„Dr Täfäli-Buäb“ beantwortet Fragen zur Abgeordnetenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbandes

Am vorletzten Wochenende fand in St. Gallen die Abgeordnetenversammlung (AV) des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) statt. In der Tagespresse fand ich von dieser Versammlung nichts vor. Im Online-Teil des SCHLUSSGANG’s wurden zwei Berichte und einer bei schwingenonline.ch dazu aufgeschaltet. Trotzdem habe ich im Nachgang zu dieser Versammlung und deren getroffenen Entscheidungen brennende Fragen. Für solche Fälle habe ich seit Anfang Jahr niemand geringeres als den „Täfäli-Buäb“. Dieser beantwortete mir schon am 4. Januar wichtige Fragen: „Dr Täfäli-Buäb“ beantwortet Fragen zur Neuregelung der Teilnahme an Kranz- und Rangschwingfesten ausserhalb des eigenen Teilverbandes.

Täfäli-Bueb_Bild
Dr Täfälibuäb weiss Rat
Bildquelle: unbekannt

Welche wichtigen Anträge wurden an der Abgeordnetenversammlung (AV) des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) angenommen?
Die Nordost- und Innerschweizer stellten je zwei Anträge, wobei die Nordostschweizer ihren ersten Antrag zugunsten des zweiten Antrages der Innerschweizer zurückzogen.
Die Nordostschweizer forderten beim ersten Antrag, dass jeder Schwingklub oder Sektion viermal an einem Schwingfest ohne Kranzabgabe ausserhalb seines Teilverbandes teilnehmen darf.
Bei ihrem ersten Antrag forderten die Innerschweizer für geografisch direkt benachbarte Klubs einen Sonderstatus, der das Gästekontingent nicht belastet. Für diesen Antrag setzten sich speziell die Schwingklubs March-Höfe und Einsiedeln ein, welche oft an Wettkämpfe in der benachbarten Nordostschweiz (Glarus, St. Gallen, Zürich) eingeladen werden.
Beim zweiten Antrag der Innerschweizer („Schwingfeste ohne Kranzabgabe“) beantragte der ISV, dass die sechs Schwingfeste, die bei Einladungsbegehren bislang einen Sonderstatuts genossen (Allweg-Schwinget, Berchtold-Schwinget, Herbstschwinget Siebnen, Frühjahrsschwinget Pfäffikon, Niklaus-Schwinget und Olma-Schwinget) diesen behalten zu dürfen. Die Nordostschweizer unterstützten dabei die Innerschweizer. Eher überraschend fanden alle drei Anträge Zustimmung.

Was bedeutet das in Zukunft für die Gästeregelungen an Schwingfesten?
Status quo. Der Eidgenössische Schwingerverband muss seine im Juli 2015 veröffentlichten neuen Richtlinien den AV-Beschlüssen der Versammlung anpassen. Das heisst auch, dass die sechs erwähnten Feste weiterhin einen Sonderstatus geniessen.

Für die grosse Zahl der anderen Rangschwingfeste gilt aber weiterhin die neue Regelung, welche seit anfangs Jahr in Kraft ist? Wie sieht die nochmals aus?
Grundsätzlich sollen Schwingfeste ohne Kranzabgabe dazu dienen, freundschaftliche Beziehungen zwischen den Klubs aufzubauen. Darauf basierend können später Gästegesuche an Kranzfeste gestellt werden. Schwinger, welche nicht mindestens vier Schwingfeste ohne Kranzabgabe bestreiten, dürfen im Folgejahr ausserhalb des eigenen Teilverbandes an keinem Kranzschwingfest teilnehmen.
Jeder Schwingklub darf an sein eigenes Schwingfest maximal 20 Schwinger, welche aus höchstens zwei Schwingklubs oder Sektionen stammen, einladen. Kann der eingeladene Schwingklub oder Sektion diese Anzahl Schwinger nicht stellen, darf mit Schwingern aus Schwingklubs oder Sektionen desselben Kantonal- oder Gauverbandes aufgefüllt werden. In Ausnahmefällen kann der ZV für Schwingfest-Jubiläen eine spezielle Bewilligung erteilen.

