Saisonrückblick mit Kilchberger Sieger Damian Ott, dem Aufsteiger der Saison

Text: feldwaldwiesenblogger

Damian Ott darf man wahrlich als «den Aufsteiger» der diesjährigen Saison bezeichnen. Praktisch aus dem Nichts gewann der 21-Jährige am 17. Juli den Weissenstein Schwinget und landete eine faustdicke Überraschung. Hernach folgte zwar eine kleinere Berg- und Talfahrt mit Tops und Flops, bis der St. Galler am Schwarzsee wieder zuschlug. Damian bezwang im Schlussgang keinen Geringeren als den Überschwinger der Saison, Samuel Giger. Der Erfolgshunger des 197 Zentimeter-Mannes war aber noch nicht gestillt: Am Kilchberger Schwinget setzte er eine Marke für die Ewigkeit und durfte sich als Co-Sieger eines eidgenössischen Anlasses feiern lassen. 

Zusammen mit Samuel Giger (Mitte) und Fabian Staudenmann (links) gewann Damian den Kilchberger Schwinget 2021

Bild: Luzerner Zeitung

Nicht von 0 auf 100, sondern von 4 auf 10 respektive 0 auf 2

Die Medien erwähnen dieser Tage öfters, dass Damian von 0 auf 100 durchstartete. Im übertragenen Sinn stimmt das sicher, in reinen Fakten gemessen aber nicht. So besass der 100 Kilogramm schwere Athlet vor dieser Saison 4 Kränze, liess die Ausbeute nun auf 10 anwachsen. Vor 2021 hatte das Mitglied vom Schwingklub Wil 0 Kranzfestsiege auf dem Konto, Ende Saison steht er nun auf deren 2. Dazu kommt der hochdekorierte Kilchberger Sieg. Aus der bärenstarken 2021er-Saison resultierte Rang zwei in der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes.

Starkes Toggenburger Umfeld

Der schlaksige Hüne wohnt in Dreien, einer Ortschaft der Gemeinde Mosnang, welche im St. Gallischen Toggenburg liegt. Damian wuchs zusammen mit sieben Geschwistern auf. Das Toggenburg brachte schon etliche hervorragende Schwinger hervor, wie beispielswiese die beiden Schwingerkönige Jörg Abderhalden und Nöldi Forrer, oder den Unspunnen-Sieger Daniel Bösch. In deren Sog ist nun mit Damian Ott, Werner Schlegel und Marcel Räbsamen eine neue starke Generation herangewachsen, welche den Schwingsport in den nächsten Jahren entscheidend prägen wird.

Erster Schwingfestsieg im Sertig-Tal

Damian’s erster Sieg an einem Schwingfest der Aktiven datiert auf den 28. Juli 2019. Er gewann damals als 19-Jähriger den Sertig-Schwinget in Davos. Zu Beginn dieser Saison folgte mit dem ersten Rang beim Rüfeli-Schwinget in Untervaz Sieg Nummer zwei, bevor die grosse «Ott-Show» begann. 

Damian arbeitet als Zimmermann, und zählt das Trycheln und Skifahren zu seinen Hobbies. Für den Schwinger-Blog ist es nun höchste Zeit, sich mit dem Aufsteiger von 2021 zu unterhalten und von ihm ein paar spannende Informationen zum Saisonrückblick zu entlocken.

Damian bezwang im Schlussgang des Schwarzsee-Schwingets überraschend Samuel Giger, den Überschwinger dieser Saison

Bild: Berner Zeitung

Herzliche Gratulation zu dieser sensationellen Saison. Kannst du diese kurz in Worte fassen?

«Ich habe daraufhin gearbeitet, Kränze zu gewinnen, konstante Leistungen abzuliefern und vorne dabei zu sein. Und nach Möglichkeit den einen oder anderen Eigenossen zu bezwingen. Dass es dann so rauskommt, hätte ich mir nie erträumt!»

Praktisch aus dem Nichts führte dein Weg an die absolute Schwingerspitze. Hast du eine Erklärung dafür? 

«Mein erstes Kranzfest in dieser Saison war das Appenzeller Kantonale. Ich war nicht 100 Prozent fit und leicht erkältet. Es lief mir dann mittelmässig, ich holte mir dennoch den Kranz. Mein Team-Kollege Werner Schlegel gewann das Fest. Das war mir Ansporn genug, um weiter Gas zu geben, und es zeigte mir, was möglich ist. Ich fuhr auf den Weissenstein mit dem Ziel Kranzgewinn. Als ich voll angriff und meine Gänge gewann, darunter auch namhafte Eidgenossen, kam ich in einen richtigen Lauf. Vor dem Schlussgang hatte ich mein Ziel längst erreicht. Ich ging völlig entspannt in diesen und schwang voller Freude. Dieses Gefühl konnte ich dann die ganze Saison mittragen. Am Schwarzsee lief es mir wieder fantastisch, und der Sieg am Kilchberger Schwinget war das i-Tüpfelchen auf diese grossartige Saison. Obwohl ich dies nicht speziell trainiert habe, spürte ich, dass ich mental parat bin. Ich konnte während der ganzen Saison locker in die Zweikämpfe gehen.»

Hast du zu Saisonbeginn gespürt, dass dies dein Jahr werden könnte? Oder warst du ob deiner Erfolge selbst erstaunt?

«Bevor ich in die Kranzfestsaison einstieg, hat Werner Schlegel schon drei Kranzfeste bestritten. Ich sah, wie gut es ihm lief, und ich wusste, ich kann auch auf diesem Level schwingen. Ich spürte, dass vieles möglich sein könnte. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, ob ich mental stark genug bin, und dem Druck standhalten würde. Ich war dann am meisten überrascht, dass ich so locker und mit so wenig Nervosität an den Schwingfesten antreten konnte. Und dass ich mit so viel Freude schwingen durfte. Wie bereits erwähnt: Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass es so gut herauskommen würde.»

Nach den beiden Bergkranzfestsiegen und vor allem dem Kilchberger Sieg bist du nun in aller Leute Mund. War der Rummel nach dem Saisonhöhepunkt gross?

«Ja, in der ersten Woche nach dem Kilchberger Schwinget war sehr viel los. Es war sehr schön, zugleich auch streng. Es galt, Interviews und viele Fragen zu beantworten. Ich habe es genossen und es war schön zu sehen wie sich die Leute an meinen Erfolgen freuten. Dies war eine neue Situation für mich, und ich konnte gut damit umgehen.»

Arbeitest du in einem 100 Prozent Pensum?

«Bis im Juni habe ich in einem 100 Prozent gearbeitet, welches ich ab Juli auf 90 Prozent gesenkt habe. Damit ich Zeit fand für ein zusätzliches Training am Mittwochnachmittag. Der Beginn war eine Woche vor dem Weissenstein Schwinget. Mit dem zusätzlichen Training strebten wir die Qualifikation für den Kilchberger Schwinget an, welche ich ja dann mit dem Sieg auf dem Solothurner Hausberg eine Woche später im Sack hatte. Dieses zusätzliche Training hat sich definitiv gelohnt. Und: Auch vor dem «Eidgenössischen» werde ich wieder mein Arbeitspensum reduzieren. Denn ich möchte mich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Es braucht viel Zeit für Training und Erholung.»

Scheinbar hast du den Lockdown und die Zwangspause im Jahr 2020 optimal genutzt. Wer und was hat dich so stark werden lassen?

«Dazu gehören viele Leute. Nebst meinen Klubkollegen zähle ich die Schwing-Trainer und Robin Städler, den Kraft- und Konditionstrainer, dazu. Wir sind ein gutes Team. Zudem haben wir auch im NOS-Verband eine sehr gute Truppe beisammen, welche trainingsfleissig ist und will. Je mehr mitmachen, je mehr hat man davon.»

Im Jahr 2019 gewann Damian beim Sertig-Schwinget sein erstes Schwingfest als Aktiver

Bild: feldwaldwiesenblogger

Etwas verwundert nahm man zur Kenntnis, dass ein so grosser Schwinger wie du den Münger-Spezial anwendet. Wie kam es dazu?

«So genau weiss ich das nicht mehr. Diesen Schwung habe ich schon als Jungschwinger im Training geübt. Ich wendete ihn damals schon bei Schwingfesten an, und gewann damit etliche Gänge. Ich habe mir betreffs Münger-Spezial Videos von Marcel Kuster und Schwingerkönig Silvio Rüfenacht angesehen. Beide Eidgenossen hatten diesen Schwung im Repertoire. Ich habe mich mit Kuster denn auch darüber unterhalten, und er gab mir einige Tipps. Am ESAF 2019 in Zug gewann der inzwischen zurückgetretene Appenzeller fünf Gänge mit «Münger», was mir sehr imponierte. Jetzt fokussiere ich mich im Training aber auf andere Schwünge, vor allem auf jene, welche ich nicht so gut beherrsche.»

Zwischen den Siegen auf dem Weissenstein und am Schwarzsee gab’s resultatmässig eine kleinere Berg- und Talfahrt. Einerseits Tops wie am Thurgauer Kantonalen oder am Bernisch-Kantonalen Schwingfest. Andererseits Flops wie am St. Galler Kantonalen und auf der Schwägalp. Wie erklärst du dir das?

«Dafür gibt’s eine einfache Erklärung. Vor dem St. Galler Kantonalen befand ich mich im Hoch, griff stets voll an und machte dabei meine Gegner müde. Ich bin wohl übermütig geworden, und wurde deswegen in Kaltbrunn zweimal ausgekontert. Unterschätzt habe ich meine Gegner nie, ich nehme jeden ernst. Ich wollte wohl zu schnell gewinnen, um Kraft zu sparen. Ich habe daraus gelernt, und wurde geduldiger. Was mir am «Kilchberger» im Gang gegen Matthias Aeschbacher, welchen ich kurz vor Gang-Ende bezwingen konnte, zum Vorteil gereichte. Auf der Schwägalp hatte ich anfänglich ein gutes Gefühl, und schwang im fünften Gang gar um den Schlussgang-Einzug. Ich verlor den Kampf gegen Michael Wiget aber relativ schnell. Im sechsten Gang haben mir dann die Nerven etwas versagt. Ich ging mit einem schlechten Gefühl in den Zweikampf, verlor diesen prompt und weiss nun, dass das nicht funktionieren kann. Ich habe daraus eine Lehre gezogen, und dies hat mir eine Riesenstärke verliehen für den letzten Gang in Kilchberg. Ich weiss jetzt, dass man mental parat sein muss, damit es am Schluss nach ganz vorne reicht. In einem Formtief befand ich mich nicht. Ich wusste stets, dass ich starke Gegner bezwingen kann. Am Schwarzsee habe ich das alles hinter mir gelassen, und es hat dann auch sehr gut funktioniert.»

Jetzt bist du nicht mehr Jäger, sondern Gejagter. Wie kommst du mit der neuen Rolle zurecht?

«Eigentlich bis jetzt sehr gut. Nach dem Kilchberger Schwinget bestritt ich mit dem Olma-Schwinget bisher erst ein Schwingfest. Es lief mir dabei mit vier gewonnenen und zwei gestellten Gängen sehr gut. Beim Anschwingen stellte ich mit dem späteren Sieger Nick Alpiger und im Gang zwei folgte ein weiterer «Gestellter» gegen Adrian Odermatt. Der junge Baselbieter hat sich sehr defensiv auf mich eingestellt. Im Winter werde ich daran arbeiten. Ich versuche dabei, ein Mittel zu finden, um auch passive Gegner bezwingen zu können.»

