Trainingsbesuch beim Schwingklub Sumiswald

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Auf meiner Reise durch die Teilverbände, in welchem ich seit anfangs 2017 je einen Schwingklub besuche, bin ich nun bei den Bernern angelangt. Bei der Auswahl achtete ich diesmal auch auf meine Herkunft, respektive mit wem der Schwingklub Muotathal im Bernbiet gute Beziehungen unterhält. Darunter befindet sich der Schwingklub Sumiswald.

Am Donnerstag, 11. Januar, stattete ich den Emmentalern einen Trainingsbesuch ab. An diesem Abend trainierten die Aktivschwinger von 20 bis 22 Uhr im Schwingkeller in Sumiswald. Der Schwingklub Sumiswald trainiert in einem eigenen Schwingkeller, welcher 1990 bezogen werden konnte. Die Schwinger teilen sich den Keller mit den Kleinkaliber-Schützen.

Bevor das Training losging, konnte ich mit Ueli Steffen (Klubpräsident), Damian Gehrig (Aktiver und TK-Chef Aktive) sowie Marcel Brunner (Aktiver und TK-Chef Jungschwinger) ein ausführliches Interview führen. Denn in meinem Gepäck fanden sich nebst dem Fotoapparat auch ein Fragenkatalog mit 20 Fragen.


Von links nach rechts: Ueli Steffen (Klubpräsident), Damian Gehrig (TK-Chef Aktive) und Marcel Brunner (TK-Chef Jungschwinger)

Wann wurde der Schwingklub Sumiswald gegründet?
Ueli Steffen: „1928 taten sich ein paar Männer aus Sumiswald und Wasen zusammen und gründeten den Schwingklub Sumiswald.“

Mit wem erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten?
Ueli: „Es war laufend ein Auf und Ab. In den frühen Jahren existierte die Dynastie Eggimann, welche Eidgenossen hervorbrachte. Später kamen die Gebrüder Lüthi aus Waldhaus. Dann kam irgendwann ein Tief, auf welches die beiden Eigenossen Walter Moser und Hansruedi Sommer folgten. Die Neuzeit brachte mit Roland Gehrig und Fritz Bähler weitere Eidgenossen hervor. Man darf behaupten, dass wir derzeit einen Höhenflug erleben. Denn mit so vielen starken Schwingern, wie wir im Moment haben, sind wir im Kanton Bern sehr gut aufgestellt.“

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sumiswald aus?
Damian Gehrig:
„Das ist relativ gross, nebst Sumiswald sind das etwa acht bis zehn Gemeinden wie Lützelflüh, Rüegsau, Trachselwald, Affoltern, Dürrenroth, Hasle, Landiswil oder Obergoldbach.“

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
Damian:
„Für die Saison 2018 liess ich bisher 29 Aktive versichern. Es ist gut möglich, dass ich noch einige wenige nachversichern lasse.“
Marcel Brunner: „Wir zählen 41 Jungschwinger, welche in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Am Dienstag ist Training mit den Kids, den fünf- bis zehnjährigen Buben. Am Donnerstag trainieren wir die älteren Jungschwinger, welche 9 bis 15 Jahre alt sind. Dabei gibt es eine altersmässige Überschneidung, bei der auch das aktuelle Können mitentscheidend ist.“

Wie sehen die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger für 2017 aus?
Damian:
„Wir sind grösstenteils zufrieden, es wäre aber noch mehr möglich gewesen. 30 Saisonkränze haben wir erreicht. Zehnmal fehlte leider ein Viertelpunkt für den Kranzgewinn. Schade ist, dass sich im Saisonverlauf einige Schwinger verletzt haben.“
Marcel: „Die Saison war gut, aber auch bei den Jungschwingern wäre noch mehr drin gelegen. Wir holten vier Festsiege und 104 Zweige. 21 Schwinger gewannen dabei Zweige und insgesamt zählten wir 16 Schlussgangteilnehmer.“

Wurden die anvisierten Ziele 2017 erreicht?
Damian: „Einige Ziele wurden erreicht, andere nicht. Schade ist, dass es keine Neukranzer und keine neuen Kantonalkranzer gab. Wir hätten uns erhofft, dass es bei einem oder zwei klappen könnte. Dabei spielten die bereits angesprochenen „Viertelpunkte“ auch eine Rolle.“
Marcel: „Wir setzen uns jeweils das Ziel, 100 Zweige zu gewinnen. Dies haben wir erreicht. Bei den Festsiegen war das Ziel fünf, was mit vier Siegen knapp nicht geschafft wurde. Unsere Ziele haben wir im Grossen und Ganzen erreicht.“

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Emmentaler Schwingklubs und ganz allgemein im Berner Teilverbandsgebiet aus?
Damian:
„Die Zusammenarbeit unter den Emmentaler Schwingklubs und ganz allgemein im Kanton Bern funktioniert gut. Es findet wöchentlich ein Emmentaler Verbandstraining in Langnau statt, welches es allen Aktiven erlaubt, teilzunehmen. Je nachdem, was für eine Saison ansteht, finden monatlich ein bis zwei Trainingszusammenzüge des Bernisch-Kantonalen Schwingerverbandes statt. Für diese Trainings erfolgt vorgängig eine Kader-Selektionierung. Diese Kaderzusammenzüge finden auch in Jahren ohne Feste mit Eidgenössischem Charakter statt.“
Marcel: „Auch beim Nachwuchs wird relativ viel gemacht. Am Freitag findet jeweils ein Emmentaler Verbandstraining statt. Innerhalb des Kantons wurde Mitte der letzten Saison ein Novizen-Kader gebildet. Die rund zehn besten Jungschwinger pro Jahrgang wurden dabei selektioniert.“


Beim Besuch wurde unter anderem der Hüfter trainiert

Erlebte euer Schwingklub dank den beiden Eidgenössischen Kränzen (Estavayer2016) von Damian Gehrig und Philipp Schenk sowie mit Matthias Aeschbacher (einem der besten Nichteidgenossen) vergangene Saison einen Aufschwung?
Damian:
„Ich sehe dabei zwei Aspekte. Einerseits findet jährlich im Herbst der Eidgenössische Schnuppertag statt. Wir haben das so organisiert, dass einer oder zwei von uns dreien jeweils dabei ist. Man darf schon behaupten, dass die Schnuppertage ein Erfolg sind. Denn es nehmen relativ viele Buben teil. Andererseits: Klubintern hatten wir vorher schon ein gutes Team. Klar, die beiden Eidgenössischen Kränze und die Erfolge haben uns Freude bereitet und wir sind dadurch noch motivierter.“
Marcel:Wir haben nach den beiden Eidgenössischen Kränzen tatsächlich bessere Resultate erzielt. Aber, ob das mit diesen Erfolgen zusammenhängt, ist nicht so einfach zu beantworten.“
Damian: „Den Grundstein dieser Erfolge wurde vor gut zehn Jahren gelegt. Es wäre falsch, dies auf die letzten zwei oder drei Jahre abzuwälzen. 2013 in Burgdorf erkämpften wir uns keinen Eidgenössischen Kranz. Sechs Schwinger von unserem Klub haben sich damals fürs ESAF qualifiziert, und alle bestritten acht Gänge. Es war wohl nicht der grosse Coup, wir jüngeren Schwinger konnten dort aber wertvolle Erfahrungen sammeln. Für Estavayer2016 wurden wieder sechs Schwinger (plus zwei Ersatzschwinger) selektioniert.“

Wie lief es den Sumiswalder Schwingern beim Unspunnen-Schwinget?
Damian: „Matthias Aeschbacher belegte den sehr guten Rang 4d. Patrick Schenk landete auf Rang 10, Roman Sommer auf dem 11. und Gustav Steffen auf dem 16. Schlussrang. Alle vier Teilnehmer konnten sechs Gänge bestreiten. Schade war, dass sich der fünffache Saisonkranzer Philipp Gehrig verletzte und nicht teilnehmen konnte.“
Ueli: „Neben Philipp verletzte sich auch Damian. Beide wären für Unspunnen qualifiziert gewesen, konnten aber leider wegen Verletzungen nicht antreten.“

Wann erfolgte der Trainingsstart für die neue Saison?
Ueli:
„Der Trainingsstart für die Saison 2018 erfolgte anfangs November.“

Sind alle Aktiven fit und gesund?
Damian:
„Leider nicht ganz. Philipp Gehrig ist zurzeit rekonvaleszent, und noch nicht im Schwingtraining. Weiter laboriert Philipp Röthlisberger an einer Fussverletzung.“

Auf was legt ihr im Wintertraining besonderen Wert?
Damian:
„Auf die neue Saison hin legen wir den Wert, rein physisch gesehen, auf die Beweglichkeit. Denn dort fiel uns Trainern ein Defizit auf. Da wir praktisch immer die gleiche Haltung einnehmen, sei es beim Schwingen oder im Kraftraum, ist dies von der Anatomie her nicht unbedingt ideal. Wir widmen uns nun vermehrt und intensiver entsprechenden Dehnübungen.“

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Damian:
„Unser Ziel ist es, auch in Zukunft ein breites Team zu haben. Weiter ist es unser Bestreben, dass möglichst viele Junge in die Nähe der Kranzränge gelangen. Namen möchte ich hier aber keine nennen.“
Marcel: „Dies ist immer schwierig zu sagen. Beispielsweise Matthias Aeschbacher: Als er neu zu den Aktiven kam, hätte damals fast niemand gedacht, dass dieser Athlet mal eine Wahnsinns-Granate werden könnte.“
Damian: „Für uns ist es wichtig, dass sie den Übergang von den Jungschwingern zu den Aktiven schaffen und dabeibleiben. Denn für diese Jungen ist das eine recht intensive Zeit mit Ausbildung, Training oder Ausgang. Wichtig ist auch, dass sie Freude am Schwingsport haben. Wenn uns das gelingt, wird einiges fast wie zum Selbstläufer.“
Ueli: „Wir haben schon seit längerem auf eine bestimmte Breite im Team hingearbeitet. Vom Klub her unterstützen wir dieses Vorgehen und schauen dabei nicht explizit auf einzelne Schwinger. Wenn es einer nach oben schafft, haben alle Freude daran. Das ist ein längerer Prozess und ich hoffe, dass er noch länger nicht abgeschlossen ist.“


