Trainingsbesuch beim Schwingklub Lenzburg und Umgebung

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Am Dienstag, 11. April, stattete ich dem Schwingklub Lenzburg und Umgebung einen Trainingsbesuch ab. Das Training der Aktivschwinger findet jeweils am Dienstag von 20 bis 22 Uhr im Schwingkeller in Möriken AG statt. Geleitet wird das Training vom technischen Leiter und Aktiven Yves Steinmann. Bevor am 11. April trainiert wurde, machte ich mit Yves ein ausführliches Interview.


Yves Steinman: Aktivschwinger und TK-Chef Aktive vom Schwingklub Lenzburg und Umgebung

Wann wurde der Schwingklub Lenzburg und Umgebung gegründet?
Yves verwies mich auf die clubeigene Homepage. Unter „Geschichte“ kann man nachlesen, dass am 26. Januar 1921 die Gründungsversammlung abgehalten wurde.

Wann erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten, und mit wem?
Weiter entdeckte ich auf der Online-Seite der Lenzburger, dass schon ein Jahr nach der Gründung einer ihrer Schwinger, Jakob Kull, in Münchenstein das Nordwestschweizerische Schwingfest gewann. 1929 gewannen die Brüder Jakob und Ernst Dössegger beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Basel den Kranz. 1931 tat es ihnen Bruder Hans Dössegger gleich, und holte in Zürich ebenfalls Eidgenössisches Eichenlaub. Soviel zur frühen Geschichte vom Schwingklub Lenzburg und Umgebung.

Yves: Vor etwa 30 Jahren zählte unser Schwingklub wirklich sehr viele Schwinger. Ich selber erlebte die Gebrüder Thürig, welche sehr erfolgreich sind und waren. Guido hat inzwischen seine Karriere beendet, Mario ist immer noch aktiv. Nun haben wir mit Nick Alpiger einen weiteren erfolgreichen Schwinger, welcher obenaus schwingt. Wir erleben momentan also auch gute Zeiten. Leider zählen wir derzeit nicht so viele Schwinger. Durchschnittlich sind jeweils um die sieben Aktive im Training.

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Lenzburg und Umgebung aus?
Yves: Unser Einzugsgebiet besteht aus der Region Lenzburg/Seetal. Vom Wohnort her wäre ich eigentlich Freiämter. Da mein Vater und Onkel schon in Lenzburg schwangen, kam ich schon von klein auf immer hierher.

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
Yves: Wir haben einen Bestand von etwa zehn Aktiven. Bei den Jungschwingern sind jeweils zwischen zwanzig und dreissig im Training. An den Schwingfesten nehmen so um 15 bis 20 Jungschwinger teil.

Wie sieht für 2016 die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger aus?
Yves: Wir blicken auf eine sehr erfolgreiche Saison zurück, auch dank unseren beiden Zugpferde Mario und Nick. Beide Schwinger kamen mit dem Eidgenössischen Kranz heim. Mario war lange verletzt und man wusste länger nicht, ob er überhaupt schwingen kann. Mit dem Erfolg beim Solothurner Kantonalen sah man einen Lichtblick. Leider verletzte er sich kurz vor dem Eidgenössischen wieder, konnte den Kranz in Estavayer dennoch realisieren.
Nick startete zum ersten Mal an einem Eidgenössischen, und gewann den Kranz auf Anhieb. Das ist natürlich sensationell.
Bei den Jungschwingern haben wir auch zwei, drei Zugpferde. Der eine Jungschwinger gewann 2016 zwölf Schwingfeste in der jüngsten Kategorie. Da sind wir sicher gut unterwegs, denn die Jungschwinger bringen regelmässig Zweige heim.

Wurden die anvisierten Ziele 2016 erreicht?
Yves: Der grösste Teil konnte realisiert werden. Da wir leider einige Verletzte zu beklagen hatten, konnten wir beim AMAG-Cup nicht das gewünschte Ziel erreichen. Das Ziel wäre der dritte Platz gewesen. Wir erreichten schlussendlich Platz vier.
Apropos AMAG-Cup: Das ist ein Aargauer Wettbewerb, bei welchem an jedem Schwingfest die besten vier Resultate zählen. Wir hatten wegen den angesprochenen Verletzungen teilweise Mühe, dass wir überhaupt vier Schwinger stellen konnten.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Aargauer Schwingklubs aus?
Yves: Die Kantonaltrainings, welche meistens sehr gut besucht sind, finden hier bei uns statt. Diese fördern auch den Zusammenhalt, und die Schwinger lernen sich besser kennen. Das ist positiv für die jungen Aktiven. Ich sage unseren Jungen jeweils, dass sie auch teilnehmen sollen. Man kann in diesen Trainings nur voneinander profitieren.

Wie äussert sich bei euch die Tatsache, dass die Nordwestschweizer im Teilverbands-Vergleich „nur“ die Nummer vier sind? Ist das Motivation oder manchmal auch Frust?
Yves: Ich finde dies eigentlich eine freche Aussage, uns als Nummer vier zu bezeichnen! Wenn man das Eidgenössische Schwingfest von letztem Jahr unter die Lupe nimmt, dürfen wir mit unseren fünf Kränzen sehr zufrieden sein. Wir können überdies prozentual auch weniger Schwinger schicken. Von der Grösse her können wir nie mit den Bernern oder den Innerschweizern mithalten. Aber ich glaube, dass das Niveau dank den Kantonal- und Nordwestschweizer Trainings relativ hoch ist.


Aufwärmtraining der Aktiven

Erlebt euer Schwingklub dank den beiden Eidgenössischen Kränzen nun einen Aufschwung?
Yves: Soviel ich weiss, hatten wir deswegen keinen grossen Zuwachs zu verzeichnen. Wir sind zufrieden mit den Zahlen, welche wir derzeit haben. Natürlich dürfen jederzeit Neue kommen. Zudem machen wir jedes Jahr beim Eidgenössischen Nachwuchs-Schnuppertag mit.

Wurde letzte Saison mehr als sonst ins Training investiert und so beim ESAF den Lohn in Form von Eichenlaub eingefahren?
Yves: Es wurde auf jeden Fall mehr ins Training investiert. Es ist von jedem Schwinger das Ziel, an einem Eidgenössischen starten zu dürfen. Und wenn man dort antreten kann, ist es sicher auch das Ziel, dass man möglichst sechs oder acht Gänge bestreiten darf. Oder gar Eichenlaub mit heimnehmen kann.

Wann erfolgte der Trainingsstart in die neue Saison?
Yves: Der Trainingsstart für die Saison 2017 erfolgte in der letzten Oktoberwoche 2016, mit dem grossen Ziel Unspunnen-Schwinget.

Sind alle Aktiven fit und gesund?
Yves: Nein, leider nicht. Von etwa zehn Aktiven sind sieben fit. Ein Schwinger hat gebrochene Rippen, ein anderer erlitt eine Handverletzung.
Nick Alpiger ist heute wieder zum ersten Mal hier im Training. Er hat soeben die Rekrutenschule (RS) für Sportler beendet. Nick absolvierte dabei eine normale RS, bei welcher er zwei- bis dreimal pro Woche ins Training durfte.

Auf was habt ihr im Wintertraining besonderen Wert gelegt?
Yves: Wir haben auf das Schulschwingen grossen Wert gelegt. Um neue Schwünge zu erlernen, und jene die man beherrscht, zu perfektionieren. Auf das Bodenschwingen richteten wir auch einen besonderen Fokus. Ich finde, dass ganz allgemein zu wenig Wert auf das Bodenschwingen gelegt wird.

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Yves: Ich glaube, dass jeder Schwinger von uns das Potenzial hat, erfolgreich zu sein. Es kommt immer darauf an, wie viel ein Schwinger bereit ist, zu investieren, um wirklich an die Spitze zu kommen. Aber ich würde es jedem zutrauen.