2022 wird eine andere Saison als 2021 und etliche Schwinger werden sich im Zweikampf mit dir passiver verhalten. Wie wirst du diesen Umstand in dein Wintertraining einbauen?

«Darum wird sich unser Trainer kümmern, welcher Trainings so gestalten wird, dass einer angreift und der andere dagegenhält. Ich werde dabei einen Schwung üben, welcher gegen passive Gegner effizient ist. Diesen Schwung werde ich hier nicht verraten. Weitere gute Ideen kommen aber auch von ehemaligen Spitzenschwingern wie Jörg Abderhalden, Urban Götte oder Dani Bösch. Diese versuchen uns Tipps zu geben, wie sie sich während ihrer Aktivzeit in solchen Situationen geschlagen haben.»

SRF schrieb diese Woche, dass der zweite Platz am letzten Sonntag nach dieser unglaublichen Saison schon kein grosser Erfolg mehr ist. Wie bist du persönlich mit dem Abschneiden am Olma-Schwinget zufrieden?

«Ich bin sehr zufrieden, und erwarte von mir nicht, dass ich nun jedes Schwingfest gewinne. Ich nehme das locker und habe mich über den zweiten Platz gefreut. Zudem: Ich habe mich sehr über die Schlussgangteilnahme von meinem Teamkollegen Marcel Räbsamen gefreut. Das ist zusätzliche Motivation fürs Wintertraining.»

Gibt’s jetzt nun Ferien? Und: Wann erfolgt der Trainingsstart für die neue Saison?

«Im Winter haben wir zwei Wochen Betriebsferien, jetzt gibt’s keine. Dann werde ich vermutlich ein Trainingslager bestreiten. Nach dem Kilchberger Schwinget haben wir eine zweiwöchige Trainingspause eingelegt. Anschliessend haben wir uns zu einer Trainingsbesprechung mit Robin Städler, Jörg Abderhalden und Urban Götte getroffen. Jörg hat uns dabei Videos gezeigt, und uns im Hinblick auf die nächste Saison sowie fürs Wintertraining Tipps gegeben. Urban gab uns ebenfalls wertvolle Tipps. Zudem haben wir mit Robin die Trainingsgestaltung besprochen. Das Kraft- und Konditionstraining haben wir mittlerweile aufgenommen. Anfangs November legen wir dann mit dem Schwingtraining los.»

feldwaldwiesenblogger

Willy Graber blickt auf seine äusserst erfolgreiche Karriere zurück

Text: feldwaldwiesenblogger

Willy Graber bestritt am letzten Samstag beim Heimfest, dem Hallenschwinget Bolligen, sein letztes Schwingfest und sagte mit einem vielumjubelten Sieg Adieu vom aktiven Schwingsport. Der Publikumsliebling bezwang im Schlussgang seinen jungen und aufstrebenden Klubkollegen Adrian Walther. «Wilu», wie er von seinen Berner Kollegen liebevoll genannt wird, gewann in seiner langen und erfolgreichen Karriere 110 Kränze, darunter fünf eidgenössische, und holte sich sechs Kranzfestsiege. 

Von der grossen Bühne ist der 37-Jährige bereits nach dem Kranzgewinn am ESAF 2019 in Zug abgetreten. Der geplante Rücktritt am Heimschwingfest verzögerte sich wegen der Corona-Pandemie, dieser Schwinget musste dreimal verschoben werden. Willy investierte seit dem «Eidgenössischen» nicht mehr viel Zeit fürs Training. Der vierfache Familienvater absolvierte aber als Vorbereitung vor seinem endgültigen Abschied den Herbstschwingertag Siebnen.

Willy Graber als glücklicher Sieger zum Abschluss seiner erfolgreichen Karriere

Bild: Barbara Loosli

Würdigung durch Stefan Hofmänner

Willy’s älterer Bruder Alfred bestritt in Bolligen ebenfalls seinen letzten Wettkampf. Alfred gewann in seiner Karriere sechs Kränze, und war der Wegbegleiter von Willy. Die beiden wurden am Schluss des Schwingfestes von keinem geringeren als dem SRF-Schwingexperten Stefan Hofmänner gewürdigt. Dieser fand die passenden Worte und erzählte in einer Gesprächsrunde die eine oder andere amüsante Anekdote. Das Publikum in der vollen Halle lauschte aufmerksam, und spendete immer wieder grossen Applaus. Der bisher erfolgreichste Berner Mittelländer Schwinger sagte dabei: «Von der ersten Minute an war «Fredu» mein Wegbegleiter. Ich bin überzeugt, dass ohne ihn meine Karriere nicht so erfolgreich gewesen wäre.»

Der Publikumsliebling

Die NZZ schrieb am 5. September 2011, unmittelbar nach dem Unspunnen-Schwinget: «Eine Kampfsau wird er zuweilen genannt und lobend als besonders unangenehmer Gegner bezeichnet. Die Stärke am Boden hat sich Graber gezwungenermassen angeeignet: «Ich war lange einer der Kleinsten und musste meine Unterlegenheit irgendwie ausgleichen.» Weil er seine Widersacher öfters zur Verzweiflung bringt und attraktive Kämpfe ausficht, ist Graber bei den Zuschauern sehr beliebt. Nach dem Rücktritt von Hanspeter Pellet wäre er ein Kandidat für den neuen Publikumsliebling – er hat auch ein ähnlich spitzbübisches Lachen.» Wie wir mittlerweile wissen, avancierte «Wilu» dank erstklassiger Bodenarbeit zum Publikumsliebling. Mit seiner filigranen Technik begeisterte er schweizweit das Schwingfest-Publikum, zuletzt am Hallenschwinget Bolligen.

Willy Graber bleibt dem Schwingsport in verschiedenen Funktionen erhalten, und wird sein schwingerisches Knowhow so weitergeben können: Als Technischer Leiter von seinem Schwingklub Worblental und als Trainingsleiter im Berner Mittelländer Verband. Willy blickt heute mit dem Schwinger-Blog auf seine äusserst erfolgreiche Schwingerkarriere zurück.

Die beiden Brüder «Wilu» und «Fredu» umarmen sich zum Abschluss ihrer Karrieren

Bild: Barbara Loosli

Herzliche Gratulation zum Sieg in Bolligen! Was für Gedanken gingen dir nach dem allerletzten Gang deiner Karriere durch den Kopf? 

«Ich verspürte eine Erleichterung, und dass nun alles ein schönes Ende gefunden hat. Ich werde nun mehr Zeit für meine Familie haben.»

Wie war die Gefühlslage vor dem Schlussgang?

«Mein Bruder Alfred beendete kurz vorher seinen allerletzten Gang. Ich hatte mich bisher immer gut unter Kontrolle. Aber das hat mich emotional ziemlich durchgeschüttelt. Am Anfang des Schlussganges hatte ich noch Schwierigkeiten mit der Konzentration. Aber bereits beim zweiten Zusammengreifen konnte ich mich wieder gut konzentrieren. Mein Ziel war, meine Karriere mit einem gewonnenen Gang zu beenden. Dass dies gleich der Schlussgang war, ist umso schöner.»

Am Mittag hast du gesagt: «Ich schwinge einfach gerne!» Wann hast du dich eigentlich dazu entschlossen zurückzutreten?

«Das ist schon eine Weile her. Im Frühling 2019 vor dem «Eidgenössischen» in Zug entschied ich mich, nochmals voll zu trainieren, um an einem ESAF mitreden zu können. Für mich war es logisch, dass hinterher alles fertig ist. Denn: So viel Zeit für noch ein intensiveres Training finde ich gar nicht mehr.»

Den Herbstschwingertag Siebnen hast du gemäss deiner eigenen Aussage benötigt, um wieder in den Wettkampf-Modus zu finden. Wie viel hast du eigentlich in letzter Zeit trainiert? 

«Ich hatte seit dem ESAF in Zug keine Hantel mehr in den Fingern. Als Vorbereitung für die beiden letzten Schwingfeste war ich einmal pro Woche, manchmal auch zweimal, im Schwingkeller. Ansonsten habe ich keine weiteren Trainings bestritten.»

Du hast deinen ersten Kranz 2003 beim Emmentalischen Schwingfest in Wasen gewonnen. Welches war deine erfolgreichste Saison?

«Das ist schwierig zu sagen. Ich blicke als Ganzes auf meine Karriere zurück und kann dabei keine einzelne Saison hervorheben. Ich habe meine Ziele verfolgt und nach vorne geschaut. So ging es denn auch stetig aufwärts. Ich riss mir leider je einmal pro Knie das Kreuzband, kehrte aber beide Male stark auf die Schwingplätze zurück.»

Was wird dir in deiner nun zu Ende gegangenen Karriere besonders positiv in Erinnerung bleiben?

«Mein erster Kranzfestsieg am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Eggiwil. Das war besonders schön, denn die Verwandtschaft mütterlicherseits ist von dort. Es gab einen speziellen Empfang samt Feier auf dem Bauernbetrieb meiner Verwandten, wo ich damals in der Lehre war. Dieser Anlass hat einen sehr grossen Stellenwert in meiner Erinnerung.» 

Willy Graber vor seinem allerletzten Schwingfest als Aktiver

Bild: feldwaldwiesenblogger

Was hat sich deiner Meinung nach während deiner Karriere im Schwingsport verändert?

«Die Zunahme der Sponsoren für die Schwinger und die Schwingfeste einerseits. Andererseits die Grösse der Eidgenössischen Schwing- und Älplerfeste. Das ESAF in Luzern erlebte schon einen gewaltigen Sprung. Die «Eidgenössischen» danach waren nochmals grösser.»

Mit einer Körpergrösse von 181 Zentimetern hast du beinahe das Optimum aus deinen körperlichen Möglichkeiten herausgeholt. Hast du dir bereits als Jungschwinger vorgenommen, deine Siege in einer spezialisierten Bodenarbeit zu holen?

«Vorgenommen habe ich mir das nicht. Als ich aus der Schule kam und damals zu den Aktiven wechselte, war ich 172 Zentimeter gross und etwa 65 Kilogramm leicht. Als kleiner und leichter Schwinger blieb mir nichts anderes übrig. Um Erfolg zu haben, eignete ich mir eine spezialisierte Bodenarbeit an. Später konnte ich je länger je mehr auch aus dem Stand schwingen.»

Du hast am Hallenschwinget Bolligen in der Gesprächsrunde mit dir, deinem Bruder Alfred und dem Moderator Stefan Hofmänner erklärt, dass ohne «Fredu» deine Karriere nicht so erfolgreich gewesen wäre. Wie darf man sich das vorstellen? 

«Er ist bloss ein Jahr älter, und wir haben so ziemlich alles zusammen gemacht. «Fredu» war immer für mich da, und wir haben uns gegenseitig gepusht. Körperlich hatten wir die gleichen Voraussetzungen. Ich war aber mental stärker. Diese Stärke hat mir unter anderem bei Verletzungen geholfen. Es wurde mir dabei bewusst, wie viel eigentlich im Kopf abläuft.»

Dank deiner Grösse und deiner Schwingweise warst du in der ganzen Schweiz ein Publikumsliebling. Hat dich das jeweils an den Schwingfesten zusätzlich beflügelt?

«Ich habe es wahrgenommen und es hat mir zusätzlich Kraft verliehen. Ich ging aber unbeirrt an die Kämpfe und versuchte dabei dem Gegner meinen Schwingstil aufzuzwingen.»

