Nachgefragt bei Sandro Schlegel, dem starken Prättigauer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Sandro Schlegel

Sandro Schlegel stand am vergangenen Sonntag im Schlussgang des Bündner-Glarner Kantonalen in Cazis. Dort traf er auf seinen Bündner Teamkollegen Armon Orlik, welcher auch ihn unter die Verlierer reihte. Dies ist aber beim aktuellen Formstand von Überschwinger Orlik absolut keine Schande. Vielmehr möchte ich im nachfolgenden Beitrag Sandro’s Leistung und den verdienten Schlussgang-Einzug würdigen.
Heute führte ich mit dem Prättigauer ein interessantes Telefongespräch. Dabei wollte ich von Sandro unter anderem wissen, wie er das Schwingfest in Cazis erlebte und ob der Eidgenössische Kranz in Zug drin liegt.


Verdient den «Bündner-Glarner» Kranz in Cazis gewonnen

Bündner-Glarner Kantonalschwingfest in Cazis
Sieger des «Bündner-Glarner» wurde mit sechs gewonnenen Gängen Armon Orlik. Medienchefin Rosmarie Nef schreibt zu diesem Schwingfest: «Der Maienfelder feierte vor 2’900 Zuschauern den vierten Festsieg in Serie beim eigenen Kantonalfest. Ebenso gewinnt Orlik bereits sein viertes Kranzfest der laufenden Saison. In Cazis gelingt dem 24-Jährigen der Sieg im Schlussgang gegen seinen Verbandskollegen Sandro Schlegel, welcher sich die Schlussgangteilnahme mit einem Sieg über den Eidgenossen Marcel Kuster verdiente. Von den acht angetretenen Eidgenossen kämpften nicht alle gleich glücklich. Der Appenzeller Michael Bless musste sogar ohne Kranz die Heimreise antreten.
Orlik liess schon beim Anschwingen erahnen, dass der Sieg in Cazis nur über ihn führt. Er bodigte den Zürcher Samir Leuppi bereits im ersten Zug. Nicht besser erging es den nächsten Gegnern, darunter der Glarner Roger Rychen und der Appenzeller Raphael Zwyssig, welche sich allesamt das Sägemehl vom Rücken putzen lassen mussten. Im Schlussgang gegen Schlegel war zu Beginn etwas Abtasten Trumpf, kennen sich doch die beiden derzeit besten Bündner Schwinger von vielen gemeinsamen Trainings sehr gut. In der zweiten Minute ergriff Orlik die Initiative und besiegte seinen Gegner mit Kurz. Der Fideriser Sandro Schlegel belegte schlussendlich den vierten Schlussrang. Auf dem Ehrenplatz klassierte sich, wie bereits am Pfingstmontag in Glarus, Roger Rychen, gefolgt von Tobias Riget aus Schänis. Gemeinsam mit Schlegel auf Rang vier folgen der Winterthurer Samir Leuppi sowie der Näfelser Reto Landolt.»

Sandro stand überraschend im Schlussgang
Sandro stand in Cazis etwas überraschend zum zweiten Mal in einem Kranzfest-Schlussgang. Diesen erreichte er mit einer starken Leistung, das Notenblatt zierten vier Siegkreuzchen und eine Niederlage. Der Prättigauer schreibt dazu auf seiner Facebook-Seite: «Am letzten Sonntag durfte ich ein erfolgreiches Schwingfest in Cazis geniessen. Mit dem ersten gewonnen Gang gegen David Dumelin startete ich gelungen in den Wettkampf. Im zweiten Gang gegen Roger Rychen musste ich die erste Niederlage hinnehmen. Danach folgten zwei Siege mit der Maximalnote Zehn über Marc Hänni und den jungen Toggenburger Werner Schlegel. Im fünften Gang wurde mir der Appenzeller Eidgenosse Marcel Kuster zugeteilt. Nach kurzer Gangdauer konnte ich ihn mit einem Kurz gewinnen und mich für den Schlussgang qualifizieren. Der Schlussganggegner lautete Armon Orlik, der seiner Favoritenrolle gerecht wurde und mich in der zweiten Minute mit Kurz bezwang. Ich bin mit meinen Leistungen sehr zufrieden und bedanke mich herzlich für eure Unterstützung.»

Bisher 20 Kränze herausgeschwungen
Sandros’s Geburtsdatum ist der 23. Mai 1990. Der 29-Jährige wohnt in Fideris, ist ledig und weist mit seiner Grösse (185 Zentimeter) und seinem Gewicht (108 Kilogramm) gute Masse für den Schwingsport auf. Der Fideriser erlernte den Zimmermann-Beruf und arbeitet heute als
Lieferschreiner bei der Möbel Pfister AG in Mels. Nebst dem Schwingsport unternimmt Sandro in der spärlichen Freizeit gerne etwas mit seinen Kollegen.
Der Bündner ist Mitglied beim Schwingklub Prättigau, welcher dem Bündner Kantonalen Schwingerverband angehört, und hat bisher 20 Kränze (19 Kantonal- und 1 Teilverbandskranz) herausgeschwungen. Zu seinen grössten Erfolgen zählt der Sennenschwinger die beiden ESAF- und die Unspunnen-Teilnahme, sowie die beiden Kranzfest-Schlussgänge (beide am «Bünder-Glarner»).
Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz und der Fussstich. Sandro schwingt seit 2001 und benennt als schwingerisches Vorbild Jörg Abderhalden. Zum Schwingsport kam der gelernte Zimmermann durch seinen Vater. 2001 verfolgten sie gemeinsam am TV das ESAF in Nyon. Anschliessend fragte der Jungspund, welcher sich schon damals gerne mit Gleichaltrigen auf dem Pausenplatz mass, nach einer Trainingsmöglichkeit in der Umgebung. Diese wurde dann beim Schwingklub Prättigau gefunden. In den Adern des Bündners fliesst kein «Schwingerblut». Sandro ergänzt: «So viel ich weiss, bin ich der erste in der Familie, der schwingt.»


Der Sieg im ersten Gang gegen David Dumelin war die sogenannte Initialzündung

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich dacht mir: Schade, einmal mehr einen Schlussgang verloren. Inzwischen der sechste verlorene Schlussgang in meiner bisherigen Karriere.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
Sandro lacht. «Nein, ich würde es gleich machen und würde wieder versuchen, in die Offensive zu schreiten.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Das war der erste Gang gegen David Dumelin. Der Sieg über ihn war die sogenannte Initialzündung für mich an diesem Tag.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom «Bündner-Glarner»?
«Wenn es gut läuft, kann ich sogar einen Eidgenossen bezwingen. Die Form stimmt und ich konnte in Cazis Selbstvertrauen tanken. Ich denke, ich kann zuversichtlich so weiterfahren.»

