Warum „Fliegender Ring“ erscheinen soll – Ein Gespräch mit Aldo Betschart (Teil 2)

Am 23. Dezember besuchte ich Aldo Betschart (Gigers Aldo) in Zürich. Da ich dem Schriftsteller und Musiker zu verschiedenen Aspekten 20 Fragen stellte, fiel das Gespräch dementsprechend lange aus. So hatte ich hinterher Stoff für zwei Blogbeiträge.

Zur Erinnerung: Im Teil 1 erwähnte ich Aldos Erklärungen zum „Bettelbrief“, was er mit diesem beabsichtigt und wie das Echo darauf bislang ausfiel. Während des Verfassens des ersten Beitrages erreichte mich die Nachricht von Aldo, dass inzwischen rund 700 Franken zusammengekommen seien.

Nebst dem Bettelbrief war auch der Inhalt des Romans „Fliegender Ring“ beim ersten Teil ein Thema, notabene das bisher vierte Buch von Aldo. Des Weiteren befragte ich den 45-Jährigen wie er sich seinen Lebensunterhalt verdient, was ihm Familie bedeutet oder was für Dinge des Weltgeschehens ihn beschäftigen.

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Aldo, der Denker
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Die künstlerische Tätigkeit von Aldo:

An was für Projekten arbeitest du momentan?
Ich habe soeben das Layout zum Roman „Fliegender Ring“ fertig gestellt. Es wäre eigentlich parat zum Drucken. Daniel Frick, ein Freund von mir, wird für mich den Umschlag des Buches gestalten.
Weiter bin ich wieder an einem neuen Buchprojekt. Erst mache ich mir jeweils Notizen, und lasse diese über Monate „gären“. Mache mir dann wieder Gedanken, ergänze die Notizen und streiche auch Sachen raus. So lange der Roman „Fliegender Ring“ aber nicht vorliegt, kann ich dies nicht richtig in Angriff nehmen. Für mich ist nämlich enorm wichtig, erst das eine zu beenden.
Bei meiner Band „Despu Palliton“ habe ich soeben die Gesangsparts eingesungen. Unser finnischer Freund Janne Wrigstedt nahm mit uns sechs Songs auf. Das wird wirklich toll! Wir wollen im Frühling etwas veröffentlichen, sind uns aber noch nicht ganz im Klaren, in welcher Form. Es wird vermutlich eine Demo- oder Promo-CD sein.

Was ist eigentlich die Quelle deiner Inspiration?
Ich habe einen inneren Drang, mit meinen künstlerischen Ausdrucksweisen etwas zu machen. Es treibt mich eine gewisse latente Ruhelosigkeit, die ich so kanalisiere und gibt mir eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit. Wenn ich ein wenig am Rumstänkern bin, sagt meine Frau Dana manchmal: „Geh doch in den Proberaum, es tut dir gut.“ Sie weiss, dass mich das zufrieden macht, und ich wieder ausgeglichener heimkomme.

Wie kamst du seinerzeit zum Schreiben?
Als Kind habe ich gar nicht so viel gelesen. Mein erstes Buch war „Der rote Seidenschal“ von Federica de Cesco, welches mir mein Grossvater schenkte. So richtig gepackt hat es mich erst in der Pubertät. Ich las damals so Sachen wie Hesse oder Hemingway. In Mathematik war ich nie gut, Zahlen haben mich nicht interessiert. Ich las aber gerne und schrieb gerne Aufsätze. Während der Schulzeit sagte mir mal ein Lehrer: Ich soll doch mehr schreiben. Denn er hatte immer Spass, wenn ich eine Geschichte schrieb. Vor allem dann, wenn er mich ins Lehrerzimmer schickte, und ich als Strafaufgabe eine Geschichte verfassen musste. Ich kam jeweils innert kürzester Zeit mit mehreren Seiten retour. Der Lehrer meinte, dass ich das gerne machen würde. Ich entgegnete ihm, dass ich das lieber mache, als im Klassenzimmer zu sitzen. Kurze Zeit später nahm ich mir vor, eine erste Kurzgeschichte zu schreiben, und sass an eine Schreibmaschine. Diese Geschichte zeigte ich aber niemandem.
Das Schreiben kam wie automatisch. Ich bin richtiggehend reingewachsen. Anfangs der 1990iger Jahre schrieb ich bewusst die ersten Geschichten. Mit der damaligen Band Verwaint war es mir nie schwer gefallen, Songtexte zu verfassen. Das grösste Problem war höchstens die Übersetzung mit meinem schlechten Englisch.

Gesetzt der Fall, ein interessanter Verlag würde an dich herantreten und dir absolute künstlerische Freiheit bieten, würdest du einen Vertrag mit ihnen eingehen?
Ja. Wenn das gewährleistet ist, sofort. Wenn ein Verlag mir die Freiheit gäbe, dabei alles seriös ablaufen würde, und das Buch dann wirklich im Buchladen ausgelegt ist. Für mich wäre das kein Thema, wenn ich dadurch viele Leute erreichen könnte, und mir keine Gedanken mehr machen müsste, wie der nächste Lohn reinkommt. Das ist manchmal schon ein gewisser Druck, der auf mir lastet.

Wäre so eine Absicherung, wie bei der vorherigen Frage angesprochen, nicht auch ein Traum von dir, dass du gar davon leben könntest?
Ein Traum ist es sicher. Wie früher, als wir mit unserer Musik begannen, und damit die Welt erobern wollten. Und natürlich wäre es auch ein Wunsch. Ich müsste lügen, wenn ich Nein sagen würde: Denn so könnte ich wirklich das machen, was ich am liebsten machen würde.

Wie läuft es mit deiner Band Despu Palliton?
In kommerzieller Hinsicht miserabel. Aber hinsichtlich der Kreativität der Band läuft es super. Wir sind als Band einfach an einem toten Punkt angelangt, was die Konzerte anbelangt. Wir mögen uns hier nicht mehr anbiedern, und ich mag nicht mehr immer an den gleichen Orten auftreten. Denn geschätzt wird es überhaupt nicht. Wir konzentrieren uns nun voll auf Deutschland und Österreich. Zusammen mit unserem Freund Janne Wrigstedt, welcher uns produziert und unterstützt. Wir sind nun aktiv an der Konzertplanung für 2017.
Das Schweizer Publikum ist mit der Schwemme Bands komplett überfordert. In Deutschland und Österreich besteht ein anderes Interesse. Deshalb konzentrieren wir uns nun mehr nach aussen. Mit der Absicht, dass wir dort jeweils gleich drei oder vier Tage unterwegs sind. Das ist unser grosses Ziel! Deshalb lebt unsere Band noch, und alle sind leidenschaftlich dabei. Wir sind noch lange nicht fertig. Ich habe das Gefühl, das für uns noch viel passieren kann. Wir wollen schliesslich nur spielen, und nicht weltberühmt werden.

Was gibt dir das kulturelle Schaffen?
Es ist ein Teil von mir und macht mich zufrieden. Wenn ich manchmal Dampf im Kessel verspüre, hilft die Musik und das Schreiben, so gegensätzlich diese beiden Formen sind, und bringen mich in eine innere Ausgeglichenheit. Ich brauche die Szene nicht um mich herum, geniesse das kulturelle Schaffen einfach für mich.

Thema Muotathal:

Wieso zogst du eigentlich vom Muotatal weg und wohnst nun in Zürich?
Das ist eine gute Frage. Ich zog 1999 vom Muotatal weg und ging nach Amerika. Kurz vorher musste ich mich einer schweren, mehrstündigen Operation unterziehen. Nach der Operation habe ich ein altes Leben hinter mich gelassen. Ab dann begann für mich wie ein zweites Leben. Für mich gibt es die Zeit im Muotatal, wo ich bis im Alter von 27 Jahren lebte, und die Zeit danach.
Ich spielte schon vorher mit dem Gedanken, dass ich in meinem Leben etwas grundsätzlich verändern muss. Es hat nichts mit dem Muotatal an sich zu tun, ich habe es heute noch gerne. Ich habe aber gespürt: Wenn ich nicht gehe, kommt es nicht gut. Es war für mich wie ein Befreiungsakt.
Ich kam auf Umwegen nach Zürich. Wegen einer Lungenentzündung kehrte ich von Amerika heim. Anfangs 2001 hockte ich wieder im Muotatal, und es schneite richtige Haufen. Das war mir alles einfach zu viel, nach der intensiven Zeit in den USA. Mein Weg führte mich nach Zürich und ich kam bei einem guten Freund in dessen Mansarde im Niederdorf unter. Für mich war klar: Wenn ich wieder richtig gesund bin, suche ich in dieser Stadt einen Job. Ich habe die Anonymität und den Neustart richtiggehend gebraucht. In Zürich bin ich auch näher am Puls.