Jeweils drei Schwing-Paare massen sich gleichzeitig, derweil die anderen pausierten und Tipps zuriefen

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Yves: Einmal pro Woche wird hier ein Jungschwingertraining durchgeführt. Weiter bilden wir Fahrgemeinschaften, damit unsere Jungschwinger die Kantonal- und Teilverbands-Trainings besuchen können. Mittlerweile teilen sich drei Trainer die Trainings für unsere vielen Jungschwinger. Da ist sicher eine grosse Unterstützung vorhanden.

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
Yves: Pro Woche absolvieren unsere Aktiven hier ein Klubtraining und das Kantonaltraining. Das Kantonaltraining wird deshalb hier durchgeführt, da unser Schwingkeller relativ gross ist. Weiter geht der grösste Teil unserer Aktiven am Donnerstag noch bei einem anderen Schwingklub ins Training, um mit anderen Gegnern schwingen zu können.
Die Jungschwinger trainieren hier einmal die Woche, und individuell besuchen sie auch Trainings bei anderen Schwingklubs.

Du bist aktiver Schwinger. Seit wann bist du zusätzlich TK-Chef der Aktiven? Wie viele Kränze besitzt du?
Yves: Seit 2010 übe ich dieses Amt aus. Ich schwang mir bisher einen Kranz heraus.

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
Yves: Eigentlich eine sehr erfreuliche. Als ich mein Amt antrat, waren wir relativ wenig Aktive. Damals waren wir öfters nur zu dritt oder zu viert im Training. Diese Zahl haben wir inzwischen verdoppelt. Die Trainings werden von allen Schwingern regelmässig besucht. Das ist sehr erfreulich!

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2017?
Yves: Wir haben unser Schwingfest, das Hallenschwingen Brunegg, bereits hinter uns. An jenem Samstag nahmen rund 65 Aktivschwinger daran teil und am Sonntag darauf wurde an gleicher Stätte der Aargauer Kantonale Jungschwingertag durchgeführt. Dabei zählten wir etwa 270 Jungschwinger. Es lief alles sehr gut ab.

Wie lauten die Ziele für 2017?
Yves: Ich vereinbare mit jedem Schwinger eigene Ziele, welche wir gemeinsam besprechen. Diese Ziele sind sehr individuell, und können von einem Topresultat beim Unspunnen-Schwinget bis hin zu regelmässiger Teilnahme beim Ausstich lauten. Sehr verschieden halt.

Wo treten die Lenzburger Schwinger zu den nächsten Schwingfesten an?
Yves: Der nächste Anlass unserer Athleten wird der Guggibad-Schwinget sein, welcher der Schwingklub Freiamt organisiert.


Die beiden Eidgenossen schauen nicht nur vom Plakat (rechts oben) zu, Nick Alpiger (linkes Schwing-Paar) und Mario Thürig (rechtes Schwing-Paar) packten auch kräftig zu

Nach dem Interview begann Yves das Training mit den Aktiven. Erst liefen die Schwinger draussen ein, ehe sie sich im Sägemehl mit gezielten Übungen aufwärmten. Danach wurde frei geschwungen, und zwar in zeitlich gestoppten Drei Minuten-Blöcken. Anwesend waren nebst Yves unter anderem auch die beiden Eidgenossen Nick Alpiger und Mario Thürig. Insgesamt waren neun Aktive im Training, welches nach dem Training der Jungschwinger begann.

Zwei Tage vor meinem Trainingsbesuch gewann Nick souverän in Klingnau AG den Schwinget im Zurzibiet. Dass der 20-Jährige parat ist, stellte ich auch beim Beobachten des Schwing-Trainings fest. Der Neueidgenosse gewann nicht nur etliche Zweikämpfe. Er motivierte auch seine Kameraden und gab ihnen wertvolle Tipps. Solche Schwinger sind für jeden Klub extrem wertvoll!

Zum Schluss spreche ich Yves und den Lenzburger Schwingern für ihre Gastfreundschaft meinen Dank aus! Für die bevorstehende Kranzfestsaison wünsche ich ihnen viel Erfolg und zahlreiche Kränze. Aber auch, dass sie verschont vor Verletzungen bleiben und ihre rekonvaleszenten Schwinger wieder in die Sägemehlringe zurückkehren können.

feldwaldwiesenblogger

Meine Schwingerwoche: Von Kaltbrunn über Lenzburg bis nach Brienz

Text: feldwaldwiesenblogger

Rapperswiler Verbandsschwingfest Kaltbrunn


Simon Kid (links) und Roger Rychen (rechts) im Schlussgang in Kaltbrunn
Foto: schwingerverband.ch

Am vergangenen Sonntag besuchte ich das Rapperswiler Verbandsschwingfest in Kaltbrunn SG. Ich berichtete ausführlich darüber im Schwinger-Blog auf Facebook. Zwei Schwinger sind mir dort sehr positiv aufgefallen: Der Sieger Roger Rychen und Simon Kid, welcher dem Glarner im Schlussgang gegenüber stand. Roger gewann souverän alle seine sechs Gänge. Notabene ist dies bereits der dritte Saisonsieg für den Schönschwinger aus Mollis GL.
Simon gab nach rund 20 Monaten Verletzungspause ein eindrückliches Comeback. Mit fünf gewonnen Gängen sicherte er sich die Schlussgang-Teilnahme, wo er nach gut fünfeinhalb Minuten mit einem Kurz bezwungen wurde.
Daniel Bösch, ebenfalls Mitfavorit auf den Tagessieg, brach sich beim zweiten Gang die Nase und musste den Wettkampf vorzeitig beenden.

Trainingsbesuch beim Schwingklub Lenzburg und Umgebung


Nick Alpiger (rechts) beim Schwing-Training
Foto: feldwaldwiesenblogger

Am Dienstagabend stattete ich dem Schwingklub Lenzburg und Umgebung einen Trainingsbesuch ab. Dies war übrigens bereits der dritte Besuch eines Schwingklubs im Kalenderjahr 2017. Im Januar besuchte ich die Entlebucher Schwinger und im Monat Februar diejenigen vom Schwingklub Glarus-Mittelland. Findige Leser könnten nun darauf kommen, dass ich mir bisher von jedem Teilverband einen Klub herausgepickt habe. Genauso verhält sich’s!
Wie schon bei den ersten beiden Besuchen führte ich ein Interview, machte zahlreiche Fotos und beobachtete die Aktiven beim Training. Von meinen Eindrücken und Notizen folgt in Bälde ein ausführlicher Blogbeitrag. Eines aber vorne weg: Nick Alpiger, welcher in Estavayer zum Neueidgenossen gekürt wurde, scheint parat zu sein. Dies bewies er nicht nur bei seinem Sieg am vergangenen Sonntag beim Schwinget im Zurzibiet. Auch beim Training gab er Vollgas!

Knatsch im Reich der Bösen


Foto: Screenshot blick.ch

Diese Geschichte stammt vom 29. März, ist also schon mehr als zwei Wochen her. Ursprünglich wollte ich überprüfen, ob es sich genauso verhielt wie dargestellt. Leider fehlte mir aber die Zeit dazu. Denn: Man hat ja auch noch einen Beruf und spielt liebend gern Schlagzeug.
Ich bezweifle nämlich, dass es sich bei diesem „Gstürm“ tatsächlich genauso verhielt. Dies wegen zwei Tatsachen: Im Fachorgan SCHLUSSGANG war dieser „Knatsch“ nie ein Thema. Und bei der Abgeordneten-Versammlung des Eidgenössischen Schwingerverbandes von Ende März ebenfalls nicht. Darum lassen wir das jetzt mal so stehen.

