Der Maronichor feiert sein 30-jähriges Jubiläum

Der 1988 gegründete Muotathaler Chor hat schon bei unzähligen Auftritten wie an Gottesdiensten, im Altersheim oder an Hochzeiten mit seinem vielseitigen Repertoire begeistert. Am 10. November feiert der Maronichor bei einer Jubiläumsmesse seinen runden Geburtstag.

Text: feldwaldwiesenblogger / Bild: Renato Wyler

An jedem Montag wird im «Muotatreff» geprobt. Die Lieder sind sehr abwechslungsreich: Klassische vierstimmige Stücke, Spirituals und Gospels werden ebenso gesungen wie Schlager, Jodel- oder Cowboylieder. Im Jubiläumsjahr zählt der Maronichor 29 Sängerinnen und Sänger. Der «Grillabend» und der «Chlausabend» gehören mittlerweile zum Jahresprogramm. Feiert ein Mitglied einen runden Geburtstag, ist der Chor meist dabei und untermalt die Feier mit Gesang und Musik.


Der Maronichor im Jubiläumsjahr

Aus der Geschichte
Der aus dem Puschlav stammende Theologe Josef Maron begann im Sommer 1988 sein Pastoraljahr in Muotathal und gründete im Herbst einen Chor. Schon bald versammelte sich ein kleines Grüppchen Frauen wöchentlich in einem Schulzimmer zur Probe. Pius Christen stiess in der Anfangszeit dazu, und war nebst dem Dirigenten lange der einzige Mann im Chor. 1991 wurde der Pastoralassistent Josef Maron zum Priester geweiht, und an der Primizfeier sangen «seine» Sänger rassige Tessiner Lieder. Um 1990/1991 wurde der Chor von seinen Mitgliedern spasseshalber «Maronichor» genannt, was als Abkürzung für «Maron Josef Chor» stand. Dieser Name hält bis heute Bestand. Die Gesangsgruppe hatte in der Folge immer mehr Einsätze in der Kirche. Zu jeder Bussfeier wurde gesungen, sowie zunehmend auch an Weihnachten, Firmungen oder Vorabendgottesdiensten.
Nach dem Weggang von Josef Maron im Jahr 1991 stellte die Pfarrei Muotathal den Pastoralassistenten Rolf Dittli aus dem Urnerland an. Dieser quirlige junge Mann übernahm fortan die musikalische Leitung des Maronichores. Der Urner begleitete die Sänger mit seiner Gitarre und führte auch erste Spirituals ein. In der Ära Dittli hatten der Gitarrist Roger Schelbert und der Schlagzeuger Koni Schelbert ihre ersten Einsätze. Weiter kamen in dieser Zeit auch Auftritte volkstümlicher Art hinzu, bei welchen Marie-Louise Kistler ihr Können in Sachen Jodelliedern einbrachte. Als der eifrige Dirigent 1994 wegzog, blieb er dem Chor noch ein ganzes Jahr treu und fuhr jede Woche die Strecke von Sarnen nach Muotathal.
Im August 1995 erklärte sich die damalige Kirchenchordirigentin Erika Fässler bereit, den Maronichor weiterzuführen. Die Musikbegeisterte, welche damals in Ausbildung zur Kirchenmusikerin stand, gestaltete mit dem Chor vor allem Jugendgottesdienste und brachte ein stimmlich höheres Niveau ein. Zum bis dahin einzigen Sänger gesellten sich in dieser Zeit weitere Männer. 1997 sang der Maronichor zusammen mit dem Kinderchor Schwyz beim Gesangsfest in Stans, bei welchem gemeinsam «Sister Act» vorgetragen wurde. Ein Höhepunkt in Fässler’s Zeit als Dirigentin war das Weihnachtskonzert im Dezember des gleichen Jahres, bei dem sie nebst den Muotathaler Chören ein ad hoch-Orchester und weitere Sänger aus der Umgebung begeistern konnte. Erika Fässler demissionierte auf Ende Juli 1998 als Chorleiterin.

Raphael Schelbert ist seit 20 Jahren Dirigent
Im August 1998 übernahm Raphael Schelbert den Maronichor. 1999 begann der Primarlehrer die Ausbildung zum Kirchenmusiker an der Musikhochschule Luzern und schloss 2002 sein Studium im Fach «Chorleitung» und 2003 im Fach «Orgel» ab. Von Beginn an brachte der junge Chorleiter sein grosses musikalisches Können sowie methodisches Wissen ein, und steigerte die Gesangsqualität stetig. Schelbert förderte auch die instrumentale Begleitung und alsbald wurde die «Maroni-Band» gegründet. Zum Gitarristen und Schlagzeuger gesellten sich die beiden Chorsänger Andy Heinzer (Gitarre) und Walter Betschart (Bass, Gitarre).
Der Auftritt beim Zentralschweizerischen Gesangsfest 2003 in Altdorf war ein Meilenstein in der Geschichte. Für die Darbietung erhielt der Chor die Höchstnote «vorzüglich». Weitere Höhepunkte waren zwei gemeinsame Konzerte anno 2005 mit dem Chor St. Niklaus aus Geuensee. Im gleichen Atemzug gilt es auch die Teilnahme beim Zentralschweizerischen Gesangsfest 2009 zu erwähnen. Diesmal schnitten die Muotathaler mit dem Prädikat «sehr gut» ab. 2016 nahm der Maronichor im Rahmen des Schwyzer Kulturwochenendes bei der Veranstaltung «Sattel is(s)t» teil und begeisterte das Publikum mit zwei Auftritten. Im gleichen Jahr traten sie beim von Peter Betschart organisierten Kirchenkonzert in der Pfarrkirche Muotathal auf und konzertierten unter dem Motto «Bunte Welt».
Der Maronichor singt nicht nur in der Kirche. Es erfolgten bisher Auftritte an Hochzeits-Aperos, in Altersheimen, an Winzerfesten, an Pfarreiabenden, im «BSZ» oder bei «Insieme». An der Fasnacht ist der Maronichor ebenfalls regelmässig anzutreffen. Deren Mitglieder kleiden sich gemäss einem Motto und bringen entsprechende Lieder zum Besten. So traf man die Sänger schon als Seefahrer, Mexikaner oder in «Glanz und Glamour» gekleidet an.

Am 10. November wird gefeiert
Das 20-jährige Jubiläum feierte der Chor 2008 mit zwei Jubiläumsgottesdiensten, bei welchen eine Gospelmesse vorgetragen und die gesamte Bevölkerung zu einem Apéro eingeladen wurde. 2011 machten sie zum ersten Mal eine zweitägige Reise, welche nach Murten führte. Im Jahr 2014 erfolgte eine Chorreise an den Bodensee. Der dritte Ausflug führte am 24. und 25. Juni 2017 ins Berner Oberland.
Innerhalb des Chores macht sich die Repertoiregruppe nebst dem Erstellen von handlichen «Liederbüechli» über verschiedene Dinge Gedanken. So zum Beispiel über neue Lieder, allgemeine Richtlinien, oder welche einheitliche Kleidung man beschaffen möchte. Zudem führt der Chor regelmässig Gesamtsitzungen durch, bei welchen über verschiedene Aspekte diskutiert und Beschlüsse gefasst werden.
Am 10. November wird nun bei einer Jubiläumsmesse in der Pfarrkirche Muotathal das 30-jährige Bestehen gefeiert. Die Sängerinnen und Sänger proben seit August die Stücke und vertiefen diese Ende September bei einem Probeweekend auf dem Stoos. Bei der Vorabendmesse um 18 Uhr möchte der Maronichor die Zuhörer ein weiteres Mal mit der Vielseitigkeit ihres Repertoires, ihrem mehrstimmigen Gesang und der «Maroni-Band» begeistern. Anschliessend ist die Bevölkerung zu einem gemeinsamen Apéro in die Aula eingeladen.

feldwaldwiesenblogger

Keep the valley loud

Ein Jodelklub, vier Chöre, zehn Volksmusik-Formationen, zwei Country-, sieben Rock- und zwei Metal-Bands: Es wird viel Musik gemacht im Muotatal. Erstaunlich, denn im Muotatal leben nur 3500 Menschen auf einer Fläche fast so gross wie der Kanton Zug.

Text und Fotos: Christof Hirtler

Medien und Werbung zementieren das Image des Muotatals als abgeschiedenes, wildromantisches Bergtal, bewohnt von starrköpfigen und eigenbrötlerischen Hinterwäldlern. Wer aber die Klangwelten des Muotatals erkundet, findet zu den Wurzeln der Schweizer Volksmusik und begegnet vielen weltoffenen und innovativen Musikerinnen und Musikern verschiedenster Stilrichtungen.

Muotataler Groove
Die sperrige-urchige Tanzmusik und die archaischen Jüüzli des Muotatals sind schweizweit einzigartig. Das Muotatal ist eine riesige musikalische Schatztruhe: Die Stücke der Schwyzerörgeler Rees Gwerder, Anton Betschart, Georg-Anton Langenegger, des Akkordeonisten Franz Schmidig sen. oder des Geigers Josef Imhof (z‘ Predigers Joseb) sind von einem unwiderstehlichen Groove und inspirieren. Die Musik des Geigers Josef Imhof war ausschlaggebend für die Gründung von „Ambäck“, das Trio um die Schwyzerörgeli-Ikone Markus Flückiger. Ambäck heisst übrigens im Muotataler Dialekt Spaltklotz.

Um das musikalische Erbe des Muotatals kümmert sich seit 2009 der Verein Giigäbank. Mit seinen Sammlungen von Noten und Tonträgern spielt der Verein zusammen mit der Musikschule Muotatal-Illgau eine wichtige Rolle bei der Erhaltung und Förderung des volkstümlichen Kulturguts. Jährlich organisiert der Verein Giigäbank am letzten Sonntag des Jahres den Muotataler Ländlersunntig.


Natur pur am Muotathaler Ländlersunntig (Silvester 2017)

Muotathaler Ländlersunntig
31. Dezember 2017: Im Restaurant Alpenblick, Vereinslokal der örtlichen Feuerwehr, gibt es wie angekündigt, grünen Salat, Schweinssteak an Kräuterbutter, Pommes und Coupe Dänemark. Dann sind die Teller abgeräumt, es spielt das Handorgelduo Remo Gwerder-Franz Schmidig, das Publikum geniesst die Musik bei einem Glas Roten oder einem Kaffee Schnaps.

