Warum „Fliegender Ring“ erscheinen soll – Ein Gespräch mit Aldo Betschart (Teil 2)

Am 23. Dezember besuchte ich Aldo Betschart (Gigers Aldo) in Zürich. Da ich dem Schriftsteller und Musiker zu verschiedenen Aspekten 20 Fragen stellte, fiel das Gespräch dementsprechend lange aus. So hatte ich hinterher Stoff für zwei Blogbeiträge.

Zur Erinnerung: Im Teil 1 erwähnte ich Aldos Erklärungen zum „Bettelbrief“, was er mit diesem beabsichtigt und wie das Echo darauf bislang ausfiel. Während des Verfassens des ersten Beitrages erreichte mich die Nachricht von Aldo, dass inzwischen rund 700 Franken zusammengekommen seien.

Nebst dem Bettelbrief war auch der Inhalt des Romans „Fliegender Ring“ beim ersten Teil ein Thema, notabene das bisher vierte Buch von Aldo. Des Weiteren befragte ich den 45-Jährigen wie er sich seinen Lebensunterhalt verdient, was ihm Familie bedeutet oder was für Dinge des Weltgeschehens ihn beschäftigen.

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Aldo, der Denker
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Die künstlerische Tätigkeit von Aldo:

An was für Projekten arbeitest du momentan?
Ich habe soeben das Layout zum Roman „Fliegender Ring“ fertig gestellt. Es wäre eigentlich parat zum Drucken. Daniel Frick, ein Freund von mir, wird für mich den Umschlag des Buches gestalten.
Weiter bin ich wieder an einem neuen Buchprojekt. Erst mache ich mir jeweils Notizen, und lasse diese über Monate „gären“. Mache mir dann wieder Gedanken, ergänze die Notizen und streiche auch Sachen raus. So lange der Roman „Fliegender Ring“ aber nicht vorliegt, kann ich dies nicht richtig in Angriff nehmen. Für mich ist nämlich enorm wichtig, erst das eine zu beenden.
Bei meiner Band „Despu Palliton“ habe ich soeben die Gesangsparts eingesungen. Unser finnischer Freund Janne Wrigstedt nahm mit uns sechs Songs auf. Das wird wirklich toll! Wir wollen im Frühling etwas veröffentlichen, sind uns aber noch nicht ganz im Klaren, in welcher Form. Es wird vermutlich eine Demo- oder Promo-CD sein.

Was ist eigentlich die Quelle deiner Inspiration?
Ich habe einen inneren Drang, mit meinen künstlerischen Ausdrucksweisen etwas zu machen. Es treibt mich eine gewisse latente Ruhelosigkeit, die ich so kanalisiere und gibt mir eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit. Wenn ich ein wenig am Rumstänkern bin, sagt meine Frau Dana manchmal: „Geh doch in den Proberaum, es tut dir gut.“ Sie weiss, dass mich das zufrieden macht, und ich wieder ausgeglichener heimkomme.

Wie kamst du seinerzeit zum Schreiben?
Als Kind habe ich gar nicht so viel gelesen. Mein erstes Buch war „Der rote Seidenschal“ von Federica de Cesco, welches mir mein Grossvater schenkte. So richtig gepackt hat es mich erst in der Pubertät. Ich las damals so Sachen wie Hesse oder Hemingway. In Mathematik war ich nie gut, Zahlen haben mich nicht interessiert. Ich las aber gerne und schrieb gerne Aufsätze. Während der Schulzeit sagte mir mal ein Lehrer: Ich soll doch mehr schreiben. Denn er hatte immer Spass, wenn ich eine Geschichte schrieb. Vor allem dann, wenn er mich ins Lehrerzimmer schickte, und ich als Strafaufgabe eine Geschichte verfassen musste. Ich kam jeweils innert kürzester Zeit mit mehreren Seiten retour. Der Lehrer meinte, dass ich das gerne machen würde. Ich entgegnete ihm, dass ich das lieber mache, als im Klassenzimmer zu sitzen. Kurze Zeit später nahm ich mir vor, eine erste Kurzgeschichte zu schreiben, und sass an eine Schreibmaschine. Diese Geschichte zeigte ich aber niemandem.
Das Schreiben kam wie automatisch. Ich bin richtiggehend reingewachsen. Anfangs der 1990iger Jahre schrieb ich bewusst die ersten Geschichten. Mit der damaligen Band Verwaint war es mir nie schwer gefallen, Songtexte zu verfassen. Das grösste Problem war höchstens die Übersetzung mit meinem schlechten Englisch.

Gesetzt der Fall, ein interessanter Verlag würde an dich herantreten und dir absolute künstlerische Freiheit bieten, würdest du einen Vertrag mit ihnen eingehen?
Ja. Wenn das gewährleistet ist, sofort. Wenn ein Verlag mir die Freiheit gäbe, dabei alles seriös ablaufen würde, und das Buch dann wirklich im Buchladen ausgelegt ist. Für mich wäre das kein Thema, wenn ich dadurch viele Leute erreichen könnte, und mir keine Gedanken mehr machen müsste, wie der nächste Lohn reinkommt. Das ist manchmal schon ein gewisser Druck, der auf mir lastet.

Wäre so eine Absicherung, wie bei der vorherigen Frage angesprochen, nicht auch ein Traum von dir, dass du gar davon leben könntest?
Ein Traum ist es sicher. Wie früher, als wir mit unserer Musik begannen, und damit die Welt erobern wollten. Und natürlich wäre es auch ein Wunsch. Ich müsste lügen, wenn ich Nein sagen würde: Denn so könnte ich wirklich das machen, was ich am liebsten machen würde.

Wie läuft es mit deiner Band Despu Palliton?
In kommerzieller Hinsicht miserabel. Aber hinsichtlich der Kreativität der Band läuft es super. Wir sind als Band einfach an einem toten Punkt angelangt, was die Konzerte anbelangt. Wir mögen uns hier nicht mehr anbiedern, und ich mag nicht mehr immer an den gleichen Orten auftreten. Denn geschätzt wird es überhaupt nicht. Wir konzentrieren uns nun voll auf Deutschland und Österreich. Zusammen mit unserem Freund Janne Wrigstedt, welcher uns produziert und unterstützt. Wir sind nun aktiv an der Konzertplanung für 2017.
Das Schweizer Publikum ist mit der Schwemme Bands komplett überfordert. In Deutschland und Österreich besteht ein anderes Interesse. Deshalb konzentrieren wir uns nun mehr nach aussen. Mit der Absicht, dass wir dort jeweils gleich drei oder vier Tage unterwegs sind. Das ist unser grosses Ziel! Deshalb lebt unsere Band noch, und alle sind leidenschaftlich dabei. Wir sind noch lange nicht fertig. Ich habe das Gefühl, das für uns noch viel passieren kann. Wir wollen schliesslich nur spielen, und nicht weltberühmt werden.

Was gibt dir das kulturelle Schaffen?
Es ist ein Teil von mir und macht mich zufrieden. Wenn ich manchmal Dampf im Kessel verspüre, hilft die Musik und das Schreiben, so gegensätzlich diese beiden Formen sind, und bringen mich in eine innere Ausgeglichenheit. Ich brauche die Szene nicht um mich herum, geniesse das kulturelle Schaffen einfach für mich.

Thema Muotathal:

Wieso zogst du eigentlich vom Muotatal weg und wohnst nun in Zürich?
Das ist eine gute Frage. Ich zog 1999 vom Muotatal weg und ging nach Amerika. Kurz vorher musste ich mich einer schweren, mehrstündigen Operation unterziehen. Nach der Operation habe ich ein altes Leben hinter mich gelassen. Ab dann begann für mich wie ein zweites Leben. Für mich gibt es die Zeit im Muotatal, wo ich bis im Alter von 27 Jahren lebte, und die Zeit danach.
Ich spielte schon vorher mit dem Gedanken, dass ich in meinem Leben etwas grundsätzlich verändern muss. Es hat nichts mit dem Muotatal an sich zu tun, ich habe es heute noch gerne. Ich habe aber gespürt: Wenn ich nicht gehe, kommt es nicht gut. Es war für mich wie ein Befreiungsakt.
Ich kam auf Umwegen nach Zürich. Wegen einer Lungenentzündung kehrte ich von Amerika heim. Anfangs 2001 hockte ich wieder im Muotatal, und es schneite richtige Haufen. Das war mir alles einfach zu viel, nach der intensiven Zeit in den USA. Mein Weg führte mich nach Zürich und ich kam bei einem guten Freund in dessen Mansarde im Niederdorf unter. Für mich war klar: Wenn ich wieder richtig gesund bin, suche ich in dieser Stadt einen Job. Ich habe die Anonymität und den Neustart richtiggehend gebraucht. In Zürich bin ich auch näher am Puls.

Ist dir als künstlerisch arbeitende Person das ländlich-urchige Muotatal, im Vergleich mit dem urban-lärmigen Zürich, zu engstirnig (geworden)?
Nein, überhaupt nicht. Man kann die beiden Orte nicht miteinander vergleichen. Es gab damals, als ich fortging, im Muotatal auch immer mehr Bands. Ich wollte für mich ein neues Umfeld. Und es war vor allem in meinem Kopf drin. Ich habe dieses Tal immer gerne gehabt, so wie es ist: Mit seinem Brauchtum, den Traditionen und der volkstümlichen Musik. Dies habe ich auch immer respektiert. Ich war lange genug dort zuhause und muss ehrlich gestehen, dass ich mich schon nach mehr Puls gesehnt habe.

Inwiefern prägte dich die Zeit mit der Muotathaler Naturcore-Band Verwaint?
Für mich war dies das Beste, was ich je in meinem Leben begonnen habe. Mit Menschen Musik machen, in einer Band spielen. Mein Leben wäre grundlegend anders verlaufen, wenn ich mit dem nie angefangen hätte. Ich verdanke so viel diesem Schritt, dass wir im Muotatal eine Band gegründet haben. Wir lernten sehr viele Leute kennen. Einige davon sind nun meine besten Freunde, welche ich sonst nie getroffen hätte.
Da den einen nicht gefiel was wir machten, gehörte auch ein gewisser Mut zur Sache dazu. Wir haben es trotzdem gemacht. Ich habe Freude daran und ich denke gerne an die Band zurück.

Wie gross ist deine Verbindung noch zum Muotatal?
Ich habe einen guten Bezug zum Tal. Auch wegen meinen Eltern oder dem Götti von Philon, die dort leben. Wenn ich im Muotatal zu Besuch bin und dort auf einer Eckbank mit einer Schar Leute zusammensitze, wird mir jedes Mal klar, dass ihnen der „Schnabel“ gleich gewachsen ist wie mir. Es ist einfach ein anderer Menschenschlag, welchen ich in Zürich ab und zu vermisse. So eine Ehrlichkeit und so ein natürlicher ungezwungener Humor sind für mich schon ganz speziell.
Ich reise zwar nicht viel ins Muotatal. Für mich ist aber ein Besuch dort fast wie Therapie, wenn ich mit meiner Familie bei Bruno Suter im Restaurant Hölloch übernachten kann.

