Vor 100 Jahren: Der 10. Innerschweizerische Schwingertag

Text: feldwaldwiesenblogger / Quelle: Eidgenössische Schwingerzeitung 12. Jahrgang 1918

Vor einiger Zeit blätterte ich wieder einmal in alten Schwingerzeitungen, und zwar in solchen aus 1918. Diese enthielten etliche Schwingfestberichte von 1917. Ich pickte dabei einen Anlass heraus, welcher exakt vor 100 Jahren stattfand: Der 10. Innerschweizerische Schwingertag.

Nachfolgend zitiere ich wortwörtlich aus der entsprechenden Schwingerzeitung, dieser Text ist in Kursiv-Schrift. Auffällig dabei ist das „blumige“ Hochdeutsch und die Schachtelsätze.

Der 10. Innerschweizerische Schwingertag
Am 24. Juni 1917 fand der 10. Innerschweizerische Schwingertag in Horw statt.

Aus der Schwingerzeitung vom 15. Februar 1918:


Ein schön gestaltetes Plakat machte auf den 10. Innerschweizer Schwingertag aufmerksam

Die Wettkämpfe wurden belebt durch die herrlichen Weisen der Feldmusik Horw, sowie durch lustige Jodler und die heimeligen Töne des Alphorns. Abwechslung für das Auge bot das Fahnenschwingen.

Nach einer kurzen Pause vollzog sich der Schlussakt. Es erschienen vier stramme, schmucke Kranzjungfern und Herr Gemeindeammann Studhalter, Präsident des Organisationskomitees, entbot den Gruss der Behörden, der Bevölkerung und des Turnvereins von Horw, Schwinger und Turner ermunternd, kräftige Agitation zu entfalten, damit unser schönes, altes Nationalspiel weitere Freunde und grössere Ausbreitung finden möge. Hernach ergriff der Verbandspräsident Herr Otto Roth, als Präsident des Kampfgerichtes, das Wort. Er verdankte die flotte Organisation des 10. Innerschweizerischen Schwingertages und kritisierte kurz die geleistete Arbeit, um hernach die Rangverkündung vorzunehmen. Von den beinahe 100 Wettkämpfern konnten 11 durch zarte Hand mit dem Eichenlaub geschmückt werden.

War es auch dem Organisationskomitee zufolge der kurzen Vorbereitungszeit nicht möglich, Preise zu beschaffen, dürfte dennoch dieser vom Wetter so sehr begünstigte und ohne jeden Unfall verlaufene Anlass jedem Teilnehmer in angenehmer Erinnerung bleiben, umso mehr, da als Ersatz eine Anzahl Diplome verabfolgt und an die aktiven Teilnehmer, die grosse Reiseauslagen hatten, die Hälfte derselben entschädigt wurden.


Werner Lanz, Innerschweizer Sieger 1917
Quelle: Jubiläumsschrift „100 Jahre Innerschweizerischer Schwingerverband“

Der Innerschweizerische Schwingerverband feiert 2018 seinen 125. Geburtstag und wurde 1893 gegründet. 1917 fand in Horw das 10. Verbandsfest statt, bei welchem beinahe 100 Schwinger antraten. Die heutige Kranzquote von 18 Prozent hätte demzufolge (beinahe) 18 Schwingern den Kranz beschert. Dannzumal wurden 11 Eichenlaub-Exemplare abgegeben…
Werner Lanz aus Luzern hiess der Sieger des 10. Innerschweizerischen Schwingertages in Horw.

Das Innerschweizerische wurde vor hundert Jahren als „Innerschweizerischer Schwingertag“ bezeichnet. Wie man der Jubiläumsschrift „100 Jahre Innerschweizerischer Schwingerverband“ entnehmen kann, wurde das Teilverbandsfest bereits schon 1925 „Innerschweizerisches Schwing- und Älplerfest“ genannt. So heisst das Fest heute noch, und ist zu einem der grössten und beliebtesten Anlässe der Zentralschweiz geworden.

Man schrieb in der Schwingerzeitung vom 15. Februar 1918 von kurzer Organisationszeit und dass es demzufolge unmöglich war, Preise zu beschaffen. In der heutigen Zeit undenkbar. Man darf aber auch nicht vergessen, dass zu jener Zeit der erste Weltkrieg (1914 – 1918) wütete.

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ – Teil 2

Text: feldwaldwiesenblogger

Beim Teil 1 behandelte ich die erfolgreiche Schwingerkarriere von Toni Steiner. Weiter war die eindrückliche Kranzbilanz ein Thema und natürlich durften Anekdoten wie die „Episoden zum Schwarzsee-Kranz“ oder wie der Ingenbohler zu einem Appenzeller Kranz kam, nicht fehlen.
Toni erzählt im Teil 2 unter anderem, was er nach der aktiven Karriere machte, von den 12 Stoos-Kränzen, vom legendären Nordostschweizerischen 1967 in Glarus oder von seiner persönlichen Bilanz gegen Karl Meli und Ruedi Hunsperger.


Toni Steiner, 12-facher Stoos-Kranzer
Foto: feldwaldwiesenblogger

Nach der aktiven Karriere
Toni versah nach dem Rücktritt während zwei Jahren das Amt des Kampfrichters. Weiter war er Fähndrich beim Schwyzer Kantonalen, beim Innerschweizerischen und beim Eidgenössischen Schwingerverband. Der ehemalige Sennenschwinger erlebte eine Episode, wo sie ihn als ESV-Fähndrich gar sperren wollten. Toni erzählt: „Ady und Theo Zurfluh sowie Hans Mutzner und Leo Hug wurden angefragt, um bei einem Pferdewettkampf in Muntelier FR den Schwingsport zu zeigen. Ady bat mich einzuspringen, weil seine Frau in jenen Tagen ein Kind erwartete. Ich willigte ein und vertrat den Urner. Übrigens: Ich war damals bereits nicht mehr aktiver Schwinger. Verantwortliche Schwingerfunktionäre bekamen Wind von der Sache. Der damalige ISV-Präsident Edy Walker rief mich an, und erklärte, dass das nicht gehe. Ich entgegnete ihm, dass ich Ady zugesagt habe und dass wir dort antreten werden. Was wir in der Folge dann auch taten. ESV-Obmann Ernst Marti schickte etwas später ein Schreiben ans ESAF-OK nach Schwyz, dass sie beim Eidgenössischen 1977 in Basel als Fähndrich auf mich verzichten sollen. Mit der Begründung, weil ich bei dieser Schwing-Demonstration in Muntelier teilgenommen habe, und dies vom ESV nicht erlaubt gewesen wäre. Es gab in der Folge ein ziemliches Drama. Niemand wollte als Fähndrich ans ESAF nach Basel und sie fanden keinen Ersatz für mich. Denn es verhielten sich alle solidarisch mit mir. Darauf kamen Edy Walker und der ehemalige ESV-Obmann Hans Gisler gar zu mir nach Hause und waren der Meinung, dass ich trotzdem gehen soll. Ich wollte nämlich nach dem Schreiben von Marti überhaupt nicht mehr nach Basel. Walker und Gisler mussten mich dann richtiggehend überreden. Ich sagte ihnen schlussendlich zu.“
Toni war fast 30 Jahre im Vorstand des Schwingerverbandes am Mythen tätig, davon sechs Jahre als Präsident. Beim Stoos-Schwinget versah er viele Jahre das Amt des Empfangschefs, und während seiner Präsidialzeit bei den Mythenverbändlern war er OK-Vize-Präsident.
Der vierfache Eidgenosse gab zudem mehr als 100 Schwingkurse. Daraus entstanden viele Beziehungen zu anderen Schwingklubs. Vor gut drei Jahren gab der rüstige Rentner seinen bisher letzten Kurs in Lungern.
Toni ist Ehrenmitglied beim Schwingerverband am Mythen, beim Schwyzer Kantonalen und beim Innerschweizerischen Schwingerverband.


