Nachgefragt bei Tobias Siegenthaler, einem der beiden Schlussgang-Teilnehmer beim Lueg-Schwinget

Text: feldwaldwiesenblogger

Wieder einmal widme ich mich nicht dem glücklichen Sieger eines Schwingfestes. Denn dies tun in der Regel in aller Ausführlichkeit die Presse, Lokalradios oder das Fernsehen. Heute lasse ich Tobias Siegenthaler, den Schlussgang-Verlierer vom Lueg-Schwinget zu Wort kommen. Es ist nämlich mein Bestreben, auch weniger bekannte Schwinger, welche tolle Leistungen zeigen, zu porträtieren. Gemäss dem Motto: Die Schwinger-Schweiz besteht nicht nur aus Stucki, Wicki, Orlik und Co.

Der 72. Lueg-Schwinget
Der angesprochene Lueg-Schwinget fand oberhalb von Burgdorf BE, unterhalb des Landgasthofes und Seminarhotel Lueg, in Kaltacker statt. Der Organisator (Schwingklub Burgdorf) wurde am letzten Sonntag zwar nicht mit „Kaiser-Wetter“ beschenkt. Dennoch vermeldeten sie: Bei leichter Bewölkung fand der 72. Luegschwinget statt. In Kaltacker zählte man 63 Schwinger und 600 Zuschauer.
Auf der SCHLUSSGANG-Homepage wurden im Vorfeld folgende Spitzenschwinger gemeldet: Käser Remo, Schenk Patrick, Burkhalter Stefan, Schneider Domenic, Aeschbacher Matthias, Staudenmann Fabian, Steiner Michael und Schneider Mario. Ein Blick auf die Rangliste zeigt, dass alle genannten Athleten antraten. Gekämpft wurde mit unterschiedlichem Erfolg, und Remo Käser musste den Wettkampf bereits nach dem ersten Gang verletzungsbedingt aufgeben.

Wer ist Tobias Siegenthaler?
Bekanntlich gewann der Emmentaler Matthias Aeschbacher das Schwingfest und bodigte im Schlussgang Tobias Siegenthaler nach neun Sekunden mit innerem Haken und überdrehen am Boden. Tobias trat den Heimweg schliesslich auf Rang 4a an. Der Sennenschwinger qualifizierte sich mit vier Siegen und einem gestellten Gang für den Schlussgang. Das Meisterstück gelang dem Gauverbands-Kranzer im fünften Gang mit dem Sieg über den Eidgenossen Patrick Schenk.
Wer aber ist Tobias Siegenthaler? Der am 2. März 1990 geborene Berner wohnt in Biglen im Emmental, ist ledig und nicht mit Matthias Siegenthaler verwandt. Der 27-Jährige weist mit seiner Grösse (190 Zentimeter) und seinem Gewicht (120 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Tobias ist gelernter Elektriker und arbeitet als Servicetechniker für Haushaltsapparate. Nebst dem Schwingen gibt er als Hobbys den Sport allgemein an. Zudem besucht der Emmentaler gerne Fussballspiele der Berner Young Boys und ist auch bei Eishockeyspielen der SCL Tigers anzutreffen.
Tobias Siegenthaler ist Mitglied beim Schwingklub Burgdorf und hat bisher drei Kränze gewonnen. Seine bevorzugten Schwünge sind Brienzer, Fussstich und Kopfgriff. Als schwingerisches Vorbild benennt der Schlussgang-Teilnehmer beim Lueg-Schwinget Schwingerkönig Matthias Sempach.


Tobias Siegenthaler nach dem Kranzgewinn beim Oberaargauischen in Niederbipp
Foto: Facebook-Seite von Tobias Siegenthaler

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang in Kaltacker durch den Kopf?
„Eine grosse Enttäuschung. Ich habe in Kaltacker gut geschwungen und rechnete nicht unbedingt mit dem Sieg. Mein Ziel war, Matthias Aeschbacher möglichst lange Paroli zu bieten und ich wollte den Zuschauern etwas zeigen. Ich verlor dann leider beim ersten Zug gegen ihn. Matthias gewann mit seinem Paradeschwung, dem inneren Haken.“

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
„Ich würde den Kampf viel defensiver beginnen. Es ist aber schwierig zu sagen, welche Taktik man gegen ihn anwenden soll. Da Matthias konditionell sehr gut beieinander ist, kann ich ihm damit nicht beikommen. Ich würde auf Konter und Fehler von ihm warten.“

Mit dem Sieg im fünften Gang über den Eidgenossen Patrick Schenk hast du dir den Einzug in den Schlussgang geebnet. Ist Patrick der erste Eidgenosse, den du bezwungen hast? Wie hast du ihn besiegt?
„Ja, mit Patrick Schenk habe ich den ersten Eidgenossen bezwungen. Ich gewann gegen ihn im ersten Zug. Während Patrick an den Platzrand zog, konnte ich ihn mit einem Kopfgriff überraschen. Dabei sprang ich ihn an und konnte ihn überrennen.“

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt vom Lueg-Schwinget?
„Ein sehr positives Fazit. Im ersten Gang stellte ich mit René Berger, einem erfahrenen Berner Kantonalkranzer. Die Gänge zwei bis fünf konnte ich siegreich gestalten. Der Reihe nach gewann ich gegen einen Nichtkranzer, mit dem Kranzschwinger Marco Oettli gegen einen Gast und im vierten Gang bezwang ich wieder einen Nichtkranzer. Wie bereits erwähnt, konnte ich im fünften Gang gegen Patrick Schenk gewinnen. Mit diesem Sieg rechnete ich in keiner Weise. Der Schlussgang wurmt mich im Nachhinein, da ich nicht länger mit Matthias schwingen konnte. Ich habe mich den ganzen Tag gut gefühlt und meine Schwünge sind mir gut gelungen.“

Bestreitest du 2017 noch ein Schwingfest?
„Eventuell noch das Chemihütte-Schwinget in Aeschiried BE, ich weiss es aber noch nicht genau. Es kommt auf meine körperliche Verfassung an, wie ich mich fühle und ob ich noch Lust verspüre.“

Ich habe das Gefühl, dass du mit deinen Körpermassen beste Voraussetzungen für den Schwingsport mitbringst. Darum eine etwas kritische Frage: Warum hast du diese Saison nur den einen Kranz beim Oberaargauischen gewonnen?
„Die Saison lief für mich etwas durchzogen. Anfangs Saison habe ich mir drei Wirbel beim Hallenschwinget in Oberdiessbach BE blockiert. Später renkte ich mir beim Training den Daumen der rechten Hand aus. Bei der Anfahrt zum Oberländischen in Grindelwald hatte ich einen Autounfall, jemand fuhr mir hinten ins Auto. Nach dem ersten Gang habe ich mit Verdacht auf Schleudertrauma aufgegeben, da ich starke Kopfschmerzen hatte. Es stellte sich glücklicherweise heraus, dass ich kein Schleudertrauma erlitten habe. Beim Emmentalischen schwang ich gegen Curdin Orlik um den Kranz und beim Mittelländischen fehlte mir das Wettkampf-Glück.
Wegen Verletzungen und Trainingsrückstand schaute leider nicht mehr heraus. Dabei fehlten mir für den einen oder anderen Kranz auch die letzten Energiereserven. Die Gesundheit ist halt das Mass aller Dinge, ohne sie geht es einfach nicht. Da ich aus den genannten Gründen nicht mehr trainieren konnte, bin ich trotzdem zufrieden. Ich hätte gerne ein Bergfest bestritten, konnte mich aber leider nicht dafür qualifizieren.“