Wer Aldo eine Spende für seinen neuen Roman zukommen lassen will, kann ihn über seine Homepage kontaktieren. Auf dieser findet sich auch eine Leseprobe von „Fliegender Ring“.
Ich für meinen Teil habe es genossen, mit diesem leidenschaftlichen Schriftsteller und Musiker ein äusserst interessantes Gespräch zu führen und hinterher zwei Textteile zu verfassen. Der 45-Jährige ist für mich eine faszinierende Persönlichkeit. Einerseits ist er ein bodenständiger Muotathaler geblieben, andererseits spürt man schon, dass er mit dem Puls von Zürich lebt.
Ich wünsche Aldo und seiner Familie für 2017 nur das Beste und dass seine Träume ein Stück weit in Erfüllung gehen!

feldwaldwiesenblogger

Am Samstag, 10. Dezember öffnet der „Earl Music Club“ seine Tore

Nachdem die Tore des Konzertlokals „Vorhöll“ im Stalden sich anfangs dieses Jahres schlossen, fehlte im Muotatal regelrecht eine derartige Lokalität, wo verschiedenste Konzerte oder kleine Theateraufführungen durchgeführt werden konnten. Am kommenden Samstag wird mit der offiziellen Eröffnung des „Earl Music Club“ an der Industriestrasse 6 in Ried-Muotathal SZ diese Lücke wieder geschlossen. Auf der clubeigenen Facebook-Seite findet man dazu folgende Informationen: „Der EARL MUSIC CLUB ist das Vereinslokal des Earl-Verein-Muotathal. Hier werden in loser Folge Konzerte und andere kulturelle Anlässe (zum Beispiel Filmabende) veranstaltet.“ Die Betreiber des kleinen, aber feinen Lokals werden Hugo „Hügi“ Schelbert („Bächelers“), Ralph „Hoss“ Gwerder („Schmalauelers“) und Markus „Märki“ Betschart („Gigärä Pitschä“) sein. Am 10. Dezember wird der Einstand mit einem Konzert der HOLY JUICE aus Steinen SZ gefeiert.

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Die drei Club-Betreiber: Märki, Hoss und Hügi (von links)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Vorgeschichte
Hügi, Hoss und Märki redeten schon länger davon, irgendwann einen eigenen Music Club zu eröffnen. Sie schauten deswegen im Muotatal geeignete Räumlichkeiten an. Hölloch-Wirt Bruno Suter schlug ihnen vor einiger Zeit das geschlossene Restaurant Pragelpass vor. Da das Gebäude aber wegen Abbruch und Erstellung eines Neubaus nur etwa zwei Jahre zur Verfügung gestanden hätte, lehnten sie dieses Angebot ab. Ein leer stehender Raum in Hügi‘s Elternhaus war auch kurzzeitig ein Thema. Sie liessen die Idee aber wieder fallen, da es sich um ein Wohnhaus handelt und ringsherum Leute wohnen. Irgendwann sagte ihnen Daniel Inderbitzin, ein Bandkollege von Hügi, dass eine grössere Fläche bei der Inderbitzin AG im Ried schon seit mehr als einem Jahr zur Vermietung ausgeschrieben sei. Die Fläche erstreckt sich über vier Container mit dünnen Zwischenwänden. In diesen waren einst die alten Büros der Inderbitzin AG und provisorische Schulräume untergebracht. Hügi erklärt: „Als wir auf diese Räumlichkeit kamen, ergab sich Schritt um Schritt. Nachdem wir die Bareinrichtung der geschlossenen Vorhöll gekauft haben, begannen wir ernsthaft darüber nachzudenken, hier drin Konzerte zu veranstalten.“ Märki ergänzt: „Als wir wussten, dass wir das mieten werden, haben wir bewusst auf dieses Ziel hin gearbeitet.“ „Nachdem wir uns mit den Verantwortlichen der Inderbitzin AG einig waren, haben sie sogar die Zwischenwände rausgerissen und die Ausmasse des Raumes wurden ersichtlich“, fügt Hoss an.

Woher stammt der Name des Clubs?
„Earl“ ist der Name eines Buses, den Hügi, Hoss und Märki einst besassen. Es handelt sich dabei um einen VW LT, Baujahr 1978, und war ursprünglich als Wohnmobil im Einsatz. Nach dem Kauf 2003 entfernten sie den Küchenteil, damit fünf Personen im Bus schlafen konnten. Mit Earl waren die drei Freunde bis 2015 regelmässig unterwegs. Ein Nachfolger musste inzwischen wieder her, dieser hört auf den Namen Tumbler.
Hoss malte als Erinnerung anhand einer Vorlage das Bild von Earl an eine Wand im neuen Club. Earl heisst eigentlich ausgesprochen „Extravagantes aussergewöhnliches Raumlastfahrzeug“. Wobei zuerst die Kurzform war und der lange Zusatz später dazu gedichtet wurde. Hoss sinniert: „Wir sind mehr als zehn Jahre mit diesem Bus rumgefahren. Er ist uns schon ans Herz gewachsen“, und Hügi meint: „Earl entwickelte sich besonders bei den Jungen im Thal zu einem Begriff.“ Märki weiter: „Es hat halt auch mit Musik zu tun. Zuerst war Earl der Band-Bus unserer Trashmetal-Band Ambrossia.“
Die drei gründeten den Earl-Verein-Muotathal als Trägerschaft für das Konzertlokal. Für sie ist es eine Absicherung sowie Stütze, und vereinfacht vieles bei der Organisation rund um den Club. Der Verein besteht nebst ihnen aus dem Ehrenmitglied Rolf Gwerder. Rolf war ursprünglich der „vierte Mann“, musste aber aus beruflichen und familiären Gründen etwas kürzer treten. „Rolf hat uns so oft wie möglich bei den Einrichtungsarbeiten geholfen. Putzte dabei alle Lüfter, schweisste und montierte Halterungen und half bei der Herrichtung des Vorhanges mit“, erzählt Hügi. Märki ergänzt: „Er war von Anfang an unser Ehrenmitglied. Wir wollen für unseren Verein momentan aber keine weiteren Mitglieder.“

Die Planung und Einrichtung
Am 5. November 2015 standen die drei zwecks Besichtigung zum ersten Mal vor der Tür des heutigen Music Clubs. Die anschliessende Planung führten sie selber durch. Die Überlegungen liefen in die Richtung, wo sich die Bühne befinden soll und dass wegen den Nachbarn die Wände isoliert werden müssen. Die bereits erstandene Bar-Theke zogen sie mit in die Planung ein. Im Voraus wurde Bruno Föhn, der Feuerschauer der Gemeinde Muotathal, angefragt, was sicherheitstechnisch alles zu machen ist. So zum Beispiel, dass ein Raum ab 50 Personen zwei Notausgänge haben muss. Hügi ergänzt: „Für das Gebäude, in welchem sich die Music Bar befindet, wurde eine Umnutzung vorgenommen. Damit hier auch ein Gastgewerbe-Betrieb untergebracht werden kann. Dies nahm sogar Stefan Inderbitzin von der Inderbitzin AG in die Hand. Dafür sind wir ihm dankbar. Wir haben selbstverständlich eine Bewilligung für die Betreibung des Clubs.“ Märki fügt an: „Wenn wir schon etwas investieren, soll auch alles korrekt abgesichert sein.“
Die Einrichtungsarbeiten liefen von März bis Oktober. Die Hauptarbeit ist verrichtet, ein paar kleine Details sind noch zu machen. Hoss erzählt: „Wir nahmen es locker und liessen uns Zeit. Die Arbeiten schritten aber jeweils gut voran, und machten uns auch Spass. Nebst der Bar sind auch die Tischchen, Hocker und die Lampen oberhalb der Theke von der Einrichtung der Vorhöll. Der feuerfeste Vorhang hinter der Bar und der Bühne bekamen wir als Sponsoring-Beitrag vom Theater Muotathal.“ Die Inderbitzin AG unterstützte die drei tatkräftig und installierte ihnen unter anderem Deckenradiatoren zur Beheizung des Raumes. Wie bereits erwähnt, griff ihnen bei der Einrichtung Rolf Gwerder unter die Arme. Weiter half ihnen bei vielen Arbeiten auch Beat Immoos, ein Kollege von der Band Bad Sin. Märki ist Elektromonteur, Ralph Möbelschreiner und Hügi Automechaniker: Drei Handwerker mit Berufen, welche ideal für viele Arbeiten waren. So konnten sie vieles selber machen und dabei auch einiges an Geld einsparen.
Eine neue Lichtanlage wurde angeschafft. Die komplette Musikanlage wurde von Märki beigesteuert. Der Club verfügt über eine Bühne und ist mit Musikinstrumenten eingerichtet, eine sogenannte Back-Line. Auftretende Bands dürfen davon Gebrauch machen, und müssen so nur ihre persönlichen Instrumente wie beispielsweise Gitarren mitnehmen.

Wie sah die Finanzierung aus?
Hügi, Hoss und Märki finanzierten alles selber. Jeder investierte eine grössere Summe in das Unterfangen Earl Music Club. Die endgültige Abrechnung wurde noch nicht gemacht. Für laufende Rechnungen errichtete der Earl Verein ein eigenes Bankkonto. Wie Hügi erklärte, ist es deshalb ihre Absicht, einmal im Monat ein Konzert durchzuführen. Damit Geld reinkommt, um die Investitionen abzahlen zu können. Märki: „Schön wäre es, wenn die getätigten Investitionen irgendwann abbezahlt sind.“
Der Raum des Clubs ist etwa 79 Quadratmeter gross und erfüllt gerade noch die Grösse für einen Raucherraum. Die Betreiber rechnen damit, dass um die 100 Personen Platz im Club finden werden. Zudem sind genügend Parkplätze zwischen den beiden Firmen Imhof Carrosserie- und Spritzwerk sowie der Inderbitzin AG vorhanden. Dies in einem abgegrenzten Bereich, damit auf der Seite, wo sich Wohnhäuser befinden, keine Lärmemissionen entstehen können.

