Saisonabschluss morgen Samstag, 1. Oktober in Unteriberg SZ: 52. Herbstschwingertag und Einsiedler Nachwuchsschwingertag

Text: Werner Schönbächler und Schwinger-Blog

Mit dem 52. Herbstschwingertag in Unteriberg wird die Freiluftsaison morgen Samstag endgültig abgeschlossen. Ausgetragen wird auch der verschobene Einsiedler Nachwuchsschwingertag. Über 260 Jungschwinger und Aktive werden in Unteriberg nochmals im Einsatz stehen. Kurze Randnotiz: Der Herbstschwingertag Unteriberg ist das 137. Schwingfest der laufenden Saison, Schwingfest Nummer 36 in der Innerschweiz. 

Mit einem schönen Plakat machen die Organisatoren rund um den Schwingklub Einsiedeln auf ihren Anlass aufmerksam

Bild: Schwingklub Einsiedeln

Über 200 Jungschwinger messen sich in den fünf Sägemehlringen

Am Samstag wird auf dem Festgelände beim Bezirksschulhaus Herti noch einmal schwingerischer Hochbetrieb herrschen. Wegen der Terminkollision mit dem «Eidgenössischen» wird der Einsiedler Jungschwingertag nachgeholt. In vier Alterskategorien zwischen acht und fünfzehn Jahren sind über 200 Teilnehmer gemeldet. Das Organisationskomitee rund um den Schwingklub Einsiedeln hat für einen reibungslosen Ablauf alle Vorkehrungen getroffen. Damit die vielen Zweikämpfe innert nützlicher Frist abgewickelt werden können, stehen fünf Sägemehlringe bereit. Weiter werden die Jungschwinger früher als die Aktiven beginnen. Der «Buebäschwinget» ist jedes Mal ein Familienfest. Väter, Mütter, Grosseltern, Onkeln und Tanten verfolgen mit Interesse ihre Schützlinge. Dabei sind verschiedene Anfeuerungsrufe wie «Chum jetz, es gout!» zu hören. Der Nachwuchsschwingertag beginnt um 09.00 Uhr.  

Über 60 Aktive am Start

Das Meldeergebnis für den Herbstschwingertag der Aktiven ist mit über 60 Schwingern erfreulich ausgefallen. Der Schwinget erfreut sich zum Saisonabschluss bei den Aktiven und Zuschauern immer wieder grosser Beliebtheit. So stehen auf der Siegerliste bekannte Schwingergrössen wie Martin Grab, Christian Schuler, Philipp Laimbacher, Andreas Ulrich sowie Bruno und Reto Nötzli. Vom organisierenden Schwingklub Einsiedeln werden die Aushängeschilder Christian und Alex Schuler sowie Adrian Steinauer nicht am Start sein. Umso mehr müssen sich die anderen ins Zeug legen. Eine starke Leistung darf von den Kranzern Fabian Birchler, Markus Effinger, Christian Lagler und Daniel Inderbitzin erwartet werden. Aus dem eigenen Kantonsgebiet erwächst ihnen am meisten Konkurrenz durch Kranzer wie Daniel Schilter, Ueli Hegner, Silvan Appert, Ronny Heinzer, Andreas Gwerder, Bruno und Samuel Suter sowie Ueli Wiget. Aus den anderen Innerschweizer Kantonen gilt es besonders Raphael Arnold, Dominik Waser, Toni Omlin, Roger Baumann, Marco Herger und Leon Riebli zu beachten.

Spannende Ausgangslage

Ein Mitspracherecht um den Tagessieg darf auch dem 18-jährigen Zürcher Gian-Maria Odermatt eingeräumt werden. Die grosse Nordostschweizer Hoffnung hat bereits drei Kränze, darunter die diesjährige Nordostschweizer Verbandsschlaufe, auf seinem Konto. Gespannt darf man auch auf das Bündner Gebrüder-Duo Corsin und Marc Jörger sein. Anhand der Schwingerliste ist die Ausgangslage völlig offen, Garant für ein spannendes Schwingfest. Es besteht für jüngere Schwinger die Gelegenheit, sich mit einer guten Leistung ins Rampenlicht zu schwingen. Die Aktiven werden um 11.30 Uhr in die Hosen steigen.

Letztes Jahr fand der Herbstschwingertag bei bestem Wetter statt. Hoffen wir, dass Petrus morgen Samstag auch ein paar Sonnenstrahlen nach Unteriberg schickt!

Bild: Schwinger-Blog

Livemusik nach dem Schlussgang

Neben den Zweikämpfen in den Sägemehlringen kommt auch die volkstümliche Unterhaltung nicht zu kurz. Nach dem Schlussgang spielt im Festzelt live eine Ländlermusik. Die Organisatoren hoffen, zum Saisonabschluss noch einmal viele Zuschauer in Unteriberg begrüssen zu dürfen.

Der Freiburger Sven Hofer wuchs am ESAF in Pratteln förmlich über sich hinaus und gewann verdient den Eidgenössischen Kranz

Text: Schwinger-Blog / Bilder: Sven Hofer

Sven Hofer war am Eidgenössischen Schwing-und Älplerfest (ESAF) in Pratteln einer der drei glücklichen Südwestschweizer Kranzgewinner. Zusammen mit Lario Kramer und Romain Collaud durfte er am Sonntagabend vor die Ehrendamen treten und sich krönen lassen. Rang 9b und 74.75 Punkte bescherten dem Freiburger das begehrte Eichenlaub – man darf tatsächlich von einer Überraschung sprechen. Sven wuchs an beiden Tagen förmlich über sich hinaus und gewann den Eidgenössischen Kranz verdient mit einem starken Notenblatt. Die Gänge eins bis drei wurden allesamt gewonnen, darunter gehörte der Aargauer Eidgenosse Patrick Räbmatter zu den Geschlagenen. Im vierten Gang wurde Sven von Armon Orlik vorübergehend gestoppt, ehe im fünften Gang gegen Marco Ulrich wieder ein Plattwurf gelang. Wie gut der Neueidgenosse drauf war, zeigen die zugeteilten Gegner im sechsten (Werner Schlegel) und im siebten Gang (Christian Stucki). Diese beiden Gänge gingen zwar verloren. Der um den Kranz alles entscheidende Kampf gegen Thomas Stüdeli konnte Sven aber wieder siegreich gestalten.

Sven Hofer gewann den Eidgenössischen Kranz überraschend, aber verdient

Starke 2022er-Saison

Sven gewann in dieser Saison insgesamt sieben Kränze. 2021 waren es drei Kränze, 2019 einer, 2018 zwei und 2017 ein Kranz. Dem Freiburger ist in dieser Saison der berühmte Knoten so richtig aufgegangen. Der Reihe nach reüssierte er 2022 beim Urner Kantonalen, am Walliser Kantonalen, am Neuenburger Kantonalen, dem Waadtländer Kantonalen, beim Südwestschweizer Schwingfest, beim Freiburger Kantonalen und als Krönung beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest. Insofern kündigte sich der Kranzgewinn am ESAF als Produkt der Konstanz über die gesamte Saison an. 