Ist dir als künstlerisch arbeitende Person das ländlich-urchige Muotatal, im Vergleich mit dem urban-lärmigen Zürich, zu engstirnig (geworden)?
Nein, überhaupt nicht. Man kann die beiden Orte nicht miteinander vergleichen. Es gab damals, als ich fortging, im Muotatal auch immer mehr Bands. Ich wollte für mich ein neues Umfeld. Und es war vor allem in meinem Kopf drin. Ich habe dieses Tal immer gerne gehabt, so wie es ist: Mit seinem Brauchtum, den Traditionen und der volkstümlichen Musik. Dies habe ich auch immer respektiert. Ich war lange genug dort zuhause und muss ehrlich gestehen, dass ich mich schon nach mehr Puls gesehnt habe.

Inwiefern prägte dich die Zeit mit der Muotathaler Naturcore-Band Verwaint?
Für mich war dies das Beste, was ich je in meinem Leben begonnen habe. Mit Menschen Musik machen, in einer Band spielen. Mein Leben wäre grundlegend anders verlaufen, wenn ich mit dem nie angefangen hätte. Ich verdanke so viel diesem Schritt, dass wir im Muotatal eine Band gegründet haben. Wir lernten sehr viele Leute kennen. Einige davon sind nun meine besten Freunde, welche ich sonst nie getroffen hätte.
Da den einen nicht gefiel was wir machten, gehörte auch ein gewisser Mut zur Sache dazu. Wir haben es trotzdem gemacht. Ich habe Freude daran und ich denke gerne an die Band zurück.

Wie gross ist deine Verbindung noch zum Muotatal?
Ich habe einen guten Bezug zum Tal. Auch wegen meinen Eltern oder dem Götti von Philon, die dort leben. Wenn ich im Muotatal zu Besuch bin und dort auf einer Eckbank mit einer Schar Leute zusammensitze, wird mir jedes Mal klar, dass ihnen der „Schnabel“ gleich gewachsen ist wie mir. Es ist einfach ein anderer Menschenschlag, welchen ich in Zürich ab und zu vermisse. So eine Ehrlichkeit und so ein natürlicher ungezwungener Humor sind für mich schon ganz speziell.
Ich reise zwar nicht viel ins Muotatal. Für mich ist aber ein Besuch dort fast wie Therapie, wenn ich mit meiner Familie bei Bruno Suter im Restaurant Hölloch übernachten kann.

Wer Aldo eine Spende für seinen neuen Roman zukommen lassen will, kann ihn über seine Homepage kontaktieren. Auf dieser findet sich auch eine Leseprobe von „Fliegender Ring“.
Ich für meinen Teil habe es genossen, mit diesem leidenschaftlichen Schriftsteller und Musiker ein äusserst interessantes Gespräch zu führen und hinterher zwei Textteile zu verfassen. Der 45-Jährige ist für mich eine faszinierende Persönlichkeit. Einerseits ist er ein bodenständiger Muotathaler geblieben, andererseits spürt man schon, dass er mit dem Puls von Zürich lebt.
Ich wünsche Aldo und seiner Familie für 2017 nur das Beste und dass seine Träume ein Stück weit in Erfüllung gehen!

feldwaldwiesenblogger

Warum „Fliegender Ring“ erscheinen soll – Ein Gespräch mit Aldo Betschart (Teil 1)

Kürzlich erhielt ich vom Muotathaler Aldo Betschart, einem Schreiberling und Musiker, elektronische Post. Schnell war klar um was es ging: „Es handelt sich um einen Spendenaufruf zur Mitfinanzierung meines neuen Romans.“ Aha! Aldo hat also ein neues Buch geschrieben. „Mit einem Betrag von zirka 1500 Franken könnte ich eine erste Auflage von 100 Stück drucken lassen. Hierbei würden all jene, die zwischen 15 und 20 Franken spenden, nach der Buchproduktion ein Exemplar erhalten und als Dankeschön auch im Anhang des Buches erwähnt werden.“
Im Anhang der Email befand sich zudem ein pdf-File mit dem Titel „Der etwas andere Bettelbrief von Aldo Betschart“.

Anderntags erschien im Bote der Urschweiz zum Spendenaufruf von Aldo ein kurzer Beitrag. In meinem Kopf begann das Karussell zu drehen und verschiedene Gedanken flogen durchs Gehirn. Folgender Satz von Aldo blieb im Gedanken-Karussell hängen: „Mir geht es nur darum, den Roman herausgeben zu können. Leider verfüge ich zurzeit über keinerlei finanziellen Mittel. Das ist ziemlich frustrierend.“
Ich fasste den Entschluss, den Verfasser des „Bettelbriefs“ auf meine Weise zu unterstützen und begann ein längeres Interview mit ihm zu planen. Denn der erwähnte Bote-Beitrag war relativ kurz. Es war mir auch ein Anliegen, mit Aldo über verschiedene Aspekte ein Gespräch zu führen. Überdies hatte ich seinen Namen und sein künstlerisches Schaffen schon eine Weile auf meiner Pendenzenliste.

Der 45-Jährige schreibt als Einleitung im besagten Anhang: „Fundraising oder: Ein Bettelbrief, der hoffentlich mal gut ankommt.“ Weiter erwähnt er, dass er sich dafür nicht länger zu schade ist. Der Zeitpunkt für seinen Spendenaufruf legte Aldo geschickt kurz vor Weihnachten. „Wenige Wochen vor Weihnachten sehen wir uns von jener Sorte von Briefpost überschwemmt“, und: „Als ob ich nicht selbst eine Spende gebrauchen könnte!“ Er erklärt weiter, dass es ihm schon rein von der Erziehung her nicht leicht fiel. Gigers Aldo, wie er in Muotathal genannt wird, ist aber überzeugt von seinem neusten Roman „Fliegender Ring“: „Die Situation verlangt tatsächlich danach“, ergänzt er voll Selbstvertrauen.

Es ist Aldos viertes Buch, ihm fehlen für die Veröffentlichung aber die finanziellen Mittel, es drucken zu lassen. Dazu meint er ehrlich: „Als Freischaffender, der seine Kinder nicht nur abends sehen und ebenso wenig seine musikalischen und schriftstellerischen Tätigkeiten vernachlässigen möchte, verdiene ich momentan einfach zu wenig Geld für die Buchproduktion.“ Zudem beteuert er, dass alles, was hereinkommt, zur Produktion des Romans verwendet wird: „Auf Ehre und Gewissen!“
Zur Handlung seines neusten Streiches führt Aldo an, dass es ein temporeicher und ziemlich humorvoller Unterhaltungsroman ist. Ort der Handlung sei das heutige Zürich.

Mit 20 Fragen im Gepäck fuhr ich einen Tag vor Heiligabend nach Zürich. Aldo lebt mit seiner Frau Dana sowie den beiden Kindern Philon und Jemina (siebeneinhalb respektive viereinhalb Jahre) in einer heimeligen Wohnung. Die interessantesten Gespräche entwickeln sich immer in der Küche. Auch diesmal, und schon bald waren wir mitten drin.

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Gigers Aldo, Autor von „Fliegender Ring“
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zum Bettelbrief:

Was für ein Echo hat dein „Bettelbrief“ bislang ausgelöst?
Bisher ziemlich verhalten, aber auf der anderen Seite sehr erfreulich für mich. Ich habe bereits sechs oder sieben Spenden bekommen, teilweise von Leuten, die ich nicht kenne. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht mit viel gerechnet habe. Zuerst sehen die Leute halt, dass da einer nur Geld möchte. Ich habe aber auch von solchen gehört, die noch etwas spenden möchten, meine Adresse aber nicht hatten. Ich denke, wer spenden will, wird mich via Internet schon finden.