An einem der langen Tisch sitzt Koni Schelbert, feldwaldwiesenblogger und Musiker: „Die Toleranz unter den einzelnen Stilrichtungen ist recht gross, die Musiker respektieren sich gegenseitig. Es gibt neben den vielen Ländlermusikformationen auch eine lebendige Metal-Szene. Auch Thrash-Metaller besuchen ab und zu eine Ländler-Stubete. Andere, wie Bernhard Betschart von ‚Natur pur’ switchen zwischen Volksmusik, Country und Rock.“

Tanzen verboten
1886 begann Alois Eichhorn in Schwyz mit dem Bau der ersten Schwyzerörgeli. Alois Suter (Lisäbethler), Bauer auf der Unteren Meienen und Kirchensakristan, Melchior Anton Langenegger (Egg-Basch), Bauer, und Franz Betschart (Liänäler), Fuhrhalter, waren die ersten Schwyzerörgelispieler im abgeschiedenen Muotatal. Das Spielen haben sie sich selber beigebracht.
Die gesungenen oder mit dem Büchel vorgetragenen alten Melodien und Jüüzli wurden auf das neue Instrument adaptiert. Die Musik klang roh, mit Ecken und Kanten und abrupten Taktwechseln. Gespielt wurde aus dem Stehgreif, nach Gehör und ohne Noten.

Mit dem Schwyzerörgeli konnte ein einziger Musiker zum Tanz aufspielen, zudem war es klein und einfach zu abgelegenen Bauernhäuser zu transportieren. Dort fanden die „Schloffätänz“ statt. Heimlich wurde die ganze Nacht gespielt, getanzt und gefeiert, zum Missfallen der Kirche und der Behörden, die in ihrem Kampf gegen Unsittlichkeit und Alkoholismus die Tanzanlässe nur während der Fasnacht, der Chilbi und an den Viehmärkten zuliessen. Wer sich nicht daran hielt, machte sich vor dem Gesetz strafbar und musste bis in die 1950er-Jahre während der Sonntagsmesse im Mittelgang „uusächnüüä“.

Dr Eigäler
Rees Gwerder (Eigäler), 1911 im Heimet „Schweizi“, zuhinterst im Muotatal geboren und aufgewachsen, besass ein unglaubliches Musikgehör. Als Fünfjähriger nahm er das Schwyzerörgeli seines Vaters und übte heimlich die ersten Stücke. „Äs hed äim scho käinä niä öp-pis zäigt“, sagte Rees Gwerder an einem Fernsehinterview von 10vor10 zu seinem 80zigsten Geburtstag. Bereits als 15-jähriger verfügte der Bauernsohn über ein Repertoire von 100 Melodien, hauptsächlich kurze, zweiteilige Tänze, sogenannte „Stümpäli“. Sein Leben lang spielte Rees Gwerder auf seinem Eichhornörgeli ausschliesslich alte Tänze, die er zum Teil neu kombinierte oder wie er sagte „zwägg gchlüngelet het“. Über 200 Stücke konnte Rees Gwerder aus dem Stehgreif ohne Noten spielen. Dies soll ausgereicht haben, um an der Riemenstalder-Chilbi stundenlang lang zum Tanz aufzuspielen.

Rees Gwerder nahm zahlreiche Tonträger auf. Tänzli, wie er sie von seinen Vorfahren gehört hatte. Dieses Inventar zählt heute zum kulturellen Erbe der Schweizer Volksmusik. „Nüümodischs“ lehnte Rees Gwerder jedoch stets ab, der wortkarge Musiker mit der Chrummä im Mund blieb konsequent beim Alten. Durch den Film „UR-Musig“ (1993) des Luzerner Musikethnologen Cyrill Schläpfer gelangte Gwerder zu internationalem Ruhm. 2011 schrieb der Luzerner Musikjournalist Pirmin Bossart in der Luzerner Zeitung: „Rees Gwerder hatte dieses ungeschminkt Authentische und Knorrige, das man in den Wysel-Gyr-Jahren der medial aufbereiteten Ländlermusik so nie zu Gehör bekommen hatte“. Schläpfers Klangreise zu „den querstehenden und musikalischen Grinden aus dem Muotatal“ gab der damals oft belächelten Schweizer Volksmusik ihren Stellenwert zurück. Die Gruppe „Pareglish“ (bareglisch ist ein Muotataler Dialektwort für brünstig, geil) um Dani Häusler und Markus Flückiger, die zuvor in Finnland oder im Balkan Inspiration suchten, entdeckte die Wurzeln der Schweizer Volksmusik vor ihrer Haustüre, lüftete kräftig durch und brachte die Schweizer Volksmusik aus der „nichthinterfragenden Traditionspflege“ in die Gegenwart.


Echo vom Schattenhalb am Ländlersunntig (Silvester 2017)

Schrägers und Gräders
Auch Cornel Schelbert (ds Schmieds Cornel), Örgeler des „Echo vom Schattenhalb“ spielt mit Daniel Schmidig (ds Hebamms Dänl) seit 22 Jahren in der Tradition ihrer Vorfahren Rees Gwerder oder Georg Anton Langenegger (Egg Basch). Das Schwyzerörgelispiel lernten die beiden ab Tonbandkassettli, oft Eigenaufnahmen bekannter Muotataler Musiker.

Die schroffe Landschaft des Muotatals und die Arbeit als Bauern, prägt das Lebensgefühl und die Musik des „Echo vom Schattenhalb“. „Unsere Musik tönt manchmal fröhlich, aber oft traurig, wie das Leben“, sagt Cornel Schelbert. Schelbert und Schmidig spielen die Stücke auf Stöpselbass- und Halbwienerörgeli möglichst originalgetreu und mit ungewohnten Taktwechseln. „Will miär beed midänand gliich falsch spillid, tönts dä äbä gliich nüd lätz“. Schalk, Eigensinn und die Lust „anders zu tönen“ prägt die Musik der Schattenhälbler. Die alten Tänze kommen auch bei den Jungen gut an. Im „Bastards Place“, ehemals Restaurant Sonne, spielen neben Country-Rock- und Rock’n’Roll-Bands auch Ländlerformationen. „Ganz sicher gibt’s bei uns kein HipHop, Techno und solches Zeugs“, versichert Nik Betschart, der Betreiber des Lokals.

Natur pur
„Schrägers und Gräders“, so heisst die gemeinsame CD des Handörgeli-Duos „Echo vom Schattenhalb“ und der Juuzer-Gruppe „Natur pur“. „Das Juuzen ist eng mit dem Bärgbuurä-Läbä verbunden“, erklärt der Sänger, Gitarrist und Bassist Bernhard Betschart, aufgewachsen mit sechs Geschwistern auf dem stotzigen Heimet Zinglen im Muotatal. Nach der Schule half er den Eltern auf dem Betrieb, mit 25 Jahren absolvierte er eine Lehre als Strassenbauer.

Heute lebt Beny Betschart von der Musik. Er spielt mit „Black Creek“ Folk, Rock und Country, pflegt den Naturjuuz mit der Gruppe „Natur pur“ und gibt Jodel-Workshops. Er ist, wie viele Muotataler, ein Macher. „Das Juuzen tut uns Muotatalern gut. Beim Zusammentreiben der Rinder auf der Alp oder beim Locken des Viehs, da juuze ich gerne. Das ist unsere Form Gefühle auszudrücken – ohne Worte – das kommt von ganz tief.“ Die Jüüzli klingen darum nicht nur freudig, sondern oft auch melancholisch und „es gibt auch einige wilde, verdrehte“. Gejuzzt wird nach überlieferten, traditionelle Melodien. „Auffallend für das Ohr von Laien sind die ‚schräg’ klingenden Töne der Naturtonreihe. Dies ergibt beim mehrstimmigen Singen ungewohnte, für unsere Ohren dissonant klingende Intervalle.“

Der archaische Naturjodel des Muotatals ist in der Schweiz einzigartig. „Man weiss, dass die Natur den Juuz prägt, so tönt der Naturjodel im hügeligen Appenzell viel weicher, als im gebirgigen Toggenburg oder bei uns. Wir leben in einem engen Tal, mitten im Gebirge. So rau wie die Landschaft, so rau ist der Juuz, so rau ist auch die Intonation.“ Dies erforschte und belegte der Musiktethnologe Hugo Zemp mit seinen Feldforschungen, fünf Dokumentarfilmen und der Platte „Jüüzli – Jodel du Muotatal“ (1979). Die LP ist in der renommierten Serie „Le Chant Du Monde“ erschienen, die Musik aus aller Welt präsentierte.


Die Melodic-Trash-Metalband Infinitas live im Gaswerk (Seewen SZ), bei der Albumtaufe am 6. Mai 2017

Melodic-Thrash-Metal – Infinitas
Ein Stück Käse liegt am Boden einer Lawinengalerie. Beim Tunnelausgang steht ein Mann, ein braunes Badetuch über den Kopf geworfen. Ein zweiter Mann mit einem blauen Badtuch über dem Kopf nähert sich. Der mit dem braunen Tuch schreit ihn an: „Hesch du dr Chääs is Tunäll inätaa?“. „Näi, han i nüd“, antwortet der andere, mit Armen und Beinen um sich fuchtelnd. „Moll dä hesch.“ „Näi, han i nüd“ und so könnten sie sich unendlich um einen Chäs, resp. um Nichts streiten. Das absurd-schräge Youtube-Filmchen mit einer tüchtigen Prise Muotataler Humor geistert seit 2015 als Low-Budget-Trailer für das Muotataler Metal-Festival „Harvest“ im Netz.

Initiant und Organisator des Festivals war Pirmin (Piri) Betschart, Bandleader und Schlagzeuger der Muotataler Melodic-Thrash-Metal-Band „Infinitas“. In einem Stall hat er mit dem Gitarristen Selv Martone einen professionellen Proberaum samt Studio eingerichtet. „Einstiegsdroge zum Heavy Metal war AC/DC, wie im Muotatal allgemein üblich“, sagt Selv Martone verschmitzt. „Wir lieben das Erdige, das Echte, und feilen so lange an unseren Stücken, bis sie live so gut tönen, wie wir sie auf CD aufgenommen haben. Qualität ist uns wichtig – einfach flätt (völlig) ehrlich, ohne Tricks und Schumeleien.“ „Dazu braucht es eine typische Portion Muotataler Sturheit“, erklärt die Aargauer Sängerin Andrea Böll lachend. Sie muss es wissen, ist sie doch vor zwei Jahren wegen „Infinitas“ nach Goldau gezogen.

Das Intro auf der neuesten CD „CIVITAS INTERITUS“ ist im Muotataler Dialekt gesprochen, die Songtexte sind auf Englisch. Pirmin Betschart: „Wir wollten damit etwas von der Heimat einarbeiten, dä Wurzlä trüü bliibä, auch wenn es nicht alle verstehen.“ Jedes Jahr spielen Infinitas rund 10 Konzerte in Zürich, Basel oder Bern, wo die Metal-Szene sehr aktiv ist.

