Wenn die katholische Kirche nach dem Evangelium handeln würde, wäre ein Bischof Huonder nicht mehr im Amt

Im letzten Blogbeitrag schrieb ich: „Streng genommen hat der Bischof von Chur richtig gehandelt. Nach der bestehenden Lehre darf keine Segnung von Lesben oder Schwulen vorgenommen werden. Er hat eigentlich nichts falsch gemacht. Dennoch erntet Vitus Huonder ein Sturm der Entrüstung.“
Ich kündigte an, in einem nächsten Blogbeitrag der Frage „Wieso das so ist?“ nachzugehen. Zudem auch der Tatsache, dass der Churer Bischof leider (zu) oft die katholische Lehre über das Evangelium stellt.

Inzwischen habe ich mir einige Gedanken dazu gemacht. Ich möchte betonen, dass das meine subjektive Meinung ist, und nicht wertend sein soll. Meine Zeilen sollen aber zum Nachdenken anregen und nichts und niemanden aufregen. Meine Absicht ist es auch, dabei niemanden zu beleidigen. Denn es ist mir schon aufgefallen, wie empfindsam verschiedene Gemüter sind, wenn es ums Thema Glauben und Kirche geht.

vitus huonder

Bischof Vitus Huonder
(Bildquelle: http://www.nzz.ch)

Bischof Huonder zog mit seiner konservativen Haltung schon vielfach den Unmut vieler Gläubigen auf sich. Meinen übrigens auch. Denn es ist einfach unbegreiflich, wieso ein Mann Gottes nicht alle Menschen gleich behandelt wissen möchte. Wie steht es doch so schön in der Bibel (Römer 2,11): „Denn vor Gott sind alle Menschen gleich.“ Für Huonder scheint die katholische Lehre aber wichtiger zu sein als das Evangelium. Denn nicht anders ist sein Verhalten in der Causa Bürglen zu deuten. Der Bischof amtet leider (zu) buchstabengetreu und übersieht dabei die Menschen.

Dieses „an den Menschen vorbei handeln“ wird dem Churer Bischof übel genommen. Statt auf die Gläubigen zuzugehen, erhebt er nur zu gern und zu oft seinen Warnfinger. Vitus Huonder vergisst aber dabei, dass die Kirche heutzutage praktisch keinen gesellschaftlichen Einfluss mehr hat. Das war vor vielen Jahren noch ganz anders, als die Kirche sich gewaltig in die Gesellschaft einmischte und den Tarif in Sachen Recht, Ordnung und vor allem Moral gleich selber durchgab.
Das ist zum Glück nicht mehr so. Deshalb „muss“ man in der neuen Zeit nicht mehr in der Kirche sein. Man kann austreten, und die Kirchenoberen können einem den Buckel runter rutschen.

Viele gehen diesen Weg: Trotz Glauben an Gott und Jesus Christus wenden sie der immer noch pseudo-moralisierenden (Huonder)-Kirche den Rücken zu. In so einer Gemeinschaft, welche teilweise menschenverachtend ist, möchten viele Gläubige nicht mehr dabei sein.
Soweit möchten ich und ein paar andere aber nicht gehen. Wir stellen das Evangelium über die Kirchenlehre und glauben an einen barmherzigen Gott. Einige dieser „Schäfchen“ äussern denn auch lautstark ihren Unmut und protestieren gegen die Oberen in Chur. Völlig zu Recht!

Den austrittswilligen Menschen verständlich zu machen, trotzdem zu bleiben, scheint aber sehr schwierig. Die Fronten sind verhärtet. Für viele reicht’s nun, gerade auch nach dem Fall Bürglen.
Aber: Es braucht weiterhin Mitglieder in der römisch katholischen Kirche. Mitglieder, die den Fortbestand dieser Kirche weitertragen. Auch wenn ein Bischof Huonder wie ein Gesetzeshüter streng nach den alten Regeln vorgeht: Der Mann ist nicht Gott. Er ist höchstens ein Hirte auf Abwegen, den man nicht unbedingt ernst nehmen muss. Ausser man ist sein Angestellter…

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Papst Franziskus
(Bildquelle: http://www.katholisches.info)

Papst Franziskus lässt in uns die Hoffnung aufkeimen, dass es auch ein Leben ausserhalb der reinen katholischen Kirchenlehre gibt. Er lebt eine wunderbare christliche Menschlichkeit vor und handelt oft so, wie es vermutlich Jesus Christus heutzutage in dieser modernen Welt auch täte.

