Das letzte Konzert der Five and a half Thumbs (Dümä)

Die Five and a half Thumbs („Dümä“) sind im Ziel, respektive hatten gestern ihren letzten Auftritt im Saal des Restaurant Sternen im Muotathal. Das Konzert war schlicht umwerfend, genial, einzigartig und voller Power.

In meinem letzten Beitrag „Vor dem letzten Konzert: Proberaumbesuch bei den Five and a half Thumbs (Dümä)“ stellte ich die Band näher vor, und liess sie dabei zu Wort kommen. Heute lasse ich mit 12 Fotos die Musik und die dazugehörige Atmosphäre von gestern Abend für sich sprechen. Die war einfach unbeschreiblich, und wie sagt man doch so schön: Bilder sagen mehr als tausend Worte.

vor dem gig
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Der Saal des Restaurants Sternen wurde wunderbar hergerichtet. Eine schöne Bühne, samt Sound- und Lichtanlage wurde aufgestellt. Kurz nach 18 Uhr war alles „ready“!

die beiden mischer
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Für den Sound war Jonas Marty verantwortlich, für das Licht Pirmin Betschart. Beide bedienten während der grossen Musikparty zuverlässig ihre Regler und trugen viel zum guten Gelingen bei.

schlatt-lee am rocken
(Bildquelle: BB / feldwaldwiesenblogger)

Pünktlich um 20.15 Uhr eröffneten wir von Schlatt-Lee den Konzertabend und begannen mit dem CCR-Klassiker „Bad Moon Rising“ loszurocken. Wir hatten grossen Spass, für die Five and a half Thumbs anheizen zu dürfen. Dabei beschallten wir das Publikum unter anderem mit „Born to be wild“, „Break the Rules“ und einem weiteren CCR-Klassiker: „Have you ever seen the rain“. Die Zuhörer wurden allmählich wach, und bei uns begann der Schweiss zu fliessen. Gegen 21.30 Uhr kamen wir mit „Rotä Wy“ von Polo Hofer zum letzten Song. Das Publikum hatte noch nicht genug, und wir legten mit dem Uriah Heep-Klassiker „Lady in Black“ noch eine Schippe drauf. Die „Zugabe, Zugabe“-Rufe wollten nicht verstummen, und wir setzten zu unserer Hymne „Gut Preis“ an. Der Saal und das Publikum waren nun auf Betriebstemperatur und wir durften zufrieden und verschwitzt an die Dümä übergeben.

viel publikum erschienen
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Im Sternensaal waren übrigens sehr viele Leute anwesend, um den „Däumlingen“ nochmals zu huldigen. Ich vermute, dass so um 350 Personen den Weg in den Muotathaler Konzertempel fanden. Eine friedliche und fröhliche Stimmung war auszumachen.

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(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Dann enterten sie die Bretter, die die Welt bedeuten: Five and a half Thumbs, anno 2010 gegründet. Ihr letztes Konzert sollte nochmals eine Riesenparty werden. Das Trio begeisterte sofort und hatte das Publikum schnell im Griff. Songs wie „Rockabilly rules“, „All of me“, „That’s allright“ oder „Something’else“ liessen keine Wünsche offen. Die Jungs haben’s einfach drauf, und frönen einem Musikstil, der nicht totzukriegen ist. „All of me“ wurde beispielsweise im Jahr 1920 komponiert, und hat von ihrem Glanz noch nichts verloren. Ganz im Gegenteil: Die Dümä hauchten den alten Songs neues Leben ein. Ihre Instrumentierung, das Stehschlagzeug, der Stehbass und das Old Style-Mikrofon von Cyril passte perfekt. Es ist nicht nur schön zum Gucken, nein, die drei beherrschen ihr Spiel auch ausgezeichnet. Cyril zeigte gekonnt sein Gitarrenspiel, das an frühere Zeiten erinnerte. Beat hielt seinen Stehbass zwischen den Beinen, und zupfte brillant an den Saiten. Adi swingte und rockte an seinem Stehschlagzeug, eine wahre Freude. Viele bekannte Oldies von so namhaften Stars wie Eddie Cochrane oder Johnny Cash wurden zelebriert.

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(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Dabei kam natürlich auch die Show nicht zu kurz. Beat übernahm kurzerhand die Gitarre von Cyril und stand dabei auf seinem Bass, der seinerseits nun Cyril zupfte. Adi stieg auf seine Bassdrum und bespielte sein Schlagzeug mal von einer anderen Seite. Herrlich! Ihr Sound swingte und stampfte, dabei blieb kein Fuss und kein Bein mehr ruhig.
Bei „Move it on over“ nahm Cyril eine selber gemachte Gitarre zur Hand und entlockte ihr slidend wunderbare Töne. Gegen Ende des Trio-Sets folgte der Beatles-Klassiker „Help“ und der Rolling Stones-Hit „Don’t stop“. Zum Abschluss erklangen „Blitzkrieg Bop“ von der amerikanischen Punkrockband Ramones, welches Bassmann Beat sang und „The Circus“. „The Circus“, ihre eigenwillige Eigenkomposition im Psychobilly-Stil, umrahmt mit ruhigen Bassbogen-Tönen, aber auch brachial rockiger Gitarre. „Ganz grosses Kino“, meinte unser Schlatt-Lee-Bassist Markus „Knüpul“ Betschart. Wie Recht er doch hatte!

theo, piano
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Nach einer halbstündigen Pause folgte das zweite Set der Dümä. Eingeläutet wurde es mit „Mister Sandman“, doch dieser hatte noch nichts zu suchen. Geschlafen wurde noch lange nicht. Denn mit ihren vier Gastmusikern ging die Party weiter.
Gestartet wurde mit schönen Nummern wie „Rock this Town“, „Lawdy miss clawdy“ und „Whole lotta shain“ mit Piano-Begleitung. Am Piano war „Schnellfinger“ Theo Schmidig, welcher gekonnt seine Finger über die Tasten fliegen liess. Der Mann kann nicht nur zu Ländler, auch Rock’n’Roll ist definitiv kein Fremdwort für ihn.

alexandra(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Weiter kam mit Alexandra Betschart-Suter eine wunderbare und ausdrucksstarke Sängerin auf die Bühne, welche bei „Good Golly Miss Molly“, „Wanda Jackson“, „Great Balls of fire“ oder „Run Run Rudolph“ ihr Können aufblitzen liess. Da kam schon Hühnerhaut-Stimmung auf.

beny
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Als weiterer Gast wurde Beny Betschart auf die Bühne gebeten. Der vielseitige Musiker ist nicht nur bei Country, Rock’n’Roll und Blues zu Hause, er ist auch ein begnadeter Naturjuuzer.
Mit Akkustik-Gitarre, Bluesharp und natürlich Gesang begeisterte er das Publikum und gab so wunderbare Perlen wie „Brown Sugar“, „Wonderful World“, „Rollin and Thumblin“ oder „One Horse Town“ zum Besten.

roman
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Zu guter Letzt durfte auch Roman Schmidig mit seinem Akkordeon ran. Zu „Irish“, „Mary Lou“, „Old Dan Tucker“ und „Dirty Old Town“ zeigte der exzellente Akkordeon-Spieler sein grosses Können und untermalte diese Songs mit feinen Klängen. Absolut geil!

dümä und gastmusiker
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Bevor mit „Wagon Wheel“, Beny’s Lieblingssong, das reguläre Set in einem viel umjubelten Konzert abgeschlossen wurde, griff Cyril beherzt in die Banjo-Saiten. Beat kündigte den Gitarristen als „Banjo-Picker von der Balm“ an, dieser nahm dankend an und „pickte“ gekonnt zu „East bound’n‘ down“ und dem besagten „Wagon Wheel“.
Überhaupt: Bei „Wagon Wheel“ stand das Trio mit allen Gastmusikern auf der Bühne und die Stimmung im Sternensaal war am Siedepunkt.

viel publikum, feiernd
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Das Publikum war begeistert, tanzte und klatschte zu den Songs. Eine wahre Freude!
Nach dem regulären Set folgte eine stimmungsvolle Zugabe mit „Sweet Home Chicago“, welche die Five and a half Thumbs als Trio bestritten. Es wurden nochmals alle Register der Kunst gezogen, und sogar Adi kam zu einem kurzen Solo-Gesang. Hammer!

Nach tosendem Applaus schrie das Publikum nach weiteren Zugaben. Das Trio enterte nochmals die Bühne, in ihrem Schlepptau die vier Gastmusiker. Es folgte „You never can tell“ von Chuck Berry, gesungen von Alexandra. Mit „Adios Mexico“ von den Texas Tornados verabschiedeten sich die Musiker endgültig um etwa ein Uhr in der Früh von der Bühne.
Zugleich war das auch der Abschied der Dümä von ihren Fans. Schweisstriefend, aber glücklich genehmigten sich die Musiker ein Bier und genossen ihr soeben zu Ende gegangenes Konzert.

Mir fehlen nach dem grandiosen Abend irgendwie die Worte. Es war schlicht grossartig, einzigartig, „muotathalerartig“. Der Abend war zugleich auch emotional, und das Konzert dürfte so schnell niemand vergessen.

Jetzt ist erstmals Schluss bei den Dümä. Ob für immer, das wird sich zeigen. Ich für meinen Teil bedanke mich bei Cyril, Beat und Adi, dass wir von Schlatt-Lee den Konzertabend eröffnen durften, und ich sie rund um ihren letzten Auftritt begleiten konnte. Ich wünsche den drei Jungs alles Gute für die Zukunft!

feldwaldwiesenblogger

Vor dem letzten Konzert: Proberaumbesuch bei den Five and a half Thumbs (Dümä)

Die Five and a half Thumbs, oder „Dümä“ wie man sie bei uns im Muotathal nennt, biegen in die Zielgerade ein, so quasi in den Finish: Ihr letzter Auftritt steht auf dem Programm.
Für mich war das Grund genug, für einen Moment mein Volksmusik-Projekt zu unterbrechen, und sich dieser ganz besonderen „Thaler-Angelegenheit“ anzunehmen.

Nicht dass jetzt Missverständnisse aufkommen: Nach dem Abschluss meines Schwingprojektes kontaktierte ich mal lose einige Bands, und plante über den Winter ein eigenes Musikprojekt. Dann kam die Anfrage vom Giigäbank, und ich legte das ganze Unterfangen auf Eis. Bis auf die „Dümä-Sache“. Denn die existieren erstens nach Abschluss des Volksmusik-Projektes nicht mehr, und zweitens dürfen wir von der Band Schlatt-Lee im Vorprogramm des letzten Dümä-Auftrittes spielen.
Wann ich mein eigenes Musikprojekt starte, ist momentan noch nicht ganz klar. Theoretisch ab dem 1. April 2015 (kein Scherz!), aber ich lasse mich lieber nicht auf irgendwelche Äste hinaus. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, informiere ich die beteiligten Musiker und natürlich euch, meine lieben Leser.