Metal wird im Tal weniger gehört als auch schon. Neben Rock und Country ist die Ländlermusik der Vorfahren bei den Jungen besonders beliebt. „Viil Musiker, wo urchägi Musig machid, hend üs gsäid, das was miär miächid, miächid miär huärä guät, aber äs gfiäl inä nüd. Das isch äs schöns Feedback“, freut sich Pirmin Betschart.

Keep the valley loud
Für viele Muotataler Männer ist der Klang der Glocken die schönste Musik. Jeweils am Abend des Dreikönigstags treffen sich die Triichler vor dem „Sternen“. Das neue Jahr wird eingeläutet und die Triichler machen mächtig Dampf: Zwei Stunden lang bewegt sich der Zug von mehr als 200 Männern im wiissä Hirthämmli durchs Dorf, im Takt ihre grossen Fahr- und Weid-Treicheln schwingend. Angeführt von fünf Geisslächlepfern mit Lorbeerkranz, dem Präsidenten mit einer Grotze und dem Vize mit einer hohen Holzbrennte, im Muotataler Dialekt heisst diese Tausä. Der Traditionsanlass ist nicht nur bei Bauern, Handwerkern und Angestellten beliebt, auch die Rocker sind dabei.

„Der Dreikönigstag ist die gefährlichste der zwölf Rauhnächte“, vermerkt das Handbuch des Deutschen Aberglaubens. „In den Lüften treiben Geister ihr Unwesen, die mit Peitschenknallen, Kettenrasseln und ähnlichem Getöse vertrieben wurden.“ Nachdem die Treichler vom Weiler Ried und von Muotathal sich regelmässig prügelten, treicheln die Riedter am Neujahrstag, die Muotathaler am Dreikönigstag. „Aber die Riedter kommen trotzdem jedes Jahr als Zuschauer ins Dorf“, bemerkt ein Muotathaler Treichler. Im Dorf ist Freinacht und das „Echo vom Schattenhalb“ spielt bis am frühen Morgen im „Sternen“-Saal.

feldwaldwiesenblogger

Rachel Divà – Eine aufstrebende Muotathaler Sängerin in der Schweizer Musikszene

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Rachel Divà

Schon von der Sängerin „Rachel Divà“ gehört? Hinter diesem Künstlernamen steckt die 27-jährige Muotathalerin Rahel Bächtold, Tochter von Hanspeter und Margrith Bächtold. Rachel, wie sie sich inzwischen nennt, hat zwei Schwestern, Julie und Nadja. Die junge, vielversprechende Musikerin ist in Muotathal aufgewachsen. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte sie eine KV-Lehre und liess sich zur Kauffrau ausbilden. Zwischenzeitlich lebte sie ein gutes Jahr in Schwyz, ein Jahr in Ibach und knapp zwei Jahre in Gersau. Seit anfangs 2018 ist sie wieder in Muotathal zuhause.
Musik ist die grosse Leidenschaft von Rachel, und ist definitiv das, was sie am liebsten macht. Die Muotathalerin konnte mit viel Wille und Fleiss ihr Hobby zum Beruf machen. Daneben bleibt ihr nicht mehr viel Zeit, und diese benutzt sie im Winter zum Skifahren und im Sommer für einen Badi-Besuch.


Rachel Divà alias Rahel Bächtold

Lady Gaga als Inspiration
Rachel Divà erklärt: „Lady Gaga ist eine tolle Künstlerin, auch wenn sie ausgeflippt ist. Aber sie hat mit dieser Strategie Erfolg. Das ist auch meine Inspiration und brachte mich so auf den Namen Divà. Gaga ist ein Name, der sich jeder merken kann. So einen wollte ich auch. Wichtig ist, was ich daraus mache. Denn ich möchte mit meiner Musik überzeugen. So können die Leute etwas Gutes mit meinem Namen in Verbindung bringen, was schlussendlich wieder etwas Positives ist.“ Die Schwyzerin erklärt das „à“ in ihrem Namen so: „Dies bedeutet, dass ich eine etwas andere Diva bin. Ich bin eigentlich ein ganz normaler Mensch, vielleicht ab und zu etwas ausgefallen, aber das gehört dazu. Ich mag Schuhe, Taschen, Schminke und schöne Kleidung – halt eben „divamässig“. Das „Divà“ drückt auch meine Persönlichkeit aus: Auf den ersten Blick wirke ich anders, als ich eigentlich bin. Ich kann aber garantieren, dass das einzig überhebliche der Name „Divà“ ist.“

2014 Gewinn des Kleinen Prix Walo
Musik ist seit der frühsten Kindheit Rachel’s Leidenschaft. Als kleines Mädchen begann sie schon zu singen, und mit acht Jahren komponierte sie ihren ersten eigenen Song. Die Vollblutmusikerin nahm Piano-Unterricht, spielt aber nicht nach Noten. Stattdessen improvisiert sie sehr viel, wie sie erklärt. Die junge Frau präsentiert sich heute als Sängerin und Pianistin und hatte schon an den verschiedensten Orten, von Firmenanlässen über Hochzeiten bis zu Openair-Bühnen, Auftritte.
Rachel nahm 2014 bei „Xangsart“ im Kanton Aargau Gesangsunterricht. Sie übte mit einem Vocal-Coach die richtige Atem-Technik, damit sie nicht schon nach dem ersten Song das Gefühl hat, sie sei einen ganzen Marathon gelaufen. Sie lernte auch, wie man an einen bestimmten hohen oder tiefen Ton herankommt. Wo und wie der Ton überhaupt produziert wird. Wie man richtig einsingt, die korrekte Aussprache von Songtexten und die Vorbereitungen für einen neuen Song. Die Muotathalerin dazu: „Ich lernte dort sehr viel, von dem ich jetzt profitieren kann. In zehn Doppel-Lektionen und einer Gesangswoche vertiefte ich Sachen, welche wichtig und nützlich sind.“
Rachel spielt hauptsächlich Klavier und brachte sich nebenbei das Gitarrenspielen bei. Sie hat Freude an vielen Instrumenten und möchte noch einige ausprobieren, so zum Beispiel das Saxophon. Ihr Hauptinstrument ist und bleibt jedoch ihre Stimme.
Rachel gewann 2014 den „Kleinen Prix Walo“ in der Kategorie Gesang. Rückblickend bedeutet dieser Erfolg für sie sehr viel, da es wichtig ist Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und neue Leute kennen zu lernen. Sie sagt, dass der Sieg für sie eine Belohnung darstellte und wusste, dass sie auf dem richtigen Weg war. Rachel wünschte sich damals, dass der Sieg einen positiven Einfluss auf die Zukunft hat. „Der Gewinn des Kleinen Prix Walo hatte tatsächlich eine positive Auswirkung auf meine Karriere. Es zeigt mir aber auch, dass man für den Erfolg immer etwas machen muss und nicht stehen bleiben darf“, erzählt die 27-Jährige heute.

2015 die erste CD veröffentlicht
Am 3. Januar 2015 taufte Rachel im City Hotel (Brunnen) mit „This message from my heart“ ihre erste CD. 2016 veröffentlichte die Sängerin mit „Colors of my Life“ bereits die zweite CD. Auf das Feedback der beiden bisher veröffentlichten Tonträger angesprochen, meint die gelernte Kauffrau: „Ich erhielt für beide CD’s gute Kritiken und einzelne Lieder
wurden auch in etlichen Radiostationen in der halben Schweiz gespielt. Für das Schweizer Radio SRF hat es bisher noch nicht gereicht, was ein ziemlich schwieriges Unterfangen ist.“

Rachel schloss vor der Veröffentlichung der zweiten CD einen Vertrag mit K-tel, einer international tätigen Platten- und CD-Firma, ab. Diese kümmerten sich denn auch um den Vertrieb von „Colors of my life“.
Rachel hat die veränderten Umstände in der Musikbranche und das dazugehörige Konsumverhalten auch realisiert und überlegt sich, wie sie neue Songs künftig veröffentlichen möchte. Dabei schweben ihr die modernen digitalen Formen wie das Herunterladen ab dem Internet vor, oder auch limitierte CD-Editions. Es sind bereits wieder viele neue Stücke vorhanden, welche Rachel auf der Gitarre komponiert hat. Zu diesem Zweck hat sie sich gar eine 12-saitige Gitarre gekauft. Seit letztem Oktober sind 26 neue Song-Ideen hinzugekommen, insgesamt sind es seit ihrer ersten Komposition wohl vermutlich etwa 150 Songs- oder Songideen. Diese entstehen bei der sympathischen Komponistin vielfach spontan, beim Spielen und Proben. Songideen, welche sich in ihrem Kopf einpflanzen, nimmt sie meist gleich mit ihrem Handy auf.
Rachel hat auch schon einige Musikvideos veröffentlicht. „Adore You“ und „DR. Music“ wurden von ihr und der Plattenfirma K-tel produziert und finanziert. Mit „Fallin‘ in Love“ schuf sie ein Video in Eigenproduktion.


Rachel Divà bei einem Solo-Auftritt

Traum als Profimusikerin verwirklicht
Rachel erklärt, dass sie letztes Jahr mehr oder weniger von der Musik leben konnte. „Zwischendurch habe ich an einer Tankstelle oder im Service gejobbt. Dieses Jahr arbeite ich im Stundenlohn in einem Büro, was etwa einem Zehn Prozent-Pensum entspricht“, erläutert das musikalische Talent. Aber ansonsten hat sie ihren Traum als Profimusikerin verwirklichen können. Rund um die musikalischen Aktivitäten gehört aber auch die Administration dazu, welche sie selber erledigt. Dabei kommt der Musikerin ihre kaufmännische Ausbildung zugute. Denn es fallen verschiedene Arbeiten an wie Emails beantworten, Telefonate führen, Buchhaltung erledigen, Konzeptlisten erstellen oder Kundentermine wahrnehmen. Rachel ist meist am Wochenende für Auftritte unterwegs. Sie schätzt, dass sie 80 Prozent ihres Musikerinnen-Daseins für Büroarbeiten aufwendet, um welche sie sich während der Woche kümmert. Zu den restlichen 20 Prozent gehören nebst den Auftritten das Proben oder Schreiben und Ausarbeiten von Songs.
Rachel erhält wöchentlich bis zu zehn Auftrittsanfragen, von denen schlussendlich etwa zwei oder drei zu Auftritten führen. Die meisten Anfragen kriegt sie direkt bei Konzerten vor Ort.
Da die Administration bereits ein beträchtliches Mass an Arbeit angenommen hat, kann die Pianistin auf Unterstützung zurückgreifen, die sich zwischendurch um ihre Fotos sowie den Homepage- und Facebook-Auftritt kümmert.

