Vorschau eines grossen Fans auf den Kilchberger Schwinget

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute Morgen habe ich zu mir gesagt: Was soll man jetzt noch gross über den Kilchberger Schwinget schreiben? Gefühlt in fast jeder Zeitung und in jedem Online-News-Portal stehen Vorschauen, Einschätzungen und verschiedene spannende Geschichten zu diesem Saisonhöhepunkt. Auf meinem Schwinger-Blog habe ich diese Berichte fleissig geteilt. Und: Ich habe mich beim Lesen dieser Beiträge als wohl einer der grössten Schwingfans des Landes ertappt… Aus dieser Motivation heraus betreibe ich nämlich den Schwinger-Blog und betrachte unseren Nationalsport aus der Warte des Fans.

Der für gewöhnlich alle sechs Jahre stattfindende Kilchberger Schwinget kennt seine eigenen Gesetze und die bisherigen Sieger waren allesamt Ausnahmekönner

Bild: Luzerner Zeitung

Eigene Gesetze

Wie bereits erwähnt: Viele Vorschauen wurden verfasst, die Spitzenpaarungen landauf-landab diskutiert und die Favoriten erkoren. Nun gilt es ernst für die 60 besten Schwinger des Landes. Der traditionelle Kilchberger Schwinget kennt seine ganz eigenen Gesetze. Hier werden Helden geboren, Erfolgsgeschichten geschrieben und viel Stoff für Generationen produziert.

Ausnahmekönner

Die bisherigen Sieger waren allesamt Ausnahmekönner aus jener Epoche. Auch diesmal wird der Beste zuoberst stehen. Denn: Einzelne Überraschungen sind möglich, der «Kilchberger» ist aber über alles gesehen das härteste Schwingfest und lässt kaum einen Aussenseiter- oder Überraschungs-Sieg zu.

Hochkarätiges Teilnehmerfeld – absolute «Knüller-Paarungen»

Trotz verletzungsbedingten Ausfällen in allen fünf Teilverbänden steht ein hochkarätiges Teilnehmerfeld am Start. Jede Paarung wäre an jedem anderen Schwingfest eine sogenannte Spitzenpaarung. Apropos Spitzenpaarungen im ersten Gang: Stefan Strebel, TK-Chef vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV), stellte absolute «Knüller-Paarungen» zusammen. Man kann und darf bei der Einteilung anderer Meinung sein. Schlussendlich muss aber jeder den ihm zugeteilten Gegner erstmal bezwingen, um sich Schritt für Schritt dem Sieg, oder in diesem Fall dem Schwinger-Olymp, zu nähern.

Blick in die Kristall-Kugel

Riskiert man eine Prognose, kommt man nicht um die heutige «Bote der Urschweiz»-Schlagzeile umhin, die da lautet: «Giger, Wicki oder doch wieder ein Berner?». Der siebenfache Saisonsieger Samuel Giger ist morgen klar Favorit, der Festsieg wird über ihn laufen. Sein erster Herausforderer wird der wieder genesene Joel Wicki sein. Schwingt der Sörenberger wie am ESAF 2019 in Zug, dann steht er im Schlussgang. Und: Viel hängt davon ab, wie die Begegnung zwischen Giger und Wicki beim Anschwingen verläuft. Einer der beiden Topfavoriten, oder gar beide, werden bereits im ersten Gang Punkte lassen. Das kommt den stets brandgefährlichen Bernern zugute. Gewinnt Kilian Wenger seinen ersten Gang, und kommt hinterher in einen Superlauf wie anno 2010 in Frauenfeld, dann könnte der Sieger am Ende des Tages durchaus Wenger heissen. Die diesjährige Saison mit Siegen auf dem Brünig und am Bernisch-Kantonalen macht den Schwingerkönig zu einem heissen Kandidaten.

Der Sieger von 2014 hiess Matthias Sempach, im Schlussgang bodigte er mit einem Blitzsieg Philipp Laimbacher

Bild: Aargauer Zeitung

Sind Staudenmann und Aeschbacher bereit für den grossen Wurf?

Hinter den drei meistgenannten Topfavoriten lauern einige Spitzenschwinger, allen voran Fabian Staudenmann und Matthias Aeschbacher. Aeschbacher zeigte zuletzt am NOS in Mels, das mit ihm absolut zu rechnen ist. Der Emmentaler ist in meinen Augen so weit gereift, dass er ein möglicher Kandidat für den Schlussgang sein könnte. Staudenmann ist für den Schreibenden der eigentliche Geheimfavorit. Straucheln die bereits genannten, könnte der junge Berner Mittelländer quasi erben und seine eigenen Stärken ausspielen. Und diese konnte Fabian in dieser Saison einige Male erfolgreich einsetzen.

Wie werden sich die jungen wilden Toggenburger schlagen?

Der zweifache Bergfestsieger Damian Ott gehört ebenfalls zur Kategorie «Geheimfavorit», ebenfalls der erst 19-jährige Werner Schlegel. Allerdings fehlt es beiden trotz super Ergebnissen in dieser Saison noch ein wenig an Konstanz. Für einen so bedeutenden Festsieg ist es wohl noch zu früh, für eine Spitzenklassierung sind sie aber alleweil bereit.

Nick Alpiger und die starken Nordwestschweizer Mannen als Spielverderber?

Die Nordwestschweizer Delegation darf man durchaus als Spielverderber sehen. Allen voran Nick Alpiger: Dass der junge Aargauer an einem einzelnen Tag grosses zu leisten vermag, bewies er 2019 am «Innerschweizerischen» in Flüelen, und zu Beginn des «Eidgenössischen» in Zug als er Samuel Giger bodigte. Allerdings: Ist Nick nach der in dieser Saison erlittenen Fussverletzung und der Corona bedingten Pause in der körperlichen Verfassung wie 2019?

Und die Innerschweizer?

Die Innerschweizer sind diesmal Aussenseiter. Der Erfolgsdruck lastet auf dem Team der Nordostschweizer und der Berner. Dies könnte einigen vom ISV-Team Flügel verleihen, allen voran Joel Wicki. Kommt der Erstgekrönte in einen Lauf, könnte Joel am Abend gar zuoberst stehen. Seit dem Sieg am Luzerner Kantonalen hat man den Eindruck, dass er wieder parat ist. Überhaupt: Es würde wohl niemanden überraschen, wenn morgen der erste und letzte Gang Samuel Giger gegen Joel Wicki heissen würde. Im Sog von Joel’s möglichem Siegeszug könnten Athleten wie Sven Schurtenberger, Christian Schuler, Mike Müllestein oder Benji von Ah ebenfalls in der Lage sein mit Topleistungen an der Spitze mitzumischen.

Die Südwestschweizer leider ohne ihren Leader

Die vier Südwestschweizer Akteure müssen leider auf ihren Leader Lario Kramer verzichten. Inwieweit Benjamin Gapany, Steve Duplan, Romain Collaud und Mickael Matthey das Geschehen an der Spitze mitzuprägen vermögen, bleibt abzuwarten. Wie der «SCHLUSSGANG» in seiner Sonderausgabe schreibt, sind sie aber allemal fähig für ein paar wirkungsvolle Nadelstiche. Und diese mag man dem kleinsten der fünf Teilverbände von Herzen gönnen

Der siebenfache Saisonsieger Samuel Giger hat das nötige Rüstzeug für einen «Kilchberger» Sieg

Bild: Bote der Urschweiz

Giger hat ein starkes Team im Rücken

Läuft alles wie so oft in dieser Saison, heisst der Sieger am Ende Samuel Giger. Der Thurgauer Ausnahmekönner hat nun das nötige Rüstzeug und ist fähig, den Schwinger-Olymp zu besteigen. Samuel hat seine Lektion aus Zug gelernt und inzwischen im mentalen Bereich zugelegt. Weiter hat der 23-Jährige an seiner Vielseitigkeit gearbeitet und sein wuchtig gezogener Kurz ist nach wie vor ein Erfolgsgarant. Zudem hat Samuel ein starkes Team im Rücken, einer davon ist der 10-fache Saisonkranzer und Klubkollege Domenic Schneider. Ein sicherer Wert, welcher im Stand ist mit den allerbesten mitzuhalten. Unterstützung erfährt der mittlerweile 22-fache Kranzfestsieger aber auch von den formstarken Nordostschweizer Eidgenossen Samir Leuppi, Roger Rychen und Michael Bless. Und nicht zu vergessen: Die bereits erwähnten Damian Ott und Werner Schlegel. Diese beiden Jungspunde sind jederzeit in der Lage, einen arrivierten Spitzenschwinger zu bezwingen.

So oder so: Die Ausgangslage ist äusserst spannend und die Schwingerfreunde dürfen sich auf viele heisse Duelle freuen. Der Schreibende reist wie eingangs erwähnt als grosser Fan nach Kilchberg und berichtet auf dem Schwinger-Blog über das Geschehen auf und rings um die beiden Schwingplätze. Wie die Schwingerfamilie ist auch Petrus bereit für einen strahlend schönen Kilchberger Schwinget 2021. Mein grösster Wunsch: Dass sich morgen keiner der 60 Schwinger verletzt. Und: Der Beste möge gewinnen!

feldwaldwiesenblogger

Ein fast «normaler» Siebner Herbstschwingertag

Am Sonntag, 26. September führt der Schwingklub March–Höfe (SKMH) den 83. Herbstschwingertag Siebnen unter sehr erschwerten Bedingungen durch. Um endlich wieder einmal ein normales Schwingfest mit Zuschauern und ohne Schutzmasken zu erleben, wird der Anlass strikt nach dem 3G-Konzept durchgeführt.