Trotzdem: Viele Fragen und Ungewissheiten sind vorhanden. Lebt Papst Franziskus wirklich nach dem Evangelium, oder ist seine Überzeugung in etwa die gleiche wie die von Vitus Huonder? Wenn’s hart auf hart käme, würde er genau gleich vorgehen wie der Bischof von Chur?

Zweifel, Fragen und Gedanken sind berechtigt. Zumal in der Kirche auch Menschen angestellt sind, welche nach ihrer Überzeugung handeln. Pfarrer Wendelin Bucheli tat dies ebenso und segnete ein Lesben-Paar.
Eigentlich müsste dem Paar ein grosses Kränzchen gewunden werden. Viele Paare heute kümmern sich einen Deut um die Kirche und heiraten nur standesamtlich.

Wie im letzten Beitrag schon angesprochen: Auf der einen Seite stehen diejenigen, welche sich buchstabengetreu auf das Kirchenrecht berufen. Auf der anderen Seite befinden sich die Gläubigen, welche Menschen wie beispielsweise Homosexuelle, nicht diskriminieren wollen.

Für mich persönlich ist der Fall klar: Wie oben beschrieben, kann es nicht die Absicht von Jesus Christus sein, irgendwelche Menschen oder Menschengruppen zu diskriminieren oder gar auszuschliessen.
Genau das tut aber Bischof Huonder und seine konservative Gefolgschaft. Nach deren Auslegung der Kirchenlehre sollen gleichgeschlechtliche Paare nicht gesegnet werden, oder dürfen Geschiedene nur mit verschränkten Armen zur Kommunion kommen.

Diskutiert man solches Gebaren mit weniger gläubigen Menschen, wird nur gelacht, gelästert oder der Kopf geschüttelt. Ich verteidige dann sogar die Kirche mit dem Argument, dass es ja auch die aufgeschlossenen Priester, Laientheologen und mit Franziskus einen menschlichen Papst gibt. Die Hoffnung und das positive Denken sterben zuletzt…

Wie aber geht das bloss mit der römisch katholischen Kirche weiter? Bischof Huonder fördert mit seinem Rumreiten auf den Kirchenparagrafen kräftig den Exodus aus der Kirche. Die sonst schon gelichteten Reihen werden noch dünner. Stattdessen laufen viele Gläubige irgendwelchen Quacksalbern, Sekten oder was weiss ich in die offenen Arme. Ist dies das Bestreben von Chur und Co.?

Ob die Zahl der Atheisten wegen der oft sturen Haltung der katholischen Kirche grösser geworden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Was aber eindeutig gestiegen ist, ist die Zahl der Konfessionslosen (siehe Wikipedia). Diese sind aber sicher nicht einfach so den Atheisten zuzordnen.
Neue Glaubensrichtungen, Gruppierungen und allerlei Sekten haben vermutlich darum gewaltig an Boden gewonnen. Das hingegen stört mich ungemein, da dort vielfach Menschen in persönlicher Not in deren Abhängigkeit geraten. Gerade aber solchen Menschen müsste die katholische Kirche, wenn sie denn nach dem Evangelium leben würde, Hand bieten, sie in ihre Gemeinschaft aufnehmen, um sie kümmern und nicht verstossen.

Solange aber die konservativen Kräfte innerhalb der Kirche den Ton angeben, wird die Kirchenlehre über das Evangelium gestellt. Und viele Menschen geraten weiterhin unter die Räder, sei es aus persönlicher Not oder einfach weil es gegen ihre persönliche Überzeugung läuft.

