Trainingsbesuch beim Schwingklub Sumiswald

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Auf meiner Reise durch die Teilverbände, in welchem ich seit anfangs 2017 je einen Schwingklub besuche, bin ich nun bei den Bernern angelangt. Bei der Auswahl achtete ich diesmal auch auf meine Herkunft, respektive mit wem der Schwingklub Muotathal im Bernbiet gute Beziehungen unterhält. Darunter befindet sich der Schwingklub Sumiswald.

Am Donnerstag, 11. Januar, stattete ich den Emmentalern einen Trainingsbesuch ab. An diesem Abend trainierten die Aktivschwinger von 20 bis 22 Uhr im Schwingkeller in Sumiswald. Der Schwingklub Sumiswald trainiert in einem eigenen Schwingkeller, welcher 1990 bezogen werden konnte. Die Schwinger teilen sich den Keller mit den Kleinkaliber-Schützen.

Bevor das Training losging, konnte ich mit Ueli Steffen (Klubpräsident), Damian Gehrig (Aktiver und TK-Chef Aktive) sowie Marcel Brunner (Aktiver und TK-Chef Jungschwinger) ein ausführliches Interview führen. Denn in meinem Gepäck fanden sich nebst dem Fotoapparat auch ein Fragenkatalog mit 20 Fragen.


Von links nach rechts: Ueli Steffen (Klubpräsident), Damian Gehrig (TK-Chef Aktive) und Marcel Brunner (TK-Chef Jungschwinger)

Wann wurde der Schwingklub Sumiswald gegründet?
Ueli Steffen: „1928 taten sich ein paar Männer aus Sumiswald und Wasen zusammen und gründeten den Schwingklub Sumiswald.“

Mit wem erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten?
Ueli: „Es war laufend ein Auf und Ab. In den frühen Jahren existierte die Dynastie Eggimann, welche Eidgenossen hervorbrachte. Später kamen die Gebrüder Lüthi aus Waldhaus. Dann kam irgendwann ein Tief, auf welches die beiden Eigenossen Walter Moser und Hansruedi Sommer folgten. Die Neuzeit brachte mit Roland Gehrig und Fritz Bähler weitere Eidgenossen hervor. Man darf behaupten, dass wir derzeit einen Höhenflug erleben. Denn mit so vielen starken Schwingern, wie wir im Moment haben, sind wir im Kanton Bern sehr gut aufgestellt.“

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sumiswald aus?
Damian Gehrig:
„Das ist relativ gross, nebst Sumiswald sind das etwa acht bis zehn Gemeinden wie Lützelflüh, Rüegsau, Trachselwald, Affoltern, Dürrenroth, Hasle, Landiswil oder Obergoldbach.“

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
Damian:
„Für die Saison 2018 liess ich bisher 29 Aktive versichern. Es ist gut möglich, dass ich noch einige wenige nachversichern lasse.“
Marcel Brunner: „Wir zählen 41 Jungschwinger, welche in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Am Dienstag ist Training mit den Kids, den fünf- bis zehnjährigen Buben. Am Donnerstag trainieren wir die älteren Jungschwinger, welche 9 bis 15 Jahre alt sind. Dabei gibt es eine altersmässige Überschneidung, bei der auch das aktuelle Können mitentscheidend ist.“

Wie sehen die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger für 2017 aus?
Damian:
„Wir sind grösstenteils zufrieden, es wäre aber noch mehr möglich gewesen. 30 Saisonkränze haben wir erreicht. Zehnmal fehlte leider ein Viertelpunkt für den Kranzgewinn. Schade ist, dass sich im Saisonverlauf einige Schwinger verletzt haben.“
Marcel: „Die Saison war gut, aber auch bei den Jungschwingern wäre noch mehr drin gelegen. Wir holten vier Festsiege und 104 Zweige. 21 Schwinger gewannen dabei Zweige und insgesamt zählten wir 16 Schlussgangteilnehmer.“

Wurden die anvisierten Ziele 2017 erreicht?
Damian: „Einige Ziele wurden erreicht, andere nicht. Schade ist, dass es keine Neukranzer und keine neuen Kantonalkranzer gab. Wir hätten uns erhofft, dass es bei einem oder zwei klappen könnte. Dabei spielten die bereits angesprochenen „Viertelpunkte“ auch eine Rolle.“
Marcel: „Wir setzen uns jeweils das Ziel, 100 Zweige zu gewinnen. Dies haben wir erreicht. Bei den Festsiegen war das Ziel fünf, was mit vier Siegen knapp nicht geschafft wurde. Unsere Ziele haben wir im Grossen und Ganzen erreicht.“

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Emmentaler Schwingklubs und ganz allgemein im Berner Teilverbandsgebiet aus?
Damian:
„Die Zusammenarbeit unter den Emmentaler Schwingklubs und ganz allgemein im Kanton Bern funktioniert gut. Es findet wöchentlich ein Emmentaler Verbandstraining in Langnau statt, welches es allen Aktiven erlaubt, teilzunehmen. Je nachdem, was für eine Saison ansteht, finden monatlich ein bis zwei Trainingszusammenzüge des Bernisch-Kantonalen Schwingerverbandes statt. Für diese Trainings erfolgt vorgängig eine Kader-Selektionierung. Diese Kaderzusammenzüge finden auch in Jahren ohne Feste mit Eidgenössischem Charakter statt.“
Marcel: „Auch beim Nachwuchs wird relativ viel gemacht. Am Freitag findet jeweils ein Emmentaler Verbandstraining statt. Innerhalb des Kantons wurde Mitte der letzten Saison ein Novizen-Kader gebildet. Die rund zehn besten Jungschwinger pro Jahrgang wurden dabei selektioniert.“


Beim Besuch wurde unter anderem der Hüfter trainiert

Erlebte euer Schwingklub dank den beiden Eidgenössischen Kränzen (Estavayer2016) von Damian Gehrig und Philipp Schenk sowie mit Matthias Aeschbacher (einem der besten Nichteidgenossen) vergangene Saison einen Aufschwung?
Damian:
„Ich sehe dabei zwei Aspekte. Einerseits findet jährlich im Herbst der Eidgenössische Schnuppertag statt. Wir haben das so organisiert, dass einer oder zwei von uns dreien jeweils dabei ist. Man darf schon behaupten, dass die Schnuppertage ein Erfolg sind. Denn es nehmen relativ viele Buben teil. Andererseits: Klubintern hatten wir vorher schon ein gutes Team. Klar, die beiden Eidgenössischen Kränze und die Erfolge haben uns Freude bereitet und wir sind dadurch noch motivierter.“
Marcel:Wir haben nach den beiden Eidgenössischen Kränzen tatsächlich bessere Resultate erzielt. Aber, ob das mit diesen Erfolgen zusammenhängt, ist nicht so einfach zu beantworten.“
Damian: „Den Grundstein dieser Erfolge wurde vor gut zehn Jahren gelegt. Es wäre falsch, dies auf die letzten zwei oder drei Jahre abzuwälzen. 2013 in Burgdorf erkämpften wir uns keinen Eidgenössischen Kranz. Sechs Schwinger von unserem Klub haben sich damals fürs ESAF qualifiziert, und alle bestritten acht Gänge. Es war wohl nicht der grosse Coup, wir jüngeren Schwinger konnten dort aber wertvolle Erfahrungen sammeln. Für Estavayer2016 wurden wieder sechs Schwinger (plus zwei Ersatzschwinger) selektioniert.“

Wie lief es den Sumiswalder Schwingern beim Unspunnen-Schwinget?
Damian: „Matthias Aeschbacher belegte den sehr guten Rang 4d. Patrick Schenk landete auf Rang 10, Roman Sommer auf dem 11. und Gustav Steffen auf dem 16. Schlussrang. Alle vier Teilnehmer konnten sechs Gänge bestreiten. Schade war, dass sich der fünffache Saisonkranzer Philipp Gehrig verletzte und nicht teilnehmen konnte.“
Ueli: „Neben Philipp verletzte sich auch Damian. Beide wären für Unspunnen qualifiziert gewesen, konnten aber leider wegen Verletzungen nicht antreten.“

Wann erfolgte der Trainingsstart für die neue Saison?
Ueli:
„Der Trainingsstart für die Saison 2018 erfolgte anfangs November.“

Sind alle Aktiven fit und gesund?
Damian:
„Leider nicht ganz. Philipp Gehrig ist zurzeit rekonvaleszent, und noch nicht im Schwingtraining. Weiter laboriert Philipp Röthlisberger an einer Fussverletzung.“

Auf was legt ihr im Wintertraining besonderen Wert?
Damian:
„Auf die neue Saison hin legen wir den Wert, rein physisch gesehen, auf die Beweglichkeit. Denn dort fiel uns Trainern ein Defizit auf. Da wir praktisch immer die gleiche Haltung einnehmen, sei es beim Schwingen oder im Kraftraum, ist dies von der Anatomie her nicht unbedingt ideal. Wir widmen uns nun vermehrt und intensiver entsprechenden Dehnübungen.“

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Damian:
„Unser Ziel ist es, auch in Zukunft ein breites Team zu haben. Weiter ist es unser Bestreben, dass möglichst viele Junge in die Nähe der Kranzränge gelangen. Namen möchte ich hier aber keine nennen.“
Marcel: „Dies ist immer schwierig zu sagen. Beispielsweise Matthias Aeschbacher: Als er neu zu den Aktiven kam, hätte damals fast niemand gedacht, dass dieser Athlet mal eine Wahnsinns-Granate werden könnte.“
Damian: „Für uns ist es wichtig, dass sie den Übergang von den Jungschwingern zu den Aktiven schaffen und dabeibleiben. Denn für diese Jungen ist das eine recht intensive Zeit mit Ausbildung, Training oder Ausgang. Wichtig ist auch, dass sie Freude am Schwingsport haben. Wenn uns das gelingt, wird einiges fast wie zum Selbstläufer.“
Ueli: „Wir haben schon seit längerem auf eine bestimmte Breite im Team hingearbeitet. Vom Klub her unterstützen wir dieses Vorgehen und schauen dabei nicht explizit auf einzelne Schwinger. Wenn es einer nach oben schafft, haben alle Freude daran. Das ist ein längerer Prozess und ich hoffe, dass er noch länger nicht abgeschlossen ist.“


