Vor 100 Jahren: Der 10. Innerschweizerische Schwingertag

Text: feldwaldwiesenblogger / Quelle: Eidgenössische Schwingerzeitung 12. Jahrgang 1918

Vor einiger Zeit blätterte ich wieder einmal in alten Schwingerzeitungen, und zwar in solchen aus 1918. Diese enthielten etliche Schwingfestberichte von 1917. Ich pickte dabei einen Anlass heraus, welcher exakt vor 100 Jahren stattfand: Der 10. Innerschweizerische Schwingertag.

Nachfolgend zitiere ich wortwörtlich aus der entsprechenden Schwingerzeitung, dieser Text ist in Kursiv-Schrift. Auffällig dabei ist das „blumige“ Hochdeutsch und die Schachtelsätze.

Der 10. Innerschweizerische Schwingertag
Am 24. Juni 1917 fand der 10. Innerschweizerische Schwingertag in Horw statt.

Aus der Schwingerzeitung vom 15. Februar 1918:


Ein schön gestaltetes Plakat machte auf den 10. Innerschweizer Schwingertag aufmerksam

Die Wettkämpfe wurden belebt durch die herrlichen Weisen der Feldmusik Horw, sowie durch lustige Jodler und die heimeligen Töne des Alphorns. Abwechslung für das Auge bot das Fahnenschwingen.

Nach einer kurzen Pause vollzog sich der Schlussakt. Es erschienen vier stramme, schmucke Kranzjungfern und Herr Gemeindeammann Studhalter, Präsident des Organisationskomitees, entbot den Gruss der Behörden, der Bevölkerung und des Turnvereins von Horw, Schwinger und Turner ermunternd, kräftige Agitation zu entfalten, damit unser schönes, altes Nationalspiel weitere Freunde und grössere Ausbreitung finden möge. Hernach ergriff der Verbandspräsident Herr Otto Roth, als Präsident des Kampfgerichtes, das Wort. Er verdankte die flotte Organisation des 10. Innerschweizerischen Schwingertages und kritisierte kurz die geleistete Arbeit, um hernach die Rangverkündung vorzunehmen. Von den beinahe 100 Wettkämpfern konnten 11 durch zarte Hand mit dem Eichenlaub geschmückt werden.

War es auch dem Organisationskomitee zufolge der kurzen Vorbereitungszeit nicht möglich, Preise zu beschaffen, dürfte dennoch dieser vom Wetter so sehr begünstigte und ohne jeden Unfall verlaufene Anlass jedem Teilnehmer in angenehmer Erinnerung bleiben, umso mehr, da als Ersatz eine Anzahl Diplome verabfolgt und an die aktiven Teilnehmer, die grosse Reiseauslagen hatten, die Hälfte derselben entschädigt wurden.


Werner Lanz, Innerschweizer Sieger 1917
Quelle: Jubiläumsschrift „100 Jahre Innerschweizerischer Schwingerverband“

Der Innerschweizerische Schwingerverband feiert 2018 seinen 125. Geburtstag und wurde 1893 gegründet. 1917 fand in Horw das 10. Verbandsfest statt, bei welchem beinahe 100 Schwinger antraten. Die heutige Kranzquote von 18 Prozent hätte demzufolge (beinahe) 18 Schwingern den Kranz beschert. Dannzumal wurden 11 Eichenlaub-Exemplare abgegeben…
Werner Lanz aus Luzern hiess der Sieger des 10. Innerschweizerischen Schwingertages in Horw.

Das Innerschweizerische wurde vor hundert Jahren als „Innerschweizerischer Schwingertag“ bezeichnet. Wie man der Jubiläumsschrift „100 Jahre Innerschweizerischer Schwingerverband“ entnehmen kann, wurde das Teilverbandsfest bereits schon 1925 „Innerschweizerisches Schwing- und Älplerfest“ genannt. So heisst das Fest heute noch, und ist zu einem der grössten und beliebtesten Anlässe der Zentralschweiz geworden.

Man schrieb in der Schwingerzeitung vom 15. Februar 1918 von kurzer Organisationszeit und dass es demzufolge unmöglich war, Preise zu beschaffen. In der heutigen Zeit undenkbar. Man darf aber auch nicht vergessen, dass zu jener Zeit der erste Weltkrieg (1914 – 1918) wütete.

feldwaldwiesenblogger

Wysel Gwerder’s Erinnerungen an Polo Hofer

Text: feldwaldwiesenblogger

„Tschou zämä, es isch schön gsy!“ – So lautete die selber verfasste Todesanzeige von Polo Hofer. Als der Berner Oberländer am 22. Juli starb, war mir sofort klar, dass ich ihn und sein Lebenswerk auch in meinem Blog thematisieren möchte.

Polo Hofer, mit bürgerlichem Namen Urs Alfred Hofer, wurde am 16. März 1945 in Interlaken geboren. Polo war sein Pfadfindername und begleitete ihn ein Leben lang. Nach der obligatorischen Schulzeit erlernte er den Beruf eines Handlitographen. „New Orleans Function“ von Louis Armstrong war die erste Platte in jungen Jahren und Harry Belafonte im Kursaal Interlaken (1955) das erste Konzert.
Stationen von Polo als Trommler und Sänger: The Jetmen (1962 – 1967), Polo’s Pop Tales (1968/69), Rumpelstilz (1971 – 1978), Polo’s SchmetterDing (1978 – 1982), Polo Hofer und die SchmetterBand (1984 – 2002). Ab 2002 folgten The Alpinistos, Polo und Band sowie weitere musikalische Projekte.
Hofer war nicht nur Musiker. Seine Tätigkeiten wie Dichter, Schauspieler, Kolumnist, Maler, Moderator, Produzent, Referent und Lifestyle Consultant lesen sich äusserst vielseitig.

Mir ist bewusst, dass ich Polo und seinem Erbe nicht gerecht werde, wenn ich nur Fakten aus dem Internet zusammentrage und daraus einen Beitrag schustere. Denn zu diesem Zweck empfehle ich Lektüre von Samuel Mumenthaler, einem Berner Jurist, Autor und Musiker. Er gilt als Chronist der Schweizer Musikszene der Gegenwart und kennt Polo bestens. „Polo: eine Oral History“ oder „50 Jahre Berner Rock“ (mit Vorwort von Polo Hofer) sind beispielsweise zwei Veröffentlichungen von Mumenthaler.

Mein Ansinnen ging dahin, dass ich mit einem grossen Polo Hofer-Fan ein Gespräch über seine Erinnerungen an den Mundartrock-Sänger führen wollte. Und: Ich musste nicht lange suchen. Denn in meiner Umgebung kenne ich keinen grösseren Fan und Kenner als Wysel Gwerder. Ich fragte den 51-jährigen Muotathaler an, und dieser willigte sofort ein. Ein Gespräch über seine Erinnerungen an Polo Hofer fand kürzlich bei Wysel zuhause statt, inmitten seiner Erinnerungsstücke.


Wysel Gwerder mit Erinnerungsstücken und Musik von Polo Hofer
Foto: feldwaldwiesenblogger

Welches ist deine erste Erinnerung an Polo Hofer?
Wysel Gwerder: Das war Mitte der 1970iger Jahre. Ich erinnere mich an einen Bericht über Rumpelstilz in der Jugendzeitschrift Pop/Rocky. 1976 habe ich Rumpelstilz anlässlich der FERA im Schweizer Fernsehen gesehen. Sie spielten den Song „Kiosk“. Später habe ich sie immer wieder im Radio DRS gehört.