Vorschau auf den Ballenberg-Schwinget in Brienz


Ballenbergschwinget von 2015
Foto: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Ostermontag stehen fünf Rangschwingfeste auf der Agenda. Es ist zu hoffen, dass Petrus auch ein Schwinger ist, und die Regenschleusen geschlossen hält.
Um auch die Berner Schwinger 2017 erstmals zu beobachten, nahm ich den Ballenberg-Schwinget (Brienz BE) in mein Programm auf. Dieser herrlich gelegene Schwinget, welcher jeweils im Freilichtmuseum Ballenberg (Eingang West) durchgeführt wird, fiel 2016 wegen schlechtem Wetter buchstäblich ins Wasser.
Laut Jungfrau Zeitung ist eine vielversprechende Ausgangslage „mit allen starken Berner Oberländer Schwingern und einem Gast, der ihnen die Suppe durchaus versalzen könnte“, zu erwarten. Bei diesem Gast handelt es sich um niemand geringeres als Samuel Giger, ein Riesen-Talent aus dem Nordostschweizerischen Schwingerverband. Der 19-Jährige, welcher vor Wochenfrist souverän das Thurgauer Frühjahrsschwingfest gewann, hat einen familiären Bezug zum Berner Oberland. Samuel’s Grossvater Christian Schild stammt nämlich von Brienzwiler.
Der Thurgauer Sennenschwinger wird mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit im Freilichtmuseum auf Matthias Glarner, den Schwingerkönig von Estavayer treffen. Samuel rang dem späteren Schwingerkönig dort einen „Gestellten“ ab. Matthias gewann übrigens 2015 die bisher letzte Austragung des Ballenberg-Schwinget’s und konnte sich auch 2014 als Festsieger ausrufen lassen.
Apropos Matthias Glarner: Der Schwingerkönig startete beim Jahresschwinget in Thun mit einer Niederlage gegen Patrick Räbmatter in die Saison. Angeblich hat Matthias bei einem Angriff eine neue Fussstichvariante ausprobiert und fiel prompt einem Konter zum Opfer. Der Berner Oberländer liess gegenüber der Jungfrau Zeitung verlauten, dass die neue Fussstichvariante im Training jeweils gut geklappt habe.
Anschwingen ist am Montag um 10.00 Uhr. Definitiv entschieden wird morgen Samstagvormittag, ob das Schwingfest ausgetragen werden kann.

feldwaldwiesenblogger

Meine Schwingerwoche: Nachgefragt bei Hugo Abegg, dem Speaker vom Frühjahrsschwinget Oberarth

Text: feldwaldwiesenblogger / Fotos: feldwaldwiesenblogger und Facebook-Seite von Hugo Abegg

Letztes Wochenende fanden insgesamt drei Schwingfeste der Aktiven statt. Einerseits waren dies zwei Hallenschwingfeste, andererseits mit dem Frühjahrsschwinget Oberarth die Eröffnung der Freiluftsaison. Beim Hallenschwinget in Brunegg AG gab es mit Henryc Thoenen (1a) und Roman Fellmann (1b) zwei Sieger. In Engelberg OW landete Marcel Mathis mit sechs gewonnenen Gängen einen souveränen Sieg, wie schon letztes Jahr. Mike Müllestein konnte seinen Vorjahressieg in Oberarth SZ wiederholen und feierte nach dem Hallenschwinget Sarnen in überzeugender Manier seinen zweiten Saisonsieg.

Diese Woche widmen wir uns einer Person, welche für ein Schwingfest ebenso unerlässlich ist wie die Schwinger: Dem Speaker. In Oberarth versah dieser Job den vielen Schwingerfreunden bekannte Hugo Abegg. Auf seinem Facebook-Profil nennt er sich „Hugo Abegg Rigi-Speaker“. Da liegt man wohl ziemlich richtig, wenn man annimmt, dass Hugo Abegg erstens ein Speaker ist, und zweitens dies (unter anderem) auf der Rigi tut.
Um den „Rigi-Speaker“ aber etwas besser kennen zu lernen, telefonierte ich diese Woche mit ihm, und hatte etliche Fragen zu klären.


Hugo Abegg, Speaker in Oberarth

Wer ist Hugo Abegg?
Hugo Abegg wohnt seit eh und je in Rothenthurm, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Der Rothenthurmer arbeitet als Sicherheitsbeauftragter Infrastruktur bei der SOB (Schweizerische Südostbahn AG). Nebst dem Speaker-Job bei Schwingfesten besucht Hugo ziemlich viele Schwingfeste, damit er gemäss eigener Angabe auf dem Laufenden bleibt. Weiter ist er im Jodelklub Rothenthurm aktiv, wandert und fährt Velo.
Nebst Schwingfesten trifft man den „Eisenbähnler“ auch beim Badewannen-Rennen auf dem Stoos SZ und beim Iron Bike Race in Einsiedeln SZ als Speaker an.

Der Frühjahrsschwinget Oberarth war für Hugo die Saisoneröffnung als Schwingfest-Speaker. In Oberarth machte er diesen Job nach 2016 bereits zum zweiten Mal.
Auf die Frage, was dem Familienvater das „Speakern“ an Schwingfesten bedeutet, meint er: „Ich finde es schön, die Zuschauer auf dem Schwingplatz möglichst auf dem Laufenden zu halten. Dabei möchte ich einfach die wichtigsten Gänge vermitteln. In Oberarth kamen nach dem Schwingfest zwei ältere Herren zu mir und sagten, dass sie heute die Schwingerliste nie in die Hand nehmen mussten. Man muss sich halt mit dem Schwingsport befassen, und es ist eine Voraussetzung, dass man die Schwinger kennt.“

Angefangen hat alles 2006
Angefangen hat alles 2006 mit der Anfrage von Franz Schuler, ob Hugo nicht beim Schwyzer Kantonalen in Rothenthurm SZ den Speaker-Job übernehmen möchte. Franz meinte, dass er gut reden könne, viel an Schwingfesten sei und auch die Schwinger kenne. Nach reiflicher Überlegung sagte der Schwingbegeisterte zu. Im selben Jahr kam Walti Bisig auf ihn zu, erklärte, dass Hugo sein Amt am Schwyzer Kantonalen gut gemacht habe und fragte, ob er nicht auch beim Chilbi-Schwinget in Einsiedeln „speakern“ möchte. Natürlich mochte der leidenschaftliche Jodler. Auch beim Herbstschwinget Unteriberg, nachdem ihn „Dökti Marti selig“ ebenfalls anfragte. Diese beiden Rangschwingfeste gehören seither zu den festen Speaker-Jobs.
Etwa zwei Jahre später, so genau wusste das der Rothenthurmer nicht mehr, rief ihn Herbert Kenel, der ehemalige Präsident vom Schwingerverband am Rigi, an. Ob er beim Bergschwinget auf der Rigi auch „speakern“ möchte. Hugo sagte ebenfalls zu, und ist seither „Rigi-Speaker“. „Ich fügte deshalb diesen Zusatz zu meinem Facebook-Namen, da man diesen Berg-Schwinget in der ganzen Schweiz sehr gut kennt“, erklärt er. An so einem traditionsreichen Schwingfest am Mikrofon zu sein, bedeutete für ihn, eine Sprosse höher zu steigen. Hugo fühlte sich denn auch dementsprechend geehrt. Er bekam etliche Komplimente, und hatte dadurch das Gefühl, dass er seinen „Job“ nicht so schlecht erledige. „Das absolute Highlight als Speaker war für mich bisher das Innerschweizerische von letztem Jahr in Einsiedeln“, ergänzt der volkstümliche Mann.