Vor dem Training der Aktiven übten die Jungschwinger fleissig Schwünge

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Marcel: „Wie bereits erwähnt, haben wir die Jungschwinger-Schar in zwei Gruppen aufgeteilt. Bei den jüngeren erfolgt das Training vor allem auf spielerische Art. Ich schaue darauf, dass wir beim Training am Dienstag zu zweit, und bei demjenigen am Donnerstag mindestens zu dritt sind. Damit wir dem Nachwuchs möglichst viel weitergeben können. Dabei helfen auch die Aktiven mit. Im Dezember gehen wir mit dem Nachwuchs in die Turnhalle, um mit ihnen auch vielseitig trainieren zu können. Ab diesem Jahr werden wir zusammen mit den älteren Nachwuchsschwingern und den Aktiven am Samstag zusätzlich Trainingstage absolvieren.
Wichtig ist für uns auch der angesprochene Schnuppertag, bei welchem letztes Jahr 18 Buben teilnahmen. Von diesen kommen nun acht ins Training.“

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
Damian: „Jeder Aktive hat die Möglichkeit drei Klub-Trainings zu besuchen. Am Donnerstag ist Schwingtraining, am Freitag trainieren wir in der Turnhalle Kondition. Weiter bieten wir vom Klub aus ein Kraft- und Ausdauertraining an. Und am Dienstag findet zudem das erwähnte Verbandstraining der Emmentaler Schwinger statt. Die restlichen Trainings gestalten die Schwinger individuell, einige sind auch bei den Kantonalen Zusammenzügen dabei.“
Marcel: „Nebst dem Klubtraining und den angesprochenen Trainingstagen können die älteren Nachwuchsschwinger am Montag ein Konditionstraining besuchen.“

Damian Gehrig, du bist aktiver Schwinger. Seit wann bist du zusätzlich TK-Chef der Aktiven?
Damian:
„Im November 2015 habe ich dieses Amt von Marcel übernommen, welcher nun seither die Jungschwinger betreut.“

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
Damian:
„Meine eigentliche Bilanz wird erst in fünf bis zehn Jahren zum Vorschein kommen. Das Amt ist eine spannende Aufgabe und bei so vielen Schwingern anspruchsvoll. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Niveaus zu beachten und Trainings zu gestalten, welche alle fordern.“

Wie lauten die Ziele für 2018?
Marcel:
„Die Ziele sind gleich wie für 2017. Wir streben wieder 100 Zweige und fünf Festsiege an. Weiter gilt ein Fokus dem ENST 2018 in Landquart. Es wäre schön, wenn von uns vier oder fünf Jungschwinger teilnehmen könnten und Doppelzweige gewonnen würden.“
Damian: „Aus Sicht der Aktiven ist 2018 eine Zwischensaison. Ein Ziel ist, dass wir uns gut für die Saison 2019 mit dem ESAF in Zug vorbereiten können. Weiter hoffen wir diese Saison auf Neukranzer, was wir 2017 leider nicht erreichten.“

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2018?
Damian:
„Wir organisieren zwei Anlässe mit drei Wettkämpfen. Das eine ist der Buebeschwinget Schonegg im Mai. Weiter im Juni: Wenn der Gotthelf-Märit stattfindet, steht am Freitag der Abendschwinget und am Samstag der Jungschwingertag auf dem Programm.“

Wann und wo treten die Sumiswalder Schwinger 2018 zu den ersten Schwingfesten an?
Damian:
„Das erste Schwingfest wird der Hallenschwinget Kirchberg (10. Februar) sein. In den vergangenen Jahren waren immer um die fünf Schwinger von uns am Start. Weiter folgt am 24. Februar der Hallenschwinget Büren a. Aare, bei welchem bisher um zwei bis drei Schwinger von unserem Klub teilnahmen. Beim Hallenschwinget Oberdiessbach (11. März), dem ersten Schwingfest der Saison im Emmental, rücken jeweils mehr als zehn Schwinger von uns aus.“
Marcel: „Beim Jungschwingertag Büren a. Aare (24. Februar) werden wir teilnehmen. Weiter auch in Oberdiessbach, beim Hallen-Jungschwingertag (10. März) und am 18. März beim Hallen-Nachwuchsschwingertag Langenthal.“


Den Aktiven machte das Aufwärmtraining sichtlich Spass

Nach dem Interview begann der Eidgenosse Damian Gehrig das Training mit den 14 anwesenden Aktiven. Man sah deutlich, dass der Spass beim Training, in welches unter anderem spielerische Reaktionsübungen integriert wurden, nicht zu kurz kam. Der andere Eidgenosse, Patrick Schenk, und Matthias Aeschbacher waren beim Training nicht anwesend. Beide absolvierten zu diesem Zeitpunkt einen Spitzensport-WK in Magglingen BE.

Wie man beim Schwingtraining beobachten konnte, wird der Fokus momentan auf je einen Boden- und einen Standschwung gelegt. Beim Besuch wurde der „Münger Murks“ und der „Hüfter“ geübt. Wie mir Philipp Gehrig, wegen einem 2017 erlittenen Kreuzbandriss derzeit rekonvaleszent, erklärte, wird im Januar vor allem das Schulschwingen praktiziert. Philipp, welcher zurzeit noch kein Schwingtraining absolvieren darf, ergänzte: „Anfangs Februar starten die Schwinger mit wettkampfmässigem Schwingtraining.“

Zum Schluss bedanke ich mich bei Ueli, Damian, Marcel und den Sumiswalder Schwingern für ihre Gastfreundschaft! Für die weiteren Trainingswochen und die im Frühling beginnende Schwingfestsaison wünsche ich ihnen viel Erfolg und zahlreiche Kränze. Aber auch, dass sie verschont vor Verletzungen bleiben und ihre rekonvaleszenten Schwinger wieder in die Sägemehlringe zurückkehren können.

feldwaldwiesenblogger

Krafttraining im Schwingsport – Längst noch nicht ausgereift

Text und Fotos: Matthias Ludwig

Über mich
Mein Name ist Matthias Ludwig und ich arbeite als Leistungsphysiologe/Diagnostiker und Trainer im Ausdauer und Kraftbereich. Die Liebe zum Sport führte mich zur Ausbildung an die Deutsche Sporthochschule in Köln. Die einzige eigenständige Universität in Europa, die sich nur auf Sport konzentriert. Nachdem ich der Universität zunächst als Dozent erhalten blieb, führte mich mein Weg 2008 als Leistungsdiagnostiker in die Schweiz. So konnte ich früh mit den besten Sportlern aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten und von den besten Trainern lernen. Parallel bin ich seit 2006 weltweit in der Trainerausbildung tätig und referiere über Trainingssteuerung, Kraft- und Ausdauertraining. Im Schwingsport arbeite ich seit 2011 als Kraft- und Athletiktrainer. Mittlerweile zertifiziert als Trainer im Olympischen Gewichtheben, gebe ich dieses Wissen seit 2011 an Schwinger aus mehreren Kantonen und verschiedenen Altersklassen weiter.

Stellenwert des Krafttrainings
Schwingen ist ein Techniksport. Doch die zweite Komponente, die Kraft, kommt bei allem Trainingsaufwand immer noch zu kurz. Mit Krafttraining meine ich Training mit hohen Gewichten, nicht das Training im Sägemehl. Das Krafttraining im Schwingsport wird mehr und mehr akzeptiert. Sätze wie „Ich hole mir die Kraft im Sägemehl“ hört man fast nicht mehr. Genauso selten ist, dass körperliche Arbeit als Ersatz geltend gemacht wird. Vor allem die junge Generation hat begriffen, welches Potenzial Krafttraining bietet und ist regelmässig im Kraftkeller zu finden. Die Spitzenschwinger der vergangenen Jahre haben hierfür extra Trainer engagiert, die sie für die Kranzfeste fit machen und Trainingsabläufe optimieren, beziehungsweise an Schwächen arbeiten. Für den Nachwuchs entsteht hier eine Wissenslücke: Die Trainer wissen zwar um die Wichtigkeit des Kraft- und Athletik-Trainings, das nötige Wissen fehlt allerdings häufig. Teils, weil sie selbst nie konsequent im Kraftbereich gearbeitet haben, teils auch, weil das Wissen in den letzten Jahren in diesem Bereich enorm erweitert wurde. Übungen aus dem klassischen Gewichtheben gehören ebenso zum Repertoire des modernen Trainings wie Übungen mit Kettlebells (Kugelhanteln) und Gleichgewichtsübungen. Dazu kommen einige Varianten um das Training variabel und abwechslungsreich zu gestalten, so dass der Körper sich auf die neuen Reize einstellen muss und der Geist nicht müde wird. Richtig geplant ist das Krafttraining auch trotz körperlicher Arbeit möglich.
Nun habe ich bei MYPersonalcoach.ch mittlerweile einige Schwinger in Betreuung, von unterschiedlichem Alter und unterschiedlicher Klasse. Alle haben auf Nachfrage beim ersten Kontakt angegeben, dass sie Krafttraining machen. Auf die Frage wie sie es machen und unter welchen Anweisungen, gaben sie an, dass der Trainer gesagt hat: „Mach Krafttraining“. Zufall? Vielleicht. Aber Schwinger aus verschiedenen Teilverbänden, die das gleiche berichten? Ein näherer Blick lohnt sich. Vor allem in Zeiten der höchsten Popularität und zunehmender Professionalisierung des Schwingsports.

Die Anforderungen
Neben der Technik ist Schwingen auf den ersten Blick vor allem eines: Eine Schnellkraftsportart. Da scheint es nur logisch zu sein, das Krafttraining ebenso auszurichten. Was ist aber mit der zeitlichen Komponente? Oder besser gesagt: Der Ermüdungsresistenz? Je länger ein Gang dauert, desto höher die anaerobe Komponente (Energiebereitstellung unter Laktatproduktion). Wer hier schlecht aufgestellt ist, wird aufgrund von Konzentrationsschwäche und Kraftverlust dem athletischeren Gegenüber unterlegen sein. Athletisch bedeutet nicht in erster Linie kräftig und schwer.
Kraft = Masse mal Beschleunigung. Setzt sich die Masse eines Schwingers nicht aus aktiver (beschleunigender) Muskulatur zusammen, sondern aus „Schwungmasse“, wird es schwierig. Das heisst: Bei aller Masse muss auch die nötige Kraft vorhanden sein, diese Masse zu beschleunigen. Das Verhältnis muss stimmen. Mit wenigen Ausnahmen sind die heutigen Spitzenschwinger Athleten. Alle über 100 Kilogramm und alle mit der nötigen Muskulatur ausgestattet, das Gewicht richtig einzusetzen. Nicht zu vergessen der funktionelle Anteil. Es bringt wenig, den Bizeps beispielsweise massiv auf zu trainieren, diese Kraft im Wettkampf aber nicht einsetzen zu können. Das bedeutet: Funktionell, also bewegungsangepasst trainieren.
Was ist aber mit einem ganzen Wettkampftag? Auch die aerobe Ausdauer (was zum Beispiel ein Triathlet braucht: Energie bereitstellen ohne zu übersäuern) spielt eine gewisse Rolle. Je besser die ist, desto besser ist die Regeneration zwischen zwei Gängen.

