauten, dass er den Seeländer noch nie so konzentriert trainieren sah – man darf gespannt sein. Reichmuth gab am Aargauer Kantonalen nach langer Verletzungspause mit sechs gewonnenen Gängen ein fulminantes Comeback. Eine am Brünigschwinget zugezogene Bizeps-Verletzung kostete den Zuger fast die Teilnahme – er gab am Dienstagnachmittag Entwarnung, und die Innerschweiz atmete auf. Aber auch Gnägi, Ledermann, Wenger und Ott wurden zuletzt durch Verletzungen gebremst und fielen aus. Sie können nun alle in Pratteln antreten. Wie fit sie wirklich sind, wird sich zeigen. Wenn sie es sind, werden sie für die oben genannten Favoriten zu einer echten Herausforderung und zu heissen Königs-Kandidaten. Der Schwinger-Blog ernennt aus dieser Kategorie Pirmin Reichmuth und Michael Ledermann zu Geheimfavoriten. 

Aussenseiter-Chancen auf den Königstitel

Unter diese Rubrik fallen Armon Orlik, Domenic Schneider, Kilian von Weissenfluh, Nick Alpiger, Roger Rychen, Michael Wiget, Samir Leuppi, Remo Käser, Lario Kramer und Sven Schurtenberger. Wächst einer von diesen zehn Athleten über sich hinaus, ist vieles möglich. Bei von Weissenfluh wurde es wegen der sich anfangs August zugezogenen Knieverletzung ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Haslitaler scheint dieses Duell gewonnen zu haben. Michael Wiget wurde nach längerer Verletzungspause rechtzeitig fit und gewann den Bözingenberg-Schwinget – das einzige von ihm bestrittene Schwingfest in dieser Saison. Die in dieser Rubrik genannten Schwinger sind allesamt Stimmungsschwinger. Die meisten von ihnen mussten während dieser Saison wegen einer Verletzung oder Krankheit pausieren und konnten ihr Programm nicht wie gewünscht durchziehen. Zieht der eine oder andere in Pratteln «die zwei Tage seines Lebens» ein, wird dieser am Ende um die Königskrone mitreden. Auch in dieser Kategorie benennt der Schwinger-Blog einen Geheimfavoriten: Michael Wiget.

Wer darf am Sonntagabend den Siegermuni Magnus entgegennehmen? Auf dem Bild zusammen mit dem Züchter Jürg Degen vom Hof Schönenberg in Pratteln.

Bild: Schwinger-Blog

Die Spitzenpaarungen

Stefan Strebel, der Technische Leiter vom Eidgenössischen Schwingerverband, überraschte bei der Einteilung der Spitzenpaarungen. Er scherte sich kaum um irgendwelche ungeschriebenen Gesetze und teilte gut durchdacht absolute Knüller-Paarungen ein. Ob jetzt Giger mit Staudenmann statt mit Stucki in der absoluten Spitzenpaarung antreten muss, ist nicht entscheidend. Vielmehr sollen dem schwingbegeisterten Publikum spektakuläre Zweikämpfe geboten werden. Gewisse Kommentar-Schreiber liessen sich gar dazu hinreissen, dass Strebel den Mut verlassen habe. Der Schreibende sieht das mitnichten so, ganz im Gegenteil. So eine Einteilung lässt auf ein gesundes Mass an Eigenwilligkeit schliessen. Auch die Überzahl der Berner, welche in den Spitzenpaarungen zu finden sind, ist absolut berechtigt. Sie sind der momentan stärkste Teilverband, denn es adäquat herauszufordern gilt.