Du hast deinen ersten Kranz 2007 gewonnen. Welches war deine bisher stärkste Saison?
«Das ist eine gute Frage. Aus meiner Sicht war es die Saison 2017, wo ich drei Kränze gewann und dreimal mir ein Viertelpunkt für weitere Kränze fehlten. Ich konnte mich damals für den Unspunnen-Schwinget qualifizieren.»


Mit dem Sieg über den Eidgenossen Marcel Kuster sicherte sich Sandro die Schlussgang-Teilnahme

Mit deiner Leistung in Cazis hast du bewiesen, dass der Eidgenössische Kranz auch für dich drin liegt. Wie siehst du das?
«Ich denke, ich muss das relativieren. In Cazis hatte ich einen guten Tag, beim ESAF braucht’s aber zwei gute Tage. Im Moment schwirren keine Gedanken wegen diesem Kranz herum. Denn: Am St. Galler Kantonalen fehlte mir das berüchtigte Vierteli für den Kranz. Hingegen zog ich am Glarner-Bündner und am Bündner-Glarner einen guten, respektive einen sehr guten Tag ein. Vom Eidgenössischen Kranz träumen darf man natürlich. Bevor man dieses Eichenlaub gewinnt, sollte man halt schon einen Bergkranz gewinnen. Um zu zeigen, dass man bereit ist.»

Was meinst du, bist du mit deinen 29 Jahren und bisher sechs Schlussgang-Einzügen nun reif für den ersten Schwingfestsieg?
«Ich denke, nach sechs Schlussgang-Niederlagen wäre es mal an der Zeit, dass ich ein Schwingfest gewinne. Denn das ist schon ein Teilziel meiner Karriere.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Im Moment absolviere ich zwei Schwing-, zwei Kraft- und eine Ausdauereinheit pro Woche. Wenn ein Schwingfest ansteht, wird das Trainingsprogramm dementsprechend angepasst.»

Wie oft trainierst du mit Team-Kollege Armon Orlik? Und: Wie profitierst du von seiner Klasse?
«Ich trainiere pro Woche ein- bis zweimal mit ihm zusammen beim Schwingtraining. Dabei kann ich sehr von Armon profitieren. Es ist super, dass wir so einen Schwinger von seiner Klasse in unserem Verband haben. Schwingtechnisch kann man einiges von ihm lernen.»

Was nimmst du dir für deinen nächsten Einsatz, dem Nordostschweizer Schwingfest in Hallau, vor?
«Ich möchte den Schwung von Cazis nach Hallau mitnehmen. Es ist ein neues Fest, alles fängt wieder bei null an. Ich nehme mir vor, bereit zu sein. Mein Ziel ist, den Kranz zu gewinnen.»

feldwaldwiesenblogger

Noe van Messel – Das 17-jährige Zuger Riesentalent

Text: feldwaldwiesenblogger

Nebst Pirmin Reichmuth und Marcel Bieri sorgt noch ein anderer Zuger derzeit in der Innerschweiz für viel Furore: Das Riesentalent Noe van Messel vom Schwingklub Ägerital. Nach drei Kantonalkränzen legte er am vergangenen Pfingstmontag auf dem Stoos nach und sicherte sich sensationell seinen ersten Bergkranz. Und das mit erst 17 Jahren!
Wer aber ist dieser «Newcomer» Noe van Messel, dessen Namen eher auf einen holländischen Stürmerstar schliessen lässt?
Gestern Donnerstag führte ich mit dem Kanti-Schüler ein äusserst interessantes Telefongespräch. Im folgenden Beitrag versuche ich dem 17-jährigen Zuger etwas auf die Spur zu kommen.

Holländische Abstammung
Noe’s Grosseltern zogen vor etlichen Jahren von Holland in die Schweiz und liessen sich hier nieder. Er selber hat keinen holländischen Pass, und ergänzt: «Es bleiben der holländische Namen und die Wurzeln.» Noe stammt von Oberägeri, und wohnt dort. Das Geburtsdatum des Sennenschwingers ist der 25. Januar 2002.
Noe hat bereits vier Kränze auf seinem Konto, drei Kantonalkränze und seit Pfingstmontag den Stoos-Kranz. Die vier Kränze stammen alle aus dieser Saison. Der Zuger hat die Qualifikation fürs Eidgenössische also bereits im Sack.

2018 Kreuzbandriss erlitten
Der Übertritt von den Jungschwingern zu den Aktiven erfolgte letztes Jahr. Die Saison endete für den 17-Jährigen aber bereits am 24. März beim Hallenschwinget Engelberg, wo er sich das Kreuzband und den Innenminiskus am linken Knie riss. Da die Verletzungspause gut zehn Monate dauerte, war an eine Teilnahme beim ENST in Landquart nicht zu denken.
Als Jungschwinger gewann Noe an jedem angetretenen Schwingfest den Zweig. Genau weiss er es nicht mehr, aber es müssen um die 65 bis 70 Auszeichnungen sein. Weiter zieren 22 Festsiege an Jungschwingertagen den Palmarès des Oberägerers.

Das ESAF 2010 in Frauenfeld als Startschuss
Noe ist momentan Kanti-Schüler und hat bis zum Abschluss noch ein Jahr zu absolvieren. Nebst dem Schwingsport treibt der vierfache Kranzschwinger ganz allgemein viel Sport. Dazu gehören Rudern, Biken und Skifahren. Zudem verbringt der Teenager auch gerne Zeit mit seinen Kollegen.
Noe weist mit seinen 190 Zentimeter Grösse und einem Gewicht von 110 Kilogramm Traummasse für den Schwingsport auf. Ihm wurden keine Schwingergene in die Wiege gelegt. Praktisch alle aus seiner Familie frönen in erster Linie dem Skisport. Noe ist der erste, welcher sich dem Schwingsport verschrieben hat. Er sagt dazu: «Ich war schon immer der Zweikampf-Typ. Das ESAF 2010 in Frauenfeld verfolgte ich vor dem TV-Apparat und wusste damals, dass ich künftig auch schwingen möchte. Im Januar 2011 nahm ich als 9-Jähriger das Schwingtraining beim Schwingklub Ägerital auf, und blieb diesem Sport bis heute treu.»


