„Höhlen und Balmen in Menschenhand“ – CARTE BLANCHE-Beitrag von Walter Imhof

Wieder einmal darf ich einen Gastbeitrag unter meiner Rubrik CARTE BLANCHE präsentieren. Der Titel des Beitrages heisst „Höhlen und Balmen in Menschenhand“, der Autor dieses sehr interessanten Artikels ist Walter Imhof (ds Hofers).

Wie kam es zum Gastbeitrag mit Walter? Nun, als ich kürzlich den Blogbeitrag „Die Anfangstage der Schwyzerörgeler im Muotathal und was der Tschinggä-Liederverein einst so trieb“ veröffentlichte, stellte mir Imhof ein kurzes Feedback samt dem Tschinggälieder-Verein-Artikel, welcher er für den Muotathaler Zirk geschrieben hatte, per Email zu. Dazu auch Fotos und die Bildlegenden. Ich schrieb ihm, dass ich froh um jegliches Feedback, Informationen und Material bin.

Vorletzten Sonntag veröffentlichte ich dann „Die Charakterisierung und die Erkennung der Eigenheit des Muotathalers als Einstieg in die Geschichte der hiesigen Volksmusik“. Darauf bekam ich von Walter wieder eine Email mit Notizen zu meinem Text. Beim Durchlesen seiner Bemerkungen stellte ich fest, dass ich wohl einige Dinge erwähnte, welche entweder zu gewagt oder nicht ganz präzise formuliert waren. Da Walter ein grosser Kenner der Muotathaler Geschichte ist, werde ich seine Anmerkungen selbstverständlich in die Einleitung zur Geschichte der Muotathaler Volksmusik miteinfliessen lassen.

Ich bedankte mich bei Walter für sein neuerliches Feedback und fragte ihn gleich an, ob er nicht für meinen Blog einen Beitrag verfassen möchte. Ich schrieb ihm von meiner Rubrik CARTE BLANCHE, und dass diese für Gastbeiträge leider bisher viel zu selten genutzt wurde.
Ich weiss, dass er viel weiss. Oder weniger philosophisch ausgedrückt: „Hättest du Lust, einen Beitrag zu schreiben, den ich auf meinem Blog unter deinem Namen veröffentlichen dürfte? Irgendwas von deinem Spezialgebiet, der Forschertätigkeit und deinen Funden. Oder aber auch etwas über die Geschichte vom Muotathal.“

Nach kurzer Zeit kam eine Email von Walter, mit oben erwähntem Artikel. Er erklärte mir, dass er schon viele Artikel und Beiträge in Büchern und Fachzeitschriften veröffentlichte. Zudem hat er auch eigene Bücher geschrieben. Der Lehrer meinte zudem, dass bereits erschienene Beiträge wohl nicht ein zweites Mal gefragt sind.
Umso stolzer macht es mich, dass er mir einen Artikel zustellte, welcher noch nirgends erschienen ist.
Der Beitrag wird übrigens nächsten Frühling in einem Buch erscheinen, das archäologische Wanderungen in der Urschweiz behandelt. Walter hat den Kanton Schwyz bearbeitet und sechs Wanderungen beschrieben, wo das Muotatal natürlich auch vertreten ist.

Noch ein paar Informationen zur Person von Walter Imhof:
Walter wohnt im Muotathal und ist Primarlehrer. Zudem ist er ein Forscher und Höhlenkundler. Was genau er aber erforscht und worin er genau ein Spezialist ist, verrät uns ein kleiner Auszug aus einer Laudatio.
„Der Verein „Zukunft Muotathal“ hat anno 2010 Walter Imhof für seine ausserordentlichen und herausragenden Leistungen im Bereich der Paläontologie und der Archäozoologie den „Muotaschtei“ übergeben. Der Anerkennungs- und Förderpreis ging an einen Archäologen und Speläologen, einen Höhlenkundler und Erforscher von alten, archäologisch überlieferten Tierrestanzen. Imhof’s Arbeit ist sehr bedeutend für die historische Forschung im Kanton Schwyz.“
(Quelle: http://www.zukunft-muotathal.ch)

Hier räume ich nun das Feld, und übergebe an Hofers Walter, wie er im Volksmund bei uns im Thal genannt wird.

Walter Imhof1
Walter Imhof (Bildquelle: Andrea Schelbert)

————————————————-

Höhlen und Balmen in Menschenhand

Natürliche Unterstände wie Höhleneingänge und Balmen werden seit jeher von Menschen und Tieren aufgesucht. Es ist daher naheliegend solche Plätze nach Spuren ihrer Anwesenheit zu untersuchen.

Walter Imhof

Situation
Unsere Lebensweise und unsere Umwelt verändern sich rasant und somit gehen Ereignisse immer schneller vergessen. Es gilt deshalb, das Verständnis für die Vergangenheit in unserer unmittelbaren Umgebung zu wecken, indem die Spuren ausgewertet werden, die als Zeugen früherer Kulturen vorhanden sind. Ihre Dokumentation bereichert das Bild einer Region während vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende.

Zu den Naturgegebenheiten einer Landschaft gehören vor allem ihre Lage und Beschaffenheit. Es macht für die Entwicklung von Menschen einen Unterschied, ob sie in einer ebenen oder gebirgigen Landschaft oder am Meer leben. Auch das Klima spielt eine entscheidende Rolle. Die Geschichte der Innerschweiz ist im Wesentlichen durch ihre Raumverhältnisse bestimmt. Die abgeschlossenen, karstreichen Täler in den Gebirgen um den Vierwaldstättersee bieten unzählige natürliche Unterstände: Höhlen und Balmen.

Höhlen können grob in zwei Gruppen eingeteilt werden: Phreatische Höhlesysteme, das heisst Höhlen, die vom Schmelzwasser der Eiszeit ausgewaschen wurden, oder Versturzhöhlen, sprich nutzbare Hohlräume zwischen verstürzten Felsblöcken. Als Balmen werden grosse überdeckte Felsnischen bezeichnet.

Als der Mensch in der Jungsteinzeit langsam begann in den Alpenraum einzudringen, stand er überall vor den gleichen Schwierigkeiten: Unter anderem musste er für sich und seine Haustiere Schutz suchen, sowie einen geeigneten Aufbewahrungsort für seine Produkte finden, wobei hier vor allem die Temperatur eine wichtige Rolle spielte. Instinktiv wurden dabei Höhleneingänge oder Balmen aufgesucht.