100 Auftritte im Jahr 2017 gespielt
Rachel’s Auftritte führten sie bisher an verschiedene Orte in der ganzen Schweiz und auch schon nach Deutschland. Dabei tritt sie solo, im Duo oder mit Band auf. Wenn sie solo unterwegs ist, begleitet sie sich meist selber am Piano, manchmal auch an der Gitarre. Mit dem Gersauer Schlagzeuger Mario Märchy spielt Rachel etliche Auftritte im Duo. Weiter hat sie eine eigene Band, welche aus zwei Gitarristen, einem Bassisten, Schlagzeuger und einem Pianisten besteht. Die Prix Walo-Gewinnerin konzentriert sich dabei vor allem auf den Gesang und die Bühnenpräsentation und spielt vereinzelt Ukulele oder Piano.
Letztes Jahr hatte Rachel mit dem bekannten Countrymusiker George Hug ein Projekt, bei welchem die beiden gemeinsam drei Weihnachts-Konzerte spielten. Weiter nahm die Muotathalerin auch schon bei einem Projekt von David Bürgler („Intrinsic Soundz“) teil. Dahinter steckt eine fixe Band, welche speziell für einen Abend von eingeladenen Sängern oder Musikern begleitet wird.
Am 26. Dezember 2017 war es soweit: Rachel gab am Stefanstag das 100. Konzert des Jahres. Anfangs letzten Jahres setzte sie sich dieses ehrgeizige Ziel. Für 2018 hat sie die Messlatte nochmals höher gelegt und möchte 150 Konzerte spielen. Derzeit sind bereits 66 Auftritte für das laufende Jahr bestätigt.
Mit Mario Märchy weilte Rachel vom 1. Februar bis 2. März einen Monat in Arosa und spielte im Waldhotel täglich mehrere Konzerte zur Tea-Time, beim Apéro, Nachtessen und später an der Bar. Gebucht ist bereits eine Woche Mallorca. Vom 30. Juli bis 5. August weilt das Duo auf der spanischen Ferieninsel und wird dort in einem Hotel verschiedene Auftritte absolvieren.


Rachel Divà mit Band an einem Openair-Auftritt

Bisherige Karrierehöhepunkte und Zukunftspläne
Nebst dem Gewinn des Kleinen PRIX WALO zählt Rachel auch den grandiosen Auftritt beim Donnschtig-Jass in Muotathal (Juli 2017) zu ihren bisherigen Karrierehöhepunkten. Dabei sang sie im Duett mit dem von „MusicStar“ her bekannten Piero Esteriore. Zu unvergesslichen Auftritten zählt die Musikerin auch das letztjährige 1. August-Konzert in Brunnen oder den Auftritt beim Openair Rheinwald in Splügen.
Rachel spricht von Träumen und Visionen, welche teilweise bereits in Erfüllung gingen. So zum Beispiel die Konzertwoche auf Mallorca oder eine Filmrolle. Diese interessante Sache steckt bereits in der Pipeline, und soll ihr demnächst eine Filmrolle als Sängerin bescheren, bei welchem sie einen eigenen Song singen darf.
„Es sind viele Ideen vorhanden. Ich möchte gerne ein Musical mit Kindern machen. Zudem würde ich gerne weitere Projekte wie mit George Hug realisieren“, ergänzt Rachel. Ihr ist sehr wohl bewusst, dass das Musikgeschäft ein hartes Business ist. Die umtriebige Frau ist aber überzeugt, dass sie mit viel Engagement weiterkommt und dabei ihren Bekanntheitsgrad erweitern kann. Sie spricht von grossen Bühnen, auf welchen sie ihre Leidenschaft ausleben möchte. Man glaubt ihr aufs Wort, dass sich dereinst auch dieser Traum in Realität umsetzen wird.

feldwaldwiesenblogger

20 Jahre POLUTION: Von der Jubiläumsfeier, Meilensteinen und Zukunftsplänen

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Muotathaler Band POLUTION durfte dieses Jahr den 20. Geburtstag feiern. Dieses freudige Ereignis nahm ich zum Anlass, die Band im Proberaum zu besuchen. Nach der Bandgeschichte wurden beim Gespräch mit Marcel Betschart und Pascal Gwerder auch die grandiose Jubiläumsfeier, Meilensteine in der Bandgeschichte und die Zukunftspläne thematisiert.

Die Jubiläumsfeier
Das Jubiläum wurde mit einem grandiosen Konzert im „Sternen“-Saal in Muotathal gefeiert. Bei der Feier mit allen ehemaligen Musikern war der Saal mit 250 Konzertbesuchern prall gefüllt. POLUTION trat in chronologischer Reihenfolge auf. Erst mit den Gründungsmitgliedern und den alten Songs. Sie standen in jeder Besetzung, die es je gegeben hat, auf der Bühne und spielten die entsprechenden Stücke. Schlussendlich wurden etwa 30 Songs gezählt. Dabei wurden relativ viele Covers gespielt, da POLUTION mit Songs aus dem riesigen Hardrock-Fundus ihre Karriere begann. Pascal Gwerder war als Einziger die ganze Zeit auf der Bühne, er ist von Anfang dabei. Heinz Imhof amtete zwischen den Songs als „Tafelmajor“ und erläuterte die passenden Geschehnisse und Veränderungen rund um die Bandgeschichte.
Am Festtag wurde um 15 Uhr mit Ländlermusik im Restaurant gestartet. Es folgte ein kleiner Apéro für die geladenen Gäste wie Sponsoren, Gönner, befreundete Bands, Familienangehörige und Kollegen. Am Abend trat als erstes Dryhouse, die Band von Bassist Christian Epp, auf. Später folgten die Muotathaler Dreadful, dann POLUTION’s Jubiläumspart und zum Abschluss die Muotathaler Bad Sin.


Marcel Betschart (links) und Pascal Gwerder mit einem Erinnerungsstück von der Jubiläumsfeier
Foto: feldwaldwiesenbloger

Die Vorbereitungen auf die Jubiläumsfeier
Die Band war schon länger der Ansicht, das Jubiläum würdig zu feiern. Die Feier sollte in der Heimat Muotathal stattfinden, und zwar im „Sternen“-Saal, in welchen 250 Personen reinpassen. Bei der Anfrage der ehemaligen Bandmitglieder in einem eigens dafür eingerichteten Chat willigten alle innerhalb von fünf Minuten ein. Die eigentliche Vorbereitungszeit mit allen organisatorischen Details dauerte gut ein halbes Jahr. Man einigte sich gemeinsam mit allen Musikern auf eine Set-Liste, und in der Folge wurde im Proberaum „im Stützli“ fleissig geprobt. Die aktuellen Bandmitglieder staunten dabei nicht schlecht, wie schnell und gekonnt die „Ehemaligen“ wieder im Element waren. René Heinzer beispielsweise legte den Bass nach seinem letzten Konzert zur Seite und spielte rund 15 Jahre nicht mehr auf dem Viersaiter. Aber auch er beherrschte die Stücke innert kürzester Zeit wieder.
Die Band erhielt nach dem Konzert im Restaurant Sternen ein gutes Echo. Einige Fans erzählten, dass sie sich bei der Jubiläumsfeier in ihre Jugend zurückversetzt fühlten.

Meilensteine in der Bandgeschichte

Die grössten Erfolgsmomente
Es waren viele gute Momente, zu denen mit Bestimmtheit die CD-Aufnahmen oder der Auftritt im Z7 gehören. Für die Bandmitglieder sticht aber die Tournee mit SHAKRA hervor. Weiter erwähnen sie die Konzerte mit KROKUS oder SODOM, bei welchen sie als Vorband eröffnen durften. Der Ausflug nach Tschechien bleibt ebenfalls unvergessen.

Die bewegendsten Erinnerungen
Dazu gehört sicher die Taufe der ersten CD. Weiter die Studioaufenthalte bei den Aufnahmen der beiden CD’s oder die Nachricht, im Z7 auftreten zu dürfen. Der Trip nach Schweden in diesem Jahr gehört zweifellos zu den bewegendsten Erinnerungen. Die Reise war sehr speziell, erfolgte sie doch just einen Tag nach dem Terroranschlag in Stockholm (7. April). POLUTION trat dort an einem internationalen Metal-Festival etwas oberhalb von Stockholm auf. „Leider kamen wegen dem Terroranschlag nicht so viele Leute wie ursprünglich erwartet ans Festival“, ergänzt Marcel.

Das beste Konzert
Das ist eindeutig jenes vom 26. Februar 2010 im ausverkauften Z7, zusammen mit SHAKRA. Pascal erinnert sich: „Das Konzert hat gefetzt. Und die Fans sangen Happy Birthday für mich, ich hatte nämlich an jenem Tag Geburtstag.“ Viele Band-Artikel wurden verkauft und der Auftritt auf der Z7-Bühne war ein Riesenerlebnis.

Der beste Tonträger
POLUTION veröffentlichte bisher zwei CD’s. Die erste CD erschien 2008, die zweite 2012. Des Weiteren sind sie auf verschiedenen Samplern zu hören. Für die Band ist der zweite Silbering „Beyond Control“ qualitativ und von den Songs her der beste Tonträger. Sie halten ihn für massgebender und reifer.

Der beste Song
„Forever and a day“ von der zweiten CD ist genial gemacht und wird immer wieder gerne gehört. Inhaltlich geht es um den Verlust eines Menschen, der gestorben ist. Ein melancholischer Track und ein Hardrocksong in mittlerem Tempo. Der Aufbau des Songs ist etwas vom professionellsten, was POLUTION bisher geschafft hat.

Das beste Jahr in der Bandgeschichte
2009: Die Europa-Tournee mit SHAKRA und der Open Air-Auftritt in Tschechien standen auf dem Programm. In jenem Jahr spielte POLUTION am meisten Konzerte in der bisherigen Bandgeschichte.


Bei der Jubiläumsfeier im „Sternen“ standen aktuelle und ehemalige Bandmitglieder auf der Bühne
Foto: POLUTION

Die beiden bisher veröffentlichten CD’s
„Wir machen engergiegeladenen Hardrock“, erklärt Marcel. „Dabei greifen wir gesellschaftskritische Aspekte auf und verarbeiten sie in den Songs. Dies war vor allem auf der zweiten Scheibe der Fall. Die erste CD beinhaltet Texte, welche sich vor allem um’s Muotatal drehen: Wie schön es dort ist, wie wir leben und dass uns die Leute besuchen sollen.“ Auf dem zweiten Tonträger nahmen sie sich dem schlechten auf der Welt an. Was nicht gut läuft, und was sie bewegt. In den Augen der Band sind die Texte auf „Beyond Control“ reifer ausgefallen.
Das Feedback auf die erste CD „Overheated“ war sehr gut. Der Tonträger wurde bei Tommy Vetterli aufgenommen, und diese Tatsache hat bei den Musikmagazinen ziemlich gezogen. POLUTION kam bei einem kleinen englischen Label, Escape Music Ltd., unter Vertrag. Beide CD’s wurden von ihnen weltweit veröffentlicht. Für den zweiten Tonträger „Beyond Control“, bei welchem die Bandmitglieder das Gefühl hatten, er sei professioneller ausgefallen, bekamen sie nicht unbedingt gute Kritiken. Sie wurden dabei öfters auf eine Schweizer Band reduziert und ungewöhnlich hart angefasst. Tatsache war aber auch, dass das Label bei dieser CD keine gute Werbekampagne fuhr. Der Vertrag mit Escape Music Ltd. lief von 2008 bis 2014.
Dem Schweizer Vertrieb „Nonstopmusic“ gefällt die Musik von POLUTION. Nonstopmusic war denn auch dafür verantwortlich, dass die zweite Scheibe in allen Exlibris- sowie Media Markt-Filialen in der Schweiz erhältlich war. Die Band schätzt, dass sie bisher 4’000 bis 4’500 Tonträger verkauft haben. POLUTION schloss zudem mit einer Schweizer Firma einen Vertrag ab, damit ihre beiden CD’s nun bei Musikstreaming-Diensten wie iTunes oder Spotify aufgerufen werden können.

