Augenschein in Zug: Hier entsteht etwas Grossartiges!

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Das ging jetzt schnell! Noch eine Woche bleibt bis zum Saisonhöhepunkt, dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (kurz ESAF) in Zug. Nachzulesen gibt es dieser Tage viel. Schliesslich will man ja am 24. und 25. August gut vorbereitet am Ort des Geschehens dabei sein.
Letzten Samstag nahm der Schreibende auf dem Gelände des «Eidgenössischen» selber einen Augenschein, und konstatierte hinterher: Hier entsteht etwas Grossartiges, noch aber herrscht die berühmte Ruhe vor dem Sturm.


Stierenmarkt-Areal
Auf dem Stierenmarkt-Areal, wo sich unter anderem der Gabentempel, die Lebendpreise, die Gabenbeiz, die Schwingerbar und die ESAF-Skulptur befinden, werden in einer Woche garantiert mehr Leute sein. Hier ist schön zu sehen, wie sich die Stadt Zug geschickt zwischen Tradition, Moderne und Natur versucht.


Gabentempel, zwischen Tradition und Moderne
Ähnlich im Gabentempel, in welchem für rund eine Million Franken «Gaben» für die kämpfenden Schwinger und die Steinstösser bereitstehen. Hier ist der «Schlungg» zwischen traditionellen und modernen Preisen ebenfalls perfekt gelungen. Jeder Schwinger und Steinstösser erhält ein schönes Präsent.


Siegermuni Kolin mit Betreuer Mändel Nussbaumer
Mändel Nussbaumer kümmert sich seit zweieinhalb Jahren einen Tag pro Woche um den Siegermuni. Mändel putzt und stylt Kolin, geht mit ihm spazieren und bereitet ihn auf Auftritte vor. Wenn der neue Schwingerkönig statt des Munis lieber das Geld möchte, würden ihm 30’000 Franken überreicht.


In Gabenbeiz das Team der Innerschweizer angetroffen
Zu einem Gabentempel gehört am ESAF auch eine ordentliche Gabenbeiz. In dieser nahm ich ein feines Mittagessen ein, genau wie das 85-köpfige Team der Innerschweizer Schwinger. Diese hatten just an jenem Tag einen Team-Event auf dem Festgelände und wurden überdies für das ESAF eingekleidet.


Neben der Gabenbeiz befindet sich die Schwingerbar
Der Schreibende konnte es sich nicht verkneifen, einen Blick in die gleich neben der Gabenbeiz befindliche Schwingerbar zu werfen. Auch hier: Es hatte in der wunderschön eingerichteten Bar noch viel Platz. Das wird sich aber in Bälde ändern. Die abgespielte Musik lief in einem dezenten Ton und trifft genau den Geschmack des Schwingervolkes.


ESAF-Skulptur von Stephan Schmidlin
Die vom Künstler Stephan Schmidlin erschaffene ESAF-Skulptur befindet sich auf dem Vorplatz des Gabentempels und der Gabenbeiz. Ein schmuckes Teil, und sie ist eindrücklich. Folgendes fand ich dazu in der Luzerner Zeitung: «Die Skulptur ist vier Meter hoch und drei Meter breit, auf einem Sockel aus Holz mit rund drei Meter Durchmesser und zehn Tonnen schwer.»


Schwingerallee
Der Weg vom Stierenmarkt-Areal zur Schwinger-Arena führt über die Allmendstrasse, oder die «Schwingerallee», wie sie am ESAF genannt wird. Letzten Samstag lief man diesen Weg ab, an welchem dann am Festwochenende zig-Stände ihre Waren und Köstlichkeiten feil haben werden.


Herzstück des Festgeländes
Nach der Schwingerallee folgt der Zugang zum Herzstück des Festgeländes: Eine äusserst beeindruckende Perspektive! Die Zug Arena bietet 56’500 Personen Platz, in welcher hoffentlich ein Feuerwerk an spektakulärem Schwingsport gezündet wird.


Zu – es wird noch fertig gebaut!
Natürlich konnte der staunende Betrachter nicht einfach so in die Arena reinlaufen. Schliesslich war sie zum Zeitpunkt der Entstehung des Fotos noch eine Baustelle. Und diese dürfen in der Schweiz nicht einfach so ohne Genehmigung und entsprechende Sicherheitsausrüstung betreten werden.
Richtig so!


Arena nahe an Wohnsiedlung
Die Zug Arena grenzt ziemlich nahe an eine Wohnsiedlung. Wie man sich aber vor Ort selber überzeugen konnte, sollte dies keine Probleme verursachen. Das Gelände ist entsprechend gekennzeichnet und abgegrenzt, und wie man weiss, verhalten sich die Schwingerfreunde anständig.


Allen ein schönes Fest!
Zum Schluss schliesse ich mich den Wünschen der Korporation Zug an, und wünsche allen ein schönes Fest!

feldwaldwiesenblogger

Was für ein herrlicher Tag auf der Schwägalp!

Text: feldwaldwiesenblogger

Einen Tag nach dem wunderbaren Schwingfest auf der Schwägalp, welches bei schönstem Sommerwetter durchgeführt werden konnte, verfasste ich aus meinen am Schwinget gemachten Notizen einen Blogbeitrag. Dabei beobachtete ich unter anderem auch die einzelnen Gänge der beiden Sieger Samuel Giger und Daniel Bösch.

Vor dem Schwingfest
Die Anfahrt auf die wunderschön gelegene Schwägalp lief ohne Probleme und Verkehrsbehinderungen. Der Schreibende fuhr ja schliesslich schon kurz nach fünf Uhr morgens in Muotathal ab. Angekommen am Ort des Geschehens wusste ich: Ein wunderbarer Tag mit schönstem Wetter erwartet uns auf der Schwägalp. Der Schwinget am Fusse des Säntis ist mittlerweile das grösste der fünf kranzberechtigten Bergschwingfeste. Dieses Jahr konnte sogar ein kleines Jubiläum gefeiert werden: Die Austragung als kranzberechtigtes Fest fand 2019 zum 20. Mal statt.


Medienchef Valentin Hörler (ganz rechts) und seine beiden Assistenten
Bild: feldwaldwiesenblogger

An der morgendlichen Medienorientierung erfuhr man, dass Valentin Hörler das Amt als Medienchef nach diesem Anlass an Karl Metzger weitergibt. Hörler versah dieses Amt umsichtig und souverän an zehn Schwägalp-Schwingfesten.


Die beiden SRF-Moderatoren Jörg Abderhalden (links) und Stefan Hofmänner
Bild: feldwaldwiesenblogger

Gleich links neben meinem Schreibplatz versahen die beiden SRF-Moderatoren Stefan Hofmänner und der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden ihren Job. Abderhalden ist notabene zweifacher Schwägalp-Sieger.

OK-Präsident Niklaus Hörler erklärte zu Beginn des Schwingfestes, dass in der Schwägalp-Arena 7‘692 Sitzplätze und eine unbegrenzte Anzahl Stehplätze angeboten werden. Die tatsächliche Zuschauerzahl wurde am Nachmittag mitgeteilt: 13‘250.

Notizen aus dem 1. Gang
Bösch Daniel – Mathis Marcel: Etwas überraschend brachte Mathis nach kurzem Abtasten Bösch zu Boden und konnte zum Resultat vervollständigen.

Giger Samuel – Nötzli Reto: Erst wurde abgetastet, und Nötzli versuchte zu verteidigen. Schliesslich kam Giger mit einem Plattwurf zum Erfolg.

Notizen aus dem 2. Gang
Während dem zweiten Gang wurde die Arena so langsam aber sicher von schönstem Sonnenschein in Beschlag genommen.