Mitglied beim Schwingklub Kerzers

Das Geburtsdatum von Sven ist der 21. August 1995. Der 27-Jährige wohnt derzeit in Kerzers, ist ledig und weist mit seiner Grösse (182 Zentimeter) und seinem Gewicht (108 Kilogramm) gute Masse für den Schwingport auf. Der frisch gebackene Eidgenosse machte eine Berufslehre zum Logistiker und arbeitet nun Vollzeit in seinem erlernten Beruf in einer Firma in Kerzers. In der Zeit, welche nebst dem Beruf und dem Schwingsport übrigbleibt, spielt er Dart und nimmt an Hobby-Turnieren teil. Zudem spielt Sven zum Plausch Fussball. Der Sennenschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Kerzers, welcher dem Freiburger Kantonalen Schwingerverband angehört. Während der Schwingsaison wird drei bis viermal trainiert. Auf dem Programm stehen zwei Schwingtrainings und ein bis zwei Athletiktrainings. Die Trainings werden meist zusammen mit einer Trainingsgruppe, welche mehrheitlich aus Mitgliedern vom Schwingklub Kerzers besteht, absolviert.

Der 14. Kranzgewinn ist zugleich der erste Eidgenössische Kranz

Das am ESAF gewonnene Eichenlaub ist Kranz Nummer 14 für Sven, und stellt sein bisheriges Karrieren-Highlight dar. Zur Kranz-Sammlung des Freiburgers gehören zudem 2 Teilverbands- und 11 Kantonalkränze. Seinen ersten Kranz gewann er 2017 beim Freiburger Kantonalschwingfest in Villaz-St-Pierre. Nebst dem Eidgenössischen Kranz zählt der Logistiker aber auch die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug, die beiden Kranzgewinne an Südwestschweizer Schwingfesten und die Schlussgangteilnahme beim Regionalfest Oron-la-Ville 2019 zu seinen grössten Erfolgen. Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz und der Fussstich über links. Sven schwang als Jungschwinger bis zum 12. Lebensjahr. Dann wechselte er als Teenager zum Fussball. Als der Sportbegeisterte 2016 zusammen mit dem FC Kerzers beim ESAF in Estavayer-le-Lac mithalf, packte ihn das Schwing-Fieber wieder. Seit 2017 hat sich Sven wieder dem Schwingsport verschrieben.

Sven Hofer’s Sieg über Patrick Räbmatter war sein Schlüsselmoment am «Eidgenössischen»

Herzliche Gratulation zum Eidgenössischen Kranz! Was für Gedanken begleiteten dich bei der Krönung?

«Ich empfand Freude, Stolz und Erleichterung. Es war wunderschön, mit so vielen Leuten von Kerzers, die dabei waren, feiern zu dürfen. Mein primäres Ziel war es, acht Gänge zu schwingen. In Zug musste ich nämlich den Wettkampf nach vier Gängen beenden.»

Wie lief der für dich alles entscheidende achte Gang gegen Thomas Stüdeli ab?

«Ich kannte Stüdeli nicht, wusste aber, dass er defensiv stark ist. Mein Bestreben war es, den Gang von Anfang an offensiv zu gestalten und mir seine Schwingweise nicht aufdrücken zu lassen. Ich habe ihn mit einem Kurz und nachdrücken am Boden bezwungen.»

Hast du nach dem Sieg über den Eidgenossen Patrick Räbmatter langsam, aber sicher mit dem ESAF-Kranzgewinn geliebäugelt? 

«Mir war gleich klar, dass das der entscheidende Gang sein könnte. Ich habe diesen Sieg als Motivationsvideo für die restlichen Gänge genommen.»

Wie hast du «Räbi» eigentlich bezwungen?

«Ich bezwang ihn mit einem Konter, Räbmatter wollte wahrscheinlich einen Schlungg ansetzen. Ich leerte ihn übers Knie ab und konnte ihn am Boden über den Rücken ziehen.»

Welcher der acht Gänge war dein härtester Kampf?

«Ich denke, das waren der erste und der letzte. Beim ersten Gang war es wegen der Nervosität und dem Druck, dieser Kampf war mental am schwierigsten. Vor dem letzten Gang war die Ausgangslage klar. Erschwerend kam hinzu, dass man relativ lange warten musste.»

An wie vielen Empfängen hast du seit dem ESAF teilgenommen?

«Am Empfang in Kerzers war ich dabei. Bei den anderen konnte ich nicht teilnehmen, da ich in den Ferien war.»

Die drei Südwestschweizer Kranzgewinner in Pratteln: Lario Kramer, Romain Collaud und Sven Hofer (von links)

Es fällt auf, dass du in dieser Saison resultatmässig einen regelrechten Quantensprung vollbracht hast. Wie kommt das?

«Ich konnte gut schwingen und habe mich technisch nochmals verbessert. Beim ersten Kranzfest, dem Urner Kantonalen, wo wir als Gäste dabei waren, ist mir der Knoten so richtig aufgegangen. Ich konnte den Kranz gewinnen und dieser gab mir Aufschwung für die Saison.»

Hast du vor dieser Saison etwas an deinem Training und Aufbau verändert?

«Nein, ich absolvierte das Wintertraining gleich wie in den vorangegangenen Saisons. Im Winter trainiere ich fünf bis sechs Mal, auf dem Programm stehen drei Schwing- und bis vier Athletik-Trainings. Wie erwähnt, trainiere ich mit einer Trainingsgruppe. Diese wird im kommenden November neu gebildet.»

Am Heim-Fest, dem Freiburger Kantonalen, hast du mit Rang 3b einen Spitzenplatz erreicht. Gegen Ende der Saison bist du immer stärker geworden. War das so geplant?

«Nein, eigentlich nicht. Ich werde für gewöhnlich von Schwingfest zu Schwingfest stärker. Es kam mir gelegen, dass bei uns in der Südwestschweiz dieses Jahr die Kranzfeste Schlag auf Schlag folgten. Es war ein Vorteil für mich

Was ist dein Fazit nach dieser starken Saison?

«Hauptsächlich motiviert es mich, dranzubleiben und noch mehr an meiner Technik zu feilen. Diese Saison zeigte mir auf, dass es möglich ist, auch mal ein Kranzfest zu gewinnen.»

Deshalb behauptet der Schwinger-Blog: 2023 folgt der erste Kranzfestsieg von dir. Wie klingt das in deinen Ohren?