Die angenommenen Anträge an der AV stellen sich gegen Änderungsabsichten des Zentralvorstandes (ZV) vom ESV. Rumort es in den Teilverbänden?
Sicherlich waren am Samstagabend nicht alle glücklich. Vor allem die Berner und Südwestschweizer standen hinter Samuel Fellers Absichten. Doch der Eidgenössische Technische Leiter gab zu verstehen, dass die AV demokratisch entschieden habe und der Zentralvorstand den Entscheid der AV akzeptiert sowie umsetzen wird.

AV in St. Gallen
AV im Athletikzentrum in St. Gallen
Bildquelle: schaererphotographs.ch

War der Zentralvorstand vom ESV nach der Abgeordnetenversammlung dennoch zufrieden?
ESV-Obmann Paul Vogel erklärte noch am Samstagabend, als die Anträge behandelt waren, dass dies ein demokratischer Entscheid gewesen sei, den man nun gemeinsam umsetzen werde. Das oberste Organ hat entschieden – der ZV hat die Abstimmung sportlich hingenommen.

An der AV wurden zudem neue Statuten angenommen. Welches sind dabei die grössten Veränderungen?
Eine Anpassung der Statuten war notwendig, weil letztes Jahr der Beitritt zu Swiss Olympic (Dachorganisation der Schweizer Sportverbände) beschlossen wurde. Die gute Vorarbeit in der Statutenkommission führte dazu, dass es in St. Gallen bei diesem Thema zügig voran ging. Die neuen Statuten treten sofort in Kraft. Der Glarner Verband wollte ferner in den Statuten verankern, dass das Eidgenössische Schwingfest neu fünf, statt wie bis anhin vier Jahre, zum Voraus vergeben wird. Sie scheiterten jedoch mit diesem Änderungsvorschlag deutlich.

Gab es an der AV noch weitere richtungsweisende Entscheidungen? Welche?
2020 wird der Eidgenössische Schwingerverband 125-jährig. Dazu sind ein Jubiläumsanlass, eine Jubiläumsschrift und eine Feier geplant. Weil 2020 der nächste Kilchberger Schwinget anstehen würde, hat man diesen um ein Jahr auf 2021 verschoben. Somit finden 2021 mit dem Kilchberger Schwinget und dem Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) zwei eidgenössische Anlässe statt. Für das Jubiläumsschwingfest 2020 können sich alle Verbände bewerben. An der AV 2017 will der ZV das Fest vergeben.

Nach der Abgeordnetenversammlung, welche immer am ersten März-Wochenende stattfindet, geht es jeweils nicht mehr lange bis zum Beginn der eigentlichen Schwing-Saison. „Dr Täfäli-Buäb“ konnte mir glücklicherweise schon zum zweiten Mal wichtige Fragen rund um unseren Schwingsport beantworten. So kann ich gut vorbereitet die neue Saison als Zuschauer in Angriff nehmen. Bei dieser hoffe ich, dass nun die oben abgehandelte Theorie in geregelte Bahnen verläuft, und der Schwingsport auf den Sägemehlringen reibungslos ablaufen kann.
Täfäli-Buäb, vielen Dank für deine wertvollen Antworten. Bei Gelegenheit kriegst du als Vergelt’s Gott eine Cola und eine Portion Pommes.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Reto Nötzli: „Gerne würde ich an unserem Frühjahresschwinget in Pfäffikon SZ teilnehmen“

Am 15. Mai 2015 veröffentlichte ich den Blogbeitrag: „Reto Nötzli: Wann und ob ich überhaupt nochmals auf den Schwingplatz zurückkomme, hängt sehr vom Verlauf der nächsten Woche oder einer Operation ab“.
Darin enthalten waren unter anderem folgende Zeilen, die niemand lesen mag: „Letzten Sonntag machte die Hiobsbotschaft die Runde, dass sich Reto Nötzli beim Training schwer verletzt hat. Nach und nach drangen Einzelheiten durch, die das Schlimmste befürchten liessen.“
Reto riss sich damals beim Schwingtraining das Kreuzband im rechten Knie.