Armon Orlik musste den Wettkampf nach dem ersten Gang aufgeben
Bild: schlussgang.ch

Leider gab’s auch eine Hiobs-Botschaft: Armon Orlik musste den Wettkampf verletzt aufgeben. Wie man erfahren hatte, gab’s beim Einlaufen einen Zwick im Rücken. Die damit verbundenen Schmerzen liessen ein Weitermachen nicht mehr zu. Zudem soll es laut Medienchef Valentin Hörler explizit keine Vorsichtsmassnahme gewesen sein. Wie man aus dem Bündner Umfeld vernahm, soll die Rückenverletzung aber nicht allzu gravierend sein. Hoffen wir, dass der Bündner Eidgenosse in zwei Wochen beim Eidgenössischen mittun kann.

Bösch Daniel – Arztmann Beda: Bösch kam sehr rasch zum ersten Sieg. Im ersten Gang zog der St. Galler gegen Marcel Mathis den Kürzeren.

Kramer Lario – Giger Samuel: Giger kam beim dritten Zusammengreifen mit Kurz und vervollständigen am Boden zu seinem zweiten Siegkreuzlein.

Notizen aus dem 3. Gang
Bösch Daniel – Giger Urs: Bösch brachte Giger am Sägemehlrand mit Kreuzgriff zu Boden und konnte am Boden die starke Brücke des Appenzellers eindrücken. Urs ist der ältere Bruder von Samuel Giger.

Giger Samuel – Mathis Marcel: Giger versuchte sich mit Kurz, Mathis konterte sogleich mit dem Ansatz eines Übersprungs. Die Angriffsversuche des Thurgauers tropften erst am sich sehr gut verteidigenden Nidwaldner ab. Schliesslich brachte Giger seinen Gegner mit Übersprung zu Boden und konnte dort unter lauten „Sämi“-Rufen Mathis zum Resultat überdrehen.


Die Schwägalp-Arena erstrahlte in schönstem Sonnenschein
Bild: feldwaldwiesenblogger

Notizen aus dem 4. Gang
Bösch Daniel – Roth Martin: Mit Kurz und Nachdrücken bezwang der St. Galler Bösch den Appenzeller Roth.

Giger Samuel – Geisser Lars: Im ersten Zug kam Giger mit Wyberhaken zu einem Plattwurf, und dominierte so den Schwägalp-Schwinget auf eindrückliche Weise.


Nach dem vierten Gang folgte der Festakt
Bild: feldwaldwiesenblogger

Jetzt folgte der feierliche Festakt. Während diesem waren urchige Alphorn-, Jodel- und Trychler-Klänge zu vernehmen, unterstützt von zwei Fahnenschwingern. Während dem Festakt hielten OK-Präsident Niklaus Hörler und Bundespräsident Ueli Maurer stimmungsvolle Reden, welche mit viel Applaus quittiert wurden.

Notizen aus dem 5. Gang
Nun dauerten die Gänge acht Minuten.

Bösch Daniel – Schneider Domenic: Der animierte Gang zwischen den beiden Schwergewichten wogte hin und her. Schliesslich kam Bösch mit Fussstich und Lätz ableeren zu einem Plattwurf.

Giger Samuel – Müllestein Mike: Giger kam schon fast im ersten Zug mit Kurz zum Erfolg. Müllestein konnte sich aber geschickt ausdrehen. Müllestein versuchte sich aber auch mit Kurz-Lätz und Gammen. Einmal brachte er den Thurgauer fast auf den Rücken. Dennoch: Giger setzte sich mit einem wuchtigen Kurz und vervollständigen am Boden durch.

Die Schlussgang-Paarung stand nun fest: Samuel Giger und Marcel Mathis.

Notizen aus dem 6. Gang
Während des sechsten Ganges forderte der Speaker die Zuschauer auf, die Welle zu starten. Diese folgten gut gelaunt und unter lautem Gröhlen der Aufforderung und liessen die „La Ola“ durch die Arena branden.


Die „La Ola“ brandete durch die Schwägalp-Arena
Bild: feldwaldwiesenblogger

Es zeigte sich, dass Acht Minuten-Gänge langatmig werden können. Etliche Kämpfe zogen sich in die Länge. Man hatte das Gefühl, dass sich einige Schwinger schon von Anfang an auf diese Tatsache eingestellt hatten. Erfreuliche Feststellung: Die Spitzenpaarungen liefen fast ausnahmslos rasch ab.

Bösch Daniel – Gwerder Michael: Bösch brachte Gwerder zweimal in eine brenzlige Situation, dieser konnte sich aber beide Male geschickt ausdrehen. Bei einem weiteren Kurz-Versuch von Gwerder überzog sich der Schwyzer und der St. Galler Eidgenosse fing den Schwung ab und konnte einen Plattwurf landen. Man wusste zu diesem Zeitpunkt, dass Bösch bei einem gestellten Schlussgang und der Note 8.75 für Giger, Chancen auf den Co-Sieg hatte.
Übrigens: Der 18-Jährige Schwyzer konnte sich trotz Niederlage das begehrte Eichenlaub abholen, notabene der dritte Bergkranz in dieser Saison.

Schlussgang
Der Schlussgang zwischen Samuel Giger und Marcel Mathis endete nach 12 Minuten gestellt. Da beiden Schwingern eine 8.75 geschrieben wurde, konnte Daniel Bösch zum Thurgauer aufschliessen.

Beim wenig attraktiven Schlussgang versuchte Giger zu ziehen, Mathis wusste das aber auf seine ihm eigene Art geschickt zu verteidigen. Angriffsversuche landete der Nidwaldner nur andeutungsweise, aber dann brandgefährlich.


Samuel Giger reichte ein „Gestellter“ im Schlussgang für den Festsieg
Bild: Schwingen-Foto.ch

Samuel Giger lieferte nach seinem entfesselten Wettkampf auf dem Weissenstein erneut einen tollen Wettkampf und liess von Anfang an nichts anbrennen. Bei einigen Entscheidungen benötigte der Thurgauer ein wenig mehr Zeit. Diese nutzte er aber geduldig, und zeigt dabei, dass er vielseitiger geworden ist. Trotz gestelltem Schlussgang darf man behaupten: Giger ist bereit fürs „Eidgenössische“.


Daniel Bösch rollte nach seiner Starniederlage das Feld von hinten auf
Bild: schlussgang.ch

Aber auch Daniel Bösch ist bereit für Zug und wird garantiert auf seine Chancen lauern. Wegen einer Ellbogen-Verletzung musste er auf einige Schwingfeste verzichten. Von dem war gestern nichts mehr zu spüren. Der St. Galler ist rechtzeitig wieder genesen. Nach der Startniederlage gegen Mathis rollte er das Feld von hinten auf, und liess danach nichts mehr anbrennen.

feldwaldwiesenblogger

ESAF-Gigantismus, Schwägalp-Schwinget und Bernisch-Kantonales

Text: feldwaldwiesenblogger

Nun sind es gerade mal noch zwei Wochen bis zum «Eidgenössischen», dem alle drei Jahre stattfindenden Höhepunkt der Saison. So wie man aus den Medien und von den Organisatoren in Erfahrung bringen konnte, ist man in Zug so langsam aber sicher bereit. Heute Freitag beispielsweise werden der Gabentempel und die Gabenbeiz offiziell eröffnet.


Die ESAF-Arena in Zug (Bildanimation) steht bald bereit
Bild: zug-tourismus.ch

feldwaldwiesenblog und Schwinger-Blog
Vor so grossen Anlässen berichten praktisch alle Medien vom ESAF, dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest. Da fällt es einem «kleinen» Blogger wie mir manchmal schwer, ein Thema oder eine Geschichte aufzugreifen, die nicht schon auf dieser oder jener Plattform aufgegriffen wurde. Ehrlich gesagt, in «normalen» Schwingerzeiten habe ich weniger Mühe, ein Thema oder eine Geschichte zu beackern und zu beschreiben.
Da ich neben diesem Blog hier, dem feldwaldwiesenblog auch den Schwinger-Blog auf Facebook betreibe, entdecke ich täglich, was momentan alles über das Schwinggeschehen und das Eidgenössische geschrieben wird. Nämlich extrem viel! Auf dem Schwinger-Blog teile und verlinke ich alle möglichen Artikel über den Schwingsport, die ich finde. Und zwar über alle fünf Teilverbände hinweg verteilt. Der Frauenschwingsport kommt dabei auch nicht zu kurz. Den Schwinger-Blog betreibe ich als eine Art News-Seite oder Ticker über unseren Nationalsport. Kürzlich durfte ich den 5000. Follower, der einen «Gefällt mir»-Klick tätigte, begrüssen. Das macht natürlich Freude, ein herzliches Vergelt’s Gott!