«Sehr schön! Bis dahin steht allerdings noch viel Arbeit an. Ich werde im Winter alles daransetzen, um das zu erreichen. In erster Linie möchte ich aber unfallfrei durch den Winter kommen.»

Wann steigst du ins Wintertraining ein? Wie sieht der Plan aus?

«Voraussichtlich anfangs November starte ich das Wintertraining. Geplant ist, dass ich mich während dem ganzen November dem Krafttraining widme. In den Monaten Dezember und Januar wird an der Schwingtechnik gefeilt, und ab anfangs Februar wird wieder wettkampfmässig geschwungen.»

Vorschau auf den 84. Herbstschwingertag Siebnen: Starkes Teilnehmerfeld und Reto Nötzli’s letztes Schwingfest

Text: Hansruedi Ulrich und Schwinger-Blog / Bilder: Hansruedi Ulrich

Am kommenden Sonntag, 25. September führt der Schwingklub March–Höfe den 84. Herbstschwingertag Siebnen durch. Nach einer langen Saison werden um 140 Schwinger nochmals das Sägemehl zünftig stieben lassen. Die Organisatoren unter der Leitung von OK-Präsident Benno Züger sind bereit, die Vorarbeiten sind weitgehend abgeschlossen und der Festplatz wird ab Freitag eingerichtet. Wie immer werden zwei Tribünen erstellt, damit eine optimale Sicht auf die vier Sägemehlplätze gewährleistet ist. Das OK hat alles unternommen, um den Ansprüchen der hoffentlich zahlreich erscheinenden Zuschauerinnen und Zuschauer gerecht zu werden. Sollte das Wetter nicht ganz mitspielen, gibt’s im Festzelt beim Schwingplatz und in der Turnhalle bei der Mittelpunktschule Siebnen (MPS) genügend trockene Plätze. Auch die mit viel Einsatz geführte Festwirtschaft, unter der Leitung von Philipp Düggelin, wird alles daransetzen, um alle Festbesucher zu verpflegen. Der Schwingfest-Beginn ist auf 08.30 Uhr angesetzt, Verschiebedatum ist keines vorgesehen. Am Wettkampftag kann man sich ab 06.00 Uhr unter der Nummer 1600 oder auf www.skmh.ch über die Durchführung erkundigen. 

Am kommenden Sonntag sind auf diesem schönen Schwingplatz die Schwinger nochmals im Einsatz

Folkloristische Unterhaltung

Ein Schwingfest besteht nicht nur aus Schwingen, selbstverständlich darf auch die Folklore nicht fehlen. Mit dem Jodelklub Sängertreu Siebnen, Fahnenschwingern, dem Alphornduo Bärgbächli (Siebnen), der Alphorngruppe Toschtelgruäss (Wangen) und dem bestens bekannten Einschellnerverein Wangen wird den Festbesuchern ein gemütliches Rahmenprogramm geboten. Ab 16.00 Uhr wird in der Turnhalle das Urgestein Hans Oetiker am Bass mit der Kapelle Aubrig-Gruess für Unterhaltung sorgen. Zum selben Zeitpunkt wird auch die beliebte Hosälupfbar ihren Betrieb aufnehmen. Zudem ist am Abend in der Turnhalle eine grosse Abschiedsparty zu Ehren von Reto Nötzli geplant. Da Nötzli nicht nur ein talentierter Schwinger, sondern auch ein begnadeter Ländlermusikant ist, werden für ihn die bekannten Rusch Büäblä, Etzel Büäblä und das Trio Rötstock ein Gastspiel geben.

Starkes Teilnehmerfeld

Wer gewinnt die drei Lebendpreise Muni «Soldan», Rind «Britta» und Kalb «Petra»? Diese Frage ist noch offen und wird am kommenden Sonntag im Sägemehl beantwortet. Mit Sicherheit darf man sagen, dass in Siebnen nochmals hochkarätige Schwingerkost geboten wird. Denn die Qualität des Teilnehmerfeldes darf sich durchaus sehen lassen, sind doch fast ein Drittel aller Teilnehmer Kranzschwinger. Antreten werden Schwinger aus dem Innerschweizer-, Nordostschweizer- und Nordwestschweizer Verband. Derzeit sind fünf Eidgenossen und zahlreiche weitere Schwinger, welche eine starke Saison zeigten, gemeldet. Spannung im Kampf um den Tagessieg ist also garantiert. Aus dem Lager der Nordwestschweizer Gäste wird der Eidgenosse Patrick Räbmatter, Sieger 2019, erwartet. Der Nordwestschweizer Schwingerverband hat in Siebnen ein Kontingent von zehn Schwingern zugute, aber wie schon so oft zieren sich die Verantwortlichen mit einer pünktlichen Anmeldung. Die Schwyzer Delegation wird vom Eidgenossen Alex Schuler und Vorjahressieger Adrian Steinauer angeführt. Die weiteren Kranzschwinger wie Roland Kälin, Patrick Betschart, Markus Effinger, Marcel Arnold, Franz-Toni Kenel, Beat und Stefan Kennel, sowie Pirmin Suter werden für interessante Gänge sorgen. Die Zuger entsenden die starken Kranzer Christian und Thomas Bucher, Marcel Betschart sowie Matthias Hürlimann. Die Ob- und Nidwaldner schicken die Kranzer Koni Gut, Dominik Hess und Markus Niederberger. Das Luzerner Feld wird vom zähen Markus Schnider angeführt, und die Urner reisen mit starken Kämpfern rund um Michael Zurfluh in die March. Aus dem Nordostschweizer Verband sind die Eidgenossen Martin Roth und der unverwüstliche Stefan Burkhalter am Start. Sie werden unterstützt von den starken Kranzschwingern Daniel Elmer, Thomas Burkhalter, Christian Pianta, Urs Schäppi, Lars Geisser, Christian Lanter und Andy Signer.

Reto Nötzli tritt in Siebnen zu seinem allerletzten Schwingfest an

Feiert Reto Nötzli zum Abschied seinen vierten Sieg?

Reto Nötzli tritt in Siebnen zum allerletzten Schwingfest an. Kann der 33-Jährige mit einem weiteren Sieg seine erfolgreiche Karriere abrunden? Die Form stimmt und er weiss, wie es ist beim Herbstschwingertag zu triumphieren. Der Turnerschwinger schwang bereits 2013, 2014 und 2016 obenaus. Aber auch die weiteren Ausserschwyzer Schwinger sind heiss auf ihren Heimanlass. Auf Joel Kessler darf man besonders gespannt sein, der Märchler hat dieses Jahr am Morgarten und auf dem Ricken seine ersten Feste gewonnen. Aber auch die anderen Kranzer wie Ueli Hegner, Janik Keller, Alex Huber oder Daniel Schilter versuchen dem einen oder anderen Favoriten ein Bein zu stellen. Auf die starken Nichtkranzer Benjamin Züger, Adrian und Alexander Schnellmann, Stefan Gemsch, Alex Styger sowie Damian Ulrich darf man ebenfalls gespannt sein. Die Zuschauer dürfen sich auf einen spannenden Herbstschwingertag mit hochstehendem Schwingsport freuen. Bleibt zu hoffen, dass Petrus ebenfalls ein Schwingerfreund ist, und dem 84. Herbstschwingertag Siebnen angenehmes Herbstwetter beschert. 

