Interview mit dem Dudelsack-Spieler Rolf Heinzer: Er trat im Sommer beim Tattoo im kanadischen Halifax auf

Rolf Heinzer ist ein leidenschaftlicher Dudelsack-Spieler und Schottland-Fan. Er spielt dieses nicht einfach zu handhabende Instrument in einer Formation, welche sich „Lucerne Caledonians“ nennt. Der Muotathaler nahm schon an einigen Tattoos teil, darunter dreimal beim Basel Tattoo. Diesen Sommer reiste er nach Kanada, und trat beim Tattoo in Halifax auf. Dieses Tattoo gibt es inzwischen seit 1979.
Das Tattoo in Halifax und die damit verbundenen Auftritte nahm ich zum Anlass, mit Rolf ein Interview zu führen.

beim interview
Rolf Heinzer, leidenschaftlicher Dudelsack-Spieler
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Mit welcher Formation warst du in Halifax?
Mit den „Swiss Highlanders“, einer zusammengewürfelten Formation von 18 verschiedenen Einzelspielern, welche alle irgendwo in einer Schweizer (und einige wenige in einer deutschen) Band sind. Die „Swiss Highlanders“ kommen nur für die grossen Tattoos zusammen. Mit dieser Formation habe ich schon dreimal beim Basel Tattoo gespielt. Wir traten des Weiteren in Hamburg, Berlin und Barcelona auf. Unser Heim-Tattoo ist dasjenige in Basel. Im Herbst entscheiden wir jeweils, welches Tattoo wir nächstes Jahr machen. Das hängt auch davon ab, von wo wir Einladungen erhalten.

Wie heisst das Tattoo in Halifax genau und wie lange dauerte der Anlass?
Der volle Name lautet „Royal Nova Scotia International Tattoo“. Der Anlass dauerte neun Tage. Wir reisten fünf Tage vorher an, um zu proben.

Was muss man sich unter diesem Tattoo vorstellen?
Das Royal Nova Scotia International Tattoo ist weltweit das grösste Indoor-Tattoo, und wird in einer Eishockey-Arena durchgeführt. Der Ablauf mit den verschiedenen Formationen ähnelt demjenigen in Basel. Neben uns nahmen Formationen aus Kanada, USA, Deutschland und Kenia teil.
Dieses Tattoo unterscheidet sich insofern von anderen, weil es kanadisch-amerikanisch geprägt ist. Sie sagen dem „fast-paced“ (rasant, schnelllebig). Es ist eine schnelle Show, ohne sogenannte Show-Stoppers (Unterbrüche). Zudem ist das ganze ziemlich patriotisch aufgebaut. Kanada steht über allem. Während dem Tattoo findet am 1. Juli der Canada Day, der Nationalfeiertag, statt. Sie feiern ihr Kanada und ihre Royal Canadian Mounted Police (die königliche kanadische berittene Polizei).

Ist dieser Anlass vergleichbar mit dem Royal Edinburgh Military Tattoo oder dem Basel Tattoo?
Es ist nach Edinburgh und Basel das drittgrösste Tattoo der Welt. Der Anlass ist vergleichbar mit den beiden Tattoos. In Basel spielten wir jeweils zwei grosse Blöcke. In Halifax spielten wir fünf relativ kleine Blöcke, welche jeweils etwa sieben Minuten dauerten.

Wer machte beim Tattoo in Halifax mit?
Mitgemacht haben nebst den Dudelsack-Spielern noch weitere zehn Formationen. Formationen aus Kanada, das Heeres-Musikkorps Koblenz aus Deutschland und aus den USA die Musik der Royal Air Force. Dann Kunstturn-Formationen aus Kenia und Deutschland, sowie Tänzerinnen. Die Dudelsack-Spieler bestanden mehrheitlich aus Kanadiern, einer Formation aus Neuseeland und uns. Das ergab zusammen etwa 120 Dudelsack-Spieler. Alles in allem waren fast 1000 Mitwirkende dabei.

Wie liefen die Proben ab?
Für die Militärmusiken gibt es einen zuständigen Verantwortlichen. Ebenso einen für uns Dudelsackspieler, den man Pipe Major nennt. Der Pipe Major schreibt meist selber die Noten, instruiert im Vorfeld alle Dudelsackformationen und leitete vor Ort auch die Proben. Bei den Proben wurden vor allem die Choreographien einstudiert, welche die Organisatoren schon vorbereitet hatten. Der Produzent hat ein bestimmtes Sujet im Kopf, welches eingeübt wird.
Die Proben waren streng. Sie dauerten gewöhnlich von 9 Uhr bis abends 22 oder 23 Uhr. Je nachdem, wie der Produzent zufrieden ist. Nach den fünf Probetagen muss einfach alles stimmen. Jeder muss an die richtigen Orte laufen, die Übergänge müssen stimmen. Es darf keine Show-Stoppers geben. Am Schluss gab es einen Durchgang ohne und mit Uniform, weiter eine Hauptprobe mit Publikum. Dabei muss man sich viele Details merken können. Dies macht es nebst dem Spielen zu einer richtigen Herausforderung.
Die Noten der Musikstücke haben wir ein halbes Jahr vorher bekommen. Du hast Zeit, um das einzustudieren. Dazu gab es gemeinsame Übungseinheiten und sogenannte Drill-Weekends mit intensiven Proben.

vor einem auftritt in halifax
Rolf Heinzer vor einem Auftritt in Halifax
Bildquelle: Rolf Heinzer

Wie viele Auftritte habt ihr absolviert? Wie sah diese Zeit für euch aus?
Pro Tag spielten wir einen Auftritt in der Arena. Showbeginn war um 19 Uhr. Wir fanden uns jeweils um 16 Uhr ein, um uns anzukleiden und einzuspielen. Insgesamt fanden neun Vorstellungen mit je 8000 Zuschauern statt.
Von den Organisatoren wurden wir zu zusätzlichen Auftritten eingespannt. Zweimal spielten wir in der Stadt zu Promotionszwecken. Am Canada Day nahmen wir an einer Tattoo-Parade durch die Stadt teil. Einmal gab es ein Treffen mit dem Honorarkonsul, welcher extra von Montreal anreiste. Ein einziges Mal konnten wir einen Ausflug machen. Sonst hatten wir eigentlich fast keine freie Zeit.
Beim Tattoo traten die Dudelsackspieler jeweils als eine Formation auf. Mit unserer Formation „Swiss Highlanders“ bestritten wir Einzelauftritte an den verschiedenen Plätzen in der Stadt.

Wie muss man sich das vorstellen: Sind solche Anlässe streng für die Beteiligten? Herrscht gewissermassen ein wenig der militärische Drill vor, gar eine Kasernierung?
In Edinburgh ist es schon ziemlich streng, in Basel und Halifax ist es hingegen lockerer. Wir waren in einer Universität untergebracht, welche relativ weit abseits der Stadt gelegen ist. Da gab es weit und breit kein Restaurant, um zwischendurch ein Bier trinken zu gehen. Daher kann man schon von einer Art „Kasernierung“ sprechen.
Die Organisatoren sind zuständig für die Logistik, die Transporte, Verpflegung und die Betreuung in der Arena. Es gibt einen klaren Zeitplan, zwischendurch hat man einige wenige Freiräume.

Wie war die Stimmung innerhalb eurer Formation und an den Auftritten?
Wir hatten es untereinander sehr gut. Es war gewissermassen wie eine Teambildungsmassnahme. Was ein wenig die Stimmung trübte, war das Transportwesen, welches nicht einwandfrei funktionierte. Zur Show wurden wir immer rechtzeitig gebracht. Für den Rücktransport war meist kein Bus da, und wir warteten bis eine Stunde. Man ist nach der Show, also etwa um 24 Uhr, ziemlich kaputt und möchte zurück in die Unterkunft und raus aus der Uniform. Es wurde dann mit Taxis oder Kleinbussen improvisiert.
Die Organisatoren haben uns sehr viel eingesetzt. Wir hätten uns alle mehr Freiräume erwartet, um auch etwas anschauen zu können. Von der Stadt Halifax bekamen wir in den zwei Wochen wenig zu sehen.
Die Stimmung an den Auftritten war sehr gut. Die Leute sind extrem begeisterungsfähig. Sie kommen sehr aus sich heraus, vor allem weil das Ganze patriotisch aufgebaut ist. Sie haben auch keine Skrupel, zu ihrem Patriotismus zu stehen. Da wurde inbrünstig mitgesungen und man spürte, dass für sie Kanada ein und alles ist. Man stellte aber auch fest, dass sie nach wie vor einen grossen Bezug zu ihren schottischen Wurzeln haben.
Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia (Neuschottland), welche ab dem Mittelalter von schottischen Einwanderern besiedelt wurde. Diese gründeten verschiedene Ortschaften mit Namen, wie man sie auch in Schottland findet.

Was war dein persönlicher Höhepunkt in Halifax?
Mein persönlicher Höhepunkt war die Parade durch die Stadt. Es waren viele Leute anwesend und zudem feierten sie just ihren Nationalfeiertag. Wir liefen eine schöne Route durch Halifax und es herrschte schönes Wetter vor. Die Zuschauer machten mit und waren begeistert.

War Halifax bisher der Höhepunkt in deiner Karriere als Dudelsack-Spieler?
Nein, für mich ist weiterhin das Basel Tattoo das Highlight. Das sagten auch meine Kollegen. Wir werden 2017 ein kleineres Tattoo in Nordeuropa bestreiten und dann 2018 voraussichtlich am Basel Tattoo unser 10-jähriges Jubiläum feiern. Dort ist aus Sicht der Akteure einfach alles perfekt organisiert: Von der Logistik, über die Verpflegung und Unterkunft, bis hin zur Betreuung. Auch wie alles aufgegleist ist und der Zeitplan eingehalten wird. An diesem Anlass misst man halt auch die anderen.

Wie lange spielst du eigentlich schon Dudelsack? Wie kamst du dazu?
Es sind mittlerweile 20 Jahre, ich habe 1996 damit begonnen.
1996 war die Fussball-EM in England, welche ich auch besuchte. In Birmingham gingen wir vor einem Spiel in die Stadt, wo sich Tausende von Schotten und Hunderte von Dudelsackspielern befanden. Dies hat mich richtiggehend elektrisiert. Ein gutes Jahr später fand ich einen Lehrer in Luzern, welcher mir die ersten Schritte beim Dudelsack-Spiel beibrachte.

Wie lange dauert es eigentlich, bis man einigermassen einen Dudelsack spielen kann?
Ein durchschnittlich begabter Spieler braucht etwa anderthalb Jahre, bis er einen anständigen Ton dem Instrument entlocken kann. Weiter benötigt es ein weiteres Jahr, damit man etwas spielen kann, was nach Musik klingt.

bei einem auftritt beim basel tattoo
Rolf Heinzer bei einem Auftritt beim Basel Tattoo
Bildquelle: Rolf Heinzer

Rolf erklärte zum Schluss des Gesprächs, dass für eine Teilnahme an einem Tattoo gute Kenntnisse der englischen Sprache fast Voraussetzung sind. Die Instruktionen und Befehle sind in Englisch und ein grosser Teil der Teilnehmer spricht von zuhause aus Englisch. Der Bezug zu Schottland ist schon rein sprachlich gegeben.

Ein Dudelsack-Spieler frönt diesem Instrument, weil er meist auch ein grosser Fan von Schottland und seinen Bräuchen ist. Es ist gewissermassen ein Paket, auf das man sich einlässt: Nebst dem Erlernen des Instrumentes lernt man viel von der Kultur dieses wunderschönen Landes. Hierzulande spielen einige Leute Dudelsack. Den zündenden Funken dazu haben sie, wie Rolf, vielfach in Schottland oder England erlebt.

Ich bedanke mich bei Rolf für das sehr interessante und ausführliche Gespräch, bei welchem ich einige Wissenslücken schliessen konnte!

feldwaldwiesenblogger

„Die Muotathaler Volksmusik – von urchig bis konzertant“ – Teil 2 des Werdeganges für den Muotathaler „Zirk“

Am 30. März schaltete ich den Blogbeitrag „Die Veröffentlichung des neuen Schwyzer Heftes „Innerschwyzer Volksmusik“ erfolgt am 17. April“ online. Darin berichtete ich, dass ich für die Juli-Ausgabe des „Muotathaler Zirkes“ einen Beitrag über das Schwyzer Heft und das von mir verfasste Muotathaler-Kapitel schreiben darf. Im ersten Teil des „Werdeganges“ widmete ich mich der Vorgeschichte dieses Projektes, und berichtete über die ersten Interviews. Weiter über die viele Kleinarbeit, die dahinter steckt und einige ganz wichtige Bezugsquelle: balbuluz.blogspot.ch, den Blog von Lukas Stammler.

Im Teil 2 stellte ich eine Zusammenfassung des Textes zusammen und zitiere darin Auszüge des Muotathaler Teiles. Die volksmusikalische Reise führt uns dabei von den ersten Musikinstrumenten und die Ursprünge der instrumentalen Volksmusik im Muotatal bis zu der Ländlermusik in der heutigen Zeit.

bild innerschwyzer volksmusik
„Innerschwyzer Volksmusik“ ist nun erhältlich
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Erste Musikinstrumente und die Ursprünge der instrumentalen Volksmusik im Muotatal
In diversen Kapiteln versuchte ich unserer instrumentalen Volksmusik auf die Spur zu kommen. Dazu schrieb ich: „Wie unsere Vorfahren zur Volksmusik kamen, ist leider nicht überliefert. Allerdings entwickelte sich in dem abgeschiedenen Tal schon früh eine grosse Vielfalt an Melodien. Diese konnten sich durch das in der Bevölkerung ausgeprägte Festhalten am Überlieferten bis in die heutige Zeit halten.“ Bei archäologischen Grabungen sind in der Gemeinde Illgau Reste von Maultrommeln (Trümpi) zum Vorschein gekommen. Sie werden ins 12. bis 14. Jahrhundert datiert. Während Alphörner für das Muotatal bis heute untypisch blieben, lässt sicher der Büchel bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.
Bevor das Schwyzerörgeli die Volksmusik „eroberte“, wurden die überlieferten Melodien mit Streichinstrumenten (vor allem Geige, Bassgeige und Zither), mit Blasinstrumenten (Klarinette und Trompete) sowie mit Muulörgeli und Trümpi gespielt. Dabei wurde und wird im Muotathal sehr vielseitig musiziert. Nebst den bereits erwähnten Instrumenten werden das Klavier, Schwegelpfeife und Flöte, sowie Büchel und Chlefeli in unserer Volksmusik eingesetzt. Einige der genannten Instrumente werden heutzutage leider nur noch ganz selten gespielt.

