Die Buchautorin Blanca Imboden schreibt an einem „Schwinger-Roman“

Kürzlich hat mir Blanca Imboden verraten, dass sie an einem neuen Roman schreibt, dessen Geschichte sich rund ums Schwingen abspielt. Ich habe mir diese Information sogleich notiert und sieben Fragen dazu vorbereitet. Die Fragen habe ich diese Woche der Schwyzer Buchautorin zugestellt. Meine Stoppuhr hatte ich zwar nicht zur Hand, für die Beantwortung der Fragen brauchte Blanca aber keine Stunde! Ich war sehr erstaunt, wie schnell und präzise die Frau ihre Antworten formulierte.

Wer aber ist Blanca Imboden? Auf ihrer eigenen Homepage findet man viele interessante Informationen zu der in Ibach SZ lebenden Buchautorin. Schreiben war ihre erste Leidenschaft, die zweite die Musik. Während vielen Jahren arbeitete die begeisterte Wandersfrau als Redaktionssekretärin und Kolumnistin bei der Neuen Schwyzer Zeitung (NSZ). Nach der Auflösung der NSZ war sie von Januar 2014 bis Ende Mai 2015 bei der Seilbahn Morschach-Stoos tätig. Ab diesem Juni ist Blanca nun selbständige Buchautorin und Schriftstellerin. Die schreibgewandte Frau hat mittlerweile schon zehn Romane veröffentlicht, mit „Wandern ist doof“ schaffte sie den Durchbruch. Diesen Frühling brachte die Ibächlerin „MATTERHÖRNER“ heraus. Dieser Roman stieg schon während der ersten Woche in die Schweizer Bestsellerliste ein.

Blanca Imboden
Blanca Imboden
Bildquelle: blancaimboden.ch

Wie ich vernommen habe, soll dein neuster Roman sich rund ums Schwingen abspielen. Kannst du mir und meinen Lesern etwas darüber erzählen?
Blanca Imboden: Ich möchte noch nicht viel über die Geschichte erzählen. Aber eine Frau möchte einen Schwinger für sich gewinnen und muss daher so schnell wie möglich alles über das Schwingen lernen. So fängt die Geschichte ungefähr an.

Wann dürfen wir den „Schwinger-Roman“ erwarten? Wie wird der Buchtitel sein?
Blanca Imboden: Ich denke, der Roman kommt – wie immer – im Mai. Und er könnte möglicherweise SCHWINGFEST heissen. So lautet jedenfalls mein Arbeitstitel.

Wird dein neues Buch auch etwas für hartgesottene männliche Schwingerfreunde sein, welche an etlichen Wochenenden mit Rucksack, Stumpen, Bratwürsten und Bier ausgerüstet ein Schwingfest besuchen?
Blanca Imboden: Nein, dafür verstehe ich doch nach wie vor viel zu wenig vom Schwingsport. Es wird kein Fachbuch. Aber es ist ein Buch für Leute, die gerne leichte Romane lesen, und die es cool finden, dass mal ein Roman mit dem Schwingen zu tun hat. Keine Frage: Die meisten meiner Leser sind Frauen.

Wer oder was gab dir den Anstoss, einen Roman, welcher sich im Schwinger-Milieu abspielt, zu schreiben?
Blanca Imboden: Als ich MATTERHÖRNER schrieb, stellte sich heraus, dass es bisher noch gar keinen eigentlichen Matterhorn-Roman gab, nur tausend Sachbücher und Fotobände. Irgendwann sagte mal jemand, ich könnte doch mal einen Roman übers Schwingen schreiben. So etwas fehle auch noch. Da ich keine Idee hatte, worüber ich als nächstes schreiben wollte, dachte ich: Ich schreibe einen „Schwinger-Roman“. Ich fand, das könnte eine spannende Herausforderung werden. Es wurde vor allem eine schwierige Herausforderung.

Wie eben erwähnt, hast du bisher noch nicht sehr viel mit dem Schwingsport zu tun gehabt. Wie hast du dich mit dieser für dich doch ziemlich neuen Materie vertraut gemacht?
Blanca Imboden: Ich habe viel gelesen. Dann habe ich mich mit der Schwingerkönigin Jeannette Burri-Arnold getroffen. Später mit Adi Laimbacher. Denen durfte ich Löcher in den Bauch fragen. Ich habe meine ersten Schwingfeste besucht. Ibach, Muotathal, Küssnacht, Stoos und Rigi. Sehr lehrreich waren auch die Lern-Videos auf YouTube, oder der Film mit Beat Schlatter. Auch die Homepage vom SCHLUSSGANG ist lehrreich.

Was ist dir besonders am Schwingsport aufgefallen, seit du dich wegen deinem neuen Roman damit beschäftigst?
Blanca Imboden: Ich habe viele Vorurteile abgebaut. Ich hatte da schon so meine Vorstellungen. Dazu mag ich mich gar nicht gross äussern. Jedenfalls war ich extrem überrascht, wie freundlich man mich aufgenommen hat. Wie offen alle waren, obwohl ich immer gleich gesagt habe, dass ich keine Ahnung vom Schwingen habe und trotzdem darüber schreiben will. Aber ich hätte nicht alleine an die Schwingfeste gehen sollen, sondern in kompetenter Begleitung. Das tut mir im Nachhinein leid. Der Brünigschwinget im Fernsehen war für mich interessant, weil ich da die Kommentare hörte, welche mir an den Festen gefehlt haben.

Dein Beruf lautet seit ein paar Monaten „Schriftstellerin“. Wie fühlt sich das an? Hast du jetzt als freischaffende Buchautorin einen anderen Tagesablauf?
Blanca Imboden: Es fühlt sich gut an. Meist. Manchmal habe ich einfach Panik. Existenzängste. Aber danach denke ich wieder: Was bin ich doch für ein Glückspilz, dass ich meinen Traumberuf leben kann. Und wer weiss schon was morgen ist? Einen ordentlichen Tagesablauf habe ich nicht. Noch nicht. Der heisse Sommer lockte mich in die Berge. Ich war viel unterwegs. Aber ich bin gut im Zeitplan.