Text und Foto: Hansruedi Ulrich (Pressechef SKMH) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Die leidige Covid-Szenerie hat die Schwingsaison 2021 richtig schmucklos, hektisch und unübersichtlich aussehen lassen. Die ersten Feste hatten ohne Zuschauer einen richtig tristen Charakter. Mit der Zeit waren wieder Zuschauer erlaubt, sofern man ein Covid-Zertifikat vorweisen konnte. Eine Tatsache an der sich bis heute leider die Geister scheiden. Das mit Abstand wichtigste aber war, dass alle Schwinger wieder ihrer Leidenschaft frönen durften. Sieger konnten gekürt und Kränze herausgeschwungen werden. Ein Vereinsleben, verbunden mit sportlichem Ehrgeiz sowie musikalischen, kulturellen und kameradschaftlichen Stunden, ist in unserem Land genau so wichtig wie die Luft zum Atmen. Eine Bevölkerung, die im Vereinsleben seit ewiger Zeit ihre Befriedigung und Ansporn findet, entweder als aktiver Teilnehmer oder geniessender Zuschauer, ist einfach zufriedener, ausgeglichener und krisenresistenter. Genau darum ist es wichtig, das Vereinsleben zu unterstützen, auch wenn man dabei halt einmal eine etwas unappetitliche Suppe essen muss.

Die drei Lebendpreise mit ihren Züchtern und Spendern

Zutritt aufs Festgelände nur mit gültigem Covid-Zertifikat

Für den Schwingklub March–Höfe war klar, dass man nach einem Jahr Abstinenz den beliebten Herbstschwingertag Siebnen wieder durchführen will. Wenn möglich so normal wie immer, mit Zuschauern und ohne Einschränkungen im Festablauf. Aber: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Zertifikat leider nicht möglich. Das Kern-OK unter der Leitung von Präsident Benno Züger hat etliche mühsame Stunden in die Vorbereitung des Festes gesteckt. Einige brauchten Nerven wie Drahtseile um die Odyssee der Ämter und Behörden für die notwendigen Bewilligungen zu überstehen. Längst nicht alle OK-Mitglieder waren einverstanden mit dieser Art Zuschauerbehandlung. Einige taten sich schwer mit diesen Richtlinien, mit der Tatsache, dass Zuschauer mit einer anderen Einstellung draussen bleiben müssen. Einige dachten es still für sich, andere brachten es offen zum Gespräch. Aber alle internen Kritiker sahen die Realität vor Augen, ohne 3G ist momentan ein normales Schwingfest leider nicht durchführbar. Und sie respektierten den grossen Einsatz ihrer Kameraden und unterstützen das geplante Schwingfest trotz ihrer eigenen Widersprüche. So dürfen alle, die ein gültiges Zertifikat vorweisen können, sich auf ein normales Schwingfest freuen. Etwas, dass dieses Jahr Seltenheitswert besitzt. Die Schwinger jedenfalls honorieren den grossen Einsatz des SKMH. Mit über 130 Schwingern haben sie sich so zahlreich angemeldet wie schon lange nicht mehr. Darunter befinden sich die Eidgenossen und ehemaligen «Siebnen»-Sieger Willi Graber, Stefan Burkhalter und Reto Nötzli sowie weitere knapp 50 Kranzschwinger. 

Gratis-Testmöglichkeiten vor Ort

In Siebnen gibt es an zwei Tagen die Möglichkeit, sich gratis testen zu lassen, um ein Zertifikat zu erhalten. Am Samstag in der alten Turnhalle beim Stockbergareal von 14.00 bis 20.00 Uhr, und am Sonntag auf dem Festgelände des Schwingfests von 06.00 bis 12.00 Uhr. Wichtig: Mitzubringen sind ein Krankenkassenausweis und ein gültiger Ausweis oder eine Identitätskarte. 

Stier «Hector» sticht heraus

Gabenchef Michael Gemperli und seine fleissigen Mitsammler waren positiv überrascht wie erfolgreich die Gabensammlung abgelaufen ist. Sie können den Schwingern und Zuschauern einen prächtigen Gabentempel präsentieren. Die Prunkstücke daraus sind die drei Lebendpreise. Der Siegerstier Hektor wurde gespendet von Roman Kohler (Hagedorn AG, Pfäffikon). Als zweiter Preis winkt das Rind Ragusa, gespendet von Barbara Krieg (Gasthaus Kapellhof, Tuggen) und von Guido Vogt (Balz Vogt AG, Wangen). Als dritter Lebendpreis steht das Kalb Utta bereit, der Spender ist Edi Diethelm (Diethelm Bauplanung GmbH, Tuggen). Mit vielen weiteren schönen Gaben wird der reichhaltige Gabentempel abgerundet. Der Schwingklub March-Höfe bedankt sich bei allen Spendern recht herzlich.  

Der Beginn des Schwingfestes ist auf 08.30 Uhr angesetzt. Den Festbesuchern wird wie jedes Jahr Feines aus der Festwirtschaft und urchige Folklore geboten. Ein Verschiebedatum ist nicht geplant. Ab 06.00 Uhr kann man sich am Festtag auf www.skmh.ch oder der Nummer 1600 über die Durchführung des Festes informieren. Es bleibt zu hoffen, dass OK-Präsident Benno Züger auch dieses Jahr wieder einen guten Draht zu Petrus findet. Der SKMH würde sich freuen, trotz der ungewöhnlichen Umstände möglichst viele Besucher in Siebnen begrüssen zu können. 

feldwaldwiesenblogger

Andreas Döbeli zeigte am Nordwestschweizer Schwingfest eine abgeklärte und taktisch reife Leistung

Text: feldwaldwiesenblogger

Andreas Döbeli gewann vor Wochenfrist überzeugend das Nordwestschweizer Schwingfest in Zunzgen BL. Am eigenen Teilverbandsfest bot er dem Schwingerkönig Kilian Wenger Paroli und bezwang im Schlussgang den formstarken Verbandskollegen Patrick Räbmatter. In der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, belegt Andreas derzeit den hervorragenden 10. Platz und ist dabei gleich hinter Kilian Wenger und vor Kilian von Weissenfluh rangiert. Und: Der Aargauer Eidgenosse ist gemäss dieser Wertung der beste Nordwestschweizer Schwinger in dieser Saison.

Sehr gute Bilanz

Die Kranzfestsaison ist für Andreas nun abgeschlossen. Es resultieren sechs Kränze (ein Teilverbands-, zwei Berg- und drei Kantonalkränze), der erwähnte Kranzfestsieg, eine weitere Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und fünf Topklassierungen. Einzig beim Innerschweizer Schwing- und Älplerfest und beim Rigi-Schwinget kehrte der mittlerweile 22-fache Kranzschwinger ohne Kopfschmuck heim.

Gespräch mit spannenden Stichworten

Der Schwinger-Blog führte mit dem glücklichen Nordwestschweizer Sieger ein Gespräch und sprach ihn beispielsweise auf die abgeklärte und taktisch reife Leistung in Zunzgen an. Weiter kamen verschiedene spannende Stichworte wie «Räbi», der Kilchberger Schwinget, Athletiktrainer Tommy Herzog, das ESAF 2022 in Pratteln und der Beruf von Andreas zur Sprache.

Andreas Döbeli sagt: «Mit dem Kranzfestsieg zum Abschluss, der Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und mit dem errungenen Brünigkranz bin ich mit der Saison sehr zufrieden.»

Bild: Andreas Döbeli

Herzliche Gratulation zum Sieg in Zunzgen! Wie war die Gefühlslage nach dem Sieg?

«Herzlichen Dank. Für mich war es unbeschreiblich schön, das erste Mal so an einem grossen Kranzfest gewinnen zu können. Es war einfach super!»

Du hast am Nordwestschweizer Schwingfest eine abgeklärte und taktisch reife Leistung gezeigt. Auf was führst du das zurück?

«Das hat mit der Erfahrung zu tun, welche nun langsam kommt. Weiter auch mit besserer Kenntnis der Gegner. Zudem habe ich aus meinen Fehlern gelernt und konnte dadurch locker in den Wettkampf gehen.»

Stichwort «Räbi»: Wie bezwingt man eigentlich einen gut 150 Kilogramm schweren Schwinger wie Patrick Räbmatter? Denn: Dem Schreibenden fiel auf, dass du es mit Kurz gar nicht erst probiert hast, stattdessen dreimal mit innerem Haken, beim dritten Mal warst du erfolgreich. Stammt dieses Erfolgsrezept vom gemeinsamen Training?

«Nein, eigentlich nicht. Ich habe «Räbi» noch nie in einem Training mit diesem Schwung bezwungen. Mit einem Kurz hätte ich mich zu unsicher gefühlt, ich stellte dies bereits beim Greifen fest. Beim ersten Versuch mit innerem Haken fiel «Räbi» auf die Seite, und ich konstatierte, dass es so gehen könnte. Mir war bewusst, dass es etwas Geduld brauchen würde. Schliesslich ging es dann auf.»

Du hast eine starke Kranzfest-Saison mit sechs Kränzen hinter dir. Ausser beim ISAF und Rigi-Schwinget holtest du bei jedem von dir bestrittenen Kranzfest den begehrten Kopfschmuck. Wie beurteilst du rückblickend deine Saison?

«Mit dem Kranzfestsieg zum Abschluss, der Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und mit dem errungenen Brünigkranz bin ich mit der Saison sehr zufrieden. Mein Ziel war es, in dieser Saison meinen ersten Bergkranz zu gewinnen. Das habe ich nun erreicht. Beim ISAF und beim Rigi-Schwinget hatte ich eine kleine Baisse und das Wettkampfglück war nicht auf meiner Seite. Auf dem Weissenstein lief es dann wieder rund. Es ist schön, dass ich wieder einen Schritt nach vorne tätigen konnte. Ich versuche mich, mit kleinen Schritten an die Spitze zu bewegen. Ich hatte auch das Glück, dass ich nie verletzt war und immer trainieren konnte.»

Stichwort Kilchberger Schwinget: Man darf dich durchaus als Geheimfavoriten handeln. Wie sehen deine Ambitionen für den Saisonhöhepunkt aus?

«Ich glaube nicht, dass ich dort zu den Geheimfavoriten gehöre. Der Festverlauf ist zudem schwierig abzuschätzen. Ich werde von Beginn weg, ohne gross abzuwarten, Gas geben und dabei versuchen, meine Gänge zu gewinnen. Wenn es gut läuft, kann es durchaus weit nach vorne gehen. Es zählt nur der Sieg, Kränze kann man keine gewinnen. Ich bereite mich auf diesen Anlass wie auf jedes andere Kranzfest vor.»