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„Earl“, der Namensgeber des Clubs
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was wird im Earl Music Club alles angeboten?
Das Ziel ist, dass der Club einmal im Monat an einem Samstag geöffnet hat, und ein Anlass durchgeführt wird. Die Tore werden dann jeweils von 19 bis maximal 4 Uhr in der Früh offen sein. Dafür wird vorgängig eine Bewilligung für die Verlängerung eingeholt. Es werden nur kleine Snacks, aber keine warmen Speisen serviert. Bei den Getränken ist keine grosse Karte vorgesehen. Im Angebot werden Mineralwasser, Bier, Wein und ein paar Spirituosen sein. Die drei wollen nicht eine Bar in dem Sinne betreiben, sondern einen Konzertraum mit beschränktem Verpflegungs-Angebot.
Nebst Konzerten wollen sie auch Filmabende durchführen. Zu diesem Zweck haben die Betreiber eine Leinwand beim Bühnenbereich samt einem Beamer und einem entsprechenden Dolby Surround-System installiert. Hügi erklärt: „Möglich wäre auch das Aufführen von Kleintheatern mit etwa fünf Personen, wie sie auch schon in der Vorhöll stattgefunden haben. Wir sind für alles offen.“ Märki ergänzt: „Ganz allgemein gesagt, können hier verschiedene kulturelle Sachen gezeigt werden. Künstler von der Kleinkunst-Szene würden hier gewissermassen Platz finden. Es steht nächstes Jahr auch eine Techno-Party auf dem Programm. Einen Filmabend kann es aber durchaus auch spontan dazwischen geben.“
Die drei betonen, dass sie kein Aufnahmestudio seien, wie im Bote der Urschweiz geschrieben wurde. Aufnahmen für Bands könnten aber durchaus getätigt werden.

Welche Schwierigkeiten galt es seit der Idee bis zur Eröffnung des Clubs zu meistern?
Märki dazu: „Eigentlich überhaupt keine. Es lief alles relativ gut ab. Alle Bewilligungen und Genehmigungen wurden uns ohne Probleme und rasch erteilt. Da waren wir am Anfang im ungewissen und wussten nicht, wie das ablaufen würde.“ Hügi sieht es so: „Es gab schon manchmal Zeiten, wo es ein wenig stockte und nicht vorwärts ging. Dazu kamen auch kleine Verzögerungen. Zudem mussten wir auch manchmal zusammen sitzen und das weitere Vorgehen besprechen. Wir drei sind jedoch unkompliziert und konnten uns immer auf gute Lösungen einigen.“ Hoss weiter: „Ich habe nebst anderem auch die Ausschankbewilligung eingeholt. Was die Gemeindebehörde und den Gemeinderat von Muotathal betrifft kann man sagen, dass alles sehr unkompliziert ablief. Wir sprechen ihnen dafür unseren Dank aus. Das einzige, was uns ab jetzt in die Quere kommen könnte, könnten die Nachbarn sein. Wenn wir eventuell zu laut sein sollten.“
Die Nachbarn rings um den Music Club haben die drei vorgängig mit einem Flugblatt informiert und luden sie am 12. November zu einem Apéro ein. Ein paar von ihnen kamen, und konnten so die Clubbetreiber und das Lokal kennen lernen. An jenem Tag fand zudem ein „Soft-Opening“ mit ein paar geladenen Kollegen und Mitmusikern statt. Eingeladen waren auch die Verantwortlichen der Inderbitzin AG. Es waren um die 40 Personen anwesend. Die drei erzählten, dass es für sie zudem auch ein kleiner Test war, da sie bisher noch nie einen Club führten. Unisono erklärten die drei Freunde, dass es ein guter und gemütlicher Abend war.

Die Vorfreude zur bevorstehenden Club-Eröffnung ist gross
Der Club wird in erster Linie von den drei betrieben, bei Bedarf mit Unterstützung von Rolf und Alex Gwerder. Hoss erklärt: „Wenn uns Kollegen helfen wollen, können sie dies gerne tun. Einige haben uns bereits ihre Hilfe angeboten. Es wird sich dann zeigen, wie viele Leute es in Zukunft benötigt.“ Märki: „Wir waren schon an vielen Konzerten und sahen dabei viele Dinge, die man eigentlich besser machen könnte. Auch als Musiker bringen wir unsere gemachten Erfahrungen mit ein.“ Hügi ergänzt: „In den meisten kleinen Lokalen musst du jeweils alles selber mitnehmen und aufstellen. Das fällt hier weg. Fast nirgends triffst du auf eine komplette Musik- und Instrumenten-Einrichtung.“ Sie haben eine grosse Freude, dass es nun bald losgeht und erwarten coole Abende.
Das Echo zur bevorstehenden Eröffnung des Clubs sah bisher äusserst positiv aus. So erschien im Bote der Urschweiz am 30. November ein Bericht, und im Muotathaler Info-Blatt fanden sie ebenfalls Erwähnung. Weiter erhielten Hügi, Hoss und Märki auch positive Feedbacks via Facebook, wo sie vor kurzem eine eigene Seite eröffneten. Hügi dazu: „Viele Leute freuen sich, dass es ein kleiner Club wie im Stil von den nicht mehr geöffneten Vorhöll oder Kult-Turm geben wird. Für die Bands wird es von der Grösse her ein dankbarer Ort zum Auftreten sein.“ So haben schon etliche Bands um eine Auftrittsmöglichkeit nachgefragt. Bis und mit März ist schon jeder Monat ein Anlass geplant.

Die Philosophie des Earl Music Clubs
Die Clubbetreiber möchten kleine Konzerte für ein kleines Publikum durchführen und dabei Rockmusik in den verschiedensten Facetten anbieten. Die Stilrichtung soll dabei möglichst breit gefächert sein. Hügi ist folgendes wichtig: „Im Bastards Place werden auch Konzerte durchgeführt, und wir möchten sicher nicht deren Konkurrenz sein. Unser Club ist ein Konzertlokal und wir möchten in erster Linie eine Auftrittsmöglichkeit für kleine Künstler bieten. Das Bastards Place ist im Gegensatz zu uns ein Restaurant und kein Konzertlokal im üblichen Sinne. Ein Restaurant, wo auch Konzerte angeboten werden.“ Hoss erläutert weiter: „Nick Betschart vom Bastards Place organisiert zwar schon verschiedenste Bands. Schlussendlich fährt er aber eher die Rock-Schiene. Wir möchten aber auch Death Metal-Konzerte oder Techno-Partys anbieten. Wir sehen uns daher quasi als Ergänzung. Es schadet gar nicht, den Muotathalern auch andere Musikrichtungen nahe zu bringen. Es ist zudem unser Ziel, dass auch Leute von Schwyz und Umgebung in den Club kommen.“

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Der kleine aber feine Earl Music Club
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hügi, Hoss und Märki erklärten zum Schluss, dass sie bei der Einrichtungsarbeit eine gute Zeit hatten. Sie sahen sich dadurch wieder viel mehr, wie in ganz jungen Jahren. Das schweisste sie wieder zusammen. Früher spielten die drei Musiker gemeinsam bei der Death Metal-Band Ambrossia. Als die Band aufgelöst wurde, sahen sie sich automatisch weniger. Man kann wirklich sagen: Drei Freunde verwirklichten sich mit dem Earl Music Club einen lang gehegten Traum.
Ich erhielt beim Gespräch einen hervorragenden Eindruck von dem Lokal: Ein gemütlicher und angenehm eingerichteter Konzertraum. Man fühlt sich dort sofort wohl.

feldwaldwiesenblogger

„Keep The Valley Loud“ – Ein CD-Projekt mit Muotathaler Rockbands wird am 28. Januar 2017 getauft

Am 28. Januar 2017 findet im Earl Music Club in Ried-Muotathal SZ eine vielversprechende CD-Taufe statt. Der Silberling, ein Sampler, hört auf den Namen „Keep The Valley Loud“. Ein Ausschnitt aus dem dazugehörigen Pressetext umschreibt in groben Zügen was uns bei dieser CD erwartet: „Im Muotathal ist nicht nur die Natur roh, sondern auch die Musik“ – Rockmusik made im Muotatal.

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Jonas Marty am Mischpult
Bildquelle: Jonas Marty

Der Vater des CD-Projektes ist Jonas Marty
Die Idee zu diesem CD-Projekt hatte Jonas Marty. Der 27-Jährige ist im Muotatal aufgewachsen, wohnt jetzt in Brunnen und ist von Beruf Elektroniker. Jonas spielt bei den beiden Bands Dreadful und Ping Machines Leadgitarre und steuert die Backing Vocals bei. Nebenbei spielt er noch bei Projekten wie den „Dear Misses“ mit, von welchen auch ein Song auf dem Tonträger verewigt wurde.
Vor drei Jahren bewarb sich der Muotathaler für das Tonmeister-Studium an der Zürcher Hochschule der Künste. Jonas reichte dazu ein Dossier mit einigen Aufnahmen ein. Darunter ein Song, welcher auch auf der CD zu hören sein wird. Da die Kriterien sehr streng sind, und für ein Tonmeister-Studium nur sehr wenige Plätze vergeben werden, schaffte es der leidenschaftliche Gitarrist leider nicht. Das CD-Projekt erlebte 2013 bei den Aufnahmen für das eingereichte Dossier quasi seine Geburtsstunde. Dies brachte Jonas auf die Idee, eine CD mit Aufnahmen von verschiedenen Muotathaler Rockbands auf die Beine zu stellen. Für den Sampler suchte er sich einen coolen Namen, wo das Muotatal miteinbezogen ist: „Keep The Valley Loud“ war geboren.

Wer ist alles auf „Keep The Valley Loud“ zu hören?
Auf dem Sampler sind 15 Formationen zu hören: Sobchak, The Sinalcos, Five And A Half Thumbs, Dreadful, Infinitas, dustyboots, Ping Machines, Polution, The Late Birds, Dear Misses, Krolok, Abe & the Lincolns, Boiaggätüüfel, Kerry & The Layzers und AC/DC 2. Dabei handelt es sich um Muotathaler Bands oder Bandprojekte. In einem einzigen Fall, den Ping Machines, um eine Schwyzer Band. Aber mit einem Muotathaler Gitarristen, nämlich niemand geringerem als dem Mastermind Jonas Marty. Die Bands The Sinalcos, Five And A Half Thumbs und Kerry & The Layzers gibt es inzwischen nicht mehr. Bei „Dear Misses“ und „AC/DC 2“ handelt es sich um Projekte. „Boiaggätüüfel“ ist ein einmaliges Solo-Projekt von Sanchez (Christian Betschart).
Auf die Frage, wo er die Bands alle aufgestöbert habe, meint Jonas: „Weil ich selber Musik mache, kenne ich all diese Bands, und fragte sie darum auch an. Ich versuchte ihnen, mein Projekt schmackhaft zu machen. Es sagten praktisch alle angefragten sofort zu. Die Idee wäre gewesen, nur eigene Songs aufzunehmen. Das war aber schwierig, da einige Bands nur Covers spielen. Insgesamt machten etwa 45 Musiker mit. Einige sind sogar zwei bis drei Mal zu hören. Das Alter der teilgenommenen Musikanten bewegt sich etwa zwischen 24 und 65 Jahren.“

