Besuch beim vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich auf dem Bergheimet Föhnenberg – Teil 1

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Am 17. Juli, ein Tag nach dem denkwürdigen Südwestschweizerischen Schwingfest in Kerzers FR, besuchte ich den vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich. Ich fuhr zum Bergheimet Föhnenberg hoch, welches sich auf knapp 1000 Metern über Meer auf der Gemeindefläche von Gersau SZ befindet. Auf dem Föhnenberg hat man eine atemberaubende Aussicht auf den Vierwaldstättersee und die umliegenden Berge. Andi wohnt hier mit seiner Frau Nadine und den beiden Kindern Damian und Julian in einer idyllischen Bergwelt.

Der gelernte Forstwart arbeitet in einem 80 Prozent-Pensum als Maschinist bei der Christen Gartenbau AG in Küssnacht SZ. Mit den restlichen 20 Prozent betreibt er das Bergheimet mit elf Kühen und acht Rindern, bei welchem ihm auch seine Eltern zur Hand gehen. Diese wohnen nämlich auch auf dem Föhnenberg. Die Wurzeln von Andi sind im Bisisthal SZ zu finden, geboren und aufgewachsen ist er aber hoch ob Gersau.

Der Sennenschwinger fing 1996 mit dem Schwingsport an und holte sich 2003 beim Schwyzer Kantonalen seinen ersten Kranz. Inzwischen nennt der 181 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet 78 Kranz-Exemplare sein eigen und durfte schon acht Kranzfestsiege feiern. Andi erkämpfte sich 2017 bisher sechs Kränze und gewann mit dem Schwyzer Kantonalen ein Kranzfest. Alles in allem eine starke Saison, welche sich mit grossen Schritten dem Saisonhöhepunkt nähert.


Andi Ulrich wohnt mit seiner Familie inmitten einer idyllischen Bergwelt

Du bist mit dem bisherigen Saisonverlauf sicher zufrieden. Was waren aus deiner Sicht die Highlights?
„Ein Highlight war sicher der Sieg beim Schwyzer Kantonalen, welcher für mich relativ unerwartet kam. Weiter die Schlussgang-Qualifikation beim Innerschweizerischen. Der Schlussgang selber war kein Highlight. Schön war aber, dass ich bei so einem Fest so weit gekommen bin.“

Gibt es etwas, was nicht ganz nach deinem Gusto verlief?
„Das Verpassen des Stoos-Kranzes, diesen hätte ich gerne gewonnen. Denn es wäre für mich der zehnte Stoos-Kranz gewesen. Es lief mir dort nicht nach Wunsch. Aber es ist ein Bergkranzfest und an diesen ist es einfach zäh.“

Was meinst du zu den fragwürdigen Entscheiden beim Südwestschweizerischen in Kerzers?
„Es lief eindeutig gegen die Gästeschwinger, und insbesondere gegen Reto Nötzli. Zum sechsten Gang von Reto gilt es zu erwähnen: Das Abrollen in einem Zug wird seit 2008 mit der Note Zehn gewertet. Die beiden Kampfrichter am Tisch waren wohl für die Zehn, der Platzkampfrichter hingegen nicht. Reto ist ein anständiger und korrekter Schwinger. Diese Notengebung liess er sich aber nicht gefallen und sagte, dass er im Einteilungsbüro vorsprechen werde. Mit der Begründung, dass das nicht korrekt sei, was gerade abgelaufen sei. Zum Glück ging man im Einteilungsbüro darauf ein und schrieb Reto nachträglich die Zehn. So kam er zum verdienten Co-Sieg. Denn ihm wurde im fünften Gang für einen Plattwurf die Maximalnote verwehrt. So wäre er sogar im Schlussgang gestanden.
Als Nötzli nach dem sechsten Gang die Maximalnote erst nicht geschrieben wurde, ging ISV-TK-Chef Thedy Waser nach dem fragwürdigen Entscheid zum Tisch der angesprochenen Kampfrichter. Waser fragte, ob sie den neuen Passus im technischen Regulativ betreffs des Abrollens in einem Zug kennen. Sie entgegneten ihm, dass sie das nicht wussten. Weiter mischte sich Waser bei dieser Situation aber nicht ein.“

Hast du die schnelle Niederlage im Schlussgang des Innerschweizerischen inzwischen verdaut? Oder anders gefragt: Wie verarbeitet man so etwas?
„Verdaut habe ich es inzwischen. Wenn mich nicht jemand darauf anspricht, würde ich gar nicht mehr daran denken. In der Woche nach dem Innerschweizerischen war es natürlich sehr präsent. Betreffs Verarbeiten: Du musst einfach das Positive sehen, und es nützt nichts, sich zu ärgern wenn man im ersten Zug verloren hat. Das würde mich mental nur bremsen. Das Positive daran ist, dass ich es in den Schlussgang gebracht habe, und für mich so gesehen das Highlight des Tages war. Dies half mir auch, schnell darüber hinweg zu kommen.“


Der sympathische Sennenschwinger beim Gespräch

Inwiefern beschäftigt einen Schwinger die Tatsache, dass sich auf der Rigi gleich zwei ISV-Team-Kameraden zum Teil schwer verletzt haben?
„Das ist einfach Pech. Ich bin jeweils immer zufrieden, wenn ich am Abend gesund die Heimreise antreten kann. Klar gehört der sportliche Ehrgeiz dazu. Aber: Es ist sehr viel wert, gesund heimzukommen, auch ohne Kranz.“

Wie bringst du Familie, Schwingsport, Beruf und Bauernbetrieb unter einen Hut?
Andi lacht. „Mit einer guten Frau und guten Eltern. Sie unterstützen mich voll und ganz, damit ich unbeschwert an Schwingfeste und an Trainings fahren kann. Es kommt eher von mir aus, dass ich den Trainingsaufwand reduziert habe, vor allem im Sommer. Denn im Sommer trainiere ich nicht viel. Es ist einfach etwas Anderes, wenn man Familienvater ist, und daheim einen Betrieb hat. Es wird für einen wichtiger. Wenn ich im Sommer nach Hause komme, stehen diese und jene Arbeiten wie das Heuen an. Im Winter sieht das wieder anders aus. Da steht mir mehr Zeit für das Training zur Verfügung.“

Ist dein momentaner Trainingsaufwand geringer als in jüngeren Jahren? Hat sich dieser im Verlauf der letzten zehn Jahre gross verändert?
„Ja, das ist er. Früher habe ich im Winter fünfmal pro Woche trainiert, heute sind es maximal drei Trainings. Nebst zwei Schwingtrainings steht eine Einheit Kondition auf dem Programm. Manchmal bestreite ich zudem ein Krafttraining, dann gehe ich aber nur an ein Schwingtraining.
Im Sommer besuche ich meist nur ein Schwingtraining, ausnahmsweise zwei. Denn es stehen viele Schwingfeste an. Ich vertraue soweit auf meine Fähigkeiten und verzichte wegen den bei der vorherigen Frage angesprochenen Umstände auf mehr Trainings.“