Seither ist viel Zeit vergangen, und um den 26-jährigen Berufs-Chauffeur ist es ruhig geworden. Dann und wann erblickte ich auf Facebook ein Bild, wo er sich als Ländlermusiker betätigte. Reto’s zweites Hobby ist das Handorgel-Spiel, welches er dem Vernehmen nach weiterhin leidenschaftlich pflegt.
Nun wollte ich es genauer wissen, und nahm darum in den letzten Tagen Kontakt mit dem Turnerschwinger aus Pfäffikon SZ auf.

reto nötzli als ländlermusiker
Reto Nötzli (links) am Musizieren mit den „Etzelbuebe“
Bildquelle: Nötzli Brothers Fanclub (Facebook)

Reto, wie geht es dir?
Danke, mir geht es gut. Ich habe keine Schmerzen im Knie und kann leichte Trainings absolvieren.

Wie verlief der Heilungsprozess bisher?
Der Heilungsprozess verläuft gemäss meinem Physiotherapeuten planmässig. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, es sollte ein wenig schneller gehen.

Macht das rechte Knie keine Probleme mehr? Kannst du dereinst wieder beschwerdefrei schwingen?
Das ist eine schwierige Frage, die ich so noch nicht beantworten kann. Ich hoffe, dass ich wieder beschwerdefrei schwingen kann.
Momentan habe ich keine Schmerzen im Knie, jedoch ist nach einem Schwingtraining noch eine Müdigkeit im Knie spürbar.

Ich habe mitbekommen, dass du leicht am Trainieren bist, aber noch nicht voll einsatzfähig seist. Was für Trainingseinheiten absolvierst du momentan?
Momentan versuche ich, möglichst viele Schwingtrainings zu besuchen, damit ich eine gewisse Sicherheit bekomme und meinem Knie vertrauen kann. Weiter gehe ich in die Physiotherapie und mache Übungen im Kraftraum für mein Knie.

Wann kehrst du wieder auf die Schwingplätze zurück?
Auch das kann ich leider noch nicht genau sagen. Gerne würde ich an unserem Frühjahresschwinget in Pfäffikon SZ teilnehmen.

Was für Gedanken gehen dir durch den Kopf, wenn du Rückschau auf das vergangene Jahr hältst?
Für mich persönlich natürlich nicht so gute. Ich hätte sehr gerne am Zürcher Kantonalen Schwingfest als Gastschwinger teilgenommen.
Was ich auch sehr schade fand, dass sich im Allgemeinen sehr viele Schwinger verletzten.
Natürlich hat es auch schöne Momente gegeben, wie zum Beispiel die ersten Kranzfestsiege von Mike Müllestein oder Joel Wicki. Aber auch, als mein Bruder in einer Woche drei Kränze gewann.

Wie hast du diese nicht einfache Situation mental gemeistert? Was oder wer hat dich dabei am meisten unterstützt oder geholfen?
Ich hatte immer eine gute Unterstützung von meiner Familie, beziehungsweise von meinem Umfeld. Natürlich hatte ich auch ein wenig mehr Zeit, mich meinem zweiten Hobby, der Ländlermusik, zu widmen.

reto nötzli_esaf 2013
Reto Nötzli als frischgebackener Eidgenosse nach dem ESAF 2013
Bildquelle: isv.ch

Der 22-fache Kranzschwinger, welcher zudem mit dem Innerschweizerischen einen ganz wichtigen Kranzfestsieg sein eigen nennen kann, ist also auf dem Weg zurück auf die Schwingplätze. Wie Reto erklärt, läuft der Heilungsprozess planmässig und er versucht möglichst viele Schwingtrainings zu bestreiten. Zudem hofft der Ausserschwyzer, am Ostermontag beim Frühjahresschwinget in Pfäffikon SZ an den Start gehen zu können. Ich wünsche dem Turnerschwinger dabei alles Gute, Zuversicht, aber auch Geduld.
Reto, herzlichen Dank für das Beantworten meiner Fragen!