Toni (stehend) und Hans Mutzner bei der Schwing-Demonstration in Muntelier 1975
Foto: Toni Steiner

Mit 12 Kränzen der alleinige Rekordhalter beim Bergschwinget auf dem Stoos
1958 gewann Toni als 17-Jähriger seinen ersten Stoos-Kranz. Der 12. Kranz bei diesem traditionsreichen Bergkranzfest wurde ihm 1974 aufgesetzt. Diese zwölf Kränze bedeuten bis heute Rekord. Allerdings hat er nicht alle hintereinander gewonnen. Zweimal ging er ohne Kranz nach Hause und einmal konnte er nicht antreten, da Toni am gleichen Tag Gast beim Nordwestschweizerischen war. Der Stoos-Rekordkranzer erklärt: „Von den hiesigen Verantwortlichen musste ich mir wegen der Teilnahme beim Nordwestschweizerischen ein paar böse Worte anhören. In meiner Kranzsammlung fehlte mir aber dieser Teilverbandskranz noch. An jenem Schwingfest wurde ich Zweiter. Gewonnen wurde der Anlass von Marcel Buser, welcher mit Fredy Menzi im Schlussgang stand. Da es sich um ein Jubiläums-Schwingfest handelte, durfte jeder Teilverband drei Gäste schicken. Am Start waren so starke Gäste wie Karl Oberholzer, Peter Gasser, Ernest Schläfli oder Ruedi Hunsperger. Nach drei gewonnenen Gängen musste ich im vierten Gang prompt gegen Ruedi Hunsperger antreten, gegen den ich leider verlor. Am Abend wies mein Notenblatt fünf gewonnene Gänge auf. Von den Gästen kam ich noch am besten weg. Denn: Es kam zu vielen Gästepaarungen. Ich selber traf „nur“ auf zwei andere Gäste, die anderen alle auf drei. Da deswegen viele gestellte Gänge resultierten, schafften es letztendlich zwei Nordwestschweizer in den Schlussgang. Eine grosse Diskussion um die Einteilung, wie es heutzutage in den Medien geführt würde, gab es damals aber nicht.“
Zurück zum Stoos-Schwinget: Toni konnte dieses Bergfest leider nie gewinnen. Als er 20 Jahre alt war, stand der Mythenverbändler mit Max Widmer das erste Mal im Schlussgang. Zwei weitere Schlussgänge folgten. Einer bestritt er gegen Peter Nyffenegger, wo Toni eine Verletzung davontrug. Der andere war gegen Hans Zurfluh, bei welchem er gute Chancen auf den Sieg hatte.

Dreimal war Toni in den Kranzrängen und ging trotzdem ohne Kranz vom Stoos-Schwinget heim
Diesen kuriosen Umstand musste mir Toni erklären: „Ich ging dreimal ohne Kranz heim, war aber in den Kranzrängen. Damals gaben sie öfters einen Kranz zu viel ab, wenn es bei der Endabrechnung nicht aufging. Bei den drei erwähnten Malen gaben sie 17 statt 16 Kränze ab, es lagen aber nur 16 Kränze bereit. Ich war dann derjenige, welcher sich opfern musste. Die Begründung: Du hast schon ein paar Stoos-Kränze. Und es wäre nicht fair, dass einer, welcher den ersten Stoos-Kranz gewinnt, ohne Kranz heimkehren muss. An der Siegerehrung nahm ich natürlich trotzdem teil und mir wurde ein Kranz von einem Kollegen aufgesetzt. Der gewonnene Kranz wurde mir nachträglich nach Hause gebracht.“ Toni erläutert weiter, dass die Einhaltung der 18 Prozent-Regel, im Gegensatz zu heute, damals lockerer gehandhabt wurde. Einmal wurden auf dem Stoos sogar drei Kränze zu viel abgegeben. Dies hatte aber Folgen, respektive es wurde eine Strafe verhängt: Im Jahr darauf durften keine Gäste aus anderen Teilverbänden eingeladen werden. Zum Vergleich: Beim Thurgauer Kantonalen lag dieses Jahr die Kranzquote bei 18.1 Prozent, also 0.1 Prozent über der erlaubten Maximalquote. Die Thurgauer wurden dann mit 3000 Franken gebüsst.

Dank Gabriel Yerli’s Stoos-Sieg gute Kontakte in die Südwestschweiz
Mit dem ehemaligen Südwestschweizer Spitzenschwinger Gabriel Yerli pflegt Toni einen sehr guten Kontakt. Als Yerli 1987 den Stoos-Schwinget gewann, übernachtete er beim Ingenbohler. Übrigens: Der Freiburger bezwang damals im Schlussgang Leo Betschart aus Sins. Laut Toni ist Yerli seit diesem Sieg jedes Jahr beim Stoos-Schwinget dabei. „Das war für Gabriel einer der schönsten Siege. Seit vielen Jahren geht der Schwingerverband am Mythen dank dieser Verbindung als Gastsektion nach Charmey, respektive neu nach Riaz ans Schwingfest. Mit von der Partie sind jeweils Jungschwinger und Aktive“, rundet der 12-fache Stoos-Kranzer das Thema „Stoos-Schwinget“ ab.


Toni (links) wuchtig gegen Franz Isenegger beim Stoos-Schwinget
Foto: Toni Steiner

Das legendäre Nordostschweizerische anno 1967 in Glarus
Beim legendären Nordostschweizerischen in Glarus war für den neuen Schwingerkönig Ruedi Hunsperger nach vier Gängen der Wettkampf zu Ende. Toni war bei diesem Teilverbandsfest als ISV-Gast eingeladen. Er erinnert sich: „Soweit ich mich entsinne, fiel der andere Berner Gast, Hans Stucki, auch aus dem Kranz. Ruedi Hunsperger musste beim Anschwingen gegen Karl Meli antreten und verlor prompt. Meli stand übrigens am Abend mit August Brunner im Schlussgang und gewann das Fest. In meinen Augen lief für Ruedi nicht alles korrekt ab. Im zweiten Gang besiegte er Emil Zigerli. Meines Erachtens hätte Hunsperger den dritten Gang mit Walter Bleuler eigentlich gewonnen, kam aber unglücklich darunter und verlor. Im vierten Gang musste der Berner gegen Josef Hüsser erneute eine Niederlage einstecken. Mit solchen Resultaten muss halt jeder Schwinger leben. Ein anderes Mal ist einem das Glück wieder hold, das gleicht sich innerhalb einer Schwingerkarriere aus. An diesem Schwingfest hatte ich keinen Kontakt mit Hunsperger und konnte deshalb seine Gemütslage nicht einschätzen.“
Toni machte an diesem legendären Schwingfest den begehrten Nordostschweizer Kranz. Beim Anschwingen traf er auf Manfred John und bezwang ihn. Gegen Jakob Hälg resultierte im vierten Gang ein „gestellt“. Beim sechsten Gang musste der sechsfache Kranzfestsieger gegen Albert Langenegger antreten, welchen er auf den Rücken legen konnte. Wenn Toni diesen Kampf nicht für sich hätte entscheiden können, wäre er am Ende nicht in den Kranzrängen gewesen. Das Notenblatt zierten am Abend vier gewonnene, ein gestellter und ein verlorener Gang.

Die Bilanz gegen die beiden Überschwinger jener Zeit: Karl Meli und Ruedi Hunsperger
Zu diesem Thema meint Toni: „Die Bilanz sieht leider zu Null aus. Mit Karl Meli habe ich einige Gänge bestritten, vermutlich sieben oder acht. Auf dem Stoos hatte ich einmal einen guten Gang mit ihm. Mich beschlich damals aber das Gefühl, dass er mich gewähren liess. Denn er war so gut drauf und besiegte mich letztendlich problemlos. Bei einem Allweg-Schwinget standen wir beide einmal im Schlussgang. In diesem zog er gewaltig und machte kurzen Prozess. Bei einem Innerschweizerischen in Luzern konnte ich einige Zeit mit ihm schwingen. Meli zog dort aber nicht so einen guten Tag ein. Bei diesem Schwingfest begann ich gegen Karl Oberholzer und beendete das Fest gegen Meli. Es war nicht der Schlussgang.“
Gegen Ruedi Hunsperger musste der gelernte Maschinenschlosser einmal antreten. Nämlich beim bereits erwähnten Nordwestschweizerischen Jubiläumsschwingfest. Es war ein guter Gang und Toni bezwang Ruedi fast mit einem Brienzer. „Allerdings wurde ich zuletzt ein wenig frech und verlor leider. Ein Foto von diesem Gang wurde übrigens für ein Titelbild eines Buches verwendet“, ergänzt Toni.
Für Toni sind oder waren beide Überschwinger jener Zeit ganz flotte Typen. Auch nach der Aktivkarriere pflegte er Kontakt mit ihnen, vor allem mit Meli. Der Winterthurer kam jeweils auch an die Schwingerkönig-Treffen auf den Stoos. Paul Betschart, ehemaliger OK-Präsident vom Stoos-Schwinget, organisierte früher solche Treffen. Betschart hatte einen guten Draht zu den Schwingerkönigen Karl Meli und Max Widmer.