1. Tessiner Kantonales in Cadenazzo: Die Zuschauer erwartet ein stimmungsvolles Schwingfest mit einer Top-Besetzung und schönem Spätsommerwetter

Text: Schwinger-Blog

Morgen Samstag, 17. September ist es also nun so weit: Das 1. Tessiner Kantonalschwingfest wird in Cadenazzo über die Bühne gehen. Drei Wochen nach dem wunderbaren ESAF in Pratteln steht das letzte Kranzfest der Saison 2022 an. Gemeldet sind zehn Eidgenossen und viele weitere starke Teilverbands-, Berg- und Kantonalkranzer. Edi Ritter, der Präsident der Tessiner Schwinger, meint im Vorfeld schmunzelnd, dass die Besetzung einem «Innerschweizerischen» nahekomme. Nebst sieben Tessiner Schwingern steigen um 190 Schwinger aus den anderen Innerschweizer Kantonalverbänden in die Schwinghosen.

In Cadenazzo kommt es zu einer Premiere: Das allererste Tessiner Kantonalschwingfest steht an

Bild: fctls.ch

Die sportliche Affiche

Vorneweg: Schwingerkönig Joel Wicki, Pirmin Reichmuth, Mike Müllestein und Neueidgenosse Matthias Herger sind nicht am Start. Antreten werden auch keine Gäste von ausserhalb des Innerschweizer Teilverbandes. Im ersten Gang treffen die zehn Eidgenossen gleich in Direktduellen aufeinander: Christian Schuler – Sven Schurtenberger, Erich Fankhauser – Marcel Bieri, Reto Nötzli – Jonas Burch, Joel Ambühl – Alex Schuler und Andi Imhof – Stefan Stöckli. Einer dieser zehn Athleten wird vermutlich am Ende der erste Tessiner Kantonalfestsieger sein. Die Ausgangslage präsentiert sich wegen dem Fehlen von Wicki und Reichmuth offen. Die besten Karten für den Festsieg dürfte Sven Schurtenberger haben, welcher trotz Erkältung den Allweg Schwinget vor Wochenfrist souverän für sich entscheiden konnte. Aber auch Christian Schuler, Erich Fankhauser, Marcel Bieri oder Reto Nötzli gehören zum engsten Favoritenkreis. Joel Ambühl und Jonas Burch brennen darauf, sich beim ersten Kranzfest als Eidgenossen so gut wie möglich zu präsentieren. Ausgeschlossen ist auch nicht, dass ein Schwinger aus dem Kreis der Nichteidgenossen in Cadenazzo über sich hinauswächst und das Geschehen an der Spitze mitprägt. In Frage dafür kommen am ehesten Ueli Rohrer, Lukas Bissig, Reto und Marco Fankhauser, Dario Gwerder, Urs Doppmann, Werner Suppiger, Marco Reichmuth, Stefan Arnold, Marc Lustenberger sowie Reto Kaufmann. Das primäre Ziel eines jeden Schwingers wird es aber sein, seinen ersten Tessiner Kranz gewinnen zu können. Die sieben Tessiner Nichtkranzer Robin Crotta, Loris DiPietro, Enea Donelli, Lorenzo und Michele Mignola, Diego Poletti sowie Luca Sturzenegger freuen sich besonders auf ihren Ehrentag auf dem Festplatz an der Via Industrie 10. Dieser befindet sich in der Nähe des Bahnhofes Cadenazzo. Angeschwungen wird um 8 Uhr.

Andi Imhof (links) und Benji von Ah werden während dem Tessiner Kantonalen feierlich verabschiedet

Bild: schlussgang.ch

Zwei Innerschweizer Urgesteine hängen in Cadenazzo die Schwinghosen an den Nagel

Der Obwaldner Benji von Ah und der Urner Andi Imhof werden am 1. Tessiner Kantonalen ihre glanzvollen Karrieren beenden. Beide werden im Verlaufe des Schwingfestes feierlich vom aktiven Schwingsport verabschiedet. Von Ah wäre gerne nochmals in die Schwinghosen gestiegen, eine am ESAF zugezogene Schienbeinverletzung lässt aber keinen Wettkampfeinsatz zu. Andi Imhof hingegen tritt nochmals an, und möchte seine Karriere gerne mit dem 80. Kranzgewinn beenden.

Edi Ritter, Präsident des Tessiner Kantonalen Schwingerverbandes freut sich auf das 1. Tessiner Kantonalschwingfest

Bild: Markus Imhof

Edi Ritter als Schwingerpionier im Tessin

Der Tessiner Kantonale Schwingerverband (TKSV) wurde 2012 gegründet. Just zehn Jahre später kommt es nun zum ersten Kantonalfest in der Sonnenstube. Angedacht ist, dass weitere Kantonalfeste im Turnus von drei Jahren folgen sollen. Dem Schwingerpionier Edi Ritter ist es zu verdanken, dass im Tessin nun auch um Kränze geschwungen wird. Der 71-Jährige war selbst Schwinger, Nationalturner und Ringer. In der Sportart Ringen kam er in jungen Jahren zu Kranz- und Medaillenehren. Nach seiner Aktivkarriere war Ritter Jungschwinger-Leiter, Technischer Leiter und Vorstandsmitglied beim Schwingklub Pratteln. Später wurde er Kampfrichter, irgendwann sass der gebürtige Berner Seeländer im Kantonalvorstand und schaffte es bis zum Kantonalpräsidenten im Baselbiet. Ritter erhielt verdientermassen die ESV-Ehrenmitgliedschaft und ist dem Schwingsport seit mehr als 50 Jahren verbunden. 