Die Vorbereitungen als Speaker
Wie hat sich Hugo auf den Frühjahrsschwinget Oberarth vorbereitet? Dazu sagt er: „Ich habe mich im Vorfeld informiert, was beim Hallenschwinget Sarnen passiert ist. Ich las dazu die Berichte in der lokalen Presse, wie beispielsweise im Bote der Urschweiz. Weiter entnehme ich auch viele Information aus dem SCHLUSSGANG. Aus diesen Infos mache ich mir meine eigenen Notizen.“
Hugo erklärt weiter, dass er bei vier Schwingplätzen praktisch alle Zweikämpfe mitbekommt. Ausser er ist am Herunterlesen der Paarungen, da kann ihm schon der eine oder andere Gang entgehen. In Oberarth hatte der Rothenthurmer keine Hilfe zur Seite. Bei grösseren Schwingfesten hingegen kann Hugo auf die Hilfe von Adi Abegg vom Schwingklub Einsiedeln zählen. Adi kennt die Schwinger ausgezeichnet. Er ist jeweils auf der Rigi eine grosse Stütze, und war es letztes Jahr auch beim Innerschweizerischen. Der Einsiedler wird ihm auch beim Schwyzer Kantonalen in Arth zur Seite stehen. „Wenn du einer dabei hast, der die Schwingerei so gut kennt, kannst du als Speaker die Zuschauer sehr gut informieren“, weiss Hugo zu berichten.

Hugo Abegg ist laut seinen Aussagen bei grossen Schwingfesten im Organisations-Komitee (OK) integriert. Er besucht im Vorfeld jeweils auch die OK-Sitzungen und bringt seine Inputs rein. So unter anderem auch bei der Technik. „Ich bringe meine Wünsche an, und bin auch bestens informiert, wie alles abläuft,“ meint Hugo dazu.
Als er auf der Rigi begann, waren damals nur die „Villigerstumpen“-Lautsprecher montiert. Er wurde an jenem Sonntag darauf angesprochen, dass man ihn gar nicht richtig verstand. Hugo regte beim Rigi-OK an, in eine gute Anlage zu investieren. Gesagt – getan: Inzwischen wird der Rigi-Schwinget optimal beschallt.

Um eine Vorstellung davon zu haben, wieviel Vorbereitungszeit ein Innerschweizerisches Schwingfest benötigt, sei erwähnt, dass das OK in Einsiedeln dafür zwei Jahre aufwendete. Hugo wies darauf hin, dass am kommenden Montag bereits die erste OK-Sitzung für den diesjährigen Rigi-Schwinget angesetzt ist. Die einzelnen Mitglieder wissen was sie zu tun haben, und sie seien ein eingespieltes Team.
Für den Ablauf eines grossen Schwingfestes gibt es ein Grund-Drehbuch, welches der mittlerweile routinierte Speaker für sich anpasst. Dieses wird dann fast auf die Minute genau für den Tag abgestimmt. „Wie viel Zeit ich für die Vorbereitungen investiere, kann ich nicht sagen. Das schönste ist für mich, wenn die Leute zufrieden sind“, ergänzt Hugo.


Hugo Abegg (links) und Dagobert Cahannes (rechts)

Kurs bei der Speaker-Legende Dagobert Cahannes
Hugo hat vor gut einem Jahr einen Speaker-Kurs bei Dagobert Cahannes besucht. Was konnte er von diesem Kurs für sich mitnehmen? Dazu erklärt der zweifache Familienvater: „Der Kurs fand in Zürich statt. Eine gute Beziehung zu einem Top-Speaker zu pflegen ist für mich sehr viel wert. Wir schauten dabei einige wichtige Dinge an. So zum Beispiel: Verletzt sich ein Schwinger, soll der Speaker dazu gar nichts sagen. Damit die Aufmerksamkeit für den Betroffenen nicht zu gross wird. Ein Speaker kann ein Fest nämlich brutal prägen und führen. Man muss ein Fingerspitzengefühl dafür entwickeln, was die Leute hören möchten. Mit Rollenspielen übten wir verschiedene Situationen. Wie man etwa ein Siegerinterview richtig führt, und dass dabei aktuelle Fragen gestellt werden sollen. Nebst richtiger Kommunikation bei einem Siegerinterview übten wir auch die korrekte Sprachführung auf dem Schwingplatz. Dagobert konnte mir bei diesem Kurs viel mitgeben. Zudem war es auch ein guter Erfahrungs-Austausch mit anderen Speaker-Kollegen.“

Zum Frühjahrsschwinget Oberarth
Was meint Hugo zur Leistung von Sieger Mike Müllestein? „Er hat sehr souverän geschwungen. Beim Innerschweizerischen in Einsiedeln hatte ich bereits das Gefühl, dass Mike einen weiteren Schritt nach vorne machte. Er war schon immer ein angriffiger Schwinger, aber jetzt geht er noch entschlossener ans Werk. Er zeigte eine Topleistung in Oberarth, und man hätte ihm wohl jeden Gegner hinstellen können. Ich hoffe, dass er diese Form noch lange behalten kann“, resümiert der Speaker.
Den Rothenthurmer beeindruckte der Schlussgang sehr. Weil es trotz gestelltem Ergebnis ein attraktiver Gang war. Beide Schwinger haben den Sieg gesucht.
Für den Fünfzigjährigen stellt es kein Problem dar, sich als Speaker neutral zu verhalten. Er gesteht sich ein, dass er innerlich auch schon dem oder diesem Athleten den Sieg gegönnt hätte. Aber äusserlich bleibt er neutral. In Oberarth gratulierte Hugo nach dem Schlussgang neutral und fair wie er ist, dem Festsieger Mike Müllestein und dem Zweitplatzierten Dario Gwerder. „Ich denke, dass ich meinen Job neutral mache“, schliesst der Mann am Mikrofon dieses Thema ab.

Welche Schwinger sind in seinen Augen so richtig parat für die bald beginnende Kranzfest-Saison? Das sei eine schwierige Frage, meint der Speaker. Er hofft, dass die Innerschweizer bereit sind. Dass der wieder genesene Joel Wicki an seine Leistungen anknüpfen kann, welche er vor der Verletzung gezeigt hat. Weiter setzt der schwingbegeisterte Mann auf Christian Schuler, welcher weiterhin das Zugpferd der Innerschweizer sein könnte. Er erwähnt aber auch die Berner, welche mit dem amtierenden König sicher wieder eine Macht sein werden. Und die Ostschweizer mit den jungen Armon Orlik und Sämi Giger, welche die Zukunft prägen könnten. „Letztes Jahr haben mir auch die Südwestschweizer gut gefallen. Da sind einige Schwinger parat. Im Grossen und Ganzen wird man im Vorfeld des Unspunnen-Schwingets sicher viel attraktive Schwingerkost erleben“, mutmasst der Kenner.


Hugo Abegg, „Rigi-Speaker“

Wieviel darf oder muss ein Speaker sagen?
In meinen Augen tätigt Hugo seinen Job ausgezeichnet. Konzentriert kündigt er alle wichtigen Gänge an, und sagt weder zu viel noch zu wenig. An einigen Schwingfesten wird meines Erachtens meist nur spärlich informiert. Sagt aber ein Speaker relativ viel, wurde dieser von älteren Schwingerfreunden auch schon als „Schwafli“ geschimpft. Was sagt Hugo dazu? „Ich bin nicht einer, der als Speaker Witze erzählt. Mein Ziel ist es, die Leute gezielt zu informieren. Beim Kurs von Dagobert Cahannes haben wir gelernt, dass man auch zu viel reden kann. Zudem ist es halt nicht jedem gegeben, in ein Mikrofon zu sprechen. Klar kann man schon zu viel sprechen. Es ist auch interessant, was dabei gesagt wird. Oder: Wie stellt man zum Beispiel die Lebendpreise vor? Da ist es wichtig, ein gutes Mittelmass zu finden. Früher hat man vielleicht viele Details erwähnt, heutzutage sind es eher weniger. Wichtiger sind in meinen Augen die Informationen rund um das Schwingen. Dank der vielen positiven Rückmeldungen denke ich, dass ich auf einem guten Weg bin.“

Dieses Jahr wird man Hugo Abegg an folgenden Schwingfesten als Speaker hören: Beim Schwyzer Kantonalen am 14. Mai in Arth SZ. Weiter beim Rigi-Schwinget (9. Juli), beim 16. Innerschweizer Nachwuchsschwingertag in Alpthal SZ (13. August) und einen Tag vorher an gleicher Stätte beim vorgezogenen Chilbi-Schwinget der Einsiedler. Anfangs Oktober beschliesst der „Rigi-Speaker“ seine Saison beim Herbstschwinget in Unteriberg SZ.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Fritz Ramseier, dem aufstrebenden Sieger vom Hallenschwinget Oberdiessbach

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: Rolf Eicher

Seit Beginn der neuen Saison gingen schon einige Hallenschwingfeste über die Bühne. Dabei gab es fast nur Sieger, welche man im Vorfeld auch zu den Favoriten gezählt hatte. Bei einem einzigen Anlass schwang aber einer oben auf, dessen Name ich bisher nicht wirklich im Fokus hatte: Fritz Ramseier.