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ – Teil 1

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Nun, da derzeit keine Schwingfeste stattfinden und der Schwingbetrieb ganz allgemein ruht, bleibt Zeit, sich auch ehemaligen Schwinggrössen zu widmen. So besuchte ich kürzlich den vierfachen Eidgenossen Toni Steiner. Ältere Leser können sich garantiert noch an den schalkhaften Sennenschwinger erinnern. Den Jüngeren, aber selbstverständlich auch den älteren Semestern, möchte ich Toni mit mehreren Schwerpunkten näher vorstellen. Diese Schwerpunkte verteile ich auf drei Blogbeiträge. Dazu kommen einige amüsante Anekdoten, welche zum Schmunzeln anregen.


Toni Steiner, 78-facher Kranzschwinger

Persönliche Angaben
Toni Steiner wurde am 23. Februar 1941 in Ingenbohl geboren, wo er aufwuchs und heute noch lebt. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte der Ingenbohler eine Lehre als Maschinenschlosser. Später arbeitete er beim Kanton als Liegenschaften-Schätzer.
Toni ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und vier Grosskinder. Zu seinen Hobbys zählt der rüstige Rentner das Seniorenturnen in Brunnen, wo er zugleich als Präsident amtet. Unter den 64 Mitgliedern sind weitere ehemalige Schwinger wie Karl Steiner, Koni und Roman Aufdermaur. Weiter spielt Toni aktiv Faustball und bestreitet mit seinen Kameraden jährlich drei bis vier Turniere. Zudem besucht er immer noch regelmässig Schwingfeste.
Toni war mit seinen 178 Zentimetern keine Riese unter den Schwingern. Dennoch legte er mit seinen bevorzugten Schwüngen wie dem Kurz, Brienzer, Haken, Bur, Päckli und Bodenruggeli so manchen Gegner auf den Rücken.

Eine erfolgreiche Schwingerkarriere
Toni trat 1956 als 15-Jähriger beim Schwyzer Kantonalen in Einsiedeln an. Der Teenager war zwar noch ein Jahr zu jung. Da Toni für sein Alter ziemlich grossgewachsen war, meinte sein Klub-Präsident vom Schwingerverband am Mythen, dass sie ihn mitnehmen und anmelden. Beim letzten Gang schrieben sie ihm für einen Plattwurf ein „9.25“. Denn das Kampfgericht wollte nicht, dass Toni den Kranz gewann. Wohl um zu vermeiden, dass ein noch nicht im Aktiv-Alter schwingender Jüngling den Verantwortlichen Probleme verursacht. So begann die erfolgreiche Aktiv-Karriere des gelernten Maschinenschlossers.
Toni arbeitete nach seiner Berufslehre während einem Jahr in Zürich und trainierte dort mit dem Schwingklub Glatt- und Limmattal. Dabei traf er auf Schwinggrössen wie Karl Oberholzer und wurde dadurch noch stärker. Während seiner Zeit in Zürich hat der junge Sportsmann als Trainingsergänzung auch gerungen und gewann gar zwei Ringerkränze.
Mit 19 Jahren gewann Toni das Schwyzer Kantonale in Schindellegi. Einen weiteren Schwyzer Kantonalfestsieg errang der Mythenverbändler 1964 in Einsiedeln. 1967 schwang Toni beim Urner Kantonalen Jubiläumsschwingfest (50. Geburtstag des Urner Kantonalen Schwingerverbandes) in Bürglen obenaus. Ein Jahr später gewann der Familienvater das Zuger Kantonale in Menzingen und 1972 jenes in Rotkreuz. Im routinierten Alter von 33 Jahren gelang Toni 1974 der Sieg beim Rigi-Schwinget.

Eindrückliche Kranzbilanz
Toni erkämpfte sich insgesamt 78 Kränze, plus einen Amerikakranz, welcher aber bei der offiziellen Kranzstatistik nicht gezählt wird. Viermal konnte der Sennenschwinger Eidgenössisches Eichenlaub mit nach Hause nehmen. Nämlich 1964 von Aarau, 1966 von Frauenfeld, 1972 von La Chaux-de-Fonds und 1974 vom heimischen Schwyz. Beim Eidgenössischen am 24./25. August in Schwyz beendete Toni unweit von zuhause seine Karriere. Er war übrigens der einzige Schwyzer, welcher bei diesem ESAF den Kranz gewann. Die Innerschweizer mussten damals unten durch und gewannen nur sechs Kränze.
Nebst den vier Eidgenössischen Kränzen gewann Toni 17 Teilverbandskränze (13 Innerschweizerischer, 1 Berner, 1 NOS, 1 NWSV und 1 SWSV), 25 Bergfestkränze (12 Stoos, 7 Rigi, 5 Brünig und 1 Schwarzsee) sowie 32 Kantonalkränze. Toni ist Rekordkranzer auf dem Stoos und wie man unschwer feststellen kann, hat er jeden Teilverbandskranz und zu seiner Zeit möglichen Bergfestkranz mindestens einmal mit nach Hause genommen. Zu den erwähnten sechs Kranzfestsiegen kamen noch 15 Rangfestsiege hinzu.
Der vierfache Eidgenosse ergatterte sich zweimal sieben Kränze in einer Saison. Mehr Kränze hätte er zu seiner Zeit als Innerschweizer Schwinger gar nicht machen können. Das sind sehr eindrückliche Zahlen und ein Beleg für eine erfolgreiche Schwingerkarriere.


Toni’s gut gefüllter Kranzkasten

Episoden zum Schwarzsee-Kranz
Als Toni den Schwarzsee-Kranz gewann, wurde just zu diesem Zeitpunkt ein Jubiläum gefeiert. Beim Bergschwinget am Schwarzsee wären damals Ady und Sepp Zurfluh gemeldet gewesen. Ady wollte aber nicht antreten, weil am gleichen Sonntag der Rigi-Schwinget stattfand. Toni sprang ein, und gewann wie Sepp den begehrten Kranz. „Als wir an jenem Sonntagmorgen vor Ort eintrafen, hiess es, dass der Rigi-Schwinget wegen schlechtem Wetter verschoben wurde. Ich konnte dann am Sonntag darauf auch auf der Rigi starten. Ady hat dies ein wenig gefuchst“, ergänzt Toni.
Pius Betschart fuhr damals Toni und Sepp zum besagten Schwarzsee-Schwinget. Bevor die Reise losging, besuchte das Trio erst die Frühmesse im Kapuzinerkloster Schwyz. Sepp rechnete hinterher aus, dass Pius bei seiner rasanten Fahrt ins Freiburgische wohl einen Achtziger-Schnitt fuhr. Und dies wohl verstanden noch ohne Autobahn auf dieser Strecke. Toni erinnert sich: „Wir erreichten den Schwarzsee pünktlich. Aber: In der Garderobe war noch niemand anwesend. Wir waren die Ersten, und meinten gar, ob das Schwingfest eventuell auch nicht stattfindet. Denn das Wetter war zweifelhaft. Es wurde uns dann mitgeteilt, dass die anderen Athleten bald eintreffen werden.“

Wie Toni zu einem Appenzeller Kranz kam
In seiner Aktivzeit gewann Toni auch einen Appenzeller Kranz. Diesen sogenannt „unerlaubten“ Kranz gewann er aber nur durch eine List. Der schalkhafte Senior erklärt: „Der Appenzeller Josef Sutter, welcher kranzmässig auch zum Hunderter-Klub gehört, hatte in Siebnen einst eine Metzgerei. Ich trainierte eine Zeit lang viel mit ihm. Nach einem Training sagte er zu mir, dass er gerne mal auf dem Stoos antreten möchte. Ich entgegnete ihm, dass ich das organisieren kann, im Gegenzug aber ans Appenzeller Kantonale möchte. Das wurde so eingefädelt: Josef liess vermelden, dass ich bei der Brauerei Appenzell arbeite und ich gab an, dass Sepp Klosterknecht in Ingenbohl sei. Er machte dann den Kranz als „Sutter Josef, Brunnen“ und ich den Appenzeller als „Steiner Toni, Bühler“. Kurz vor dem Schwingfest bekam ein Funktionär Wind davon und telefonierte ins Appenzellerland, dass sie mich nicht starten lassen dürfen. Sie liessen mich aber dennoch gewähren. Bei diesem Schwingfest wurde ich zweimal (1. und 5. Gang) mit dem legendären Otto Brändle eingeteilt.
Peter Sutter, der Bruder von Sepp und Vater von Schwingerkönig Thomas Sutter, erzählte mir später, dass ich in einer Jubiläumsschrift des Appenzeller Schwingverbandes auch als Kranzgewinner Erwähnung fand. Die meisten wussten aber nicht, wer dieser „Steiner Anton, Bühler“ sei.“