Sportissima 2011 als Ausgangspunkt für den TKSV

Zur TKSV-Gründung meint der schnauzbärtige Funktionär: «Gegründet wurde er von zwei Elternteilen von Jungschwingern, welche 2011 mit dem Schwingen begannen, und mir. An der Sportissima in Tenero bot ich 2009 zum ersten Mal die Sportart Schwingen an. Nach der Sportissima 2011 wollten vier junge Sportler unbedingt weiterschwingen. Ich sagte zu ihnen: Wenn ihr am nächsten Mittwoch mindestens zu viert kommt, trainiere ich mit euch. Es kamen dann fünf Interessierte. Darauf haben wir während dem ganzen nächsten Winter geschwungen. Zwischen Weihnachten und Neujahr schrieben wir die Statuten. 2012 konnten wir auf Anfrage beim Innerschweizerischen Schwingerverband (ISV) bei einem Jungschwingertag teilnehmen. Ich habe in der Folge die fünf Jungschwinger versichert und wir gründeten den Tessiner Schwingerverband. Als Angehörige des ISV wurden wir probeweise bis 2018 aufgenommen.» Die definitive Aufnahme fand dann an der ISV-Delegiertenversammlung 2019 statt. Der Tessiner Verband hat inzwischen rund 200 Mitglieder, darunter ein Dutzend Schwinger. Der TKSV organisierte 2014 in Tenero, 2015 in Lugano und 2017 in Vezia Schwingfeste für die Jungschwinger. 2016 und 2017 wurde in Gudo jeweils ein Wettkampf für Nichtkranzer durchgeführt, und 2019 fand in Vezia ein Rangschwingfest statt.

In Cadenazzo wurde im Verlaufe der Woche eine schöne Arena errichtet

Bild: Markus Imhof

Was erwartet die Schwingerfreunde am 1. Tessiner Kantonalen?

Zuerst einmal, wie könnte es anders sein, schönes und warmes Spätsommerwetter im Tessin. Und wie bereits erwähnt ein spannendes Schwingfest mit einer Top-Besetzung. Auf der entsprechenden Fest-Homepage begrüsst Edi Ritter die Schwingerfreunde unter anderem mit folgendem Hinweis: «Neben dem traditionellen Wettkampf werden auch unsere Tessiner Folkloretraditionen nicht zu kurz kommen: Musikkapellen, Gesangschöre und Alphornbläser werden die Veranstaltung verschönern und den Gästen aus dem Norden zeigen, dass sich eine Reise ins Tessin immer lohnt.» Verpflegt werden die Festbesucher für einmal nicht mit Bratwürsten, Cervelats oder «Suurem Moscht» sondern mit Tessiner Spezialitäten wie Gostini, Luganighetta, Risotto, Tessiner Bier, Merlot und Grappa. Schwingtechnisch gesehen läuft das 1. Tessiner Kantonale ähnlich wie ein Innerschweizer Schwing- und Älplerfest ab. Der Innerschweizer TK-Chef Thedy Waser teilte die Spitzenpaarungen sowie diejenigen des ersten Ganges ein, und präsidiert die Einteilung in Cadenazzo. In der Einteilung sitzen zudem die TK-Chefs aller Innerschweizer Kantonalverbände, ausser jenem vom Tessin: Loris DiPietro steigt selbst in die Schwingerhosen, und Edi Ritter hat als Vize-OK-Präsident noch andere Aufgaben zu betreuen. Die Kampfrichter kommen alle von ennet dem Gotthard. Auf die Vorbereitung auf das 1. Tessiner Kantonale angesprochen, meint Ritter: «Ich habe mich bei der Organisation um die Schwingerei gekümmert. Beim Aufbau haben Kameraden aus dem Tessin und aus der Alpennordseite geholfen. Die Unterstützung von Seiten des ISV ist in allen Belangen riesig. Wir haben zudem ein Riesenglück mit dem Wetter.» Die Arena in Cadenazzo besteht aus zwei Tribünen mit insgesamt 2’200 gedeckten Sitzplätzen und 450 Rasensitzplätzen. Von den Tribünen- und Rasensitzplätzen werden am Samstagmorgen noch gut von der Hälfte der Plätze Billette zur Verfügung stehen. 

Im Tessin wurde in der Vergangenheit auch schon geschwungen

Eine Schwingtradition gibt es im Tessin nicht. Es gab aber Deutschschweizer, welche einst in der Sonnenstube schwangen. Dies waren vorwiegend solche, welche bei der Bahn arbeiteten und 1922 den Schwingklub Airolo gegründet haben. Laut Chronik des Innerschweizer Schwingerverbandes wurde um 1895 auch in Bellinzona dem Schwingsport gefrönt und es soll dort auch ein Schwingklub existiert haben. Als die Bahnarbeiter in ihre angestammten Lande in der Deutschweiz zurückkehrten, war es mit der Schwingerei im Tessin vorerst vorbei. 1937 und 1971 fanden zudem Propaganda-Schwingfeste im Tessin statt. Edi Ritter ist massgeblich dafür verantwortlich, dass der Schwingsport im Tessin wieder belebt wurde. Der Schwinger-Blog widmete sich 2016 bereits dem Schwingen im Tessin. Ritter sagte damals beim Interview: «Die Zukunft des kleinen Schwingerverbandes sind unsere Schwinger. Wenn diese ebenfalls vom Schwing-Virus befallen werden wie ich, dann geht das weiter. Die jungen Tessiner wachsen nun langsam in den Schwingsport hinein.» Es ist zu hoffen, dass das junge Pflänzchen namens Schwingen im Tessin gehörig gedeiht und sich auch genügend Interessierte dafür finden lassen. Der Unterstützung des ISV und der Schwingerfreunde ennet dem Gotthard können sie sich jedenfalls sicher sein.

Der Kranzgewinn von Matthias Herger am ESAF in Pratteln basiert auf einem kleinen medizinischen Wunder

Text: Schwinger-Blog

Matthias Herger darf sich seit dem 28. August Eidgenosse nennen. Für den Urner ist der Gewinn des Eidgenössischen Kranzes am ESAF in Pratteln die Krönung seiner bisherigen Karriere. Der Turnerschwinger schaffte damit nach einer schwierigen Saison mit einer längeren Verletzungspause eine kleine Sensation. Die Bilanz am «Eidgenössischen» sah nach sechs Gängen sehr gut aus: Vier Siege standen zwei Niederlagen gegenüber. Dann folgte im siebten Gang eine Niederlage gegen den Aargauer Neueidgenossen Tobias Widmer. Der Kranzgewinn hing nun an einem seidenen Faden, wurde Matthias im achten Gang doch der Berner Eidgenosse Remo Käser zugeteilt. Der Altdorfer aber schaffte das schier unmögliche, bezwang den Oberaargauer mit Gammen und gewann den begehrten Kranz. Ein unbeschreibliches Gefühl für ihn, nachdem er beim Schwyzer Kantonalen durch eine Knieverletzung gestoppt wurde, und die Saison dabei fast gelaufen schien. Der Kranzgewinn am ESAF basiert auf einem kleinen medizinischen Wunder. Aber der Reihe nach.