Ein neuer Tonträger könnte wieder zum Thema werden
POLUTION steckte bisher wohl um 150’000 Franken in die Band. Die Kosten für Verstärkeranlagen und Instrumente betrugen um 30’000 bis 40’000 Franken. Dazu verschlang jede CD-Produktion zwischen 50’000 und 60’000 Franken und die Kosten der Deutschland-Tournee musste mit etwa 10’000 Franken berappt werden.
Marcel und Pascal erklären, dass heute anders Musik konsumiert wird. Sehr viel wird vom Internet runtergeladen und CD’s werden einiges weniger gekauft. Trotzdem, POLUTION möchte gerne wieder etwas Handfestes veröffentlichen. Aus dem einfachen Grund: Sie halten gerne einen realen Tonträger samt Umschlag in Händen. Neue fertige Songs sind momentan keine vorhanden. Es existieren viele Ideen, aufgenommene Sequenzen und halbfertige Sachen. Der Aufwand für eine Produktion mit 12 bis 15 Songs ist mit extremem Aufwand und Riesenkosten verbunden. Die Hoffnungen und Erwartungen von so einem Tonträger sind bei POLUTION mittlerweile vorbei. Deshalb findet Marcel Ralph Zünd’s Idee mit „straight 2 tape“ sehr interessant und könnte sich dies für POLUTION vorstellen. Dabei geht man in Ralph’s Studio, wo bereits alles perfekt voreingestellt ist. Man nimmt ein Fan-Publikum mit und spielt im Studio eine Live-Session von vier bis sechs perfekt sitzenden Songs, welche aufgenommen wird. Kleine Fehler werden hinterher allenfalls ausgemerzt und das Ganze zu einem Tonträger produziert. Man kann die Live-Session seinen Fans als Event verkaufen, und so einen grossen Teil der Produktionskosten decken, welche sich bei 5’000 bis 8’000 Franken bewegen dürften. Weiter würde so ein Tonträger noch etwa 15 Franken kosten, was eher gekauft würde als eine 25-fränkige CD mit 12 Songs. POLUTION hat noch nie einen Video-Clip gedreht und träumt schon länger davon. Bei den Aufnahme-Sessions in Goldau bestünde die Möglichkeit, dies mit einem Video-Dreh zu verbinden.

Die Zukunftspläne
Konkrete Zukunftspläne existieren derzeit nicht. Die neue Bassistin Renja Schmidig soll ab 2018 frischen Wind in die 20-jährige Hardrockband bringen. Marcel sagt dazu: „Wir sind ein wenig bequem geworden. Zudem hat sich auch das Leben bei jedem Bandmitglied verändert. Es läuft einiges nebenher und so wird es manchmal auch schwierig, genügend Zeit für die Band zu investieren. Früher probten wir zwei bis dreimal pro Woche. Renja ist eifrig und will Musik machen, wie wir früher. Sie wird neuen Wind in die Band bringen. Vielleicht werden auch neue eigene Songs ein Thema. Und natürlich frische Covers. Denn einige sind praktisch seit den Anfangstagen im Repertoire. Wir hoffen, dass wir nach verschiedenen privaten Veränderungen alle wieder mehr Zeit für die Band finden.“
Da die neue Bassistin momentan einen USA-Aufenthalt absolviert, blieb nicht viel Zeit, über die Zukunft zu besprechen. Sie lassen es auf sich zukommen und hoffen, dass sie im Frühling oder Sommer 2018 wieder live auf der Bühne stehen werden. Die Band möchte dabei Renja genügend Zeit lassen und sie nicht ins kalte Wasser werfen.


Die neue Bassistin Renja Schmidig
Foto: POLUTION

Jedes Bandmitglied geht zu 100 Prozent einer Arbeit nach. Dies wurde auch in der Vergangenheit immer so gehandhabt. Marcel meint: „Wenn mehr gelaufen wäre, hätte man es sich überlegt, mehr Zeit in die Musik zu investieren. Und dafür sein Arbeitspensum zu reduzieren.“ Sie sehen POLUTION aber nach wie vor als Hobby. Ihnen ist auch bewusst, dass es heutzutage schwieriger ist, als Hardrockband zu bestehen. Vor 20 Jahren waren die Zeiten für eine Band wie sie um einiges besser. Die Clubszene hat sich inzwischen verändert und das Interesse an solchen Bands ist viel geringer geworden. Es sind überwiegend DJ’s angesagt und diese lassen für die Clubbesitzer die Kasse klingeln.
Trotz Familien, eigenen Unternehmen, Hobbies und anderen Beschäftigungen gibt die Band auch nach 20 Jahren nicht auf und macht weiter. Vielleicht nochmals 20 Jahre?

feldwaldwiesenblogger

20 Jahre POLUTION: Die Bandgeschichte

Text: feldwaldwiesenblogger und POLUTION

Die Muotathaler Hardrockband POLUTION wurde im Mai 1997 gegründet.
Die Besetzung um Pascal Gwerder (Gesang), Marcel Betschart (Gitarre), Matthias Betschart (Gitarre), Christian Epp (Bass) und Armin Betschart (Schlagzeug) feierte zusammen mit allen ehemaligen Mitgliedern am 11. November den 20. Band-Geburtstag. Im heimischen Muotathal, im Saal des Restaurant Sternen, wurde mit einem grandiosen Jubiläumskonzert tüchtig gefestet.
Dieses Jubiläum nahm ich zum Anlass, die Bandgeschichte genauer unter die Lupe zu nehmen und mit der Band ein Gespräch zu führen.


Marcel Betschart (links) und Pascal Gwerder beim Gespräch an der Bar im Proberaum
Foto: feldwaldwiesenblogger

Was bedeutet eigentlich der Name POLUTION?
Das Wort „POLUTION“ klang für die Gründer cool. Wird „POLLUTION“ mit zwei „LL“ geschrieben, meint man die Umweltverschmutzung. Die Band erklärt es denn auch in diesem Zusammenhang. Damit das Dreckige und das entsprechende Drumherum hervorgehoben wird, wie es irgendwie auch zum Rock’n’Roll passt. Pikantes Detail: POLUTION mit einem „L“ ist ein italienischer Ausdruck und bedeutet „der erste nächtliche Samenerguss“. Die Band hat es aber nie auf diese Erklärung bezogen und meinte stets die Umweltverschmutzung. Übrigens: Da der Ausdruck „Pollution“ weltweit von Umweltorganisationen in Blogbeiträgen Erwähnung findet, wird die Homepage der Muotathaler Band öfters dazu verlinkt.

Die Band-Gründung
Im Mai 1997 trafen sich Pascal Gwerder, Daniel Heinzer, René Heinzer und Roger Rickenbacher im Valley-Pub in Muotathal. Die vier Kollegen hatten die Bieridee, eine Rockband zu gründen. Kurze Zeit später beschafften sie sich aus Brockenhäusern und Musikgeschäften die passenden Musikinstrumente. Das erste Probelokal war ein alter Baucontainer im Ried und schon bald stand der erste Auftritt im „Wärchhof“ Schwyz an. Der erste Gig war ein voller Erfolg. Während den ersten drei Jahren spielte man einige Konzerte im inneren Kantonsteil. Unter anderem im Valley-Pub, in der Linde Schwyz oder an der Schwyzer Chilbi.


Die vier Gründungsmitglieder im Jahr 1997: Daniel Heinzer, Pascal Gwerder, Roger Rickenbacher und René Heinzer (von links nach rechts)
Foto: POLUTION

Der Einstieg von Marcel Betschart
Einen Tag nach dem „Musigfäscht“ der Musikgesellschaft Muotathal im Herbst/Winter 1999 wurde Marcel Betschart angefragt, ob er in Zukunft den Gitarrenpart von Pascal übernehmen möchte. Marcel, welcher sowieso an jedem POLUTION-Konzert dabei war, sagte nach reiflicher Überlegung zu. Von da an waren POLUTION zu fünft unterwegs, und Pascal konnte sich nun ausschliesslich des Gesanges widmen.
Von AC/DC über Böhse Onkelz, Status Quo bis Metallica und Motörhead wurde alles rauf und runter nachgespielt. In diesem Zeitraum entstanden aber auch die ersten Eigenkompositionen.

Wechsel hinter dem Schlagzeug, am Bass und an der Gitarre
2003 gab Schlagzeuger Roger Rickenbacher aus zeitlichen Gründen seinen Rücktritt aus der Band bekannt. Rasch meldete sich der damalige Sound-Mischer Armin Betschart, dass er sich vorstellen könnte die Drums zu bedienen. Es war eine sehr gute Entscheidung. Der Job am Mischpult übernahm Andy Betschart, der jüngere Bruder von Armin. Was sich im Jahr darauf, als Bassist René Heinzer die Band verliess, auch als Glücksgriff erwies. Andy zupfte nämlich fortan den Viersaiter.
Kaum ein Jahr darauf verkündete auch Daniel Heinzer, dass er POLUTION verlassen möchte. Denn er war mit seiner Zweitband, „Den Geheimen Sportsocken“, dermassen ausgelastet, dass ihm die Zeit einfach fehlte. Ab diesem Moment stand die Band etwa ein halbes Jahr ohne zweiten Gitarristen da. Bis Matthias Betschart, damals noch aktiver Rock’n’Roller bei „Loose Contact“, schlussendlich die Chance packte und sich für POLUTION entschied.

