Was darf man von den Nordostschweizer Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung vor Beginn der neuen Saison

Text: Jakob Heer und feldwaldwiesenblogger / Foto: Facebook

Bald beginnt der Frühling und so langsam, aber sicher wird die neue Schwingsaison in Angriff genommen. Zeit, nach dem nun langsam zu Ende gehenden Winter eine Bestandesaufnahme bei den einzelnen Teilverbänden vorzunehmen.

Da in der Nordostschweiz bereits drei Hallenschwingfeste Geschichte sind, widme ich mich als erstes diesem Teilverband. Wir erinnern uns: Zu Jahresbeginn siegte Armon Orlik beim Berchtold-Schwinget in der Saalsporthalle Zürich. Nach einem gestellten Schlussgang durfte sich Marcel Kuster in Gais AR beim Lichtmess-Schwinget als Sieger ausrufen lassen. Und beim Hallenschwinget Niederurnen GL schwang der einheimische Roger Rychen oben aus. Drei verschiedene Sieger, welche zudem in Estavayer zu Neueidgenossen gekürt wurden.

Jakob Heer, ein fundierter Kenner der Schwingerszene in der Nordostschweiz, gibt zu zehn Fragen Auskunft.

jakob-heer
Jakob Heer, NOS-Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Jakob Heer: Das ist über die Wintermonate immer schwierig zu sagen. Die ersten Frühjahrswettkämpfe werden darüber mehr Auskunft erteilen. Viel erfreulicher ist die Tatsache, dass fast alle Aktiven gesund sind und ein Grossteil über die Festtage ein Trainingslager im Bündnerland absolvierte. Leider hat sich dort Samir Leuppi eine Fingerblessur zugezogen.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
Jakob Heer: Ich denke, dass Armon Orlik und Samuel Giger, welche in der vergangenen Saison das Zepter übernommen haben, das Geschehen in der Nordostschweiz in den nächsten Jahren prägen werden. Ihnen gehört die Zukunft. Beide sind noch jung und könnten über eine längere Dauer das Geschehen prägen.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Jakob Heer: Naim Fejzaj traue ich zu, dass er noch einen weiteren Schritt nach vorne machen wird. Er hat 2016 schon sehr gute Ansätze gezeigt und in Estavayer um den Kranz geschwungen. Am Lichtmess-Schwinget überzeugte er zwar nicht restlos, aber die Wettkämpfe während des Winters sollte man sportlich nicht überbewerten. Für die meisten sind diese Schwingfeste ein gutes Training.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Jakob Heer: Obwohl die Nordostschweizer an den letzten zwei Eidgenössischen Nachwuchsschwingertagen unten durch mussten: Der NOS-Verband hat einige Talente in seinen Reihen.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Jakob Heer: Sicherlich Daniel Bösch, der am ESAF eine sehr starke Leitung gezeigt hat. Obwohl er im Schatten von Orlik und Giger 2016 einen Kranzfestsieg verpasste, zeigte er eine gute Saison. Auch Beat Clopath und Arnold Forrer traue ich noch Spitzenplatzierungen zu. Ebenso Michael Bless, welcher mit seinen 30 Jahren auch bereits zu den Arrivierten in der Nordostschweiz gehört. Gespannt blickt man auf Stefan Burkhalter, der im 43. Altersjahr den 100. Kranz anpeilt.

Werden die Neueidgenossen überzeugen?
Jakob Heer: Insgesamt denke ich schon. Es hat bei den Bernern, den Innerschweizern und bei den Nordostschweizern Überraschungseidgenossen gegeben. Dies gab es übrigens auch schon an früheren Eidgenössischen. Peter Horner war eine Überraschung, alle sieben anderen Neueidgenossen gehörten in Estavayer zu den Anwärtern auf Eichenlaub. Mit Tobias Krähenbühl und Marcel Kuster holten sich zwei Athleten (endlich) den Kranz, welche seit Jahren mit beständig guten Resultaten aufwarten.

Könnte die Unspunnen-Selektionierung für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Jakob Heer: Nein, davon gehe ich nicht aus. Klar, wenn Eidgenossen ihre Leistung nicht bringen, kann es eng werden. Hinter den Eidgenossen lauern einige Mittelschwinger, die auf einen Platz im Unspunnen-Team spekulieren.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Jakob Heer: Die Zahlen der Aktiven wie auch beim Nachwuchs waren 2016 erneut rückläufig. Da muss der Hebel angesetzt werden. Speziell im Nachwuchsbereich muss alles unternommen werden, damit die Zahlen nicht weiter nach unten schnellen.

Gibt es bei den Kantonalverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
Jakob Heer: Bei den Aktiven sind die Schaffhauser nach Jahren des Erfolges (Gebrüder Thomi und Bürgler) nach dem Rücktritt des letzten Eidgenossen Pascal Gurtner in ein Loch gerutscht. Es wäre schade, wenn sie den Anschluss verlieren würden. Auch die St. Galler haben nach den Rücktritten von Jörg und Urs Abderhalden, Urban Götte, Martin Glaus, Gerry Süess und Jakob Roth an Durchschlagskraft verloren. „Problemkinder“ ist aber das falsche Wort. Es gab und wird immer Schwankungen geben. Im Gegenzug drängen die Appenzeller, Bündner und speziell die Thurgauer nach oben.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis der Nordostschweizer im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Jakob Heer: Die Nordostschweizer müssen sich, das hat Estavayer2016 eindrücklich gezeigt, vor keinem anderen Verband verstecken. Die Berner werden in der Breite wohl noch bis Zug 2019 am stärksten bestückt sein. Sie gelten auch als Favoriten auf den Sieg in Interlaken. Doch die Inner- und Nordostschweizer haben auch Chancen. Ich rechne mit einer spannenden Saison.

Jakob, besten Dank für die interessanten Einblicke ins Nordostschweizer Schwinggeschehen!

feldwaldwiesenblogger

Regeländerungen im Innerschweizer Verbandsgebiet – Schwingexperte René Schelbert gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Wir erinnern uns, dass auf die Saison 2016 hin neue Richtlinien in Kraft traten: „Schwinger, welche nicht mindestens vier Schwingfeste ohne Kranzabgabe bestreiten, dürfen im Folgejahr ausserhalb des eigenen Teilverbandes an keinem Kranzschwingfest teilnehmen. Jeder Schwingklub darf an sein eigenes Schwingfest maximal 20 Schwinger, welche aus höchstens zwei Schwingklubs oder Sektionen stammen, einladen. Kann der eingeladene Schwingklub oder Sektion diese Anzahl Schwinger nicht stellen, darf mit Schwingern aus Schwingklubs oder Sektionen desselben Kantonal- oder Gauverbandes aufgefüllt werden. In Ausnahmefällen kann der Zentralvorstand für Schwingfest-Jubiläen eine spezielle Bewilligung erteilen.“

Keine Regeln ohne Ausnahmen. So wurden anfangs März 2016 an der Abgeordnetenversammlung (AV) des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) drei Anträge angenommen. Nämlich: Die Nordostschweizer forderten, dass jeder Schwingklub oder Sektion viermal an einem Schwingfest ohne Kranzabgabe ausserhalb seines Teilverbandes teilnehmen darf. Die Innerschweizer forderten weiter für geografisch direkt benachbarte Klubs einen Sonderstatus, der das Gästekontingent nicht belastet. Und: Bei einem gemeinsamen Antrag der Innerschweizer und Nordostschweizer („Schwingfeste ohne Kranzabgabe“) forderten sie, dass die sechs Schwingfeste, die bei Einladungsbegehren bislang einen Sonderstatuts genossen (Allweg-Schwinget, Berchtold-Schwinget, Herbstschwinget Siebnen, Frühjahrsschwinget Pfäffikon, Niklaus-Schwinget und Olma-Schwinget) diesen weiterhin behalten dürfen.