Hast du bewusst relativ viele Vorbereitungs-Schwingfeste im Frühling bestritten, um so in den Rhythmus für die Kranzfeste zu kommen?
„Das ist unbestritten so, und man muss wegen der neuen Regelung auch mindestens an vier Rangschwingfesten teilnehmen. So startete ich beim Hallenschwinget Sarnen, beim Frühjahrsschwinget Oberarth, beim Muotathaler Rangschwinget und beim Frühjahrsschwinget Ibach. Mir gehen die Schwingfeste im Frühling viel einfacher von der Hand, als im Herbst. Da wir bei uns in der Innerschweiz vor dem Beginn der Kranzfestsaison relativ viele Rangschwinget haben, kann man die erwähnte Regelung ohne Probleme einhalten und hat vor dem Beginn des ersten Kranzfestes sogar noch eine genügend lange Pause.“

Der zweite Teil des Gespräches mit Andi Ulrich folgt in einigen Tagen. Dabei geht es unter anderem um Krafttraining, was er jüngeren Teamkollegen rät, um einen Ausblick auf den Unspunnen-Schwinget und ob er 2019 in Zug dabei ist.

feldwaldwiesenblogger

Gedanken zu den Regeländerungen und der schwingerischen Situation in der Innerschweiz

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Am 20. Februar dieses Jahres stellte ich folgenden Blogbeitrag online: Regeländerungen im Innerschweizer Verbandsgebiet – Schwingexperte René Schelbert gibt Auskunft. Ich vereinbarte damals mit René, im Verlauf des Jahres über die Regeländerungen ein weiteres Gespräch zu führen.

Zur Erinnerung nochmals die Regeländerungen
Im Verbandsgebiet der Innerschweizer trat eine neue Beschickung bei den Kantonalen Schwingfesten in Kraft. Auf 2017 hin wurde ein Verteiler anhand der Schwingerzahlen von 2016 gemacht. Den Verteiler nahm die Technische Kommission des Innerschweizerischen Schwingerverbandes (ISV-TK) im Herbst 2016 vor. Beim Schwyzer und dem Luzerner Kantonalen dürfen nun je 240 Schwinger antreten. Am Ob-/Nidwaldner, Urner und am Zuger je 200. Von diesen Schwingern dürfen maximal 45 Prozent Kranzschwinger sein, der Rest sind Nichtkranzer.
Für die Schwinger hat dies folgende Auswirkungen: Jeder Schwinger kann nebst seinem eigenen Kantonalen maximal an zwei auswärtigen Kantonalen im ISV-Gebiet antreten. Wenn ein Schwinger ein auswärtiges Kantonales im ISV-Gebiet besuchen will, muss er im Vorjahr mindestens vier Rangschwingfeste im ISV-Gebiet besucht haben. Über Ausnahmen entscheidet die ISV-TK.

Betreffs Einteilung gibt es auch eine Änderung: Neu stellt der durchführende Kantonalverband den Obmann plus zwei Einteilungsmitglieder. Dazu stellt jeder andere Kantonalverband je ein Einteilungsmitglied.
Die Kampfrichter-Beschickung sieht nun so aus: Der durchführende Kantonalverband stellt bei jedem Schwingplatz einen eigenen Kampfrichter. Die restlichen Kampfrichter werden gemäss Schwingerzahl aus den anderen Kantonalverbänden aufgeteilt.

René erklärte mir im Februar, dass von 2017 bis 2019 mit diesen Neuerungen eine Versuchsphase laufe. Weiter gab er mir zu Protokoll, dass nach dem letzten Kantonalen eine Standortbestimmung durchgeführt wird. Allenfalls werden Anpassungen vorgenommen. Das Ziel ist, dies 2020 so weiterzuführen.

René Schelbert ist Präsident vom Schwingklub Muotathal, Vorstandsmitglied im Schwyzer Kantonalverband und im Innerschweizer Schwingerverband. Im Schwyzer Kantonal-Vorstand nimmt der ehemalige Schwinger als Vertreter vom Schwingklub Muotathal und als Vertreter vom ISV-Vorstand Einsitz. Im ISV-Vorstand versieht René das Amt des Sekretärs.


René Schelbert im Gespräch

Wurde die angesprochene Standortbestimmung durchgeführt? Wer war dabei?
„Es fanden zwei Standortbestimmungen statt. Bei der ersten trafen sich die fünf Kantonalen Technischen Leiter und der ISV-TK-Chef Thedy Waser. Bei der anderen Standortbestimmung kamen alle Einteilungsmitglieder der diesjährigen Kantonalen Schwingfeste zusammen.“

Was resultierte aus der Standortbestimmung? Werden allenfalls Anpassungen vorgenommen?
„Was bei den Gesprächen genau herauskam, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute aber, dass es leichte Anpassungen geben wird.“

In der SCHLUSSGANG-Ausgabe Nr. 9 vom 20. Juni wurde die neue Beschickung ebenfalls thematisiert. Darin kann man lesen, dass Thedy Waser überzeugt ist, damit den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Sehen das alle so?
„Die fünf Kantonalverbände haben nach den Kantonalen Schwingfesten ein positives Fazit gezogen. Dabei gab es sicher kritische Stimmen. Man ist aber gewillt, diesen Weg so weiterzugehen.“

In einem SCHLUSSGANG-Kommentar von Werner Schönbächler konnte man aber auch lesen, dass sich das neue Beschickungsrecht noch nicht vollends bewährt hat. Er schreibt: „Aus wirtschaftlicher Sicht war eine Steigerung der Zuschauerzahlen zu verzeichnen. Es fragt sich nur, ob die kleinen Kantonalverbände den Mehraufwand über Jahre hinweg stemmen können.“ Sind den Verantwortlichen gar grössere Probleme von Seiten der Kantonalverbände gemeldet worden?
„Eigentlich sind keine grösseren Probleme bekannt. Beim Luzerner Kantonalen bestand ein zeitliches Problem. Das ist aber kein Wunder bei der grossen Anzahl Schwinger. Es ist mir aber nicht bekannt, dass 2018 weniger Schwinger an dieses Kantonale gehen könnten. Ich denke, dass die Zahlen so beibehalten werden. Bei den sogenannt kleinen Kantonalen wie dem Urner, Zuger und Ob-/Nidwaldner möchte man überdies nicht mehr als die vorgegebenen 200 Schwinger zulassen.“

In oben erwähnter SCHLUSSGANG-Ausgabe erwähnte Waser zudem, dass mit der neuen Regelung auch mehr attraktive Gänge zu sehen waren. Welche sportlichen Auswirkungen wurden noch festgestellt?
„Neben mehr attraktiveren Gängen gab es bedeutend mehr Neukranzer, nämlich insgesamt 29 (Vorjahr 14). Weitere sportliche Auswirkungen habe ich keine festgestellt.“