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Blanca Imboden am diesjährigen Muotathaler Rangschwinget
Bildquelle: Blanca Imboden / feldwaldwiesenblogger

Toll, ein Roman, welcher sich im Umfeld des Schwingens abspielen wird! Da freut sich doch das Schwingerherz, zumal nächstes Jahr das Eidgenössische auf dem Programm steht. Andererseits wird das neue Buch von Blanca Imboden auch eine willkommene Ergänzung zu all den anderen Texten, welche rund ums ESAF2016 in Estavayer veröffentlicht werden.
Ich freue mich auf den „Schwinger-Roman“, und bedanke mich bei Blanca für ihre offenen und aufschlussreichen Antworten! Zudem wünsche ich Ihr weiterhin viel Spass und Freude beim Schreiben.

feldwaldwiesenblogger

Gespräch mit Pfarrer Toni Schmid, Teil 3

Beim Teil 2 meines Gespräches mit Pfarrer Toni Schmid ging es um die Frage „Wie lange Mission?“ Herr Schmid erzählte darin von seinem ersten Aufenthalt in Kolumbien und davon, dass er nicht nur betete und Messen abhielt.

Der umtriebige Pfarrer setzte sich für die Bauern in seiner Umgebung ein. Ja, er unterstützte sie dabei tatkräftig, einen Betrug eines Grossgrundbesitzers aufzudecken. Er ging mit Hilfe eines Juristen und einer wieder gefundenen Landurkunde vor Gericht. Vor dem Nationalgericht bekamen Pfarrer Toni Schmid und die Bauern Recht. Der „Landraub“ des Grossgrundbesitzers wurde aufgedeckt. Nach dem gewonnen Prozess musste Toni Schmid allerdings fliehen. Denn er wurde in den zwei grössten Zeitungen von Kolumbien als Unterstützer der Kommunisten hingestellt.

Schmid kehrte darauf in die Schweiz zurück, und war in der Folge zehn Jahre in der Stadt Luzern als Pfarrer in der Pfarrei St. Anna im Würzenbach tätig.

Beim heutigen Teil 3 geht es immer noch um die Frage „Wie lange Mission?“ Denn: Pfarrer Toni Schmid ging nach den besagten zehn Jahren in Luzern ein zweites Mal in die Mission nach Kolumbien.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Hier also nun Teil 3 des sehr interessanten und spannenden Gespräches mit Pfarrer Toni Schmid.

Pfarrer Toni Schmid: „Nach zehn Jahren bin ich wieder rüber gegangen, nach Kolumbien, mit einem anderen Pass. Ich ging in eine andere Gegend des Landes, wo mich niemand kannte.
Eine Mitarbeiterin blieb, denn sie war ja nicht bekannt. Nur ich war bekannt wegen der Prozess-Geschichte.

Ich konnte mich damals nirgends verstecken. Denn so etwas hat es noch nie gegeben, dass kleine Bauern einen Prozess gegen einen Grossgrundbesitzer gewannen, mit Hilfe des Padres.

Es gab in der gleichen Gegend einen Franziskaner, der musste auch fliehen. Er hatte nicht Geld wie ich, versuchte den Bauern aber trotzdem auch zu helfen. Man machte ihn deswegen auch zu einem Kommunisten. Wir trafen uns dann in Luzern wieder. Er ging später nach Spanien.

Ich war beim zweiten Kolumbienaufenthalt zehn Jahre tätig in Kolumbien, und wurde dann altershalber pensioniert.

Ich hatte glücklicherweise wieder Geld, weil ich halt bei den Gläubigen für meine Pfarrei in Kolumbien bettelte.

Meine Mitarbeiterin vom ersten Kolumbienaufenthalt, Emmi Arnold, bekam vom Bischof einen Auftrag in einer anderen Gegend, wo man sie auch nicht gekannt hat. Sie übernahm darauf eine kleine Schule, welche ein italienischer Pfarrer aufgebaut hatte.
Denn als dieser Pfarrer nach zehn Jahren ging, liess der Staat die Schule wieder schliessen. Grund: Für die Armen und Bauern brauche es keine Schulen. Der Bischof befand dann, dass das nicht richtig ist. Und weil Frau Arnold einmal Lehrerin und Katechetin war, schickte sie der Bischof dorthin, in den Norden von Kolumbien. Sie solle dort die Schule wieder öffnen.

Sie ging mit dem Geld in jene Gegend, welches ich gesammelt hatte und dort drüben liess, um die die Schule wieder zu öffnen. Sie zahlte die Lehrer auch aus diesem Geld. Es war eine Schule mit 150 Kindern, einem Kindergarten und einer Primarschule. Daneben gab es eine Kirche, ein Pfarrhaus, und ein Schwesternhaus.


(Bildquelle: aktion-kolumbienhilfe.de)

Die Kinder aus Emmi Arnolds wieder eröffneter Schule konnten allerdings beim Ende der Primarschulzeit nicht in die Sekundarschule. Weil sie arm waren, und in einem Aussenquartier des Dorfes wohnten, wo die Räuber und die Huren zuhause waren, beim sogenannten Abfall der Menschheit. Dort wohnten sie bei den Ärmsten, welche selber ihre Hütten bauten. Und da sie kein Geld hatten, konnten sie die Lehrer und den Rektor nicht mit Geld schmieren. Somit konnten ihre Kinder auch nicht in die Sekundarschule.

Emmi Arnold schrieb mir dann, ob ich nicht wieder Geld organisieren und rüber kommen könnte. Damit sie dort eine Sekundarschule bauen können. Da bin ich halt, wie gesagt, wieder rüber gegangen, und half mit, eine Sekundarschule aufzubauen.

Denn: Ich konnte nach den zehn Jahren nun wieder ohne Probleme nach Kolumbien. Anzumerken gilt die traurige Tatsache, dass an meiner ersten Wirkungsstätte einige Lehrer und Katecheten erschossen wurden. Einfach rein wegen der Verdächtigung, dass sie Kommunisten sein könnten, oder zumindest Sympathisanten. Es war quasi wie eine Rache nach der ganzen Geschichte.

Dorthin wäre ich nie mehr gegangen, um ja keinen Staub mehr aufzuwirbeln. Und weil die Menschen dort einfach auch Angst vor der Regierung hatten. Es hiess immer, die kleinen Leute und die Lehrer seien Kommunisten.

Im Land draussen wollte man deshalb keine Schulen. Nur in den Städten waren die Schulen erwünscht, welche die Reichen bezahlten. Die anderen Schulen wurden schlicht und einfach nicht gefördert.