Flavio Zappa schreibt dazu sehr treffend: «Es besteht kein Zweifel, dass sich der Mensch von den Räumen, die die Natur ihm zur Verfügung stellte, angezogen fühlte, doch ist es eher unwahrscheinlich, dass er sie immer bezugsbereit vorfand. Um einen ebenen Boden und nutzbares Volumen zu erhalten, musste er im Gegenteil oft Erde und Schutt wegräumen, Steine entfernen und das Terrain nivellieren.» Es brauchte weiterhin Mauern, Schutzdächer oder Ablage- und Arbeitsflächen. Oft waren solche Eingriffe massiv, andere Baumassnahmen können hingegen kaum noch erkannt werden. Es gab mit Bestimmtheit auch Freilandstationen an Wasserstellen, Bachläufen oder anderen, exponierten Stellen, von denen in der Urschweiz aber bislang nur wenige bekannt sind. Sie zu finden ist äusserst schwierig, da sie meist entweder erodiert oder mit gewaltigen Sedimentschichten überdeckt sind. Eine Ausnahme bildet die Freilandstation in Einsiedeln-Langrüti, die aus der Altsteinzeit datiert.

Wissenschaft
Höhlenforscher untersuchen unterirdische Hohlräume demzufolge nicht mehr nur im Hinblick auf speläologische und geologische Aspekte, sondern auch die allfällige Nutzung als Unterstände während der Ur- und Frühgeschichte beziehungsweise bis ins Mittelalter und in die Neuzeit.

In der Innerschweiz haben sich hauptsächlich die Arbeitsgemeinschaft Höllochforschung (AGH), die Höhlenforscher Gemeinschaft Unterwalden (HGU), die Höhlengruppe Muotathal (HGM) und die Ostschweizer Gesellschaft für Höhlenforschung (OGH) der Erforschung von Höhlen verschrieben.

Die ersten dokumentierten Höhlenbesuche zeugen in erster Linie von Abenteuerlust und Waghalsigkeit. Die Erforschung von natürlichen Höhlräumen mit wissenschaftlichen Hintergrund hat in der Urschweiz bereits vor über 100 Jahren begonnen. Ging es ursprünglich hauptsächlich um die Vermessung von möglichst vielen Höhlengängen, haben sich in der Höhlenforschung mittlerweile verschiedene Forschungsrichtungen wie die Geologie, die Speläologie, die Hydrologie, die Höhlenpaläontologie, Biospeläologie und der Höhlenfunk etabliert. Eine wichtige Hilfestellung für die Geschichtsforschung ist vor allem die Archäozoologie.

Die Erforschung und Vermessung von Höhlen geschieht heute mit hochmodernen Messgeräten, von welchen die Daten direkt auf den Computer übernommen werden können. Die längste vermessene Höhle ist mit über 200 km das Hölloch im Muotatal. Grössere Höhlen sind mit verschiedenen Biwaks ausgestattet, von denen aus die Forscherteams Vermessungstouren in abgelegene Höhlenteile unternehmen können.

Insgesamt sind in der Urschweiz mehrere hundert Höhlen und Balmen bekannt. Die allermeisten sind vermessen und dokumentiert. Die sensiblen Daten werden jedoch in der Regel nicht veröffentlicht: Einerseits um Zerstörungen zu vermeiden, andererseits um Höhlentouristen vor Unfällen zu bewahren. Die Höhlenforschung birgt nämlich auch Gefahren: Aktive Höhlen, das heisst: Höhlen, die vom Wasser durchflossen werden, können beispielsweise Siphons bilden, die zur tödlichen Falle werden können.

004Balm B
Balm (Bildquelle: Walter Imhof)

Nutzung
Nach dem Rückzug der Gletscher wurden die freigegebenen Gebiete zum Teil sehr rasch von der Vegetation zurückerobert. Diese war Voraussetzung für die Einwanderung von Tieren, die prähistorischen Jägergruppen zur Beute wurden. Schon bald danach wagten sich die ersten Jäger ins Gebirge, um vor allem den Steinböcken, Gämsen und Murmeltieren nachzustellen. Die natürlichen Unterstände zeigen, wie überlegt und mit welch sicherem Instinkt die Jägergruppen ihre Jagdplätze auswählten. Wie Funde beweisen, wurden diese Plätze über Jahrtausende hindurch immer wieder aufgesucht. Die sommerliche Jagdsaison dauerte lediglich ein paar Monate, danach kehrten die Jäger in ihre Basislager in den Haupttälern zurück.

Die mittlerweile nachgewiesenen, von Menschen beeinflussten Höhleneingänge und Balmen aus prähistorischer Zeit sind ein Hinweis dafür, dass urzeitliche Jäger ein Netz von Jagdstationen besassen, die sie auf ihren Beutezügen in den einzelnen Geländekammern der Urschweiz aufzusuchen pflegten. Zweifelsohne waren auch jagdstrategische Punkte im Gelände bekannt, die eine wichtige Funktion in der Jagdtechnik urzeitlicher Menschen erfüllten. Schlachtabfälle wurden in Karstschächten entsorgt, um nicht in der Umgebung lebende Raubtiere auf den Lagerplatz aufmerksam zu machen.

Die Höhlen- und Balmnutzer hinterliessen Spuren, die Rückschlüsse auf ihr Alltagslebens zulassen. Spuren, die in Gebirgsregionen und Alpgebieten jedoch spärlich und teilweise recht unscheinbar sind, wie etwa Reste von Feuerstellen oder Bearbeitungsspuren an Knochen – im Glücksfall Steinwerkzeuge, Bronzebeile oder Scherben von Gefässen. Wie bei einem Puzzle ergeben viele Stücke zusammen jedoch ein recht detailliertes Bild der Lebensweise unserer Vorfahren.

Neben Mauerresten und Feuerstellen handelt es sich bei den allermeisten Funden aus Höhlen und Balmen um Knochen einer bemerkenswerten prähistorischen Fauna, die ausserdem Anzeiger für Vegetation und Klimaentwicklung sind.