Welche musikalischen Stilrichtungen werden auf der CD abgedeckt?
Auf der CD findet man acht Eigenkompositionen und sieben Coverversionen von nachgespielten Songs. Jonas beschreibt die eingespielte Musik im Pressetext so: „Dreckig muss sie sein. Böse. Manchmal auch lieblich. Aber immer laut.“ Die musikalische Stilrichtung ist Rock in seinen verschiedenen Facetten: Stoner-Rock, Rockabilly, Death Metal, Blues, Countryrock, Hardrock, Rock’n’Roll, Punkrock, Psychedelic Rock, Heavy Metal und Roadmusic. Eine bunte Mischung also.
Die meisten Songs wurden im Dreadful-Proberaum aufgenommen. Das Aufnahme-Equipment stammt von Jonas‘ Band Dreadful. Dabei handelt es sich unter anderem um einen PC mit einem entsprechenden Aufnahmeprogramm. Einige Sachen, wie beispielsweise spezielle Mikrofone, lieh er sich von Infinitas, einer Muotathaler Metalband aus. Diese sind ebenfalls auf dem Sampler zu hören. Selv Martone und Piri Betschart von besagter Band nahmen auch die eine oder andere Band auf. Zudem stellten Infinitas ihren Proberaum samt ihren Gerätschaften zum Abmischen der Songs zur Verfügung.
AC/DC 2 nahmen ihren Song selber auf, ebenso das Solo-Projekt „Boiaggätüüfel“. dustyboots gingen für die Aufnahme ihres Songs in ein Studio. Für zwei Bands, Polution und Ping Machines, nahm Jonas die Aufnahmeutensilien in ihren bandeigenen Proberaum mit. Das Mastering der meisten Songs, die sogenannte Endbearbeitung von Tonaufnahmen und der letzte Schritt der Musikproduktion, führte Deezl Imhof im Foolpark in Kriens LU durch.
Laut Jonas lief im Grossen und Ganzen alles reibungslos ab. Technische Schwierigkeiten gab es nur wenige zu meistern. Es handelte sich dabei nur um kleine Details, wie beispielsweise falsche Aufnahme-Einstellungen.

Wie sieht die Finanzierung dieses Projektes aus?
Das ganze CD-Projekt verursachte Kosten von etwa 2‘500 Franken. Jonas stellte deswegen bei der Kulturkommission Muotathal ein Gesuch und erhielt einen Unterstützungsbeitrag von 1‘000 Franken. Der Musiker hofft nun, dass er die restlichen Kosten bei der CD-Taufe und beim Verkauf der CD’s reinholen wird.
Für die Gestaltung des CD-Covers und dessen Layout war Jonas‘ Freundin Sandra Magnusson verantwortlich. Als Basis nahm die studierte Grafikdesignerin ein von Jonas selber gemachtes Foto vom „Grossen Band“ her übers Muotatal. Das Ergebnis des Artworks, der künstlerischen Bildgestaltung, sind Covers mit gelbem und blauem Bild.
Wie bereits erwähnt, erfolgte der Startschuss zu diesem Projekt 2013. Ende 2016 wird alles fertig sein. Die Aufnahmen fanden von 2013 bis 2016 während dreier Jahre statt. Ebenso das Abmischen der Songs. Jonas erläutert dazu: „Da der Earl Music Club am 10. Dezember eröffnet wird, fand ich es eine gute Idee, mit ihnen einen Termin für die CD-Taufe abzumachen. Das bedeutet für mich Ansporn aber auch Druck, die CD fertig zu stellen.“

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Gelbes CD-Cover zum Sampler „Keep The Valley Loud“
Bildquelle: Jonas Marty

Die CD-Taufe wird im Earl Music Club über die Bühne gehen
Die Leute in Jonas‘ Umfeld fragten in letzter Zeit immer wieder nach der CD-Veröffentlichung. Diese wird nun am 28. Januar 2017 im Earl Music Club getauft. Parat sein werden dann 500 CD’s mit blauem und 500 CD’s mit gelbem Cover. Wer nicht an der Taufe teilnehmen kann, hat die Möglichkeit, den Silberling anschliessend bei Jonas direkt zu kaufen. Bei cede.ch wird sie erhältlich sein, wahrscheinlich auch beim Guitar Store Manea und Urs Schelbert (Bächelers). Auf einer Plattform im Internet (bandcamp.com) wird man die Songs entweder online beziehen, oder aber eine CD-Bestellung direkt an Jonas auslösen können.
Zur eigentlichen CD-Taufe hat sich Jonas noch keine grossen Gedanken gemacht. Er sagt dazu: „Was genau laufen wird, ist noch geheim. Diejenigen Bands, welche spielen möchten, können sicher auftreten. Eventuell treten auch jene auf, welche sonst nie live zu sehen sind. Alle Bands werden sowieso nicht auftreten. Eine völlig durchdachte Sache wird das nicht geben. Es soll locker sein, und man soll sich überraschen lassen.“ Die Organisation führt er zusammen mit den Earl Music Club-Betreibern durch.

Ein musikalisches Zeitdokument
Keep The Valley Loud“ ist ein musikalisches Zeitdokument von Muotathaler Rockbands, welche es zurzeit im Muotatal gibt, oder zumindest während den Aufnahme-Sessions noch gab. Jonas findet, dass es auf der CD das und dieses zu entdecken gebe. Rückblickend erklärt er zu seinem Projekt: „Ich habe aufnahmetechnisch viel gelernt. Die Aufnahmen dauerten gewöhnlich von 9 Uhr morgens bis spät abends und wir hatten dabei meist ein richtiges Fest. Während dem Projekt kamen mir ab und zu schon Gedanken, dass es viel Arbeit ist, und ob ich das tatsächlich beenden soll. Aber ich wollte dies durchziehen. Auch schon deshalb, weil ich allen Beteiligten sagte, dass ich es zu Ende bringen werde.“
Ob er weitere solche Projekte plant, kann er heute noch nicht sagen: „Ich weiss aber, dass ich sicher nicht mehr alles selber machen werde. Entweder nehme ich auf, oder ich mische ab. Was ich mir vorstellen könnte, wäre ein Sampler mit Songs von Bands, welche mir ihre Songs zustellen.“
Jonas hat sich zuhause ein kleines Studio eingerichtet und möchte in Zukunft noch mehr aufnehmen. Vor allem seine eigenen Songs. Er möchte dies aber nicht zu seinem Beruf machen. Denn der Spass steht im Vordergrund und er macht am liebsten Sachen, die ihm auch gefallen.
Er hat auch schon für seine Band Ping Machines Songs aufgenommen und abgemischt. Er behauptet von sich, dass er mehr der Livemusiker ist als der Techniker. Das Aufnehmen und Abmischen sei zudem auch Mittel zum Zweck. Nebenbei mischt er auch ab und zu an Konzerten für andere Bands.

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Interview mit dem Dudelsack-Spieler Rolf Heinzer: Er trat im Sommer beim Tattoo im kanadischen Halifax auf

Rolf Heinzer ist ein leidenschaftlicher Dudelsack-Spieler und Schottland-Fan. Er spielt dieses nicht einfach zu handhabende Instrument in einer Formation, welche sich „Lucerne Caledonians“ nennt. Der Muotathaler nahm schon an einigen Tattoos teil, darunter dreimal beim Basel Tattoo. Diesen Sommer reiste er nach Kanada, und trat beim Tattoo in Halifax auf. Dieses Tattoo gibt es inzwischen seit 1979.
Das Tattoo in Halifax und die damit verbundenen Auftritte nahm ich zum Anlass, mit Rolf ein Interview zu führen.

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Rolf Heinzer, leidenschaftlicher Dudelsack-Spieler
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Mit welcher Formation warst du in Halifax?
Mit den „Swiss Highlanders“, einer zusammengewürfelten Formation von 18 verschiedenen Einzelspielern, welche alle irgendwo in einer Schweizer (und einige wenige in einer deutschen) Band sind. Die „Swiss Highlanders“ kommen nur für die grossen Tattoos zusammen. Mit dieser Formation habe ich schon dreimal beim Basel Tattoo gespielt. Wir traten des Weiteren in Hamburg, Berlin und Barcelona auf. Unser Heim-Tattoo ist dasjenige in Basel. Im Herbst entscheiden wir jeweils, welches Tattoo wir nächstes Jahr machen. Das hängt auch davon ab, von wo wir Einladungen erhalten.

Wie heisst das Tattoo in Halifax genau und wie lange dauerte der Anlass?
Der volle Name lautet „Royal Nova Scotia International Tattoo“. Der Anlass dauerte neun Tage. Wir reisten fünf Tage vorher an, um zu proben.

Was muss man sich unter diesem Tattoo vorstellen?
Das Royal Nova Scotia International Tattoo ist weltweit das grösste Indoor-Tattoo, und wird in einer Eishockey-Arena durchgeführt. Der Ablauf mit den verschiedenen Formationen ähnelt demjenigen in Basel. Neben uns nahmen Formationen aus Kanada, USA, Deutschland und Kenia teil.
Dieses Tattoo unterscheidet sich insofern von anderen, weil es kanadisch-amerikanisch geprägt ist. Sie sagen dem „fast-paced“ (rasant, schnelllebig). Es ist eine schnelle Show, ohne sogenannte Show-Stoppers (Unterbrüche). Zudem ist das ganze ziemlich patriotisch aufgebaut. Kanada steht über allem. Während dem Tattoo findet am 1. Juli der Canada Day, der Nationalfeiertag, statt. Sie feiern ihr Kanada und ihre Royal Canadian Mounted Police (die königliche kanadische berittene Polizei).

Ist dieser Anlass vergleichbar mit dem Royal Edinburgh Military Tattoo oder dem Basel Tattoo?
Es ist nach Edinburgh und Basel das drittgrösste Tattoo der Welt. Der Anlass ist vergleichbar mit den beiden Tattoos. In Basel spielten wir jeweils zwei grosse Blöcke. In Halifax spielten wir fünf relativ kleine Blöcke, welche jeweils etwa sieben Minuten dauerten.

Wer machte beim Tattoo in Halifax mit?
Mitgemacht haben nebst den Dudelsack-Spielern noch weitere zehn Formationen. Formationen aus Kanada, das Heeres-Musikkorps Koblenz aus Deutschland und aus den USA die Musik der Royal Air Force. Dann Kunstturn-Formationen aus Kenia und Deutschland, sowie Tänzerinnen. Die Dudelsack-Spieler bestanden mehrheitlich aus Kanadiern, einer Formation aus Neuseeland und uns. Das ergab zusammen etwa 120 Dudelsack-Spieler. Alles in allem waren fast 1000 Mitwirkende dabei.