Fritz Ramseier? Dieser Name dürfte wohl nur absoluten Insidern etwas sagen. Der fünffache Kranzgewinner wurde am 23. Juli 1994 geboren, wohnt in Süderen BE und arbeitet zu 100 Prozent bei einem Tief-/Hochbau-Betrieb. Daneben hilft er beim Landwirtschaftsbetrieb von seinem Vater und seinem Onkel mit. Fritz gehört dem Schwingklub Siehen an, welcher im Emmentalischen Gauverband integriert ist. Neben dem Schwingen gehören das Velofahren und der Langlauf zu seinen Hobby’s: „Ich bin gerne in der Natur“, ergänzt der Emmentaler.

Der 22-Jährige machte erst kürzlich auf sich aufmerksam, als er überraschend den Hallenschwinget Oberdiessbach im Berner Mittelland gewann. Dieses Schwingfest war von den Namen her zwar nicht top besetzt. Immerhin waren mit Patrick Schenk und Philipp Reusser zwei Eidgenossen am Start, weiter etliche aufstrebende Berner Nachwuchsleute.
Trotzdem: Das Notenblatt mit einem Gesamttotal von 59.00 Punkten kann sich absolut sehen lassen. Fritz besiegte im Schlussgang Severin Schwander. Nebst fünf lupenreinen „Zehnern“ musste er beim gestellten Gang mit Stefan Marti ein einziges Mal Punkte lassen.

Der Hallenschwinget Oberdiessbach war für Fritz das erste Schwingfest der Saison 2017. Wie der Sennenschwinger erklärt, will er spontan entscheiden, welches Schwingfest er als nächstes bestreiten wird. Vermutlich wird es der Abendschwinget vom Schwingklub Sense in Tafers FR sein, bei welchem Fritz und seine Kollegen als Gäste dabei sind.
Grund genug, beim jungen Berner Schwinger nachzufragen.


Fritz Ramseier, strahlender Sieger beim Hallenschwinget Oberdiessbach

Was bedeutet dir der Sieg beim Hallenschwinget Oberdiessbach?
Im Nachhinein sehr viel. Am Morgen ging ich mit der Einstellung dort hin, eine Standortbestimmung vorzunehmen. Dieser Sieg ist für mich ein Zeichen, dass ich während dem Winter nicht geschlafen habe.

Warst du überrascht über deinen Sieg?
Ja, eigentlich schon. Am Morgen habe ich nicht damit gerechnet. Die Freude war dann am Abend umso grösser.

Hast du bereits während dem Schwingfest gespürt, dass etwas drin liegen könnte?
Ich nahm Gang um Gang, und fühlte mich dabei je länger je besser. Nach dem fünften Gang stand ich bereits als Sieger (mindestens Rang 1b) fest. Ich ging deshalb voll motiviert in den Schlussgang rein.

Welcher Gang war in Oberdiessbach der „härteste“?
Der erste Gang, welchen ich gegen Patrick Gobeli bestritt. Wir beide haben den Sieg gesucht und gingen gleich in die Offensive. In der letzten Minute konnte ich ihn dann bezwingen.

Mit welcher Strategie bist du in den Schlussgang gegangen?
Wie bereits angesprochen, musste ich nichts mehr riskieren. Ich ging motiviert, zugleich aber vorsichtig in den Schlussgang rein und wartete erst mal ab. Ich stellte fest, dass mein Gegner, je länger der Gang dauerte, schwächer wurde. In der siebten Minute nutzte ich dann die Gunst der Stunde.

Du bist „nur“ 174 cm gross, bei einem Gewicht von 100 Kilogramm. Mit welchen Schwüngen hast du als „relativ kleiner“ Schwinger deine fünf Plattwürfe bewerkstelligt?
Mit Fussstich und innerem Haken. Diese beiden Schwünge wende ich am meisten an. Im Schlussgang fing ich einen Schlungg von Severin Schwander ab, und bezwang ihn mit einem Kopfzug.

Hast du in deiner Vorbereitung, deinem Training oder gar in deiner Schwingweise etwas verändert, dass du in Oberdiessbach derart parat warst?
Das ist eine gute Frage. Was ich verändert habe: Im Winter war ich keine einzige Minute im Kraftraum. Diese Art Training sagt mir einfach zu wenig zu. Zudem: Ich hatte auch schon Probleme mit dem Rücken zu beklagen. Nicht korrekt ausgeführte Übungen im Kraftraum waren für mich bisher eher kontraproduktiv. Ich trainiere stattdessen daheim mit meinem eigenen Körpergewicht, und mache dabei Rumpfbeugen oder Liegestütze. Überdies war ich während dem Winter dreimal pro Woche im Schwingkeller.

Letzte Saison hast du dir zwei Kränze erschwungen, vorletzte Saison deren drei. Was darf man in dieser Saison von dir erwarten?
Ich litt praktisch während der ganzen letzten Saison am Pfeifferschen Drüsenfieber, welches mich ein Stück weit einschränkte. Ich hoffe, dass diese Saison noch einiges geht. Aber: Das ist nach dem ersten Schwingfest natürlich schwierig zu sagen. Das Selbstvertrauen ist sicher da. Wir werden sehen, was noch alles drin liegt.

Wie sieht dein momentanes Trainingsprogramm aus?
Ich absolviere wöchentlich drei Schwing- und ein bis zwei Konditionstrainings. Zusätzlich betreibe ich das angesprochene Krafttraining mit meinem eigenen Körpergewicht, dies je nach Lust und Laune. Als Abwechslung und Ergänzung zum Konditionstraining fahre ich Velo und betreibe im Winter Langlauf.
Bei den Zusammenzügen des Berner Teams, bei welchen für den Unspunnen-Schwinget trainiert wird, bin ich auch dabei. Alle zwei Wochen findet so ein Team-Training statt. Bei diesen Zusammenzügen habe ich die Möglichkeit, mit anderen Gegnern zu schwingen, statt nur immer mit den klubeigenen.

Welche Schwinger sind deine Vorbilder? Von welchen Schwingern hast du Dinge abgeschaut?
Die grössten Vorbilder sind für mich die kleinen Kinder. Die sind immer motiviert, stehen auf wenn sie umgefallen sind und machen stets weiter.
Ein Vorbild ist für mich sicher Thomas Zaugg, unser klubeigener Eidgenosse. Mich beeindrucken an ihm sein Biss und sein Können. Er ist zudem auch nicht ein überaus grossgewachsener Schwinger. Von ihm kann ich einiges mitnehmen. Thomas kommt einmal die Woche in den Schwingkeller und trainiert uns. Bei Fragen steht er uns auch zur Seite. Das ist für uns Jungen enorm gut und wir können viel von ihm profitieren.
Von Hanspeter Pellet, welcher auch nicht sehr gross ist, habe ich viel abgeschaut und versuche nun einiges so zu machen. Ich beobachtete seine Schwünge bei Schwingfesten und von Videos aus dem Internet.

