Saison-Zwischenbilanz der Nordwestschweizer: Durchzogen, dennoch bereit und hochmotiviert fürs «Heim-Eidgenössische»

Text: Schwinger-Blog

Der Nordwestschweizer Schwingerverband (NWSV) hat die Selektion fürs ESAF in Pratteln nach ihrem Teilverbandsfest in Brugg bekanntgegeben. Der zweitkleinste Teilverband durfte 29 Schwinger und 3 Ersatzschwinger selektionieren. Der SCHLUSSGANG schreibt dazu: «Ein Blick auf die Selektion der Nordwestschweizer zeigt keine grossen Überraschungen. Die in Brugg verletzungsbedingt abwesenden Tobias Widmer und Lars Voggensperger wurden erwartungsgemäss selektioniert. Als Leader steigen die Eidgenossen Nick Alpiger, Joel Strebel, Patrick Räbmatter und David Schmid ins ESAF-Rennen.» Verletzungsbedingt fehlt mit Andreas Döbeli leider einer ihrer wichtigsten Team-Stützen. Der Aargauer zog sich beim Weissenstein-Schwinget einen Kreuzbandriss zu, was das Saison-Ende bedeutete. Der SCHLUSSGANG schreibt weiter zur Nordwestschweizer Selektion: «Blickt man auf die Selektionsliste, ist auffallend, dass nicht weniger als sieben Schwinger 20 Jahre und jünger sind. Weitere neun Schwinger sind noch nicht älter als 25 Jahre. Das unterstreicht, dass in der Nordwestschweiz in der Jugendarbeit Gutes geleistet wurde in den vergangenen Jahren.» 

Der Stoos als bisheriges Saison-Highlight

Die Zielvorgabe des Verbandes fürs «Heim-Eidgenössische» lautet: «Wir wollen uns in Pratteln als Team präsentieren und fünf Kränze gewinnen.» Ein ehrgeiziges aber durchaus realistisches Ziel, wenn beispielsweise neben den Eidgenossen auch die zur Spitze aufgeschlossenen Schwinger wie Adrian Odermatt oder Lars Voggensperger reüssieren. Dennoch: Der bisherige Saisonverlauf der Nordwestschweizer Schwinger war durchzogen. Eines ihrer Highlights war das Abschneiden auf dem Stoos, wo man fünf Kränze gewann. Die Kranzausbeute auf dem Weissenstein mit zwei Exemplaren war hingegen mager. Beim «Innerschweizerischen» und beim Bernisch-Kantonalen reiste man gar ohne Kranz heim. Und in den Schlussgang des eigenen Teilverbandsfestes stiess kein eigener Schwinger vor. Die Gründe reichen von Verletzungssorgen bis hin zu schwankender Form. Gewiss ist auch die Grösse des Teilverbandes ein entscheidender Faktor: Fehlen einzelne Spitzenleute wegen Verletzungen oder bringen ihre gewohnte Leistung nicht, sieht es gleich ziemlich düster aus. Der Schwinger-Blog zog mit Guido Thürig, dem Technischen Leiter der Nordwestschweizer, eine Saison-Zwischenbilanz. Der Aargauer nahm zu den bereits bekannten fünf Stichworten Stellung.  

Guido Thürig ist der Technische Leiter der Nordwestschweizer Schwinger

Bild: xing.com

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom Nordwestschweizer Team?

«Die fällt durchzogen aus. Es waren trotz allem sehr gute Sachen dabei. Das Highlight war das Abschneiden auf dem Stoos. Einzelne Schwinger wie Nick Alpiger beim Nordostschweizer Schwingfest oder Lars Voggenspeger beim Südwestschweizer Schwingfest stachen heraus. Auf dem Weissenstein hätte ich mehr erwartet und an unserem Teilverbandsfest in Brugg lief es nicht ganz nach Wunsch. Wir haben halt eine schmale Mannschaft und wenn nicht alle ihren besten Tag einziehen, ist dies sofort spürbar.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

«Der Aufschwung im Basel-Land, angeführt von Adrian Odermatt und Lars Voggensperger, welche man als Aufsteiger der Saison bezeichnen kann.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

«Die Verletzung von Andreas Döbeli und das fehlende Wettkampfglück von Nick Alpiger, welcher mehrfach unglücklich kämpfte. Uns war das Glück bisher nicht wirklich hold. Dies wird dann in Pratteln der Fall sein…»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalfesten?