Andreas Döbeli hatte seinen Kontrahenten Patrick Räbmatter im Schlussgang vom Nordwestschweizer Schwingfest in festen Griffen

Bild: Andreas Döbeli

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Mit meinem Arbeitspensum und der Weiterbildung, welche ich zurzeit absolviere, bringe ich nicht mehr Zeit auf fürs Training. Ich habe aber Dinge in meinen Alltag eingebaut, die auf die Erholung abzielen. Dazu gehören einmal pro Woche ein Besuch in einer Eiskammer (drei Minuten bei -110 Grad Celsius), des weiteren Physiotherapie und Massage. Das sind vielleicht die Gründe, dass ich ohne grosse Blessuren und Schmerzen an die Schwingfeste fahren konnte. Ich habe zudem dann und wann ein Training ausgelassen, wenn ich mich nicht gut gefühlt habe. Ich verdanke überdies viel meinem Athletiktrainier Tommy Herzog, er hat ein gutes Feingefühl für die Trainingsgestaltung.»

Stichwort Tommy Herzog: Was macht der Athletik-Trainer mit euch Schwingern, dass seine Schützlinge so befreit und stark schwingen?

«Er pflegt einen guten Umgang mit uns Schwingern und besitzt ein gutes Gespür dafür, in welcher Situation die richtige Belastung stimmt. Dank der Zusammenarbeit mit Tommy braucht es keinen Mentaltrainier. Er findet die richtigen Worte und spricht die entscheidenden Punkte an. Tommy hat mittlerweile viel Erfahrung mit uns Schwingern. Zudem findet bei ihm im Training ein reger Austausch mit anderen Schwingern statt. Am Freitag trainieren wir jeweils gemeinsam mit Christian Stucki. Das ergibt einen guten Spirit und eine grossartige Trainingsatmosphäre.»

Stichwort ESAF in Pratteln: Der Schwingerkönig-Titel ist für dich nicht ganz unerreichbar. Was meinst du, in welchen Bereichen müsstest du noch zulegen?

«Um das anzustreben, müsste ich im Kraft- und Athletikbereich noch besser werden. Ich bin kraftmässig sicher gut, aber nicht top. Ich spüre das beim Vergleich mit anderen Athleten. Schwingtechnisch gesehen müsste ich noch vielseitiger werden. Es besteht zudem die Frage: Würde das Potential bei meinen Voraussetzungen reichen?»

Stichwort Beruf: Was arbeitest du, und wie sieht dein Pensum aus?

«Ich arbeite zu 70 Prozent im Betrieb meines Vaters, dieser ist auf die Legehennen-Brüterei spezialisiert. Ich bin zuständig für die Planung und das Qualitätsmanagement. Zudem bin ich in einem 30 Prozent Pensum in unserem familieneigenen Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt, welchen ich dereinst übernehmen werde. Wie bereits erwähnt, absolviere ich eine Weiterbildung. In einer höheren Fachschule lasse ich mich zum Agrokaufmann ausbilden. Dafür drücke ich jeweils am Samstag die Schulbank. Mein wöchentliches Arbeitspensum beträgt also 100 Prozent. Der Vorteil dabei ist, dass es sich um ein flexibles Pensum handelt.»

Bleiben neben der Arbeit und der Weiterbildung sowie dem Schwingsport noch Zeit für Hobbys?

«Grundsätzlich schon, man muss sich dafür nur die nötige Zeit nehmen. Im Winter fahre ich gerne Ski. Die Arbeit auf unserem Bauernhof erachte ich als Hobby und Ausgleich. Weiter verbringe ich möglichst viel Zeit mit meiner Freundin, was nun einfacher ist, seit wir zusammenwohnen. Es ist alles eine Sache der Organisation. Und: Schwingen ist meine Leidenschaft und in dem Sinne mein grösstes Hobby. Ich verdiene mein Geld nicht mit diesem Sport.»

feldwaldwiesenblogger

Das starke Comeback von Nick Alpiger ist eine der schönsten Geschichten, welche der Schwingsport bisher in diesem Jahr schrieb

Text: feldwaldwiesenblogger

«Alpiger zu Tränen gerührt» schrieb der BLICK nach dem Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest. Und: «Ich kann es fast nicht in Worte fassen, was dieser Sieg für mich bedeutet!», erklärt Nick Alpiger auf Facebook. Der Nordwestschweizer Team-Leader kehrte nämlich letzten Sonntag in Muttenz wieder auf die Siegerstrasse zurück und gewann in überzeugender Manier. Das starke Comeback von Nick Alpiger nach einer anfangs Saison erlittenen Verletzung ist eine der schönsten Geschichten, die der Schwingsport dieses Jahr schrieb. Anhand der Emotionen nach dem Schlussgang konnte man ein Stück weit erahnen, wie erleichtert Nick war. Denn die Zwangspause verhinderte dem Maurer eine Zeit lang was er am liebsten macht: Schwingen.

Drei Eidgenossen bezwungen

Am «Basellandschaftlichen» bodigte der Aargauer Eidgenosse der Reihe nach Oliver Hermann, Adrian Walther, Andreas Döbeli, Michael Mangold, David Schmid und im Schlussgang Joel Strebel. Das Notenblatt von Nick zählte am Schluss 59.75 Punkte, ein «Vierteli» fehlte zum Punktetotal. Zudem bezwang er drei Eidgenossen, allesamt Aargauer Verbandskollegen. 

Konter führte zum Erfolg im Schlussgang

Im Schlussgang konnte der nun mittlerweile sechsfache Kranzfestsieger abwarten und die Kurz-Angriffe von Strebel parieren. Denn ein «Gestellter» hätte ihm gereicht. So weit kam es aber nicht: Nach rund zehn Minuten setzte sein Kontrahent einen Inneren Haken an. Dabei konterte Nick und brachte Strebel mittels Überstossen aus dem Gleichgewicht und auf den Rücken.

Nachgefragt bei Nick Alpiger

Der Schwinger-Blog fragte darum beim glücklichen Sieger nach und wollte wissen, wie die Gefühlslage nach dem Sieg in Muttenz war, wie die Heilung nach der Verletzung verlief und was beim Kilchberger Schwinget drin liegt. Weiter wie man sich den Alltag von so einem leidenschaftlichen Schwinger vorstellen muss. Und: Hat Nick den Trainingsumfang nach dem «Eidgenössischen» in Zug eigentlich verändert? Beim Telefongespräch war der 45-fache Kranzschwinger am Hallwilersee und frönte seinem Hobby Fischen.

Nick Alpiger, der glückliche Sieger vom «Basellandschaftlichen» erklärt auf Facebook: «Ich kann es fast nicht in Worte fassen, was dieser Sieg für mich bedeutet!»

Bild: David Sigg

Herzliche Gratulation zum Sieg beim Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest! Wie war die Gefühlslage nach deinem sechsten Kranzfestsieg?

«Danke vielmals! Für mich war es sehr schön und ich war einfach nur glücklich, dass ich wieder ein Schwingfest gewinnen konnte. Der Weg nach dem Eidgenössischen bis zum Sieg in Muttenz war für mich nicht immer einfach. In dieser Zeit habe ich Verletzungen auskuriert, war oft bei der Physiotherapie und habe viel allein trainiert. Ich konnte dabei immer auf die Unterstützung meine Familie zählen. Der Kranzfestsieg letzten Sonntag ist die Bestätigung dafür, dass es sich gelohnt hat diesen Weg zu beschreiten. Als Hauptprobe vor dem «Basellandschaftlichen» bestritt ich den Homberg-Schwinget, um zu schauen, ob wieder alles einwandfrei funktioniert. In Muttenz trat ich ohne Druck an. Ich empfand einfach grosse Freude, dass ich wieder das machen kann, was ich am liebsten mache.»

Der Start in die 2021er-Saison verlief beim Aargauer Kantonalen verheissungsvoll. Doch dann kam eine Woche darauf die Verletzung am Solothurner Kantonalen. Was war dort passiert?

«Ich zog mir am Solothurner Kantonalen eine Fussverletzung zu, dabei wurde das vordere Syndesmoseband beschädigt. Dadurch konnte ich sechs Wochen nicht trainieren.»

Verlief die Heilung problemlos? Ab wann konntest du wieder trainieren?

«Ich war bei der erforderlichen Physiotherapie in sehr guten Händen. Die Heilung verlief dadurch optimal. Ich ging nach der Verletzung während vier Wochen an Stöcken. Dann erfolgte während zwei Wochen ein gezielter Aufbau und schon stand der Homberg-Schwinget auf dem Programm.»

Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt bist du wieder in bestechender Form. Was liegt drin am Kilchberger Schwinget?

«Das wird ein ganz hartes Fest, und es geht eigentlich nur um den Tagessieg. Ich versuche mich gut vorzubereiten, um dann parat zu sein. Mein Ziel ist, dass ich an diesem Tag ohne Druck und unbeschwert schwingen kann. Was dabei herausschaut, wird sich zeigen. Aber: Zuerst stehen für mich noch das Nordwestschweizer und das Nordostschweizer Schwingfest auf dem Programm.»

Blickt man kurz zurück, darf man dich zu den Topfavoriten am «Kilchberger» zählen. Denn: Du bist nebst René Suppiger der bisher letzte Schwinger, welcher Samuel Giger eine Niederlage (ESAF 2019 in Zug, 1. Gang) zugefügt hat. Wie hast du das geschafft?

«Ich ging ohne Druck ans ESAF in Zug, und es war für mich eine Riesenehre und Freude dort zu schwingen. Ich habe dabei probiert, mein Bestes zu geben. Ich konnte Samuel auf einen Zug abkontern. Er griff mit Gammen an und ich fing ihn mit Lätz ab. Am Boden hatte ich gute Griffe, und konnte ihn schliesslich bezwingen.»

Nick Alpiger im energischen Zweikampf mit dem Aargauer Eidgenossenkollegen David Schmid

Bild: Facebook / Pascale Alpiger

Mit dem Sieg am «Basellandschaftlichen» unterstreichst du einmal mehr, dass du der Team-Leader in der Nordwestschweiz bist. Ist das für dich Bürde oder Würde? 