Wie geht es dir momentan?
„Zurzeit leide ich an keinen Blessuren und bin fit.“

Wann steigst du in die Saisonvorbereitung für 2018? Wie wird diese aussehen?
„Ende Oktober, anfangs November beginne ich die Saisonvorbereitung. Geplant sind zwei bis drei Schwingtrainings und ein bis zwei Krafttrainings pro Woche. Die ersten beiden Trainingsmonate widmen wir uns dem Schulschwingen. Ab Mitte/Ende Januar folgt dann wettkampfmässiges Schwingtraining. Den Schwerpunkt lege ich auf das Ausdauertraining und ich möchte mein Schwünge-Repertoire erweitern.“

Du hast deinen ersten Kranz 2008 beim Waadtländer Kantonalen gewonnen. Den zweiten allerdings erst acht Jahre später beim Emmentalischen in Sumiswald. Darf ich fragen, auf was diese „Durststrecke“ zurückzuführen ist?
„Ich habe verletzungsbedingt eine fünfjährige Pause eingelegt. Irgendwann nach dem Kranzgewinn beim Waadtländer Kantonalen verletzte ich mich beim Training am rechten Knie. Die Folge waren ein Meniskusschaden und ein Innenbandriss, was zwei Operationen zur Folge hatte. Wegen der Verletzung und den Operationen verliess mich ein wenig die Motivation. Diese fand ich allerdings wieder, da mir meine Kollegen gut zugeredet haben. Darauf besuchte ich als Zuschauer das Mittelländische Schwingfest in Richigen. Dabei packte es mich wieder so richtig. Im Sommer 2015 nahm ich wieder das Schwingtraining auf, und habe vor zwei Jahren beim Lueg-Schwinget mein Comeback gegeben.“

Wenn du eine ganze Saison verletzungsfrei sein solltest, was meinst du, was würde drin liegen?
„Das ist eine gute Frage. Eine völlig verletzungsfreie Saison habe ich eigentlich noch nie erlebt. Das Ziel wäre, regelmässig Kränze zu gewinnen und mit dem Gewinn des Berner Kantonalkranzes den Status des Teilverbandskranzers zu erreichen. Ein Fernziel ist zudem eine Teilnahme beim Eidgenössischen in Zug.“

feldwaldwiesenblogger

Unspunnen und Ferien vorbei!

Text: feldwaldwiesenblogger


Christian Stucki: Der verdiente Unspunnen-Sieger!
Foto: srf.ch

Für Stucki 29.90 Franken ausgegeben
Nach der ferienbedingten Abwesenheit melde ich mich in meinem Blog auch wieder zu Wort. Den Unspunnen-Schwinget konnte ich leider nur aus dem fernen Liverpool beobachten. Dabei schaute ich erst im „Hard Days Night“-Hotel via WLAN und über die Plattform „Wilma“ den starken Mannen zu. Gegen Mittag ging es auf eine „Beatles-Tour“ quer durch Liverpool. Natürlich wurde das Schwingfest auf dem iPhone weiter verfolgt. Nicht dauernd, aber in regelmässigen Abständen. Dabei wurden die zur Verfügung stehenden Bytes gnadenlos heruntergesaugt. Bis kurz vor dem Schlussgang nichts mehr ging. Die Datenmenge meines Abos für Ausland-Roaming war restlos aufgebraucht. Ohne lange zu überlegen wurde ein Datenpaket von einem 1 Gigabyte für 29.90 Franken gepostet. Und weiter ging‘s. Während dem Schlussgang verzichtete ich an einer wichtigen Station in Liverpool gar auf eine Besichtigung und blieb im Car zurück. Als die anderen zurückkamen, war der Schlussgang jedoch immer noch am Laufen…
Auf alle Fälle konnte ich den verdienten Sieg von Christian Stucki live verfolgen und bejubeln. Klar hätte ich den Sieg auch Joel Wicki gegönnt. Aber ein gestellter Schlussgang ist immer so eine Sache.

Die Berner haben nicht so abgeräumt wie befürchtet
Was mir fast Albträume beschert hat, ist nun doch nicht eingetroffen. Die Berner Übermacht zerbröselte in Interlaken ein wenig. So konnten sie nicht alles in Grund und Boden schwingen. Schlussendlich ruhten die Hoffnungen der Mutzen auf dem stärksten Schwinger der Saison, Christian Stucki. Und mit Curdin Orlik eher überraschend auf einem zugezogenen Bündner, welcher nun für die Berner schwingt. Weiter gilt es zu erwähnen, dass Wenger, Sempach, Kämpf und Co. nicht ganz auf Touren kamen. Andererseits packten einzelne Schwinger aus anderen Teilverbänden ihre besten Schwünge aus und konnten die Berner in die Schranken weisen. Allen voran Joel Wicki, welcher einen unglaublich guten Wettkampf beim Unspunnen-Schwinget zeigte. Der junge Sörenberger ist aus Innerschweizer Sicht ein absolutes Versprechen für die Zukunft.


In Liverpool ein paar unvergessliche Tage verbracht
Foto: feldwaldwiesenblogger

Unspunnen-Trittbrettfahrer
Jedes Mal vor einem grossen schwingerischen Anlass beobachtet man die sogenannten journalistischen Trittbrettfahrer. Diese Schreiberlinge schreiben sonst jahraus-jahrein nie über den Schwingsport. Vor so einer „fetten Fete“ wie dem Unspunnen-Schwinget kommen diese Trittbrettfahrer dann auch zum Zug. Sie werden von ihrer Redaktion genötigt, doch bitte möglichst klischeehaft über den Schwingsport zu berichten. Dementsprechend kommen diese Texte dann auch heraus, welche nur so von Fakten-Fehlern und dummen Sprüchen strotzen. Ich meine, es ist ja schön, wenn möglichst viel über unseren Nationalsport berichtet wird. Es ist auch immens wichtig. Trotzdem: Man spürt dabei, dass jene Schreibtischtäter sonst nie auf einem Schwingplatz anzutreffen sind. Diesen fehlen eindeutig die Tiefe und das Verständnis für unseren Nationalsport. So kommen deren Beiträge auch heraus, bei denen man nur den Kopf schütteln kann und sich ärgern könnte. Ich betone „könnte“: Denn es lohnt sich nicht, weil das Gros der Schreiberzunft, welche sich dem Schwingsport annehmen, ihre Arbeit mit sehr viel Leidenschaft und Fachkenntnis tun. Kein Wunder, denn die meisten von ihnen schreiben nicht nur vor Grossanlässen über das Schwingen.