Erste Datierungen
Die ältesten, in zahlreichen Höhlen und Balmen der Urschweiz gemachten Knochenfunde können anhand von 14C-Untersuchungen ins Interstadial, einer Warmphase während der letzten Würmeiszeit vor 30 bis 40’000 Jahren datiert werden. Belegt sind Höhlenbären, Braunbären und ein Steinbock. Da der Höhlenbär Vegetarier war, muss zu dieser Zeit auch in Höhlenlagen von über 1500 m ü.M. ein Klima vorgeherrscht haben, das eine Vegetation begünstigte, welche für das Überleben des Höhlenbären ausreichte: Dem Höhlenbären dienten Beeren-, sowie das Gras- und Krautvorkommen im Übergang der Waldzone als Nahrungsgrundlage. Diese Vegetation bot zweifelsohne auch Nahrung für Tiere wie Rothirsch, Steinbock, Gämse, Murmeltier und Schneehase. Auch Raubtiere wie der Braunbär und Beutegreifer haben aufgrund der Vielfalt der Arten der Tierwelt dazumal bereits existiert. Zu erwähnen ist, dass der jüngste Höhlenbärenfund in der Schweiz 24’000 Jahre alt ist, also die Zeit seines Aussterbens anzeigt.

Die Eiszeit ging in Lagen über 1400 m ü.M. vor etwa 13’000 Jahren zu Ende. Anhand von Pollenanalysen, Knochenfunden und Isotopenmessungen an Braunbärenknochen aus Urschweizer Höhlen sowie Holzkohlen aus Feuerstellen muss unmittelbar danach ein rasches Aufkommen der Vegetation und eine stetige Wiederbewaldung stattgefunden haben.

Eine Häufung an Tierknochenfunden ist aus der jüngeren Dryas-Zeit festzustellen. Etliche Tierknochen tragen eindeutige Schnitt-, Hack- und Brandspuren, die indirekt die Anwesenheit von Menschen seit dem frühen Mesolithikum in den Balmen und Höhleneingängen nahelegen.

Die älteste datierte Holzkohle der Urschweizer Höhlenforscher stammt aus einer Balm im Bisistal und datiert ins Frühmesolithikum, eine weitere aus einer Balm auf der Alp Unter Saum im Muotatal stammt aus dem Frühneolithikum, eine weitere aus dem Endneolithikum. Ab der Bronzezeit ist die Anwesenheit des Menschen anhand von Feuerstellen, Artefakten und Knochenfunden für alle Zeitepochen und in grosser Anzahl belegt.

Q:_BildarchivSendungen_MagazinePfahlbauer20070802_Pfahlbauer_Wanderung_Toggenburg3_bearbeitet
Pfahlbauer-Wanderung (Bildquelle: Walter Imhof)

Neue Nutzungen
Bislang gaben Wildtiere Hinweise auf die Vegetationsentwicklung und die Anwesenhet von Jägern. Die Höhlen und Balmen im alpinen Raum wurden jedoch ab der Bronzezeit zunehmend auch von Hirten genutzt. Den ältesten bislang gefundenen Hinweis auf alpwirtschaftlich tätige Menschen in der Urschweiz liefern Keramikscherben aus der Bronzezeit aus einer Balm auf der Silberenalp in der Gemeinde Muotathal. Keramikgefässe aus dieser Zeit werden allgemein im Zusammenhang mit der Lagerung und Verarbeitung von Milch gesehen und lassen demzufolge Rückschlüsse auf eine kultivierte Tierhaltung zu. Jedenfalls gelten sie nicht als Mitbringsel prähistorischer Jäger. An Knochen eines bronzezeitlichen Steinbocks aus dem Kochenloch auf Ober Saum können Bissspuren eines Haushundes beobachtet werden. Gut möglich, dass bei bronzezeitlichen Jägern der Hund als Jagdhilfe zum Einsatz kam.

Der bislang älteste Haustierfund der Innerschweiz datiert in die Zeit um 1’400 bis 1’300 v.Chr. Dabei handelt es sich um Knochen von Schaf/Ziege, die in der Muotataler Höhle Glärnischview 2 zum Vorschein kamen. Mit dem Nachweis der Anwesenheit von Haustieren kann die Sömmerung in der Urschweiz belegt werden. Auch die ab der Zeit um 600 v.Chr. einsetzende, intensivere Nutzung der Urweiden oberhalb der Waldgrenze kann anhand von Knochenfunden in Höhlen und Balmen belegt werden. Ab etwa 1’000 n.Chr. nehmen die Funde von Hausstierknochen und Feuerstellen in den natürlichen Unterständen ein weiteres Mal massiv zu: Die Intensivierung der Alpwirtschaft hatte eine erhöhte Rodungstätigkeit zur Folge. Die so gewonnenen Weiden vermochten mehr Haustiere zu ernähren, was wiederum Auswirkungen auf einen höheren Milch- und Fleischertrag hatte.

Balmen und Höhleneingänge wurden verschiedentlich auch als geschützte Hüttenplätze, als Stallung für Haustiere oder zur Aufbewahrung von Wildheu genutzt. Für die Lagerung der Milch bediente man sich mancherorts der konstant kühlen Temperatur, wie sie in Höhlen vorherrscht, oder der kühlenden Wirkung kleiner Fliessgewässer, die durch Milchlagerstätten geleitet wurden. Die Höhlen- und Balmforschung trifft sich hierbei mit der alpinen Wüstungsforschung.

————————————————-

Da ich zurzeit die Muotathaler Volskmusik samt seiner Geschichte abhandle, finde ich, passt sein sehr interessanter Text thematisch wunderbar in meinen Blog.

Walter hat eine aussergewöhnliche Freizeitbeschäftigung. Darüber hinaus ist seine Arbeit, wie auch die Laudatio oben besagt, sehr bedeutend für die historische Forschung im Kanton Schwyz. Und natürlich auch für das Muotathal. Von seinem Wissen und seinen Erkenntnissen konnten schon etliche Personen profitieren. Ich darf mich inzwischen auch dazu zählen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Walter Imhof für diesen schönen und fundiert geschriebenen Beitrag!
Zudem hoffe ich, dass der heutige CARTE BLANCHE-Text auch andere motiviert, einen Gastbeitrag für den feldwaldwiesenblog zu verfassen.

feldwaldwiesenblogger

Silvia Götschi: Das Hochzeitsgeschenk

Gestern erhielt ich unverhofft elektronische Post von meiner ersten Carte Blanche-Verfasserin, Silvia Götschi:

Hoi feldwaldwiesenblogger

Versunken in meiner Arbeit, bin ich zwischendurch mal wieder auf Deinen Blog gestossen.

Hast Du noch Interesse an einer neuen Geschichte?

Bei mir tut sich nämlich etwas.

Der deutsche Grossverlag Emons hat mich unter Vertrag genommen. Jetzt schreibe ich einen Bündner Krimi, heißt, ich habe ihn bereits fertig geschrieben. Er wird im März 2014 erscheinen.

In drei Wochen kommt nun endlich KÜNSTLERPECH – Kramers dritter Fall auf den Markt.