Den Amerikakranz mit 48 Jahren gewonnen
Toni erzählt weiter: „Den Amerikakranz gewann ich bei einem Schwingfest in Squaw Valley, im Alter von 48 Jahren. Ich war damals schon längst zurückgetreten, trainierte aber immer noch. Am Vorabend des besagten Schwingfestes haben wir zusammen „plagiert“. Ich meinte in einer fröhlichen Rund: Ich habe halte kein Schwinger-Tenue dabei, sonst würde ich morgen grad schwingen. Alois Küttel entgegnete: Du kannst mein Tenue haben, das passt dir schon. So blieb mir nichts Anderes übrig und ich musste antreten. Am Schluss figurierten vier gewonnene Gänge auf meinem Notenblatt. Meine Frau war aber ob meinem kühnen Handeln gar nicht begeistert“.

Toni’s Schwingtraining
Toni absolvierte während seiner Aktivzeit pro Woche zwei Schwingtrainings und ging zudem jeden Montag zum Faustball-Training. Das Faustball-Training war damals sein Lockerungs-Training und half ihm gegen den Muskelkater nach den Schwingfesten. Die Trainingswoche sah im Winter wie im Sommer gleich aus. „Kantonaltrainings kannten wir damals in dem Sinne noch nicht. Aber vor dem Innerschweizerischen trafen wir Schwyzer Schwinger uns ein- oder zweimal zum gemeinsamen Training. Wir trainierten damals auf eigene Faust auch bei anderen Schwingklubs. So ging ich einige Male ins Muotatal zum Schwingtraining“, ergänzt der 76-Jährige.

Kader-Zusammenzüge vor Eidgenössischen Schwingfesten
Zu diesem Thema meint Toni: „Ja, das kannten wir auch schon. Wir trafen uns jeweils dreimal vor so einem Anlass, sowohl vor einem Eidgenössischen, wie auch vor dem Kilchberger Schwinget. Die selektionierten Innerschweizer Schwinger fanden sich damals in Luzern zum gemeinsamen Schwingtraining ein.“

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Nordostschweizer Schwinger – NOSV-Experte Jakob Heer gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Die 2017er-Saison war eine spannende Angelegenheit. Viele Höhepunkte, packende Duelle aber auch Überraschungen wurden uns Schwingerfreunden von Frühling bis Herbst serviert. Nach dem Ende der Saison gilt es jeweils auch, Bilanz zu ziehen. Heute folgt bereits die fünfte und letzte Experteneinschätzung, nämlich diejenige für den Nordostschweizerischen Schwingerverband.

Jakob Heer, ein fundierter Kenner der Schwingerszene in der Nordostschweiz, gab hier am 23. Februar seine Einschätzungen für die diesjährige Saison ab. Er rechnete mit einer spannenden Saison und gab zu Protokoll, dass die Nordostschweizer sich vor keinem anderen Verband verstecken müssen. Jakob erklärte auch, dass Armon Orlik und Samuel Giger in der vergangenen Saison das Zepter übernommen haben, und das Geschehen in der Nordostschweiz in den nächsten Jahren prägen werden.

Die beiden Jungstars sind eine wahre Bereicherung und haben das Schwinggeschehen in diesem Jahr in unterschiedlicher Form mitgeprägt. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir der Schlussgang beim Nordostschweizerischen in Davos. Ein Endkampf der Extraklasse! Trotzdem: Wie nahe Freud und Leid zusammenliegen, bekamen auch diese beiden Ausnahmeathleten zu spüren. So verletzten sich beide irgendwann während der Saison und mussten auf einige Ernstkämpfe verzichten. Beim Aargauer Kantonalen stockte wohl den meisten Schwingerfreunden der Atem, als Armon Orlik regungslos liegen blieb…

Aber: Nebst Orlik und Giger besteht die NOS-Mannschaft noch aus weiteren sehr guten Schwingern. Besonders erwähnenswert sind an dieser Stelle die Leistungen von Daniel Bösch beim Schwägalp-Schwinget oder diejenige von Martin Hersche beim Nordwestschweizerischen in Therwil BL.

Ich bedanke mich bei Jakob Heer, welcher mir die NOS-Bilanz schriftlich zukommen liess.


Jakob Heer, NOSV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Nordostschweizer?
Jakob Heer: Es gelang, den Sieg auf der Schwägalp und beim Nordostschweizerischen in den eigenen Reihen zu behalten. Beim Unspunnen-Schwinget resultierten Spitzenplatzierungen, auch wenn nicht alle Zugpferde ihre Leistung abrufen konnten. Vier verschiedene Sieger an den sieben Kantonalen zeugen davon, dass der NOS-Verband in der Breite zugelegt hat. Hinter Samuel Giger und Armon Orlik haben sich andere Schwinger der Spitze genähert.

Welches waren die Highlights für den Nordostschweizerischen Schwingerverband?
Heer: Sicherlich der mannschaftlich gute Auftritt auf dem Brünig. Samuel Giger hatte ein Notenblatt, das einem Eidgenössischen entspricht. Am Unspunnen überzeugten nicht alle, jedoch Samir Leuppi und Domenic Schneider sehr. Und natürlich der Schlussgang beim NOS in Davos zwischen Samuel Giger und Armon Orlik. Ein offener Schlagabtausch und der Abschluss eines vollauf gelungenen Anlasses. Auch „Burkis“ 100. Kranzgewinn auf der Rigi gehörte zu den Highlights des Jahres.

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Heer: Martin Hersche am Nordwestschweizerischen mit einem überraschenden Sieg, nachdem er zuvor auf der Rigi noch untendurch musste. Domenic Schneider über die ganze Saison. Er hat seinen Eidgenössischen Kranzgewinn eindrücklich bestätigt. Samir Leuppi speziell mit seinem ersten Kranzfestsieg beim Zürcher Kantonalen in Weiach sowie beim Unspunnen-Schwinget. Aber auch Samuel Giger mit vier Kranzfestsiegen und Daniel Bösch mit den Erfolgen beim St. Galler und auf der Schwägalp.

Welche Schwinger haben überrascht?
Heer: Martin Hersche mit seinen Auftritten auf dem Brünig und beim Nordwestschweizerischen in Therwil BL, Domenic Schneider mit einem Spitzenplatz beim Berner Kantonalen. Dominik Oertig überzeugte speziell in der ersten Saisonhälfte. Er ist technisch sehr gut beschlagen. Auch Roger Rychen und Stefan Burkhalter sorgten für Glanzlichter.

Welcher Nordostschweizer Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Heer: Schwinger des Jahres, wenn man das so benennen darf, ist Samuel Giger mit Siegen beim Glarner, Appenzeller, Schaffhauser und beim NOS. Er war 2017 der stärkste Nordostschweizer.
Shane Dändliker vom rechten Seeufer ist der Aufsteiger des Jahres. Er gewann nicht nur seinen längst fälligen ersten Kranz (beim St. Galler). Nach einem Ferienaufenthalt, der im wohl die Unspunnen-Teilnahme kostete, kehrte er im August stark auf die Schwingplätze zurück. Er könnte dem Zürcher Verband noch viel Freude bereiten und dem ganzen Kanton einen Schub verleihen.

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Nordostschweizer?
Heer: Wie erwähnt der Brünig, wo sich die Nordostschweizer bis zuletzt erfolgreich den Bernern stellten. Leider erwischten die Innerschweizer einen schwachen Start, sonst wäre es um den Tagessieg womöglich noch zu einem spannenden Dreikampf gekommen.