Vor dem Training der Aktiven übten die Jungschwinger fleissig Schwünge

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Marcel: „Wie bereits erwähnt, haben wir die Jungschwinger-Schar in zwei Gruppen aufgeteilt. Bei den jüngeren erfolgt das Training vor allem auf spielerische Art. Ich schaue darauf, dass wir beim Training am Dienstag zu zweit, und bei demjenigen am Donnerstag mindestens zu dritt sind. Damit wir dem Nachwuchs möglichst viel weitergeben können. Dabei helfen auch die Aktiven mit. Im Dezember gehen wir mit dem Nachwuchs in die Turnhalle, um mit ihnen auch vielseitig trainieren zu können. Ab diesem Jahr werden wir zusammen mit den älteren Nachwuchsschwingern und den Aktiven am Samstag zusätzlich Trainingstage absolvieren.
Wichtig ist für uns auch der angesprochene Schnuppertag, bei welchem letztes Jahr 18 Buben teilnahmen. Von diesen kommen nun acht ins Training.“

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
Damian: „Jeder Aktive hat die Möglichkeit drei Klub-Trainings zu besuchen. Am Donnerstag ist Schwingtraining, am Freitag trainieren wir in der Turnhalle Kondition. Weiter bieten wir vom Klub aus ein Kraft- und Ausdauertraining an. Und am Dienstag findet zudem das erwähnte Verbandstraining der Emmentaler Schwinger statt. Die restlichen Trainings gestalten die Schwinger individuell, einige sind auch bei den Kantonalen Zusammenzügen dabei.“
Marcel: „Nebst dem Klubtraining und den angesprochenen Trainingstagen können die älteren Nachwuchsschwinger am Montag ein Konditionstraining besuchen.“

Damian Gehrig, du bist aktiver Schwinger. Seit wann bist du zusätzlich TK-Chef der Aktiven?
Damian:
„Im November 2015 habe ich dieses Amt von Marcel übernommen, welcher nun seither die Jungschwinger betreut.“

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
Damian:
„Meine eigentliche Bilanz wird erst in fünf bis zehn Jahren zum Vorschein kommen. Das Amt ist eine spannende Aufgabe und bei so vielen Schwingern anspruchsvoll. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Niveaus zu beachten und Trainings zu gestalten, welche alle fordern.“

Wie lauten die Ziele für 2018?
Marcel:
„Die Ziele sind gleich wie für 2017. Wir streben wieder 100 Zweige und fünf Festsiege an. Weiter gilt ein Fokus dem ENST 2018 in Landquart. Es wäre schön, wenn von uns vier oder fünf Jungschwinger teilnehmen könnten und Doppelzweige gewonnen würden.“
Damian: „Aus Sicht der Aktiven ist 2018 eine Zwischensaison. Ein Ziel ist, dass wir uns gut für die Saison 2019 mit dem ESAF in Zug vorbereiten können. Weiter hoffen wir diese Saison auf Neukranzer, was wir 2017 leider nicht erreichten.“

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2018?
Damian:
„Wir organisieren zwei Anlässe mit drei Wettkämpfen. Das eine ist der Buebeschwinget Schonegg im Mai. Weiter im Juni: Wenn der Gotthelf-Märit stattfindet, steht am Freitag der Abendschwinget und am Samstag der Jungschwingertag auf dem Programm.“

Wann und wo treten die Sumiswalder Schwinger 2018 zu den ersten Schwingfesten an?
Damian:
„Das erste Schwingfest wird der Hallenschwinget Kirchberg (10. Februar) sein. In den vergangenen Jahren waren immer um die fünf Schwinger von uns am Start. Weiter folgt am 24. Februar der Hallenschwinget Büren a. Aare, bei welchem bisher um zwei bis drei Schwinger von unserem Klub teilnahmen. Beim Hallenschwinget Oberdiessbach (11. März), dem ersten Schwingfest der Saison im Emmental, rücken jeweils mehr als zehn Schwinger von uns aus.“
Marcel: „Beim Jungschwingertag Büren a. Aare (24. Februar) werden wir teilnehmen. Weiter auch in Oberdiessbach, beim Hallen-Jungschwingertag (10. März) und am 18. März beim Hallen-Nachwuchsschwingertag Langenthal.“


Den Aktiven machte das Aufwärmtraining sichtlich Spass

Nach dem Interview begann der Eidgenosse Damian Gehrig das Training mit den 14 anwesenden Aktiven. Man sah deutlich, dass der Spass beim Training, in welches unter anderem spielerische Reaktionsübungen integriert wurden, nicht zu kurz kam. Der andere Eidgenosse, Patrick Schenk, und Matthias Aeschbacher waren beim Training nicht anwesend. Beide absolvierten zu diesem Zeitpunkt einen Spitzensport-WK in Magglingen BE.

Wie man beim Schwingtraining beobachten konnte, wird der Fokus momentan auf je einen Boden- und einen Standschwung gelegt. Beim Besuch wurde der „Münger Murks“ und der „Hüfter“ geübt. Wie mir Philipp Gehrig, wegen einem 2017 erlittenen Kreuzbandriss derzeit rekonvaleszent, erklärte, wird im Januar vor allem das Schulschwingen praktiziert. Philipp, welcher zurzeit noch kein Schwingtraining absolvieren darf, ergänzte: „Anfangs Februar starten die Schwinger mit wettkampfmässigem Schwingtraining.“

Zum Schluss bedanke ich mich bei Ueli, Damian, Marcel und den Sumiswalder Schwingern für ihre Gastfreundschaft! Für die weiteren Trainingswochen und die im Frühling beginnende Schwingfestsaison wünsche ich ihnen viel Erfolg und zahlreiche Kränze. Aber auch, dass sie verschont vor Verletzungen bleiben und ihre rekonvaleszenten Schwinger wieder in die Sägemehlringe zurückkehren können.

feldwaldwiesenblogger

Krafttraining im Schwingsport – Längst noch nicht ausgereift

Text und Fotos: Matthias Ludwig

Über mich
Mein Name ist Matthias Ludwig und ich arbeite als Leistungsphysiologe/Diagnostiker und Trainer im Ausdauer und Kraftbereich. Die Liebe zum Sport führte mich zur Ausbildung an die Deutsche Sporthochschule in Köln. Die einzige eigenständige Universität in Europa, die sich nur auf Sport konzentriert. Nachdem ich der Universität zunächst als Dozent erhalten blieb, führte mich mein Weg 2008 als Leistungsdiagnostiker in die Schweiz. So konnte ich früh mit den besten Sportlern aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten und von den besten Trainern lernen. Parallel bin ich seit 2006 weltweit in der Trainerausbildung tätig und referiere über Trainingssteuerung, Kraft- und Ausdauertraining. Im Schwingsport arbeite ich seit 2011 als Kraft- und Athletiktrainer. Mittlerweile zertifiziert als Trainer im Olympischen Gewichtheben, gebe ich dieses Wissen seit 2011 an Schwinger aus mehreren Kantonen und verschiedenen Altersklassen weiter.

Stellenwert des Krafttrainings
Schwingen ist ein Techniksport. Doch die zweite Komponente, die Kraft, kommt bei allem Trainingsaufwand immer noch zu kurz. Mit Krafttraining meine ich Training mit hohen Gewichten, nicht das Training im Sägemehl. Das Krafttraining im Schwingsport wird mehr und mehr akzeptiert. Sätze wie „Ich hole mir die Kraft im Sägemehl“ hört man fast nicht mehr. Genauso selten ist, dass körperliche Arbeit als Ersatz geltend gemacht wird. Vor allem die junge Generation hat begriffen, welches Potenzial Krafttraining bietet und ist regelmässig im Kraftkeller zu finden. Die Spitzenschwinger der vergangenen Jahre haben hierfür extra Trainer engagiert, die sie für die Kranzfeste fit machen und Trainingsabläufe optimieren, beziehungsweise an Schwächen arbeiten. Für den Nachwuchs entsteht hier eine Wissenslücke: Die Trainer wissen zwar um die Wichtigkeit des Kraft- und Athletik-Trainings, das nötige Wissen fehlt allerdings häufig. Teils, weil sie selbst nie konsequent im Kraftbereich gearbeitet haben, teils auch, weil das Wissen in den letzten Jahren in diesem Bereich enorm erweitert wurde. Übungen aus dem klassischen Gewichtheben gehören ebenso zum Repertoire des modernen Trainings wie Übungen mit Kettlebells (Kugelhanteln) und Gleichgewichtsübungen. Dazu kommen einige Varianten um das Training variabel und abwechslungsreich zu gestalten, so dass der Körper sich auf die neuen Reize einstellen muss und der Geist nicht müde wird. Richtig geplant ist das Krafttraining auch trotz körperlicher Arbeit möglich.
Nun habe ich bei MYPersonalcoach.ch mittlerweile einige Schwinger in Betreuung, von unterschiedlichem Alter und unterschiedlicher Klasse. Alle haben auf Nachfrage beim ersten Kontakt angegeben, dass sie Krafttraining machen. Auf die Frage wie sie es machen und unter welchen Anweisungen, gaben sie an, dass der Trainer gesagt hat: „Mach Krafttraining“. Zufall? Vielleicht. Aber Schwinger aus verschiedenen Teilverbänden, die das gleiche berichten? Ein näherer Blick lohnt sich. Vor allem in Zeiten der höchsten Popularität und zunehmender Professionalisierung des Schwingsports.