Lieben Gruss
Silvia

Ich antwortete ihr:

Hallo Silvia

Wauw, das tönt ja mega! Ich freue mich für dich. Als begeisterter Krimileser warte ich gespannt auf deine neuen Bücher.
Und natürlich habe ich immer Interesse an Geschichten von dir! Du kannst gerne wieder einen Carte Blanche-Beitrag für meinen Blog zusammenstellen, so wie’s dir grad beliebt.

Leider hat neben dir erst ein Herr noch angebissen, und mir einen Carte Blanche-Beitrag für den Blog zugestellt. Aber es schreiben halt nicht alle so gerne wie du und ich. Jä nu … 🙂

Ich freue mich auf eine neue Geschichte von dir!

Liebe Grüsse
feldwaldwiesenblogger

Eine Stunde und 13 Minuten später kam wieder eine Email von Silvia Götschi:

Anbei eine Geschichte, die ich mal für eine Anthologie geschrieben habe, die bis jetzt aber in keinem Buch zu finden ist.
Vielleicht ist sie etwas für Dich.
Einen schönen Nachmittag und lieben Gruss
Silvia

Aufmerksam las ich die Kurzgeschichte durch. Atemlos nahm ich hernach zur Kenntnis: Natürlich war die Geschichte etwas für mich, einer kleinen (Krimi-)Leseratte. Sie fesselte mich nämlich von Anfang an, Götschi’s Text mit dem Titel „Das Hochzeitsgeschenk“.
Ohne zu überlegen wusste ich gleich: Diese Geschichte ist auch für euch, liebe Leserinnen und Leser, etwas!

Zur Kurzgeschichte schickte Götschi auch noch ein wunderschönes Bild mit.

Vorhang auf für den zweiten Carte Blanche-Beitrag von Silvia Götschi:

——————————————————————————————————–

DAS HOCHZEITSGESCHENK

Das Unglück geschah am 30. Dezember, genauer gesagt in der Nacht, bevor Roger Tanner zusammen mit seiner Frau vom Aufenthalt auf den Malediven in die Schweiz zurückflog.
Sie hatten in aller Stille geheiratet und daraufhin ihre Flitterwochen auf einer Ferieninsel im Indischen Ozean gebucht. Es war der letzte Abend, und der sollte etwas ganz Besonderes werden. Gabrielas Geschenk an ihren Mann, der sich nichts Sehnlicheres wünschte, als diese letzte Nacht ihrer Hochzeitsreise auf hoher See zu verbringen. Ein bisschen feiern und danach schwimmen.
Mit solchen verrückten Ideen hatte man Tanner schon immer begeistern können. Er war ein Abenteurer, ein Robinson Crusoe des 21. Jahrhunderts. Er riskierte oft sein Leben und war da anzutreffen, wo man sich durch Wildwasserschluchten treiben liess und sich an Seilen in die Tiefe stürzte. Er liebte das Extreme, kannte weder Angst noch Gefahren.
Gabriela hingegen war die scheue kleine Frau, die Nachtschwester in der Kinderklinik. Die zierliche Muse, die liebend gern Geschichten erfand und sie ihren kranken Sprösslingen erzählte. Keiner ihrer Freunde hatte damit gerechnet, dass sich diese beiden Gegensätze einmal gegenseitig ausziehen würden.
Tanner wusste, dass sich Gabriela vor dem Wasser fürchtete und dass es sie Überwindung kostete, aufs Meer hinauszufahren, dass die Angst um ihn sie stets begleitete. Umso mehr freute er sich, als sie mit einem Korb voller exotischer Früchte und einer Flasche Champagner am Ufer stand und auf ihn wartete. Sie schien wirklich motiviert zu sein.
Die letzten Sonnenstrahlen ergossen sich über das Meer. Im fahlen Licht der Abenddämmerung gingen Tanners über den warmen Sand zur Bucht, wo ein Segelboot vor Anker lag. Die Wetterverhältnisse hätten idealer nicht sein können, als sie in die offene See hinausfuhren.
Später sassen sie nebeneinander. Schweigend sahen sie in die einbrechende Nacht hinaus.
In der Zwischenzeit war Wind aufgekommen. Er stiess seinen lauen Atem in die gehissten Segel wie ein unsichtbarer Blasebalg und trieb das Schiff nun zügig voran.
„Siehst du dieses Licht in den Wellen?“, fragte Gabriela nach einer Weile. Sie hatte ihren Blick auf das dunkle Wasser gerichtet. „Was ist das?“
„Vielleicht spiegelt sich der Mond darin.“ Tanner zog seine Frau liebevoll an seine Seite.
„Ich sehe aber keinen Mond.“ Gabriela war mit seiner Antwort nicht zufrieden. Neugierig lehnte sie über die Schiffsbrüstung. Ein Blick zum Bug, der die Wellen brach.
Plötzlich waren diese glitzernden Lichtkügelchen überall, leuchtenden Edelsteinen gleich, die in der Gischt auseinanderstieben. Gabriela erhob sich und ging mit schaukelnden Schritten nach hinten zu den beiden Männern, die sie begleiteten und fragte sie, was diese sonderbaren Reflexe auf dem Wasser bedeuteten.
„Das sind Allahs Diamanten“, sagte einer der beiden. „Wenn man sie aus dem Wasser nehmen will, verschwinden sie. Magische Diamanten, die uns an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnern sollen.“
Kopfschüttelnd kehrte Gabriela zu Tanner zurück. Er beruhigte sie. „Auch die Inselbewohner haben so ihre Geschichten. Das ist Plankton“, erklärte er. „Wenn es nachts an die Oberfläche kommt, phosphoresziert es, und das glitzert dann so.“
Tanners Pragmatik bewirkte, dass das schöne Märchen mit einem Schlag zu Ende war. Gabriela lehnte sich seufzend wieder über den Schiffsrand. Die Diamanten waren verschwunden.
Sie fuhren eine Weile. Das Boot glitt leise. Die Segel lagen gut im Wind.
„Wollen wir auf unser Glück anstossen?“ Tanner war aufgestanden und angelte den mitgebrachten Korb an seine Seite. Er entnahm ihm die Flasche mit dem Champagner. Gabriela naschte von den tropischen Früchten.
„Auf unsere Zukunft“, sagte sie, „auf dass wir uns in unseren Wesen näher kommen.“ Sie ergriff Tanner mit beiden Armen und zog ihn zu sich. „Ich habe heute meinen ersten Schritt getan. Ich musste mich überwinden mitzukommen, weil ich auf solchen Ausflügen immer seekrank werde.“
Tanner sprang auf und bat die beiden Schiffseigner die Segel einzuziehen. Sie waren jetzt eine ziemliche Strecke von der Insel entfernt. „Machen wir also eine Rast. Trinken wir auf meine mutige Frau!“
Gabriela holte zwei Gläser hervor. Tanner goss den sprudelnden Champagner ein. Dann sassen sie nebeneinander, tranken und blickten in das sternenübersäte Firmament über ihnen. Sie glaubten, Kometen zu sehen und flüsterten sich gegenseitig ihre Wünsche ins Ohr.
Später tauschte Tanner seine Kleider gegen eine Badehose ein.
„Ich gehe jetzt schwimmen“, sagte er zu seiner Frau. „Ich weiss, du wirst mich für verrückt halten, aber ich kann es einfach nicht sein lassen.“
Mit einem galanten Schwung über die Bordwand sprang Tanner ins Wasser. Es gab ein platschendes Geräusch. Er tauchte kurz unter, kam prustend wieder hoch.
„Herrlich!“, rief er und winkte Gabriela euphorisch zu.
Später lag er auf dem Rücken und liess sich treiben. Der Himmel über ihm spannte sich wie ein Bogen voller Sterne. In solchen Momenten kam sich selbst ein Roger Tanner klein vor.
Nach einer Weile drehte er sich auf den Bauch und schwamm mit kräftigen Zügen weiter hinaus. Er war ein guter Schwimmer. Er hatte sogar das Brevet im Rettungsschwimmen gemacht und an den Wochenenden im Hochsommer aushilfsmässig als Bademeister im Freibad gearbeitet. Er dachte nichts Böses, als er plötzlich eine Bewegung im Wasser vor sich wahrnahm. Vielleicht ein Fisch, der an die Oberfläche gekommen war, um sich eine Mücke zu schnappen oder sonst etwas. Tanner verharrte ruhig und liess sich wieder rücklings auf den Wellen treiben.
Auf einmal spürte etwas an seinem rechten Fuss. Ob der Fisch zurückgekehrt war? Er ignorierte ihn. Doch das Fremde berührte ihn wieder. Am Oberschenkel, an den Lenden, am Bauch.
Haie!, durchfuhr es Tanner. Sein Herz schlug heftig gegen die Rippen. Kaltes Grauen durchfuhr ihn. Aber er behielt tapfer einen klaren Kopf. Schliesslich hatte er das Verhalten in Notsituationen gelernt. Sei kein Feigling, schalt er sich selber und schlug den Weg in Richtung Schiff ein. Der Hai schien ihn zu verfolgen. Wieder streifte er ihn, diesmal an beiden Füssen, kalt und grausam. Panik ergriff Tanner. Eine Angst, die ihn fast erlahmen liess. Doch er schwamm so schnell er konnte; die Distanz zum rettenden Schiff schien unendlich zu sein.
„Hilfe, Haie!“, schrie er aus Leibeskräften, in der Hoffnung, dass man ihn hörte. Seine eigene Stimme dröhnte in den Ohren wie eine fremde Stimme in dieser sonst absoluten Ruhe. Mein Gott, lasse mich am Leben, betete er, keuchte, spuckte und rief wieder.
Irgendetwas packte ihn plötzlich an den Oberschenkeln.
Das konnte kein Hai sein. Tanner schlug wild um sich. Er versuchte, das schreckliche Monster, das ihn mit kalten Armen umklammerte, von sich zu stossen. Dadurch wurde der Griff noch fester.
Ein Tintenfisch! Ein Polyp! Ein Riesenkrake! Tanner registrierte es im Bruchteil eines Augenblickes. Mein Gott, ich werde bei lebendigem Leib verschlungen. Er wollte wieder schreien, aber seine Stimme versagte ihm. Er strampelte und schlug verzweifelt um sich. Das blanke Entsetzen drohte, sein Gehirn zu zerreissen. Er schwamm immer noch, holte die letzte ihm noch verbleibende Kraft aus seinem Körper. Der Polyp, oder was immer es war, hing an seinen Beinen und versuchte, ihn unter Wasser zu ziehen.
Tanners Kräfte schienen langsam aber sicher nachzulassen. Es dünkte ihn, als käme er überhaupt nicht mehr vom Fleck. Das Schiff war schier endlos weit weg. Er war die längste Zeit im Kreis herum geschwommen. Er keuchte und zitterte, wollte sich dem Schicksal ergeben. Er spürte, als er erschöpft auf dem Wasser trieb, dass der Griff – einen Augenblick gelockert – jetzt noch fester wurde und ihn erneut hinunterzog. Der Sternenhimmel verschwand. Das Wasser klatschte über ihm zusammen.
Ich bin tot, dachte Tanner. Er spürte das salzige Nass in seinem Mund.
Nein, er wollte nicht aufgeben. Noch einmal kam er hoch. Mit letzter Kraft versuchte er, das Monstrum abzuschütteln.
Da griff ein weiterer Arm gnadenlos zu.
Tanner tauchte unter, während ein gleissendes Licht seine Augen traf – eine Taucherlampe. Für den Bruchteil einer Sekunde konnte Tanner die schemenhaften Umrisse eines Tauchers wahrnehmen, ehe ihn die völlige Dunkelheit erneut einschloss. Wollte man ihn umbringen und weshalb? Er hatte plötzlich seinen Mund voll Wasser. Sein Kopf drohte im Innehalten des Atmens zu zerplatzen. Noch einmal trieb es ihn an die Oberfläche, wo er verzweifelt und in Todesangst spuckte und nach Luft rang. Sein klares Denken löste sich allmählich auf. Tausend Nadeln bohrten sich in seinen Schädel. Dann wurde er endgültig in die Tiefe gerissen, in diese bodenlose Schwärze hinein, in den höllischen Schlund des Meeres.
Weit vorne, sein Bewusstsein hatte er bereits verloren, leuchtete ihm etwas Weisses entgegen, ein kleines Licht, das rasend schnell auf ihn zukam.