Wie liefen die Proben ab?
Für die Militärmusiken gibt es einen zuständigen Verantwortlichen. Ebenso einen für uns Dudelsackspieler, den man Pipe Major nennt. Der Pipe Major schreibt meist selber die Noten, instruiert im Vorfeld alle Dudelsackformationen und leitete vor Ort auch die Proben. Bei den Proben wurden vor allem die Choreographien einstudiert, welche die Organisatoren schon vorbereitet hatten. Der Produzent hat ein bestimmtes Sujet im Kopf, welches eingeübt wird.
Die Proben waren streng. Sie dauerten gewöhnlich von 9 Uhr bis abends 22 oder 23 Uhr. Je nachdem, wie der Produzent zufrieden ist. Nach den fünf Probetagen muss einfach alles stimmen. Jeder muss an die richtigen Orte laufen, die Übergänge müssen stimmen. Es darf keine Show-Stoppers geben. Am Schluss gab es einen Durchgang ohne und mit Uniform, weiter eine Hauptprobe mit Publikum. Dabei muss man sich viele Details merken können. Dies macht es nebst dem Spielen zu einer richtigen Herausforderung.
Die Noten der Musikstücke haben wir ein halbes Jahr vorher bekommen. Du hast Zeit, um das einzustudieren. Dazu gab es gemeinsame Übungseinheiten und sogenannte Drill-Weekends mit intensiven Proben.

vor einem auftritt in halifax
Rolf Heinzer vor einem Auftritt in Halifax
Bildquelle: Rolf Heinzer

Wie viele Auftritte habt ihr absolviert? Wie sah diese Zeit für euch aus?
Pro Tag spielten wir einen Auftritt in der Arena. Showbeginn war um 19 Uhr. Wir fanden uns jeweils um 16 Uhr ein, um uns anzukleiden und einzuspielen. Insgesamt fanden neun Vorstellungen mit je 8000 Zuschauern statt.
Von den Organisatoren wurden wir zu zusätzlichen Auftritten eingespannt. Zweimal spielten wir in der Stadt zu Promotionszwecken. Am Canada Day nahmen wir an einer Tattoo-Parade durch die Stadt teil. Einmal gab es ein Treffen mit dem Honorarkonsul, welcher extra von Montreal anreiste. Ein einziges Mal konnten wir einen Ausflug machen. Sonst hatten wir eigentlich fast keine freie Zeit.
Beim Tattoo traten die Dudelsackspieler jeweils als eine Formation auf. Mit unserer Formation „Swiss Highlanders“ bestritten wir Einzelauftritte an den verschiedenen Plätzen in der Stadt.

Wie muss man sich das vorstellen: Sind solche Anlässe streng für die Beteiligten? Herrscht gewissermassen ein wenig der militärische Drill vor, gar eine Kasernierung?
In Edinburgh ist es schon ziemlich streng, in Basel und Halifax ist es hingegen lockerer. Wir waren in einer Universität untergebracht, welche relativ weit abseits der Stadt gelegen ist. Da gab es weit und breit kein Restaurant, um zwischendurch ein Bier trinken zu gehen. Daher kann man schon von einer Art „Kasernierung“ sprechen.
Die Organisatoren sind zuständig für die Logistik, die Transporte, Verpflegung und die Betreuung in der Arena. Es gibt einen klaren Zeitplan, zwischendurch hat man einige wenige Freiräume.

Wie war die Stimmung innerhalb eurer Formation und an den Auftritten?
Wir hatten es untereinander sehr gut. Es war gewissermassen wie eine Teambildungsmassnahme. Was ein wenig die Stimmung trübte, war das Transportwesen, welches nicht einwandfrei funktionierte. Zur Show wurden wir immer rechtzeitig gebracht. Für den Rücktransport war meist kein Bus da, und wir warteten bis eine Stunde. Man ist nach der Show, also etwa um 24 Uhr, ziemlich kaputt und möchte zurück in die Unterkunft und raus aus der Uniform. Es wurde dann mit Taxis oder Kleinbussen improvisiert.
Die Organisatoren haben uns sehr viel eingesetzt. Wir hätten uns alle mehr Freiräume erwartet, um auch etwas anschauen zu können. Von der Stadt Halifax bekamen wir in den zwei Wochen wenig zu sehen.
Die Stimmung an den Auftritten war sehr gut. Die Leute sind extrem begeisterungsfähig. Sie kommen sehr aus sich heraus, vor allem weil das Ganze patriotisch aufgebaut ist. Sie haben auch keine Skrupel, zu ihrem Patriotismus zu stehen. Da wurde inbrünstig mitgesungen und man spürte, dass für sie Kanada ein und alles ist. Man stellte aber auch fest, dass sie nach wie vor einen grossen Bezug zu ihren schottischen Wurzeln haben.
Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia (Neuschottland), welche ab dem Mittelalter von schottischen Einwanderern besiedelt wurde. Diese gründeten verschiedene Ortschaften mit Namen, wie man sie auch in Schottland findet.

Was war dein persönlicher Höhepunkt in Halifax?
Mein persönlicher Höhepunkt war die Parade durch die Stadt. Es waren viele Leute anwesend und zudem feierten sie just ihren Nationalfeiertag. Wir liefen eine schöne Route durch Halifax und es herrschte schönes Wetter vor. Die Zuschauer machten mit und waren begeistert.

War Halifax bisher der Höhepunkt in deiner Karriere als Dudelsack-Spieler?
Nein, für mich ist weiterhin das Basel Tattoo das Highlight. Das sagten auch meine Kollegen. Wir werden 2017 ein kleineres Tattoo in Nordeuropa bestreiten und dann 2018 voraussichtlich am Basel Tattoo unser 10-jähriges Jubiläum feiern. Dort ist aus Sicht der Akteure einfach alles perfekt organisiert: Von der Logistik, über die Verpflegung und Unterkunft, bis hin zur Betreuung. Auch wie alles aufgegleist ist und der Zeitplan eingehalten wird. An diesem Anlass misst man halt auch die anderen.

Wie lange spielst du eigentlich schon Dudelsack? Wie kamst du dazu?
Es sind mittlerweile 20 Jahre, ich habe 1996 damit begonnen.
1996 war die Fussball-EM in England, welche ich auch besuchte. In Birmingham gingen wir vor einem Spiel in die Stadt, wo sich Tausende von Schotten und Hunderte von Dudelsackspielern befanden. Dies hat mich richtiggehend elektrisiert. Ein gutes Jahr später fand ich einen Lehrer in Luzern, welcher mir die ersten Schritte beim Dudelsack-Spiel beibrachte.

Wie lange dauert es eigentlich, bis man einigermassen einen Dudelsack spielen kann?
Ein durchschnittlich begabter Spieler braucht etwa anderthalb Jahre, bis er einen anständigen Ton dem Instrument entlocken kann. Weiter benötigt es ein weiteres Jahr, damit man etwas spielen kann, was nach Musik klingt.

bei einem auftritt beim basel tattoo
Rolf Heinzer bei einem Auftritt beim Basel Tattoo
Bildquelle: Rolf Heinzer

Rolf erklärte zum Schluss des Gesprächs, dass für eine Teilnahme an einem Tattoo gute Kenntnisse der englischen Sprache fast Voraussetzung sind. Die Instruktionen und Befehle sind in Englisch und ein grosser Teil der Teilnehmer spricht von zuhause aus Englisch. Der Bezug zu Schottland ist schon rein sprachlich gegeben.

Ein Dudelsack-Spieler frönt diesem Instrument, weil er meist auch ein grosser Fan von Schottland und seinen Bräuchen ist. Es ist gewissermassen ein Paket, auf das man sich einlässt: Nebst dem Erlernen des Instrumentes lernt man viel von der Kultur dieses wunderschönen Landes. Hierzulande spielen einige Leute Dudelsack. Den zündenden Funken dazu haben sie, wie Rolf, vielfach in Schottland oder England erlebt.

Ich bedanke mich bei Rolf für das sehr interessante und ausführliche Gespräch, bei welchem ich einige Wissenslücken schliessen konnte!

feldwaldwiesenblogger

„Die Muotathaler Volksmusik – von urchig bis konzertant“ – Teil 2 des Werdeganges für den Muotathaler „Zirk“

Am 30. März schaltete ich den Blogbeitrag „Die Veröffentlichung des neuen Schwyzer Heftes „Innerschwyzer Volksmusik“ erfolgt am 17. April“ online. Darin berichtete ich, dass ich für die Juli-Ausgabe des „Muotathaler Zirkes“ einen Beitrag über das Schwyzer Heft und das von mir verfasste Muotathaler-Kapitel schreiben darf. Im ersten Teil des „Werdeganges“ widmete ich mich der Vorgeschichte dieses Projektes, und berichtete über die ersten Interviews. Weiter über die viele Kleinarbeit, die dahinter steckt und einige ganz wichtige Bezugsquelle: balbuluz.blogspot.ch, den Blog von Lukas Stammler.

Im Teil 2 stellte ich eine Zusammenfassung des Textes zusammen und zitiere darin Auszüge des Muotathaler Teiles. Die volksmusikalische Reise führt uns dabei von den ersten Musikinstrumenten und die Ursprünge der instrumentalen Volksmusik im Muotatal bis zu der Ländlermusik in der heutigen Zeit.

bild innerschwyzer volksmusik
„Innerschwyzer Volksmusik“ ist nun erhältlich
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Erste Musikinstrumente und die Ursprünge der instrumentalen Volksmusik im Muotatal
In diversen Kapiteln versuchte ich unserer instrumentalen Volksmusik auf die Spur zu kommen. Dazu schrieb ich: „Wie unsere Vorfahren zur Volksmusik kamen, ist leider nicht überliefert. Allerdings entwickelte sich in dem abgeschiedenen Tal schon früh eine grosse Vielfalt an Melodien. Diese konnten sich durch das in der Bevölkerung ausgeprägte Festhalten am Überlieferten bis in die heutige Zeit halten.“ Bei archäologischen Grabungen sind in der Gemeinde Illgau Reste von Maultrommeln (Trümpi) zum Vorschein gekommen. Sie werden ins 12. bis 14. Jahrhundert datiert. Während Alphörner für das Muotatal bis heute untypisch blieben, lässt sicher der Büchel bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.
Bevor das Schwyzerörgeli die Volksmusik „eroberte“, wurden die überlieferten Melodien mit Streichinstrumenten (vor allem Geige, Bassgeige und Zither), mit Blasinstrumenten (Klarinette und Trompete) sowie mit Muulörgeli und Trümpi gespielt. Dabei wurde und wird im Muotathal sehr vielseitig musiziert. Nebst den bereits erwähnten Instrumenten werden das Klavier, Schwegelpfeife und Flöte, sowie Büchel und Chlefeli in unserer Volksmusik eingesetzt. Einige der genannten Instrumente werden heutzutage leider nur noch ganz selten gespielt.

Musikanten im Restaurant Schäfli
Musikanten im Restaurant „Schäfli“ um 1920
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Die ersten Schwyzerörgeli im Muotatal
Um die Jahrhundertwende kamen die ersten Schwyzerörgeli ins Tal. Zu den Pionieren in unserer Gegend werden Alois Suter (Dr Lisäbethler), Melchior Anton Langenegger (Dr Egg-Basch) und Franz Betschart (Dr Liäneler) gezählt. Um 1920 kam auch im Muotatal die chromatische Handorgel auf. Zu den ganz wichtigen frühen Schwyzerörgeli- und Handorgel-Spielern zählt man Leo Schelbert (Tönis), Franz Schmidig senior (Lunnis), Anton Betschart (Jakä), Fredy Zwimpfer, Josef Ehrler (Schinäler), Zeno Rickenbacher (Zenäli), Adolf Schelbert (Rösslis), Georg-Anton Langenegger (Egg-Baschä), Emil Schelbert (Jörätönuls), Bernhardin Schmidig (Lunnis), Willy Suter (Stützlers), Paul Betschart (Zinglä Gändler), Josef Ablondi (Blundis) und Stefan Suter (Stützlers).