Auf die Saison 2017 hin werden auch einige Regeländerungen in Kraft treten. Um welche es sich dabei im Detail handelt und was für Auswirkungen diese nach sich ziehen, erklärte mir René Schelbert, ein ausgewiesener Schwingexperte.
René ist Präsident vom Schwingklub Muotathal, Vorstandsmitglied im Schwyzer Kantonalverband und seit dem 4. Februar auch im Innerschweizer Schwingerverband. Im Schwyzer Kantonal-Vorstand nimmt der ehemalige Schwinger als Vertreter vom Schwingklub Muotathal und als Vertreter vom ISV-Vorstand Einsitz. Im ISV-Vorstand versieht René künftig das Amt des Sekretärs.

rene-schelbert
Schwingexperte René Schelbert

Was für Regeländerungen erwarten uns Schwingerfreunde auf diese Saison hin?
Im Verbandsgebiet der Innerschweizer tritt eine neue Beschickung bei den Kantonalen Schwingfesten in Kraft. Auf ESV-Stufe gibt es keine nennenswerten Neuerungen.

Wie sehen diese Neuerungen konkret aus?
Bisher bestand aus Tradition bei den Kantonalen Schwingfesten eine gegenseitige Verbindung mit den Schwyzern und den Zugern, sowie den Ob-/Nidwaldnern und den Urnern. Die Luzerner standen im Prinzip alleine da und konnten nicht so viele Schwinger wie die anderen Kantonalverbände an ein zweites Innerschweizer Kantonales schicken.
Auf 2017 hin wurde ein Verteiler anhand der Schwingerzahlen von 2016 gemacht. Den Verteiler nahm übrigens die Technische Kommission des Innerschweizerischen Schwingerverbandes (ISV-TK) im letzten Herbst vor. Beim Schwyzer und dem Luzerner Kantonalen werden 2017 je 240 Schwinger antreten. Am Ob-/Nidwaldner, Urner und am Zuger je 200.

Der angesprochene Verteiler wurde folgendermassen ermittelt: Dazu ziehen wir als Beispiel das Schwyzer Kantonale heran. Auf Basis der 130 angetretenen Schwyzer Aktiven 2016 am eigenen Kantonalen ergibt sich so eine Differenz zu den 240 antretenden Schwingern für 2017. Diese Differenz von 110 Schwingern wird anteilsmässig auf die anderen Kantonalverbände verteilt. Der Verteilschlüssel für die Beschickung basiert ebenfalls auf den 2016er-Zahlen der angetretenen Schwinger bei den eigenen Kantonalen.

Um beim Schwyzer Kantonalen zu bleiben: Die sogenannte Verbindung zu den Zugern fällt in Zukunft weg, die Teilnahme wurde für alle Kantonalverbände geöffnet. Die anderen Kantone schicken laut Verteiler also nun 110 Schwinger. Im Detail sind dies 37 Luzerner, 35 Ob-/Nidwaldner, 22 Zuger und 16 Urner. Von diesen Schwingern dürfen maximal 45 Prozent Kranzschwinger sein, der Rest sind Nichtkranzer.

Für die Schwinger hat dies folgende Auswirkungen: Jeder Schwinger kann nebst seinem eigenen Kantonalen maximal an zwei auswärtigen Kantonalen im ISV-Gebiet antreten. Wenn ein Schwinger ein auswärtiges Kantonales im ISV-Gebiet besuchen will, muss er im Vorjahr mindestens vier Rangschwingfeste im ISV-Gebiet besucht haben. Über Ausnahmen entscheidet die ISV-TK.
Wenn ein Schwyzer Schwinger beispielsweise 2017 und 2018 zweimal hintereinander am Urner Kantonalen antritt, darf er 2019 an jenem nicht antreten.
Die Schwinger können in erster Linie auswählen, wo sie antreten wollen. Der Kantonal Technische Leiter segnet das im Verlauf vom März ab.

Betreffs Einteilung gibt es auch eine Änderung: Neu stellt der durchführende Kantonalverband den Obmann plus zwei Einteilungsmitglieder. Dazu stellt jeder andere Kantonalverband je ein Einteilungsmitglied.

Die Kampfrichter-Beschickung sieht in Zukunft so aus: Der durchführende Kantonalverband stellt bei jedem Schwingplatz einen eigenen Kampfrichter. Die restlichen Kampfrichter werden gemäss Schwingerzahl aus den anderen Kantonalverbänden aufgeteilt.

Von 2017 bis 2019 läuft mit diesen Neuerungen eine Versuchsphase. Wenn dieses Jahr das letzte Kantonale stattgefunden hat, wird eine Standortbestimmung durchgeführt. Allenfalls werden Anpassungen vorgenommen. Das Ziel ist, dies 2020 so weiterzuführen.

Wann wurden diese Regeländerungen beschlossen? Einstimmig?
Die Regeländerungen wurden 2016 an den Delegiertenversammlungen der einzelnen Kantonalverbände beschlossen. Jeder Kantonalverband musste dafür sein. Aber es gab nicht überall einstimmige Ergebnisse. Die Abstimmung fand als Gesamtpaket statt.
Zusätzlich fand letztes Jahr eine detaillierte Ausarbeitung der Regeländerungen durch die ISV-TK statt. Sie wurden dazu beauftragt.

Gaben diese Regeländerungen im Vorfeld zu reden?
Ja, das gaben sie. Die Einteilung gab vor allem im Schwyzerverband zu reden. Konnte doch bisher jeder Schwyzer Klub einen Einteiler am Schwyzer Kantonalen stellen. Aber man konnte sich schlussendlich einigen.

Betreffen diese Neuerungen auch die Jungschwinger?
Nein, dies hat keine Auswirkungen auf die Jungschwinger.

Gibt es auch bei den Jungschwingern Regeländerungen im Hinblick auf die neue Saison?
Nein, hier bleibt alles soweit beim Alten.

Wer ist eigentlich zuständig für die Regeländerungen?
Für diese ist die ISV-TK, zusammen mit dem ISV-Vorstand, verantwortlich.

Wer beschliesst die Regeländerungen?
Die Vorschläge kamen, wie erwähnt, von der ISV-TK. Die Regeländerungen wurden erst an den Klub-Generalversammlungen unterbreitet. Im zweiten Schritt erfolgte dies bei den Delegiertenversammlungen der einzelnen Kantonalverbände, wo es nebst der Information und Diskussion zu den Abstimmungen kam.

Hast du in deinen Funktionen und Ämtern bei Regeländerungen auch ein Mitspracherecht?
Ich war bei der Ausarbeitung der Regeländerungen zu einem kleinen Teil involviert. Als Vorstandsmitglied des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes habe ich ein Stimmrecht.

Ich bedanke mich bei René für die ausführlichen Schilderungen. Mit diesen Regeländerungen werden wir Schwingerfreunde, vor allem aber die Schwinger und Funktionäre, schon bald an den Kantonalen Schwingfesten in der Innerschweiz konfrontiert.

feldwaldwiesenblogger

Trainingsbesuch beim Schwingklub Glarus-Mittelland

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Am 2. Februar fuhr ich ins Glarnerland, genauer gesagt in den Hauptort Glarus. Dort begab ich mich in den Schwingkeller des Schwingklubs Glarus-Mittelland, welcher sich beim Spielhof befindet. Der Einfachheit halber schreibe ich in der Folge nur vom Schwingklub „Glarus“.