Nun aber zur Akte Five and a half Thumbs. Ich kontaktierte bereits schon im Juli dieses Jahres Beat Immoos, den Bassisten, und vereinbarte mit ihm mündlich, dass ich rund um ihren letzten Auftritt einen Blog-Beitrag verfassen möchte. Beat und seine Bandkollegen willigten sofort ein.

Nun ist die Zeit gekommen, die „Dümä-Sache“ in Angriff zu nehmen. Ich habe mich richtig darauf gefreut.
Erst wollte ich einen einzigen Beitrag mit Proberaumbesuch und Bericht über den letzten Auftritt schreiben. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich aber dazu entschieden, zwei Blogbeiträge zu machen. Einer über den vorgestern Donnerstag stattgefundenen Proberaumbesuch, und einer nach dem letzten Konzert.

Bevor ich mich ins Bödeli zum Proberaum der Dümmä aufmachte, welcher sich im Untergeschoss bei Alois Betschart’s Säge (ds Sagerlis) befindet, kritzelte ich ein paar Fragen auf meinen Notizblock.

dümä_proberaum
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

In einem schmucken Proberaum haben es sich Five and a half Thumbs gemütlich eingerichtet. Geprobt wird seit 2012 wöchentlich ein bis zweimal in ihrem heimeiligen Lokal.
Five and a half Thumbs, das sind Cyril Gwerder (Bärädi) – Gitarre und Vocals, Beat Immoos (Beätul) – Stehbass (Kontrabass) und Backing-Vocals sowie Adi Betschart (Sagerli) – Stehdrum und Backing-Vocals.

Als ich den Proberaum vorgestern um 19 Uhr betrat, spielten die Dümä bereits wacker. Ich richtete mich am Tisch beim Sitzplatz ein und horchte genüsslich dem swingenden Rockabilly-Sound.
Nach einem weiteren Song gesellten sich die drei dann auch zu mir. Bei einem Bier stellte ich den aufgestellten Musikern meine vorbereiteten Fragen.

Auf die Frage, wann sich die Dümä gegründet haben, meinten die Bandmitglieder: Offiziell am 1. April 2010.
Zur Bandgründung meinte Cyril: „Ich habe mir vor einigen Jahren fast gleichzeitig eine Gitarre und einen Stehbass gekauft.“ Irgendwann war Beat bei ihm zuhause im Elternhaus. Cyril drückte ihm den Bass in die Hand, er nahm sich zugleich die Gitarre. Erst wurde in der elterlichen Stube probiert, später in einem im Keller eigens eingerichteten Proberaum. Da noch kein Drummer vorhanden war, machten sich die beiden auf die Suche. Irgendwann fragten Cyril und Beat Adi an, ob er Lust hätte, mit ihnen zusammen zu spielen. Adi willigte ein, und im Januar 2010 wurde erstmals im Trio geprobt.

Im Jahr 2010 wurde intensiv in besagtem Probekeller in Cyrils Elternhaus geübt und von August bis Dezember auch sechs Konzerte gegeben.
Ein Traum von Cyril war schon immer, am ersten Muotathaler Viehmarkt im Restaurant Schützenhaus ein Konzert zu geben. Dieser Traum wurde verwirklicht, und so fand das erste offizielle Konzert dort statt. Das letzte Konzert in jenem Jahr wurde damals im Restaurant Anker in Frauenfeld gespielt. In unserer Gegend verabschiedeten sich die Dümä mit einem viel umjubelten Konzert in der American Cafe Bar Gleis in Seewen SZ von ihren Fans. Dabei waren dort auch die „Special Guests“ Alexandra Betschart-Suter (Gesang) und Theo Schmidig (Piano).

Im Gründungsjahr sagte Cyril seinen Bandkollegen schon bald, dass er Ende 2010 für ein oder zwei Jahre eine Reise nach und durch Afrika antreten werde. Die Dümä wussten, dass es dann einen längeren Unterbruch geben wird, und legten ihre Band auf Eis. Sie sagten sich: „Wenn Cyril wieder kommt, sitzen wir zusammen, und besprechen, ob wir weitermachen wollen.“
Es war dann aber bald klar, dass es weitergehen wird: Adi und Beat richteten sich nämlich im Jahr 2011 „is Sagerlis’ Säge undä innä“ einen schönen Bandraum ein, und schickten dem Gitarristen via MMS den Stand der Arbeiten.

Cyril war währenddessen auf grosser Reise, welche ihn und seine Freundin Denise Inderbitzin via Osteuropa, Türkei, Syrien und Jordanien bis hinunter nach Südafrika führte. Das Geld ging irgendwann aus, und so kehrten die beiden nach 14 Monaten, im März 2012, zurück.
Die Dümä begannen darauf in ihrem neuen Proberaum wieder mit proben. Im gleichen Jahr hatten sie im August bereits wieder ein Konzert. Dabei mussten sie nie um Konzerte anfragen, und wurden gleich wieder engagiert.

Sie spielten an vielen Orten, so beispielsweise in Luzern, Baden, Chur, Olten, Zug, in der Ausserschwyz, im Urnerland und in Zürich.
Total kamen sie seit der Bandgründung auf etwa 50 Auftritte, und hatten immer sehr viel Spass dabei.

Beim weiteren Gespräch kam ich auf ihre Instrumente zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass alle drei sich ihr Spiel autodidaktisch beibrachten.
So auch Cyril, welcher sich sein filigranes Gitarrenspiel selber aneignete. Mit 14 oder 15 Jahren begann er erst E-Bass zu spielen. Etwas später war er Bandmitglied bei den legendären, inzwischen aufgelösten Asskick. Cyril übte sich kurze Zeit später auch beim Gitarrenspiel, welches ihm so gut gefiel, dass er sich bald nur noch dem sechs-saitigen Instrument widmete.
In diesem Jahr hatten die Five and a halft Thumbs auch Unplugged-Konzerte, bei welchen der Gitarrist auch eine Akustik-Gitarre und eine Bluesharp einsetzte.

Beat hat sich sein Stehbass-Spiel auch selber beigebracht. Der Grund war simpel: Eigentlich habe er gar niemanden gekannt, der so Bass spielte. Der Bassist schaute sich zudem Videos auf YouTube an, und guckte sich dabei Sachen ab.

Adi sagte, dass Cyril und Beat gerne ein Stehdrum in ihrer Formation hätten. Er sagte zu, und schaute sich dazu auch YouTube Videos zum Selbststudium an. Das Schlagzeugspiel hat sich der Drummer ansonsten selber beigebracht und ging öfters mit Sandro Köchli üben.

dümä am proben
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Der Band-Name ist ja etwas kurios. Angeblich wegen einem fehlenden halben Daumen des Drummers… Ich fragte die Dümä, wie es dazu kam. „Wir probten erst einen Monat gemeinsam, als Adi einen Arbeitsunfall erlitt, und dabei einen halben Daumen verlor.“
Erst wurde gar befürchtet, dass Adi nicht mehr spielen konnte. Diese Sorge verflüchtigte sich dann rasch, und Beat meinte: „Mit five and a half Thumbs haben wir aber nun einen Bandnamen.“

Five and a half Thumbs ist der offizielle Namen. Im Thal hatten wohl einige Mühe, das korrekt auszusprechen, auch weil er etwas lang ist. Deshalb wurden sie schon bald „Dümä“ genannt. Auch sie übernahmen diese Kurzform. Das Trio hat deshalb ganz bewusst ihr letztes Konzert auch als „Ds letscht Dümä-Konzärt“ betitelt.

Auf ihrer Facebook-Seite steht: „Die drei Jungs aus dem Muotathal spielen kernigen Neo-Rockabilly ohne viel Schnick Schnack aber mit reichlich Emotionen à la Stray Cats.“
Ihren Musikstil betiteln sie mit Rock’n’Roll / Rockabilly. Als typische Rockabilly-Band bezeichnen sie sich aber nicht. In ihrem Programm haben sie Rockabilly-Nummern von ihren Vorbildern, den Stray Cats, aber auch Songs von Elvis, Buddy Holly, Carl Perkins und Eddie Cochrane.
Da sie gerne gute alte Musik haben, covern sie auch Stücke von Nicht-Rockabilly-Bands wie den CCR, Beatles, Rolling Stones, Johnny Cash, Ramones, Misfits oder Frank Sinatra.

Übrigens: Die Stray Cats läuteten in den 80iger-Jahren ein Revival des Rockabilly-Stils ein. Deshalb wurde ihr Stil denn auch Neo-Rockabilly bezeichnet.
Die Dümä spielen eigentlich Rock’n’Roll im Stray Cats-Stil. Rockabilly sei geil zum Spielen, da er auch Elemente vom Country, Blues und Jazz beinhalte.
Die drei haben ihr Aussehen aber deswegen nicht angepasst, eine Haartolle im Rockabilly-Look tragen sie nicht.

Im Volkshaus in Zürich gingen Cyril und Beat irgendwann vor der Bandgründung an ein Konzert der Stray Cats. Cyril war sich bis dahin gar nicht bewusst, was Rockabilly genau ist, und wie er klingt. Ihm gefiel es dabei so gut am Konzert, dass er unbedingt diesen Stil spielen wollte.
Es war deshalb von Anfang an klar, dass sie sich dieser Art von Musik widmen wollten. Denn es war auch eine Herausforderung, etwas Neues anzupacken und sich mit neuen Instrumenten wie dem Stehbass und dem Stehdrum auseinander zu setzen.

Sie kamen deshalb auch gut an bei ihren Konzerten, denn es war einfach etwas anderes. Zudem wurde diese Musik bis anhin nicht gross in unserer Gegend gespielt. Es war geradezu ein Glücksfall, und sie hatten rasch Erfolg sowie auch viele Konzertanfragen.
Für ein Trio sei diese Art Musik richtiggehend ideal, meinten die Dümä. Auch optisch bringt dieser Stil einiges, denn ein Stehdrum und ein Stehbass haben nur wenige Bands.

Die Dümä machen nach eigenen Angaben Musik für Jung und Alt. Ihre Musikanlage wurde bewusst klein gehalten, damit die drei gemeinsam mit einem Kleinbus an die Konzerte fahren konnten.

Auf die Frage, ob es einen oder mehrere Auftritte gibt, die besonders herausragen, meinten die Jungs: Im Urnerland beim Holzboden-Konzert, der erste Auftritt im Schützenhaus, der Auftritt in der Husky Lodge mit verschiedenen Gastmusikern, beide Konzerte in der Wendelstube und als Vorgruppe von Eric Sardinas im Alpenrösli Muotathal.