An welchen Schwingfesten wird man dich 2017 antreffen?
Für Teilnahmen an Klub- und Regionalfeste entscheide ich mich spontan. Weiter bestreite ich die Gauverbandsfeste im Emmental, Mittelland, Seeland und Oberland. Das Berner Kantonalschwingfest steht ebenso auf dem Programm. Welche Bergfeste ich bestreiten darf, weiss ich noch nicht.

Ich bedanke mich bei Fritz Ramseier für seine interessanten Auskünfte und bin überzeugt, dass man von dem aufstrebenden Talent in Zukunft noch einiges zu hören, respektive zu sehen bekommen wird. Einstweilen wünsche ich ihm einen guten Einstieg in die neue Saison und dass er gesund und fit bleibt!

feldwaldwiesenblogger

Was darf man von den Berner Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung zu Beginn der neuen Saison

Text: Manfred Schneider und feldwaldwiesenblogger / Foto: Manfred Schneider

Die Ersten werden die Letzten sein, oder anders gesagt: Heute folgt mit dem Bernisch Kantonalen Schwingerverband (BKSV) bereits die letzte Experten-Meinung zu Beginn der neuen Saison. Für diesen Part konnte ich den Berner Manfred Schneider gewinnen. Das eidgenössische Ehrenmitglied war bis 2016 Eidgenössischer Technischer Leiter Jungschwingen, und kennt das Schwinggeschehen im Bernbiet ausgezeichnet.

Über den stärksten Verband viele Worte zu verlieren ist fast wie Wasser in die Aare zu tragen. Mit drei noch aktiven Schwingerkönigen in ihren Reihen sind die Berner derzeit einfach das Mass der Dinge. Weiter verfügen sie, angeführt von Remo Käser, über etliche talentierte junge Schwinger. Diese sind ebenfalls jederzeit zu einem Kranzfestsieg fähig. Die Berner weisen eine breite Spitze, aber auch ein breites Feld mit starken Mittelschwingern auf.

Aber: Die Arrivierten um Glarner, Sempach, Stucki und Co. sind mittlerweile über 30 Jahre. Sind diese nicht mehr aktiv, vermuten einige Schwingerfreunde, dass der Abstand zu den anderen Teilverbänden wieder kleiner werden könnte. Trotzdem: Dank dem starken Nachwuchs müssen sich auch die Mutzen keine Sorgen über ihre Zukunft machen.

Einstweilen blicken wir aber auf die nun beginnende Saison. Diese wurde im Bernbiet mit den Hallenschwingfesten Kirchberg (Sieger: Remo Käser), Büren an der Aare (Sieger: Florian Gnägi), Oberdiessbach (Sieger: Fritz Ramseier) und Thun (Sieger: Bernhard Kämpf) lanciert.

Manfred Schneider erhielt von mir den gleichen Fragenkatalog zugestellt wie die vier anderen Teilverbands-Experten. Bei den zehn Fragen erklärte mir der Berner schriftlich seine Sichtweise zu Beginn der neuen Saison.


Manfred Schneider, Berner Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Da die Schwinger ihr Jahresprogramm meistens selbst machen, weiss jeder genau, was er machen muss, um seine Ziele zu erreichen. Sei es, um sich für einen Eidgenössischen Anlass zu qualifizieren, oder bei den Saison-Höhenpunkten parat zu sein.
So wie sich der Neu-Eidgenosse Remo Käser am Hallenschwinget in Kirchberg präsentiert hat, befindet er sich schon in einer guten Form. Dies verwundert mich aber nicht, profitierte Remo doch von den guten Trainings in der Sportler-RS in Magglingen BE.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
Es werden die gleichen vorne sein wie 2016. Von denen, die dereinst das Zepter übernehmen werden, sehe ich noch keinen, der dies 2017 schon ändern könnte. Ich lasse mich aber gerne überraschen.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Ich denke, es hätte ein paar Berner Schwinger, für welche es möglich ist. Aber dann muss man überzeugt sein, es zu wollen und auch bereit sein, während der Schwingsaison auf einiges zu verzichten.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Wenn ich die Resultate vom letzten Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST 2015) in Aarburg anschaue, stelle ich fest, dass die Berner gute Nachwuchsschwinger haben. Jetzt gilt es, diese Schwinger in die Trainings der Aktiven zu integrieren. Damit sie profitieren können und sehen, was es noch braucht um Spitzenschwinger zu werden. Und zwar nicht nur im Bernbiet, sondern schweizweit.
Der BKSV hat nun angefangen, mehr für den Nachwuchs zu tun. Es ist sicher angebracht, denn sonst könnte man nach 2019 wieder in ein Loch fallen.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Die Könige Matthias Glarner, Matthias Sempach und Kilian Wenger. Weiter Bernhard Kämpf, Christian Stucki, Florian Gnägi und Remo Käser.

Werden die Neueidgenossen überzeugen?
In Estavayer wurde bei den Zweikämpfen von Patrick Schenk gegen Steven Moser und Philipp Roth gegen Nöldi Forrer wohl nicht erwartet, dass sie ihren letzten Gang gewinnen. Die beiden müssen nun aber an ihrer Schwingart arbeiten, damit sie den Kranz bestätigen können. Bei Damian Gehrig, Philipp Reusser und Adrian Schenkel denke ich, dass sie weiterhin nicht angenehme Gegner sein werden: Ob beim Schwingen oder für die Einteilung. Remo Käser wird sicher seinen Kranz bestätigen. Für alle gilt aber, sich für den Unspunnen-Schwinget zu qualifizieren.

Könnte die Unspunnen-Selektionierung für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Ich konnte mir bei Trainingsbesuchen selber ein Bild davon machen, dass mit dem Berner Kader bereits gut trainiert wird für den Unspunnen-Schwinget. Man hat da noch eine Rechnung offen. Ich sehe eigentlich kein Nervenflattern. Denn die 32 Berner, welche teilnehmen können, wissen wie es geht und was sie zu tun haben.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Auf ESV-Stufe stimmt mich sehr traurig, dass man das viertägige Eidgenössische Nachwuchstrainingslager nicht mehr durchführen will. Acht Nachwuchs-Trainingslager durfte ich leiten. Diese waren stets eine gute Vorlage für die qualifizierten Nachwuchsschwinger aus allen Teilverbänden. Die jungen Athleten konnten sich aus dem Gezeigten der Spitzenschwinger verbessern, oder sahen, warum ihre Kameraden besser sind. Aber auch die Kameradschaftliche Kommunikation unter den Nachwuchsschwingern aller Teilverbände war etwas vom schönsten, was ich in meiner Zeit als Eidgenössischer Technischer Leiter Jungschwingen (TLJ ESV) erleben durfte. Ich habe bis heute noch regen Kontakt mit vielen Nachwuchsschwingern aus allen Teilverbänden. Ich hoffe, beim ESV ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Weiter muss sich die Technische Kommission des Eidgenössischen Schwingerverbandes über die Einteilung Gedanken machen. Dieses Gerede und die harschen Kritiken, wie ich sie im Schwingerdorf in Estavayer erlebte, sollten in Zukunft nicht mehr passieren. Das habe ich noch nie erlebt. Ich wusste gar nicht mehr, wem ich nun eigentlich glauben soll.
Schon in meiner Amtszeit als TLJ ESV habe ich erklärt, dass es nicht sein kann, wenn ein Schwinger mit der Note 8.75 den Kranz auf sicher hat, und sein Gegner noch gewinnen muss. Oder: Dass man an Kranzfesten, nicht einmal mehr einen „Kranzer“ besiegen muss, um zum Kranz zu kommen.
Diskussionen wird es immer geben. Aber man kann etwas dafür tun, dass es keine allzu grossen Diskussionen gibt. Es gilt, fair einzuteilen. Dabei ist es auch wichtig, dass man die Schwinger kennt. Ich wünsche dem ESV aber weiterhin viel Glück bei ihrer Arbeit.