Welches Feedback habt ihr von den Schwingern vernommen?
„Ich beziehe mich auf die Muotathaler Schwinger, da ich von den anderen eigentlich nichts Weiteres vernommen habe. Unsere Schwinger äusserten Vor- und Nachteile bei der Umstellung. Vorher gingen sie zusammen als ganzes Team ans Schwyzer und Zuger Kantonale. Jetzt gehen sie wohl gemeinsam ans Schwyzer, aber in kleineren Gruppen an die anderen Kantonalen. Für ältere Schwinger war dies sicher eine grössere Umstellung. Die kleineren Gruppen werden von einzelnen Schwingern nicht unbedingt geschätzt.“

Was stach dir wegen dem neuen Beschickungsrecht persönlich am meisten ins Auge, sowohl positiv wie negativ?
„Negativ war sicher, dass man diejenigen Schwinger, die schlecht geschwungen haben, nicht miteinander um den Kranz eingeteilt hat.
Positiv ist, dass Schwyzer Schwinger den ersten Kranz gewannen, welche schon länger reif dafür gewesen waren. Weiter darf man als positiv erwähnen, dass es eine bessere Durchmischung der Paarungen gab, da die Schwinger nun an verschiedenen Kantonalen starten durften.“

Wie beurteilst du nach den Kantonalen und dem Teilverbandsfest die schwingerische Situation in der Innerschweiz?
„Die Situation in der Innerschweiz präsentiert sich gut. Wir konnten beispielsweise die Gäste beim Innerschweizerischen, sowie auf dem Stoos und der Rigi in Schach halten. Mit Marcel Bieri und René Suppiger durften zwei Schwinger ihren ersten Kranzfestsieg feiern. Aber: Ich vermisste teilweise die angriffige Schwingweise. Es wurde manchmal zu passiv geschwungen und man wollte eine Niederlage mit allen Mitteln verhindern. Auf das „Gut“ des Kamprichters habe ich sehr viel gesehen, dass der rechte Griff losgelassen wird, um mit der rechten Hand zusätzlich zu sperren. Ich verstehe zudem nicht, dass um die Kränze manchmal gleich geschwungen wird. Wegen so einer Schwingweise bekomme ich den Eindruck, dass einige Schwinger den Kranz eigentlich gar nicht wollen und sich mit einem Unentschieden zufrieden geben.“

Der Innerschweizerische Teilverband hat wohl am meisten Schwinger. Dennoch gehören nur einige wenige Schwinger zur absoluten Spitze in der Schweiz, welche beim Unspunnenfest um den Titel mitreden können. Woran mag das liegen?
„Woran das liegt, ist schwierig zu sagen. Ich denke, es wird für die Innerschweizer hart werden beim Unspunnen-Schwinget. Dennoch: Wenn alles optimal läuft, haben wir sicher eine Chance für einen Schlussgangteilnehmer, oder gar Sieg. Die Ausgangslage präsentiert sich momentan total offen. Es wird vermutlich ähnlich ablaufen wie in Estavayer. Beim Unspunnen-Schwinget wird es keine einfachen Gänge geben. Vor sechs Jahren hat man auch gedacht, dass es über die Berner läuft.“

Erhofft man sich insgeheim mit dem neuen Beschickungsrecht auch mehr Leistungsbreite, damit man dereinst den Bernern das Leben an Eidgenössischen Anlässen wieder schwerer machen kann?
„Ja, das erhofft man sich damit. Das Ziel ist, dass das Team Innerschweiz dadurch stärker wird.“

feldwaldwiesenblogger

Vorschau mit TK-Chef Christian Schmutz auf das Südwestschweizerische Teilverbandsfest

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: freiburger-nachrichten.ch

Am kommenden Sonntag steht mit dem „Südwestschweizerischen“ bereits Teilverbandsfest Nummer vier auf dem Programm. Der Ehrentag der Romands findet dieses Jahr in Kerzers FR statt und wird vom ortsansässigen Schwingklub organisiert. Als OK-Präsident amtet Daniel Brand, ein ehemaliger Kranzschwinger.

Bei keinem anderen Teilverbandsfest rechnet man den Gästeschwingern aus den anderen vier Teilverbänden so viele Chancen zu. Die Südwestschweizer werden also gefordert sein. Folgende Gäste werden erwartet: Niklaus Zenger, Bernhard Kämpf (BKSV), Andreas Ulrich, Reto Nötzli (ISV), Roger Rychen, Raphael Zwyssig (NOSV) und David Schmid, Christoph Bieri (NWSV).

Als Vorschau auf das Südwestschweizerische in Kerzers führte ich kürzlich mit Christian Schmutz, dem TK-Chef der Südwestschweizer Schwinger, ein Gespräch. Christian war selber aktiver Kranzschwinger und schwang bis 2012. Er war parallel dazu TK-Chef vom Schwingklub Sense (2002 bis 2012). Von 2012 bis Ende 2016 bekleidete der Sensler das Amt des TK-Chefs des Freiburger Kantonalverbandes. Im Januar dieses Jahres wurde er zum TK-Chef des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes gewählt.


Christian Schmutz, seit Januar 2017 TK-Chef der Südwestschweizer

Was erwartest du von den Südwestschweizer Schwingern beim eigenen Teilverbandsfest?
Christian lacht. „Gute Frage. Wenn acht Eidgenossen aus der Deutschschweiz kommen, werden wir sehr gefordert sein. Und: Wenn der Festsieg in unseren Reihen bleiben würde, wäre das eine grosse Überraschung. Trotzdem: Chancenlos sind wir nicht. Denn letztes Jahr stand Steven Moser beim Südwestschweizerischen in Aigle VD im Schlussgang. Wenn unsere Schwinger dem einen oder anderen Gast ein Bein stellen können, wäre das für uns sicher schön.“

Nach den schönen Kranz-Erfolgen in den letzten Wochen von Steven Moser, Pascal Piemontesi, Johann Borcard, Victor Cardinaux, Marc Gottofrey und Samuel Dind erkennt man in meinen Augen eine Trotzreaktion nach dem missglückten Eidgenössischen. Auf was führst du die jüngsten Erfolge zurück?
„Trotzreaktion würde ich dem nicht sagen. Für mich ist das eine normale Entwicklung. Ausser Piemontesi und Dind sind das alles junge Schwinger, welche sich entwickeln und stetig steigern. Diese haben nach dem Eidgenössischen den Kopf nicht in den Sand gesteckt und haben weiter trainiert und an sich gearbeitet.“

Habt ihr nach dem ESAF2016 eigentlich bewusst an einigen Stellen den berühmten Hebel angesetzt?
„Hebel ansetzen ist vielleicht der falsche Ausdruck. Dass es nach dem Eidgenössischen Änderungen gibt, ist normal. Ich übernahm anfangs Jahr als TK-Chef das Team. Da gibt es zwangsläufig Veränderungen. Übrigens: Die Entscheidung, TK-Chef der Südwestschweizer zu werden, fiel nicht gleich nach dem ESAF2016. Ich wurde an der Delegiertenversammlung im vergangenen Januar gewählt. Und: Ich bin aktuell noch nicht dort, wo ich betreffs Strukturen und Organisation sein möchte.“