Rumpelstilz mit „Kiosk“ an der FERA 1976
Quelle: YouTube

Welches war dein erstes Konzert von Polo, welches dein letztes? Wie viele waren es?
Wysel: Das erste Konzert war Mitte der 1980iger Jahre im Stadtkeller in Luzern, und zwar Polo mit der SchmetterBand. Das letzte Konzert war im Sommer 2015 in der Mühle Hunziken in Rubigen.
Ich besuchte insgesamt etwa 60 Konzerte von Hofer. Von Polo’s SchmetterDing habe ich ein Konzert miterlebt. Polo mit der SchmetterBand habe ich etwa 30 Mal live gesehen, mit Rumpelstilz und mit The Alpinistos je fünfmal. Zudem war ich an etwa 20 Konzerten von Polo und Band, welches seine letzte Besetzung war. Ein paar Mal sah ich Polo live bei anderweitigen Projekten.

Erzähle über deine Konzerterinnerungen an Polo!
Wysel: Da sind viele Erinnerungen vorhanden. Meistens war ich mit Kollegen aus dem Muotathal feuchtfröhlich unterwegs. Nicht selten hat uns Polo erblickt und die Delegation aus dem Muotatal speziell begrüsst. Am meisten habe ich Hofer im Stadtkeller live erlebt, nämlich etwa 20 Mal. Man stelle sich vor, der Entertainer spielte dort sage und schreibe 178 Konzerte.
1987 feierte das Mythencenter in Schwyz das 15 Jahr-Jubiläum. Es wurde ein Zelt aufgestellt und Polo trat dort auf. 1988 spielte der Berner Mundartrocker im Casino Schwyz. Bei diesem Konzert herrschte ein dichtes Gedränge und es wurde gehopst und getanzt. Irgendwann gaben zirka zehn Quadratmeter Boden vor der Bühne nach, und wir standen einen halben Meter tiefer… Das hätte schlimm enden können! Nach einem kurzen Unterbruch wurde das Konzert weitergeführt. Dies war unter anderem ein Grund für den Bau des Mythenforums.


Beim Konzert im Casino Schwyz 1988


Wysel (ganz rechts) traf nach dem Konzert im Casino Schwyz Polo
Fotos: Wysel Gwerder

Einmal fuhr ich an ein Konzert nach Biel an die EXPO 02. Ich hatte fünf Tickets und fragte sicher 15 Personen. Aber niemand hatte Zeit mitzukommen. So ging’s halt alleine an die Arteplage nach Biel und ich sah Polo live mit den Rumpelstilz, welche extra für die EXPO 02 ein einmaliges Reunion-Konzert spielten. Das Vorprogramm bestritten übrigens Patent Ochsner, welche live auch immer toll sind. Übrigens: Vor Ort gingen meine vier restlichen Tickets weg wie warme „Weggli“.


Rumpelstilz an der EXPO 02 (Konzertplakat)
Foto: feldwaldwiesenblogger

Für welches Polo Hofer-Konzert bist du am weitesten gereist?
Wysel: Das waren zwei Mittelmeer-Kreuzfahren mit der Rock & Blues-Cruise (2013 und 2016), wo Polo auftrat und zugleich als Musical Director amtete. 2013 waren auch die dustyboots mit von der Partie. Die Roadmusic-Band aus dem Muotatal wurde von Polo eingeladen.


Polo Hofer und Alex Gwerder von dustyboots (Rock & Blues-Cruise 2013)
Foto: Wysel Gwerder

Da Polo Mundartrock spielte, trat er natürlich meist nur in der Deutschschweiz auf. Einmal gingen wir zu Dritt nach Mürren zum Allmendhubel an ein Openair-Konzert von Rumpelstilz. Dies war in den 1990iger-Jahren. Als wir zu später Stunde nach Konzertende mit der Mürren-Stechelberg-Bahn hinunterwollten, war leider bereits Betriebsschluss. So mussten wir zu Fuss durch den Waldweg bis nach Lauterbrunnen. Der Fussmarsch dauerte gut zweieinhalb Stunden und danach fuhren wir noch ins heimische Muotathal zurück.


Openair-Konzert auf dem Allmendhubel in Mürren (in den 1990iger-Jahren)
Foto: Wysel Gwerder fotografierte das Konzertfoto im Restaurant Allmendhubel

Hat Polo auch mal im Muotatal gespielt?
Wysel: Ja, hat er. Er spielte anno 1988 auf der Muotathaler Alp Ober Gschwänd (Bödmeren-Gebiet). Ich habe dieses Konzert leider verpasst, da ich zu jener Zeit auf einer USA-Reise war. Auf Ober Gschwänd feierten einige Männer von der Familie Schuler aus Küssnacht zusammen mit ein paar Kollegen ihren 25. Geburtstag. An diesem Anlass entstand die legendäre „Geissbock-Story“, welche Polo anschliessend an etlichen Konzerten erzählte. Bei dieser Geschichte wurde dem Berner Rocker am frühen Morgen ein Geissbock in sein Zelt geschoben. Aber hört selber, wie Polo bei einem Konzert in der Mühle Hunziken (März 2015) die Begebenheit in allen Details erzählt:


Teil 1 der Geissbock-Story


Teil 2 der Geissbock-Story
Videos: Wysel Gwerder

Deine Lieblings-Alben und Lieblings-Songs von Polo?
Wysel: Einerseits ist das die LP von Rumpelstilz „Live im Atlantis, Basel“ (veröffentlicht 1977), welche inzwischen vergriffen ist. Dazu kann ich nur sagen: Eine Kultband in Höchstform. Andererseits erwähne ich die CD „Polo Hofer singt Bob Dylan 1981 – 2011“ (veröffentlicht 2011). Aus Rohdiamanten (was Dylan-Songs meistens sind) schuf Polo mit der Schweizer Musikelite Perlen.
Am stärksten fand ich Polo sowieso immer, wenn er die feinen Töne anschlug. In den Balladen „Rosemarie und i“, „Im letsche Tram“, „Di gfallene Ängel“, „Stilli Wasser“ und „Wen mys letsche Stündli schlat“ spüren wir das Herz und die Seele dieses Mannes.


Polo Hofer mit „Stilli Wasser“ (30.10.2015)
Quelle: YouTube

Was ist für dich der Reiz oder das Spezielle an Polo’s Musik?
Wysel: Er gab seinen Songs ein Lebensgefühl und vermittelte eine Sprache, die man verstand. Seine Musik begleitete mich durch die Jugend. Die Texte sind stets mit Deutungen und Fingerzeigen, und sagen mit wenigen Worten viel aus.


Quelle: songtexte.com


Quelle: songtexte.com

Polo ist der Begründer und der Vater des Berner Rock, seine Songs sind heute teilweise Volksgut. Alle, die nach ihm gekommen sind, hat er nachhaltig geprägt. Hofer hat wie kein anderer vor ihm die Mundart und die Rockmusik zusammengeführt. Polo hat Generationen in allen Sprachregionen der Schweiz gezeigt, wie viel Kraft und Poesie in der Berner Mundart steckt.