Als Erster traf an diesem Donnerstagabend Peter Horner ein, mit welchem ich den Trainingsbesuch vereinbart habe. Der Neueidgenosse von Estavayer, welcher dort sensationell über sich hinauswuchs, ist nicht nur Aktivschwinger vom Schwingklub Glarus. Er versieht auch das Amt des Technischen Leiters (TK-Chef). Peter ist 28-jährig, von Beruf Landwirt und wohnt in Glarus. Er trainiert derzeit fünf- bis sechsmal pro Woche. Dabei handelt es sich um zwei bis drei Schwingtrainings, weiter stehen etwa drei Einheiten im Kraftraum auf dem Programm.

Der Glarner Kantonale Schwingerverband wurde 1904 gegründet. Nebst dem Schwingklub Glarus existiert im Verbandsgebiet zudem der Schwingklub Niederurnen und Umgebung. Auch hier verkürze ich und erwähne beim Klubnamen nur „Niederurnen“.

Betreffs Schwingtraining erklärte Peter: „Die Schwinger der beiden Schwingklubs trainieren immer gemeinsam. Am Dienstag wird im Schwingkeller in Niederurnen trainiert, am Donnerstag in unserem hier in Glarus. Das sind eigentliche Kantonaltrainings.“

Roger Rychen vom Schwingklub Niederurnen, der zweite aktive Glarner Eidgenosse, war beim Trainingsbesuch nicht anwesend. Der TK-Chef dazu: „Er weilt zurzeit mit den Thurgauer Schwingern in einem Trainingslager in Willisau LU. Da Roger im Kanton Thurgau seine Ausbildung zum Landwirt absolvierte, bestehen Beziehungen zu den Schwingern aus dieser Region.“

Bevor das Training losging, konnte mir Peter rund um den Schwingklub Glarus und ganz allgemein über den Schwingsport im Glarnerland verschiedene Fragen beantworten.

peter-horner
Peter Horner: Aktivschwinger und TK-Chef Aktive vom Schwingklub Glarus

Der Glarner Kantonale Schwingerverband wurde 1904 gegründet. Wann wurde der Schwingklub Glarus gegründet?
Der Schwingklub Glarus wurde 1942 gegründet, feiert dieses Jahr also seinen 75. Geburtstag. Niederurnen, der andere Glarner Schwingklub, wurde ebenfalls 1942 gegründet. Früher waren zwischen diesen beiden Klubs schon Fronten zu spüren. Das ist aber heutzutage kein Thema mehr. Da wir ein kleiner Kanton sind, haben wir Schwinger das Gefühl, dass die beiden Schwingklubs eigentlich fusionieren sollten. Ich bin als TK-Chef auch Vorstandsmitglied und stelle fest, dass es ein Problem darstellt, den Vorstand vollzählig zu besetzen. Eigentlich ist es ja verrückt, nur wegen etwa 10 Aktivschwingern einen eigenen Klub zu unterhalten.

In der Jubiläumsschrift „Glarner Kantonaler Schwingerverband (1904 – 2004)“ findet man zu den beiden Klubgründungen folgendes: „Mitten in der Aktivdienstzeit 1939 – 1945 wurde vom Vorstand des Glarner Kantonalen Schwingerverbandes die Initiative zur Gründung von drei regionalen Schwingklubs gestartet. Hauptgrund für dieses Vorhaben war die stets rückläufige Zahl der Aktivschwinger. Die Gründung des Schwingklubs Niederurnen erfolgte im Frühjahr 1942; für das gleiche Vorhaben im Hinterland fehlten aber leider die aktiven Schwinger. Die Gründungsversammlung des Schwingklubs Glarus-Mittelland fand am 30. Mai 1942 im Schwert in Glarus statt.“
Weiter wird in besagter Jubiläumsschrift erwähnt, dass Veteran Ernst Gross in Rüti aus eigener Initiative ein kleines, zweckmässiges Schwingklokal eingerichtet hat. Dadurch erhoffte man sich eine Belebung und Zuwachs von Aktiven im Hinterland. Das Schwinglokal existiert inzwischen nicht mehr.

Wann erlebte euer Schwingklub seine besten Zeiten, und mit wem?
Der Schwingklub Glarus erlebte zu den Zeiten von Albrecht Rhyner (Schönengrund AR) sehr gute Zeiten. Als erstem Mittelländer Schwinger gelang es ihm 1989 in Stans, eidgenössisches Eichenlaub zu gewinnen. Damals verfügte unser Klub über sechs oder sieben Kranzschwinger, viel mehr als heute. Momentan sind wir nur zu zweit, nebst mir gehört noch Reto Landolt dazu. Beim Schwingklub Niederurnen sieht es ähnlich aus: Mit Roger Rychen und Christian Jöhl zählen sie auch nur zwei Kranzschwinger.
Übrigens: Als ich damals ins Lager der Aktivschwinger wechselte, zählten wir im ganzen Kanton etwa 30 Schwinger. Jetzt können wir froh sein, wenn noch um die zehn Schwinger regelmässig ins Training kommen.

Besteht zwischen den beiden Glarner Schwingklubs eine grosse Zusammenarbeit?
Natürlich besteht eine grosse Zusammenarbeit. Wie eingangs erwähnt, trainieren wir zusammen und führen jedes Jahr gemeinsam ein Trainingswochenende durch. Der Zusammenhalt ist sehr gut, und es fühlt sich an wie ein Klub.
Das Trainingswochenende wird, wie schon letztes Jahr, wieder in Bürglen UR über die Bühne gehen.

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Glarus aus?
Der Schwingklub Niederurnen deckt Glarus Nord ab, also das Unterland. Unser Einzugsgebiet erstreckt sich über Glarus Nord, von Netstal bis Linthal und Elm. Wir decken das Glarner Mittelland und das Hinterland ab. Dabei gibt es natürlich Ausnahmen. Reto Landolt ist von Näfels, quasi vom Unterland, gehörte aber schon seit jeher unserem Klub an.
Schwingveteranen und Pensionierte verrichten für uns wertvolle Dienste, indem sie junge Schwinger ohne Autoprüfung zum Training und wieder nach Hause fahren.

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit für den Schwingklub Glarus aus?
Es sind um die 15 versicherte Aktive und etwa 15 Jungschwinger. Nach dem Eidgenössischen erleben wir nun wieder einen kleinen Boom, und die Jungschwingerschar wurde erfreulicherweise wieder grösser. Von den 15 versicherten Aktiven kommen aber nur etwa sieben oder acht Schwinger regelmässig ins Training. Es ist schade, dass etliche versicherte Schwinger nur ins Training kommen, aber leider nie an die Schwingfeste. Dabei sind es fast immer die gleichen, welche an die Anlässe mitkommen.
Von den 15 Jungschwingern treten doch die meisten bei den Schwingfesten an. Die sind wirklich fleissig.

Wie sieht für 2016 die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger aus?
Wir verzeichneten sieben Kranzgewinne. Reto Landolt ergatterte sich zwei Exemplare, ich deren fünf. Nebst vier Kantonalkränzen gewann ich den so wichtigen Eidgenössischen Kranz. Bei den Jungschwingern stehen 17 Zweige und 10 Auszeichnungen zu Buche. Die Kranzbilanz ist relativ tief, wir sind momentan aber auch nur zwei Kranzschwinger.