Starke Gästeschwinger werden an eurem Teilverbandsfest erwartet. Wer könnte am Ende obenaus schwingen?
Der TK-Chef schmunzelt. „Sicher die acht Gäste. Wie bereits erwähnt, der Festsieg wird erwartungsgemäss über sie laufen. Ich hoffe, dass Steven Moser, Lario Kramer oder Pascal Piemontesi ein Wörtchen mitreden werden, und die Gäste allenfalls ärgern können.“

Wären gar die angesprochenen Steven Moser oder Pascal Piemontesi bereit für den ganz grossen Coup in Kerzers?
„Das ist schwierig zu sagen. Rein vom Leistungsausweis her gesehen traue ich das am ehesten Steven Moser zu. Beim Waadtländer Kantonalen gewann er kürzlich sein erstes Kranzfest und beim Schwarzsee-Schwinget erkämpfte sich Steven mit einem guten Notenblatt den Bergkranz. Beim Bernisch-Kantonalen gewann der Schwinger vom Schwingklub Sense zudem den begehrten Teilverbandskranz. Ob das reicht, wird sich zeigen. Eventuell gibt es eine Überraschung.“

Nebst den oben erwähnten Schwingern: Welche weiteren Südwestschweizer Schwinger siehst du in Zukunft auch an der Spitze eures Verbandes?
„Sicher Lario Kramer und Steve Duplan. Das sind zwei junge Schwinger, welche ein grosses Potenzial aufweisen. Es gibt sicher noch andere. Zum Beispiel Benjamin Gapany, welcher derzeit einen Kreuzbandriss auskuriert. Marc Guisolan, der momentan wegen Problemen mit einer Entzündung im Rücken lädiert ist, könnte auch eine Leaderfunktion übernehmen.“

Zum Teilverbandsfest: Darf man in Kerzers quasi ein Mini-Eidgenössisches erwarten?
„Die Stimmung wird sicher gut sein. Werner Jakob, welcher beim ESAF2016 als Resort-Leiter Sport amtete, und seine Leute vom Schwingklub Kerzers haben sicher den guten Geist von Estavayer mitgenommen. Diesen wird man am kommenden Sonntag garantiert spüren. Denn der Schwingklub Kerzers war sehr stark beim Eidgenössischen engagiert. So wird beispielsweise zum ersten Mal eine gedeckt Tribüne beim Südwestschweizerischen aufgebaut.“

Wie ist die Stimmung bei den Südwestschweizer Schwingern vor ihrem Ehrentag?
„Sicher gut. Das eigene Teilverbandsfest spielt eine zentrale Rolle im Kalender unserer Schwinger. Sie sind motiviert, sich mit den Gästen zu messen.“

Welche Zielsetzungen gebt ihr hinsichtlich Unspunnen-Schwinget heraus? Wann erfolgt die Selektionierung?
„Die Selektionierung erfolgt am Abend des 13. Augustes, nach dem Walliser Kantonalen. Zehn Schwinger können wir selektionieren. Die Zielsetzung dabei ist folgende: Die Schwinger sollen wertvolle Erfahrung sammeln und möglichst gute Resultate erreichen. Am Unspunnenfest spricht man eigentlich nur vom Sieger. Wenn das ein Westschweizer sein sollte, wäre das eine Riesenüberraschung. Wir werden aber sehr wahrscheinlich nicht um den Festsieg kämpfen. Deshalb: Wir wollen so gute Resultate wie möglich erreichen.“

Zum Schluss: Wie beurteilst du deine Arbeit seit deinem Amtsantritt im vergangenen Januar?
„Im Prinzip sollten eigentlich die anderen mich beurteilen, nicht ich mich selber. Aber: Ich habe mir auch Ziele gesetzt, und bin noch nicht dort, wo ich sein möchte. Ende Saison werden wir das ganze begutachten und ein Fazit ziehen. Dann schauen wir, wo ich noch ansetzen muss.“

feldwaldwiesenblogger

Stefan Burkhalter könnte auf der Rigi zum Hunderterklub aufsteigen – Ein Gespräch

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Der Turnerschwinger Stefan Burkhalter könnte bereits schon an diesem Sonntag beim Rigi-Schwinget zum erlauchten Hunderterklub aufsteigen. Diesem gehören bisher 22 Schwinger an. Ein Kranzgewinn fehlt dem Thurgauer dazu noch. Den 99. Kranz erkämpfte sich der 43-Jährige kürzlich beim Nordostschweizerischen Teilverbandsfest in Davos. Diese Ausgangslage war für mich Grund genug, am Dienstag dieser Woche nach Homburg TG zu fahren und den ältesten noch aktiven Eidgenossen zu besuchen. Im Gespräch konfrontierte ich „Burki“, wie er von seinen Fans genannt wird, mit zehn Stichworten.


Stefan Burkhalter beim Gespräch

Der schwingerische Werdegang
„Ich habe spät mit dem Schwingsport begonnen. Das war an einem Mittwoch, 1. Juni 1988, notabene an meinem 14. Geburtstag. Ich bekam ein Moped und fuhr an mein erstes Schwingtraining. Den ersten Kranz erkämpfte ich mir am 1. Mai 1994. Ende Dezember 1998 gewann ich den Niklaus-Schwinget und am 2. Januar 1999 den Berchtold-Schwinget. Den eigentlichen Durchbruch gelang mir 1999, wo ich fünf oder sechs Festsiege feiern konnte.
Ab dem 1. Januar 1999 sind wir Schwinger der Dopingkontrolle unterstellt und am 3. Januar standen sie bereits bei mir auf der Matte.
Ich gewann 2001 in Nyon und 2010 in Frauenfeld den Eidgenössischen Kranz. Meine beste Saison war sicher 2014, in welcher ich acht Kränze gewinnen konnte.
Soweit ich mich erinnere, fiel ich in meiner bisherigen Karriere während vier Saisons verletzungsbedingt aus.
Mein erstes Ziel ist der 100. Kranz und mein zweites und eigentliches Ziel sind 103 Kränze. Damit wäre ich im Thurgau der alleinige Rekordhalter. Denn dieser Rekord hält derzeit mit 102 Kränzen der legendäre Otto Brändli.“

Die grössten Erfolge
„Das sind sicher die beiden Siege auf der Schwägalp (2006 und 2010) und die beiden Eidgenössischen Kränze. Zudem gewann ich je einmal den Stoos-Schwinget (2004) und das Appenzeller Kantonale (2001).“

Die Motivation, mit 43 Jahren immer noch zu schwingen
„Die Hauptmotivation ist die Freude. Ich sage immer, wenn du an etwas Freude hast, geht alles andere einfacher. Ich vergleiche das ein wenig mit der Arbeit am Computer: Einer der gern daran arbeitet, beherrscht das ohne Probleme. Derjenige, welcher das nicht gerne macht, weiss nicht mal recht, wie dieser funktioniert. Klar, es ist ebenfalls wichtig, dass der Erfolg da ist. Gerade mit dem Aufwand, den ich und mein Umfeld betreiben, sollte Aufwand und Ertrag schon stimmen. Denn lächerlich machen möchte ich mich sicher nicht.“