feldwaldwiesenblogger

Interview mit Ruedi Schläfli, dem TK-Chef der Südwestschweizer Schwinger: „Wir werden Kränze in Estavayer-le-Lac machen“ (Teil 1)

Das neue Jahr hat nun längst begonnen, und mit ihm geht auch meine Vorschauen-Serie aufs Eidgenössische in Estavayer-le-Lac in eine neue Runde. Im Dezemberbeitrag liess ich vor allem Bilder sprechen. Im Januar kommt wieder eine Westschweizer Schwingerpersönlichkeit zu Wort: Ruedi Schläfli, seines Zeichens TK-Chef des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes (SWSV).

Ruedi traf ich am 9. Januar beim dritten Trainingszusammenzug der Südwestschweizer Schwinger im Hinblick auf Estavayer2016 an. Das gemeinsame Training, bei welchem etwa 40 Schwinger anwesend waren, fand in Oron-la-Ville VD statt. In der Trainingshalle des dort ansässigen Schwingklubs Haute-Broye ist ein grosser Sägemehlplatz untergebracht.

Während ich das Interview mit Ruedi führte, leitete Benoît Zamofing das Training. Zamofing ist ein ehemaliger Südwestschweizer Spitzenschwinger und holte sich beim letzten Eidgenössischen in der Südwestschweiz, 2001 in Nyon, den Eidgenössischen Kranz.

Ruedi war ebenfalls Schwinger, und holte sich in seiner Karriere insgesamt 15 Kränze. Sein Vater ist der legendäre Ernest Schläfli, ein fünffacher Eidgenosse. Sein Bruder Fredy Schläfli, ebenfalls ein ehemaliger Schwinger, ist aktuell Technischer Leiter der Südwestschweizer Jungschwinger.
Wie Ruedi erklärte, schwingt zurzeit die fünfte Generation der Schläflis. Sein Urgrossvater Ruedi war einer der ersten Schwinger in Fribourg, und hat angeblich noch im Alter von 42 Jahren Schwingfeste gewonnen. Das war in den 1930iger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Der TK-Chef wohnt in Posieux FR (Ortschaft im Saanebezirk), etwa sieben Kilometer südlich von Fribourg in Richtung Bulle. Von Beruf ist Ruedi Landwirt, mit eigenem Hof. Daneben sitzt er für die SVP im Grossrat vom Kanton Fribourg. Der Fribourger spricht perfekt deutsch und französisch, denn er wuchs zweisprachig auf. Bis zum Alter von fünf Jahren hat der schwingbegeisterte Mann nur deutsch gesprochen. Die Schulzeit absolvierte er hingegen in französischer Sprache.

Ruedi Schläfli
Ruedi Schläfli, TK-Chef der Südwestschweizer
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Seit wann bist du TK-Chef des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes?
Seit 2008. Ich übernahm nach dem Eidgenössischen 2007 (Aarau) das Amt von Jakob Werner, welcher anschliessend Technischer Leiter vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) wurde.

Was beschäftigt dich als TK-Chef momentan am meisten?
Eindeutig Estavayer2016, das ist unser grosses Ziel! Der Fokus liegt für uns als Gastverband ganz klar auf diesem Fest. Das beschäftigt uns derzeit zu 200 Prozent!

Stimmen dich die vergangenen Trainings-Zusammenzüge mit den SWS-Schwingern zuversichtlich?
Ja, total. Es ist jeweils eine grosse Gruppe um 40 bis 45 Schwinger anwesend. Die Stimmung und die Kameradschaft, ein sehr wichtiger Punkt, sind nun vorhanden. Was bisher bei den Trainings abgelaufen ist stimmt mich sehr positiv. Der Willen der Schwinger ist da. Es ist eine Freude, solche Trainings durchzuführen. Die Schwinger sind sich bewusst, was auf sie zukommen wird.