Musikanten im Restaurant Schäfli
Musikanten im Restaurant „Schäfli“ um 1920
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Die ersten Schwyzerörgeli im Muotatal
Um die Jahrhundertwende kamen die ersten Schwyzerörgeli ins Tal. Zu den Pionieren in unserer Gegend werden Alois Suter (Dr Lisäbethler), Melchior Anton Langenegger (Dr Egg-Basch) und Franz Betschart (Dr Liäneler) gezählt. Um 1920 kam auch im Muotatal die chromatische Handorgel auf. Zu den ganz wichtigen frühen Schwyzerörgeli- und Handorgel-Spielern zählt man Leo Schelbert (Tönis), Franz Schmidig senior (Lunnis), Anton Betschart (Jakä), Fredy Zwimpfer, Josef Ehrler (Schinäler), Zeno Rickenbacher (Zenäli), Adolf Schelbert (Rösslis), Georg-Anton Langenegger (Egg-Baschä), Emil Schelbert (Jörätönuls), Bernhardin Schmidig (Lunnis), Willy Suter (Stützlers), Paul Betschart (Zinglä Gändler), Josef Ablondi (Blundis) und Stefan Suter (Stützlers).

Rees Gwerder, Bisisthaler und Hüritaler Musikanten
Einer der wichtigsten und bedeutensten Schwyzerörgler war Rees Gwerder (Eigälers). Er wurde 1911 in Muotathal geboren. Schon als fünf-Jähriger begann er, die ersten Stücke auf dem Schwyzerörgeli seines Vaters zu spielen. Als 15-Jähriger verfügte er bereits über einen Stock von 100 Melodien. Kurz bevor Rees in die Rekrutenschule einruckte, kaufte er sich zum damals hohen Preis von 430 Franken die erste Eichhorn-Schwyzerorgel. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zog Rees Gwerder von Muotathal nach Arth.
Einer der wohl bekanntesten Bisistaler Musikanten der alten Zeit war Paul Suter (Fruttlers), welcher öfters mit Rees Gwerder zusammenspielte. Weitere Bisisthaler Musikanten sind Theres Ulrich-Betschart (Wildä, Schwyzer Zither), ab der Windegg die beiden Brüder Oswald und Franz Föhn (Föhnä, Handorgel). Ebenfalls ab der Windegg stammte Alois Schmidig, ein bekannter und äusserst talentierter Klavierspieler. Griti Ulrich-Gwerder und ihr Mann Paul Ulrich gründeten Mitte der 1970er-Jahre die „Husmusig Famile Ulrich“. Sehr bekannt war ebenfalls das „Echo vom Pfannenstock“ vom Schwarzenbach im Bisistal.
Das Hürital war früher lange Zeit eine Musikantenhochburg: Anton Betschart (Jakä), Rees Gwerder (Eigälers), Josef Imhof (Predägers), Franz Anton Suter (Gross Schnäpf) und nicht zuletzt die Famile von „Gigers“ (Betschart) wohnten dort.

Die ersten Ländlerkapellen und der Muotathaler Ländlermusik-Stil
Die 1960 gegründete „Kapelle Zwimpfer-Suter“ war gewissermassen die erste Ländlerkapelle im Muotatal. Ihr folgte 1962 die „Tanzkapelle“ Suter-Föhn“. Später kamen mit „Schmidig-Gisler“, „Schmidig-Valotti“, das „Echo vom Klingenstock“ und der „Kapelle Kari Suter“ weitere Ländlerkapellen hinzu.
Den Muotathaler Stil als solches gibt es nicht, er ist ein Teil des Innerschweizer Stils. Trotzdem kann die Art des Musizierens unserer Vorfahren als sehr lebhaft bezeichnet werden. Sie kombinierten oft alte Tänze mit eigenen „Teili“ oder ersetzten sie und schon entstand gewissermassen fast ein neues Stück. Statt komponiert ist früher vielfach kombiniert worden. Das ist heutzutage ein wenig anders. Da viele Tänze geschrieben und auf Tonträger verewigt sind, kann dies zu Kritik führen, wenn ein Stück nicht so gespielt wird, wie es sich der Komponist erdacht hat.

kapelle zwimpfer-suter
Kapelle „Zwimpfer-Suter“
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Komponisten und Kompositionen
Die bekanntesten Muotataler Komponisten sind Leo Schelbert (Tönis), Franz Schmidig senior (Lunnis), Fredy Zwimpfer, Josef Heinzer (Schründler) und Anton Betschart (Jakä). Sie schrieben Kompositionen, welche überlebt haben. Franz Schmidig junior (Lunnis) und Kari Suter (Länzä) zählen zur jüngeren Generation der Muotathaler Komponisten. Beide sind heute noch aktiv.
Die bekannteste Muotathaler Komposition ist auch eine sogenannte „Kombination“. Xaver Schmidig (Lunniwisels), von Beruf Küfer, war Klarinettist und spielte seinerzeit in der Feldmusik eine Melodie, deren Ursprung ein Bayrischer Fanfarenmarsch war. Man nannte dieses Tänzli in der Folge „ds Chüäfers Tanz“ oder später „dr Chüäfer“, bis Fredy Zwimpfer daraus „dr urchig Muotithaler“ machte und mit ihm grosse Erfolge feiern durfte.

Wichtige Muotathaler Volksmusikanten von heute und aktuell aktive Formationen
Zu den heute wichtigsten Volksmusikanten zählt man die Handorgelspieler Franz Schmidig junior (Lunnis), Robert Suter (Nüschälis), Franz Föhn (Föhnä), Friedel Herger, Roman Schmidig, Urs Zehnder, den Klarinettisten Kari Suter (Länzä) und den Muulörgler Werner Schelbert (Seppälers). Diese Musikanten spielen ihre teilweise selber komponierten Tänze mit viel Können sowie einer sauberen Spielweise und hauchen auch den alten Kompositionen neues Leben ein.
Zu den aktiven Formationen gehören das seit rund fünf Jahrzehnten bestehende „Schwyzerörgeli-Duo Schelbert-Marty“. Weiter „ds’Jakä Buäbä“, die „Familienkapelle Schmidig“ vom Ried-Muotathal, die „Kapelle Domini Steiner“, das „Schwyzerörgeli-Duo Echo vom Schattenhalb“, das „Handorgel-Duo Schmidig-Zehnder, „d’Sunnämusig“, das „Handorgel-Duo Bürgler Herger“, das „Ländlertrio Ablondi-Gwerder“, das „Handorgel-Duo Franz Schmidig (junior)-Robert Suter“, das „Handorgel-Duo Suter Föhn“, das „Handorgel-Duo Patrick Suter-Urs Zehnder“, das „Handorgel-Duo Markus Betschart-Robert Suter“, und das „Schwyzerörgeli-Duo Büchel-Stammler“.
Das „Schwyzerörgeli-Duo Echo vom Hüribachtobel“ ist eine Jungformation und spielt hauptsächlich urtümliche Tänzli.

zweimal zwei generationen
Zwei mal zwei Generationen und vier mal Franz
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Wichtige Anlässe von früher und heute
Die Anlässe haben sich verändert, ebenso das Tanzen und die Tanzbräuche. Wegen den wenigen bewilligungspflichtigen Tanztagen fanden früher sogenannte „Schloffätänz“ im privaten Bereich statt. Tanzveranstaltungen in den Wirtshäusern hatten später eine ganz bestimmte Ordnung einzuhalten. Bis gegen Ende der 1940er-Jahre war das Tanzschenkerwesen mit dem „Räschtlitanz“ üblich. In den 1970er-Jahren gab es eine Lockerung mit zusätzlichen Tanztagen und ab anfangs der 1980er-Jahre wurden die „Schloffätänz“ hinfällig als die offiziellen Tanztage ganz wegfielen.
Von 1969 bis 1976 führte Fredy Zwimpfer jährlich ein Ländlertreffen im Restaurant „Sternen“ durch, bei welchen Formationen aus der ganzen Schweiz auftraten. Von 1976 bis 1979 fanden im Restaurant „Sonne“ vier Muotataler Ländlertreffen statt. Daran nahmen ausschliesslich einheimische Volksmusikanten teil. Im Jahre 2007 wurde zum Gedenken an die sieben bekanntesten Muotathaler Komponisten Leo Schelbert, Anton Betschart, Fredy Zwimpfer, Franz Schmidig senior, Cäcilia Schmidig-Schmidig, Josef Heinzer und Kari Suter beim Restaurant „Sonne“ die Muotathaler Musikanten-Stubete durchgeführt.
2008 wurde vom Verein „Giigäbank“ der „Muotitaler Ländlersunnig“ ins Leben gerufen. Der Grossanlass findet jeweils am letzten Sonntag im Jahr in verschiedenen Gaststätten statt. Die beiden Viehmärkte, die Hinterthaler Chilbi und der Bisisthaler Schafmärcht sind bis heute für die Volksmusik wichtig geblieben. Weiter erklingt von November bis Mai jeden Samstagabend im Restaurant „Fluhhof“ Ländlermusik, zudem ist dort am dritten Sonntag im Monat „Stubätä“ angesagt. Regelmässige volkstümliche Anlässe gibt es auch im Restaurant „Alpenrösli“. Über die Sommermonate ist im Alprestaurant „Roggäloch“ jeden Sonntagnachmittag Ländlermusik zu hören. Schliesslich gibt es auch im Restaurant „Sternen“ einige volkstümliche Anlässe und „Stubätä“.
Der Verein „Giigäbank“ führt zudem regelmässig Anlässe unter dem Motto „Luschtig tönts vom Giigäbank“ durch. Dabei wird einheimischen Komponisten und Musikanten gedacht.

Die Ländlermusik in der heutigen Zeit
Die Ländlermusik hat heute im Muotatal sicher nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher. Angesichts des Überangebots an allen möglichen Aktivitäten spielt sie eher eine untergeordnete Rolle. Dennoch gibt es junge Leute, vor allem aus bäuerlichen Kreisen, welche nach wie vor an der Volksmusik interessiert sind. Sie führen heute ihre eigenen Feste durch. Als Beispiel kann das „Tännfäscht“ aufgeführt werden, organisiert von der Landjugend Muotathal-Illgau.
Es ist ein Glücksfall, dass Einheimische von der Wichtigkeit des musikalischen Kulturguts überzeugt sind und sich für dessen Erhaltung stark machen. Mit diesem Grundgedanken ist im Jahr 2009 der Verein „Giigäbank“ zur Förderung der Volkskultur in den Gemeinden Muotathal und Illgau gegründet worden.
Die Zukunft der Muotathaler Volksmusik steht auf gesunden Beinen. Der Verein „Giigäbank“ sammelt und bewahrt das Ländlermusik-Gut. Die 1990 gegründete Musikschule Muotathal-Illgau, an welcher unter anderem Schwyzerörgeli, Handorgel, Klarinette und Schwyzer Zither erlernt werden kann, fördert dieses Gut. Und die zahlreichen Musikanten spielen die Ländlermusik.
Das Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“ ist bei der Kantonalen Kulturförderung (Tel. 041 819 20 88 oder Mail pius.ruhstaller@sz.ch) und im Buchhandel zum Preis von Fr. 25.- erhältlich.

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Jungformation: „Echo vom Hüribachtobel“ mit Willi und Silvan Betschart
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Mit diesen beiden Teilen versuche ich in einem zweiseitigen Beitrag im Muotathaler Zirk, „Innerschwyzer Volksmusik“ den Lesern näher zu bringen. Den Fokus richte ich dabei klar auf die Muotathaler Volksmusik. Wer weiss, vielleicht werden diese Zeilen den einen oder anderen Interessenten zu einem Kauf animieren.
Übrigens: Pius Ruhstaller teilte mir am 13. Mai mit, dass die erste Auflage von „Innerschwyzer Volksmusik“ mit 900 Exemplaren bereits ausverkauft sei. So wie es aber aussieht, soll es eine zweite Auflage geben. Aus meiner Sicht wäre dies nur wünschenswert, scheint doch das Interesse nach diesem Zeitdokument über unsere Volksmusik riesig zu sein.

feldwaldwiesenblogger

Gespräch mit dem Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof

Kürzlich traf ich mich mit dem Muotathaler Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof. Im Proberaum, wo sein Schlagzeug steht, befragte ich den 39-Jährigen zu seinem grossen Hobby, dem Schlagzeugspiel. Natürlich war auch der Einstieg bei der Hardcore-Band Vale Tudo ein Thema.
Angesprochen auf sein Alter meinte der bärtige Drummer, dass sein „Muotathaler Jahrgang“ weitherum der beste sei. Und zwar im Bezug auf die Anzahl „Luszapfen“. Dieses Thema haben wir in der Folge nicht weiter vertieft…
Heinz ist verheiratet und arbeitet als Autolackierer in einem 80 Prozent-Pensum zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder in einem Familienbetrieb. Des Weiteren unterrichtet er an den Musikschulen Muotathal/Illgau (11 Schüler) und Brunnen/Ingenbohl (14 Schüler). Als weitere Hobbys nannte mir Heinz Jassen, Sport, Lesen und gelegentliche Ausflüge.

heinz draussen
Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was bedeutet für dich das Schlagzeugspielen?
Einerseits ist es etwas Normales und etwas Schönes. Etwas, das ich sehr gerne mache. Andererseits schlägt man dabei nur auf Blech und Plastik ein. Mehr steckt eigentlich nicht dahinter. Es hat einen gewissen Stellenwert in meinem Leben, ist aber nicht lebensnotwendig. Dabei gäbe es genug anderes, was man auch machen könnte.

Wann hast du mit dem Schlagzeugspiel angefangen?
Begonnen habe ich im Herbst 1988 als Tambour bei den Muotathaler Fasnachts-Tambouren. Alois Betschart zeigte mir die ersten Sachen auf der grossen Trommel. Darauf übte ich rege und konnte in der Fasnacht 1989 zum ersten Mal mittun. Gut zwei Jahre später kam ich zum Musikverein Muotathal und spielte zuerst „die Tschinellen“.
1991 habe ich zum ersten Mal Schlagzeug gespielt. Ich sass hinter das Schlagzeug des damaligen Verwaint-Drummers Roger Schelbert und hatte keine Ahnung, wie so was ging. Verwaint-Gitarrist Erich Gwerder erklärte mir, was Roger hinter dem Drum jeweils macht. Mit diesen ersten Anweisungen begann ich am Schlagzeug zu üben. Ich durfte mich nun einmal pro Woche auf Roger’s Drum betätigen, denn ich hatte zu der Zeit noch kein Eigenes.

In welchen Bands hast du bisher gespielt?
Meine erste Band waren die bereits genannten Verwaint. Bei der Muotathaler „Natur Core“-Band spielte ich von 1992 bis zur Auflösung 1998. Weiter gab es noch diese und jene Formation, manchmal nur für eine CD-Aufnahme. Dann kam die Death Metal/Grindcore-Band Embalming Theatre. Bei ihnen trommle ich schon seit 17 Jahren und wir haben es immer noch sehr lustig miteinander. Wir proben jeweils nur vor Auftritten.
Von 2002 bis 2008 bediente ich die Drums bei Disparaged, einer in der Szene bekannte Death-Metal-Band aus Sisikon UR.