Die erste CD und die Europa-Tour mit SHAKRA
Eigene Songs komponieren war nun angesagt. Etwas später stand die Teilnahme am Emergenza-Bandcontest, einem der grössten internationalen Wettbewerbe für junge Musiker, an. Dank der Unterstützung der Fans belegte POLUTION Platz zwei in der Schweiz.
Nur knapp zwei Jahre nach dem Beitritt von Matthias standen POLUTION im Tonstudio von Tommy Vetterli in Pfäffikon SZ. Das erste Album „Overheated“ wurde aufgenommen und 2008 durch das englische Label Escape Music Ltd. weltweit veröffentlicht.
Dank der Kontakte und Mithilfe von Vetterli entstanden die ersten Gespräche mit dem Musikmanager Oliver Macchi. Macchi verschaffte POLUTION den Kontakt mit dem englischen Label, zu einem TV-Auftritt bei Dani Beck und zu einer Europa-Tour im April 2009 mit SHAKRA. Innert zwei Wochen absolvierte die Muotathaler Hardrockband zwölf Gigs in Holland, Deutschland, Belgien und Italien.
Keine zwei Monate später wurden sie als Headliner an einem Open Air im Südosten von Tschechien gebucht. 2009 war für die Band ein sehr ereignisreiches Jahr mit vielen schönen, lehrreichen und unvergesslichen Momenten.

Der zweite Tonträger „Beyond Control“
Im Frühjahr 2011 wurde das zweite Album „Beyond Control“ in Ralph Zünd’s „2inch-records – Studio“ aufgenommen. 2012 wurde die CD wieder durch das Label Escape Music Ltd. weltweit veröffentlicht. Mit „Beyond Control“ wurde ein Meilenstein gesetzt. Weiter sind POLUTION auch auf diversen internationalen Samplern vertreten.

Christian Epp übernahm für Andy Betschart
Als 2013 Andy Betschart mit seinen anderen Musikformationen auch Erfolge feiern konnte und die Zeit für ihn immer rarer wurde, entschied er sich, POLUTION zu verlassen. Die Band fragte Christian Epp, den Bassisten und Sänger von „Dryhouse“, ob er Zeit und Lust hätte einzusteigen. Sein Entscheid war schnell gefällt und Christian übernahm von 2013 bis 2017 den Bass. In diesen vier Jahren spielten POLUTION weitere coole Gigs. Unter anderem in München oder dieses Jahr an einem Festival in Stockholm.
Auch die Schweiz kam konzertmässig nicht zu kurz. Die „Schüür“ in Luzern, das Z7 in Pratteln und fast jeder Kanton wurde mal „gerockt“. Entweder als Hauptact oder als Vorband von John Coghlan, Krokus, Sodom, Jeff Scott Soto und weiteren Musikgrössen.


POLUTION live in der „Schüür“: Marcel Betschart, Pascal Gwerder, Armin Betschart, Christian Epp und Matthias Betschart (von links nach rechts)
Foto: POLUTION

Mit Renja Schmidig erstmals eine Frau in der Band
Die Jubiläumsfeier im „Sternen“ war zugleich Christian Epp’s letzter Auftritt mit POLUTION. Ab 2018 übernimmt Renja Schmidig, welche derzeit einen USA-Aufenthalt geniesst, den Bass. Es ist für POLUTION eine Premiere, erstmals eine Frau in der Band zu haben. Sie sind überzeugt, dass das junge Talent Renja sie an der Bassgitarre tatkräftig unterstützen wird. Zudem hoffen die Bandmitglieder, bald mit ihr live unterwegs zu sein.

Über 200 Konzerte wurde in den letzten 20 Jahren gespielt. Es wurden sieben Länder bereist. POLUTION waren mit einem Nightliner und vier Flugzeugen unterwegs und übernachteten in etlichen Hotelzimmern. Die Band bereut keinen Moment. Denn es entstanden viele interessante Kontakte, Freundschaften und Begegnungen.

feldwaldwiesenblogger

Wysel Gwerder’s Erinnerungen an Polo Hofer

Text: feldwaldwiesenblogger

„Tschou zämä, es isch schön gsy!“ – So lautete die selber verfasste Todesanzeige von Polo Hofer. Als der Berner Oberländer am 22. Juli starb, war mir sofort klar, dass ich ihn und sein Lebenswerk auch in meinem Blog thematisieren möchte.

Polo Hofer, mit bürgerlichem Namen Urs Alfred Hofer, wurde am 16. März 1945 in Interlaken geboren. Polo war sein Pfadfindername und begleitete ihn ein Leben lang. Nach der obligatorischen Schulzeit erlernte er den Beruf eines Handlitographen. „New Orleans Function“ von Louis Armstrong war die erste Platte in jungen Jahren und Harry Belafonte im Kursaal Interlaken (1955) das erste Konzert.
Stationen von Polo als Trommler und Sänger: The Jetmen (1962 – 1967), Polo’s Pop Tales (1968/69), Rumpelstilz (1971 – 1978), Polo’s SchmetterDing (1978 – 1982), Polo Hofer und die SchmetterBand (1984 – 2002). Ab 2002 folgten The Alpinistos, Polo und Band sowie weitere musikalische Projekte.
Hofer war nicht nur Musiker. Seine Tätigkeiten wie Dichter, Schauspieler, Kolumnist, Maler, Moderator, Produzent, Referent und Lifestyle Consultant lesen sich äusserst vielseitig.

Mir ist bewusst, dass ich Polo und seinem Erbe nicht gerecht werde, wenn ich nur Fakten aus dem Internet zusammentrage und daraus einen Beitrag schustere. Denn zu diesem Zweck empfehle ich Lektüre von Samuel Mumenthaler, einem Berner Jurist, Autor und Musiker. Er gilt als Chronist der Schweizer Musikszene der Gegenwart und kennt Polo bestens. „Polo: eine Oral History“ oder „50 Jahre Berner Rock“ (mit Vorwort von Polo Hofer) sind beispielsweise zwei Veröffentlichungen von Mumenthaler.

Mein Ansinnen ging dahin, dass ich mit einem grossen Polo Hofer-Fan ein Gespräch über seine Erinnerungen an den Mundartrock-Sänger führen wollte. Und: Ich musste nicht lange suchen. Denn in meiner Umgebung kenne ich keinen grösseren Fan und Kenner als Wysel Gwerder. Ich fragte den 51-jährigen Muotathaler an, und dieser willigte sofort ein. Ein Gespräch über seine Erinnerungen an Polo Hofer fand kürzlich bei Wysel zuhause statt, inmitten seiner Erinnerungsstücke.


Wysel Gwerder mit Erinnerungsstücken und Musik von Polo Hofer
Foto: feldwaldwiesenblogger

Welches ist deine erste Erinnerung an Polo Hofer?
Wysel Gwerder: Das war Mitte der 1970iger Jahre. Ich erinnere mich an einen Bericht über Rumpelstilz in der Jugendzeitschrift Pop/Rocky. 1976 habe ich Rumpelstilz anlässlich der FERA im Schweizer Fernsehen gesehen. Sie spielten den Song „Kiosk“. Später habe ich sie immer wieder im Radio DRS gehört.


Rumpelstilz mit „Kiosk“ an der FERA 1976
Quelle: YouTube

Welches war dein erstes Konzert von Polo, welches dein letztes? Wie viele waren es?
Wysel: Das erste Konzert war Mitte der 1980iger Jahre im Stadtkeller in Luzern, und zwar Polo mit der SchmetterBand. Das letzte Konzert war im Sommer 2015 in der Mühle Hunziken in Rubigen.
Ich besuchte insgesamt etwa 60 Konzerte von Hofer. Von Polo’s SchmetterDing habe ich ein Konzert miterlebt. Polo mit der SchmetterBand habe ich etwa 30 Mal live gesehen, mit Rumpelstilz und mit The Alpinistos je fünfmal. Zudem war ich an etwa 20 Konzerten von Polo und Band, welches seine letzte Besetzung war. Ein paar Mal sah ich Polo live bei anderweitigen Projekten.

Erzähle über deine Konzerterinnerungen an Polo!
Wysel: Da sind viele Erinnerungen vorhanden. Meistens war ich mit Kollegen aus dem Muotathal feuchtfröhlich unterwegs. Nicht selten hat uns Polo erblickt und die Delegation aus dem Muotatal speziell begrüsst. Am meisten habe ich Hofer im Stadtkeller live erlebt, nämlich etwa 20 Mal. Man stelle sich vor, der Entertainer spielte dort sage und schreibe 178 Konzerte.
1987 feierte das Mythencenter in Schwyz das 15 Jahr-Jubiläum. Es wurde ein Zelt aufgestellt und Polo trat dort auf. 1988 spielte der Berner Mundartrocker im Casino Schwyz. Bei diesem Konzert herrschte ein dichtes Gedränge und es wurde gehopst und getanzt. Irgendwann gaben zirka zehn Quadratmeter Boden vor der Bühne nach, und wir standen einen halben Meter tiefer… Das hätte schlimm enden können! Nach einem kurzen Unterbruch wurde das Konzert weitergeführt. Dies war unter anderem ein Grund für den Bau des Mythenforums.


Beim Konzert im Casino Schwyz 1988


Wysel (ganz rechts) traf nach dem Konzert im Casino Schwyz Polo
Fotos: Wysel Gwerder

Einmal fuhr ich an ein Konzert nach Biel an die EXPO 02. Ich hatte fünf Tickets und fragte sicher 15 Personen. Aber niemand hatte Zeit mitzukommen. So ging’s halt alleine an die Arteplage nach Biel und ich sah Polo live mit den Rumpelstilz, welche extra für die EXPO 02 ein einmaliges Reunion-Konzert spielten. Das Vorprogramm bestritten übrigens Patent Ochsner, welche live auch immer toll sind. Übrigens: Vor Ort gingen meine vier restlichen Tickets weg wie warme „Weggli“.


Rumpelstilz an der EXPO 02 (Konzertplakat)
Foto: feldwaldwiesenblogger

Für welches Polo Hofer-Konzert bist du am weitesten gereist?
Wysel: Das waren zwei Mittelmeer-Kreuzfahren mit der Rock & Blues-Cruise (2013 und 2016), wo Polo auftrat und zugleich als Musical Director amtete. 2013 waren auch die dustyboots mit von der Partie. Die Roadmusic-Band aus dem Muotatal wurde von Polo eingeladen.


Polo Hofer und Alex Gwerder von dustyboots (Rock & Blues-Cruise 2013)
Foto: Wysel Gwerder

Da Polo Mundartrock spielte, trat er natürlich meist nur in der Deutschschweiz auf. Einmal gingen wir zu Dritt nach Mürren zum Allmendhubel an ein Openair-Konzert von Rumpelstilz. Dies war in den 1990iger-Jahren. Als wir zu später Stunde nach Konzertende mit der Mürren-Stechelberg-Bahn hinunterwollten, war leider bereits Betriebsschluss. So mussten wir zu Fuss durch den Waldweg bis nach Lauterbrunnen. Der Fussmarsch dauerte gut zweieinhalb Stunden und danach fuhren wir noch ins heimische Muotathal zurück.