Die Familie
„Das ist natürlich etwas Wichtiges. Denn ohne sie geht es schlicht und einfach nicht, auch mit dem Bauernbetrieb den ich führe. Ich kann aus dem Haus, und weiss, dass es zuhause funktioniert. Ich stehe zwar im Vordergrund. Man darf aber nie die Leute im Hintergrund vergessen.“


„Burki“ auf seinem Hof

Die verschiedenen beruflichen Tätigkeiten
„Meine Haupttätigkeit ist Landwirt. Ich führe einen Landwirtschaftsbetrieb mit 38 Kühen. Daneben habe ich ein zweites Standbein mit einem Personenschutz- und Limousinen-Service aufgezogen. Das heisst, dass ich dabei unter anderem Leute chauffiere oder heikle Dokumente von A nach B transportiere.
Die Landwirtschaft nimmt dabei etwa 80 Prozent meiner Tätigkeit ein, und der angesprochene Service rund 20 Prozent.“

Das intensive Training
„Gerade heute Morgen habe ich mit meinem Personaltrainer ein intensives Training absolviert. Im Winter betreibe ich einen relativ grossen Aufwand. Als Landwirt habe ich den Vorteil, dass im Winter weniger Arbeit anfällt. Denn die Hauptvorbereitungszeit für den Schwingsport ist im Winter. Während dieser Zeit trainiere ich zwischen 20 und 22 Stunden pro Woche. Im Sommer finden mehr sogenannte Erhalts-Trainings statt, und ich fahre den Trainingsaufwand herunter. Denn ich mache relativ viele Schwingfeste.
In dieser Woche, vor dem Rigi-Schwinget, trainiere ich etwa acht Stunden. Das sind Kraft, Koordination, Kondition und Schwingen. Ich absolviere dabei zwei Schwingtrainings.“

Das Team Burki
„Dahinter steckt die Betreuung durch eine Masseurin, einen Personaltrainier, einen Ernährungs-Coach, einen Anwalt und einige weitere Personen. Der Personaltrainer stellt mir dabei ein komplettes Trainings-Programm zusammen, welches das Schwingtraining aber nicht beinhaltet. Das Schwingtraining bestreite ich bei meinem Schwingklub Ottenberg, wo auch Samuel Giger und die Gebrüder Schneider (Domenic und Mario) angehören.“

Burki, das unverwüstliche Stehaufmännchen
„Als Beispiel kann man sicher den Kilchberg-Schwinget 2014 erwähnen. Ich verletzte ich mich dort schon im ersten Gang gegen Christian Schuler, und riss mir dabei das Syndesmoseband an. Bei jenem Schwingfest wurde mir nach jedem Gang eine Spritze verabreicht, damit ich keine Schmerzen verspürte. Ob dies schlau war oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt. Auf jeden Fall ging es trotz Verletzung einigermassen gut und ich konnte zu Ende schwingen. Dabei stellte ich unter anderem mit Matthias Glarner und gewann gegen Reto Nötzli. Trotzdem war es nicht das, was ich mir erhofft habe. Der Ausdruck „Stehaufmännchen“ passt also schon.
Letztes Jahr hatte ich eine Verletzung an den Adduktoren. Die linke war dabei zu zweidritteln gerissen und die rechte zu einem Drittel. Das passierte am 3. April 2016. Ich habe mich dann mit Schmerz- und Eigenblut-Spritzen durch die ganze Saison hindurch geseucht, auch durch das Eidgenössische. Am 3. September nahm ich noch beim Hochwacht-Schwinget teil. Anschliessend liess ich ein MRI machen und nach dem genauen Befund habe ich sieben Monate nicht mehr geschwungen. Ich trainierte in dieser Zeit nur was möglich war, wie beispielsweise Kondition. Jetzt spüre ich an den Adduktoren nichts mehr. Deshalb muss ich sagen, dass diese Saison bisher recht gut verlief. Das Ganze ist jeweils schon ein Kampf.“


Gelingt Stefan Burkhalter auf der Rigi der 100. Kranz?

Allgemeine Gedanken zum Schwingsport
„Schön ist, dass man die Regelung mit der Teilnahme an mindestens vier Regionalschwingfesten durchgebracht hat. Denn auf diese Regelung habe ich schon länger gepocht. Ich bestreite relativ viele Rangschwinget, denn diese Feste haben auch ihre Daseinsberechtigung. Mit dieser Massnahme zwingt man die Spitzenschwinger zur Teilnahme. Ich verstehe nicht, dass gewisse Schwinger solche Schwingfeste sonst nicht bestreiten würden. Denn sie sind in meinen Augen das beste wettkampfmässige Training. Und die Ausrede wegen der Verletzungsgefahr lasse ich nicht gelten. Verletzen kann man sich auch beim Training.
Wo man in Zukunft noch mehr den Hebel ansetzen sollte, ist die Notengebung bei gestellten Gängen. Meine Idee ist, dass die Grundnote bei gestellten Gängen auch eine 8.50 wäre. Eine 9.00 muss man sich mit einer aktiven Schwingweise regelrecht verdienen. Denn eine 8.75 tut einem Schwinger, der sich absolut passiv verhält, nicht unbedingt weh. Aber: Zwei gestellte Gänge mit je einer Note 8.50 tun dann sicher weh.
Zudem könnten die Kampfrichter an den Tischen die aktiven Züge der beiden Schwinger zählen und so in die Bewertung einfliessen lassen.
Weiter sollte in meinen Augen ab Stufe Kantonal- oder Gauschwingfest die Gangdauer von Anfang an sechs Minuten betragen. Eine Gangdauer von vier Minuten bei den Aktiven sollte sowieso abgeschafft werden. Die Basisdauer bei Regionalschwingfesten sollte auf fünf und bei Kantonal- oder Gauschwingfesten auf sechs Minuten angesetzt sein.“

Die Zukunft
„Die Zukunft ist unter anderem die Arbeit mit meinem Sohn Thomas. Mein Junior ist jetzt 14-jährig, 179 Zentimeter gross, 85 Kilogramm schwer und trägt Schuhgrösse 47. Beim diesjährigen NOS der Jungschwinger belegte er den zweiten Rang mit 58.50 Punkten. In der Nordostschweiz zählt er zur absoluten Spitze. Wenn das so weitergeht, wird das eine gute Sache. Denn er wird von den denselben Trainern betreut, welche sich dereinst auch um Samuel Giger oder die Gebrüder Schneider gekümmert haben. Zurzeit kümmere ich mich, was den Schwingsport anbelangt, noch nicht um ihn.
Was ich mir in Zukunft auch vorstellen könnte, wäre der Job des Technischen Leiters.
Diese Saison schwinge ich sicher zu Ende und mein Hauptziel bleibt das Erreichen der angesprochenen 103 Kränze. Ich starte diese Saison noch bei vier Kranzfesten. Nämlich auf der Rigi, dem Brünig, der Schwägalp und beim Schaffhauser Kantonalen. Bisher erreichte ich beim Thurgauer Kantonalen und beim NOS insgesamt zwei Kränze. Beim Glarner-Bündner und beim Zürcher Kantonalen fehlte mir jeweils das berühmte Vierteli.
Seit 2010 plane ich nicht mehr auf drei Jahre hinaus, sondern nehme Saison um Saison. Ende September geht die Schwingfestsaison zu Ende und ich mache zwei Monate Pause, während der ich trainingsmässig überhaupt nichts mache. Dann überlege ich mir, ob ich auch 2018 schwingen werde. Und meine Familie muss natürlich bei der Entscheidungsfindung auch miteinbezogen werden.“