In welchen Bands oder Formationen spielst du derzeit?
Seit Februar dieses Jahr trommle ich bei Vale Tudo, einer schweizweit bekannten Hardcore-Band aus Zürich. Und natürlich weiterhin bei Embalming Theatre.

Technisch bist du ein sehr versierter Drummer. Wie sah dein Werdegang aus?
Ich habe immer versucht, es richtig klingen zu lassen. Die Vorstellung, wie etwas technisch gespielt werden muss, und die Umsetzung, bis ich es konnte. Ich spielte viel und schaute diverse Sachen an. Dazu kommt: Die erlernten Tambouren-Techniken sind nicht zu unterschätzen. Es ist etwas vom Besten für die Handtechnik. Weiter hörte ich vielen anderen Trommlern zu. Ich versuchte rauszuhören, was sie spielen und warum sie etwas so praktizieren. Das Nachspielen ist das eine, das andere ist, wie es gespielt wird. Dabei kann man von etlichen Drummern verschiedene Tricks abschauen. Auf die Details kommt es an.
Ich kaufte zudem Notenbücher und zwang mich, diese anzuschauen und dazu zu spielen. Auch wenn ich damals von Noten noch keine grosse Ahnung hatte. Internet gab es am Anfang meiner Schlagzeuger-Karriere noch nicht. Video-Kassetten zum Selbststudium waren zu jener Zeit angesagt. Heute ist es um einiges einfacher, man findet im Internet unglaublich viele Sachen.
Als ich das erste Mal in den Schlagzeugunterricht ging, war ich schon 20 Jahre Drummer. Vor einiger Zeit besuchte ich während zwei Jahren die Swiss Drum Academy in Oberglatt ZH und absolvierte den berufsbegleitenden Lehrgang zum Profischlagzeuger. Ich besitze nun ein Diplom, war aber kein guter Schüler. In dieser Schule wurden einem Dinge gezeigt, auf die man nie gekommen wäre. Wie zum Beispiel verfeinerte Bewegungsabläufe. Zusätzlich lernte ich von der Pike auf das Notenlesen. Ich spiele nun relativ viel nach Noten, weil es für mich die Sache leichter macht. Zudem kann ich mir die ganzen Details schlicht nicht merken. Für Vale Tudo beispielsweise habe ich meine eigene Notierung für ihre Lieder geschrieben. Damit habe ich die Basis, wie ein Song gespielt werden muss.

Welche Drummer sind deine Vorbilder? Warum?
Vorbilder habe ich eigentlich nicht. Es gibt so viele verschiedene Musikrichtungen mit den dazugehörigen Spitzendrummern. Am meisten mag ich die Trommler, denen man die Freude beim Spielen anmerkt. Der Drum-Roadie von den Sex Pistols ist so ein Drummer, welchen ich bei einem Workshop in Deutschland spielen sah. Er ist nicht unbedingt ein guter Schlagzeuger. Aber das Imposanteste war für mich seine grosse Freude, welche er bei seinem Spiel an den Tag legte.
Orientiert habe ich mich an einigen Drummern. Virgil Donati ist dabei für mich die Nummer eins. In ganz jungen Jahren gab es drei Drummer: Dave Lombardo von Slayer, Charlie Benante von Anthrax und Nicko McBrain von Iron Maiden. Später kam Jeff Porcaro von Toto dazu. Dann liess ich die Heavy Metal-Geschichten ein wenig beiseite. Und es kam der angesprochene Donati dazu. Weiter Thomas Lang, welchen ich persönlich kenne. Zurzeit spielt er bei Gianna Nannini und Robbie Williams, früher bei Falco. Lang ist für mich ein sehr motivierender Trommler, auch seiner Geschichten wegen. Oder Dom Famularo, welchem ich mit meinen Schlagzeugschülern bei einem Workshop zusah. Seine Ausstrahlung war für alle unglaublich motivierend. Einer der mir auch sehr gut gefällt, ist der Drummer von Sting, Manu Katché. Er spielt so fein Schlagzeug, richtig angenehm zum Zuhören. Das ist einfach gezielt super, der spielt richtig Musik hinter seinem Drumkit.

heinz am drum
Heinz Imhof hinter seinem Schlagzeug
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie viele Stunden probst du pro Woche? Was probst du genau?
Momentan probe ich für mich etwa zwei bis drei Stunden pro Woche. Dazu kommt noch eine gut einstündige Band-Probe mit Vale Tudo.
Ich übe für mich Sachen, die mir noch nicht so liegen. Oder Sachen, welche ich bei einer Musikformation können muss. Weiter für meine Musikschüler: Ich komponiere gelegentlich für einen Schüler ein Solo und will es natürlich auch spielen können. Ich versuche auch, aus Büchern heraus verschiedene Dinge nachzuspielen. Zudem probe ich an der Unabhängigkeit.

Woran arbeitest du „schlagzeugtechnisch“ zurzeit am intensivsten?
Technisch gesehen sind es gewisse Bewegungsabläufe an den Füssen und an den Händen, die mir noch nicht so passen. Zum Beispiel eine Figur mit dem rechten Fuss für mein Bassdrum-Spiel. Dabei gibt es auch noch etwas bei der linken Hand, was ich am Ausprobieren bin.
Musikalisch sind es derzeit die Songs von Vale Tudo, damit ich die sauber spielen kann.

Seit wann bist du bei Vale Tudo. Erzähl doch etwas über die Band, und wie es zum Einstieg kam?
Am Februar dieses Jahr habe ich das erste Mal mit ihnen geprobt.
Vale Tudo ist eine Zürcher Band und besteht neben mir aus zwei Sängern, zwei Gitarristen und einem Bassisten. Vor der Gründung von Vale Tudo spielten drei Bandmitglieder bei PX-Pain, einer bekannten Trash Metal-Band aus Zürich. Vale Tudo wurden übrigens 2006 gegründet.
Meine Frau sah auf Facebook, dass die Jungs einen Drummer suchen. Sie meinte, ich soll doch mal bei ihnen vorspielen. Nach einigem Überlegen meldete ich mich bei ihnen und durfte dann auch vorspielen. Erschwerend kam hinzu: Ich hatte zu dieser Zeit, Mitte Januar, eine lädierte Schulter und konnte meinen rechten Arm nicht richtig heben. Vier Songs musste ich vorgängig einüben. Beim „Casting“ spielte ich die vier Songs mit ihnen, respektive ich wurde nur von einem Gitarristen und dem Bassisten begleitet. Die beiden Sänger und der zweite Gitarrist haben zugehört und das Ganze auch auf Band aufgenommen. Anschliessend wurden die Songs noch mit den Sängern zusammen gespielt. Zum Schluss gab es noch eine kleine Unterredung, welche bald einmal abgeschlossen wurde, da noch ein anderer Drummer zum Vorspiel eingeladen wurde. Einen Tag später bekam ich schon die Zusage. Ich teilte ihnen aber mit, dass ich noch etwas Bedenkzeit benötige. Einige Tage später sagte ich zu.

Wie sieht die nahe Zukunft bei Vale Tudo aus? Was ist alles geplant? Wo kann man euch live sehen?
In nächster Zeit, das heisst bis nach den Sommerferien, sind 14 Konzerte geplant. Vor gut drei Wochen spielte ich die ersten beiden Konzerte mit Vale Tudo. Einige Konzerte sind wirklich sehr interessant. Einerseits spielen wir zusammen mit bekannten amerikanischen Bands, zum Teil im Vorprogramm. Andererseits werden wir an so tollen Orten wie beim Obenuse Fest in Zürich (7. Mai) oder beim Greenfield Festival (8. bis 11. Juni) auftreten. Bis auf ein Konzert, welches in Deutschland über die Bühne gehen wird, sind alle hier in der Schweiz geplant. Ein Gig wird in der Westschweiz sein. Der grosse Rest ist verteilt über die halbe Deutschschweiz. Da beide Sänger bei zwei verschiedenen Konzertveranstaltern arbeiten, haben sie so beste Verbindungen in die Szene. Diese Tatsache führte schon zu einigen Auftrittsanfragen. Die zwei sind auch verantwortlich für jegliche Organisationsarbeiten rund um unsere Band.
Von Vale Tudo ist vor einigen Tagen eine neue CD erschienen. Der Tonträger hört auf den Namen „Still Anything Goes“, und wurde kürzlich in der Sendung „Rock Special“ bei SRF3 vorgestellt. Da während den Aufnahmen der bisherige Trommler die Band verliess, wurden bei den Songs die Drumparts mit einem ausgeklügelten PC-Programm eingespielt.

Bringst du alle deine Tätigkeiten wie Beruf, Schlagzeugunterricht und Drummer bei Vale Tudo gut unter einen Hut?
Wenn ich nicht das Gefühl hätte, das es funktioniert, würde ich es nicht machen. Dabei setze ich ganz klare Prioritäten und liess wegen meiner Berufstätigkeit auch schon Band-Proben aus. Dies natürlich alles in Absprache mit meinen Bandkollegen.

Was versuchst du deinen Schülern beim Erlernen des Schlagzeugspiels mit auf den Weg zu geben?
Zuerst, dass sie Freude am Instrument haben. Das Technische ist dabei zweitrangig. Das Hauptziel ist, dass die Schüler ihr Gehör und ihr Können soweit entwickeln. Damit sie, wenn sie nicht mehr im Unterricht sind, mit Gleichaltrigen zusammen musizieren können. Und aus ihrem Erlernten etwas machen können.

Wie sehen deine Pläne und Ziele als Schlagzeuger aus?
Ich habe diesbezüglich weder Pläne noch Ziele. Ich spiele einfach aus Freude Schlagzeug und möchte dies so lange wie möglich tun.

Heinz, besten Dank für deine Zeit und die wertvollen Informationen rund um dein Schlagzeugspiel! Ich wünsche dem motivierten Muotathaler dabei alles Gute, Erfolg und in erster Linie viel Freude bei seinem grossen Hobby.

feldwaldwiesenblogger

Die Veröffentlichung des neuen Schwyzer Heftes „Innerschwyzer Volksmusik“ erfolgt am 17. April

Wie kürzlich im Blogbeitrag „D’Sunnämusig“: Vier Rentner spielen jeden Dienstagnachmittag im Restaurant Alpenrösli erwähnt, wird nun am 17. April das von mir schon mehrmals genannte „neue Schwyzer Heft“ anlässlich einer Vernissage in Rothenthurm SZ veröffentlicht. Dieses Heft wird den schlichten Titel „Innerschwyzer Volksmusik“ tragen. Die Nummer 104 in der Reihe der Schwyzer Hefte widmet sich, wie ebenfalls einige Male angesprochen, der Volksmusik im inneren Kantonsteil. Darin ist auch ein mehrseitiges Kapitel unserer Volksmusik im Thal gewidmet: „Die Muotathaler Volksmusik – von urchig bis konzertant“.

Da meine Wenigkeit den Text verfasste, darf ich dazu für die Juli-Ausgabe des „Muotathaler Zirkes“ einen Beitrag verfassen. Wir haben zwar erst Ende März, ich habe aber bereits mit der Niederschrift der Zeilen begonnen. Und wie auch schon praktiziert, lasse ich auch diesmal wieder „meine Blog-Leser“ an der Entstehung des Textes teilhaben.
Im ersten Teil des Werdeganges widme ich mich der Vorgeschichte dieses Projektes, den ersten beiden Interviews und einer wichtigen Quelle.

Auf schlussendlich 26 Seiten wurde versucht, mit Text und Bild sich möglichst wahrheitsgetreu diesem sehr ergiebigen Thema zu widmen. In unzähligen Stunden, in vielen Gesprächen und der Durchsicht von alten Dokumenten wurde einiges an Material zusammengetragen. Dieses Material wurde gesichtet und in viel Kleinarbeit zu einem grossen Ganzen verwendet. Für ein Dokument, welches unserer Volksmusik von den Anfangstagen des Schwyzerörgelis bis in die heutige Zeit gerecht zu werden versucht.

Vorgeschichte
pius ruhstaller
Pius Ruhstaller, Projektleiter des neuen Schwyzer Heftes „Innerschwyzer Volksmusik“
Bildquelle: echo-vom-gaetterli.ch

Im Jahr 2014 kontaktierte Pius Ruhstaller, Sachbearbeiter bei der Geschäftsstelle Kulturkommission vom Kanton Schwyz, den Muotathaler Verein Giigäbank. Ruhstaller erklärte den Verantwortlichen des Vereins, dass ein neues Schwyzer Heft in Planung sei. Dieses Heft soll die Volksmusik vom inneren Kantonsteil von Schwyz thematisieren. Die Absicht sei, dass jede Gemeinde als Vorgabe etwa zehn Seiten zusammentragen soll. Der Projektleiter des neuen Schwyzer Heftes deckte die Muotathaler mit ersten Informationen und einem Grobkonzept ein. Nebst den zehn Seiten Text sollen Kurzporträts von den wichtigsten Volksmusikanten und passende Anekdoten verfasst werden. Zudem seien zahleiche Fotos, auch ältere, zu diesem Thema erwünscht.

Der Verein Giigäbank, welcher 2009 zur Förderung der Volkskultur in den Gemeinden Muotathal und Illgau gegründet wurde, machte sich auf die Suche nach einem „Autor“. Diesen fanden sie in meiner Person. Da sich meine musikalischen Wurzeln eher im Rock-, Blues-, Country-, Jazz- und Gospel-Bereich befinden, war ich anfänglich skeptisch gegenüber diesem Projekt. Ich konnte mich dann aber doch relativ rasch dazu entschliessen, dieses in meinen Augen „Gross-Projekt“ in Angriff zu nehmen. Der Startschuss erfolgte im Herbst 2014.

Interviews und viel Kleinarbeit
Als Erstes traf ich mich mit Peter Betschart, einem ausgewiesenen Kenner der Muotathaler Volksmusik und Vorstandsmitglied des „Giigäbanks“. Er erklärte mir die Absicht der Schwyzer Kulturkommission und das Konzept. Ich machte mir Notizen und Betschart gab mir auch entsprechende Unterlagen zum Studium mit.