Nach der Saison ist vor der Saison
Die Herbstschwingfeste wurden nun eingeläutet. Und mit ihnen der letzte Teil der Saison 2017. Diese nähert sich mit grossen Schritten dem Ende entgegen. Das ist jeweils auch der Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen. Zu diesem Zweck werde ich jene Experten konsultieren, welche mir schon im Frühling vor Beginn der Saison ihre Einschätzung abgaben. Sie werden im Verlaufe des Oktobers in verschiedenen Beiträgen auch wieder zu Wort kommen.
Nach der Saison ist vor der Saison: Nach den letzten Schwingfesten oder teilweise jetzt schon machen die Schwinger eine wohl verdiente Pause, bevor sie im Spätherbst/Winter wieder ins Training für die 2018er-Saison steigen.
Eine „Schreib-Pause“ habe ich während meinem Liverpool-Trip und ein paar erholsamen Ferientagen in Meran eingelegt. Nun steige ich wieder voller Tatendrang ins „Business“ ein. Die Bleistifte sind gespitzt, mein „MAC“ bereit und mein Foto-Apparat nach einem Defekt im Sommer wieder repariert.


Nach dem Liverpool-Trip ging’s für ein paar Tage nach Meran
Foto: feldwaldwiesenblogger

Der Schwinger-Blog bleibt auch während dem Winter aktiv
Der Schwinger-Blog und mit ihr der Betreiber bleiben natürlich auch während dem Winter aktiv. In regelmässigen Abständen nehme ich mich einem interessanten Thema rund um unseren Nationalsport an. Notizen und Ideen sind während der Saison gesammelt worden. In der „schwingfreien“ Jahreszeit bleibt Zeit, gewisse Aspekte zu vertiefen. Oder interessante geschichtliche Fakten aufzugreifen und von entsprechenden Personen auch erklären zu lassen. Ich freue mich jetzt schon auf interessante Gespräche mit leidenschaftlichen Schwingerfreunden!

„Der Goldene Kranz“ in neuer Form
Wie man auf der Homepage des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) lesen konnte, werden in Zukunft die Auszeichnungen „Der Goldene Kranz“ anlässlich der ESV-Abgeordnetenversammlung vergeben. Das ist meines Erachtens ein sehr guter Entscheid und der richtige Weg. Der Initiant Roger M. Fuchs rief 2012 zwar einen interessanten Event ins Leben. Doch passte „DER GOLDENE KRANZ – NACHT DES SCHWINGSPORTS“ einfach nicht wirklich zum Schwingsport. Zu Recht wurde dem ganzen Drum und Dran mit Skepsis begegnet. Denn das Schwingen zeichnet sich seit jeher mit Bescheidenheit und Bodenständigkeit aus. Bei der Nacht des Schwingsportes bekam man als Aussenstehender aber stets das Gefühl, dass man Glamour und ein Hauch von Hollywood in unseren Nationalsport einbauen möchte. Selbstverständlich waren, wie bei einer Oscar-Verleihung, auch nur die „oberen Zehntausend“ bei so einem Anlass zugegen. Der „normale“ Schwingerfreund hätte sich bei so einem „Cüpli-Anlass“ aber auch nicht wohl gefühlt…
Die neue Vereinbarung ist gut so, und man kann den beteiligten Personen nur gratulieren, dass sie „Den Goldenen Kranz“ nun auf seine wohlverdiente Bahn lenken, respektive Ort bringen. Nämlich an die Basis, zu den Abgeordneten des Eidgenössischen Schwingerverbandes und nicht zu den A-, B- oder C-Promis des Schweizerlandes!


„Der Goldene Kranz“ in Zukunft in neuer Form
Foto: esv.ch

feldwaldwiesenblogger

Vorschau auf den Unspunnen-Schwinget (Teil 2): Von Eindrücken und Favoriten

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

In den katholischen Landen ist der 15. August, Maria Himmelfahrt, ein Feiertag. An diesem Tag begab ich mich über den Brünig und dann nach Interlaken. Zum Ort des Geschehens, wo nun bald der Saisonhöhepunkt auf dem Programm steht. Mit der Fotokamera ausgerüstet, verschaffte ich mir einen Überblick und ein paar Eindrücke vom Aufbau des Schwingplatzes.


Eine Schwing-Arena für 15’000 Zuschauer wird errichtet

Beatleweek in Liverpool statt Unspunnen-Schwinget Interlaken
Der Gang nach Interlaken hatte noch einen anderen Hintergrund. Just am Wochenende des Unspunnen-Schwingfestes befinde ich mich in Liverpool an der Internationalen Beatleweek. Diese Entscheidung traf ich bereits letztes Jahr. Denn Musik ist nebst dem Schwingsport halt auch ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Auf alle Fälle begleite ich mit rund 200 Schweizern zusammen Les Sauterelles, die „Swiss Beatles“ rund um Toni Vescoli, an den Ort, wo die unglaubliche Geschichte der Beatles begann.

Heute geht es aber nicht um Musik, sondern um den Schwingsport. Die Begehung und Inspizierung der Höhematte nahm ich also vor, um auch ein bisschen „Unspunnen 2017“ einatmen zu können. Die Geschichte des prestigeträchtigen Anlasses begann zwar an einem anderen Ort. Nämlich 1805, unweit der Burgruine Unspunnen, auf dem „Bödeli“. 2006 wurde dort das letzte Schwingfest ausgetragen. 2011 erfolgte die Premiere auf besagter Höhematte im Zentrum von Interlaken.

Die Bild-Eindrücke sind Teil meiner Vorschau und ein bisschen Teilnahme beim Saison-Höhepunkt. Der prestigeträchtige Schwinget gehört seit 1981 zu den Schwingfesten mit eidgenössischem Charakter.
Der Unspunnen-Schwinget 2017 ist nun allgegenwärtig, besonders in Interlaken. Aber glücklicherweise doch nicht so dauerpräsent wie das Eidgenössische vor einem Jahr. Die vielen Vorschauen, Reportagen und Einschätzungen in praktisch jedem Schweizer Medienerzeugnis machten im August 2016 langsam aber sicher müde und stumpf. Da lobe ich mir doch den gewissen Abstand vor dem diesjährigen Saisonhöhepunkt!