Mit erst 17-Jahren den Stoos-Kranz gewonnen!
Bild: Noe van Messel

Die bisherige Saisonbilanz ist sensationell. Wie erklärst du das?
«Ich konnte im letzten Jahr trotz Verletzungspause sehr gut Kraft und Kondition trainieren. Körperlich bin ich deshalb sehr weit. Seit ich das Schwingtraining wieder aufnahm, habe ich grosse Fortschritte gemacht, auch bei der Bodenarbeit. Zusammen mit meinem Trainer Franz Föhn habe ich intensiv an den Grundlagen und an der Schwingtechnik gearbeitet.»
Das wettkampfmässige Schwingtraining nahm Noe Ende Januar wieder auf. Die Früchte der intensiven Arbeit sind die vier Saisonkränze. Der Teenager ist talentiert, weiss aber, dass ein gutes Training und die Unterstützung vom Umfeld das Wichtigste sind.

Der Stoos-Kranz ist das bisherige Sahne-Häubchen. Wie verlief dieser Bergschwinget für dich?
«Ich bin mit dem Ziel hoch, sechs Gänge schwingen zu können. Meinen Gegner im ersten Gang, Lars Voggensperger, kenne ich aus Jungschwingerzeiten. Der Sieg über ihn verlieh mir zusätzliche Motivation. Im zweiten Gang konnte ich David Anderegg bezwingen. Dies gab mir richtiggehend Auftrieb. Gegen Nick Alpiger verlor ich leider im ersten Zug, das ging zu schnell. Diese Niederlage habe ich aber relativ schnell abgehakt. In den wichtigen Momenten war ich extrem effizient. Im letzten Gang, als es um den Kranz ging, zog Patrick Schenk mit Kurz an, und ich konnte ihn abhüftern. Der Tag lief für mich perfekt.»

Wie sieht dein derzeitiger Trainingsaufwand aus?
«Pro Woche wende ich 13 bis 15 Stunden fürs Training auf. Das umfasst zwei bis drei Schwingtrainings und drei bis vier Krafttrainingseinheiten. Je nachdem, ob ein Schwingfest am Wochenende ansteht, wird das Programm dementsprechend angepasst.»

Welches sind deine bevorzugten Schwünge?
«Den Kurz mache ich viel und gern, er ist ein extrem guter Schwung. Je nach Gegner passe ich aber meine Schwingweise an. Ich lege sehr viel Wert auf Variantenreichtum, und dass ich beidseitig, also links und rechts schwingen kann.»


Noe (oben) legt Lars Voggensperger ins Sägemehl
Bild: Tobias Meyer

Du hast bereits vier Saisonkränze auf dem Konto. Welche Ziele hast du noch für 2019?
«Mein grösstes Ziel habe ich erreicht, nämlich dass ich gesund bin. Das Ziel ist es, weiterhin gesund zu bleiben. Ich möchte das Innerschweizerische und das Eidgenössische geniessen und dabei möglichst viele Gegner auf den Rücken legen. Ich will eine gute Show zeigen und versuche, an diesen Tagen meine Bestleistung abzurufen.»

Welche Saisonhighlights stehen neben dem Eidgenössischen noch auf deinem Programm?
«Ich freue mich sehr aufs Innerschweizerische in Flüelen. Ein grosses Highlight neben dem Stoos-Schwinget, für welchen ich nachträglich selektioniert wurde. Ich freue mich aber auch auf die kommenden Rangschwingfeste. Die grössten Highlights, die noch auf dem Programm stehen, sind das ISAF und das ESAF.»

Provokative Prognose: «Du gewinnst in Zug mit erst 17 Jahren den Eidgenössischen Kranz!»
«Das wäre natürlich der Hammer. Mein primäres Ziel ist aber, beide Tage schwingen zu können. Der Kranz wäre natürlich schön. In erster Linie geht es aber darum, Erfahrungen zu sammeln und die Atmosphäre geniessen zu können. Es ist für uns Zuger etwas Besonderes, am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest im eigenen Kanton teilnehmen zu können.»

Wie bereitest du dich jeweils auf einen Gang vor?
«In erster Linie gut aufwärmen, um gesund zu bleiben. Da ich die Schwinger noch nicht so gut kenne, konsultiere ich meine Kollegen über die Gegner. Dann geht es darum, sich mental vorzubereiten und auf den Gang zu fokussieren. Dabei hat das Aufwärmen für mich einen wirklich grossen Stellenwert.»


Noe (links) zieht Andreas Döbeli mit Kurz an
Bild: Tobias Meyer

Wie bestreitest du einen Gang, eher taktisch oder eher aus dem Bauch heraus?
«Es kommt darauf an, welchen Gegner ich zugeteilt bekomme. Ich gehe auf den Platz und gebe mein Bestes. Ich will immer gewinnen, das ist meine Devise. Dabei ist es möglich, dass ich zu viel riskiere und verliere. Man darf natürlich nicht kopflos in einen Gang gehen. Meine Einstellung ist aber, dass ich auf den Platz gehe und gewinnen will.»

Deine Schwingweise sieht einerseits locker, andererseits aber sehr zielorientiert aus. Wie kommt das, mit erst 17 Jahren?
«Es freut mich, dass es locker aussieht. Meine Schwingweise ist aber eher streng. Ich habe viel an der Technik meiner Schwünge gearbeitet. Da ich körperlich relativ weit bin, habe ich einen Vorteil gegenüber Gleichaltrigen.»

Was bedeutet dir der Schwingsport?
«Sehr viel! Ich stecke sehr viel in diesen Sport, und man lernt dabei sehr viele Leute kennen. Weiter schätze ich die Kameradschaft untereinander. Schwingen ist schön zuzuschauen, aber noch schöner, es selber zu tun. Der Schwingsport verkörpert zudem sehr schön die Werte der Schweiz.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Michael Wiget, dem grossen Berner Talent