Ich las mich erstmal ins Thema ein und erarbeitete mir ein eigenes Grobkonzept. Am Wochenende des Muotitaler Alpchäsmarktes führte ich die ersten beiden von etwa 15 Interviews durch. Ich startete mit Kari Suter (Länzä), welcher mit 13 Jahren zum Klarinettenspiel fand. Aus seiner Feder stammen etwa 60 Kompositionen. Suter war nicht nur in diversen Ländlerkapellen aktiv. Er war auch von 1967 bis 1998 Dirigent im Musikverein Muotathal und von 1977 bis 1997 Dirigent des Jodlerklubs Muotathal. Meine Wahl traf nicht zufällig als Ersten Kari Suter. Denn ich vereinbarte mit Peter Betschart, dass ich von sechs Muotathaler Volksmusikanten ein Kurzporträt fürs Schwyzer Heft verfasse. Nebst Suter erfolgte dies für Anton Betschart (Jakä), Franz Schmidig senior und Franz Schmidig junior (Lunnis), Fredi Zwimpfer sowie Leo Schelbert (Tönis).
Nebst viel Wissenswertem und Informativem rund um die Muotathaler Volksmusik-Szene erzählte mir Suter auch amüsante Anekdoten.

Josef Inderbitzin (Sunnäwirt), ein begnadeter Handorgel-Spieler und ausgezeichneter Kenner der Muotathaler Volksmusik, war meine zweite Interview-Station. Inderbitzin brachte mir einige Muotathaler Volksmusikanten näher, von welchen ich bis dahin noch nie gehört habe. Auch er wusste viele Geschichten und lustige Begebenheiten. Dazu nannte er mir viele Einzelheiten und Details zu längst verstorbenen Musikanten. Weiter berichtete der ehemalige Wirt des Restaurants Sonne von den Anfängen des Schwyzerörgelis.

Der Blog von Lukas Stammler
Wie schon bei Kari Suter, nahm ich das Gespräch mit Josef Inderbitzin mit meinem iPhone auf. Als Vorbereitung hatte ich das erarbeitete Grobkonzept dabei. Dieses war der rote Faden beim Interview. Zuhause schrieb ich die beiden Gespräche nieder, setzte daraus viele Fakten in den künftigen „Haupttext“, legte neue Daten-Files an und sammelte die ersten Anekdoten. Aus den beiden Gesprächen ergaben sich neue Fragen, welche ich mir notierte.

Wie für diesen „Zirk-Text“, habe ich schon das „Projekt Muotathaler Volksmusik“ mit meinem Blog begleitet. Dabei veröffentlichte ich zum Gespräch mit Kari Suter einen separaten Blog-Beitrag: Ds Tönnis Leo fuhr “Mit em Töff is Muotathal” und ds Länzä Kari mit der Vespa nach Engelberg. Das Interview mit Josef Inderbitzin und die daraus resultierenden Fakten fanden sich in folgenden zwei Berichten wieder: Die Anfangstage der Schwyzer Örgeler im Muotathal und was der „Tschinggä-Liederverein“ einst so trieb und Ein paar lustige Anekdoten aus alten Zeiten (aus dem Gespräch mit Josef Inderbitzin).

balbuluz
Schwyzer Handharmonika – balbuluz.blogspot.ch
Bildquelle: balbuluz.blogspot.ch

Zudem konsultierte ich im Internet den Blog von Lukas Stammler: Schwyzer Handharmonika – balbuluz.blogspot.ch. Stammler, ein Dr. med. aus Basel und unter anderem Dozent am Anatomischen Institut der Universität Basel, spielt selber hervorragend Schwyzerörgeli. Er verbrachte viel Zeit im Muotatal und trug unzählige Informationen zu alten, traditionellen Tänzli und den alten Schwyzerörgelern aus dem Muotatal zusammen. Weiter entwickelte sich Lukas Stammler zu einem Fachmann und Kenner der Schwyzerörgeli der Firma Eichhorn von Schwyz.

feldwaldwiesenblogger

„D’Sunnämusig“: Vier Rentner spielen jeden Dienstagnachmittag im Restaurant Alpenrösli

„Josef Inderbitzin (Handorgel), Werner Schelbert (Muulörgeli), Josef Ulrich (Gitarre) und Ernst Betschart (Klavier) gründeten im Jahr 2010 im Restaurant «Sonne» «d’Sunnämusig», daher der Name. Das Quartett spielt Musik von Kasi Geisser, der Kapelle Heirassa, Toni Bürgler, Franz Schmidig senior, Leo Schelbert und Muulorgeli-Tänz vom Schründler (Josef Heinzer).“
Obiger Auszug über „d’Sunnämusig“ stammt aus einem neuen Schwyzer Heft, welches am kommenden 17. April veröffentlicht wird.

„D‘Sunnämusig“ tritt praktisch jeden Dienstagnachmittag im Restaurant Alpenrösli in Muotathal SZ auf. Die Formation besteht aus vier Pensionierten. Man kann deshalb sagen: Pensionierte spielen für Pensionierte, natürlich auch für andere. In den Anfangstagen der Formation schrieben sie manchmal als Hinweis: „Drei Rentner und einer nicht.“ Werner Schelbert war nämlich damals zwar pensioniert, aber noch nicht im gesetzlichen AHV-Alter…

Anfänglich traten die vier Musikanten jeden Dienstag im Restaurant Sonne auf. Nachdem das Restaurant Sonne 2012 ihre Türen schloss, spielt die Formation nun im Restaurant Alpenrösli. Die Wirtsleute Franz und Yvonne Föhn willigten bei der Suche nach einem neuen Lokal sofort ein.
Wenn das Restaurant Alpenrösli wegen Betriebsferien geschlossen ist, gibt‘s natürlich an diesen Dienstagen keine Musik.

sunnämusig in gemütlicher hüttenatmosphäre
D’Sunnämusig in gemütlicher Hüttenatmosphäre
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Konzertbesuch am 1. März
Bei der Zirk-Redaktionssitzung von Mitte Februar kam mir die Ehre zuteil, einen Bericht über „d’Sunnämusig“ zu verfassen. Deshalb machte ich am Dienstag, 1. März früher Feierabend, und stattete den vier Musikanten einen Besuch ab. So durfte ich rund während einer halben Stunde lüpfige Musik geniessen. In dieser Zeit spielten sie unter anderem von Heiri Meier das Stück „Züri wackelt“ oder „Zürcher Strandbadleben“ von Sepp Stocker. Eines der letzten Tänzli war „ds Kartschä Wisis Prämie-Tanz“. „Dieses Stück spielen wir eigentlich immer ganz zum Schluss“, erklärte Ernst Betschart hinterher.

Anwesend waren am 1. März praktisch nur rüstige Rentner, viele davon Einheimische. Das Restaurant war gut gefüllt. Das Motto an diesem Nachmittag schien: Musik hören in gemütlicher und heimeliger Atmosphäre. Denn: Nebst schöner und urchiger Musik in angenehmer Lautstärke fand man eine Alphüttli-Dekoration mit altmodischer Wäsche an einer Leine vor.
Unter den Zuhörern finden sich gewöhnlich auch Auswärtige, dann und wann sogar über 90-jährige Zuhörer. Viele der Zuhörer sind treue Gäste und kommen praktisch jeden Dienstag und haben ihren Stammplatz. Die Musikanten der „Sunnämusig“ meinten, dass ihre Musik den Leuten, aber auch ihnen selber gut tue.

Natürlich ist es auch wetterabhängig, ob viele Zuhörer kommen. Bei schlechtem Wetter und im Winter sind die Dienstagnachmittage meist sehr gut besucht. Musik gemacht wird natürlich auch im Sommer.
An der Fasnacht spielen die vier ausnahmsweise an einem Montag: Am Güdelmontag-Nachmittag. Dann sei das Restaurant jeweils bis auf den letzten Platz besetzt. An diesem Anlass kramen die wackeren Herren jeweils auch „Lumpenliedli“ hervor um die Fasnächtler zu unterhalten.

„D’Sunnämusig“ beginnt an den obligaten Dienstagen jeweils um 14.00 Uhr und spielt während einer Stunde Tänzli um Tänzli, ohne grosse Unterbrüche dazwischen. Es folgt eine Pause, bevor sie einen zweiten Musikblock zum Besten geben. Dieser dauert gewöhnlich bis gegen 16.30 Uhr. Werner Schelbert erklärte dazu: „Die Reihenfolge sieht ungefähr so aus: Marsch – Schottisch – Ländler – Polka – Mazurka. Dann beginnt die Reihenfolge wieder von vorne. Dies auch um Abwechslung reinzubringen. Denn die Leute tanzen manchmal zu unserer Musik. Fox-Tänzli machen wir nicht so viele, nur an der Fasnacht.“
Hinterher sitzen die vier Musikanten noch zusammen und klopfen einen Jass. „Das gehört einfach dazu“ sagten sie unisono.

Kompositionen von Ernst Betschart und Josef Inderbitzin
Nebst den eingangs erwähnten Komponisten spielen die vier auch ein Stück von Mitmusiker Ernst Betschart: „Ds Marianne’s Tänzli“, ein Schottisch. „Das ist das erste Stück, welches ich komponiert habe“, ergänzte Ernst Betschart. Auch von Josef Inderbitzin werden jeweils zwei oder drei Eigenkompositionen gespielt. Werner Schelbert spielt zudem mit seinem Muulörgeli ein Tänzli von Josef Schelbert (ds Meitschä Sebul) vor.

Dann und wann nehmen die vier rüstigen Musikanten neue Stücke in ihr Repertoire auf. Ernst Betschart erklärte: „Derjenige, welcher vorspielt, bringt hin und wieder ein neues Stück. Heute haben wir ein paar Lieder aufgeführt, welche wir schon lange nicht mehr gespielt haben. Manchmal haben die Leute Wünsche. Diese versuchen wir so gut wie möglich zu erfüllen.“
Auf die Frage, ob sie auch proben, meinte Josef Inderbitzin: „Der Auftritt im Alpenrösli ist zugleich unsere Probe.“

Die Handorgel und das Muulörgeli sind bei den Tänzli meist zusammen für die Melodie besorgt. Einige Stückli spielt auch Ernst Betschart am Klavier vor, so zum Beispiel Singlieder von Cäcilia Schmidig oder alte Schlager wie „Marina“. Dabei wird zusammen mit den Zuhörern gesungen.

Showeinlagen im Programm
Angesprochen auf Showeinlagen, sagte Ernst Betschart: „Josef Ulrich macht zwischendurch „den Königsjodler“ von Fredl Fesl. Zudem zitiert unser Gitarrist, ein ehemalige Spieler vom Muotathaler Theater, die komplette Werbung der inzwischen landesweit bekannten Fischer Bettwaren AG. Eine weitere Showeinlage von Ulrich ist „die Bless, mei Kuah“. Dies ist ein Schmankerl von „Kasermandl“, einem österreichischen Volksmusikanten-Duo aus Tirol.“

Nebst den wöchentlichen Auftritten im Alpenrösli treten die vier Muotathaler manchmal im Altersheim Muotathal und im Altersheim in Ibach auf. Zudem etwa einmal im Jahr an einer Stubete. Nächstes Jahr haben sie im Frühling einen Auftritt beim Brunner Ländlertreffen in Aussicht. „In den Altersheimen können uns die Leute nicht davonlaufen“ meinte Josef Inderbitzin lachend.

Manchmal kommt es vor, dass andere Musiker mitspielen. Josef Ulrich erläuterte dazu: „Wenn einer von uns fehlt, schauen wir um Ersatz für einen Auftritt. Letztes Jahr musizierte Dölf Rogenmoser einmal mit uns. Der Wirt Franz Föhn hat auch schon mitgespielt. Oder Edy von Euw, als Werner Schelbert in den Ferien weilte.“

Sunnämusig_Bild für Zirk
D’Sunnämusig in „Action“
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Die Gründung der „Sunnämusig“ erfolgte 2010
Josef Inderbitzin hatte die Idee zur Gründung, welche Mitte 2010 erfolgte. Werner Schelbert meinte: „Er hat mich verführt“. Ernst Betschart fügte hinzu: „Wir suchten lange nach einem Namen für die Formation“. Als sie für den Muotathaler Ländlersunntig von 2012 engagiert wurden, brauchte die Formation dringend einen Namen. Sie einigten sich schliesslich auf „d’Sunnämusig“. „Wir sind alle so sonnige Typen, wohnen aber im Schattenhalb des Tales“, ergänzte Werner Schelbert. Josef Ulrich gab zu bedenken: „Schattä-Musig würde viel blöder klingen.“ Ernst Betschart erklärte abschliessend: „Inzwischen kennen wir uns sehr gut, und wissen gegenseitig um unsere Macken.“

Die vier Musikanten haben früher schon manchmal miteinander Musik gemacht. Werner Schelbert und Ernst Betschart musizierten zusammen in der Zehnermusik der Musikgesellschaft Muotathal. Ernst Betschart führte weiter aus: „Ich habe früher ab und zu mit Josef Inderbitzin im Restaurant Sonne gespielt. Mit von der Partie war damals zudem Beat Suter (Fruttlers).“

Die instrumentelle Zusammensetzung der „Sunnämusig“ ist in dieser Form einzigartig und speziell. Es sitzen deshalb öfters namhafte Musikanten unter dem Publikum. „Wir hoffen, dass wir noch viele Jahre miteinander musizieren können“, meinte Ernst Betschart. Josef Ulrich orakelte dazu: „Nochmals zu heiraten haben wir nicht mehr im Sinn.“ Zwei Musikanten sind nämlich bereits mehr als 50 Jahre verheiratet, der dritte folgt ihnen demnächst…

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Zu Besuch im Proberaum von Infinitas: „Wir wünschen uns guten Ersatz auf der Violinen-Position“ – Teil 2

Im Teil 1 meines Proberaum-Besuches bei Infinitas traf ich den Schlagzeuger Piri Betschart, den Gitarristen Selv Martone und die Sängerin Andrea Böll an. Sie erzählten mir von der Bandgründung, was sich seit ihrem ersten Konzert im Jahr 2011 alles getan hat und wie viel Konzerte sie bisher spielten. Weiter fragte ich die drei Bandmitglieder, ob sich ihr Melodic Trash Metal seit 2011 etwas gewandelt hat, wie’s mit der Bandbesetzung aussieht und nach dem bisher grössten Erfolgsmoment. Des Weiteren erfuhr ich vom Feedback auf ihre EP-CD, dass jeder Song einem Dämon gewidmet ist und wie bei ihnen Songs entstehen.
Im heutigen Beitrag geht es um weitere interessante Themen und Diskussionspunkte.

die drei beim interview
Von links: Andrea Böll, Piri Betschart und Selv Martone
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ihr habt momentan eine kleine Konzertpause. Für was nützt ihr diese Zeit?
Wir sind hauptsächlich daran, neue Songs anzuschauen. Zudem sind erste Gedanken für eine CD vorhanden. Wir werden auch zusammensitzen, und diskutieren, was wir 2016 machen und welche Ziele wir uns setzen.
Wir spielten im Herbst letzten Jahres relativ viele Konzerte in kurzer Zeit, deshalb nahmen wir es bis Ende Jahr etwas lockerer. So wurde dann und wann eine Probe ausgelassen und wir nahmen uns auch Zeit für das Beisammensein.