Du bleibst dem Schwingsport glücklicherweise als Technischer Leiter erhalten. Was ist dir bei der Zusammenarbeit mit den Schwingern besonders wichtig?

«Die Kameradschaft, die Ehrlichkeit und der Trainingsfleiss. Und: Ich habe Freude an den Schwingern, welche wirklich wollen.»

Auf was freust du dich nun am meisten nach deiner aktiven Schwingerkarriere?

«Ich freue mich darauf, mit meiner Familie mehr Zeit verbringen zu können. Ich freue mich aber auch darauf, im Schwingkeller solche Schwinger formen zu können, welche nicht die grössten Talente sind. Dabei meine Schwünge weitergeben kann und so unsere Athleten weiterbringe.»

feldwaldwiesenblogger

Saisonrückblick mit Stefan Strebel, dem TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes

Text: feldwaldwiesenblogger

Was war das für ein Schwinger-Jahr! Erst wusste man lange nicht, ob und wie geschwungen werden kann, und ob eine reguläre Saison in Angriff genommen werden kann. Anfangs Juni lichtete sich langsam der Covid-Nebel, und die Schwingerei nahm Fahrt auf. Und wie! Die Innerschweizer legten gleich mit dem Stoos-Schwinget, dem «Innerschweizerischen» und dem Rigi-Schwinget im Wochentakt los. Die anderen Teilverbände taten es ihnen gleich, und schickten ihre Schwinger ohne längere Vorlaufzeit zum Ernst-Kampf ins Sägemehl. Anfänglich hatte man das Gefühl: Das kommt hinsichtlich Verletzungen gar nicht gut, vor allem aus Innerschweizer Sicht. Und: Die Verletzungshexe machte vor keinem Teilverband Halt. Man fand sich mit diesem Umstand ab und arrangierte sich. Je länger die Saison dauerte, je spektakulärer wurde geschwungen. Und so jagte ein Höhepunkt den anderen, eine Verschnaufpause gab es (fast) keine. Zu guter Letzt folgte der Höhepunkt Kilchberger Schwinget. Was dort schwingtechnisch geboten wurde war erste Sahne. Was gewisse Funktionäre entschieden, weniger. Diese und andere Themen möchte heute der Schwinger-Blog mit Stefan Strebel, dem TK-Chef vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) besprechen.

Stefan Strebel, der TK-Chef vom ESV, blickt auf die zu Ende gehende Saison zurück

Bild: esv.ch

Stichwort stufenweise Öffnungsschritte:

Würdest du mit dem Wissen von heute nochmals alles so machen wie im vergangenen Spätwinter/Frühling?

«Absolut, ich würde nochmals die genau gleiche Linie fahren. Im Nachhinein gestehe ich ein, dass ich nicht so polarisieren hätte sollen. Aber ich stehe zu meiner Rolle als Vorreiter, welcher den Karren zog. Dabei benötigte es mehrere Leute, welche mich unterstützten. Zu ihnen zähle ich unter anderem Rolf Gasser und Matthias Glarner.»

Du warst der eigentliche Motor hinter den Öffnungsschritten. Dein Elan hat sich bei den Teilverbänden gewissermassen zum Turbo entwickelt. War die Ansetzung fast aller Kranzfeste in der verkürzten Saison im Sinne des ESV?

«Es war der einzige Weg und wir hatten keine andere Möglichkeit. Drei Kranzfeste fanden nicht statt. Die OK’s arbeiteten sehr gut und stellten die Schwingfeste teilweise in kürzester Zeit auf die Beine. Und: Wir vom Zentralvorstand haben nie Druck gemacht betreffs Zuschauerzahl an den Festen.»

Stichwort Saisonrückblick:

Kürzlich hat ein Schwinger gesagt: Die Saison mit der konzentrierten Reihe an Kranzfesten war falsch aufgebaut. Was entgegnest du ihm?

«Er hat nicht unrecht. Die Saison hatte nicht den üblichen Aufbau. Aber: Dies war aus meiner Sicht nicht möglich, da wir in vier Monaten alles durchbringen mussten. Ich nehme dabei die OK’s in Schutz, welche teilweise keine grosse Vorplanungszeit hatten. Die Lage war lange ungewiss, und man war auf die nächsten Bundesrats-Entscheide angewiesen. Ich darf behaupten, dass wir in dieser Zeit der fortschrittlichste Verband waren und Anlässe organisierten, sobald dies möglich war. Im Nachhinein hätte man die Festplanung anders machen können, die Lage aber war zu ungewiss.»

Wie beurteilst du schwingtechnisch gesehen die verspätet gestartete und hoch intensive Saison?

«Beim ENST durfte ich feststellen, dass die Jungen technisch besser geworden sind. Die Aktiven machten einen guten Job und sie wollten unbedingt schwingen. Ich war sehr zufrieden mit dem Gezeigten an den Schwingfesten.»

Was fiel dir in der Saison 2021 positiv auf, was negativ?

«Positiv war, dass die Schwingfeste stattfanden und der grösste Teil der Kranzfeste durchgeführt wurde, mit dem Fokus Schwingsport. Das von uns definierte Ziel «Schwingfest 2021 zu 100 Prozent ja» wurde erfüllt. Die Zusammenarbeit innerhalb aller Stufen des Verbandes hat dabei gut funktioniert. Negativ war, dass anfangs Saison von Zweiklassengesellschaft gesprochen wurde. Dabei stand dies alles im Kontext mit der stufenweisen Öffnung. Ein weiterer negativer Punkt sind die vielen Verletzten in dieser Saison.»

Der Kilchberger Schwinget, welcher unbestritten der Saisonhöhepunkt war, gab viel zu reden

Bild: kilchberger-schwinget.ch / Lorenz Reifler

Stichwort Verletzungen:

Wie schätzt du die Situation mit den überdurchschnittlich vielen Verletzten ein?

«Das hat verschiedene Faktoren. Wir konnten wegen der Corona-Pandemie lange nicht schwingen und die Schwinger haben anderweitig trainiert. Innerhalb der vier Monate wurde ein strenges Programm durchgeführt. Wie bereits angesprochen fehlte der sonst übliche Saisonaufbau. Die hohe Intensität hat dann teilweise zu Überbelastung geführt, was leider überdurchschnittlich viele Verletzungen nach sich zog. An dieser Stelle wünsche ich allen verletzten Schwingern gute Besserung!»

Gedenkt der ESV hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe etwas zu tun?

«Nein. Ich bin überzeugt, dass nächstes Jahr mit 3G eine normale Saison durchgeführt werden kann, mit einem sauberen Trainings- und Schwingfestaufbau. Da Planungssicherheit besteht, braucht es keine Massnahmen von unserer Seite.»

Stichwort Saisonhöhepunkt Kilchberger Schwinget:

Schwingkundige Fachleute haben nach der Fehlentscheidung im Gang Samir Leuppi gegen Bernhard Kämpf von einem Fehler gesprochen, welche halt im Schwingsport passieren können. Was ist dein Kommentar zu dieser Aussage?

«Das sehe ich genauso. Man muss bedenken, dass ein Kampfrichter an einem Schwingfest zwischen 500 bis 600 Entscheide zu treffen hat. Dass dabei Fehler passieren, ist menschlich. Ich schütze dabei jeden Kampfrichter. Dieser sieht an einem Schwingfest eine Situation nur einmal. Ich habe die Szene zwischen Samir Leuppi und Bernhard Kämpf mittlerweile mehrmals gesehen. Leuppi hat eindeutig gewonnen. Wichtig ist, dass man dazu steht und sich entschuldigt. Und: Ich wurde wegen meiner öffentlichen Entschuldigung mehrheitlich gelobt, es war nur vereinzelt Kritik zu vernehmen.»

Wegen einiger strittigen Entscheidungen haben nicht schwingkundige Zuschauer nach dem Saisonhöhepunkt von «Mauschelei» gesprochen. Konkret geht es um den Fehlentscheid betreffs Samir Leuppi und die Nichtberücksichtigung von Damian Ott für den Schlussgang. Was entgegnest du diesen Leuten?

«Das stimmt nicht. Betreffs Samir Leuppi gab es keine Mauschelei, der Kampfrichter hat so entschieden. Und ich bin in meiner Funktion nach vorne gestanden und habe mich entschuldigt. Mauschelei wäre gewesen, wenn ich nichts gesagt hätte. Betreffs Damian Ott: Innerhalb der Einteilung haben wird die Schlussgang-Paarung nur kurz diskutiert. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass bei Punktgleichheit ein Schwingerkönig gesetzt ist. Es stimmt, dass Ott mit vier gewonnenen Gängen zu diesem Zeitpunkt ein Siegkreuzchen mehr auf dem Notenblatt hatte als die anderen. Wir haben aber auch auf die Qualität der Notenblätter geschaut. Schlussendlich kristallisierte sich der Saisondominator Samuel Giger als zweiter Schwinger für den Endkampf heraus. Zudem wollten viele diese Paarung bereits beim Anschwingen. Ich forderte den Kampf Giger – Wenger im vierten Gang, kam aber nicht durch. Letztendlich lag diese Paarung auf der Hand, die meisten Zuschauer wünschten sich diese. Es ist und bleibt eine Grauzone, welche die Einteilung dabei beschreitet.»

Nächstes Jahr steht mit dem ESAF 2022 in Pratteln ein nächster Meilenstein auf dem Programm. Wird der eidgenössische Anlass nur mit der 3G-Regelung stattfinden können?

Bild: Tages Anzeiger

Stichwort Vorausblick auf 2022

Wird es aus den gemachten Erfahrungen von 2021 Änderungen oder Anpassungen für 2022 geben? 

«Von meiner Seite her nicht. Denn: Wir können schwingen. Politisch wird sich in nächster Zeit betreffs Corona-Tests und Impfungen noch einiges regeln.»

Auffallend war, dass bei einigen Kranzfesten deutlich weniger Schwinger antraten als üblich. Wie will man diesem Umstand begegnen?

«Ich erwarte von unseren Mittelschwingern, dass sie wieder das Training aufnehmen und zurückkehren werden. Wir haben nun Planungssicherheit, welche für die Saisonvorbereitung auf 2021 fehlte. Ich habe volles Verständnis, dass wegen diesem Umstand einige Mittelschwinger fehlten.»

Inwieweit bleibt das Corona-Virus ein Thema beim ESV?

«Das bleibt ein Thema und wird uns ins 2022 begleiten. 3G wird uns erhalten bleiben. Ich hoffe, dass 2G nicht kommen wird. In nächster Zeit wird sich zeigen, wie die Entwicklung weitergehen wird.»

feldwaldwiesenblogger

Rückblick auf Adrian Steinauer’s Triumph beim Herbstschwingertag Siebnen

Text: feldwaldwiesenblogger

Adrian Steinauer gewann letzten Sonntag den Herbstschwingertag Siebnen, und zeigte dabei feine Schwingerkost. Am Vortag lief es dem Schwyzer beim Kilchberger Schwinget nicht optimal. Es ist Adrian deshalb hoch anzurechnen, dass er sich einen Tag später wieder aufraffte und mit einer starken Leistung bewies, zu was er fähig ist.