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Michael Wiget

Den Namen Michael Wiget haben vor dieser Saison wohl nur wenige Schwingerfreunde gekannt. Seit diesem Frühling weiss man, dass hier ein grosses Berner Talent heranreift. Der junge Sennenschwinger hatte vor dieser Saison erst einen Kranz auf seinem Konto, welcher aus dem Jahr 2015 datiert ist (Seeländisches Schwingfest in Vinelz).
Nach diversen Verletzungen und einem Unterbruch von drei Jahren zeigte Michael am Worblentaler Hallenschwinget eine sensationelle Vorstellung. Er gewann diesen souverän und bodigte dabei die beiden Eidgenossen Thomas Sempach und Willy Graber. Kurz darauf landete der Rückkehrer am Frühjahrschwinget Ibach auf dem zweiten Schlussrang und schon wieder standen zwei besiegte Eidgenossen auf dem Notenblatt: Christian Schuler und Philipp Gloggner. Stoppen konnte ihn dort nur der spätere Sieger Mike Müllestein.
Danach wurde es etwas ruhiger um Michael. Die Knieverletzung von letztem Jahr machte sich wieder bemerkbar, und zwang ihn zu einer Pause. Der 20-Jährige konnte glücklicherweise aber bereits beim Heimfest, dem Mittelländischen Schwingfest von vergangenem Sonntag, wieder mittun. Und wie er das tat! Zur Halbzeit führte Michael die Rangliste alleine an und wurde schliesslich erst im Schlussgang von Bernhard Kämpf, einem anderen Rückkehrer, auf den Rücken gelegt.
So lag es auf der Hand, dass ich erneut einen Schlussgang-Verlierer zu Wort kommen lasse. Beim Gespräch mit Michael wollte ich unter anderem wissen, wie er den Schlussgang in Neuenegg erlebte, und was die Gründe für die derart starke Rückkehr auf die Schwingplätze sein könnten.


Michael gewann mit einer starken Leistung beim Mittelländischen Schwingfest seinen zweiten Kranz

Mittelländisches Schwingfest in Neuenegg
Sieger des Mittelländischen Schwingfestes wurde Bernhard Kämpf. Reto Zbinden, Pressechef des Mittelländischen Schwingerverbandes, schreibt dazu: «Selten war die Ausgangslage vor einem Schwingfest so offen wie vor dem diesjährigen Mittelländischen Schwingfest in Neuenegg. Durch die vielen verletzungsbedingten Absagen gestaltete sich die Situation äusserst spannend. Bei sommerlich warmem Wetter zeigten die 176 angetretenen Schwinger den 5’000 Zuschauern attraktiven Schwingsport.»
Im Schlussgang griffen beide Kontrahenten an. Nach fünf Minuten gelang dem Berner Oberländer Eidgenossen Bernhard Kämpf durch Abfangen eines Übersprungs und Nachdrücken am Boden die Entscheidung.
Zbinden schreibt weiter: «Das Fest verlief wie erwartet spannend und wurde durch einige Überraschungen in den ersten Gängen sogar noch offener als erwartet. Am Mittag lag der einheimische Michael Wiget als einziger Schwinger mit drei gewonnen Gängen gegen Patrick Waldner, Jan Wittwer und Jonas Lengacher in Führung. Der äusserst attraktive Gestellte im vierten Gang gegen Patrick Gobeli warf ihn etwas zurück. Mit einem Sieg im fünften Gang gegen John Grossen konnte er sich trotzdem für den Schlussgang qualifizieren.»

Michael sicherte sich seinen zweiten Kranz
Michael stand in Neuenegg zum ersten Mal überhaupt in einem Kranzfest-Schlussgang. Diesen erreichte er mit einer starken Leistung, die verdiente Belohnung war der zweite Kranz. «Schlussgang-Luft» konnte der Berner aber bereits am Worblentaler Hallenschwinget schnuppern. Trotz Niederlage gewann er diesen Schwinget souverän.
Michael’s Geburtsdatum ist der 4. November 1998. Der 20-Jährige wohnt in Wünnewil, ist ledig und weist mit seiner Grösse (196 Zentimeter) und seinem Gewicht (110 Kilogramm) Gardemasse für den Schwingsport auf. Nach dem Abschluss des Gymnasiums arbeitet der Wünnewiler derzeit temporär auf dem Bau, möchte jedoch in naher Zukunft mit einem Studium beginnen. Zu seinen Hobbys zählt Michael nebst dem Schwingen den Sport allgemein, hält sich gerne in der Natur auf und ist nach eigenen Angaben ein Bewegungsmensch.

Wurzeln in der Innerschweiz
Michael ist Mitglied beim Schwingklub Laupen, welcher dem Mittelländischen Gauverband angehört. Zu seinen bisher grössten Erfolgen zählt der grossgewachsene Schwinger die beiden gewonnene Kränze, die Schlussgang-Teilnahme beim Mittelländischen und die beiden Siege am Bernisch Kantonalen Nachwuchsschwingertag. Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz und der Übersprung.
Der Modelathlet schwingt seit dem Kindergarten (2006) und benennt als schwingerische Vorbilder Matthias Siegenthaler, Matthias Sempach und Kilian Wenger. Zum Schwingsport kam Michael durch seine Mutter. In seinem Umfeld spielten alle Fussball, der Jungspund entschied sich aber für den Schwingsport. Der kleine Bruder Adrian schwingt mittlerweile auch bei den Jungschwingern.
Der Name Wiget lässt auf einen Ursprung in der Innerschweiz schliessen. Der Heimatort von Michael ist denn auch Arth. Die Grosseltern väterlicherseits wohnen in Schindellegi. Der Vater zog als junger Mann von Schindellegi nach Wünnewil, die Mutter stammt aus Laupen.


Im Schlussgang vom «Mittelländischen» griff Michael (rechts) keck an

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich war im ersten Moment extrem enttäuscht. Man verliert natürlich nicht gerne einen Schlussgang. Erst recht nicht, wenn man so nahe von seinem Wohnort schwingt. Ich kenne Bernhard sehr gut von gemeinsamen Trainings, und rechnete mir durchaus auch Chancen aus. Ich gönne dem Berner Oberländer den Kranzfestsieg nach seiner Verletzungspause aber von Herzen.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Ja, ich würde das Risiko noch mehr suchen. Ich war den ganzen Tag über nicht so nervös wie vor dem Schlussgang. Denn: Ich realisierte, dass ich das erste Mal wieder an einem grossen Schwingfest teilnehmen konnte. Zudem kamen viele Leute vor dem Schlussgang zu mir, und es wurde mir ein bisschen zu viel.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Der Gang gegen Jonas Lengacher war so einer. Er schwang sehr defensiv gegen mich und die Freude war entsprechend gross, als ich ihn bezwingen konnte.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Mittelländischen Schwingfest?
«Ich denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und es hat mir klar aufgezeigt, dass es viel schöner ist, im Ring zu stehen, als zuzuschauen. Ich sage immer: Wenn man nicht schwingen kann, bekommt man keine Chance und hat in dem Sinne schon verloren.»