«Das ist für mich eine Würde und es ist für mich zugleich eine Ehre, dass ich zu den Stärksten in der Nordwestschweiz gehöre. Die Dichte bei uns ist allerdings nicht so gross wie bei den Bernern, Innerschweizern und Nordostschweizern. Und: Joel Strebel, Patrick Räbmatter und Andreas Döbeli haben in dieser Saison grossartige Schwingfeste gezeigt und führen unseren Teilverband ebenfalls an. Wir sind ein gutes Team.»

Bei dir spürt man aus jeder Faser: Das Schwingen ist dein Leben und deine Leidenschaft. Wie müssen sich Aussenstehende deinen Alltag, eingebettet im Schwingsport, vorstellen?

«Ich ordne dem Schwingen alles unter. Mein Alltag dreht sich um den Schwingsport und ich wäge jeweils ab, ob diese oder jene Tätigkeit gut oder schlecht fürs Schwingen ist. Ich denke fast den ganzen Tag nur ans Schwingen, und gehe mit grosser Freude an die Trainings und die Schwingfeste. Ich versuche mit Technik und Gefühl zu schwingen, weniger mit Rohkraft. Ich bin darum froh um Trainings mit Patrick Räbmatter und David Schmid, beides sind starke und kräftige Schwinger. Mein Trainingsschwerpunkt gilt dem Schwingen, das Krafttraining ist Zusatz. Meine Arbeit als Maurer ist anstrengend und fordert mich körperlich. Während der Corona-Pause war ich viel im Kraftraum, das hat sich nun wieder geändert.»

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Ich habe mich professionalisiert, dabei Neues ins Training integriert. Wie bereits angesprochen trainiere ich nun vermehrt auch im Kraftraum. Ich ging zudem eine Zeitlang ringen. Ich versuche stets neue Impulse zu setzen, damit es nicht langweilig wird, und ich vorwärtskomme.»

Wie viele Trainingszusammenzüge wird das Nordwestschweizer Team bis zum Kilchberger Schwinget noch bestreiten? Und: Wirst du bis zum Saisonhöhepunkt zudem eine spezielle Vorbereitung absolvieren?

«Geplant sind noch zwei Zusammenzüge, unser Technischer Leiter Guido Thürig ist dabei bedacht, professionelle Trainings zusammenzustellen. Nach dem Nordwestschweizer Schwingfest wird der Kader zusammengestellt. Vor dem «Kilchberger» werden wir uns dann sicher nochmals treffen und den Anlass im Detail besprechen. Eine spezielle Vorbereitung ziehe ich nicht in Betracht, ich versuche alles gleich zu halten und gebe Vollgas im Training. Ich freue mich einfach, dass ich wieder schwingen kann. Mein Leitmotiv ist: Das bestmögliche Geben und dann kommt’s gut. Vorderhand zählt momentan aber die Vorbereitung auf die bereits angesprochenen Teilverbandsfeste der Nordwestschweizer und der Nordostschweizer.»

Wie gross sieht dein Pensum als Maurer aus? Und: Bleibt da noch Zeit für Hobbys neben dem Schwingsport?

«Ich arbeite in einem 80 Prozent Pensum von Montag bis Donnerstag. Da ich am Freitag frei habe, liegt am Donnerstagabend ein Auswärtstraining drin. Das Fischen ist mein grosses Hobby, welches ich während der Saison nicht so oft pflegen kann wie ausserhalb der Saison. Das Fischen ist für mich ein guter Moment, um abzuschalten. Ich gehe überdies gerne vor Schwingfesten fischen. Zudem schaue ich auf genügend Schlaf. Dies ist schlussendlich die beste Erholung.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Marcel Bieri, dem Sieger vom Zuger Kantonalen

Text: feldwaldwiesenblogger

Marcel Bieri gewann am letzten Sonntag das Zuger Kantonale in Baar. Es war dies der zweite Kranzfestsieg in seiner Karriere. Auch den ersten Sieg erschwang sich der Edlibacher an einem Zuger Kantonalen (2017, ebenfalls in Baar), auch damals hiess sein Schlussganggegner Christian Schuler. 

Die verspätet gestartete 2021er-Saison begann für den Primarlehrer mit Rang 2b am Stoos-Schwinget verheissungsvoll, ein weiterer Kranzgewinn folgte am «Innerschweizerischen» in Ibach. Auf dem Weissenstein lief es Marcel überhaupt nicht und für den Brünigschwinget musste er wegen einer Finger- und Schulterblessur Forfait geben. Beim Bernisch-Kantonalen Schwingfest startete der 26-Jährige mit einem «Gestellten» gegen Schwingerkönig Kilian Wenger und einem Sieg über Fritz Ramseier gut in den Wettkampf. Doch dann riss der Faden und der Kranzgewinn blieb aus. Die Berg- und Talfahrt von Marcel nahm so richtig Schwung auf und so fuhr der mittlerweile 33-fache Kranzschwinger beim Zuger Kantonalen wieder den Berg hoch.

Der Schwinger-Blog wollte darum von Marcel wissen, wie es zu dieser Berg- und Talfahrt in dieser Saison kam, wie die Vorfreude auf den Kilchberger Schwinget aussieht und ob der Modellathlet seinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug verändert hat. Und: Führt Marcel eigentlich eine Datenbank über seine Gegner im Sägemehl? 

Marcel Bieri, der glückliche Sieger vom Zuger Kantonalen in Baar

Bild: Facebook / Tobias Meyer

Herzliche Gratulation zum Sieg beim Zuger Kantonalschwingfest! Wie war die Gefühlslage nach deinem zweiten Kranzfestsieg?

«Ich fühlte mich nach dem Schlussgang-Sieg sehr erleichtert und zugleich gefasst. Ich war zudem überglücklich, denn es liegen zwei Kranzfeste hinter mir, welche nicht optimal verliefen. Es ist für mich eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» 

Wie hast du es geschafft, den formstarken und mittlerweile 102-fachen Kranzschwinger Christian Schuler zu bezwingen?

«Ich trainiere häufig in Einsiedeln und bin mit den Schwyzer Schwingern kameradschaftlich verbunden. So habe ich schon etliche Male mit Christian beim Training wie auch an Wettkämpfen geschwungen. Die Begegnungen zwischen uns sind meist attraktiv, denn beide suchen die Entscheidung. Die Bilanz der ausgetragenen Zweikämpfe ist ausgeglichen. In Baar habe ich taktisch geschwungen und liess ihn erst angreifen. Je länger der Gang ging, je mehr sah ich meine Chance kommen. Ich bezwang Christian schliesslich mit Kreuzgriff/Hüfter und links ableeren.»

Deine bisherige Saison gleicht einer kleineren Berg- und Talfahrt. Wie kommt das?

«Ich stand nach dem Gewinn des Eidgenössischen Kranzes mehr unter Druck. Ich muss nun angreifen, denn gewisse Gegner sind inzwischen mit einem Gestellten gegen mich zufrieden. Daher stellte ich meinen Schwingstil um. Auf dem Weisstenstein und am Bernisch-Kantonalen lief es mir darum nicht so gut. Es ist eine reine Kopfsache, ich machte mir zu viel Druck und dachte über unnötige Dinge nach. Vor dem Zuger Kantonalen führte ich mit meinem Athletiktrainer Tommy Herzog ein längeres Gespräch. Dies hat mir enorm Druck weggenommen. Die Quintessenz ist, dass ich nun versuche, Gang um Gang zu nehmen. Eine Floskel zwar, aber dennoch wichtig. Ich konzentriere mich nun jeweils voll auf den nächsten Gang, welcher ansteht, und lege mir eine Strategie zurecht. Ich war bis anhin ein sehr lockerer Schwinger. Nun muss ich lernen, den Kopf beim Schwingen abzustellen. Dies hat mir fürs Zuger Kantonale sehr geholfen.»

Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt bist du wieder in Topform. Wie sieht die Vorfreude auf den Kilchberger Schwinget aus?

«Ich habe noch nie am Kilchberger Schwinget teilgenommen und schaute kürzlich die Statistik vom Anlass von 2014 an. Spannend, denn man bekommt es da fast nur mit Eidgenossen zu tun und Schonung gibt es in keinem Gang. Solche Schwingfeste habe ich gern, denn es zählt nur der Sieg. Der Druck betreffs Kranzgewinn fällt weg und man kann unbeschwert schwingen. Es wird darum an solchen Anlässen offensiver Schwingsport geboten. Ich hoffe, dass ich für den Kilchberger Schwinget selektioniert werde. Es ist ein Privileg und eine Ehre, an diesem Traditionsanlass teilnehmen zu dürfen. Apropos Topform: Ich bin noch nicht ganz topfit. Am Stoos-Schwinget in Ibach erlitt ich eine Verletzung am Mittelfinger. Ich hoffe, dass sie bis zum Saisonhöhepunkt vollständig verheilt ist.»

Welche Schwingfeste wirst du vor dem Kilchberger Schwinget noch bestreiten?

«Das nächste Schwingfest ist das Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest an diesem Wochenende. Zudem starte ich am 12. September beim Luzerner Kantonalschwingfest. Um meinen Finger zu schonen, werde ich vermutlich an keinem Rangschwingfest teilnehmen.»

Marcel Bieri sagt: «Vor dem Zuger Kantonalen führte ich mit meinem Athletiktrainer Tommy Herzog ein längeres Gespräch. Dies hat mir enorm Druck weggenommen.»

Bild: Facebook / Tobias Meyer

Der Schwinger-Blog hat kürzlich in einem Beitrag versucht, die momentane Situation des Innerschweizer Schwingerverbandes mit den vielen Verletzten und angeschlagenen Schwingern zu ergründen. Ein Punkt dabei war die unglückliche Schwingfestplanung. Was ist deine Meinung zu diesem Thema?