Wie trainieren meine Athleten?
Einige Kränze im letzten Jahr zeigen, dass nicht alles schlecht war was gemacht wurde. Ein neuer Athlet muss ein gewisses Assessment (Beurteilung) durchlaufen. Das heisst, es gibt ein bis drei Termine an denen wir uns persönlich sehen und wir Trainings zusammen absolvieren. Dabei technische Schwächen zu erkennen und zu beheben versuchen. Viel Gewicht zu bewegen bedeutet nicht automatisch ein hohes Verletzungsrisiko. Das besteht nur, wenn zum Beispiel bei der tiefen Kniebeuge die Kniestellung nicht stimmt. Oder anders gesagt: Die Technik schlecht ist. Danach definieren wir sogenannte Benchmarks (Vergleichsmassstäbe). Das sind Übungen und Abläufe, die sich in regelmässigen Abständen wiederfinden und die wir als Standortbestimmung nutzen. Das kann, je nach Athlet, bis zu zwei Wochen dauern, verteilt auf etwa sechs Tage. Der eigentliche Aufbau startet ab da. Dabei gibt es einen groben Rahmenplan, der die Saison in verschiedene Blöcke einteilt: Teile in denen der Kraftaufbau im Vordergrund steht, spezifische Schnellkraft, anaerobes Training und der Erhalt des Ganzen. Dies alles angepasst auf den Wettkampfkalender. Dabei zeigt sich, dass es mehr als „Mach Krafttraining“ ist. Viele Komponenten spielen zusammen und ergeben im Endeffekt das Gesamtresultat.

Am Anfang steht die Kraft
Die Maximalkraft ist nach der Technik ein zentraler Teil des Schwingsports. Ihr wird auch im Training ein grosser Teil der Zeit gewidmet, vorausgesetzt die technische Übungsausführung ist gut. Welche Muskelgruppen im Fokus stehen, ist wiederrum abhängig von der Ausgangslage des Sportlers. Oberschenkel – Vorder- und Rückseite, Rumpf, Arm und Schultergürtel. Das wird trainiert mit verschiedenen Übungen und Übungsmustern. Dann der zweite Teil der Schnellkraft: Die Fähigkeit Muskelfasern schnell anzusteuern. Das Ganze wird mit funktionellen Übungen kombiniert. Das bedeutet, Schnellkraft funktionell anzuwenden, wie es im Wettkampf auch passieren muss.
Mit MYPersonalcoach.ch habe ich ein Tool, das individuelles Training ermöglicht, ohne dass ich immer vor Ort sein muss. Das hat einen klaren zeitlichen und finanziellen Vorteil und erlaubt dabei jedem, ein spezifisches Training, das Stärken und Schwächen erkennt und ausgleichen kann.

Ermüdungsresistenz – anaerobe Ausdauer
Das sogenannte Laktat kennen die Meisten. Das Brennen in der Muskulatur, welches uns zwingt den Berg langsamer hoch zu laufen. Die Atmung ist beschleunigt und wenn wir das Tempo nicht weiter reduzieren, zwingt uns unser Körper stehen zu bleiben. Das kommt daher, dass wir schnell viel Energie verbraucht haben. Zuviel Kraft aufgewendet haben, um das über längere Zeit zu machen. Je länger der hohe Krafteinsatz, desto früher müssen wir aufhören. Der Eine kann das vielleicht 30 Sekunden, eine Minute oder länger. Und genau das kann den Unterschied in einem Wettkampf, der vielleicht sechs Minuten dauert, ausmachen. Das kann man trainieren. Ein Paradebeispiel sind 400-Meter- oder 800-Meter-Läufer: Das Startsignal kommt und dann geht es nur darum, das maximale Tempo möglichst lange aufrecht zu halten. Trotz der Schmerzen, die mit jedem Schritt grösser werden und es mit jedem Schritt schwerer wird, ein Bein vor das andere zu setzen. Beim Schwingen ist es ähnlich: Höchste Körperspannung von Anfang an. Dazu kommt eine enorme Anforderung an die Konzentration. Nur geht es hier nicht um eine Zeit. Es geht um gewinnen und verlieren. Ein Fehler oder eine Unkonzentriertheit kann dazu führen, dass du vom Gegner auf den Rücken gedreht wirst. Dieser entscheidende Augenblick kommt in jedem Kampf. Gewinnen wird der, der in diesem Moment noch das Quäntchen frischer ist. Wie gesagt: Das kann man trainieren. Und das sollte auch Teil eines jeden Trainings sein.

Welche Komponenten gehören noch dazu?
Ludwig Feuerbach prägte den Ausspruch „Du bist was du isst“. Mittlerweile ist dieses Zitat gut 150 Jahre alt und hat trotzdem immer noch seine Gültigkeit. Die Menge und die Qualität der zugeführten Nahrungsmittel haben auch einen massiven Einfluss auf die Leistungen im Training, und damit indirekt auch auf die Leistung im Wettkampf. Das Essverhalten am Wettkampftag beeinflusst die Leistung ebenfalls. Ausnahmen gibt es, und die bestätigen wie immer die Regel, beispielsweise Christian Stucki. Ich denke aber, dass der Schwingsport weiter an Professionalität zunehmen wird. Und je weiter Sportler an ihr Leistungslimit kommen, desto wichtiger wird es, dass Einflussfaktoren wie Ernährung, oder auch Mentaltraining, im Training berücksichtig und optimiert werden.

Wo liegt das Problem im Krafttraining?
Neben der oben beschriebenen Komplexität des Krafttrainings im Erwachsenenalter muss man sich doch vergegenwärtigen, dass die Grundlagen dafür schon in der Jugend gelegt werden. Das heisst, dass ein strukturierter Aufbau, der die Sportler an die komplexen Übungen beispielsweise des Gewichthebens heranführt, erfolgen sollte. Am Anfang steht die Technik. Das gilt für das Schwingen wie für das Krafttraining. Dabei muss dafür kein grosser Teil des Trainings geopfert werden. Basisübungen können zum Beispiel in das Aufwärmen integriert werden. Training mit hohen Gewichten bietet enorm viel Potenzial im Maximal- und Schnellkraftbereich. Und bietet natürlich auch ein hohes Verletzungsrisiko. Allerdings nur, wenn unsauber gearbeitet wird. Ergänzende Stabilisierungsübungen und Dehnung der beanspruchten Muskulatur muss ebenfalls seinen Platz finden. Es schadet also nicht, das eigene Training zu hinterfragen und neuem gegenüber offen zu sein.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Stephan Studinger, welcher überraschend im Schlussgang des Berchtold-Schwinget stand

Text: feldwaldwiesenblogger

Wie bereits schon letztes Jahr, als ich beispielsweise den Emmentaler Tobias Siegenthaler oder den Schwyzer Florian Hasler nach einem verlorenen Schlussgang zu Wort kommen liess, widme ich mich nach dem ersten Schwingfest der Saison erneut dem Schlussgang-Verlierer. Denn: Stephan Studinger erreichte beim Berchtold-Schwinget den Schlussgang mit einer starken Leistung, welche es ebenfalls verdient, erwähnt zu werden. Einen Tag nach dem erfolgreichen Schwingfest führte ich mit Stephan ein interessantes Gespräch am Telefon.


Stephan Studinger beim Berchtold-Schwinget 2018
Bild: Pascale Alpiger

Der 121. Berchtold-Schwinget
Am 2. Januar wird schon seit vielen Jahren mit diesem Klassiker die Schwingsaison eingeläutet. Sieger des traditionellen Berchtold-Schwinget in der Saalsporthalle Zürich-Wiedikon wurde wie schon im Vorjahr Armon Orlik. Der Bündner bezwang im Schlussgang in der dritten Minute Stephan Studinger mit einem herrlichen Kurz.
1680 Zuschauer fanden den Weg am Berchtoldstag, welcher in Zürich ein Feiertag ist, in die Saalsporthalle. Organisiert wird der Anlass vom Schwingklub Zürich. Ruedi Schweizer, seines Zeichens Klubpräsident, figurierte als OKP des ersten Schwingfestes des Jahres. Er und sein Team stellten eine erstklassige Infrastruktur bereit und waren auch besorgt für das leibliche und musikalische Wohl der Schwingerfreunde. In der Saalsporthalle war zudem ein kleiner aber feiner Gabentempel auszumachen.
In früheren Jahren soll die Besetzung jeweils absolut top gewesen sein. Wie mir Ruedi Schweizer vor einem Jahr erzählte, durfte sich das Teilnehmerfeld aber auch in den letzten Jahren absolut sehen lassen. So auch bei der Ausgabe 2018: Am Start waren sechs Eidgenossen (Armon Orlik, Michael Bless, Marcel Kuster, Roger Rychen, Sven Schurtenberger und Nick Alpiger), sowie etliche starke Kranzschwinger. Insgesamt traten 135 Schwinger an. Nebst den Nordostschweizern waren Gäste aus der Innerschweiz, dem Bernbiet und der Nordwestschweiz im Teilnehmerfeld auszumachen.