Die Errichtung der Arena und der Festzelte erfolgt inmitten einer prächtigen Bergwelt

Unspunnen-Schwinget 2011
In einem Beitrag von 20 Minuten, mit dem Titel „Wo steht das Schwingen nach Unspunnen 2011?“ konnte man lesen: „Unspunnen 2011 war primär ein Schwingfest in einer wunderbaren Arena. Aber wenn das Wetter trüb und regnerisch ist, wenn die Arena 15’000 und nicht fast 50’000 fasst wie in Frauenfeld, dann kann nicht die gleiche Stimmung aufkommen. Unspunnen 2011 hat uns wegen der äusseren Bedingungen eine Rückkehr zu den Wurzeln des Schwingens, zur Bescheidenheit beschert und war deshalb noch urchiger als Frauenfeld 2010.“
Das verhält sich 2017 ähnlich. Estavayer 2016 war ein Fest der Superlative, mit allem Drum und Dran. Das Unspunnen-Schwinget 2017 konzentriert sich im Wesentlichen auf den Schwingsport. Gut so.


Für die urchige Unterhaltung und das leibliche Wohl werden grosse Zelte aufgestellt

Einschätzung der Teilverbände vor Unspunnen 2017
Diesmal werden kaum zwei Nicht-Berner im Schlussgang stehen. Meine Vermutung zielt dahingehend, dass der Ausgang einen ähnlichen Verlauf nehmen könnte wie kürzlich beim Brünig-Schwinget. Warum? Nicht bloss ein Gefühl. Denn die Berner haben als erste kapiert, wie wichtig eine gute Teambildung ist. Schwingen ist zwar ein Einzelsport. Trotzdem spricht man bei Grossanlässen immer von den Machtkämpfen zwischen den einzelnen Teilverbänden.

Die empfindliche Niederlage anno 2011 steckte den Mutzen derart in den Knochen, dass sie bald anfingen, die angesprochene Teambildung noch mehr zu fördern. Wie es scheint, ist ihnen das bestens gelungen. Denn nicht nur die Innerschweizer plagen Verletzungssorgen, auch die Berner. Trotzdem schaffen sie es trotz gewichtigen Absenzen genügend Spitzenleute an den Start zu bringen. Bei diesem Punkt scheinen die Innerschweizer ziemlich im Hintertreffen zu sein. Nebst dem Verletzungspech tun sie sich mit der sogenannten Teambildung schwerer, bestes Beispiel war das ESAF in Burgdorf. Ihre Athleten müssen sich dann so gut wie möglich schlagen, was sich bei der schwachen Ausbeute der Eidgenössischen Titel niederschlägt.

Da sich die Nordostschweizer nur vereinzelt mit der Verletzungshexe rumschlagen müssen, können sie ziemlich aus dem Vollen schöpfen. Aber sie stehen kräftemässig nicht dort wie noch in den fetten 1990iger Jahren. Die Nordwestschweizer und die Südwestschweizer sind nur schon zahlenmässig und von der Leistungsdichte her nicht in der Lage, um ganz vorne mitkämpfen zu können. Ich bin aber überzeugt, dass trotz der geballten Berner Macht, Schwinger von anderen Teilverbänden weit nach vorne dringen werden. Bis ganz an die Spitze wird es aber wohl nur ein Berner schaffen. Oder doch wieder ein Nordostschweizer?


Für die Errichtung der Infrastruktur wird viel Material benötigt

Die Favoriten 2017
Die haushohen Favoriten sind wie schon 2011 die Berner Schwinger. Allen voran Christian Stucki und Kilian Wenger. Wie sich Matthias Sempach nach der Verletzung schlagen wird, wird sich zeigen. Er strebt den sogenannten „Schwinger-Grand-Slam“ an, wie ihn einst Jörg Abderhalden schaffte. Das heisst: Nach dem Schwingerkönig-Titel und Kilchberger-Sieg visiert „Mättu“ nun auch den Sieg beim Unspunnen-Schwinget an. Nebst diesem „Berner Dreigestirn“ muss man aber auch Bernhard Kämpf, Matthias Aeschbacher oder Simon Anderegg zum erweiterten Favoritenkreis zählen.

Aus Sicht der Nordostschweizer zähle ich die beiden jungen Teamleader Samuel Giger und Armon Orlik zu absoluten Favoriten. Nach dem starken Auftritt auf der Schwägalp ist Titelverteidiger Daniel Bösch wieder ein heisser Kandidat, zumal der St. Galler weiss, wie sich ein Unspunnen-Sieg anfühlt. Eigentlich gehört auch der formstarker Martin Hersche dazu. Mit seinem starken Auftritt beim Nordwestschweizerischen galt der Appenzeller für mich gar als Geheimfavorit. Aber: Leider verletzte sich Hersche im zweiten Gang des Schwägalp-Schwingets und fällt für Unspunnen aus.

Die Innerschweizer dürfen nach dem superben Auftritt am Nordwestschweizer Schwingfest wieder auf den genesenen Joel Wicki zählen. Er ist der unbestrittene Teamleader einer Truppe, die leider verletzungsbedingt unter Substanzverlust leidet. Neben dem Sörenberger haben höchstens noch Sven Schurtenberger, Marcel Mathis, Marcel Bieri oder Benji von Ah das Zeug dazu, um ganz vorne mitzutun.

Die Nordwestschweizer Hoffnungen ruhen fast gänzlich auf Nick Alpiger, der Bruno Gisler diese Saison als Teamleader abgelöst hat. Besagter Gisler, aber auch Christoph Bieri und Mario Thürig haben den Zenit überschritten. Sie besitzen kaum (mehr) eine Chance für nach ganz vorne.

Die Romands haben so gut wie keine Chance auf den Unspunnen-Titel. Steven Moser ist mit starken Leistungen und wichtigen Kranzgewinnen zum Leader aufgestiegen. Er, Marc Gottofrey, Lario Kramer, Pascal Piemontesi, Michel Dousse, Stéphane Haenni, Samuel Dind oder Johann Borcard haben aber das Zeug dazu, den einen oder anderen Spitzenschwinger aus der Deutschschweiz zu ärgern.


Grosse Tafeln künden in Interlaken das neun-tägige Unspunnenfest an

feldwaldwiesenblogger

Das OK Schwägalp-Schwinget dankt

Text und Foto: Valentin Hörler (Presse/Medien Schwägalp-Schwinget)


Die Schwägalp-Arena am Montagabend um 20.15 Uhr. 27 Stunden nach dem Schlussgang ist vom Grossanlass nicht mehr viel zu erkennen.

Vergangenen Sonntag durften auf der Schwägalp 13’250 Festbesucher ein spannendes Bergkranzfest bei trockenem Wetter geniessen. Bereits am Montagabend um 20 Uhr, 27 Stunden nach dem Schlussgang, waren die ganze Arena sowie die Festzelte wieder abgebaut. Das OK zieht eine positive Bilanz zum Schwägalp-Schwinget 2017, insbesondere die Erweiterung des Angebots an öffentlichen Verkehrsmitteln für die An- und Abreise hat sich bewährt und wurde von den Festbesucherinnen und -besuchern intensiv genutzt.