Tanner erwachte an diesem Licht, das ihn jetzt voll in den Augen traf. Eine Taschenlampe. Ein Mann im Taucheranzug hielt sie in der Hand. Ein anderer drückte ihm unablässig auf die Brust. Reanimierte ihn. Tanner lag auf dem Holzboden des Schiffes. Er spuckte Wasser und Galle.
„Ich habe nicht gesagt, dass ihr ihn ersäufen sollt“, sagte eine aufgeregte Frauenstimme. Es war Gabriela.
„Er kommt zu sich“, sagte jemand in seiner Sprache.
Paul Gasser.
Tanner kannte ihn aus dem Sportverein. Was ging hier vor sich? Träumte er, oder befand er sich schon im Himmel? Tanner blickte auf. Die Segel lagen im Wind. Sie fuhren wieder.
„Willkommen zurück“, sagte Gabriela plötzlich dicht an seinem Ohr. Ihre Stimme vibrierte. Sie stützte ihn. Er lag jetzt in ihren Armen und sah sie ungläubig an. „Das war mein Hochzeitsgeschenk.“ Sie küsste ihm die salzigen Tränen weg. „Dank meiner Idee, hat Paul das Ganze arrangiert, zusammen mit unserem Reisebüro. Eine neue Art des Extremerlebnisses, prädestiniert, um auf den Markt zu kommen. Du warst sein erster Kunde.“
Tanner verstand schnell. Gasser war eingeweiht gewesen. Gasser, mit dem er im Sommer beim Bungeejumping gewesen war, und Gabrielas unverblümte Fantasie hatten die Sache auf den Punkt gebracht. Eine clevere Idee. Denn jetzt würde er es sich gut überlegen, bevor er sich verantwortungslos in ein ähnliches Abenteuer stürzte. Tanner rang sich ein krampfhaftes Lächeln ab.

(Silvia Götschi)

——————————————————————————————————–

Einfach wunderbar, nicht wahr? Mit dieser Wendung hat wohl keiner gerechnet. Heutzutage, wo fast alles extrem sein muss, sind halt auch „Hochzeitsgeschenke“ dementsprechend „extrem“.

Ich bedanke mich bei Silvia Götschi ganz herzlich für diese schöne Kurzgeschichte. Zudem fühle ich mich geehrt, eine Kurzgeschichte von einer so renommierten und ambitionierten Autorin wie sie veröffentlichen zu dürfen.

Wenn unter meinen Lesern noch jemand ist, der eine Kurzgeschichte oder ein pfannenfertiger Text parat hat: Nichts wie her, feldwaldwiesenblogger veröffentlicht es für dich!

feldwaldwiesenblogger

Echte Liebe

Leute, der zweite Carte blanche-Beitrag ist eingetroffen!
Ich habe mich sehr gefreut, als mich letzte Woche Ivan kontaktierte. Er fragte mich, ob er auch einen eigenen Beitrag verfassen dürfe, und zwar etwas über die Bundesliga. „Natürlich darfst du“ schrieb ich ihm zurück.
Wenige Tage später traf der Beitrag von Ivan, mit dem Titel „Echte Liebe“, bei mir ein.

Nach etwas harzigem Start in mein neues Projekt „Carte blanche“ kann ich nun den zweiten Beitrag nach Silvia Götschi’s Premiere (24.1.2013) präsentieren. Ein dritter wird demnächst folgen, wie mir Blanca Imboden kürzlich verriet.

Hier also Bühne frei für Ivan!

——————————————————————————————————-

Echte Liebe

Von Ivan

Irgendwie unbeschreiblich was die letzten Jahre alles abgeht in Dortmund! Im Jahr 2005 stand mein Verein noch kurz vor dem Bankrott und jetzt stehen wir im Champions League-Finale!
Dazu die überraschende Meisterschaft 2011 und der noch überraschendere Gewinn des Doubles aus Pokal und Meisterschaft 2012. Das Ganze mit einer überdurchschnittlich jungen und talentierten Mannschaft, die von Trainer Jürgen Klopp nach dem fast-Kollaps praktisch von Null aufgebaut wurde.

Echte Liebe – einerseits ein klar marketingstrategischer Slogan, andererseits aber einer der irgendwie in die Dortmunder Fanseele passt!
Ich verspüre diese „echte Liebe“ jeweils daran, dass es mir nicht kalt den Rücken runter läuft, sondern kalt den Rücken hoch wenn ich an gewisse Situationen denke oder es auf dem Platz richtig geil abgeht – das ist ein sensationell tolles Gefühl.

Der geneigte Leser mag sich fragen, warum ein Innerschweizer so sehr für einen Verein aus dem grossen Kanton schwärmen kann – ich habe darauf auch keine Antwort…
Alles begann irgendwann als ich noch klein war, Papa schaute sich samstags immer die Sportschau an, ich natürlich mit. Die Sympathien waren klar verteilt, Papa mochte den kleinen wendigen Chappi und fieberte wohl deshalb auch immer ein wenig mit den schwarzgelben Borussen mit. Wie es so ist, die Kleinen schauen sich dem Papa gern mal was ab und PENG – auch ich fieberte fortan mit den Borussen mit.

Was folgte waren tolle Jahre: spannende UEFA-Cup-Abende vor dem Fernseher mit einer Megapackung Schokoladeneis, um welches sich Papa und ich jeweils mit den Esslöffeln stritten, ein unvergesslicher Besuch in München mit meinem Cousin und Firmgötti im altehrwürdigen Olympiastadion (ich höre noch heute das Lied welches die mitgereisten Dortmunder sangen, es war das Comeback-Spiel von Chappi, nachdem dieser vom Co-Trainer im Trainingsspiel schwer verletzt wurde: der Chapuisat ist wieder da), 1995 die erste Meisterschaft nach 32 Jahren langen Wartens, Meisterschaft 96. Es folgten Champions League-Abende. All das gipfelte 1997 im Champions League-Triumph, welcher im immer noch altehrwürdigen Münchner Olympiastadion realisiert wurde, als der erst 20-jährige Lars Ricken mit seinem Traumtor zum 3-1 über die alte Dame aus Turin alles klar machte, sowie dem Weltpokalsieg über Belo Horizonte (BRA) in Tokio durch Tore von BVB-Legende und aktuellem Sportchef Michael Zorc und Heiko Herrlich. Für mich als Schweizer BVB-Fan noch schöner: Diese Jahre prägten zwei Schweizer (ja gut, vielleicht eineinhalb) ganz wesentlich mit: Stéphane Chapuisat und der jetzige Naticoach Othmar Hitzfeld!

Nach einiger Zeit des Wartens folgte dann 2002 unter der Leitung des heutigen Bayern-Sportvorstands Matthias Sammer die 6. und für längere Zeit wieder letzte Deutsche Meisterschaft der mittlerweile börsenkotierten Borussen aus dem Kohlenpott!