Anzahl Kränze: Zielsetzungen der Teilverbände

Der «SCHLUSSGANG» schreibt in der Analyse zu den Spitzenpaarungen: «In den 20 Spitzenpaarungen sind nicht weniger als 15 Berner Schwinger vertreten.» Weiter sind 11 Nordostschweizer, 9 Innerschweizer, 3 Nordwestschweizer und 2 Südwestschweizer darin zu finden. Diese Verteilung könnte am Sonntagabend durchaus der Verteilung der Kränze entsprechen. Aber: Die Zielsetzungen der einzelnen Teilverbände sehen ein wenig anders aus. So konnte man in der Berner Zeitung lesen, dass die Verantwortlichen von 19 Kränzen sprechen. Im Vergleich: Am «Eidgenössischen» 2019 in Zug gewannen die Berner 15 Kränze. Von einer bestimmten Anzahl Kränze hat man von den Innerschweizern und den Nordostschweizern zwar nirgends gelesen. Aber so viele wie in Zug (Innerschweiz: 13, und Nordostschweiz: 10 Kränze) sollen es wohl wieder sein. Die Nordwestschweizer, der gastgebende Verband vom diesjährigen ESAF, setzt sich 5 Kränze (ESAF Zug: 3 Kränze) zum Ziel. Die Verantwortlichen der Südwestschweizer Schwinger sprechen davon, es in Pratteln mindestens so gut wie in Zug (3 Kränze), wenn nicht noch besser zu machen.

Saison-Zwischenbilanz der Südwestschweizer: Neun Bergkränze und neun Neukranzer sind der Beleg für gute Arbeit. Die Romands wollen es in Pratteln mindestens gleich gut, wenn nicht sogar besser machen als in Zug.

Text: Schwinger-Blog

Der Südwestschweizer Schwingerverband (SWSV) gab ihre Selektion fürs ESAF in Pratteln bereits Ende Juli bekannt. Wie die Nordwestschweizer durften sie 29 Schwinger und 3 Ersatzschwinger selektionieren. Ein Blick auf die Liste offenbart keine Überraschungen. Am «Eidgenössischen» wird eine gut durchmischte Gruppe mit routinierten und jungen Athleten teilnehmen.

Saison-Geschehen

Das Geschehen in der Südwestschweiz prägten in dieser Saison meist die drei Eidgenossen Benjamin Gapany, Lario Kramer und Steve Duplan, sowie die Berg- und Teilverbandskranzer Steven Moser, Johann Borcard und Romain Collaud. Als Gradmesser gelten die Erfolge ausserhalb des eigenen Teilverbandes. In dieser Hinsicht konnten die Romands die Früchte ihrer guten Arbeit in den letzten Jahren einfahren. Der kleinste der fünf Teilverbände feierte in dieser Saison nämlich einige starke Erfolge. Zuletzt auf der Schwägalp, wo mit Benjamin Gapany, Lario Kramer und Johann Borcard drei Schwinger mit dem begehrten Bergkranz heimreisen konnten. Beim Nordwestschweizer Schwingfest in Brugg gewannen mit Lario Kramer und Johann Borcard gleich beide Südwestschweizer Vertreter den Kranz. Bei den Teilverbandsfesten der Innerschweizer, Berner und Nordostschweizer resultierten keine Kränze.

Lario Kramer’s Sieg am «Urner» und der Rigi-Schwinget als Highlights

Lario Kramer konnte etwas überraschend nach dem Erfolg 2018 auf dem Stoos seinen zweiten Kranzfestsieg ausserhalb der Südwestschweiz feiern: Der Freiburger gewann als Gast das Urner Kantonalschwingfest in Erstfeld. Auf der Rigi sicherte sich der Südwestschweizer Verband genau gleich viele Kränze wie die gastgebenden Innerschweizer, nämlich deren vier (Romain Collaud, Lario Kramer, Benjamin Gapany und Steven Moser). Diese beiden Erfolge darf man als bisherige Saison-Highlights benennen. Am eigenen Teilverbandsfest in Visp gewann man 12 von 16 Kränzen und brachte mit Romain Collaud einen Schwinger in den Schlussgang. Am Bergschwinget Schwarzsee im eigenen Verbandsgebiet gewannen die Romands immerhin 2 von 16 Kränzen (Benjamin Gapany und Lario Kramer). Erwähnenswert ist zudem der Kranz von Steven Moser als Gast beim Mittelländischen Schwingfest in Bern.