Die Anforderungen
Neben der Technik ist Schwingen auf den ersten Blick vor allem eines: Eine Schnellkraftsportart. Da scheint es nur logisch zu sein, das Krafttraining ebenso auszurichten. Was ist aber mit der zeitlichen Komponente? Oder besser gesagt: Der Ermüdungsresistenz? Je länger ein Gang dauert, desto höher die anaerobe Komponente (Energiebereitstellung unter Laktatproduktion). Wer hier schlecht aufgestellt ist, wird aufgrund von Konzentrationsschwäche und Kraftverlust dem athletischeren Gegenüber unterlegen sein. Athletisch bedeutet nicht in erster Linie kräftig und schwer.
Kraft = Masse mal Beschleunigung. Setzt sich die Masse eines Schwingers nicht aus aktiver (beschleunigender) Muskulatur zusammen, sondern aus „Schwungmasse“, wird es schwierig. Das heisst: Bei aller Masse muss auch die nötige Kraft vorhanden sein, diese Masse zu beschleunigen. Das Verhältnis muss stimmen. Mit wenigen Ausnahmen sind die heutigen Spitzenschwinger Athleten. Alle über 100 Kilogramm und alle mit der nötigen Muskulatur ausgestattet, das Gewicht richtig einzusetzen. Nicht zu vergessen der funktionelle Anteil. Es bringt wenig, den Bizeps beispielsweise massiv auf zu trainieren, diese Kraft im Wettkampf aber nicht einsetzen zu können. Das bedeutet: Funktionell, also bewegungsangepasst trainieren.
Was ist aber mit einem ganzen Wettkampftag? Auch die aerobe Ausdauer (was zum Beispiel ein Triathlet braucht: Energie bereitstellen ohne zu übersäuern) spielt eine gewisse Rolle. Je besser die ist, desto besser ist die Regeneration zwischen zwei Gängen.

Wie trainieren meine Athleten?
Einige Kränze im letzten Jahr zeigen, dass nicht alles schlecht war was gemacht wurde. Ein neuer Athlet muss ein gewisses Assessment (Beurteilung) durchlaufen. Das heisst, es gibt ein bis drei Termine an denen wir uns persönlich sehen und wir Trainings zusammen absolvieren. Dabei technische Schwächen zu erkennen und zu beheben versuchen. Viel Gewicht zu bewegen bedeutet nicht automatisch ein hohes Verletzungsrisiko. Das besteht nur, wenn zum Beispiel bei der tiefen Kniebeuge die Kniestellung nicht stimmt. Oder anders gesagt: Die Technik schlecht ist. Danach definieren wir sogenannte Benchmarks (Vergleichsmassstäbe). Das sind Übungen und Abläufe, die sich in regelmässigen Abständen wiederfinden und die wir als Standortbestimmung nutzen. Das kann, je nach Athlet, bis zu zwei Wochen dauern, verteilt auf etwa sechs Tage. Der eigentliche Aufbau startet ab da. Dabei gibt es einen groben Rahmenplan, der die Saison in verschiedene Blöcke einteilt: Teile in denen der Kraftaufbau im Vordergrund steht, spezifische Schnellkraft, anaerobes Training und der Erhalt des Ganzen. Dies alles angepasst auf den Wettkampfkalender. Dabei zeigt sich, dass es mehr als „Mach Krafttraining“ ist. Viele Komponenten spielen zusammen und ergeben im Endeffekt das Gesamtresultat.

Am Anfang steht die Kraft
Die Maximalkraft ist nach der Technik ein zentraler Teil des Schwingsports. Ihr wird auch im Training ein grosser Teil der Zeit gewidmet, vorausgesetzt die technische Übungsausführung ist gut. Welche Muskelgruppen im Fokus stehen, ist wiederrum abhängig von der Ausgangslage des Sportlers. Oberschenkel – Vorder- und Rückseite, Rumpf, Arm und Schultergürtel. Das wird trainiert mit verschiedenen Übungen und Übungsmustern. Dann der zweite Teil der Schnellkraft: Die Fähigkeit Muskelfasern schnell anzusteuern. Das Ganze wird mit funktionellen Übungen kombiniert. Das bedeutet, Schnellkraft funktionell anzuwenden, wie es im Wettkampf auch passieren muss.
Mit MYPersonalcoach.ch habe ich ein Tool, das individuelles Training ermöglicht, ohne dass ich immer vor Ort sein muss. Das hat einen klaren zeitlichen und finanziellen Vorteil und erlaubt dabei jedem, ein spezifisches Training, das Stärken und Schwächen erkennt und ausgleichen kann.

Ermüdungsresistenz – anaerobe Ausdauer
Das sogenannte Laktat kennen die Meisten. Das Brennen in der Muskulatur, welches uns zwingt den Berg langsamer hoch zu laufen. Die Atmung ist beschleunigt und wenn wir das Tempo nicht weiter reduzieren, zwingt uns unser Körper stehen zu bleiben. Das kommt daher, dass wir schnell viel Energie verbraucht haben. Zuviel Kraft aufgewendet haben, um das über längere Zeit zu machen. Je länger der hohe Krafteinsatz, desto früher müssen wir aufhören. Der Eine kann das vielleicht 30 Sekunden, eine Minute oder länger. Und genau das kann den Unterschied in einem Wettkampf, der vielleicht sechs Minuten dauert, ausmachen. Das kann man trainieren. Ein Paradebeispiel sind 400-Meter- oder 800-Meter-Läufer: Das Startsignal kommt und dann geht es nur darum, das maximale Tempo möglichst lange aufrecht zu halten. Trotz der Schmerzen, die mit jedem Schritt grösser werden und es mit jedem Schritt schwerer wird, ein Bein vor das andere zu setzen. Beim Schwingen ist es ähnlich: Höchste Körperspannung von Anfang an. Dazu kommt eine enorme Anforderung an die Konzentration. Nur geht es hier nicht um eine Zeit. Es geht um gewinnen und verlieren. Ein Fehler oder eine Unkonzentriertheit kann dazu führen, dass du vom Gegner auf den Rücken gedreht wirst. Dieser entscheidende Augenblick kommt in jedem Kampf. Gewinnen wird der, der in diesem Moment noch das Quäntchen frischer ist. Wie gesagt: Das kann man trainieren. Und das sollte auch Teil eines jeden Trainings sein.

Welche Komponenten gehören noch dazu?
Ludwig Feuerbach prägte den Ausspruch „Du bist was du isst“. Mittlerweile ist dieses Zitat gut 150 Jahre alt und hat trotzdem immer noch seine Gültigkeit. Die Menge und die Qualität der zugeführten Nahrungsmittel haben auch einen massiven Einfluss auf die Leistungen im Training, und damit indirekt auch auf die Leistung im Wettkampf. Das Essverhalten am Wettkampftag beeinflusst die Leistung ebenfalls. Ausnahmen gibt es, und die bestätigen wie immer die Regel, beispielsweise Christian Stucki. Ich denke aber, dass der Schwingsport weiter an Professionalität zunehmen wird. Und je weiter Sportler an ihr Leistungslimit kommen, desto wichtiger wird es, dass Einflussfaktoren wie Ernährung, oder auch Mentaltraining, im Training berücksichtig und optimiert werden.

Wo liegt das Problem im Krafttraining?
Neben der oben beschriebenen Komplexität des Krafttrainings im Erwachsenenalter muss man sich doch vergegenwärtigen, dass die Grundlagen dafür schon in der Jugend gelegt werden. Das heisst, dass ein strukturierter Aufbau, der die Sportler an die komplexen Übungen beispielsweise des Gewichthebens heranführt, erfolgen sollte. Am Anfang steht die Technik. Das gilt für das Schwingen wie für das Krafttraining. Dabei muss dafür kein grosser Teil des Trainings geopfert werden. Basisübungen können zum Beispiel in das Aufwärmen integriert werden. Training mit hohen Gewichten bietet enorm viel Potenzial im Maximal- und Schnellkraftbereich. Und bietet natürlich auch ein hohes Verletzungsrisiko. Allerdings nur, wenn unsauber gearbeitet wird. Ergänzende Stabilisierungsübungen und Dehnung der beanspruchten Muskulatur muss ebenfalls seinen Platz finden. Es schadet also nicht, das eigene Training zu hinterfragen und neuem gegenüber offen zu sein.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Stephan Studinger, welcher überraschend im Schlussgang des Berchtold-Schwinget stand

Text: feldwaldwiesenblogger

Wie bereits schon letztes Jahr, als ich beispielsweise den Emmentaler Tobias Siegenthaler oder den Schwyzer Florian Hasler nach einem verlorenen Schlussgang zu Wort kommen liess, widme ich mich nach dem ersten Schwingfest der Saison erneut dem Schlussgang-Verlierer. Denn: Stephan Studinger erreichte beim Berchtold-Schwinget den Schlussgang mit einer starken Leistung, welche es ebenfalls verdient, erwähnt zu werden. Einen Tag nach dem erfolgreichen Schwingfest führte ich mit Stephan ein interessantes Gespräch am Telefon.