Lustige Anekdoten hatten die Dümä auch auf Lager. „Nach einem Auftritt im Ybrig fuhren sie über die Ibergeregg heim. Auf der Passhöhe wurde ein Pinkelhalt eingelegt. Dabei übersah Cyril, dass Beat noch nicht im Kleinbus war, und fuhr dem Unglücklichen über den Fuss…“

„Beim Eric Sardinas-Konzert haben die drei vorher extra eine Show eingeübt. Die ging so: Beat stellte seinen Stehbass etwas nach hinten, damit Cyril mit der Gitarre darauf stehen konnte. Das ging aber leider beim Auftritt im Alpenrösli schief, und der Gitarrist verlor sein Gleichgewicht. Er fiel rückwärts vom Bass auf das Schlagzeug von Sardinas Drummer, und einige Ständer kippten um.
Dabei wurde ihnen vor dem Auftritt gesagt, dass sie das besagte Drum keinen Millimeter bewegen dürfen… Eric Sardinas und Band bekamen den Vorfall aber glücklicherweise nicht mit.“

„Bei einem Auftritt im Restaurant Hirschen in Schwyz wollte Beat auch eine Showeinlage bringen. Dabei stand er mitsamt dem Stehbass auf die Bassdrum. Auch dies ging schief: Der Bassmann flog samt Instrument von der Pauke und zelebrierte angeblich dabei eine wunderbare Hechtrolle…“

dümä am sitzen
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Zwei eigene Songs hat das Trio auch gemacht: „Evils Boogie“ und „The Circus“. Sie bedauern aber, dass es nicht mehr wurden. Die Idee wäre schon gewesen, dass nach Cyrils Rückkehr von Afrika eigene Songs komponiert werden sollten.
Sie probten damals aber erst an einem Song-Set, damit sie wieder Konzerte geben konnten. Song-Ideen waren vorhanden, wurden aber nie fertig ausgearbeitet. Es folgten viele Konzerte, und die Zeit fehlte schlicht. Irgendwann wusste Cyril, dass er wieder gehen möchte, und meinte: „Wir fangen nichts Neues mehr an.“

Einen Song wollten sie aber unbedingt verewigen. Jonas Marty, welcher zurzeit mit verschiedenen Muotathaler Bands eine CD produziert, nahm mit ihnen zusammen „The Circus“ auf. Ich durfte mir den Song vorgestern anhören. Das Stück passt so gar nicht zu den gecoverten Sachen, und ist so eine Art „Psycho-Billy“, welcher sperrig daherkommt. Ein Clown stirbt, und wird mit Akustik-Gitarre und Bassbogen in den Himmel begleitet.
Nach mehrmaligem Hören entdeckt man aber die Tiefen von „The Circus“ und beginnt ihn mit allen Facetten gern zu haben.

Es gibt auch eine Demo-CD mit vier Songs, welche anno 2010 mit einem Zoom-Aufnahmegerät im Proberaum aufgenommen wurde. Sie wollten dieses Demo für Konzertanfragen benutzen, brauchten es aber ein einziges Mal.

Angeblich hatten die Dümä im ersten Jahr schon einen Manager. Ein Berufskollege von Cyril, welcher sich viel in der Rockabilly-Szene aufhielt, wollte sich um die geschäftlichen Belange kümmern. Eigentlich war es mehr Spass, bis der Herr Manager Ernst machte und sie nach einem Konzert aus purem Starrsinn nicht mehr in ein Hotelzimmer reinliess. Cyril wollte die Türe eintreten und es gab einen Riesenärger. Darauf wurde der „Manager“ gespickt.
Er hatte es scheinbar etwas auf das Geld abgesehen. Erst war er mit zehn Prozent der Gage zufrieden. Schon nach dem zweiten Konzert wollte er aber dreissig Prozent… Produktiv war der Mann auch nicht wirklich, denn er holte für sie nur ein oder zwei Konzerte rein.
Nach Cyrils Afrikareise kam der „Manager“ wieder angetanzt, und behauptete, er sei immer noch Manager. Die drei machten ihm aber dann klar, dass sein Engagement beendet sei.

Ich habe im Internet auch ein wenig nach den Dümä recherchiert, und entdeckte dort „nur“ eine Facebook-Seite und zwei alte YouTube-Videos vom allerersten Konzert (an einer Spanferkel-Party). Die Jungs sagten mir, dass sie bewusst keine Homepage unterhielten, da Facebook heutzutage vollkommen reicht. Facebook ist einfacher zu bedienen und Infos gelangen auch schneller zu den Fans.
Sie hatten bei den Konzerten meist eine Digitalkamera dabei, und liessen die Zuhörer gleich selber fotografieren. Diese Fotos wurden hinterher dann auf die Facebook-Seite gestellt.
Weiter meinten sie, wenn sie weitergemacht hätten, hätten sie wahrscheinlich einen Video-Clip zum Song „The Circus“ gedreht, und auf YouTube gestellt.

dümä-plakat
(Bildquelle: Five and a half Thumbs)

Am 13. Dezember findet nun der letzte Auftritt statt. Cyril und Denise wollen wieder fahren, diesmal für eine unbestimmte Zeit. Die neuerliche Reise, welche Ende dieses, oder anfangs nächsten Jahres starten soll, wird sie wieder nach Afrika führen. Deshalb hören die Five and a half Thumbs auf, da Cyril zum jetzigen Zeitpunkt sich nicht festlegen möchte, wie lange sie diesmal auf Reise sein werden. Es wird nun bewusst ein Schlussstrich gezogen, und ein letztes Konzert durchgeführt. Ein Comeback, irgendwann, ist zwar nicht ausgeschlossen, es ist aber momentan kein Thema.
Der Gitarrist meinte, wenn man etwas Neues starten will, muss halt auch etwas anderes abgestreift werden.

„Kommt Wehmut auf, wenn ihr an euren letzten Auftritt denkt?“ fragte ich die drei. Sofort sagten sie: „Bist jetzt überhaupt nicht. Es kommt nur Freude auf.“ Denn es ist ihnen schon länger bewusst, dass nach dem 13. Dezember Schluss sein wird. Cyril sagte seinen Kollegen nämlich schon vor einem Jahr, dass er und seine Freundin wieder eine längere Reise antreten möchten.
Im Frühling dieses Jahres wurde deshalb beschlossen, am 13. Dezember das letzte Konzert durchzuführen. Darauf starteten sie die Vorbereitungen.
Die Proben mit den Gastmusikern begannen im September. Beim letzten Konzert sind alle Gastmusiker, die jemals mit den Dümä aufgetreten sind, auch wieder dabei. Es soll dabei ein grosses Fest gefeiert werden.
Man darf sich wirklich freuen, denn es erwartet uns eine geile Musikparty.

Ich fragte Cyril und Denise: „Was zieht euch eigentlich wieder fort?“ Denise, welche während dem Gespräch auch dazu stiess, antwortete mir: „Das Abenteuer, das Fremde, das Ungewisse, kein Plan, und dass man nicht weiss, was morgen sein wird. Jeder Tag wird einfach anders sein.“ Cyril sagte ergänzend: „Neues sehen und auf Sachen verzichten.“
Cyril hatte den Traum schon als Kind, einmal nach Afrika zu fahren. Wenn er Denise nicht gefunden hätte, hätte er sich seinen Traum vielleicht nie verwirklicht. Die Eltern von Denise waren schon vor vielen Jahren in Afrika, und weckten so in ihr auch den Wunsch, mal dorthin zu fahren.
Für sie beide war es bald klar: Wenn genügend Geld vorhanden ist, kaufen sie sich einen Land Rover und fahren Richtung Afrika. Afrika auch deshalb, weil es nirgends auf der Welt einen grösseren Kontrast gibt. Sowohl von der Kultur, als auch von den Menschen, den Tieren und der Landschaft her. Das Lebensgefühl sei einfach unbeschreiblich auf diesem interessanten und riesigen Kontinent.
Nach der ersten Reise wussten sie schon bald, dass sie so eine Abenteuerreise nochmals machen möchten.

Auf die Frage „Wandert ihr aus?“ sagte Cyril: „Die erste Reise machten wir des Reisens willen. Bei der zweiten Reise lassen wir es uns offen, ob wir an einem Ort auch länger bleiben werden. Die lange Fahrt wird sie diesmal über Frankreich, Spanien und Marokko nach Afrika führen. Angedacht ist, via Mauretanien und Senegal weiterzureisen. Ein eigentliches Ziel haben sie dabei jedoch nicht.

Meine letzte Frage lautete: „Wie sieht eure Zukunft musikalisch aus?“
Beat und Adi haben nicht vor, gemeinsam weiterzumachen. Geplant sei eigentlich nichts.
Beat spielt noch in anderen Bands wie den Sinalcos und den Krolok. Zudem erklärte er, dass er nächstes Jahr bei der „Grümpiband“ auch mitmachen werde. Er lässt es sich offen, ob er irgendwann etwas Neues starten wird.
Adi meinte, dass er vorerst in keine neue Band einsteigen wird und einfach das Leben geniessen möchte. Wieder mehr Sport treiben und „z’Bärg gah“ stehen in nächster Zeit auf dem Programm.
Cyril sagte, dass er sich musikalisch in Afrika natürlich auch weiterbilden möchte. Er nimmt seine Akustik-Gitarre mit. Die Musik seit dort ganz anders als bei uns.

Nach dem Beantworten der letzten Frage stoppte ich die Aufnahme beim iPhone, und genehmigte mir beim angeregten Gespräch zusammen mit dem Trio noch einen feinen Rotwein.
Ich bedanke mich für die Gastfreundschaft bei den Dümä und wünsche ihnen alles Gute für die Zukunft!

Und so bleibt mir nur noch die Aufforderung an euch, liebe Leserinnen und Leser, so zahlreich wie möglich am Samstag, 13. Dezember ins Restaurant Sternen zu kommen, um eine Riesenparty mit den Dümä zu feiern. Ich freue mich jedenfalls riesig darauf, auch weil ich mein Scherflein mit den Schlatt-Lee beitragen darf.
Viel Spass und bis bald!

feldwaldwiesenblogger

Die Geschichte der Muotathaler Volksmusik

Im Rahmen meines Projektes „Muotathaler Volksmusik“ habe ich mich in den letzten Tagen mit der Geschichte beschäftigt. Dazu wurde mir von Peter Betschart (Verein Giigäbank, Muotathal) einiges an Lesematerial ausgehändigt. Zudem hat er mir auf die im Blogbeitrag vom 4. Oktober erwähnten Fragen interessante und aufschlussreiche Antworten liefern können.