Bist du Polo auch persönlich begegnet?
Wysel: Da gab es einige Begegnungen und hie und da einen Schwatz. Polo hatte ein grosses Allgemeinwissen über fremde Länder und Kulturen. Als die Schweizer Fussballnationalmannschaft einmal in Irland spielte, traf ich ihn in Dublin in der Hotelbar an. Er war auch am Spiel, und wir unterhielten uns darüber. Meistens diskutierten wir aber über Musik, wo er über ein unglaubliches Wissen verfügte. Speziell über die amerikanische Südstaaten-Szene.


Wysel mit Polo bei der Rock & Blues-Cruise 2013
Foto: Wysel Gwerder

Wer war Polo?
Wysel: Polo war der geborene Entertainer, auf der Bühne war er zuhause. Auf dieser übte er gerne eine Hofnarren-Funktion aus. Der Berner war ein Geschichten- und Anekdotenerzähler, war schlagfertig und ein philosophischer Sprücheklopfer. Nachfolgend drei wunderbare Beispiele:

„Als ich klein war, sagte man mir, jeder könne Politiker werden.
Jetzt fange ich an, es zu glauben.“

„Lieber eine freie Marktwirtschaft als eine geschlossene Beiz.“

„Ich trinke erst wieder Milch, wenn die Kühe Trauben fressen.“

Privates gab er nur den Wenigsten preis. Polo war ein Nachtmensch, die besten Ideen kamen ihm stets um Mitternacht bei einem Glas Wein und einem Joint.

Was bleibt von Polo?
Wysel: Das sind in erster Linie sicher seine Musik mit mehr als dreissig veröffentlichten Alben, sowie seine fast dreitausend Live-Konzerte. Weiter fünfzig Jahre Chilbi und Party, welche halt nicht spurlos an ihm vorbeigingen. In Erinnerung werden auch seine Bilder bleiben, welche teilweise öffentlich sind. Zum Beispiel das Cover des ersten KROKUS-Albums. Der Berner bleibt einer breiten Bevölkerung als „Polo National“ in Erinnerung, da er öfters zu verschiedenen aktuellen Themen seine Meinung kundtat.


Polo enthüllte im Mai 2017 eine lebensgrosse Holzstatue seiner Person
Foto: blick.ch

Ich bedanke mich bei Wysel für die wirklich sehr interessanten Informationen, Ausführungen, Anekdoten, Bilder und Videos. Polo’s Erinnerungen bleiben uns dank Fans wie dem Muotathaler erhalten, und in seinem Erbe, der Musik lebt er sowieso weiter. Als Anlehnung an Polo’s Todesanzeige sagte Wysel am Ende des längeren Gespräches: „Tschou Polo, äs isch schön gsi!“

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ – Teil 2

Text: feldwaldwiesenblogger

Beim Teil 1 behandelte ich die erfolgreiche Schwingerkarriere von Toni Steiner. Weiter war die eindrückliche Kranzbilanz ein Thema und natürlich durften Anekdoten wie die „Episoden zum Schwarzsee-Kranz“ oder wie der Ingenbohler zu einem Appenzeller Kranz kam, nicht fehlen.
Toni erzählt im Teil 2 unter anderem, was er nach der aktiven Karriere machte, von den 12 Stoos-Kränzen, vom legendären Nordostschweizerischen 1967 in Glarus oder von seiner persönlichen Bilanz gegen Karl Meli und Ruedi Hunsperger.


Toni Steiner, 12-facher Stoos-Kranzer
Foto: feldwaldwiesenblogger

Nach der aktiven Karriere
Toni versah nach dem Rücktritt während zwei Jahren das Amt des Kampfrichters. Weiter war er Fähndrich beim Schwyzer Kantonalen, beim Innerschweizerischen und beim Eidgenössischen Schwingerverband. Der ehemalige Sennenschwinger erlebte eine Episode, wo sie ihn als ESV-Fähndrich gar sperren wollten. Toni erzählt: „Ady und Theo Zurfluh sowie Hans Mutzner und Leo Hug wurden angefragt, um bei einem Pferdewettkampf in Muntelier FR den Schwingsport zu zeigen. Ady bat mich einzuspringen, weil seine Frau in jenen Tagen ein Kind erwartete. Ich willigte ein und vertrat den Urner. Übrigens: Ich war damals bereits nicht mehr aktiver Schwinger. Verantwortliche Schwingerfunktionäre bekamen Wind von der Sache. Der damalige ISV-Präsident Edy Walker rief mich an, und erklärte, dass das nicht gehe. Ich entgegnete ihm, dass ich Ady zugesagt habe und dass wir dort antreten werden. Was wir in der Folge dann auch taten. ESV-Obmann Ernst Marti schickte etwas später ein Schreiben ans ESAF-OK nach Schwyz, dass sie beim Eidgenössischen 1977 in Basel als Fähndrich auf mich verzichten sollen. Mit der Begründung, weil ich bei dieser Schwing-Demonstration in Muntelier teilgenommen habe, und dies vom ESV nicht erlaubt gewesen wäre. Es gab in der Folge ein ziemliches Drama. Niemand wollte als Fähndrich ans ESAF nach Basel und sie fanden keinen Ersatz für mich. Denn es verhielten sich alle solidarisch mit mir. Darauf kamen Edy Walker und der ehemalige ESV-Obmann Hans Gisler gar zu mir nach Hause und waren der Meinung, dass ich trotzdem gehen soll. Ich wollte nämlich nach dem Schreiben von Marti überhaupt nicht mehr nach Basel. Walker und Gisler mussten mich dann richtiggehend überreden. Ich sagte ihnen schlussendlich zu.“
Toni war fast 30 Jahre im Vorstand des Schwingerverbandes am Mythen tätig, davon sechs Jahre als Präsident. Beim Stoos-Schwinget versah er viele Jahre das Amt des Empfangschefs, und während seiner Präsidialzeit bei den Mythenverbändlern war er OK-Vize-Präsident.
Der vierfache Eidgenosse gab zudem mehr als 100 Schwingkurse. Daraus entstanden viele Beziehungen zu anderen Schwingklubs. Vor gut drei Jahren gab der rüstige Rentner seinen bisher letzten Kurs in Lungern.
Toni ist Ehrenmitglied beim Schwingerverband am Mythen, beim Schwyzer Kantonalen und beim Innerschweizerischen Schwingerverband.