Stephan Studinger stand überraschend im Schlussgang
Stephan Studinger verlor im Schlussgang gegen einen souveränen Armon Orlik und fand sich schliesslich auf Rang 5a der Schlussrangliste. Der Sennenschwinger qualifizierte sich mit vier Siegen und einer Niederlage für den Schlussgang. Im fünften Gang bezwang Stephan den Bündner Roman Hochholdinger platt und ebnete sich so den Weg ins Finale. Der Übersprung- und Kurz-Spezialist stand etwas überraschend, aber nicht unverdient im finalen letzten Kampf. Das Meisterstück gelang dem Nordwestschweizer im zweiten Gang, in welchem ihm für den Sieg gegen den Eidgenossen Roger Rychen eine glatte Zehn geschrieben wurde.
Stephan’s Geburtsdatum ist der 6. Juli 1984. Der 33-Jährige wohnt in Däniken SO, ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes. Der gebürtige Solothurner bringt mit seiner Grösse (185 Zentimeter) und seinem Gewicht (115 Kilogramm) gute Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Stephan ist gelernter Landwirt und arbeitet als Aussendienst-Verkaufsberater. Zu seinen Hobbys zählt er nebst dem Schwingen die Familie und die Landwirtschaft.
Stephan Studinger ist Mitglied beim Schwingklub Aarau und hat bisher 29 Kränze herausgeschwungen. In der letzten Saison konnte der Familienvater beim Schwyzer Kantonalen, Baselstädtischen und dem Weissenstein-Schwinget vor die Kranzdamen treten. Dank den drei Saisonkränzen wurde Stephan für den Unspunnen-Schwinget selektioniert. Als schwingerisches Vorbild benennt der zweifache Berg- und vierfache Teilverbands-Kranzer den Appenzeller Schwingerkönig Thomas Sutter.
Seit der GV 2016 ist der routinierte Schwinger zudem Technischer Leiter beim Schwingklub Aarau.


Stephan Studinger bereit für den nächsten Gang
Bild: Pascale Alpiger

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?
„Gute Frage, was soll ich sagen? Am Anfang dachte ich mir: Ich habe jetzt halt verloren, stand aber immerhin im Schlussgang. Später begann ich zu eruieren, wie ich ihn hätte packen können.“

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
Stephan lacht. „Die Taktik würde ich beibehalten. Die war: Angreifen oder kontern. Denn ein gestellter Gang hätte mir nichts genützt. Ich hätte schon eine Idee, wie ich ihn nehmen könnte. Dies verrate ich dir jetzt aber nicht.“

War für dich der Sieg gegen den Eidgenossen Roger Rychen der Schlüsselgang für den Weg in den Schlussgang?
„Ich würde sagen, der erste Gang gegen Marco Nägeli war für mich der Schlüsselgang. Denn grundsätzlich ist es bei mir der erste Gang, welcher ausschlaggebend ist und am meisten zählt. Der Sieg gegen Rychen war aber zweifellos auch wichtig und hat mich aufgebaut und motiviert.“

Was für ein Fazit ziehst du vom Berchtold-Schwinget?
„Ich ziehe eigentlich ein positives Fazit und bin überrascht, dass es so gut gelaufen ist. Es würde mich freuen, wenn es so weitergehen würde.“

Wie siehst du deine letztjährige Saisonbilanz?
„Ich bin soweit zufrieden, und erreichte fast bei allen Festen gute Resultate. Ich erschwang mir drei Kränze. Nebst dem Baselstädter den Bergkranz auf dem Weissenstein und mit dem Schwyzer Kantonalkranz auswärtiges Eichenlaub, welches man durchaus vorweisen darf. Es war aus meiner Sicht eine gute Saison, auch wenn ich den Aargauer Kranz leider verpasst habe.“


Stephan Studinger holte sich 2017 den Bergkranz auf dem Weissenstein
Bild: Stephan Studinger

Du hast deinen ersten Kranz 2003 beim Baselbieter Kantonalschwingfest in Sissach gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?
„Die erfolgreichste Saison war für mich 2015, in welcher ich vier Kränze gewann und unfallfrei durch die Saison kam. Darunter war ein auswärtiger Kranz, nämlich derjenige vom Oberländischen in Boltigen BE.“

Letztes Jahr hast du mit deinem Bergkranz auf dem Weissenstein bereits auf dich aufmerksam gemacht. Und am Berchtold-Schwinget nun mit der Qualifikation für den Schlussgang. Erlebst du mit deinen 33 Jahren einen zweiten „Schwinger-Frühling“?
„Das kann man so nicht unbedingt sagen, es ist kein zweiter Frühling. Ein Stück weit schreibe ich es der Routine zu, die immer grösser wird. Ich sehe es als stetiger Aufwärtstrend. Zudem ist es schön für mich, dass es immer besser läuft und gibt mir eine bestimmte Gelassenheit. Ich wiederhole mich zwar, aber es wäre wirklich schön, wenn es so weiter gehen würde.“

Der bestens bekannte Matthäus Huber ist der Präsident vom Schwingklub Aarau, welchem du angehörst. Inwieweit hast du von diesem ehemaligen Spitzenschwinger profitiert?
„Matthäus Huber hat uns immer an die Schwingfeste mitgenommen, unterstützt und bestens betreut. Er war längere Zeit unser Technischer Leiter.“

Du bist bereits jetzt schon gut „drauf“. Woran wirst du bis zum eigentlichen Saisonstart noch arbeiten?
„An der Kondition werde ich vor allem noch arbeiten. Weiter möchte ich meine Schwünge, welche ich bereits beherrsche, noch perfektionieren. Zurzeit trainiere ich pro Woche zweimal im Schwingkeller und am Sonntag trainiere ich mit meinen Klubkameraden Kondition, Koordination und Reaktion.“

Welches werden deine nächsten Schwingfeste sein?
„Vermutlich sind das die Frühjahrsschwingfeste in Oberarth SZ und in Brunegg AG sowie der Guggibad-Schwinget in Buttwil AG.“

feldwaldwiesenblogger

Jahresendgespräch mit ESV-Obmann Paul Vogel: Ausblick auf 2018

Text: feldwaldwiesenblogger

Am 21. Dezember veröffentlichte ich den ersten Teil des Jahresendgespräches mit Paul Vogel, dem Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV). Er zog dabei Bilanz über das Schwingerjahr 2017. Themen wie die Mitgliedschaft beim Dachverband Swiss Olympic, Verletzungssorgen aus Sicht des ESV, die Zahlen der Aktiven und Jungschwinger, der neue Medienvertrag mit SRF und die sechs Bergfeste wurden angesprochen. Heute erklärt der Luzerner, was den ESV 2018 beschäftigen wird. Zu interessanten Schwerpunkt-Themen stellt Paul die Sicht des Schwingerverbandes dar.


Paul Vogel erklärt, was den ESV 2018 beschäftigt
Foto: feldwaldwiesenblogger

Was den ESV über 2017 hinaus beschäftigt
2020 feiert der ESV seinen 125. Geburtstag. Die „Jubiläumsschrift 2020“ soll 2018 in Angriff genommen werden. Zudem liegen nun mit Davos, Interlaken und Colombier drei Bewerbungsdossiers für den Jubiläumsanlass vor. Weiter will man kleine Anpassungen im Werbe-Reglement vornehmen und schliesslich beschäftigt die „No Billag“-Abstimmung auch den Schwingerverband. Der ESV ist zwar politisch und konfessionell neutral. Trotzdem: Wie geht man damit um, und wie wird sich der ESV positionieren? Denn die Billag ist für den ESV wichtig. Einerseits möchte man, dass SRF weiterhin viel und regelmässig über den Schwingsport berichtet. Andererseits wären auch die regionalen Fernseh- und Radiostationen, welche ebenfalls regelmässig Beiträge über den Nationalsport ausstrahlen, betroffen. Denn diese bekommen momentan 60 Millionen Franken aus diesen Gebührengeldern.
Der Goldene Kranz, welcher von Roger Fuchs ins Leben gerufen wurde, konnte vom ESV übernommen werden. Die Ehrung zum Aufsteiger des Jahres und zum Schwinger des Jahres erfolgt jeweils nun an der Abgeordneten-Versammlung (AV).
Künftige grosse Feste wie das ESAF 2019 in Zug oder auch schon der nächste Kilchberger Schwinget werden ein Thema sein. Beim Kilchberger Schwinget, ebenfalls ein Schwingfest mit Eidgenössischen Charakter, möchte der Verband Anpassungen reinbringen.


Die Regiobank Schwinghalle Solothurn wurde am 12. Mai feierlich eröffnet
Foto: schwingklub-solothurn.ch

Sechs neue Schwinghallen
„Erfreulicherweise erhielten wir dieses Jahr mehrere Gesuche für den Neubau von Schwinghallen, und zwar aus der ganzen Schweiz. In den beiden letzten Jahren wurden zudem sechs neue Schwinghallen gebaut“, erzählt Paul. Weiter durfte der ESV die Geschäftsstelle mit einer 60 Prozent-Stelle aufstocken, was sich als positiv erwies. Christian Ruefer beendet auf Ende 2017 seinen Job als Medienchef beim ESV, und wird nicht ersetzt. Diese Arbeiten werden neu in die Geschäftsstelle integriert. Der Obmann erläutert: „Früher hat es diesen Job gebraucht. Heute kommen die Anfragen zu 70 Prozent zu mir und die restlichen 30 Prozent zur Geschäftsstelle.“
Des Weiteren hat der ESV Sorgen mit der Zeitung „Schwingen Hornussen Jodeln“. Denn der Abonnentenschwund ist enorm und die Inserate-Zahl ging ebenfalls zurück. Laut Paul mussten sie die Handbremse ziehen und der Verband ist nun auf der Suche nach Lösungen. Sonst wird das Ganze irgendwann zum Verlustgeschäft.
Die Schwingerhilfs-Kasse wird künftig in die ESV-Geschäftsstelle integriert. Die Funktions-Diagramme wurden dementsprechend überarbeitet. Paul sagt dazu: „Der Arbeitsanfall hat in den letzten Jahren ständig zugenommen. Bei der Schaffung der Geschäftsstelle vor einigen Jahren hatte man das Bestreben, den Zentralvorstand zu entlasten. Wir müssen dabei ständig aufpassen, dass wir die Zentralvorstandsmitglieder und die Teilverbandspräsidenten nicht mit Arbeit überladen. Das Ziel vom ESV ist nach wie vor, dass vom Klub bis hin zum Obmann ehrenamtlich gearbeitet wird. In naher Zukunft müssen wir die Geschäftsstelle erneut aufstocken, und zwar im Technischen Bereich. Die Anforderungen haben sich gegenüber früher stark verändert, dazu gehört sicher auch die Ausbildung.“


