1. Tessiner Kantonales in Cadenazzo: Die Zuschauer erwartet ein stimmungsvolles Schwingfest mit einer Top-Besetzung und schönem Spätsommerwetter

Text: Schwinger-Blog

Morgen Samstag, 17. September ist es also nun so weit: Das 1. Tessiner Kantonalschwingfest wird in Cadenazzo über die Bühne gehen. Drei Wochen nach dem wunderbaren ESAF in Pratteln steht das letzte Kranzfest der Saison 2022 an. Gemeldet sind zehn Eidgenossen und viele weitere starke Teilverbands-, Berg- und Kantonalkranzer. Edi Ritter, der Präsident der Tessiner Schwinger, meint im Vorfeld schmunzelnd, dass die Besetzung einem «Innerschweizerischen» nahekomme. Nebst sieben Tessiner Schwingern steigen um 190 Schwinger aus den anderen Innerschweizer Kantonalverbänden in die Schwinghosen.

In Cadenazzo kommt es zu einer Premiere: Das allererste Tessiner Kantonalschwingfest steht an

Bild: fctls.ch

Die sportliche Affiche

Vorneweg: Schwingerkönig Joel Wicki, Pirmin Reichmuth, Mike Müllestein und Neueidgenosse Matthias Herger sind nicht am Start. Antreten werden auch keine Gäste von ausserhalb des Innerschweizer Teilverbandes. Im ersten Gang treffen die zehn Eidgenossen gleich in Direktduellen aufeinander: Christian Schuler – Sven Schurtenberger, Erich Fankhauser – Marcel Bieri, Reto Nötzli – Jonas Burch, Joel Ambühl – Alex Schuler und Andi Imhof – Stefan Stöckli. Einer dieser zehn Athleten wird vermutlich am Ende der erste Tessiner Kantonalfestsieger sein. Die Ausgangslage präsentiert sich wegen dem Fehlen von Wicki und Reichmuth offen. Die besten Karten für den Festsieg dürfte Sven Schurtenberger haben, welcher trotz Erkältung den Allweg Schwinget vor Wochenfrist souverän für sich entscheiden konnte. Aber auch Christian Schuler, Erich Fankhauser, Marcel Bieri oder Reto Nötzli gehören zum engsten Favoritenkreis. Joel Ambühl und Jonas Burch brennen darauf, sich beim ersten Kranzfest als Eidgenossen so gut wie möglich zu präsentieren. Ausgeschlossen ist auch nicht, dass ein Schwinger aus dem Kreis der Nichteidgenossen in Cadenazzo über sich hinauswächst und das Geschehen an der Spitze mitprägt. In Frage dafür kommen am ehesten Ueli Rohrer, Lukas Bissig, Reto und Marco Fankhauser, Dario Gwerder, Urs Doppmann, Werner Suppiger, Marco Reichmuth, Stefan Arnold, Marc Lustenberger sowie Reto Kaufmann. Das primäre Ziel eines jeden Schwingers wird es aber sein, seinen ersten Tessiner Kranz gewinnen zu können. Die sieben Tessiner Nichtkranzer Robin Crotta, Loris DiPietro, Enea Donelli, Lorenzo und Michele Mignola, Diego Poletti sowie Luca Sturzenegger freuen sich besonders auf ihren Ehrentag auf dem Festplatz an der Via Industrie 10. Dieser befindet sich in der Nähe des Bahnhofes Cadenazzo. Angeschwungen wird um 8 Uhr.

Andi Imhof (links) und Benji von Ah werden während dem Tessiner Kantonalen feierlich verabschiedet

Bild: schlussgang.ch

Zwei Innerschweizer Urgesteine hängen in Cadenazzo die Schwinghosen an den Nagel

Der Obwaldner Benji von Ah und der Urner Andi Imhof werden am 1. Tessiner Kantonalen ihre glanzvollen Karrieren beenden. Beide werden im Verlaufe des Schwingfestes feierlich vom aktiven Schwingsport verabschiedet. Von Ah wäre gerne nochmals in die Schwinghosen gestiegen, eine am ESAF zugezogene Schienbeinverletzung lässt aber keinen Wettkampfeinsatz zu. Andi Imhof hingegen tritt nochmals an, und möchte seine Karriere gerne mit dem 80. Kranzgewinn beenden.

Edi Ritter, Präsident des Tessiner Kantonalen Schwingerverbandes freut sich auf das 1. Tessiner Kantonalschwingfest

Bild: Markus Imhof

Edi Ritter als Schwingerpionier im Tessin

Der Tessiner Kantonale Schwingerverband (TKSV) wurde 2012 gegründet. Just zehn Jahre später kommt es nun zum ersten Kantonalfest in der Sonnenstube. Angedacht ist, dass weitere Kantonalfeste im Turnus von drei Jahren folgen sollen. Dem Schwingerpionier Edi Ritter ist es zu verdanken, dass im Tessin nun auch um Kränze geschwungen wird. Der 71-Jährige war selbst Schwinger, Nationalturner und Ringer. In der Sportart Ringen kam er in jungen Jahren zu Kranz- und Medaillenehren. Nach seiner Aktivkarriere war Ritter Jungschwinger-Leiter, Technischer Leiter und Vorstandsmitglied beim Schwingklub Pratteln. Später wurde er Kampfrichter, irgendwann sass der gebürtige Berner Seeländer im Kantonalvorstand und schaffte es bis zum Kantonalpräsidenten im Baselbiet. Ritter erhielt verdientermassen die ESV-Ehrenmitgliedschaft und ist dem Schwingsport seit mehr als 50 Jahren verbunden. 