Gespräch mit TK-Chef Christian Schmutz

Das Südwestschweizer Team wurde leider auch nicht von Verletzungen verschont. Steve Duplan verletzte sich beispielsweise zweimal an Schwingfesten. Der Eidgenosse sollte aber bis zum ESAF in Pratteln rechtzeitig fit werden. Wie es aktuell bei der Verletzungs-Situation aussieht, war beim Ziehen der Saison-Zwischenbilanz ebenfalls ein Thema. Der Schwinger-Blog unterhielt sich heute mit Christian Schmutz, dem Technischen Leiter der Südwestschweizer. Der Freiburger wurde zu den gleichen fünf Stichworten befragt wie auch schon die TK-Chefs der anderen vier Teilverbände. 

Christian Schmutz ist der Technische Leiter der Südwestschweizer Schwinger

Bild: esv.ch

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom Südwestschweizer Team?

«Die fällt recht gut aus, Luft nach oben besteht natürlich immer. Dieses Jahr gewannen wir neun Bergkränze, das haben wir in den letzten Jahren nie erreicht. Beim Nordwestschweizer Schwingfest gewannen wir zwei Kränze und bei den anderen drei auswärtigen Teilverbandsfesten waren wir teils nahe am Kranz. Es lief sicher besser als in der Vergangenheit.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

«Der Festsieg von Lario Kramer am Urner Kantonalen und die bereits erwähnten neun Bergkränze.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

«Nichts Spezielles. Die eine oder andere Verletzung gilt es dabei zu erwähnen, wie auch die Termin-Planung der Schwingfeste bei uns. Fünf Kranzfeste innerhalb von fünf Wochen, das war nicht optimal. Benjamin Gapany beispielsweise absolvierte zusätzlich mit dem ISAF und dem Rigi Schwinget gleich sieben Kranzfeste am Stück. Bei diesem Aspekt müssen wir uns selbst an der Nase nehmen.»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalfesten?

«Die ersten drei Kantonalfeste hat Benjamin Gapany dominiert. Das Freiburger Kantonale gewann Lario Kramer. Sie beide drückten bei den Kantonalen den Stempel auf. Auswärtige Gäste hatten wir bei diesen Festen gut im Griff. Schade war, dass sich Florian Gnägi am Freiburger Kantonalen verletzte, und den Schlussgang nicht bestreiten konnte. Sehr gefreut haben mich unsere neun Neukranzer. Das zeigt die positive Entwicklung und dass die Jungen bei uns nachstossen. Von diesen neun werden fünf ans ESAF reisen, um dort Erfahrungen zu sammeln.»

Wie fällt deine Bilanz für die Bergkranzfeste aus?

«Die fällt mit neun Kränzen sehr positiv aus. Am Schwarzsee waren wir lange gut im Rennen, und Gapany sowie Kramer schwangen um den Schlussgang. Der Rigi Schwinget mit vier Kränzen und Kramer im Schlussgang war top. Die drei Kränze auf der Schwägalp waren für uns ebenfalls sehr gut.»

Wie beurteilst du die Leistung deines Teams am Südwestschweizer Schwingfest in Visp?

«Die Leistung war recht gut. Der eine oder andere Athlet war nicht so spritzig und zog nicht den besten Tag ein. Vier Gäste gingen ohne Kranz heim. Diese waren an unseren Schwingern gescheitert und nicht an anderen Gästen. Denn: Es gab nur zwei Gästepaarungen, das ist eine positive Entwicklung. Wir haben in Visp zudem um den Festsieg mitgeredet. Es ist eines meiner erklärten Ziele, das Südwestschweizer Schwingfest wieder einmal zu gewinnen.»

Die drei Kranzgewinner auf der Schwägalp (von links nach rechts): Benjamin Gapany, Lario Kramer und Johann Borcard

Bild: Freiburger Kantonaler Schwingerverband

Selektionierung fürs ESAF

Nach welchen Selektionskriterien hast du dein Team zusammengestellt?

«Die sportliche Leistung war das wichtigste Kriterium. Berücksichtigt wurden aber auch die sekundären Kriterien, wie sich ein Athlet im Team engagiert und die Anzahl Trainingsbesuche. Weiter wurden auch die Teilnahme und das Abschneiden an Regionalschwingfesten miteinbezogen.»

Inwiefern unterscheidet sich das Team für Pratteln von jenem 2019 in Zug? 