Der Beginn des Textes für das Schwyzer Heft startet denn auch mit der Geschichte, dem Kapitel 1.
Über die Geschichte der Muotathaler Volksmusik ist laut Betschart konkret wenig bekannt. Fotos oder andere Belege sind leider eine Rarität. Wie er mir berichtete, weiss man mehr ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

Hier öffne ich eine Klammer für die Ursprünge der Volksmusik in unserer Gegend im Allgemeinen. Rico Peter schreibt in seinem Buch „Ländler Musik“: „Die ersten Musikanten, die wir aus der Innerschweiz kennen, waren Trommler und Pfeifer, Schalmei- und Hackbrettspieler.“ Weiter erwähnt Peter in seinem Buch den Chronisten Diebold Schilling, welcher in seiner Chronik ein Farbbild eines Fasnachtstanzes vom Jahre 1509 abbildet. Darauf erkennt man auf einer Bühne zwei Musikanten: Einen Pfeifer und einen Hackbrettspieler. Zu der Musik der beiden wird im Paartanz das Tanzbein geschwungen.

Diebold Schilling-Bild
(Bildquelle: Aus dem Buch „Ländler Musik“ von Rico Peter)

In einer Zirk-Ausgabe (Der «Muotathaler Zirk» ist das Publikationsorgan des Vereins Zukunft Muotathal und erscheint vierteljährlich) schreibt Peter Betschart: „Im Muotatal wird um 1608 von einer öffentlichen Tanzdiele gesprochen und immer wieder ist das Thema auch Gegenstand von Ratsprotokollen. (…) Im November 1791 wurde ein gewisser Anton Gwerder von Muotathal vor den Rat in Schwyz zitiert, weil er zu verbotener Zeit getanzt und auch andere dazu aufgemuntert hatte und im Januar 1797 wurde das Tanzen, vor allem das Walzern, nach dem Betglockenläuten bei zwei Dublonen Busse verboten (nach Dettling).“

Im Kapitel „Der Name – Wieso Ländlermusik?“ schreibt Peter: „In der schweizerischen Folklore nimmt die Ländlermusik eine führende Stellung ein. Ihr Ursprung liegt, wie der Name es aussagt, in den ‚Ländern‘ oder Urkantonen. (…) Im engen Sinne ist der Ländler ein Tanz im 3/4-Takt, und die Bezeichnung ‚Ländler‘ stammt wohl aus dem österreichischen Gebiet, aus dem Landl, der Gegend südlich von Linz ob der Enns. Der von dort auch in die Schweiz eingewanderte Tanz ist bei uns nach schweizerischer Art verändert worden.“

In einem anderen Buch, „Volksmusik der Schweiz“, steht zu Beginn: „Volksmusik und Geschichte stehen in enger Beziehung zueinander.“ Weiter ist zu entnehmen, dass nach Diebold Schilling ein anderer Luzerner Chronist, Renward Cysat, Zeugnis über die Anfänge der Volksmusik ablegt. Er berichtet 1565 vom Betruf der Sennen. Zudem weiss das Buch zu berichten: “ (…) zur Volksmusik, die im Wesentlichen eine Musik mündlicher Überlieferung ist, gehört die Wandlungsfähigkeit.“

Autor Dieter Ringli schreibt in seinem Buch „Schweizer Volksmusik – Von den Anfängen um 1800 bis zur Gegenwart“ vom Mythos, der Idee der Schweizer Volksmusik. Auch wenn sich laut Ringli dieser Mythos als falsch erweist, so schwinge eben immer noch die romantische Auffassung des unverdorbenen Älplers in der Schweizer Volksmusik mit. Dabei sind die Bergbauern heutzutage nur noch eine verschwindend kleine Minderheit der Bevölkerung. Weiter liest man im Buch: „Die Idealisierung des Alten, Ursprünglichen steht – und stand stets – im Widerspruch zur Ästhetik der Zeit.“
Diese Idealisierung des Alten und Ursprünglichen, und auch die hartnäckige Erhaltung gehört auch zur Eigenart der Muotathaler Volksmusik. Dazu gibt es dann mehr bei den alten Formationen und Musikanten sowie deren Charakteristik.

unspunnenfest 1808
(Bildquelle: Aus dem Buch „Volksmusik in der Schweiz“, herausgegeben von der Gesellschaft für die Volksmusik der Schweiz)

Laut dem oben erwähnten Buch „Volksmusik der Schweiz“ werden die historischen Zeugnisse schweizerischer Volksmusik im 18. und 19. Jahrhundert zahlreicher. Als Initialzündung für die Schweizer Volksmusik der Neuzeit gilt das Unspunnenfest 1808. Nebst den sportlichen Wettkämpfen des Volkes und der Älpler wollte man auch die Alpenmusik wieder erwecken.
Ab 1850 gab es auch Wettkämpfe auf dem Stoos. Weiter ist bekannt, dass dort ab 1860 auch das Juuzen und das Büchel-/Alphornblasen Einzug hielt.

Die Klammer über die Historie der Volksmusik wird hier geschlossen. Ab hier konzentriere ich mich auf die Anfänge der Volksmusik im Muotathal.

Wie mir Betschart auf Anfrage bestätigte, mache ich bei denen von mir vorgeschlagenen Personen (siehe Blogbeitrag vom 4. Oktober) Kurzinterviews, um mehr über die Anfänge der Volksmusik in unserem Tal zu erfahren.
Einen Musikanten habe ich bei meiner Auflistung leider vergessen: Kari Suter. „Ds Länzä Kari“, wie er im Muotathal genannt wird, ist ein bekannter Volksmusikant und vermutlich von der Blasmusik zur Ländlermusik gekommen. Dazu möchte ich ihn eingehend befragen. Weiter aber auch zu den Blasmusiken im Allgemeinen, welche die musikalisch begabten Bergler förderten. Wann die Gründung der Feldmusik Muotathal erfolgte, welche Suter viele Jahre dirigierte, wird auch eine Frage sein.

Verschiedene Instrumente gehören zur Geschichte der Muotathaler Volksmusik. Weiter darf man das Juuzen, Bücheln und Alphornblasen ebenso wenig vergessen wie das „Geisslä chlepfen“ und das „Chlefelen“. Dazu gehören auch das „Trümpi“ und die „Maulorgel“. Zu dem Instrumenten-Thema beabsichtige ich ebenfalls Interviews zu führen.

Weiter erklärte mir Peter Betschart, dass es anfangs des 20. Jahrhunderts auch ein halbes Dutzend Geigenspieler im Muotathal gab. Bekannt seien ihm vor allem „ds Predigers Josep“, „ds Bertholdä Seffi“ und „ds Bächelers Toni“. Zu diesem Instrument und seinen Spielern werde ich ebenfalls Befragungen anstellen.

Bekannt ist, dass um 1900 die ersten Schwyzer Orgeln ins Tal kamen. Die ersten Spieler waren der „Eggbasch“ und der „Lisäbethler“. Wie mir Betschart berichtete machte Letzterer sogar Plattenaufnahmen mit seiner Stöpselbassorgel.

Das Kapitel 1, „die Geschichte der Muotathaler Volksmusik“, habe ich nun angedacht. Einige Recherchearbeit, wie das Führen der erwähnten Interviews, wartet zu diesem Thema noch auf mich.
Mit dem ersten ist aber auch das zweite Kapitel, „Alte und aktuelle Formationen sowie Musikanten“, eng verbunden. Ich freue mich auf die weitere Arbeit, und werde euch, liebe Leser, auf dem Laufenden halten.

feldwaldwiesenblogger

Projekt „Muotathaler Volksmusik“

Letzte Woche wurde ich vom Muotathaler Verein Giigäbank angefragt, ob ich für ein neues Schwyzer Heft über die Muotathaler Volksmusik schreiben möchte (ich berichtete bereits auf Twitter und Facebook darüber). Ich habe ohne zu zögern zugesagt. Denn mein Schwingprojekt 2014 ist Geschichte, und mir schwebte sowieso ein neues Projekt im Bereich Musik vor. Die Anfrage kam also auch ein bisschen wie gerufen…

verein giigäbank
Verein Giigäbank / Bildquelle: schwyzkultur.ch

Wenn diese Anfrage nicht gekommen wäre, hätte ich im Oktober mit etwas anderem in Sachen Musik gestartet. Diese Dinge werden aber nun nach hinten geschoben, aber nicht aufgehoben.

Jackä Toni
Anton Betschart (z’Jackä Toni) / Bildquelle: balbuluz.blogspot.com

Denn die Grösse und der Umfang „meines“ neuen Projektes sind nicht zu unterschätzen. Gefragt sind für das besagte Schwyzer Heft, welches übrigens die Volksmusik im inneren Kantonsteil vorstellen wird, etwa zehn Seiten über die Muotathaler Volksmusik. Diese zehn Seiten entsprechen laut dem Projektleiter Pius Ruhstaller in etwa 25’000 Zeichen (inklusive Leerschlägen).
Ruhstaller ist Sachbearbeiter bei der Kulturkommission vom Kanton Schwyz, und beschäftigt sich in seiner Freizeit vor allem mit Musik und Brauchtum. Zudem ist er ein vielseitiger Ländlermusikant.

Meine Wenigkeit hat sich dabei vorgenommen, meine Blogleser auch an meinem Projekt teilhaben zu lassen. Ich werde regelmässig darüber berichten, was ich gerade plane, recherchiere und schreibe.

Leo Schelbert
Leo Schelbert (z’Tönis Leo) / Bildquelle: schwyzkultur.ch

Diese Woche habe ich mit diesem Projekt begonnen. Als erstes gab es am vergangenen Samstag eine kurze Besprechung. Dabei erhielt ich etwas Material und konnte in Erfahrung bringen, um was es eigentlich geht. Ich führte inzwischen auch bereits zwei Telefonate.
Nun kann ich mir langsam ein Bild machen, und habe mir beim frühabendlichen Montags-Joggen weitere Gedanken dazu gemacht („Jogginggedanken“).

Ruhstaller schlägt in einem Konzept vor, was genau beleuchtet werden soll. Für mich wird das der rote Faden werden, und ich unterteile meinen Text in folgende fünf Kapitel:
1. Die Geschichte vor Ort
2. Alte und aktuelle Formationen sowie Musikanten
3. Kurzporträts
4. Wichtige Anlässe im Dorf (früher und heute)
5. Das aktuelle Geschehen

Keine Angst, liebe Leserinnen und Leser, ich werde nicht einfach drauflos schreiben und mir irgendetwas zusammendichten. Da ich mich nicht zu einem Volksmusik-Spezialisten zählen darf, bin ich auf Informationen und Erzählungen von Spezialisten angewiesen.

fredy zwimpfer
Fredy Zwimpfer / Bildquelle: csr-records.ch

Dabei wurden mir vor allem Peter Betschart (ds‘ Baschä Märtuls), Werner Schelbert (ds‘ Bümbälärs), Josef Inderbitzin (dr‘ Sunnäwirt) und Franz Föhn (Gemeindepräsident) empfohlen. Ich werde mit allen vier Herren in nächster Zeit ein Gespräch führen. Dabei ist es gut möglich, dass mir noch andere Namen für ein Interview genannt werden.