Wie angesprochen folgte eine lange Zeit des Wartens auf einen auch nur annähernden Erfolg des BVB. Die Einnahmen aus den erfolgreichen Champions League-Jahren wurde für überteuerte Stars und das Stadion ausgegeben. Irgendwann war dann halt Sense und nix mehr da. Die BVB-Mitgliederversammlung musste im Jahr 2005 gar einem Sanierungskonzept zustimmen.
Die rigorose, aber unumgängliche Konsolidierung und Sanierung durch die Bosse Reinhard Rauball und Aki Watzke zollte natürlich ihren Tribut: Fortan wurden kleinere Brötchen gebacken… sehr viel kleinere! Die Platzierungen wurden in der Folge leider immer ungewohnter und gipfelten schliesslich 2008 im 13. Platz und dem zeitweise heftig spukenden Abstiegsgespenst.

2008 wurde Jürgen Klopp als neuer Übungsleiter engagiert. Der für Bundesliga-Verhältnisse junge Übungsleiter formierte nach und nach eine junge und äusserst talentierte, hungrige Mannschaft.
Was anfangs noch niemand zu träumen wagte, der Mann würde die Schwarzgelben auf die Erfolgsstrasse zurückführen! Für mich ist es noch immer unfassbar was dieser TYP für Borussia Dortmund getan hat! UND: Der Mann lebt Fussball wie fast kein zweiter, der Pöhler passt zu Dortmund wie die feine Rahmkirschtorte „vo z‘Konditers“ zum schönen Muotathal!

Plötzlich kommen alte, fast verloren geglaubte Gefühle zurück! Aber nicht nur das, auch Erinnerungen, die ich weiter oben schon beschrieben habe.

Die Jungs spielten sich allmählich in einen Rausch und damit in die Herzen der Fans! Sie begeisterten die Fussballfans gar über die deutschen Landesgrenzen hinweg. Das Märchen erreicht 2011 einen ersten Höhepunkt mit dem überragenden Meistertitel! Dieser Titel kam mehr als überraschend für alle und war demnach umso schöner! Dass eine soooo junge Mannschaft einen so attraktiven und berauschenden Fussball spielen kann, hat für grosses Aufsehen gesorgt, was letztlich auch Begehrlichkeiten der ganz grossen Clubs in Europa weckte. Nuri Sahin, der Überflieger der Saison, wechselte zu Real Madrid.

Aber auch in der Folgesaison 2012 liess das Team um Jürgen Klopp nicht nach, verkraftete diverse Ausfälle und den Sahin-Abgang, als ob nichts gewesen wäre und schafft noch viel überraschender die Titelverteidung und somit die insgesamt 8. Deutsche Meisterschaft. Nicht nur das, man schaffte es sogar, unseren ärgsten Gegner aus dem Freistaat Bayern noch mehr zu verärgern und erdreistete sich auch das Pokalfinale gegen ebenjenen FC Bayern zu gewinnen. Das Spiel war eine einzige riesige Fussballparty! Mit 5 zu 2 wurden die grossen Bayern abgefertigt und ohne Lederhosen zurück nach München geschickt! Eine insgesamt traumhafte Revanche für das verlorene Endspiel 2008, welches mit 2-1 knapp zu Gunsten der Rot-Weissen ausfiel.

Die aktuelle Saison endet nur deshalb nicht in einer erneuten schwarzgelben Meistersause, weil der neue deutsche Meister eine intergalaktische Saison spielt! Unsere Jungs haben aber wiederum gezeigt, dass sie ebenfalls einen ganz tollen Fussball spielen können. Sei es weil der Abgang des quirligen Kagawa zu Manchester United problemlos verkraftet und kompensiert wurde, oder sei es, weil der BVB in dieser Champions League-Saison klasse Fussball zeigt und kurz vor Europas Krone steht. Spiele wie in dieser Champions League-Saison lassen’s mir wieder kalt den Rücken hoch laufen – auch jetzt, wo ich gerade dran denke! Ich merke mehr denn je, Borussia Dortmund ist für mich nicht nur „echte Liebe“ sondern auch Intensität pur! Bei jedem Spiel gehe ich ab, sei es vor dem TV oder via BVB-Netradio. Nobby Dickel der Stadionsprecher, Fan, Spielerlegende und Netradio-Kommentator fiebert da jeweils mit wie ein Brasilianischer TV-Kommentator in einem WM-Finale der Selecao – das reisst mit!

Ich habe kein Problem damit, hinter der aktuell besten Fussballmannschaft der Welt, sowie dem bestgeführten Sportclub der Welt zweiter zu werden.
Gratulation hiermit nach München zur Meisterschaft und dem wohl anstehenden Pokalgewinn – das sollte dann aber bitte reichen…

Jetzt freue mich diebisch auf das Endspiel um den Henkelpott, welches die beiden aktuell wohl besten Mannschaften dieses Planeten bestreiten werden!

Ganz egal wer am 25. Mai den heiligen Rasen vom Wembley als Sieger verlässt, der Fussball hat schon gewonnen! Ein Schritt in die richtige Richtung, ohne Scheichs die sich einen Traditionsverein wie ManCity oder PSG als Spielzeug zulegen und monströse Ablösesummen aus der Portokasse zahlen. Nein, zwei solide wirtschaftende Vereine wie der Ballspielverein Borussia 09 Dortmund und der FC Bayern stehen sich im Finale gegenüber. Das hat Signalwirkung und tut dem europäischen Club-Fussball extrem gut!

Natürlich kann ich nicht verleugnen, dass es für mich ein Riesengefühl wäre, wenn meine Dortmunder-Jungs den (übrigens äusserst sympathischen) Osram ein letztes Mal als Bayern-Trainer zum Glühen bringen…

——————————————————————————————————–

Wau, das Thema hätte passender nicht sein können! Ivan ein glühender Anhänger von Borussia Dortmund und ich ein eben solcher vom FC Bayern München. Und beide stehen sich am 25. Mai im Wembley im Endspiel der Champions League gegenüber.
Ivan meinte, ob wir mal gemeinsam ein Bayern-Dortmund-Spiel in München besuchen wollen. Aber sicher doch!

Wie ihr seht, habe ich absolut keine Berührungsängste mit Fans von anderen Mannschaften. Ganz im Gegenteil: Ich stelle sogar Beiträge von ihnen in meinen Blog.
Ich darf mich wirklich als „den etwas anderen Fan“ bezeichnen, und mags auch dem Gegner gönnen, wenn er gewinnt und gut spielt.
Gerade gestern Abend (Ironie des Schicksals?) sass ich beim Heimsieg der Luzerner über den FC St. Gallen neben einem Dortmund-Fan in der swisspor-Arena!

feldwaldwiesenblogger

Carte blanche für: Silvia Götschi

Carte blanche was? Richtig gelesen: In meinem Blog gibt’s ab heute eine neue Rubrik, die „Carte blanche“, was übersetzt „weisse Karte“ heisst. Was aber auch bedeutet: eine unbeschränkte Vollmacht oder ein Blankoscheck.