Dies beschäftigt den ESV u.a. 2018: Wie weiter mit der Zeitung „Schwingen Hornussen Jodeln“?
Foto: feldwaldwiesenblogger

Wichtigen Themen für den ESV im neuen Jahr
Das Eidgenössische 2022 mit dem Standort Pratteln ist so ein Thema. An der AV im kommenden März möchte man diesen Anlass definitiv vergeben. Paul dazu: „Wir haben dies genau angeschaut und sind der Meinung, dass das Bewerber-OK gute Arbeit geleistet hat. Wegen den Platzverhältnissen vor Ort wird die Arena des ESAF 2022 etwas kleiner werden. Geplant ist eine Grössenordnung wie 2010 in Frauenfeld mit 47’000 Zuschauern. Zum Vergleich: 2019 werden in Zug 56’000 Zuschauer Platz finden. Wir sind froh, dass wir mit Pratteln nun einen Standort haben. Denn die Standorte Aesch BL und später das St. Jakob-Stadion in Basel führten bekanntlich zu verschiedenen Schwierigkeiten.“
Weiter steht die Umsetzung eines Kommunikationskonzeptes auf dem Programm. Dieses Konzept beinhaltet die Printmedien bis hin zum Extranet, oder wie es mit der Schwingerzeitung weitergehen soll. Erkenntnisse aus einer vorgängig gemachten Analyse liess man in das Konzept einfliessen.
Anpassungen im Technischen Bereich, wie die Ausbildung in Zukunft aufgegleist werden soll, stehen an. Ein Ziel ist, dass die 23 Schwinger, welche Sport-WK’s absolvieren, eine Grundausbildung im Technischen Bereich absolvieren können. Weiter wird ein Thema sein, wie man zurückgetretene Schwinger dazu motivieren kann, sich als Technische Leiter zu betätigen. Der höchste Schwingfunktionär ergänzt: „Zu weiteren Arbeiten gehört auch die Unterstützung der Klubs im technischen und administrativen Bereich. Die Arbeit geht uns nicht aus. Ich bin jetzt im vierten Jahr als Obmann. Die Arbeit wird jedes Jahr mehr, schätzungsweise um 5 Prozent.“

Keine weitere Professionalisierung des aktiven Schwingsportes
Mit diesem Thema konfrontiert, erläutert Paul: „Wir haben drei oder vier Schwinger, welche derzeit vom Schwingsport leben könnten. Aber was machen diese, wenn sie nicht mehr aktiv sind? Es ist deshalb wichtig und richtig, dass alle einer geregelten Arbeit nachgehen. Das Schwingen wird nie ein Profisport werden. Ich finde nach wie vor gut, dass die Schwinger etwas an Werbeeinnahmen generieren können. Denn die Athleten haben auch mehr Auslagen als früher. Die Schwinger geben zehn Prozent der Werbeeinnahmen zugunsten der Nachwuchsförderung an den Verband ab. Dieser Betrag steigt für 2017 über 200’000 Franken. Grob gesagt sind es etwa 70 Schwinger, welche durch Werbung Geld bekommen. Einige Athleten wollen dies zum Teil (noch) nicht. Ich habe keine Bedenken, dass das weiterhin auf einer guten Basis und mit gesundem Menschenverstand abläuft.“

Die Rekrutierung von Funktionären wird zunehmend schwieriger
„Die Rekrutierung von Personen für Vereins- und Vorstandsaufgaben ist tatsächlich schwieriger geworden. Das ist ein allgemeiner Trend und fusst auf dem Wohlstand in der Bevölkerung. Viele geben lieber Geld und machen dafür nichts. Mit diesem Umstand kämpft aber nicht nur der Schwingsport, es trifft alle Vereine“, so der Luzerner.


Das Riesengelände vom ESAF 2016 in Estavayer FR
Foto: schlussgang.ch

Die sich weiter öffnende Schere zwischen Riesen-Anlässen und den kleinen Rangschwingfesten
Die Schere hat sich laut dem ESV-Obmann vor allem oben weiter geöffnet, indem diese Feste immer grösser und beliebter geworden sind. Man darf sich aber auch an das ESAF 2001 in Nyon erinnern, wo eine Arena mit 32’000 Sitzplätzen gebaut, aber „nur“ 27’000 Plätze verkauft wurden. Das Fest wies deswegen hinterher ein Defizit von 400’000 Franken auf. Das ESAF 2016 in Estavayer ist das erste Eidgenössische Schwingfest in der Südwestschweiz, welches finanziell positiv abgeschlossen hat. Aber auch die Teilverbandsfeste wurden laufend grösser. So soll beispielsweise das ISAF 2018 in Ruswil 2’000 zusätzliche Plätze zu vergangenen Festen aufweisen. Paul ist nicht unbedingt ein Freund davon, denn irgendwann ist eine Obergrenze erreicht und die ganze Infrastruktur rings um so grosse Arenen muss auch seinen Platz haben. Trotzdem meint der Ruswiler: „Die kleineren Feste haben ganz klar ihre Daseinsberechtigung. Es gehört aber auch dazu, dass sie sich anpassen und gute Arbeit leisten müssen. Vom ESV her wurde bekanntlich die Regelung der vier zu besuchenden Rangschwingfeste verabschiedet. Der ISV will das gleiche in Zukunft auch machen, damit ihre Athleten über ihren Wohnkanton hinaus für Schwingfeste selektioniert werden. Die ersten Auswirkungen sahen wir dieses Jahr, als gewisse Spitzenschwinger für Feste ausserhalb ihres Teilverbandes nicht berücksichtigt werden konnten. So stärken wir die Klubs, denn diese sind für uns die Basis. Ganz schlechte Beispiele sind jene Klubs, welche in ihrem Gebiet keine Schwingfeste mehr organisieren. Diese verschwinden früher oder später von der Bildfläche.“

Ein Älplerfest ist zu einem Volksfest geworden
Das ESAF heisst ausgeschrieben Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest. Der Begründer der Vogel Design AG fragt: „Warum wurde es wohl Älplerfest genannt? Weil die Älpler früher neben dem Schwingen auch ein Fest machen wollten. Wenn man es heutzutage neu betiteln müsste, würde es wohl Eidgenössisches Schwing- und Volksfest heissen. Die Organisatoren vom ESAF 2019 in Zug müssen stark darauf achten, dass sie den Volksauflauf auf den vorgegebenen Plätzen bewältigen können. Denn heute gibt es enorm viele Leute, welche nur ans Volksfest kommen, aber nicht in die Schwing-Arena. Das hat sich in den letzten Jahren definitiv geändert. Man muss darauf ein Auge halten, damit dies nicht noch mehr gepusht wird. Es gibt dabei verschiedene Ideen und Lösungsansätze. Uns ist es wichtig, dass sich Personen mit einem mittleren Einkommen weiterhin den Eintritt bei einem Eidgenössischen leisten können. Was uns auch beschäftigt, sind die Arenakosten. Denn die Ticketpreise decken diese momentan nicht mehr. Es sind dabei auch extreme Auflagen betreffs Sicherheit hinzugekommen.“

feldwaldwiesenblogger

Jahresendgespräch mit ESV-Obmann Paul Vogel: Bilanz über 2017

Text: feldwaldwiesenblogger

Kürzlich traf ich Paul Vogel, den Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV), zum Gespräch. Dabei zog er Bilanz über das Schwingerjahr 2017 und hielt Ausblick auf 2018. Heute folgt mit mehreren Schwerpunkten die Bilanz über 2017. In einem zweiten Teil werden demnächst ein Ausblick auf 2018 und weitere Brennpunkte behandelt.


ESV-Obmann Paul Vogel zieht Bilanz über das Schwingerjahr 2017
Foto: feldwaldwiesenblogger

Der 60-Jährige wohnt in Sigigen LU, ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Paul gründete 1982 einen eigenen Betrieb, die Vogel Design AG in Ruswil LU. Er hatte damals einen Mitarbeiter, welcher heute noch im Betrieb arbeitet. Das Unternehmen, welches sich auf verschiedenste Bauten im Wohnbereich spezialisiert hat, zählt heute 85 Mitarbeiter. Der höchste Schwingerfunktionär hat vor drei Jahren den Betrieb an seinen Sohn Christian übergeben. Paul arbeitet aber immer noch im Betrieb und nimmt weiterhin Einsitz in der Geschäftsleitung. Der Luzerner steht der Abteilung Umbau vor, welche Arbeiten von der Planung bis zur Bauführung organisiert.

Paul hat einst auch geschwungen und erkämpfte sich 1978 in Ruswil seinen ersten Kranz. Leider verletzte er sich im darauffolgenden Herbst schwer am Knie und musste die Schwingerkarriere frühzeitig an den Nagel hängen. Der Unternehmer wirkt seit 1983 als Funktionär im Schwingsport und hatte jeweils um fünf bis sechs Jahre ein Amt inne, bevor er die Position wechselte. Der Werdegang lief über den Schwingklub-Aktuar, Schwingklub-Präsident (fünf Jahre), Technische Kommission und Vorstandstätigkeit im Luzerner Kantonalverband, fünf Jahre im Innerschweizer-Vorstand und weitere fünf Jahre als ISV-Präsident. Als ISV-Präsident war Paul automatisch im Zentralvorstand des ESV. Erst war er in diesem Gremium drei Jahre Aktuar, dann zwei Jahre Kassier. 2014 erfolgte die Wahl zum Obmann. Der Familienvater ergänzt: „Normalerweise bleibt ein Obmann zwei Amtsperioden von je drei Jahren. Nach der Abgeordnetenversammlung im März 2020 wird Schluss sein.“