Beginnen möchte ich mit Peter Betschart. Er ist auch beim Verein Giigäbank, besitzt laut seinen Kollegen ein enormes Wissen über die Muotathaler Volksmusik und hat auch einiges an Material.

Das Gespräch mit „ds‘ Baschä Märtuls“ Peter möchte ich in Interview-Form führen, heisst: Ich stellte einen Fragekatalog zusammen.

Diese Fragen werde ich Betschart stellen:
1. Was kannst du mir über die Geschichte der Muotathaler Volksmusik erzählen?
2. Hast du Archivmaterial über diese Geschichte? Fotos?
3. Kannst du mir alte Formationen und Musikanten von unserem Thal benennen?
4. Hast du Archivmaterial und Bilder über die besagten alten Formationen und Musiker?
5. Welche aktuellen Formationen und Musiker soll ich in meinem Text erwähnen?
6. Hast du Informationsmaterial über die aktuellen Formationen und Musiker?
7. Was meinst du, über welche Musiker vom Muotathal soll ein Kurzporträt in das Heft? Ruhstaller schlägt dabei zum Beispiel Lunnis Franz senior, Fredi Zwimper und z’Jackä Tönel vor.
8. Ich finde, man sollte auch Porträts von noch lebenden Volksmusikern erstellen. Zum Beispiel von Lunnis Franz junior. Was meinst du?
9. Welche wichtigen musikalischen Anlässe gab es früher in unserem Dorf?
10. Gibt es über diese Anlässe Archivmaterial?
11. Welche wichtigen musikalischen Anlässe gibt es heute, die erwähnenswert sind?
12. Gibt es über die Anlässe neueren Datums Archivmaterial?
13. Was meinst du, was soll ich über das aktuelle Geschehen schreiben?
14. In meinen Unterlagen ist von einem Edwin Beeler, ausgebildeter Historiker und Germanist, die Rede. Angeblich ist Beeler häufig Innerschweizer Stoffen nachgegangen, und soll eine Diplomarbeit über die Volksmusik geschrieben haben. Was weisst du darüber?
15. Was meinst du, mit welchen Herren sollte ich noch Interviews führen? Empfohlen wurden mir Werner Schelbert (ds‘ Bümbälärs), Josef Inderbitzin (dr‘ Sunnäwirt) und Franz Föhn (Gemeindepräsident). Gibt es noch andere Spezialisten, die mir weiterhelfen könnten?

Ich bin mir sicher, dass ich nach diesem ersten Interview schon eine gewaltige Menge an Stoff beisammen habe, und mit meinem Text beginnen kann. Geplant ist das besagte Interview auf nächste Woche, da Peter Betschart diese Woche in den Ferien weilt.

schwyzer heft
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Diese Woche werde ich zudem in diesem Heft ein wenig stöbern. Mir geht es darum, dem Schreibstil und dem Charakter der „Schwyzer Hefte“ ein wenig auf die Spur zu kommen.

Ich habe das Gefühl, dass ich mit meinem „laut denken“ im heutigen Blogbeitrag bereits schon einen Schritt weiter gekommen bin in meinem neuen Musikprojekt „Muotathaler Volksmusik“. Der Start ist somit geglückt.
Weitere Blogeinträge zu diesem sehr spannenden und urchigen Thema werden folgen.

feldwaldwiesenblogger

Dr Walter wird hür Sächzgi!

In gut zehn Tagen steigt eine grosse Geburtstagsparty. Eingeladen haben fünf Mitglieder des Maronichores, die dieses Jahr einen runden Geburtstag feiern. Ich bekam dazu gestern eine Email, da ich als Schlagzeuger auch zum Chor gehöre. Darin wurde ich angefragt, ob ich eventuell auch zu einem Lied etwas „dichten könnte“.

Die Idee ist die, dass zu jedem der fünf Geburtstagskinder ein Lied ausgewählt wurde, und dazu entsprechende Strophenabänderungen vorgenommen werden sollten.

Angefragt wurde ich konkret zum Trio Eugster-Hit „Mier si vo de Füürwehr“. Heute Morgen brütete ich dann ein bisschen über einem möglichen (abgeänderten) Liedtext.

Dazu konsultierte ich noch folgendes YouTube-Video von einem Löschzug-Chörli, und testete meinen Text-Vorschlag dazu:

Bei dem besungenen „Walter“ handelt es sich auch um einen ehemaligen Feuerwehrmann. Ich dachte mir aber, dass ich in einem neuen Liedtext seine momentan liebsten Hobbys, das Musizieren (Kontrabass und Gitarre spielen sowie singen) integriere.
Gesagt getan, hier ist das Ergebnis, dass ich meinen feldwaldwiesenblog-Lesern auch nicht vorenthalten möchte. Im voraus möchte ich mich bei meinen Lesern aus Deutschland und Österreich entschuldigen, dass ich (noch) keine hochdeutsche Übersetzung von nachfolgendem Text habe:

Dr Walter wird hür Sächzgi!

Walter loos etz: äs gad los !

Dr Walter wird hür Sächzgi, das wüssid miär scho lang,
firä tuänd miär midum, und fäschtit hüt galant.
Är isch ä glattä Chogä, eistig für näs Gspässli z’ha,
immer wänn är hei ga sött, singt är nu gärä äs Liäd.

Walter, nimm dr Bass fürä: etz gids Musig !

Är spielt Bass wiä nä Grossä, zupft und zieht anum,
das isch si Musig, das isch si Musig.
Är spielt au nu Gitarrä, äs isch ä wahri Freud,
das isch si Musig, das isch si Musig.

Wänns amä Ort fidel isch, da muäsch nüd fragä,
wer chönnt ächt dett spielä: äs isch dr Walter.
WalterWalterWalter – WalterWalter !

Dr Walter wird hür Sächzgi, das wüssid miär scho lang,
firä tuänd miär midum, und fäschtit hüt galant.
Är isch ä glattä Chogä, eistig für näs Gspässli z’ha,
immer wänn är hei ga sött, singt är nu gärä äs Liäd.

Walter, stimm äs Liäd a: miär wend singä !

Är hed äs goldigs Stimmli, und tuäd gärä singä,
das isch si Musig, das isch si Musig.
Kännä tuäd är vieli Lieder, im Chopf ä Hufä Melodiä,
das isch si Musig, das isch si Musig.

Wänn einä amä Ort ghörsch singä, da muäsch nüd fragä,
wer chönnt ächt dett singä: äs isch dr Walter.
WalterWalterWalter – WalterWalter !

Dr Walter wird hür Sächzgi, das wüssid miär scho lang,
firä tuänd miär midum, und fäschtit hüt galant.
Är isch ä glattä Chogä, eistig für näs Gspässli z’ha,
immer wänn är hei ga sött, singt är nu gärä äs Liäd.

Happy Birthday !

Ob dann mein Text-Vorschlag am Sonntag in einer Woche auch zur Anwendung kommt, weiss ich heute noch nicht. Aber ein bisschen hoffen tue ich es schon…

feldwaldwiesenblogger

Samstag, 12. Juli: Schlatt-Lee live im Rest. Hölloch

An alle lieben Musikfreunde, welche ich nicht per Email persönlich erreichen konnte!

Hallo Musikfreund!

Am Samstag, den 12. Juli 2014, rockt und rollt Schlatt-Lee wieder im Restaurant Hölloch (bei Höllgrotte Bruno: Stalden, Muotathal).

Bei schönem Wetter draussen auf der Terrasse, bei schlechtem Wetter drin im Restaurant. Der Eintritt ist gratis.

Von 18.30 – 21.30 Uhr unterhält dich das mittlerweile berühmt-berüchtigte Quartett Schlatt-Lee (mit Mätti, Röne, Markus und Koni) mit Rock-Covers vom Feinsten, aufgepeppt mit einem Schuss Country- und Bluesrock (u.a. CCR, Status Quo, Polo Hofer, Rolling Stones, Georgia Satellites, Steppenwolf, Brad Paisley).

Eventuell auch dieses Jahr wieder mit „Gut Preis-Show“…

Dazu darfst du auch aus der leckeren Hölloch-Küche naschen, denn dort gibt’s allerlei Leckeres zu kredenzen!

Wir vier Musiker und das Hölloch-Team würden uns freuen, dich am 12. Juli im Restaurant Hölloch anzutreffen.
Gäll, chusch au. Also, chum zuenis!

Musikalische Grüsse
feldwaldwiesenblogger

 

Mein Interesse an Skiffle-Music und das 117. Berchtold-Schwinget

Ich bin schon länger interessiert an Skiffle-Music. Skiffle-Music?

Wikipedia erklärt:
Skiffle ist Musik, die auch auf unkonventionellen, improvisierten Instrumenten intoniert wird. Neben der Gitarre und dem Banjo findet man häufig Waschbrett und Waschwannen- oder Teekistenbass, selbst Geräte wie Eimer, Tonne und Gießkanne finden Verwendung.

Skiffle basiert sowohl auf der anglo- als auch afro-amerikanischen Folk-, Country-, Blues- und Jazzmusik. Der Begriff tauchte zum ersten Mal 1925 auf Schallplatten von Jimmy O’Briant and His Chicago Skifflers auf. 1934 spielten Dan Burley and His Skiffle Boys unter der Leitung des Barrelhouse-Pianisten und Journalisten Dan Burley, der Bassist Pops Foster und die Brüder Sticks und Brownie McGhee an der Gitarre den Dan Burley Hometown Skiffle.

Ab 1953 wurde Skiffle von britischen Traditional-Jazz-Musikern, wie Ken Colyer und Chris Barber, aber auch von Alexis Korner und Lonnie Donegan in Großbritannien bekannt gemacht. Die ersten Mitschnitte entstanden wohl 1953 während einer Paris-Tour von Ken Colyer’s Jazzmen, als sie im französischen Rundfunk Midnight Special und John Henry in der Besetzung Ken Colyer (Gitarre und Gesang), Lonnie Donegan (Gitarre und Gesang), Chris Barber (Kontrabass) und Bill Colyer (Waschbrett) präsentierten.

Klingt interessant, nicht wahr? Durch Zufall stiess ich vor einiger Zeit auf diesen Musikstil und eine sehr interessante und wunderschöne Aufnahme aus dem Jahre 1998:


(Bildquelle: http://www.music-bazaar.com)

Lonnie Donegan und Chris Barber, oben von Wikidpedia erwähnt, machen bei diesen Sessions mit. Dazu ist auch einer meiner absoluten Lieblingssänger, Van Morrison, mit von der Partie.
Der Sound dieser Combo ist so herrlich frisch, spontan, lebendig und voller Leben! Ich habe diese Aufnahme schon mehrmals gehört und wurde am Neujahrstag plötzlich von einer spontanen Idee befallen. Ich schrieb eine Email an einer der grössten Skiffle-Kenner in der Schweiz, Robert Weideli.