Rees Gwerder, Bisisthaler und Hüritaler Musikanten
Einer der wichtigsten und bedeutensten Schwyzerörgler war Rees Gwerder (Eigälers). Er wurde 1911 in Muotathal geboren. Schon als fünf-Jähriger begann er, die ersten Stücke auf dem Schwyzerörgeli seines Vaters zu spielen. Als 15-Jähriger verfügte er bereits über einen Stock von 100 Melodien. Kurz bevor Rees in die Rekrutenschule einruckte, kaufte er sich zum damals hohen Preis von 430 Franken die erste Eichhorn-Schwyzerorgel. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zog Rees Gwerder von Muotathal nach Arth.
Einer der wohl bekanntesten Bisistaler Musikanten der alten Zeit war Paul Suter (Fruttlers), welcher öfters mit Rees Gwerder zusammenspielte. Weitere Bisisthaler Musikanten sind Theres Ulrich-Betschart (Wildä, Schwyzer Zither), ab der Windegg die beiden Brüder Oswald und Franz Föhn (Föhnä, Handorgel). Ebenfalls ab der Windegg stammte Alois Schmidig, ein bekannter und äusserst talentierter Klavierspieler. Griti Ulrich-Gwerder und ihr Mann Paul Ulrich gründeten Mitte der 1970er-Jahre die „Husmusig Famile Ulrich“. Sehr bekannt war ebenfalls das „Echo vom Pfannenstock“ vom Schwarzenbach im Bisistal.
Das Hürital war früher lange Zeit eine Musikantenhochburg: Anton Betschart (Jakä), Rees Gwerder (Eigälers), Josef Imhof (Predägers), Franz Anton Suter (Gross Schnäpf) und nicht zuletzt die Famile von „Gigers“ (Betschart) wohnten dort.

Die ersten Ländlerkapellen und der Muotathaler Ländlermusik-Stil
Die 1960 gegründete „Kapelle Zwimpfer-Suter“ war gewissermassen die erste Ländlerkapelle im Muotatal. Ihr folgte 1962 die „Tanzkapelle“ Suter-Föhn“. Später kamen mit „Schmidig-Gisler“, „Schmidig-Valotti“, das „Echo vom Klingenstock“ und der „Kapelle Kari Suter“ weitere Ländlerkapellen hinzu.
Den Muotathaler Stil als solches gibt es nicht, er ist ein Teil des Innerschweizer Stils. Trotzdem kann die Art des Musizierens unserer Vorfahren als sehr lebhaft bezeichnet werden. Sie kombinierten oft alte Tänze mit eigenen „Teili“ oder ersetzten sie und schon entstand gewissermassen fast ein neues Stück. Statt komponiert ist früher vielfach kombiniert worden. Das ist heutzutage ein wenig anders. Da viele Tänze geschrieben und auf Tonträger verewigt sind, kann dies zu Kritik führen, wenn ein Stück nicht so gespielt wird, wie es sich der Komponist erdacht hat.

kapelle zwimpfer-suter
Kapelle „Zwimpfer-Suter“
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Komponisten und Kompositionen
Die bekanntesten Muotataler Komponisten sind Leo Schelbert (Tönis), Franz Schmidig senior (Lunnis), Fredy Zwimpfer, Josef Heinzer (Schründler) und Anton Betschart (Jakä). Sie schrieben Kompositionen, welche überlebt haben. Franz Schmidig junior (Lunnis) und Kari Suter (Länzä) zählen zur jüngeren Generation der Muotathaler Komponisten. Beide sind heute noch aktiv.
Die bekannteste Muotathaler Komposition ist auch eine sogenannte „Kombination“. Xaver Schmidig (Lunniwisels), von Beruf Küfer, war Klarinettist und spielte seinerzeit in der Feldmusik eine Melodie, deren Ursprung ein Bayrischer Fanfarenmarsch war. Man nannte dieses Tänzli in der Folge „ds Chüäfers Tanz“ oder später „dr Chüäfer“, bis Fredy Zwimpfer daraus „dr urchig Muotithaler“ machte und mit ihm grosse Erfolge feiern durfte.

Wichtige Muotathaler Volksmusikanten von heute und aktuell aktive Formationen
Zu den heute wichtigsten Volksmusikanten zählt man die Handorgelspieler Franz Schmidig junior (Lunnis), Robert Suter (Nüschälis), Franz Föhn (Föhnä), Friedel Herger, Roman Schmidig, Urs Zehnder, den Klarinettisten Kari Suter (Länzä) und den Muulörgler Werner Schelbert (Seppälers). Diese Musikanten spielen ihre teilweise selber komponierten Tänze mit viel Können sowie einer sauberen Spielweise und hauchen auch den alten Kompositionen neues Leben ein.
Zu den aktiven Formationen gehören das seit rund fünf Jahrzehnten bestehende „Schwyzerörgeli-Duo Schelbert-Marty“. Weiter „ds’Jakä Buäbä“, die „Familienkapelle Schmidig“ vom Ried-Muotathal, die „Kapelle Domini Steiner“, das „Schwyzerörgeli-Duo Echo vom Schattenhalb“, das „Handorgel-Duo Schmidig-Zehnder, „d’Sunnämusig“, das „Handorgel-Duo Bürgler Herger“, das „Ländlertrio Ablondi-Gwerder“, das „Handorgel-Duo Franz Schmidig (junior)-Robert Suter“, das „Handorgel-Duo Suter Föhn“, das „Handorgel-Duo Patrick Suter-Urs Zehnder“, das „Handorgel-Duo Markus Betschart-Robert Suter“, und das „Schwyzerörgeli-Duo Büchel-Stammler“.
Das „Schwyzerörgeli-Duo Echo vom Hüribachtobel“ ist eine Jungformation und spielt hauptsächlich urtümliche Tänzli.

zweimal zwei generationen
Zwei mal zwei Generationen und vier mal Franz
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Wichtige Anlässe von früher und heute
Die Anlässe haben sich verändert, ebenso das Tanzen und die Tanzbräuche. Wegen den wenigen bewilligungspflichtigen Tanztagen fanden früher sogenannte „Schloffätänz“ im privaten Bereich statt. Tanzveranstaltungen in den Wirtshäusern hatten später eine ganz bestimmte Ordnung einzuhalten. Bis gegen Ende der 1940er-Jahre war das Tanzschenkerwesen mit dem „Räschtlitanz“ üblich. In den 1970er-Jahren gab es eine Lockerung mit zusätzlichen Tanztagen und ab anfangs der 1980er-Jahre wurden die „Schloffätänz“ hinfällig als die offiziellen Tanztage ganz wegfielen.
Von 1969 bis 1976 führte Fredy Zwimpfer jährlich ein Ländlertreffen im Restaurant „Sternen“ durch, bei welchen Formationen aus der ganzen Schweiz auftraten. Von 1976 bis 1979 fanden im Restaurant „Sonne“ vier Muotataler Ländlertreffen statt. Daran nahmen ausschliesslich einheimische Volksmusikanten teil. Im Jahre 2007 wurde zum Gedenken an die sieben bekanntesten Muotathaler Komponisten Leo Schelbert, Anton Betschart, Fredy Zwimpfer, Franz Schmidig senior, Cäcilia Schmidig-Schmidig, Josef Heinzer und Kari Suter beim Restaurant „Sonne“ die Muotathaler Musikanten-Stubete durchgeführt.
2008 wurde vom Verein „Giigäbank“ der „Muotitaler Ländlersunnig“ ins Leben gerufen. Der Grossanlass findet jeweils am letzten Sonntag im Jahr in verschiedenen Gaststätten statt. Die beiden Viehmärkte, die Hinterthaler Chilbi und der Bisisthaler Schafmärcht sind bis heute für die Volksmusik wichtig geblieben. Weiter erklingt von November bis Mai jeden Samstagabend im Restaurant „Fluhhof“ Ländlermusik, zudem ist dort am dritten Sonntag im Monat „Stubätä“ angesagt. Regelmässige volkstümliche Anlässe gibt es auch im Restaurant „Alpenrösli“. Über die Sommermonate ist im Alprestaurant „Roggäloch“ jeden Sonntagnachmittag Ländlermusik zu hören. Schliesslich gibt es auch im Restaurant „Sternen“ einige volkstümliche Anlässe und „Stubätä“.
Der Verein „Giigäbank“ führt zudem regelmässig Anlässe unter dem Motto „Luschtig tönts vom Giigäbank“ durch. Dabei wird einheimischen Komponisten und Musikanten gedacht.

Die Ländlermusik in der heutigen Zeit
Die Ländlermusik hat heute im Muotatal sicher nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher. Angesichts des Überangebots an allen möglichen Aktivitäten spielt sie eher eine untergeordnete Rolle. Dennoch gibt es junge Leute, vor allem aus bäuerlichen Kreisen, welche nach wie vor an der Volksmusik interessiert sind. Sie führen heute ihre eigenen Feste durch. Als Beispiel kann das „Tännfäscht“ aufgeführt werden, organisiert von der Landjugend Muotathal-Illgau.
Es ist ein Glücksfall, dass Einheimische von der Wichtigkeit des musikalischen Kulturguts überzeugt sind und sich für dessen Erhaltung stark machen. Mit diesem Grundgedanken ist im Jahr 2009 der Verein „Giigäbank“ zur Förderung der Volkskultur in den Gemeinden Muotathal und Illgau gegründet worden.
Die Zukunft der Muotathaler Volksmusik steht auf gesunden Beinen. Der Verein „Giigäbank“ sammelt und bewahrt das Ländlermusik-Gut. Die 1990 gegründete Musikschule Muotathal-Illgau, an welcher unter anderem Schwyzerörgeli, Handorgel, Klarinette und Schwyzer Zither erlernt werden kann, fördert dieses Gut. Und die zahlreichen Musikanten spielen die Ländlermusik.
Das Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“ ist bei der Kantonalen Kulturförderung (Tel. 041 819 20 88 oder Mail pius.ruhstaller@sz.ch) und im Buchhandel zum Preis von Fr. 25.- erhältlich.