Am 27. Dezember schrieb mir Aldo:
„Seit du am 23. Dezember hier gewesen bist, haben weitere Personen gespendet. Die Freude ist gross, habe ich doch angenommen, die Sache sei bereits im Sand zerlaufen. Inzwischen sind rund 700 Franken zusammengekommen; das reicht zwar nicht ganz für den Druck, zeigt aber, dass mein Aufruf nicht vergebens gewesen ist.“

Fiel es dir schwer, einen Bettelbrief in Umlauf zu bringen?
Als ich es machte, nicht. Aber vorher. Ich habe jahrelang von Bands, die zum Beispiel für Aufnahmen gesammelt haben, gedacht, dass ich es nicht so machen möchte. Irgendwann konnte ich mich auch dazu durchringen, sagte mir aber: Man muss den Leuten etwas dafür geben. Mit einer Garantie, dass etwas zurückkommt. Mit dieser Idee fiel es mir nicht schwer, den Bettelbrief in Umlauf zu bringen. Mich nahm es zudem extrem Wunder, wie die Leute darauf reagieren.

Nenn mir drei Gründe, warum ich dein Buchprojekt unterstützen soll?
Grund eins: Weil ich seriös schreibe, dran bin und nicht einfach nur ein Geschreibsel abliefere. Grund zwei: Jeder, der mich dabei unterstützt, fördert die ganze Tätigkeit. Es ist für mich auch eine Anerkennung, die gut tut. Grund drei: Der Stoff, den ich niederschrieb, ist sehr unterhaltsam. Ist aus dem Leben gegriffen und handelt nach einer wahren Geschichte. Mit dem Voyeurismus, den jeder in sich hat, könnte es für die Leser sehr spannend und unterhaltsam sein!

Zum Roman „Fliegender Ring“:

Woher hattest du die Idee zum neusten Buch?
Es handelt sich um eine wahre Geschichte, welche stattgefunden hat. Und ich habe sie bis auf ganz wenige Abweichungen so niedergeschrieben, wie ich sie gehört habe. Es ist eine wirklich verrückte Geschichte! Das Resultat sind 110 Seiten, so wie ich es wollte: Eine kurze prägnante Geschichte, die man in einem „Schnurz“ lesen kann. Eigentlich grad das Gegenteil zum Vorgängerroman „Ewig die Dummen“.

Ist der Inhalt des Romans nicht nur eine Selbstreflexion der Romanfigur Andres Binder, sondern gar auch von dir?
Klar, in dieser Geschichte schwingt sicher auch einiges von mir mit. So wie ich die Figur gesehen habe. Es steckt viel von mir drin.

Zu Aldo‘s Leben:

Wie verdienst du deinen Lebensunterhalt?
Ich gehe derzeit keiner Festanstellung nach und halte mich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Im Frühling und Sommer ist es vor allem eine Anstellung beim Theater Kanton Zürich. Ich war mit ihnen bisher schon siebenmal auf Sommer-Tournee, welche uns im Kanton Zürich von Gemeinde zu Gemeinde führt. Es handelt sich dabei um ein Freilichttheater. Ende Mai ist jeweils Premiere und die Saison dauert bis Mitte Juli. Das ist stets eine ganz intensive Zeit. Meine Aufgabe besteht darin, beim Bühnenbau oder beim Tribünenbau mitzuhelfen.
Das besagte Theater Kanton Zürich ist wohl in Winterthur stationiert, gibt dort aber sehr selten Gastspiele. Sie verfügen über mehrere Stücke, von welchen sie das Bühnenbild in verschiedenen Lastwagen-Anhängern verstauen können. Im Winter hat das Theater hier und dort einige Gastspiele im Kanton Zürich oder auch ausserkantonal. Wenn Bedarf besteht, kontaktiert mich der Technische Leiter.
Weiter arbeite ich für eine Eventagentur, wo ich Auf- und Abbauten mache. Zudem helfe ich auch in einer Schreinerei mit, welche von zwei guten Typen betrieben wird. Nicht eine Schreinerei im herkömmlichen Sinn. Sie machen dort einfache Möbel, modern gestaltet. Wenn sie mich brauchen, rufen sie mich an.
Ich arbeite halt dann, wenn was reinkommt. Es ist ein zweischneidiges Schwert, mit Monaten, wo sehr wenig läuft.

Was bedeutet für dich Familie?
Sie bedeutet für mich ziemlich alles. Klar, ich habe auch andere Dinge, die mir wahnsinnig wichtig sind. Aber im Augenblick ist für mich die Familie mit Abstand das Wichtigste. Ich habe mich entschieden, Kinder zu haben. Ich will einfach da sein für die Familie, und habe mich deswegen sehr eingeschränkt. Kinder grossziehen ist für mich eine Lebensaufgabe. Aber ich vergesse auch mich selber nicht. Und meine Frau und ich vergessen uns nicht. Es ist wichtig, dass man als Paar funktioniert, und sich selber nicht vernachlässigt.

Wie teilst du dir deine Zeit zwischen Familie, Beruf und künstlerischem Schaffen ein?
Mit Hilfe meiner Agenda, ohne sie wäre ich aufgeschmissen. Vor siebeneinhalb Jahren, als Philon geboren wurde, habe ich meine erste Agenda gekauft. Bis dahin hatte ich nie eine Agenda benutzt. Seit Philon’s Geburt ist alles komplett anders. Ich musste lernen, meine Sachen wie die Musik oder das Schreiben, einzuteilen. Dabei habe ich mich am Anfang schwer getan, wusste aber dass es notwendig ist. Denn ich wollte meine Frau unterstützen. Dana und ich haben mittlerweile so einen guten Ablauf miteinander, dass alles mühelos geht und ich auch zu einem freien Morgen oder Nachmittag komme. So kann ich mich darauf vorbereiten und bin dann parat.

Was für Dinge des Weltgeschehens bewegen oder beschäftigen dich derzeit?
Was mich momentan am meisten beschäftigt, ist Syrien. Was dort alles abläuft und passiert. Das geht mir viel durch den Kopf. Und natürlich der Terrorismus allgemein, welcher durch die Massenmedien omnipräsent ist. Wenn ich die Nachrichten höre, stelle ich fest, dass die religiösen Unterschiede immer stärker an den Tag kommen. Ich möchte unbedingt anfügen, dass ich, was die Menschheit und ihre Regierungen anbelangt, ganz klar ein Pessimist bin. Ich bin der Meinung, die Menschen haben sich selbst im jetzigen Zustand verdient. Assad, Erdogan, Putin, Kim Jong-un, Trump…: Alles Grössenwahnsinnige. Die Liste liesse sich beliebig verlängern.
Mehr als die meisten Länder der Erde ist die Schweiz ein gebildetes Land, mit einer direkten Demokratie. Bewohnt von Menschen, die hart arbeiten und dadurch unseren Wohlstand sichern. Es gibt so gut wie keinen gerechtfertigten Grund, mit der gegenwärtigen Lage bei uns unzufrieden zu sein. Ich bin einfach nur froh, hier leben zu dürfen. Es geht uns hier verdammt gut; das dürfen wir nicht vergessen.

Im zweiten Teil, welcher in Bälde aufschaltet wird, behandle ich ausgiebig die künstlerische Tätigkeit von Aldo und den Bezug zu seiner Heimat Muotathal.

feldwaldwiesenblogger

Am Samstag, 10. Dezember öffnet der „Earl Music Club“ seine Tore

Nachdem die Tore des Konzertlokals „Vorhöll“ im Stalden sich anfangs dieses Jahres schlossen, fehlte im Muotatal regelrecht eine derartige Lokalität, wo verschiedenste Konzerte oder kleine Theateraufführungen durchgeführt werden konnten. Am kommenden Samstag wird mit der offiziellen Eröffnung des „Earl Music Club“ an der Industriestrasse 6 in Ried-Muotathal SZ diese Lücke wieder geschlossen. Auf der clubeigenen Facebook-Seite findet man dazu folgende Informationen: „Der EARL MUSIC CLUB ist das Vereinslokal des Earl-Verein-Muotathal. Hier werden in loser Folge Konzerte und andere kulturelle Anlässe (zum Beispiel Filmabende) veranstaltet.“ Die Betreiber des kleinen, aber feinen Lokals werden Hugo „Hügi“ Schelbert („Bächelers“), Ralph „Hoss“ Gwerder („Schmalauelers“) und Markus „Märki“ Betschart („Gigärä Pitschä“) sein. Am 10. Dezember wird der Einstand mit einem Konzert der HOLY JUICE aus Steinen SZ gefeiert.