Gibt es bei den Gauverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
Nein, Probleme macht man sich meistens selber. Weil man nicht nach einer Lösung sucht, denn die gibt es immer. Sicher muss man im Berner Jura mehr Zeit investieren als im Oberland oder Emmental, um genug Schwinger im Keller zu haben. Gefordert sind aber auch das Mittelland und das Seeland, damit sie weiterhin über gute Schwinger verfügen. Das heisst: Im Berner Kantonalen Schwingerverband sind alle gefordert, damit man weiter von ihnen spricht.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis des Bernisch- Kantonalen Schwingerverbandes im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Im Moment haben die Berner sicher noch die breiteste Spitze. Die Innerschweizer und die Nordostschweizer liegen etwa auf gleicher Höhe. Die Nordwestschweizer haben Fortschritte gemacht. Ich hoffe nun, dass bei den Südwestschweizern das Gleiche abläuft. Denn gute Schwinger wären auch dort vorhanden.

Manfred, besten Dank für deine Einschätzung betreffs der Berner Schwinger!

feldwaldwiesenblogger

Was darf man von den Nordwestschweizer Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung zu Beginn der neuen Saison

Text: Wolfgang Rytz und feldwaldwiesenblogger / Foto: Wolfgang Rytz

Bei den Experteneinschätzungen sind wir bereits beim vierten Teilverband angelangt: Dem Nordwestschweizerischen Schwingerverband (NWSV). Für diesen Part zeichnet sich Wolfgang Rytz, eine freier Sportjournalist aus dem Aargau, verantwortlich. Ihm stellte ich den gleichen Fragenkatalog wie schon den anderen drei Teilverbands-Experten zu. Wolfgang beantwortete mir die Fragen schriftlich.

Laut Schwingfest-Agenda starten die Nordwestschweizer Schwinger am 25. März mit dem Hallenschwinget Brunegg in die neue Saison. Auf der SCHLUSSGANG-Homepage ist ersichtlich, dass als bisher einziger Spitzenschwinger der Neueidgenosse Patrick Räbmatter gemeldet ist. „Räbi“, wie er von seinen Fans genannt wird, sorgte letztes Jahr für einige Furore.

Räbmatter zählt man in der Nordwestschweiz zu den „jungen Wilden“. Nebst ihm holten sich in Estavayer auch die Jungen Nick Alpiger sowie David Schmid und die Routiniers Bruno Gisler sowie Mario Thürig den so begehrten eidgenössischen Kranz. Dem Arrivierten Christoph Bieri fehlte dazu leider das so berühmte „Vierteli“. Für Remo Stalder, den Neueidgenossen von Burgdorf, war beim ESAF2016 bereits nach vier Gängen Schluss.
Trotzdem: Fünf Eidgenössische Kränze, darunter drei neue Eidgenossen, ist für den „zweit kleinsten“ Teilverband ein schöne Ausbeute.

Was man in der neuen Saison von den Nordwestschweizern erwarten darf, erklärt nachfolgend Wolfgang.


Wolfgang Rytz, NWSV-Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Die beiden Neueidgenossen Patrick Räbmatter und Nick Alpiger befinden sich in einem intensiven Saisonaufbau. Der dritte Aargauer Neueidgenosse, David Schmid, ist nach einer Operation hingegen noch rekonvaleszent. Er wird verspätet in die Saison eingreifen. Weil der erste NWSV-Wettkampf erst am 25. März auf dem Programm steht, sind detailliertere Angaben über den Formstand der Schwinger noch nicht möglich.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
Im Mittelpunkt werden sicher die drei Aargauer Neueidgenossen Räbmatter, Alpiger und Schmid stehen. Die arrivierten Eidgenossen Bruno Gisler, Mario Thürig, Christoph Bieri und Remo Stalder geben aber ihre Vormachtstellung sicher nicht kampflos preis, was eine spannende Saison verspricht. Immer für eine Überraschung gut ist „Räbi“, wie er letztes Jahr am Berner Kantonalen mit seinem Sieg über Schwingerkönig Matthias Sempach gezeigt hat.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Das Augenmerk gehört einerseits dem 19-jährigen Zurzacher Michael Bächli, der nach zwei Kreuzbandrissen wieder Anschluss an die Spitze sucht. Andererseits ist den jungen Freiämtern, angeführt von den Gebrüdern Andreas und Lukas Döbeli, einiges zuzutrauen. Dasselbe gilt auch für den Baselbieter Janic Voggensperger.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Wie bereits in der Antwort zuvor angesprochen, ruhen die Hoffnungen auf den jungen Schwingern um 20 Jahre herum. Da hat der Nordwestschweizer Verband grosse Hoffnungen, dass diese die alte Garde mit Gisler, Thürig und Bieri in den nächsten Jahren gleichwertig ablösen können.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Auch hier sind die Namen bereits gefallen: Kranzfestsiege in der Nordwestschweiz werden nochmals über Gisler, Thürig und Bieri führen. Doch es würde nicht überraschen, wenn sich beispielsweise Alpiger oder Räbmatter vermehrt in diesen Kampf einmischen.

Werden die Neueidgenossen überzeugen?
Bestimmt werden Nick Alpiger und Patrick Räbmatter vermehrt an der Nordwestschweizer Spitze mitmischen. Für David Schmid dürfte es infolge des beeinträchtigen Wintertrainings schwieriger werden. Aber der Fricktaler hat letzte Saison bereits verspätet in die Saison eingegriffen und war dann gleich vorne dabei.

Könnte die Unspunnen-Selektion für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Daran glaube ich nicht. Für die drei Neueidgenossen geht es zuerst um die Bestätigung ihres Kranzgewinnes in Estavayer. Gelingt ihnen dies, sind sie auch in Interlaken dabei.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Daniel Dreier ist schon seit 15 Jahren NWSV-Verbandspräsident. Im Januar liess er sich mangels Nachfolger nochmals für drei Jahre wählen. Inzwischen werden aber jüngere Kräfte sowohl fürs Präsidium wie für den technischen Bereich aufgebaut.

Gibt es bei den Kantonalverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
Problemfälle gibt es in jedem Teilverband. Jeder Kantonalverband hat zurzeit ein paar schwache Klubs. Seit Jahren fehlen dem Baselstädtischen Verband genügend Aktivschwinger.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis der Nordwestschweizer im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Die Nordwestschweiz hat den vierten Platz unter den fünf Teilverbänden mit den drei Neueidgenossen in Estavayer gefestigt. Im Vergleich zur Südwestschweiz ist der Vorsprung deutlich grösser geworden. Ob nach guten Jahren von Bruno Gisler, Mario Thürig und Christoph Bieri bald ein neuer Spitzenschwinger von eidgenössischem Format heranwächst, bleibt abzuwarten.

Vielen Dank Wolfgang, für deine Einschätzung des Nordwestschweizerischen Schwingerverbandes!

feldwaldwiesenblogger

Was darf man von den Innerschweizer Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung zu Beginn der neuen Saison

Text: Daniel von Euw und feldwaldwiesenblogger / Foto: feldwaldwiesenblogger

Nach den Experteneinschätzungen für die Nordostschweizer und die Südwestschweizer Schwinger folgt heute diejenige der Innerschweizer (ISV). Dafür konnte ich niemand geringeren als Daniel von Euw, ein profunder Kenner, gewinnen. Der vierfache Eidgenosse war von 1981 bis 2002 selber ein erfolgreicher Spitzenschwinger und kennt als Kommentator auf Radio Central die Schwing-Szene natürlich bestens.