Den Schwägalp-Schwinget in diesem Rahmen, vom Aufbau über die Durchführung bis zum Rückbau durchzuführen, wäre ohne den Einsatz der rund 850 Helferinnen und Helfer unmöglich. Ihnen gebührt der grösste Dank! Weiter dankt das OK sämtlichen Schwingern für die packenden Zweikämpfe sowie dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, den beteiligten Zivilschutz- und Armeeangehörigen, allen Sponsoren und den Kantonen Appenzell Ausser- und Innerrhoden sowie St. Gallen für deren grosszügige Unterstützung.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau auf den Unspunnen-Schwinget (Teil 1): Nachgefragt bei Daniel Bösch, dem Unspunnen-Sieger von 2011

Text: feldwaldwiesenblogger

In zwei Teilen halte ich Vorschau auf den Unspunnen-Schwinget, den Saisonhöhepunkt von 2017. Heute folgt als Einstieg ein kurzes Interview mit Daniel Bösch, dem Unspunnen-Sieger von 2011.

Ein paar Eckdaten zu Daniel Bösch. Der St. Galler wohnt in Zuzwil, wurde am 5. März 1988 geboren und ist verlobt. Daniel’s Grösse wird mit 192 Zentimeter angegeben und auf die Waage bringt der Angehörige des Schwingklubs Wil 135 Kilogramm. Der Eidgenosse erlernte den Metzger-Beruf und arbeitet heute als Metzger und Berater. Der von Kirchberg SG stammende Kurz-, Kreuzgriff- und Gammen-Spezialist zählt nebst dem Schwingen Natur, Reisen, Neuseeland und Rugby zu seinen Hobbys. Daniel erschwang sich bisher 89 Kränze, darunter zwei Eidgenössische. Weiter stehen bei ihm 18 Kranzfestsiege und 30 Regionalfestsiege zu Buche. Als bisheriger Karrierehöhepunkt gilt natürlich der Unspunnen-Sieg.

Diese Saison erkämpfte sich Daniel bisher sechs Kränze, darunter auch das so begehrte Rigi-Eichenlaub und den Innerschweizer-Kranz. Zudem gewann der St. Galler ein Kranzfest, nämlich sein Heim-Fest in Rapperswil-Jona. Beim Brünig-Schwinget fehlte ihm zum Kranzgewinn das berühmte „Vierteli“. Vor einer Woche stand der kräftige Sennenschwinger beim Schaffhauser Kantonalen im Schlussgang, welchen er gegen Samuel Giger verlor. Alles in allem eine gute Saison.

Und am kommenden Sonntag steht für den Nordostschweizer mit dem Schwägalp-Schwinget bereits ein „kleinerer“ Saisonhöhepunkt an. Diesen Bergschwinget am Fusse des Säntis gewann Daniel 2015 und stand letztes Jahr im Schlussgang. Da die finale Begegnung mit Marcel Mathis aber gestellt endete, erbten Samuel Giger (1a) und Armon Orlik (1b).


Daniel Bösch, der glückliche Sieger vom Unspunnen-Schwinget 2011
Foto: unspunnen-schwinget.ch

Welche Erinnerungen verbindest du mit deinem Unspunnen-Sieg von 2011?
„Da gibt es ganz viele. Eine der schönsten war die, als der Kampfrichter das Resultat im Schlussgang gegeben hat.“

Ich habe mir dein Notenblatt vom Unspunnen-Schwinget 2011 nochmals betrachtet: Fünf gewonnene und ein gestellter Gang. Zudem wurden dir fünf Eidgenossen zugeteilt, von denen du vier bezwingen konntest. Das war das Schwingfest deines Lebens?
„Ich hatte einen sehr guten Tag, mit schwierigen Gegnern. Ich würde nicht sagen, dass es das Schwingfest meines Lebens war. Aber es gehört zu den Top 5.“

Wie gross war der Rummel nach dem Unspunnen-Sieg?
„Am Montag und Dienstag war er riesig. Danach war ich für drei Wochen in Neuseeland in den Ferien.“

Was hast du für dich persönlich von diesem wichtigen Sieg mitgenommen?
„Das ist schwierig zu sagen. Dieser Sieg hat mir sicher sehr viel Selbstvertrauen gegeben.“

Liegt gar die Titelverteidigung drin?
„Das kommt auf den Tag an. Vor sechs Jahren hätte auch niemand an meinen Sieg geglaubt.“

Wenn man momentan die verbandsmässigen Stärkeverhältnisse ansieht, sind die Berner quasi die zu bezwingende Macht. Motto für 2017: Alle gegen die Berner?
„Ja, momentan sind die Berner eine starke Macht. Aber sie sind nicht unbezwingbar.“

Wie sieht die Team-Vorbereitung des Nordostschweizerischen Schwingerverbandes aus?
„Wir haben wöchentlich zusammen Training.“

Wie sieht deine individuelle Vorbereitung bis zum Unspunnen-Schwinget aus?
„Meine Vorbereitung ist in etwa die gleiche wie für das Eidgenössische letztes Jahr.“

Kennt der Unspunnen-Schwinget eigentlich auch seine eigenen Gesetzmässigkeiten?
„Es gibt immer wieder Überraschungen. Ich glaube aber nicht, dass er eigene Gesetze kennt.“

Deine jungen Teamkollegen Samuel Giger und Armon Orlik nehmen zum ersten Mal am Unspunnen-Schwinget teil. Hast du ihnen einen Rat?
„Sie sind noch jung, aber schon sehr erfahrene Schwinger. Ich glaube nicht, dass ich ihnen einen Rat geben muss.“

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Auf folgendem YouTube-Video kann man ein Interview mit BLICK und dem frischgebackenen Unspunnensieger 2011 nachschauen. Daniel Bösch meinte darin: «Das ist mein absoluter Karrierehöhepunkt».

feldwaldwiesenblogger

Shane Dändliker: Drei Schwingfeste innerhalb von sechs Tagen

Text: feldwaldwiesenblogger


Shane Dändliker
Foto: Shane Dändliker (Facebook)

Der 22-jährige Shane Dändliker absolvierte letzte Woche quasi einen ultimativen Härtetest und bestritt innerhalb von sechs Tagen (!) drei Schwingfeste. Das erste Schwingfest, der Gerenschwinget, stand am Dienstag, 1. August auf dem Programm. Diesen Schwinget gewann das Jungtalent, was zudem sein erster Festsieg bedeutete.