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Die drei Club-Betreiber: Märki, Hoss und Hügi (von links)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Vorgeschichte
Hügi, Hoss und Märki redeten schon länger davon, irgendwann einen eigenen Music Club zu eröffnen. Sie schauten deswegen im Muotatal geeignete Räumlichkeiten an. Hölloch-Wirt Bruno Suter schlug ihnen vor einiger Zeit das geschlossene Restaurant Pragelpass vor. Da das Gebäude aber wegen Abbruch und Erstellung eines Neubaus nur etwa zwei Jahre zur Verfügung gestanden hätte, lehnten sie dieses Angebot ab. Ein leer stehender Raum in Hügi‘s Elternhaus war auch kurzzeitig ein Thema. Sie liessen die Idee aber wieder fallen, da es sich um ein Wohnhaus handelt und ringsherum Leute wohnen. Irgendwann sagte ihnen Daniel Inderbitzin, ein Bandkollege von Hügi, dass eine grössere Fläche bei der Inderbitzin AG im Ried schon seit mehr als einem Jahr zur Vermietung ausgeschrieben sei. Die Fläche erstreckt sich über vier Container mit dünnen Zwischenwänden. In diesen waren einst die alten Büros der Inderbitzin AG und provisorische Schulräume untergebracht. Hügi erklärt: „Als wir auf diese Räumlichkeit kamen, ergab sich Schritt um Schritt. Nachdem wir die Bareinrichtung der geschlossenen Vorhöll gekauft haben, begannen wir ernsthaft darüber nachzudenken, hier drin Konzerte zu veranstalten.“ Märki ergänzt: „Als wir wussten, dass wir das mieten werden, haben wir bewusst auf dieses Ziel hin gearbeitet.“ „Nachdem wir uns mit den Verantwortlichen der Inderbitzin AG einig waren, haben sie sogar die Zwischenwände rausgerissen und die Ausmasse des Raumes wurden ersichtlich“, fügt Hoss an.

Woher stammt der Name des Clubs?
„Earl“ ist der Name eines Buses, den Hügi, Hoss und Märki einst besassen. Es handelt sich dabei um einen VW LT, Baujahr 1978, und war ursprünglich als Wohnmobil im Einsatz. Nach dem Kauf 2003 entfernten sie den Küchenteil, damit fünf Personen im Bus schlafen konnten. Mit Earl waren die drei Freunde bis 2015 regelmässig unterwegs. Ein Nachfolger musste inzwischen wieder her, dieser hört auf den Namen Tumbler.
Hoss malte als Erinnerung anhand einer Vorlage das Bild von Earl an eine Wand im neuen Club. Earl heisst eigentlich ausgesprochen „Extravagantes aussergewöhnliches Raumlastfahrzeug“. Wobei zuerst die Kurzform war und der lange Zusatz später dazu gedichtet wurde. Hoss sinniert: „Wir sind mehr als zehn Jahre mit diesem Bus rumgefahren. Er ist uns schon ans Herz gewachsen“, und Hügi meint: „Earl entwickelte sich besonders bei den Jungen im Thal zu einem Begriff.“ Märki weiter: „Es hat halt auch mit Musik zu tun. Zuerst war Earl der Band-Bus unserer Trashmetal-Band Ambrossia.“
Die drei gründeten den Earl-Verein-Muotathal als Trägerschaft für das Konzertlokal. Für sie ist es eine Absicherung sowie Stütze, und vereinfacht vieles bei der Organisation rund um den Club. Der Verein besteht nebst ihnen aus dem Ehrenmitglied Rolf Gwerder. Rolf war ursprünglich der „vierte Mann“, musste aber aus beruflichen und familiären Gründen etwas kürzer treten. „Rolf hat uns so oft wie möglich bei den Einrichtungsarbeiten geholfen. Putzte dabei alle Lüfter, schweisste und montierte Halterungen und half bei der Herrichtung des Vorhanges mit“, erzählt Hügi. Märki ergänzt: „Er war von Anfang an unser Ehrenmitglied. Wir wollen für unseren Verein momentan aber keine weiteren Mitglieder.“

Die Planung und Einrichtung
Am 5. November 2015 standen die drei zwecks Besichtigung zum ersten Mal vor der Tür des heutigen Music Clubs. Die anschliessende Planung führten sie selber durch. Die Überlegungen liefen in die Richtung, wo sich die Bühne befinden soll und dass wegen den Nachbarn die Wände isoliert werden müssen. Die bereits erstandene Bar-Theke zogen sie mit in die Planung ein. Im Voraus wurde Bruno Föhn, der Feuerschauer der Gemeinde Muotathal, angefragt, was sicherheitstechnisch alles zu machen ist. So zum Beispiel, dass ein Raum ab 50 Personen zwei Notausgänge haben muss. Hügi ergänzt: „Für das Gebäude, in welchem sich die Music Bar befindet, wurde eine Umnutzung vorgenommen. Damit hier auch ein Gastgewerbe-Betrieb untergebracht werden kann. Dies nahm sogar Stefan Inderbitzin von der Inderbitzin AG in die Hand. Dafür sind wir ihm dankbar. Wir haben selbstverständlich eine Bewilligung für die Betreibung des Clubs.“ Märki fügt an: „Wenn wir schon etwas investieren, soll auch alles korrekt abgesichert sein.“
Die Einrichtungsarbeiten liefen von März bis Oktober. Die Hauptarbeit ist verrichtet, ein paar kleine Details sind noch zu machen. Hoss erzählt: „Wir nahmen es locker und liessen uns Zeit. Die Arbeiten schritten aber jeweils gut voran, und machten uns auch Spass. Nebst der Bar sind auch die Tischchen, Hocker und die Lampen oberhalb der Theke von der Einrichtung der Vorhöll. Der feuerfeste Vorhang hinter der Bar und der Bühne bekamen wir als Sponsoring-Beitrag vom Theater Muotathal.“ Die Inderbitzin AG unterstützte die drei tatkräftig und installierte ihnen unter anderem Deckenradiatoren zur Beheizung des Raumes. Wie bereits erwähnt, griff ihnen bei der Einrichtung Rolf Gwerder unter die Arme. Weiter half ihnen bei vielen Arbeiten auch Beat Immoos, ein Kollege von der Band Bad Sin. Märki ist Elektromonteur, Ralph Möbelschreiner und Hügi Automechaniker: Drei Handwerker mit Berufen, welche ideal für viele Arbeiten waren. So konnten sie vieles selber machen und dabei auch einiges an Geld einsparen.
Eine neue Lichtanlage wurde angeschafft. Die komplette Musikanlage wurde von Märki beigesteuert. Der Club verfügt über eine Bühne und ist mit Musikinstrumenten eingerichtet, eine sogenannte Back-Line. Auftretende Bands dürfen davon Gebrauch machen, und müssen so nur ihre persönlichen Instrumente wie beispielsweise Gitarren mitnehmen.

Wie sah die Finanzierung aus?
Hügi, Hoss und Märki finanzierten alles selber. Jeder investierte eine grössere Summe in das Unterfangen Earl Music Club. Die endgültige Abrechnung wurde noch nicht gemacht. Für laufende Rechnungen errichtete der Earl Verein ein eigenes Bankkonto. Wie Hügi erklärte, ist es deshalb ihre Absicht, einmal im Monat ein Konzert durchzuführen. Damit Geld reinkommt, um die Investitionen abzahlen zu können. Märki: „Schön wäre es, wenn die getätigten Investitionen irgendwann abbezahlt sind.“
Der Raum des Clubs ist etwa 79 Quadratmeter gross und erfüllt gerade noch die Grösse für einen Raucherraum. Die Betreiber rechnen damit, dass um die 100 Personen Platz im Club finden werden. Zudem sind genügend Parkplätze zwischen den beiden Firmen Imhof Carrosserie- und Spritzwerk sowie der Inderbitzin AG vorhanden. Dies in einem abgegrenzten Bereich, damit auf der Seite, wo sich Wohnhäuser befinden, keine Lärmemissionen entstehen können.