Erlebnisberichte
Zurück zum riesigen Medienwirbel rund ums ESAF. Bei ausgedehnten Läufen mache ich mir jeweils viele Gedanken zu meinen beiden Blogs, der Aufmachung, und was ich als nächstes Thema abhandeln könnte. So kam mir diese Woche der Einfall, bis zum Eidgenössischen und auch während diesem, Erlebnisberichte abzufassen. Denn: Vorschauen, Interviews, Berichte, Einschätzungen und was weiss ich noch alles kann man momentan zu Hauf lesen – siehe die geteilten Beiträge auf meinem Schwinger-Blog. Ich werde auf dem feldwaldwiesenblog nun Erlebnisberichte über meine Beobachtungen bis Zug, und dann auch was rund ums ESAF alles passiert, schreiben. Ich erhielt zu meiner grossen Freude nämlich eine Presse-Akkreditierung fürs Eidgenössische, und bin den Verantwortlichen dafür sehr dankbar.
Was dort in den Sägemehl-Ringen passiert, muss ich nicht nochmal nachbeten. Denn das Geschehen am ESAF wird während zwei Tagen von SRF live übertragen. Natürlich sind dort auch zig-Medienvertreter anwesend, welche ihre Leser bedienen sollen. Meine Wenigkeit «beschränkt» sich deshalb aufs Beschreiben der Beobachtungen und das Erlebte.


Der Sieg auf der Schwägalp wird nebst Samuel Giger über Armon Orlik führen
Bild: schlussgang.ch

ESAF-Gigantismus
Und das ist jedes Mal einfach unglaublich! Die schiere Grösse der ESAF-Arenen und das Drumherum entlockten mir bisher jedes Mal ein grosses Staunen. Die Diskussionen über die Grösse und die Ausmasse sind in diesem Moment eigentlich zweitrangig. Den Organisatoren darf man dabei gleich mehrere Kränzchen winden. So einen Anlass aus dem Boden zu stampfen ist eine gewaltige Leistung, benötigt ein gut organisiertes Team, einen ausgezeichneten Standort und natürlich einen Haufen Geld. In meinen Augen sollten die Leitplanken für die Dimensionen nämlich nicht die Organisatoren selber, sondern der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) setzen.
Der ESAF-Gigantismus sollte meines Erachtens in Zug nun die Grenze des Machbaren erreicht haben. Es bleibt zu hoffen, dass für künftige «Eidgenössische» dementsprechend weitsichtig geplant und eine Art Redimensionierung ins Auge gefasst wird. Denn ein Anlass in dieser Grösse hat mit dem Kern des Schwingsportes nicht mehr viel zu tun. Zudem kann man derzeit täglich lesen, dass die wahren Schwingerfreunde nur schwer an Billette kommen. Viele der begehrten Tickets seien für Sponsoren und VIP’s reserviert, welche sich sowieso nicht für das Schwingfest interessieren. Stattdessen stopfen sich diese lieber den Bauch voll und gönnen sich literweise «Cüplis». Das mag ich nicht weiter kommentieren, enthält aber sicher einen Kern Wahrheit. Auch das Drumherum und die vielen Festhütten erinnert mehr an eine Chilbi oder an ein riesiges Musikfestival. Dazu kommt, dass man alle Konzerte gratis besuchen kann. Wenn die Veranstalter nur mal nicht überrannt werden…

Schwägalp-Schwinget
Nun stehen aber am kommenden Wochenende erstmal die letzten beiden Kranzfeste vor dem «Eidgenössischen» auf dem Programm: Der Schwägalp-Schwinget und das Bernisch-Kantonale Schwingfest in Münsingen. Diese beiden hochkarätig besetzten Anlässe sind für die Schwinger eine letzte Hauptprobe vor Zug. Wer jetzt nicht parat ist, wird es wohl auch in zwei Wochen nicht sein.
Auf der Schwägalp führt der Sieg ziemlich sicher über die beiden Topfavoriten Samuel Giger und Armon Orlik. Giger zeigte unlängst auf dem Weissenstein, in was für einer beneidenswerten Form er ist. Der in dieser Saison fünffache Kranzfestsieger Orlik dürfte nach seiner kurzen Verletzungspause wohl ebenfalls in einer Topverfassung antreten. Gefordert werden die Nordostschweizer von den Innerschweizern und den Südwestschweizer Gästen. Das ISV-Team ist diesmal nicht mit ihren grössten Tenören vertreten. Dennoch darf man auf das Abschneiden der vier Eidgenossen Marcel Mathis, Mike Müllestein, Reto Nötzli und Alex Schuler gespannt sein. Dem einen oder anderen NOSV-Topcrack werden sie garantiert ein Bein stellen können. Wer weiss, vielleicht schafft’s einer von ihnen gar in den Schlussgang. Die SWSV-Leistungsträger rund um Lario Kramer und Steven Moser, welcher nach einer langen Verletzungspause sein Comeback gibt, werden ebenfalls einem Härtetest unterzogen. Gewinnen sie auf der Schwägalp den Kranz, ist dies in Zug auch möglich.
Ich freue mich, live dabei sein zu können. Denn ich erhielt ebenfalls eine Medien-Akkreditierung und bedanke mich dafür bei Valentin Hörler, dem Pressechef. Anders als bei kleineren Schwingfesten, wo ich jeweils Gang für Gang für den Schwinger-Blog zusammenfasse und online stelle, werde ich am Fusse des Säntis ebenfalls einen Erlebnisbericht abfassen.


Ob Christian Stucki am Bernisch-Kantonalen zu alter Form zurückfindet?
Bild: bluewin.ch

Bernisch-Kantonales Schwingfest in Münsingen
Gespannt bin ich auf das Abschneiden von Rückkehrer Christian Stucki. Kann er gleich nach so einer langen Verletzungspause eine Duftmarke setzen, und dem Fest seinen Stempel aufdrücken? Schwingerkönig Kilian Wenger, der letztjährige Sieger, fehlt leider wegen Knieproblemen. Ein anderer Leistungsträger, nämlich Remo Käser, gibt nach einer Verletzungspause sein Comeback.
Die Ausgangslage ist offen, denn es mauserte sich während der Saison kein Berner zu einem totalen Überflieger. Die Siegschwinger Bernhard Kämpf, Matthias Aeschbacher oder Curdin Orlik zeigten bei ihren Einsätzen ihre Stärken, offenbarten aber auch gewisse Schwächen. Ich traue Michael Wiget, dem Aufsteiger der Saison, zu, dass er gar in den Schlussgang vorstossen könnte. Des Weiteren haben mich diese Saison die jungen wilden «Mutzen» Fabian Staudenmann, Kilian von Weissenfluh und Patrick Gobeli überzeugt. Allesamt Kandidaten für den Eidgenössischen Kranz. Für den amtierenden Schwingerkönig Matthias Glarner wird das Bernisch-Kantonale ein weiterer Belastungstest. An der Spitze wird er aber ziemlich sicher nicht mittun können.
Aus der Ferne werde ich das Geschehen in Münsingen verfolgen. Der Sieger auf der Schwägalp und jener am Bernisch-Kantonalen werden gute Chancen auf den Königstitel in Zug haben.

feldwaldwiesenblogger

Vier Wochen vor dem «Eidgenössischen»: Samuel Giger avanciert zum absoluten Topfavorit

Text: feldwaldwiesenblogger

Genau vier Wochen vor dem «Eidgenössischen» in Zug verzieht sich langsam der Nebel der Unwägbarkeiten. Die Königsanwärter kristallisieren sich dank ihrem Leistungsausweis heraus. Für mich avanciert Samuel Giger nach dem bärenstarken Auftritt auf dem Weissenstein zum absoluten Topfavorit. Nachfolgend erküre ich sechs weitere Spitzenschwinger zu Topfavoriten um den Schwingerkönig-Titel.