Du hast deinen ersten Kranz 2015 gewonnen. Danach wurde es bis diesen Frühling ruhig um dich. Was ist geschehen?
«2016 erlitt ich anfangs Jahr einen Ermüdungsbruch an der Schulter, anfangs der 2017er-Saison riss ich mir das Innenband im Ellbogen. 2018 zog ich mir eine Schleimbeutel-Entzündung am Knie zu, welche mir in der Folge das Leben schwer gemacht hat. Beim Bernisch Kantonalen nahm ich nach einer Woche Training einen Anlauf und ging an den Start. Ich musste aber nach fünf Gängen aufgeben. In der Vergangenheit wollte ich wohl einfach zu viel und habe zu wenig auf meinen Körper gehört. Nun habe ich daraus gelernt und schenke der Erholung viel mehr Beachtung.»


Völlig überraschend konnte sich Michael anfangs Saison als Sieger vom Worblentaler Hallenschwinget ausrufen lassen

Was sind die Gründe für die äusserst starke Rückkehr auf die Schwingplätze?
«Während den Verletzungen habe ich nie aufgegeben, denn das war keine Option. Im Training mit Willy Graber, Fabian Staudenmann, Severin Schwander, Lukas Renfer oder Lario Kramer sehe ich, wo ich stehe. Da ich trotz den Verletzungspausen immer wieder trainieren konnte, brach der Rhythmus nie ab. Dass es aber nun so gut läuft, hat mich auch überrascht. Ich habe natürlich viel mit meinen Berner Kollegen trainiert und konnte mich so weiterentwickeln. Ich denke, dass spätestens nach letztem Sonntag der Überraschungseffekt nicht mehr so gross sein wird.»

Wie konntest du dich trotz langer Abwesenheit für den Schwingsport motivieren?
«Ich habe ein sehr gutes Umfeld. Mein Physiotherapeut Michel Olivari, meine Familie und meine Kollegen haben mich stets unterstützt. Die verschiedenen Verletzungen sind gut ausgeheilt. Einzig das Knie bereitet mir manchmal Probleme. Darum stellte sich mir nie die Frage, aufhören oder nicht.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Wegen meinem Knie, welches mir manchmal einen Strich durch die Rechnung macht, muss ich mein Training wochenweise anpassen und auf meinen Körper hören. Wenn ich beschwerdefrei bin, sind es zwei Schwingtrainings und zwei Kraft-/Ausdauer-Einheiten pro Woche.»

Wenn deine Entwicklung so weiterläuft, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis zu deinem ersten Kranzfestsieg?
Michael lacht. «Es wäre natürlich sehr schön und ist ein Traum. Der Fokus ist die Gesundheit, und dass ich beschwerdefrei durch die Saison komme. Dann werden wir sehen, wie es läuft. Die Ausgangslage beim Mittelländischen, wo viele Topcracks gefehlt haben, war sicher offener als sie es beim Oberaargauischen sein wird. Aber: Ein Kranzfestsieg ist sicher irgendwann mal ein Ziel.»

Welches sind deine nächsten Kranzfeste?
«Ich nehme morgen Pfingstsamstag am Oberaargauischen Schwingfest in Grafenried teil. Wenn mein Körper mitmacht, starte ich auch auf dem Stoos. Im Hinblick aufs Eidgenössische ist dies sicher ein guter Härtetest mit zwei Schwingfesten innerhalb von drei Tagen.»

feldwaldwiesenblogger

Stier «Guido» für den Schwägalp-Sieger

Text: Valentin Hörler (Medienchef Schwägalp-Schwinget) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Zwei Wochen vor der Ausmarchung des Schwingerkönigs am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug treffen sich die Athleten aus den Gastverbänden Innerschweiz und Südwestschweiz sowie die Gastgeber aus der Nordostschweiz zu einem letzten Formtest auf der Schwägalp. Auf die Bestklassierten warten fünf attraktive Lebendpreise. Der Kampf um die begehrten Schwägalp-Kränze wird auch in diesem Jahr vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) live übertragen.


Stier «Guido» mit Besitzer Jakob Frick aus Schachen b. Herisau
Bild: Valentin Hörler

«Guido» für den Schwägalp-Sieger
Der Schwägalp-Sieger darf am Sonntagabend den von der Migros gespendeten Zuchtstier Guido aus Herisau in Empfang nehmen. Für die Schwinger auf den Rängen zwei bis vier warten traditionellerweise Zuchtrinder. Toni Fässler aus Uesslingen stiftet das Rind Amarai für den Zweitplatzierten, während Anja, gespendet von den Olma Messen St. Gallen, auf den drittplatzierten Schwinger wartet. Amarai und Anja stammen beide von Höfen in Hundwil. Der Schwinger auf dem vierten Schlussrang darf am Sonntagabend Rind Rigi aus Wattwil, welches von Erwin Kobelt aus Marbach gespendet wird, sein Eigen nennen. Der Reigen der Lebendpreise beschliesst Fohlen Hakima vom Fribyhof in Jonschwil, das von der Agroos Personal AG gestiftet wird.

Schwägalp-Schwinget live bei SRF
Nach der erfolgreichen Liveübertragung im vergangenen Jahr plant SRF auch in diesem Jahr die Übertragung des Bergkranzfestes am Fusse des Säntis. Während die Berichterstattung im Vorjahr vorwiegend über Online-Livestreaming angeboten wurde, erhält die Ausgabe in diesem Jahr mehr Präsenz im Fernsehen: SRF überträgt den Schwägalp-Schwinget den ganzen Tag sowohl als Livestream als auch live im TV. Während der TV-Übertragung sind zudem punktuell Einschaltungen vom Bernisch Kantonalen Schwingfest in Münsingen geplant, welches heuer am gleichen Tag stattfindet.
Der Schwägalp-Schwinget findet am 11. August statt. Weitere Informationen: www.schwaegalp-schwinget.ch

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Joel Strebel, dem diese Saison stark auftrumpfenden Aargauer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Joel Strebel

Heute lasse ich mit Joel Strebel wieder einmal einen Schlussgang-Verlierer zu Wort kommen. Der Freiämter stand sowohl am vergangenen Sonntag am Aargauer Kantonalschwingfest in Zofingen, wie auch am Auffahrtstag am Baselstädtischen Schwingertag im Schlussgang. Joel hat zwar beide Endausmarchungen verloren, forderte aber jedes Mal seinem Kontrahenten alles ab. Schlussendlich brauchte es von Joel Wicki und Nick Alpiger eine herausragende Leistung, um den Sieg davonzutragen.
Heute führte ich mit dem diese Saison bisher stark auftrumpfenden Aargauer ein interessantes Gespräch und wollte von ihm unter anderem wissen, wie er die beiden Schlussgänge erlebte, und was die Gründe für seine glänzende Form sein könnten.


