DER SCHWINGERKÖNIG – Das offizielle Schwinger-Sammelalbum 2019 ist da!

Text und Bilder: Michèle Gut / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Passend zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug wurde nach 2010 und 2016 zum dritten Mal ein Schwinger-Sammelalbum lanciert. Das Heft beinhaltet 64 Seiten und umfasst 350 Stickerbilder zum Sammeln, Tauschen und Einkleben. In Stans, auf der Rigi und in Zug wurde beim Taufanlass der „Sammelspass 2019“ so richtig lanciert.


«Der Schwingerkönig» wird auch 2019 für Sammelspass sorgen!

Neben dem Altbekannten wie der Vorstellung der einzelnen Teilverbände mit seinen Athleten, vielen Detailinformationen zum Schwingsport und zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug, wird neu auch dem Nachwuchs mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die Jungen erhalten im neuen Heft ein eigenes Kapitel mit Impressionen und Porträts vom Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag 2018 in Landquart. Somit ist das Sammelalbum nicht nur ein Klebeheft, sondern vielmehr auch ein Nachschlagewerk und betreibt auch Werbung für potenziellen neuen Nachwuchs – denn der Schwingsport soll auch in 20, 50 oder 100 Jahren noch die Schweiz begeistern, wie er es jetzt macht.

Schwinger räumten Regale ein
Schwingerkönig Matthias Glarner, der im Sammelalbum auch das Editorial verfasste, kam die Ehre zu, die ersten Sammelalben und Bilderboxen im Guetli Shop in Stans in die Regale zu stellen. Ihm zur Unterstützung standen mit Benji von Ah und Roger Rychen zwei aktive Schwinger zur Seite, sowie mit Harry Knüsel der einzige Schwingerkönig, welchen die Innerschweiz je stellte. Das Quartett machte nicht nur die erste Belieferung für den Verkauf, sondern genoss sichtlich auch das Einkleben ihrer eigenen Bilder im Sammelalbum.

Zwei Könige besuchen die Königin der Berge
Nach dem Einräumen der Regale beim Guetli Shop in Stans machte man sich auf den Weg via Beckenried (Schiff) und Vitznau (Bahn) auf die Rigi, die Königin der Berge. Und natürlich rückten auf der Königin der Berge die beiden Schwingerkönige Matthias Glarner und Harry Knüsel ins Zentrum. Ob das Sammelalbum auch schon zu seiner Aktivzeit in den 80er- und 90er-Jahren auf solch grosses Interesse gestossen wäre, konnte Knüsel zwar nicht sagen. Aber: «Die Ausgabe 2019 ist sehr gelungen. Den Machern ist ein grosses Kompliment auszusprechen.» Auch Matthias Glarner zeigte sich von den Inhalten überzeugt.


Die beiden Schwingerkönige Harry Knüsel (links) und Matthias Glarner im Gespräch auf der Rigi

Treffen in Zug
Der Abschluss der Feierlichkeiten vor dem ersten Verkaufstag wurden in Zug auf dem Festgelände vom Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest vorgenommen. Matthias Glarner, Titelverteidiger in Zug, traf auf dem Schwingplatz auf Marcel Bieri. Bieri ist einer der grössten Hoffnungsträger aus dem Kanton Zug und natürlich auch ein Bestandteil im Sammelalbum. Auch der Zuger Marcel Bieri durfte auf jenem Platz, bei dem in 130 Tagen die begehrten Kränze am Eidgenössischen Schwingfest vergeben werden, ein Sammelalbum mit seinem eigenen Bild entgegennehmen.

Verkaufsstart am 18. April
Ab dem 18. April steht das Schwinger-Sammelalbum in den Verkaufsregalen von Avec, Landi, Lekkerland, Migros, Press & Books, Top Shop, Transgourmet / Prodega / Growa, Valora KKiosk, Volg, Webstar sowie im freien Handel.
Onlinebestellungen laufen über www.schlussgangshop.ch oder www.derschwingerkoenig.ch. Fehlende Bilder (max. 20 Stück) können ebenfalls unter www.schlussgangshop.ch nachbestellt werden.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau: Jungschwingertag und Abendschwinget Küssnacht (27. April)

Text und Bilder: Andrea Herger / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am Samstag, 27. April findet in Küssnacht am Rigi SZ auf dem Sportplatz Ebnet der Jungschwingertag und Abendschwinget statt. Nebst dem kostenlosen Eintritt wird den Gästen ein abwechslungsreiches Programm geboten. Mit der Möglichkeit, den Schwingsport hautnah und in einer familiären Atmosphäre zu geniessen.


Mit einem schön gestalteten Plakat wird auf den Jungschwingertag und Abendschwinget Küssnacht aufmerksam gemacht

09.00 Uhr: Beginn des Jungschwinger-Wettkampfes
Während die Jungschwinger ihren Wettkampf um 09.00 Uhr starten, greifen die Aktivschwinger, mit Gästen aus dem Fricktal und dem Zürcher Oberland, ab 16.30 Uhr zum ersten Gang zusammen. Zusätzlich findet ab 15.00 Uhr ein Volkssteinstossen mit Frauenkategorie statt, bei dem Alle zum Mitmachen eingeladen sind. Mit einer effizienten Festwirtschaft ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.


Rind Nessel mit den Spendern Urs Rickenbach sowie Nadia Studer vom Restaurant Winkelried, Züchter Ruedi Stettler und OK Präsident Cornel Suter (von links nach rechts)

Wer gewinnt das trächtige Rind Nessel?
Den Höhepunkt des Tages bildet der Schlussgang der Aktivschwinger um 21.00 Uhr, wo die beiden tagesbesten Schwinger die Nachfolge des Siegers von 2018, Christian Schuler, unter sich ausmachen.
Im Gabentempel wartet das trächtige Rind Nessel von den Züchtern Ruedi und Remo Stettler (Meierskappel SZ). Dank der grosszügigen Spende von Nadia Studer und Urs Rickenbach zum 5-jährigen Jubiläum vom Restaurant Winkelried (Küssnacht am Rigi SZ) kann Rind Nessel dem Sieger übergeben werden kann.

Der Schwingklub Küssnacht bedankt sich bereits heute bei allen Helfern, Gönnern und Sponsoren für die Unterstützung und heisst alle Besucher herzlich willkommen.

feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger – Eine etablierte Grösse der Innerschweizer

Text: feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger stammt aus Nottwil LU, wuchs dort auf und wohnt jetzt in Buttisholz LU. Der Sennenschwinger wird am 10. November 28 Jahre jung und gehört zu den etablierten Kräften der Innerschweizer. Sein Palmarès umfasst 38 Kränze (unter anderem ein Eidgenössischer) sowie vier Kranzfest- und neun Regionalfestsiege.