Adrian Steinauer feierte in Siebnen seinen vierten Sieg an einem Rangschwinget

Bild: feldwaldwiesenblogger

Der Weg in den Schlussgang

Der in Vorderthal wohnhafte Sennenschwinger stellte beim Anschwingen mit dem Thurgauer Oldie Stefan Burkhalter. Im zweiten Gang bekam er es mit Thomas Burkhalter, dem Sohn von Stefan, zu tun. Diesen bodigte er mit Lätz und überdrücken. Vor der Mittagspause bezwang Adrian ebenfalls mit Lätz und der Note 10 Manuel Vogel, ehe er nach dem Mittagessen den Höhenflug von Jvo Kurmann mit innerem Haken und nachdrücken beendete. Um den Schlussgang-Einzug bekam es der 30-Jährige mit Fabian Rüegg zu tun. Dieser zog mit Kurz an, Adrian verstand es aber sofort zu kontern und gewann platt: Der zweite Schlussgang in Siebnen nach 2013 war perfekt. 

Sein Kontrahent, der Luzerner Reto Fankhauser, zeigte ebenfalls eine starke Leistung. Zum Auftakt bezwang der Entlebucher Roland Kälin. Dann besiegte Reto jeweils platt Dominik Streiff und Joel Kessler. Im vierten Gang folgte ein «Gestellter» mit Reto Nötzli und für den Schlussgang-Einzug bezwang er Marcel Betschart. Dies bedeutete für Reto den ersten Schlussgang-Einzug am Herbstschwingertag Siebnen.

Mit einem wuchtigen Kurz zum Erfolg

Die Ausgangslage vor dem Schlussgang war offen, beide Schwinger waren an diesem Tag bereit für den Sieg. In der dritten Minute der Endausmarchung zog Adrian wuchtig mit einem Kurz an, bettete Reto so ins Sägemehl und vervollständigte zum gültigen Ergebnis mit nachdrücken. Der Sieg am Herbstschwingertag Siebnen bedeutete für den Vorderthaler Erfolg Nummer vier an einem Rangschwinget. 

In Siebnen traten 105 Schwinger an und lieferten den 1’800 Zuschauern spannende und teilweise spektakuläre Zweikämpfe. Interessant zu beobachten war, dass es keiner der drei angetretenen Eidgenossen in den Schlussgang schaffte. Wobei man dabei bedenken muss, dass Reto Nötzli am Vortag ebenfalls am Kilchberger Schwinget antrat und sich dabei an einem Finger verletzte, Stefan Burkhalter inzwischen 47 Jahre jung ist und Willy Graber seit 2019 kein Schwingfest bestritten hat. Der Berner absolvierte den Wettkampf in Siebnen als Vorbereitung für sein allerletztes Schwingfest am Hallenschwinget Bolligen (Samstag, 9. Oktober).

Adrian’s Palmarès

Adrian ist verheiratet, Vater einer Tochter und arbeitet als Fachmann Betriebsunterhalt im Werkdienst der Gemeinde Freienbach. Das Mitglied vom Schwingklub Einsiedeln ist 184 Zentimeter gross und 110 Kilogramm schwer. Nebst den bereits erwähnten vier Siegen an Rangschwingfesten hat Adrian zudem einen Kranzfestsieg (Schwyzer Kantonales 2016) auf seinem Konto. Sein Palmarés zieren weiter 34 Kränze (8 Teilverbands-, 6 Berg- und 20 Kantonal-/Gaukränze), vier ESAF- und eine Unspunnen-Schwinget-Teilnahme. Und nicht zu vergessen: Die Schlussgangteilnahme am Schwarzsee-Schwinget 2015. Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz, innerer Haken, Gammen und Lätz. Aber auch die Bodenarbeit beherrscht der Routinier.

In der nun zu Ende gehenden Saison holte sich Adrian fünf Kränze, beim Schwyzer Kantonalen belegte er mit Rang 3a gar einen Spitzenplatz. Diese gute Bilanz brachte dem Schwyzer die Qualifikation für den «Kilchberger». Nebst dem Schwingsport verbringt er viel Zeit mit der Familie, klopft gerne einen Jass, fährt Ski und zählt den Sport ganz allgemein zu seinen Hobbys.

Nebst schwingerischer Kost bekam man in Siebnen auch urchige Klänge zu hören

Bild: feldwaldwiesenblogger

Herzliche Gratulation zum Sieg in Siebnen! Wie war die Gefühlslage nach dem Schlussgang?

«Meine Gefühlslage war sehr gut. Da es mir am Kilchberger Schwinget nicht wunschgemäss lief, war es für mich eine einmalige Geschichte, vor heimischem Publikum einen Tag später gewinnen zu dürfen.»

Mit vier souveränen Siegen und einem «Gestellten» gegen Stefan Burkhalter hast du den Schlussgang erreicht. Welcher dieser fünf Gänge war der härteste Kampf? 

«Der erste Gang gegen Stefan, der Thurgauer ist und bleibt eine Knacknuss. Ich habe schon oft mit ihm geschwungen, und ich möchte ihn gerne mal bezwingen. Der fünfte Gang mit Fabian Rüegg war ebenfalls hart, in diesem ging es um Biegen und Brechen, und ich hatte schliesslich das glücklichere Ende für mich.»

Ein Blick auf zwilch.ch zeigt, dass dir Reto Fankhauser durchaus liegt. Vor letztem Sonntag hattest du ihn bisher viermal bezwungen und einmal gestellt. War dir das vor dem Schlussgang bewusst?

«Mir war bewusst, dass ich ihn bisher meist besiegt habe und er mir als Gegner liegen könnte. Die Taktik für mich war klar: Für den Festsieg musste ich den Schlussgang gewinnen. Deshalb stellte ich mich von Anfang an auf Angriff ein.»

Wie bereits angesprochen, lief es dir beim Kilchberger Schwinget nicht optimal. Auf was führst du das zurück? 

«Die Gegner, welche mir zugeteilt wurden, waren am Schluss zuvorderst im Klassement. Das heisst aber nicht, dass ich nicht gegen sie schwingen könnte. Ich suchte den Sieg aber vermutlich zu wenig und schwang nicht so frech wie sonst. Ich verspürte zudem viel Druck, dieser ist vor so einem Anlass um einiges grösser als bei anderen Schwingfesten. 2014 schaute ich als Ersatzschwinger zu. Es war deshalb schön, teilnehmen zu dürfen und ich bin aus diesem Grund nicht völlig unzufrieden. Zudem gilt es anzuführen, dass ich in die Saisonvorbereitung nicht so viel investiert habe wie üblich.»

Wie hast du es geschafft, dich einen Tag später wieder aufzuraffen und in Siebnen zu brillieren?

«Ich bin am Sonntagmorgen mit Enttäuschung und Wut im Bauch aufgestanden und wollte allen zeigen, dass es auch anders geht. Ich fühlte mich von Beginn an gut und spürte, dass etwas drin liegen könnte.»

Adrian Steinauer holte sich am Luzerner Kantonalen in Schachen den fünften Saisonkranz 

Bild: Adrian Steinauer

Wie sieht deine Saisonbilanz insgesamt aus?

«Mit dem Herbstschwingertag in Siebnen schloss ich nun meine Saison ab. Da ich leicht angeschlagen bin, werde ich in Unteriberg nicht an den Start gehen. Die Saison verlief für mich nach dem Kaltstart im Juni alles in allem gesehen gut. Hervorheben darf ich die fünf Kranzgewinne, der dritte Rang am Schwyzer Kantonalen, den Kranzgewinn am Freiburger und den vierten Kranz in Serie am Luzerner. Bei den Bergfesten lief es nicht optimal und den Brünigschwinget verpasste ich wegen einer gequetschten Rippe. Am ersten Schwingfest, dem Abendschwinget Weggis, stand ich im Schlussgang und das letzte Schwingfest in Siebnen habe ich gewonnen.»

Apropos Saisonbilanz: Hat sich das Team Innerschweiz nach einem nicht sonderlich guten Auftritt am Kilchberger Schwinget bereits zu einer Nachbesprechung getroffen?

«Nein, noch nicht. Am Samstag in einer Woche trifft sich das Kilchberger- und das ENST-Team zu einem Abschluss-Anlass. Dabei wird Rückblick und Ausblick gehalten. Ich habe das Gefühl, dass die Saison mit der konzentrierten Reihe an Kranzfesten falsch aufgebaut war. Beim «Innerschweizerischen» beispielsweise gab es viel mehr Verletzungen als üblich, und das Innerschweizer Team wurde ganz allgemein am härtesten von der Verletzungshexe heimgesucht. Das hatte auch zur Folge, dass am Kilchberger einige angeschlagen angetreten sind. Die ganze Situation war einfach unglücklich.»

Du hast deinen ersten Kranz 2010 beim Schwyzer Kantonalen in Lachen gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?

«2016 war meine erfolgreichste Saison. Die Highlights waren der Sieg am Schwyzer Kantonalen sowie die Kranzgewinne auf dem Brünig, auf der Schwägalp und beim Teilverbandsfest der Südwestschweizer. Am ESAF in Estavayer durfte ich dreimal um den Kranz schwingen, und hätte einen Gang davon gewinnen müssen. Es hat leider nicht sein sollen.»

Am 29. Juni 2022 wirst du 31 Jahre jung. Das ideale Alter für den ersten eidgenössischen Kranz?

«Ideal wäre vorher, optimal für die schwingerische Laufbahn als 25-Jähriger. Ich werde schon länger wie ein «Eidgenosse» eingeteilt. Darum würde es für mich nach einem möglichen Kranzgewinn in Pratteln nicht viel anders laufen.»

Was meinst du, in welchen Bereichen müsstest du noch zulegen, um tatsächlich mit einem ESAF-Kranz von Pratteln heimkehren zu können?

«Ich spürte am «Kilchberger», dass schon noch etwas drin liegen würde. Denn: Wie bereits erwähnt, habe ich im Hinblick auf diese Saison nicht übermässig viel gemacht und hauptsächlich meine Familie genossen. Mein Ziel für 2022 ist, einen sauberen Aufbau über den Herbst/Winter zu machen. Dabei konsequent dranzubleiben, und die Trainings konstant und gezielt zu bestreiten. Der mentale Bereich ist für mich die grösste Herausforderung. Dieses Jahr habe ich nichts in diese Richtung gemacht, was ich in der Vergangenheit aber schon tat und in Zukunft wieder in meine Vorbereitung aufnehmen werde. Dann könnte der ESAF-Kranz drin liegen.» 

feldwaldwiesenblogger

Christian Schuler startet als Topfavorit – Vorschau auf den 51. Herbstschwingertag Unteriberg

Text: Werner Schönbächler / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Samstag, 2. Oktober wird mit dem Herbstschwingertag in Unteriberg die Freiluftsaison der Innerschweizer abgeschlossen. Es dürfte noch einmal zu einer interessanten Ausmarchung kommen. 

Das Programm lädt nebst dem Schwingfest auch zum Verweilen im Festzelt mit Live-Ländlermusik

Bild: Schwingklub Einsiedeln

Schlussstrich unter die verkürzte aber intensive Saison

Eine Woche nach dem prächtigen Kilchberger Schwinget wird am kommenden Samstag ein Schlussstrich unter die wegen der Corona-Pandemie verkürzte, aber intensive Saison gezogen. Ausser den Rangschwingfesten im Frühling wurden alle Kranzfeste der Innerschweiz innert neun Wochen abgewickelt, was die Wettkämpfer viel Substanz gekostet hat. Die Organisatoren, unter der Leitung von Michael Hess, haben alle Vorkehrungen getroffen, damit neben den Aktiven auch das Publikum auf die Rechnung kommt. Coronabedingt können sich 500 Personen auf dem Festgelände aufhalten. 