Seid ihr mit der Saison 2016 zufrieden? Wurden die anvisierten Ziele erreicht?
Ich denke, die Ziele sind überboten worden. Aus meiner Sicht war es ein super Jahr mit dem Eidgenössischen Kranz. Mein Ziel war ein Bergkranz.
Die Jungschwinger haben sich viele Zweige geholt und sind sicher sehr zufrieden.

schwinger-beim-umgraben-des-saegemehls
Quasi ein Aufwärmtraining: Vor dem Training gruben die Glarner Schwinger das Sägemehl um

Du bist als Neueidgenosse momentan sicher das Zugpferd. Wer ist es noch?
Wenn ich so sagen darf, bin doch in erster Linie ich das Zugpferd. Zudem amtiere ich seit gut vier Jahren gleichzeitig als TK-Chef der Aktiven.

Erlebt euer Schwingklub dank deinem Eidgenössischen Kranz nun einen Aufschwung?
Bei den Jungschwingern verzeichnen wir tatsächlich einen Aufschwung. Ich hoffe, dass dies auch bei dem einen oder anderen jungen Aktiven zusätzliche Motivation auslöst. Und dies wirklich nachhaltig zu spüren ist.

Hast du letzte Saison mehr als sonst ins Training investiert und so beim ESAF den Lohn in Form von Eichenlaub eingefahren?
Mehr als das Jahr davor habe ich eigentlich nicht gemacht. Seit gut vier Jahren trainiere ich nun etwa gleich. Vor einigen Jahren hatte ich einen Bandscheibenvorfall, was mich ziemlich zurückwarf. Im Herbst 2015 hatte ich leider wieder Probleme mit der Bandscheibe, und konnte wieder lange nicht richtig trainieren. Statt Schwingtraining machte ich damals Physiotherapie und gezieltes Krafttraining. Aber ich denke, das hat es ausgemacht. Denn ich legte mir im Winter vor dem Eidgenössischen Jahr so eine gute Basis. Bis vier Wochen vor dem Eidgenössischen lief es mir ziemlich gut. Dann spürte ich wieder Rückenprobleme und liess in der Folge den Ricken-Schwinget und den Schwägalp-Schwinget aus. Das Ziel war einfach die vierte Teilnahme an einem Eidgenössischen. Wenn es mir beim ESAF nicht gut gegangen wäre, hätte ich meine Karriere beendet. Im Nachhinein kann man sagen, dass der Verzicht auf die beiden Schwingfeste sich ausbezahlt hat.

Wann erfolgte der Trainingsstart für die neue Saison?
Am 7. November erfolgte der Trainingsstart. Vier Tage später, am 11. November, hatten wir einen Kantonalkurs mit dem zurückgetretenen Emmentaler Eidgenossen Thomas Zaugg. Franz Freuler, der Präsident vom Schwingklub Glarus, absolvierte einst seine Berufslehre im Kanton Bern. Er ging damals mit Thomas in den Schwingkeller und knüpfte so seine Beziehungen zu ihm.

Sind alle Schwinger fit und gesund?
Ja, das sind sie.

Auf was legt ihr im Wintertraining besonderen Wert?
Dass wir so viel wie möglich im Schwingkeller trainieren. Von November bis Ende Januar praktizieren wir das sogenannte Schulschwingen. In dieser Zeit sollen die jungen Schwinger auch neue Schwünge erlernen. Natürlich haben einige Schwinger ihre bevorzugten Schwünge. Ich bin aber einer, welcher im Training ziemlich viel riskiert und etwas Neues ausprobiert. Wir versuchen in dieser Hinsicht sehr viel.

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Wir verzeichneten leider schon seit einigen Jahren keine Neukranzer mehr. Ich hoffe aber schon, dass junge Schwinger wie Thomas Riedi, mein Bruder Sämi Horner und Patrick Schiesser dies in nächster Zeit gelingen wird. Die drei haben nämlich grosse Fortschritte gemacht, am meisten Patrick.

schwingtraining
Unter Anleitung von Peter (ganz links) wurden verschiedene Schwünge geübt

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Die Jungschwinger haben mit Markus Figi einen eigenen Technischen Leiter. Wie die Trainings und die Förderung genau ablaufen, kann ich nicht sagen. In meinen Augen ist viel Potential vorhanden. Die Jungschwinger trainieren gewöhnlich auch am Donnerstag, wie die Aktiven. Ihnen steht es offen, am Dienstag ebenfalls in Niederurnen das Training zu besuchen. Einige machen von diesem Angebot Gebrauch.

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
Die Aktiven absolvieren zwei bis drei Schwingtrainings pro Woche, die Jungschwinger ein bis zwei.
Ab Jahresbeginn findet jeden Freitag im NOS-Gebiet ein gemeinsames Schwingtraining statt. An diesem treffen wir auch auf Schwinger aus den anderen Kantonalverbänden. Diese Zusammenzüge erstrecken sich bis April, also bis zu Saisonbeginn. Vor den Bergkranzfesten und grossen Anlässen, wie dieses Jahr dem Unspunnen-Schwinget, finden weitere NOS-Zusammenzüge statt.

Stellt für dich die Doppelfunktion als TK-Chef und aktiver Schwinger eigentlich eine Belastung dar?
Es ist keine Belastung und spielt für mich keine Rolle. Ich bin ja sowieso im Schwingkeller und da kann ich den jungen Schwingern auch gleich etwas zeigen. Ich habe meinen Clubkollegen von Anfang an gesagt, dass ich die Trainings leiten werde, an den Schwingfesten aber nicht für die Schwinger da sein kann. Ich finde das eigentlich schade, denn ein Technischer Leiter sollte die Schwinger an den Anlässen betreuen können. Jetzt ist es so, dass die Betreuung an den Schwingfesten meist durch den Kantonalen TK-Chef, Fridolin Beglinger, erfolgt. Natürlich nur dann, wenn er nicht in der Einteilung beschäftigt ist.

Ist das Projekt „Esaf 2025 Glarus+“ für euren Schwingklub eigentlich auch ein Thema?
Sicher, es ist auch für uns ein Thema. Vom Schwingklub her sind wir aber noch nicht aktiv beteiligt. Eine Interessengruppe vom Glarnerland hat das Projekt ins Leben gerufen und auch entsprechend kommuniziert.

Welche Schwingfeste organisiert der Schwingklub Glarus 2017?
Unser Schwingklub organisierte letztes Jahr in Glarus das Glarner-Bündner Kantonale. Das diesjährige Kantonale findet in Niederurnen statt und wird auch vom ortsansässigen Schwingklub organisiert. Der Schwingklub Niederurnen führt zudem den Hallenschwinget Niederurnen vom kommenden 19. Februar durch. Wir selber organisieren 2017 den Kantonalen Jungschwingertag (25. Mai) und am 22. Juli den Bergschwinget Klöntal.

Wie lauten die Ziele für 2017?
Als Technischer Leiter vereinbare ich mit jedem einzelnen Schwinger Ziele. Zu den Zielsetzungen gehört das Erlernen von neuen Schwüngen, das Training und mögliche Kränze. Für einige junge Schwinger ist beispielsweise der erste Kranz nun ein Ziel.

Deine persönlichen Ziele?
Mein Ziel ist es, diese Saison eine gute Leistung an den Schwingfesten abrufen zu können. Die Kranzbestätigung nach Estavayer2016 und so viele Kränze wie möglich sammeln. Dabei schaue ich von Fest zu Fest.