Der Buttisholzer erlernte den Zimmermann-Beruf, arbeitet derzeit aber als Landschaftspfleger in einem Betrieb in Sursee LU. Nebst dem Schwingsport fährt der kräftige Athlet viel Velo und hält sich gerne in der Natur auf.

Sven weist mit seinen 190 Zentimeter Grösse und einem Gewicht von 135 Kilogramm sehr gute Masse für den Schwingsport auf. Ihm wurden keine Schwingergene in die Wiege gelegt. «Eher solche vom Fussball», ergänzt der Luzerner lachend.
Zum Schwingsport kam Sven als 14-jähriger durch einen Nachbar, welcher ihn an ein Training vom Schwingklub Rottal und Umgebung mitnahm. Dem Burschen gefiel der Schwingsport auf Anhieb, und blieb ihm von da an treu.

Das Gespräch mit dem Luzerner fand diese Woche in Ruswil LU statt, kurz bevor das Schwingtraining im Schwingkeller der Rottaler begann.


Sven beim Gespräch in Ruswil LU
Bild: feldwaldwiesenblogger

Saisonbilanz von 2018
Sven ist zufrieden mit der letzten Saison, in welcher er stolze acht Kränze gewann. Er hätte gerne einen Kranzfestsieg errungen, dies blieb ihm 2018 leider verwehrt. «Das nötige Glück hat mir dabei gefehlt. Ich erreichte aber Spitzenplätze und weitere gute Rangierungen», ergänzt der Landschaftspfleger.

Gesundheitszustand
Sven fiel letzten Herbst beim Allweg-Schwinget unglücklich aufs Schambein und zog sich dabei eine Entzündung zu. Die Adduktoren bereiteten ihm deswegen bis Mitte März Probleme, was ein intensives Schwingtraining verunmöglichte. Teilweise musste er das Schwingtraining sogar unterbrechen. Seit drei Wochen kann der 135 Kilogramm-Mann beim Schwingtraining wieder Vollgas geben. «Richtig schmerzfrei bin ich erst seit dieser Woche», schliesst Sven dieses leidige Kapitel ab. Nachdem er den Badschwinget Wolhusen noch ausliess, möchte der vierfache Kranzfestsieger nun angreifen. Morgen Samstag startet er in Sursee beim Surentaler Schwinget, tags darauf am Hallenschwinget Thörigen.

Der Trainingsaufwand für die neue Saison – grösser wegen dem ESAF?
Der Trainingsumfang wurde grösser, vor allem im Fitnessbereich. Sven absolvierte letztes Jahr schon drei Schwingtrainings pro Woche, und hält dies auch jetzt so bei. Nebst den Schwingtrainings absolviert der 190 Zentimeter Hüne zwei Fitness-Trainings. In den Fitness-Einheiten sind auch die Bereiche Kraft und Ausdauer integriert. Der 38-fache Kranzschwinger fügt hinzu: «Eine Fitness-Einheit variert meist zwischen anderthalb und drei Stunden und ein Schwingtraining dauert um zwei Stunden. Momentan trainiere ich fünfmal pro Woche und wenn noch ein Verbandstraining auf dem Programm steht, sind es gar sechs Trainings. Auf die Wettkampf-Saison hin wird das Training etwas angepasst und man reduziert sogar gewisse Bereiche.»

Welches sind die bevorzugten Schwünge? Wurden im Winter neue ins Repertoire aufgenommen?
Der Wyberhaken, Kurz und der Kreuzgriff sind Sven’s bevorzugte Schwünge. «Wir sehen dann, ob die neuen Schwünge im Wettkampf zum Einsatz kommen», meint der Eidgenosse lachend zu neuen Schwüngen.


Sven im harten Kampf mit Christoph Bieri
Bild: svenschurtenberger.ch

Ziele für 2019?
Sven sagt dazu: «Eine gleich gute Saison hinkriegen wie 2018. Dazu möchte ich ein oder zwei Kranzfeste gewinnen und am Eidgenössischen mitreden können.»

Saisonhighlights neben dem Eidgenössischen?
«Das ist sicher das Luzerner Jubiläums-Kantonale. Dann wie jedes Jahr das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest, welches immer super besetzt ist», freut sich der begeisterte Velofahrer. Sven ist zudem Gast beim Baselstädtischen Schwingfest, denn dieser Kranz fehlt ihm noch in seiner schon ziemlich grossen Sammlung. Der Luzerner erklärt, dass er dieses Jahr deswegen kein Teilverbandsfest bestreiten wird. Aber er möchte irgendwann noch ein Nordostschweizer Schwingfest bestreiten, da ihm von den Teilverbandskränzen nur noch dieses Eichenlaub-Exemplar fehlt.

Provokative Frage: «Was passiert, wenn du am ESAF Christian Stucki zugeteilt bekommst? Stellst du dich in den Dienst der Innerschweizer, und versuchst ihm einen Gestellten abzuringen?»
Sven schmunzelt und sagt: «Die letzten beiden Begegnungen gingen gestellt aus. Wir schauen dann in Zug, wie die aktuelle Tagesform ist. Und man ordnet sich unter, wenn man sieht, dass ein Schwinger vom eigenen Teilverband besser klassiert ist. Wir Innerschweizer möchten halt schon wieder mal einen König.»

Wie bereitet Sven sich jeweils auf einen Gang vor?
Der Rigi-Sieger von 2017 meint: «Das ist meistens gleich. Ich habe einen Betreuer, welcher an den Schwingfesten stets dabei ist. Vor einem Gang schauen wir uns die Situation an, ich montiere die Ohrstöpsel und höre Musik. Dann laufe ich zum Schwingplatz und warte, bis ich an der Reihe bin.» Apropos Musik: Sven hört sich mehrheitlich Songs von Timmy Trumpet oder von Martin Garrix an. Sound, welcher ihn vor dem Kampf in Schwung bringen soll.


Sven als glücklicher Festsieger an einem Luzerner Kantonalen
Bild: svenschurtenberger.ch

Wie bestreitet der Buttisholzer einen Gang, eher taktisch oder eher aus dem Bauch heraus?
«Ich bin eher derjenige, welcher gefühlsmässig schwingt. Wenn ich aber weiss, dass mir ein Gestellter reicht, kann ich auch dementsprechend schwingen. Mehrheitlich schwinge ich aber offensiv, weil ich an die Spitze will. Mit meinem Status muss ich den Gang führen, sonst verhalten sich die meisten Gegner defensiv», erläutert Sven.

Welches waren die bisher schönsten Erfolge?
Der Luzerner schwärmt: «Sicher der Sieg auf der Rigi im Jahr 2017, zwei Festsiege am Luzerner Kantonalen (2013 und 2016) und 2017 der Sieg am Jubiläums-Kantonalen der Urner. Ich war in Altdorf zwar nicht im Schlussgang, aber auch ein geerbter Sieg ist schön.»