Matthias Herger freut sich über seinen ersten Eidgenössischen Kranz

Bild: Barbara Loosli

Erster Kranzfestsieg am Zuger Kantonalen

Matthias startete optimal in die neue Saison und holte sich zusammen mit Joel Wicki den Co-Sieg am Zuger Kantonalen in Baar. Der erste Kranzfestsieg der Karriere war Tatsache, und 2022 hätte zum Jahr von ihm werden können. Das Schwyzer Kantonale in Muotathal zwei Wochen später wurde aber für den Neueidgenossen zum Verhängnis. Im ersten Gang bekam er es mit Joel Wicki zu tun. Der Kampf ging verloren, mehr noch: Der Urner humpelte vom Platz. Die anschliessende Diagnose war niederschmetternd: Das vordere Kreuzband gerissen, leichte Schäden am Meniskus sowie eine Impressionsfraktur am Oberschenkel. Der Sieger vom Zuger Kantonalen sagte damals dazu: «Die Schäden am Meniskus und die Impressionsfraktur benötigen eine Abheilzeit von sechs Wochen. Anschliessend müsste ich das Kreuzband operieren lassen. Erst warte ich diese sechs Wochen ab, dann schaue ich weiter.» Matthias gab dann zur Freude und Überraschung der Schwingerfreunde das Comeback am Bergschwinget Sörenberg. Mit vier Siegen und zwei Niederlagen durfte sich dieses sehen lassen. Die Hauptprobe fürs ESAF war geglückt und diesem stand nun nichts mehr im Wege. Dass es in Sörenberg so gut lief, war wohl auch für den Neueidgenossen eine Überraschung. Wie es aber zu diesem überraschenden Comeback kommen konnte, erklärt der Turnerschwinger im nachfolgenden Gespräch mit dem Schwinger-Blog.

Mitglied beim Schwingklub Bürglen

Das Geburtsdatum von Matthias, welcher aus Bürglen stammt, ist der 23. April 1995. Der 27-Jährige wohnt derzeit in Altdorf, ist ledig und weist mit seiner Grösse (183 Zentimeter) und seinem Gewicht (115 Kilogramm) ähnliche Masse auf wie der neue Schwingerkönig Joel Wicki. Der frisch gebackene Eidgenosse machte eine Berufslehre zum Landmaschinenmechaniker und absolvierte an der Hochschule Luzern eine Ausbildung zum Maschinenbauingenieur. Der Sportbegeisterte arbeitet nun Vollzeit in einem Job, wo er diese Berufsbildung einbringen kann. Die Zeit, die nebst dem Beruf und dem Schwingsport übrigbleibt, geniesst er mit seiner Freundin bei gemeinsamen Unternehmungen wie Wanderungen, Skifahren oder Skitouren. Zudem ist ihm das gemütliche Beisammensein mit seinen Kollegen wichtig. Der Turnerschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Bürglen, welcher dem Urner Kantonalen Schwingerverband angehört. Matthias trainiert regelmässig mit seinen Urner Kollegen in der Schwinghalle in Attinghausen und absolviert im Frühjahr zusammen mit Innerschweizer Kollegen in einer Trainingsgruppe weitere Schwingtrainings. Im Winter wird fünf- bis sechsmal pro Woche trainiert, zusammengesetzt aus drei Schwingtrainings und drei Athletik-Trainings im Kraft- und Ausdauerbereich. Während der Saison trainiert er bis viermal: Zwei Schwingtrainings und zwei Athletik-Trainings stehen dann auf dem Programm. Dabei legt der trainingsfleissige Athlet auch grossen Wert auf genügend Erholungszeit.

Der 31. Kranzgewinn ist zugleich der erste Eidgenössische Kranz

Das am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest gewonnene Eichenlaub ist Kranz Nummer 31 für Matthias, und stellt sein bisheriges Karrieren-Highlight dar. Nebst dem Eidgenössischen Kranz gewann der Urner bisher 2 Berg-, 8 Teilverbands- und 20 Kantonalkränze. Zu seinen grössten Erfolgen zählt der gelernte Landmaschinenmechaniker aber auch der bereits erwähnte Kranzfestsieg am diesjährigen Zuger Kantonalschwingfest und zwei Regionalfestsiege im Kanton Uri. Die bevorzugten Schwünge sind der Kreuzgriff und der Kurz. Wirklich fokussiert schwingt der Maschinenbauingenieur seit seinem 16. Lebensjahr. Vorher besuchte er ab und zu ein Schwingtraining, auch im Rahmen des Nationalturnens, und nahm als Jungschwinger an zwei Schwingfesten teil.

Matthias Herger humpelte am Schwyzer Kantonalen nach dem ersten Gang vom Platz. Die anschliessende Diagnose Kreuzbandriss bedeutete für ihn eigentlich Saisonende…

Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler

Herzliche Gratulation zum Eidgenössischen Kranz! Was für Gedanken begleiteten dich bei der Krönung?

«Es war absolut gigantisch und die Stimmung war einfach grandios. Fast alle Innerschweizer waren bei der Krönung noch auf der Tribüne und ich habe mich riesig gefreut, vor die Ehrendamen treten zu dürfen.»

Wie lief der für dich alles entscheidende achte Gang gegen Eidgenosse Remo Käser ab?

«Drei Wochen vorher verlor ich gegen ihn beim Bergschwinget Sörenberg. Ich habe mich deshalb vor dem Gang gut konzentriert und fokussiert, und ging mit Ruhe und Anspannung auf den Platz. Ich wusste, dass er sofort angreifen wird. Ich wehrte seine ersten Angriffe ab und wartete auf meine Chance. Nach etwa zwei Minuten konnte ich einen gewinnbringenden Gammen ansetzen.»

Hast du mit deiner Verletzungsgeschichte eigentlich mit diesem Kranzgewinn gerechnet? Wie war dein Gefühl vor dem ESAF?

«Wirklich damit gerechnet habe ich nicht, ich habe aber an mein Ziel geglaubt. Das Gefühl vor dem ESAF war gut. Ich konnte überdies erholt und ohne Blessuren antreten, auch mit der nötigen Wettkampf- und Trainingserfahrung.»

An wie vielen Einzügen hast du seit dem ESAF teilgenommen?

«Ich nahm nebst meinem Einzug auch an denjenigen meiner Innerschweizer Kollegen teil. Am Dienstagabend war ich bei Joel Ambühl’s Einzug, am Mittwochabend am Empfang in Sörenberg für Schwingerkönig Joel Wicki. Am Donnerstagabend war ich beim Einzug von Jonas Burch zugegen und am Freitagabend war mein eigener Einzug in Bürglen.»

Die Urner müssen sehr stolz auf dich sein, dass nach Andi Imhof sich wieder ein Tellen-Sohn Eidgenosse nennen darf.

«Ich wurde sehr herzlich in Bürglen empfangen. Ich kannte praktisch alle Anwesenden und hatte eine Riesenfreude an den Gratulationen und Reaktionen von ihnen.»