Ich meine deshalb zum Schluss: Wenn die katholische Kirche nach dem Evangelium handeln würde, wäre ein Bischof Huonder nicht mehr im Amt. Stattdessen wäre ein Bischof in Chur, welcher wie Papst Franziskus viel Hoffnung und Freude verbreiten würde. Einer, der die Menschen nehmen würde, wie sie wären. Ganz gleichen Geschlechts, Hautfarbe oder Nationalität sie wären.
Ob ich deswegen ein Träumer bin? Vielleicht, aber erhoffen darf man es sich von einer Institution, deren Ursprung niemand anders als Jesus Christus und seine Jünger waren.

feldwaldwiesenblogger

Bischof Huonder und die Crux der Katholischen Kirchenlehre

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Pfarrer Wendelin Bucheli
(Bildquelle: http://www.nzz.ch)

Der Fall des Bürgler Pfarrers Wendelin Bucheli wirft grosse Wellen, nicht nur in Kirchenkreisen. Die Sachlage ist jedem Interessierten so ziemlich klar: Pfarrer Bucheli segnete letzten Herbst ein Lesben-Paar. Dies löste eine derart heftige Reaktion der Kirchenoberen aus, dass der Bischof von Chur, Vitus Huonder, den Pfarrer zur Demission aufforderte. Ja, Huonder ging sogar soweit, dass er sich mit dem Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg einigte, dass Bucheli in dieses Westschweizer Bistum zurückgerufen werden solle. Der Pfarrer wurde dort nämlich vor etlichen Jahren zum Priester geweiht.
Bucheli liess aber verlauten, dass er die Demission nicht einreichen werde. Dabei wird er von der Gemeinde Bürglen unterstützt, Kirchenrat und Gemeinde stehen hinter ihrem beliebten Pfarrer.

Pfarrer Bucheli liess auch durchblicken, dass er nicht mit so einer heftigen Reaktion gerechnet habe. In einem Interview sagte der Priester wortwörtlich: „Ich habe die besagte Segnung vorgenommen, nachdem ich die Anfrage vor Gott geprüft hatte.“ Der Mann machte es sich also alles andere als einfach. Zudem liess er sich auch von erfahrenen Seelsorgern beraten.

vitus huonder
Bischof Vitus Huonder
(Bildquelle: http://www.nzz.ch)

Zwischenzeitlich liess Bischof Huonder verlauten, dass am 2. Februar ein Gespräch zwischen ihm und Pfarrer Bucheli stattgefunden haben soll. Dabei soll der Bürgler Pfarrer erklärt haben, dass er sich fügen werde und nicht in Bürglen bleiben könne.
In der Pfarrei Bürglen ist man empört über das Bistum Chur, welches den Pfarrer als Lügner hinstellte. Es steht nun Aussage gegen Aussage, die Fronten scheinen verhärteter denn je. Ein klärendes Gespräch tut wirklich not.

Der Zwist spaltet die katholische Kirche: Hier diejenigen, die auf das Kirchenrecht pochen, dort jene, die Homosexuelle nicht diskriminieren.
Die Segnung soll der katholischen Lehre widersprechen, dennoch glaubt Pfarrer Bucheli, dass er nach dem Evangelium gehandelt habe.
Was soll man als mehr oder weniger braver Kirchengänger von der ganzen Sache halten?

Zudem hat die katholische Kirche in Rom mit Franziskus einen Papst, der Hoffnungen schürt. Hoffnungen hinsichtlich Reformen, mehr Öffnung und Menschlichkeit in der Kirche.
Aber wie reformbereit ist Papst Franziskus wirklich? Würde er die Lesben-Segnung in Bürglen gutheissen?

Die überwiegende Mehrzahl der Gläubigen steht nicht mehr in Übereinstimmung mit dem, was die Katholische Kirche lehrt. Im Vatikan verstärken sich zugleich die Widerstände gegen den Öffnungskurs von Papst Franziskus.

Hier stossen wir auf die Crux der Geschichte: Eine Mehrzahl der Gläubigen kann und will viele Lehren der Katholischen Kirche nicht mehr mittragen. Das Beispiel mit den gleichgeschlechtlichen Paaren, die vor Gott auch gesegnet werden möchten, löst bereits eine Riesendebatte aus. Was ist richtig, was ist falsch?