«Ich finde nicht, dass es eine unglückliche Planung war. Unglücklich wäre gewesen, wenn keine Kranzfeste stattgefunden hätten und nicht geschwungen worden wäre. Bei zwei Saisons ohne Schwingfeste wäre die Motivation wohl bei vielen abhandengekommen. Ich finde es schön, wie sich die Organisatoren grosse Mühe machen, um die Schwingfeste zu organisieren. Der Umsatz ist wegen dem Fehlen der Zuschauer zudem viel geringer. Sie alle machen das Beste aus der jetzigen Situation.»

Fallen die verletzungsbedingten Lücken beim Kadertraining hinsichtlich des Kilchberger Schwingets gross ins Gewicht?

«Es ist schwierig, eine klare Antwort darauf zu geben. Kadertrainings fanden bis jetzt noch nicht viele statt. Ja, in dieser Saison gab es mehr Verletzte als auch schon. Das könnte durchaus einen Einfluss auf den Kilchberger Schwinget haben. Ich beobachte zwar, dass trotzdem etliche Topschwinger an den Schwingfesten teilnehmen, diese werden dann auch in Kilchberg dabei sein. Andererseits ist es eine Chance für die Jungen, für den Kilchberger Schwinget nominiert zu werden.»

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Vergrössert nicht, aber verändert. Neu trainiere ich einmal pro Woche beim bereits angesprochenen Athletiktrainier Tommy Herzog. Zudem höre ich mehr auf meinen Körper und gebe ihm Zeit, die Blessuren auszukurieren. Weiter ist mein Schwingtraining ein kleinerer Balanceakt. Ich trainiere nun öfters auswärts, so unter anderem mit den Schwyzern oder mit den Gebrüdern Reichmuth. Ich möchte aber meinen eigenen Schwingklub Aegerital nicht vernachlässigen und absolviere alle zwei Wochen ein Training mit ihnen. Und: Ich darf nun auch den Spitzensport-WK in Magglingen besuchen und habe so die Möglichkeit bis fünf Wochen pro Jahr dort zu trainieren.»

Führst du eigentlich eine Art Datenbank betreffs der Stärken und Schwächen deiner Gegner im Sägemehl? Oder hast du das alles im Gedächtnis abgespeichert?

«Eine Datenbank führe ich nicht. Viele Schwinger kennt man aus eigener Erfahrung und durch die Beobachtung an Schwingfesten. Ich habe deren Schwingweise in meinem Gedächtnis abgespeichert. Wenn ich einen Schwinger nicht kenne, frage ich beispielsweise den Technischen Leiter und hole mir so vor einem Gang wichtige Tipps ab. Zudem schaue ich gerne bei Zwilch.ch nach, um in Erfahrung zu bringen, wie oft und wie ich gegen einen bestimmten Gegner geschwungen habe. Ich kenne Schwinger, welche hinsichtlich Resultate und Noten wandelnde Lexika sind.»

Wie gross sieht dein Pensum als Primarlehrer aus? Und: Bleibt da noch Zeit für Hobbys neben dem Schwingsport?

«Ich arbeitete bis 2020 in einem 80 Prozent-Pensum als Primarlehrer. Nun habe ich mein Pensum auf knapp 100 Prozent erhöht. Ich habe aufs neue Schuljahr hin zudem in einer neuen Schule angefangen. Nebst dem Schwingsport habe ich tatsächlich nicht viel Zeit für andere Hobbys. Mein Wochenplan ist jeweils voll mit Arbeit und Trainings. Immerhin: Ich versuche einmal pro Monat mit einem Kollegen ein Tennis-Match zu spielen, und ich nehme mir auch etwas Zeit für den Ausgang mit meinen Kollegen. Ich finde das aber überhaupt nicht schlimm, denn der Schwingsport ist meine Leidenschaft.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt beim fünffachen Saisonsieger Samuel Giger

Text: feldwaldwiesenblogger

Samuel Giger gewann am letzten Sonntag das St. Galler Kantonalschwingfest in Kaltbrunn. Wir notieren dabei den fünften (!) Kranzfestsieg in dieser Saison, den 20. insgesamt – ein kleines Jubiläum also. Dem Thurgauer schien die Corona-Pause nichts anzuhaben, ganz im Gegenteil: Samuel ist um einiges vielseitiger und unberechenbarer geworden. War der Lastwagen-Chauffeur vorher ein kompromissloser Kurzzüger, gewinnt er in dieser Saison mit den verschiedensten Schwüngen und Kombinationen. Zu erwähnen gilt auch die starke Bodenarbeit, welche der grossgewachsene Athlet nun auch öfters einsetzt.

Der Schwinger-Blog unterhielt sich mit Samuel über das St. Galler Kantonalschwingfest, seine vielseitige Schwingweise, die Saison-Zwischenbilanz, über eine Aussage von Matthias Sempach und was ihn eigentlich so stark macht.

Samuel Giger holte sich am St. Galler Kantonalen den fünften Saisonsieg

Bild: Facebook / Lorenz Reifler

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim St. Galler Kantonalschwingfest! Was ging dir nach dem gewonnenen Schlussgang durch den Kopf?

«Ich verspürte viel Freude und zugleich eine grosse Erleichterung, dass alles so gut geklappt hat.»

Wie hast du deinen Klubkollegen Mario Schneider im Endkampf überlistet? War es eine Kombination aus einem Inneren Haken und einem Fussstich?

«Genau, so war es. Ich zog zuerst mit Innerem Haken an, das funktionierte aber nicht. Dann wechselte ich zum Fussstich, und mit diesem war ich erfolgreich.»

Apropos Schwünge: Du schwingst um einiges vielseitiger als vor der Corona-Pause. Wie kommt das?

«Jeder Sportler ist bestrebt, sich weiter zu entwickeln, genauso ist es bei mir. Während der Corona-Pause versuchte ich mich in erster Linie fit zu halten. Ich habe mir aber auch Gedanken gemacht, wie ich schwingen möchte. Das Ergebnis meiner Überlegungen versuche ich nun umzusetzen.» 

Saison-Zwischenbilanz: Fünf Kranzfestsiege und der zweite Platz beim «Innerschweizerischen». Es läuft wie am Schnürchen?

«Ja, es läuft tatsächlich wie am Schnürchen. So habe ich das nicht unbedingt erwartet. Darum bin ich mit der Zwischenbilanz mehr als zufrieden.»

Bei den bisher 36 absolvierten Gängen resultieren sensationelle 32 Siege und 4 Gestellte. Bei welchem Kampf wurdest du am meisten gefordert? War es gar der Gang am «St. Galler» gegen Werner Schlegel?

«Einen einzelnen Gang hervorzuheben ist schwierig. Jeder ist speziell und ich werde in jedem Gang gefordert. Auch auf dem Papier schwächer eingestufte Schwinger muss man zuerst mal gewinnen. Speziell waren sicher die Schlussgänge, vor allem jene gegen meine Klubkollegen.»

Samuel Giger sagt: «Jeder Sportler ist bestrebt, sich weiter zu entwickeln, genauso ist es bei mir.»

Bild: Facebook / zubischuhe.ch

Es stehen noch einige hochkarätige Schwingfeste wie der Schwägalp-Schwinget, das Nordostschweizer Schwingfest und der Kilchberger Schwinget auf dem Programm. Wie gedenkst du bis zum Saison-Ende deine derzeitige Topform zu konservieren?

«Das ist eine gute Frage. Ich werde weitertrainieren wie bis anhin und dranbleiben. Und ich möchte weiterhin mit viel Freude schwingen.»

Trotz verkürzter Vorbereitungszeit warst du nach der Corona-Pause auf den Punkt genau parat. Wie hast du das geschafft?

«Ich denke, ich habe die Corona-Pause gut genutzt. Den Trainingsaufwand habe ich dabei nicht verkleinert, ich habe ihn einfach verlagert, da Schwing-Training nicht möglich war. Die Fitness war stets vorhanden, das ungewisse war der Wiedereinstieg ins Sägemehltraining. Ich habe mich schliesslich am Solothurner Kantonalschwingfest gut gefühlt, und ich habe mich auch gefreut, wieder wettkampfmässig schwingen zu dürfen. Ich würde mal sagen, dass dies mein Rezept war.»

Am 11. Juli sagte Matthias Sempach als SRF-Schwingexperte: «Samuel ist unbestritten ein kompletter Schwinger, er ist Top «zwäg». Aber ich habe dennoch das Gefühl, dass ich ihn schon schnellkräftiger erlebt habe.» Was entgegnest du dem Schwingerkönig von 2013?

«Das ist vielleicht gut möglich. Aber: Ich fühle mich fit und bis zum Saisonhöhepunkt, dem Kilchberger Schwinget, geht es noch einen Moment.»

Beim ESAF 2019 in Zug lief es zu Beginn nicht ganz nach Wunsch. Hast du inzwischen auch im mentalen Bereich etwas unternommen?

«Ja, ich bin mich auch auf diesem Gebiet am Weiterentwickeln, und mache auch in diesem Bereich etwas.»

Wer oder was macht dich eigentlich so stark?

«Ich kann von einem super Umfeld profitieren und habe tolle Trainingspartner. Zudem stimmt meine Eigenmotivation, der Ehrgeiz und der Wille sind vorhanden. Es sind viele Puzzleteile, die sehr gut zusammenpassen.»

feldwaldwiesenblogger

Was ist mit den Innerschweizer Schwingern los?

Text: feldwaldwiesenblogger

Am vergangenen Montag schrieb der «Bote der Urschweiz» nach dem Brünigschwinget: «Innerschweizer Debakel auf dem Brünig». Und tatsächlich: Es resultierten gerade mal vier Kränze für den Innerschweizer Schwingerverband (ISV), einen mehr als für die Nordwestschweizer. Die Berner hamsterten mit 12 Exemplaren den Löwenanteil. So bescheiden schnitten die ISV-Athleten auf der Wasserscheide zwischen der Innerschweiz und dem Bernbiet wohl schon seit Jahren nicht mehr ab. Schon eine Woche vorher ergatterten sie sich auf dem Weissenstein gerade mal so viele Bergkränze wie die gastgebenden Nordwestschweizer, nämlich deren vier. Auf dem Solothurner Hausberg schwangen die Nordostschweizer mit sechs «Schlaufen» oben aus. 