Christian Schuler (links) und sein Bruder Philipp standen bei der letzten Austragung 2019 im Schlussgang. Der Sieger hiess damals Christian Schuler.

Bild: feldwaldwiesenblogger

Christian Schuler zum sechsten Mal?

Der fünffache Eidgenosse Christian Schuler nimmt das Fest als Topfavorit in Angriff. Ein sechster Sieg in Unteriberg wäre nach einer starken Saison mit den Siegen am Schwyzer sowie Freiburger Kantonalen und dem Gewinn des 100. Kranzes keine Überraschung. Am «Kilchberger» verpasste er die mögliche Schlussgangteilnahme mit einem «Gestellten» gegen Schwingerkönig Kilian Wenger. Bereits 2014 redete Christian lange Zeit um den Tagessieg mit. Aus den eigenen Klubreihen darf der Rothenthurmer auf die Unterstützung von Adrian Steinauer, welcher seine gute Form mit dem Sieg beim Herbstschwingertag Siebnen unter Beweis gestellt hat, Alex Schuler, Roland Kälin, Markus Effinger, Christian Lagler und Daniel Schuler zählen. Und: Wer weiss, vielleicht gelingt gar Oldie Philipp Schuler ein Exploit. Dieser stand nämlich 2019 zusammen mit seinem Bruder Christian im Schlussgang.

Gefährliche Konkurrenten

Weitere gefährliche Konkurrenten aus dem Kanton Schwyz sind der schwingkundige Ueli Hegner, Joel Kessler, Andreas Gwerder und Lukas von Euw. Aus dem Innerschweizer Verbandsgebiet verdienen die Kranzer Christian und Thomas Bucher sowie Christian Wyss Beachtung. Der mehrfache Kranzer Nicola Funk führt ein Trio aus dem Zürcher Oberland an. Bis kurz vor Beginn um 12 Uhr sind Anmeldungen noch möglich. Die Organisatoren hoffen, dass davon noch Gebrauch gemacht wird. 

feldwaldwiesenblogger

Vorschau eines grossen Fans auf den Kilchberger Schwinget

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute Morgen habe ich zu mir gesagt: Was soll man jetzt noch gross über den Kilchberger Schwinget schreiben? Gefühlt in fast jeder Zeitung und in jedem Online-News-Portal stehen Vorschauen, Einschätzungen und verschiedene spannende Geschichten zu diesem Saisonhöhepunkt. Auf meinem Schwinger-Blog habe ich diese Berichte fleissig geteilt. Und: Ich habe mich beim Lesen dieser Beiträge als wohl einer der grössten Schwingfans des Landes ertappt… Aus dieser Motivation heraus betreibe ich nämlich den Schwinger-Blog und betrachte unseren Nationalsport aus der Warte des Fans.

Der für gewöhnlich alle sechs Jahre stattfindende Kilchberger Schwinget kennt seine eigenen Gesetze und die bisherigen Sieger waren allesamt Ausnahmekönner

Bild: Luzerner Zeitung

Eigene Gesetze

Wie bereits erwähnt: Viele Vorschauen wurden verfasst, die Spitzenpaarungen landauf-landab diskutiert und die Favoriten erkoren. Nun gilt es ernst für die 60 besten Schwinger des Landes. Der traditionelle Kilchberger Schwinget kennt seine ganz eigenen Gesetze. Hier werden Helden geboren, Erfolgsgeschichten geschrieben und viel Stoff für Generationen produziert.

Ausnahmekönner

Die bisherigen Sieger waren allesamt Ausnahmekönner aus jener Epoche. Auch diesmal wird der Beste zuoberst stehen. Denn: Einzelne Überraschungen sind möglich, der «Kilchberger» ist aber über alles gesehen das härteste Schwingfest und lässt kaum einen Aussenseiter- oder Überraschungs-Sieg zu.

Hochkarätiges Teilnehmerfeld – absolute «Knüller-Paarungen»

Trotz verletzungsbedingten Ausfällen in allen fünf Teilverbänden steht ein hochkarätiges Teilnehmerfeld am Start. Jede Paarung wäre an jedem anderen Schwingfest eine sogenannte Spitzenpaarung. Apropos Spitzenpaarungen im ersten Gang: Stefan Strebel, TK-Chef vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV), stellte absolute «Knüller-Paarungen» zusammen. Man kann und darf bei der Einteilung anderer Meinung sein. Schlussendlich muss aber jeder den ihm zugeteilten Gegner erstmal bezwingen, um sich Schritt für Schritt dem Sieg, oder in diesem Fall dem Schwinger-Olymp, zu nähern.

Blick in die Kristall-Kugel

Riskiert man eine Prognose, kommt man nicht um die heutige «Bote der Urschweiz»-Schlagzeile umhin, die da lautet: «Giger, Wicki oder doch wieder ein Berner?». Der siebenfache Saisonsieger Samuel Giger ist morgen klar Favorit, der Festsieg wird über ihn laufen. Sein erster Herausforderer wird der wieder genesene Joel Wicki sein. Schwingt der Sörenberger wie am ESAF 2019 in Zug, dann steht er im Schlussgang. Und: Viel hängt davon ab, wie die Begegnung zwischen Giger und Wicki beim Anschwingen verläuft. Einer der beiden Topfavoriten, oder gar beide, werden bereits im ersten Gang Punkte lassen. Das kommt den stets brandgefährlichen Bernern zugute. Gewinnt Kilian Wenger seinen ersten Gang, und kommt hinterher in einen Superlauf wie anno 2010 in Frauenfeld, dann könnte der Sieger am Ende des Tages durchaus Wenger heissen. Die diesjährige Saison mit Siegen auf dem Brünig und am Bernisch-Kantonalen macht den Schwingerkönig zu einem heissen Kandidaten.

Der Sieger von 2014 hiess Matthias Sempach, im Schlussgang bodigte er mit einem Blitzsieg Philipp Laimbacher

Bild: Aargauer Zeitung

Sind Staudenmann und Aeschbacher bereit für den grossen Wurf?

Hinter den drei meistgenannten Topfavoriten lauern einige Spitzenschwinger, allen voran Fabian Staudenmann und Matthias Aeschbacher. Aeschbacher zeigte zuletzt am NOS in Mels, das mit ihm absolut zu rechnen ist. Der Emmentaler ist in meinen Augen so weit gereift, dass er ein möglicher Kandidat für den Schlussgang sein könnte. Staudenmann ist für den Schreibenden der eigentliche Geheimfavorit. Straucheln die bereits genannten, könnte der junge Berner Mittelländer quasi erben und seine eigenen Stärken ausspielen. Und diese konnte Fabian in dieser Saison einige Male erfolgreich einsetzen.

Wie werden sich die jungen wilden Toggenburger schlagen?

Der zweifache Bergfestsieger Damian Ott gehört ebenfalls zur Kategorie «Geheimfavorit», ebenfalls der erst 19-jährige Werner Schlegel. Allerdings fehlt es beiden trotz super Ergebnissen in dieser Saison noch ein wenig an Konstanz. Für einen so bedeutenden Festsieg ist es wohl noch zu früh, für eine Spitzenklassierung sind sie aber alleweil bereit.

Nick Alpiger und die starken Nordwestschweizer Mannen als Spielverderber?

Die Nordwestschweizer Delegation darf man durchaus als Spielverderber sehen. Allen voran Nick Alpiger: Dass der junge Aargauer an einem einzelnen Tag grosses zu leisten vermag, bewies er 2019 am «Innerschweizerischen» in Flüelen, und zu Beginn des «Eidgenössischen» in Zug als er Samuel Giger bodigte. Allerdings: Ist Nick nach der in dieser Saison erlittenen Fussverletzung und der Corona bedingten Pause in der körperlichen Verfassung wie 2019?

Und die Innerschweizer?

Die Innerschweizer sind diesmal Aussenseiter. Der Erfolgsdruck lastet auf dem Team der Nordostschweizer und der Berner. Dies könnte einigen vom ISV-Team Flügel verleihen, allen voran Joel Wicki. Kommt der Erstgekrönte in einen Lauf, könnte Joel am Abend gar zuoberst stehen. Seit dem Sieg am Luzerner Kantonalen hat man den Eindruck, dass er wieder parat ist. Überhaupt: Es würde wohl niemanden überraschen, wenn morgen der erste und letzte Gang Samuel Giger gegen Joel Wicki heissen würde. Im Sog von Joel’s möglichem Siegeszug könnten Athleten wie Sven Schurtenberger, Christian Schuler, Mike Müllestein oder Benji von Ah ebenfalls in der Lage sein mit Topleistungen an der Spitze mitzumischen.

Die Südwestschweizer leider ohne ihren Leader

Die vier Südwestschweizer Akteure müssen leider auf ihren Leader Lario Kramer verzichten. Inwieweit Benjamin Gapany, Steve Duplan, Romain Collaud und Mickael Matthey das Geschehen an der Spitze mitzuprägen vermögen, bleibt abzuwarten. Wie der «SCHLUSSGANG» in seiner Sonderausgabe schreibt, sind sie aber allemal fähig für ein paar wirkungsvolle Nadelstiche. Und diese mag man dem kleinsten der fünf Teilverbände von Herzen gönnen

Der siebenfache Saisonsieger Samuel Giger hat das nötige Rüstzeug für einen «Kilchberger» Sieg

Bild: Bote der Urschweiz

Giger hat ein starkes Team im Rücken

Läuft alles wie so oft in dieser Saison, heisst der Sieger am Ende Samuel Giger. Der Thurgauer Ausnahmekönner hat nun das nötige Rüstzeug und ist fähig, den Schwinger-Olymp zu besteigen. Samuel hat seine Lektion aus Zug gelernt und inzwischen im mentalen Bereich zugelegt. Weiter hat der 23-Jährige an seiner Vielseitigkeit gearbeitet und sein wuchtig gezogener Kurz ist nach wie vor ein Erfolgsgarant. Zudem hat Samuel ein starkes Team im Rücken, einer davon ist der 10-fache Saisonkranzer und Klubkollege Domenic Schneider. Ein sicherer Wert, welcher im Stand ist mit den allerbesten mitzuhalten. Unterstützung erfährt der mittlerweile 22-fache Kranzfestsieger aber auch von den formstarken Nordostschweizer Eidgenossen Samir Leuppi, Roger Rychen und Michael Bless. Und nicht zu vergessen: Die bereits erwähnten Damian Ott und Werner Schlegel. Diese beiden Jungspunde sind jederzeit in der Lage, einen arrivierten Spitzenschwinger zu bezwingen.

So oder so: Die Ausgangslage ist äusserst spannend und die Schwingerfreunde dürfen sich auf viele heisse Duelle freuen. Der Schreibende reist wie eingangs erwähnt als grosser Fan nach Kilchberg und berichtet auf dem Schwinger-Blog über das Geschehen auf und rings um die beiden Schwingplätze. Wie die Schwingerfamilie ist auch Petrus bereit für einen strahlend schönen Kilchberger Schwinget 2021. Mein grösster Wunsch: Dass sich morgen keiner der 60 Schwinger verletzt. Und: Der Beste möge gewinnen!

feldwaldwiesenblogger

Ein fast «normaler» Siebner Herbstschwingertag

Am Sonntag, 26. September führt der Schwingklub March–Höfe (SKMH) den 83. Herbstschwingertag Siebnen unter sehr erschwerten Bedingungen durch. Um endlich wieder einmal ein normales Schwingfest mit Zuschauern und ohne Schutzmasken zu erleben, wird der Anlass strikt nach dem 3G-Konzept durchgeführt.