Streng genommen hat der Bischof von Chur richtig gehandelt. Nach der bestehenden Lehre darf keine Segnung von Lesben oder Schwulen vorgenommen werden. Huonder hat eigentlich nichts falsch gemacht. Dennoch erntet er ein Sturm der Entrüstung.
Der Frage „Wieso das so ist?“ gehe ich im nächsten Blogbeitrag nach. Auch der Tatsache, dass der Churer Bischof leider (zu) oft die katholische Lehre über das Evangelium stellt.

feldwaldwiesenblogger

Als der Pfarrer aus dem Thal verjagt wurde…

Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, gibt es eine Muotathaler-Sage mit dem einleitenden Titel: Als der Pfarrer aus dem Thal verjagt wurde…

Diese Sage mit seinem kontroversen Titel kam mir heute früh spontan in den Sinn, als ich folgenden Artikel aus dem Bote der Urschweiz las:


(Quelle: http://www.bote.ch)

Natürlich, die eingangs erwähnte Sage hat mit der Bote-Meldung (eigentlich) nichts zu tun. Der Bischof rief, und der Diener Martin Rohrer folgt nun seinem Ruf. So wie es sich für einen treuen Kirchenmann halt gehört.

Trotzdem: Ein bisschen Missmut kommt in mir dabei schon auf. Der vielkritisierte Bischof Vitus Huonder liess auch hier kein Fingerspitzengefühl walten, und beruft einen nicht mal vor einem Jahr eingesetzten Pfarradministrator (Vorstufe zum Pfarrer) nach Chur, ans Priesterseminar.

Man könnte jetzt also sagen, dass der Bischof uns den neuen Pfarradministrator schon sehr früh „abjagt“. Damit schlösse sich dann der Kreis der Sage wieder. Denn vielleicht ist das die Retourkutsche der Churer Kurie? Man weiss ja, dass die ein Gedächtnis haben wie die Elefanten. Sie vergessen nichts. Und solche Geschichten wie „Als der Pfarrer aus dem Thal verjagt wurde…“ verjähren sich nicht. Huonder sah also nun den Moment gekommen, das Muotathal für ihre Untat vor weiss nicht wie vielen Jahren büssen zu lassen…

Klar, man kann jetzt auch sagen, dass sich der feldwaldwiesenblogger wieder mal vergaloppiert. Aber zugeben müsst ihr, liebe Leserinnen(und aussen) auch, dass da was zum Himmel stinkt, oder?

Der Zeitungsbericht klingt harmlos und der Inhalt besagt, dass ein junger Priester Karriere macht. Grad so wie ein junger Banker in einer Grossbank. Alles recht und gut. Aber Zweifel und Kritik sind nahe bei solchen Geschichten.

Andererseits ist es auch logisch, dass der Bischof seine getreuen Schäfchen um sich scharen will. So quasi als eine geballte Macht an konservativer Kraft in Chur. Denn es ist bekannt, dass Pfarradministrator Martin Rohrer trotz seiner eindrücklichen Vita ein konservativer Priester ist, und demzufolge auch „churtreu“.

Das so schnelle Abberufen ist sicher nicht grundlos. Ich denke, trotz „Vergaloppieren in eine alte Sage“, irgendwas in der Art wird es schon sein.
Es ist auch eine Tatsache, dass Chur die jungen und konservativen Priester ausgehen. Und diejenigen die etwas taugen erst recht. Rohrer ist ein gut ausgebildeter, fähiger und kommunikativer Geistlicher. Dass der Bischof solche „Juwelen“ nicht in einer Gemeinde draussen „versauern“ lassen will, verstehe ich ein wenig.

Aber: Die heilige Schrift besagt auch, dass das Verbreiten des Wort Gottes unter das einfache Volk erste Priorität hat. Also die Verkündigung und Seelsorge in den Gemeinden.
Nun wägt der Bischof halt solcherlei gegeneinander ab, und schlussendlich siegen halt doch der menschliche und nicht der biblische (heilige) Geist.
Der Bischof holt sich wie ein König seine Lieblingsuntertanen an den Hof. Das ist wohl sein gutes Recht, aber nicht unbedingt sehr christlich.
Und die Muotathaler müssen wieder einen neuen Pfarrer suchen.

Übrigens: Ich habe jetzt vor allem die Churer Seite ausgeleuchtet. Da ich Martin Rohrer nicht näher kenne, kann ich bei seinen Beweggründen halt nur mutmassen. Dabei könnte es durchaus sein, dass er so bischof- und damit „churtreu“ ist, dass er dem Rufen des Bischofs bedingungslos folgt.
Es könnte aber auch sein, dass ihm diese Abberufung gelegen kommt, und er innerhalb der Kirche mächtig Karriere machen möchte.
Wer weiss, vielleicht können wir Muotathaler irgendwann voll Stolz sagen: Der neue Papst war mal für ein Jahr aktiv in unserem Thal.

feldwaldwiesenblogger

Papst Franziskus ist einfach ein guter Hirte!