Joel Strebel durfte sich nach dem Aargauer Kantonalen verdient den Kranz aufsetzen lassen

113. Aargauer Kantonalschwingfest in Zofingen
Sieger des ersten Kranzfestes in der Nordwestschweiz wurde Joel Wicki. Der Entlebucher bezwang im Schlussgang, wie bereits erwähnt, Joel Strebel nach genau sechs Minuten mit Wyberhaken und vervollständigen am Boden. 3’450 Zuschauer fanden bei angenehmem Frühlingswetter den Weg nach Zofingen. Der Rahmen des diesjährigen Aargauer Kantonalen war aussergewöhnlich: Mitten in der Altstadt, auf dem Niklaus-Thut-Platz, massen sich 150 Schwinger.
Das Organisationskomitee unter der bewährten Leitung von Dominik Gresch scheute keinen Aufwand und führte ein stimmungsvolles Schwingfest durch. Am Schluss sprach auch Festsieger Joel Wicki von einem «genialen, und emotionalen Fest vor einer speziellen Kulisse».

100. Baselstädtischer Schwingertag
Nick Alpiger zeigte eine souveräne Leistung und gewann verdient den Jubiläumsanlass. Im Schlussgang standen sich mit Alpiger und Joel Strebel zwei Trainingskameraden gegenüber. Aus diesem Grund gestaltete sich der Gang zu Beginn eher taktisch. Mit zunehmender Kampfdauer kamen die beiden Finalisten immer besser in Fahrt. Wegen Nasenbluten von Joel musste der Gang immer wieder unterbrochen werden. Nach etwas mehr als sieben Minuten gelang Nick Alpiger mit einem energischen Übersprung der entscheidende Plattwurf.
5’000 Zuschauer und 140 Schwinger fanden bei schönstem Wetter den Weg in die Sandgrube. Der Schwingerverband Basel-Stadt und der ebenfalls jubilierende Fussballclub BCO-Allemannia (100-jähriges Bestehen) organisierten gemeinsam ein wunderbares Fest bei besten Bedingungen.

Joel Strebel stand erstmals bei einem Kranzfest im Schlussgang
Der Sennenschwinger stand beim Aargauer Kantonalen zum ersten Mal überhaupt in einem Kranzfest-Schlussgang. Beide Male erreichte er mit einer starken Leistung den Endkampf. In Zofingen resultierten fünf Siege und eine Niederlage, in Basel fanden sich vier gewonnene Gänge, ein Gestellter und die Schlussgangniederlage auf dem Notenblatt.
Joel’s Geburtsdatum ist der 25. März 1997. Der 22-Jährige wohnt in Aristau AG, ist ledig und weist mit seiner Grösse (192 Zentimeter) und seinem Gewicht (113 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Der Aargauer ist gelernter Landmaschinenmechaniker und arbeitet derzeit als Gartenbauer im Betrieb seines Vaters. Zu seinen Hobbys zählt er nebst dem Schwingen die Mithilfe auf dem elterlichen Bauernbetrieb und seine Kollegen.
Joel ist Mitglied beim Schwingklub Freiamt und hat insgesamt 10 Kränze herausgeschwungen. In der laufenden Saison kamen die beiden Kantonalkränze hinzu. Zu seinen bisher grössten Erfolgen zählt der Freiämter unter anderem die beiden Nordwestschweizer Teilverbandskränze, die Siege am Guggibad-Schwinget 2018 und am Frühjahrsschwinget Oberhallau 2018. Nebst den beiden Schlussgängen in Zofingen und Basel stand Joel dieses Jahr auch am Hallenschwinget Brunegg im Schlussgang. Dort zog er ebenfalls gegen Nick Alpiger den Kürzeren.
Der Modelathlet schwingt seit 2004 und benennt als schwingerisches Vorbild den siebenfachen Schwyzer Eidgenossen Martin Grab.


Der Sieg über Erich Fankhauser beim Aargauer Kantonalen war ein Schlüsselgang

Herzliche Gratulation zum Erreichen der beiden Schlussgänge! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Am Aargauer Kantonalen rechnete ich nicht mit dem Schlussgang. Ich fühlte mich während dem Schwingfest gut. Nach der Niederlage gegen Joel Wicki war ich schon enttäuscht. Dennoch bin ich zufrieden, dass es nach der Verletzungspause von letztem Jahr so gut läuft. In Basel habe ich gut geschwungen. Nach dem verlorenen Schlussgang war die Enttäuschung gross. Wenn man im Schlussgang steht, will man natürlich gewinnen. Trotzdem bin ich mit dem Erreichten sehr zufrieden.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik die beiden Schlussgänge in Angriff nehmen?
«Nein. Gegen Joel Wicki war es schwierig, denn ich habe sieben Jahre nicht mehr gegen ihn geschwungen. Auf’s Gut zieht er, aber auch ich. Ich bin erstaunt, dass der Schlussgang so lange ging. Schlussendlich erwischte er mich etwas überraschend mit einem Wyberhaken.
Gegen Nick Alpiger habe ich diesen Frühling schon am Hallenschwinget Brunegg verloren. Er steht jeweils tief. Ich versuchte zu kontern, sobald er seine Deckung öffnet. Schlussendlich ging’s für mich nicht auf. Beide Schlussganggegner haben souverän gewonnen.»

Du hast beide Male souverän die Endausmarchung erreicht. Welche Gänge waren für dich sogenannte «Schlüsselgänge»?
«Am Aargauer waren die Siege gegen Erich Fankhauser (erster Gang) und im fünften Gang gegen Michael Bächli entscheidend. Gegen Bächli ist es jeweils äusserst schwierig zu gewinnen.
In Basel war der erste Gang gegen Daniel Bösch ein Schlüsselgang. Ich traf zum ersten Mal auf den St. Galler. Ich habe ihn zwar im ersten Zug hochgebracht. Daniel ist es sich aber gewöhnt gegen Topcracks wie Giger und Co. zu schwingen. Ich riskierte in der Folge nicht mehr allzu viel und konnte mit dem achtfachen St. Galler Kantonalfestsieger stellen.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Aargauer Kantonalen und vom Baselstädtischen Schwingertag?
«Im Nachhinein ist es ein super Gefühl. Früher war ich vor solchen Anlässen extrem nervös und kam beispielsweise nach einem gescheiterten Angriffsversuch ins Schleudern. Im Winter habe ich daran gearbeitet und bin nun ruhiger geworden. Ich bin sehr zufrieden, dass es so gut lief.»