Was lief weniger gut?
Heer: Zwei Kränze auf dem Stoos und drei auf der Rigi waren eine eher magere Ausbeute. Auch wenn auf dem Stoos Pech dabei war, dass 56,25 Punkte nicht zu Kranzehren reichten. Auch am Baselstädtischen wäre mehr als ein Kranz (Samir Leuppi) möglich gewesen. Unweigerlich kommt mir in diesem Zusammenhang auch das Aargauer Kantonalfest in Brugg in den Sinn. Beim Konter von Bruno Gisler gegen Armon Orlik, worauf der Schlussgangteilnehmer von Estavayer2016 für einige Momente regungslos liegenblieb, hatten wohl alle im Stadion ein mulmiges Gefühl. Vor allem mental machte dies dem Bündner in der Folge zu schaffen. Auf der Schwägalp und in Interlaken hat er aber angedeutet, dass er auf dem Weg zurück an die nationale Spitze ist.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget für den Nordostschweizerischen Teilverband?
Heer: Ein Fest mit Höhen und Tiefen. Armon Orlik zeigte bis zum Ausstich eine gute Leistung, auch Daniel Bösch hatte einmal mehr ein starkes Notenblatt vorzuweisen. Domenic Schneider, Samir Leuppi, Michael Bless und Fabian Kindlimann gehören zu den Siegern von Unspunnen. Enttäuschend waren einige Mittelschwinger, von denen ich mir mehr erhoffte, die es nicht einmal in den Ausstich schafften. Frühzeitig musste der Verband alle vier Ersatzschwinger aufbieten. Dass die Nordostschweizer nicht die Breite wie die Berner und Innerschweizer besitzen, hat sich dabei wieder gezeigt.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Nordostschweizerischen Teilverband?
Heer: Martin Hersche befand sich in ausgezeichneter Form und fiel eine Woche vor dem Saisonhöhepunkt im dritten Gang auf der Schwägalp aus. Das ist ein hartes Verdikt für einen Sportler. Samuel Giger verletzte sich am Schaffhauser im Duell gegen Daniel Bösch, wollte sich aber noch bis zum Saisonhöhepunkt durchquälen. Letztlich war sein Verzicht auf den Unspunnen-Schwinget der richtige Entscheid.
Ob sie am Sonntagmorgen Christian Stucki hätten aufhalten können, ist eine andere Sache. Stucki hat sich den Sieg in Interlaken verdient, unabhängig vom riesigen Verletzungspech der Inner- und Nordostschweizer. Und auch bei den Bernern fehlten ja ein paar bekannte Namen.

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welcher Schwinger hat dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Heer: Marcel Bieri. Der Zuger gefällt mir mit seinem unbändigen Siegeswillen und Offensivdrang. Er erinnert mich ein wenig an Geni Hasler, der auch stets aus allen Lagen die Entscheidung suchte.

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Berner Schwinger – BKSV-Experte Manfred Schneider gibt Auskunft

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: Manfred Schneider

Bei den Experteneinschätzungen sind wir nun bereits bei den Bernern angelangt. Für den zurzeit stärksten Teilverband fragte ich vor dieser Saison Manfred Schneider an. Das eidgenössische Ehrenmitglied sagte glücklicherweise zu. Manfred war bis 2016 Eidgenössischer Technischer Leiter Jungschwingen, und kennt das Schwinggeschehen im Bernbiet natürlich bestens.

Der Berner gab am 20. März seine Einschätzung für die bevorstehende 2017er-Saison ab. Dabei erwähnte er, dass die Berner im Moment noch die breiteste Spitze haben. Daran gibt es nichts auszusetzen. So wie die Berner Schwinger in den letzten Monaten aufgetreten sind, konnte man für den Saisonhöhepunkt, den Unspunnen-Schwinget, für die anderen Teilverbände nur das Schlimmste befürchten. Auch wenn zwei Mutzen den Schlussgang bestreiten durften: Soweit kam es dann doch nicht. Mit Christian Stucki gewann in Interlaken jener Schwinger, welcher nicht nur im Bernbiet alle überragte. Stucki war der beste Schwinger der Saison.

Aber auch die Berner hatten ihre Verletzten zu beklagen. So fielen nebst anderen die beiden Schwingerkönige Matthias Glarner und Matthias Sempach aus. Letzterer versuchte sich mit einem nicht vollumfänglich geglückten Comeback beim Unspunnen-Schwinget.
Dafür traten andere Schwinger positiv in Erscheinung. Beispielsweise der Haslitaler Kilian von Weissenfluh, mit welchem ich vor dem Brünig-Schwinget ein Gespräch führte.

Mein Dank geht an Manfred Schneider. Er übermittelte mir seine Antworten schriftlich.


Manfred Schneider, BKSV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Berner?
Manfred Schneider: Ich glaube, der Berner Kantonale Schwingerverband (BKSV) darf sehr zufrieden sein mit dem Verlauf der 2017er-Saison.

Welches waren die Highlights für den Berner Teilverband?
Schneider: An erster Stelle steht sicher der Sieg beim Unspunnen-Schwinget. Aber auch die Bergfestsiege am Schwarzsee, auf dem Weissenstein und Brünig gehören zu den Highlights der Saison.

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Schneider: Christian Stucki, Kilian Wenger, Matthias Aeschbacher, Simon Anderegg, Bernhard Kämpf, Thomas Sempach und Curdin Orlik sorgten in meinen Augen am meisten für Furore.

Welche Schwinger haben überrascht?
Schneider: Das ist einerseits sicher Phillipe Reusser mit dem Sieg auf dem Brünig. Andererseits aber auch die beiden jungen Kilian von Weissenfluh und Fabian Staudenmann.

Welcher Berner Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Schneider: Christian Stucki ist für mich der Schwinger des Jahres. Der Seeländer überzeugte mit Siegen beim Unspunnen-Schwinget, Bernisch Kantonalen, Brünig, Weissenstein, sowie am Mittelländischen und Seeländischen Schwingfest.
Als Aufsteiger der Saison bezeichne ich den Nachwuchsschwinger Fabian Staudenmann mit Jahrgang 2000. Fabian brillierte mit den Kränzen auf dem Brünig sowie beim Mittelländischen, Oberaargauischen und Seeländischen Schwingfest.

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Berner?
Schneider: Auch wenn einige Spitzenschwinger wegen Verletzungen ausgefallen sind: Andere haben sich ins Zeug gelegt und bescherten dem Bernisch Kantonalen Schwingerverband viel Erfolg.

Was lief weniger gut?
Schneider: Verbessern kann man sich immer. Aber ich denke, es wäre Jammern auf hohem Niveau, wenn man die 2017er-Saison der Berner Schwinger unter die Lupe nimmt.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget, für die Berner?
Schneider: Zwei Berner Schwinger im Schlussgang sagen eigentlich alles. Dazu braucht es vom Verantwortlichen in der Einteilung bis hin zu den Schwingern, Betreuern, Masseuren und dem Arzt alle, um solch einen Erfolg feiern zu können.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Berner Teilverband?
Schneider: Ich vermute, es wären gar noch ein paar Kränze mehr drin gelegen. Eventuell auch weitere „Bernerpaarungen“ …

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welche Schwinger haben dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Schneider: Einmal mehr die sogenannten jungen „Wilden“, angeführt von Samuel Giger, Joel Wicki, Nick Alpiger, Lario Kramer und Armon Orlik. Ihre angriffige Schwingweise hat uns in diesem Jahr wieder viel Freude bereitet und führte zu einigen Schwingfestsiegen.
Weiter erwähne ich Jeremey Vollenweider (Mitglied beim Schwingklub Schaffhausen), welcher im Frühling 2016 knapp am Tode vorbeiging. Von Herbst 2016 bis Februar 2017 besiegte der junge Mann mit einer Chemotherapie seine Krebs-Erkrankung. Jeremy durfte sich in der zu Ende gegangenen Saison beim Schaffhauser Kantonalen den Kranz aufsetzen lassen und wurde beim Eidgenössischen Nationalturntag in Eschenbach LU in der Leistungsklasse L2 Schweizermeister. Da ziehe ich einfach meinen Hut, Super und Bravo!

feldwaldwiesenblogger

Der Urner Kantonale Schwingerverband feiert sein 100-jähriges Bestehen

Text und Fotos: Elias Bricker

Es waren nicht Sennen, die das Schwingen in Uri anfänglich geprägt haben, sondern zugezogene Eisenbahnangestellte. Das zeigt die Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum des Urner Kantonalen Schwingerverbands.