Rund zwei Drittel waren schon in Zug dabei. Der restliche Drittel des Teams nimmt zum ersten Mal an einem ESAF teil. Das sind vor allem sehr junge Schwinger. Wir haben allgemein ein junges Team. Es sind nur drei Schwinger über 30 Jahre alt sind. Unsere ältesten Schwinger sind Jahrgang 1990.»

Das Team der Südwestschweizer für das «Eidgenössische» in Pratteln

Bild: arls.ch

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Auch der Südwestschweizer Schwingerverband blieb in dieser Saison nicht von Verletzungen verschont. Wie sieht die aktuelle Verletzungssituation aus?

«So wie’s aussieht, sollten alle Schwinger bis zum ESAF fit werden. Sie leiden nicht an gravierenden Verletzungen.»

Bist du zufrieden mit der Entwicklung der jungen Garde um Romain Collaud?

«Ja, ich bin zufrieden. Es sind mehrere junge Schwinger, die nachdrücken. Nehmen wir das Beispiel Leo Siegenthaler: Der Freiburger ist erst 17-jährig und gewann dieses Jahr am Waadtländer Kantonalen den ersten Kranz. Zwei Wochen später bezwang er beim Südwestschweizer Schwingfest im sechsten Gang um den Kranz Shane Dändliker, und wurde Teilverbandskranzer. Und am Freiburger Kantonalen holte sich Leo bereits den dritten Kranz. Von den neun Neukranzern sind die meisten noch nicht 20-jährig.» 

Und: Bist du zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg für euren Nachwuchs? 

«Ich bin grundsätzlich zufrieden. Der Nachwuchs ist aber nicht mein Ressort. Unter der Leitung von Stéphane Rogivue leisten die Verantwortlichen sehr gute Arbeit.»

Die drei Eidgenossen von Zug (von links nach rechts): Steve Duplan, Lario Kramer und Benjamin Gapany

Bild: Christian Schmutz

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technischer Leiter für das ESAF in Pratteln?

«Vor drei Jahren sprach ich als Zielsetzung von Kränzen, es resultierten dann drei Eichenlaube. Wir haben diese drei Kränze in Pratteln zu verteidigen. Wir wollen es mindestens gleich gut, wenn nicht sogar besser machen als in Zug.»

Traust du einem deiner Schwinger den Königstitel zu?

«Das wäre eine riesengrosse Sensation, ist aber schier unmöglich. Wir haben gute Leute, und der eine oder andere könnte um den Königstitel mitschwingen. Das wird für uns als kleiner Verband aber schwierig, zuvorderst wird die Luft nämlich sehr dünn.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

«Wir handhabten die Vorbereitung ähnlich wie vor dem ESAF 2019 in Zug. Es gab verschiedene Kaderzusammenzüge und Trainings. Anfangs August verbrachten wir gemeinsam ein Weekend mit Trainings, und liessen dabei den Teamgeist aufleben.»

Wie sehen die letzten Vorbereitungen bis zum ESAF aus?

«Am Dienstag, 16. August steht noch ein Abschlusstraining im Sägemehl auf dem Programm. Nachher geht es darum sich optimal mit genügend Schlaf, guter Ernährung und der nötigen Erholung vorzubereiten. Diese Vorbereitung ist Sache jedes Einzelnen.»

Saison-Zwischenbilanz der Nordwestschweizer: Durchzogen, dennoch bereit und hochmotiviert fürs «Heim-Eidgenössische»

Text: Schwinger-Blog

Der Nordwestschweizer Schwingerverband (NWSV) hat die Selektion fürs ESAF in Pratteln nach ihrem Teilverbandsfest in Brugg bekanntgegeben. Der zweitkleinste Teilverband durfte 29 Schwinger und 3 Ersatzschwinger selektionieren. Der SCHLUSSGANG schreibt dazu: «Ein Blick auf die Selektion der Nordwestschweizer zeigt keine grossen Überraschungen. Die in Brugg verletzungsbedingt abwesenden Tobias Widmer und Lars Voggensperger wurden erwartungsgemäss selektioniert. Als Leader steigen die Eidgenossen Nick Alpiger, Joel Strebel, Patrick Räbmatter und David Schmid ins ESAF-Rennen.» Verletzungsbedingt fehlt mit Andreas Döbeli leider einer ihrer wichtigsten Team-Stützen. Der Aargauer zog sich beim Weissenstein-Schwinget einen Kreuzbandriss zu, was das Saison-Ende bedeutete. Der SCHLUSSGANG schreibt weiter zur Nordwestschweizer Selektion: «Blickt man auf die Selektionsliste, ist auffallend, dass nicht weniger als sieben Schwinger 20 Jahre und jünger sind. Weitere neun Schwinger sind noch nicht älter als 25 Jahre. Das unterstreicht, dass in der Nordwestschweiz in der Jugendarbeit Gutes geleistet wurde in den vergangenen Jahren.» 