feldwaldwiesenblogger

Joel Wicki ist der Topfavorit beim Innerschweizerischen Teilverbandsfest

Text: feldwaldwiesenblogger

Übermorgen Sonntag steht das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest, kurz ISAF genannt, auf dem Programm. Der Ehrentag der Innerschweizer, welcher dieses Jahr in Alpnach OW ausgetragen wird, sorgt im Vorfeld für viel Spannung. Allerdings wurde die Vorfreude durch den tragischen Sturz von Matthias Glarner getrübt. Von einer Gondel zwölf Meter hinuntergefallen und dabei „nur zwei operierbare“ Verletzungen erlitten, grenzt an ein Wunder. Ich wünsche dem sympathischen Schwingerkönig aus dem Berner Oberland alles Gute und vollständige Genesung! Und vor allem hoffe ich, Mätthel wieder im Sägemehlring schwingen zu sehen.

Solche Hiobs-Botschaften lassen einen kurz verstummen und führen vor Augen, wie unwichtig in solchen Momenten doch sportliche Siege, Kränze oder Niederlagen sind. Viel wichtiger ist die Gesundheit. Denn ohne diese ist im Leben alles andere zweitrangig.


In Alpnach wartet ein herrliches Festgelände samt Arena auf die Schwingerfreunde
Bild: 111. Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2017 (Facebook)

Trotzdem: The Show must go on
Zum Glück ist Glarner nichts Schlimmeres passiert. So darf morgen Samstag beim Bündner-Glarner und dann übermorgen Sonntag beim Appenzeller Kantonalen und beim ISAF die Show ohne grössere Bedenken weitergehen. In Alpnach ist man bereit. Eine herrliche Arena für 10’000 Zuschauer wurde errichtet und ringsherum befindet sich ein stimmungsvolles Schwingerdorf. Für das leibliche Wohl wird gesorgt sein und die musikalische sowie urchige Unterhaltung wird auch nicht zu kurz kommen.

Joel Wicki ist Topfavorit
Joel Wicki steigt am Sonntag als Topfavorit in die Alpnacher Schwingerarena. Sein bisheriger Saisonverlauf lässt keinen anderen Schluss zu. Bei den Frühjahrsschwingfesten zeigte der Sörenberger ein starkes Comeback. Die beim letztjährigen Schwägalp-Schwinget zugezogene Verletzung hatte der 20-Jährige gut überstanden. Dennoch zeigte sich, dass auch Wicki nicht vor Überraschungen gefeit ist. Das beste Beispiel dafür war der Bad-Schwinget vom 23. April in Wolhusen. Souverän erreichte der Schwinger vom Schwingklub Entlebuch den Schlussgang. In diesem brachte er den Kottwiler Michael Müller mehrmals an den Rand einer Niederlage. Dennoch konnte Müller eine Unachtsamkeit Wicki’s ausnützen und den Schlussgang für sich entscheiden.
Sein Trainier Daniel Hüsler liess am Frühling im BLICK verlauten: „Joel hat in den letzten Monaten während und nach der Sportler RS in Magglingen gemeinsam mit Remo Käser derart viel im Kraft- und Konditionsbereich gearbeitet, dass er schon fast in ein Übertraining gelaufen ist. Und im Sägemehl mangelt es ihm bei den Schwüngen noch an der letzten Präzision.“

Gestärkt aus den Frühjahrschwingfesten in die Kranzfestsaison
Trotz den leichten Unsicherheiten und dem angesprochenen Übertraining stieg Joel Wicki gestärkt und mit viel Selbstbewusstsein in die Kranzfestsaison. Nicht umsonst stand der kräftige Sennenschwinger in drei Schlussgängen und gewann der Reihe nach das Ob- und Nidwaldner Kantonale, den Stoos-Schwinget und das Basellandschaftliche Kantonalfest. Vor allem bei den beiden letztgenannten Kranzfesten zeigte der mittlerweile vierfache Kranzfestsieger praktisch keine Schwächen und gewann jeweils in überzeugender Manier. Diese starken Leistungen brachten dem Sörenberger Platz eins in der SCHLUSSGANG-Jahreswertung ein.

Wicki’s Stern ging 2015 beim Schwarzsee-Schwinget auf
Joel Wicki’s Stern ging beim Schwarzsee-Schwinget 2015 so richtig auf, als er diesen doch ziemlich überraschend für sich entscheiden konnte. Damals und anschliessend wurde der 182 Zentimeter und 105 Kilogramm schwere Athlet öfters von Schwingexperten wegen seiner einseitigen Schwingweise kritisiert. Ihm wurde vorgehalten, dass er den Sieg meist nur mit Kurz sucht. Da mag etwas dran sein. Aber: Wicki schwang 2015 und 2016 bis zu seiner Verletzung zweifellos stark (acht respektive fünf Kränze). Es zeigte sich aber auch, dass er dann und wann mit dem einen oder anderen gestellten Gang ausgebremst werden konnte. Ein Beispiel dafür ist das letztjährige Innerschweizerische, wo ihm beim Anschwingen „die lösbare Aufgabe“ Johann Borcard einen Gestellten anhängen konnte. Man darf aber auch nicht vergessen, dass Wicki Jahrgang 1997 hat. Also erst 20-jährig ist. So einem Jungspund sollte man also noch nicht seine Schwingweise vorhalten, da dieser immer noch in der sportlichen Entwicklung steckt.

Das schwingerische Repertoire erweitert
Was in dieser Saison aber auffiel: Joel Wicki hat sein schwingerisches Repertoire erweitert. Neben seinem gefürchteten Kurzzug kamen nun auch der innere Haken oder der Übersprung hinzu. Seine variantenreichere Schwingweise macht den Sörenberger noch gefährlicher und deswegen unberechenbarer. Dies zeigte sich, wie erwähnt, zuletzt auf dem Stoos oder in Oberdorf beim Basellandschaftlichen. Da war gegen ihn praktisch kein Kraut mehr gewachsen.

Christian Stucki und Daniel Bösch sind die stärksten Gäste
Beim Seeländischen und Mittelländischen Gauverbandsfest war gegen Christian Stucki auch kein Kraut gewachsen. Beim ISAF hängt meines Erachtens viel davon ab, wie der Seeländer Hüne „zwäg“ ist und ob ihn die Einteilung „auszubremsen“ weiss. Sonst droht die Gefahr, dass der sanfte Riese durchzieht. Ob ihn Joel Wicki stoppen könnte?
Bei Daniel Bösch scheint die Gefahr geringer. Denn diesem wurde unlängst (wieder) aufgezeigt, dass er im Nordostschweizer Teilverband hinter Sämi Giger und Armon Orlik (nur noch) die Nummer drei ist. An einem guten Tag ist für den 130 Kilogramm schweren St. Galler einiges möglich. Dennoch: Wicki traue ich einen Sieg über Bösch zu.