Der Moment der Entscheidung am ESAF in Pratteln: Matthias Herger bezwang im 8. Gang Remo Käser mit einem Gammen

Bild: David Zurfluh

Kurzer Rückblick: Wie ging es nach der Knieverletzung am Schwyzer Kantonalen weiter? 

«Nach der Diagnose Kreuzbandriss war für mich die Saison gelaufen. Ich habe es akzeptiert und mich damit abgefunden. Der Plan war, erst die Abheilzeit der Impressionsfraktur am Oberschenkel abzuwarten. Kurz nach dem «Innerschweizerischen» wurde ein MRI gemacht. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur diese Fraktur verheilt war, sondern auch mein Kreuzband wieder zusammengewachsen war. Wider Erwarten gab mir mein Arzt grünes Licht, und ich konnte ab Ende Juli wieder das Schwingtraining aufnehmen. Das Athletiktraining für meinen Oberkörper habe ich gar nie unterbrochen und war darum körperlich bereit. Ich verspürte beim Schwingtraining fast keine Beschwerden. Das Vertrauen in mein Knie nahm von Training zu Training zu und beim Bergschwinget Sörenberg spürte ich, dass ich am ESAF teilnehmen kann.»

Das gleicht fast einem medizinischen Wunder?

«Man könnte dem fast so sagen. Es lässt sich sicher irgendwie erklären, dafür müsste man aber einen Arzt fragen.»

Ist eine Kreuzband-Operation also kein Thema mehr?

«In drei Wochen wird ein weiteres MRI gemacht. Dann wird sich definitiv entscheiden, ob das noch ein Thema bleiben wird.»

Konntest du am «Eidgenössischen» ohne Beschwerden schwingen? 

«Ja. In gewissen Situationen wie nach einem Kurzzug des Gegners spürte ich beim Auftreten einen kurzen Druck auf dem Knie. Ansonsten spürte ich nichts. Ich konnte am ESAF mein Knie sehr gut ausblenden. Ich war zudem gesund und mein Körper war erholt. Vorgenommen hatte ich mir, acht Gänge zu absolvieren und den Wettkampf verletzungsfrei zu beenden, damit ich gesund die Vorbereitung für die neue Saison bestreiten kann. Und: Ich hatte auch nach dem ESAF keine Beschwerden.»

Wirst du 2022 noch an Schwingfesten teilnehmen?

«Ich überlegte mir erst, ebenfalls am Tessiner Kantonalen zu starten. Ich entschied mich aber dagegen und beschloss, die Saison zu beenden. Ich habe trotz allem mit dem Kranzfestsieg und dem Eidgenössischen Kranz zwei schöne Ziele in dieser Saison erreicht. Mein Entschluss basiert darauf, dass ich nun alles abheilen lassen möchte und nichts mehr riskiere. Ich widme mich dann anschliessend einem intensiven Aufbau. Denn ich bin mit diesem Bein kraftmässig noch nicht dort, wo ich vorher war. Aber: Ich werde beim Tessiner Kantonalen trotzdem vor Ort sein. Ich will mir das letzte Schwingfest von Andi Imhof nicht entgehen lassen.»

Übrigens: Hast du vor dieser Saison etwas an deinem Training und Aufbau verändert, dass du mit dem Sieg am Zuger Kantonalen so stark in die Saison gestartet bist und 2022 mit dem Eidgenössischen Kranz gekrönt hast?

«2021 habe ich meinen Trainingsaufbau verändert. Mit einem Trainer habe ich gezielt am Athletikaufbau gearbeitet und zusammen mit einer Trainingsgruppe zusätzliche Schwingtrainings absolviert. Ich war darum noch nie so fit und schnellkräftig wie diesen Frühling. Dieser Trainingsaufbau hatte für mich nur Vorteile.»

ESAF-Rückblick mit Stefan Strebel – der TK-Chef sagt: «So wie die Einteilung funktioniert hat, haben auch die Schwinger funktioniert.»

Text: Schwinger-Blog

Das Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln ist bereits wieder Geschichte. Das stimmungsvolle «Eidgenössische» vor den Toren Basels in der Nordwestschweiz bot von Schwingsport vom Feinsten, über Spektakel bis hin zum Drama alles, was das Schwingerherz begehrt. Natürlich kam auch das Drumherum samt urchiger Folklore und einem schön orchestrierten Festakt nicht zu kurz. Kurz: Das ESAF 2022 schrieb seine eigene Geschichte und wird den Schwingern und Zuschauern in bester Erinnerung bleiben. Und: Die Innerschweiz konnte nach 36 Jahren mit Joel Wicki endlich ihren zweiten Schwingerkönig feiern.

Einer der die Geschicke in Pratteln massgeblich mitprägte war der Technische Leiter vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV). Die NZZ erklärte in einem Beitrag: «Zu einem Sieger des Fests wurde auch der Funktionär Stefan Strebel». Denn: Bei der Einteilung der Spitzenpaarungen vor dem ersten Gang schlug ihm teils harsche Kritik entgegen. Die NZZ schreibt weiter: «Doch seine Taktik erwies sich als ausgeklügelt. Und das dürfte ihm, der als Nonkonformist in diesem Sport hie und da aneckt, Auftrieb geben.» Der Schwinger-Blog unterhielt sich heute mit Stefan Strebel, und liess mit ihm zusammen das ESAF nochmals Revue passieren. Angesprochen wurde aber auch der VAR, und ob nun Reformen angepackt werden sollen.

TK-Chef Stefan Strebel prägte massgeblich die Geschicke am ESAF in Pratteln

Bild: srf.ch

Bei deinem Instagram-Account war nach dem ESAF zu lesen: «Eine Einteilung am Limit». Kannst du das erläutern?

«Aus meiner Sicht sind wir sehr viel Risiko eingegangen. Ich habe bereits bei der Einteilung der Spitzenpaarungen gewisse ungeschriebene Gesetze gebrochen. Am ESAF erlebten wir an der Spitze ein Wechselbad der Gefühle. Am Schluss ist zum Glück alles aufgegangen und wir haben nun einen würdigen Schwingerkönig.»

Bist du grundsätzlich zufrieden mit der Einteilung von dir und deinem Team?

«Ich bin sehr zufrieden. Es wurde brenzlig, glücklicherweise gab es eine Entscheidung im Schlussgang. Wenn wir drei Erstgekrönte gehabt hätten, wäre ich nicht zufrieden. Das Krönen eines Schwingerkönigs war das i-Tüpfelchen des Fests.»

Hast du dir vorher als Ziel gesetzt, möglichst spannende Paarungen für jeden Gang einzuteilen?

«Ja, dieses Ziel habe ich mir gesetzt. Und: Auf dem Schwingplatz gab es Entscheidungen und die Schwinger haben mitgemacht. Aber: Nicht nur die Spannung ist wichtig. Es muss auch fair eingeteilt werden und die Übersicht über das Fest darf nicht verloren gehen.»