Was bedeutet Sven der Schwingsport?
«Es ist für mich ein Hobby. Da sich aber mein Leben um diesen Sport dreht, fühle ich mich derzeit manchmal wie ein «Halbprofi». Ich mache es gerne, sonst würde ich nicht so einen grossen Aufwand betreiben», schliesst der sympathische Athlet den Reigen der Fragen ab.

feldwaldwiesenblogger

Heinrich «Harry» Knüsel – Schwingerkönig 1986 in Sion

Es ist eigentlich unglaublich, aber trotzdem wahr: Die Innerschweizer als grösster Teilverband erkämpften sich bisher erst einmal die höchste Weihe im Schwingsport, den Schwingerkönigs-Titel. Diesen Kraftakt gelang 1986 Heinrich «Harry» Knüsel beim Eidgenössischen in Sion.
Bevor die Eidgenössische Saison anfangs Mai mit den Kranzfesten so richtig lanciert wird, blicken wir nochmals ins Eidgenössische Jahr 1986 zurück. Simon Gerber und Hans Trachsel skizzierten damals ein gelungenes Porträt von Schwingerkönig «Harry» Knüsel.

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit III (1986) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Der Funke hat noch rechtzeitig gezündet — und wie!
Es ist für den Leser bestimmt reizvoll zu sehen, wie unser Porträt von Heinrich «Harry» Knüsel vor der Erringung seines Schwingerkönigstitels und vor seinem Brünigsieg 1986 ausgesehen hat. Sie können es nachstehend lesen. Nach Sitten haben wir es mit einem Anhang versehen. Mit 15 Jahren wollte Heinrich Knüsel Schwinger werden. Er meldete sich beim Schwingklub Cham-Ennetsee. Das Talent war unverkennbar, eine erfolgreiche Laufbahn schien möglich. Dann kam es anders. Der Jüngling konnte sich für diese Sportart nicht begeistern. Nach einem Jahr meldete er sich bei seinen Trainingskameraden bereits wieder ab. Zwei Jahre später kehrte er aus eigener Initiative in den Sägemehlring zurück. Der Funke hat noch rechtzeitig gezündet. Der Sennenschwinger ist gross und kräftig. Die Grundvoraussetzungen zum Klasseschwinger hat Mutter Natur dem Abtwiler auf den Lebensweg gegeben. Doch, dass er heute zu den besten Innerschweizern gehört, verdankt er nicht nur den körperlichen Idealmassen. Mit Leo Betschart und Josef Burch fand er Lehrmeister, die seine Karriere stark beeinflusst haben. «Harry ist sehr trainingsfleissig. In der letzten Zeit hat er viel an sich gearbeitet», stellt ihm Leo Betschart ein gutes Zeugnis aus.


«Harry» Knüsel bei der Arbeit als Betonelemente-Monteur

1983 am «Innerschweizerischen» erstmals für Aufsehen gesorgt
Erstmals für Aufsehen sorgte der gebürtige Luzerner beim Innerschweizer Schwingfest 1983 in Ruswil mit dem Vordringen in den Schlussgang. Dieser ging zugunsten seines Gegners, Peter Schelbert II, aus.
Wenige Wochen später zeigte der Krauskopf am Eidgenössischen Schwingfest in Langenthal abermals eine starke Leistung. Nach dem ersten Tag sah die Bilanz mit drei Siegen und einer Niederlage vielversprechend aus. «Am Sonntag hatte ich drei Mal Gelegenheit, um den Kranz kämpfen zu können. Die Begegnungen gegen Armin Thomi, Fritz Rietberger und Jakob Durand gingen verloren. Ich war nicht gewohnt, an zwei Tagen zu schwingen», analysierte er.
Heinrich Knüsel machte in den letzten drei Jahren kontinuierlich Fortschritte. Die Verbesserung ist die Summe von mehr Erfahrung, taktischer Reife und Verbesserung der Technik. 1984 wurde er Dritter auf dem Stoos und dank vier Maximalnoten auf der Rigi gar Zweiter. Eine hervorragende Saison, welche im Sieg beim Zuger Kantonalfest und den Ehrenplätzen auf dem Brünig, Stoos und Allweg gipfelten, brachte er auch 1985 hinter sich.

Bitterste Stunde am «Innerschweizerischen» 1985
Seine bitterste Stunde erlebte er beim Innerschweizer Schwingfest 1985 in Flüelen. Nach der Niederlage im letzten Durchgang gegen den Nichtkranzer Thomas Stöckli blieb er ohne Kranz. Das Schwingen spielt eine wichtige Rolle im Leben von Heinrich Knüsel. Er nimmt sich aber auch Zeit für anderes wie Skifahren, Jassen oder Festen, womit angetönt wäre, dass er durchaus eine gesellige Ader hat. Der Bauernsohn ist zusammen mit einer Schwester und drei Brüdern aufgewachsen. Wie sein Vater liess er sich zum Landwirt ausbilden. Seit 1982 ist er jedoch als Betonelemente-Monteur tätig. Der Anhänger von deutschen Schlagern und Volkstümlichem hat keine besonderen Zukunftspläne: «Das Wichtigste ist die Gesundheit. Alles andere ergibt sich dann», schreibt er.

1986 gings steil bergauf
Im Winter nahm er neben den drei Standschwüngen Kurz, Lätz und Gammen, welche ihm meistens die Maximalnote einbringen, den Wyberhaken in das Repertoire auf. Diese Waffe scheint ihre Wirkung bei der Konkurrenz nicht zu verfehlen. Beim Stoos-Schwinget erreichte Heinrich Knüsel die Endausmarchung. Nach einem hochstehenden Schlussgang gegen den Berner Niklaus Gasser musste er sich erst in der letzten Minute geschlagen geben.
Der erste grosse Sieg liess nicht mehr lange auf sich warten. Beim verregneten Innerschweizer Schwingfest in Einsiedeln war es soweit. Dank fünf Maximalnoten gegen Adelbert Gisler, Heinz Vogel, Walter Wyrsch, Martin Odermatt und Josef Suter konnte sich der Schönschwinger im Schlussgang gegen den Luzerner Urs Grüter gar ein Unentschieden leisten. Der Sieg und der Muni gehörten ihm.
Eine respektable Karriere, die aber bestimmt ihre Fortsetzung finden wird, wenn Knüsel seine sportlichen Ziele mit einer gesunden Einstellung und dem nötigen Ehrgeiz weiterverfolgt. Das Eidgenössische Schwingfest in Sitten ist für den jungen Athleten eine wichtige Station. Von Unfällen blieb er bisher verschont.