So eine „Vollmacht“ oder einen „Blankoscheck“ möchte ich EUCH, liebe Leser, erteilen, um einen oder mehrere Beiträge für meinen Blog zu schreiben. Wenn DU etwas Wichtiges zu sagen hast oder einfach aus Deinem Leben erzählen möchtest, dann zögere nicht, und verfasse DEINEN Text. Sende ihn, wenn DU willst auch mit Fotos oder Illustrationen, an: feld-wald-und-wiesenblog@bluewin.ch
DEIN Text wird unzensuriert in meinen Blog gestellt, wenn er drei Dinge nicht verletzt oder enthält: Die Rassismus-Norm, Pornografie und üble Nachrede oder Beleidigungen von Personen oder Institutionen.

Neues Jahr, neue Ideen, sagte ich mir und schrieb einige Personen an, um diese „Carte blanche“ anzustossen.
Die Schriftstellerin Silvia Götschi ist die erste Person, welche mir nun einen Text samt Bild für meinen Blog zustellte. Ich bedanke mich bei Ihr herzlich und freue mich riesig, dass ich sie für meinen Blog gewinnen konnte.

Ihr erinnert euch vielleicht noch an einen Blogeintrag von mir:
Buch-Tipp: ASCHENPUTTEL von Silvia Götschi
In diesem Beitrag schrieb ich über ASCHENPUTTEL, einen Krimi aus der Feder von Silvia Götschi. Ich war begeistert von dem „Kramer-Krimi“ und besorgte mich nach ASCHENPUTTEL gleich ENGELFINGER, den Erstling aus der „Kramer-Krimi-Reihe“.
Silvia Götschi, wohnhaft in Küssnacht am Rigi, schreibt momentan am dritten Krimi aus der „Kramer-Reihe“, KÜNSTLERPECH. Sie gibt uns mit ihrem Beitrag einen Einblick in den Alltag einer Krimi-Autorin.

So, nun überlasse ich meine Feder Silvia Götschi.

————————————————————————————————————

Beispiel eines Arbeitstages als Schriftstellerin anhand des neuen Kramer-Krimis

Tagwache um 06.00 Uhr.
Ausgiebiges Frühstück und Lesen meiner letzten Korrekturen.
Computer hochfahren, den üblichen Haushaltskram erledigen. Nebst dem Schreiben habe ich Familie, die ab und zu gebauchpinselt werden muss. E-Mails checken. Diese kommen meistens mit Verzögerung oder gar nicht bei mir an. Unbedingt den Computer-Fachmann kommen lassen.
„Künstlerpech“ öffnen und Korrekturen anbringen. Wenn ich am Text weiterschreibe, komme ich meistens gut voran. Das Ende ist absehbar. Doch oft leiten mich die Protagonisten auf eine andere Fährte. Prüfen, ob unter „Eigenschaften“ die erforderliche Anzahl Buchstaben mit Leerschlägen noch nicht ausgeschöpft ist. „Künstlerpech“ darf im Umfang „Aschenputtel“ nicht übersteigen. „Engelfinger“ war eindeutig zu umfangreich. Doch das verzeihe ich mir, weil es Kramers erster Fall war.
Schon wieder das gleiche Wort geschrieben. Googeln, ob es passende Synonyme gibt. Das Internet bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten. Trotzdem stehen ein Duzend Duden auf dem Bücherregal bereit. Sie verstauben allmählich.
Unglaublich! Der Chef der Sondereinheit findet doch tatsächlich einen Stollen. Der war gar nicht vorgesehen. Der tauchte irgendwann mal auf. Spontan dazu kommen mir Bilder aus der Zeit vor dem Mauerfall in den Sinn. Da gab es auch solche Stollen, die von Ost nach West führten.
Recherche? Klar, recherchiere ich. Man kann NIE über etwas schreiben, das man nicht selbst erlebt hat. Meine Erlebnisse beruhen auf Realität, Lesen, Filme ansehen und einer begnadeten Fantasie. Kopfkino nenne ich es. Oftmals lässt sich jedoch die Realität von der Fiktion nicht auseinanderhalten.
Wo bin ich stehen geblieben? Ach ja, ein Künstler, der eine etwas dubiose Rolle übernimmt, sollte noch beschrieben werden. Ich sehe ihn klar vor mir. Es gibt ihn wirklich, zumindest die Bilder, die er gemalt hat.
Schreibend befreie ich mich von meinen Schatten. In meinen Krimis kann ich die dunklen Seiten ausleben.
Ich beobachte Menschen. Kaum jemand entgeht meiner Fantasie. Ich sehe bloss die Oberfläche. Das Dahinter stelle ich mir vor. Menschen faszinieren mich – auch die bösen. Ich will in ihre Abgründe blicken, erfahren, was sie zu einer Untat getrieben hat. Man kann auch mit dem Täter eine Beziehung aufbauen. Wir sind alle mal Kinder gewesen. Erbgut, Erziehung, Umfeld, Geografie, Geschichte und Religion verändern unser Wesen.
Das Mittagessen vergesse ich – wie üblich. Ich brauche die geistige Nahrung mehr als alles andere. Am Nachmittag unterbreche ich meine Arbeit. Muss raus an die frische Luft zum Wandern, Radfahren oder im Winter ins Fitness. Finde ich zwar total bescheuert diesen Fitnesswahn. Doch Bewegung tut gut, befreit meine überbelasteten Gehirnzellen.
Mein Arbeitstag endet meistens erst um 22.00 Uhr.

————————————————————————————————————

Wunderbar, der Beitrag von Silvia Götschi! Ich jedenfalls bin hell begeistert, und freue mich jetzt schon auf ihren neuen Krimi KÜNSTLERPECH, welcher diesen Herbst erscheinen soll. Vielleicht möchte Silvia Götschi ja noch weitere Beiträge für meinen Blog schreiben? Das wäre natürlich „mega“ oder „voll der Hammer“, wie sich die ganz Jungen auszudrücken pflegen.

Habe ich DEIN Interesse und DEINE Neugier geweckt, für einen Text von DIR?
DU darfst DEINEN Beitrag unter DEINEM Namen, anonym oder unter einem Pseudonym in meinen Blog stellen.

feldwaldwiesenblogger