1995 kam ich also wieder in Kolumbien an, mit der Absicht, die Sekundarschule in Frau Arnolds Pfarrei aufzubauen. Ich blieb erst aber ein Jahr in Catechena, machte dort Aushilfe und löste einen Immenseer Missionar ab. Ich half dort übrigens auch beim Bau eines Pfarrhauses mit.

Ich kam in Catechena mit den verschiedensten Menschen in Kontakt, so auch mit Negern, die in einem Aussenquartier wohnten. Weiter half ich auch bei der Katechese mit. Wir hatten es dort mit den schwarzen Leuten auch lustig. Diese waren ehemalige importierte Sklaven. Sie waren fröhliche Menschen, welche nicht viel hatten. Wenn sie aber etwas zu essen hatten, waren sie schon zufrieden. Das waren lebendige, grosse und schöne Leute. Denn man wollte früher nur gesunde und arbeitsame Sklaven.
Wir hatten zwei schwarze Katechetinnen. Was die miteinander gelacht hatten, war eine Lebensqualität sondergleichen.

Nach diesem einen Jahr ging ich dann zur Pfarrei von Emmi Arnold, mit der erwähnten Absicht, beim Aufbau der Sekundarschule mitzuhelfen.

Eines schönen Morgens, um 5 Uhr in der Früh, weckte uns jemand. 3000 Menschen kamen aufgebracht zu uns, und erzählten uns, dass eine Lehrerin, der Dorfvorsteher, ein Ladenbesitzer und noch einige andere erschossen worden sind. Und zwar in einem Dorf namens El Salado, welches auch zu meinem Einzugsgebiet gehörte.

Sie machten dort am Abend eine Versammlung auf dem Dorfplatz. Dabei wurden der Dorfvorsteher und zwei Lehrer angeklagt. Anklagepunkt: Sie seien bei der Guerilla.


(Friedensgespräche: Farc-Rebellen bitten Kolumbien um Waffenruhe / Bildquelle: zeit.de)

Hier eine kurze Erklärung: Man nannte diese Leute zu seiner Zeit schon nicht mehr Kommunisten, sondern eben Guerillos, die Bauernarmee Kolumbiens. Dies war nämlich die Nomenklatur der USA.
Man nimmt an, dass es in Kolumbien mehr als 6 Millionen vertriebene Bauern gibt, denen ihr Land gestohlen wurde. Diese sogenannte Bauernarmee existiert schon seit mehr als 50 Jahren. Die einen liessen sich auch bewaffnen, und zwar mit der Hilfe von Kuba und Russland. Sie wollten nichts anderes, als ihr Land verteidigen. Mit der Zeit wurde daraus dann tatsächlich eine Guerilla-Armee, die sogenannten Farc-Rebellen. Ich kenne die Geschichte dieser Farc natürlich gut, weil der Ursprung ja die Vertreibung der Bauern war.

Also, wir hatten bei uns eine Schulküche, wo wir für diese 3000 Menschen auch kochten. Diese aufgebrachten Menschen getrauten sich nämlich nicht mehr, zurück zu gehen.

In der Folge sagte ich „Lölli“ dem dortigen Lehrer leider, schreib doch auf, was in El Salado passiert sei. Mit dem Handgeschriebenen ging ich dann nach Catechena, zu dem oben erwähnten Immenseer Missionar, welcher bei den Negern stationiert war. Dieser hatte einen PC, und wir schrieben das Geschehene sauber auf Papier, um es faxen zu können. Übrigens, zu der Zeit schrieben wir das Jahr 1997.
Ich fand erst nirgends ein Faxgeräte, welches funktionierte. Da gab es in der Stadt ein französisches Hotel, zu welchem ich dann ging. Die hatten tatsächlich ein funktionierendes Faxgerät. Ich faxte Kopien von der erwähnten Tragödie an Amnesty London, EU Brüssel, Rotkreuz Genf, UNO-Hochkommissariat Genf und an den kolumbianischen Präsidenten.

Der Zufall wollte es, dass eine UNO-Kommission gerade im Land war. Nach zwei Tagen kamen die bereits zu uns.

Da ich das Schreiben mit meinem Namen unterschrieb, und unter anderem auch darin erwähnte, dass ich Zeugen habe, musste ich aus Sicherheitsgründen erst mal untertauchen.

In der Zwischenzeit untersuchte die UNO-Kommission den Zwischenfall, und kam zum Ergebnis, dass es ein Zusammenstoss zwischen der Guerilla und den Paramilitärs war. Dabei war das Paramilitär ins Dorf gekommen und hat die erwähnten Menschen erschossen. Sie waren zu der Zeit nämlich dabei, Säuberungen durchzuführen und vermutete Guerilla-Mitglieder zu erschiessen.

Die 3000 Menschen blieben dann bei uns. Ich hatte 50‘000 Franken zur Verfügung und kaufte Wellblech, Nägel, Dachlatten und Pfähle. Diese Leute bauten damit 300 provisorische Hütten. Wir gaben ihnen auch zu essen.

Unsere Sekundarschule, welche nun fertig gebaut war, musste jetzt auf einmal statt 150 deren 1000 Schüler unterrichten.
Übrigens: Da man wusste, dass der Padre kommt, veranlasste Frau Arnold vorher schon die Ausbildung von Sekundarlehrern.

Wir mussten improvisieren und deshalb an den verschiedensten Orten Unterricht durchführen. So auch in der Kirche und im Schulrestaurant. In der Primarschule wurden am Vormittag die Sekundarschüler unterrichtet, am Nachmittag die Primarschüler.

Die Regierung von Kolumbien schichte dann tatsächlich eine UNO-Kommission, um die Tragödie aufzuklären. Es kam dabei aus, dass hinter allem das Paramilitär steckte. Man wollte dann die Leute wieder zurück in ihr Dorf schicken. Einige gingen auch. El Salado war nämlich eines der Dörfer im Norden, in den Tropen, welches eine funktionierende Wasserversorgung mit Quelle hatte. Das war natürlich ein Reichtum sondergleichen.

Dann plötzlich wurde wieder ein anderes Dorf „angeschossen“, und zwar wieder wegen angeblichem „Landraub“. Es kamen darauf immer wieder Menschen von dort zu uns. Ich fragte sie, habt ihr Landurkunden. Man konnte sich solche Urkunden nämlich auch machen lassen. Eine hätte etwa hundert Schweizer Franken gekostet. Diese Bauern machten das natürlich nicht, weil schon ihre Väter und Vätersväter das Land besassen.“

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Gespräch mit Pfarrer Toni Schmid, Teil 2

Am 22. November stellte ich Teil 1 meines Gespräches mit Pfarrer Toni Schmid in den Blog. Darin ging es um eine kleine Einleitung und warum ich mit Pfarrer Schmid ein Gespräch führen wollte.