Toni (stehend) und Hans Mutzner bei der Schwing-Demonstration in Muntelier 1975
Foto: Toni Steiner

Mit 12 Kränzen der alleinige Rekordhalter beim Bergschwinget auf dem Stoos
1958 gewann Toni als 17-Jähriger seinen ersten Stoos-Kranz. Der 12. Kranz bei diesem traditionsreichen Bergkranzfest wurde ihm 1974 aufgesetzt. Diese zwölf Kränze bedeuten bis heute Rekord. Allerdings hat er nicht alle hintereinander gewonnen. Zweimal ging er ohne Kranz nach Hause und einmal konnte er nicht antreten, da Toni am gleichen Tag Gast beim Nordwestschweizerischen war. Der Stoos-Rekordkranzer erklärt: „Von den hiesigen Verantwortlichen musste ich mir wegen der Teilnahme beim Nordwestschweizerischen ein paar böse Worte anhören. In meiner Kranzsammlung fehlte mir aber dieser Teilverbandskranz noch. An jenem Schwingfest wurde ich Zweiter. Gewonnen wurde der Anlass von Marcel Buser, welcher mit Fredy Menzi im Schlussgang stand. Da es sich um ein Jubiläums-Schwingfest handelte, durfte jeder Teilverband drei Gäste schicken. Am Start waren so starke Gäste wie Karl Oberholzer, Peter Gasser, Ernest Schläfli oder Ruedi Hunsperger. Nach drei gewonnenen Gängen musste ich im vierten Gang prompt gegen Ruedi Hunsperger antreten, gegen den ich leider verlor. Am Abend wies mein Notenblatt fünf gewonnene Gänge auf. Von den Gästen kam ich noch am besten weg. Denn: Es kam zu vielen Gästepaarungen. Ich selber traf „nur“ auf zwei andere Gäste, die anderen alle auf drei. Da deswegen viele gestellte Gänge resultierten, schafften es letztendlich zwei Nordwestschweizer in den Schlussgang. Eine grosse Diskussion um die Einteilung, wie es heutzutage in den Medien geführt würde, gab es damals aber nicht.“
Zurück zum Stoos-Schwinget: Toni konnte dieses Bergfest leider nie gewinnen. Als er 20 Jahre alt war, stand der Mythenverbändler mit Max Widmer das erste Mal im Schlussgang. Zwei weitere Schlussgänge folgten. Einer bestritt er gegen Peter Nyffenegger, wo Toni eine Verletzung davontrug. Der andere war gegen Hans Zurfluh, bei welchem er gute Chancen auf den Sieg hatte.

Dreimal war Toni in den Kranzrängen und ging trotzdem ohne Kranz vom Stoos-Schwinget heim
Diesen kuriosen Umstand musste mir Toni erklären: „Ich ging dreimal ohne Kranz heim, war aber in den Kranzrängen. Damals gaben sie öfters einen Kranz zu viel ab, wenn es bei der Endabrechnung nicht aufging. Bei den drei erwähnten Malen gaben sie 17 statt 16 Kränze ab, es lagen aber nur 16 Kränze bereit. Ich war dann derjenige, welcher sich opfern musste. Die Begründung: Du hast schon ein paar Stoos-Kränze. Und es wäre nicht fair, dass einer, welcher den ersten Stoos-Kranz gewinnt, ohne Kranz heimkehren muss. An der Siegerehrung nahm ich natürlich trotzdem teil und mir wurde ein Kranz von einem Kollegen aufgesetzt. Der gewonnene Kranz wurde mir nachträglich nach Hause gebracht.“ Toni erläutert weiter, dass die Einhaltung der 18 Prozent-Regel, im Gegensatz zu heute, damals lockerer gehandhabt wurde. Einmal wurden auf dem Stoos sogar drei Kränze zu viel abgegeben. Dies hatte aber Folgen, respektive es wurde eine Strafe verhängt: Im Jahr darauf durften keine Gäste aus anderen Teilverbänden eingeladen werden. Zum Vergleich: Beim Thurgauer Kantonalen lag dieses Jahr die Kranzquote bei 18.1 Prozent, also 0.1 Prozent über der erlaubten Maximalquote. Die Thurgauer wurden dann mit 3000 Franken gebüsst.

Dank Gabriel Yerli’s Stoos-Sieg gute Kontakte in die Südwestschweiz
Mit dem ehemaligen Südwestschweizer Spitzenschwinger Gabriel Yerli pflegt Toni einen sehr guten Kontakt. Als Yerli 1987 den Stoos-Schwinget gewann, übernachtete er beim Ingenbohler. Übrigens: Der Freiburger bezwang damals im Schlussgang Leo Betschart aus Sins. Laut Toni ist Yerli seit diesem Sieg jedes Jahr beim Stoos-Schwinget dabei. „Das war für Gabriel einer der schönsten Siege. Seit vielen Jahren geht der Schwingerverband am Mythen dank dieser Verbindung als Gastsektion nach Charmey, respektive neu nach Riaz ans Schwingfest. Mit von der Partie sind jeweils Jungschwinger und Aktive“, rundet der 12-fache Stoos-Kranzer das Thema „Stoos-Schwinget“ ab.


Toni (links) wuchtig gegen Franz Isenegger beim Stoos-Schwinget
Foto: Toni Steiner

Das legendäre Nordostschweizerische anno 1967 in Glarus
Beim legendären Nordostschweizerischen in Glarus war für den neuen Schwingerkönig Ruedi Hunsperger nach vier Gängen der Wettkampf zu Ende. Toni war bei diesem Teilverbandsfest als ISV-Gast eingeladen. Er erinnert sich: „Soweit ich mich entsinne, fiel der andere Berner Gast, Hans Stucki, auch aus dem Kranz. Ruedi Hunsperger musste beim Anschwingen gegen Karl Meli antreten und verlor prompt. Meli stand übrigens am Abend mit August Brunner im Schlussgang und gewann das Fest. In meinen Augen lief für Ruedi nicht alles korrekt ab. Im zweiten Gang besiegte er Emil Zigerli. Meines Erachtens hätte Hunsperger den dritten Gang mit Walter Bleuler eigentlich gewonnen, kam aber unglücklich darunter und verlor. Im vierten Gang musste der Berner gegen Josef Hüsser erneute eine Niederlage einstecken. Mit solchen Resultaten muss halt jeder Schwinger leben. Ein anderes Mal ist einem das Glück wieder hold, das gleicht sich innerhalb einer Schwingerkarriere aus. An diesem Schwingfest hatte ich keinen Kontakt mit Hunsperger und konnte deshalb seine Gemütslage nicht einschätzen.“
Toni machte an diesem legendären Schwingfest den begehrten Nordostschweizer Kranz. Beim Anschwingen traf er auf Manfred John und bezwang ihn. Gegen Jakob Hälg resultierte im vierten Gang ein „gestellt“. Beim sechsten Gang musste der sechsfache Kranzfestsieger gegen Albert Langenegger antreten, welchen er auf den Rücken legen konnte. Wenn Toni diesen Kampf nicht für sich hätte entscheiden können, wäre er am Ende nicht in den Kranzrängen gewesen. Das Notenblatt zierten am Abend vier gewonnene, ein gestellter und ein verlorener Gang.

Die Bilanz gegen die beiden Überschwinger jener Zeit: Karl Meli und Ruedi Hunsperger
Zu diesem Thema meint Toni: „Die Bilanz sieht leider zu Null aus. Mit Karl Meli habe ich einige Gänge bestritten, vermutlich sieben oder acht. Auf dem Stoos hatte ich einmal einen guten Gang mit ihm. Mich beschlich damals aber das Gefühl, dass er mich gewähren liess. Denn er war so gut drauf und besiegte mich letztendlich problemlos. Bei einem Allweg-Schwinget standen wir beide einmal im Schlussgang. In diesem zog er gewaltig und machte kurzen Prozess. Bei einem Innerschweizerischen in Luzern konnte ich einige Zeit mit ihm schwingen. Meli zog dort aber nicht so einen guten Tag ein. Bei diesem Schwingfest begann ich gegen Karl Oberholzer und beendete das Fest gegen Meli. Es war nicht der Schlussgang.“
Gegen Ruedi Hunsperger musste der gelernte Maschinenschlosser einmal antreten. Nämlich beim bereits erwähnten Nordwestschweizerischen Jubiläumsschwingfest. Es war ein guter Gang und Toni bezwang Ruedi fast mit einem Brienzer. „Allerdings wurde ich zuletzt ein wenig frech und verlor leider. Ein Foto von diesem Gang wurde übrigens für ein Titelbild eines Buches verwendet“, ergänzt Toni.
Für Toni sind oder waren beide Überschwinger jener Zeit ganz flotte Typen. Auch nach der Aktivkarriere pflegte er Kontakt mit ihnen, vor allem mit Meli. Der Winterthurer kam jeweils auch an die Schwingerkönig-Treffen auf den Stoos. Paul Betschart, ehemaliger OK-Präsident vom Stoos-Schwinget, organisierte früher solche Treffen. Betschart hatte einen guten Draht zu den Schwingerkönigen Karl Meli und Max Widmer.