Habt ihr auch schon daran gedacht, eure Stilrichtung grundlegend zu verändern?
Selv: Ich denke, das passiert unbewusst. Man verändert sich ja ständig, und es ist in diesen vier Jahren sicher auch geschehen. Ich merke es bei mir, denn ich schreibe jetzt einen anderen Stil von Songs als noch vor vier Jahren.
Piri: Es sind kleine Veränderungen. Unbewusst, aber nicht extra. Auch technisch lernt man immer wieder etwas Neues, und versucht es in die Songs zu integrieren.
Andrea: Zudem sind wir auch ziemlich offen, was neue Ideen anbelangt. Wir sind immer ein wenig am Experimentieren oder Ausprobieren. Auch beim Gesang, das sowohl klassische als auch Metal-Elemente enthält.

Alle Songtexte sind auf Englisch. Deutsche Texte sind kein Thema. In einem Song kommt ein serbischer Dämon vor. Dort gibt es eine Passage in Serbisch. Die Band kennt jemanden, der ihnen das übersetzte.

An was arbeitet ihr zurzeit?
Derzeit schauen wir ein neues Lied an. Es heisst Alastor. Alastor ist auch ein Dämon. Wir feilen beim Song noch an Details. Der Text dazu hat Andrea geschrieben. Alastor ist ein böser Dämon, ein Todesdämon. Er ist in der Hölle für Tod und Rache zuständig.

Was für Zukunftspläne schmiedet ihr?
Nebst einer CD sind auch andere Pläne vorhanden. Dabei kam auch schon eine Deutschland-Tour zur Sprache. Ein Ziel ist es, einmal im Ausland auftreten zu können. Auf Freundschaftsbasis mit anderen Bands, zum Beispiel eine kleine Tour mit zwei oder drei Bands zusammen.
Bis wir Ersatz für Joelle gefunden haben, bleiben diese Ideen aber offen. Natürlich gehört auch dazu, wieder Konzerte zu spielen.

Wann gebt ihr wieder Konzerte?
Ursprünglich geplant war, Ende Frühling/anfangs Sommer wieder Konzerte zu geben. Da wir nun auf der Suche nach einer Violinistin oder einem Violinisten sind, kann man das zurzeit nicht genau sagen. Sobald wir jemanden gefunden haben, müssen wir mit dieser Person mindestens ein halbes Jahr proben, bevor wir wieder live auftreten können. Es gibt auch vereinzelt Anfragen für Auftritte. Momentan ist es aber nicht möglich, zuzusagen.

Wie lange seid ihr schon in diesem Proberaum?
Wir haben kürzlich das fünfjährige Jubiläum gefeiert.

gut eingerichteter proberaum
Der Infinitas-Proberaum ist praktisch, zugleich aber auch gemütlich eingerichtet
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie oft probt ihr?
Piri: Alle zusammen einmal pro Woche, am Dienstag. Vor Konzerten manchmal sogar häufiger. Eine Bandprobe dauert durchschnittlich zwei Stunden.
Selv: Piri und ich proben zusätzlich ein- oder zweimal pro Woche gemeinsam. Jeder übt für sich die Songs zuhause. Bei den Proben verfeinern wir das Zusammenspiel, ausser wir sind an neuen Songs.
Piri: Wenn ein Song steht, bringen wir ihn auf Band. Jeder kann dann zuhause für sich diese Vorabversion hören und dazu spielen.
Andrea: Für mich ist die Bandprobe die wichtigste Probe. Die Texte lassen sich zuhause gut einstudieren. Aber zu den Aufnahmen singen ist für mich relativ schwierig.

Was denkt ihr ganz allgemein über die Musikszene im Raum Schwyz? Welchen Platz nehmt ihr dort ein?
Selv: Im Raum Schwyz ist der Metal halt nicht sehr gross vertreten, und nicht so hoch im Kurs. Es sind mehr die Stilrichtungen Rock, Blues oder Pop. Im Muotathal haben wir beispielweise seit Bestehen der Band erst einmal gespielt, letztes Jahr beim Harvest. Der Auftritt kam sehr gut an.
Die Schwyzer Musikszene ist eine coole und aktive Musikszene, mit vielen guten Bands. Der Metal fehlt halt einfach ein wenig, da nicht so viele Leute diese Musikart hören oder an Konzerte gehen.

Piri: Wir machen eher Konzertmusik zum Hören, und weniger zum Festen. In Schwyz und Brunnen haben wir schon ein paar Mal gespielt. Da gibt es viele Leute, die uns an den Konzerten hören wollen. Die meisten unserer Auftritte sind aber ausserhalb des Talkessels von Schwyz. Musikalisch läuft viel im Talkessel und es gibt auch viele Musiker. Man könnte praktisch jedes Wochenende irgendwo an ein Konzert.
Andrea: Wir sind keine Partyband, Spass haben kann man aber trotzdem an unseren Konzerten. Ich finde, im Muotatal hat es sehr viele Musiker. Aber auch Sänger, welche in irgendeinem Chor singen. Viel vielfältiger, als dort wo ich aufwuchs.

Die Muotathaler sind dafür bekannt, dass sie nebst der urchigen Ländlermusik am liebsten kernigen Rock à la AC/DC, Status Quo, CCR oder wie sie sonst noch heissen, stehen. Wie reagieren sie auf eure Musik?
Piri: Ich habe mit einigen schon über unsere Musik gesprochen. Einzelne davon meinten: Was ihr macht, gefällt mir nicht, aber ihr macht es gut. Ich denke, unsere Musik ist für einen Nicht-Metal-Fan teilweise komplex und schwer zu hören. Es sind halt nicht AC/DC-Songs, wo man meist nach zwei Takten weiss, wo’s lang geht.
Andrea: Mir haben schon einige gesagt, dass Metal nicht ihre Musik sei, unseren Stil hingegen aber gut finden. Was wahrscheinlich das Melodiöse mitsamt der Geige ausmacht.
Selv: Im Muotatal kennt man uns nicht unbedingt, da wir abgesehen vom Harvest-Gig halt nie hier spielen. Zum ersten Mal haben uns viele Muotathaler gehört, als wir vorletztes Jahr zusammen mit Polution im Restaurant Rose in Ibach SZ gespielt haben. Viele Muotathaler hören Slayer oder Metallica. Aber unsere Art von Musik ist für sie unbekannt, und sie kennen sie auch nicht.
Piri: Vielleicht spielt auch in dieser Hinsicht der konservative Muotathaler eine Rolle. Etwas Neues, dem man skeptisch gegenüber ist. Es gibt aber einige Muotathaler, die Gefallen an unserer Musik gefunden haben und an unsere Konzerte kommen.

Eine Melodic Trash Metal-Szene gibt es in dem Sinn nicht. Wo passt ihr am ehesten rein?
Selv: In die Metal-Szene, wo verschiedene Stilrichtungen vertreten sind. Um die grossen Schweizer Städte wie Zürich, Luzern oder Basel ist die Szene am aktivsten und grössten. Da muss man schauen, dass man rein kommt. Das Metal-Angebot in der Schweiz ist sehr gross und sehr gut. Ich entdecke oft neue Bands, von denen ich noch nie gehört habe. Die meisten spielen sehr professionell.
Piri: Unser Melodic Trash Metal ist ganz allgemein auf die Metal-Szene als solches ausgerichtet. Es gibt keine separate Szene wie beim Death Metal.
Andrea: Für uns öffnet sich dabei immer wieder mal ein Törchen, da wir nicht so eine enge Schiene fahren. So passen wir auch irgendwie zu Folk, oder spielten schon mit Death Metal-Bands zusammen. Und das Trashige passt halt auch.

Wie viel Zeit investiert ihr in eure Band und ganz allgemein in die Musik?
„Viel“ sagen die Drei im Chor. Es ist bei uns allen das Hobby Nummer eins. Dazu gehören nicht nur Konzerte, sondern auch die Organisation, Werbung für Auftritte und das Betreuen von Homepage und Facebook-Seite.
Selv: Eine Band funktioniert ähnlich wie eine Firma. Da gibt es auch verschiedene Dinge zu erledigen. Ich bin für die Aufnahmetechnik zuständig, Piri für die Homepage, Andrea für die Facebook-Seite und Pauli verwaltet die Kasse. So hat nebst der Musik jeder seine Aufgaben.
Piri: Selv und ich investieren vermutlich am meisten Zeit in die Band. Es ist schwierig zu sagen, um wie viele Stunden es sich dabei handelt.

Piri und Selv arbeiten je zu 80 Prozent, und geben noch Unterricht an ihren Instrumenten. Andrea studiert und hat noch einen Nebenjob. Pauli hat ein eigenes Geschäft und arbeitet in einem 100 Prozent-Pensum.

Ist Harvest ein Konzertfestival von Piri oder ganz allgemein von Infinitas?
Piri: Am Anfang machten wir es als Band. Inzwischen nicht mehr. Es ist nun ein Projekt von mir, die anderen helfen aber auch mit. Wir wollen bei Infinitas Bekanntheit erlangen mit der Musik und nicht wegen Harvest.

Harvest fand letztes Jahr zum vierten Mal statt. Wie Piri erklärte, wird es 2016 zum fünften Mal durchgeführt.

Wäre es euer Ziel oder Wunsch, dass plötzlich der totale Erfolg einschlagen würde?
Piri: Von mir aus darf das der Fall sein. Es wäre ein Traum. Der Hinterkopf meint, dass es nicht funktioniert, ich will es aber irgendwie nicht wahrhaben. Vielleicht wäre es auch nicht so cool, auf einmal ein halbes Jahr nicht zuhause zu sein. Für mich wäre es optimal, wenn wir im Monat 20 Prozent der Zeit mit der Band abdecken könnten. Nicht mehr arbeiten, muss nicht unbedingt sein. Zu einem Teil von der Musik leben zu können, wäre schon sehr schön. Das ist sicher realistischer, als der totale Erfolg.
Andrea: Wenn es so einschlagen würde, und man davon leben könnte, dann ist das okay. Wenn es aber einschlagen sollte, und man nicht davon leben kann, finde ich das problematisch. Wir gehen Schritt um Schritt, und wenn der Erfolg eintritt, umso schöner.
Selv: Ich habe dabei gemischte Gefühle. Es wäre cool, wenn man von dieser Musik leben könnte. Aber ich möchte nicht das ganze Jahr irgendwo auf Tour sein. Ein paar Monate würde ich okay finden. Denn ich bin sehr gerne hier. Es kommt auch darauf an, was Erfolg ist. Für mich gilt schon als Erfolg, wenn wir einmal pro Monat ein Konzert spielen können, CD’s verkaufen und ab und zu in Deutschland oder Österreich auftreten könnten.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Andrea: Ich wünsche mir, dass wir eine gute Geigerin oder einen guten Geiger finden, der gut zu uns passt. Das Beste wäre zudem, dass sie oder er auch gut singen könnte, um Background-Gesang beisteuern zu können.
Selv: Ich wünsche mir, dass wir guten Ersatz finden und lange zusammen bleiben, um Musik machen zu können. Viele Konzerte und eine CD.
Piri: Ich wünsche mir ein neues Snare. Alle lachen. Selv meint: „Und ich wünsche mir, dass Piri einen neuen Schlagzeugstuhl kauft.“ Nein, im Ernst: Möglichst lange schöne Momente miteinander erleben zu dürfen, und zusammen sein und musizieren können. Das ist eigentlich das Wichtigste. Und wenn wir noch Konzerte spielen dürfen und eine CD aufnehmen können, wäre es noch geiler.

infinitas am proben
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Nach dem Interview spielten mir die drei einige Songs vor, und ich lauschte ihrem ausgeklügelten und speziellen Melodic Trash Metal-Sound. Ich finde, Infinitas macht ihre Sache sehr gut und hat es verdient, in der Schweizer Metal-Szene einen Platz zu finden.
Ich bedanke mich bei der Band für das Gespräch und wünsche ihnen für die Zukunft alles Gute, viel Erfolg und dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Als ersten Wunsch mag ich den jungen Musikern eine Geigerin oder einen Geiger gönnen.

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Zu Besuch im Proberaum von Infinitas: Was hat sich seit dem ersten Konzert 2011 alles getan? – Teil 1

Kürzlich stattete ich der Muotathaler Melodic Trash Metal-
Band Infinitas einen Proberaumbesuch ab. Beim Interview anwesend waren Piri Betschart (Schlagzeug), Selv Martone (Gitarre) und Andrea Böll (Gesang). Pauli Betschart (Bass) gehört auch zur Band, bis vor kurzem auch die Violinistin Joelle Sigrist. Sie hat Infinitas aber leider verlassen, deshalb wird nun ein Ersatz gesucht.

Bereits einmal ein Interview geführt
Am 20. November 2011 veröffentlichte ich bereits ein Interview mit Infinitas (Zehn Fragen an Infinitas), welches ich mit Piri schriftlich führte. Damals wollte ich als Erstes wissen: Was bedeutet der Bandname Infinitas, und wie kamt ihr auf ihn?
Piri antwortete darauf: „Der Name Infinitas ist lateinisch und bedeutet Unendlichkeit. Auf diese Idee kamen wir, weil wir unsere Musik irgendwie beschreiben wollten. Der Name musste zur Band passen. Und da wir unendlich viel Zeit in die Band investiert haben, bis sie in dieser Formation komplett war, erschien uns dieser Name passend. Infinitas sagt zudem auch gleich aus, dass wir Metal spielen, und kein Rock oder Ländler.“
Die zweite Frage jenes Interviews bringen wir uns auch kurz in Erinnerung: Mit einer Violistin in der Band habt ihr doch ein ziemlich ungewöhnliches Instrument dabei. Wie kamt ihr dazu, und ist das üblich bei eurer Stilrichtung, dem Melodic Trash Metal? Piri: „Wir wollten Metal spielen, holten aber anstatt einer zweiten Gitarre, eine Violine an Bord. Sie übernimmt viele melodiöse Parts oder kann zwischendurch auch für mehr Boden sorgen. So ist unsere Musik gewachsen und irgendwie melodiös geworden. Im Thrash Metal ist eine Violine sicherlich nicht üblich, deshalb gaben wir unserem Stil auch einen neuen Namen, der sonst eigentlich nicht verbreitet ist.“

Bandgründung und erstes Konzert
Piri und Selv gründeten Infinitas. Beide waren schon vorher gemeinsam in einer Muotathaler Band, welche auf den Namen „Sei Out“ hörte. Bei dieser Band, welche mittlerweile nicht mehr existiert, wurde querbeet Punkrock, Blues, Rock und Funk gespielt. Die beiden kamen überein, dass sie zusammen in Richtung Metal etwas machen möchten. Der Schlagzeuger und der Gitarrist musizierten damals schon öfters gemeinsam. Sie hatten dabei die Idee, eine Band mit einer Geige oder einem Cello aufzuziehen. Eine Vision war erst, nur zu zweit zu spielen und nur Aufnahmen zu machen, keine Live-Auftritte. Die beiden hatten auch die Absicht, alle Instrumente selber einzuspielen. Piri: „Beim Gesang merkten wir, dass wir doch jemanden suchen sollten, der uns unterstützt. Zudem begannen wir auch noch andere Bandmitglieder zu suchen.“

Infinitas stand vor gut vier Jahren, am 3. Dezember 2011, vor ihrem ersten Konzert im Espas in Brunnen. Dabei waren damals Selv, Piri, Pauli, die Sängerin Isabelle Sigrist und ihre Schwester Joelle an der Violine.
Seitdem ist viel Wasser durch die Muota runter geflossen und bei den Melodic Trash Metalern hat sich auch einiges getan. So wurde am 27. Februar diesen Jahres eine EP-CD mit drei eigenen Songs mit dem Titel „Self-Destruction“ herausgegeben. Dem Bote der Urschweiz war das auch ein Beitrag wert: „Die EP der Muotathaler Melodic Trash Metal-Band lockt mit düsterem Sound – und einer neuen Sängerin.“

die drei beim interview
Infinitas, von links: Andrea Böll, Piri Betschart und Selv Martone
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was hat sich seit 2011 alles getan?
Wir sind älter geworden, absolvierten viele Konzerte und veröffentlichten eine EP-CD. Wir haben uns sicher verändert und dabei auch unsere Linie gefunden. Im Vergleich zu damals wissen wir ziemlich genau, wohin es gehen soll und was wir wollen. Die Besetzung hat sich auch verändert.