Bilanz über das Schwingerjahr 2017
Paul sagt, dass es unter dem Strich gesehen gut lief. Sowohl für die Schwinger wie auch für den Verband. Erfreulich sei, wie die Jungen kommen. Und zwar aus mehreren Teilverbänden. Das dürfte hinsichtlich ESAF 2019 in Zug eine ausgeglichene Sache werden. Der Obmann weiter: „Wenn ich Bilanz ziehe über die einzelnen Teilverbände, stelle ich fest, dass die Berner nicht stärker geworden sind. Man nimmt zur Kenntnis, dass 2016 wohl der momentane Höhepunkt war. Sie haben nach wie vor sehr gute Schwinger. Man hat aber gesehen, dass auch in der Nordostschweiz, Innerschweiz und in der Nordwestschweiz Schwinger vorhanden sind, welche etwas reissen können. Bei unserem Sorgenkind, den Südwestschweizern, wurden nach einem schwachen 2016 dieses Jahr mehrere Lichtblicke registriert. Aus administrativer Sicht ist es nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Es gilt, den schmalen Pfad zwischen der Tradition und der Moderne zu beschreiten und die anstehenden Veränderungen zu bewältigen.“
Angesprochen auf den Saison-Höhepunkt Unspunnen-Schwinget meint der Ruswiler: „Es war ein sehr schöner Anlass und mit Christian Stucki fand das Fest einen würdigen Sieger. Der Festverlauf war hochstehend und spannend. Bis zum fünften Gang war die Ausgangslage offen. Wir haben 95 Prozent von dem erreicht, was wir angestrebt haben. Es gibt immer kleine Dinge, welche man noch optimieren könnte.“


Saison-Höhepunkt Unspunnen-Schwinget
Foto: unspunnen-schwinget.ch

Bilanz über die Mitgliedschaft beim Dachverband Swiss Olympic
Der ESV gehört seit Anfang Jahr zum Dachverband Swiss Olympic. Paul erläutert: „Es gibt dabei zwei Sachen zu bemerken: Erstens waren wir vorher sogenannte Rosinenpicker. Es tut dem ESV nun gut, dass er Mitglied bei so einer Organisation ist. Zweitens sind wird dabei, das Nachwuchsförderungskonzept zu erweitern. Weiter war für uns wichtig, dass wir die ganze Dopinggeschichte abgeben konnten. Wir hatten vorher eine Dopingkommission und die bestimmte, wer von Antidoping Schweiz geprüft wird. Jetzt führt Swiss Olympic die Kontrollen durch. Die Prüfungen und Analysen werden nach wie vor von Antidoping Schweiz vorgenommen. Uns kommt zugute, dass wir diese Tests nicht mehr selber bezahlen müssen. Mehrere Schwinger haben mich inzwischen angesprochen, dass sie beim Training oder Wettkampf getestet wurden. Alle Proben waren bisher negativ, was für uns natürlich sehr erfreulich ist.“
Der Schwingverband hat eine Antidoping-Kommission. Die ist dafür verantwortlich ist, dass alle Klubs und Schwinger informiert sind. Jeder Schwinger, welcher zu den Aktiven übertritt, wird persönlich angeschrieben und darüber orientiert, was es zu beachten gilt. Der ESV ist bestrebt, sauberen Schwingsport zu haben.

Verletzungssorgen aus Sicht des ESV
Einer der Punkte, welche den ESV beschäftigt, sind die vielen Verletzungen. „Man darf dies aber nicht zu stark in den Vordergrund stellen, weil es das immer schon gegeben hat“, erklärt Paul. Bei der Schwingerhilfskasse wird jeder verletzte Körperteil seit 20 Jahren statistisch erfasst. Knieverletzungen sind nach wie vor an der Spitze, gefolgt von Schulterverletzungen. Der Obmann dazu: „Wenn man die Unfallstatistik über all die Jahre hinweg studiert, stellt man nur leichte Veränderungen fest. Der Unterschied besteht darin, dass man heute mehr darüberschreibt und spricht. Der Körper und die Bänder machen halt wegen den ungeheuren Kräften nicht alles mit. Darum ist es wichtig, dass wir in die Ausbildung der Technischen Leiter investieren. Dass genügend Schwinger Trainerausbildungen absolvieren und ihr Wissen in den Klubs weitergeben. Von Seiten der Schwingerhilfskasse will man schauen, dass beim Trainingsbereich in den Schwinghallen entsprechende Anpassungen erfolgen. Denn die Athleten verletzen sich auch beim Training.“

Die Zahlen der Aktiven und Jungschwinger
„Es ist erfreulich, denn wir haben bei den Jungschwingern erneut einen Rekord! Gewöhnlich steigen die Zahlen im Jahr nach dem Eidgenössischen Schwingfest an, anschliessend gehen diese wieder leicht zurück. Wenn wir aber auf die letzten sechs Jahre schauen, konnte man jedes Jahr eine Steigerung erkennen. Bei den Aktiven registrieren wir auch eine leichte Steigerung der Mitgliederzahlen. Dank dem Extranet-Programm können wir nun seit Neustem die genauen Zahlen herauslesen: Welcher Schwinger hat welches Schwingfest bestritten. Denn die Anmeldungen für ein Schwingfest laufen alle über dieses Internetprogramm. Der Technische Leiter kann mit der Versicherungsnummer, welche jedem Schwinger zugeteilt wird, die Anmeldungen tätigen. Dank dieser Erfassung können nun einfacher Statistiken erhoben werden“, schliesst der begeisterte Schwingerfreund diese erfreulichen Umstände ab.


Die Zahl der Jungschwinger wurde erneut grösser
Bild: jungfrauzeitung.ch

Neuer Medienvertrag mit SRF
Der ESV wurde diesbezüglich 2016 aktiv und startete gewisse Pilotversuche. Bei diesen Versuchen wurden verschiedene Kommunikationsmittel und Firmen getestet. Dazu gehörten auch die Swiss1-Übertragungen vom NOS in Davos und vom Schwägalp-Schwinget. Weiter holte der Schwingverband von verschiedenen Anbietern Offerten ein, auch vom Schweizer Fernsehen (SRF). Der ESV zog dann Bilanz und entschied sich, den bestehenden Vertrag mit SRF zu erweitern. Kürzlich wurde bekannt, dass mit SRF für die Jahre 2017 bis 2022 ein neuer Rahmenvertrag abgeschlossen werden konnte. Paul erklärt dazu: „Wir sind zufrieden mit diesem Vertrag und denken, dass wir so die ganze Schweiz abdecken. Der BLICK ist zudem bis 2018 auch mit den Livestream-Übertragungen dabei. SRF liefert nun künftig von den sechs Bergfesten und den fünf Teilverbandsfesten Live-Bilder. Bei diesem Unterfangen mussten wir die Organisations-Komitees miteinbeziehen, welche damit einverstanden sind. Denn diese Übertragungen sind mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Eine Übertragung mit einer 45minütigen Zusammenfassung und der Liveübertragung des Schlussgangs wird um die 3’000 Franken zu stehen kommen. Der ESV bezahlt diesen Betrag. 2018 erfolgen nun von allen Teilverbandsfesten sowie vom Weissenstein- und vom Schwägalp-Schwinget solche Übertragungen. Vom Brünig-Schwinget erfolgt eine Ganztagesübertragung, wie schon 2016.“
Für die Übertragung vom Brünig-Schwinget musste 2015 ein Glasfaserkabel hochgezogen werden. SRF hat die Hälfte der Kosten übernommen. Damit die bisherigen lokalen TV-Übertrager wie Tele 1 oder Tele Bärn nicht zu kurz kommen, können diese künftig auf SRF zugehen und ihnen das Signal abkaufen. Da es 2018 an gewissen Wochenenden zu Terminüberschneidungen kommt, können nicht alle Bergfeste übertragen werden. SRF hat dem ESV zudem Vorschläge präsentiert, wie eine künftige Übertragung vom Rigi-Schwinget möglich wäre.


Die Organisatioren des Schwägalp-Schwinget leisten hervorragende Arbeit
Foto: schwaegalp-schwinget.ch

Die sechs Bergfeste
Der Begründer der Vogel Design AG meint zu diesem Thema: „Die Verantwortlichen vom Schwägalp-Schwinget haben die Zeichen der Zeit am besten erkannt, und haben die Wirtschaft, die Politik, das Militär und die Bevölkerung in ihre Organisation miteinbezogen. Kein anderer Veranstalter löst dies so bravourös. Das Organisations-Komitee vom Weissenstein-Schwinget hat in der letzten Zeit sehr gute Arbeit geleistet.“ Der Schwarzsee-Schwinget kann ab 2018 wieder am alten Standort beim See ausgetragen werden. Der Stoos- und der Rigi-Schwinget sind seit Jahren gleichmässig auf einem guten Niveau unterwegs. Die beiden Bergfeste kommen traditionell daher und haben nur beschränkte Ausbaumöglichkeiten. Die Brünig-Arena wurde umgebaut und der Moderne angepasst. Die Platzverhältnisse sind nach wie vor eng.

feldwaldwiesenblogger

SRF möchte bei den Schwingerfreunden punkten und weitere Sägemehl-News

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Weihnachtsbeleuchtungen wurden montiert und eingeschaltet und man kann wieder durch teilweise herrlich beleuchtete Städte, Dörfer und Landschaften fahren. Weihnachten und das Jahresende eilt uns mit grossen Schritten entgegen, und mit ihnen auch die letzten Schwingfeste des Jahres. Der Niklausschwinget Dietikon und der Niklausschwinget Pratteln stehen vor der Tür. Derjenige in Dietikon wird nachfolgend thematisiert. Ein wenig Nordostschweiz-lastig widme ich mich auch dem Vorstandswechsel bei den St. Galler Schwingern, dem NOS-Jubiläumsschwingfest von 2018 und Nöldi Forrer.

Fast täglich grüsst derzeit wieder das Murmeltier, und zwar in Form von Berichterstattung über das Fehlverhalten des mittlerweile zurückgetretenen Finanzchefs vom Schwägalp-Schwinget. Aber keine Bange: Ich werde es nicht tun. Irgendwann muss wieder mal Schluss sein.
Derweil wage ich ein kleines Plädoyer zugunsten von SRF respektive gegen die „No Billag“-Initiative. Denn das Schweizer Fernsehen (SRF) fiel diese Woche mit Umtriebigkeit für den Schwingsport auf. Wie der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) verkündete, liefert SRF 2018 von acht Schwingfesten Live-Bilder. Zudem fungiert SRF auch als Medienpartner von Schwingfesten. Das ist ein ganz klares Signal vor der anstehenden „No Billag“-Abstimmung.