Guten Tag Herr Weideli

Ich bin sehr neugierig und interessiert an Skiffle-Music und würde gerne bei einer entsprechenden Formation schnuppern oder ev. mitmachen.
Deshalb habe ich ein wenig im Internet nach Skiffle in der Schweiz gesucht, und fand u.a. Ihre Email-Adresse.

Ich bin ein Amateurschlagzeuger, und drumme gerne zu versch. Stilrichtungen. Zu Gospel, Blues, bis zu altem Jazz und Rockmusik habe ich schon getrommelt. Per Zufall kam mir eine Aufnahme von „The Skiffle Sessions: Life in Belfast 1998“ (Chris Barber,Lonnie Donegan,Van Morrison) in die Hände. Hammersound! Zu solcher Musik möchte ich auch gerne mal spielen.

Haben Sie mir einen Tipp, bei wem oder wo man in einer Skiffle-Formation mitmachen oder sich melden könnte?

Musikalische Grüsse
feldwaldwiesenblogger

Schon tags darauf, am Berchtoldstag, folgte eine sehr ausführliche und informative Antwort von Herr Weideli.

Guten Tag feldwaldwiesenblogger

Danke für Ihre Anfrage und Ihre Interesse an der Skiffle-Music. Leider kann ich Ihnen bei der Suche nach einer Schweizer Skiffle Band nicht weiterhelfen. Es gibt sie meines Wissens heutzutage in unserem Land leider nicht mehr. Während damals in England in den 50er Jahren die Skiffle-Epidemie grassierte (mit über 800 Gruppen) gab es bei uns hier etwa 4–5 Bands. Die britische Skiffle-Bewegung wurde in der Schweiz ignoriert und die wenigen Skiffler mussten praktisch ohne Publikum für sich selber spielen. Es gab keine Auftrittsmöglichkeiten. Ab 1961 war dann der Spuk vorbei. Als die Beatles und die Rolling Stones auf der Bildfläche erschienen, tauschten viele Skiffler ihre Instrumente gegen Elektrogitarren und Elektrobässe ein und machten gängige Beatmusik. Dadurch verschwand der Skiffle-Sound für immer und die englischen Hausfrauen bekamen ihre vorher konfiszierten Waschbretter und Teekisten zurück. Lonnie Donegan ist 2002 verstorben und die Belfaster Sessions mit Morrison waren eines seiner letzten grossen Live-Konzert mit Skiffle Music pur. Donegan hat ja in den 50er Jahren als Banjospieler bei Ken Colyer’s Jazzmen und Chris Barber’s Jazzband angefangen und die Skiffle Group wurde als Teil des Repertoirs eingeführt. Später wurde dann der Erfolg der Skiffle Groups innerhalb einer Jazzband immer grösser, sodass sie sich als unabhängige Formationen selbständig machen konnten.

Ich sehe für Sie auch nur diesen einen Weg. Gründen Sie mit Gleichgesinnten eine eigene Skiffle Group oder schliessen Sie sich einer Traditional Jazz Band an. Von diesen gibt genügend in der Schweiz. Alte Jazz Nummern sind vom Rhythmus her mit Skiffle identisch. Auch die Instrumente sind fast schon alle vorhanden: Banjo/Gitarre, Kontrabass oder Teekiste, Washboard oder Schlagzeug, Kazoos usw. Zudem beschäftigen heute viele Old Time Bands eine Sängerin oder einen Sänger. So macht es keinen Unterschied ob man eine traditionelle Nummer wie z. B. «Bill Bailey Won’t You Please Come Home» mit der Jazzband oder der Skiffle Group spielt. Nun ist es leider aber auch so, dass die meisten Jazzmusiker schon im Rentenalter sind und der Nachwuchs aus jüngeren Musik-Generationen für diesen Sound einfach nicht vorhanden ist. Die Musiker des traditionellen Jazz – der viele Jahre lang als zeitlos galt – und seine Anhänger, werden deshalb in einigen Jahren gänzlich von der Bildfläche verschwunden sein.

Noch etwas zur Skifflemusik allgemein:
Heute gibt es viele Informationen und Dokumentationen dazu online auf Home Pages in Deutschland und Grossbritannien. Diesbezüglich zu empfehlen sind die Webseiten von Chris Barber, Lonnie Donegan, Ken Colyer usw. Anders als in der Schweiz gibt es in Norddeutschland (Bremem, Hamburg, Hannover) heute noch eine Skiffle-Szene.

Schallplatten/CDs/78s
Von allen Skifflern, die im UK und in Deutschland Aufnahmen gemacht haben gibt es Schallplatten. In den 50ern z.T noch als 78er. Dann vieles auf Vinyl (LPs, EPs, Singles und schlussendlich alles auf CDs. CDs sind bei den Händlern erhältlich, 78er und Vinyl werden hauptsächlich auf dem britischen Ebay angeboten.

Literatur/Bücher über die Skiffle-Musik:

Goin‘ Home (The uncompromising live and music of Ken Colyer)
by Mike Pointon and Ray Smith. The Ken Colyer Trust, 2010.

Lonnie Donegan (and the birth of Britisch Rock & Roll)
by Patrick Humphries. The Robson Press, 2012.
Skiffle (The definitive Inside Story)
by Chas McDevitt. Robson Books, 1997.

The Skiffle Craze
by Mike Dewe. Planet Books 1998.

Puttin‘ On The Style (The Lonnie Donegan Story)
by Spencer Leigh. Finbar International, 2003.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Angaben etwas nützen. Ich bedanke mich für Ihr Interesse. Mit freundlichen Grüssen von einem uralten Skiffler.

Robert Weideli

Vielen herzlichen Dank an Herrn Weideli für seine Angaben, Erklärungen und Ausführungen. Wer weiss, vielleicht ergibt sich mal spontan etwas mit Gleichgesinnten. Sonst hange ich einfach weiter meinen Skiffle-Träumen nach und trommle für mich zu den „Skiffle Sessions – Live in Belfast 1998“.


Usum Chäs-Chessi:

Gestern besuchte ich das erste Schwingfest der Saison 2014, das traditionelle Berchtold-Schwinget in der Zürcher Saalsporthalle. Das Hallenschwingfest fand heuer bereits zum 117. Mal statt, und erlebte mit Mario Thürig einen souveränen und würdigen Sieger.
Schlussgangfilmer Jakob Niederberger versah gestern einmal mehr tadellos seinen Dienst, und so hatte ich heute Morgen schon früh elektronische Post vom Meisterfilmer in meinem Briefkasten:

Zu erwähnen gilt noch, dass gestern 127 Schwinger in Zürich antraten, davon sechs Eidgenössische Kranzschwinger. Zudem waren laut Bote der Urschweiz 1400 Zuschauer anwesend, wovon Zwei schon um 07.01 Uhr ihre Parkplatzkarte einstempelten. Der Wettkampf begann übrigens mit ein wenig Verspätung nach 9 Uhr.

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Eine kleine Weihnachtsgeschichte von und mit meinem Cajon

Mein Cajon ist schon seit Jahren ein treuer Begleiter bei meinem Schlagzeugspiel.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Heute werde ich es wieder benutzen, am frühen Abend an der Weihnachtsmesse in Muotathal. Dabei spiele ich das Cajon mit meinen blossen Händen, und mit dem rechten Fuss betätige ich zudem den grünen Schellenkranz.

Das Cajon setze ich vor allem in der Kirche ein, wie heute beim Begleiten des Maronichores.

Der Ton dieser südamerikanischen Schlagzeugkiste, oder „Vogelhusli“, wie unser Chorleiter mal meinte, ist warm, ruhig und eher tief. Grad in der Kirche, wenn vor allem die leisen Töne gefragt sind, leistet mir mein Cajon dabei bestens Gesellschaft.

Ich setze heute zudem noch mein Snare-Drum ein, ein Steve Ferrone-Signature-Snare. Auch dieses Teil ist ein langjähriger Wegbegleiter.

Gewöhnlich baue ich das Cajon in mein kleines Drumset ein. Dabei ich sitze ich drauf und spiele es mit meinen Händen. Zudem wird mit dem linken Fuss die Hi-Hat-Fussmaschine, mit dem rechten Fuss die Bassdrum gespielt.

Heute aber, wie gesagt, nicht. Da darf das Cajon, weil Weihnachten, fast alleine ans Werk. Man könnte sagen, dass ihm an einem besonderen Fest auch eine besondere Hervorhebung zu Teil wird. Verdient hat es dieses treue Teil alleweil. Denn diese schöne Schlagzeugkiste ist schon seit gut zehn Jahren bei mir, und begleitet mich regelmässig an Auftritte.

Zu guter Letzt möchte ich noch etwas Werbung für mein Cajon machen. Ich habe es schon bei Ländlermusik eingesetzt. Dies würden das Cajon und ich in Zukunft gerne wieder mal tun. Wenn also irgendein Ländlermusikant diese Zeilen liest, ungeniert melden.

Denn mein Cajon und ich lieben es, zu verschiedenen Musikrichtungen fein, aber bestimmt den Takt anzugeben. Dabei ist es uns beiden egal, ob wir in einer Kirche, in einem Konzertlokal, an einer Stubete oder sogar draussen im Freien spielen dürfen. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir unser Publikum, ob Gross oder Klein, für ein paar gemütliche Stunden unterhalten dürfen.

Mein Cajon und ich wünschen Euch fröhliche Weihnachten, gemütliche Stunden und schöne Festtage!

Ach, da war doch noch was! Wahre Freude ist auch heute, an Heiligabend, etwas Schönes. Und wahre Freude ist gleich zu setzen mit einem wohl formierteren Gesangschor in der Valascia zu Ambri, welche nach einem hohen Sieg wie gestern aus voller Kehle das „La Montanara“ anstimmen und die Leventina beschallen darf!


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

feldwaldwiesenblogger

Ein Traum ging in Erfüllung: Ein gemeinsamer Auftritt mit einem Bluesmeister

Letzten Freitag ging für mich ein Traum in Erfüllung: Ein gemeinsamer Auftritt mit unserer Formation Schlatt-Lee und einem wahren Bluesmeister.

Diesen Event mit Richard Koechli kündigte ich in meinem Blog schon seit längerem an, und beschrieb auch den Werdegang und Reifeprozess. Angefangen von der Kontaktaufnahme mit Richard Koechli, das „Nageln“ eines Termines, bis zu der Werbegestaltung, beschrieb ich eigentlich fast jeden wichtigen Schritt bis zum Höhepunkt. Abgesehen mal von der Probenarbeit im Schlattli mit den Schlatt-Lee, stellte ich für meine Leser(innen und aussen) viel Material in den feldwaldwiesenblog.