Samuel Giger avanciert zum absoluten Topfavorit
Bild: Schwingen-Foto.ch

Wegen riesiger Medienaufmerksamkeit «Auszeiten» genommen
Folgende Frage stellte der «Blick» vor etwas mehr als zwei Wochen: «Will denn niemand Schwingerkönig werden?» Wir alle wissen, dass mit grösster Wahrscheinlichkeit einer der selektionierten 276 Schwinger Ende August zum Schwingerkönig erkoren wird. Aber: Den Athleten mit Ambitionen auf den höchsten Schwinger-Olymp bereitet die riesige Medienaufmerksamkeit zusätzlichen Druck. Gerade deswegen hat der eine oder andere, aus welchen Gründen auch immer, eine Art «Auszeit» aus dieser «Maschinerie» genommen. Teilweise bewusst, teilweise natürlich unbewusst. Beispielsweise wegen einer Verletzung oder einer Blessur. Es ist den Herren Giger, Reichmuth, Orlik und Co. gewiss nicht zu verübeln. Dieser Fokus und das permanente «Halligalli» um die Favoritenrolle können zermürben.

Die SCHLUSSGANG-Wertung gibt Einblick
Das am 11. Mai begonnene «Schwingerkönig-Barometer» habe ich bewusst zurückgestellt. Es ist schwierig, und war mir wegen dem Umstand aus obigem Abschnitt teilweise zuwider, ständig die Favoriten auf den Titel zu benennen. Zudem konnte man in etlichen Medien fast täglich Einschätzungen nachlesen. Ich beschränke mich bis zum ESAF nun darauf, wöchentlich meine Sicht der Dinge darzulegen.
Wenn man so will, kann man auch die SCHLUSSGANG-Wertung, die offizielle Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, heranziehen. Diese gibt einen wunderbaren Einblick über den Leistungsausweis der Schwinger. Angeführt wird diese (Stand heute, einen Tag vor dem Brünig-Schwinget) von Armon Orlik. Gefolgt von Joel Wicki, Nick Alpiger, Sven Schurtenberger, Pirmin Reichmuth, Daniel Bösch, Matthias Aeschbacher, Samir Leuppi, Joel Strebel und Bernhard Kämpf. Sind das die zehn Topfavoriten auf den Schwingerkönig-Titel? Ich meine Nein.

Giger, Stucki, Wiget, Schuler, Staudenmann, Wenger und von Ah
Wegen Verletzungen oder mässigem Start in die Kranzfestsaison sind Samuel Giger, Christian Stucki, Christian Schuler, Fabian Staudenmann, Kilian Wenger und Benji von Ah nicht zuvorderst in der SCHLUSSGANG-Wertung anzutreffen. Summa Summarum wird meiner Einschätzung nach einer aus diesem erlauchten Siebzehner-Kreis Ende August in Zug Schwingerkönig.

Reichmuth und Orlik nahmen nach der Saisonhälfte etwas Wind aus den Segeln
Vor etlichen Wochen machte es den Anschein, dass Armon Orlik und Pirmin Reichmuth den Titel untereinander ausmachen werden. Den beiden ist diese Tatsache wohl ziemlich in die Knochen gefahren. Pirmin Reichmuth schwang ab dem Stoos-Schwinget nicht mehr alles in Grund und Boden. Weitere Kranzfestsiege blieben aus, und eine leichte Oberschenkel-Blessur machte sogar eine «Auszeit» nötig. Wer weiss, vielleicht hat die kurze Pause dem Zuger gutgetan, und macht ihn wieder unwiderstehlich, wie zu Beginn der Saison. Der 23-Jährige gehört für mich eindeutig zu den Topfavoriten. Seine zielgerichtete Schwingweise in der ersten Saisonhälfte überzeugte, und liess, wie etwa am Luzerner Kantonalen, keine Fragen offen.
Armon Orlik liess bis zum Innerschweizer Schwing- und Älplerfest nichts anbrennen und gewann bei sämtlichen angetretenen Kranzfesten. In Erstfeld liess der Bündner den absoluten Killer-Instinkt erstmals in dieser Saison etwas vermissen und belegte in der Endabrechnung den dritten Platz. Für den Weissenstein-Schwinget liess sich Orlik wegen einer leichten Blessur im Schulter-Nackenbereich entschuldigen, und nahm sich wie Reichmuth ebenfalls eine «Auszeit». Das Gesamtpaket aus Technik, Athletik und Kampfübersicht macht den 24-Jährigen nach wie vor zu einem der heissesten Kandidaten auf den Königstitel. Und wie man an einem ESAF in den Schlussgang vorstösst, weiss der 17-fache Kranzfestsieger seit Estavayer-le-Lac aus eigener Erfahrung.


Die konsequente Schwingweise von Joel Wicki macht ihn zu einem der Topfavoriten
Bild: schwingenonline.ch

Giger überzeugte auf dem Weissenstein
Wegen einer Schulterverletzung musste Samuel Giger wochenlang pausieren. Am Nordostschweizer Schwingfest in Hallau gab der Thurgauer sein Comeback und bewies, dass mit ihm bald wieder zu rechnen ist. Die fehlende Wettkampfpraxis wahr dem Modellathleten aber anzumerken. Zwei Wochen später, als Gast beim Südwestschweizer Schwingfest in Leukerbad, hatte man das Gefühl, dass Giger sich selbst mit mässigen Kranzschwingern schwertut. Man fragte sich, was mit dem stärksten Schwinger der letzten Saison wohl los ist. Diese Frage beantwortete der 21-Jährige mit dem überlegenen Sieg auf dem Weissenstein. Mit Ausnahme des Kampfes gegen Patrick Räbmatter zeigte Giger keine Schwächen und überzeugte mit seiner wieder gewonnenen Unwiderstehlichkeit. Wenn man einen Schwingerkönig schon nach sieben Sekunden ins Sägemehl wuchtet, ist man eigentlich auch reif für diesen Titel. Der nunmehr 14-fache Kranzfestsieger liess in Interviews denn auch durchblicken, dass er bei seinem Comeback zu «verkopft» an die Sache ranging. Auf dem Weissenstein zeigte sich der Thurgauer zudem lockerer und offener als auch schon. Der sonst so zurückhaltende Sennenschwinger machte nach seinem Sieg auf dem Solothurner Hausberg gar die Welle mit dem Publikum. Giger ist parat für die Aufgabe in Zug.

Stucki könnte der Spielverderber werden
Christian Stucki liess dieser Tage verlauten, dass er am Bözingenberg-Schwinget (3. August) sein Comeback geben wird und am Bernisch Kantonalschwingfest dabei sein wird. Die Knieverletzung des Seeländer Hünen soll verheilt sein. Eine Prognose für Zug ist dementsprechend schwierig abzugeben. Aber: Christian Stucki ist routiniert und weiss wie man grosse Anlässe gewinnt. Der Berner braucht keine grosse Vorlaufzeit, und wird vermutlich in Zug ein wichtiges Wörtchen mitreden. In diesem Zusammenhang fällt mir die Rolle des sogenannten «Spielverderbers» ein. Gut möglich, dass sein Umfeld den Bären in ihm wecken kann, und dieser seinen Gegnern das Fürchten lehrt. Die Folge wäre dann der Schwingerkönig-Titel. Denkbar ist aber auch, dass Stucki nach seiner längeren Verletzungspause nicht so parat sein wird wie in seinen besten Tagen. Gestellte Gänge mit anderen Topfavoriten könnten diese dennoch ins straucheln bringen.