Text und Foto: Hansruedi Ulrich (Pressechef SKMH) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Die leidige Covid-Szenerie hat die Schwingsaison 2021 richtig schmucklos, hektisch und unübersichtlich aussehen lassen. Die ersten Feste hatten ohne Zuschauer einen richtig tristen Charakter. Mit der Zeit waren wieder Zuschauer erlaubt, sofern man ein Covid-Zertifikat vorweisen konnte. Eine Tatsache an der sich bis heute leider die Geister scheiden. Das mit Abstand wichtigste aber war, dass alle Schwinger wieder ihrer Leidenschaft frönen durften. Sieger konnten gekürt und Kränze herausgeschwungen werden. Ein Vereinsleben, verbunden mit sportlichem Ehrgeiz sowie musikalischen, kulturellen und kameradschaftlichen Stunden, ist in unserem Land genau so wichtig wie die Luft zum Atmen. Eine Bevölkerung, die im Vereinsleben seit ewiger Zeit ihre Befriedigung und Ansporn findet, entweder als aktiver Teilnehmer oder geniessender Zuschauer, ist einfach zufriedener, ausgeglichener und krisenresistenter. Genau darum ist es wichtig, das Vereinsleben zu unterstützen, auch wenn man dabei halt einmal eine etwas unappetitliche Suppe essen muss.

Die drei Lebendpreise mit ihren Züchtern und Spendern

Zutritt aufs Festgelände nur mit gültigem Covid-Zertifikat

Für den Schwingklub March–Höfe war klar, dass man nach einem Jahr Abstinenz den beliebten Herbstschwingertag Siebnen wieder durchführen will. Wenn möglich so normal wie immer, mit Zuschauern und ohne Einschränkungen im Festablauf. Aber: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Zertifikat leider nicht möglich. Das Kern-OK unter der Leitung von Präsident Benno Züger hat etliche mühsame Stunden in die Vorbereitung des Festes gesteckt. Einige brauchten Nerven wie Drahtseile um die Odyssee der Ämter und Behörden für die notwendigen Bewilligungen zu überstehen. Längst nicht alle OK-Mitglieder waren einverstanden mit dieser Art Zuschauerbehandlung. Einige taten sich schwer mit diesen Richtlinien, mit der Tatsache, dass Zuschauer mit einer anderen Einstellung draussen bleiben müssen. Einige dachten es still für sich, andere brachten es offen zum Gespräch. Aber alle internen Kritiker sahen die Realität vor Augen, ohne 3G ist momentan ein normales Schwingfest leider nicht durchführbar. Und sie respektierten den grossen Einsatz ihrer Kameraden und unterstützen das geplante Schwingfest trotz ihrer eigenen Widersprüche. So dürfen alle, die ein gültiges Zertifikat vorweisen können, sich auf ein normales Schwingfest freuen. Etwas, dass dieses Jahr Seltenheitswert besitzt. Die Schwinger jedenfalls honorieren den grossen Einsatz des SKMH. Mit über 130 Schwingern haben sie sich so zahlreich angemeldet wie schon lange nicht mehr. Darunter befinden sich die Eidgenossen und ehemaligen «Siebnen»-Sieger Willi Graber, Stefan Burkhalter und Reto Nötzli sowie weitere knapp 50 Kranzschwinger. 

Gratis-Testmöglichkeiten vor Ort

In Siebnen gibt es an zwei Tagen die Möglichkeit, sich gratis testen zu lassen, um ein Zertifikat zu erhalten. Am Samstag in der alten Turnhalle beim Stockbergareal von 14.00 bis 20.00 Uhr, und am Sonntag auf dem Festgelände des Schwingfests von 06.00 bis 12.00 Uhr. Wichtig: Mitzubringen sind ein Krankenkassenausweis und ein gültiger Ausweis oder eine Identitätskarte. 

Stier «Hector» sticht heraus

Gabenchef Michael Gemperli und seine fleissigen Mitsammler waren positiv überrascht wie erfolgreich die Gabensammlung abgelaufen ist. Sie können den Schwingern und Zuschauern einen prächtigen Gabentempel präsentieren. Die Prunkstücke daraus sind die drei Lebendpreise. Der Siegerstier Hektor wurde gespendet von Roman Kohler (Hagedorn AG, Pfäffikon). Als zweiter Preis winkt das Rind Ragusa, gespendet von Barbara Krieg (Gasthaus Kapellhof, Tuggen) und von Guido Vogt (Balz Vogt AG, Wangen). Als dritter Lebendpreis steht das Kalb Utta bereit, der Spender ist Edi Diethelm (Diethelm Bauplanung GmbH, Tuggen). Mit vielen weiteren schönen Gaben wird der reichhaltige Gabentempel abgerundet. Der Schwingklub March-Höfe bedankt sich bei allen Spendern recht herzlich.  

Der Beginn des Schwingfestes ist auf 08.30 Uhr angesetzt. Den Festbesuchern wird wie jedes Jahr Feines aus der Festwirtschaft und urchige Folklore geboten. Ein Verschiebedatum ist nicht geplant. Ab 06.00 Uhr kann man sich am Festtag auf www.skmh.ch oder der Nummer 1600 über die Durchführung des Festes informieren. Es bleibt zu hoffen, dass OK-Präsident Benno Züger auch dieses Jahr wieder einen guten Draht zu Petrus findet. Der SKMH würde sich freuen, trotz der ungewöhnlichen Umstände möglichst viele Besucher in Siebnen begrüssen zu können. 

feldwaldwiesenblogger

Andreas Döbeli zeigte am Nordwestschweizer Schwingfest eine abgeklärte und taktisch reife Leistung

Text: feldwaldwiesenblogger

Andreas Döbeli gewann vor Wochenfrist überzeugend das Nordwestschweizer Schwingfest in Zunzgen BL. Am eigenen Teilverbandsfest bot er dem Schwingerkönig Kilian Wenger Paroli und bezwang im Schlussgang den formstarken Verbandskollegen Patrick Räbmatter. In der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, belegt Andreas derzeit den hervorragenden 10. Platz und ist dabei gleich hinter Kilian Wenger und vor Kilian von Weissenfluh rangiert. Und: Der Aargauer Eidgenosse ist gemäss dieser Wertung der beste Nordwestschweizer Schwinger in dieser Saison.

Sehr gute Bilanz

Die Kranzfestsaison ist für Andreas nun abgeschlossen. Es resultieren sechs Kränze (ein Teilverbands-, zwei Berg- und drei Kantonalkränze), der erwähnte Kranzfestsieg, eine weitere Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und fünf Topklassierungen. Einzig beim Innerschweizer Schwing- und Älplerfest und beim Rigi-Schwinget kehrte der mittlerweile 22-fache Kranzschwinger ohne Kopfschmuck heim.

Gespräch mit spannenden Stichworten

Der Schwinger-Blog führte mit dem glücklichen Nordwestschweizer Sieger ein Gespräch und sprach ihn beispielsweise auf die abgeklärte und taktisch reife Leistung in Zunzgen an. Weiter kamen verschiedene spannende Stichworte wie «Räbi», der Kilchberger Schwinget, Athletiktrainer Tommy Herzog, das ESAF 2022 in Pratteln und der Beruf von Andreas zur Sprache.

Andreas Döbeli sagt: «Mit dem Kranzfestsieg zum Abschluss, der Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und mit dem errungenen Brünigkranz bin ich mit der Saison sehr zufrieden.»

Bild: Andreas Döbeli

Herzliche Gratulation zum Sieg in Zunzgen! Wie war die Gefühlslage nach dem Sieg?

«Herzlichen Dank. Für mich war es unbeschreiblich schön, das erste Mal so an einem grossen Kranzfest gewinnen zu können. Es war einfach super!»

Du hast am Nordwestschweizer Schwingfest eine abgeklärte und taktisch reife Leistung gezeigt. Auf was führst du das zurück?

«Das hat mit der Erfahrung zu tun, welche nun langsam kommt. Weiter auch mit besserer Kenntnis der Gegner. Zudem habe ich aus meinen Fehlern gelernt und konnte dadurch locker in den Wettkampf gehen.»

Stichwort «Räbi»: Wie bezwingt man eigentlich einen gut 150 Kilogramm schweren Schwinger wie Patrick Räbmatter? Denn: Dem Schreibenden fiel auf, dass du es mit Kurz gar nicht erst probiert hast, stattdessen dreimal mit innerem Haken, beim dritten Mal warst du erfolgreich. Stammt dieses Erfolgsrezept vom gemeinsamen Training?

«Nein, eigentlich nicht. Ich habe «Räbi» noch nie in einem Training mit diesem Schwung bezwungen. Mit einem Kurz hätte ich mich zu unsicher gefühlt, ich stellte dies bereits beim Greifen fest. Beim ersten Versuch mit innerem Haken fiel «Räbi» auf die Seite, und ich konstatierte, dass es so gehen könnte. Mir war bewusst, dass es etwas Geduld brauchen würde. Schliesslich ging es dann auf.»

Du hast eine starke Kranzfest-Saison mit sechs Kränzen hinter dir. Ausser beim ISAF und Rigi-Schwinget holtest du bei jedem von dir bestrittenen Kranzfest den begehrten Kopfschmuck. Wie beurteilst du rückblickend deine Saison?

«Mit dem Kranzfestsieg zum Abschluss, der Schlussgang-Teilnahme auf dem Weissenstein und mit dem errungenen Brünigkranz bin ich mit der Saison sehr zufrieden. Mein Ziel war es, in dieser Saison meinen ersten Bergkranz zu gewinnen. Das habe ich nun erreicht. Beim ISAF und beim Rigi-Schwinget hatte ich eine kleine Baisse und das Wettkampfglück war nicht auf meiner Seite. Auf dem Weissenstein lief es dann wieder rund. Es ist schön, dass ich wieder einen Schritt nach vorne tätigen konnte. Ich versuche mich, mit kleinen Schritten an die Spitze zu bewegen. Ich hatte auch das Glück, dass ich nie verletzt war und immer trainieren konnte.»

Stichwort Kilchberger Schwinget: Man darf dich durchaus als Geheimfavoriten handeln. Wie sehen deine Ambitionen für den Saisonhöhepunkt aus?

«Ich glaube nicht, dass ich dort zu den Geheimfavoriten gehöre. Der Festverlauf ist zudem schwierig abzuschätzen. Ich werde von Beginn weg, ohne gross abzuwarten, Gas geben und dabei versuchen, meine Gänge zu gewinnen. Wenn es gut läuft, kann es durchaus weit nach vorne gehen. Es zählt nur der Sieg, Kränze kann man keine gewinnen. Ich bereite mich auf diesen Anlass wie auf jedes andere Kranzfest vor.»

Andreas Döbeli hatte seinen Kontrahenten Patrick Räbmatter im Schlussgang vom Nordwestschweizer Schwingfest in festen Griffen

Bild: Andreas Döbeli

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Mit meinem Arbeitspensum und der Weiterbildung, welche ich zurzeit absolviere, bringe ich nicht mehr Zeit auf fürs Training. Ich habe aber Dinge in meinen Alltag eingebaut, die auf die Erholung abzielen. Dazu gehören einmal pro Woche ein Besuch in einer Eiskammer (drei Minuten bei -110 Grad Celsius), des weiteren Physiotherapie und Massage. Das sind vielleicht die Gründe, dass ich ohne grosse Blessuren und Schmerzen an die Schwingfeste fahren konnte. Ich habe zudem dann und wann ein Training ausgelassen, wenn ich mich nicht gut gefühlt habe. Ich verdanke überdies viel meinem Athletiktrainier Tommy Herzog, er hat ein gutes Feingefühl für die Trainingsgestaltung.»