Gerenschwinget
Auf der Facebook-Seite vom Schwingklub Zürichsee rechtes Ufer konnte man dazu folgendes lesen:
„Gerenschwinget Wädenswil – Shane Dändliker’s erster Festsieg
Es war Shane Dändliker’s Tag: Er gewann das erste Mal gegen einen eidgenössischen Kranzschwinger, er bestritt seinen ersten Schlussgang und er gewann sein erstes Schwingfest. (…) Sein Husarenstück leistete er im dritten Durchgang. Gegen den Eidgenossen Stefan Burkhalter brauchte er nur gerade 12,5 Sekunden, um diesen nach einer Kurzfinte Lätz abzuleeren. (…) Somit stand fest, dass er seinen ersten Schlussgang bestreiten darf in seiner noch jungen Karriere. Aber auch der Zürcher Oberländer Roman Schnurrenberger, seines Zeichens Teilverbandskranzschwinger, musste sich nicht lange bemühen, sein Schicksal war schon nach 5 Sekunden besiegelt. Dändliker war parat, blockte den Kurzangriff und leerte Lätz ab. Mit 59 Punkten und einem starken Notenblatt, Hut ab! (…)“

Bözingenberg-Schwinget
Am Samstag darauf startete Shane als Gast beim Bözingenberg-Schwinget, welchen der Zürcher auf dem hervorragenden zweiten Platz beendete.
Sein Schwingklub schreibt dazu auf der Facebook-Seite:
„Bözingenberg-Schwinget ob Biel – Nächstes Spitzenresultat für Dändliker, auch Wey stark. Nicht mal eine Woche ist es her seit Shane Dändliker’s erstem Festsieg. Am Samstag lieferte der Feldbacher mit Platz 2 gleich sein nächstes Spitzenresultat nach. Als Gäste vom Schwingklub Biel eingeladen, reiste er zusammen mit Nicola Wey auf den Bözingenberg oberhalb Biel. (…)
Lange erholen können sich die beiden Kranzschwinger nicht, schon morgen geht’s weiter auf dem Ricken am 60. Ricken-Schwinget.“

Ricken-Schwinget
Beim besagten Ricken-Schwinget lief es Shane dann weniger gut. Drei Schwingfeste innerhalb von so kurzer Zeit und zwei praktisch hintereinander waren dann doch des Guten zu viel. Sein Schwingklub meinte denn auf Facebook: „(…) Der letztwöchige Festsieger von Wädenswil und Zweitplatzierte vom samstäglichen Schwingfest in Biel, Shane Dändliker, konnte nur zweimal gewinnen. Der Feldbacher lernt jetzt die Rolle des Gejagten kennen, muss gegen defensiver eingestellte Gegner noch mehr versuchen, und wird dadurch selber verletzlicher. Mit zwei gewonnenen, zwei gestellten und zwei verlorenen Gängen erfüllte er die gestiegenen Erwartungen nicht ganz, 54.50 Punkte, Rang 13.“

Aber: Ein weiteres Top-Resultat erzielte das Mitglied vom Schwingklub Zürichsee rechtes Ufer auch schon kurz vor diesem Härtetest. Nämlich am 22. Juli beim Bergschwinget Klöntal, bei welchem er den starken zweiten Rang belegte.

Aber wer ist eigentlich dieses aufstrebende Jungtalent aus der Nordostschweiz? Shane Dändliker wohnt in Hombrechtikon ZH, ist Jahrgang 1995 und von Beruf Zimmermann. Erstaunt ob der starken Resultate in letzter Zeit reibt man sich ein wenig die Augen, dass der Feldbacher am 28. Mai dieses Jahr beim St. Galler Kantonalen seinen bisher einzigen Kranz gewann, und so die Unspunnen-Selektion leider nicht schaffte. Denn schon vor Jahresfrist machte Shane von sich reden, als er beim Niklausschwinget in Dietikon (3. Dezember) den sehr guten 4. Rang belegte und dabei auch Kranzschwinger besiegte.

Was Shane zu seinem ersten Festsieg meinte, wie er diese drei Schwingfeste in so kurzer Zeit erlebte und wieso der Sennenschwinger erst den einen Kranz gewann, wollte ich bei einem Telefonat von dem jungen Zürcher wissen.


Gerenschwinget: Der 1. Festsieg von Shane Dändliker
Foto: Shane Dändliker (Facebook)

Wie hast du diese drei Schwingfeste erlebt?
„Ich bin relativ gelassen angetreten. Mit dem Ziel, die Auszeichnungen zu machen und unfallfrei zu bleiben. Grosse Hoffnungen machte ich mir dabei nicht. Es freute mich zudem, dass ich zum ersten Mal auf Berner Boden schwingen durfte. Beim Ricken-Schwinget habe ich gespürt, dass drei Schwingfeste innerhalb einer Woche zu viel sind. Das Beste dabei ist, dass ich mich nicht verletzt habe. Ich bin froh, dass ich nun eine Woche Pause hatte. Morgen Samstag geht es weiter beim Schaffhauser Kantonalschwingfest in Herblingen.“

Beim Gerenschwinget schien alles zusammen zu passen, sogar einen Eidgenossen hast du besiegt. Was für Erinnerungen bleiben dir besonders haften?
„Natürlich der Sieg gegen den Eidgenossen Stefan Burkhalter. Ein wunderschönes Ereignis! Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass der Höhepunkt mit dem Schwingfestsieg noch kommt. Beim Geren-Schwinget erlebte ich drei neue Dinge: Einen Eidgenossen zu besiegen, in einem Schlussgang zu stehen und ein Schwingfest zu gewinnen. Es war etwas ganz Besonderes. Das Wetter war zudem schön und somit der perfekte Tag!“

Beim Rickenschwinget war die Luft wohl etwas draussen? Wolltest du mit diesen drei Schwingfesten in so kurzer Zeit bewusst einen ultimativen Härtetest absolvieren?
„Ja, ich wollte schauen, wo meine Grenzen sind und wie weit mein Körper mag. Das war das Ziel. Es waren drei tolle Schwingfeste. Da ich die Chance hatte, an alle zu gehen, wollte ich diese packen.“

Hast du eine Erklärung dafür, warum es dir seit Ende Juli so gut läuft?
„Ich war vom 8. Juni bis 13. Juli ferienhalber für fünfeinhalb Wochen in Kanada. Es wird nun darüber gewitzelt, dass dies der Grund sein könnte. Ich konnte während dieser Zeit meinen Körper richtig erholen und die Pause war richtig gut für mich. Es war aber auch die Freude, zurückzukehren und ich war richtig „giggerig“ aufs schwingen. Ich kann seit meiner Rückkehr ohne Druck an Schwingfeste, befreit schwingen und dabei alles geben. Der Bergschwinget Klöntal war ein super Start zurück in die Schwingsaison und ich hatte eine Riesenfreude, dass es so gut lief. Das Jahresziel, meinen ersten Kranz, habe ich vor meinen Ferien beim St. Galler Kantonalen erreicht.“