Wo treten die Glarner Schwinger zu den nächsten Schwingfesten an?
Wie bereits erwähnt, beim Hallenschwinget in Niederurnen. Im März ist es ruhig, ab April geht es dann Schlag auf Schlag mit den Frühjahrsschwingfesten.

bodentraining
Auch der Bodenkampf kam beim Training nicht zu kurz

Der Schwingklub Glarus ist klein, aber oho! Zwei aktive Kranzschwinger gingen 2016 auf Kranzjagd. Die „Beute“ waren sieben Kränze, darunter gar ein Eidgenössischer. Sehr ähnlich sieht es beim zweiten Glarner Schwingklub aus. Hier von Zufall zu sprechen, wäre völlig vermessen. Vielmehr rührt das von konsequentem Training, solidem Aufbau und harter Arbeit her. Und dies ziemlich abseits vom Rampenlicht. Denn in diesem stehen die allen bestens bekannten Berner „Dreikönige“ oder aus Nordostschweizer Sicht Armon Orlik, Samuel Giger und Daniel Bösch.

Die beiden Eidgenössischen Kränze sind für den Glarner Schwingsport enorm wichtig. Von einem allgemeinen Schwing-Boom kann in diesem kleinen Bergkanton trotzdem nicht gesprochen werden. Wie Peter Horner im Interview erklärte, sind sie froh, wenn sie wenigstens zehn Aktivschwinger im Training zählen. Der Neueidgenosse verzeichnete immerhin einen Aufschwung bei den Jungschwingern nach seinem Kranzgewinn in Estavayer. Darauf lässt sich aufbauen.

Zum Schluss bedanke ich mich bei Peter für die interessanten Erläuterungen rund um den Schwingklub Glarus und wünsche ihm und seinen Glarner Kollegen Toi Toi Toi für die neue Schwingsaison.

feldwaldwiesenblogger

Flüeler Schwinger gründen Trägerverein für ISAF 2019

Text und Foto: Elias Bricker

img_7081
Von links: Peter Achermann (Präsident Innerschweizer Schwingerverband), Franzsepp Arnold (OK-Präsident) und Christian Arnold (Präsident Schwingklub Flüelen) unterschreiben das Pflichtenheft für das ISAF 2019

Flüelen – Das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest (ISAF) findet 2019 in Flüelen statt. Das Hafenstädtchen rüstet sich für ein Festwochenende mit über 10‘000 Besuchern.

Jetzt steht es fest: Am 7. Juli 2019 findet in Flüelen das 113. Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest statt. Der Innerschweizer Schwingerverband hat kürzlich an seiner Delegiertenversammlung die Kandidatur des Schwingklubs Flüelen gutgeheissen. Die Organisatoren stecken nun mitten in den Vorbereitungen und das Hafenstädtchen Flüelen rüstet sich für ein einmaliges Festwochenende mit insgesamt mehr als 10‘000 Besuchern. Alleine die Urnersee-Arena, welche nur für diesen Anlass aufgestellt wird, soll rund 8‘000 Zuschauer fassen können.

Bereits an der Generalversammlung Anfang Januar beschloss der Schwingklub Flüelen, die Organisation des Mega-Events einem Trägerverein zu übertragen. Dieser Verein wurde nun am vergangenen Dienstag in der Company Lodge in Seedorf offiziell gegründet. Gleichzeitig unterschrieben die Verantwortlichen das Pflichtenheft des Innerschweizer Schwingerverbands. Durch diesen Trägerverein sollen einerseits einige Abläufe in der Organisation erleichtert werden. Anderseits würde dieser Trägerverein im schlimmsten Fall anstelle des Schwingklubs haften. Der Trägerverein besteht ausschliesslich aus den Mitgliedern des engeren Organisationskomitees (OK).

Folglich hat OK-Präsident Franzsepp „Bobby“ Arnold das Präsidium des Trägervereins inne. Eine wichtige Stütze ist Vizepräsident Markus Muheim aus Flüelen, der eine jahrelange Erfahrung als Schwingfest-Organisator mitbringt. Weiter setzt sich der Vorstand des Trägervereins aus Erich Planzer (Finanzchef) und Christian Arnold (Präsident Schwingklub Flüelen) zusammen.

Mehr Infos gibt es unter www.schwingklub-flueelen.com

feldwaldwiesenblogger

Schwingsport im Tessin: „Ich muss sie nicht motivieren, sie motivieren mich!“ (Teil 5)

Wir sind bereits beim Teil fünf zum Schwingsport im Tessin angelangt. Insgesamt habe ich sechs Teile vorbereitet. Das Gespräch mit Edi Ritter, welches doch schon eine Weile her ist, dauerte relativ lang. Ich erhielt dabei so viele interessante Informationen, dass ich mich entschied, diese den Schwingerfreunden nicht vorzuenthalten. Überdies war es auch meine Absicht, die schwingerische Randregion Tessin für einmal in den Fokus zu stellen.

trainingslokal
Das kleine aber feine Trainingslokal im Centro Sportivo
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Gaben im Tessin auch schon bekannte Schwinggrössen Schwingkurse?
Edi meint dazu: „Nein. Aber: Ich habe jede Menge Angebote, von Schwingerkönigen bis zu fünffachen Eidgenossen, welche sehr gerne bei uns im Tessin gratis und franko einen Kurs geben möchten. Warum habe ich bisher noch nicht davon Gebrauch gemacht? Nun: Ich hatte das Gefühl, dass unsere Schwinger noch nicht so weit sind. Sie sind natürlich auch sprachlich der ganzen Sache gegenüber sehr skeptisch. Die älteren Athleten sind langsam so weit, dass sie das begreifen und auch möchten. Dieses oder nächstes Jahr werde ich so ein Angebot gerne entgegen nehmen.“

Besuchen Tessiner Schwinger auch Schwingtrainings in der Deutschschweiz?
Laut dem Präsidenten und Technischen Leiter sind das Jungschwinger, welche in den Kader-Kategorien des Innerschweizerischen Schwingerverbandes (ISV) sind. Pro Kategorie sind jeweils die 15 bis 20 besten Jungschwinger der Innerschweiz dabei. Edi dazu: „Wir hatten für den Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2015 in Aarburg am Anfang sogar drei Jungschwinger im Kader. Später war noch einer dabei, ganz zum Schluss schied dieser dann knapp aus. Bei uns ist der Weg ein Problem. Man muss klar sehen, dass der Weg vom Tessin nach Wolhusen LU, wo die Kader-Trainings stattfinden, sehr weit ist. Dafür fahren wir fünf Stunden Auto, zweieinhalb Stunden hin und zurück. Das ist nicht das gleiche, wie wenn wir nach Siebnen SZ an ein Schwingfest fahren. Der Schwinget dauert von morgens bis abends. Das Training hingegen dauert um die dreieinhalb Stunden.“
Für das Luzerner Kantonale, welches 2016 am 29. Mai in Escholzmatt stattfand, sind die Tessiner Aktiven am Tag vorher angereist. Am Sonntagabend waren sie um Mitternacht wieder zurück. Edi ergänzt: „Das mit den weiten Wegen kennen die Deutschschweizer in dem Ausmass halt nicht. Ich muss mit diesem Umstand vorsichtig umgehen. Selbst für einen Schwingkurs. Denn der Weg via Gotthard ist nicht zu unterschätzen.“

Apropos ISV-Kader-Bildung: Das Eidgenössische Ehrenmitglied erklärt: „Kader werden zum Beispiel dann gebildet, wenn auf einen Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag hin trainiert wird. Von den Mitgliedern der Technischen Kommission (TK) wird pro Jahrgang anhand von Ranglisten und den erzielten Punkten ein Kader gebildet.“