Sportissima 2011 als Ausgangspunkt für den TKSV

Zur TKSV-Gründung meint der schnauzbärtige Funktionär: «Gegründet wurde er von zwei Elternteilen von Jungschwingern, welche 2011 mit dem Schwingen begannen, und mir. An der Sportissima in Tenero bot ich 2009 zum ersten Mal die Sportart Schwingen an. Nach der Sportissima 2011 wollten vier junge Sportler unbedingt weiterschwingen. Ich sagte zu ihnen: Wenn ihr am nächsten Mittwoch mindestens zu viert kommt, trainiere ich mit euch. Es kamen dann fünf Interessierte. Darauf haben wir während dem ganzen nächsten Winter geschwungen. Zwischen Weihnachten und Neujahr schrieben wir die Statuten. 2012 konnten wir auf Anfrage beim Innerschweizerischen Schwingerverband (ISV) bei einem Jungschwingertag teilnehmen. Ich habe in der Folge die fünf Jungschwinger versichert und wir gründeten den Tessiner Schwingerverband. Als Angehörige des ISV wurden wir probeweise bis 2018 aufgenommen.» Die definitive Aufnahme fand dann an der ISV-Delegiertenversammlung 2019 statt. Der Tessiner Verband hat inzwischen rund 200 Mitglieder, darunter ein Dutzend Schwinger. Der TKSV organisierte 2014 in Tenero, 2015 in Lugano und 2017 in Vezia Schwingfeste für die Jungschwinger. 2016 und 2017 wurde in Gudo jeweils ein Wettkampf für Nichtkranzer durchgeführt, und 2019 fand in Vezia ein Rangschwingfest statt.

In Cadenazzo wurde im Verlaufe der Woche eine schöne Arena errichtet

Bild: Markus Imhof

Was erwartet die Schwingerfreunde am 1. Tessiner Kantonalen?

Zuerst einmal, wie könnte es anders sein, schönes und warmes Spätsommerwetter im Tessin. Und wie bereits erwähnt ein spannendes Schwingfest mit einer Top-Besetzung. Auf der entsprechenden Fest-Homepage begrüsst Edi Ritter die Schwingerfreunde unter anderem mit folgendem Hinweis: «Neben dem traditionellen Wettkampf werden auch unsere Tessiner Folkloretraditionen nicht zu kurz kommen: Musikkapellen, Gesangschöre und Alphornbläser werden die Veranstaltung verschönern und den Gästen aus dem Norden zeigen, dass sich eine Reise ins Tessin immer lohnt.» Verpflegt werden die Festbesucher für einmal nicht mit Bratwürsten, Cervelats oder «Suurem Moscht» sondern mit Tessiner Spezialitäten wie Gostini, Luganighetta, Risotto, Tessiner Bier, Merlot und Grappa. Schwingtechnisch gesehen läuft das 1. Tessiner Kantonale ähnlich wie ein Innerschweizer Schwing- und Älplerfest ab. Der Innerschweizer TK-Chef Thedy Waser teilte die Spitzenpaarungen sowie diejenigen des ersten Ganges ein, und präsidiert die Einteilung in Cadenazzo. In der Einteilung sitzen zudem die TK-Chefs aller Innerschweizer Kantonalverbände, ausser jenem vom Tessin: Loris DiPietro steigt selbst in die Schwingerhosen, und Edi Ritter hat als Vize-OK-Präsident noch andere Aufgaben zu betreuen. Die Kampfrichter kommen alle von ennet dem Gotthard. Auf die Vorbereitung auf das 1. Tessiner Kantonale angesprochen, meint Ritter: «Ich habe mich bei der Organisation um die Schwingerei gekümmert. Beim Aufbau haben Kameraden aus dem Tessin und aus der Alpennordseite geholfen. Die Unterstützung von Seiten des ISV ist in allen Belangen riesig. Wir haben zudem ein Riesenglück mit dem Wetter.» Die Arena in Cadenazzo besteht aus zwei Tribünen mit insgesamt 2’200 gedeckten Sitzplätzen und 450 Rasensitzplätzen. Von den Tribünen- und Rasensitzplätzen werden am Samstagmorgen noch gut von der Hälfte der Plätze Billette zur Verfügung stehen. 

Im Tessin wurde in der Vergangenheit auch schon geschwungen

Eine Schwingtradition gibt es im Tessin nicht. Es gab aber Deutschschweizer, welche einst in der Sonnenstube schwangen. Dies waren vorwiegend solche, welche bei der Bahn arbeiteten und 1922 den Schwingklub Airolo gegründet haben. Laut Chronik des Innerschweizer Schwingerverbandes wurde um 1895 auch in Bellinzona dem Schwingsport gefrönt und es soll dort auch ein Schwingklub existiert haben. Als die Bahnarbeiter in ihre angestammten Lande in der Deutschweiz zurückkehrten, war es mit der Schwingerei im Tessin vorerst vorbei. 1937 und 1971 fanden zudem Propaganda-Schwingfeste im Tessin statt. Edi Ritter ist massgeblich dafür verantwortlich, dass der Schwingsport im Tessin wieder belebt wurde. Der Schwinger-Blog widmete sich 2016 bereits dem Schwingen im Tessin. Ritter sagte damals beim Interview: «Die Zukunft des kleinen Schwingerverbandes sind unsere Schwinger. Wenn diese ebenfalls vom Schwing-Virus befallen werden wie ich, dann geht das weiter. Die jungen Tessiner wachsen nun langsam in den Schwingsport hinein.» Es ist zu hoffen, dass das junge Pflänzchen namens Schwingen im Tessin gehörig gedeiht und sich auch genügend Interessierte dafür finden lassen. Der Unterstützung des ISV und der Schwingerfreunde ennet dem Gotthard können sie sich jedenfalls sicher sein.

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