Der Stoos als bisheriges Saison-Highlight

Die Zielvorgabe des Verbandes fürs «Heim-Eidgenössische» lautet: «Wir wollen uns in Pratteln als Team präsentieren und fünf Kränze gewinnen.» Ein ehrgeiziges aber durchaus realistisches Ziel, wenn beispielsweise neben den Eidgenossen auch die zur Spitze aufgeschlossenen Schwinger wie Adrian Odermatt oder Lars Voggensperger reüssieren. Dennoch: Der bisherige Saisonverlauf der Nordwestschweizer Schwinger war durchzogen. Eines ihrer Highlights war das Abschneiden auf dem Stoos, wo man fünf Kränze gewann. Die Kranzausbeute auf dem Weissenstein mit zwei Exemplaren war hingegen mager. Beim «Innerschweizerischen» und beim Bernisch-Kantonalen reiste man gar ohne Kranz heim. Und in den Schlussgang des eigenen Teilverbandsfestes stiess kein eigener Schwinger vor. Die Gründe reichen von Verletzungssorgen bis hin zu schwankender Form. Gewiss ist auch die Grösse des Teilverbandes ein entscheidender Faktor: Fehlen einzelne Spitzenleute wegen Verletzungen oder bringen ihre gewohnte Leistung nicht, sieht es gleich ziemlich düster aus. Der Schwinger-Blog zog mit Guido Thürig, dem Technischen Leiter der Nordwestschweizer, eine Saison-Zwischenbilanz. Der Aargauer nahm zu den bereits bekannten fünf Stichworten Stellung.  

Guido Thürig ist der Technische Leiter der Nordwestschweizer Schwinger

Bild: xing.com

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom Nordwestschweizer Team?

«Die fällt durchzogen aus. Es waren trotz allem sehr gute Sachen dabei. Das Highlight war das Abschneiden auf dem Stoos. Einzelne Schwinger wie Nick Alpiger beim Nordostschweizer Schwingfest oder Lars Voggenspeger beim Südwestschweizer Schwingfest stachen heraus. Auf dem Weissenstein hätte ich mehr erwartet und an unserem Teilverbandsfest in Brugg lief es nicht ganz nach Wunsch. Wir haben halt eine schmale Mannschaft und wenn nicht alle ihren besten Tag einziehen, ist dies sofort spürbar.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

«Der Aufschwung im Basel-Land, angeführt von Adrian Odermatt und Lars Voggensperger, welche man als Aufsteiger der Saison bezeichnen kann.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

«Die Verletzung von Andreas Döbeli und das fehlende Wettkampfglück von Nick Alpiger, welcher mehrfach unglücklich kämpfte. Uns war das Glück bisher nicht wirklich hold. Dies wird dann in Pratteln der Fall sein…»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalfesten?

«Wir konnten mit Andreas Döbeli beim Basellandschaftlichen und Nick Alpiger beim Solothurner Kantonalschwingfest nur zwei Siege bei uns halten. Allerdings schlugen beim Baselstädter und beim Aargauer mit Samuel Giger respektive Pirmin Reichmuth gleich zwei Topcracks zu. Es freut mich, dass wir bei den Kantonalfesten jüngere Schwinger heranführen konnten und sie den ersten Kranz gewannen. Das ist sehr wichtig, damit sie sich nun bei den Aktiven etablieren können.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

«Wie bereits erwähnt fällt die Bilanz für den Stoos sehr gut aus. Auf dem Weissenstein haben wir mehr erwartet. Wir konnten allerdings verletzungsbedingt nicht mit der besten Truppe antreten. Sehr positiv sind die vier neuen Bergkranzer Adrian Odermatt, Lars Voggensperger, Lukas Döbeli und Oliver Hermann. Das ist für uns von grosser Bedeutung.»