Stephan Studinger beim Berchtold-Schwinget 2018
Bild: Pascale Alpiger

Der 121. Berchtold-Schwinget
Am 2. Januar wird schon seit vielen Jahren mit diesem Klassiker die Schwingsaison eingeläutet. Sieger des traditionellen Berchtold-Schwinget in der Saalsporthalle Zürich-Wiedikon wurde wie schon im Vorjahr Armon Orlik. Der Bündner bezwang im Schlussgang in der dritten Minute Stephan Studinger mit einem herrlichen Kurz.
1680 Zuschauer fanden den Weg am Berchtoldstag, welcher in Zürich ein Feiertag ist, in die Saalsporthalle. Organisiert wird der Anlass vom Schwingklub Zürich. Ruedi Schweizer, seines Zeichens Klubpräsident, figurierte als OKP des ersten Schwingfestes des Jahres. Er und sein Team stellten eine erstklassige Infrastruktur bereit und waren auch besorgt für das leibliche und musikalische Wohl der Schwingerfreunde. In der Saalsporthalle war zudem ein kleiner aber feiner Gabentempel auszumachen.
In früheren Jahren soll die Besetzung jeweils absolut top gewesen sein. Wie mir Ruedi Schweizer vor einem Jahr erzählte, durfte sich das Teilnehmerfeld aber auch in den letzten Jahren absolut sehen lassen. So auch bei der Ausgabe 2018: Am Start waren sechs Eidgenossen (Armon Orlik, Michael Bless, Marcel Kuster, Roger Rychen, Sven Schurtenberger und Nick Alpiger), sowie etliche starke Kranzschwinger. Insgesamt traten 135 Schwinger an. Nebst den Nordostschweizern waren Gäste aus der Innerschweiz, dem Bernbiet und der Nordwestschweiz im Teilnehmerfeld auszumachen.

Stephan Studinger stand überraschend im Schlussgang
Stephan Studinger verlor im Schlussgang gegen einen souveränen Armon Orlik und fand sich schliesslich auf Rang 5a der Schlussrangliste. Der Sennenschwinger qualifizierte sich mit vier Siegen und einer Niederlage für den Schlussgang. Im fünften Gang bezwang Stephan den Bündner Roman Hochholdinger platt und ebnete sich so den Weg ins Finale. Der Übersprung- und Kurz-Spezialist stand etwas überraschend, aber nicht unverdient im finalen letzten Kampf. Das Meisterstück gelang dem Nordwestschweizer im zweiten Gang, in welchem ihm für den Sieg gegen den Eidgenossen Roger Rychen eine glatte Zehn geschrieben wurde.
Stephan’s Geburtsdatum ist der 6. Juli 1984. Der 33-Jährige wohnt in Däniken SO, ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes. Der gebürtige Solothurner bringt mit seiner Grösse (185 Zentimeter) und seinem Gewicht (115 Kilogramm) gute Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Stephan ist gelernter Landwirt und arbeitet als Aussendienst-Verkaufsberater. Zu seinen Hobbys zählt er nebst dem Schwingen die Familie und die Landwirtschaft.
Stephan Studinger ist Mitglied beim Schwingklub Aarau und hat bisher 29 Kränze herausgeschwungen. In der letzten Saison konnte der Familienvater beim Schwyzer Kantonalen, Baselstädtischen und dem Weissenstein-Schwinget vor die Kranzdamen treten. Dank den drei Saisonkränzen wurde Stephan für den Unspunnen-Schwinget selektioniert. Als schwingerisches Vorbild benennt der zweifache Berg- und vierfache Teilverbands-Kranzer den Appenzeller Schwingerkönig Thomas Sutter.
Seit der GV 2016 ist der routinierte Schwinger zudem Technischer Leiter beim Schwingklub Aarau.


Stephan Studinger bereit für den nächsten Gang
Bild: Pascale Alpiger

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?
„Gute Frage, was soll ich sagen? Am Anfang dachte ich mir: Ich habe jetzt halt verloren, stand aber immerhin im Schlussgang. Später begann ich zu eruieren, wie ich ihn hätte packen können.“

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
Stephan lacht. „Die Taktik würde ich beibehalten. Die war: Angreifen oder kontern. Denn ein gestellter Gang hätte mir nichts genützt. Ich hätte schon eine Idee, wie ich ihn nehmen könnte. Dies verrate ich dir jetzt aber nicht.“

War für dich der Sieg gegen den Eidgenossen Roger Rychen der Schlüsselgang für den Weg in den Schlussgang?
„Ich würde sagen, der erste Gang gegen Marco Nägeli war für mich der Schlüsselgang. Denn grundsätzlich ist es bei mir der erste Gang, welcher ausschlaggebend ist und am meisten zählt. Der Sieg gegen Rychen war aber zweifellos auch wichtig und hat mich aufgebaut und motiviert.“

Was für ein Fazit ziehst du vom Berchtold-Schwinget?
„Ich ziehe eigentlich ein positives Fazit und bin überrascht, dass es so gut gelaufen ist. Es würde mich freuen, wenn es so weitergehen würde.“

Wie siehst du deine letztjährige Saisonbilanz?
„Ich bin soweit zufrieden, und erreichte fast bei allen Festen gute Resultate. Ich erschwang mir drei Kränze. Nebst dem Baselstädter den Bergkranz auf dem Weissenstein und mit dem Schwyzer Kantonalkranz auswärtiges Eichenlaub, welches man durchaus vorweisen darf. Es war aus meiner Sicht eine gute Saison, auch wenn ich den Aargauer Kranz leider verpasst habe.“


Stephan Studinger holte sich 2017 den Bergkranz auf dem Weissenstein
Bild: Stephan Studinger

Du hast deinen ersten Kranz 2003 beim Baselbieter Kantonalschwingfest in Sissach gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?
„Die erfolgreichste Saison war für mich 2015, in welcher ich vier Kränze gewann und unfallfrei durch die Saison kam. Darunter war ein auswärtiger Kranz, nämlich derjenige vom Oberländischen in Boltigen BE.“

Letztes Jahr hast du mit deinem Bergkranz auf dem Weissenstein bereits auf dich aufmerksam gemacht. Und am Berchtold-Schwinget nun mit der Qualifikation für den Schlussgang. Erlebst du mit deinen 33 Jahren einen zweiten „Schwinger-Frühling“?
„Das kann man so nicht unbedingt sagen, es ist kein zweiter Frühling. Ein Stück weit schreibe ich es der Routine zu, die immer grösser wird. Ich sehe es als stetiger Aufwärtstrend. Zudem ist es schön für mich, dass es immer besser läuft und gibt mir eine bestimmte Gelassenheit. Ich wiederhole mich zwar, aber es wäre wirklich schön, wenn es so weiter gehen würde.“

Der bestens bekannte Matthäus Huber ist der Präsident vom Schwingklub Aarau, welchem du angehörst. Inwieweit hast du von diesem ehemaligen Spitzenschwinger profitiert?
„Matthäus Huber hat uns immer an die Schwingfeste mitgenommen, unterstützt und bestens betreut. Er war längere Zeit unser Technischer Leiter.“

Du bist bereits jetzt schon gut „drauf“. Woran wirst du bis zum eigentlichen Saisonstart noch arbeiten?
„An der Kondition werde ich vor allem noch arbeiten. Weiter möchte ich meine Schwünge, welche ich bereits beherrsche, noch perfektionieren. Zurzeit trainiere ich pro Woche zweimal im Schwingkeller und am Sonntag trainiere ich mit meinen Klubkameraden Kondition, Koordination und Reaktion.“

Welches werden deine nächsten Schwingfeste sein?
„Vermutlich sind das die Frühjahrsschwingfeste in Oberarth SZ und in Brunegg AG sowie der Guggibad-Schwinget in Buttwil AG.“

feldwaldwiesenblogger

Jahresendgespräch mit ESV-Obmann Paul Vogel: Ausblick auf 2018

Text: feldwaldwiesenblogger

Am 21. Dezember veröffentlichte ich den ersten Teil des Jahresendgespräches mit Paul Vogel, dem Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV). Er zog dabei Bilanz über das Schwingerjahr 2017. Themen wie die Mitgliedschaft beim Dachverband Swiss Olympic, Verletzungssorgen aus Sicht des ESV, die Zahlen der Aktiven und Jungschwinger, der neue Medienvertrag mit SRF und die sechs Bergfeste wurden angesprochen. Heute erklärt der Luzerner, was den ESV 2018 beschäftigen wird. Zu interessanten Schwerpunkt-Themen stellt Paul die Sicht des Schwingerverbandes dar.


Paul Vogel erklärt, was den ESV 2018 beschäftigt
Foto: feldwaldwiesenblogger

Was den ESV über 2017 hinaus beschäftigt
2020 feiert der ESV seinen 125. Geburtstag. Die „Jubiläumsschrift 2020“ soll 2018 in Angriff genommen werden. Zudem liegen nun mit Davos, Interlaken und Colombier drei Bewerbungsdossiers für den Jubiläumsanlass vor. Weiter will man kleine Anpassungen im Werbe-Reglement vornehmen und schliesslich beschäftigt die „No Billag“-Abstimmung auch den Schwingerverband. Der ESV ist zwar politisch und konfessionell neutral. Trotzdem: Wie geht man damit um, und wie wird sich der ESV positionieren? Denn die Billag ist für den ESV wichtig. Einerseits möchte man, dass SRF weiterhin viel und regelmässig über den Schwingsport berichtet. Andererseits wären auch die regionalen Fernseh- und Radiostationen, welche ebenfalls regelmässig Beiträge über den Nationalsport ausstrahlen, betroffen. Denn diese bekommen momentan 60 Millionen Franken aus diesen Gebührengeldern.
Der Goldene Kranz, welcher von Roger Fuchs ins Leben gerufen wurde, konnte vom ESV übernommen werden. Die Ehrung zum Aufsteiger des Jahres und zum Schwinger des Jahres erfolgt jeweils nun an der Abgeordneten-Versammlung (AV).
Künftige grosse Feste wie das ESAF 2019 in Zug oder auch schon der nächste Kilchberger Schwinget werden ein Thema sein. Beim Kilchberger Schwinget, ebenfalls ein Schwingfest mit Eidgenössischen Charakter, möchte der Verband Anpassungen reinbringen.