Wie motiviert Edi seine Schwinger?
„Ich muss sie nicht motivieren, es ist umgekehrt“, schwärmt Edi. Und weiter: „Sie motivieren mich mit fast 66 Jahren, wenn immer möglich jeden Mittwoch und jeden Donnerstag ins Centro Sportivo ins Training zu kommen. Mit ihnen die Stunden zu verbringen, für sie quer durch die Schweiz zu fahren und an all die Sitzungen zu gehen.“

Wie viel Zeit investiert der Präsident und TK-Chef eigentlich in den Schwingsport?
Der Tessiner Schwingerverantwortliche überlegt und sagt: „Das sind zirka anderthalb Arbeitstage pro Woche. Dazu gehören aber auch all die Reiserei und Tätigkeiten rund um den Schwingsport. So war ich bis Ende 2016 noch Präsident der Doping-Kommission des Eidgenössischen Schwingerverbandes. Weiter gehören auch sechs bis acht ISV-Vorstandssitzungen oder zwei TK-Sitzungen dazu. Eine ISV-Sitzung beginnt um 19 Uhr, und dann wird in der Regel bis Mitternacht gearbeitet. Später fahre ich, je nachdem wo die Sitzung stattfindet, noch zwei bis zweieinhalb Stunden nach Hause. Zudem kommen auch verschiedene schriftliche Arbeiten dazu. 15 Stunden pro Woche sind das locker, welche ich für den Schwingsport investiere.“
Edi schliesst die Frage mit folgenden Worten ab: „Man könnte fast meinen, dass ich einen „Ecken ab“ habe. Aber: Meine Motivation sind die Schwinger. Sie sind einfach immer da, und ich kann mich auf sie verlassen.“

feldwaldwiesenblogger

Bericht über die Delegiertenversammlung des Ob- und Nidwaldner Schwingerverbandes

Letztes Jahr bat ich die Medienchefs der Innerschweizer Kantonalverbände und des Teilverbandes darum, mir doch in Zukunft auch ihre Medienberichte zuzustellen. Vereinzelt wurde bisher davon Gebrauch gemacht. Erst vor einigen Tagen erreichte mich der Bericht der Delegiertenversammlung (DV) des Ob- und Nidwaldner Schwingerverbandes (ONSV), verfasst durch deren Medienchef Franz Niederberger (Dallenwil).

Ohne gross zu überlegen, entschied ich mich dazu, fast den kompletten Inhalt zu veröffentlichen. Ich erlaubte mir lediglich, den Text ein wenig zu kürzen.
Ab hier übernimmt Franz Niederberger.

**********

onsv-dv
Rund 191 Stimmberechtigte an der ONSV-DV in Wolfenschiessen
Bildquelle: Franz Niederberger

Schwinger wählen drei neue Ehrenmitglieder
Das Eidgenössische Schwingfest in Estavayer stand noch einmal im Mittelpunkt. Neu im ONSV-Vorstand ist Marcel von Flüe. Für die Durchführung der Delegiertenversammlung war die Schwingersektion Nidwalden verantwortlich.

Das friedliche Zusammensein an einem Eidgenössischen Schwingfest schätzen immer mehr Mitbürgerinnen und Mitbürger. In einer von immer mehr Terror und Verbrechen geprägten Welt ist eine weitere Steigerung der Popularität des Schwingsportes die positive Folge davon. Dies sagte Präsident André Sigrist an der Delegiertenversammlung des Ob- und Nidwaldner Schwingerverbandes in Wolfenschiessen vor rund 191 Stimmberechtigten.

Mit rund 4200 Zuschauerinnen und Zuschauer wurde das Organisationskomitee (OK) vom Ob- und Nidwaldner Kantonalen in Lungern regelrecht überrumpelt. Das prächtige Festwetter und eine tolle Schwingerliste waren die Hauptgründe für den grossen Erfolg. Weiter sorgte das OK um Präsident Edi Halter und seinen Helfern für eine tadellose Organisation.

alpina-cheerli
Die DV wurde vom Alpina Cheerli umrahmt
Bildquelle: Franz Niederberger

Eidgenössisches Eichenlaub für Marcel Mathis
In seinem Jahresbericht hob der Technische Leiter Martin Rohrer den längst fälligen ersten Kranzfestsieg von Lutz Scheuber am Urner Kantonalen hervor. Das Schlussgangduell entschied er gegen den ONSV-Verbandskollegen Benji von Ah. Eine starke Visitenkarte gab Marcel Mathis am Schwägalpschwinget ab. Marcel schürte damit auch die Eichenlaub-Hoffnungen in Estavayer, die er als einziger der ONSV-Athleten erfüllte. Lutz Scheuber, Christian Odermatt und Martin Zimmermann scheiterten trotz starken Leistungen knapp.
Die ONSV-Schwinger gewannen insgesamt 43 Kränze, mit sieben Exemplaren war Marcel Mathis der Erfolgreichste. Martin Amgarten, Florian Hess und Ruedi Käslin erkämpften ihr erstes Eichenlaub. Dabei wog die verletzungsbedingte Absenz des Giswiler Eidgenossen Benji von Ah schwer.

Den ONSV-Cup entschied Marcel Mathis vor Christian Odermatt und Stefan Gasser zu seinen Gunsten.
Einige arrivierte Schwinger gaben ihren Rücktritt bekannt. Die grössten Lücken hinterlassen der Lungerer Eidgenosse Peter Imfeld und Melk Britschgi aus Sarnen.

Die Statistik von Jungschwingerbetreuer Kurt Wolf sieht ausgezeichnet aus: Im ganzen Verbandsgebiet wurden 34 Festsiege und 670 Auszeichnungen erkämpft. Mit 14 Doppelzweigen etablierte sich der ONSV-Nachwuchs als zweitstärkster Verband am ISV-Nachwuchsschwingertag. Die Hoffnungen sind berechtigt, dass der Nachwuchs in Zukunft die Lücke der Aktiven wird schliessen können.

Sarnen führt 2018 das Kantonale durch
Für weitere zwei Jahre wurden Patrick Gasser, Marco Zimmermann, Bruno Niederberger, Rolf Keiser und André Sigrist in ihren Ämtern bestätigt. André Sigrist wird das ONSV-Schiff weitere zwei Jahre führen. Demissioniert hat René Limacher, einstimmig wählte die Versammlung neu Marcel von Flüe (Alpnach) in den Vorstand. Das Kampfgericht wird von Ruedi Kiser präsidiert. Kassier Christian Berchtold bilanzierte einen Gewinn von rund 5’000 Franken. Ohne Probleme schaffte das vorgeschlagene Budget die Hürde, welches einen Gewinn von 5’580 Franken vorsieht. Für das Brünigschwinget genehmigte die Versammlung einen Betrag von 14’000 Franken für Aufwendungen des Baukomitees und der Festwirtschaft. Für die Durchführung vom ONSV-Kantonalen 2018 erhielt die Schwingersektion Sarnen den Zuschlag.

marcel-von-fluee
Das neue Vorstandsmitglied Marcel von Flüe (Alpnach)
Bildquelle: Franz Niederberger

Gemäss den Ausführungen von OK-Präsident Bruno Käslin verlaufen die Arbeiten für das diesjährige Kantonale programmgemäss. Das Schwingervolk erwartet am 7. Mai ein tolles Fest in Beckenried.
Das ONSV-Kantonale 2018 wird von der Schwingersektion Sarnen organisiert. Gemäss den Ausführungen von OK-Vizepräsident Marcel Durrer sind die Vorbereitungen für das 111. ISV-Teilverbandsfest am 1. Juli in Alpnach ebenfalls auf Kurs.