Wie weit kann es Wicki bringen?
Bisher habe ich vier Topfavoriten aus dem Siebzehner-Kreis ausgewählt. Aus diesen möchte ich noch Joel Wicki, Michael Wiget und Kilian Wenger herauspicken. Nick Alpiger hätte ich sofort auch dazu gezählt. Die auf dem Weissenstein zugezogene Beckenverletzung scheint zwar nicht so schlimm zu sein. Dennoch wird die Zeit für den jungen Aargauer knapp, überhaupt in Zug am Start zu sein.
Joel Wicki ist ein begnadeter Schwinger. Seine fehlende Körpergrösse macht er mit einem unglaublichen Kampfwillen und einer tollen Technik wett. Da der Sörenberger konsequent am Boden arbeitet und so etliche Gänge gewinnt, fehlten ihm für den Schlussgang-Einzug auch schon die berühmten «Vierteli». Dies Konsequenz könnte ihm beim «Eidgenössischen» mit acht Gängen aber zu Gute kommen. Wenn der 22-Jährige in Zug ans Limit gehen kann wie beispielsweise dieses Jahr auf dem Stoos, dann ist für ihn das Tor zu den höchsten Weihen im Schwingsport ganz weit offen.


Schafft Michael Wiget am «Eidgenössischen» gar die Sensation?
Bild: Michael Wiget

Michael Wiget, der Aufsteiger des Jahres
Michael Wiget ist definitiv der Aufsteiger des Jahres. Anfangs Saison hatte der Berner einen Kranz auf seinem Konto. In vier Wochen schwingt Wiget um den ESAF-Kranz – mehr noch: Der 20-Jährige gehört inzwischen gar zum Favoritenkreis um den Schwingerkönig-Titel. Der junge Berner lernt sehr schnell. Ich bin überzeugt, dass er aus den beiden Niederlagen gegen Giger am Weissenstein-Schwinget seine Lehren gezogen hat. Das beeindruckende Notenblatt des Sennenschwingers mit Innerschweizer Wurzeln lässt aufhorchen. Und wie er Nick Alpiger, den Sieger des «Innerschweizerischen», bodigte, zeugt von Extraklasse. Schafft der Berner Mittelländer am «Eidgenössischen» gar die Sensation?
Mit Kilian Wenger habe ich einen weiteren Berner als Topfavoriten auf meiner Liste. Trotz manchmal unkonstanten Auftritten hat der Schwingerkönig von 2010 eine Klasse, welche ihn durchaus nochmals auf den Königsthron hieven könnte. Ich habe öfters das Gefühl, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Da kommt doch irgendwann nochmal was… Wenn der 29-Jährige sich seiner Stärken auch gegen Top-Schwinger wieder vermehrt bewusst ist und wieder so konsequent schwingt wie zu seinen besten Zeiten, dann ist tatsächlich nichts unmöglich. Die Auftritte auf dem Brünig und am Bernisch Kantonalen werden diesbezüglich noch mehr Aufschluss geben.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau auf den Sertigschwinget

Text: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Sonntag steht nebst dem Klassiker auf dem Brünig auch der Sertigschwinget auf dem Programm. Auf der Tourismus-Seite von Davos-Klosters kann man zu dem Bergschwinget oberhalb von Davos folgendes entnehmen: «Jedes Jahr, nachdem die Bauern ihr Heu eingebracht haben, wird es Zeit für die «Bösen», in den Sägemehlring zu treten. In der grandiosen Bergwelt des Sertigtals steigen Nachwuchsschwinger und Aktivschwinger in die Zwilchhosen. Der Sertigschwinget, das älteste Schwingfest Graubündens, findet am Ende des Sertigtals auf 1‘860 Metern über Meer statt. Der urigste Schweizer Sport erfreut sich stetig steigender Beliebtheit und zieht Sportbegeisterte, Folkloreliebhaber, Einheimische und Gäste an.»

Nachfolgend wollte ich es noch etwas genauer wissen, und habe mir bei Patrick Casanova, dem Bündner Kantonalen Medienchef, Informationen zu elf Stichpunkten eingeholt.


Der wunderschön angelegte Schwingplatz im Sertigtal
Bild: davos.ch

Ort und Beginn des Schwingfestes?
Der Festplatz befindet sich bei Davos Sertig, gleich beim Hotel/Restaurant Walserhuus Sertig. Die Jungschwinger beginnen ihren Wettkampf um 08.30 Uhr, die Aktiven steigen ab 10.30 Uhr in die Zwilchhosen.

Wie viele Schwinger werden erwartet/Welche Spitzenschwinger sind am Start?
Etwa 150 Nachwuchsschwinger und rund 80 Aktive aus der Nordostschweiz sowie Gäste von den befreundeten Schwingklubs Trub und Schattdorf werden am Sertigschwinget erwartet. Bisher gemeldete Spitzenschwinger sind die beiden Eidgenossen Fabian Kindlimann und Tobias Krähenbühl. Weiter die Teilverbands-/Berkranzer Heinz Habegger, Roman Schnurrenberger, Mauro Gartmann, Ursin Battaglia, Sandro Schlegel, Roman Hochholdinger, Christian Bernold und Christian Blaser.

Gaben/Lebendpreise?
Lebendpreise sind keine vorgesehen. Ob den Schwingern eine Gabe abgegeben wird, war zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Textes nicht bekannt.

Vorjahressieger?
Der Sertigschwinget scheint ein gutes Pflaster für die Gäste zu sein. Denn: Roger Baumann vom Schwingklub Schattdorf gewann den Schwinget letztes Jahr, vorletztes Jahr schwang Heinz Habegger vom Schwingklub Trub obenaus.

Organisation/OK-Präsident?
Als OK-Präsident dieses Anlasses fungiert Joos Biäsch, Präsident vom Schwingerverband der Landschaft Davos und Hotel-/Restaurantbetreiber vom Walserhuus Sertig. Biäsch und sein Team rund um den Schwingerverband der Landschaft Davos sind für die Organisation zuständig.

Anzahl Schwingplätze?
Da schon seit etlichen Jahren zugleich der Nachwuchsschwinget stattfindet, wird auf vier Schwingplätzen geschwungen.

Platz für wie viele Zuschauer?
Auf dem idyllisch gelegenen Schwingplatz zählte man in den vergangenen Jahren bis 2‘500 Zuschauer. Auch dieses Jahr werden Plätze in dieser Grössenordnung bereitgestellt.

Parkplätze/Anfahrt mit ÖV?
Da im Sertigtal nur wenige Parkplätze zur Verfügung stehen, werden diese für die Schwinger und Funktionäre reserviert. Für die Zuschauer stehen bei der Reithalle Davos Frauenkirch Parkplätze bereit. Von dort wird von 07.00 bis 22.00 Uhr ein Shuttle-Bus-Betrieb zum Schwingplatz aufrechterhalten.

Verschiebedatum/Durchführung bei jedem Wetter?
Es wurde kein Verschiebedatum festgelegt. Laut Patrick Casanova wird der Anlass bei jedem Wetter durchgeführt. Man behält sich aber vor, den Anlass wegen ganz misslichen Wetterprognosen kurzfristig absagen zu können. Man schwingt im Sertigtal schliesslich auf über 1’850 Metern über Meer.

Festwirtschaft/Spezialitäten?
Der Sertigschwinget wird mit einer leistungsfähigen Festwirtschaft aufgewertet. Laut Menu-Plan stehen Rindsvoressen, Rindshuft-Steak und Schwingerwurst im Angebot. Zudem kann man sich selbstverständlich auch im «Walserhus Sertig», welches sich gleich neben dem Schwingplatz befindet, köstlich verpflegen.

Musikalische Unterhaltung/Folklore?
Folkloristische Unterhaltung bietet ein Jodelchörli und Alphornbläser aus der Region.