Wie viele Konzerte habt ihr bisher gespielt?
Es waren um die 20 Konzerte. Dazwischen spielten wir während anderthalb Jahren keine Gigs, weil wir auf der Suche nach einer neuen Sängerin waren. In diesem Jahr absolvierten wir neun Konzerte.

Seit etwa zwei Jahren singt Andrea Böll bei Infinitas. Die Sängerin ist aus dem Aargau und zog sogar nach Goldau. Aber wie sie erklärt, nicht nur wegen der Band. Andrea sang vorher während einigen Jahren in einer Bluesrock-Band. Sie erfuhr über Facebook, dass die Muotathaler Band eine Sängerin sucht. Als Erstes fragte sie: Wo denn dieses Muotathal liegt? Ein Blick auf den SBB-Fahrplan brachte die Erkenntnis: Zweieinhalb Stunden Fahrt dorthin. Sie fand erst: Nein Danke.
Die Aargauerin ging dann trotzdem ins Thal, in den Proberaum von Infinitas. Es folgten weitere Besuche und eine Bedenkzeit, verbunden mit einem Sprachaufenthalt. Andrea sagte nach diesem zu. Am Anfang war pendeln angesagt. Sie entschied sich nach der abgeschlossenen Fachmatura, an die Pädagogische Hochschule in Zug zu gehen. Andrea zog zuhause aus und übersiedelte nach Goldau.

Ihr spielt Melodic Trash Metal. Hat sich euer Stil seit den Anfangstagen etwas gewandelt?
Ein wenig schon. Diejenigen, welche uns kennen, hören den Unterschied zwischen alten und neuen Liedern. Man kann sagen, es ist harte Kost mit melodiösen Elementen. Die neuen Sachen sind nicht mehr so komplex wie die älteren, die zudem auch länger waren. In den neueren Songs ist gewissermassen mehr Struktur drin.

Der Stil „Melodic Trash Metal“ gibt es in dem Sinn nicht. Es gibt laut Infinitas zwar auch andere Bands, die ihre Musik so bezeichnen. Trash bedeutet für sie die harten Elemente, wie sie Metallica oder Slayer spielen.

Wir sind trotzdem nicht so hart wie diese Bands. Weil bei uns eine Frau singt und eine Geige zum Einsatz kommt, macht es das ganze melodiöser – eben „melodic“. Aus diesem Grund nahmen wir diese beiden Begriffe zusammen. Wenn wir „unplugged“ spielen, haben wir sogar „Folk-Elemente“ in unserer Musik drin. Das mit den Stilbegriffen ist sowieso schwierig zu definieren. Überdies ist es auch Ansichtssache.

Wie sieht’s mit der Bandbesetzung aus, was hat sich verändert?
Seit der Band-Gründung gab es wie bereits erwähnt eine Besetzungsänderung beim Gesang. Da unsere Violistin Joelle Sigrist kürzlich ausgestiegen ist, sind wir auf der Suche nach Ersatz. Weil wir während dem Winter sowieso neue Songs schreiben wollen, fand sie, dass es eine passende Gelegenheit sei, bei uns aufzuhören. Im Oktober hatten wir noch drei Konzerte, und nach dem letzten teilte sie uns mit, dass sie aussteigt.
Wir haben sehr spannende Interessenten, welche bei uns auch schon vorspielten. Mitte Januar werden nochmals zwei vorspielen. Diese wollen wir uns noch anhören, bevor wir weitere Schritte tätigen werden. Deswegen sind momentan auch keine Konzerte geplant.

Welches war bisher der grösste Erfolgsmoment in eurer Bandgeschichte?
Andrea: Als wir im Galvanik in Zug am selben Tag auf der gleichen Bühne spielen durften wie Bloodbound und Alestorm.
Selv: Als bei einem Konzert wildfremde Leute zuvorderst an der Bühne mit einem T-Shirt von uns standen und zum Teil bei den Songs mitsangen. Eine Bestätigung unserer Musik.
Piri: Das Ziel ist erreicht, wenn man irgendjemanden mit unserer Musik berühren kann und die Leute am Schluss zufrieden sind.

Ein Meilenstein von Infinitas ist sicher die Veröffentlichung der EP-CD. Als Andrea neu zur Band stiess, war die Band inmitten der Aufnahmen.

Gibt’s ein besonderes Erlebnis seit Bestehen der Band?
Die drei überlegen länger. Andrea: Es gäbe einige. Spontan kommt mir das Aufnahmefest nach meiner bestandenen Probezeit in den Sinn. Alle lachen.

Es ist üblich bei Infinitas, dass bei einem Neueinstieg ein Mitglied erst eine dreimonatige Probezeit absolviert. Zum Schauen ob es passt, und es für beide Seiten Spass macht. Laut den Musikern haben beide Seiten die Möglichkeit, ohne schlechtes Gewissen wieder auseinander zu gehen.

Wie war das Feedback auf eure EP „Self-Destruction“?
Das Feedback auf den Inhalt bezogen war gut. Die meisten meinten aber, nur drei Songs auf einem Tonträger sei zu wenig. Wir sollen doch eine „richtige“ CD aufnehmen. Unser Ziel haben wir so erfüllt. Wir wollten etwas herausgeben, um zu zeigen, wie wir klingen. Die Leute wollen mehr, es war für uns eine Genugtuung.

Die EP wurde in Eigenregie im Proberaum aufgenommen und abgemischt. Das Mastering liess man in einem Studio machen.

modernste technik vorhanden
Moderne Aufnahmetechnik im Infinitas-Proberaum
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Im Bote-Beitrag im Februar zum Release der besagten EP konnte man lesen, dass jeder Song einem Dämon gewidmet ist. Wie kam es dazu?
Selv: Als Piri und ich die Band gründeten, sagten wir uns, dass wir ein Konzept über alle Songs haben möchten. Erst wollten wir uns auf einen bestimmten Zeitraum wie dem Mittelalter beschränken. Dabei kamen wir auf die Dämonen-Geschichte, und dass jeder Song nach einem Dämon benannt werden soll. Es gibt viele verschiedene Dämonen und jeder hat gewisse Eigenschaften. Wir erfinden diese Dämonen nicht, und spüren sie zum Beispiel aus einem Lexikon oder im Internet auf.
Schlussendlich geht es in den Songs nicht nur explizit um Dämonen, sondern auch um deren Eigenschaften. Meistens ist es auch eine persönliche Geschichte, oder etwas das einem beschäftigt, was wir darin verpacken. Die Texte sind meist etwas verschlüsselt, damit man nicht sofort darauf kommt, um was es geht. In einigen Songs gehen wir auch gleich auf die Geschichte eines Dämons ein. Die Dämonen sind alle geschichtlich überliefert und dokumentiert.
Wir sind aber keine Okkultisten und sind religiös neutral. Für uns waren diese Geschichten interessant und uns gefiel dieses Konzept.

Andrea: Übrigens: Es gibt auch gute Dämonen. Zum Beispiel gehören Engel unter dem Oberbegriff Dämonen auch dazu.

Wie entstehen bei euch Songs?
Piri: Selv schreibt die Songs und kommt mit einem neuen, wenn er praktisch fertig ist. Dann schauen wir den Song mit dem Schlagzeug an, und bringen ihn in eine Endversion. Diese Version zeigen wir der ganzen Band und beginnen an Details zu feilen.
Andrea: Selv gibt die Zutaten in die Suppe und wir geben noch das eine oder andere Kräutlein dazu.

Selv schreibt einige Texte, einige Piri, sowie einige auch Andrea. Die Gesangsmelodien steuert teilweise Andrea bei. Apropos Gesang: Andrea ist die Lead-Sängerin. Piri singt bei den Chören mit, was Joelle, die Violinistin, auch getan hat. Infinitas hat aktuell acht Songs im Set, eine gute Stunde Spielzeit.

Einige Lieder, welche wir mit Isabelle, der ersten Sängerin, spielten, haben wir mit Andrea noch nicht angeschaut. Mit Isabelle hatten wir damals ein Set, welches etwa 90 Minuten dauerte. Zudem: Bei den angesprochenen acht Songs sind vier neue darunter, welche wir mit der ersten Sängerin noch gar nicht spielten. Die Songs dauern um sechs bis sieben Minuten.

Die Band hat auch ein Unplugged-Set mit etwa sieben Songs, welches eine Zeitdauer von gut 30 Minuten aufweist. Dabei spielen sie zum Teil die gleichen Songs wie beim üblichen Set, etwas abgeändert in einer Akustikversion. Es sind aber auch spezielle Songs wie Instrumentalsongs dabei.
Infinitas hat nur eigene Songs im Repertoire, Covers sind keine im Programm.

Infinitas live
Infinitas live im Kult-Turm Brunnen SZ
Bildquelle: Infinitas

In Bälde folgt Teil zwei meines Proberaumbesuches bei Infinitas. In jenem sprach ich mit den drei über die momentane Konzertpause, ob sie auch schon daran gedacht haben ihre Stilrichtung zu verändern und an was sie derzeit arbeiten. Weiter geht es um die Zukunftspläne, was sie über die Musikszene im Raum Schwyz denken, wie die Muotathaler auf ihre Musik reagieren, oder wie viel Zeit sie in die Band investieren. Und: Was sie sich für die Zukunft wünschen, und ob es ein Wunsch wäre, dass plötzlich der totale Erfolg einschlagen würde.

feldwaldwiesenblogger

Die junge Muotathaler Rockband DREADFUL veröffentlicht am 12. Dezember ihre zweite CD

Am Samstag, 12. Dezember taufen Dreadful im Restaurant Sternen (Muotathal) ihre zweite CD. Grund genug, die junge Muotathaler Rockband in ihrem Proberaum zu besuchen.

Dreadful sind: Andy Schelbert (Lead Vocals), Jonas Marty (Lead Guitar und Backing Vocals), Dario Gwerder (Rhythm Guitar und Backing Vocals), Theo Schmidig (Bass und Piano) sowie Marcel Gwerder (Drums und Percussion). Die fünf Bandmitglieder sind zwischen 23 und 27 Jahre jung. Die neue CD hört auf den Namen „Never Too Old“ – zu Deutsch: Nie zu alt. Auf dem neuen Tonträger sind elf Eigenkompositionen enthalten. Sie wurde ohne Gastmusiker eingespielt. Die Band beschreibt ihren Musikstil als „Kick-Ass-Rock’n’Roll“, gemäss ihrem Moto „Dirty and Loud“.

Die erste CD von Dreadful, „Straight In Your Face“, kam 2012 raus. Dieser Tonträger wurde in Eigenregie im Proberaum aufgenommen, und hinterher von Marcel Elmer abgemischt. Die Bandmitglieder erklärten, dass sie dafür ein gutes Feedback erhielten. Von diesem Silberling wurden 500 Exemplare gemacht, und sie verkauften bisher etwa 450 Stück. Eine beachtliche Zahl, trotzdem meinten die jungen Musiker, dass die Musikkonsumenten heutzutage halt nicht mehr so viele CD’s kaufen.

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Das CD-Cover der neuen CD
Bildquelle: Facebook (Dreadful-Fanseite)

Eure neue CD heisst „Never Too Old“. Für was ist man nie zu alt?
Man ist eigentlich nie zu alt zum Rocken und zum Spass haben. Man kann auch mit 50 Jahren, oder um einiges älter, ein Rocker sein. Witzig ist dabei: Wir sind zwar noch relativ jung, trotzdem heisst die neue CD „Never Too Old“. Unsere Musik ist dabei nicht gerade die modernste. Es meinen vielleicht einige, es handle sich bei Dreadful um eine ältere Band. Wenn sie die CD-Hülle öffnen und unser Bandfoto sehen, erkennen sie sogleich den Irrtum…
Es bedeutet aber auch, dass wir so bleiben wollen wie wir sind. Auch in späteren Jahren.

Was soll das Cover darstellen?
Ein Song heisst auch „Never too old“. Wir überlegten uns, was für ein Cover wir gestalten und wie die CD heissen soll. Irgendwann kamen wir wegen besagtem Lied auf die Idee mit dem alten Mann und seinen verschiedenen Tätowierungen. Und dass man daraus ein gutes Cover machen könnte. Die Tätowierungen und weitere Details sind Anspielungen auf einige Songs. Die Whisky-Flasche meint den Song „Bottle of Booze“. Das erdolchte Herz am rechten Oberarm spielt auf „Zoe’s Payback“ an. Das Muotathaler Wappen lässt den Song „Backward Town“ erkennen. Auf einem Bild erstickt ein Mann an Geld, der Song „Choke on your money“ lässt dabei grüssen. Die Stinkefinger-Hand deutet auf den Song „Keep hell beautiful“. Die meisten Songs sind so ins Cover eingeflossen.

Wer hat euer originelles CD-Cover gestaltet?
Das CD-Cover gestaltete Franz Föhn von Steinen SZ. Er ist von Beruf Bäcker, nebenbei malt und zeichnet er. Wir hatten eine ungefähre Vorstellung, wie das Cover aussehen soll. Föhn zeichnete dann eine Skizze. Darauf besprachen wir mit ihm die Änderungen und er malte das fertige Coverbild mit Ölfarben.