Der 20 Minuten-Beitrag von heute steht so quasi stellvertretend für die Berichterstattung vom Papstbesuch auf Lampedusa.

Was will uns Papst Franziskus mit seinem Besuch auf der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa sagen?

Ganz sicher keine theologisch hochstehende Geschichte. Ganz im Gegenteil: Er zeigt den Gläubigen, dass er in erster Linie ein guter Hirte ist. Der Nachfolger Petrus ist ein Menschenfreund, der uns alle im „sicheren“ Westen darauf aufmerksam machen möchte, wie nahe das menschliche Elend vor den europäischen Toren ist. Dass ihm das Schicksal der Flüchtlinge nahe geht, und dass uns als Christen diese Problematik sehr wohl etwas angeht.
Mich haben die Bilder im Fernsehen berührt, und zugleich beschämt.

Papst Franziskus lebt eine Bescheidenheit vor, die wahrscheinlich schon länger kein Papst mehr an den Tag legte. Für ihn steht das Wort Gottes und somit die Botschaft an die Menschen im Mittelpunkt, und nicht irgendeine Politik oder Kurienhierarchie.

Fern von Gesetzen und Landesgrenzen gibt es für Papst Franziskus noch die Menschlichkeit und die Nächstenliebe. Er vermittelt zudem den Menschen seine Herzlichkeit und sein Mitgefühl.

Der jetzige Papst ist definitiv ein ganz spezieller Kirchenmann. Mit seiner Ausstrahlung und mit seinem Auftritt hat er mich diesen Frühling in Rom schon tief beeindruckt, als ich ihn bei einer öffentlichen Audienz ganz aus der Nähe sah. Ich spürte im wahrsten Sinn des Wortes, dass eine Kraft von ihm ausgeht.

Mit seiner Aktion gestern will er vermutlich einfach darauf hinweisen, dass trotz der vorgegebenen Flüchtlingspolitik der EU und der Schengen-Staaten auch die Menschlichkeit nicht zu kurz kommen darf.

Viele Menschen hierzulande sind Christen, handeln und denken aber höchst selten ganz konsequent nach dem von Papst Franziskus vorgelebten Wort Gottes.
Die „Westler“ leben meist nach ihren eigenen egomanischen Prinzipien, da hat eine Bibel und sein Wort keinen grossen Platz mehr.

Ehrlich, ich muss zugeben, dass mir die Flüchtlingspolitik der SVP halt auch näher ist als die Botschaft Gottes aus der Bibel. Obwohl gläubig, nehme ich es diesbezüglich mit Jesus und seiner Botschaft auch nicht so genau. Viel wichtiger ist mir mein Frieden und eine saubere Schweiz, mit möglichst wenig Asylanten.

Papst Franziskus hat mich deshalb gestern beschämt, weil mir das in dem Moment bewusst geworden ist, was für ein Egoist ich diesbezüglich geworden bin.
Ich mache mir deshalb aber keine Vorwürfe: Ich bin da in bester Gesellschaft mit meinen anderen „Leidgenossen“. Die meisten davon kümmern sich nämlich einen Deut um Flüchtlinge und deren Schicksale.

Wir alle sehen halt nur immer die bei uns herumlungernden jungen nordafrikanischen Männer, die zugegebenermassen nerven und zum Grösstenteil ganz sicher keine echten Flüchtlinge sind. Einige davon sind Kriminelle, andere arbeitslos und wieder andere wegen des Umbruches nach den „arabischen Frühlingen“ ausgebüxt. Das sind in meinen Augen aber keine humanitären Gründe, um den Status „echter Flüchtling“ zu erhalten.

Es gibt sie aber, die echten Flüchtlinge. Und um genau die sollen wir uns kümmern. Denn dies war ganz sicher der Kern der Botschaft von Papst Franziskus gestern auf Lampedusa.

Wir sollten aber auch den Mut haben, die „unechten“ Flüchtlinge (wie beispielsweise viele der Nordafrikaner) des Landes zu verweisen, um den echten Flüchtlingen Platz machen zu können.