Openair-Konzert auf dem Allmendhubel in Mürren (in den 1990iger-Jahren)
Foto: Wysel Gwerder fotografierte das Konzertfoto im Restaurant Allmendhubel

Hat Polo auch mal im Muotatal gespielt?
Wysel: Ja, hat er. Er spielte anno 1988 auf der Muotathaler Alp Ober Gschwänd (Bödmeren-Gebiet). Ich habe dieses Konzert leider verpasst, da ich zu jener Zeit auf einer USA-Reise war. Auf Ober Gschwänd feierten einige Männer von der Familie Schuler aus Küssnacht zusammen mit ein paar Kollegen ihren 25. Geburtstag. An diesem Anlass entstand die legendäre „Geissbock-Story“, welche Polo anschliessend an etlichen Konzerten erzählte. Bei dieser Geschichte wurde dem Berner Rocker am frühen Morgen ein Geissbock in sein Zelt geschoben. Aber hört selber, wie Polo bei einem Konzert in der Mühle Hunziken (März 2015) die Begebenheit in allen Details erzählt:


Teil 1 der Geissbock-Story


Teil 2 der Geissbock-Story
Videos: Wysel Gwerder

Deine Lieblings-Alben und Lieblings-Songs von Polo?
Wysel: Einerseits ist das die LP von Rumpelstilz „Live im Atlantis, Basel“ (veröffentlicht 1977), welche inzwischen vergriffen ist. Dazu kann ich nur sagen: Eine Kultband in Höchstform. Andererseits erwähne ich die CD „Polo Hofer singt Bob Dylan 1981 – 2011“ (veröffentlicht 2011). Aus Rohdiamanten (was Dylan-Songs meistens sind) schuf Polo mit der Schweizer Musikelite Perlen.
Am stärksten fand ich Polo sowieso immer, wenn er die feinen Töne anschlug. In den Balladen „Rosemarie und i“, „Im letsche Tram“, „Di gfallene Ängel“, „Stilli Wasser“ und „Wen mys letsche Stündli schlat“ spüren wir das Herz und die Seele dieses Mannes.


Polo Hofer mit „Stilli Wasser“ (30.10.2015)
Quelle: YouTube

Was ist für dich der Reiz oder das Spezielle an Polo’s Musik?
Wysel: Er gab seinen Songs ein Lebensgefühl und vermittelte eine Sprache, die man verstand. Seine Musik begleitete mich durch die Jugend. Die Texte sind stets mit Deutungen und Fingerzeigen, und sagen mit wenigen Worten viel aus.


Quelle: songtexte.com


Quelle: songtexte.com

Polo ist der Begründer und der Vater des Berner Rock, seine Songs sind heute teilweise Volksgut. Alle, die nach ihm gekommen sind, hat er nachhaltig geprägt. Hofer hat wie kein anderer vor ihm die Mundart und die Rockmusik zusammengeführt. Polo hat Generationen in allen Sprachregionen der Schweiz gezeigt, wie viel Kraft und Poesie in der Berner Mundart steckt.

Bist du Polo auch persönlich begegnet?
Wysel: Da gab es einige Begegnungen und hie und da einen Schwatz. Polo hatte ein grosses Allgemeinwissen über fremde Länder und Kulturen. Als die Schweizer Fussballnationalmannschaft einmal in Irland spielte, traf ich ihn in Dublin in der Hotelbar an. Er war auch am Spiel, und wir unterhielten uns darüber. Meistens diskutierten wir aber über Musik, wo er über ein unglaubliches Wissen verfügte. Speziell über die amerikanische Südstaaten-Szene.


Wysel mit Polo bei der Rock & Blues-Cruise 2013
Foto: Wysel Gwerder

Wer war Polo?
Wysel: Polo war der geborene Entertainer, auf der Bühne war er zuhause. Auf dieser übte er gerne eine Hofnarren-Funktion aus. Der Berner war ein Geschichten- und Anekdotenerzähler, war schlagfertig und ein philosophischer Sprücheklopfer. Nachfolgend drei wunderbare Beispiele:

„Als ich klein war, sagte man mir, jeder könne Politiker werden.
Jetzt fange ich an, es zu glauben.“

„Lieber eine freie Marktwirtschaft als eine geschlossene Beiz.“

„Ich trinke erst wieder Milch, wenn die Kühe Trauben fressen.“

Privates gab er nur den Wenigsten preis. Polo war ein Nachtmensch, die besten Ideen kamen ihm stets um Mitternacht bei einem Glas Wein und einem Joint.

Was bleibt von Polo?
Wysel: Das sind in erster Linie sicher seine Musik mit mehr als dreissig veröffentlichten Alben, sowie seine fast dreitausend Live-Konzerte. Weiter fünfzig Jahre Chilbi und Party, welche halt nicht spurlos an ihm vorbeigingen. In Erinnerung werden auch seine Bilder bleiben, welche teilweise öffentlich sind. Zum Beispiel das Cover des ersten KROKUS-Albums. Der Berner bleibt einer breiten Bevölkerung als „Polo National“ in Erinnerung, da er öfters zu verschiedenen aktuellen Themen seine Meinung kundtat.


Polo enthüllte im Mai 2017 eine lebensgrosse Holzstatue seiner Person
Foto: blick.ch

Ich bedanke mich bei Wysel für die wirklich sehr interessanten Informationen, Ausführungen, Anekdoten, Bilder und Videos. Polo’s Erinnerungen bleiben uns dank Fans wie dem Muotathaler erhalten, und in seinem Erbe, der Musik lebt er sowieso weiter. Als Anlehnung an Polo’s Todesanzeige sagte Wysel am Ende des längeren Gespräches: „Tschou Polo, äs isch schön gsi!“

feldwaldwiesenblogger

Bad Sin – Die ultimative Rock’n’Roll-Band aus dem Muotatal

Am 19. Januar, einem Donnerstagabend, stattete ich der Muotathaler Rock’n’Roll-Band Bad Sin einen Besuch ab. In ihrem gemütlichen „Rümli“, wie sie ihren Proberaum fast liebevoll nennen, setzten wir uns auf die gemütliche Couch. Bei einem Bierchen erzählten mir die vier Jungs von ihrer Band, ihre Vorgeschichten und was alles rund um ihre „Böse Sünde“ abläuft.

Bad Sin wurde 2015 gegründet. Drei der vier Mitglieder proben aber schon seit 2002 gemeinsam im „Rümli“, vorher als Asskick und The Sinalcos. Wer aber spielt alles bei Bad Sin?

Sandro „Blundi“ Ablondi: Der 36-Jährige Muotathaler ist Leadsänger und Gitarrist von Bad Sin. Blundi erlernte den Beruf eines Maurers und arbeitet mittlerweile bei der Inderbitzin AG. Er sagt von sich, dass er nicht geschieden und nicht verheiratet sei. Blundis musikalische Laufbahn begann bei den Lumber Jack, zusammen mit Urs Imhof, Sandro Imhof und Marco Suter. Blundi dazu: „An einer Hinterthaler Chilbi spielten wir mal ein Konzert.“ Später kam die Band Morsachum hinzu, und irgendwann No Class, wo er heute noch spielt. Dann wurde aus Morsachum die Band Asskick. Nachdem Asskick Geschichte war, folgte The Sinalcos, die Vorgängerband von Bad Sin.

Beat Immoos: Der aus Morschach stammende Lead-Gitarrist ist 38-jährig und absolvierte eine Lehre als Elektromonteur. Beat arbeitet schon seit gut 16 Jahren bei der Firma Späni Zentralstaubsauger. Seine musikalischen Aktivitäten startete er um das Jahr 1995 bei Morsachum. Nach Morsachum kam Asskick. Später spielte Beat auch bei Beny Beny and the Loosers, Dirty Beats, Krolok, Five and half Thumbs und The Sinalcos. Zwischendurch betätigte er bei Five and half Thumbs auch den Bass. Inzwischen ist der Elektromonteur wieder an der Gitarre: „Back to the roots“, wie er dazu meint. Übrigens: Mit Blundi macht Beat schon seit etwa 20 Jahren gemeinsam Musik.

Sandro Köchli: Der Drummer ist der jüngste der Band, Muotathaler, 30-jährig und ausgedienter Zivilschützler. Köchli ist verheiratet und wird im kommenden April bereits zum dritten Mal Vater. Der gelernte Maurer arbeitet heute in einer Zimmerei. Den musikalischen Start erlebte Köchli im zarten Alter von 12 Jahren mit Entrails, bei welchen er mit Marcel Betschart, Carlo Gwerder und Jörg Gwerder musizierte. Im April 2000 kam der Schlagzeuger als 13-Jähriger zu Asskick. Beat: „Mit Sandro kam der Schnitt und wir machten aus Morsachum Asskick“. Mit Beat und Blundi macht Köchli bereits um die 17 Jahre Musik.

Heiner „Ozzy“ Suter: Der 33-jährige Illgauer zupft den Bass und ist für die Backing Vocals zuständig. Ozzy ist geschieden, hat zwei Kinder und ist von Beruf Treuhänder. Er begann seine musikalische Laufbahn bei der Illgauer Rockband Craft, welche sich inzwischen in Greatdane umbenannt hat. Nebst Greatdane spielt Ozzy auch noch bei Easy Daisy, bei welchen auch Köchli und Blundi dabei sind. Köchli ergänzt: „Unser aller erster gemeinsamer Auftritt spielten Ozzy und ich bereits in ganz jungen Jahren. Und zwar bei einem Konzert der Musikschule Muotathal-Illgau.“

Die Mitglieder von Bad Sin erklärten, dass sie einmal pro Woche jeweils an einem Dienstagabend proben. Letztes Jahr spielten sie neun Auftritte, insgesamt waren es bisher um die 20 Auftritte.

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Bad Sin auf dem Sofa: Blundi, Köchli, Beat und Ozzy (von links nach rechts)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie kam es zur Gründung von Bad Sin?
Blundi: Mit The Sinalcos machten Beat, Köchli und ich zu dritt Musik. Ich sagte zu Beat schon lange, dass er wieder an die Lead-Gitarre soll. Eigentlich ist das wie Perle vor die Säue geworfen, wenn er Bass spielt. Uns war dann klar, dass wir einen Bassisten brauchen. Ich hatte schon von Anfang an einen im Kopf, und das war Ozzy. Der perfekte Mann für uns.
Beat: Nebenher lief sowieso das Projekt Easy Daisy. Deshalb kannten Köchli und Blundi Ozzy bereits. The Sinalcos gibt es nun nicht mehr. Aus dieser Formation entstand zusammen mit dem Illgauer Bad Sin.
Köchli: Als wir Ozzy anfragten, sagte er eigentlich sofort zu. Dann kam das Ganze ins Rollen, und wir starteten im Frühling 2015 mit den Proben. Das „Sahli Rock“ 2015 war unser erstes Konzert als Bad Sin.
Blundi: Als wir zu proben begannen, hatten wir es sehr lustig miteinander.
Beat: Es ist zwar schön, im Trio zu musizieren. Man ist aber auch eingeschränkt bei den Songs, die man spielen kann. Zudem klingen die Songs im Quartett einfach voller. Mit Ozzy haben wir eine weitere Möglichkeit, welche wir bisher nicht hatten: Background-Gesang.