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„Earl“, der Namensgeber des Clubs
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was wird im Earl Music Club alles angeboten?
Das Ziel ist, dass der Club einmal im Monat an einem Samstag geöffnet hat, und ein Anlass durchgeführt wird. Die Tore werden dann jeweils von 19 bis maximal 4 Uhr in der Früh offen sein. Dafür wird vorgängig eine Bewilligung für die Verlängerung eingeholt. Es werden nur kleine Snacks, aber keine warmen Speisen serviert. Bei den Getränken ist keine grosse Karte vorgesehen. Im Angebot werden Mineralwasser, Bier, Wein und ein paar Spirituosen sein. Die drei wollen nicht eine Bar in dem Sinne betreiben, sondern einen Konzertraum mit beschränktem Verpflegungs-Angebot.
Nebst Konzerten wollen sie auch Filmabende durchführen. Zu diesem Zweck haben die Betreiber eine Leinwand beim Bühnenbereich samt einem Beamer und einem entsprechenden Dolby Surround-System installiert. Hügi erklärt: „Möglich wäre auch das Aufführen von Kleintheatern mit etwa fünf Personen, wie sie auch schon in der Vorhöll stattgefunden haben. Wir sind für alles offen.“ Märki ergänzt: „Ganz allgemein gesagt, können hier verschiedene kulturelle Sachen gezeigt werden. Künstler von der Kleinkunst-Szene würden hier gewissermassen Platz finden. Es steht nächstes Jahr auch eine Techno-Party auf dem Programm. Einen Filmabend kann es aber durchaus auch spontan dazwischen geben.“
Die drei betonen, dass sie kein Aufnahmestudio seien, wie im Bote der Urschweiz geschrieben wurde. Aufnahmen für Bands könnten aber durchaus getätigt werden.

Welche Schwierigkeiten galt es seit der Idee bis zur Eröffnung des Clubs zu meistern?
Märki dazu: „Eigentlich überhaupt keine. Es lief alles relativ gut ab. Alle Bewilligungen und Genehmigungen wurden uns ohne Probleme und rasch erteilt. Da waren wir am Anfang im ungewissen und wussten nicht, wie das ablaufen würde.“ Hügi sieht es so: „Es gab schon manchmal Zeiten, wo es ein wenig stockte und nicht vorwärts ging. Dazu kamen auch kleine Verzögerungen. Zudem mussten wir auch manchmal zusammen sitzen und das weitere Vorgehen besprechen. Wir drei sind jedoch unkompliziert und konnten uns immer auf gute Lösungen einigen.“ Hoss weiter: „Ich habe nebst anderem auch die Ausschankbewilligung eingeholt. Was die Gemeindebehörde und den Gemeinderat von Muotathal betrifft kann man sagen, dass alles sehr unkompliziert ablief. Wir sprechen ihnen dafür unseren Dank aus. Das einzige, was uns ab jetzt in die Quere kommen könnte, könnten die Nachbarn sein. Wenn wir eventuell zu laut sein sollten.“
Die Nachbarn rings um den Music Club haben die drei vorgängig mit einem Flugblatt informiert und luden sie am 12. November zu einem Apéro ein. Ein paar von ihnen kamen, und konnten so die Clubbetreiber und das Lokal kennen lernen. An jenem Tag fand zudem ein „Soft-Opening“ mit ein paar geladenen Kollegen und Mitmusikern statt. Eingeladen waren auch die Verantwortlichen der Inderbitzin AG. Es waren um die 40 Personen anwesend. Die drei erzählten, dass es für sie zudem auch ein kleiner Test war, da sie bisher noch nie einen Club führten. Unisono erklärten die drei Freunde, dass es ein guter und gemütlicher Abend war.

Die Vorfreude zur bevorstehenden Club-Eröffnung ist gross
Der Club wird in erster Linie von den drei betrieben, bei Bedarf mit Unterstützung von Rolf und Alex Gwerder. Hoss erklärt: „Wenn uns Kollegen helfen wollen, können sie dies gerne tun. Einige haben uns bereits ihre Hilfe angeboten. Es wird sich dann zeigen, wie viele Leute es in Zukunft benötigt.“ Märki: „Wir waren schon an vielen Konzerten und sahen dabei viele Dinge, die man eigentlich besser machen könnte. Auch als Musiker bringen wir unsere gemachten Erfahrungen mit ein.“ Hügi ergänzt: „In den meisten kleinen Lokalen musst du jeweils alles selber mitnehmen und aufstellen. Das fällt hier weg. Fast nirgends triffst du auf eine komplette Musik- und Instrumenten-Einrichtung.“ Sie haben eine grosse Freude, dass es nun bald losgeht und erwarten coole Abende.
Das Echo zur bevorstehenden Eröffnung des Clubs sah bisher äusserst positiv aus. So erschien im Bote der Urschweiz am 30. November ein Bericht, und im Muotathaler Info-Blatt fanden sie ebenfalls Erwähnung. Weiter erhielten Hügi, Hoss und Märki auch positive Feedbacks via Facebook, wo sie vor kurzem eine eigene Seite eröffneten. Hügi dazu: „Viele Leute freuen sich, dass es ein kleiner Club wie im Stil von den nicht mehr geöffneten Vorhöll oder Kult-Turm geben wird. Für die Bands wird es von der Grösse her ein dankbarer Ort zum Auftreten sein.“ So haben schon etliche Bands um eine Auftrittsmöglichkeit nachgefragt. Bis und mit März ist schon jeder Monat ein Anlass geplant.

Die Philosophie des Earl Music Clubs
Die Clubbetreiber möchten kleine Konzerte für ein kleines Publikum durchführen und dabei Rockmusik in den verschiedensten Facetten anbieten. Die Stilrichtung soll dabei möglichst breit gefächert sein. Hügi ist folgendes wichtig: „Im Bastards Place werden auch Konzerte durchgeführt, und wir möchten sicher nicht deren Konkurrenz sein. Unser Club ist ein Konzertlokal und wir möchten in erster Linie eine Auftrittsmöglichkeit für kleine Künstler bieten. Das Bastards Place ist im Gegensatz zu uns ein Restaurant und kein Konzertlokal im üblichen Sinne. Ein Restaurant, wo auch Konzerte angeboten werden.“ Hoss erläutert weiter: „Nick Betschart vom Bastards Place organisiert zwar schon verschiedenste Bands. Schlussendlich fährt er aber eher die Rock-Schiene. Wir möchten aber auch Death Metal-Konzerte oder Techno-Partys anbieten. Wir sehen uns daher quasi als Ergänzung. Es schadet gar nicht, den Muotathalern auch andere Musikrichtungen nahe zu bringen. Es ist zudem unser Ziel, dass auch Leute von Schwyz und Umgebung in den Club kommen.“

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Der kleine aber feine Earl Music Club
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hügi, Hoss und Märki erklärten zum Schluss, dass sie bei der Einrichtungsarbeit eine gute Zeit hatten. Sie sahen sich dadurch wieder viel mehr, wie in ganz jungen Jahren. Das schweisste sie wieder zusammen. Früher spielten die drei Musiker gemeinsam bei der Death Metal-Band Ambrossia. Als die Band aufgelöst wurde, sahen sie sich automatisch weniger. Man kann wirklich sagen: Drei Freunde verwirklichten sich mit dem Earl Music Club einen lang gehegten Traum.
Ich erhielt beim Gespräch einen hervorragenden Eindruck von dem Lokal: Ein gemütlicher und angenehm eingerichteter Konzertraum. Man fühlt sich dort sofort wohl.

feldwaldwiesenblogger

Die St. Josefshalle in Muotathal – Eine kulturell wertwolle Begegnungsstätte

Im dritten und letzten Blogbeitrag über die bald 80-jährige St. Josefshalle in Muotathal beschäftigte ich mich mit der Dokumentation der Theatervereinigung sowie den häufigen Um- und Ausbauten. Weiter mit der Tatsache, dass diese Halle eine kulturell wertwolle Begegnungsstätte für das Muotatal darstellt. Dazu traf ich mich diese Woche auch mit Theo Pfyl, dem jetzigen Präsidenten der Theatervereinigung. Er erzählte viele interessante Details und Geschichten rund um die St. Josefshalle, aber auch über die Theatervereinigung. Zudem überreichte er mir sechs Ordner, in welche ich reinschaute und ein paar wissenswerte, aber auch amüsante Dinge für meinen Zirk-Bericht entnehmen konnte.