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Jungformation: „Echo vom Hüribachtobel“ mit Willi und Silvan Betschart
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Mit diesen beiden Teilen versuche ich in einem zweiseitigen Beitrag im Muotathaler Zirk, „Innerschwyzer Volksmusik“ den Lesern näher zu bringen. Den Fokus richte ich dabei klar auf die Muotathaler Volksmusik. Wer weiss, vielleicht werden diese Zeilen den einen oder anderen Interessenten zu einem Kauf animieren.
Übrigens: Pius Ruhstaller teilte mir am 13. Mai mit, dass die erste Auflage von „Innerschwyzer Volksmusik“ mit 900 Exemplaren bereits ausverkauft sei. So wie es aber aussieht, soll es eine zweite Auflage geben. Aus meiner Sicht wäre dies nur wünschenswert, scheint doch das Interesse nach diesem Zeitdokument über unsere Volksmusik riesig zu sein.

feldwaldwiesenblogger

Gespräch mit dem Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof

Kürzlich traf ich mich mit dem Muotathaler Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof. Im Proberaum, wo sein Schlagzeug steht, befragte ich den 39-Jährigen zu seinem grossen Hobby, dem Schlagzeugspiel. Natürlich war auch der Einstieg bei der Hardcore-Band Vale Tudo ein Thema.
Angesprochen auf sein Alter meinte der bärtige Drummer, dass sein „Muotathaler Jahrgang“ weitherum der beste sei. Und zwar im Bezug auf die Anzahl „Luszapfen“. Dieses Thema haben wir in der Folge nicht weiter vertieft…
Heinz ist verheiratet und arbeitet als Autolackierer in einem 80 Prozent-Pensum zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder in einem Familienbetrieb. Des Weiteren unterrichtet er an den Musikschulen Muotathal/Illgau (11 Schüler) und Brunnen/Ingenbohl (14 Schüler). Als weitere Hobbys nannte mir Heinz Jassen, Sport, Lesen und gelegentliche Ausflüge.

heinz draussen
Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was bedeutet für dich das Schlagzeugspielen?
Einerseits ist es etwas Normales und etwas Schönes. Etwas, das ich sehr gerne mache. Andererseits schlägt man dabei nur auf Blech und Plastik ein. Mehr steckt eigentlich nicht dahinter. Es hat einen gewissen Stellenwert in meinem Leben, ist aber nicht lebensnotwendig. Dabei gäbe es genug anderes, was man auch machen könnte.

Wann hast du mit dem Schlagzeugspiel angefangen?
Begonnen habe ich im Herbst 1988 als Tambour bei den Muotathaler Fasnachts-Tambouren. Alois Betschart zeigte mir die ersten Sachen auf der grossen Trommel. Darauf übte ich rege und konnte in der Fasnacht 1989 zum ersten Mal mittun. Gut zwei Jahre später kam ich zum Musikverein Muotathal und spielte zuerst „die Tschinellen“.
1991 habe ich zum ersten Mal Schlagzeug gespielt. Ich sass hinter das Schlagzeug des damaligen Verwaint-Drummers Roger Schelbert und hatte keine Ahnung, wie so was ging. Verwaint-Gitarrist Erich Gwerder erklärte mir, was Roger hinter dem Drum jeweils macht. Mit diesen ersten Anweisungen begann ich am Schlagzeug zu üben. Ich durfte mich nun einmal pro Woche auf Roger’s Drum betätigen, denn ich hatte zu der Zeit noch kein Eigenes.

In welchen Bands hast du bisher gespielt?
Meine erste Band waren die bereits genannten Verwaint. Bei der Muotathaler „Natur Core“-Band spielte ich von 1992 bis zur Auflösung 1998. Weiter gab es noch diese und jene Formation, manchmal nur für eine CD-Aufnahme. Dann kam die Death Metal/Grindcore-Band Embalming Theatre. Bei ihnen trommle ich schon seit 17 Jahren und wir haben es immer noch sehr lustig miteinander. Wir proben jeweils nur vor Auftritten.
Von 2002 bis 2008 bediente ich die Drums bei Disparaged, einer in der Szene bekannte Death-Metal-Band aus Sisikon UR.

In welchen Bands oder Formationen spielst du derzeit?
Seit Februar dieses Jahr trommle ich bei Vale Tudo, einer schweizweit bekannten Hardcore-Band aus Zürich. Und natürlich weiterhin bei Embalming Theatre.

Technisch bist du ein sehr versierter Drummer. Wie sah dein Werdegang aus?
Ich habe immer versucht, es richtig klingen zu lassen. Die Vorstellung, wie etwas technisch gespielt werden muss, und die Umsetzung, bis ich es konnte. Ich spielte viel und schaute diverse Sachen an. Dazu kommt: Die erlernten Tambouren-Techniken sind nicht zu unterschätzen. Es ist etwas vom Besten für die Handtechnik. Weiter hörte ich vielen anderen Trommlern zu. Ich versuchte rauszuhören, was sie spielen und warum sie etwas so praktizieren. Das Nachspielen ist das eine, das andere ist, wie es gespielt wird. Dabei kann man von etlichen Drummern verschiedene Tricks abschauen. Auf die Details kommt es an.
Ich kaufte zudem Notenbücher und zwang mich, diese anzuschauen und dazu zu spielen. Auch wenn ich damals von Noten noch keine grosse Ahnung hatte. Internet gab es am Anfang meiner Schlagzeuger-Karriere noch nicht. Video-Kassetten zum Selbststudium waren zu jener Zeit angesagt. Heute ist es um einiges einfacher, man findet im Internet unglaublich viele Sachen.
Als ich das erste Mal in den Schlagzeugunterricht ging, war ich schon 20 Jahre Drummer. Vor einiger Zeit besuchte ich während zwei Jahren die Swiss Drum Academy in Oberglatt ZH und absolvierte den berufsbegleitenden Lehrgang zum Profischlagzeuger. Ich besitze nun ein Diplom, war aber kein guter Schüler. In dieser Schule wurden einem Dinge gezeigt, auf die man nie gekommen wäre. Wie zum Beispiel verfeinerte Bewegungsabläufe. Zusätzlich lernte ich von der Pike auf das Notenlesen. Ich spiele nun relativ viel nach Noten, weil es für mich die Sache leichter macht. Zudem kann ich mir die ganzen Details schlicht nicht merken. Für Vale Tudo beispielsweise habe ich meine eigene Notierung für ihre Lieder geschrieben. Damit habe ich die Basis, wie ein Song gespielt werden muss.

Welche Drummer sind deine Vorbilder? Warum?
Vorbilder habe ich eigentlich nicht. Es gibt so viele verschiedene Musikrichtungen mit den dazugehörigen Spitzendrummern. Am meisten mag ich die Trommler, denen man die Freude beim Spielen anmerkt. Der Drum-Roadie von den Sex Pistols ist so ein Drummer, welchen ich bei einem Workshop in Deutschland spielen sah. Er ist nicht unbedingt ein guter Schlagzeuger. Aber das Imposanteste war für mich seine grosse Freude, welche er bei seinem Spiel an den Tag legte.
Orientiert habe ich mich an einigen Drummern. Virgil Donati ist dabei für mich die Nummer eins. In ganz jungen Jahren gab es drei Drummer: Dave Lombardo von Slayer, Charlie Benante von Anthrax und Nicko McBrain von Iron Maiden. Später kam Jeff Porcaro von Toto dazu. Dann liess ich die Heavy Metal-Geschichten ein wenig beiseite. Und es kam der angesprochene Donati dazu. Weiter Thomas Lang, welchen ich persönlich kenne. Zurzeit spielt er bei Gianna Nannini und Robbie Williams, früher bei Falco. Lang ist für mich ein sehr motivierender Trommler, auch seiner Geschichten wegen. Oder Dom Famularo, welchem ich mit meinen Schlagzeugschülern bei einem Workshop zusah. Seine Ausstrahlung war für alle unglaublich motivierend. Einer der mir auch sehr gut gefällt, ist der Drummer von Sting, Manu Katché. Er spielt so fein Schlagzeug, richtig angenehm zum Zuhören. Das ist einfach gezielt super, der spielt richtig Musik hinter seinem Drumkit.

heinz am drum
Heinz Imhof hinter seinem Schlagzeug
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie viele Stunden probst du pro Woche? Was probst du genau?
Momentan probe ich für mich etwa zwei bis drei Stunden pro Woche. Dazu kommt noch eine gut einstündige Band-Probe mit Vale Tudo.
Ich übe für mich Sachen, die mir noch nicht so liegen. Oder Sachen, welche ich bei einer Musikformation können muss. Weiter für meine Musikschüler: Ich komponiere gelegentlich für einen Schüler ein Solo und will es natürlich auch spielen können. Ich versuche auch, aus Büchern heraus verschiedene Dinge nachzuspielen. Zudem probe ich an der Unabhängigkeit.

Woran arbeitest du „schlagzeugtechnisch“ zurzeit am intensivsten?
Technisch gesehen sind es gewisse Bewegungsabläufe an den Füssen und an den Händen, die mir noch nicht so passen. Zum Beispiel eine Figur mit dem rechten Fuss für mein Bassdrum-Spiel. Dabei gibt es auch noch etwas bei der linken Hand, was ich am Ausprobieren bin.
Musikalisch sind es derzeit die Songs von Vale Tudo, damit ich die sauber spielen kann.

Seit wann bist du bei Vale Tudo. Erzähl doch etwas über die Band, und wie es zum Einstieg kam?
Am Februar dieses Jahr habe ich das erste Mal mit ihnen geprobt.
Vale Tudo ist eine Zürcher Band und besteht neben mir aus zwei Sängern, zwei Gitarristen und einem Bassisten. Vor der Gründung von Vale Tudo spielten drei Bandmitglieder bei PX-Pain, einer bekannten Trash Metal-Band aus Zürich. Vale Tudo wurden übrigens 2006 gegründet.
Meine Frau sah auf Facebook, dass die Jungs einen Drummer suchen. Sie meinte, ich soll doch mal bei ihnen vorspielen. Nach einigem Überlegen meldete ich mich bei ihnen und durfte dann auch vorspielen. Erschwerend kam hinzu: Ich hatte zu dieser Zeit, Mitte Januar, eine lädierte Schulter und konnte meinen rechten Arm nicht richtig heben. Vier Songs musste ich vorgängig einüben. Beim „Casting“ spielte ich die vier Songs mit ihnen, respektive ich wurde nur von einem Gitarristen und dem Bassisten begleitet. Die beiden Sänger und der zweite Gitarrist haben zugehört und das Ganze auch auf Band aufgenommen. Anschliessend wurden die Songs noch mit den Sängern zusammen gespielt. Zum Schluss gab es noch eine kleine Unterredung, welche bald einmal abgeschlossen wurde, da noch ein anderer Drummer zum Vorspiel eingeladen wurde. Einen Tag später bekam ich schon die Zusage. Ich teilte ihnen aber mit, dass ich noch etwas Bedenkzeit benötige. Einige Tage später sagte ich zu.