Als erstes fragte ich Herr Schmid beim Gespräch: „Wieso Mission?“ Er gab mir zur Antwort, dass ihn seine Schwester dazu animierte und gab mit der Befreiungstheologie in Südamerika und dem Konzil noch zwei weitere Beweggründe an.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Nun folgt Teil 2 unseres Gespräches.

Wie lange Mission?

Pfarrer Toni Schmid: „Beim ersten Mal in Kolumbien war ich sechs Jahre in einer Pfarrei mit einer Krankenschwester und einer Lehrerin, die auch Katechetin war. Die Lehrerin ist eine Urnerin, und heisst Emmi Arnold. Sie war vorher Lehrerin in Altdorf. Wir waren im Landesinnern, im Norden von Kolumbien. Damals war alles noch ruhig, man konnte noch zu den Menschen gehen.
Die Pfarrei, welche ich hatte, war sehr gross, und wies eine Distanz vom Sörenberg bis nach Zürich auf. Wir waren zu Fuss, mit Pferden und Autos unterwegs.

Ein Grossgrundbesitzer hat dann in unserer Gegend Land gestohlen, in dem er die Landurkunden fälschte. 26 Bauern, welche auf diesem Land waren und keine Schriften hatten, liess der besagte Grossgrundbesitzer wegen angeblichem Landraub vom Militär verhaften und während acht Monaten ins Gefängnis werfen. Dabei war der Grossgrundbesitzer der Landräuber.

Diese Bauern kamen dann zu uns, und wir gaben ihnen Geld für einen Juristen. Der Jurist ging wahrscheinlich auch zum Grossgrundbesitzer. Man fand dann heraus, dass der Grossgrundbesitzer den Juristen auch bezahlt hat. Wie das halt dort drüben so ist, mit Geld macht man halt alles.

Daraufhin ging ich zum Bischof. Das war ein lieber, gescheiter und frommer Bischof. Ich fragte ihn: „Ob er einen soliden und guten Juristen kenne? Wir kennen nämlich bei uns im Land draussen keinen.“ Der Bischof klopfte mir auf die Schulter und sagte dabei: „Ihre Aufgabe, Padre, ist nichts anderes, als Messen feiern und beten. Das geht Sie nichts an, das sind juristische Sachen.“

Das war die alte, traditionelle Theologie gewesen, wo man hinauf schaut in den Himmel, betet und fromm ist. Die anderen daneben lässt man einfach „verrecken“.


(Bildquelle: http://www.horyzon.ch)

Etwas später lernte ich bei der Sprachschule in Bogota einen Jesuiten kennen. Dieser erzählte mir, dass sie zwei Fachleute für Landfragen haben, und er mir einen schicke. Diese Fachleute, Juristen, werden übrigens von den Katholiken in Holland bezahlt. Denn das war wegen den Grossgrundbesitzern bitter nötig. Denen war nicht über den Weg zu trauen. Wenn nämlich so ein Grossgrundbesitzer sagte, er habe Land gekauft, war das etwa so glaubwürdig wie ein Sörenberger Bauer, welcher behauptet, er habe einen Christbaum gekauft.

Dieser Jurist wollte dann mit dem Grossgrundbesitzer vor Gericht. Es wollte jedoch kein Gericht unser Anliegen behandeln. Auf dem Katasteramt gab man uns darüber auch keine Auskunft. Das war alles richtiggehend organisiert. Der Jurist ging wieder, und sagte mir aber vorher: Ich soll einmal an einem Nachmittag, wenn so richtig schwüles und heisses Wetter herrsche, aufs Katasteramt gehen. Denn dann würde der Chef nicht dort sein.“

So war es auch. Es war ein junger Mitarbeiter dort, der wahrscheinlich neu dort war und keine grosse Ahnung hatte. Dieser zeigte mir alles und dabei tauchte tatsächlich eine alte Urkunde des Grossgrundbesitzers auf. Dieses Schriftstück besagte, dass der Mann vor längerer Zeit das gleiche Land dem Staat für umgerechnet viereinhalb Millionen Schweizer Franken verkaufte. Der Grossgrundbesitzer liess dann diese Landurkunde verschwinden, dieser Mistkerl.
Er dachte nicht mehr daran, dass noch irgendwo ein schriftlicher Beleg vorhanden sein könnte.
Zum Glück fand ich diese alte Urkunde. Denn diese belegte eindeutig den Betrug, den der Grossgrundbesitzer beim Erstellen einer neuen Urkunde machte.

Ich rief dann den Juristen an, und erzählte ihm von meinem Fund. Dieser fragte sofort, ob ich das gefundene Schriftstück beglaubigen liess. Ich verneinte, weil ich in jenem Moment nicht daran dachte. Er meinte, mit Geld liesse sich viel regeln. Er riet mir, diese Urkunde von jemandem bestätigen zu lassen. Ich ging dann zu einer Notarin. Diese glaubte mir sofort und stellte fest, dass die alte Landurkunde nicht gefälscht war. Ich liess sie von ihr beglaubigen.
Darauf gingen wir vor das Nationalgericht. Das kostete uns wohl 10‘000 Dollar, aber wir gewannen und erhielten Recht.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Dies zeigte uns, dass wir mit einem guten Juristen und mit Schweizer Geld, dass wir jeweils aus der Heimat als Spenden erhielten, doch einiges ausrichten kann. Der Grossgrundbesitzer hatte wohl im Departement Macht, verlor vor Gericht aber trotzdem den Prozess.

Darauf liessen wir ein Fest steigen und die Bauern kamen nach acht Monaten wieder aus dem Gefängnis. Übrigens, zu jener Zeit war ich schon sechs Jahre in Kolumbien.

Der gleiche Jesuit rief mich bald nach dieser Geschichte an, und sagte mir, dass ich sofort nach Bogota kommen und verschwinden soll. Ich sei in den zwei grössten Zeitungen von Kolumbien, „El Espectator“ und „El Tiempo“, auf der Frontseite. Darin sei beschrieben, dass bei uns eine kommunistische Zelle sein soll. Der Padre dort habe internationale Beziehungen und sei wahrscheinlich zuständig für die Waffeneinfuhr der Kommunisten.