Nun sind die wichtigsten Punkte geklärt. Dafür bedanke ich mich bei Patrick Casanova. Ich freue mich heute schon auf diesen Anlass in den schönen Bündner Bergen und hoffe auf einen schönen Bergsommer-Tag! Bei diesem Anlass wird der Schreibende den Sertigschwinget auf dem «Schwinger-Blog» mit regelmässigen Beiträgen begleiten.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Lario Kramer, einem der grössten Südwestschweizer Hoffnungsträger fürs «Eidgenössische»

Text: feldwaldwiesenblogger

Lario Kramer ist seit seinem Kranzfestsieg auf dem Stoos und den zehn Saisonkränzen im vergangenen Jahr eine etablierte Grösse in der Südwestschweiz. Zusammen mit Benjamin Gapany zählt er für viele Experten wie Schwingerfreunde zu potenziellen Südwestschweizer Kranzanwärtern am «Eidgenössischen» in Zug. Zwar blieb der Freiburger am Schwarzsee und als Gast am «Nordostschweizer» unter den Erwartungen und verpasste das begehrte Eichenlaub. Am eigenen Teilverbandsfest, dem Südwestschweizer Schwingfest in Leukerbad, zeigte der technisch versierte Schwinger aber eine tolle Leistung. Um die Schlussgang-Qualifikation besiegte Lario den Schwyzer Eidgenossen Mike Müllestein. Im Schlussgang lief’s dann weniger gut: Der Berner Matthias Aeschbacher konnte ihn im ersten Zug bezwingen.
Nichtsdestotrotz: Letztes Jahr stand der Kantonskollege Benjamin Gapany im Schlussgang des eigenen Teilverbandsfestes, dieses Jahr tat es ihm Lario gleich. Von ihm wollte ich am Montagabend am Telefon unter anderem wissen, wie er dieses Schwingfest erlebte, und wie die Stimmung derzeit im Südwestschweizer Team ist.


Lario Kramer (ganz links) als glücklicher Kranzgewinner in Leukerbad, zusammen mit Patrick Schenk (Mitte) und Joel Wicki
Bild: David Waser

Südwestschweizer Schwingfest in Leukerbad
Sieger in Leukerbad wurde der angesprochene Matthias Aeschbacher, welcher sich schon nach wenigen Sekunden gegen Lario durchsetzen konnte. Nach dem Sieg am Schwarzsee-Schwinget konnte der Emmentaler einen nächsten grossen Erfolg feiern, und avanciert so langsam aber sicher zu einem der Topfavoriten am «Eidgenössischen» in Zug. Auf dem Weg in den Schlussgang wurden dem 27-Jährigen Steve Duplan (Sieg), Samuel Giger (gestellt), Fredy Riedo (Sieg), Augustin Brodard (Sieg) und Stéphane Haenni (Sieg) vorgesetzt.
Am Teilverbandsfest der Südwestschweizer starteten 109 Schwinger, 4‘500 Zuschauer fanden den Weg in das Walliser Bäderdorf. Die acht angetretenen Gäste durften alle kranzgeschmückt heimkehren. Sechs Kränze gingen nach Freiburg und drei ins Waadtland.
Das stimmungsvolle Schwingfest wurde vom Schwingklub Leukerbad, unter der Leitung von OK-Präsident Kurt Roten, mit viel Herzblut organisiert. Dabei war den Organisatoren als Tüpfelchen auf dem „i“ schönstes Sommerwetter beschieden.

Lario stand zum ersten Mal im Schlussgang eines Teilverbandsfestes
Lario stand in Leukerbad mit vier gewonnenen und einem verlorenen Gang verdient zum ersten Mal in einem Schlussgang eines Teilverbandsfestes. Nach der Startniederlage gegen den Luzerner Joel Wicki bettete der Freiburger der Reihe nach Antoine Ducry, Carlo Buchs und Luc Gottofrey ins Sägemehl. Um den Schlussgang-Einzug bodigte Lario, wie bereits erwähnt, Mike Müllestein mit einer Kreugriff-Gammen-Abdrehen-Kombination. Im Schlussgang wurde er von Matthias Aeschbacher allerdings bereits nach acht Sekunden bezwungen. Der Berner Gast packte einmal mehr seine Wunderwaffe, den Inneren Haken, aus. In der Endabrechnung belegte der Freiburger Rang 5a.
Es scheint, dass Lario rechtzeitig seine tolle Form von letztem Jahr wiedergefunden hat. Denn: Nach zwei kranzlosen Resultaten am Schwarzsee (Rang 7d) und dem Nordostschweizer Schwingfest (Rang 9c) fand der letztjährige Stoos-Sieger am vorletzten Wochenende beim Walliser Kantonalen wieder auf die Erfolgsstrasse zurück. In Martigny gewann Lario nämlich sein zweites Kranzfest und in Leukerbad schaffte er es trotz sehr starken Gästen in den Schlussgang.

Mitglied beim Schwingklub Kerzers
Larios Geburtsdatum ist der 9. Juli 1998. Der 21-Jährige wohnt in Galmiz, ist ledig und weist mit seiner Grösse (186 Zentimeter) und seinem Gewicht (100 Kilogramm) athletische Masse für den Schwingsport auf. Der frisch gebackene Kantonalfestsieger machte eine Ausbildung zum Gemüsegärtner und arbeitet derzeit von Montag bis Freitag als Gemüsebauer auf dem elterlichen Betrieb. Am Samstag drückt er die Schulbank und absolviert eine Ausbildung zum Agro-Kaufmann. Nebst der Arbeit, der Ausbildung und dem Schwingsport bleibt nur noch wenig Zeit übrig, in welcher Lario Kollegen und Freunde trifft.
Der Sennenschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Kerzers, welcher dem Freiburger Kantonalen Schwingerverband angehört. Mitglied von diesem Schwingklub ist unter anderem auch sein Bruder Dorian. Dorian erkämpfte sich diese Saison bereits zwei Kränze. Zum erweiterten Team rund um den Schwingklub Kerzers gehört auch Vincent Roch vom Schwingklub Estavayer-le-Lac. Roch eroberte diese Saison bereits vier Kränze und gewann das Waadtländer Kantonale.

Zwei Kranzfestsiege und 24 Kränze auf seinem Konto
Larios Palmarès umfassen zwei Kranzfestsiege und 24 Kränze. Der eine Kranzfestsieg ist derjenige auf dem Stoos, welcher für die Südwestschweizer richtiggehend Balsam auf ihre geschundene Schwingerseele bedeutete. Der andere Sieg erfolgte erst kürzlich am Walliser Kantonalen in Martigny. Die gewonnenen Kränze setzen sich aus 16 Kantonal-, drei Berg- und fünf Teilverbandskränzen zusammen. Den ersten Kranz gewann der gelernte Gemüsebauer 2015 am Freiburger Kantonalschwingfest. Ein weiterer schöner Erfolg ist die Auszeichnung zum Aufsteiger des Jahres 2018, welche Lario an der Abgeordnetenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbandes am 9. März verliehen wurde.
Die bevorzugten Schwünge sind Hüfter, Wyberhaken, Kreuzgriff, Kurz und Übersprung. Der Sennenschwinger schwingt seit 2006 und zählte in den Jugendjahren Matthias Sempach zu seinem Vorbild. Mittlerweile ist der Schwingerkönig von 2013 ein guter Kamerad von ihm.
Zum Schwingsport kam Lario durch seine Eltern, welche aber mit dem Schwingsport sonst nichts am Hut haben. Er erklärt: «Eines schönen Sonntags gingen wir mit der Familie gemeinsam Mittagessen. Der Zufall wollte es, dass wir beim Regionalschwingfest in Ried bei Kerzers landeten. Der Schwingsport faszinierte uns dabei sehr, und mich im Besonderen. Und so ging ich am darauf folgenden Mittwoch als Achtjähriger zum ersten Schwingtraining.»