Joel Wicki, die Nummer eins der Innerschweizer
Bild: joelwicki.ch

Aus einem Jahrhundert-Talent reift nun ein absoluter Spitzenschwinger heran
In einem Blogbeitrag vom 26. Juni 2015 thematisierte ich ebenfalls den Sörenberger: Joel Wicki: Ein Jahrhundert-Talent? Das war damals kurz nach dem sensationellen Schwarzsee-Sieg. Dass der gelernte Baumaschinenmechaniker ein Riesentalent ist, weiss mittlerweile jeder Schwingerfreund. Nun reift er zu einem absoluten Spitzenschwinger heran. Dieser Reifeprozess ist spätestens seit diesem Frühling bemerkbar. Schwang er 2015 noch ungestüm und erwischte mehrere Topcracks quasi auf dem linken Fuss, gehört er inzwischen zu den „Gejagten“. Seit den drei 2017er-Kranzfestsiegen und Christian Schuler’s verletzungsbedingter Abwesenheit wird Wicki nun als Nummer eins der Innerschweizer gehandelt. Der „Noch-nicht-Eidgenosse“ aus dem Sörenberg gilt als grosse Innerschweizer Hoffnung. Und zwar nicht nur am nächsten Sonntag. Sondern auch an zukünftigen Grossanlässen, wie beispielsweise dem Ende August stattfindenden Saisonhöhepunkt Unspunnen-Schwinget.

feldwaldwiesenblogger

Langsam aber sicher trennt sich die Spreu vom Weizen: Eine Momentaufnahme bei den Teilverbänden

Text: feldwaldwiesenblogger

Die ersten beiden Bergkranzfeste der Saison 2017 sind bereits Geschichte, ebenso mit dem Nordostschweizerischen (NOS) das erste Teilverbandsfest. Langsam aber sicher beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Oder anders gesagt: Bei den sogenannt „härteren“ Kranzfesten wie den Bergfesten oder den Teilverbandsfesten haben bisher Schwinger gewonnen, welche dieses Jahr bereits ein Kantonal- oder Gaufest gewinnen konnten. Nachfolgend eine Momentaufnahme bei den Teilverbänden.


Joel Wicki bezwingt beim Stoos-Schwinget im Schlussgang Philipp Laimbacher
Bildquelle: srf.ch

Die neue Nummer 1 in der Innerschweiz
Joel Wicki kommt nach seinem Comeback immer besser in Fahrt und gewann der Reihe nach das Ob- und Nidwaldner Kantonale, den Stoos-Schwinget und nun auch das Basellandschaftliche Schwingfest. Obwohl der junge Sörenberger (noch) kein Eidgenosse ist, hat er sich damit zu der neuen Nummer 1 der Innerschweizer hochgearbeitet. Nicht umsonst führt Wicki derzeit die SCHLUSSGANG-Jahreswertung an.
Auf Platz fünf dieser besagten Wertung folgt der Aufsteiger der diesjährigen Saison, der Zuger Marcel Bieri. Nach dem Sieg beim Zuger Kantonalen folgten in überzeugender Manier vier weitere Kränze.
Gleich hinter Bieri folgt mit Benji von Ah der nächste Innerschweizer. Er gewann in dieser Saison zwar noch kein Kranzfest. Nach einem eher harzigen Start bei den Frühjahrsschwingfesten ist der Obwaldner nun gut in der Saison drin und holte sich mit starken Leistungen (sieben bezwungene Eidgenossen!) bereits vier Kränze.

Die neue Nummer 1 in der Ostschweiz
Samuel Giger gewann am Pfingstmontag souverän das Glarner-Bündner Kantonalfest. Der erst 19-Jährige wurde beim Stoos-Schwinget mit zwei Gestellten kurzzeitig etwas gebremst. Aber schon eine Woche später gewann „Sämi“ in überzeugender Manier das Nordostschweizerische Teilverbandsfest in Davos. Dank seinen Siegen über Daniel Bösch (5. Gang) und im Schlussgang über Armon Orlik darf man den Thurgauer getrost als neue Nummer 1 der Ostschweizer benennen.
In der SCHLUSSGANG-Wertung folgt hinter Giger wohl als nächster Samir Leuppi, welcher das Zürcher Kantonale zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Dennoch erwähne ich Armon Orlik wegen seinen starken Auftritten vor seiner Nackenverletzung und bei seinem überzeugenden Comeback vor Wochenfrist in Davos gleich nach Giger. Überhaupt: Wenn Orlik da weitermacht, wo er vor seiner Verletzung aufhörte, werden die beiden Nordostschweizer-Youngsters zur Freude des Publikums um die Nummer 1 in ihrem Teilverband wetteifern.
Als Nummer 3 hat sich die ehemalige Nummer 1 eingeordnet: Daniel Bösch. Mit ihm ist immer zu rechnen, sollte einer der beiden Jungstars nicht am Start sein. Das beste Beispiel ist der überzeugende Sieg beim diesjährigen St. Galler Kantonalen.


Matthias Sempach bettete beim Schwarzsee-Schwinget Kilian Wenger ins Sägemehl
Bildquelle: schlussgang.ch

Zwei neue alte Nummern 1 bei den Bernern
Schwingerkönig Matthias Sempach findet je länger je mehr wieder zu alter Stärke zurück. So gewann er mit einem starken Notenblatt das Oberaargauische und holte sich den mittlerweile dritten Sieg beim Schwarzsee-Schwinget. Im Schlussgang beim Bergklassiker in den Freiburger Alpen bodigte der Oberaargauer niemand geringeren als den Schwingerkönig von 2010, Kilian Wenger. Vergangene Saison hatte der zweifache Familienvater seine Höhen und Tiefen. Diese scheinen sich inzwischen etwas verflacht zu haben, abgesehen von der schnellen Niederlage in Plaffeien FR gegen den Schwyzer Mike Müllestein.
Christian Stucki gewann in dieser Saison bereits zwei Gauverbandsfeste (das Seeländische und das Mittelländische). Dies in absolut überzeugender Weise und mit je sechs Siegen. Zudem gab’s in den zwölf Gängen elf Zehner und nur einmal eine „9.75“. Der Seeländer Hüne hat auch wieder zu alter Stärke zurückgefunden.
Deshalb: Die beiden Routiniers Sempach und Stucki darf man zum jetzigen Zeitpunkt zweifellos zu den neuen alten Nummern 1 der Berner erküren.
Aber: Vergessen möchte ich nicht den wieder erstarkten Kilian Wenger. Seine Leistungen beim Oberaargauischen und zuletzt beim Schwarzsee-Schwinget (beide Male im Schlussgang gegen den nachmaligen Festsieger Matthias Sempach) lassen die Leistungskurve eindeutig nach oben zeigen.