Damals hatte man ja in ganz Südamerika wegen Kuba einen „Kommunismusschrecken“. Mit solcherlei Verdächtigungen konnte man jemanden fertig machen.

Der Jesuit erklärte mir weiter, es gebe in Kolumbien ein Gesetz, mit welchem Polizisten befördert werden, wenn sie einen öffentlich erklärten Kommunisten erschiessen.
Dann werde auch gleich klar, ob sie die Zeitungen gelesen haben.

Darauf ging ich halt retour in die Schweiz und war während zehn Jahren Pfarrer in Luzern.“

Beim Teil 3 erzählt Pfarrer Toni Schmid darüber, wie sein zweiter Aufenthalt in Kolumbien verlief. Denn nach den besagten zehn Jahren in Luzern ging Schmid ein zweites Mal nach Kolumbien in die Mission.

feldwaldwiesenblogger

Gespräch mit Pfarrer Toni Schmid, Teil 1

Am Sonntag, den 10. November, war ich zu Besuch bei Toni Schmid in Sörenberg. Ich berichtete bereits in einem Blogbeitrag vom 12. November darüber.

Zu hinderst im Sörenberg, in einem heimeligen Spycher, unweit der Talstation der Rothornbahn, führte ich ein gut zweieinhalb stündiges Gespräch mit einem sehr netten und vitalen Geistlichen.

Ich entdeckte diesen interessanten Priester, wie am 12. November auch erwähnt, vor einigen Wochen bei einer Messe. Pfarrer Toni Schmid hinterliess bei mir damals einen starken Eindruck.
Er vermittelte mit seiner Sprache und Gestik das Wort Gottes derart lebendig und offen, dass mir der Mund erst mal offen stand. Seine Art zu predigen und eine Messe zu gestalten zog mich richtiggehend in den Bann. Ich hatte derlei von einem Priester noch gar nie erlebt. So blieb ich während der ganzen Messe aufmerksam und musste trotz Morgenstunde nie gähnen.
Während der Predigt, ja, auch während der ganzen Messe, erzählte er Beispiele aus seiner Missionstätigkeit. Wie er mit den armen Leuten in Kolumbien betete, arbeitete und zusammen lebte. Mit ihnen Leid und Freud teilte und auch die politischen Wirren zu spüren bekam.
Da Pfarrer Toni Schmid sich unbeeindruckt von der Obrigkeit in Kolumbien gab, und Partei für die armen Bauern bezog, bekam er das schon bald zu spüren. Er machte sich sowohl bei der Regierung als auch bei den Rebellen keine Freunde. So war es nicht weiter erstaunlich, dass er eines Tages fliehen musste.
Seine Vita konnte ich nur teilweise erahnen, und der Mann und seine Lebensgeschichte begann mich zu interessieren.

Deshalb nahm ich Kontakt mit Pfarrer Toni Schmid auf, um mit ihm ein Gespräch führen zu dürfen. Er war glücklicherweise dazu sofort bereit.

Toni Schmid ist inzwischen schon längst pensioniert. Er war als Priester sowohl in den erwähnten Missionen in Kolumbien als auch als Pfarrer in Luzern tätig. Da er für sein Alter immer noch sehr fit und rüstig ist, hält er in Sörenberg und Umgebung regelmässig Messen und macht auch Vertretung für die dort ansässigen Pfarrer und Priester.

Zur Person von Toni Schmid werden weitere Informationen in meiner mehrteiligen Bloginterview-Reihe „Gespräch mit Pfarrer Toni Schmid“ zu erfahren sein.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Ohne grosse Umschweife lud mich Pfarrer Toni Schmid zu sich nach Hause in seinen heimeligen Spycher ein. Am Nachmittag um drei Uhr betrat ich sein „Chalet“, und verliess es erst wieder beim Eindunkeln und bei starkem Schneefall.

Wir nahmen an einem grossen Tisch in einem ebenso grossen und offenen Wohnraum Platz, unweit eines gemütlich lodernden Cheminées. Bevor wir das Gespräch begannen, machte Schmid ein währschaftes Kafi Schnaps.

Um einen roten Faden in das Gespräch zu legen, bereitete ich vorgängig einen Fragenkatalog vor.
Ich habe nun in unregelmässigen Abständen vor, das Gespräch mit Pfarrer Toni Schmid in meinem Blog widerzugeben.
Am Anfang des Gespräches stellte ich mich kurz vor, und erklärte Herrn Schmid meine Absicht. Pfarrer Toni Schmid zeigte sich in der Folge denn auch sehr gesprächig, was mir natürlich sehr gefiel. Ich durfte das Gespräch mit meinem iPhone aufzeichnen.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Ich stellte Toni Schmid die erste Frage:

Wieso Mission?

Pfarrer Toni Schmid: „Meine Schwester hat mich dazu animiert. Bevor ich in die Mission ging, war ich ein paarmal bei ihr in Afrika. Meine Schwester war in der Sahelzone und half dabei, dort das Schulwesen zu erneuern. Sie war gelernte Kindergärtnerin und bildete in der Sahelzone auch welche aus.

Es gab damals die Befreiungstheologie in Südamerika, welche mich interessierte. Ich persönlich wollte nicht nach Afrika, sondern nach Südamerika. Mein Weg führte dann nach Kolumbien und ich machte mit den Immenseer Missionaren einen Vertrag.

Nach dem Konzil hat man gespürt, dass die Menschen in Südamerika einen anderen Wind in der Verkündigung und in der Theologie haben, als bei uns in Europa.

Dies waren meine Beweggründe, und so ging ich 1978 nach Kolumbien.“

Beim Teil 2 meines Beitrages beschäftige ich mich dann mit den Fragen: Wo genau Pfarrer Toni Schmid in den Missionen war, wie lange er diese Missionstätigkeit ausübte und wann und wieso das Ende seiner Missionstätigkeit kam.

feldwaldwiesenblogger

Blanca Imboden’s Antworten kamen nach 51 Minuten – Rekord!

In meinem gestrigen Blogeintrag stellte ich einen Fünf-Fragenkatalog an Blanca Imboden zusammen. Nach dem Aufschalten des Beitrages schickte ich um 11:51 Uhr die fünf Fragen an Blanca, um 12:42 schickte sie mir schon ihre Antworten. So wie ich das vom Schiff aus betrachte, ist das für meine Email-Statistik absoluter Rekord!