Niklausschwinget Dietikon
Der Schwingklub Glatt- und Limmattal ist verantwortlich für den 80. Niklausschwinget Dietikon, welcher morgen Samstag in der Stadthalle Dietikon zur Austragung kommt. Ab der klubeigenen Homepage kann man entnehmen, dass sich bisher vier Eidgenossen angemeldet haben: Philipp Roth, Nick Alpiger, Patrick Räbmatter und Fabian Kindlimann. Letzterer musste aber am vergangenen Donnerstag wegen einer Rippenverletzung, welche er sich beim Unspunnen-Schwinget zuzog, absagen. Weiter sind etliche Teilverbands-, Berg- und Kantonalkranzer am Start. Gemeldet sind nebst den Nordostschweizern auch je zehn Gastschwinger aus Bern, der Nordwestschweiz und aus der Innerschweiz. Hier der Link zur Schwingerliste.

Gewonnen wurde der letztjährige Anlass von keinem geringeren als Armon Orlik. Der Bündner Spitzenschwinger ist dieses Jahr aber nicht am Start. Die besten Siegchancen werden den beiden Nordwestschweizern Alpiger und Räbmatter eingeräumt. Der Beginn des Wettkampfs wurde auf 14.00 Uhr angesetzt.


Foto: Facebook

Vorstandswechsel im St. Galler Kantonalen Schwingerverband
Am vergangenen Sonntag stand bei den St. Gallern Schwingern die kantonale Delegiertenversammlung in Niederwil auf dem Programm. Dabei wurden für die beiden zurückgetretenen Vorstandsmitglieder Emil Bürer und Marcel Gächter zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt. Auf Bürer folgt als neuer Medienchef Pascal Schönenberger und anstelle von Gächter rückt Andreas Rohrer als Beisitzer in den Vorstand.


Foto: schwingenonline.ch

NOS-Jubiläumsschwingfest 2018
Nebst den Innerschweizern jubilieren 2018 auch die Nordostschweizer. Mit einem schön gestalteten Flyer wird jetzt schon auf das NOS-Jubiläumsschwingfest vom 24. Juni aufmerksam gemacht.


Foto: Facebook

Der Nordostschweizerische Schwingerverband (NOSV) feiert 2018 den 125. Geburtstag. Der Jubiläumsschwinget wird vom Schwingklub Herisau und vom Jodlerklub Herisau-Säge organisiert. Als OK-Präsident amtet Niklaus Hörler, welcher als OK-Präsident vom Schwägalp-Schwinget viel an Erfahrung mitbringt. Tickets sind ab dem 1. Februar erhältlich.

Feiert Nödli Forrer 2018 seinen 150. Kranz?
Obige Frage stellte diese Woche die Fachzeitschrift SCHLUSSGANG auf ihrer Website. Für den 145-fachen Kranzschwinger aus dem Toggenburg verlief die Saison 2017 alles andere als optimal. Den 39-Jährigen plagten immer wieder Verletzungen.
Als Optimist habe ich bei der Umfrage natürlich mit „JA“ gestimmt. Denn ich möchte es dem Schwingerkönig von 2001 von Herzen gönnen, dass er diese magische Kranzmarke knackt.


Foto: schlussgang.ch

SRF berichtet 2018 live von acht Schwingfesten
Am vergangenen Dienstag wurden gute Nachrichten für die Schwingsport-Fans verkündet: SRF wird 2018 von acht Schwingfesten live berichten, und der Brünig-Schwinget wird gar in voller Länge übertragen. Der Eidgenössische Schwingerverband hat sich mit der SRG über Änderungen bei der Übertragung von Schwingfesten geeinigt. Das Resultat ist, dass nun von mehr Schwingfesten Live-Bilder in die Stube flimmern werden.

Der SCHLUSSGANG schrieb am Schluss seiner Mitteilung: „Der Zentralsvorstand ist überzeugt, mit dem Ausbau der Übertragungen von Schwingfesten bei SRF, die mediale Verbreitung des Schwingens bei bester Qualität gewinnbringend zu fördern. Die Bilder von SRF sind ein wichtiges Element der Nachwuchsförderung für den Nationalsport.“ Das ist eindeutig ein Plädoyer vom ESV für die SRG und gegen die „No Billag“-Initiative.
Denn: Die Initianten und deren Anhänger sind sich in meinen Augen gar nicht bewusst, oder noch schlimmer, es ist ihnen egal, wie schädlich ein Ja zur Initiative sein könnte. Was für Auswirkungen dies auf den Schwingsport hätte, weiss derzeit wohl niemand. Meines Erachtens könnten aber aus Kostengründen und „höheren Überlegungen“ wohl nur noch Schwingfeste mit eidgenössischem Charakter gezeigt werden. Und dies kaum mehr in dem Ausmass, wie bei den jüngsten Übertragungen.


Foto: schlussgang.ch

SRF ist Medienpartner vom Nordwestschweizerischen 2018
Am Dienstag konnte man zudem ab der Facebook-Seite vom Nordwestschweizerischen Schwingfest 2018 entnehmen: „SRF als Medienpartner am Nordwestschweizer Schwingfest 2018: Mit punktueller TV Live-Berichterstattung – inklusive Schlussgang in voller Länge und Teilaufzeichnungen sowie den ganzen Tag als Online/Mobile-Livestream.“

Da geht ein Medienhaus schon weit vor der „No Billag“-Abstimmung in die Offensive und möchte bei einem Publikum punkten, welches vermeintliches „SVP-Terrain“ ist. Diese Offensive treibt (hoffentlich) einen Keil in das Ja-Lager…

ESAF 2022 Pratteln auf gutem Weg
Die Verantwortlichen des Bewerberkomitees vom ESAF 2022 Pratteln informierten am 9. November einige ESV-Zentralvorstandsmitglieder über den Stand der Vorbereitungsarbeiten. Gemeinsam wurde zudem das vorgesehene Festgelände besichtigt.


Foto: shj-zeitschrift.ch

Leider nur zu gut erinnern wir uns an das Hickhack, als vor gut einem Jahr Aesch im Baselland im medialen Fokus stand. Es entbrannte ein Riesenwirbel um das vorgesehene Gelände und den Naturschutz. Die Baselstädter waren drauf und dran, mit dem Fussballstadion St. Jakob einzuspringen. Dies „Notlösung“ passte den Schwingerfreunden aber nicht wirklich. Eine Entspannung der Situation erfolgte erst, als mit Pratteln ein neuer Standort zur Sprache kam. Seither ist Ruhe eingekehrt und die Vorbereitungsarbeiten wurden in Angriff genommen. Beruhigt darf man zur Kenntnis nehmen, dass das ESAF 2022 Pratteln auf gutem Weg ist!

Trainingsbetrieb wiederaufgenommen
Die Schwinger haben mittlerweile das Training wiederaufgenommen. Bekanntlich widmen sich die Kurzholz-Athleten in der ersten Phase des Wintertrainings dem sogenannten „Schulschwingen“. In dieser Zeit erteilen aktive und ehemalige Spitzenschwinger auch etliche Schwingkurse. So war erst kürzlich der Obwaldner Benji von Ah beim Schwingklub Langenthal zu Gast und absolvierte mit den Aktiven in Niederbipp einen interessanten, lehrreichen und unterhaltsamen Trainings-Kurs.


Foto: Facebook

Der ehemalige Spitzenschwinger und Eidgenosse Enrico Matossi war beim Schwingklub Lenzburg und Umgebung zu Besuch und zeigte den Aargauer Schwingern sein vielseitiges Können.


Foto: Facebook

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ – Teil 3

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute folgt bereits Teil 3 und der Abschluss der Reihe „Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ“. Ich lauschte Toni beim Gespräch in Ingenbohl gespannt und war ob einigen Entscheidungen, Tatsachen und Vorkommnissen von damals ziemlich erstaunt. Hinterher beim Niederschreiben ertappte ich mich öfters, wie ich bei gewissen Aussagen des Ingenbohlers den Schwingsport von damals mit heute verglich. Ich musste aber auch eingestehen: Es waren andere Zeiten. Auf die Unterschiede kommen wir beim Teil 3 auch zu sprechen. Toni meint dazu: „Die Schwingerei als solches ist immer noch gleich. Der Stellenwert ist einfach anders und ist im Moment viel grösser als zu unserer Zeit.“


Toni Steiner, vierfacher Eidgenosse
Foto: feldwaldwiesenblogger

Welche Schwinger beeindruckten Toni während seiner Aktivzeit am meisten?
Toni erklärt: „Von den ganz Grossen haben mich Karl Meli und Ruedi Hunsperger am meisten beeindruckt. Weiter Karl Oberholzer: Zu ihm hatte ich beste Beziehungen, da ich während meiner Zeit in Zürich mit ihm trainiert habe. Auch Ruedi Kobelt war ein starker Schwinger. Bei einem Schwingfest in Domat-Ems bezwang Kobelt gar Meli, Oberholzer und Brändle. Für mich persönlich war es einer der grössten Siege, als ich Ruedi Kobelt beim Allweg-Schwinget einmal bezwingen konnte.
Von den ISV-Schwingern hinterliessen Remigi Niederberger, Adi Zurfluh und Hans Zurfluh für mich den grössten Eindruck. Gegen Remigi habe ich ein einziges Mal geschwungen. An den grossen Festen mussten wir halt meistens gegen Gäste aus anderen Teilverbänden antreten, ausser an den Jahren mit einem Eidgenössischen. An diesen waren damals bei den Teilverbandsfesten keine Gäste zugelassen.“

Erinnerungen an Eidgenössische Schwingfeste und an Schwingfeste mit Eidgenössischem Charakter
Toni nahm an sieben Eidgenössischen Schwingfesten teil, weiter dreimal beim Kilchberger Schwinget und zweimal beim Unspunnen-Schwinget. Der vierfache Eidgenosse ergänzt: „Früher hatte der Unspunnen-Schwinget nicht der Stellenwert, welcher dieser heute besitzt und war damals noch kein Schwingfest mit Eidgenössischem Charakter. Zu meiner Aktivzeit fiel einmal sogar der Rigi-Schwinget mit dem Unspunnen-Schwinget zusammen. Ich gewann an diesem Tag den Rigi-Kranz.“