Woran müssen deine Schwinger noch am meisten arbeiten?
An vielen Dingen. Physisch sind die Schwinger mehrheitlich präsent. Die mentale Stärke ist aber ein Knackpunkt, hier müssen wir noch zusetzen. Manchmal stimmt es noch zu wenig im Kopf. Es fehlt nicht so viel, man hat es auch letztes Jahr bei den Schwingfesten gesehen.
Wir arbeiten zudem an der Technik und an der Kondition. Ich habe ein Betreuer-Team hinsichtlich Estavayer2016 aufgestellt, und es wurde bisher viel Knochenarbeit geleistet. Die Schwinger spüren auch, dass wir damit eine Kontinuität reingebracht haben.

Ist einer oder gar mehrere Kranzgewinne am Eidgenössischen, Stand heute, aus deiner Sicht bereits realistisch oder eher noch Wunschdenken?
Realistisch. Aber es wird ein sehr harter Kampf, dessen sind wir uns bewusst. Wenn ich aber meine Schwinger sehe, die ich schon seit Jahren begleite, dann muss ich sagen: Es ist etwas möglich. Natürlich, es ist ein Wettkampf, und es gilt, dann in Form zu sein. Manchmal sind es nur Details, welche es ausmachen. Aber ich bin zuversichtlich: Wir werden Kränze in Estavayer-le-Lac machen.
Die neue Generation Schwinger in der Südwestschweiz ist bereit, mehr zu trainieren und sie verhalten sich professioneller. Einige haben auch ausserhalb des Südwestschweizer Teams einen Betreuerstab. Einige konnten auch ihr Arbeitspensum reduzieren. In den letzten zwei Jahren hat sich wirklich etwas getan.

bild 2
Ruedi Schläfli bei der Ansprache vor dem Training in Oron-la-Ville
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie viel Zeit investierst du eigentlich in deine Tätigkeit als TK-Chef?
Ruedi lacht. Viel, viel! Es steckt eine grosse Leidenschaft dahinter, und im Hinblick auf Estavayer zähle ich die Stunden nicht. Die viele Arbeit ist zugleich auch sehr interessant. Zudem ist das mein letztes Jahr als TK-Chef. Ich gebe mein Amt nach dem Eidgenössischen ab. Es macht einfach Freude, mit diesen Jungen zu arbeiten.

Was für Aufgaben beinhaltet dieser Job?
Ein TK-Chef ist im Verband zuständig für das Technische. Man versucht, eine Botschaft bis zu den Klubs hinunter zu übermitteln, und auch eine gewisse Mentalität zu installieren. Ein wichtiger Punkt ist auch die Einteilung. Die Trainings übergebe ich meinen Leitern und Trainern. Dazu gehören unter anderem Benoît Zamofing, Frédéric Berset und bei Bedarf auch die TK-Chefs der Kantonalverbände. Ich habe, wie bereits erwähnt, ein sehr gutes Betreuerteam. Zudem bin ich mit vielen administrativen Aufgaben eingedeckt. Des Weiteren besuche ich viele Schwingfeste, um die Schwinger kennen zu lernen.

Was hat sich beim SWSV seit Burgdorf2013 und Kilchberg2014 getan? Wie verlief die Vergangenheitsbewältigung?
Wir wussten, dass es in Burgdorf schwierig wird. Denn wir hatten damals die jüngste Mannschaft am Start, welche sehr wenig Erfahrung aufwies. Auf Michael Nydegger, dem einzigen Eidgenossen, lastete ein so grosser Druck, dass er fast daran zerbrach.
Der Kilchberg-Schwinget war vom sportlichen her sicher nicht positiv. Dies hatte Auswirkungen. Die Schwinger, die damals dabei waren, waren sich anschliessend bewusst: Wenn man etwas erreichen will, muss man sich auch die entsprechenden Möglichkeiten geben. Die beiden Anlässe gaben gewissermassen den Ausschlag für die neue Generation. Vom negativen konnten wir das positive herausnehmen, und die Schwinger haben das auch verstanden. Damals konnten wir wegen fehlender Kapazität einfach nicht mehr erreichen und durften auch nicht mehr erwarten.
Wir befanden uns in einem Loch. Zugleich bedeuten die beiden Feste ein Wendepunkt. Jetzt geht es nun kontinuierlich nach oben.