Wir einigten uns beim Emailkontakt aufs Duzen, da Blanca wahrscheinlich fast allen Menschen DU sagt. Ich duze sowieso fast jeden. Die Ausnahme ist der Papst…

Ein Blick auf Blanca Imbodens Homepage verriet mir, dass sie ein Sonntagskind mit musischen Begabungen ist. So machte sie schon in jungen Jahren unter dem Künstlernamen BEE BACH Musik. Sie war dann 13 Jahre Profimusikerin, und arbeitet seit nun 13 Jahren bei der Neuen Schwyzer Zeitung. Sie führt dort das Redaktionsbüro, und hat in der Schreibstube zudem den unbezahlbaren Job als gute Seele inne.
Geschrieben hat sie eigentlich nebenher, und dass schon im Schulalter. Sie sagt von sich: „Ich schreibe gerne. Ich MUSS schreiben.“ Das hat sie im Verlauf der Jahre auch fleissig getan und seither bereits sieben Bücher und verschiedene Kolumnen veröffentlicht.


Bildquelle: http://www.blancaimboden.ch

Hier nun unsere Fünf Fragen-Konferenz:

1. Was ist Deine Motivation zu schreiben?

Es ist ein Hobby, eine Leidenschaft, ein Muss.

2. Wie suchst Du dir die Geschichten für ein neues Buch aus?

Ich schreibe wie Du, lieber feldwaldwiesenblogger, über das, was mich beschäftigt. Darum war es diesmal das WANDERN.

3. Was machst Du mit Ideen zu einem neuen Buch, wenn die Dir bei der Zeitungs-Arbeit in den Sinn kommen? Gleich aufschreiben?

Nein, wenn sie wichtig genug sind, die Ideen, dann bleiben sie schon eine Weile im Kopf.

4. Befällt Dich eine Art Schreibfieber, wenn Du an einem neuen Buch bist? Bist Du dann teilweise nicht ansprechbar?

Ja, es gibt tatsächlich Zeiten, wo ich nicht so sehr ansprechbar bin. Das kann durchaus auch sein, wenn ich gar nicht am Schreibtisch sitze, aber über einer Idee brüte.

5. Welches Buch liest Du zurzeit?

Tod im Aargau, von Ina Haller.

Da Blanca für’s Leben gerne schreibt, fragte ich sie in einer weiteren Email, ob sie bei meinem Projekt „Carte blanche“ mitmachen möchte.
Ihre Antwort kam wieder postwendend: „Klar – ich bin dabei!“

Ich bin sehr froh darüber, denn meine „Carte blanche“ fristet nach dem ersten und bisher einzigen Beitrag von Silvia Götschi ein kümmerliches Dasein. Ich habe einige interessanten Personen angeschrieben, um mein Projekt so kräftig wie möglich anzustossen. Ein paar davon gaben mir zwar eine Rückmeldung, dass sie es schon gerne machen würden, aber keine Zeit hätten. Andere antworteten leider gar nicht.
Nüchtern betrachtet muss ich wohl feststellen, dass ich meine „Carte blanche“-Anfragen wohl nur noch an Personen der schreibenden Zunft (oder nahestehende davon) zustellen sollte. Denn für diese Menschen, wie auch für mich, ist das Schreiben eine absolute Leidenschaft. So auch für Blanca Imboden und Silvia Götschi.

Ich freue mich jedenfalls sehr auf Blanca’s Beitrag! Erst mal schreibe ich ihr ein herzliches Dankeschön für ihre prompten Antworten zu.


Usum Chäs-Chessi:

Der gestern erwähnte Sweet&Sour-Auftritt in Illgau ging prima und ohne Schnee über die Bühne. Es war ein „gfreuter“ Abend mit „Jazz and Wine“, einem Super-Publikum und hoch erfreuten Musikern.
Anfänglich sah es zwar eher trist aus. Denn: Als wir die Wohnung mit unseren Instrumenten betraten, fanden wir gähnende Leere vor. Nebst dem Mobiliar war keine Menschenseele auszumachen. Die Frage kam auf, ob wir wohl in der falschen Wohnung gelandet seien. Das konnte aber nicht sein. Meine Adleraugen erblickten in der Schlagzeug-Ecke die Verpflegung für uns Musikanten.

Schon kümmerlich, nicht? Etwas „grummelig“ richteten wir unsere Instrumente ein, und begannen uns einzuspielen. Diese „Einspielerei“ fing an zu dauern. Denn die Gastgeber und sein Gast liessen weiterhin auf sich warten. Als wir für uns schon praktisch das halbe Repertoire abgespult hatten, betraten die längst erwarteten Persönlichkeiten die Wohnung. Es ging glücklicherweise bald alles in eitel Freude und Sonnenschein über. Auf den Hunger und Durst angesprochen, meinte einer der beiden Gastgeber: „Ihr habt ja sicher den Stuhl mit den Leckereien entdeckt!“ Aber klar doch.

Als Musiker ist man sich halt schon einiges gewöhnt. Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als wir vor Urzeiten mit der längst aufgelösten Band PYRAMID in Walchwil musizierten. Nach unserem Auftritt, es war gut zwei Uhr in der Früh, hatten wir natürlich grossen Hunger. Was uns aber dann aufgetischt wurde, schlug dem Fass den Boden aus: Ganze zwei Sandwiches für eine fünf-köpfige Band!
Gestern war aber alles anders. Plötzlich befanden sich auf dem grossen Küchentisch nämlich viele Köstlichkeiten.

Es war einfach ausgezeichnet, und der Hunger konnte endlich gestillt werden.
Den am Vorabend angezehrten Notvorrat liess ich aber vorsichtshalber samt Stuhl neben meinem Schlagzeug stehen…

Ich kann den Gastgebern und dem Gast nur ein dickes Lob aussprechen. Nebst feinem Essen gab‘s auch erlesene Rotweine. Der Ausdruck „Jazz and Wine“ traf mit dem gestrigen Abend den Nagel auf den Kopf.
Wir von Sweet&Sour würden uns natürlich mehr solche wunderschönen Abende wünschen.