Viele verletzte und angeschlagene Schwinger

Da stellen sich dem geneigten Beobachter etliche Fragen, die wichtigste lautet: Was ist mit den Innerschweizer Schwingern los? Denn bereits die Startlisten sprechen eine Sprache für sich: Auf dem Brünig traten gar nur drei Innerschweizer Eidgenossen an, und der Rigi-Schwinget war so schwach besetzt wie schon lange nicht mehr. Die Liste der verletzten und angeschlagenen Schwinger ist gross.

Nachgefragt beim ISV-Präsidenten Peter Achermann

Die Ursachen sind vielerlei: Corona, die üble Verletzungshexe und die Schwingfestagenda sind dabei wohl die wichtigsten Gründe. Und: Die lange Corona-Pause bekam den Innerschweizer Schwingern wohl um einiges weniger gut als den anderen Teilverbänden. Der Schwinger-Blog fragte deshalb bei Peter Achermann, dem Präsidenten der Innerschweizer Schwinger, nach.

Die Innerschweizer Schwinger (auf dem Bild beim Einzug am ESAF 2019 in Zug) durchlaufen derzeit eine schwierige Phase

Bild: isv.ch

Was ist deine Meinung zum schlechten Abschneiden auf dem Brünig?

«Wenn wir die Rangliste vom Brünigschwinget 2019 betrachten, stellen wir das konträre Bild fest. Damals gewannen wir 12 Kränze – und es gab auch etliche Innerschweizer Paarungen. Wir konnten dieses Jahr für den Brünig leider nicht die stärkste Truppe stellen, das Ergebnis ist ein Abbild der Situation. Aber: Das Ganze ist ein ständiges auf und ab. Wenn beispielsweise unser aktueller Team-Leader Joel Wicki und auch Christian Schuler hätten antreten können, hätte es durchaus anders laufen können. Ich bin überzeugt, dass wieder andere Zeiten kommen. Die Schwinger, welche antraten, gaben ihr Bestes. Ohne die vielen Zuschauer herrschte zudem eine sehr spezielle Atmosphäre auf dem Brünig.»

Etliche Innerschweizer Schwinger sind verletzt oder angeschlagen. Das kann kein Zufall sein. Wo siehst du die Hauptgründe?

«Der Hauptgrund ist sicher, dass man die Saisonvorbereitung nicht wie üblich im letzten Herbst starten konnte. Man stellt hinsichtlich Trainingsstand schon Unterschiede fest, das ist auch verständlich. Die jungen Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger durften früher mit dem Schwingtraining beginnen. Sie haben gut trainiert und absolvierten schon etliche Feste. Auch unsere Spitze durfte von der Ausnahmeregelung profitieren. Es ist auch so, dass der eine oder andere Schwinger die Corona-Pause nicht optimal genutzt hat oder diese Zeit in eine Weiterbildung investiert hat. Aber: Unfälle mussten wir leider schon immer registrieren. Die weiteren Gründe sind vielfältiger Natur. Auch im Training kann es zu Verletzungen kommen. Oder die jungen Athleten wollen manchmal zu früh zurückkehren, statt eine Verletzung vollständig ausheilen zu lassen. Und: Die Halswirbelverletzung von Carlo Gwerder beim Stoos-Schwinget in Ibach ist uns sehr nahe gegangen. Zum Glück war auch unser Verbandsarzt Didi Schmidle auf dem Platz. Die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst vor Ort hat hervorragend funktioniert. In solchen Momenten ist mir dies wichtiger, als den einen oder anderen Kranz mehr zu gewinnen.»

War das geballte Kranzfest-Programm der Innerschweizer so kurz nach den Öffnungsschritten anfangs Juni nicht zu streng? Denn: Ganz offensichtlich ist die Schwingfestagenda nicht gut koordiniert. Warum brachte man nicht den Mut auf, die verspätet gestartete Saison so zu gestalten, dass erst etliche Rangschwingfeste, dann Kantonal-/Gaufeste und erst dann Teilverbands- und Bergfeste auf dem Programm gestanden hätten?

«Traditionell finden unsere Kantonalschwingfeste in den Monaten Mai und anfangs Juni statt. Das war dieses Jahr aus den bekannten Gründen nicht möglich. Es mussten in dieser speziellen Zeit Entscheidungen getroffen werden, und wir wollten einfach wieder schwingen und damit Schritt für Schritt zurück zur Normalität kehren. Und eine zweite Saison ohne Schwingfeste wäre wohl die schlechtere Alternative gewesen. Die entsprechenden OK’s sind teilweise seit Jahren am Planen und Organisieren. Die Verfügbarkeit von Sportanlagen und die einzuhaltenden Schutzkonzepte – mit ständigen Unsicherheiten – mussten ebenfalls mit in die Planung aufgenommen werden. Um auch Synergien zu nutzen, haben die Organisatoren in Absprache mit den Verbänden den Entschluss gefasst, die verschiedenen Schwingfeste Stoos, Innerschweiz, Rigi und das Schwyzer Kantonale in Ibach zu organisieren. Denn der Terminplan ist hinten raus ebenfalls schon dicht gedrängt. Zum Glück wurde schon früh festgelegt, dass der Saisonhöhepunkt, der Kilchberger Schwinget, erst am 25. September stattfinden soll. Das gab für die weiteren Kantonalschwingfeste etwas mehr Luft.»

Die Berner sind für gewöhnlich ähnlich stark wie die Innerschweizer. Diesmal waren sie auf dem Brünig um Längen besser. Was machen die Mutzen derzeit besser?

«Unsere Spitze ist mit etlichen Ausfällen, darunter Joel Wicki und Pirmin Reichmuth, dezimiert. Die Verletzungshexe hat leider zugeschlagen. Aber: Wir mussten nach dem ESAF 2019 auch gewisse Abgänge von Spitzenleuten, wie beispielsweise jene von Marcel Mathis, Andreas Ulrich und Lutz Scheuber in Kauf nehmen. Sie waren eine Stütze und überall einsetzbar. Der Fokus muss nun aber wieder nach vorne gerichtet werden: Auf den Kilchberger Schwinget und auf das ESAF 2022 in Pratteln. Wir werden dann wieder parat sein. Wie bereits erwähnt: Hochs und Tiefs gab es schon immer, diese liegen oft sehr nahe beisammen.»

Den Innerschweizern bekam wohl auch die lange Corona-Pause deutlich weniger gut als den anderen Teilverbänden. Warum?

«Das würde ich so nicht sagen. Es gibt einzelne Schwinger, die haben während der Corona-Pause sehr gut trainiert, andere halt weniger. Wie bereits angesprochen, fehlen unserer Spitze etliche Athleten. Die Berner hatten zudem einen anderen Start in die Schwingfest-Saison. Was mir trotz allem Freude bereit sind die vielen jungen Schwinger, welche grosse Fortschritte gemacht haben. Und zwar bei allen Teilverbänden. Diese prägen zum Teil die Schwingfeste in beträchtlichem Masse, was viel Vorfreude fürs «Eidgenössische» in Pratteln auslöst. Und: Unsere Schwinger wissen, was sie zu tun haben, und richten den Fokus auf zukünftige Ziele.»

ISV-Präsident Peter Achermann sagt: «Wir werden mit dem Betreuerteam zusammensitzen und das ganze analysieren.»

Bild: esv.ch

Gibt es aus deiner Sicht noch andere Aspekte für das derzeitige Formtief der Innerschweizer?

«Nein, und ich würde nicht von einem Formtief sprechen. Es ist in meinen Augen keine aussergewöhnliche Situation. Bei dieser Konstellation mit den vielen Verletzten muss man für die einzelnen Schwingfeste nun halt anders selektionieren.» 

Hat sich der ISV-Vorstand eigentlich schon zu einer Krisensitzung getroffen?

«Nein. Wir werden mit dem Betreuerteam zusammensitzen und das ganze analysieren. Die Technische Kommission macht das auch. Der Austausch im sportlichen Bereich funktioniert gut. Im Betreuerteam sammeln wir die gemachten Erfahrungen der letzten Zeit und bereiten uns so auf den Kilchberger Schwinget vor. Für die Betreuer war die Corona-Pause auch nicht einfach, wegen dieser aussergewöhnlichen Situation haben sie die Schwinger teilweise länger nicht gesehen.»

Muss man sich aus Innerschweizer Sicht Sorgen um den Saisonhöhepunkt Kilchberger Schwinget machen?

«Überhaupt nicht. Wir werden Ende August die Selektion vornehmen und unsere 17 Startplätze vergeben. Ich bin überzeugt, dass wir für den Kilchberger Schwinget eine gute Mannschaft beisammenhaben werden. Die selektionierten Schwinger werden ihr Bestes geben, um vorne an der Spitze auch mitmischen zu können. Wir hoffen natürlich, dass sie gesund antreten können. Und: Schön, wenn die Favoritenrolle mal andere tragen müssen.»

Machen sich die Verbandsoberen momentan auch Gedanken hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe?

«Verbandsarzt Didi Schmidle und das Betreuerteam werden, wie bereits erwähnt, die Situation analysieren. Schlussendlich geht es darum, gewisse Dinge zu optimieren. Früher gingen praktisch alle Schwinger einer körperlichen Arbeit nach. Das ist heute längst nicht mehr der Fall. Die Kraft eignen sich die Athleten – nicht alle – deshalb im Kraftkeller an. Wir wissen, dass übermässiges Krafttraining nicht optimal ist. Die Anfälligkeit auf Verletzungen ist dadurch erhöht. Wir vom Verband versuchen dabei unseren Beitrag zu leisten und die Rahmenbedingungen so gut wie möglich zu optimieren.»

Und: Wie nimmst du die Hauptakteure, die Schwinger, zu der momentanen Situation wahr? Wirken sie verunsichert?