Wie sieht die nahe Zukunft bei Vale Tudo aus? Was ist alles geplant? Wo kann man euch live sehen?
In nächster Zeit, das heisst bis nach den Sommerferien, sind 14 Konzerte geplant. Vor gut drei Wochen spielte ich die ersten beiden Konzerte mit Vale Tudo. Einige Konzerte sind wirklich sehr interessant. Einerseits spielen wir zusammen mit bekannten amerikanischen Bands, zum Teil im Vorprogramm. Andererseits werden wir an so tollen Orten wie beim Obenuse Fest in Zürich (7. Mai) oder beim Greenfield Festival (8. bis 11. Juni) auftreten. Bis auf ein Konzert, welches in Deutschland über die Bühne gehen wird, sind alle hier in der Schweiz geplant. Ein Gig wird in der Westschweiz sein. Der grosse Rest ist verteilt über die halbe Deutschschweiz. Da beide Sänger bei zwei verschiedenen Konzertveranstaltern arbeiten, haben sie so beste Verbindungen in die Szene. Diese Tatsache führte schon zu einigen Auftrittsanfragen. Die zwei sind auch verantwortlich für jegliche Organisationsarbeiten rund um unsere Band.
Von Vale Tudo ist vor einigen Tagen eine neue CD erschienen. Der Tonträger hört auf den Namen „Still Anything Goes“, und wurde kürzlich in der Sendung „Rock Special“ bei SRF3 vorgestellt. Da während den Aufnahmen der bisherige Trommler die Band verliess, wurden bei den Songs die Drumparts mit einem ausgeklügelten PC-Programm eingespielt.

Bringst du alle deine Tätigkeiten wie Beruf, Schlagzeugunterricht und Drummer bei Vale Tudo gut unter einen Hut?
Wenn ich nicht das Gefühl hätte, das es funktioniert, würde ich es nicht machen. Dabei setze ich ganz klare Prioritäten und liess wegen meiner Berufstätigkeit auch schon Band-Proben aus. Dies natürlich alles in Absprache mit meinen Bandkollegen.

Was versuchst du deinen Schülern beim Erlernen des Schlagzeugspiels mit auf den Weg zu geben?
Zuerst, dass sie Freude am Instrument haben. Das Technische ist dabei zweitrangig. Das Hauptziel ist, dass die Schüler ihr Gehör und ihr Können soweit entwickeln. Damit sie, wenn sie nicht mehr im Unterricht sind, mit Gleichaltrigen zusammen musizieren können. Und aus ihrem Erlernten etwas machen können.

Wie sehen deine Pläne und Ziele als Schlagzeuger aus?
Ich habe diesbezüglich weder Pläne noch Ziele. Ich spiele einfach aus Freude Schlagzeug und möchte dies so lange wie möglich tun.

Heinz, besten Dank für deine Zeit und die wertvollen Informationen rund um dein Schlagzeugspiel! Ich wünsche dem motivierten Muotathaler dabei alles Gute, Erfolg und in erster Linie viel Freude bei seinem grossen Hobby.

feldwaldwiesenblogger

Die Veröffentlichung des neuen Schwyzer Heftes „Innerschwyzer Volksmusik“ erfolgt am 17. April

Wie kürzlich im Blogbeitrag „D’Sunnämusig“: Vier Rentner spielen jeden Dienstagnachmittag im Restaurant Alpenrösli erwähnt, wird nun am 17. April das von mir schon mehrmals genannte „neue Schwyzer Heft“ anlässlich einer Vernissage in Rothenthurm SZ veröffentlicht. Dieses Heft wird den schlichten Titel „Innerschwyzer Volksmusik“ tragen. Die Nummer 104 in der Reihe der Schwyzer Hefte widmet sich, wie ebenfalls einige Male angesprochen, der Volksmusik im inneren Kantonsteil. Darin ist auch ein mehrseitiges Kapitel unserer Volksmusik im Thal gewidmet: „Die Muotathaler Volksmusik – von urchig bis konzertant“.

Da meine Wenigkeit den Text verfasste, darf ich dazu für die Juli-Ausgabe des „Muotathaler Zirkes“ einen Beitrag verfassen. Wir haben zwar erst Ende März, ich habe aber bereits mit der Niederschrift der Zeilen begonnen. Und wie auch schon praktiziert, lasse ich auch diesmal wieder „meine Blog-Leser“ an der Entstehung des Textes teilhaben.
Im ersten Teil des Werdeganges widme ich mich der Vorgeschichte dieses Projektes, den ersten beiden Interviews und einer wichtigen Quelle.

Auf schlussendlich 26 Seiten wurde versucht, mit Text und Bild sich möglichst wahrheitsgetreu diesem sehr ergiebigen Thema zu widmen. In unzähligen Stunden, in vielen Gesprächen und der Durchsicht von alten Dokumenten wurde einiges an Material zusammengetragen. Dieses Material wurde gesichtet und in viel Kleinarbeit zu einem grossen Ganzen verwendet. Für ein Dokument, welches unserer Volksmusik von den Anfangstagen des Schwyzerörgelis bis in die heutige Zeit gerecht zu werden versucht.

Vorgeschichte
pius ruhstaller
Pius Ruhstaller, Projektleiter des neuen Schwyzer Heftes „Innerschwyzer Volksmusik“
Bildquelle: echo-vom-gaetterli.ch

Im Jahr 2014 kontaktierte Pius Ruhstaller, Sachbearbeiter bei der Geschäftsstelle Kulturkommission vom Kanton Schwyz, den Muotathaler Verein Giigäbank. Ruhstaller erklärte den Verantwortlichen des Vereins, dass ein neues Schwyzer Heft in Planung sei. Dieses Heft soll die Volksmusik vom inneren Kantonsteil von Schwyz thematisieren. Die Absicht sei, dass jede Gemeinde als Vorgabe etwa zehn Seiten zusammentragen soll. Der Projektleiter des neuen Schwyzer Heftes deckte die Muotathaler mit ersten Informationen und einem Grobkonzept ein. Nebst den zehn Seiten Text sollen Kurzporträts von den wichtigsten Volksmusikanten und passende Anekdoten verfasst werden. Zudem seien zahleiche Fotos, auch ältere, zu diesem Thema erwünscht.

Der Verein Giigäbank, welcher 2009 zur Förderung der Volkskultur in den Gemeinden Muotathal und Illgau gegründet wurde, machte sich auf die Suche nach einem „Autor“. Diesen fanden sie in meiner Person. Da sich meine musikalischen Wurzeln eher im Rock-, Blues-, Country-, Jazz- und Gospel-Bereich befinden, war ich anfänglich skeptisch gegenüber diesem Projekt. Ich konnte mich dann aber doch relativ rasch dazu entschliessen, dieses in meinen Augen „Gross-Projekt“ in Angriff zu nehmen. Der Startschuss erfolgte im Herbst 2014.

Interviews und viel Kleinarbeit
Als Erstes traf ich mich mit Peter Betschart, einem ausgewiesenen Kenner der Muotathaler Volksmusik und Vorstandsmitglied des „Giigäbanks“. Er erklärte mir die Absicht der Schwyzer Kulturkommission und das Konzept. Ich machte mir Notizen und Betschart gab mir auch entsprechende Unterlagen zum Studium mit.

Ich las mich erstmal ins Thema ein und erarbeitete mir ein eigenes Grobkonzept. Am Wochenende des Muotitaler Alpchäsmarktes führte ich die ersten beiden von etwa 15 Interviews durch. Ich startete mit Kari Suter (Länzä), welcher mit 13 Jahren zum Klarinettenspiel fand. Aus seiner Feder stammen etwa 60 Kompositionen. Suter war nicht nur in diversen Ländlerkapellen aktiv. Er war auch von 1967 bis 1998 Dirigent im Musikverein Muotathal und von 1977 bis 1997 Dirigent des Jodlerklubs Muotathal. Meine Wahl traf nicht zufällig als Ersten Kari Suter. Denn ich vereinbarte mit Peter Betschart, dass ich von sechs Muotathaler Volksmusikanten ein Kurzporträt fürs Schwyzer Heft verfasse. Nebst Suter erfolgte dies für Anton Betschart (Jakä), Franz Schmidig senior und Franz Schmidig junior (Lunnis), Fredi Zwimpfer sowie Leo Schelbert (Tönis).
Nebst viel Wissenswertem und Informativem rund um die Muotathaler Volksmusik-Szene erzählte mir Suter auch amüsante Anekdoten.

Josef Inderbitzin (Sunnäwirt), ein begnadeter Handorgel-Spieler und ausgezeichneter Kenner der Muotathaler Volksmusik, war meine zweite Interview-Station. Inderbitzin brachte mir einige Muotathaler Volksmusikanten näher, von welchen ich bis dahin noch nie gehört habe. Auch er wusste viele Geschichten und lustige Begebenheiten. Dazu nannte er mir viele Einzelheiten und Details zu längst verstorbenen Musikanten. Weiter berichtete der ehemalige Wirt des Restaurants Sonne von den Anfängen des Schwyzerörgelis.

Der Blog von Lukas Stammler
Wie schon bei Kari Suter, nahm ich das Gespräch mit Josef Inderbitzin mit meinem iPhone auf. Als Vorbereitung hatte ich das erarbeitete Grobkonzept dabei. Dieses war der rote Faden beim Interview. Zuhause schrieb ich die beiden Gespräche nieder, setzte daraus viele Fakten in den künftigen „Haupttext“, legte neue Daten-Files an und sammelte die ersten Anekdoten. Aus den beiden Gesprächen ergaben sich neue Fragen, welche ich mir notierte.

Wie für diesen „Zirk-Text“, habe ich schon das „Projekt Muotathaler Volksmusik“ mit meinem Blog begleitet. Dabei veröffentlichte ich zum Gespräch mit Kari Suter einen separaten Blog-Beitrag: Ds Tönnis Leo fuhr “Mit em Töff is Muotathal” und ds Länzä Kari mit der Vespa nach Engelberg. Das Interview mit Josef Inderbitzin und die daraus resultierenden Fakten fanden sich in folgenden zwei Berichten wieder: Die Anfangstage der Schwyzer Örgeler im Muotathal und was der „Tschinggä-Liederverein“ einst so trieb und Ein paar lustige Anekdoten aus alten Zeiten (aus dem Gespräch mit Josef Inderbitzin).

balbuluz
Schwyzer Handharmonika – balbuluz.blogspot.ch
Bildquelle: balbuluz.blogspot.ch

Zudem konsultierte ich im Internet den Blog von Lukas Stammler: Schwyzer Handharmonika – balbuluz.blogspot.ch. Stammler, ein Dr. med. aus Basel und unter anderem Dozent am Anatomischen Institut der Universität Basel, spielt selber hervorragend Schwyzerörgeli. Er verbrachte viel Zeit im Muotatal und trug unzählige Informationen zu alten, traditionellen Tänzli und den alten Schwyzerörgelern aus dem Muotatal zusammen. Weiter entwickelte sich Lukas Stammler zu einem Fachmann und Kenner der Schwyzerörgeli der Firma Eichhorn von Schwyz.

feldwaldwiesenblogger