Am kommenden Samstag feiert der Urner Kantonale Schwingerverband (UKSV) offiziell sein 100-jähriges Bestehen. An den Jubiläumsfeierlichkeiten in Schattdorf werden rund 230 geladene Gäste teilnehmen – Schwinger, Funktionäre, Ehrenmitglieder, Veteranen, Delegierte und Ehrengäste.

Neben einem Gedenkgottesdienst mit dem Jodelklub Bärgblüemli in der Pfarrkirche um 15 Uhr, dem anschliessenden Festumzug zur Aula Gräwimatt und den Ehrungen von verdienten Mitgliedern anlässlich des Festaktes, gibt es einen speziellen Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten: Der Kantonale Schwingerverband präsentiert eine 120 Seiten dicke Festschrift, welche angereichert mit vielen Bildern die Geschichte der Urner Schwinger Revue passieren lässt.


Die Schwingfeste wurden immer grösser, wie ein Foto vom „Kantonalen“ von 1938 in Schattdorf zeigt

Beim ersten Kantonalen kämpften 22 Schwinger um Kränze
Das Schwingen ist eine jahrhundertealte Tradition – vermutlich auch im Kanton Uri. Dennoch waren es nicht Urner Sennen, welche die Sportart vor hundert Jahren entscheidend geprägt hatten, wie man vielleicht annehmen könnte. Ende des 19. Jahrhunderts organisierten insbesondere Unterschächner Wirte sowie der Altdorfer Quartierverein Lehnstaat regelmässig so genannte Älplerfeste. Schwingen wurde aber auch populär, weil gerade die ersten Turnvereine im Kanton sich vor allem dem Nationalturnen verschrieben hatten – so etwa jene von Altdorf, Erstfeld oder Flüelen.

Einen regelrechten Innovationsschub erlebte das Schwingen im Kanton aber dank der Gotthardbahn. Viele auswärtige Schwinger aus dem Mittelland fanden bei der Eisenbahn eine Arbeitsstelle. Diese waren schliesslich auch die Initianten, neben einigen anderen Urnern, welche 1917 die Gründung des Urner Kantonalen Schwingerverbands vorantrieben. Und es ist daher kein Zufall, dass gerade Schwinger aus Erstfeld und Göschenen in den Anfangsjahren die grössten Erfolge feierten.

Inzwischen ist viel passiert. Nahmen am ersten Kantonalen Schwingfest 1919 in Göschenen gerade einmal 22 Schwinger teil, waren es am «Kantonalen» im vergangenen Mai mehr als 200 Athleten. Dazu kamen rund 3000 Zuschauer. «Nicht nur die Schwingfeste wurden immer grösser, sondern auch das ganze Drum und Dran», sagt UKSV-Präsident René Schuler aus Seedorf (Schwingklub Altdorf). «Schwingen ist heute so populär wie noch nie. Ich bin überzeugt, dass die friedliche Stimmung und die gelebten Traditionen an einem Schwingfest die Erfolgsfaktoren unserer Sportart sind.»


Der Sennenschwinger Ady Zurfluh aus Attinghausen ist mit 85 Kränzen und 16 Kranzfestsiegen bis heute der erfolgreichste Urner Schwinger

Die erfolgreichsten Jahre liegen weit zurück
Die Nachwuchsförderung nimmt beim Schwingerverband einen immer grösseren Stellenwert ein. Deshalb wurde ihr in der Festschrift ein eigenes Kapitel gewidmet. «Die Jungschwinger wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer jünger», weiss Schuler. Bis in die Siebzigerjahre hätten sie mindestens sechzehn Jahre alt sein müssen. «Heute trainieren aber bereits zum Teil Sechsjährige in der Halle», so der Präsident.

Doch so erfolgreich die Sportart heute ist, ein Blick in die Festschrift zeigt auch: Die Urner feiern längst nicht mehr so viele Erfolge wie noch vor Jahrzehnten. In den Sechziger- und Siebzigerjahren holten sie insgesamt regelmässig mehr als sechzig Kränze pro Jahr. Und alleine Ady Zurfluh aus Attinghausen gewann in seiner Karriere deren 85. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison gewannen die Urner 26 Kränze – auch dank den aktuellen Urner Aushängeschildern Andi Imhof und Stefan Arnold. «Damit sind wir zufrieden und auf dem richtigen Weg», sagt Schuler.

«Das hat man so noch nie gesehen»
Die Kranzerfolgsstatistiken machen wie in jeder Schwinger-Festschrift einen grossen Teil des neuen UKSV-Buches aus. «Doch eine solche Erfolgsstatistik hat man in einem Schwingerbuch noch nie gesehen», sagt Robi Indergand, Präsident der Jubiläumskommission. Denn es sind nicht nur einfach in einer Liste chronologisch alle Kranzerfolge und Festsiege der Urner Schwinger aufgeführt. Stattdessen würden die Erfolge grafisch dargestellt – und zwar sortiert nach Jahr, Klub und Schwinger. «So ist ein wunderbares Nachschlagewerk entstanden», so Indergand.

Zudem werden in der Festschrift sämtliche noch lebende «Eidgenossen» und Kranzfestsieger in einem Porträt vorgestellt – von Hans Schaffner, der Ende der Vierzigerjahre seine ersten grossen Erfolge feierte, bis hin zum heutigen Spitzenschwinger Andi Imhof. «Diese Festschrift ist eine sehr gelungene Sache», freut sich auch René Schuler.

Die Festschrift kostet 25 Franken. Diese wird ab kommender Woche bei Imholz Sport in Bürglen, am Ticketcorner der Urner Zeitung in Altdorf sowie im Kiosk vom früheren Spitzenschwinger Adelbert Gisler am Fleschsee erhältlich sein. Zudem verkaufen auch die Schwingklubs die Festschrift, oder man kann man sie unter www.uksv.ch bestellen.


Die Jubiläumskommission, von links: Robi Indergand, Bruno Aschwanden, Stefan Bissig, Peter Arnold, Sepp Schilter, Elias Bricker und Sepp Arnold.

Jubiläumskommission leistete zwei Jahre Arbeit
Für die 100-Jahr-Feierlichkeiten bestellte der Urner Kantonale Schwingerverband (UKSV) extra eine Jubiläumskommission. Diese hat in den vergangenen zwei Jahren die Festschrift verfasst und zusammen mit dem Schwingklub Schattdorf den Jubiläumsanlass vom kommenden Samstag vorbereitet.
In der Jubiläumskommission sind alle sechs Urner Schwingklubs sowie der Kantonalverband durch eine Person vertreten. Präsident der Kommission ist Robi Indergand (Schwingklub Erstfeld). Er kümmerte sich zusammen mit Sepp Schilter (Vizepräsident UKSV) und Bruno Aschwanden (SK Schattdorf) für die Organisation des Festanlasses. Für die Erstellung der Festschrift waren Peter Arnold (SK Altdorf), Sepp Arnold (SK Bürglen), Stefan Bissig (SK Altdorf) sowie Elias Bricker (SK Flüelen) verantwortlich.

feldwaldwiesenblogger

Wie geht es den Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert und Dario Gwerder?

Text: feldwaldwiesenblogger

Kürzlich führte ich mit den jungen Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert (22-jährig) und Dario Gwerder (wird im Dezember 20-jährig) ein Gespräch. Zur Erinnerung: Ralf fiel wegen einer Verletzung die ganze Saison aus, Dario musste nach dem Luzerner Kantonalen die Saison abbrechen. Ich wollte von beiden wissen, wie es ihnen geht und wie sie 2017 mit ihrer Verletzungsgeschichte erlebt haben. Weiter unterbreitete ich den beiden Jungtalenten den Vorschlag, sie auf dem Weg zurück mit weiteren Blogbeiträgen zu begleiten. Beide bejahten das Unterfangen. Heute folgt in dem Sinn also der Startschuss.