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ – Teil 1

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Nun, da derzeit keine Schwingfeste stattfinden und der Schwingbetrieb ganz allgemein ruht, bleibt Zeit, sich auch ehemaligen Schwinggrössen zu widmen. So besuchte ich kürzlich den vierfachen Eidgenossen Toni Steiner. Ältere Leser können sich garantiert noch an den schalkhaften Sennenschwinger erinnern. Den Jüngeren, aber selbstverständlich auch den älteren Semestern, möchte ich Toni mit mehreren Schwerpunkten näher vorstellen. Diese Schwerpunkte verteile ich auf drei Blogbeiträge. Dazu kommen einige amüsante Anekdoten, welche zum Schmunzeln anregen.


Toni Steiner, 78-facher Kranzschwinger

Persönliche Angaben
Toni Steiner wurde am 23. Februar 1941 in Ingenbohl geboren, wo er aufwuchs und heute noch lebt. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte der Ingenbohler eine Lehre als Maschinenschlosser. Später arbeitete er beim Kanton als Liegenschaften-Schätzer.
Toni ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und vier Grosskinder. Zu seinen Hobbys zählt der rüstige Rentner das Seniorenturnen in Brunnen, wo er zugleich als Präsident amtet. Unter den 64 Mitgliedern sind weitere ehemalige Schwinger wie Karl Steiner, Koni und Roman Aufdermaur. Weiter spielt Toni aktiv Faustball und bestreitet mit seinen Kameraden jährlich drei bis vier Turniere. Zudem besucht er immer noch regelmässig Schwingfeste.
Toni war mit seinen 178 Zentimetern keine Riese unter den Schwingern. Dennoch legte er mit seinen bevorzugten Schwüngen wie dem Kurz, Brienzer, Haken, Bur, Päckli und Bodenruggeli so manchen Gegner auf den Rücken.

Eine erfolgreiche Schwingerkarriere
Toni trat 1956 als 15-Jähriger beim Schwyzer Kantonalen in Einsiedeln an. Der Teenager war zwar noch ein Jahr zu jung. Da Toni für sein Alter ziemlich grossgewachsen war, meinte sein Klub-Präsident vom Schwingerverband am Mythen, dass sie ihn mitnehmen und anmelden. Beim letzten Gang schrieben sie ihm für einen Plattwurf ein „9.25“. Denn das Kampfgericht wollte nicht, dass Toni den Kranz gewann. Wohl um zu vermeiden, dass ein noch nicht im Aktiv-Alter schwingender Jüngling den Verantwortlichen Probleme verursacht. So begann die erfolgreiche Aktiv-Karriere des gelernten Maschinenschlossers.
Toni arbeitete nach seiner Berufslehre während einem Jahr in Zürich und trainierte dort mit dem Schwingklub Glatt- und Limmattal. Dabei traf er auf Schwinggrössen wie Karl Oberholzer und wurde dadurch noch stärker. Während seiner Zeit in Zürich hat der junge Sportsmann als Trainingsergänzung auch gerungen und gewann gar zwei Ringerkränze.
Mit 19 Jahren gewann Toni das Schwyzer Kantonale in Schindellegi. Einen weiteren Schwyzer Kantonalfestsieg errang der Mythenverbändler 1964 in Einsiedeln. 1967 schwang Toni beim Urner Kantonalen Jubiläumsschwingfest (50. Geburtstag des Urner Kantonalen Schwingerverbandes) in Bürglen obenaus. Ein Jahr später gewann der Familienvater das Zuger Kantonale in Menzingen und 1972 jenes in Rotkreuz. Im routinierten Alter von 33 Jahren gelang Toni 1974 der Sieg beim Rigi-Schwinget.

Eindrückliche Kranzbilanz
Toni erkämpfte sich insgesamt 78 Kränze, plus einen Amerikakranz, welcher aber bei der offiziellen Kranzstatistik nicht gezählt wird. Viermal konnte der Sennenschwinger Eidgenössisches Eichenlaub mit nach Hause nehmen. Nämlich 1964 von Aarau, 1966 von Frauenfeld, 1972 von La Chaux-de-Fonds und 1974 vom heimischen Schwyz. Beim Eidgenössischen am 24./25. August in Schwyz beendete Toni unweit von zuhause seine Karriere. Er war übrigens der einzige Schwyzer, welcher bei diesem ESAF den Kranz gewann. Die Innerschweizer mussten damals unten durch und gewannen nur sechs Kränze.
Nebst den vier Eidgenössischen Kränzen gewann Toni 17 Teilverbandskränze (13 Innerschweizerischer, 1 Berner, 1 NOS, 1 NWSV und 1 SWSV), 25 Bergfestkränze (12 Stoos, 7 Rigi, 5 Brünig und 1 Schwarzsee) sowie 32 Kantonalkränze. Toni ist Rekordkranzer auf dem Stoos und wie man unschwer feststellen kann, hat er jeden Teilverbandskranz und zu seiner Zeit möglichen Bergfestkranz mindestens einmal mit nach Hause genommen. Zu den erwähnten sechs Kranzfestsiegen kamen noch 15 Rangfestsiege hinzu.
Der vierfache Eidgenosse ergatterte sich zweimal sieben Kränze in einer Saison. Mehr Kränze hätte er zu seiner Zeit als Innerschweizer Schwinger gar nicht machen können. Das sind sehr eindrückliche Zahlen und ein Beleg für eine erfolgreiche Schwingerkarriere.


Toni’s gut gefüllter Kranzkasten

Episoden zum Schwarzsee-Kranz
Als Toni den Schwarzsee-Kranz gewann, wurde just zu diesem Zeitpunkt ein Jubiläum gefeiert. Beim Bergschwinget am Schwarzsee wären damals Ady und Sepp Zurfluh gemeldet gewesen. Ady wollte aber nicht antreten, weil am gleichen Sonntag der Rigi-Schwinget stattfand. Toni sprang ein, und gewann wie Sepp den begehrten Kranz. „Als wir an jenem Sonntagmorgen vor Ort eintrafen, hiess es, dass der Rigi-Schwinget wegen schlechtem Wetter verschoben wurde. Ich konnte dann am Sonntag darauf auch auf der Rigi starten. Ady hat dies ein wenig gefuchst“, ergänzt Toni.
Pius Betschart fuhr damals Toni und Sepp zum besagten Schwarzsee-Schwinget. Bevor die Reise losging, besuchte das Trio erst die Frühmesse im Kapuzinerkloster Schwyz. Sepp rechnete hinterher aus, dass Pius bei seiner rasanten Fahrt ins Freiburgische wohl einen Achtziger-Schnitt fuhr. Und dies wohl verstanden noch ohne Autobahn auf dieser Strecke. Toni erinnert sich: „Wir erreichten den Schwarzsee pünktlich. Aber: In der Garderobe war noch niemand anwesend. Wir waren die Ersten, und meinten gar, ob das Schwingfest eventuell auch nicht stattfindet. Denn das Wetter war zweifelhaft. Es wurde uns dann mitgeteilt, dass die anderen Athleten bald eintreffen werden.“