Der frisch gekürte Schwingerkönig mit dem Siegerpreis, der Kampfkuh «Prune»

Etwas überraschend, aber absolut verdient Schwingerkönig geworden
Etwas überraschend, aber absolut verdient, ist Heinrich Knüsel Schwingerkönig geworden. Wie zwanzig Jahre vor ihm Ruedi Hunsperger hat «Harry», wie er seit dem 24. August 1986 in der ganzen Schweiz genannt wird, den amtierenden König mit dem Sieg im Schlussgang vom Thron gestossen, und am dritten Königstitel in ununterbrochener Reihenfolge gehindert. Ruhig stellte er sich nach seinem Husarenstreich dem Rummel, der um ihn entfacht wurde. Wie schaffte es «Harry» überhaupt, in die Endausmarchung vorzustossen? Mit einer Ausnahme bezwang er lauter Gegner, die am Sonntag den Kranz eroberten.
Am Samstag begann Knüsel mit einem Sieg durch Wyberhaken gegen Jörg Schneider, ehe er von Schläpfer die einzige Niederlage durch Brienzer kassierte. Plattwürfe gegen Andreas Schätti (Im ersten Zug mit Wyberhaken) und Hanspeter Rufer (Gammen nach vier Minuten) liessen Knüsel in den vordersten Positionen bleiben. Während Ernst Schläpfer am Sonntag wertvolle Punkte abgeben musste, eilte «Harry» von Sieg zu Sieg. Er fällte Lothar Herrsche nach kurzer Zeit mit Lätz, wandte gegen Urs Geissbühler eine Kreuzgriff-Lätz-Kombination an und liess dem starken Berner Johann Santschi mit Lätz keine Chance. Offensichtlich frisch und unbeschwert trat er zum Schlussgang an, für den er sich geschworen hatte, nicht nochmals zu verlieren wie im zweiten Gang. Als es Schläpfer dann nach sechs Minuten prompt nochmals mit Brienzer versuchte, war «Harry» auf der Hut, konterte glänzend und brachte Schläpfer die erste und einzige Niederlage der Saison 1986 bei.
Schläpfer hat mit dieser einen Niederlage wahrhaftig viel verloren, sein Bezwinger umso mehr gewonnen. Die Begeisterung der Innerschweizer über ihren ersten König war riesengross. Auch die übrige Schweiz stimmte in den Jubel ein. «Harry» ist zwar in Abtwil im aargauischen Freiamt wohnhaft, jedoch gebürtig von Meierskappel LU, und er liess denn auch nie Zweifel aufkommen, dass er den Titel für die Innerschweiz geholt habe. Ein schöneres Geschenk hätte er dem Schwingklub Cham-Ennetsee zum 25jährigen Jubiläum wirklich nicht bescheren können. Eigentlich war er «nur» mit dem Vorsatz, einen guten Kranzrang zu schaffen, nach Sitten gegangen.


Schwingerkönig «Harry» Knüsel beim Empfang in Cham

«Tagesschau»-Moderatorin aus dem Häuschen gebracht
Die ersten Bewährungsproben nach dem Fest waren gesellschaftlicher Natur, und da kam ihm seine gesellige Natur zustatten. Bevor er am Montagbend nach dem Fest in Cham zu einem grossen Empfang antrat, brachte er in der «Tagesschau» des Fernsehens noch schnell die Moderatorin aus dem Häuschen, die den «chächen» Gast gebührend bewunderte. Danach feierten am Empfang des Schwingklubs Cham 2500 Leute den neuen König. Der Zuger Landammann Andreas Iten sagte, der Sieg sei zwar alles in allem überraschend gekommen, doch nach dem souveränen Triumph auf dem Brünig sei er nichts als folgerichtig gewesen.

Abtwil wurde zu «Harrywil»
Einige Tage später der Empfang in Abtwil, das flugs zu «Harrywil» umfunktioniert worden war: Auch hier war in der Person von Viktor Rickenbach ein Vertreter der Kantonsregierung dabei, als Fan des neuen Schwingerkönigs, wie er sagte, und nicht, um ihn als Aargauer zu beanspruchen. Der Geehrte zog mit dem Siegerpreis, der Kampfkuh «Prune», durch die rund 2000 spalierstehenden Zuschauer und durfte oder musste auch ans Rednerpult treten. Für ihn sei wichtig, auf dem Boden der Realität zu bleiben und kühlen Kopf zu behalten. In erster Linie aber dankte «Harry» für die vielen Sympathiebeweise. Diese waren zum Teil auch per Post gekommen, in riesiger Anzahl, wie zu erfahren war.

Die gleichen Probleme der Schwingerkönige
Was für ein Regiment wird der neue König, der erste aus der Innerschweiz, führen? Darüber lässt sich heute nur spekulieren. Es ist anzunehmen, dass er die gleichen Probleme antreffen wird, wie seine Vorgänger. Die Gegner werden verhaltener zu Werk gehen, den König mit Gestellten zurückbinden wollen und darauf hoffen, dass er sich eine Blösse gibt. «Harry» ist zwar «rüdig stolz» auf seinen Titel, den er auch seinem Trainingskameraden und Lehrmeister Leo Betschart verdankt, hat aber vor übertriebenen Erwartungen gewarnt. Er werde bestimmt auch ab und zu verlieren, sich dadurch aber nicht aus dem Konzept bringen lassen. Schläpfer bezeichnete er sportlich gesehen als «so etwas wie ein Vorbild».

Schwingen als bäuerlich-ländliches Spiel
Im Radio bekannte sich Knüsel zum Schwingen als bäuerlich-ländlichem Spiel. Er fände es nicht gut, wenn es durch übertriebenes, profimässiges Training zum Spitzensport umfunktioniert würde. Knüsel steht zu seiner geselligen Ader, und er hat auch einen wohltuend trockenen Humor. Auf die Frage eines Reporters, wie es denn heutzutage mit der Kameradschaft unter den Schwingern bestellt sei, meinte er: «Die ist am Abend meist besser als am Morgen».
Wer die Schwingerkönige der letzten Jahrzehnte persönlich kennt oder gekannt hat, wird uns recht geben: Es sind alles ausgeprägte, eigenständige Persönlichkeiten. Es gibt kein Rezept, Schwingerkönig zu werden und auch keins, es zu bleiben. Heinrich Knüsel wird seinen Platz als ein umgänglicher, mit einem unerhörten Instinkt für den Zweikampf ausgestatteter, kometenhaft aufgestiegener Schwingerkönig einnehmen.

«Harry» Knüsel sagt zum Schwingsport: «Kameradschaftlich bringt das Schwingen sehr viel. Es ist zwar ein harter Sport und nimmt auch viel Zeit weg, aber jedes gute Abschneiden ist für mich eine persönliche Bestätigung. Ich habe sehr Freude am Schwingen.»