Wo seht ihr eure Einflüsse?
Köchli: Zu diesen gehören AC/DC, Rose Tattoo, Status Quo, Chuck Berry, CCR, Johnny Winter oder Motörhead.
Beat: Rock aus den 1970iger-Jahren beeinflusste uns sehr. Weiter auch viele gute Klassiker der Rockgeschichte, wie von den Black Sabbath oder Led Zeppelin.

Von welchen Bands spielt ihr „Covers“?
Beat: Wir versuchen tolle Covers von nicht unbedingt bekannten Songs im Programm zu haben. Übrigens: Mit Bad Sin spielen wir nicht die gleichen Songs wie bei The Sinalcos. Ins Repertoire wurden neue Songs aufgenommen.
Ozzy: Es handelt sich dabei um Covers von Rose Tattoo, AC/DC, Status Quo, Rolling Stones, CCR, The Faces oder Aerosmith.
Blundi: In unserem Programm sind natürlich Songs von Bands, von welchen wir beeinflusst wurden. Bei uns kann jeder Songvorschläge bringen. Wir spielen im Proberaum die Songs an, und wenn sie allen gefallen, nehmen wir sie ins Repertoire auf.
Beat: Viele Bands, welche uns beeinflussten, und von welchen wir Covers nachspielen, sind zugleich unsere Lieblingsbands.

Wie sieht es mit Eigenkompositionen aus?
Köchli: Im jetzigen Repertoire befinden sich bereits drei Eigenkompositionen, welche wir mittlerweile regelmässig live spielen.
Blundi: Der Stil ist wie gehabt Rock’n’Roll, so wie ihn heutzutage nicht mehr viele bringen. Wie der Rock’n’Roll früher war, ohne grossen Schnickschnack. Zudem sind wir an weiteren eigenen Songs dran.
Beat: Blundi kommt mit den Ideen. Wir beide sitzen zusammen und arrangieren diese. Er schreibt auch die Texte, welche in Englisch verfasst sind.
Blundi: Es ist schon viel wert, wenn die Gitarristen wissen, was sie spielen sollen. Und: Bisher war es bei jeder neuen Song-Idee so, dass der Bassist und der Drummer so spielten, wie ich es mir vorgestellt habe.
Ozzy: Lange darüber diskutiert haben wir bisher noch nie. Wir spielten diese Songs einfach.

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Bad Sin an ihren Instrumenten
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was für Ambitionen hegt ihr, oder anders gefragt: Verfolgt ihr gesteckte Ziele?
Beat: Nein, nicht mehr. Früher hätte man vielleicht mehr Ambitionen gehabt.
Blundi: Wir tun es aus Spass. Darum fühlt es sich auch so gut an, weil wir nichts müssen. Ziel ist es, gute Shows zu spielen.
Köchli: Wir wollen nichts erzwingen. Schön ist es, wenn es bei den Auftritten etwas zu essen gibt. Das ist gewöhnlich die erste Frage von Ozzy.
Ozzy: Ich möchte einfach den Plausch haben. Wir proben auch nicht stur, manchmal ist es mehr ein „jammen“.

Ist gar eine CD im Gespräch?
Ozzy: Ich sehe es als Fernziel.
Blundi: Ich denke, wenn wir einige Eigenkompositionen beisammenhaben, möchten wir sie sicher aufnehmen. So eine CD würde nur eigene Songs beinhalten. Wir sind nämlich nicht KROKUS!
Beat: KROKUS haben Coverversionen auf ihrem neusten Tonträger verewigt, die man gar nicht besser als das Original spielen kann. Wenn wir Covers ins Programm aufnehmen, schauen wir oft darauf, dass diese eher die „B-Seiten“ von bekannten Singles waren.

Im Raum Schwyz habt ihr einen exzellenten Ruf als Rock’n’Roll-Band. Wie weit kennt man euch inzwischen?
Ozzy: Wie weit geht der Raum Schwyz?
Köchli: Wir spielten bisher im Raum Schwyz, Einsiedeln und in Ausserschwyz auf.
Beat: Für dieses Jahr erhielten wir auch Anfragen für Sennwald SG oder Bubendorf BL. Hinter der Anfrage von Bubendort steckt Cello Hertner, der Tastenmann von dustyboots. Aber wir müssen natürlich darauf schauen, ob die Termine allen passen.
Blundi: Letztes Jahr spielte ich insgesamt 42 Konzerte, sehr viele mit No Class. Aber die Termine liessen sich immer gut vereinbaren, auch mit Bad Sin. Diesen Umstand verdanke ich meiner übersichtlichen „Analog-Agenda“.

Wo sieht man euch dieses Jahr live?
Köchli: Den ersten Auftritt des Jahres spielten wir bereits am 14. Januar im Bastards Place. Der nächste Termin ist das Handballfest vom KTV Muotathal am 25. März.
Beat: Beim Grümpi in Muotathal sind wir gebucht, weiter bei den Einsiedler Musiktagen. Offen ist die bereits angesprochene Anfrage betreffs Sennwald und eine für November im Zürich-Oberland.
Blundi: Wenn ich mit den No Class unterwegs bin, rühre ich für Bad Sin stets auch die Werbetrommel.
Ozzy: Die Anfragen kommen meistens über unsere Facebook-Seite rein. Diese Seite hat Beat in Betrieb genommen, und unterhält sie auch.
Beat: Eine Facebook-Seite ist sehr praktisch, und sie kann einfach auf dem neusten Stand gehalten werden. Eine Homepage zu betreiben ist so eigentlich gar nicht nötig. Auf Facebook sehen nämlich relativ viele Leute, was läuft.

Wie bereitet ihr euch jeweils auf ein Konzert vor?
Beat: Mental, jeder auf seine Weise. Einige sind schon ein wenig nervös vor einem Gig.
Blundi: Vor einem Konzert spielen wir in einer Probe nochmals alles durch. Kurz vor dem Auftritt trinken wir zusammen ein Bier, und erzählen uns schmutzige Witze.

Lebt ihr eigentlich ein Rock’n’Roller-Leben, gemäss dem Motto „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“?
Alle lachen.
Blundi: Ja!
Köchli: Das kann man schon sagen!
Ozzy: Der Sex dürfte noch mehr sein!
Beat: Heutzutage heisst das „Kuschelsex, Laktoseintoleranz und Helene Fischer“!

Was denkt ihr über das aktuelle Musikgeschehen hier im Raum Schwyz?
Köchli: Es hat einige gute Bands, schon immer gehabt. Kanton Schwyz rockt – der Rock’n’Roll boomt hier einfach! Wir erlebten das im vergangenen Dezember beim Konzert im Gaswerk.
Ozzy: Muotathal, Illgau – da geht einiges an Musik ab. Auch mit jungen Bands. Wenn es nur überall so wie bei uns wäre.
Beat: Auch in Gersau oder Einsiedeln hat es eine lebendige Musikszene.

Wie sieht das in der übrigen Schweiz aus?
Blundi: Ich durfte schon einige Auftritte erleben, auch mit No Class. Aber die Stimmung ist nirgends so wie bei uns im Muotatal, wo das noch richtig zelebriert wird. Keinem ist es hier in den Kopf gestiegen und man kann sich praktisch mit allen unterhalten. Auswärtige Bands spielen einfach anders, moderner. Wenn du hier Rock’n’Roll spielst, wissen die Leute, wie es klingen muss. Das ist auswärts einfach anders.
Köchli: Es ist das Muotatal selber, es ist nicht mal Schwyz. Hier ist es einfach speziell, mit dem rauen Sound.
Ozzy: Eine so tolle Stimmung an Konzerten wie im Bastards Place oder früher in der Vorhöll triffst du fast nirgends an.
Beat: Wir traten vor einigen Jahren mit The Sinalcos als Vorband von den Backstreet Girls in der Vorhöll auf. Das war schon spitze!

Was wünscht ihr Euch für dieses Jahr?
Blundi: Ein neues Velo! (Alle lachen)
Köchli: Das Ziel wäre, den Proberaum ein wenig zu renovieren. Ein neuer Boden samt neuem Teppich wäre schön. Wenn dieser Boden sprechen könnte, wüsste er einiges zu erzählen…

bad-sin-live
Bad Sin live im Gaswerk in Seewen SZ (17. Dezember 2016)
Bildquelle: schulerfotos.ch

Auf der bandeigenen Facebook-Seite beschreibt sich Bad Sin so: „Rock’n’Roll ehrlich und laut, mal lustig mal versaut, und durstig wenn’s haut!“ Beim Interview sprachen die vier lustigen und durstigen Rock’n’Roller oft ihren Proberaum an. Hier haben sie gewissermassen ihr zweites Zuhause. Nebst den Proben gehört auch das Gesellige dazu. Zudem hatten sie schon etliche Male Besuch. So fand 2007 im „Rümli“ eine legendäre Jamsession mit einem Rose Tattoo-Gitarristen statt. Die australischen Rocker spielten damals in der Konzerthütte hinter dem Restaurant Alpenrösli. Die musikalische Party ging dann im Proberaum weiter, bis ihnen die Vermieterin den Strom abdrehte. Blundi dazu: „Aber ansonsten haben wir es sehr gut mit unserer Hausmeisterin. Mit ihr haben wir ein gutes Los gezogen! Sie hatte es sicher nicht immer einfach mit uns. Wir haben uns aber etwas gebessert.“
Nebst der erwähnten Jamsession waren auch schon die Backstreet Girls, eine Rockband aus Oslo, im Proberaum. Die Norweger spielten tags darauf in der Vorhöll.
Beat ergänzt: „Es wurden schon einige Feste hier unten gefeiert. Einst waren unsere Proben wie kleine Konzerte, und es befanden sich fast jedes Mal um die zehn Zuschauer oder gar mehr im Rümli.“ Köchli lud gar dereinst zum Polterabend. Der Proberaum wüsste also einige Geschichten zu erzählen.
„Mit Krolok spielten wir hier unser letztes Konzert. Damals wurden 43 Personen hier drin gezählt“, rundet Köchli dieses Thema ab.

Ich bedanke mich bei Bad Sin für das Gespräch, bei welchem sehr viel gelacht wurde, und wünsche ihnen für ihren weiteren Weg alles Gute. Zum Schluss des Interviews meinte Blundi: „Jetzt trinken wir noch ein Bier!“ In dem Sinne: Prost zusammen!

feldwaldwiesenblogger