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St. Josefshalle heute (Vorderseite)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Dank der Theatervereinigung ab 1949 gut dokumentiert
So kann man nachlesen, dass am 19. März 1949 an der Theatervereinigungs-Gründungsversammlung der Vorstand bestellt und die erforderlichen Reparaturen der Halle in die Wege geleitet wurden. Unter Traktandum elf wurde beschlossen, „Soldatenbraut“ zur Aufführung zu bringen. Weiter die Aufführung von Filmen zu organisieren und ein Reglement für die Benutzung der St. Josefshalle durch andere Vereine auszuarbeiten. Der erste Präsident war Paul Hediger („Gmeindschribers) und der erste Regisseur Paul Betschart („Eggälers“). Erwähnter Lehrer Betschart schlug für das Jahresprogramm von 1950/51 vor, ein urchiges Volksstück aufzuführen. Kein Singspiel und auch kein Lustspiel, zusammengesetzt aus Kalberstückli.

Häufige Um- und Ausbauten
Wie Theo Pfyl mir erklärte, wurde die St. Josefshalle immer wieder mit sehr viel Geld um- und ausgebaut, zum grössten Teil aus eigenen Mitteln. So wurde 1958 erstmals eine Toilette eingebaut. 1961 wurden die Bestuhlung und die Filmprojektoren ersetzt und vier Jahre später das Foyer mit Garderoben und WC angebaut. 1976 wurde das Theaterstübli angebaut, 1981 erfolgte eine komplette Dachsanierung, und wiederum vier Jahre später eine Totalrevision mit einer neuen Bühneneinrichtung. Gleichzeitig wurden aus dem Kino Schwyz die Bestuhlung und Kinoeinrichtung übernommen. Trotz einem Umbau im Jahr 1999 konnte das „alte Gesicht“ des Theatersaals weiterhin erhalten bleiben.
Der Kreis rund um die Entstehung der St. Josefshalle hat sich 2002/2003 geschlossen. Was dank der Initiative der damaligen Kirchenherren begann, endete mit dem Gastrecht der Kirche, die während der umfassenden Revisionsarbeiten ihre Gottesdienste in der St. Josefshalle feiern durfte.
2009 erfolgte ein weiterer Umbau, welcher die Heizung/Lüftung und die Bestuhlung im Saal betraf. Zudem wurde 2011 auch die ganze Kinoeinrichtung erneuert und digitalisiert.
Pfyl verriet folgendes zur Zukunft der St. Josefshalle: „Aktuell ist man daran, gut eine halbe Million Franken in die Wärmedämmung des Gebäudes, ein neues Dach und eine kleine Vergrösserung oberhalb des Theaterstüblis zu investieren. Mit diesem Umbau möchten wir eine gewisse Ruhe in die Architektur des Hauses bringen, da das Gebäude nie wirklich fertig aussah. Darin integriert der alte Teil, die „Hediger-Halle“. Die Baueingabe soll voraussichtlich noch im November erfolgen.“

st. josefshalle_süd
St. Josefshalle heute (Südseite)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Kulturell wertvolle Begegnungsstätte
Auf die Frage, warum das Theater Muotathal so erfolgreich ist, meinte der Präsident der Theatervereinigung: „Es sind die drei Punkte Dialekt, Gesang und die Halle.“ Die Räumlichkeiten der St. Josefshalle haben einen speziellen Charakter und sind nicht zuletzt auch ein Bestandteil des Volkstheaters, welches alljährlich Tausende von Besuchern ins Muotatal zieht. Theo Pfyl führte auch an, dass sie gewissermassen gezwungen sind, erfolgreich Theater zu spielen, um Gewinn zu erwirtschaften. Damit diese Begegnungsstätte weiterhin unterhalten und der Kinobetrieb weitergeführt werden kann. Darin fanden auch schon einige Filmpremieren, Podiumsdiskussionen und Versammlungen statt. Zudem wird die St. Josefshalle auch an Vereine und Organisationen für verschiedene Veranstaltungen vermietet.

st.josefshalle_rückseiteSt. Josefshalle heute (Rückseite)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Der Zirk-Beitrag zum Jubiläum der St. Josefshalle ist nun geschrieben, und wird demnächst eingereicht. Es machte mir viel Spass, dazu Recherchen anzustellen. Einerseits konnte ich die geschichtlichen Eckdaten ab der Homepage der Theatervereinigung übernehmen, welche für mich den roten Faden darstellen. Andererseits durfte ich mit Otto Hediger (Försters) und Klara Mazenauer zwei Zeitzeugen befragen, deren Aussagen die St. Josefshalle richtiggehend in die alte Zeit zurückversetzten. Als Abrundung erklärte mir Theo Pfyl weitere wertvolle Punkte, welche, wie ich hoffe, zu einem ausgewogenen Beitrag führen sollten.

feldwaldwiesenblogger

Andy Wolf’s Entlassung beim Radio Pilatus gibt Rätsel auf

Als ich am Montagmorgen folgendes im 20 Minuten las, …

… war ich doch ziemlich baff, ja regelrecht entsetzt. Andy Wolf, Moderator und das Urgestein schlechthin des Radio Pilatus, wurde entlassen! Mir kam das vor, wie wenn Nik Hartmann bei SRF 3 auf die Strasse gesetzt würde.

Ich konnte mir im ersten Moment ein Radio Pilatus ohne Andy Wolf gar nicht vorstellen. Mehr noch: Dem Regionalradio wurde gewissermassen das Herz entrissen!

Zugegeben, mein Lieblingsradio ist SRF 3. Es gab aber in der Vergangenheit auch Zeiten, wo ich regelmässig Radio Pilatus und „Andiamo“ mit Wolf als Moderator hörte. Wie ich fand, eine gelungene Mischung: Ein Radio hat seinen Moderator gefunden, oder umgekehrt. Für mich war (oder ist) Andy Wolf auch einer, den man im gleichen Atemzug mit Radio Pilatus erwähnt.
Mit diesen schillernden Figuren, und wieder der Vergleich mit SRF3 und Nik Hartmann, identifiziert man in meinen Augen (oder Ohren) auch ein Radio.

Nun aber der Schock: Entlassung! Wie ist das möglich? Wie kann man nur so ein beliebtes Urgestein eines Radios entlassen? Was ist passiert?

Ich twitterte relativ rasch nach der Schock-Lektüre meinen Senf dazu:

Ich kann mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Erklärungen von Radio Pilatus-CEO Joachim Freiberg der wirkliche Grund für die Entlassung von Wolf sein können. Dieser meint nämlich ziemlich dreist, dass Wolf im Umfeld der Digitalisierung und des Online-Journalismus nicht seine besten Talente hat. Dabei ist Andy Wolf auf Facebook und Twitter ziemlich aktiv „unterwegs“…
Deshalb nannte ich das Ganze in meinem Tweet denn auch „die halbe Wahrheit“.