Die von dir eingeteilten Spitzenpaarungen für den ersten Gang überraschten die meisten Schwingerfreunde. Ein Teil freute sich, dass du dich kaum um irgendwelche ungeschriebenen Gesetze geschert hast. Ein anderer Teil der Schwing-Fans kritisierte dies vehement. War es dein Bestreben, mit den Spitzenpaarungen schon vor dem ESAF zu überraschen und Diskussionen auszulösen?

Seit dem Eidgenössischen 2019 in Zug ist einiges passiert. 2020 konnte gar nicht geschwungen werden und viele Schwinger waren bis kurz vor dem ESAF in Pratteln verletzt. Diese Tatsachen hatten klar einen Einfluss auf die Einteilung für den ersten Gang. In meine Überlegungen nahm ich den Kilchberger Schwinget und die 17 von mir besuchten Schwingfeste in diesem Jahr auf. Da kam ich nicht umhin, gewisse ungeschriebene Gesetze zu brechen.»

Nach 36 Jahren durfte die Innerschweiz mit Joel Wicki wieder einen Schwingerkönig bejubeln

Bild: bazonline.ch

Wie beurteilst du die gezeigten Leistungen der Schwinger am «Eidgenössischen»?

«Ich finde, es wurde sehr offensiv geschwungen. Die Schwinger wollten zeigen, was sie können. So wie die Einteilung funktioniert hat, haben auch die Schwinger funktioniert.»

Wie stufst du als Chef-Techniker vom ESV das Abschneiden der einzelnen Teilverbände ein?

«Schwingerkönig Joel Wicki überstrahlt die nicht gute Kranz-Bilanz der Innerschweizer. Die Nordwestschweizer feierten einen historischen Kranzerfolg, und konnten bis zuletzt an der Spitze mithalten. Die Nordostschweizer Königskandidaten gingen unter, mit der Kranzausbeute dürfen sie aber zufrieden sein. Die Berner widerspiegelten ihre Stärke nicht nur in den Spitzenpaarungen, sondern auch mit der Anzahl der gewonnenen Kränze. Die Südwestschweizer dürfen mit ihrer Kranzausbeute zufrieden sein. Sie sind ein aufstrebender Verband.»

Die Entscheidung im Schlussgang war wegen fehlenden Hosengriffs umstritten, ebenso diejenige im Gang zwischen Pirmin Reichmuth und Bernhard Kämpf. Bist du mit den Kampfrichter-Leistungen insgesamt zufrieden?

«Ja, bin ich. Beim Kampf Reichmuth-Kämpf war die Entscheidung korrekt. Das Regelwerk besagt, dass für ein Resultat beide Schultern ganz unten sein müssen. Das waren sie aber nicht. Tatsache ist, dass die blitzschnelle Entscheidung im Schlussgang niemand sehen konnte. Ich bin überdies mit den gezeigten Kampfrichter-Leistungen in dieser Saison zufrieden. Dank den unzähligen Zeitlupen im TV stehen die Kampfrichter noch mehr im Fokus. Aber: Es gab schon früher nicht mehr oder weniger Fehler im Kampfrichter-Wesen.»

Wie geht es weiter mit dem Kampfrichter-Wesen?

«Wir intensivieren die Ausbildung. Angedacht ist ein Trainingslager für Kampfrichter in Magglingen, und zwar mit einer ERFA-Gruppe aus anderen Sportarten. Es geht dabei um einen Erfahrungsaustausch.»

Es heisst, dass du das umstrittene Hilfsmittel VAR (Video Assistant Referee) gerne im Schwingen austesten möchtest. Gibt es schon Ideen dazu?

«Ich habe den VAR vor neun Monaten an einer Sitzung traktandiert. Ich habe dabei nur gesagt, dass ich dies einmal an einem Schwingfest testen möchte. Aber: Es gibt kein Konzept, und die Idee ist momentan ad acta gelegt.»

Das ESAF 2022 in Pratteln bot von Schwingsport vom Feinsten, über Spektakel bis hin zum Drama alles, was das Schwingerherz begehrt 

Bild: Schwinger-Blog

Etliche Kommentar-Schreiber liessen in den letzten Tagen verlauten, dass das Schwingen den Videobeweis nicht braucht. In einem Kommentar war zu lesen, dass dafür eine Reform für wichtige Schlussgänge angebracht ist. Die NZZ schreibt: «Zwei Kampfrichter im Ring hatte es früher schon einmal gegeben. Jenen, die im Schwingen Reformen scheuen, könnte man dieses Vorgehen also als Wiedereinführung verkaufen.» Deine Meinung dazu?

«Mehrere Leute können die Suppe auch versalzen. Meiner Meinung nach reicht ein Platzchef. Um Winkel abzudecken, könnten die beiden Kampfrichter am Tisch beispielsweise an verschiedenen Orten sitzen. Ich möchte aber an den drei Kampfrichtern festhalten. Erneuerungen kann man aber durchaus traktandieren.»

In einem NZZ-Kommentar war zudem zu lesen: «Schwingen am Scheideweg: Will man den Status quo bewahren, braucht es ein klares Bekenntnis zum Spitzensport. Und damit Reformen im Sägemehl.» Was sagst du dazu?

«Es muss nichts am Status quo geändert werden. Ich sehe nämlich keinen Scheideweg. Diesen gäbe es, wenn etwas nicht erfolgreich ist. Überdies gewannen nicht nur Spitzenschwinger Kränze. Das ESAF brachte 21 Neueidgenossen hervor, die nächste Generation ist also eingeläutet. Die älteren Schwinger dürfen beruhigt in den Ruhestand gehen, wir haben keine Überalterung im Schwingsport.»

Gibt es nach dem ESAF Aspekte, die du möglichst rasch anpacken möchtest?

«Ins Kampfrichter-Wesen müssen wir vielmehr investieren, dazu gehört auch die Teambildung. Weiter möchte ich auch den Gang an den Brunnen und die Medical-Time (medizinischer Unterbruch) unter die Lupe nehmen.»

Ist die künftige Zusammensetzung der Einteilung an Bergkranzfesten auch ein Aspekt? Schwingerkönig Matthias Sempach forderte nach dem umstrittenen Stoos-Schwinget, dass diese künftig paritätisch aus den teilnehmenden Teilverbänden zusammengesetzt sein soll.

«Wenn ein Schwingerkönig etwas sagt, hat das medial eine grosse Auswirkung. Ich habe Verständnis für seine Äusserung und bin selbst für so einen Ausgleich. Aber: Solche Entscheidungen müssen erst durch alle Gremien. Die Entscheidung liegt primär bei den Berg-OK’s. Es könnte darum schwierig werden, das durchzubringen.»