Die Regiobank Schwinghalle Solothurn wurde am 12. Mai feierlich eröffnet
Foto: schwingklub-solothurn.ch

Sechs neue Schwinghallen
„Erfreulicherweise erhielten wir dieses Jahr mehrere Gesuche für den Neubau von Schwinghallen, und zwar aus der ganzen Schweiz. In den beiden letzten Jahren wurden zudem sechs neue Schwinghallen gebaut“, erzählt Paul. Weiter durfte der ESV die Geschäftsstelle mit einer 60 Prozent-Stelle aufstocken, was sich als positiv erwies. Christian Ruefer beendet auf Ende 2017 seinen Job als Medienchef beim ESV, und wird nicht ersetzt. Diese Arbeiten werden neu in die Geschäftsstelle integriert. Der Obmann erläutert: „Früher hat es diesen Job gebraucht. Heute kommen die Anfragen zu 70 Prozent zu mir und die restlichen 30 Prozent zur Geschäftsstelle.“
Des Weiteren hat der ESV Sorgen mit der Zeitung „Schwingen Hornussen Jodeln“. Denn der Abonnentenschwund ist enorm und die Inserate-Zahl ging ebenfalls zurück. Laut Paul mussten sie die Handbremse ziehen und der Verband ist nun auf der Suche nach Lösungen. Sonst wird das Ganze irgendwann zum Verlustgeschäft.
Die Schwingerhilfs-Kasse wird künftig in die ESV-Geschäftsstelle integriert. Die Funktions-Diagramme wurden dementsprechend überarbeitet. Paul sagt dazu: „Der Arbeitsanfall hat in den letzten Jahren ständig zugenommen. Bei der Schaffung der Geschäftsstelle vor einigen Jahren hatte man das Bestreben, den Zentralvorstand zu entlasten. Wir müssen dabei ständig aufpassen, dass wir die Zentralvorstandsmitglieder und die Teilverbandspräsidenten nicht mit Arbeit überladen. Das Ziel vom ESV ist nach wie vor, dass vom Klub bis hin zum Obmann ehrenamtlich gearbeitet wird. In naher Zukunft müssen wir die Geschäftsstelle erneut aufstocken, und zwar im Technischen Bereich. Die Anforderungen haben sich gegenüber früher stark verändert, dazu gehört sicher auch die Ausbildung.“


Dies beschäftigt den ESV u.a. 2018: Wie weiter mit der Zeitung „Schwingen Hornussen Jodeln“?
Foto: feldwaldwiesenblogger

Wichtigen Themen für den ESV im neuen Jahr
Das Eidgenössische 2022 mit dem Standort Pratteln ist so ein Thema. An der AV im kommenden März möchte man diesen Anlass definitiv vergeben. Paul dazu: „Wir haben dies genau angeschaut und sind der Meinung, dass das Bewerber-OK gute Arbeit geleistet hat. Wegen den Platzverhältnissen vor Ort wird die Arena des ESAF 2022 etwas kleiner werden. Geplant ist eine Grössenordnung wie 2010 in Frauenfeld mit 47’000 Zuschauern. Zum Vergleich: 2019 werden in Zug 56’000 Zuschauer Platz finden. Wir sind froh, dass wir mit Pratteln nun einen Standort haben. Denn die Standorte Aesch BL und später das St. Jakob-Stadion in Basel führten bekanntlich zu verschiedenen Schwierigkeiten.“
Weiter steht die Umsetzung eines Kommunikationskonzeptes auf dem Programm. Dieses Konzept beinhaltet die Printmedien bis hin zum Extranet, oder wie es mit der Schwingerzeitung weitergehen soll. Erkenntnisse aus einer vorgängig gemachten Analyse liess man in das Konzept einfliessen.
Anpassungen im Technischen Bereich, wie die Ausbildung in Zukunft aufgegleist werden soll, stehen an. Ein Ziel ist, dass die 23 Schwinger, welche Sport-WK’s absolvieren, eine Grundausbildung im Technischen Bereich absolvieren können. Weiter wird ein Thema sein, wie man zurückgetretene Schwinger dazu motivieren kann, sich als Technische Leiter zu betätigen. Der höchste Schwingfunktionär ergänzt: „Zu weiteren Arbeiten gehört auch die Unterstützung der Klubs im technischen und administrativen Bereich. Die Arbeit geht uns nicht aus. Ich bin jetzt im vierten Jahr als Obmann. Die Arbeit wird jedes Jahr mehr, schätzungsweise um 5 Prozent.“

Keine weitere Professionalisierung des aktiven Schwingsportes
Mit diesem Thema konfrontiert, erläutert Paul: „Wir haben drei oder vier Schwinger, welche derzeit vom Schwingsport leben könnten. Aber was machen diese, wenn sie nicht mehr aktiv sind? Es ist deshalb wichtig und richtig, dass alle einer geregelten Arbeit nachgehen. Das Schwingen wird nie ein Profisport werden. Ich finde nach wie vor gut, dass die Schwinger etwas an Werbeeinnahmen generieren können. Denn die Athleten haben auch mehr Auslagen als früher. Die Schwinger geben zehn Prozent der Werbeeinnahmen zugunsten der Nachwuchsförderung an den Verband ab. Dieser Betrag steigt für 2017 über 200’000 Franken. Grob gesagt sind es etwa 70 Schwinger, welche durch Werbung Geld bekommen. Einige Athleten wollen dies zum Teil (noch) nicht. Ich habe keine Bedenken, dass das weiterhin auf einer guten Basis und mit gesundem Menschenverstand abläuft.“

Die Rekrutierung von Funktionären wird zunehmend schwieriger
„Die Rekrutierung von Personen für Vereins- und Vorstandsaufgaben ist tatsächlich schwieriger geworden. Das ist ein allgemeiner Trend und fusst auf dem Wohlstand in der Bevölkerung. Viele geben lieber Geld und machen dafür nichts. Mit diesem Umstand kämpft aber nicht nur der Schwingsport, es trifft alle Vereine“, so der Luzerner.


Das Riesengelände vom ESAF 2016 in Estavayer FR
Foto: schlussgang.ch

Die sich weiter öffnende Schere zwischen Riesen-Anlässen und den kleinen Rangschwingfesten
Die Schere hat sich laut dem ESV-Obmann vor allem oben weiter geöffnet, indem diese Feste immer grösser und beliebter geworden sind. Man darf sich aber auch an das ESAF 2001 in Nyon erinnern, wo eine Arena mit 32’000 Sitzplätzen gebaut, aber „nur“ 27’000 Plätze verkauft wurden. Das Fest wies deswegen hinterher ein Defizit von 400’000 Franken auf. Das ESAF 2016 in Estavayer ist das erste Eidgenössische Schwingfest in der Südwestschweiz, welches finanziell positiv abgeschlossen hat. Aber auch die Teilverbandsfeste wurden laufend grösser. So soll beispielsweise das ISAF 2018 in Ruswil 2’000 zusätzliche Plätze zu vergangenen Festen aufweisen. Paul ist nicht unbedingt ein Freund davon, denn irgendwann ist eine Obergrenze erreicht und die ganze Infrastruktur rings um so grosse Arenen muss auch seinen Platz haben. Trotzdem meint der Ruswiler: „Die kleineren Feste haben ganz klar ihre Daseinsberechtigung. Es gehört aber auch dazu, dass sie sich anpassen und gute Arbeit leisten müssen. Vom ESV her wurde bekanntlich die Regelung der vier zu besuchenden Rangschwingfeste verabschiedet. Der ISV will das gleiche in Zukunft auch machen, damit ihre Athleten über ihren Wohnkanton hinaus für Schwingfeste selektioniert werden. Die ersten Auswirkungen sahen wir dieses Jahr, als gewisse Spitzenschwinger für Feste ausserhalb ihres Teilverbandes nicht berücksichtigt werden konnten. So stärken wir die Klubs, denn diese sind für uns die Basis. Ganz schlechte Beispiele sind jene Klubs, welche in ihrem Gebiet keine Schwingfeste mehr organisieren. Diese verschwinden früher oder später von der Bildfläche.“

Ein Älplerfest ist zu einem Volksfest geworden
Das ESAF heisst ausgeschrieben Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest. Der Begründer der Vogel Design AG fragt: „Warum wurde es wohl Älplerfest genannt? Weil die Älpler früher neben dem Schwingen auch ein Fest machen wollten. Wenn man es heutzutage neu betiteln müsste, würde es wohl Eidgenössisches Schwing- und Volksfest heissen. Die Organisatoren vom ESAF 2019 in Zug müssen stark darauf achten, dass sie den Volksauflauf auf den vorgegebenen Plätzen bewältigen können. Denn heute gibt es enorm viele Leute, welche nur ans Volksfest kommen, aber nicht in die Schwing-Arena. Das hat sich in den letzten Jahren definitiv geändert. Man muss darauf ein Auge halten, damit dies nicht noch mehr gepusht wird. Es gibt dabei verschiedene Ideen und Lösungsansätze. Uns ist es wichtig, dass sich Personen mit einem mittleren Einkommen weiterhin den Eintritt bei einem Eidgenössischen leisten können. Was uns auch beschäftigt, sind die Arenakosten. Denn die Ticketpreise decken diese momentan nicht mehr. Es sind dabei auch extreme Auflagen betreffs Sicherheit hinzugekommen.“

feldwaldwiesenblogger

Jahresendgespräch mit ESV-Obmann Paul Vogel: Bilanz über 2017

Text: feldwaldwiesenblogger

Kürzlich traf ich Paul Vogel, den Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV), zum Gespräch. Dabei zog er Bilanz über das Schwingerjahr 2017 und hielt Ausblick auf 2018. Heute folgt mit mehreren Schwerpunkten die Bilanz über 2017. In einem zweiten Teil werden demnächst ein Ausblick auf 2018 und weitere Brennpunkte behandelt.


