Vorschau aufs «Eidgenössische» in Pratteln: Der Topfavorit, die fünf Favoriten und die vier Geheimfavoriten auf die Königskrone

Text: Schwinger-Blog

Nun ist es also so weit: Das Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln steht vor der Tür. Nach dem ESAF 2019 in Zug ging 2020 wegen der Corona-Pandemie fast nichts. 2021 konnte mit geschickter und flexibler Organisation fast das gesamte Kranzfest-Programm bestritten werden, samt stimmungsvollem Kilchberger Schwinget Ende September. Und 2022 war, abgesehen von den ersten Hallenschwingfesten, wieder ganz normal – wie im letzten Eidgenössischen Jahr 2019. Die Ausgangslage für ein spannendes und spektakuläres «Eidgenössisches» in Pratteln ist ausgezeichnet. Die Vorzeichen stehen auch bezüglich der etlichen zuletzt verletzten oder angeschlagenen Spitzenschwinger gut: So sind Stucki, Wenger, Reichmuth und Co. dabei. Einzig der Südwestschweizer Steve Duplan und der Nordostschweizer Thomas Koch mussten ihre Teilnahme zu Beginn der Woche absagen.

In dieser prächtigen Arena dürfen 50’900 Zuschauer den 274 besten Schwingern bei ihrer Arbeit zusehen

Bild: Schwinger-Blog

Der Topfavorit

Unbestrittener Topfavorit ist Samuel Giger. Hält der Thurgauer dem ungeheuren Druck stand, wird er der neue Schwingerkönig. Fünf Kranzfestsiege in dieser Saison, zuletzt auf der Schwägalp, ist Beweis genug für seine Extraklasse. Giger war 2021 und 2022 der beste Schwinger und hat in Sachen Technik, Athletik und Taktik nochmals zugelegt. Zudem hat der Modell-Athlet nach dem ESAF in Zug gerade mal zwei Kämpfe verloren. Aus dem Umfeld von Giger war zu vernehmen, dass er seit dem Kilchberger-Sieg noch befreiter schwingt. Und: Der 24-Jährige arbeitet seit zwei Jahren mit einem Mentaltrainier zusammen. Ein Schwingerkönig, welcher nicht Samuel Giger heissen würde, wäre fast schon eine Überraschung.

Die fünf Favoriten auf die Königskrone

Gegen Gigers Unterfangen haben aber die weiteren Königs-Favoriten Adrian Walther, Joel Wicki, Werner Schlegel, Matthias Aeschbacher und Fabian Staudenmann etwas einzuwenden. Was diese Schwinger in dieser Saison boten, zeugt von Extraklasse. Bis auf Staudenmann gewannen sie in überzeugender Manier an übergeordneten Schwingfesten wie an Berg- und Teilverbandsfesten. Fabian Staudenmann belegte an den meisten von ihm bestrittenen Kranzfesten Spitzenplätze (siebenmal Rang zwei). Diese fünf Athleten werden es wohl sein, welche Giger am gefährlichsten werden können. Sie sind in einer absoluten Topform und würden einen Ausrutscher von Giger wohl gnadenlos ausnutzen. Der Schwinger-Blog handelt den Kilchberger-Co-Sieger Fabian Staudenmann als einen von insgesamt vier Geheimfavoriten. 

Samuel Giger gilt als Topfavorit auf die Königskrone, er gewann kürzlich zum fünften Mal den Schwägalp-Schwinget 

Bild: SCHLUSSGANG

Der erweiterte Favoriten-Kreis

Zu dieser Kategorie darf man Christian Stucki, Pirmin Reichmuth, Florian Gnägi, Michael Ledermann, Kilian Wenger und Damian Ott zählen. Der amtierende Schwingerkönig hat in dieser Saison zwar wegen einer Schulterverletzung noch gar kein Kranzfest bestritten und nahm seit Mitte April an keinem einzigen Schwingfest mehr teil. Erst am Donnerstag-Vormittag liess Stucki verlauten, dass er in Pratteln starten wird. Wie gut der Seeländer Hüne drauf ist, weiss wohl nur er selbst. Sein Athletik-Trainer liess unlängst verlauten, dass er den Seeländer noch nie so konzentriert trainieren sah – man darf gespannt sein. Reichmuth gab am Aargauer Kantonalen nach langer Verletzungspause mit sechs gewonnenen Gängen ein fulminantes Comeback. Eine am Brünigschwinget zugezogene Bizeps-Verletzung kostete den Zuger fast die Teilnahme – er gab am Dienstagnachmittag Entwarnung, und die Innerschweiz atmete auf. Aber auch Gnägi, Ledermann, Wenger und Ott wurden zuletzt durch Verletzungen gebremst und fielen aus. Sie können nun alle in Pratteln antreten. Wie fit sie wirklich sind, wird sich zeigen. Wenn sie es sind, werden sie für die oben genannten Favoriten zu einer echten Herausforderung und zu heissen Königs-Kandidaten. Der Schwinger-Blog ernennt aus dieser Kategorie Pirmin Reichmuth und Michael Ledermann zu Geheimfavoriten. 