«Das ist eine gute Frage. Wir durchleben alle derzeit eine schwierige Situation. Wichtig ist nun, dass wir gemeinsam Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren können. Ein Schwingfest ist ein Volksfest mit Folklore, was momentan so überhaupt noch nicht stattfindet. Die Schwinger hätten an den Festen gerne ihre Familien und Fans dabei, auch unsere verdienten Ehrenmitglieder würden gerne wieder Schwingfeste besuchen und ihre Kameraden treffen. Wir hoffen nun auf weitere Lockerungen. Denn die Schutzkonzepte, welche nach wie vor gelten, ziehen eine enorme Mehrarbeit mit sich. Dabei müssen Lösungen unter Zeitdruck erarbeitet und Entscheidungen getroffen werden. Die Saison ist nämlich in gut zwei Monaten schon wieder vorbei. Ich finde es grossartig, dass das OK vom Kilchberger Schwinget mit 6’000 Zuschauern plant. Das ist ein gutes Zeichen für den Saisonabschluss. Wir hoffen einfach, dass sich die Corona-Situation bis dann nicht massiv verschlechtert. Ich widme allen OK’s ein grosses Kränzchen, denn sie haben trotz allen Widrigkeiten schöne Schwingfeste organisiert. Wir hoffen alle, dass die nächste Saison normal gestartet und durchgeführt werden kann, und wir ohne Einschränkungen den Saisonhöhepunkt in Pratteln geniessen können. Selbstverständlich mit einem starken Auftritt der Innerschweizer.»

feldwaldwiesenblogger

Comeback beim «Mitteländischen» geglückt – Nachgefragt bei Kilian Wenger

Text: feldwaldwiesenblogger

Kilian Wenger ist letzten Sonntag beim Mittelländischen Schwingfest in die Saison eingestiegen. Eine beim Training zugezogene Rippenverletzung verhinderte eine frühere Rückkehr auf die Sägemehlplätze. Der Berner Oberländer Schwingerkönig war sofort bereit: Das Ergebnis war der Einzug in den Schlussgang. Im finalen Endkampf wurde Kilian aber von Fabian Staudenmann besiegt. Am kommenden Sonntag steht für den Diemtigtaler bereits das nächste Kranzfest auf dem Programm: Der Bergklassiker auf dem Brünig, welchen der 31-Jährige 2014 gewinnen konnte.

Der Schwinger-Blog fragte bei Kilian nach und wollte wissen, wie er sein Comeback am «Mittelländischen» erlebte, wie der Familienvater Joel Wicki am Sonntag beim Anschwingen hätte besiegen wollen und ob der ESV und die Teilverbände hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe mehr tun könnten. Inzwischen wurde bekannt, dass Wicki nicht beim Brünigschwinget startet und sein Comeback verschiebt. Welchen Gegner Kilian nun zugeteilt wird, ist derzeit nicht bekannt.

Der Schwingerkönig von 2010 ist zufrieden mit seinem Comeback

Bild: kilianwenger.ch

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim Mittelländischen Schwingfest! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Danke vielmal! Ich war schon enttäuscht, mit etwas Abstand betrachte ich das Comeback aber als gelungen. Ich wusste, dass Fabian gut schwingt, habe aber nicht damit gerechnet, ihm so reinzufallen.»

Wie genau verlief der Schlussgang?

«Er zog mit Kurz an. Ich konterte mit Gammen, aber zu wenig tief und zu spät. Und schon war es passiert.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Ehrlich gesagt nicht. Das war seit 23 Monaten mein erstes Kranzfest, zudem komme ich von einer Verletzung zurück. Ich wusste daher nicht wo ich stehe, es war gewissermassen ein Tappen im Dunkeln. Ich habe aber gut trainiert, und ich war angespannter als sonst.»

Bist du mit dem Comeback zufrieden?

«Ja, grundsätzlich schon. Wenn man in einem Schlussgang steht, will man gewinnen. Mit etwas Distanz sehe ich es nun weniger dramatisch. Zudem habe ich, wie oben erwähnt, erst eine Verletzung auskuriert.»

Bist du wieder topfit?

«Ja, ich kann das mit gutem Gewissen sagen. Was mein Körper anbelangt bin ich sehr zufrieden. Beim Schwingen spüre ich vom Feingefühl her, dass es noch etwas braucht. Wegen der verkürzten Vorbereitung war aber auch nicht alles möglich.»

Schwungvoll bezwingt Kilian am «Mittelländischen» Dominik Gasser

Bild: Barbara Loosli

An diesem Wochenende steht der Brünigschwinget auf dem Programm. Liegt gar wieder der Schlussgang drin?

«Das wäre natürlich schön. Ich freue mich auf den Brünigschwinget, es ist mein Lieblingsschwingfest. Ich bin sehr zuversichtlich, und glaube, dass es ein gutes Fest wird.»

Beim Anschwingen hättest du es mit Joel Wicki zu tun bekommen. Der Sörenberger muss sein Comeback nun aber verschieben. Wie hättest du den Erstgekrönten vom ESAF 2019 in Zug bezwingen wollen?

«Mit einem Geheimrezept, welches ich hier nicht verrate.»

Die jungen «wilden Berner» wie Fabian Staudenmann, Kilian von Weissenfluh oder Michael Wiget streben an die Spitze. Ihr arrivierten Kräfte lasst euch aber noch nicht vom Thron stossen?

«Ich habe auch den Eindruck, dass die Jungen drücken. Das ist aber auch bei den anderen Teilverbänden der Fall. Das ist gut, und ein Zeichen für hervorragende Nachwuchsarbeit. Aber: Überaltert sind wir arrivierten Kräfte noch nicht. Da mögen wir schon noch eine Weile dagegenhalten.»

Die Verletzungshexe zirkuliert wieder ungemein unter den Schwingern. Wegen der Corona-Pause noch mehr als sonst. Könnten der ESV und die Teilverbände hinsichtlich Prophylaxe mehr tun?

«Nein, das glaube ich nicht. Grundsätzlich ist jeder Schwinger für seine Gesundheit verantwortlich. Der Schwingfestkalender ist zudem vorgegeben. Jeder kann so viele Feste machen wie er will, sollte dabei aber auf seinen Körper hören. Als 31-Jähriger möchte ich deshalb nicht mehr als vier oder fünf Schwingfeste am Stück bestreiten. Und: Die Euphorie darf man nach der langen Pause auch nicht unterschätzen.»

Du bist 2019 Vater geworden. Wie schaffst du es, Familie, Beruf und den Schwingsport in Einklang zu bringen?

«Im Moment funktioniert und harmoniert es gut. Ich erfahre viel Verständnis von Seiten meiner Partnerin und meiner Sponsoren. Zudem habe ich einen flexiblen Arbeitgeber und ein gutes Umfeld. Der Sport hat momentan einen hohen Stellenwert, und ich habe dafür extra Platz geschaffen. Mit der nötigen Kommunikation kann man vieles organisieren.» 

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Mike Müllestein: «Die Freude am Schwingen ist eine grosse Motivation für die Feste»

Text: feldwaldwiesenblogger

Mike Müllestein ist derzeit einer der besten Innerschweizer Eidgenossen. Er zeigte beim Stoos-Schwinget, beim «Innerschweizerischen» und zuletzt beim Rigi Schwinget starke Leistungen. Der Steinerberger versuchte letzten Sonntag in Ibach Samuel Giger Paroli zu bieten. Obwohl er sich zweimal geschlagen geben musste, ist ihm dies sicher über weite Strecken gelungen. Selbst der Sieger aus dem Thurgau attestierte hinterher, dass Mike stets brandgefährlich und ein sehr guter Schwinger sei. Unbestritten war der 32-Jährige an diesem Wettkampf der zweitbeste Schwinger, und stand deshalb absolut verdient im Schlussgang.

Der Schwinger-Blog fragte nun beim dreifachen Familienvater nach und wollte wissen, wie er den Rigi Schwinget erlebte, wie Mike mit der teilweise nicht gut koordinierten Schwingfest-Agenda 2021 zurechtkommt und wie er Familie, Beruf und Schwingsport unter einen Hut bringt.

Der Eidgenosse aus Steinerberg (rechts) fuhr die letzten drei Wochenenden kranzgeschmückt nach Hause. Auf dem Bild zusammen mit Marco Ulrich und dem Stoos-Kranz

Bild: Mike Müllestein

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim Rigi Schwinget! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Im ersten Moment war ich schon enttäuscht. Es bestand die Chance, das Fest zu gewinnen. Diesem Umstand nachzutrauern bringt aber nichts. Schlussendlich bin ich zufrieden mit meiner Tagesleistung.»

Mit welcher Taktik oder Schwingweise könnte man Samuel Giger bezwingen?

«Um ihn zu bezwingen muss man angreifen, stehen zu bleiben bringt nichts. Meine Taktik war, mit dosiertem Risiko meine Angriffe zu platzieren. Oder aus einem Konter heraus, wenn Giger zieht.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Schon ein wenig, ich habe es mir vom Teilnehmerfeld her erhofft. Ich habe mich letzten Sonntag zudem gut gefühlt. Dennoch: Das Ganze muss immer zuerst geschwungen werden.» 

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt vom Rigi Schwinget?

«Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Ich war explosiv, und konnte meine Schwünge sauber ansetzen. Die Leistung beim Rigi Schwinget gibt mir ein gutes Gefühl für die nächsten Feste.»

Deine bisherigen Schwingfestauftritte im 2021 zeigen: Du bist gar noch besser als vor Corona. Wie kommt das?

«Es läuft gut in dieser Saison. Ja, wie kommt das? Ich hatte während der Corona-Pause mehr Erholung als üblich. Man konnte längere Zeit nicht schwingen. Ich habe für mich aber immer etwas gemacht. Als es wieder los ging mit Schwingen, war einfach eine grosse Freude vorhanden. Die Freude am Schwingen ist eine grosse Motivation für die Feste.»

Mike bestreitet an diesem Wochenende mit den Schwingfesten auf dem Weissenstein und beim Schwyzer Kantonalen gleich zwei Kranzfeste

Bild: esv.ch

An diesem Wochenende trittst du beim Weissenstein-Schwinget und beim Schwyzer Kantonalen an. Siehst du das als Härtetest fürs ESAF 2022 in Pratteln?