ESV-Obmann Paul Vogel zieht Bilanz über das Schwingerjahr 2017
Foto: feldwaldwiesenblogger

Der 60-Jährige wohnt in Sigigen LU, ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Paul gründete 1982 einen eigenen Betrieb, die Vogel Design AG in Ruswil LU. Er hatte damals einen Mitarbeiter, welcher heute noch im Betrieb arbeitet. Das Unternehmen, welches sich auf verschiedenste Bauten im Wohnbereich spezialisiert hat, zählt heute 85 Mitarbeiter. Der höchste Schwingerfunktionär hat vor drei Jahren den Betrieb an seinen Sohn Christian übergeben. Paul arbeitet aber immer noch im Betrieb und nimmt weiterhin Einsitz in der Geschäftsleitung. Der Luzerner steht der Abteilung Umbau vor, welche Arbeiten von der Planung bis zur Bauführung organisiert.

Paul hat einst auch geschwungen und erkämpfte sich 1978 in Ruswil seinen ersten Kranz. Leider verletzte er sich im darauffolgenden Herbst schwer am Knie und musste die Schwingerkarriere frühzeitig an den Nagel hängen. Der Unternehmer wirkt seit 1983 als Funktionär im Schwingsport und hatte jeweils um fünf bis sechs Jahre ein Amt inne, bevor er die Position wechselte. Der Werdegang lief über den Schwingklub-Aktuar, Schwingklub-Präsident (fünf Jahre), Technische Kommission und Vorstandstätigkeit im Luzerner Kantonalverband, fünf Jahre im Innerschweizer-Vorstand und weitere fünf Jahre als ISV-Präsident. Als ISV-Präsident war Paul automatisch im Zentralvorstand des ESV. Erst war er in diesem Gremium drei Jahre Aktuar, dann zwei Jahre Kassier. 2014 erfolgte die Wahl zum Obmann. Der Familienvater ergänzt: „Normalerweise bleibt ein Obmann zwei Amtsperioden von je drei Jahren. Nach der Abgeordnetenversammlung im März 2020 wird Schluss sein.“

Bilanz über das Schwingerjahr 2017
Paul sagt, dass es unter dem Strich gesehen gut lief. Sowohl für die Schwinger wie auch für den Verband. Erfreulich sei, wie die Jungen kommen. Und zwar aus mehreren Teilverbänden. Das dürfte hinsichtlich ESAF 2019 in Zug eine ausgeglichene Sache werden. Der Obmann weiter: „Wenn ich Bilanz ziehe über die einzelnen Teilverbände, stelle ich fest, dass die Berner nicht stärker geworden sind. Man nimmt zur Kenntnis, dass 2016 wohl der momentane Höhepunkt war. Sie haben nach wie vor sehr gute Schwinger. Man hat aber gesehen, dass auch in der Nordostschweiz, Innerschweiz und in der Nordwestschweiz Schwinger vorhanden sind, welche etwas reissen können. Bei unserem Sorgenkind, den Südwestschweizern, wurden nach einem schwachen 2016 dieses Jahr mehrere Lichtblicke registriert. Aus administrativer Sicht ist es nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Es gilt, den schmalen Pfad zwischen der Tradition und der Moderne zu beschreiten und die anstehenden Veränderungen zu bewältigen.“
Angesprochen auf den Saison-Höhepunkt Unspunnen-Schwinget meint der Ruswiler: „Es war ein sehr schöner Anlass und mit Christian Stucki fand das Fest einen würdigen Sieger. Der Festverlauf war hochstehend und spannend. Bis zum fünften Gang war die Ausgangslage offen. Wir haben 95 Prozent von dem erreicht, was wir angestrebt haben. Es gibt immer kleine Dinge, welche man noch optimieren könnte.“


Saison-Höhepunkt Unspunnen-Schwinget
Foto: unspunnen-schwinget.ch

Bilanz über die Mitgliedschaft beim Dachverband Swiss Olympic
Der ESV gehört seit Anfang Jahr zum Dachverband Swiss Olympic. Paul erläutert: „Es gibt dabei zwei Sachen zu bemerken: Erstens waren wir vorher sogenannte Rosinenpicker. Es tut dem ESV nun gut, dass er Mitglied bei so einer Organisation ist. Zweitens sind wird dabei, das Nachwuchsförderungskonzept zu erweitern. Weiter war für uns wichtig, dass wir die ganze Dopinggeschichte abgeben konnten. Wir hatten vorher eine Dopingkommission und die bestimmte, wer von Antidoping Schweiz geprüft wird. Jetzt führt Swiss Olympic die Kontrollen durch. Die Prüfungen und Analysen werden nach wie vor von Antidoping Schweiz vorgenommen. Uns kommt zugute, dass wir diese Tests nicht mehr selber bezahlen müssen. Mehrere Schwinger haben mich inzwischen angesprochen, dass sie beim Training oder Wettkampf getestet wurden. Alle Proben waren bisher negativ, was für uns natürlich sehr erfreulich ist.“
Der Schwingverband hat eine Antidoping-Kommission. Die ist dafür verantwortlich ist, dass alle Klubs und Schwinger informiert sind. Jeder Schwinger, welcher zu den Aktiven übertritt, wird persönlich angeschrieben und darüber orientiert, was es zu beachten gilt. Der ESV ist bestrebt, sauberen Schwingsport zu haben.

Verletzungssorgen aus Sicht des ESV
Einer der Punkte, welche den ESV beschäftigt, sind die vielen Verletzungen. „Man darf dies aber nicht zu stark in den Vordergrund stellen, weil es das immer schon gegeben hat“, erklärt Paul. Bei der Schwingerhilfskasse wird jeder verletzte Körperteil seit 20 Jahren statistisch erfasst. Knieverletzungen sind nach wie vor an der Spitze, gefolgt von Schulterverletzungen. Der Obmann dazu: „Wenn man die Unfallstatistik über all die Jahre hinweg studiert, stellt man nur leichte Veränderungen fest. Der Unterschied besteht darin, dass man heute mehr darüberschreibt und spricht. Der Körper und die Bänder machen halt wegen den ungeheuren Kräften nicht alles mit. Darum ist es wichtig, dass wir in die Ausbildung der Technischen Leiter investieren. Dass genügend Schwinger Trainerausbildungen absolvieren und ihr Wissen in den Klubs weitergeben. Von Seiten der Schwingerhilfskasse will man schauen, dass beim Trainingsbereich in den Schwinghallen entsprechende Anpassungen erfolgen. Denn die Athleten verletzen sich auch beim Training.“

Die Zahlen der Aktiven und Jungschwinger
„Es ist erfreulich, denn wir haben bei den Jungschwingern erneut einen Rekord! Gewöhnlich steigen die Zahlen im Jahr nach dem Eidgenössischen Schwingfest an, anschliessend gehen diese wieder leicht zurück. Wenn wir aber auf die letzten sechs Jahre schauen, konnte man jedes Jahr eine Steigerung erkennen. Bei den Aktiven registrieren wir auch eine leichte Steigerung der Mitgliederzahlen. Dank dem Extranet-Programm können wir nun seit Neustem die genauen Zahlen herauslesen: Welcher Schwinger hat welches Schwingfest bestritten. Denn die Anmeldungen für ein Schwingfest laufen alle über dieses Internetprogramm. Der Technische Leiter kann mit der Versicherungsnummer, welche jedem Schwinger zugeteilt wird, die Anmeldungen tätigen. Dank dieser Erfassung können nun einfacher Statistiken erhoben werden“, schliesst der begeisterte Schwingerfreund diese erfreulichen Umstände ab.


Die Zahl der Jungschwinger wurde erneut grösser
Bild: jungfrauzeitung.ch

Neuer Medienvertrag mit SRF
Der ESV wurde diesbezüglich 2016 aktiv und startete gewisse Pilotversuche. Bei diesen Versuchen wurden verschiedene Kommunikationsmittel und Firmen getestet. Dazu gehörten auch die Swiss1-Übertragungen vom NOS in Davos und vom Schwägalp-Schwinget. Weiter holte der Schwingverband von verschiedenen Anbietern Offerten ein, auch vom Schweizer Fernsehen (SRF). Der ESV zog dann Bilanz und entschied sich, den bestehenden Vertrag mit SRF zu erweitern. Kürzlich wurde bekannt, dass mit SRF für die Jahre 2017 bis 2022 ein neuer Rahmenvertrag abgeschlossen werden konnte. Paul erklärt dazu: „Wir sind zufrieden mit diesem Vertrag und denken, dass wir so die ganze Schweiz abdecken. Der BLICK ist zudem bis 2018 auch mit den Livestream-Übertragungen dabei. SRF liefert nun künftig von den sechs Bergfesten und den fünf Teilverbandsfesten Live-Bilder. Bei diesem Unterfangen mussten wir die Organisations-Komitees miteinbeziehen, welche damit einverstanden sind. Denn diese Übertragungen sind mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Eine Übertragung mit einer 45minütigen Zusammenfassung und der Liveübertragung des Schlussgangs wird um die 3’000 Franken zu stehen kommen. Der ESV bezahlt diesen Betrag. 2018 erfolgen nun von allen Teilverbandsfesten sowie vom Weissenstein- und vom Schwägalp-Schwinget solche Übertragungen. Vom Brünig-Schwinget erfolgt eine Ganztagesübertragung, wie schon 2016.“
Für die Übertragung vom Brünig-Schwinget musste 2015 ein Glasfaserkabel hochgezogen werden. SRF hat die Hälfte der Kosten übernommen. Damit die bisherigen lokalen TV-Übertrager wie Tele 1 oder Tele Bärn nicht zu kurz kommen, können diese künftig auf SRF zugehen und ihnen das Signal abkaufen. Da es 2018 an gewissen Wochenenden zu Terminüberschneidungen kommt, können nicht alle Bergfeste übertragen werden. SRF hat dem ESV zudem Vorschläge präsentiert, wie eine künftige Übertragung vom Rigi-Schwinget möglich wäre.