Am vergangenen Freitag folgte dann der oben erwähnte Höhepunkt, unser gemeinsamer Auftritt, in der husky lodge. Dieser Höhepunkt hatte es in sich, wie man in der Folge entnehmen kann. Für mich, und wohl auch für meine Schlatt-Lee-Kollegen und Richard Koechli wird es ein bleibendes Erlebnis bleiben. Ich vermute und hoffe, auch für die gut 80 Konzertbesucher.

Als Abschluss meines „Musikexperimentes“ möchte ich meinen ganz persönlichen Eindruck des Auftrittes mit Text und Bildern schildern.

Erst mal habe ich die Bote-Berichterstattung von gestern Montag (18.11.2013) über diesen Event.


(Bildquelle: Bote der Urschweiz)

Herzlichen Dank an den Bote-Reporter Christoph Jud für seine super Berichterstattung! Wie ich meine, hat er den Event in seinem Bericht treffend zusammengefasst.

Bei einem Punkt muss ich ihn allerdings korrigieren. Jud schreibt: „Spontan habe er ihn gefragt, ob er einmal mit Schlatt-Lee im Thal auftreten würde. Dieser habe zugesagt.“
Diese entspricht nicht ganz den Tatsachen: Ich habe Richard Koechli lediglich gefragt, ob ich mit ihm zusammen einmal eine Probe abhalten dürfe. Koechli gab mir zur Antwort: „Wieso Probe? Wir machen doch gleich einen gemeinsamen Auftritt zusammen!“

Der Stein des Anstosses zu einem gemeinsamen Auftritt gab also eigentlich Richard Koechli.
So nahm das Ganze seinen Lauf, bis zum finalen Höhepunkt.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Richard Koechli war am vergangenen Freitag der erste Musiker, welcher am Ort des Geschehens, der husky lodge, auftauchte.
Relativ rasch stellten wir die Instrumente auf und richteten das P.A. ein. Bald war der Soundcheck an der Reihe. Schon da war sofort klar: Das Zusammenspiel mit Koechli passt. Es groovte schon nach den ersten Akkorden, und wir rockten gemeinsam die Hütte ein.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Als Stärkung nahmen wir ein feines Essen aus der Küche der husky lodge ein. Der Bär war erlegt, hing noch an der Wand, ging aber dann bald los!


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Den Konzertabend plante ich mit drei Blöcken. Erst wir von Schlatt-Lee mit einem Set allein, dann Richard Koechli ein Set solo und dann ein drittes gemeinsames Set.

Den Abend eröffneten um 20 Uhr also wir von Schlatt-Lee und rockten munter darauf los. Der „Rock’n’Roll-Train“ startete munter seine Reise, und liessen statt AC/DC-Riffs Songs von Status Quo, Rolling Stones oder Georgia Satellites vom Stapel. Es war halt Rock’n’Roll pur, und einigen älteren Herrschaften ein bisschen zu laut. Gehörschutzpropfen hatten wir leider keine mit dabei.

Nach einer kurzen Pause betrat der Meister des Blueses, Richard Koechli, die Bühne. Gitarre spielend und singend brachte er den Zuhörern die feinen Töne des Blues näher. Es war ab dem ersten Ton magisch und wunderschön!


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Wie Richard Koechli vertieft und voller Inbrunst seiner Gitarre Bluestöne entlockte, war schon fantastisch. Christoph Jud schrieb in seinem Boteartikel deshalb ganz richtig, dass es schade war, wie die Stimmen und Gabeln der „Fondueesser“ die leisen Töne teilweise übertönten.

Als Höhepunkt von Koechlis Soloauftritt würde ich seine Interpretation des „Schacher Sepp“ bezeichnen. In einem Bluesgewand verpackt, änderte er teilweise den Text ab und stellte einen Bezug zum Muotathal, dem husky camp und den Huskyhunden her. Einfach fantastisch!

Hinterher erfuhren wir von Koechli, dass er diesen Song erst seit diesem August in seinem Repertoire hat. Ursprung war ein Familienfest des Bluesbarden, wo eine Tante Koechli’s einen runden Geburtstag feierte. Er überlegte, was für eine musikalische Darbietung er bringen könnte. Koechli dachte erst daran, „Stets in Truure“ zu nehmen, entschied sich aber dann für den „Schacher Sepp“. Besagter „Schacher Sepp“ lag Richard Koechli textlich und melodiemässig sofort. Und für einen solchen Ausnahmekünstler wie ihn war es ein leichtes, auch noch eine persönliche Note in das wunderschöne Volkslied reinzubringen und eine eigene Version aus dem Ärmel zu schütteln.
Wie eben auch am Freitagabend.

Übrigens: Am Freitag waren auch einige Gitarristen der Umgebung in der Lodge anwesend und schauten dem Swiss Blues Award-Gewinner genauestens auf die Finger. Wie mir zu Ohren kam, waren sie allesamt von dem slidenden und groovigen Bluesspiel begeistert!


(Bildquelle: Kollege W)

Dann war es so weit: Schlatt-Lee und Richard Koechli enterten gemeinsam die Bühne. Und wie Christoph Jud schreibt: „Beim gemeinsamen Auftritt mit Schlatt-Lee rockten die fünf entfesselten Musiker das Chalet und brachten die Fans von der ersten Minute an in Wallung.“ Ich könnte es nicht besser schreiben…
Ich genoss jede Sekunde unseres gemeinsamen Auftrittes, es war wie im Traum. Wir spielten Songs vom Schlatt-Lee-Repertoire, von so prominenten Bands und Künstler wie CCR, Status Quo, Polo Hofer oder Steppenwolf. Ich hatte das Gefühl, es kam alles wie aus einem Guss. Das geile Zusammenspiel mit Richard Koechli, welches schon beim Soundcheck wunderbar harmonierte, verlieh uns vier Musikern von Schlatt-Lee richtig gehend Flügel. Koechli trieb uns mit seinem feinfühligen und groovigen Gitarrenspiel zu Höchstleistungen an. Ja, bei einem Song duellierte er sich sogar richtig gehend mit unserem Gitarristen!


(Bildquelle: Kollege W)

Zwischendurch gab es noch ein kleines Intermezzo: Eine kleine Polterabend-Gesellschaft, welche an jenem Abend zufällig auch in der Lodge war, schickte den zukünftigen Bräutigam zu uns nach vorn. Verlangt wurde von ihm, dass er für seine Kollegen und das Publikum „Country Roads“ zum Besten gab. Der mit einer Stirnlampe und einer Gefängniskugel ausgerüstete Mann absolvierte seinen Gesangspart gekonnt und genoss feiernd seine letzten Stunden in „Freiheit“.


(Bildquelle: Kollege W)

Den gemeinsamen Part mit Koechli unterbrachen wir irgendwann für eine kurze Pause und der Schreibende musste sich im Freien mal ein bisschen abkühlen und eine „Zigi“ rauchen.

Dann ging es wieder weiter und Richard Koechli haute auch sitzend in die Saiten, dass es eine wahre Freude war.
Als Höhepunkt unseres gemeinsamen Auftrittes kann man wahrscheinlich das „gejammte“ Johnny B. Good, zusammengehängt mit Bye Bye Johnny (Version Status Quo), erküren. Die Post ging ab wie ein Zäpfchen, die Riffs, Gesangsparts und meine Rhythmen kamen daher wie der tanzende Bär, der jetzt definitiv los war und nicht mehr an der Wand hing.
Ich kann dazu nicht viel mehr sagen, als: Es war einfach nur geil! Viel zu schnell ging die Zeit vorüber und wir gelangten leider irgendwann zum Ende des Auftrittes. Ein gemeinsamer Auftritt, der für mich, meine Schlatt-Lee-Kollegen und Richard Koechli sicher unvergesslich sein wird.

Ich wachte (leider) aus dem Traum auf und verbrachte noch ein paar gemütliche Stunden in der husky lodge. Dabei plauderten wir mit Koechli bei einem Glas Wein (oder waren es zwei, drei, vier…?) und erfuhren von ihm verschiedene interessante Dinge. Unter anderem auch, dass er momentan an seinem ersten Roman schreibt, der fast fertig ist und in Bälde rauskommen wird.

Irgendwann landeten wir noch an der Bar, und liessen den schönen Abend noch bei einem Bierchen ausklingen. Morgens um halb sechs Uhr kam ich dann zufrieden aber müde ins Bett.

Zum Schluss meines Beitrages möchte ich verschiedenen Leuten danken, die es mir ermöglichten, einen Traum in Erfüllung zu bringen. In erster Linie natürlich Richard Koechli, der mich dazu ermunterte, einen gemeinsamen Auftritt zu organisieren.
Dann bedanke ich mich natürlich auch bei meinen Bandkollegen von Schlatt-Lee, die sofort bereit waren, mit zu machen. Natürlich waren sie erst ein wenig skeptisch: „Ist es so einem Profi nicht zu blöd, mit uns zu musizieren?“ Nach dem Auftritt waren aber auch sie hell begeistert.
Natürlich auch ein herzliches Danke schön an Heidi Imhof und ihr husky lodge-Team, welche es uns ermöglichten, an einem so tollen Ort Musik machen zu dürfen!
Dass mit Christoph Jud vom Bote der Urschweiz auch ein Pressevertreter vor Ort war, freute mich auch sehr. Herzlichen Dank für den Beitrag!
Zu guter Letzt möchte ich unseren treuen Schlatt-Lee-Fans und allen Zuhörern für ihr Erscheinen am letzten Freitag danken.
Einer kommt mir noch in den Sinn: Auch Kollege W verdient einen Dank für das Machen von Fotos (siehe oben).

So komme ich zum Abschluss dieses „musikalischen Experimentes“ und werde diesen Event in bester Erinnerung behalten! Wer weiss, vielleicht gibt es ja wieder einmal so ein Superding…

feldwaldwiesenblogger

Fates Warning-Konzert im Z7 – Ein Rückblick

Am letzten Samstagabend ging es zu Dritt nach Pratteln, in die berühmt-berüchtigte Konzertfabrik Z7.
Auf dem Programm stand ein Konzert der Prog-Metal-Band Fates Warning. Prog-Metal-Band? Fates Warning?