Gisler weiterhin die Nummer 1 bei den Nordwestschweizern
Bruno Gisler ist weiterhin die Nummer 1 der Nordwestschweizer. Der Solothurner belegt den hervorragenden vierten Platz in der aktuellen SCHLUSSGANG-Wertung. Gisler gewann in dieser Saison bisher das Aargauer und Solothurner Kantonale und realisierte fünf Kränze. Seine Leaderposition wird ihm einzig durch Neueidgenosse Nick Alpiger streitig gemacht. Der erst 20-jährige Neueidgenosse realisierte beim Baselstädtischen seinen ersten Kranzfestsieg (Schlussgangsieg über Bruno Gisler) und belegte auf dem Stoos den ausgezeichneten zweiten Platz.
Die nächstfolgenden Nordwestschweizer in der SCHLUSSGANG-Wertung sind Marcel Kropf, Roger Erb, Christoph Bieri und Patrick Räbmatter. Ein paar Plätze weiter hinten folgen Mario Thürig und Henryc Thoenen. Diese Schwinger sind alleweil für eine Sptzenrangierung gut. Die beiden Routiniers Bieri und Thürig haben wohl ihren Zenit überschritten. Bei den jüngeren Schwingern, allen voran Patrick Räbmatter, wird sich zeigen, wohin die Entwicklung führt. In diesem Zusammenhang möchte ich auch Neueidgenosse David Schmid erwähnen, welcher erst letzten Sonntag nach einer Verletzungspause sein Comeback gab. Beim Basellandschaftlichen belegte er gemeinsam mit Mario Thürig den starken vierten Platz.

Keine eindeutige Nummer 1 bei den Südwestschweizern
Nimmt man bei den Südwestschweizer Schwingern auch die SCHLUSSGANG-Wertung zu Hilfe, wird man erst auf Rang 33 (Pascal Piemontesi) fündig. Piemontesi aber deswegen als Nummer 1 der Südwestschweizer zu bezeichnen wäre nicht seriös. Klar hat der Waadtländer kürzlich das Neuenburger Kantonale gewonnen und bisher drei Kränze errungen. Vielmehr zählt im Vergleich mit den anderen vier Teilverbänden aber, ob die Romands auch Kränze ausserhalb ihres Territoriums oder beispielsweise beim Schwarzsee-Schwinget gewannen. Und in dieser Hinsicht kann man in dieser Saison doch einige schöne Erfolge der Südwestschweizer vermelden.
Da wäre der Baselstädtische Kranz von eben erwähntem Piemontesi und von Johann Borcard zu erwähnen. Weiter die beiden NOS-Kränze von Victor Cardinaux und Marc Gottofrey. Im Vergleich: Die beiden ISV-Vertreter verliessen Davos ohne Kranz… Der Bergkranz von Steven Moser gehört da zweifellos auch dazu. Diese fünf sehr wichtigen Kränze zeigen einen eindeutigen Trend nach oben und belegen, dass gute Arbeit geleistet wird. Der Kopf wurde nach dem eher missglückten Eidgenössischen also nicht in den Sand gesteckt.
Einen eindeutigen Leader lässt sich derzeit aber keinen ausmachen. Diese Rolle dürfte künftig Steven Moser zufallen. Viel wichtiger sind aber die momentanen Erfolge, und dass diese von mehreren Schwingern realisiert wurden.

feldwaldwiesenblogger

Endlich würdiger Platz für erste Schwingerverbands-Fahne

Text und Fotos: Winterthurer Stadtanzeiger

Die erste Fahne des Eidgenössischen Schwingerverbands bekam einen neuen Ausstellungsplatz. Sie ist in einen Holztisch mit Glasplatte eingefasst, der in der Schwingerstube des Restaurants Sternen in Veltheim steht. Der Vater der Wirtin Irène Bodenmann-Meli, Karl Meli, war Sieger des letzten Schwingfests, an dem die heute 123-jährige Fahne im Einsatz war.


Bei der Einweihung mit dabei: Schwingerverbands-Obmann Paul Vogel (l.) und sein Stellvertreter Hanspeter Rufer sowie die „Sternen“-Wirtin Irène Bodenmann-Meli, in deren Schwingerstube der Tisch steht.

Die erste Fahne des Eidgenössischen Schwingerverbands fand endlich einen würdigen Platz. Sie wurde letzten Dienstagabend in einen Holztisch mit Glasplatte eingefasst. Der rund 80 Kilogramm schwere Eichentisch, den Markus Thomi von der Kämpf Holzbau AG angefertigt hat, steht in der Schwingerstube des Restaurants Sternen in Veltheim.

Die Wirtin Irène Bodenmann-Meli kam 2012 in den Besitz der Fahne und bewahrte sie von da an im Schwingermuseum oberhalb des „Sternens“ auf. Aus Mangel an Alternativen lag die Fahne über vier Jahre schön ausgerollt am Boden. Zuvor hing das Stück Schwinggeschichte lange in einem Fahnenkasten in der Schwinghütte des Schwingklubs Baden-Brugg, ohne dass dessen Mitglieder wussten, welchen Schatz sie da horteten. Erst bei einer Aufräumaktion erkannten die Badener die Bedeutung der Fahne, worauf sie das heute 123-jährige Stück Irène Bodenmann-Meli für ihr Schwingermuseum übergaben.

Fahne kommt nun zur Geltung
Schwingerverband-Obmann Paul Vogel freut sich über den neuen Ausstellungsplatz der Fahne: „Nun kommt sie endlich richtig zur Geltung. Jetzt sieht man ihr auch das Alter an.“ Er habe – bevor die Idee mit dem Fahnentisch entstand – abklären lassen, ob man die Fahne restaurieren oder konservieren könne. Weil beides nicht möglich sei, könne die Fahne nicht mehr aufgehängt werden.

Nun kann die Schwingerverbands-Fahne liegend ihre Pracht entfalten. Damit Irène Bodenmann-Meli das geschichtsträchtige Stück Stoff bei sich aufbewahren darf, schloss sie mit dem Eidgenössischen Schwingerverband einen Leihvertrag ab. Die Fahne ist weiterhin Verbandseigentum.


Mehr als vier Jahre lang lag die Verbands-Fahne schön trappiert am Boden im Schwingermuseum von Irène Bodenmann-Meli.

Karl Meli war letzter Sieger unter der Fahne
Dass die Fahne nun in der „Sternen“-Schwingerstube ihre womöglich letzte Ruhestätte fand, ist durchaus sinnig. Der mittlerweile verstorbene Winterthurer Schwinger Karl Meli, Vater von Irène Bodenmann-Meli, gewann 1970 das Jubiläumsschwingen in Baden. Es war das letzte Schwingfest, an dem die erste Fahne des Eidgenössischen Schwingerverbands im Einsatz war.

Der Tag der Einweihung des Holztisches mit der eingefassten Fahne war jedoch für die perfekte Abrundung zwei Tage zu früh. Karl Meli wäre heute Donnerstag, 22. Juni, 79 Jahre alt geworden.

feldwaldwiesenblogger