Die Organisatioren des Schwägalp-Schwinget leisten hervorragende Arbeit
Foto: schwaegalp-schwinget.ch

Die sechs Bergfeste
Der Begründer der Vogel Design AG meint zu diesem Thema: „Die Verantwortlichen vom Schwägalp-Schwinget haben die Zeichen der Zeit am besten erkannt, und haben die Wirtschaft, die Politik, das Militär und die Bevölkerung in ihre Organisation miteinbezogen. Kein anderer Veranstalter löst dies so bravourös. Das Organisations-Komitee vom Weissenstein-Schwinget hat in der letzten Zeit sehr gute Arbeit geleistet.“ Der Schwarzsee-Schwinget kann ab 2018 wieder am alten Standort beim See ausgetragen werden. Der Stoos- und der Rigi-Schwinget sind seit Jahren gleichmässig auf einem guten Niveau unterwegs. Die beiden Bergfeste kommen traditionell daher und haben nur beschränkte Ausbaumöglichkeiten. Die Brünig-Arena wurde umgebaut und der Moderne angepasst. Die Platzverhältnisse sind nach wie vor eng.

feldwaldwiesenblogger

20 Jahre POLUTION: Von der Jubiläumsfeier, Meilensteinen und Zukunftsplänen

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Muotathaler Band POLUTION durfte dieses Jahr den 20. Geburtstag feiern. Dieses freudige Ereignis nahm ich zum Anlass, die Band im Proberaum zu besuchen. Nach der Bandgeschichte wurden beim Gespräch mit Marcel Betschart und Pascal Gwerder auch die grandiose Jubiläumsfeier, Meilensteine in der Bandgeschichte und die Zukunftspläne thematisiert.

Die Jubiläumsfeier
Das Jubiläum wurde mit einem grandiosen Konzert im „Sternen“-Saal in Muotathal gefeiert. Bei der Feier mit allen ehemaligen Musikern war der Saal mit 250 Konzertbesuchern prall gefüllt. POLUTION trat in chronologischer Reihenfolge auf. Erst mit den Gründungsmitgliedern und den alten Songs. Sie standen in jeder Besetzung, die es je gegeben hat, auf der Bühne und spielten die entsprechenden Stücke. Schlussendlich wurden etwa 30 Songs gezählt. Dabei wurden relativ viele Covers gespielt, da POLUTION mit Songs aus dem riesigen Hardrock-Fundus ihre Karriere begann. Pascal Gwerder war als Einziger die ganze Zeit auf der Bühne, er ist von Anfang dabei. Heinz Imhof amtete zwischen den Songs als „Tafelmajor“ und erläuterte die passenden Geschehnisse und Veränderungen rund um die Bandgeschichte.
Am Festtag wurde um 15 Uhr mit Ländlermusik im Restaurant gestartet. Es folgte ein kleiner Apéro für die geladenen Gäste wie Sponsoren, Gönner, befreundete Bands, Familienangehörige und Kollegen. Am Abend trat als erstes Dryhouse, die Band von Bassist Christian Epp, auf. Später folgten die Muotathaler Dreadful, dann POLUTION’s Jubiläumspart und zum Abschluss die Muotathaler Bad Sin.


Marcel Betschart (links) und Pascal Gwerder mit einem Erinnerungsstück von der Jubiläumsfeier
Foto: feldwaldwiesenbloger

Die Vorbereitungen auf die Jubiläumsfeier
Die Band war schon länger der Ansicht, das Jubiläum würdig zu feiern. Die Feier sollte in der Heimat Muotathal stattfinden, und zwar im „Sternen“-Saal, in welchen 250 Personen reinpassen. Bei der Anfrage der ehemaligen Bandmitglieder in einem eigens dafür eingerichteten Chat willigten alle innerhalb von fünf Minuten ein. Die eigentliche Vorbereitungszeit mit allen organisatorischen Details dauerte gut ein halbes Jahr. Man einigte sich gemeinsam mit allen Musikern auf eine Set-Liste, und in der Folge wurde im Proberaum „im Stützli“ fleissig geprobt. Die aktuellen Bandmitglieder staunten dabei nicht schlecht, wie schnell und gekonnt die „Ehemaligen“ wieder im Element waren. René Heinzer beispielsweise legte den Bass nach seinem letzten Konzert zur Seite und spielte rund 15 Jahre nicht mehr auf dem Viersaiter. Aber auch er beherrschte die Stücke innert kürzester Zeit wieder.
Die Band erhielt nach dem Konzert im Restaurant Sternen ein gutes Echo. Einige Fans erzählten, dass sie sich bei der Jubiläumsfeier in ihre Jugend zurückversetzt fühlten.

Meilensteine in der Bandgeschichte

Die grössten Erfolgsmomente
Es waren viele gute Momente, zu denen mit Bestimmtheit die CD-Aufnahmen oder der Auftritt im Z7 gehören. Für die Bandmitglieder sticht aber die Tournee mit SHAKRA hervor. Weiter erwähnen sie die Konzerte mit KROKUS oder SODOM, bei welchen sie als Vorband eröffnen durften. Der Ausflug nach Tschechien bleibt ebenfalls unvergessen.

Die bewegendsten Erinnerungen
Dazu gehört sicher die Taufe der ersten CD. Weiter die Studioaufenthalte bei den Aufnahmen der beiden CD’s oder die Nachricht, im Z7 auftreten zu dürfen. Der Trip nach Schweden in diesem Jahr gehört zweifellos zu den bewegendsten Erinnerungen. Die Reise war sehr speziell, erfolgte sie doch just einen Tag nach dem Terroranschlag in Stockholm (7. April). POLUTION trat dort an einem internationalen Metal-Festival etwas oberhalb von Stockholm auf. „Leider kamen wegen dem Terroranschlag nicht so viele Leute wie ursprünglich erwartet ans Festival“, ergänzt Marcel.

Das beste Konzert
Das ist eindeutig jenes vom 26. Februar 2010 im ausverkauften Z7, zusammen mit SHAKRA. Pascal erinnert sich: „Das Konzert hat gefetzt. Und die Fans sangen Happy Birthday für mich, ich hatte nämlich an jenem Tag Geburtstag.“ Viele Band-Artikel wurden verkauft und der Auftritt auf der Z7-Bühne war ein Riesenerlebnis.

Der beste Tonträger
POLUTION veröffentlichte bisher zwei CD’s. Die erste CD erschien 2008, die zweite 2012. Des Weiteren sind sie auf verschiedenen Samplern zu hören. Für die Band ist der zweite Silbering „Beyond Control“ qualitativ und von den Songs her der beste Tonträger. Sie halten ihn für massgebender und reifer.

Der beste Song
„Forever and a day“ von der zweiten CD ist genial gemacht und wird immer wieder gerne gehört. Inhaltlich geht es um den Verlust eines Menschen, der gestorben ist. Ein melancholischer Track und ein Hardrocksong in mittlerem Tempo. Der Aufbau des Songs ist etwas vom professionellsten, was POLUTION bisher geschafft hat.

Das beste Jahr in der Bandgeschichte
2009: Die Europa-Tournee mit SHAKRA und der Open Air-Auftritt in Tschechien standen auf dem Programm. In jenem Jahr spielte POLUTION am meisten Konzerte in der bisherigen Bandgeschichte.


Bei der Jubiläumsfeier im „Sternen“ standen aktuelle und ehemalige Bandmitglieder auf der Bühne
Foto: POLUTION

Die beiden bisher veröffentlichten CD’s
„Wir machen engergiegeladenen Hardrock“, erklärt Marcel. „Dabei greifen wir gesellschaftskritische Aspekte auf und verarbeiten sie in den Songs. Dies war vor allem auf der zweiten Scheibe der Fall. Die erste CD beinhaltet Texte, welche sich vor allem um’s Muotatal drehen: Wie schön es dort ist, wie wir leben und dass uns die Leute besuchen sollen.“ Auf dem zweiten Tonträger nahmen sie sich dem schlechten auf der Welt an. Was nicht gut läuft, und was sie bewegt. In den Augen der Band sind die Texte auf „Beyond Control“ reifer ausgefallen.
Das Feedback auf die erste CD „Overheated“ war sehr gut. Der Tonträger wurde bei Tommy Vetterli aufgenommen, und diese Tatsache hat bei den Musikmagazinen ziemlich gezogen. POLUTION kam bei einem kleinen englischen Label, Escape Music Ltd., unter Vertrag. Beide CD’s wurden von ihnen weltweit veröffentlicht. Für den zweiten Tonträger „Beyond Control“, bei welchem die Bandmitglieder das Gefühl hatten, er sei professioneller ausgefallen, bekamen sie nicht unbedingt gute Kritiken. Sie wurden dabei öfters auf eine Schweizer Band reduziert und ungewöhnlich hart angefasst. Tatsache war aber auch, dass das Label bei dieser CD keine gute Werbekampagne fuhr. Der Vertrag mit Escape Music Ltd. lief von 2008 bis 2014.
Dem Schweizer Vertrieb „Nonstopmusic“ gefällt die Musik von POLUTION. Nonstopmusic war denn auch dafür verantwortlich, dass die zweite Scheibe in allen Exlibris- sowie Media Markt-Filialen in der Schweiz erhältlich war. Die Band schätzt, dass sie bisher 4’000 bis 4’500 Tonträger verkauft haben. POLUTION schloss zudem mit einer Schweizer Firma einen Vertrag ab, damit ihre beiden CD’s nun bei Musikstreaming-Diensten wie iTunes oder Spotify aufgerufen werden können.