Deine bisherige Saisonbilanz sieht hervorragend aus. Wie kommt das?
«Ich habe viel trainiert. Nebst den Klub-, Kantonal- und Teilverbandstrainings habe ich auch mit den Einsiedler Schwingern (unter anderem Christian Schuler) oder auch Pirmin Reichmuth trainiert. Das waren harte Trainings. Ich habe zudem fast komplett auf den Ausgang verzichtet und mich aufs Schwingen fokussiert. Ich habe den Trainingsaufwand gesteigert und zusätzliche Kraft- und Konditionstrainings eingebaut.»


Glücklich auf dem Weg zum Kranz-Empfang in Basel

Du hast deinen ersten Kranz 2013 beim Aargauer Kantonalschwingfest in Möhlin gewonnen. Von 2014 und 2018 resultieren keine Kränze. Warst du in jenen Jahren verletzt?
«2014 hatte ich eine Handverletzung und bestritt nur wenige Kranzfeste, bei welchen ich keinen Kranz gewinnen konnte. 2018 zog ich mir am Zürcher Kantonalen eine Schulterverletzung zu, und musste die Saison schon früh beenden.»

Du bist hervorragend in die 2019er-Saison gestartet. Der erste Kranzfestsieg ist eine Frage der Zeit?
Joel lacht. «Es läuft natürlich nicht immer so gut. Aber nach zwei erreichten Schlussgängen ist ein Kranzfestsieg schon ein Ziel. Das primäre Ziel ist und bleibt aber der Kranzgewinn. Irgendwann wird es schon klappen.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Ich absolviere pro Woche zwei bis drei Schwingtrainings und zwei Kraft-/Konditionseinheiten.»

Der erste eidgenössische Kranz ist ein reales Ziel. Wie gross ist das ESAF in Zug schon ein Thema?
«Eigentlich noch nicht gross. Ich wollte diese beiden Kränze gewinnen, um mich zu qualifizieren. Über diesen Riesenanlass wird so viel gesprochen. Es kann bis dahin aber noch einiges passieren. Das wichtigste ist, dass man gesund bleibt.»

Welches sind deine nächsten Wettkämpfe?
«Ich starte am Pfingstmontag auf dem Stoos und am Sonntag darauf steht das Solothurner Kantonale auf dem Programm. Am Nordostschweizer Schwingfest in Hallau bin ich Gast. Weiter werde ich bei den Bergfesten auf der Rigi und auf dem Weissenstein antreten.»

feldwaldwiesenblogger

Das Innerschweizerische live am Fernsehen verfolgen

Schweizer Radio und Fernsehen sowie das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 übertragen das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest am 7. Juli live aus Flüelen.

Text: Elias Bricker, Medienchef ISAF 2019 / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Das «Innerschweizerische» gilt als eines der wichtigsten Kräftemessen vor dem «Eidgenössischen» Ende August in Zug. Beim 113. Innerschweizer Schwing- und Älplerfest, welches am 7. Juli 2019 in Flüelen im Kanton Uri stattfindet, werden neben den 194 besten Schwingern der Innerschweiz auch acht hochkarätige Gäste aus den übrigen Teilverbänden zusammengreifen. Pirmin Reichmuth, Joel Wicki, Nick Alpiger sowie die Gebrüder Armon und Curdin Orlik werden für Hochspannung sorgen.

Schwingerkönig Sempach kommentiert
Schweizer Radio und Fernsehen, offizieller Radio- und Fernsehpartner des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV), überträgt das ganze Schwingfest als Livestream auf srf.ch/sport und in der SRF Sport App. Die Übertragung auf den SRF-Onlineplattformen beginnt mit dem Anschwingen und endet nach dem Schlussgang. Der Schlussgang wird voraussichtlich auch live im Fernsehen zu sehen sein. Dabei gibt Matthias Sempach, Schwingerkönig von 2013, an der Seite von Stefan Hofmänner seinen Einstand als Kommentator.


Schwingerkönig Matthias Sempach wird künftig ausgewählte Schwingfeste als SRF-Experte begleiten
Bild: matthiassempach.ch

Das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 zeigt das ganze Schwingfest während über zehn Stunden live am Fernsehen. Tele 1 startet um 7.15 Uhr mit der Berichterstattung. Wie schon 2018 in Ruswil wird Moderatorin Fabienne Bamert von den ehemaligen Spitzenschwingern Ueli Banz und Philipp Laimbacher unterstützt. Sie liefern den ganzen Tag Einschätzungen und interessante Analysen. Thomas Erni bildet zusammen mit dem zurückgetretenen «Eidgenossen» Peter Imfeld das Kommentatoren-Team während den Gängen.

«Arena steht mitten in einmaliger Bergkulisse»
«Die Liveberichterstattungen bei SRF und Tele 1 ist beste Werbung für das Schwingen und den Kanton Uri», sagt Flavio Gisler, der als Mitglied des engeren OK für die Koordination der TV- und Radioübertragungen zuständig ist. «Ich freue mich auf wunderbare Fernsehbilder, denn in Flüelen steht die Arena mitten in einer einmaligen Bergkulisse und direkt am Urnersee – ein Schwingfest wie auf einer Postkarte.»
Neben den Fernsehsendern werden auch andere Medien live von Flüelen berichten – so mehrere Radiosender. Radio Central, das Schwinger-Radio der Zentralschweiz schlechthin, ist Medienpartner des Innerschweizer Schwing und Älplerfests 2019. Auch die beiden anderen Medienpartner des Anlasses, die Schwingerzeitung Schlussgang und die Urner Zeitung (Kopfblatt der Luzerner Zeitung), sowie weitere Medien werden über ihre Online-Kanäle die daheimgebliebenen Schwingerfans auf dem Laufenden halten.