Wie lange habt ihr an dieser CD gearbeitet? Wo wurde sie aufgenommen und abgemischt?
Wir haben fast das ganze Jahr daran gearbeitet. Am Silvester 2014 gaben wir das vorerst letzte Konzert. Dann machten wir uns ans Lieder schreiben. Am Anfang existierte erst ein fertiger Song. An Pfingsten gingen wir während vier Tagen ins Studio und nahmen sieben Songs auf. Ende August gingen wir nochmals für zwei Tage ins Studio und brachten nochmals drei Songs auf Band.
Aufgenommen wurden die Songs in den Foolpark-Studios in Kriens LU. Deezl Imhof war verantwortlich für die Produktion. Er machte die Aufnahmen, den Mix und das Mastering der Songs. Am 1. Dezember bekommen wir die fertigen CD’s.

Wie lief das Songwriting? Wie sind die neuen Songs entstanden?
Bei der aktuellen CD hat Dario die meisten Songs komponiert und Jonas die meisten Texte geschrieben. Diese Aufteilung hat auch einen Grund: Jonas kann von uns am besten Englisch. Wir ergänzen uns im Übrigen sehr gut. Dann nahmen wir im Proberaum die Songs auf und schickten sie Deezl Imhof. Er hörte sie sich an und schlug uns Änderungen vor.

Um was geht es in den neuen Songs?
Bei einigen Songs geht es um das typische Rock’n’Roll-Thema „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“. Weiter um einen Outlaw, wie der alte Mann auf dem Cover. Bei einem Song, „Choke on your money“ fluchen wir über die Reichen: Die Geldgierigen sollen sinngemäss an ihrem Geld versticken. „Backward town“ handelt über das Muotatal, gemeint ist ein zurückgebliebenes Dorf und wie uns die Auswärtigen sehen. Der Song „Keep help beautiful“ hat einen politischen Text: Rings um uns herum ist quasi „die Hölle los“, wir haben es immer noch schön. Bis es bei uns vielleicht auch knallt.
Ein Song handelt von einer Frau, welche von einem Mann immer wieder betrogen wird. Sie rächt sich an ihrem Mann und haut ihm dabei sein bestes Stück ab.

Spielt ihr live neben den Eigenkompositionen auch Coversongs? Von welchen Bands?
Von der alten CD hatten wir nur noch wenige Songs im Repertoire, und spielten vor allem Covers. Ab der neuen CD werden wir sicher einige Songs ins Live-Set aufnehmen. Wir spielen aber weiterhin auch Coversongs.
Wir covern von A bis Z: Dazu gehören Bands wie AC/DC, Backstreet Girls, Blackberry Smoke, CCR, Chuck Berry, Elvis, Rose Tattoo, Sex Pistols, The Bones oder ZZ Top. Es handelt sich dabei um Songs, welche nicht so oft gecovert werden.

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Dreadful in ihrem gemütlichen Proberaum
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Gibt es eine witzige Anekdote zur Produktion der neuen CD?
Unser Produzent ist eine witzige Anekdote. Er ist der Mister Rock’n’Roll und lebt das auch. Dadurch erzeugte das eine ganz spezielle Stimmung bei den Aufnahmen. Beim ersten Gespräch mit Deezl Imhof waren wir schon nach fünf Minuten überzeugt, dass wir mit ihm zusammen arbeiten möchten. Die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit.

Musstet ihr für die Produktion der CD tief in den Gelbeutel greifen?
Ganz tief hinein. Wir leerten für die Produktion die gesamte Bandkasse. Da wir keine Sponsoren hatten, spielten wir die Kosten quasi mit den bisher gegebenen Konzerten ein.

Wird es Überraschungen bei der CD-Taufe geben? Verratet ihr schon etwas?
Musikalisch wird es keine Überraschungen geben. Neben uns tritt am 12. Dezember noch die Muotathaler Band Bad Sin auf. Was wir verraten: Wir haben einen speziellen CD-Götti!

Sind nach der CD-Taufe Konzerte geplant, um eure neue CD vorstellen zu können?
Bis Sommer 2016 sind etwa zehn Konzerte geplant. Am 16. Januar geht es in der Vorhöll Muotathal los, zusammen mit Bad Sin – zugleich das letzte Konzert in der Vorhöll. Dann am 26. Februar im Bruch Brothers am Kasernenplatz (zusammen mit Gloria Volt) und einen Tag später im Gaswerk Seewen SZ (zusammen mit Pollution). Weiter sind Konzerte im Bar- und Musiktheater Madeleine, in Eschenbach LU, sowie am Handballfest und am Grümpelturnier in Muotathal geplant.

Kommt ihr relativ einfach zu Auftritten?
Hier in der Gegend schon, da werden wir auch angefragt. Weiter weg müssen wir selber nach Auftrittsmöglichkeiten fragen. Wir haben keinen Konzertagenten. Es wäre schon länger eine Idee von uns. Beziehungen sind halt schon das Wichtigste, um an Konzerte zu kommen.

Könnt ihr die Bandgeschichte kurz skizzieren?
Wir gründeten 2009 Dreadful. Die heutige Bandbesetzung unterschied sich damals nur auf der Position des Bassisten. Von 2009 bis 2012 spielte Fabian Schelbert den Viersaiter. 2012 tauften wir die erste CD. Kurz nach der CD-Taufe stiess Theo Schmidig als Bassist zu uns.
Von 2009 bis 2012 probten wir in einem Raum oberhalb einer Werkstatt. 2013 zogen wir in den jetzigen, sehr gemütlichen Proberaum um, welchen wir mit Hilfe von Kollegen und dem Vermieter selber errichteten und gestalteten.
Wir begannen schon bald nach der Bandgründung mit Songs schreiben. Beim zweiten Konzert im Restaurant Rose Ibach SZ spielten wir mit „Southbound Road“ bereits das erste eigene Stück. Wir komponierten dann fortlaufend eigene Songs. Irgendwann sagten wir uns, wir nehmen diese Lieder auf und machen eine CD. Der Unterschied von der ersten zur zweiten CD: Bei der ersten CD sind die Songs innerhalb von drei Jahren entstanden, bei der neuen innerhalb von einem halben Jahr.
Unser erstes Konzert gaben wir in Brunnen bei „Talkessel rockt“. Bisher waren es etwa 45 Konzerte. Am Silvester 2014 gaben wir im Tanzboden Ybrig in Unteriberg SZ das vorläufig letzte Konzert. Wir hatten auch Konzertanfragen für dieses Jahr. Sagten aber ab, um uns 2015 auf die CD zu konzentrieren. Wir wollten uns zudem auch wieder mal rarmachen, damit die Leute wieder Freude haben, an ein Konzert von uns zu kommen.

Welches war bisher der grösste Erfolgsmoment in eurer Bandgeschichte?
2013 veröffentlichten wir einen Videoclip, welchen man auf YouTube findet. Im 2INCH-RECORDS, dem Studio von Ralph Zünd, nahmen wir erst den Song „Bottle of Booze“ auf. Den Videoclip dazu produzierte ein Filmstudent von Zürich. Gedreht wurde auf dem Zementfabrik-Areal in Brunnen SZ. Der Videoclip kam überraschend und wir verheimlichten die Produktion. Dann folgte ein Zeitungsbericht mit der Erwähnung des Clips und am ersten Tag gab es etwa 1‘000 Klicks (!) auf YouTube. Insgesamt sind es bis heute fast 5‘400 Klicks.


Quelle: YouTube, Dreadful

Weitere Highlights sind die beiden gemeinsamen Auftritte mit unseren Vorbildern „The Bones“, einer schwedische Punk ’n’ Roll-Band aus Karlskrona, in der Vorhöll Muotathal. Sie kamen sogar bei einem Gig zu uns auf die Bühne, und wir spielten zusammen einen Song von ihnen. Weiter der Auftritt am Dorffest Muotathal am 1. August 2014. Übrigens: Für uns stellt jedes Konzert ein Erfolgsmoment dar.
Der neue Proberaum ist für uns auch ein Highlight. Im vorherigen Proberaum waren wir nur zum Proben, da er doch relativ klein und ungemütlich war. Im jetzigen Band-Raum verbringen wir auch nebst den Proben viel Zeit zusammen.

Wie die Band weiter ausführte, war der Beitritt von Theo Schmidig zur Band auch „grosses Kino“…

Gibt’s ein besonderes Erlebnis seit Bestehen der Band?
Die Entstehung des Grümpelturnier-Fotos, welches sich auch im Booklet der neuen CD befindet. Am Grümpi 2014 waren morgens um sechs Uhr noch alle Bandmitglieder dort. Per Zufall waren alle an diesem Abend sehr lange im Ausgang. Es trommelte uns jemand zusammen und so entstand ein eher lustiges Bandfoto.

Gibt’s ein besonderes Ziel, auf das ihr hinarbeitet?
Momentan eigentlich nicht. Konzerte geben, und uns von der schönen Seite präsentieren. Dazu unsere Musik unter die Leute bringen. Im Hinterkopf haben wir ein Booking-Label. Es ist auch ein Traum, Vorband von einer grossen Band zu sein. Mit der neuen CD könnte vielleicht etwas gehen. Wenn sich etwas ergibt, umso schöner.

Wärt ihr bereit, mehr Zeit für die Band zu investieren und dadurch sogar weniger zu arbeiten?
Wir proben einmal pro Woche. Zurzeit können wir eigentlich gar nicht mehr Zeit in die Band investieren. Jeder geht zu 100 Prozent einer Beschäftigung nach und wir betreiben alle noch andere Hobbys. Für uns stimmt es so derzeit. Aber: Wenn die Möglichkeit bestünde, einen oder zwei Monate auf Tour zu gehen, würden wir das sofort machen.
Wenn wir das Hallenstadion in Zürich füllen, hören wir sofort auf mit arbeiten…

Was wäre, wenn plötzlich der totale Erfolg einschlagen würde?
Aufhören mit arbeiten, und sofort auf Tour gehen. Nein, Spass beiseite: Eigentlich wissen wir es selber nicht, da wir uns diese Frage noch gar nie gestellt haben. Denn: Es wird eher nicht der Fall sein. Man weiss aber nie, was die neue CD mit sich bringen könnte.

Welche Bands und Musiker sind eure Vorbilder?
Hauptsächlich diejenigen, welche wir covern. Jedes Bandmitglied hört seine eigene Musik zuhause, von Ländlermusik bis zu ganz hartem Metal. Für uns war aber von Anfang an klar, den erwähnten Kick-Ass-Rock’n’Roll zu spielen.

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Dreadful live
Bildquelle: Dreadful

Von was träumt ihr?
Von Frauen… Nein, man träumt eigentlich von vielem, wie zum Beispiel einmal auf einer grossen Bühne stehen. Da bestünde aber das Problem, dass man sich wegen den Dimensionen zu viel bewegen müsste…

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Dass die CD-Taufe gut über die Bühne geht und alles klappt wie wir uns erhoffen. Die CD gut ankommt und sich gut verkauft. Und dass wir weiterhin gut miteinander klar kommen, zusammenspielen und gemütlich beisammen sein können. Das Wichtigste: dass wir gesund bleiben.

Die fünf Musiker freuen sich auf den 12. Dezember, da sie doch seit gut einem Jahr nicht mehr auf der Bühne standen. Die Vorfreude ist gross. Erste Höreindrücke des neuen Tonträgers vermitteln eine motivierte und engagierte Band. Mit einer sauberen und professionellen Produktion überzeugen Dreadful mit ihrem „Kick-Ass-Rock’n’Roll“ und werden in Zukunft mit Bestimmtheit noch von sich hören lassen.

Vor der Tür steht die CD-Taufe des zweiten Tonträgers, an welcher kein Rock’n’Roll-Fan vorbei kommt. Gemäss dem Titel „Never Too Old“ werden dabei garantiert nicht nur junge Musik-Liebhaber angesprochen, sondern auch ältere Semester.

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FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN – Eine filmische Widmung an das Schwyzerörgeli, seinen Protagonisten und Herstellern

Gestern Abend war ich zur Filmpremiere von FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN eingeladen. Vorgängig entnahm ich ab der Homepage zum Film einige Infos. Denn ich fragte mich: Wieso der Titel FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN? Roger Bürgler, der Macher und Produzent des Filmes schreibt dazu: „Die Schweizer Volksmusik wird seit 1885 vom Schwyzerörgeli geprägt. Die Schweizer Version der diatonischen Knopf- oder Handharmonika, die ihren Ursprung 1829 in Wien hat, wird landauf landab von tausenden von Musikerinnen und Musikern gespielt. Einige von ihnen haben in den letzten hundert Jahren mit ihrer Kreativität, ihrer Neugier und ihrem Können die Schweizer Volkmusik erneuert, verändert oder gar neu erfunden.
Wir nennen sie «Fremdfötzelige Musikanten». Diese brechen mit Konventionen, blicken über die Grenzen ihrer eigenen Tradition hinaus und definieren diese letztendlich neu. Das gefällt nicht allen und trotzdem sind ihre Einflüsse nach einer gewissen Zeit etabliert und akzeptiert. Solche Musikanten, ihre Geschichten und Instrumente stehen im Zentrum des Kino-Dokumentarfilms von Roger Bürgler.“

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Bisher noch nie an einer Filmpremiere
Kurz vor dem Filmbeginn nahm ich meinen Platz ganz zu hinderst ein. Der Sitznachnachbar zu meiner Linken stellte sich als René vor. Ich sagte zu ihm: „Ich war bisher noch nie an einer Filmpremiere.“ Er erwiderte: „Ich schon viele Male.“ Darauf musterte ich ihn, und dann dämmerte es mir, um wen es sich da handelte. Nämlich um keinen Geringeren als René Zingg vom Soundville Studio in Luzern, welcher für den Tonmix von FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN verantwortlich war.

Der Film begann kurz darauf und ich fühlte mich sogleich wohl. Urchige Schwyzerörgeli-Töne wechselten sich mit schönen Bildern und interessanten Informationen ab. Für mich war der Film zu keiner Zeit langweilig oder langatmig. Bürgler schaffte es, seine Protagonisten, Musiker und Interviewten frei von der Leber weg erzählen oder spielen zu lassen. Ganz ohne Wertung, Kommentare oder sonst etwas. Genial!

Josias Clavadetscher schreibt heute im „Boten der Urschweiz“: „Jetzt hat das Schwyzerörgeli ein fantastisch klingendes Denkmal erhalten. Der Dokumentarfilm von Roger Bürgler ist eine Offenbarung, mit viel Emotion.“ Wie Recht er doch hat! Musik versprüht immer Emotion, und dies kam im Dokumentarfilm wunderbar rüber.