Ralf Schelbert konnte 2017 kein Schwingfest bestreiten
Foto: feldwaldwiesenblogger

Kurzer Rückblick auf die Verletzungsgeschichte
Ralf: Meine Verletzungsgeschichte ist etwas kompliziert. Zwei oder drei Trainings vor dem Hallenschwinget Sarnen (12. März) begann ich im linken Knie ein Ziehen zu spüren. Beim Turntraining unserer Aktivriege konnte ich wegen den Schmerzen einige Übungen gar nicht mehr mitmachen. Darauf ging ich zum Arzt und es folgte ein MRI-Untersuch. Ich hatte mir ja vor gut zwei Jahren das Innenband jenes Knies gerissen. Bei der Operation wurde damals das Ganze am Knochen angeankert. Man vermutete nun, dass ein Anker zu nah beim Gelenk ist, und deswegen Schmerzen verursachte. Es kam zu einer Operation. Bei dieser wurde der Knochen angebohrt, und der störende Anker entfernt. Während der Operation stellten die Ärzte dann fest, dass ich einen Knorpelriss beim Kniegelenk habe. Wie mir erklärt wurde, kann man bei einem Knorpelriss nicht viel machen, ausser diesen zu glätten. Ich habe versucht, die Heilung mit Eigenblut-Spritzen anzuregen, damit der Riss gut zusammenwächst. Die Heilung hat auch darum lange gedauert, weil der Knochen angebohrt war und er nahe beim Gelenk ist. Der Knochen musste wieder vollständig zusammenwachsen. Deshalb konnte ich gar nie in die Saison einsteigen. Denn es wäre ein zu grosses Risiko gewesen, dass etwas absplittern könnte. Es sollte nun aber wieder alles gut sein.

Dario: Meine Verletzungsgeschichte begann beim Luzerner Kantonalen. Beim fünften Gang lief ich mit meinem Gegner zum Platzrand. Ich liess los, und dachte der Kampf sei vorbei. In diesem Moment packte er mich am Knie und wollte mich hochheben. Dabei drehte ich mich aus und hörte einen Knacks im Knie. Ich kümmerte mich aber nicht weiter darum. Denn gut zwei Wochen später hätte ich sowieso wegen der bevorstehenden Lehrabschlussprüfung (LAP) mein Training unterbrochen. Ich wollte dann nach den Prüfungen weiterschauen. Das Knie war nach dem Luzerner Kantonalen geschwollen. Vor der LAP ging ich sogar noch heuen und ich konnte mich soweit ohne Probleme bewegen. Der Schwarzsee-Schwinget stand etwas später auf dem Programm, und ich dachte mir, dass es bis dahin wieder gehen sollte. Ich bat trotzdem meinen Arzt um einen Untersuch. Dieser ordnete ein MRI an, bei welchem festgestellt wurde, dass das vordere Kreuzband gerissen ist. Ich entschied mich für eine Operation, welche am 30. Juni erfolgte.

Wie verlief der Heilungsprozess? Sind die Verletzungen vollständig ausgeheilt?
Ralf: Zuerst hatte ich das Gefühl, dass die Heilung etwas schleppend verläuft, da ich noch länger etwas spürte. Ich fuhr dann viel Velo, damit es mir durch die Bewegungen das Knie durchspült. Als ich wieder mehr Sport trieb, ging einen Ruck durch meinen Körper und es ging immer besser. Ich bin inzwischen wieder voll im Training und trainiere derzeit viermal pro Woche. Ich spüre mein operiertes Knie zwar schon ein wenig. Aber: Es ist gut, wenn man etwas spürt. Das Gegenteil wäre wohl nicht so gut. Mittlerweile ist alles gut verheilt und ich bin zufrieden, wie es verlief. Denn es läuft immer besser.
Nach der Operation Ende März durfte ich während sechs Wochen mein linkes Knie überhaupt nicht belasten. Anschliessend begann ich mit der Physiotherapie. Dort wurde mir einiges gezeigt und ich durfte langsam wieder mit dem Velofahren beginnen. Bei der Physio habe ich zudem viel gelernt. Vor gut einem Monat stieg ich wieder ins normale Kraft- und Konditionstraining ein. In der Zeit, wo ich nicht trainieren konnte, habe ich einiges an Muskelmasse verloren. Darum ist jetzt ein richtiger Aufbau sehr wichtig, damit ums Knie wieder genügend Muskeln gebildet werden. Wenn die Basis wieder vorhanden ist, beginne ich mit dem Schwingtraining. Dies wird im Dezember der Fall sein.

Dario: Nach der Operation verspürte ich keine grossen Schmerzen. Die Krücken als Gehhilfe benötigte ich nur während drei Wochen und die Muskelmasse verkleinerte sich darum auch nicht gross. Ich machte dann bis Ende August eine Trainingspause, machte aber bis viermal pro Woche Physiotherapie. Jetzt trainiere ich wieder leicht. Ich fahre vor allem Velo und mache Krafttraining. Ich kann aber noch nicht alle Übungen mitmachen, da ich das Knie noch spüre. Das ist aber sicher ein gutes Zeichen. Mit dem Schwingtraining kann ich voraussichtlich im kommenden Februar oder März beginnen. Es wurde mir gesagt, dass man sechs Monate nach der Operation allenfalls mit Schulschwingen ein bisschen starten kann. In der Regel sollte man aber acht bis neun Monate mit dem Schwingtraining warten. Der Heilungsprozess verlief bis anhin sehr gut.


Dario Gwerder gewann 2017 immerhin zwei Kränze, bevor er verletzungsbedingt ausfiel
Foto: feldwaldwiesenblogger

Wie habt ihr das mental verarbeitet, dass ihr in letzter Zeit bei Schwingfesten nur zuschauen durftet? Was gab euch besonders Mut und Zuversicht?
Ralf: Am meisten hat es mich anfangs Saison beschäftigt, auch dass ich nicht ans Schwyzer Kantonale konnte. Ich wäre parat gewesen. Mit der Zeit habe ich es aber akzeptiert und konnte damit gut umgehen.
Ich habe in diesem Jahr sehr viel dazu gelernt, und hatte gute Leute zur Seite. Ich lernte einiges über den Körper und wie man richtig aufbaut. Ich mache das Krafttraining nun anders als vorher. Diese Erkenntnisse haben mir Mut gegeben, damit es gut weitergeht. Daran konnte ich mich festhalten.

Dario: Im Gegensatz zu Ralf durfte ich 2017 immerhin ein paar Schwingfeste bestreiten und konnte zwei Kränze gewinnen. Für mich war es so gesehen sicher weniger schlimm. Trotzdem hat mir die Verletzung zu denken gegeben. Und das Innerschweizerische musste ich vom Spitalbett aus im TV verfolgen, das war schon hart. Als dann die Physiotherapie losging, begann ich je länger je weniger an die Verletzung, dafür umso mehr an die nächste Saison zu denken. Auch ich konnte von der Physio profitieren und habe seither viel gelernt. So zum Beispiel wie man richtig aufbaut. Überdies habe ich meinen Körper vorher gar nicht gross gekannt. Ich lernte zudem, welche Positionen man beim Training einnimmt.

Für was fandet ihr während eurer Zwangspause Zeit, was sonst während einer normalen Schwingsaison zu kurz gekommen wäre?
Ralf: Ich hatte mehr Zeit für meine Freundin und meine Kollegen. Es ging auch dann und wann mal in den Ausgang, was man vor einem Schwingfest nicht machen würde. Weiter fuhr ich viel Velo. Und in den Vordergrund trat auch meine Arbeit. Ich habe in dieser Zeit mit der Vorarbeiterschule begonnen. Dies erfordert, dass ich in meiner Freizeit lernen muss. Schwingfeste schauen wurde in dieser Zeit auch zu einem Hobby.

Dario: Auch ich hatte mehr Zeit für meine Freundin. Und es blieb auch Zeit für die Planung unseres neuen Stalles zuhause. Dies brachte mich auf andere Gedanken. Weiter lernte man die Schwingfeste von einer anderen Seite kennen.

Wie lange habt ihr wegen den Verletzungen eigentlich an euren Arbeitsplätzen gefehlt? Was macht ihr derzeit beruflich?
Ralf: Ich fehlte zwei Monate an meinem Arbeitsplatz. Ich arbeite als Zimmermann und absolviere wie erwähnt seit dem Juni eine Weiterbildung als Vorarbeiter.

Dario: Ich schloss im vergangenen Juni meine Lehre als Netzelektriker ab. Seit der Operation am 30. Juni fiel ich unfallbedingt aus. Ab dem 16. Oktober darf ich wieder zu 50 Prozent arbeiten. Ich arbeite dann zuhause auf dem elterlichen Bauernbetrieb und helfe beim Bau des neuen Stalles.