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim Schwingklub Sense

Text: feldwaldwiesenblogger

Auf meiner Reise durch die Teilverbände, in welchem ich seit anfangs 2017 je einen Schwingklub besuche, bin ich nun bei den Südwestschweizern angelangt. Einen Zwischen-Stopp machte ich beim Schwingklub Sense. Dies vor allem aus sprachlichen Überlegungen, aber auch deshalb, weil einige von mir besuchte Schwinger diesem Schwingklub angehören.
Nichtsdestotrotz versperre ich mich nicht französisch-sprechenden Klubs und Schwingern. Notfalls organisiere ich einen Dolmetscher, wie beispielsweise beim Gespräch mit Benjamin Gapany vom Schwingklub La Gruyère.

Am Samstag, 16. März, fuhr ich ins freiburgische Plaffeien und traf mich dort mit dem Präsidenten Adrian Piller. Das Gespräch fand im 2015 erbauten Schwingkeller in der Orientierungsschule Plaffeien statt.
Da das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sense ziemlich gross ist, verfügt dieser in Tafers über einen zweiten Schwingkeller.


Adrian Piller, Präsident vom Schwingklub Sense, im Schwingkeller Plaffeien
Bild: feldwaldwiesenblogger

Wann wurde der Schwingklub Sense gegründet?
«Der Schwingklub Sense wurde 1957 gegründet.»

Mit wem erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten?
«Der Schwingklub Sense hatte eigentlich zu allen Zeiten gute Schwinger. 1983 gewannen Josef Bielmann und Roland Riedo die ersten eidgenössischen Kränze. Guido Sturny sicherte sich 1989 in Stans einen weiteren eidgenössischen Kranz.
Ab Mitte der 90er bis Ende der 2010er Jahre war wohl die erfolgreichste Zeit. In dieser Epoche hatten wir mit unserem wohl bekanntesten Mitglied, Hans-Peter Pellet, weiter mit Stefan Zbinden und André Riedo drei Schwinger, welche fast an jedem Schwingfest einen Kranz gewannen. Zudem holten alle drei am Eidgenössischen 1998 in Bern den begehrten Kranz.
Mit Michael Nydegger, welcher sich am ESAF 2007 in Aarau den eidgenössischen Kranz aufsetzen liess, befinden sich nun sieben Eidgenossen mit insgesamt 16 eidgenössischen Kränzen in unserem Schwingklub.»

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sense aus?
«Dazu gehört der ganze Bezirk Sense, von Flamatt bis zum Schwarzsee. Die meisten Schwinger sind aber vom Oberland, rings um Plaffeien.»

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
«Wir zählen um die 25 bis 30 Aktive und nochmals so viele Jungschwinger, also insgesamt rund 55 Schwinger.»

Wie sieht die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger für 2018 aus?
«Die Jungschwinger erkämpften sich 69 Zweige und 10 Festsiege. Die Aktiven sicherten sich 11 Kränze. Wir registrierten leider einige Verletzte, wie schon in den Vorjahren.»

Wurden die anvisierten Ziele 2018 erreicht?
«Eigentlich schon. Erreichen möchte man natürlich stets mehr. Wir mussten aber akzeptieren, dass einige Kranzschwinger ausfielen.»

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Freiburger Schwingklubs und ganz allgemein im Südwestschweizer Teilverbandsgebiet aus?
«Die Zusammenarbeit ist besser als auch schon. Das Problem bei uns ist halt vor allem die Sprache. Es gibt gerade mal zwei Schwingklubs in Freiburg, welche deutsch sprechen: Kerzers und wir. Dazu ist auch die Mentalität nicht ganz gleich.»


Der Schwingklub Sense verfügt in Plaffeien seit 2015 über einen zusätzlichen, schön angelegten Schwingkeller
Bild: feldwaldwiesenblogger

2018 erlebte der Schwingsport in der Südwestschweiz einen regelrechten Aufschwung. Auf was führst du das zurück?
«In erster Linie, weil wir näher zusammengerückt sind und mehr zusammen trainieren. Man wird nur stärker, wenn die Besten zusammen trainieren. Weiter gehört auch der Exploit von Lario Kramer auf dem Stoos dazu, das gibt allen eine zusätzliche Motivation. Letztes Jahr war effektiv ein gutes Jahr, nachdem die Südwestschweizer vorher im Vergleich zu den anderen Teilverbänden etwas abfielen. Neben Lario’s Stoos-Sieg wurden auch auswärtige Kränze erobert, wie beispielsweise auf dem Weissenstein. Auch das motiviert zusätzlich.»

Wie lief es den Sensler Schwingern 2018?
«Es lief uns eigentlich recht gut. Dabei darf man sicher die auswärtigen Bergkränze von Steven Moser und Michel Dousse auf dem Weissenstein erwähnen. Wie bereits erwähnt, hatten wir einige Verletzte zu beklagen. Dies führte zu einem kleinen Loch. Überdies haben wir einige junge Schwinger, welche neu zu den Aktiven stiessen. Diese wollen wir nun behutsam aufbauen und heranführen.»

Wann erfolgte der Trainingsstart für die neue Saison?
«Ende Oktober erfolgte mit dem Konditionstraining der Trainingsstart. Mitte/Ende November begannen die Athleten mit dem Schulschwingen. Ab Januar galt der Augenmerk dem wettkampfmässigen Schwingtraining, auch mit längeren Gängen, um an der Ausdauer zu feilen. Vor der Kranzfestsaison wird die Kampfdauer wieder verkürzt, um die nötige Explosivität zu kriegen.»

Sind alle Aktiven fit und gesund?
«Steven Moser fiel im Januar mit einem Kreuzbandriss aus. Sonst ist der grosse Teil der Aktiven fit. Die letztjährigen Verletzten sind wieder im Training, spüren noch ein wenig die Nachwehen und arbeiten nun am Selbstvertrauen.»

Auf was habt ihr im Wintertraining besonderen Wert gelegt?
«Das lief ziemlich individuell ab. Die meisten versuchten, an ihrer Technik zu feilen. Besonderen Wert wurde vor allem auf eine lange Gangdauer gelegt. Im Eidgenössischen Jahr sind vielfach die Gänge an den Kranzfesten länger, nicht nur beim ESAF.»

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
«Wir haben einige gute Talente, diesen muss man aber einfach die nötige Zeit geben. Ein Augenmerk gilt Lukas Zbinden, welcher am ENST in Landquart bei seiner Kategorie im Schlussgang stand. Dieses Jahr startet Lukas zum ersten Mal bei den Aktiven.»