Roger Bürgler sagte am Ende des Filmes, dass er kein profunder Kenner der Volksmusikszene sei. Ich behaupte, er ist nach der Fertigstellung von FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN mit Bestimmtheit ein grosser Kenner geworden. Mir ging es letztes Jahr bei meiner Schreibarbeit über die Muotathaler Volksmusik ähnlich. Vorher war ich eher ein geneigter Zuhörer. Ein halbes Jahr später, nach der Abgabe der Arbeit, war ich zwar noch kein profunder Kenner. Aber sicher eine Art Sachverständiger. Spürte ich doch einigem nach. Genau gleich wie Bürgler für seinen Film.

Vorstellung von verschiedenen Schwyzerörgeli


Video-Quelle: fremdfoetzeligemusikanten.ch

Die Freude an einem einzigartigen Stück Schweizer Volkskultur
Viele Informationen waren für mich gewissermassen eine Auffrischung meiner Kenntnisse. Einige Details hingegen habe ich bis dato noch nie gehört. Mir gefielen auch die alten Ton- und Bilddokumente (unter anderem vom Haus der Volksmusik, Staatsarchiv Kanton Schwyz, Verlag Gisler AG und Technische Universität Wien) einer längst vergangenen Epoche. Zeitzeugen, Szenenkenner, Örgelibauer und Restaurateure umrahmten die tollen Musikanten, welche wunderbare Töne aus ihren „Schwyzerörgelis“ entlockten.

Der Schreibende übte sich im jungen Erwachsenenalter auch mal am Schwyzerörgeli. Mein Vater zeigte mir, wie man darauf begleitete. Irgendwie schaffte ich es, in einem Skilager an einem Schmutzigen Donnerstag die Fasnächtler zusammen mit meinem Vater und einem weiteren Örgeler mit diesem schön klingenden Instrument zu unterhalten. Ich darf also auch auf einen Auftritt am Schwyzerörgeli zurückblicken. Gestern Abend, während dem Film, überlegte ich mir, ob ich es wieder versuchen soll. Mal schauen…

Die Freude an einem einzigartigen Stück Schweizer Volkskultur ist bei allen Mitwirkenden im Film zu erkennen: Markus Flückiger, Res Schmid, Werner Aeschbacher, Marcel Oetiker, Christine Lauterburg, Lukas Stammler, Sepp «Counousse» Mülhauser. Um nur einige zu nennen. Sie alle bringen ihren eigenen Background mit ein.

Seit 1885 begleitet uns nun dieses wunderbare Instrument. Zu seiner ersten Blütezeit verhalfen ihm die beiden Koriphäen Josef Stump und Balz Schmidig. Später der Örgelidoktor Martin Nauer, der unverwüstliche Rees Gwerder, der Bündner Josias Jenni oder die Schmid-Buebe aus dem Bernbiet. Selbst einer der grössten Schwyzerörgeli-Virtuosen in der heutigen Zeit, Markus Flückiger nannte im Film die genannten Herren als seine Vorbilder. Überhaupt: Markus Flückiger bildete für mich eine Art roter Faden im Film, und wusste zu diesem oder jenem Musiker interessante Dinge zu berichten.
Weiter findet die Geschichte des Schwyzerörgelis Erwähnung, und es wird in Erinnerung gerufen: Diesmal haben’s nicht die Eidgenossen erfunden. Das erste Akkordeon wurde in Österreichs Hauptstadt Wien um 1829 gebaut. Dieses neue Instrument fand kurze Zeit später seinen Weg auch in die Schweiz. Erst wurden sogenannte Langnauerli fabriziert, etwas später die bekannten Schwyzerörgeli. Der Rest ist Geschichte.

Was mich ebenfalls faszinierte, sind die in meinen Augen fast lückenlosen Informationen zum Instrument, zu Musikanten, zu Restaurateuren und Produzenten. Bürgler schaffte es, mit einem cleveren Drehbuch alles Wichtige zum Schwyzerörgeli unter einen Hut, respektive in einen Film zu bringen. Es war eine klare Linie feststellbar. Was FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN auch so einzigartig macht sind die verschiedenen Schauplätze. Einmal wird in einem rauchigen Lokal zur urchigen Stubete aufgespielt, ein anderes Mal in einem Konzertsaal oder zuweilen auch bei einer Feier der Jenischen musiziert.

Der Humor kam im Film auch nicht zu kurz. So konnte man ab und zu herzhaft über irgendeinen träfen Spruch oder eine originelle Situation lachen.

Echo vom Schattenhalb


Video-Quelle: fremdfoetzeligemusikanten.ch

„Fremdfötzelige Musikanten“ heutzutags
Die im Film vorkommenden Musikformationen sind so bunt wie ein schön verziertes Schwyzerörgeli: Vom Echo vom Schattenhalb, über Flückiger’s AlpeNordsite, Seebi Schmidig mit Johann Buchli und Kari Schorno am Bass, Max Lässer und das Überlandorchester, Schwyzerörgeli-Duo Max Büchel & Lukas Stammler bis hin zum Marcel Oetiker Trio waren viele wichtigen Protagonisten vertreten. Apropos Marcel Oetiker: Den kannte ich bis gestern nicht. Was der aber auf seinem Instrument aufführt, ist nicht nur sehr speziell, sondern zielt auch in eine neue Dimension. Und: Das Instrument kann man, auch wegen seiner handlichen Grösse, nach New York mitnehmen und dort inmitten des pulsierenden Lebens spielen. Diese „Freiheit“ machen sich auch junge Musikstudenten zu Nutzen und integrieren ihr Örgeli in moderne Musik samt zugehöriger Technik, wie wenn es das Normalste der Welt sei. Eine neue Spielergeneration eben! Dazu gehört Markus Flückiger zwar nicht (mehr), denn er lernte noch von Leuten, welche mit dem urchigen Brauchtum aufgewachsen waren. Aber er ist mit Bestimmtheit der Wegbereiter für die neue Generation.

Zu den „fremdfötzligen Musikanten“ darf man heutzutage auch Christine Lauterburg zählen, welche singt, jodelt und sich dazu mit einem Langnauerli begleitet. Sie interpretiert Schweizer Volksmusik, Folk, Ethno, Worldmusic und Pop. Daneben komponiert sie, und zu ihrem Repertoire gehört auch vollständig neu arrangiertes, traditionelles Liedgut.
Mit dem Schwyzerörgeli lässt sich also nicht nur urchige Volksmusik spielen. Auch Weltmusik klingt hervorragend ab diesem Instrument!

Die geistige Landesverteidigung mit den „Musikpolizisten“
Erwähnt im Film wird auch die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, der Kalte Krieg, welche in unserem Land zu einer Art geistiger Landesverteidigung führte. Dazu gehörte auch das Bewahren von Traditionellem. Mit „Musikpolizisten“ wurde den Spielern auf die Finger geschaut, mutige Abweichler wie Flückiger wurden ernsthaft ermahnt. Heute gehört dies der Vergangenheit an, und die Freiheit der Interpretation ist wieder „erlaubt“. Aber: Nichts anderes schon machte Rees Gwerder. Wie Lukas Stammler, Basler und grosser Kenner der Muotathaler Volksmusik, erklärte, wurde Gwerder öfters des Etikettenschwindels bezichtigt. Wenn die Leute aber richtig hingehört hätten, hätten sie begriffen, dass Rees Gwerder statt „komponieren“ das Wort „kombinieren“ gebrauchte. Dieser nutzte nichts anderes als die angesprochene Freiheit der Interpretation und arrangierte die alt-überlieferten Tänzli nach seinem Gusto.

FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN ist der dritte Streich
Roger Bürgler, welcher die Idee und das Drehbuch zum Film hatte sowie zudem Regie führte, ist wenige Meter von der Schwyzerörgelifabrik Eichhorn in Schwyz aufgewachsen. Wo dereinst die Manufaktur im Hinterdorf hinziehen wird, ist noch nicht klar. Die heutigen Betreiber, Inhaber Greuter & Sohn, wollen das Geschäft mit dem Schwyzerörgeli aber so lange wie möglich weiterführen.

Der Filmemacher Bürgler ist alleiniger Inhaber der kulturwerk.ch GmbH, welche den Film produzierte und vertreibt. 2010 erschien dort der Kino-Dokumentarfilm «Syra Marty – Dächli Leni goes to Hollywood» (Buch und Regie: Roger Bürgler). Mit «Tönis Brautfahrt – Mit Senntenbauern über den Gotthard» (Regisseurin: Claudia Steiner) erschien im Frühjahr 2014 die zweite Kino-Dokumentarfilmproduktion.
FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN ist nun der dritte Streich aus Bürgler’s Firma. Der Schwyzer bewies mit dem Kameramann Stefan Prohinig ein feines Händchen. Dieser setzte die vielen bunten Standorte gekonnt in Szene. Benno Kälin fungierte zudem als angenehmer Sprecher und erzählte einiges von dem gesammelten Hintergrundwissen.

Das musikalisch sehr wertvolle Filmdokument läuft seit gestern Donnerstag im Kino. Zu sehen ist es in nächster Zeit in folgenden Kinos: Eventkino Theater Arth, Cineboxx Einsiedeln, Kino MythenForum Schwyz, Kino Seehof Zug, Kino Treff Herisau, Kino Leuzinger Altdorf, Kino Seefeld Sarnen, Kino Royal Aarberg und Kulturschuppen Klosters. Die Daten, Zeiten und Orte können ab der Film-Homepage entnommen werden.

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Roger Bürgler (Mitte) und seine Crew
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zum Schluss meines kurzen Rückblickes kann ich Roger Bürgler und seiner Crew nur ein grosses Kompliment aussprechen! Auf Facebook würde ich „Gefällt mir!“ anklicken. Ihnen, liebe Leser, empfehle ich diesen Film wärmstens. Denn dem Schwyzerörgeli als solches wurde scheinbar noch nie ein Film gewidmet. Dieses Instrument gehört zu unserem Land wie die Berge und Seen: Einzigartig, tiefgründig und voller Leben!

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„HujART“, die neue CD der Hujässler: Startschuss, Entstehung und Stilrichtung

Vorgestern bekam ich per Email einen Newsletter von der Hujgroup, respektive den Hujässlern zugestellt. Darin ging es natürlich um ihre soeben getaufte und veröffentlichte CD. Da ich mir bereits schon mit Freuden ihre CD „Schräägi Tüppä“ (Produktionsjahr 2006) reinzog, habe ich ohne gross zu überlegen ihr neustes Werk „HujART“ bestellt.
Zu der schriftlichen Bestellung legte ich aber noch fünf Fragen bei, welche mir Dani Häusler in der Folge ausführlich und spannend beantwortete.

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Dani Häusler
Bildquelle: hujgroup.com

Frage 1:
Wie lange habt ihr an der neuen CD „HujART“ gearbeitet? Wann war der Startschuss zum Projekt? Wer oder was brachte das Projekt so richtig ins Rollen?

„Wir waren 2011 auf einer kleinen Tournee, die wir als Vorbereitung auf die neue CD nutzten. Dort sind schon einige neue Stücke entstanden. Anfänglich wollten wir die CD zu Hause aufnehmen, zwei von uns können das. Es wurde aber nichts daraus, wir sind einfach zu verzettelt. Also haben wir uns vor einem Jahr entschieden, wieder ein Studio zu buchen. Dann haben wir im letzten Herbst zehn Proben abgemacht und sind im Dezember vier Tage ins Studio.“

Frage 2:
Wie muss man sich die Entstehung der neuen CD vorstellen? Wie lief das genau ab? Könnt ihr das für mich und meine Leser ein wenig aufskizzieren?

„Wir sind drei Komponisten. Jeder von uns bringt neue Stücke mit, die wir gemeinsam in den Proben umsetzen. Dann ab ins Studio. Im Gegensatz zu vielen heutigen Produktionen haben wir aber immer gemeinsam eingespielt. Also nicht nacheinander. Wir empfinden es als wichtig, gemeinsam die Stücke zum Leben zu erwecken.
Ein grosser Teil der CD-Produktion hat aber gar nichts mehr mit Musik zu tun: Grafik, Werbung, Saal für Taufe organisieren usw. Da haben wir uns dann aufgeteilt.“

Frage 3:
Auf eurer Homepage ist ersichtlich, dass ihr in nächster Zeit sieben Gigs habt. Einer davon sogar in Kärnten. Sind noch weitere Auftritte in Planung, auch im Ausland?
Wie kam’s zum Engagement in Kärnten?

„Anfänglich wollten wir wieder eine kleine CD-Promo-Tournee machen. Wir haben aber gemeinsam schlicht kein Zeitfenster gefunden. Wir haben uns aber trotzdem entschlossen die CD heraus zu bringen, da unsere Fans doch schon einige Jahre darauf warten. Die Gigs entsprechen also unserem normalen Auftrittsverhalten – auf Anfrage. So war es auch mit dem Gig in Kärnten. Für 2016 versuchen wir dann wieder eine kleine Reihe zu organisieren.
Aufs Ausland haben wir aber keine Ambitionen.“

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Hujässler
Bildquelle: hujgroup.com

Frage 4:
Wie würdet ihr die Stilrichtung von den Hujässlern umschreiben? Wenn ihr euch schubladisieren müsstet, wo würdet ihr euch hineinstecken? Zu den Traditionalisten, den Modernisten den Zeitlosen oder gar in eine neue Schublade?

„Die Schublade ‚Zeitlos‘ gefällt mir sehr gut. Das merke ich mir. Unter den ‚neuen Volksmusik-Projekten‘ sind wir sicher nicht allzu modern. Aber wir finden, dass wir unseren Stil gefestigt, und eine eigene Sprache gefunden haben. Zwischen Tradition und Moderne.“

Frage 5:
Ich habe mal gelesen, dass ihr wegen eures Stils auch schon kritisiert wurdet. Von wem und wegen was wurdet ihr dabei ins Gebet genommen?

„Das ist schon lange her und eigentlich nicht der Rede wert. Aber es ist bei den Volksmusik-Fans ähnlich wie bei vielen Musikkonsumenten: Man will eigentlich nichts ‚Neues‘ hören. Eigentlich bilden sich viele Leute mit 20 Jahren ihren Geschmack, und der ändert sich nicht mehr gross. Ich weise jeweils darauf hin, dass Bands wie AC/DC einfach bleiben wie sie sind, und den Fans das geben wofür sie stehen. Diese Fans wollen nicht, dass sich die Band verändert. Also müssen neue Bands, auch in der Volkmusik, ihre Anhänger finden und ‚bedienen‘. Wir versuchten aber immer an ein Publikum ranzukommen, welches eine gewisse Weiterentwicklung auch schätzt. So bleibt es naturgemäss eher kleiner.“

Nach diesen interessanten Antworten freue ich mich umso mehr auf den neusten Tonträger der Hujässler, der hoffentlich bald in meinem Briefkasten landet.
Dani, herzlichen Dank für das Beantworten meiner Fragen! Ich wünsche Dir und den anderen drei Hujässlern viel Erfolg, tolle Konzerte und viele magische Momente beim Musizieren.

feldwaldwiesenblogger