Wikipedia zitiert darüber wie folgt:

„Fates Warning ist eine US-amerikanische Metal-Band, die zu den Begründern des Progressive Metal zählt. Nach der Gründung der Band im Jahr 1983 in Connecticut erschien 1984 ihr erstes Album unter dem Titel Night on Bröcken, das noch stark von der Beeinflussung traditioneller Heavy-Metal-Bands wie Iron Maiden geprägt war. Das Debütalbum galt als wenig bedeutend, wohingegen die nachfolgenden fünf Alben der Gruppe als wegweisend für die Entwicklung des Progressive Metal angesehen werden, was besonders auf ihre Veröffentlichungen zwischen den Jahren 1985 und 1988 zutrifft mit den Platten The Spectre Within (1985), Awaken the Guardian (1986) und No Exit (1988). Diese Alben zeichnen sich durch komplexe und filigrane Vokalstrukturen aus, die östliche Einflüsse zeigen. Hinzu kommt das professionelle Gitarrenspiel von Matheos und Arduini/Aresti, welches sich durch komplexe Riffs, Tempowechsel, songdienliche, aber auch angepasst-virtuose Soli und Akustikpassagen auszeichnet.“
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Fates_Warning)


(Bildquelle: http://www.fateswarning.com)

Meine Wenigkeit wurde durch einen Kollegen auf dieses Konzertereignis aufmerksam gemacht, mit dem Hinweis, dass Fates Warning seit 9 Jahren kein Studioalbum mehr auf den Markt brachten. Mit dem neuen Werk „Darkness In A Different Light“ sind die US-Amerikaner nun auf Tour.
Kleine Randnotiz: Besagter Kollege G wollte nach dem Konzert sich das neue Studiowerk zulegen. Ihm wurde aber mitgeteilt, dass es die Band versäumt hat, CD’s mit nach Pratteln zu nehmen…

Vorgängig ging man sich im nahe gelegenen „Countryschuppen“ Kentucky Saloon mit Speis und Trank stärken.
„Unsere Muotathaler“ Dusty Boots sind in jenem Saloon übrigens auch schon aufgetreten…

Frohgemut ging‘s dann rüber zur Konzertfabrik, wo wir „nur“ 40 Franken für den Einlass hinzublättern hatten. Die erste von zwei Vorgruppen war bereits schon fertig, die zweite war noch „an der Arbeit“. Eine ordentliche Prog-Metal-Band aus Norwegen, welche ein wenig an Dream Theater erinnerte.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Nach einer kurzen Umbaupause und einem kurzen Intro betraten Fates Warning um 22 Uhr die Bühne. Die aktuelle Band besteht zurzeit aus Ray Alder (Gesang), Jim Matheos (Gitarre), Frank Aresti (ebenfalls Gitarre), Joey Vera (Bass) und Bobby Jarzombek (Schlagzeug).
Aresti ist auf dieser Tour nicht dabei und wurde durch einen jungen Gitarristen (auf dem Bild ganz rechs) exzellent vertreten.

Als Gitarrist Jim Matheos auf die Bühne kam, erklärte jemand aus dem Publikum: Das ist der Chef. In der Tat ist er der „Chef“, ist er doch noch das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Zudem erinnerte er mich mit seiner lockig-langen Haarmähne an Steve Harris, den Mastermind von Iron Maiden. Ironie des Schicksals: In den Anfangstagen von Fates Warning wurden sie, wie oben gelesen, von den „eisernen Jungfrauen“ musikalisch beeinflusst…

Was mir auch auffiel: Die Band trat sehr bescheiden auf. Die allesamt in dunklen „Uni-T-Shirts“ und Jeans aufspielenden Fates Warning scherten sich einen Deut um Glitzer und Glamour. Das einzige Sinnbild für ihr „Rockerdasein“ sind die noch immer langen Haare, mit Ausnahme des Bassisten Vera.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Auch das Bühnenbild wurde bescheiden gehalten. Kein Pomp, kein Firlefanz und keine besonders ausgeklügelte Lichtshow. Das einzige Showelement waren wahrscheinlich die im Hintergrund bläulich eingeblendeten Hieroglyphen.
Solcherlei Bescheidenheit macht mir besonders Eindruck. Fates Warning hat es nicht nötig, songliche Schwächen oder technischen Fähigkeiten mit Schnickschnack zu übertünchen.
Es wurde zudem gänzlich auf peinliches „Rumgepose“ verzichtet.

Die Musiker beherrschen ihre Instrumente allesamt brillant und bringen sich stets absolut song- und banddienlich ein. Zu erwähnen gilt auch, dass auf ein Drumsolo und ellenlange Gitarrensoli verzichtet wurde. Ihre vertrackten und sehr abwechslungsreichen Songs brauchen solcherlei schlicht nicht. Im Gegenteil: Es würde nur stören.
Als einziges Manko würde ich des Sängers Stimme verzeichnen. Nicht wegen seiner Fähigkeiten als solches, sondern eher wegen Stimmproblemen am Samstagabend. Eventuell hatte Ray Alder auch eine Erkältung wie der Schreibende… Jedenfalls merkte man das vor allem bei seinen Ansagen, die schon mal in einem erstickten Schlucken untergingen. Der Gesang im Allgemeinen war eigentlich in Ordnung. Wir vermuteten hinterher, dass das Konzert eventuell wegen dem Sänger „nur“ 90 Minuten dauerte…


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Die im Z7 angebrachten Spiegel verleihen einem der schönsten Konzerttempel der Schweiz zusätzlich Tiefe. Zudem lassen sie auch das Gegenüber erkennen, das eigene Spiegelbild. Und so meinte mein eigenes Spiegelbild zu mir: „Du kanntest diese Band leider bisher viel zu wenig, trotz der einen alten CD in deinem Besitz. Die fandest du aber vorgängig nicht mal mehr. Eigentlich eine Schande.“
Recht hatte mein Spiegelbild! Fates Warning gefielen mir wirklich ausgezeichnet, und ich werde in Zukunft ein Auge auf die Band werfen. Zudem habe ich mir bereits die neuste Scheibe zu Gemüte geführt.

Von dieser neuen CD wurden am Samstag ein paar wenige Songs kredenzt, so unter anderem „Firefly“. Dieses „Firefly“ war für mich denn auch der beste Song des Abends. Eine wunderbare Nummer in einem Midtempo-Groove, unterlegt mit einer schönen Melodie, Prog-Metall-Riffen und dem markanten Gesang von Alder. Wenn Fates Warning so daherkamen, zogen sie mich sofort in ihren Bann.
Oder auch bei ruhigen Passagen, wenn Vera aus seinem Bass einen hypnotischen Rhythmus peitschte, welcher der Drummer geschickt unterstützte. Überhaupt der Schlagzeuger: Bobby Jarzombek sah man kaum hinter seiner grossen „Küche“. Man nahm ihn aber auch nicht unbedingt zwingend wahr. Dies sei scheint‘s ein gutes Zeichen für gutes Drumming, erklärte mir mal ein Jazzmusiker.

Klar gab es auch Songs, die mir weniger gefielen. Die Mehrzahl der Lieder überzeugte mich aber und hinterliessen bei mir einen nachhaltigen Eindruck.
Progressive Metal ist halt nicht gleich Progressive Metal! Es kommt immer auch darauf an, wie diese Art von Musik gespielt wird. Wenn sie auf die Spitze getrieben wird und nur noch das Technische überwiegt, beginne ich langsam wegzuhören. Solche Elemente waren aber nur selten beim Fates Warning-Konzert auszumachen.

Fates Warning steht für Melodien, schöne Gesangsbögen, den entsprechenden teilweise vertrackten Gitarrenriffen, fordernden Solis, hypnotischen Basseinlagen und einem technisch hochstehenden Schlagzeugspiel. Das samstägliche Konzert im Z7 verdiente deshalb von mir gleich zwei Daumen hoch!


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Das nicht in grossen Scharen erschienene Publikum spendierte der Band hinterher auch den wohl verdienten Applaus.
Dank dem Standort Pratteln, ideal im Dreiländereck gelegen, erschienen wohl auch deutsche und französische Fans der Band am Konzert. Die nicht allzu grosse Meute bestand denn auch nicht unbedingt aus „Schweinerock-Fans“. Es handelte sich teilweise schon um ältere Herrschaften, die man getrost als die „Klassikhörer“ unter den Metallfans bezeichnen kann. Dass die während des Konzertes nicht unbedingt den grössten Radau machen, versteht sich von selbst. Diese Art Konzertgänger macht es halt wie ich auch: Zuhören, geniessen und (meist) Ruhe bewahren…

Für meine Kollegen der Grümpi-Band 2014 habe ich noch ein kleines Mitbringsel aus Pratteln:


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Brauchen wir für unseren „Muotathaler Grümpelturnier-Konzertevent“ etwa ein Mischpult in solchen Dimensionen? Ja? Ich habe es nach dem Z7-Konzert mitlaufen lassen. Es befindet sich noch im Kofferraum meines Subaru‘s…


Usum Chäs-Chessi:

Mir kam gerüchteweise zu Ohren, dass die Muotathaler „Sound- und Fassfreunde“ aufhören möchten. Ich hoffe, es bleibt beim Gerücht. Denn es wäre wirklich schade.
Bekannt geworden ist diese lustige Truppe durch das Organisieren von speziellen Rockkonzerten hinter dem Restaurant Alpenrösli in einer Art „Konzerthüttli“. Da sich im näheren Umfeld eine neue Wohnsiedlung niederliess, scheint diese Art von Musikvergnügen leider nicht mehr möglich.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblog.blueblog.ch)

Aus diesem Grund organisieren die Sound- und Fassfreunde (ein letztes Mal?) im Saal des geschlossenen Hotels Tell im Muotathal am Samstag, 16. November ein Konzert. Auftreten sollen dabei „The Western Sizzlers, eine Band des ehemaligen Georgia Satellites-Mitglied Rick Richards.

Als „Gluschtigmacher“ gibt es ein YouTube-Video, auf welchem die Band „Break The Rules“, ein Status Quo-Song, covert.
Anmerkung der feldwaldwiesenblogger-Redaktion: „feldwaldwiesenblogger, das ist doch der (!) Quo-Kracher, bei welchem jeweils du mit deiner Stimme das Gitarrensolo machst…“

Zum Video, welches am 19.09.2013 veröffentlicht wurde, findet man unter anderem folgenden Hinweis:“(…) Taken from their debut album „For Ol‘ Times Sake“, The Western Sizzlers have arrived …. and yes sir, they can „Boogie“! (…)“

(Quelle: http://www.youtube.com)

Der Link zu diesem Video wurde mir als Konzerthinweis vom Sound- und Fassfreunde-Mitglied Bruno Gwerder zugestellt. Besten Dank!
Ich habe mir das Datum notiert und werde mir diese geile Rocksause natürlich nicht entgehen lassen. Als alter Status Quo- und Georgia-Satellites-Fan kommt man an jenem Abend sicher voll auf seine Kosten. YEAH, long live Rock’n‘Roll!

feldwaldwiesenblogger