Wie dies aber genau gehen könnte und sollte, war der päpstlichen Botschaft halt nicht zu entnehmen. Aber wir Menschen sind kreativ genug, um auch das rausfinden zu können.

feldwaldwiesenblogger

Ist Abt Werlen auf einem Kreuzzug?

Wie Blick am Abend gestern berichtete, soll sich Abt Werlen vom Kloster Einsiedeln auf einem Kreuzzug befinden.

Nein, das tut er natürlich nicht. Denn alles was mit Kreuzzügen zusammenhängt, ist in einem dunklen Kapitel der röm. kath. Kirche abzubuchen. Dort ist Abt Werlen mit Bestimmtheit nicht zu finden.

Dennoch las ich den BaA-Artikel ganz erstaunt durch.

Das ist ja alles gut und recht. Nur: In die Politik sollte sich Werlen und die Kirche definitiv nicht einschalten. Das ist noch nie gut gekommen, wie uns die Geschichte lehrt.
Wieso sich Werlen da trotzdem einmischt, ist mir schleierhaft. Böse Zungen behaupten, dass er seit seinem Unfall von Anfang letzten Jahres… Aber lassen wir das, das ist nicht fair gegenüber dem Abt aus Einsiedeln!

Was Werlen nämlich sehr gut kann, ist über die Liberalisierung und Öffnung der röm. kath. Kirche nachdenken und reden. Gerade kürzlich gab er ein sehr intelligentes und gutes Interview in der Jahresendausgabe der Weltwoche.

Hier ist Abt Werlen im Element. Was er hier erzählt, hat Hände und Füsse, und sollte in Chur und Rom angehört werden. Da erntet er auch meinen Respekt und meine Anerkennung.

Die Liberalisierung der Tankstellenshop-Öffnungszeiten hat aber mit Religion rein gar nichts zu tun, und gehört demzufolge nicht in den Tätigkeitsbereich eines Klosteroberen.

Das Ganze ist nämlich, wie Christian Lüscher (FDP) erklärt, in meinen Augen nur Pipifax.

Hier handelt es sich nur um kleine Details, ob neben Kaffee und Sandwiches auch noch Salate und Pizzas verkauft werden dürfen. Die erwähnten Tankstellenshops hätten eh rund um die Uhr offen. Bei der ganzen Geschichte geht es nicht im entferntesten um die Öffnungszeiten, und darum, dass Arbeitnehmer nicht rund um die Uhr arbeiten müssten.
Ich bin überzeugt, dass wegen den zusätzlich verkauften Produkten keine Warteschlangen am Morgen um drei Uhr vor den Tankstellenshops zu erwarten sind. Deswegen müssen in diesen Shops ganz sicher nicht mehr Personen zwischen 1 und 5 Uhr in der Früh arbeiten.

Ob jetzt 24 Stunden-Öffnungszeiten sinnvoll sind, darüber kann man sich sicher streiten. Ich gebe aber auch zu bedenken, dass doch einige Leute Nachtdienst versehen müssen. Diese sind froh, wenn zu nächtlicher Stunde einige Shops geöffnet haben, wo sie sich mit Lebensmitteln eindecken können. Diese Leute möchte ich nicht diskriminiert wissen, und nur mit Kaffee und „fettigen“ Sandwiches abspeisen. Sie schon, Herr Werlen?

Herr Werlen, hier kämpfen Sie komplett auf verlorenem Posten. Wenn schon gegen eine 24 Stunden-Gesellschaft angekämpft werden will, dann auf breiter Front. Dann nämlich müssten wir alle bereit sein, auf Frischprodukte und Zeitungen am frühen Morgen zu verzichten.
Wenn nicht, dann bleibt alles beim Alten und irgendjemand muss das ja wohl bewerkstelligen. Oder meinen sie Herr Werlen, dass da jeweils irgendwelche Heinzelmännchen am Werk sind?

feldwaldwiesenblogger

Zu Pfingsten: Gottloses Europa?

Zu einem Artikel der aktuellen Weltwoche-Ausgabe machte ich mir einige Gedanken:

Im besagten Artikel geht’s auch um absolute Zahlen. Die Zunahme der „Gottlosen“ oder „Ungläubigen„ ist stetig steigend.