«Nein, nicht unbedingt. Es hat sich einfach so ergeben, denn das Schwyzer Kantonale wurde nach hinten geschoben. Auf dem Weissenstein bin ich noch nie angetreten, deshalb will ich unbedingt an diesem Bergfest starten. Das werden sicher zwei harte Tage. Das Ziel ist, an beiden Orten den Kranz zu gewinnen. Ich werde mein Bestes geben, bin aber auch nicht mehr der Jüngste. Ich werde dabei beobachten, wie sich mein Körper erholt. Am besten wäre, wenn es am Samstag gut läuft. Dann geht es mir am Sonntag auch besser.»

Wie kommst du mit der teilweise nicht gut koordinierten Schwingfest-Agenda 2021 zurecht?

«Da die Kantonalschwingfeste erst abgesagt, und nun doch in die Agenda aufgenommen wurden, kam nun eine geballte Ladung an Schwingfesten zusammen. Das ist schon ein bisschen viel. Und: Jedes Wochenende möchte ich nicht einen Wettkampf bestreiten. Wir dachten erst, dass nur die Bergfeste auf dem Programm stehen würden. Das ist einfach unglücklich, auch für die Organisatoren von Rangschwingfesten wie dem Allweg oder dem Herbstschwingertag Sieben. Der Allweg-Schwinget wurde wegen Termin-Kollisionen abgesagt, und der Anlass in Siebnen findet einen Tag nach dem Kilchberger Schwinget statt. Ich hätte gerne das eine oder andere Rangschwingfest besucht, dies ist aber unter diesen Umständen schwierig.»

Der logische Aufbau der Schwingfest-Reihenfolge fehlt in diesem Jahr, und bereitet den Mittelschwingern sichtlich Mühe. Was ist deine Meinung dazu?

«Für die Mittelschwinger, die den Schwingsport als reines Hobby praktizieren, war es schon eine kurze Vorbereitungszeit. Ihnen fehlte zudem teilweise die Motivation, auch ohne Schwingtraining sich fit zu halten. Für sie kann es schon gefährlich werden an Schwingfesten. Als ich Mitte März das Schwingtraining aufnehmen durfte, haben wir mit Schulschwingen sachte gestartet. Ich war in einer guten Trainingsgruppe und wir absolvierten wöchentlich drei harte Trainings. Zusätzlich gleisten wir weitere Schwingtrainings auf. Passieren kann immer etwas. Das Verletzungsrisiko lässt sich aber mit regelmässigem Training minimieren.» 

Du darfst zwar seit Mitte März im Sägemehl trainieren. Die Vorbereitung auf diese Saison, welche anfangs Juni ziemlich abrupt von Null auf Hundert durchgestartet wurde, war dir sicher auch zu kurz. Warst du bei den bisherigen Schwingfesten deswegen nicht fast am Anschlag?

«Körperlich gesehen eigentlich nicht. Das Vertrauen hat aber am Anfang gefehlt. Ich konnte zwei Rangschwingfeste als Vorbereitung bestreiten. Trotzdem ist es an Kranzfesten anders. Das Vertrauen fehlte erst und man war etwas gehemmt. Es fehlten zudem die Anhaltspunkte: Wo stehe ich und wo stehen meine Gegner aus den anderen Teilverbänden?»

Du bist kürzlich zum dritten Mal Vater geworden. Wie schaffst du es, Familie, Beruf und den Schwingsport in Einklang zu bringen?

«Momentan ziehe ich den Vaterschaftsurlaub ein. Ich habe eine gute Frau, und meine Eltern wohnen im selben Haus. Ich denke, wenn es mit zwei Kindern gut lief, wird das auch mit drei der Fall sein. Wir unternehmen gemeinsam viel, gehen beispielsweise in den Tierpark oder in Spielhallen für Kinder. Es kann nun sicher mal vorkommen, dass ich ein Training auslassen werde. Dann praktiziere ich aktive Erholung zu Hause mit den Kindern.»

feldwaldwiesenblogger

Weissenstein-Schwinget: Warum wurden die 40 Startplätze der Nordwestschweizer auf deren 30 reduziert?

Text: feldwaldwiesenblogger

Letzte Woche informierte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV), dass es Startplatz-Änderungen für den Weissenstein-Schwinget von kommendem Samstag, 17. Juli geben wird. Diese Meldung machte nicht gross Furore, ging angesichts der im Wochentakt stattfindenden Kranzfeste regelrecht unter. Der Schwinger-Blog wollte es trotzdem genauer wissen, und fragte bei einem Kenner der Nordwestschweizer Szene nach. Der freie Aargauer Sportjournalist Wolfgang Rytz nahm dabei schriftlich Stellung zu sechs Fragen/Thesen. Rytz legt Wert darauf, dass er die nachfolgenden Aussagen als freier Sportjournalist und nicht als Mitarbeiter vom SCHLUSSGANG macht.

Am kommenden Samstag, 17. Juli steht der Weissenstein-Schwinget auf dem Programm, allerdings ohne Zuschauer

Bild: esv.ch

Für den Weissenstein-Schwinget wurden die 40 Startplätze der Nordwestschweizer auf deren 30 reduziert. Als primäre Gründe führst du Corona und die Führungsschwäche des Verbandes, seiner Kantonalverbände sowie der Schwingklubs an. Kannst du das präzisieren?

Wolfgang Rytz: Die aktuelle Misere, die das ganze Schwingerwesen erfasst hat, führe ich auf fehlende Weitsicht an der Verbandsspitze zurück. In den ersten Monaten im 2021 zeichnete sich mit der anlaufenden Impfkampagne ab, dass wir in diesem Sommer Corona bewältigen werden und Breitensport wieder möglich sein wird. Dazu zählt sich auch der Schwingsport. Da wäre es am ESV gewesen, die verspätet beginnende Saison zusammen mit den Teilverbänden neu aufzugleisen, umzuplanen. Der normale Ablauf und der logische Aufbau ist folgender: Hallen-, Regional- und erst dann Kantonal-, Bergkranz- und Teilverbandsfeste. Nach einer 20-monatigen Pause kann man für die Aktiven nicht gleich mit Kranzfesten beginnen und tun, als wäre alles normal. Dafür bezahlt jetzt insbesondere die Nordwestschweiz die Zeche.

Im Vorgang zu diesem Gespräch hast du folgendes erwähnt: «Nachwuchs ist genügend da, aber mit der Bevorzugung der Spitze und dem Wiedereinstieg mit zwei Kranzfesten vergass man, auf die Mittelschwinger Rücksicht zu nehmen». Was läuft falsch beim Nordwestschweizer Schwingerverband?

Rytz: Nicht nur im Nordwestschweizer Schwingverband (NWSV) ist einiges falsch gelaufen. Richtig war sicher, dem Nachwuchs bis 20 Jahre möglichst schnell wieder den Trainingsbetrieb zu erlauben. Deshalb müssen wir uns wohl landesweit um den Nachwuchs noch am wenigsten Sorgen machen. Schlimmer bestellt ist es mit den sogenannten Mittelschwingern. Dazu zähle ich auch Ü23-Schwinger ohne Kranz, die zum hinteren Mittelfeld gehören. Da sind die Absenzen gross. Während die Spitze im März wieder in Kleingruppen intensiv zu trainieren begann, wurde es für die «normalen» Aktiven Juni, bis ein normales Training im Sägemehl wieder möglich war. Ohne richtige Vorbereitung folgten gleich zwei Kantonalfeste. Verletzungen und Frust waren die Folge bei vielen Aktiven, die ihr Leben nicht völlig aufs Schwingen ausrichten.

Der Einstieg in die 2021er-Saison erfolgte wegen der Corona-Pandemie verspätet. Das Schwingtraining wurde später als üblich und gestaffelt aufgenommen. Statt den Reigen mit Rangschwingfesten zu starten, wurde teilweise gleich mit Kranzfesten begonnen. Es mussten in der Folge etliche Verletzte beklagt werden, am ISAF in Ibach gleich deren 17. Was ist deine Meinung zu diesem unglücklichen Umstand?

Rytz: Wenn nach einigen wenigen Regionalfesten gleich Bergfeste und ein Teilverbandsfest folgen statt Kantonalfeste, braucht sich auch im Innerschweizer Schwingerverband niemand zu wundern, wenn dies negative Folgen hat. Die Verbandsführungen aller Stufen stehen in der Schuld.

Wie sieht die Verletzungs-Situation in der Nordwestschweiz aus?

Rytz: Auch in der Nordwestschweiz haben wir einige Verletzte. Nick Alpiger sollte aber auf dem Weissenstein wieder zurückkehren. Schlimmer sind jedoch die grossen Lücken im Aktivbestand. Nach dem langen Corona-Unterbruch und dem fehlenden geduldigen Neuaufbau fehlt dem NWSV mindestens ein Drittel der bisherigen Aktiven, Tendenz steigend, wie die jüngsten Regionalfeste zeigten.

Erwartest du für die nächstjährige Saison eine Entspannung der angesprochenen Situation in der Nordwestschweiz?

Rytz: Eine schnelle Verbesserung ist ungewiss bis unwahrscheinlich. Nur dank guter Arbeit vieler Vereine im Nachwuchsbereich ist für die mittlere Zukunft vorsichtiger Optimismus erlaubt. Aber wir werden in den nächsten Jahren Mühe haben, an unseren Kantonalfesten 100 Schwinger an den Start zu bringen. Ausserdem serbeln zahlreiche Klubs nach Corona noch mehr.

Die Nordwestschweizer haben am letzten ESAF 2019 in Zug drei Kränze gewonnen, gleich viele wie die Südwestschweizer. Liegen am eigenen «Eidgenössischen» 2022 in Pratteln mehr Eichenlaub-Exemplare drin?

Rytz: Diese Prognose ist schwierig und auch abhängig von der Entwicklung an der Verletztenfront. Aber nach den vielen Abgängen an der Spitze können wir nicht davon ausgehen, dass beim «Heimfest» in Pratteln sechs Kränze wie nach dem ESAF 2007 in Aarau herausschauen werden. Das wäre sicherlich das Optimum.

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