Zwei Episoden zum „Südwestschweizer Kranz“
Als Toni beim Südwestschweizerischen Schwingfest den Kranz gewann, konnte er hinterher nicht wie üblich seine Gabe auslesen. Man musste in Lausanne eine Nummer ziehen, welche zu einer Gabe gehörte. Der leidenschaftliche Faustball-Spieler zog dann einen Stuhl: „Aber was wollte ich mit einem Stuhl auf der Rückreise im Zug? Ich gab diesen zusammen mit 5 Franken einem Burschen und erteilte ihm den Auftrag, mir diesen heimzuschicken. Der Stuhl traf dann tatsächlich per Post ein.“
Als Toni mit seinen Kameraden nach dem besagten Südwestschweizerischen mit dem Zug heimfuhr, wurden sie von einem Bekannten gefragt, ob sie denn an einem Hornusser-Anlass waren. Toni entgegnete, dass er an einem Schwingfest war und nahm zum Beweis den Kranz hervor. In diesem Moment fiel ihm auf, dass die Kranzschleife gar nicht angeschrieben war. Der Ärger war verständlicherweise gross. Der gelernte Maschinenschlosser empört: „Es stellte sich heraus, dass sie im Welschland Sparmassnahmen hatten und nur eine gewisse Anzahl Kränze vorgängig anschreiben liessen. Ich gab etwas später in Luzern einen ESV-Schwingkurs und erwähnte die Kranzschleifen-Geschichte vor dem Zentralvorstand, welcher dort anwesend war. Ich erklärte ihnen: Das schlimmste sei dieser Südwestschweizer Kranz, welcher nicht angeschrieben ist. ISV-Präsident Walter Kürzi wurde hellhörig, setzte sich dafür ein und zwei Wochen später wurde mir eine korrekt angeschriebene Kranzschleife heimgeschickt.“


Eine seiner liebsten Gaben: Die Allweg-Truhe
Foto: feldwaldwiesenblogger

Die begehrte Allweg-Truhe
In Toni’s Stube steht eine Allweg-Truhe, welche dannzumal ein Erinnerungs-Symbol an den Allweg-Schwinget war. Diese Gabe gibt es heute nicht mehr. Als der 15-fache Rangfestsieger diese mit nach Hause nehmen durfte, stand er mit Karl Meli im Schlussgang. Zu der für ihn sehr bedeutsamen Allweg-Truhe meint er: „Es gab auch Klopfen und Schellen als Preise. Diese waren in der Regel wertvoller als die Truhe. Aber alle wollten zu dieser Zeit diese Allweg-Truhe. Beim besagten Schwinget war Michael Bütler vor mir platziert und sagte zu mir: Hast du bereits so eine Holzkiste? Ich verneinte. Darauf erwiderte er, dass er deshalb eine Schelle nehme. So kam ich zu dieser Truhe. Für mich ist das ein schönes Andenken an diesen Anlass.“

Das beste Schwingfest in Toni’s Karriere
Toni meint zu diesem Thema: „Mein bestes Schwingfest war das Urner Kantonale Jubiläumsschwinget 1967 in Bürglen, welches ich gewann. Die Urner feierten damals das 50-jährige Bestehen ihres Kantonalen Schwingerverbandes. Bei diesem Fest gestaltete ich fünf Gänge siegreich und musste im fünften Gang mit Franz Emmenegger stellen.“ Der Schwyzer zog in Bürglen einen Supertag ein und bezwang Toni Zurfluh, Albert Imfeld, Adi Zurfluh, Remigi Niederberger und im Schlussgang Werner Sturzenegger. Von der Besetzung her war das Schwingfest fast wie ein „Mini-Innerschweizerisches“. Denn es trat praktisch die gesamte Innerschweizer Elite an. „Die Gebrüder Adi, Sepp und Theo Zurfluh haben gar den Kranz verpasst. Gäste von anderen Teilverbänden waren übrigens keine anwesend“, schliesst Toni ab.
Apropos: Den Mythenverbändlern scheinen die Jubiläumsschwingfeste der Urner zu liegen. Denn: Toni gewann beim 50. Geburtstag des Urner Kantonalen Schwingerverbandes und Daniel von Euw beim 75. Geburtstag. Beinahe hätte Philipp Laimbacher heuer beim Jubiläumsschwingfest zum 100. Geburtstag obenaus geschwungen. Leider stellte Philipp im Schlussgang mit Benji von Ah und der Sieg trug schlussendlich der Luzerner Sven Schurtenberger davon.


Toni (links) schwingt mit Hans Neukomm beim Eidgenössischen 1974 in Schwyz
Foto: Toni Steiner

Keine Kranzfeier nach dem Eidgenössischen in Schwyz
Wie bereits erwähnt, war das Eidgenössische 1974 in Schwyz Toni’s letztes Schwingfest. Nach dem Grossanlass, an welchem der Familienvater als einziger Schwyzer den Kranz gewann, musste er am darauf folgenden Morgen um sieben Uhr wieder zur Arbeit. Es gab weder am Abend noch später eine Kranzfeier. Selbst bei der Generalversammlung des Schwingerverbandes am Mythen blieb dies unerwähnt. Einzig die OK-Mitglieder vom Eidgenössischen wurden geehrt. Ganz ohne Geschenk blieb Toni dann doch nicht. „Beim Traktandum „Verschiedenes“ wurde mir von Jost Stössel eine Flasche Chrüter übergeben. Diese besorgte Stössel vor der GV im Restaurant Rose. Das war früher halt schon anders. Heutzutage werden für die Kranzgewinner an Eidgenössischen hüben und drüben Kranzfeiern abgehalten“, meint der Mythenverbändler zu diesem Thema.

Der Schwingsport während Toni’s Aktivzeit und heute
Angesprochen auf dieses Thema und ob er dabei Unterschiede ausmache, meint Toni: „Eigentlich keine. Die Schwingerei als solches ist immer noch gleich. Der Stellenwert ist einfach anders und ist im Moment viel grösser als zu unserer Zeit. Damals war man ein einfacher Schwinger und nebst den Schwingsport-Fans hat uns praktisch niemand gekannt. Wenn ich zum Beispiel beim Faustballspiel auf meine Schwingerkarriere angesprochen werde und erkläre, dass ich vier Eidgenössische Kränze habe, erschrecken einige Leute beinahe. Was auch auffällt, ist die Tatsache, dass heutzutage viel mehr Frauen an den Schwingfesten anzutreffen sind. Das zeigt, dass die jungen Schwinger beliebt sind bei den Frauen.“
Der ehemalige Sennenschwinger stellt aber auch fest, dass die Schwinger heute mehr Gelegenheiten erhalten, an Kranzfeste zu gehen und einen Kranz zu gewinnen. Aber noch etwas Anderes sticht Toni ins Auge: „1964 traten nach dem Eidgenössischen in Aarau beim Allweg-Schwinget 24 (!) Eidgenossen an. Jenes Schwingfest gewann Adi Zurfluh. Heute bringen sie nach einem Grossanlass bestenfalls fünf Eidgenossen ins Starterfeld. Sogar Thomas Sutter startete 1995 als frischgebackener Schwingerkönig beim Allweg-Schwinget. Heute käme ein neuer Schwingerkönig ganz sicher nicht mehr auf den Allweg.“

Diskussion mit Martin Grab vor dem diesjährigen Haldiberg-Schwinget
Als Toni dieses Jahr zum Haldiberg-Schwinget fuhr, führte er bei der Anfahrt eine interessante Diskussion mit Martin Grab. Der rüstige Senior sagte zu Grab, welcher beim diesjährigen Haldiberg-Schwinget Rang 2b belegte: „Es klingt zwar etwas komisch. Aber: Wir nahmen damals vermutlich lieber an Schwingfesten teil als die Schwinger heute. Die besten Schwinger wollen heutzutage nämlich auf keinen Fall ein schlechtes Fest abliefern. Wenn wir früher mal an einem Fest verloren haben, nahm man es nicht gleich tragisch wie in der Neuzeit. Heutzutage wird das in den Medien gleich ziemlich breitgeschlagen, wenn ein Eidgenosse an einem Kranzfest den Kranz nicht gewinnt. Und: Mit Sponsoren im Rücken darfst du dir kaum mehr ein schlechtes Fest erlauben.“


Toni (rechts) im Bodenkampf mit Ernst Wyrsch beim Alpenrösli-Schwinget in Schwyz (Jahr unbekannt)
Foto: Toni Steiner

„Es ist tragisch, dass man heute vier Teilnahmen an Rangschwingfesten pro Jahr vorschreiben muss“
Der 78-fache Kranzgewinner findet es tragisch, dass man heute vier Teilnahmen an Rangschwingfesten pro Jahr vorschreiben muss. Für ihn gehörte die Teilnahme an den Rangschwingfesten in der Region einfach dazu. Sie mussten sich damals sogar für den Herbstschwinget Siebnen qualifizieren. Toni durfte glücklicherweise immer antreten. Teilweise konnten aber Kranzschwinger aus seinem Klub nicht teilnehmen, da sonst zu viele angetreten wären. Der ehemalige Liegenschaften-Schätzer führt weiter aus, dass die Organisatoren in der Neuzeit manchmal darum betteln müssen, um genügend Teilnehmer an einem Herbstschwinget zu haben. Toni ergänzt: „Aber: Diese Herbstschwingfeste haben von der Tradition und vom Namen her nichts eingebüsst. Das Wetter ist ziemlich massgebend. Die Zuschauer kommen in grossen Scharen, auch wenn nicht 20 Eidgenossen teilnehmen.“
Der 76-Jährige beobacht dabei eine Negativ-Spirale: Die grossen Schwingfeste werden noch grösser und man bläst sie noch mehr auf. Einige Rangschwingfeste hingegen müssen teilweise ums Überleben kämpfen.

Welche Schwinger beeindrucken Toni heute am meisten?
Der sechsfache Kranzfestsieger kontert mit einer Gegenfrage: „Soll ich etwas Böses sagen? Es sind die Schwinger, welche an alle Schwingfeste gehen. Ich bin zwar nicht der grösste Fan von ihm, denke dabei aber an Stefan Burkhalter. Der Thurgauer geht mit 43 Jahren noch an praktisch alle Schwingfeste. In meinen Augen dürften sich einige Schwinger den Oldie als Vorbild nehmen.“

Ich bedanke mich bei Toni Steiner für das lebendige Gespräch: Für die interessanten, spannenden und teilweise lustigen Fakten sowie Anekdoten! Der 76-jährige war zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten Innerschweizer Schwinger. Seine statistischen Zahlen sind äusserst beeindruckend.
Ich wünsche dem rüstigen Rentner noch viele spannende Schwingfestbesuche, beste Gesundheit und alles Gute für die Zukunft!

feldwaldwiesenblogger