Auf der Homepage vom Schwingklub Sense wird man als erstes herzlich von den Klubmitgliedern begrüsst
Bild: http://www.schwingklubsense.ch

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
«Im Sommer bieten wir beispielsweise im Rahmen des Ferienpasses Schwingen an. Kürzlich erhielt ich von einer Gemeinde eine Anfrage: Diese möchten mit ihren Schülern an einem Freitag sich dem Schwingsport widmen. Daraus können wir am besten Jungschwinger rekrutieren. Es ist leider nicht immer einfach, dazu kommen auch die vielen Möglichkeiten für andere Sportarten.
Unsere Jungschwinger müssen nicht speziell motiviert werden. Denn sie sind sehr trainingsfleissig. Wir führen darüber Buch und überreichen denjenigen Jungschwingern ein Präsent, wenn ihre Trainingsbesuchs-Quote 90 Prozent und mehr ist. In den letzten Jahren erhielten jeweils um die 12 Schwinger dieses Präsent. Dazu gibt es auch zu sagen, dass wir über gute Jungschwinger-Trainer verfügen, welche ein vielseitiges Training anbieten.»

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
«Die Jungschwinger trainieren zweimal die Woche. Die Aktiven absolvieren am Dienstag das Kantonaltraining, am Mittwoch ein Konditionstraining, welcher unser Klub anbietet und am Donnerstag das Klubtraining. Daneben trainieren die Aktiven individuell nach ihrem eigenen Gusto.»

Adrian Piller, wie erfolgreich warst du als aktiver Schwinger?
«Nicht so, wie ich wollte. Ich gewann zehn Kränze, war aber leider ein sehr verletzungsanfälliger Schwinger. Beinahe jede Saison behinderte mich irgendeine Verletzung. Wegen einer Knieverletzung beendete ich schliesslich meine Aktiv-Karriere.»

Seit wann bist du Klubpräsident?
«Seit 2017 bin ich Klubpräsident und stehe nun im dritten Amtsjahr.»

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
«Ich bin soweit zufrieden, und ziehe eine positive Bilanz. Die Schwingerzahlen sind in dieser Zeit konstant geblieben. Was wir gerne möchten, sind mehr Jungschwinger. Und zwar bei den jüngsten Jahrgängen. Übrigens: Wir sind trotzdem der grösste Schwingklub in der Westschweiz.
Letztes Jahr führte unser Schwingklub den Kantonalen Jungschwingertag durch und dieses Jahr organisieren wir das Kantonalschwingfest für die Aktiven. Da fällt doch einiges an Arbeit an, aber ich mache es gerne.»

Wie lauten die Ziele für 2019?
«Schön wäre es, wenn wir möglichst viele Schwinger ans Eidgenössische schicken könnten. Das Ziel wäre ein Eidgenössischer Kranzschwinger, als zusätzliche Werbung für den Sport. Denn: In der Zeit, als wir drei aktive Eidgenossen hatten, stiegen die Jungschwingerzahlen merklich an.
Ziele hinsichtlich Kränze oder Zweige machen wir keine. Schön wäre, wenn die Zahlen sich in dem Rahmen bewegen wie letzte Saison. Bei den Aktiven hoffen wir auf den einen oder anderen zusätzlichen Kranz. Wenn alle gesund sind, dürfte es durchaus mehr Eichenlaub geben.»

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2019?
«Am 5. Mai organisieren wir das Freiburger Kantonalschwingfest in Heitenried, und wie jedes Jahr den Schwarzsee-Schwinget. Gewöhnlich organisieren wir für anfangs Saison jeweils einen Abendschwinget. Da wir dieses Jahr gleich zwei Kranzfeste durchführen, entfällt dieses. Wir möchten unsere Helfer nicht übers Mass beanspruchen.

Wann und wo treten die Sensler Aktiv- und Jungschwinger 2019 zu den ersten Schwingfesten an?
«Der Start in die Saison erfolgte beim Hallenschwinget Collombier. Morgen Samstag treten unsere Schwinger beim Hallenschwinget Aigle an. Tags darauf nützen sie die Zeit für ein gemeinsames Training mit den anderen Schwingern aus der Westschweiz.
Am 13. April steht für unsere Athleten das Regionalschwingfest Ried bei Kerzers auf dem Programm. Am 28. April folgen das Regionalschwingfest Grolley und der Wislisau-Schwinget Rüschegg. Dann steht bereits unser Kantonales an.»


Auf dem Weissenstein holten sich letztes Jahr gleich vier Freiburger den begehrten Bergkranz, darunter zwei Schwinger vom Schwingklub Sense. Von links nach rechts: Steven Moser, Vincent Roch, Michel Dousse und Lario Kramer.
Bild: Steven Moser (Facebook)

Zum Schluss bedanke ich mich bei Adrian für das interessante und aufschlussreiche Gespräch. Man spürt deutlich, dass im kleinsten der fünf Teilverbände wieder etwas geht und die Schwinger im Aufwind sind. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Schwung ans Eidgenössischen nach Zug mitgenommen wird, und im Heimreise-Gepäck der eine oder andere Kranz sein wird.

feldwaldwiesenblogger

Michel Dousse – Eine etablierte Hoffnung der Südwestschweizer

Text: feldwaldwiesenblogger

Michel Dousse stammt aus Oberschrot bei Plaffeien FR, wohnt derzeit mit seiner Freundin, ausbildungsbedingt, in Murten FR und gilt als eine etablierte Hoffnung der Südwestschweizer. Er wird am 2. September 27 Jahre jung. Man darf behaupten, dass der Freiburger, derzeit noch hinter den arrivierten Kräften wie Lario Kramer, Benjamin Gapany oder Steven Moser, dereinst auch an die Südwestschweizer Spitze vordringen kann.

Michel absolviert in Magglingen BE ein Sportwissenschafts-Studium und ist momentan am Masterabschluss. Letzten Sommer machte er bereits den Bachelor-Abschluss. Nun hat er bis zum kommenden Sommer noch Unterricht, und schreibt dann an der Masterarbeit. Nach der obligatorischen Schulzeit erlernte Michel den Zimmermann-Beruf. Neben dem Studium geht der Sportbegeisterte kleineren Teilzeit-Jobs nach.
Nebst dem Schwingsport und dem Studium bleibt dem Sennenschwinger praktisch keine Zeit für weitere Hobbys. Als Ausgleich baut Michel polysportive Sachen in sein Training ein. Denn: Zum Studium selber gehört schon viel Sport.

Michel weist mit seinen 186 Zentimeter Grösse und einem Gewicht von 105 Kilogramm gute Masse für den Schwingsport auf. Die Schwingergene wurden ihm väterlicherseits in die Wiege gelegt. Sein Vater Hanspeter war bereits ein guter Kranzschwinger. Zum Schwingsport kam der Südwestschweizer durch seinen Vater, welcher ihn als Siebenjähriger in den Schwingkeller mitnahm. Seit damals trainiert er regelmässig im Kurzholz, frönte in der Jugendzeit aber auch dem Fussball und während längerer Zeit dem Langlaufsport.