Wie beurteilst du die Leistung deines Teams am Nordwestschweizer Schwingfest in Brugg?

«Die Gäste haben dem Fest den Stempel aufgedrückt. Ich bin nicht ganz zufrieden mit unserer Leistung, es wäre für uns mehr möglich gewesen. Ich hätte erwartet, dass wir eine stärkere Rolle spielen. Von der Leistungsdichte her wäre das nämlich möglich. Ich bin zudem selbstkritisch hinsichtlich der Einteilung. Es wurde nicht alles richtig gemacht, und im Nachhinein würde ich anders einteilen. Trotzdem: Geschwungen wird auf dem Platz.»

Das Nordwestschweizer Team beim ESAF 2019 in Zug

Bild: aargauerzeitung.ch

Selektionierung fürs ESAF

Nach welchen Selektionskriterien hast du dein Team zusammengestellt?

«Anhand der Leistung und dem Commitment respektive Engagement für das Kader. Im Grenzfall wurden die Trainingsbesuche, das Mitmachen und etwas fürs Team beitragen miteinbezogen.»

Ein Heim-Eidgenössisches kann auch zur Bürde für die Schwinger werden. Wie siehst du das für deine selektionierten Athleten?

«Ich glaube, dass es für uns ein Vorteil ist. Ich bin zudem überzeugt, dass wir unsere beste Leistung in Pratteln zeigen werden.»

Beim Teamleader Nick Alpiger lief es bisher in dieser Saison noch nicht ganz rund

Bild: Aargauer Zeitung

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Wie auch die anderen Teilverbände hatten die Nordwestschweizer bisher viel Verletzungspech zu beklagen. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

«Klar ist, dass Andreas Döbeli am ESAF nicht dabei sein kann. Ansonsten werden die Angeschlagenen rechtzeitig fit und es können alle, die selektioniert sind, starten.»

Am ENST 2021 in Schwarzenburg zeigten die Nordwestschweizer einen starke Mannschaftsleistung mit elf Doppelzweigen. Du musst zufrieden sein mit dem eingeschlagenen Weg für euren Nachwuchs?

«Ich bin sehr zufrieden und kann den Verantwortlichen nur ein Kompliment aussprechen. Ich kann nun von dieser grossartigen Arbeit profitieren. Wir haben inzwischen die erfolgreichen Schwinger vom ENST auch als Nichtkranzer ins Kader eingebrunden. Einige von ihnen holten in dieser Saison nun den ersten Kranz.» 

Die «Schwarzenburg-Erfolge» bedeuten vielversprechende Perspektiven für das NWSV-Kader der Aktiven? 

«Das sind definitiv gute Aussichten! Ich erhoffe mir durch diese Jahrgänge noch eine grössere Breite und Leistungsdichte. Das kann unserem Team nur guttun.»

Der Baselbieter Adrian Odermatt gewann in der bisherigen Saison sieben Kränze und darf sich berechtigte Hoffnungen auf den ESAF-Kranz machen

Bild: primenews.ch

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technischer Leiter für das ESAF in Pratteln?

«Unser Ziel sind fünf Eidgenössische Kränze. Wir erwarten von unseren Schwingern einen markigen Auftritt, und haben das in der Vorbereitung bewusst thematisiert. Wir wollen zeigen, dass wir bereit sind. Wir wollen etwas reissen und sind hochmotiviert.»

Traust du einem deiner Schwinger den Königstitel zu?

«Ich sage ja, das ist durchaus möglich.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

«Wir hatten Ende Juli ein Trainingslager, wo wir uns aufs ESAF eingeschworen haben.» 

Wie sehen die letzten Vorbereitungen der Nordwestschweizer bis zum ESAF aus?

Am kommenden Sonntag steht der Schwägalp-Schwinget auf dem Programm und nächste Woche gehen wir gemeinsam nach Pratteln. Und dann denke ich sind wir parat.»