Aber wieso ist das so? Wieso nimmt die Zahl der Ungläubigen so markant zu? Ist es wirklich nur die verstaubte Kirche, die junge Leute mit solchen Plakaten auf die Strasse treibt?

Da bin ich mir nicht (mehr) so sicher. Die heutige Zeit bietet allen Alterskategorien, aber vor allem den Jüngeren, so viel Ablenkung. Ein Gott oder die Sinnfrage nach ihm braucht‘s da gar nicht mehr. In sogenannt „guten Zeiten“ hat man ja was man braucht, nämlich die Zerstreuung und die Abwechslung.

Aber was ist in Krisenzeiten? Wonach richten sich da die „Ungläubigen“? Was gibt ihnen da Halt?

Auch „unser“ Kardinal Kurt Koch weiss da keinen wirklichen Rat. Im Interview mit der Weltwoche spricht er in meinen Augen vor allem die Gläubigen an. Das ist sein gutes Recht, denn er ist ein Vertreter der römisch katholischen Kirche, und bräuchte sich um die „Ungläubigen“ gar nicht zu kümmern.

Dennoch versucht er es.

Da hat er natürlich vollkommen Recht: Die christlichen Wurzeln gehen verloren. Dass er dabei nicht auf dem Islam rumhackt ehrt ihn. Denn der ist ja bei uns sicher nicht der Grund für den „Untergang“ des Christentums. Das sieht andernorts, Afrika und Asien, natürlich ganz anders aus. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.
Auch bei seinem „Gegenrezept“ hat er natürlich Recht. Nur: Wie soll das funktionieren, wenn die Eltern selber ungläubig sind, oder die Kinder nicht in einer intakten Familie aufwachsen?
Wie soll das funktionieren wenn die „Gspändli“ der Kinder auch keinen Bezug zu Gott haben? Die Fragen könnte man so noch beliebig weiterspinnen. Man kommt an kein Ende.

Ist das Christentum in Europa wirklich bald ausgestorben? Oder gibt es noch Hoffnung und Rettung?
Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät uns, dass in der mehr als 2000-jährigen Geschichte des Christentums schon viele Krisenzeiten überstanden wurden. Ich meine mich sogar zu entsinnen, dass das Kloster Einsiedeln irgendwann vor Urzeiten nur noch ein einziges Mitglied hatte. Heute aber herrscht dort ein reges Treiben, sowohl als Wallfahrtsort wie auch als Stätte für die Brüder und Geistlichen. Die Hoffnung lebt also immer noch weiter…

Zu der „gottlosen Story“ in der Weltwoche kann ich höchstens noch bemerken, dass der Glaube an Gott wahrscheinlich in Zukunft viel flexibler gehandhabt wird (oder werden muss). Die sogenannt scharfen Grenzen zwischen den Landeskirchen und Freikirchen werden wahrscheinlich fliessender werden. Denn ich vermute trotz allem, dass viele Menschen, auch junge, an Gott glauben. Sie glauben an Gott, aber nicht an die Institution Kirche.

Ich für meinen Teil bin auch gläubig. Ich glaube an Jesus Christus, bin Mitglied in der röm. kath. Kirche, und trage meinen Beitrag bei mit meinem Schlagzeugspiel und dem Lektorendienst. Aber sonst? Die Institution Kirche ist für mich mehr Mittel zum Zweck. Aber ich glaube nicht an die Kirche, denn die ist aus Menschen Hand geschaffen, und so fehlerhaft und weltlich wie wir Anderen. Kirche ist für mich: Die Mitarbeiter, die ein Bistum beschäftigt, und die Gebäude, worin der gemeinsame Glaube gelebt werden kann. Wenn man das mal erkannt hat, dann hat man mit dem Glauben keine Schwierigkeiten mehr. Für mich jedenfalls gilt das so.
Zudem: Was gibt es besseres, als einen festen Glauben an Gott in Krisenzeiten? Kirche hin oder her…

feldwaldwiesenblogger

Meine Gedanken zu Bischof Vitus Huonder

Als ich heute in der „Zentralschweiz am Sonntag“ rumblätterte, wurde ich wegen diesem Artikel hellhörig.