Einige Stunden nach dem Absetzen meines Tweets schrieb mir Andy Wolf eine direkte Nachricht via Twitter. Ich nahm dann Kontakt mit ihm auf, und fragte Wolf, ob ich ihm ein paar Fragen zustellen dürfe. Weiter schrieb ich ihm, dass ich diese Fragen und Antworten gerne in meinen Blog stellen würde, um die Sicht der Dinge aus seinem Blickwinkel darstellen zu können.
Andy Wolf liess durchblicken, dass ich mit meiner Vermutung der „halben Wahrheit“ richtig liege. Er überlegt sich zudem, auf mein Angebot einzugehen. Weitere Details aus unserer Konversation erwähne ich hier nicht. Denn als Blogger halte ich mich auch an einen Ehrenkodex. Ich möchte das Vertrauen der Menschen nämlich nicht missbrauchen und bringe persönliche Dinge nur im Einverständnis der Befragten und Interviewten in meinem Blog.

Mal sehen, vielleicht folgt in den nächsten Tagen eine persönliche Stellungnahme von Andy Wolf, hier auf meinem Blog. Ich hoffe, es klappt. Denn diese Entlassung gibt einfach Rätsel auf.
Zudem bringt die Stellungnahme der Radio Pilatus AG, welche sie dazu am Dienstag auf ihrer Homepage platzierten, absolut kein Licht ins Dunkel. Wörtlich stand geschrieben: „Wir haben die Rückmeldungen zum Weggang von Andy Wolf zur Kenntnis genommen und verstehen, dass der Entscheid für die Hörerinnen und Hörer von Radio Pilatus überraschend erscheint und Fragen aufwirft. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass personelle Entscheidungen nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden können, da sie die Privatsphäre der Beteiligten betreffen. Andy Wolf hat viel für unser Radio geleistet, dafür danken wir ihm ganz herzlich.“

Das Rätselraten ging erst recht weiter, als heute wieder ein Beitrag über diese spektakuläre Kündigung im 20 Minuten zu lesen war:

Selbst Radiopionier Roger Schawinski hat kein Verständnis für Andy Wolfs Entlassung und hält die Freistellung „abenteuerlich und nicht nachvollziehbar“. Es ist gut möglich, dass die Sache noch ein Nachspiel haben könnte. Laut Arbeitsrechtler Daniel Walder ist dieses Vorgehen problematisch. Zumal CEO Freiberg mit seiner „Talentzustands-Aussage“ Wolf in kein optimales Licht stellt und dessen weiterer Zukunft nicht sehr zuträglich sein könnte.

So oder so: Diese Kündigung stinkt zum Himmel. Ein Erklärungsbedarf tut deshalb Not: Andy Wolf, in meinem Blog stehen dir Tür und Tor offen. Deine Hörer und ich warten gespannt.

feldwaldwiesenblogger

Achtung, fertig, WK!-Drehbuchautorin wurde wegen Weltwoche-Interview massiv beschimpft

Richtig gelesen, liebe Leser(innen und aussen), die Drehbuchautorin von Achtung, fertig, WK!, Güzin Kar, wurde massiv beschimpft. Und zwar wegen ihres Interviews, welches in der aktuellen Ausgabe der Weltwoche nachzulesen ist.

Hier ein Auszug von besagtem Interview:


(Quelle: http://www.weltwoche.ch)

Wahrscheinlich kennen die wenigsten Güzin Kar. Wir fragen darum Wikipedia, was sie zu der Frau weiss:

Güzin Kar (* 28. Februar 1971 in Iskenderun, Türkei) ist eine Autorin und Regisseurin.

Im Alter von fünf Jahren ging die in der Türkei geborene Güzin Kar mit ihren Eltern in die Schweiz, wo sie die weitere Kindheit und Jugend verbrachte. Ihre berufliche Ausbildung erhielt Kar in Deutschland an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Güzin Kar lebt in Zürich und arbeitet in der Schweiz und in Deutschland für Film und Fernsehen. Zu ihren größten Erfolgen gehört das Drehbuch zum deutschen Spielfilm Die Wilden Hühner. Für das ZDF entstand unter anderem Ein verlockendes Angebot. Für ihren ersten Kinofilm Fliegende Fische müssen ins Meer gewann sie am Filmfestival Max Ophüls Preis 2011 den Preis des saarländischen Ministerpräsidenten.

Von 2004 bis 2008 schrieb sie wöchentlich für die Weltwoche eine Kolumne, erst Gender Studies, später Moderne Liebe genannt; darauf basierend erschien 2006 ihr erstes Buch Ich dich auch, das wochenlang auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste stand. 2008 erschien ihr zweites Buch Leben in Hormonie. Seit 2008 schreibt sie für TELE die Kolumne Güzins Welt.
(Quelle: de.wikipedia.org)


(Bildquelle: http://www.weltwoche.ch)

Der Clou am ganzen ist, dass wir uns gegenseitig auf Twitter „verfolgen“, ich aber bis gestern das gar nicht wahr nahm. Ich gelangte wegen eines Tweets einer anderen Twitterin auf den Kanal von Frau Kar, und entdeckte dabei folgendes:

Erstaunt, baff und entsetzt, las ich mehrmals diesen Tweet von Güzin Kar.
Die Beschimpfungen können ja wohl nur aus der linken Ecke kommen, oder? Aber, dass man wegen etwas so harmlosem wie einem Interview, dass erst noch originelle Antworten enthält, den Befragten beschimpfen kann, sagt doch sehr viel über solche Menschen aus.
Da tun sich bei einigen Menschen Abgründe auf, die mir persönlich unerklärlich sind.

Mir stellte sich dann auch die Frage: Wegen was wurde Frau Kar beschimpft? Ist es nur die Tatsache, dass sie das Interview der Weltwoche gab, oder ist es der Inhalt, welchen gewissen Leuten sauer aufstösst?
Ich versuche das in der Folge ein wenig zu ergründen.

feldwaldwiesenblogger vermutet, dass es nicht wegen dem Inhalt sein kann. Denn die Antworten von Güzin Kar sind, wie oben schon beschrieben, originell und bergen für kein (politisches) Lager Zündstoff.

Also ist es ziemlich sicher die reine Tatsache, dass Kar es „wagte“, der Weltwoche ein Interview zu geben. Damit können nur die „Linken“ als „Güzin Kar-Beschimpfer“ in Frage kommen. Und die sind, wie sich nun herausstellt, auch nicht immer nett. Auch unter dieser Spezies findet man nicht nur Gutmenschen.

Diese sogenannten „Ungutmenschen“ können es nun scheinbar einfach nicht „verputzen“, dass eine in die Schweiz immigrierte Türkin nicht durch und durch links ist und um die Weltwoche einen Riesenbogen macht.

Schon in der Vergangenheit (2004 – 2008) schrieb Frau Kar, wie Wikipedia weiss, eine Kolumne für die Weltwoche. Das zeigt doch die Charakterfestigkeit dieser Frau, welche sich nicht gross um den politischen Hintergrund einer Zeitung oder Zeitschrift kümmert. Ihr geht es erst mal, und wahrscheinlich vor allem, um ihre Kunst des Schreibens, und nicht um eine politische Richtung.

Dabei schafft Güzin Kar einen Spagat, der seinesgleichen suchen lässt. Sie, eine intellektuelle und linke Autorin, schreibt für einen „rechten Filmstoff“ (des Schweizers liebes Militär) ein verdammt gutes Drehbuch. Sie, als Intellektuelle und Linke, gibt der rechtsbürgerlichen Weltwoche ein originelles Interview mit starken Aussagen.

Das begriffen (und begreifen) leider einige Volldeppen wohl nicht, dass man auch einen etwas breiteren Horizont haben kann, als ihre idiotisch kleinkarierte Sichtweise. Dabei spielt es keine Rolle, von welchem politischen Spektrum wir sprechen.

Ich versuche diesen „Spagat“ auch, lese sowohl in der rechtsbürgerlichen Weltwoche als auch in „links-mainstreamigen“ Zeitungen. Ich wage es zu dem sogar, die links-gerichteten Programme von SRF zu konsumieren!
Meine Wenigkeit ist für geradeaus, und nicht für extrem links oder extrem rechts.

Deshalb werde ich mir den Streifen „Achtung, fertig, WK!“ nun auch reinziehen. Denn ich muss zugeben: Die „linken“ Kommentare und Kritiken machten mir den Film erst madig. Jetzt, da ich ein bisschen mehr über die Drehbuchautorin weiss, will ich ihn unbedingt sehen.