Ob der guten Resultate in letzter Zeit fragt man sich: Wieso gewann Shane 2017 nicht noch den einen oder anderen Kranz mehr, und hätte sich so auch für Unspunnen qualifiziert?
„Beim Zürcher Kantonalen war ich mir zu kranzsicher, und war hinterher sehr enttäuscht. In Niederurnen beim Glarner-Bündner kam ich nicht recht auf Touren. Morgen Samstag steht nun das Schaffhauser Kantonale auf dem Programm, vielleicht klappt’s dort mit einem weiteren Kranz.
Die Nicht-Selektionierung belastet mich nicht sonderlich, da ich nicht wirklich damit rechnete. Der Höhepunkt dieser Saison ist für mich sowieso der Schwägalp-Schwinget, welchen ich auch bestreiten darf.“

Du bist bereits 22-jährig. Wieso klappte es eigentlich erst 2017 mit dem ersten Kranz?
„Seit diesem Jahr haben wir eine richtig gute Gruppe beisammen, was uns noch mehr fördert. Weiter verfügen wir über einen sehr guten Trainer und ich begann anfangs Jahr mit Krafttraining. Jetzt fokussiere ich mich aufs schwingen und es ist eine richtige Leidenschaft geworden. Vorher war es mehr eine Freizeitbeschäftigung. Beim Niklaus-Schwinget in Dietikon hat es mich so richtig gepackt. Gute Resultate sind sehr motivierend für das Training.“

Wann und wie kamst du eigentlich zum Schwingsport? Und: Wie lief es dir als Jungschwinger?
„Ich schwinge seit dem Winter 2005/2006. Darauf gebracht hat mich mein Onkel und Götti Hans-Heiri Dändliker, der damals Präsident vom Schwingklub Zürichsee rechtes Ufer war. Sein Sohn und mein Cousin, welcher auch Hans-Heiri heisst, hat mit mir zusammen angefangen und ist auch immer noch aktiv.
Als Jungschwinger war ich eher zu klein und zu leicht, und musste damals ziemlich unten durch. Insgesamt gewann ich sechs Zweige. Ein Ziel von mir ist, dass ich mehr Kränze als Zweige erschwinge.“

Wie sieht dein Training aus? Profitierst du auch von deinen beiden Teamkollegen und NOS-Shootingstars Samuel Giger und Armon Orlik?
„Auf dem momentanen Wochenprogramm stehen zweimal Schwingtraining und einmal Krafttraining. Im Winter absolviere ich dann drei Schwingtrainings und ein Krafttraining.
Ich war noch nie bei NOS-Zusammenzügen dabei und habe Samuel und Armon noch nie bei einem Training gesehen. Aber: Zwei solche Spitzenschwinger geben einem Auftrieb und man schaut zu ihnen hoch. Wir können in unserem Teilverband nur von ihnen profitieren.“

Bei welchen Schwingfesten wirst du 2017 noch an den Start gehen?
„Jetzt stehen das bereits erwähnte Schaffhauser Kantonale und eine Woche später der Schwägalp-Schwinget auf dem Programm. Anfangs September gibt es ein zähes Wochenende mit dem Bachtel-Schwinget (Samstag) und dem Wolzenalp-Schwinget im Toggenburg am Sonntag.
Welche Schwingfeste ich anschliessend bis Saisonende bestreiten werde, weiss ich noch nicht genau. Ich werde es sicher ruhiger angehen. Dabei möchte ich auch Verletzungen vermeiden, damit ich für das Wintertraining parat bin.“

Zum Schluss: Wie kamst du zu deinem hierzulande doch recht ungewöhnlichen Vornamen „Shane“?
„Meine Eltern, beides Schweizer, wanderten einst nach Südafrika aus. Sie kamen 1994, ein Jahr vor meiner Geburt, aber wieder zurück. Aus dieser Zeit kommt mein Vorname.“

feldwaldwiesenblogger

Von Verletzungsursachen, heutigen Trainingsmethoden und Stucki’s Mentaltraining

Text: feldwaldwiesenblogger

In der Innerschweiz beschäftigt gut drei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt, dem Unspunnen-Schwinget, vor allem die Verletzungshexe. Am 29. Juli erschien im Bote der Urschweiz dazu passend ein Beitrag mit dem Titel „Polemik um Verletztenmisere“. Diesen Artikel stellte ich als Bild in den „Schwinger-Blog“ auf Facebook.


Foto: Bote der Urschweiz-Beitrag vom 29. Juli

Kurz darauf kommentierte der bekannte Athletiktrainer Tommy Herzog den Beitrag mit zwei interessanten Statements. Zudem wurde kürzlich bekannt, dass Christian Stucki seit gut zwei Monaten von besagtem Tommy Herzog im mentalen Bereich trainiert wird. Das Resultat ist bekannt: Christian Stucki ist so stark wie eigentlich noch nie. Grund genug also, zum Telefonhörer zu greifen, Tommy mit seinen Aussagen zu konfrontieren und ihn auf Stucki’s Mentaltraining anzusprechen.

Tommy Herzog war selber aktiver Schwinger bei den Nordwestschweizern, und erkämpfte sich vor gut 20 Jahren zwei Kränze. Knieprobleme mit einer Schleimbeutel-Entzündung zwangen ihn aber relativ früh, den Schwingsport an den Nagel zu hängen. „Heutzutage wäre das mit einem operativen Eingriff und anschliessender Physiotherapie kein Problem mehr“, meint der Athletik-Trainer dazu.
Später war Tommy Bob-Anschieber und gewann 2007 in St. Moritz WM-Silber. Heute betreibt er eine eigene Firma, die Herzog Training GmbH. Auf der Homepage erklärt Tommy: „Heute gebe ich mein Wissen und meine Erfahrungen weiter. An junge Talente und sportbegeisterte Menschen. Ich begleite Menschen, für die Bewegung eine Herzensangelegenheit ist, auf ihrem Weg zu ihren ganz persönlichen Zielen. Wie auch immer diese aussehen.“


Athletiktrainier Tommy Herzog
Foto: Tommy Herzog (Facebook)

Du schreibst: „Wenn man die Schwingweise von heute mit früher vergleicht, sehe ich einen enormen Anstieg von Explosivität und Schnellkraft. Ich persönlich sehe dort eher eine der Ursachen der vielen Verletzungen.“ Kannst du diese Aussage präzisieren respektive erläutern?
„Im Bote-Beitrag wurde vom statischen Schwingsport geschrieben. Ich hatte das Gefühl, das erklären zu müssen. Denn das ist einfach nicht so. Das Ganze ist viel schneller geworden. Ich trainiere mit den Schwingern vor der Saison und während der Saison an der Explosivität. Man hat heutzutage das nötige Wissen und das Schwingen lebt mehr von der Schnellkraft als von der Ausdauer. Ich würde nicht behaupten, dass falsch trainiert wird. Eine Muskulatur hat eine hohe Spannung wenn man Schnellkraft trainiert. Dabei sind es manchmal nur kleine „Zwicke“, welche zu Verletzungen führen können.
Weiter fällt mir auf, dass viele Verletzungen wegen emotionaler Müdigkeit passieren. Sei es wegen dem Rummel nach Erfolgen oder der langen Saison wegen. Die jungen Schwinger müssen schon Ende April parat sein, damit sie ihre Kränze für die Unspunnen-Selektion machen. Jetzt, anfangs August, wird es gefährlich. Wegen der emotionalen Müdigkeit stimmt teilweise die Koordination nicht mehr, und schon geschehen Unfälle.
Als vorbeugende Massnahme müsste man auch darauf achten, was alles neben dem Schwingsport noch gemacht wird. Dazu gehören unter anderem Ausbildung und Beruf. Zu viele Tätigkeiten neben dem Sport machen einfach müde.“