Lario zieht energisch mit festem Kreuzgriff
Bild: David Sigg

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich war natürlich enttäuscht, auch weil ich so schnell verloren habe. Man kann aus einer schnellen Niederlage wenig mitnehmen. Ich hätte schon gerne länger mit Matthias geschwungen, welcher aufs Gut gleich gezogen hat. Nach dem Schlussgang gingen mir viele Gedanken durch den Kopf, und ich musste mich kurz sammeln. Ich konnte mich trotzdem am erfolgreichen Tag erfreuen. Es war schön, dass ich im Schlussgang stand.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Das ist schwierig zu beantworten. Ich bin schon eher der Angriffsschwinger, und nicht so der Taktierer. Klar, man hat 12 Minuten Zeit, und braucht nicht sofort Vollgas zu geben. Matthias griff sehr stark und ist mit seinem Inneren Haken jeweils brandgefährlich.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Ich denke, das war der fünfte Gang, wo ich Mike Müllestein besiegen konnte. Gegen ihn habe ich bereits letztes Jahr auf dem Stoos geschwungen. Dieses Jahr konnte ich mich besser gegen ihn behaupten. Auf dem Stoos musste ich ums Überleben kämpfen und konnte gegen ihn nur mit Glück gewinnen. In Leukerbad war es von Anfang an eine ausgeglichene Sache.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Südwestschweizer Schwingfest?
«Es war ein sehr schönes Schwingfest, inmitten der herrlichen Bergkulisse. Ich war bereits am Samstag angereist, um mich optimal vorbereiten zu können. Ich liess den Abend mit Schwingerkollegen ausklingen und habe gut geschlafen. Da ich ein Schönwetterschwinger bin, war ich froh um den herrlichen Sommertag. Schön, hatte es so viele Zuschauer. Denn das ist an einem Südwestschweizer Schwingfest, je nach Austragungsort, nicht selbstverständlich. Das Wallis zählt viele Schwingerfreunde, und es herrschte eine gute Stimmung im Bäderdorf.»

Du hast deinen ersten Kranz 2015 gewonnen. Deine bisher stärkste Saison war die letztjährige?
«Ja, das ist so. Der Knopf ist mir 2018 regelrecht aufgegangen. Es sprach allerdings erst nicht viel dafür, da ich von Januar bis Mai in der Rekrutenschule war. In dieser Zeit konnte ich die meiste Zeit nur einmal pro Woche trainieren, und jeweils an den Wochenenden. In den letzten sechs RS-Wochen hatten wir einen anderen Kommandanten. Dieser brachte mehr Verständnis auf, und liess mich viermal pro Woche trainieren. Am Genfer Kantonalen gewann ich den ersten Saisonkranz, und anschliessend lief es von Fest zu Fest immer besser.»


Der Sieg am Walliser Kantonalen ist für Lario der erste Kranzfestsieg auf Südwestschweizer Boden
Bild: David Waser

Wie ist die Stimmung derzeit im Südwestschweizer Team?
«Wir haben es gut zusammen, und bei den Zusammenzügen läuft‘s gut.
Es ist leider schade, dass sich etliche Schwinger von unserem Verband verletzt haben. Dazu gehören Michel Dousse, Victor Cardinaux, Steven Moser oder Pascal Piemontesi. Das sind alles Schwinger, welche eine Chance hätten, am Eidgenössischen um den Kranz zu schwingen. Wir brauchen halt wirklich jeden.»

Mit welchem Rezept fandest du nach den verpassten Kränzen am Schwarzsee und am NOS beim Walliser Kantonalen wieder auf die Erfolgsstrasse zurück?
«Am Schwarzsee ist es dumm gelaufen, und letztendlich fehlte mir ein Vierteli. Den letzten Gang um den Kranz habe ich zwar gewonnen, leider ohne Maximalnote. Am Nordostschweizer Schwingfest bin ich gut gestartet. Dann fing es an zu harzen: Ich brachte gewisse Schwinger, die ich für den Kranz hätte bezwingen müssen, einfach nicht auf den Rücken. Ich bin bereits am Vortag nach Hallau gereist und war zum ersten Mal in dieser schönen Gegend.
Am Walliser Kantonalen hatte ich erst schwere Beine, und fühlte mich am Morgen nicht unbedingt gut. Ich konnte mich schliesslich auf meine Gegner einstellen. Zwar war es nicht das bestbesetzte Fest, trotzdem muss man die Gegner erst bezwingen. Grundsätzlich lief es in Martigny sehr gut und ich konnte zum ersten Mal ein Kranzfest in der Südwestschweiz gewinnen. Das war nämlich auch ein erklärtes Jahresziel von mir.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Während der Wettkampfsaison trainiere ich drei bis viermal pro Woche. Mein Programm beinhaltet ein Krafttraining und zwei bis drei Schwingtrainings. Ich möchte im Training nicht meine Batterien leeren, und achte daher auf genügend Erholung. Im Winter wird mehr trainiert.»

An was wirst du bis zum ESAF in Zug noch verstärkt arbeiten?
«Ich fahre eigentlich mit meinem Trainingsplan so weiter. Nach einem Schwingfest wird analysiert und verlorene Gänge werden nochmals unter die Lupe genommen. Es geht allerdings nur um den Feinschliff. Die Schwünge und die Abläufe werden im Wintertraining näher angeschaut. Man versucht sich aber auch während der Saison stets zu verbessern.»

Welches sind deine nächsten Einsätze, und welche Ziele verfolgst du dabei?
«Meine nächsten Einsätze sind der Brünig- und der Schwägalp-Schwinget. Das Ziel ist der Kranz. Ich habe dieses Jahr noch kein auswärtiges Eichenlaub gewonnen, und auch noch keinen Bergkranz. Beide Kränze fehlen mir noch in der Sammlung. Es wäre schön, wenn ich mindestens einen der beiden Kränze holen könnte.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Domenic Schneider, dem kräftigen Thurgauer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Domenic Schneider

Domenic Schneider erreichte am vergangenen Sonntag im heissen Hallau den Schlussgang. Dort traf er auf Armon Orlik, welcher ihn nach mehr als vier Minuten bezwingen konnte. Dabei bewies «Dodo», wie er in der Ostschweiz auch genannt wird, dass er mit der absoluten (NOS)-Spitze mithalten kann.
Eine Woche nach der mageren Leistung am Schwarzsee konnten sich die Nordostschweizer an ihrem Teilverbandsfest problemlos durchsetzen. Von den acht Gästen holten gerade deren drei das begehrte Eichenlaub. Wobei man Remo Käsers Aufgabe wegen einer Nackenverletzung in Betracht ziehen muss.
Auffällig ist zudem die starke Gesamtleistung der Thurgauer Schwinger, welche im nördlichsten Schweizer Kanton neun Kränze gewannen. Zu diesem Team gehört auch Domenic Schneider. Von ihm wollte ich heute am Telefon wissen, wie er das Nordostschweizer Schwingfest erlebte, und ob die schwache Kranzausbeute der Nordostschweizer am Schwarzsee ein einmaliger Ausrutscher ist.


Domenic Schneider gewann in Hallau nebst dem NOS-Kranz das Rind Edelweiss

Nordostschweizer Schwingfest
Wie eingangs erwähnt, gewann Armon Orlik das Nordostschweizer Schwingfest in Hallau. Im Schlussgang triumphierte der Maienfelder gegen Domenic Schneider nach 4:42 Minuten mit Kurz und Nachdrücken am Boden. Dies in einem beidseits offensiv geführten Kampf, bei welchem Domenic den mittlerweile dreifachen NOS-Sieger einmal in eine äusserst brenzlige Situation brachte. Am Morgen startete Orlik mit einem «Gestellten» gegen Remo Käser. Anschliessend liess der Bündner Überschwinger nichts mehr anbrennen und bezwang der Reihe nach Lars Geisser, Lario Kramer, Roman Schnurrenberger und um die Schlussgangqualifikation den Thurgauer Oldie Stefan Burkhalter. In der Endabrechnung konnte sich Samir Leuppi auf dem Ehrenplatz einreihen. Im dritten Rang klassierte sich «Rückkehrer» Samuel Giger, dies nach einer achtwöchigen Verletzungspause.
Im schaffhausischen Hallau war man zu Gast in einer Weinregion. Aus diesem Grund wurde jede Tribüne mit dem Namen einer Traubensorte versehen. OK-Präsident René Regli und sein Team bereiteten mit zwei Trägervereinen (Männerriege Hallau und STV Hallau) sowie dem Schaffhauser Kantonalen Schwingerverband ein stimmungsvolles Ambiente in der «Chläggi-Arena». Die acht Gästeschwinger und die 150 Nordostschweizer Schwinger boten den 4‘200 Zuschauern offensiven und spannenden Schwingsport. Für beste folkloristische Unterhaltung wussten Lisa Stoll mit ihren Solo-Auftritten am Alphorn, die Rhyfall Jodler, der Jodelklub Randen und die Musikgesellschaft Hallau zu begeistern.