Hinweis
Mehr Infos zum Fest gibt es unter www.isaf2019.ch

feldwaldwiesenblogger

Schwingerkönig-Barometer vom 11. Mai: «Reichmuth und Orlik in Front»

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

2013 «installierte» ich auf meinem Blog das «Schwingerkönig-Barometer». Damals ging’s um die Einschätzung vor dem ESAF in Burgdorf. Vor Estavayer liess ich es bleiben, diesmal aber reizt es mich wieder. Und so kam während der vergangenen Woche die Idee, wieder in losen Folgen ein «Schwingerkönig-Barometer» zu lancieren. Natürlich soll es nicht für bierernst genommen werden, denn es ist und bleibt eine rein subjektive Einschätzung. Und solche Einschätzungen können natürlich stets über den Haufen «geworfen» werden.

«Reichmuth und Orlik in Front»
Nach den Frühjahrschwingfesten und den ersten drei Kantonalschwingfesten kann man natürlich noch nicht allzu viel aussagen. Trotzdem wage ich mal eine erste Prognose. Die nachfolgend präsentierte Rangliste soll nicht eine mögliche Rangliste von Zug sein. Sondern die Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit auf den Schwingerkönig-Titel.

1. Pirmin Reichmuth
2. Armon Orlik
3. Joel Wicki
4. Samuel Giger
5. Christian Stucki
6. Fabian Staudenmann
7. Kilian Wenger
8. Nick Alpiger
9. Matthias Aeschbacher
10. Michael Wiget


Pirmin Reichmuth führt das Schwingerkönig-Barometer vom 11. Mai an

Hinter Samuel Giger steht ein kleines Fragezeichen
Die ersten beiden Plätze erstaunen wohl niemanden. Wie Pirmin Reichmuth das Zuger Kantonale in absolut überzeugender Manier gewonnen hat, und schon bei den vorherigen Frühlingsfesten (fast) nichts anbrennen liess, lässt Stand heute keinen anderen Rang als die Eins zu.

Armon Orlik zeigte beim Thurgauer Kantonalen, dass mit ihm unbedingt gerechnet werden muss. Es ist aber nicht unmöglich, dem Bündner «Gestellte» anzuhängen, wie beispielsweise beim Rheintal-Oberländer Verbandsschwingfest. Dort fiel Armon nach zwei Gestellten aus der Entscheidung.

Joel Wicki ist in Form, das steht ausser Frage. Aber auch der Sörenberger kann mit gestellten Gängen gebremst werden. Allerdings habe ich die Vermutung, dass wärmere Temperaturen das Luzerner Kraftpaket dann schon in gehörigen Schwung bringen werden.

Hinter Samuel Giger steht für mich momentan ein kleines Fragezeichen. Mal gewinnt er absolut überzeugend, wie beim bereits erwähnten Rheintal-Oberländer Verbandsschwingfest. Beim Gibel-Schwinget in Bonstetten stellte der Thurgauer zweimal mit Pirmin Reichmuth und am Thurgauer Kantonalen lief es «Sämi» wohl nicht nach Wunsch. So wie man nun lesen konnte, ist der grossgewachsene Modellathlet angeschlagen und verzichtet auf den Zürcher Ehrentag. Im Jahr des Eidgenössischen lässt sich keiner in die Karten blicken, und so weiss man nicht, was genau «Sämi» hat…

Mit Christian Stucki muss jederzeit gerechnet werden. Morgen Sonntag steigt der Seeländer Hüne in die Kranzfestsaison, und wird dann wohl tüchtig Fahrt aufnehmen. Die von ihm besuchten und gewonnenen Frühjahrschwingfeste deuten auf einen starken Formstand hin. «Chrigul» hat nichts zu verlieren und seine Routine könnte am Ende noch ausschlaggebend sein…

Fabian Staudenmann wie einst Kilian Wenger?
Man will ja auch eine mögliche Überraschung präsentieren können. Und diese ist für mich momentan Fabian Staudenmann. Seine Resultate an den Frühjahrschwingfesten waren stark. Erst recht beeindruckend war das Notenblatt beim Freiburger Kantonalen. Der junge Berner bekam in meinen Augen die stärksten Gegner zugeteilt. Im Kampf um den Schlussgang-Einzug verlor er leider mit dem späteren Sieger Benjamin Gapany. Trotzdem: Man hat schon Stimmen gehört, dass Fabian einst unterwegs sein könnte wie der junge Kilian Wenger…

…und da wären wir beim angesprochenen Kilian Wenger. Der Berner Oberländer trat zwar diese Saison noch nicht gross in Erscheinung. Trotzdem stand er erst kürzlich beim Abendschwinget Frutigen zu Oberst und zeigte eine gute Leistung. Wie Stucki steigt auch Kilian morgen Sonntag beim Emmentalischen Schwingfest in die Kranzfestsaison. Dem Schwingerkönig von 2010 ist alleweil zuzutrauen, auch in Zug wieder um die Krone mitzuschwingen.

Ein «Eidgenössisches Märchen»?
Nick Alpiger ist die unbestrittene Nummer eins bei den Nordwestschweizern. Was der junge Sennenschwinger diesen Frühling bisher bot war schon beeindruckend. Überzeugende Siege am Hallenschwinget Brunegg und am Guggibad-Schwinget. Wie sich der Aargauer mit den «Cracks» aus den anderen Teilverbänden schlagen wird, sehen wir dann im Verlaufe der Saison.

Matthias Aeschbacher habe ich ebenfalls als möglichen Schwingerkönig auf meiner Rechnung. Der Emmentaler scheint schon in einer tollen Form zu sein. Gewann er doch im Frühjahr den Hallenschwinget Kirchberg, den Hallenschwinget Oberdiessbach und den Oberbühl-Schwinget. Matthias kann unberechenbar schwingen und beim Ansetzen seines gefürchteten Inneren Hakens ist schon so mancher Favorit geflogen, respektive gestrauchelt.

Michael Wiget: Diesen Namen habe ich vor dieser Saison noch nie gehört. Schaut man sich die Daten des jungen Berners an, hat er «erst» einen Kranz auf seinem Konto. Was Michael aber beim Worblentaler Hallenschwinget zeigte, war schlicht sensationell. Er gewann diesen souverän und bodigte dabei die beiden Eidgenossen Thomas Sempach und Willy Graber. Am Frühjahrschwinget Ibach landete der Sennenschwinger auf dem zweiten Schlussrang und schon wieder standen zwei besiegte Eidgenossen auf seinem Notenblatt: Christian Schuler und Philipp Gloggner. Stoppen konnte ihn dort nur der spätere Sieger Mike Müllestein. Ob sich da ein «Eidgenössisches Märchen» anbahnt?

feldwaldwiesenblogger