Stichwort Tommy Herzog: Was macht der Athletik-Trainer mit euch Schwingern, dass seine Schützlinge so befreit und stark schwingen?

«Er pflegt einen guten Umgang mit uns Schwingern und besitzt ein gutes Gespür dafür, in welcher Situation die richtige Belastung stimmt. Dank der Zusammenarbeit mit Tommy braucht es keinen Mentaltrainier. Er findet die richtigen Worte und spricht die entscheidenden Punkte an. Tommy hat mittlerweile viel Erfahrung mit uns Schwingern. Zudem findet bei ihm im Training ein reger Austausch mit anderen Schwingern statt. Am Freitag trainieren wir jeweils gemeinsam mit Christian Stucki. Das ergibt einen guten Spirit und eine grossartige Trainingsatmosphäre.»

Stichwort ESAF in Pratteln: Der Schwingerkönig-Titel ist für dich nicht ganz unerreichbar. Was meinst du, in welchen Bereichen müsstest du noch zulegen?

«Um das anzustreben, müsste ich im Kraft- und Athletikbereich noch besser werden. Ich bin kraftmässig sicher gut, aber nicht top. Ich spüre das beim Vergleich mit anderen Athleten. Schwingtechnisch gesehen müsste ich noch vielseitiger werden. Es besteht zudem die Frage: Würde das Potential bei meinen Voraussetzungen reichen?»

Stichwort Beruf: Was arbeitest du, und wie sieht dein Pensum aus?

«Ich arbeite zu 70 Prozent im Betrieb meines Vaters, dieser ist auf die Legehennen-Brüterei spezialisiert. Ich bin zuständig für die Planung und das Qualitätsmanagement. Zudem bin ich in einem 30 Prozent Pensum in unserem familieneigenen Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt, welchen ich dereinst übernehmen werde. Wie bereits erwähnt, absolviere ich eine Weiterbildung. In einer höheren Fachschule lasse ich mich zum Agrokaufmann ausbilden. Dafür drücke ich jeweils am Samstag die Schulbank. Mein wöchentliches Arbeitspensum beträgt also 100 Prozent. Der Vorteil dabei ist, dass es sich um ein flexibles Pensum handelt.»

Bleiben neben der Arbeit und der Weiterbildung sowie dem Schwingsport noch Zeit für Hobbys?

«Grundsätzlich schon, man muss sich dafür nur die nötige Zeit nehmen. Im Winter fahre ich gerne Ski. Die Arbeit auf unserem Bauernhof erachte ich als Hobby und Ausgleich. Weiter verbringe ich möglichst viel Zeit mit meiner Freundin, was nun einfacher ist, seit wir zusammenwohnen. Es ist alles eine Sache der Organisation. Und: Schwingen ist meine Leidenschaft und in dem Sinne mein grösstes Hobby. Ich verdiene mein Geld nicht mit diesem Sport.»

feldwaldwiesenblogger

Das starke Comeback von Nick Alpiger ist eine der schönsten Geschichten, welche der Schwingsport bisher in diesem Jahr schrieb

Text: feldwaldwiesenblogger

«Alpiger zu Tränen gerührt» schrieb der BLICK nach dem Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest. Und: «Ich kann es fast nicht in Worte fassen, was dieser Sieg für mich bedeutet!», erklärt Nick Alpiger auf Facebook. Der Nordwestschweizer Team-Leader kehrte nämlich letzten Sonntag in Muttenz wieder auf die Siegerstrasse zurück und gewann in überzeugender Manier. Das starke Comeback von Nick Alpiger nach einer anfangs Saison erlittenen Verletzung ist eine der schönsten Geschichten, die der Schwingsport dieses Jahr schrieb. Anhand der Emotionen nach dem Schlussgang konnte man ein Stück weit erahnen, wie erleichtert Nick war. Denn die Zwangspause verhinderte dem Maurer eine Zeit lang was er am liebsten macht: Schwingen.

Drei Eidgenossen bezwungen

Am «Basellandschaftlichen» bodigte der Aargauer Eidgenosse der Reihe nach Oliver Hermann, Adrian Walther, Andreas Döbeli, Michael Mangold, David Schmid und im Schlussgang Joel Strebel. Das Notenblatt von Nick zählte am Schluss 59.75 Punkte, ein «Vierteli» fehlte zum Punktetotal. Zudem bezwang er drei Eidgenossen, allesamt Aargauer Verbandskollegen. 

Konter führte zum Erfolg im Schlussgang

Im Schlussgang konnte der nun mittlerweile sechsfache Kranzfestsieger abwarten und die Kurz-Angriffe von Strebel parieren. Denn ein «Gestellter» hätte ihm gereicht. So weit kam es aber nicht: Nach rund zehn Minuten setzte sein Kontrahent einen Inneren Haken an. Dabei konterte Nick und brachte Strebel mittels Überstossen aus dem Gleichgewicht und auf den Rücken.

Nachgefragt bei Nick Alpiger

Der Schwinger-Blog fragte darum beim glücklichen Sieger nach und wollte wissen, wie die Gefühlslage nach dem Sieg in Muttenz war, wie die Heilung nach der Verletzung verlief und was beim Kilchberger Schwinget drin liegt. Weiter wie man sich den Alltag von so einem leidenschaftlichen Schwinger vorstellen muss. Und: Hat Nick den Trainingsumfang nach dem «Eidgenössischen» in Zug eigentlich verändert? Beim Telefongespräch war der 45-fache Kranzschwinger am Hallwilersee und frönte seinem Hobby Fischen.

Nick Alpiger, der glückliche Sieger vom «Basellandschaftlichen» erklärt auf Facebook: «Ich kann es fast nicht in Worte fassen, was dieser Sieg für mich bedeutet!»

Bild: David Sigg

Herzliche Gratulation zum Sieg beim Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest! Wie war die Gefühlslage nach deinem sechsten Kranzfestsieg?

«Danke vielmals! Für mich war es sehr schön und ich war einfach nur glücklich, dass ich wieder ein Schwingfest gewinnen konnte. Der Weg nach dem Eidgenössischen bis zum Sieg in Muttenz war für mich nicht immer einfach. In dieser Zeit habe ich Verletzungen auskuriert, war oft bei der Physiotherapie und habe viel allein trainiert. Ich konnte dabei immer auf die Unterstützung meine Familie zählen. Der Kranzfestsieg letzten Sonntag ist die Bestätigung dafür, dass es sich gelohnt hat diesen Weg zu beschreiten. Als Hauptprobe vor dem «Basellandschaftlichen» bestritt ich den Homberg-Schwinget, um zu schauen, ob wieder alles einwandfrei funktioniert. In Muttenz trat ich ohne Druck an. Ich empfand einfach grosse Freude, dass ich wieder das machen kann, was ich am liebsten mache.»

Der Start in die 2021er-Saison verlief beim Aargauer Kantonalen verheissungsvoll. Doch dann kam eine Woche darauf die Verletzung am Solothurner Kantonalen. Was war dort passiert?

«Ich zog mir am Solothurner Kantonalen eine Fussverletzung zu, dabei wurde das vordere Syndesmoseband beschädigt. Dadurch konnte ich sechs Wochen nicht trainieren.»

Verlief die Heilung problemlos? Ab wann konntest du wieder trainieren?

«Ich war bei der erforderlichen Physiotherapie in sehr guten Händen. Die Heilung verlief dadurch optimal. Ich ging nach der Verletzung während vier Wochen an Stöcken. Dann erfolgte während zwei Wochen ein gezielter Aufbau und schon stand der Homberg-Schwinget auf dem Programm.»

Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt bist du wieder in bestechender Form. Was liegt drin am Kilchberger Schwinget?

«Das wird ein ganz hartes Fest, und es geht eigentlich nur um den Tagessieg. Ich versuche mich gut vorzubereiten, um dann parat zu sein. Mein Ziel ist, dass ich an diesem Tag ohne Druck und unbeschwert schwingen kann. Was dabei herausschaut, wird sich zeigen. Aber: Zuerst stehen für mich noch das Nordwestschweizer und das Nordostschweizer Schwingfest auf dem Programm.»

Blickt man kurz zurück, darf man dich zu den Topfavoriten am «Kilchberger» zählen. Denn: Du bist nebst René Suppiger der bisher letzte Schwinger, welcher Samuel Giger eine Niederlage (ESAF 2019 in Zug, 1. Gang) zugefügt hat. Wie hast du das geschafft?

«Ich ging ohne Druck ans ESAF in Zug, und es war für mich eine Riesenehre und Freude dort zu schwingen. Ich habe dabei probiert, mein Bestes zu geben. Ich konnte Samuel auf einen Zug abkontern. Er griff mit Gammen an und ich fing ihn mit Lätz ab. Am Boden hatte ich gute Griffe, und konnte ihn schliesslich bezwingen.»

Nick Alpiger im energischen Zweikampf mit dem Aargauer Eidgenossenkollegen David Schmid

Bild: Facebook / Pascale Alpiger

Mit dem Sieg am «Basellandschaftlichen» unterstreichst du einmal mehr, dass du der Team-Leader in der Nordwestschweiz bist. Ist das für dich Bürde oder Würde? 

«Das ist für mich eine Würde und es ist für mich zugleich eine Ehre, dass ich zu den Stärksten in der Nordwestschweiz gehöre. Die Dichte bei uns ist allerdings nicht so gross wie bei den Bernern, Innerschweizern und Nordostschweizern. Und: Joel Strebel, Patrick Räbmatter und Andreas Döbeli haben in dieser Saison grossartige Schwingfeste gezeigt und führen unseren Teilverband ebenfalls an. Wir sind ein gutes Team.»

Bei dir spürt man aus jeder Faser: Das Schwingen ist dein Leben und deine Leidenschaft. Wie müssen sich Aussenstehende deinen Alltag, eingebettet im Schwingsport, vorstellen?

«Ich ordne dem Schwingen alles unter. Mein Alltag dreht sich um den Schwingsport und ich wäge jeweils ab, ob diese oder jene Tätigkeit gut oder schlecht fürs Schwingen ist. Ich denke fast den ganzen Tag nur ans Schwingen, und gehe mit grosser Freude an die Trainings und die Schwingfeste. Ich versuche mit Technik und Gefühl zu schwingen, weniger mit Rohkraft. Ich bin darum froh um Trainings mit Patrick Räbmatter und David Schmid, beides sind starke und kräftige Schwinger. Mein Trainingsschwerpunkt gilt dem Schwingen, das Krafttraining ist Zusatz. Meine Arbeit als Maurer ist anstrengend und fordert mich körperlich. Während der Corona-Pause war ich viel im Kraftraum, das hat sich nun wieder geändert.»

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Ich habe mich professionalisiert, dabei Neues ins Training integriert. Wie bereits angesprochen trainiere ich nun vermehrt auch im Kraftraum. Ich ging zudem eine Zeitlang ringen. Ich versuche stets neue Impulse zu setzen, damit es nicht langweilig wird, und ich vorwärtskomme.»

Wie viele Trainingszusammenzüge wird das Nordwestschweizer Team bis zum Kilchberger Schwinget noch bestreiten? Und: Wirst du bis zum Saisonhöhepunkt zudem eine spezielle Vorbereitung absolvieren?