Ein grosser Applaus begleitete die Wahl von René Limacher, David Rohrer und Werner von Moos zu neuen ONSV-Ehrenmitgliedern. Die Gratulation der Gemeinde Wolfenschiessen überbrachte Gemeindepräsident Wendel Odermatt.

die-neuen-ehrenmitglieder
Die neuen Ehrenmitglieder: Von links Ehrendame Silvia Durrer, René Limacher, David Rohrer, Werner von Moos und Ehrendame Eveline Durrer
Bildquelle: Franz Niederberger

**********

Ich bedanke mich bei Franz Niederberger für den interessanten Bericht und die dazugehörigen Fotos.

Mir ist bewusst, dass mein Schwinger-Blog nicht ein althergebrachtes Medium ist. In der heutigen Zeit ist es aber absolut normal, dass je länger je mehr Informationen auch über die Social Media-Plattformen verbreitet werden. Mein Bestreben ist es schon länger, Neuigkeiten und interessante Berichte rund um den Schwingsport über den Kanal „Facebook“ respektive meine Internet-Seite zu veröffentlichen. Sehr viele Schwinger und Schwingerfreunde nutzen bereits diese Möglichkeiten. Es besteht also eine Nachfrage. Und dieser Nachfrage will ich mit seriösen Berichten nachkommen. Deshalb nochmals meine Bitte an die verschiedenen Schwingsport-Pressechefs: Stellt mir ohne zu zögern auch eure Medienberichte zu, welche ihr für gewöhnlich den papierenen Zeitungen zustellt. Die Medienwelt ist in Umbruch, auch beim Schwingsport.
Meine Email-Adresse lautet: koni.schelbert@bluewin.ch

feldwaldwiesenblogger

Sieben Eidgenossen am Lichtmess-Schwinget: Eine Vorschau

„Am Samstag, 2. Februar haben acht Schwinger die Reise in die Ostschweiz unternommen. Hier wurden sie von unserem Gastklub freundlich empfangen und verpflegt. Danach wurde ein Fasnachtsanlass in der Ostschweiz besucht. Der Lichtmess-Schwinget wurde durch den einheimischen Eidgenossen Michael Bless dominiert. Im Schlussgang konnte er bereits nach dem ersten Zusammengreifen den St. Galler Tobias Riget ins Sägemehl betten. Die Rothenburger Schwinger kämpften mit unterschiedlichem Erfolg.“
Dieser Textauszug fand ich auf der Homepage vom Schwingklub Rothenburg. Das besagte Lichtmess-Schwinget fand am 3. Februar 2013 statt. Michael Bless gewann auch die Ausgabe von 2016, bei welcher er wie schon 2013 alle sechs Gänge siegreich gestalten konnte. Im Schlussgang bodigte er Martin Roth vom Schwingklub Herisau.

lichtmess-schwinget_2013-ch
Lichtmess-Schwinget 2013: Adrian Dober gegen Werner Keller
Bildquelle: schwingklub-rothenburg.ch

2017 findet bereits die 55. Ausgabe des Lichtmess-Schwingets statt. Der Austragungsort ist das Oberstufenzentrum in Gais AR, das Schwingfest wird vom ortsansässigen Schwingklub durchgeführt. Der SCHLUSSGANG führt auf ihrer Homepage die Eidgenossen Michael Bless, Raphael Zwyssig, Marcel Kuster, Martin Hersche, Peter Horner, Florian Gnägi und Philipp Roth als angemeldete Spitzenschwinger auf.

Konrad Fitze ist ehemaliger Präsident des Schwingklubs Gais, und versah sein Amt von 2001 bis 2016. Konrad dazu: „Nach dem Rücktritt bleibe ich weiterhin mit dem Schwingsport verbunden. So bin ich im Kantonalvorstand als Vizepräsident tätig. Und da mein Sohn schwingt, helfe ich auch bei der Betreuung der Jungschwinger mit. Weiter bleibe ich unserem Klub bei der Mithilfe von Schwingfesten erhalten.“
Zum bevorstehenden Lichtmess-Schwinget, für gewöhnlich das zweite Schwingfest des Jahres, gab er bereitwillig Auskunft.

Wann fand der erste Lichtmess-Schwinget statt?
Aus dem Buch „100 Jahre Appenzeller Kantonal-Schwingerverband“ entnehme ich, dass 1962 der erste Lichtmess-Schwinget stattfand. 1966 fiel das Schwingfest wegen der Maul- und Klauenseuche aus. Sonst wurde es meines Wissens jedes Jahr durchgeführt.

Wo fand der Anlass einst statt?
Bis 2011 in der Leichtathletik-Halle, wo die Schwinger vom Schwingklub Gais auch ihr Trainingslokal haben. Da der Platz dort etwas eng ist, haben wir für die 50. Ausgabe im Jahr 2012 ins Oberstufenzentrum gewechselt, und blieben für die folgenden Schwingfeste gleich dort.

Der Name Lichtmess ist auf einen katholischen Kirchentag zurückzuführen. Wikipedia weiss dazu: „Lichtmess galt in der katholischen Kirche früher als Ende der Weihnachtszeit.“

Die Katholiken feiern am 2. Februar „Mariä Lichtmess“. Ist das ein Feiertag bei euch in Gais oder im Appenzellerland?
Jein. Der reformierte Halbkanton Ausserrhoden kennt diesen Feiertag nicht. Lichtmess ist für die Bauern im Appenzell ein sogenannter Lostag. Die Überlieferung besagt, dass an diesem Tag noch die Hälfte des Heustocks vorhanden sein sollte.

Wer hatte damals die Idee, ein Schwingfest um Mariä Lichtmess zu organisieren?
Der Lichtmess-Schwinget ist aus dem Schwingklub Gais entstanden und wurde schon immer von ihnen organisiert.
1946 wurde der Schwingklub Gais gegründet, und im gleichen Jahr organisierten sie das Appenzeller Kantonale. Der junge Klub überlebte leider nicht lange und wurde in der Folge wieder aufgelöst. 1961 wurde der Schwingklub Gais ein zweites Mal gegründet. Der damalige Präsident hiess Walter Schulthess. Unter ihm wurde der Lichtmess-Schwinget ins Leben gerufen. Im Jahr darauf, anno 1962, fand die erste Ausgabe des mittlerweile traditionellen Hallenschwingfestes statt.

Michael Bless hat den Anlass schon sieben Mal gewonnen. Der Sieg wird wohl auch 2017 über ihn führen. Wer wird ihm dabei wohl den meisten Widerstand leisten?
Ich gehe davon, dass es einer der anwesenden Eidgenossen wie Raphael Zwyssig oder Marcel Kuster, welcher den Anlass auch schon zweimal gewann, sein wird. Ich hörte, dass sich auch Florian Gnägi angemeldet hat.
Übrigens: Marcel Kuster ist TK-Chef der Gaiser Schwinger. Er kann dir zu den angemeldeten Gastschwingern mehr Auskunft geben.

Gesagt – getan: Ich griff nach dem Gespräch mit Konrad Fitze erneut zum Telefonhörer und stellte Marcel die nächste Frage.