Weiter schreibst du: „Viele sind schon in sehr jungen Jahren auf sehr hohem Niveau. Heisst, beziehungsweise kann heissen, dass aktive und passive Strukturen noch nicht voll ausgereift sind.“ Wie könnte dem begegnet werden?
„Fakt ist, dass heutzutage die Athleten einfach grösser sind, wie beispielsweise Pirmin Reichmuth oder Michael Bächli. Diese grossen Athleten hatten schon in sehr jungen Jahren Riesenhebel, waren körperlich aber noch nicht bereit im Verhältnis zu ihrer Technik.
Ich war beim Luzerner Kantonalen in Malters anwesend und hatte das Gefühl, ich sei an einem Jungschwinger-Anlass. Dort traten so viele junge Schwinger an. Ich meine, dass die doch verheizt werden. Wenn diese Jungen ein oder zwei Gänge gewinnen, müssen sie gegen einen „Crack“ antreten. Die Bänder und Muskeln sind mit 16 Jahren aber noch nicht bereit für solche Kämpfe. Es sind nicht alles Giger oder Wicki, die schon in jungen Jahren körperlich voll parat sind.“

Eine weitere Aussage von dir: „Was das Vorbeugen von Verletzungen angeht, ist man heute in vielen Bereichen weiter als noch zu Zeiten von Hasler und Co.“ Wie beugt man heutzutage Verletzungen vor? Wie tat man es zu Zeiten von Hasler und Co.?
„Hasler hatte einen robusten Körperbau. Damals holte man sich unter anderem bei der Arbeit die nötige Kraft. Man hat heute einfach mehr Möglichkeiten, weiss mehr über die Trainingslehre und kann gezielt schwache Stellen am Körper trainieren. Es wird ganzheitlich alles gestärkt und man schaut die Bewegungen an.“

Du bist der Betreiber der Herzog Training GmbH. Was genau bietest du an und was für Sportler sind deine Kunden?
„Bei mir trainieren etwa 12 Schwinger. Weiter Motocross-Fahrer, Eishockeyspieler, Karate-Kämpfer, Tennisspieler, FIFA-Schiedsrichterinnen, Eishockeyschiedsrichter, Unihockeyaner und ganze Fussballklubs, welche bei mir vor allem das Wintertraining absolvieren.
Ich biete ganzheitliches Athletiktraining an. Meine Philosophie lautet dabei: Den grösstmöglichen Übertrag vom Kraftraum in die Sportart respektive auf den Platz zu bringen.“

Wie trainierst du mit den Schwingern?
„Ich mache mit ihnen gezieltes Athletik- und Aufbautraining. Nach der Saison ist jeweils vor der Saison. Nach einer kurzen Pause wird polysportiv Ausdauer, Kraft und Kondition trainiert. Ich bringe den Schwingern olympisches Gewichtheben bei. Dabei müssen sie die entsprechenden Übungen erst erlernen.
Ich muss die Schwinger bei mir sehen, denn ich mache keine Pläne für Fernbehandlung. Ich brauche zwei Jahre mit einem Athleten. In dieser Zeit kommt er zweimal pro Woche ins Training. Zudem wird auch im mentalen Bereich trainiert.“

Kürzlich konnte man in der Berner Zeitung lesen, dass du neuerdings Christian Stucki im mentalen Bereich trainierst. Seit gut zwei Monaten schwingt Stucki viel angriffiger und ist so gut wie eigentlich noch nie. Wie sieht eigentlich diese Betreuung aus?
„Ich kenne Fabian Lüthi, den Athletiktrainier von Christian Stucki, schon länger. Wir haben regelmässig Kontakt und einen guten Austausch miteinander. Vor sechs Jahren war ich einmal bei einem Training von Chrigu dabei und habe gesehen, was er eigentlich könnte. Ich wollte mich aber nicht einmischen.
Vor einiger Zeit hat mich Chrigu aus eigenen Stücken angerufen, und wollte etwas ändern. Er kam zu mir, und wir haben erst mal zwei Stunden miteinander gesprochen und Kaffee getrunken. Wir arbeiten nun miteinander im mentalen Bereich zusammen. Per Zufall bin ich an ihn herangekommen, und die Wellenlänge zwischen uns stimmt. Chrigu kommt jeden Freitag für die Wettkampfvorbereitung und wir trainieren zusammen. Dazu gibt es Gespräche. Bei Schwingfesten bin ich für ihn da. Manchmal genügen zwei oder drei Worte. Ab und zu braucht es einfach jemanden von aussen, um etwas zu verändern.“

Manchmal bekommt man den Eindruck, dass die Berner den restlichen Teilverbänden in Sachen Trainingsmethodik einen grossen Schritt voraus sind und deshalb so erfolgreich sind. Was meinst du dazu?
„Die Berner haben vor den anderen damit angefangen, ein Team zu bilden. Zudem haben ihre Schwinger früher damit begonnen, mit professionellen Trainern zusammen zu arbeiten. Es gibt halt immer noch sehr viele Schwinger, die auf eigene Faust in den Kraftraum gehen und trainieren. Bei einigen funktionierts, bei anderen nicht.
Die anderen Teilverbände haben aber inzwischen aufgeholt. Ich sehe es ja bei mir. Denn es kommen ganze Klubs ins Training. Aber: Vor den Bernern dominierten die Ostschweizer. Deshalb muss man das ganze schon relativieren.“

Erst vor einigen Tagen habe ich im „Bote der Urschweiz“ einen Beitrag mit dem Titel „Verletzte Schwinger wetteifern mit der Zeit“ gelesen. Darin konnte man unter anderem lesen, dass beispielsweise Christian Schuler dank einer speziellen Therapie noch vor dem Unspunnen-Schwinget wieder schwingen könnte. Wie sieht so eine „spezielle Therapie“ eigentlich aus?
„Ich weiss nicht, was er macht. Die Überlegung, nicht zu operieren, finde ich gut. Denn ein Eingriff ist ein Eingriff, inklusive Narkose. Das ist eine Belastung für den Körper. Christian weiss: Wenn er operieren lässt, ist die Saison definitiv vorbei. Wenn es funktioniert, ohne zu operieren, dann hat er dem Körper etwas Gutes getan.“

feldwaldwiesenblogger