Ein neuer Tonträger könnte wieder zum Thema werden
POLUTION steckte bisher wohl um 150’000 Franken in die Band. Die Kosten für Verstärkeranlagen und Instrumente betrugen um 30’000 bis 40’000 Franken. Dazu verschlang jede CD-Produktion zwischen 50’000 und 60’000 Franken und die Kosten der Deutschland-Tournee musste mit etwa 10’000 Franken berappt werden.
Marcel und Pascal erklären, dass heute anders Musik konsumiert wird. Sehr viel wird vom Internet runtergeladen und CD’s werden einiges weniger gekauft. Trotzdem, POLUTION möchte gerne wieder etwas Handfestes veröffentlichen. Aus dem einfachen Grund: Sie halten gerne einen realen Tonträger samt Umschlag in Händen. Neue fertige Songs sind momentan keine vorhanden. Es existieren viele Ideen, aufgenommene Sequenzen und halbfertige Sachen. Der Aufwand für eine Produktion mit 12 bis 15 Songs ist mit extremem Aufwand und Riesenkosten verbunden. Die Hoffnungen und Erwartungen von so einem Tonträger sind bei POLUTION mittlerweile vorbei. Deshalb findet Marcel Ralph Zünd’s Idee mit „straight 2 tape“ sehr interessant und könnte sich dies für POLUTION vorstellen. Dabei geht man in Ralph’s Studio, wo bereits alles perfekt voreingestellt ist. Man nimmt ein Fan-Publikum mit und spielt im Studio eine Live-Session von vier bis sechs perfekt sitzenden Songs, welche aufgenommen wird. Kleine Fehler werden hinterher allenfalls ausgemerzt und das Ganze zu einem Tonträger produziert. Man kann die Live-Session seinen Fans als Event verkaufen, und so einen grossen Teil der Produktionskosten decken, welche sich bei 5’000 bis 8’000 Franken bewegen dürften. Weiter würde so ein Tonträger noch etwa 15 Franken kosten, was eher gekauft würde als eine 25-fränkige CD mit 12 Songs. POLUTION hat noch nie einen Video-Clip gedreht und träumt schon länger davon. Bei den Aufnahme-Sessions in Goldau bestünde die Möglichkeit, dies mit einem Video-Dreh zu verbinden.

Die Zukunftspläne
Konkrete Zukunftspläne existieren derzeit nicht. Die neue Bassistin Renja Schmidig soll ab 2018 frischen Wind in die 20-jährige Hardrockband bringen. Marcel sagt dazu: „Wir sind ein wenig bequem geworden. Zudem hat sich auch das Leben bei jedem Bandmitglied verändert. Es läuft einiges nebenher und so wird es manchmal auch schwierig, genügend Zeit für die Band zu investieren. Früher probten wir zwei bis dreimal pro Woche. Renja ist eifrig und will Musik machen, wie wir früher. Sie wird neuen Wind in die Band bringen. Vielleicht werden auch neue eigene Songs ein Thema. Und natürlich frische Covers. Denn einige sind praktisch seit den Anfangstagen im Repertoire. Wir hoffen, dass wir nach verschiedenen privaten Veränderungen alle wieder mehr Zeit für die Band finden.“
Da die neue Bassistin momentan einen USA-Aufenthalt absolviert, blieb nicht viel Zeit, über die Zukunft zu besprechen. Sie lassen es auf sich zukommen und hoffen, dass sie im Frühling oder Sommer 2018 wieder live auf der Bühne stehen werden. Die Band möchte dabei Renja genügend Zeit lassen und sie nicht ins kalte Wasser werfen.


Die neue Bassistin Renja Schmidig
Foto: POLUTION

Jedes Bandmitglied geht zu 100 Prozent einer Arbeit nach. Dies wurde auch in der Vergangenheit immer so gehandhabt. Marcel meint: „Wenn mehr gelaufen wäre, hätte man es sich überlegt, mehr Zeit in die Musik zu investieren. Und dafür sein Arbeitspensum zu reduzieren.“ Sie sehen POLUTION aber nach wie vor als Hobby. Ihnen ist auch bewusst, dass es heutzutage schwieriger ist, als Hardrockband zu bestehen. Vor 20 Jahren waren die Zeiten für eine Band wie sie um einiges besser. Die Clubszene hat sich inzwischen verändert und das Interesse an solchen Bands ist viel geringer geworden. Es sind überwiegend DJ’s angesagt und diese lassen für die Clubbesitzer die Kasse klingeln.
Trotz Familien, eigenen Unternehmen, Hobbies und anderen Beschäftigungen gibt die Band auch nach 20 Jahren nicht auf und macht weiter. Vielleicht nochmals 20 Jahre?

feldwaldwiesenblogger

Äs chömid dä gläbi wiedr all gnuäg Schnee übr!

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger


Heute Morgen: Blick aus dem Fenster

„Äs chömid dä gläbi wiedr all gnuäg Schnee übr!“ – Dieser Satz ging mir heute Morgen beim Öffnen des Fensters als Erstes durch den Kopf. Schier unglaublich, bereits am 9. Dezember so viel Schnee. Wo hin führt uns dieser Winter bloss?

Meine Crux am Schnee ist die Hassliebe zu ihm. Einerseits liebt man ihn, vor allem wenn man darauf Ski fahren, Snowboarden oder sonst ein Wintersport betreiben kann. Andererseits hasst man ihn: Er muss weggeräumt und entfernt werden. Damit man ja winters wie sommers auf den Strassen seinem Temporausch frönen kann. Mit zunehmendem Alter sieht man leider eher die Unannehmlichkeiten, Probleme und Ärgernisse.

Aber keine Bange! Wir haben ja immer noch Klimaerwärmung. Die sorgt dann rechtzeitig dafür, dass an Weihnachten wieder Tau- und Frühlingswetter regieren. Das allerdings möchte ich wohlverstanden auch nicht. Trotzdem, müssen jetzt schon hochwinterliche Bedingungen vorherrschen? Denn die Zeit bis zum Frühling ist noch soooooo lang…
Alles Jammern und Zettern nützt nichts, den Zustand zu akzeptieren ist angesagt.

Und ja! Wenn schon dann schon zieht es mich auch wieder auf die Skier. Denn die vergangenen milden Winter waren diesbezüglich unmotivierte Gesellen. Im Kopf spielt sich der ganze Zauber ab. Ist es draussen aper, ist der Betriebszustand auf Dauerherbst oder schon auf baldigen Frühlingsmodus eingestellt. Ist es aber weiss und kalt, macht es klick und die verschneiten Berge wollen befahren werden.

Ob dann alle genug Schnee abbekommen, wird sich spätestens im kommenden März zeigen. Ich weiss, dass sich einige wie wild auf möglichst viel von Frau Holles Pracht freuen. Anderen ist es ein Graus. Allen Recht getan ist ein Ding, das niemand kann.


Tief verschneit!

Man kann es mit dem Schnee gleich handhaben wie mit der Politik. Manchmal wird es einem einfach zu viel! Und man möchte gewisse Exponenten wie den Schnee entfernen. Natürlich nur aus ihren Ämtern. Diese Woche sorgten unter anderem Yannick Buttet, Donald Trump und die SVP für rote Köpfe.

Yannick Buttet, gefallener CVP-Nationalrat aus dem Wallis, wird des Stalkings bezichtigt. Er soll sofort seine Ämter räumen, sind gewisse Kreise der Meinung. „Me Too“ lässt grüssen und veranstaltet einen wahren Hexentanz. Hinter jedem Strauch wird bald ein Widerling vermutet, dabei hat der liebestolle Wolf bloss seiner Wölfin zugeheult…

Das ist einfach unerhört, was US-Präsident Donald Trump mit der Anerkennung von Jerusalem als Israels’ Hauptstadt abzieht! Der Friedensprozess im Nahen Osten wird so um Jahre zurückgeworfen. Eine neue Intifada wird wohl für viel Tod, Leid und Zerstörung sorgen. Dieser Präsident kennt aber auch wirklich gar nichts. Statt sich um Frieden und Stabilität zu bemühen, zündelt er und stürzt sonst schon eine instabile Region in ein Chaos. Dabei hat er zu Beginn seiner Amtszeit gesagt, dass er sich aussenpolitisch zurückhalten werde. America First – so ein Chabis!

Man kann es mit der Nationalhymne drehen und wenden wie man will. Vor einem Fussballspiel kann sie nicht laut genug gesungen werden. Feiert aber die SVP im Nationalratssaal den 25. Jahrestag des EWR-Neins mit dieser Hymne, ertönt der Ruf nach Klamauk oder gar nach Faschismus. Geht’s noch? Es ist in beiden Fällen dasselbe Lied. Aber: Es kommt scheinbar darauf an, wer es wo und wie tut. Tun es die Nati-Spieler zu wenig oder gar nicht, wie unsere Secondos, dann wird unverständlich der Kopf geschüttelt. Singt aber die SVP lauthals, steht die Linke Kopf und fordert Massnahmen. Im ehrwürdigen Nationalratssaal ziemt sich das scheinbar nicht. Dabei ist unsere Nationalhymne ein frommes und christliches Lied, und hat mit Faschismus so wenig zu tun wie der Neuschnee von heute Morgen.

feldwaldwiesenblogger