Michel Dousse im Schwingkeller Plaffeien
Bild: feldwaldwiesenblogger

Erfolge als Jungschwinger
Michel war bereits als Jungschwinger ziemlich erfolgreich, gewann um die sechs Schwingfeste und brachte etwa 75 Zweige nach Hause. Beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2009 in Le Mouret FR war Michel ebenfalls am Start. Rückblickend sagt er dazu: «Das war wohl mein schwärzester Schwingertag. In jener Saison war ich gut unterwegs und stand beinahe bei jedem Nachwuchsschwingfest im Schlussgang. In Le Mouret hingegen musste ich bereits nach vier Gängen unter die Dusche.»

2017 vier Kränze herausgeschwungen und ein Kranzfest gewonnen – Bilanz von 2018?
Der mittlerweile 12-fache Kranzschwinger sagt dazu: «Ein Tag in der Saison hat mich gerettet, nämlich der Bergkranz auf dem Weissenstein. Der Rest lief nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ausser dem Rangschwingfestsieg anfangs Saison. Ich startete optimal und war schon früh in sehr guter Form. Dann fingen mich Rückenprobleme zu behindern. Diese dauerten zwar nicht lange, aber im Hinterkopf blieb dies leider länger stecken. Weiter holte ich mir zwei Kantonalkränze. Trotz der nicht allzu rosigen Bilanz darf ich behaupten, dass ich 2018 im Vergleich zu 2017 einen Schritt vorwärts machen konnte.»
Die Teilnahme beim Eidgenössischen in Zug ist natürlich auch bei Michel bereits im Hinterkopf. Der 186 zentimetergrosse Athlet ergänzt: «Auf dieses Ereignis trainieren wir nicht erst seit diesem Jahr, sondern schon seit mehreren Jahren.»

Der Trainingsaufwand
Dieser sei phasenbedingt, erklärt Michel. Wenn Schwingfeste anstehen, trainiert er etwas weniger als im Winter. Der Freiburger absolviert zwischen fünf und sieben Trainings pro Woche. Dazu gehören zwei bis drei Schwingtrainings (unter anderem auch Zusammenzüge mit dem Südwestschweizer Kader), zwei bis drei Krafttrainings- und ein bis zwei Ausdauereinheiten. Nach einer intensiven Trainingsphase in letzter Zeit wird Michel auf die Kranzfestsaison hin den Trainingsumfang etwas runterschrauben und das Augenmerk auf die Explosivität legen.


Der bisherige Karrierehöhepunkt: Michel’s Kranzgewinn 2018 auf dem Weissenstein. Mit auf dem Bild sind Bruno Gisler (Mitte) und Klubkollege Steven Moser (ganz rechts).
Bild: Silvio Zbinden (Facebook)

Könnte 2019 der Sprung an die Südwestschweizer Spitze erfolgen?
Der Start in die neue Saison erfolgte für Michel beim Hallenschwinget Colombier NE. Der Oberschroter belegte dort mit vier Siegen, einem gestellten und einem verlorenen Gang den guten dritten Platz. Beugen musste er sich dort nur Vincent Roch, dem Tagessieger. Anfangs Mai beginnt dann am Freiburger Kantonalen der Reigen der Kranzfeste. Der trainingsfleissige Schwinger darf als Gast am Nordwestschweizer Schwingfest in Wittnau AG antreten. An welchen Bergfesten er nebst dem Schwarzsee-Schwinget starten wird, ist noch unklar. Die Südwestschweizer sind dieses Jahr auf dem Brünig und auf der Schwägalp startberechtigt.
Michel erläutert: «Ich habe in den letzten Jahren mein Training professionalisiert, dadurch den Trainingsaufwand stetig erhöht und hoffe nun, dass ich der Spitze noch einen Schritt näherkomme. An die erweiterte Spitze habe ich es mehr oder weniger geschafft. Um auf die vordersten Plätze zu kommen, braucht es mittlerweile auch in der Südwestschweiz wieder viel. Denn unser Verband verfügt über einige sehr starke Schwinger. Weiter braucht es aber auch Glück und die erforderliche Gesundheit. Wenn alles zusammenstimmt, kann der Sprung an die Südwestschweizer Spitze erfolgen.»

Welche Schwinger sind seine Vorbilder?
Michel hat verschiedene Vorbilder, schwingerische und von der Persönlichkeit her. Da ist zum Beispiel der schöne Kurz von Matthias Siegenthaler, oder aber auch der perfekte Fussstich von Hanspeter Pellet. Michel schaut sich gerne Videos an und versucht so von diversen Schwingern Dinge abzuschauen und für sich zu personalisieren.

Welches sind die bevorzugten Schwünge?
«Meine bevorzugten Schwünge sind sicher der Kurz und der innere Haken. Diese beiden Schwünge wende ich schon seit meinen Jungschwingertagen an. In meiner Aktivzeit versuchte ich verschiedene Schwünge dazuzulernen, damit ich vielseitiger werde. Dazu gehört nun regelmässig der Fussstich. Auf dieses Jahr hin habe ich auch neue Sachen ausprobiert und geübt. Diese kann man dann hoffentlich das eine oder andere Mal an den Schwingfesten beobachten», hält der Schwinger vom Schwingklub Sense vielsagend fest.

Welches waren die bisher schönsten Erfolge?
Als Jungschwinger gewann Michel einmal das Teilverbandsfest der Südwestschweizer, an welchem gute Gäste teilnahmen. Der Höhepunkt in seiner bisherigen Aktiv-Karriere ist der Bergkranz auf dem Weissenstein, welchen der gelernte Zimmermann letztes Jahr gewann. Ein weiterer Meilenstein ist der bereits erwähnte Kranzfestsieg, und zwar 2017 am Walliser Kantonalen. Diesen durfte er zusammen mit Curdin Orlik als Co-Sieger feiern. Nebst dem Bergkranz hat der Sport-Student zwei Südwestschweizer Teilverbandskränze und neun Kantonalkränze auf dem Konto. Zudem feierte Michel letztes Jahr in Posieux seinen bisher einzigen Sieg an einem Rangschwingfest.