Wie Toni zu einem Appenzeller Kranz kam
In seiner Aktivzeit gewann Toni auch einen Appenzeller Kranz. Diesen sogenannt „unerlaubten“ Kranz gewann er aber nur durch eine List. Der schalkhafte Senior erklärt: „Der Appenzeller Josef Sutter, welcher kranzmässig auch zum Hunderter-Klub gehört, hatte in Siebnen einst eine Metzgerei. Ich trainierte eine Zeit lang viel mit ihm. Nach einem Training sagte er zu mir, dass er gerne mal auf dem Stoos antreten möchte. Ich entgegnete ihm, dass ich das organisieren kann, im Gegenzug aber ans Appenzeller Kantonale möchte. Das wurde so eingefädelt: Josef liess vermelden, dass ich bei der Brauerei Appenzell arbeite und ich gab an, dass Sepp Klosterknecht in Ingenbohl sei. Er machte dann den Kranz als „Sutter Josef, Brunnen“ und ich den Appenzeller als „Steiner Toni, Bühler“. Kurz vor dem Schwingfest bekam ein Funktionär Wind davon und telefonierte ins Appenzellerland, dass sie mich nicht starten lassen dürfen. Sie liessen mich aber dennoch gewähren. Bei diesem Schwingfest wurde ich zweimal (1. und 5. Gang) mit dem legendären Otto Brändle eingeteilt.
Peter Sutter, der Bruder von Sepp und Vater von Schwingerkönig Thomas Sutter, erzählte mir später, dass ich in einer Jubiläumsschrift des Appenzeller Schwingverbandes auch als Kranzgewinner Erwähnung fand. Die meisten wussten aber nicht, wer dieser „Steiner Anton, Bühler“ sei.“

Den Amerikakranz mit 48 Jahren gewonnen
Toni erzählt weiter: „Den Amerikakranz gewann ich bei einem Schwingfest in Squaw Valley, im Alter von 48 Jahren. Ich war damals schon längst zurückgetreten, trainierte aber immer noch. Am Vorabend des besagten Schwingfestes haben wir zusammen „plagiert“. Ich meinte in einer fröhlichen Rund: Ich habe halte kein Schwinger-Tenue dabei, sonst würde ich morgen grad schwingen. Alois Küttel entgegnete: Du kannst mein Tenue haben, das passt dir schon. So blieb mir nichts Anderes übrig und ich musste antreten. Am Schluss figurierten vier gewonnene Gänge auf meinem Notenblatt. Meine Frau war aber ob meinem kühnen Handeln gar nicht begeistert“.

Toni’s Schwingtraining
Toni absolvierte während seiner Aktivzeit pro Woche zwei Schwingtrainings und ging zudem jeden Montag zum Faustball-Training. Das Faustball-Training war damals sein Lockerungs-Training und half ihm gegen den Muskelkater nach den Schwingfesten. Die Trainingswoche sah im Winter wie im Sommer gleich aus. „Kantonaltrainings kannten wir damals in dem Sinne noch nicht. Aber vor dem Innerschweizerischen trafen wir Schwyzer Schwinger uns ein- oder zweimal zum gemeinsamen Training. Wir trainierten damals auf eigene Faust auch bei anderen Schwingklubs. So ging ich einige Male ins Muotatal zum Schwingtraining“, ergänzt der 76-Jährige.

Kader-Zusammenzüge vor Eidgenössischen Schwingfesten
Zu diesem Thema meint Toni: „Ja, das kannten wir auch schon. Wir trafen uns jeweils dreimal vor so einem Anlass, sowohl vor einem Eidgenössischen, wie auch vor dem Kilchberger Schwinget. Die selektionierten Innerschweizer Schwinger fanden sich damals in Luzern zum gemeinsamen Schwingtraining ein.“

feldwaldwiesenblogger

flätt hüntsch sauft – Das digitale Muotathaler Wörterbuch

Text: Peter Betschart und feldwaldwiesenblogger

Kaplan Alois Gwerder’s Bestseller
Wie der Bote der Urschweiz am 25. Oktober berichtete, wurde der Bestseller „flätt – hüntsch – sauft“ von Kaplan Alois Gwerder in eine digitale Form aufbereitet. Der Muotathaler Volkskundler gab 2001 nach jahrzehntelanger Recherche ein Sammelwerk der Muotathaler Dialektwörter heraus.
Heutzutage eröffnen nebst der Buchform die digitale Technik längst andere Möglichkeiten, Wörter oder Ausdrücke im Internet nachzuschauen. So entschied sich die Kulturkommission der Gemeinde Muotathal zu diesem Schritt und setzte ihr Vorhaben in aufwendiger Kleinarbeit um.

flätt hüntsch sauft“ ist nun seit einigen Tagen online abrufbar. Das digitale Muotathaler Wörterbuch umfasst 11’833 Begriffe und ist bequem am PC, Tablett oder auf dem Handy abrufbar.
Um Jung und Alt auf dieses schöne und gelungene Werk aufmerksam zu machen, wurde nebst Hinweisen in schriftlicher Form auch eine Animation in einem Video erstellt.


Video-Animation: Michael Schelbert

tüütsch und tüütli!
Mundart ist in! Oder heisst das jetzt hip oder cool? Halt! Geht das auch auf Deutsch? Also, zweiter Versuch: Mundart isch diänig, aagseid, modä. Mit meiner Mundart gebe ich bekannt, woher ich komme. Am nüüd aa isch-es mäni ä Muätitaaler! hört man dann und wann. Schwyzer sagen nid, Illgauer niid und Zürcher nöd. Es braucht manchmal wenig, um zu zeigen woher man ist – oder eben nicht. Vielleicht will ich ja gar nicht als Muotathaler erkannt werden oder nicht eister. Zu meiner Jugendzeit vor 40 Jahren konnte es schon passieren, dass man in Schwyz verlachät oder gföppäläd wurde wegen dem Muätitaler-Tüütsch. Das Umgekehrte aber war häufiger der Fall. Mundarten sind auch ein Markenzeichen und viele Personen schätzen sie sehr.

Natürlich wandelt sich die Sprache dauernd. Ich weiss nicht genau, wie sich die heutige Jugend begrüsst. Salü? Guättag? Tschau? Hoi? Zu meiner Zeit war es nicht üblich, sich dabei abzuklatschen oder zu beküssen. Ein einfaches so oder ho genügte im Freundeskreis zur Begrüssung. Zum Abschied vor dem Gehen war es dann ein esä. Jede Zeit hat so ihre Mundart, denke ich manchmal.

Heutzutage fällt mir auf, dass das Wörtchen scho ganz anders gebraucht wird. Früher meinte man damit bereits wie z.B. I bi scho daa. I ha scho ggässä. Heute benutzt man es als Rückfrage, Quittung im Sinne von: Ja was? Sicher? Im Beispiel kann man es besser zeigen: Geschter hani änu ä chlii Glück gha! Der Zuhörer sagt: Scho? Aber vielleicht ist das auch schon out oder durä. Zum Schluss noch eine kurze Geschichte, die mich beeindruckt, aber auch nachdenklich gemacht hat.