So, liebe Leserinnen und Leser: Der feldwaldwiesenblogger geht übermorgen Dienstag nach Rom und bleibt dort bis am Samstag. Somit gibt’s den nächsten Blogeintrag erst wieder kommenden Sonntag. Bis dahin, und eine schöne Zeit!

feldwaldwiesenblogger

Fünf Fragen an Dreadful

Ich habe schon einige Blog-Interviews mit Musikbands aus unserer Region gemacht.
Diesmal nahm ich Dreadful, eine junge Rockband aus dem Muotathal, etwas näher unter meine feldwaldwiesenblogger-Lupe.

Da sie eine bemerkenswerte Erstlings-CD mit 9 klassischen Hardrock-Nummern, welche mich überzeugen, rausgegeben haben, kritzelte ich fünf Fragen auf meinen Block. Meine Fragen schickte ich an die Band-Email-Adresse, die Antworten darauf schickte mir Gitarrist Jonas Marty in kürzester Zeit. Nebst den interessanten Antworten gab mir Jonas nebenbei noch einen Musik-Tipp einer mir unbekannten Band.
Die Kommunikation unter Musikern funktioniert halt prächtig. Da werden zusammen nicht nur die Instrumente bedient, und ein paar Biere gekippt. Nein, nein, man tauscht auch Musiktipps untereinander aus. Ich sage euch: Das ist allemal besser als irgendwelche bekloppten Börsentipps zum Besten zu geben.

Zurück zu Dreadful: Da ich über die Band nicht sehr viel weiss, und nicht die Infos auf ihrer Homepage runterbeten möchte, lasse ich sie bei meinen fünf Interview-Fragen lieber selber zu Wort kommen.

Frage 1:
Wie kamt ihr auf den Namen Dreadful, der auf Deutsch übersetzt so viel wie etwa „furchtbar, entsetzlich, schrecklich“ heisst?

So genau wissen wird das nicht mehr. Wir haben uns in dieser Besetzung im Februar 2009 zusammengetan. Im August desselben Jahres stand schon der erste Auftritt am „Talkessel Rockt“ in Brunnen an, und wir brauchten noch einen Namen. Ich glaube, Fäbi hat dann dieses Wort irgendwie in die Runde geworfen. Wir alle fanden, dass es noch gut klingt und die Übersetzung ist auch noch kultig.

Frage 2:
Man hört bei euren Songs AC/DC, Rose Tattoo aber auch die alten Status Quo raus? Sind diese Bands auch eure Vorbilder, resp. haben sie euren Stil beeinflusst?

Also, wir haben nicht bewusst darauf geachtet, dass es nach den oben genannten Bands tönt. Aber das ist halt diese Musik, die wir schon lange hören und auch spielen, und so wird man unbewusst davon beeinflusst. Das hört man den eigenen Songs dann auch an.
Wir wollen auch nicht irgendeine Band kopieren, sondern unser eigenes Ding machen. Aber das Rad neu erfinden wollen wir auch nicht, sondern halt einfach das spielen, was uns Spass macht.

Frage 3:
Ich habe mir jetzt keine Mühe gemacht, eure Texte näher anzugucken und zu übersetzten. Um was geht es darin? Enthalten sie auch eine Botschaft an eure Fans?

Es kommen verschiedene Themen darin vor, aber hauptsächlich schon das Rock’n’Roll Thema Nr. 1, Sex Drugs & Rock’n’Roll.
Ein Song handelt z.B. von einem Drogenhändler, der Drogen von Chicago nach Mexiko schmuggelt, was ja völlig dämlich ist.
Ein anderer Song handelt von einem Mann, der die Freiheit so sehr liebt, dass er sich mit keiner Frau binden kann.
Wir werden die Texte dann vielleicht auch noch auf unsere Homepage laden, da sie im CD-Booklet nicht abgedruckt sind.

Frage 4:
Die Taufe eurer Erstlings-CD „Straight in your face“ ist nun Geschichte. Wie gehts weiter: Sind Konzerte oder gar eine kleine Tournee geplant?

Im Moment sind wir noch mit dem Bau eines neuen Proberaums im „Stützli“ (Ortsteil im Muotathal, Anmerkung von feldwaldwiesenblogger) beschäftigt. Danach wollen wir natürlich so viele Konzerte wie möglich geben, vor allem auch weiter herum kommen und unsere Musik unter die Leute bringen. Auch eigene Songs wären schon wieder einige vorhanden, aber eine weitere CD kann jetzt erst mal warten. Eine Tournee wäre natürlich super, aber im Moment haben wir nichts geplant.

Frage 5:
Träumt ihr von einer Musikerkarriere, für welche ihr sogar eure Jobs an den Nagel hängen würdet?

Ja, davon träumt wohl jede Band. Aber so genau haben wir das noch nie besprochen. Wenn man den Erfolg erzwingen will, klappt es sowieso nicht. Und es wird immer schwieriger, ausserhalb des Mainstreams Erfolg zu haben. Aber wenn es so richtig losgehen würde, würden wir wahrscheinlich unsere Jobs schon an den Nagel hängen.

Ich bedanke mich bei Jonas und Dreadful für das Mitmachen bei meinen „Fünf Fragen“. Ich wünsche der jungen Band alles Gute und viel Erfolg!


Usum Chäs-Chessi:

Heute erblickte ich frühmorgens, noch mit schlaftrunkenen Augen, folgenden Schnipsel im Boten der Urschweiz (unter der Rubrik „Hafechabis“):

Mein erster Gedanke war: Hat Alex Gwerder (Sänger, Gitarrist und Bluesharp-Spieler von dustyboots) seine Haare wachsen lassen?
Sofort suchte ich im entsprechenden „Hafechabis“-Text nach seinem Namen und nach „dustyboots“. Gefunden habe ich aber „Büne Huber“ und „Patent Ochsner“!
Autsch, nun hellwach, erkannte ich meine Verwechslung in der Form von Büne Huber. Ihr müsst aber auch zugeben, dass Büne dem dustyboots-Alex schon ähnlich sieht, oder?

Das Beste kommt aber erst noch, resp. ist: Der Drummer von meinen heutigen Interview-Gästen, Marcel Gwerder, ist der Sohn von Alex!

feldwaldwiesenblogger

Telefoninterview mit Martin Horat, Wettermissionar aus Rothenthurm

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, geht der Berg halt zum Prophet. In diesem Fall rief feldwaldwiesenblogger den Propheten an. Man erinnere sich: Irgendwann anfangs dieses Jahres, im Januar, schickte ich Interviewfragen an die Muotathaler Wetterprophethen. Antworten habe ich bis heute noch keine bekommen.