«Wir konnten mit Andreas Döbeli beim Basellandschaftlichen und Nick Alpiger beim Solothurner Kantonalschwingfest nur zwei Siege bei uns halten. Allerdings schlugen beim Baselstädter und beim Aargauer mit Samuel Giger respektive Pirmin Reichmuth gleich zwei Topcracks zu. Es freut mich, dass wir bei den Kantonalfesten jüngere Schwinger heranführen konnten und sie den ersten Kranz gewannen. Das ist sehr wichtig, damit sie sich nun bei den Aktiven etablieren können.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

«Wie bereits erwähnt fällt die Bilanz für den Stoos sehr gut aus. Auf dem Weissenstein haben wir mehr erwartet. Wir konnten allerdings verletzungsbedingt nicht mit der besten Truppe antreten. Sehr positiv sind die vier neuen Bergkranzer Adrian Odermatt, Lars Voggensperger, Lukas Döbeli und Oliver Hermann. Das ist für uns von grosser Bedeutung.»

Wie beurteilst du die Leistung deines Teams am Nordwestschweizer Schwingfest in Brugg?

«Die Gäste haben dem Fest den Stempel aufgedrückt. Ich bin nicht ganz zufrieden mit unserer Leistung, es wäre für uns mehr möglich gewesen. Ich hätte erwartet, dass wir eine stärkere Rolle spielen. Von der Leistungsdichte her wäre das nämlich möglich. Ich bin zudem selbstkritisch hinsichtlich der Einteilung. Es wurde nicht alles richtig gemacht, und im Nachhinein würde ich anders einteilen. Trotzdem: Geschwungen wird auf dem Platz.»

Das Nordwestschweizer Team beim ESAF 2019 in Zug

Bild: aargauerzeitung.ch

Selektionierung fürs ESAF

Nach welchen Selektionskriterien hast du dein Team zusammengestellt?

«Anhand der Leistung und dem Commitment respektive Engagement für das Kader. Im Grenzfall wurden die Trainingsbesuche, das Mitmachen und etwas fürs Team beitragen miteinbezogen.»

Ein Heim-Eidgenössisches kann auch zur Bürde für die Schwinger werden. Wie siehst du das für deine selektionierten Athleten?

«Ich glaube, dass es für uns ein Vorteil ist. Ich bin zudem überzeugt, dass wir unsere beste Leistung in Pratteln zeigen werden.»

Beim Teamleader Nick Alpiger lief es bisher in dieser Saison noch nicht ganz rund

Bild: Aargauer Zeitung

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Wie auch die anderen Teilverbände hatten die Nordwestschweizer bisher viel Verletzungspech zu beklagen. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

«Klar ist, dass Andreas Döbeli am ESAF nicht dabei sein kann. Ansonsten werden die Angeschlagenen rechtzeitig fit und es können alle, die selektioniert sind, starten.»

Am ENST 2021 in Schwarzenburg zeigten die Nordwestschweizer einen starke Mannschaftsleistung mit elf Doppelzweigen. Du musst zufrieden sein mit dem eingeschlagenen Weg für euren Nachwuchs?

«Ich bin sehr zufrieden und kann den Verantwortlichen nur ein Kompliment aussprechen. Ich kann nun von dieser grossartigen Arbeit profitieren. Wir haben inzwischen die erfolgreichen Schwinger vom ENST auch als Nichtkranzer ins Kader eingebrunden. Einige von ihnen holten in dieser Saison nun den ersten Kranz.» 

Die «Schwarzenburg-Erfolge» bedeuten vielversprechende Perspektiven für das NWSV-Kader der Aktiven? 

«Das sind definitiv gute Aussichten! Ich erhoffe mir durch diese Jahrgänge noch eine grössere Breite und Leistungsdichte. Das kann unserem Team nur guttun.»

Der Baselbieter Adrian Odermatt gewann in der bisherigen Saison sieben Kränze und darf sich berechtigte Hoffnungen auf den ESAF-Kranz machen

Bild: primenews.ch

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technischer Leiter für das ESAF in Pratteln?

«Unser Ziel sind fünf Eidgenössische Kränze. Wir erwarten von unseren Schwingern einen markigen Auftritt, und haben das in der Vorbereitung bewusst thematisiert. Wir wollen zeigen, dass wir bereit sind. Wir wollen etwas reissen und sind hochmotiviert.»

Traust du einem deiner Schwinger den Königstitel zu?

«Ich sage ja, das ist durchaus möglich.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

«Wir hatten Ende Juli ein Trainingslager, wo wir uns aufs ESAF eingeschworen haben.» 

Wie sehen die letzten Vorbereitungen der Nordwestschweizer bis zum ESAF aus?

Am kommenden Sonntag steht der Schwägalp-Schwinget auf dem Programm und nächste Woche gehen wir gemeinsam nach Pratteln. Und dann denke ich sind wir parat.»

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