Ralf schwang in Estavayer gar mit dem späteren Schwingerkönig Matthias Glarner
Foto: Rolf Eicher

Ich nehme an, ihr habt eure Kameraden vom Schwingklub Muotathal während der 2017er-Saison trotzdem bei Schwingfesten unterstützt. Wie sieht die Saisonbilanz eures Klubs aus?
Ralf: Dario gewann in der ersten Saisonhälfte zwei Kränze. Es traten dann andere Schwinger in den Vordergrund. Einer ist Carlo Gwerder, welcher sich Kränze beim Schwyzer und Urner Kantonalen sowie auf der Rigi erkämpfte. Dies ermöglichte ihm die erstmalige Teilnahme beim Unspunnen-Schwinget. Wir hatten leider einige Verletzte zu beklagen. Nebst mir und Dario erwischte es auch unseren Cousin Andre Bürgler.

Dario: Zeitweise fiel auch Guido Gwerder verletzungsbedingt aus. Die Situation mit den verletzten Schwingern schlug ein wenig auf die Moral unserer Kollegen.

Ralf: Deswegen war auch keine Konstanz vorhanden, auch bei den Trainings nicht. Denn wenn zwei oder drei fehlen die ziehen, fehlt es den anderen auch ein wenig an der Motivation. So ist man halt nicht bei den Leuten und kann höchstens mal einen Exploit landen. Trotzdem: Zwei oder drei unserer Kollegen haben sich diese Saison gemacht und machten einen Schritt nach vorne. Ich bin gespannt wie es ist, wenn wieder alle im Training sind.

Dario: Nebst Carlos Erfolgen konnten wir den Brünigkranz von Guido und den Innerschweizer Kranz von Stefan Heinzer feiern. Trotz allem waren das doch schöne Erfolge!

Ralf: Diese Highlights haben auch mich überrascht. Erwähnen darf man auch Stefan’s Auftritt beim Schwyzer Kantonalen, welcher zur Mittagspause mit drei gewonnen Gängen an der Spitze lag. Leider fiel er noch unglücklich aus dem Kranz. Über alles betrachtet dürfen wir aber sicher zufrieden sein.

Wie sieht euer Training momentan aus?
Ralf: Ich bin wie erwähnt wieder voll im Training. Das sind wöchentlich zweimal Krafttraining in unserem Schwingkeller und zwei Ausdauereinheiten auf dem Velo. Jetzt ist Grundlagentraining angesagt. Das, was mal war, kommt nun relativ schnell wieder. Anfangs Dezember beginnt beim Schwingklub Muotathal wieder das Schwingtraining, bei welchem ich auch wieder einsteigen werde.

Dario: Wie bereits erklärt, trainiere ich noch nicht mit voller Intensität. Wöchentlich trainiere ich wie Ralf auch viermal. Ich mache jene Übungen, welche gehen und bei einigen muss ich mich noch zurückhalten und auf mein Knie achten. Die Ausdauereinheiten absolviere ich zuhause auf einem Hometrainer. Dies als Vorsichtsmassnahme, um allenfalls Stürze beim Velofahren zu vermeiden. Ins Schwingtraining steige ich voraussichtlich im kommenden Februar oder März.


Dario durfte 2016 als Neukranzer gleich einen Lebendpreis in Empfang nehmen
Foto: Dario Gwerder

Wie sieht der Trainingsplan im Winter aus?
Ralf: Auf dem Programm stehen zwei Schwingtrainings, sowie Kraft- und Ausdauereinheiten. Wir trainieren nach einem Plan und die Grundlagen werden jetzt erarbeitet. Jetzt gilt es, diesbezüglich Vollgas zu geben. Während dem Winter trainiere ich etwa fünf- bis sechsmal pro Woche. Dabei kann man natürlich nicht bei jedem Training 100 Prozent geben. Dazu gehört beispielsweise auch eine lockere Ausfahrt mit dem Velo. Da ich zu 100 Prozent arbeite, muss ich alles irgendwie unter einen Hut bringen.
Im Dezember beginnen wir erst mit dem Schulschwingen. Wir halten es so, dass wir beim Mittwoch-Training das Schulschwingen praktizieren und am Freitag bereits ein wenig wettkampfmässig schwingen.

Dario: Beim Schulschwingen zeigen wir uns gegenseitig Schwünge. Das heisst, jeder Schwinger führt in jedem Training einen Schwung vor.

Ralf: Wenn einer einen Schwung gut beherrscht, zeigt er ihn den anderen. Seit diesem Jahr besitzt unser Klub eine Kamera, welche uns beim Training filmt. So können wir uns überprüfen und hinterher besprechen, was gut ist oder was es zu verbessern gibt. Es gilt auch, die Schwünge, welche man schon hunderte Male gemacht hat, weiterhin zu üben. Damit diese bei einem Schwingfest ohne Probleme abrufbar sind. Für einen neuen Schwung braucht es etwa zwei bis drei Jahre, bis man ihn richtig beherrscht. Ich bin froh, wenn ich drei oder vier Schwünge gut beherrsche und diese auch bei Wettkämpfen anzuwenden weiss.

Dario: Während den kommenden ein bis zwei Monaten muss ich trainingsmässig noch etwas vor- und nachgeben. Danach möchte ich genauso intensiv Kraft und Ausdauer trainieren, wie es Ralf jetzt schon handhabt. Ich denke, dass ich etwa fünfmal pro Woche trainieren werde. Und ab Februar oder März möchte ich auch wieder ins Schwingtraining steigen. Das wird dann sicher happig für mich werden.

Auf was legt ihr beim Wintertraining besonderen Wert?
Dario: Dass die einzelnen Übungen fürs Krafttraining korrekt ausgeführt werden. Ich habe dabei sehr viel aus der Physiotherapie mitgenommen.

Ralf: Die grundlegendste Änderung wird bei mir, wie auch bei Dario, das Training im physischen Bereich sein. Das ist doch ziemlich anders als bisher. Das Schwingtraining wird in etwa gleichbleiben und unser TK-Chef hat seine Linie. Denn die letzten Jahre bin ich dabei immer einen Schritt nach vorne gekommen. Ich denke, ich werde physisch noch bereiter sein als in anderen Jahren. Das Ziel ist auch, gut darauf zu achten, was man macht.

Dario: Da wir nun gezielter vorgehen, machen wir dabei sicher weniger unkontrollierte Dinge.

Ralf: Das mentale Training ist sicher ein Thema bei mir. Ich habe letztes Jahr wieder einen Anlauf gekommen. Dann kam leider die Operation und der Unterbruch dazwischen. Momentan mache ich diesbezüglich eigentlich nichts. Das wird sich wohl vor der Wettkampfzeit wieder ändern.

Dario: Ich denke, wenn ich das Schwingtraining aufnehme, schaue ich darauf, wie es mir geht. Denn zu diesem Zeitpunkt geht es bald schon Richtung Saisonstart. Ich möchte dann die Verletzung gewissermassen aus meinem Kopf gelöscht haben. Es wird sich zeigen, wie gut ich das ausblenden kann.

Ralf: Wegen der Verletzung mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Denn wenn man einen guten Aufbau macht, denkt man eigentlich gar nicht mehr daran. Wenn es nach ein paar Schwingtrainings wieder zu laufen beginnt, kommt sicher auch das Selbstvertrauen zurück.

Habt ihr euch eigentlich schon Ziele für die 2018er-Saison gesteckt? Wie würden die aussehen?
Ralf: Sportliche Ziele habe ich mir noch nicht gesteckt. Ich möchte im Training Schritt um Schritt vorwärtskommen. Meine grössten Ziele sind dabei, noch weiter nach vorne zu rücken, auch im physischen Bereich. Dass ich die Schwünge, welche ich im letzten Winter anzutrainieren begann, im kommenden Frühling beherrsche. Und dass ich diese Schwünge auch in einem Wettkampf anwende, nicht bloss im Training.

Dario: Mein grösstes Ziel ist, dass ich nächstes Jahr mein Comeback geben und dabei beschwerdefrei schwingen kann. Ich weiss sowieso noch nicht, ob ich bereits anfangs Saison Schwingfeste bestreiten kann. Vermutlich kann ich bei den Frühjahrsschwinget noch nicht antreten.

feldwaldwiesenblogger