Michels bisher einziger Kranzfestsieg beim Walliser Kantonalen 2017, welchen er zusammen mit Curdin Orlik (rechts) feiern konnte
Bild: David Waser

Von was träumt ein junger Schwinger?
Michel meint, dass er nicht mehr zu den ganz jungen Schwingern gehört. Trotzdem hat er immer noch Ziele wie ein ganz junger und ergänzt: «Ich möchte von Jahr zu Jahr immer näher zur Spitze kommen. Das treibt mich an. Von Rang-Zielen bin ich dank guter Betreuung weggekommen, denn daran kann man zerbrechen. Ich möchte mich einfach Schritt um Schritt verbessern, die Resultate kommen dann von selber.»
Zum Aspekt, dass er immer noch Ziele hat wie ein ganz junger Schwinger, sagt der 105 Kilogramm-Mann: «Ich möchte hinzufügen, dass ich erst jetzt so richtig aufblühe. Denn ich hatte viele Unterbrüche. Wegen meinem Sportstudium setzte ich beispielweise zwei Jahre aus und musste viel Gewicht verlieren, damit ich die Aufnahmeprüfung schaffe. Meine Karriere hat sich deswegen nach hinten verschoben. Dafür bin ich noch fast so frisch wie ein ganz junger.»

Hanspeter Pellet, Michel’s Vorbild, war in dem Sinne auch ein Spätzünder und sicherte sich «erst» im Alter von 21 Jahren seinen ersten Kranz. Als 28-jähriger gewann Pellet den ersten Eidgenössischen Kranz und behauptete von sich, dass er erst mit zirka 30 Jahren so richtig voll im Saft stand. Wenn die Karriere von Michel in ähnlichen Bahnen verläuft, wird man in Zukunft noch einiges vom Plaffeier hören.

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Die Gästeschwinger fürs «Innerschweizerische» sind nun bekannt

Am Urnersee kommt es zum Familientreffen: Armon und Curdin Orlik nehmen als Gästeschwinger am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest teil. Doch die beiden Brüder kämpfen für zwei verschiedene Verbände.

Text: Elias Bricker, Medienchef ISAF 2019 / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am Sonntag, 7. Juli kommt es in Flüelen zur grossen Hauptprobe vor dem «Eidgenössischen», welches Ende August in Zug stattfinden wird. Denn der Schwingklub Flüelen führt am Urnersee das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest durch. Dabei werden die besten 192 Schwinger der Kantone Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Luzern, Tessin sowie Zug zusammengreifen.

Gäste sorgen für grosse Spannung
Mit von der Partie sind am «Innerschweizerischen» traditionellerweise auch acht Gästeschwinger von den vier übrigen Teilverbänden. Da pro Verband jeweils nur zwei Gästeschwinger antreten dürfen und der hart umkämpfte Innerschweizer-Kranz bei den Gästen grossen Stellenwert besitzt, selektionieren die Teilverbände nur bekannte Spitzenleute. Diese Athleten sorgen am «Innerschweizerischen» oft für grosse Spannung.


Ein erfolgreiches Brüderpaar aus der Bündner Herrschaft: Curdin Orlik (links) kämpft für die Berner, Armon für die Nordostschweizer
Foto: Website Armon Orlik

«Wir können uns auf ganz spannende Gänge freuen»
Die Teilverbände haben nun ihre Zweierdelegationen bestimmt, die sie in den Kanton Uri schicken werden. «Wir dürfen bei uns in Flüelen wirklich absolute Spitzenschwinger empfangen», sagt Christian Arnold, Präsident des Schwingklubs Flüelen und OK-Chef des Ressorts Schwingen/Steinstossen. «Wir können uns auf ganz spannende Gänge freuen, davon bin ich überzeugt.»

Das Nordwestschweizer Duo
Der Nordwestschweizer Schwingerverband schickt mit Nick Alpiger ihren stärksten Trumpf ins Rennen. Der 22-jährige Aargauer hat in seiner noch jungen Karriere bereits 35 Kränze gewonnen, und stand bei drei Kranzfesten zuoberst. Der gelernte Maurer holte zudem bereits mit neunzehn Jahren seinen ersten eidgenössischen Kranz. Der zweite Schwinger aus der Nordwestschweiz heisst Roger Erb. Zum Palmarès des 26-jährigen Familienvaters aus dem Kanton Baselland zählen 32 Kränze und ein Kranzfestsieg.

Ruedi Roschi und Curdin Orlik für die Berner
Für den Berner Kantonalen Schwingerverband wird Ruedi Roschi in Flüelen in die Hosen steigen. Der Sohn von Schwingerkönig David Roschi gehört mit 38 Kränzen und einem Kranzfestsieg zur erweiterten Elite des Berner Kaders. Der Oberländer hat zudem die besten Erinnerungen an den Kanton Uri: Bei seinem bisher letzten Wettkampf im Urnerland, am Kantonalen 2017, konnte er den Kranz gewinnen. Weiter vertritt Curdin Orlik die Berner Farben am «Innerschweizerischen». Der 26-jährige sorgte vor allem vor zwei Jahren mit seiner Schlussgangteilnahme am Unspunnen-Schwinget national für Aufsehen. Der Agronom aus dem Kanton Graubünden, der 2014 kurzzeitig bei den Südwestschweizern schwang, lebt inzwischen in Kandersteg. Folglich tritt er seit 2017 für den Berner Kantonalverband an und gehört mit 29 Kränzen und vier Kranzfestsiegen zu deren stärksten Kräften.

Nebst Curdin tritt auch Bruder Armon Orlik in Flüelen an
Wie eingangs erwähnt, kommt es in Flüelen zu einem Familientreffen der Orlik’s: Der Nordostschweizer Schwingerverband hat nämlich Curdins jüngeren Bruder, Armon Orlik, selektioniert. Der Maienfelder gehört aktuell zu den schillerndsten Figuren im Schwingsport. 2016 stand der frühere Judokämpfer am «Eidgenössischen» im Schlussgang. Insgesamt gewann er bereits 35 Kränze und zwölf Kranzfeste – und dabei ist der 190 Zentimeter grosse Hüne erst 24 Jahre alt. Der zweite Nordostschweizer, Samir Leuppi, kommt aus Winterthur. Der 25-jährige Zürcher hat aktuell dreissig Kränze und einen Kranzfestsieg auf seinem Konto.

Die Südwestschweizer entsenden Benjamin Gapany und Pascal Piemontesi
Der Südwestschweizer Schwingerverband schickt ebenfalls zwei ihrer stärksten Schwinger nach Flüelen. Benjamin Gapany aus La Gruyère konnte sich bereits am «Innerschweizerischen» vor drei Jahren Eichenlaub aufsetzen lassen. In seiner Karriere holte sich der 23-jährige Landwirt bisher 23 Kränze und sechs Kranzfestsiege. Pascal Piemontesi, der zweite Mann aus der Romandie, prägt den Schwingsport in der französischsprachigen Schweiz seit rund zehn Jahren. Der 30-jährige Waadtländer gewann schon 38 Kränze, sowie drei Kranzfeste. Zudem gilt er als einer der bösesten Kantonspolizisten der Schweiz.

Hinweis: Mehr Infos zum Schwingfest findet man im Internet unter www.isaf2019.ch.

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