«Geplant sind noch zwei Zusammenzüge, unser Technischer Leiter Guido Thürig ist dabei bedacht, professionelle Trainings zusammenzustellen. Nach dem Nordwestschweizer Schwingfest wird der Kader zusammengestellt. Vor dem «Kilchberger» werden wir uns dann sicher nochmals treffen und den Anlass im Detail besprechen. Eine spezielle Vorbereitung ziehe ich nicht in Betracht, ich versuche alles gleich zu halten und gebe Vollgas im Training. Ich freue mich einfach, dass ich wieder schwingen kann. Mein Leitmotiv ist: Das bestmögliche Geben und dann kommt’s gut. Vorderhand zählt momentan aber die Vorbereitung auf die bereits angesprochenen Teilverbandsfeste der Nordwestschweizer und der Nordostschweizer.»

Wie gross sieht dein Pensum als Maurer aus? Und: Bleibt da noch Zeit für Hobbys neben dem Schwingsport?

«Ich arbeite in einem 80 Prozent Pensum von Montag bis Donnerstag. Da ich am Freitag frei habe, liegt am Donnerstagabend ein Auswärtstraining drin. Das Fischen ist mein grosses Hobby, welches ich während der Saison nicht so oft pflegen kann wie ausserhalb der Saison. Das Fischen ist für mich ein guter Moment, um abzuschalten. Ich gehe überdies gerne vor Schwingfesten fischen. Zudem schaue ich auf genügend Schlaf. Dies ist schlussendlich die beste Erholung.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Marcel Bieri, dem Sieger vom Zuger Kantonalen

Text: feldwaldwiesenblogger

Marcel Bieri gewann am letzten Sonntag das Zuger Kantonale in Baar. Es war dies der zweite Kranzfestsieg in seiner Karriere. Auch den ersten Sieg erschwang sich der Edlibacher an einem Zuger Kantonalen (2017, ebenfalls in Baar), auch damals hiess sein Schlussganggegner Christian Schuler. 

Die verspätet gestartete 2021er-Saison begann für den Primarlehrer mit Rang 2b am Stoos-Schwinget verheissungsvoll, ein weiterer Kranzgewinn folgte am «Innerschweizerischen» in Ibach. Auf dem Weissenstein lief es Marcel überhaupt nicht und für den Brünigschwinget musste er wegen einer Finger- und Schulterblessur Forfait geben. Beim Bernisch-Kantonalen Schwingfest startete der 26-Jährige mit einem «Gestellten» gegen Schwingerkönig Kilian Wenger und einem Sieg über Fritz Ramseier gut in den Wettkampf. Doch dann riss der Faden und der Kranzgewinn blieb aus. Die Berg- und Talfahrt von Marcel nahm so richtig Schwung auf und so fuhr der mittlerweile 33-fache Kranzschwinger beim Zuger Kantonalen wieder den Berg hoch.

Der Schwinger-Blog wollte darum von Marcel wissen, wie es zu dieser Berg- und Talfahrt in dieser Saison kam, wie die Vorfreude auf den Kilchberger Schwinget aussieht und ob der Modellathlet seinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug verändert hat. Und: Führt Marcel eigentlich eine Datenbank über seine Gegner im Sägemehl? 

Marcel Bieri, der glückliche Sieger vom Zuger Kantonalen in Baar

Bild: Facebook / Tobias Meyer

Herzliche Gratulation zum Sieg beim Zuger Kantonalschwingfest! Wie war die Gefühlslage nach deinem zweiten Kranzfestsieg?

«Ich fühlte mich nach dem Schlussgang-Sieg sehr erleichtert und zugleich gefasst. Ich war zudem überglücklich, denn es liegen zwei Kranzfeste hinter mir, welche nicht optimal verliefen. Es ist für mich eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» 

Wie hast du es geschafft, den formstarken und mittlerweile 102-fachen Kranzschwinger Christian Schuler zu bezwingen?

«Ich trainiere häufig in Einsiedeln und bin mit den Schwyzer Schwingern kameradschaftlich verbunden. So habe ich schon etliche Male mit Christian beim Training wie auch an Wettkämpfen geschwungen. Die Begegnungen zwischen uns sind meist attraktiv, denn beide suchen die Entscheidung. Die Bilanz der ausgetragenen Zweikämpfe ist ausgeglichen. In Baar habe ich taktisch geschwungen und liess ihn erst angreifen. Je länger der Gang ging, je mehr sah ich meine Chance kommen. Ich bezwang Christian schliesslich mit Kreuzgriff/Hüfter und links ableeren.»

Deine bisherige Saison gleicht einer kleineren Berg- und Talfahrt. Wie kommt das?

«Ich stand nach dem Gewinn des Eidgenössischen Kranzes mehr unter Druck. Ich muss nun angreifen, denn gewisse Gegner sind inzwischen mit einem Gestellten gegen mich zufrieden. Daher stellte ich meinen Schwingstil um. Auf dem Weisstenstein und am Bernisch-Kantonalen lief es mir darum nicht so gut. Es ist eine reine Kopfsache, ich machte mir zu viel Druck und dachte über unnötige Dinge nach. Vor dem Zuger Kantonalen führte ich mit meinem Athletiktrainer Tommy Herzog ein längeres Gespräch. Dies hat mir enorm Druck weggenommen. Die Quintessenz ist, dass ich nun versuche, Gang um Gang zu nehmen. Eine Floskel zwar, aber dennoch wichtig. Ich konzentriere mich nun jeweils voll auf den nächsten Gang, welcher ansteht, und lege mir eine Strategie zurecht. Ich war bis anhin ein sehr lockerer Schwinger. Nun muss ich lernen, den Kopf beim Schwingen abzustellen. Dies hat mir fürs Zuger Kantonale sehr geholfen.»

Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt bist du wieder in Topform. Wie sieht die Vorfreude auf den Kilchberger Schwinget aus?

«Ich habe noch nie am Kilchberger Schwinget teilgenommen und schaute kürzlich die Statistik vom Anlass von 2014 an. Spannend, denn man bekommt es da fast nur mit Eidgenossen zu tun und Schonung gibt es in keinem Gang. Solche Schwingfeste habe ich gern, denn es zählt nur der Sieg. Der Druck betreffs Kranzgewinn fällt weg und man kann unbeschwert schwingen. Es wird darum an solchen Anlässen offensiver Schwingsport geboten. Ich hoffe, dass ich für den Kilchberger Schwinget selektioniert werde. Es ist ein Privileg und eine Ehre, an diesem Traditionsanlass teilnehmen zu dürfen. Apropos Topform: Ich bin noch nicht ganz topfit. Am Stoos-Schwinget in Ibach erlitt ich eine Verletzung am Mittelfinger. Ich hoffe, dass sie bis zum Saisonhöhepunkt vollständig verheilt ist.»

Welche Schwingfeste wirst du vor dem Kilchberger Schwinget noch bestreiten?

«Das nächste Schwingfest ist das Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest an diesem Wochenende. Zudem starte ich am 12. September beim Luzerner Kantonalschwingfest. Um meinen Finger zu schonen, werde ich vermutlich an keinem Rangschwingfest teilnehmen.»

Marcel Bieri sagt: «Vor dem Zuger Kantonalen führte ich mit meinem Athletiktrainer Tommy Herzog ein längeres Gespräch. Dies hat mir enorm Druck weggenommen.»

Bild: Facebook / Tobias Meyer

Der Schwinger-Blog hat kürzlich in einem Beitrag versucht, die momentane Situation des Innerschweizer Schwingerverbandes mit den vielen Verletzten und angeschlagenen Schwingern zu ergründen. Ein Punkt dabei war die unglückliche Schwingfestplanung. Was ist deine Meinung zu diesem Thema?

«Ich finde nicht, dass es eine unglückliche Planung war. Unglücklich wäre gewesen, wenn keine Kranzfeste stattgefunden hätten und nicht geschwungen worden wäre. Bei zwei Saisons ohne Schwingfeste wäre die Motivation wohl bei vielen abhandengekommen. Ich finde es schön, wie sich die Organisatoren grosse Mühe machen, um die Schwingfeste zu organisieren. Der Umsatz ist wegen dem Fehlen der Zuschauer zudem viel geringer. Sie alle machen das Beste aus der jetzigen Situation.»

Fallen die verletzungsbedingten Lücken beim Kadertraining hinsichtlich des Kilchberger Schwingets gross ins Gewicht?

«Es ist schwierig, eine klare Antwort darauf zu geben. Kadertrainings fanden bis jetzt noch nicht viele statt. Ja, in dieser Saison gab es mehr Verletzte als auch schon. Das könnte durchaus einen Einfluss auf den Kilchberger Schwinget haben. Ich beobachte zwar, dass trotzdem etliche Topschwinger an den Schwingfesten teilnehmen, diese werden dann auch in Kilchberg dabei sein. Andererseits ist es eine Chance für die Jungen, für den Kilchberger Schwinget nominiert zu werden.»

Hast du deinen Trainingsumfang nach dem ESAF 2019 in Zug gleich behalten, verändert oder gar vergrössert?

«Vergrössert nicht, aber verändert. Neu trainiere ich einmal pro Woche beim bereits angesprochenen Athletiktrainier Tommy Herzog. Zudem höre ich mehr auf meinen Körper und gebe ihm Zeit, die Blessuren auszukurieren. Weiter ist mein Schwingtraining ein kleinerer Balanceakt. Ich trainiere nun öfters auswärts, so unter anderem mit den Schwyzern oder mit den Gebrüdern Reichmuth. Ich möchte aber meinen eigenen Schwingklub Aegerital nicht vernachlässigen und absolviere alle zwei Wochen ein Training mit ihnen. Und: Ich darf nun auch den Spitzensport-WK in Magglingen besuchen und habe so die Möglichkeit bis fünf Wochen pro Jahr dort zu trainieren.»

Führst du eigentlich eine Art Datenbank betreffs der Stärken und Schwächen deiner Gegner im Sägemehl? Oder hast du das alles im Gedächtnis abgespeichert?

«Eine Datenbank führe ich nicht. Viele Schwinger kennt man aus eigener Erfahrung und durch die Beobachtung an Schwingfesten. Ich habe deren Schwingweise in meinem Gedächtnis abgespeichert. Wenn ich einen Schwinger nicht kenne, frage ich beispielsweise den Technischen Leiter und hole mir so vor einem Gang wichtige Tipps ab. Zudem schaue ich gerne bei Zwilch.ch nach, um in Erfahrung zu bringen, wie oft und wie ich gegen einen bestimmten Gegner geschwungen habe. Ich kenne Schwinger, welche hinsichtlich Resultate und Noten wandelnde Lexika sind.»

Wie gross sieht dein Pensum als Primarlehrer aus? Und: Bleibt da noch Zeit für Hobbys neben dem Schwingsport?

«Ich arbeitete bis 2020 in einem 80 Prozent-Pensum als Primarlehrer. Nun habe ich mein Pensum auf knapp 100 Prozent erhöht. Ich habe aufs neue Schuljahr hin zudem in einer neuen Schule angefangen. Nebst dem Schwingsport habe ich tatsächlich nicht viel Zeit für andere Hobbys. Mein Wochenplan ist jeweils voll mit Arbeit und Trainings. Immerhin: Ich versuche einmal pro Monat mit einem Kollegen ein Tennis-Match zu spielen, und ich nehme mir auch etwas Zeit für den Ausgang mit meinen Kollegen. Ich finde das aber überhaupt nicht schlimm, denn der Schwingsport ist meine Leidenschaft.»

feldwaldwiesenblogger