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber die Erkenntnis ist nicht neu. Ich falle nur oft auf sie rein. Nämlich auf die Erkenntnis, dass unsere Kultur „verpolitisiert“ ist und immer wieder wird. So in dem Stil, wie: „Sage mir, was du kulturelles siehst, hörst und liest, und ich sage dir welchem politischem Lager du zugehörst.“

Ich mache bei diesem „Kultur-Spielchen“ einfach nicht mit, und so wie es scheint, auch Güzin Kar nicht. Denn woher kommt wohl der Spruch: „Du bist kleinkariert!“?
Eben, von solchen kleinkarierten Möchtegern-Allwissenden, welche nun auch Frau Kar wegen ihres Weltwoche-Interviews beschimpft haben.

feldwaldwiesenblogger

Das Institut für Geistiges Eigentum antwortete mir gestern betreffs „flätthüntschsauft“

Man erinnere sich an zwei Blogeinträge von mir: Das berühmte Muotithaler Bar Fäscht darf sich nicht mehr Flätthüntschsauft nennen und Meine Recherchen zu „flätthüntschsauft“.

Darin ging es um die Namensgebung „flätthüntschsauft“, wie das Muätithaler Bar Fäscht bis vor einem Jahr hiess. Das alte OK trat ab und verbot dem neuen „flätthüntschsauft“ weiter als Namen für das Barfest zu verwenden.
Mich interessierte dann, ob die Aneinanderreihung von diesen drei urchigen Muotathaler Mundartworten erstens geschützt wurde, zweitens eine „kreative geistige Schöpfung“ ist und drittens gar von Kaplan Alois Gwerder „gestohlen“ wurde.

Ich schrieb in einer Email unter anderem folgendes dem Institut für Geistiges Eigentum (IGE):

War dieses Vorgehen wirklich rechtens, resp. war das kein Diebstahl von geistigem Eigentum von Kaplan Alois Gwerder?
Haben die Herren um Mister X das bei der Markenregistrierung oder bei Ihnen, dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum, vorgängig prüfen lassen?
Wenn nun solche unschönen Dinge an den Tag kommen, hat man dann auch die Möglichkeit, dagegen vorzugehen, resp. kann man erreichen, dass der Begriff „Flätthünschsauft“ wieder aus der Markenregistrierung gestrichen wird?

Diese Zeilen schrieb ich am 29. Oktober ans IGE. Seither floss relativ viel Wasser die Muota hinunter, aber Antwort vom Institut für Geistiges Eigentum kam keine.
Ich rechnete eigentlich nicht mehr damit, bis gestern mein iPhone ein freudiges Zeichen von sich gab. Im Email-Eingangsordner landete elektronische Post von Herrn Lüthi vom IGE.


(Bildquelle: de.wikipedia.org)

Sehr geehrter feldwaldwiesenblogger

Besten Dank für Ihre Anfrage. Wir bitten Sie, die späte Antwort zu entschuldigen.

Tatsächlich ist „flätthüntschsauft“ als Marke Nr. 535566 im Schweizerischen Markenregister eingetragen (vgl. http://www.swissreg.ch -> Marken -> Wortlaut der Marke -> „flätthüntschsauft“).

Das Markenrecht verleiht dem Inhaber das ausschliessliche Recht, die Marke zur Kennzeichnung von Waren oder Dienstleistungen zu gebrauchen, für die sie beansprucht wird (vgl. Art. 13 MSchG). „flätthüntschsauft“ wird gemäss dem Markenregister für Waren und Dienstleistungen der Klasse 18 (Taschen), 25 (Bekleidungsstücke) und 41 (Durchführung von Live-Veranstaltungen; Partyveranstaltungen; Unterhaltung) beansprucht. Mit anderen Worten kann der Inhaber dieser Marke anderen verbieten, entsprechende Waren oder Dienstleistungen anzubieten. Die Löschung einer Marke erfolgt, wenn (a) der Inhaber einer Marke dies beantragt, (b) die Eintragung innerhalb der vorgesehenen Fristen nicht verlängert wird oder (c) die Eintragung durch einen rechtskräftigen Widerspruchsentscheid widerrufen (d.h. wenn der Inhaber einer älteren Marke erfolgreich eine Verwechslungsgefahr mit seiner Marke geltend macht) oder (d) durch ein rechtskräftiges richterliches Urteil nichtig erklärt wird.

Das Urheberrecht schützt Werke, d.h. geistige Schöpfungen der Literatur und Kunst, die individuellen Charakter haben. Ob der Begriff „flätthüntschsauft“ ein Werk darstellt und vom Urheberrecht geschützt ist, kann nur ein Richter im Streitfall abschliessend entscheiden.

Ihre Fragen kann ich wie folgt beantworten:
1. Ob der Begriff „flätthüntschsauft“ urheberrechtlich geschützt ist und Kaplan Alois Gwerder Urheberrechte geltend machen kann, kann nur ein Gericht im Streitfall entscheiden. Das Eidg. Institut hat nicht die Kompetenz, solche Entscheide zu fällen.
2. Bei der Markeneintragung findet keine Prüfung statt, ob ein Zeichen urheberrechtlich geschützt ist (eine solche Prüfung wäre auch schwierig, da es kein Register für urheberrechtlich geschützte Werke gibt).
3. Möglich wäre eine Nichtigkeitsklage (Art. 52 MSchG), mit der der Kläger die Nichtigkeit einer eingetragenen Marke geltend machen kann. Ein Nichtigkeitsgrund könnte beispielsweise sein, dass der Begriff Gemeingut darstellt (vgl. Art. 2 lit. a MSchG). Der Kläger muss vor Gericht ausserdem nachweisen, dass er ein Interesse an der Löschung der Marke hat (es braucht ein sogenanntes schutzwürdiges Interesse).

Ich hoffe, Ihnen damit zu dienen; für allfällige Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung

Mit freundlichen Grüssen, Lukas Lüthi

Ich bedankte mich bei Herrn Lüthi, welcher beim IGE als Rechtsanwalt bei der Abteilung für Recht und Internationales tätig ist, für die ausführliche Antwort.

Wie es halt so im Leben geht: Entscheidende Dinge betreffs Recht und deren Sprechung laufen über Rechtsanwälte, Paragrafen und schliesslich über Gerichte ab.
Ich mag diesen Dingen nicht weiter nachgehen, da daraus nur viel Mühe und Ärger entstehen kann. Zudem verstehe ich davon so viel wie eine Frau vom Wetterschmöcken…

Folgendes Fazit erlaube ich mir aus meinen Überlegungen und meinem Email-Verkehr mit der Markenregistrierung und dem Institut für Geistiges Eigentum zu ziehen:
1. Die Herren um Mister X haben alles richtig gemacht, um mit dem geschützten Namen „flätthüntschsauft“ ordentlich Kasse zu machen (Taschen, Kleidungsstücke und Partyveranstaltungen).
2. Rechtlich gesehen ist sicher alles in Ordnung, moralisch gesehen aber wohl kaum. Mit den drei urchigen Muotathaler Wörtern flätt, hüntsch und sauft betrieben sie „Schindluderei“ und „räuberten“ bei Kaplan Alois Gwerder geistiges Eigentum. Denn man findet bei seinen Unterlagen die Namensreihenfolge „flätthüntschsauft“, welche nicht Mister X und seine Kollegen „erfanden“. Zudem: Einen älteren Herrn übers Ohr zu hauen ist nicht unbedingt die feine englische Art.

Als Abschluss meines heutigen Blogbeitrages habe ich noch ein schönes Bild zum IGE, dem Institut für Geistiges Eigentum, gefunden.


(Bildquelle: flickr.com)

Als Erklärung fand ich dazu folgendes im Internet:

Zur Jubiläumsausstellung präsentiert sich das Institut für Geistiges Eigentum im Loebschaufenster. Seit 125 Jahren begleitet das IGE Schweizer Produkte von ihrer Erfindung bis zum Kaufentscheid. In unseren Schaufenstern erfahren Sie anhand von Loeb Produkten welche Rolle Patente, Marken, Design und Urheberrechte in diesem Prozess spielen.
(Quelle: http://www.loeb.ch)

feldwaldwiesenblogger