Wie bitte? „Der Bischof von Chur macht den Gläubigen eine besondere Empfehlung: Sie sollen Pfarrblätter meiden, wenn sie mit diesen nicht zufrieden seien.“

Was meint Herr Huonder eigentlich, wer er ist? Da platzt mir manchmal also schon der Kragen, wenn ich höre und lese, was der „Bischof von Chur“ zu sagen hat. Ich habe dabei öfters das Gefühl, dass wir es mit einer „Light-Version“ von Wolfang Haas zu tun haben, welcher glücklicherweise nach Liechtenstein wegbefördert worden ist.

Der Anlass des bischöflichen Rüffels war sicher (unter anderem auch) folgender Artikel aus dem „Pfarrblatt Urschweiz“:

Darin macht sich Eugen Koller, Zentralredaktor des besagten Pfarrblattes, kritische Gedanken über Bischof Vitus Huonder. Dabei bleibt Koller aber stets sachlich, und bringt seine Bedenken zum Ausdruck, dass Vitus Huonder innerkirchliche Gräben wieder aufriss. Gräben, dereinst von Wolfang Haas verursacht, von Bischof Amedée Grab wieder sorgsam zugekittet, und nun wieder aufgerissen wurden. Sehr bedenklich und bedauerlich.

Diese Kritik mag es aber scheinbar überhaupt nicht leiden! Entweder ist das Bistum Chur mit Bischof Huonder sehr dünnhäutig, oder aber sie befinden sich hinter ihren dicken Bistumsmauern wieder im tiefsten Mittelalter.

Mir könnte es ja durchaus egal sein, was sich im Bistum Chur abspielt. Denn Herr Huonder ist nicht mein Chef, zum Glück nicht.

Aber: Ich bin gläubiger Katholik, trage mit meiner Schlagzeugbegleitung des Maronichores in der Kirche und als Lektor auch ein wenig zum „Kirchenleben“ bei. Dabei denke ich an all jene, welche für die Kirche arbeiten: Die Priester, Ordensleute und auch die vielen Laien. Für sie beziehe ich Stellung, und finde, dass ihr oberster Chef wirklich ein Hirte sein soll. Ein barmherziger Hirte, der das Wort Gottes für alle verkündet, sich auch um schwarze Schafe kümmert, und nicht wieder irgendwelche mittelalterliche Regeln einführen soll.

Herr Bischof Huonder ist mit seiner Art nämlich auf dem besten Wege, die Brücke zu den jungen und zweifelnden Christen abzureissen. Ihm scheint es egal zu sein, dass die Kirchen immer leerer und „verstaubter“ werden, statt voller und mit viel Leben.

Ein Eugen Koller hat die Zeichen der Zeit erkannt, und kann als gläubiger Katholik auch nicht einfach wegsehen. Er beschreibt voller Taktgefühl die Missstände, und regt zum Nachdenken an.
Die Botschaft Gottes kann es doch nicht sein, alle Kritiker von Chur fern zu halten, und „fast diktatorisch“ über ein Bistum zu walten.

Ich bin kein studierter Theologe, und könnte deswegen mit Huonder niemals ein Streitgespräch über theologische Fragen führen. Ich bin aber ein Christ, lese ab und zu in der Bibel, und spüre gerade bei Gottesdiensten, wo ich mit meinem Schlagzeug spielen darf, eine kirchliche Gemeinschaft. Eine kirchliche Gemeinschaft, welche nicht nur aus Priestern und Ordensleuten besteht, sondern gerade auch aus Laien. Laien, welche das Herz am rechten Fleck tragen, und dabei mit viel Aufopferung zur Gemeinschaft in der Kirche beitragen.

Ich frage mich ernsthaft: Weiss und spürt das der „Kirchenmann“ Huonder? Oder lebt er so in seinen kirchlichen Traditionen, dass er geflissentlich vergisst, dass da noch Gläubige vorhanden sind? Gläubige mit Fehlern und Schwächen, wie er übrigens auch, welche aber etwas zur kirchlichen Gemeinschaft beitragen möchten.

Ich hoffe einfach nur, dass das Bistum Chur und sein Bischof Vitus Huonder wieder ein Schritt auf die Gläubigen zugehen, und sich nicht noch weiter von ihnen entfernen.

feldwaldwiesenblogger