Domenic stand verdient im Schlussgang
Domenic stand in Hallau mit vier gewonnenen und einem gestellten Gang absolut verdient im Schlussgang. Unter die Verlierer reihte der Thurgauer Joel Strebel, Reto Koch, Nicola Wey und um den Schlussgang-Einzug Marcel Kuster. Einzig dem Innerschweizer Eidgenossen Erich Fankhauser musste er im zweiten Gang einen «Gestellten» zugestehen.
Im Schlussgang verhielt sich Orlik erst passiv, was Domenic auszunützen versuchte. Mit einem kräftigen Kurzzug und anschliessendem Nachdrücken am Boden brachte er den mittlerweile 17-fachen Kranzfestsieger an den Rand einer Niederlage. Dieser konnte sich aber dank seiner kräftigen Muskulatur befreien. Nach einem weiteren Kurz-Versuch von Domenic konterte Orlik ebenfalls mit Kurz und vervollständigte am Boden mit Nachdrücken zum Sieg.
Nachdem «Dodo» am Schwarzsee wie die meisten Nordostschweizer Kollegen eine bescheidene Leistung gezeigt hatte, drehte er am vergangenen Sonntag so richtig auf. Sein wuchtiger Kurz funktionierte wieder und bei den entscheidenden Gängen war er erfolgreich. Die Gesamtleistung brachte den Eidgenossen schliesslich auf den sehr guten dritten Schlussrang.

Mitglied beim Schwingklub Ottenberg
Domenics Geburtsdatum ist der 3. Juni 1994. Der 25-Jährige wohnt in Friltschen, ist ledig und hat mit seiner Lebenspartnerin Olivia eine gemeinsame Tochter (Leonie). Er weist mit seiner Grösse (179 Zentimeter) und seinem Gewicht (135 Kilogramm) kräftige Masse für den Schwingsport auf. Der Thurgauer machte eine Ausbildung zum Zimmermann und eine Zweitlehre als Landwirt. Derzeit arbeitet er auf dem elterlichen Bauernbetrieb in Friltschen. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport bleibt noch etwas Zeit für den Turnverein Märwil und im Winter fürs Skifahren.
Domenic ist Mitglied beim Schwingklub Ottenberg, welcher dem Thurgauer Kantonalen Schwingerverband angehört. Bei diesem Schwingklub trifft er mit Samuel Giger, Stefan Burkhalter oder seinem Bruder Mario auf äusserst starke Sparringpartner.

Ein Kranzfestsieg und 42 Kränze auf seinem Konto
Domenic hat bisher 42 Kränze herausgeschwungen, darunter einmal Eidgenössisches Eichenlaub. Zudem feierte der gelernte Zimmermann 2015 am «Glarner-Bünder» in Näfels einen Kranzfestsieg. Weitere schöne Erfolge sind die drei Schwägalp-Kränze sowie die Bergkränze auf dem Brünig, der Rigi und dem Weissenstein.
Der bevorzugte Schwung ist der Kurz. Der Sennenschwinger schwingt seit 2003 und nahm sich im Jungschwinger-Alter Jörg Abderhalden zum Vorbild. Zum Schwingsport kam Domenic durch seinen älteren Bruder Mario und der Motivation der Eltern. Als Neunjähriger ging er zum ersten Schwingtraining. Dem mittlerweile fünffachen «Saisonkranzer» wurden keine Schwingergene in die Wiege gelegt. Sein Bruder und er sind die ersten Schwinger in der Familie.


Die starke Thurgauer Mannschaft, zu welcher auch Domenic gehört, gewann in Hallau neun Kränze

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Mein erster Gedanke war: Schade, dass ich verloren habe. Denn ich war dem Sieg sehr nahe.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Ich würde mit der gleichen Taktik vorgehen. Denn: Ich ging geladen in den Schlussgang und wollte gewinnen. Ein ‘Gestellter’ hätte mir nichts gebracht, darum war ich auf Angriff aus.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Einen Schlüsselgang gab es in dem Sinne nicht. Ich startete gut in den Wettkampf. Nach der Punkteteilung im zweiten Gang konnte ich wieder reüssieren und um den Schlussgang-Einzug konnte ich relativ schnell gewinnen. Ich wusste, wenn ich den fünften Gang gewinne, stehe ich im Schlussgang.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Nordostschweizer Schwingfest?
«Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Nach dem Schwarzsee-Schwinget kam ich ein wenig ins Grübeln. Am ‘NOS’ in Hallau hatte ich ein sehr gutes Gefühl und bin froh, dass wieder alles so gut funktioniert hat.»

Ist die schwache Kranzausbeute der Nordostschweizer am Schwarzsee ein einmaliger Ausrutscher?
«Ich hoffe doch sehr, dass es ein einmaliger Ausrutscher war. Einige unserer Spitzenleute fehlten am Schwarzsee. Trotzdem: Viele der anwesenden Spitzenleute zogen tatsächlich keinen guten Tag ein. Unter der Woche haben wir im Schwingklub darüber gesprochen. Uns ist bewusst, dass wir daran nichts mehr ändern können. Deshalb: Vorwärts schauen, und zeigen, was wir wirklich können.»


Domenic zieht mit Kurz, seinem Paradeschwung, den Zürcher Nicola Wey

Du hast deinen ersten Kranz 2011 gewonnen. Welches war deine bisher stärkste Saison?
«Die Saison 2017, als ich neun Kränze gewann. Das war für mich ein sehr spezielles Jahr. Der Berner-, der Brünig- und der Schwägalp-Kranz stellen für mich dabei Highlights dar.»

Bist du mit deiner am NOS gezeigten Leistung bereit für den zweiten Kranzfestsieg?
Domenic lacht. «Wenn es so läuft wie in Hallau, bin ich nicht mehr weit weg, erneut ein Kranzfest zu gewinnen. Ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg. Zudem stimmt das Gefühl.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Ich absolviere wöchentlich drei Schwingtrainings, nämlich am Montag, Mittwoch und Freitag. Dabei handelt es sich um ein Schwingklub- und zwei Thurgauer Kantonal-Trainings. Am Donnerstag bestreite ich zusätzlich ein Kraft- und Konditionstraining.»

Mit neun Kränzen in Hallau haben die Thurgauer eine starke Leistung gezeigt. Was macht euch so stark?
«Wir absolvieren gemeinsam am Montag und Freitag mit vielen starken Schwingern gute Trainings. Wir verfügen über einen guten Teamgeist und gönnen einander die Erfolge. Wir freuen uns miteinander und bauen uns gegenseitig auf, wenn’s mal nicht so gut gelaufen ist.»

Welches sind deine nächsten Einsätze, und was nimmst du dir dabei vor?
«Am kommenden Sonntag bestreite ich das Appenzeller Kantonalschwingfest in Stein, und eine Woche später trete ich auf der Rigi an. Mein Ziel ist es, an beiden Orten den Kranz zu gewinnen. Weiter bin ich am Nordwestschweizer Schwingfest anfangs August Gast. Ich möchte in Wittnau natürlich auch den Kranz gewinnen.»

feldwaldwiesenblogger