Nun gut, ich liess mir von kompetenter Seite erklären, dass es unsere Wetterschmöcker nicht so mit dem Computer haben. Meine Wissbegierde über sie musste ich deshalb anderweitig stillen. Ich griff zum iPhone und machte kurzerhand mit Martin Horat, dem Wettermissionar aus Rothenthurm, ein Telefoninterview.
Ich darf mit Fug und Recht behaupten, dass ich ein Fan von „Märtel“ bin, und seine urchige und originelle Art sehr schätze. Deshalb war für mich sofort klar, dass ich mich mit ihm unterhalten möchte.

Am Telefon stellte ich mich kurz vor. Ich erklärte ihm, dass ich ein Blogger aus dem Muotathal bin, über alles Mögliche schreibe, und schon öfters über sie, also die Muotathaler Wetterschmöcker, berichtet habe.

Horat war sofort bereit, mir Antworten auf meine fünf Fragen zu geben, welche ich mit seinem Einverständnis auch in meinen Blog stellen darf.
Frech wie ich manchmal bin, habe ich ihn gefragt, ob wir einander DU sagen können. Er bejahte sofort.

Da ich zum ersten Mal ein Interview am Telefon führte, versuchte ich die Antworten so gut wie möglich in mein Notebook zu tippen. Das war gar nicht so einfach. Dabei machte ich meist nur Stichworte, die ich hernach zu ganzen Sätzen zusammenfügte. Ich denke aber, dass ich die Antworten und Aussagen von Martin Horat sinngemäss auf den nachfolgenden Zeilen widergebe.

Frage 1:
Wie wird das Wetter an Weihnachten?

Es gibt Regen und Schmelzwetter, leider. Da kann man nichts dafür.

Frage 2:
Wie stellst du deine Wetterprognosen zusammen: Sind es vor allem die Ameisenhaufen, ist es der Schnee, den du probierst, oder ist es ein Mix aus beidem? Oder gibt es da noch weitere Geheimnisse, welche du mir vielleicht verraten möchtest?

Max Heinzer, welcher anno 2008 gestorben ist, und 40 Jahre Wetterschmöcker war, zeigte Martin die Sache mit den Ameisen und Ameisenhaufen. Heinzer meinte zu ihm, er solle dabei selber herausfinden, wie man anhand von Ameisen das Wetter deuten könne.

Auf das Schnee probieren hingegen ging Martin nicht näher ein. Ich bohrte demzufolge auch nicht nach.

Weiter erzählte mir Martin, dass er anhand von Zusammenstellungen aus alten Chroniken von Klöstern das Wetter zu deuten versuche.
Er meinte zudem, dass jeder Prophet so seine Zeichen habe. Dazu gehöre auch ein gutes Gespür, auf welches es sehr ankomme. Mit dem Gespür muss man dann versuchen, eine längerfristige Prognose zusammen zustellen. Übrigens: Kein Jahr sei wettertechnisch das gleiche.

Weiter erzählte er mir, dass ihm ein Kollege folgendes gesagt habe: „Das Wetter sei ein Thema auf der ganzen Welt, ja selbst in Angola, wo praktisch immer schönes Wetter herrsche. Die Leute dort wüssten sonst nicht viel anderes miteinander zu reden.“

Frage 3:
Was meinst du: Ist das mit der Klimaerwärmung ein „Medienfurz“ oder ist da was Wahres dran?

Es gibt schon eine Klimaerwärmung, nur ist das keine kurzfristige Sache, wie das die Medien gerne darstellen. Eine Klimaphase gehe über eine längere Zeitspanne, ja sogar über Jahrhunderte.

Aus den alten Chroniken ist ersichtlich, dass es beispielsweise im 16. Jahrhundert sehr warme und trockene Sommer, aber auch sehr kalte Winter gab. Der Grindelwaldnergletscher ging seinerzeit 1500 Meter retour, wuchs aber noch im gleichen Jahrhundert wieder nach.
Martin meinte weiter, dass es in den letzten 3 Millionen Jahren 44 Eiszeiten und demzufolge auch 44 „Klima-Erwärmungen“ gab.
Die Klimaerwärmung, welche sich immer wiederhole, sei somit keine kurzfristige Sache.

Frage 4:
Ich habe kürzlich gelesen, dass du Schnee in Zürich-Oerlikon bei Peter Wick probiert hast. Dein Kommentar war, dass er richtig „gsürälät“ (sauer) geschmeckt hat. War das so, weil es Schnee aus der Stadt war (Luftverschmutzung), oder hat das dir in Bezug auf das Wetter etwas ausgesagt?

Der Schnee sei frisch gewesen, und nicht verschmutzt. Der saure Geschmack war eine Aussage über die Verschlechterung des Wetters gewesen.
Peter Wick meinte dabei zu Martin: „Dies sei beim Schnee ja viel einfacher abzulesen als bei den Wetter-Satelliten“.

Frage 5:
Kann ich dich nächstes Jahr mal besuchen? Zeigst du mir ein wenig, wie du deine Wetterprognosen zusammenstellst, damit ich das meinen Lesern etwas näher bringen kann?

Das kann man machen. Er meinte, dass ich mich bei ihm melden dürfe, für einen halben Tag zum Beispiel.

Abschliessend fragte er mich, wessen Abstammung ich im Muotathal sei. Meine Antwort dazu sagte ihm aber nichts. Ich erzählte ihm, dass ich damals beim „Duruf“-Lied, „Muotathaler Wätterfrosch“, auch dabei war. Er meinte, dass er sich noch sehr gut daran erinnere.

Ich erklärte Martin, dass ich das mit ihm geführte Interview in meinen Blog, also ins Internet stellen werde. Seine Antwort darauf war: „Ich verstehe das Internet halt nicht.“
Macht nichts, dann zeige ich ihm bei meinem Besuch nächstes Jahr meinen Blog, damit er sehen kann wie einfach das eigentlich ist.

Zum Schluss unseres Telefonates bedankte ich mich bei Martin Horat, und wünschte ihm schöne Weihnachten und einen guten Rutsch. Er meinte noch, dass wir uns in dem Fall wieder hören.
Darauf freue ich mich jetzt schon.

feldwaldwiesenblogger