Apropos Florian Gnägi: Welche Gastklubs und Gäste werden euch 2017 beehren?
Die beiden Gastklubs von ausserhalb der Nordostschweiz sind Biel und Rothenburg. Vom Schwingklub Biel haben sich bisher der Eidgenosse Florian Gnägi, der Neueidgenosse Philipp Roth und der Teilverbandskranzer Dominik Roth angemeldet. Von den Rothenburgern erhielten wir bisher fünf Anmeldungen. Zwei der fünf Schwinger sind Kranzer. Weiter hat sich der Glarner Neueidgenosse Peter Horner angemeldet. So eine gute Besetzung hatten wir noch nie.

marcel-kuster
Neueidgenosse Marcel Kuster, zugleich TK-Chef vom Schwingklub Gais
Bildquelle: rheintaler.ch

Wenn ich richtig mitgezählt habe, sind nach Adam Riese also sieben Eidgenossen für morgen Samstag gemeldet. Inklusive Marcel Kuster, dem ich für seine Auskunft dankbar bin. An dieser Stelle übernimmt wieder Konrad Fitze.

Mit wie vielen Schwingern und Zuschauern rechnet ihr für das morgige Schwingfest?
Wir erwarten um die 60 bis 70 Schwinger und 200 bis 300 Zuschauer. Wenn uns noch mehr Schwingbegeisterte die Aufwartung machen werden, haben wir selbstverständlich nichts dagegen. Dadurch, dass der Schwinget an einem Samstag durchgeführt wird, erhoffen wir uns noch mehr Zuschauer. Wir würden uns auch freuen, wenn die Leute nach dem Schwingfest noch etwas bleiben. Denn wir bieten eine Festwirtschaft mit volkstümlicher Musik und eine Bar an.

Eine Frage zum Schwingklub Gais: Wie viele Aktive und Jungschwinger zählt ihr zurzeit?
Es sind 22 Jungschwinger und um die 20 Aktive.

Das Jahr ist noch jung und die eigentliche Schwingfestsaison ist eigentlich noch ein Stück weit entfernt. Wie gut sind die Schwinger von eurem Klub schon drauf?
Ich würde sagen, dass sie sehr gut drauf sind. Wir haben derzeit praktische keine Verletzten. In anderen Jahren war um diese Zeit meist einer unserer Eidgenossen verletzt. Aber: Die Schwinger sind sicher noch nicht auf dem höchsten Level. Dies wird dann um den Unspunnen-Schwinget herum sein. Ihre Gegner handhaben das mit dem Formstand aber wohl ähnlich.

Beginnen eure Schwinger wegen dem Lichtmess-Schwinget früher als andere Klubs mit dem Trainingsbeginn nach der Herbstpause? Wann erfolgte der Trainingsbeginn?
Der Trainingsstart erfolgte im November. Der Lichtmess-Schwinget spielt dabei für unsere Schwinger keine grosse Rolle. Sie richten ihren Trainingsplan nach den grossen Schwingfesten aus, was auch begreiflich ist.

Der Appenzeller Schwingerverband besteht nebst dem Schwingklub Gais auch aus den Schwingklubs Appenzell, Wolfhalden und Herisau. Das sind drei Klubs in Ausserrhoden und mit Appenzell ein Klub von Innerrhoden. Ausserrhoden verfügt also eindeutig über mehr Schwinger?
Der Kantonalverband erstreckt sich mit den vier Klubs über beide Halbkantone. Insgesamt ist es schon so, dass Appenzell Ausserrhoden mehr Schwinger hat. Zu Thomas Sutter’s Zeiten war der Schwingklub Appenzell sehr stark. Etwas früher, zu Ernst Schläpfer’s Zeiten, war es der Schwingklub Herisau. Stärkemässig hat momentan sicher der Schwingklub Gais die Nase vorn. Bei den Jungschwinger- und Aktivschwingerzahlen sind es aber Herisau und Appenzell.

Kennen die Schwinger Rivalitäten innerhalb der beiden Halbkantone? Wie war das früher?
Die beiden Halbkantone arbeiten sowieso vermehrt zusammen und beim Schwingen ist das gar kein Thema. Früher bestand zwischen den beiden Halbkantonen sicher eine Art Hassliebe, wie wahrscheinlich in Ob- und Nidwalden auch. Bei den Schwingern war es meines Wissens aber schon früher kein grosses Thema.
Beim Eidgenössischen in Estavayer hatten die Appenzeller ein Super-Team beisammen. Von Rivalität war da nichts zu spüren.

Wie viele versicherte Aktive zählt der Appenzeller Kantonal-Schwingerverband, Stand anfangs 2017?
Ganz genau sind es 132 versicherte Aktive, und 129 Jungschwinger.

Wie viele aktive Appenzeller Eidgenossen sind darunter?
Vier aktive Eidgenossen. Drei der vier Eidgenossen, nämlich Michael Bless, Raphael Zwyssig und Marcel Kuster, sind von unserem Schwingklub Gais. Martin Hersche gehört dem Schwingklub Appenzell an.

Für einen relativ kleinen Kantonalverband sind das doch überdurchschnittlich viele Eidgenossen. Was macht euch so stark?
Das ist eine gute Frage. Es ist der Zusammenhalt, vom Vorstand bis hin zu den Jungschwingern. Wir sind sehr aktiv und organisieren verschiedene Zusammenzüge, weiter auch einen polysportiven Tag für die Jungschwinger. Die vier Schwingklubs arbeiten zudem sehr eng zusammen. Nebst den Eigenossen verfügen wir über etliche gute Schwinger, die wollen und dementsprechend Gas geben.

Ihr müsst euch weder über den Nachwuchs noch über genügend Funktionäre Sorgen machen?
Wir bemühen uns darum. Da momentan alle am gleichen Strick ziehen, sind wir in der komfortablen Lage, genügend Funktionäre zu finden.
Dank den vier Eidgenossen muss nicht allzu viel getan werden, um genügend Jungschwinger zu haben. Nebst dem Eidgenössischen Schwinger-Schnuppertag wird bei uns im Sommer im Rahmen des Ferienpasses auch ein Schwinger-Schnuppertag angeboten. Wenn immer möglich, ist sicher der eine oder andere Eidgenosse daran beteiligt. Die Kinder haben natürlich grosse Freude, wenn einer von ihnen dabei ist.

Was wünschst du dir für den bevorstehenden Lichtmess-Schwinget?
Ich wünsche mir einen Festsieger, der es verdient hat zu gewinnen. Dabei spielt es mir keine Rolle, ob ein Einheimischer oder ein Gast den Sieg davonträgt. Weiter wünsche ich mir einen grossen Besucheraufmarsch und dass am Abend die Festwirtschaft rege benutzt wird. Und natürlich, dass wir keinen Unfall verzeichnen müssen.

die-drei-appenzeller-eidgenossen-von-2016
Die drei Appenzeller Eidgenossen von Estavayer2016: Marcel Kuster, Martin Hersche und Michael Bless (von links)
Bildquelle: Facebook-Seite von Michael Bless

Marcel Kuster ergänzte seine Erläuterungen zu den Gastschwingern noch mit einem Hinweis: „Das Anschwingen ist morgen Samstag übrigens für 14 Uhr vorgesehen. Der Schlussgang dürfte um etwa 20 Uhr erfolgen. Nach dem Schwingfest ist weiterhin die Festwirtschaft geöffnet und der Durst kann auch an einer Bar gelöscht werden. Mit diesen Neuerungen erhoffen wir uns einen grösseren Zuschaueraufmarsch.“
Ich bedanke mich bei Konrad Fitze und Marcel Kuster für die Auskünfte und wünsche ihnen und den Organisatoren einen stimmungsvollen Lichtmess-Schwinget mit attraktivem Schwingsport und vielen Zuschauern.

feldwaldwiesenblogger