Bei den Innerschweizern wurde mit dem gestrigen Hallenschwinget in Sarnen die Saison nun ebenfalls lanciert. Der Sieger Mike Müllestein scheint parat zu sein, auch sein Schlussgang-Gegner Reto Nötzli. Zudem gaben die beiden grossen Abwesenden beim Eidgenössischen, Benji von Ah und Joel Wicki, ihr Comeback. Dasjenige von Wicki war sehr erfolgreich, Benji von Ah’s hingegen eher durchzogen. Natürlich darf man solche Rangschwingfeste nicht zu sehr überbewerten. Trotzdem sind sie ein Gradmesser für die Ende April losgehende Kranzfestsaison. Und die Schwinger sehen, wo sie stehen und können dementsprechend an ihrer Form schleifen.

Ich stellte Daniel von Euw den gleichen Fragenkatalog wie dem NOS- und dem SWSV-Experten zu. Der Geschäftsführer der Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz beantwortete anfangs März die Fragen schriftlich.


Daniel von Euw, ISV-Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Nein, aber jetzt müssen die Schwinger ja auch noch nicht in Wettkampfform sein. In dieser Zeit ist es wichtig, dass sie gesund und gut trainieren können. An der ISV-Delegiertenversammlung Anfang Februar in Alpnach OW wurden die erfolgreichsten Aktivschwinger der Saison 2016 geehrt. Das Bild der Geehrten zeigte mir, dass mit diesen Schwingern auch im Jahr 2017 wieder zu rechnen ist.
Eine Hiobsbotschaft müssen wir leider zur Kenntnis nehmen: Pirmin Reichmuth hat sich bereits zum dritten Mal das Kreuzband am rechten Knie gerissen. Pirmin hat aus meiner Sicht Königspotenzial.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
In der Innerschweiz wird es an der Spitze kaum Veränderungen geben. Ich bin überzeugt, dass Christian Schuler auf die sehr gute Saison 2016 gleich nachdoppeln wird. Selbstverständlich hoffe ich auf Überraschungen. Mit Freude erwarte ich natürlich das Comeback von Joel Wicki.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Bei Sven Schurtenberger und Mike Müllestein fehlt nicht mehr viel zur absoluten Spitze. Von einigen Schwingern wie René Suppiger, Philipp Gloggner, Andi Imhof, Marcel Mathis sowie den Gebrüdern Reto und Bruno Nötzli erwarte ich mehr Konstanz. Sie zeigen manchmal sehr gute Schwingerkost; dann aber gibt es wieder unerklärliche Ausrutscher.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
In der Innerschweiz wird an der Basis sehr gute Arbeit geleistet. Schlussendlich liegt es jedoch beim einzelnen Schwinger, ob er mit letztem Willen erfolgreich sein will. Joel Wicki ist ein Paradebeispiel, dass man es mit Wille und Fleiss weit bringen kann. Gespannt darf man auch auf Marco Fankhauser sein, der nach seiner Verletzung wieder ins Geschehen eingreifen sollte. Einen weiteren Schritt nach vorn erwarte ich auch von den beiden Muotathalern Ralf Schelbert und Dario Gwerder.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Christian Schuler, Andreas Ulrich, Philipp Laimbacher, Mike Müllestein, Reto und Bruno Nötzli, Sven Schurtenberger, René Suppiger, Erich Fankhauser, Philipp Gloggner, Marcel Mathis, Benji von Ah sowie Andi Imhof sind die Arrivierten, welche es immer noch zu schlagen gilt. Gespannt darf man auch wieder auf die Auftritte vom siebenfachen Eidgenossen Martin Grab sein.

Werden die Neueidgenossen überzeugen?
Von Sven Schurtenberger, Pirmin Reichmuth, Mike Müllestein und René Suppiger hat man bereits im Vorfeld des ESAF 2016 fast erwartet, dass sie bei „normaler“ Leistung das eidgenössische Eichenlaub gewinnen. Für sie war es eine Bestätigung der bereits erreichten Resultate. Alex Schuler wird weiterhin ein zäher Schwinger bleiben. Stefan Stöckli muss den überraschenden Gewinn des Eidgenössischen Kranzes erst noch bestätigen.

Anmerkung: Der Luzerner Stefan Stöckli fällt wegen einer Knie-Operation, welcher er sich am 10. März unterziehen musste, für unbestimmte Zeit aus.

Könnte die Unspunnen-Selektionierung für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Nein, das glaube ich nicht. Aber klar ist, dass es bei weniger Selektionierten mehr Härtefälle als zum Beispiel bei der Selektion für ein Eidgenössisches geben wird.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Ganz klar bei der Einteilung auf den höchsten Stufen des Verbandes. Beispiel Brünig 2016: Dem nach vier Gängen führenden Berner Thomas Sempach wird Adrian Steinauer mit 1.5 Punkten weniger auf dem Konto zugeteilt. Oder der Gang Matthias Glarner – Philipp Laimbacher (1.25 Punkte weniger): Wenn Laimbacher verliert, kann er nicht mehr um den Kranz schwingen, während Glarner um den Brünig-Sieg schwingt. Bernhard Kämpf – Marcel Mathis (1.0 Punkte weniger): Kämpf gewinnt und schwingt im Schlussgang um den Brünig-Sieg. Mathis gewinnt den sechsten Gang platt und ist dennoch ohne Kranz. In dieser Situation nach vier Gängen hätte an der Spitze zwingend eine Berner Paarung eingeteilt werden müssen, damit alle Athleten mit einigermassen gleich langen Spiessen kämpfen. Nachzutragen ist hierzu, dass es im sechsten Gang gleich zu fünf reinen Innerschweizer Duellen zwischen Laimbacher – Scheuber, Ulrich – Britschgi, Brun – Gwerder, Steinauer – Gasser und Schuler – Fankhauser gekommen ist.
Leider hat sich die komische Einteilung am ESAF 2016 fortgesetzt. Die ersten drei Gänge waren noch in Ordnung. Danach haben es die Berner mit der Angst bekommen und sich unter Mithilfe des Nordwest- und Südwestschweizer Einteilers gegen die Meinung des Innerschweizer und Nordostschweizer Einteilers durchgesetzt. Einige Beispiele: Nöldi Forrer – Thomas Sempach im vierten Gang ist mit dieser Punktedifferenz völlig unnötig. Fünfter Gang: Alle haben die Paarung Bösch – Stucki erwartet. Nachdem Bösch den fünften Gang gewann und Stucki seinen gegen Clopath stellte, haben die Berner Christian Stucki definitiv geopfert und ihn gegen Bösch antreten lassen. Obwohl ich Matthias Glarner den Königstitel aufgrund seiner über Jahre konstanten Leistungen extrem gönne, muss auch bei ihm die Einteilung hart kritisiert werden! Wenn bei einem König, der von Beginn weg an der Spitze mit dabei war, von seinen acht Gegnern deren vier ohne Kranz den Heimweg antreten und teilweise mit grossen Punkterückständen zugeteilt werden, stimmt etwas nicht. Aber hier kann Matthias am allerwenigsten etwas dafür.

Gibt es bei den Kantonalverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
„Problemkinder“ ist wohl das falsche Wort. Aber klar sind die guten Schwinger bei den Urnern und Zugern eher dünn gesät. Auch zwischen den Schwingklubs gibt es natürlich extreme Gefälle.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis der Innerschweizer im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Wenn nur die besten drei Schwinger eines jeden Teilverbandes gezählt werden, wären wohl die Berner und Nordostschweizer knapp vor den Innerschweizern. Wenn aber die ganze Spitze dazu gezählt wird, sehe ich die Berner vor den Innerschweizern, gefolgt von den Ostschweizern. Schön ist aber, dass schlussendlich alles auf dem Schwingplatz entschieden wird.

Daniel, herzlichen Dank für deine Einschätzung betreffs der Innerschweizer Schwinger!

feldwaldwiesenblogger