Vor nicht langer Zeit war eine Muotathalerin als Lehrtochter im Spital Schwyz tätig. Von ihrer Vorgesetzten wurde ihr bald einmal empfohlen, beim Umgang mit den Patienten nicht so z’muätitaalärä. Die Begründung ist mir nicht bekannt. Witzig finde ich, dass die Lehrtochter aus dem Muotatal fremdsprachig war, also ausländische Eltern hatte. Offenbar war sie stolz darauf zu zeigen, woher sie kommt.
Wie erlebst du den Umgang mit Mundart?

Hinweis: Wenn du Mundartwörter hörst, die dir unbekannt sind, dann ist das digitale Wörterbuch sicher das richtige für dich.

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Nordostschweizer Schwinger – NOSV-Experte Jakob Heer gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Die 2017er-Saison war eine spannende Angelegenheit. Viele Höhepunkte, packende Duelle aber auch Überraschungen wurden uns Schwingerfreunden von Frühling bis Herbst serviert. Nach dem Ende der Saison gilt es jeweils auch, Bilanz zu ziehen. Heute folgt bereits die fünfte und letzte Experteneinschätzung, nämlich diejenige für den Nordostschweizerischen Schwingerverband.

Jakob Heer, ein fundierter Kenner der Schwingerszene in der Nordostschweiz, gab hier am 23. Februar seine Einschätzungen für die diesjährige Saison ab. Er rechnete mit einer spannenden Saison und gab zu Protokoll, dass die Nordostschweizer sich vor keinem anderen Verband verstecken müssen. Jakob erklärte auch, dass Armon Orlik und Samuel Giger in der vergangenen Saison das Zepter übernommen haben, und das Geschehen in der Nordostschweiz in den nächsten Jahren prägen werden.

Die beiden Jungstars sind eine wahre Bereicherung und haben das Schwinggeschehen in diesem Jahr in unterschiedlicher Form mitgeprägt. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir der Schlussgang beim Nordostschweizerischen in Davos. Ein Endkampf der Extraklasse! Trotzdem: Wie nahe Freud und Leid zusammenliegen, bekamen auch diese beiden Ausnahmeathleten zu spüren. So verletzten sich beide irgendwann während der Saison und mussten auf einige Ernstkämpfe verzichten. Beim Aargauer Kantonalen stockte wohl den meisten Schwingerfreunden der Atem, als Armon Orlik regungslos liegen blieb…

Aber: Nebst Orlik und Giger besteht die NOS-Mannschaft noch aus weiteren sehr guten Schwingern. Besonders erwähnenswert sind an dieser Stelle die Leistungen von Daniel Bösch beim Schwägalp-Schwinget oder diejenige von Martin Hersche beim Nordwestschweizerischen in Therwil BL.

Ich bedanke mich bei Jakob Heer, welcher mir die NOS-Bilanz schriftlich zukommen liess.


Jakob Heer, NOSV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Nordostschweizer?
Jakob Heer: Es gelang, den Sieg auf der Schwägalp und beim Nordostschweizerischen in den eigenen Reihen zu behalten. Beim Unspunnen-Schwinget resultierten Spitzenplatzierungen, auch wenn nicht alle Zugpferde ihre Leistung abrufen konnten. Vier verschiedene Sieger an den sieben Kantonalen zeugen davon, dass der NOS-Verband in der Breite zugelegt hat. Hinter Samuel Giger und Armon Orlik haben sich andere Schwinger der Spitze genähert.

Welches waren die Highlights für den Nordostschweizerischen Schwingerverband?
Heer: Sicherlich der mannschaftlich gute Auftritt auf dem Brünig. Samuel Giger hatte ein Notenblatt, das einem Eidgenössischen entspricht. Am Unspunnen überzeugten nicht alle, jedoch Samir Leuppi und Domenic Schneider sehr. Und natürlich der Schlussgang beim NOS in Davos zwischen Samuel Giger und Armon Orlik. Ein offener Schlagabtausch und der Abschluss eines vollauf gelungenen Anlasses. Auch „Burkis“ 100. Kranzgewinn auf der Rigi gehörte zu den Highlights des Jahres.

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Heer: Martin Hersche am Nordwestschweizerischen mit einem überraschenden Sieg, nachdem er zuvor auf der Rigi noch untendurch musste. Domenic Schneider über die ganze Saison. Er hat seinen Eidgenössischen Kranzgewinn eindrücklich bestätigt. Samir Leuppi speziell mit seinem ersten Kranzfestsieg beim Zürcher Kantonalen in Weiach sowie beim Unspunnen-Schwinget. Aber auch Samuel Giger mit vier Kranzfestsiegen und Daniel Bösch mit den Erfolgen beim St. Galler und auf der Schwägalp.

Welche Schwinger haben überrascht?
Heer: Martin Hersche mit seinen Auftritten auf dem Brünig und beim Nordwestschweizerischen in Therwil BL, Domenic Schneider mit einem Spitzenplatz beim Berner Kantonalen. Dominik Oertig überzeugte speziell in der ersten Saisonhälfte. Er ist technisch sehr gut beschlagen. Auch Roger Rychen und Stefan Burkhalter sorgten für Glanzlichter.

Welcher Nordostschweizer Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Heer: Schwinger des Jahres, wenn man das so benennen darf, ist Samuel Giger mit Siegen beim Glarner, Appenzeller, Schaffhauser und beim NOS. Er war 2017 der stärkste Nordostschweizer.
Shane Dändliker vom rechten Seeufer ist der Aufsteiger des Jahres. Er gewann nicht nur seinen längst fälligen ersten Kranz (beim St. Galler). Nach einem Ferienaufenthalt, der im wohl die Unspunnen-Teilnahme kostete, kehrte er im August stark auf die Schwingplätze zurück. Er könnte dem Zürcher Verband noch viel Freude bereiten und dem ganzen Kanton einen Schub verleihen.

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Nordostschweizer?
Heer: Wie erwähnt der Brünig, wo sich die Nordostschweizer bis zuletzt erfolgreich den Bernern stellten. Leider erwischten die Innerschweizer einen schwachen Start, sonst wäre es um den Tagessieg womöglich noch zu einem spannenden Dreikampf gekommen.