Aussenseiter-Chancen auf den Königstitel

Unter diese Rubrik fallen Armon Orlik, Domenic Schneider, Kilian von Weissenfluh, Nick Alpiger, Roger Rychen, Michael Wiget, Samir Leuppi, Remo Käser, Lario Kramer und Sven Schurtenberger. Wächst einer von diesen zehn Athleten über sich hinaus, ist vieles möglich. Bei von Weissenfluh wurde es wegen der sich anfangs August zugezogenen Knieverletzung ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Haslitaler scheint dieses Duell gewonnen zu haben. Michael Wiget wurde nach längerer Verletzungspause rechtzeitig fit und gewann den Bözingenberg-Schwinget – das einzige von ihm bestrittene Schwingfest in dieser Saison. Die in dieser Rubrik genannten Schwinger sind allesamt Stimmungsschwinger. Die meisten von ihnen mussten während dieser Saison wegen einer Verletzung oder Krankheit pausieren und konnten ihr Programm nicht wie gewünscht durchziehen. Zieht der eine oder andere in Pratteln «die zwei Tage seines Lebens» ein, wird dieser am Ende um die Königskrone mitreden. Auch in dieser Kategorie benennt der Schwinger-Blog einen Geheimfavoriten: Michael Wiget.

Wer darf am Sonntagabend den Siegermuni Magnus entgegennehmen? Auf dem Bild zusammen mit dem Züchter Jürg Degen vom Hof Schönenberg in Pratteln.

Bild: Schwinger-Blog

Die Spitzenpaarungen

Stefan Strebel, der Technische Leiter vom Eidgenössischen Schwingerverband, überraschte bei der Einteilung der Spitzenpaarungen. Er scherte sich kaum um irgendwelche ungeschriebenen Gesetze und teilte gut durchdacht absolute Knüller-Paarungen ein. Ob jetzt Giger mit Staudenmann statt mit Stucki in der absoluten Spitzenpaarung antreten muss, ist nicht entscheidend. Vielmehr sollen dem schwingbegeisterten Publikum spektakuläre Zweikämpfe geboten werden. Gewisse Kommentar-Schreiber liessen sich gar dazu hinreissen, dass Strebel den Mut verlassen habe. Der Schreibende sieht das mitnichten so, ganz im Gegenteil. So eine Einteilung lässt auf ein gesundes Mass an Eigenwilligkeit schliessen. Auch die Überzahl der Berner, welche in den Spitzenpaarungen zu finden sind, ist absolut berechtigt. Sie sind der momentan stärkste Teilverband, denn es adäquat herauszufordern gilt.

Anzahl Kränze: Zielsetzungen der Teilverbände

Der «SCHLUSSGANG» schreibt in der Analyse zu den Spitzenpaarungen: «In den 20 Spitzenpaarungen sind nicht weniger als 15 Berner Schwinger vertreten.» Weiter sind 11 Nordostschweizer, 9 Innerschweizer, 3 Nordwestschweizer und 2 Südwestschweizer darin zu finden. Diese Verteilung könnte am Sonntagabend durchaus der Verteilung der Kränze entsprechen. Aber: Die Zielsetzungen der einzelnen Teilverbände sehen ein wenig anders aus. So konnte man in der Berner Zeitung lesen, dass die Verantwortlichen von 19 Kränzen sprechen. Im Vergleich: Am «Eidgenössischen» 2019 in Zug gewannen die Berner 15 Kränze. Von einer bestimmten Anzahl Kränze hat man von den Innerschweizern und den Nordostschweizern zwar nirgends gelesen. Aber so viele wie in Zug (Innerschweiz: 13, und Nordostschweiz: 10 Kränze) sollen es wohl wieder sein. Die Nordwestschweizer, der gastgebende Verband vom diesjährigen ESAF, setzt sich 5 Kränze (ESAF Zug: 3 Kränze) zum Ziel. Die Verantwortlichen der Südwestschweizer Schwinger sprechen davon, es in Pratteln mindestens so gut wie in Zug (3 Kränze), wenn nicht noch besser zu machen.

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