Was lief weniger gut?
Heer: Zwei Kränze auf dem Stoos und drei auf der Rigi waren eine eher magere Ausbeute. Auch wenn auf dem Stoos Pech dabei war, dass 56,25 Punkte nicht zu Kranzehren reichten. Auch am Baselstädtischen wäre mehr als ein Kranz (Samir Leuppi) möglich gewesen. Unweigerlich kommt mir in diesem Zusammenhang auch das Aargauer Kantonalfest in Brugg in den Sinn. Beim Konter von Bruno Gisler gegen Armon Orlik, worauf der Schlussgangteilnehmer von Estavayer2016 für einige Momente regungslos liegenblieb, hatten wohl alle im Stadion ein mulmiges Gefühl. Vor allem mental machte dies dem Bündner in der Folge zu schaffen. Auf der Schwägalp und in Interlaken hat er aber angedeutet, dass er auf dem Weg zurück an die nationale Spitze ist.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget für den Nordostschweizerischen Teilverband?
Heer: Ein Fest mit Höhen und Tiefen. Armon Orlik zeigte bis zum Ausstich eine gute Leistung, auch Daniel Bösch hatte einmal mehr ein starkes Notenblatt vorzuweisen. Domenic Schneider, Samir Leuppi, Michael Bless und Fabian Kindlimann gehören zu den Siegern von Unspunnen. Enttäuschend waren einige Mittelschwinger, von denen ich mir mehr erhoffte, die es nicht einmal in den Ausstich schafften. Frühzeitig musste der Verband alle vier Ersatzschwinger aufbieten. Dass die Nordostschweizer nicht die Breite wie die Berner und Innerschweizer besitzen, hat sich dabei wieder gezeigt.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Nordostschweizerischen Teilverband?
Heer: Martin Hersche befand sich in ausgezeichneter Form und fiel eine Woche vor dem Saisonhöhepunkt im dritten Gang auf der Schwägalp aus. Das ist ein hartes Verdikt für einen Sportler. Samuel Giger verletzte sich am Schaffhauser im Duell gegen Daniel Bösch, wollte sich aber noch bis zum Saisonhöhepunkt durchquälen. Letztlich war sein Verzicht auf den Unspunnen-Schwinget der richtige Entscheid.
Ob sie am Sonntagmorgen Christian Stucki hätten aufhalten können, ist eine andere Sache. Stucki hat sich den Sieg in Interlaken verdient, unabhängig vom riesigen Verletzungspech der Inner- und Nordostschweizer. Und auch bei den Bernern fehlten ja ein paar bekannte Namen.

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welcher Schwinger hat dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Heer: Marcel Bieri. Der Zuger gefällt mir mit seinem unbändigen Siegeswillen und Offensivdrang. Er erinnert mich ein wenig an Geni Hasler, der auch stets aus allen Lagen die Entscheidung suchte.

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Berner Schwinger – BKSV-Experte Manfred Schneider gibt Auskunft

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: Manfred Schneider

Bei den Experteneinschätzungen sind wir nun bereits bei den Bernern angelangt. Für den zurzeit stärksten Teilverband fragte ich vor dieser Saison Manfred Schneider an. Das eidgenössische Ehrenmitglied sagte glücklicherweise zu. Manfred war bis 2016 Eidgenössischer Technischer Leiter Jungschwingen, und kennt das Schwinggeschehen im Bernbiet natürlich bestens.

Der Berner gab am 20. März seine Einschätzung für die bevorstehende 2017er-Saison ab. Dabei erwähnte er, dass die Berner im Moment noch die breiteste Spitze haben. Daran gibt es nichts auszusetzen. So wie die Berner Schwinger in den letzten Monaten aufgetreten sind, konnte man für den Saisonhöhepunkt, den Unspunnen-Schwinget, für die anderen Teilverbände nur das Schlimmste befürchten. Auch wenn zwei Mutzen den Schlussgang bestreiten durften: Soweit kam es dann doch nicht. Mit Christian Stucki gewann in Interlaken jener Schwinger, welcher nicht nur im Bernbiet alle überragte. Stucki war der beste Schwinger der Saison.

Aber auch die Berner hatten ihre Verletzten zu beklagen. So fielen nebst anderen die beiden Schwingerkönige Matthias Glarner und Matthias Sempach aus. Letzterer versuchte sich mit einem nicht vollumfänglich geglückten Comeback beim Unspunnen-Schwinget.
Dafür traten andere Schwinger positiv in Erscheinung. Beispielsweise der Haslitaler Kilian von Weissenfluh, mit welchem ich vor dem Brünig-Schwinget ein Gespräch führte.

Mein Dank geht an Manfred Schneider. Er übermittelte mir seine Antworten schriftlich.


Manfred Schneider, BKSV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Berner?
Manfred Schneider: Ich glaube, der Berner Kantonale Schwingerverband (BKSV) darf sehr zufrieden sein mit dem Verlauf der 2017er-Saison.

Welches waren die Highlights für den Berner Teilverband?
Schneider: An erster Stelle steht sicher der Sieg beim Unspunnen-Schwinget. Aber auch die Bergfestsiege am Schwarzsee, auf dem Weissenstein und Brünig gehören zu den Highlights der Saison.

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Schneider: Christian Stucki, Kilian Wenger, Matthias Aeschbacher, Simon Anderegg, Bernhard Kämpf, Thomas Sempach und Curdin Orlik sorgten in meinen Augen am meisten für Furore.

Welche Schwinger haben überrascht?
Schneider: Das ist einerseits sicher Phillipe Reusser mit dem Sieg auf dem Brünig. Andererseits aber auch die beiden jungen Kilian von Weissenfluh und Fabian Staudenmann.

Welcher Berner Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Schneider: Christian Stucki ist für mich der Schwinger des Jahres. Der Seeländer überzeugte mit Siegen beim Unspunnen-Schwinget, Bernisch Kantonalen, Brünig, Weissenstein, sowie am Mittelländischen und Seeländischen Schwingfest.
Als Aufsteiger der Saison bezeichne ich den Nachwuchsschwinger Fabian Staudenmann mit Jahrgang 2000. Fabian brillierte mit den Kränzen auf dem Brünig sowie beim Mittelländischen, Oberaargauischen und Seeländischen Schwingfest.

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Berner?
Schneider: Auch wenn einige Spitzenschwinger wegen Verletzungen ausgefallen sind: Andere haben sich ins Zeug gelegt und bescherten dem Bernisch Kantonalen Schwingerverband viel Erfolg.

Was lief weniger gut?
Schneider: Verbessern kann man sich immer. Aber ich denke, es wäre Jammern auf hohem Niveau, wenn man die 2017er-Saison der Berner Schwinger unter die Lupe nimmt.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget, für die Berner?
Schneider: Zwei Berner Schwinger im Schlussgang sagen eigentlich alles. Dazu braucht es vom Verantwortlichen in der Einteilung bis hin zu den Schwingern, Betreuern, Masseuren und dem Arzt alle, um solch einen Erfolg feiern zu können.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Berner Teilverband?
Schneider: Ich vermute, es wären gar noch ein paar Kränze mehr drin gelegen. Eventuell auch weitere „Bernerpaarungen“ …

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welche Schwinger haben dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Schneider: Einmal mehr die sogenannten jungen „Wilden“, angeführt von Samuel Giger, Joel Wicki, Nick Alpiger, Lario Kramer und Armon Orlik. Ihre angriffige Schwingweise hat uns in diesem Jahr wieder viel Freude bereitet und führte zu einigen Schwingfestsiegen.
Weiter erwähne ich Jeremey Vollenweider (Mitglied beim Schwingklub Schaffhausen), welcher im Frühling 2016 knapp am Tode vorbeiging. Von Herbst 2016 bis Februar 2017 besiegte der junge Mann mit einer Chemotherapie seine Krebs-Erkrankung. Jeremy durfte sich in der zu Ende gegangenen Saison beim Schaffhauser Kantonalen den Kranz aufsetzen lassen und wurde beim Eidgenössischen Nationalturntag in Eschenbach LU in der Leistungsklasse L2 Schweizermeister. Da ziehe ich einfach meinen Hut, Super und Bravo!

feldwaldwiesenblogger