Wie fördert ihr eure Schwinger?
Nebst den monatlichen Verbandszusammenzügen gibt es auch kantonale Zusammenzüge. Die Freiburger machen am Dienstagabend und die Waadtländer am Mittwochabend Trainings auf kantonaler Ebene. Dabei sind auch Schwinger von anderen Kantonen eingeladen.

Wir haben sieben Schwinger, welche ihr Arbeitspensum auf etwa 50 bis 60 Prozent reduzieren konnten. Diese trainieren nun auch untertags. Das sind Schwinger von verschiedenen Klubs, welche so auch wöchentlich zusätzlich miteinander trainieren. Einige dieser Schwinger haben Sponsoren, andere sind Studenten und nehmen sich ein Sabbatjahr, um sich auf das Eidgenössische fokussieren zu können. Diese Schwinger gehen nun diesen Schritt und geben dafür alles.

Übrigens: Fast alle der heute anwesenden Schwinger trainieren zudem praktisch wöchentlich in Gruppen irgendwo im Bernbiet. Zum Beispiel in Lyss, Schwarzenburg oder Kirchberg. Das wurde früher eindeutig weniger gehandhabt.

Apropos Kilchberg-Schwinget 2014: Es gab damals schon Schwinger, die sehr viel trainierten. Ihnen fehlte aber die Erholung. Denn diese Athleten gingen zu 100 Prozent einer Arbeit nach, und absolvierten daneben ein strenges Training. Sie sind meist Landwirte oder Handwerker, und arbeiten hart in ihren Berufen. Benjamin Gapany liess nach jenem Schwinget verlauten, dass er völlig auf dem Zahnfleisch ging und ihm die Erholung fehlte, um in Topform zu kommen. Die Erholung kann man sich einfach nicht einbauen, wenn man zu 100 Prozent arbeitet.

Ich vermute, dass heutzutage 90 Prozent der Eidgenössischen Kranzschwinger Halbprofis oder Elite-Amateure sind. Beim Schwingsport sind wir nun dort angekommen, wo die Fussballer schon vor 20 oder 30 Jahren standen. Der Südwestschweizer Schwingerverband hat diesen Schritt in den letzten zwei Jahren nun auch gemacht. Und: Dies hat nicht der Technische Leiter gefordert. Das waren die Schwinger selber, die dies wollten. Sie sagten sich: Wenn wir etwas erreichen möchten, müssen wir diesen Schritt auch tun. Einige Schwinger kam deshalb auf mich und den Präsidenten zu und fragten uns: Was müssen wir machen? Könnt ihr uns helfen, Sponsoren zu suchen. Wir vom Verband halfen ihnen so gut es ging. Es läuft nun relativ gut, und ich bin zufrieden.

Der Schwingerverband lebt natürlich auch von seinen Klubs und die Schwinger müssen in ihren Schwingklubs die Knochenarbeit machen. Bei unseren Zusammenzügen pflegen wir nebst dem Training im Hinblick auf Grossereignisse die Kameradschaft. Wir können punktuell Tipps geben und Verbesserungen vorschlagen.

Dem Vernehmen nach ist euer Nachwuchs recht gut aufgestellt. Es sollen einige vielversprechende Talente darunter sein. Wird man einige von ihnen schon 2016 wahrnehmen?
Ja, wir haben tatsächlich einige vielversprechende Talente. Es sind zwei darunter, welche besonders hervorragen: Steve Duplan und Steven Moser. Wenn bei den beiden Schwingern alles rund läuft, ist es nicht unmöglich, dass sie am Sonntagnachmittag in Estavayer um den Kranz schwingen.
Übrigens: Nachwuchs hatten wir eigentlich immer genügend. Beim letztjährigen Freiburger Kantonalen Jungschwingertag waren zum Beispiel über 270 Jungschwinger am Start. Beim Nachwuchs wurde grosse Arbeit geleistet, und die Nachwuchs-Athleten finden eine gut funktionierende Struktur vor. Diese Schwinger kommen nun nach und nach zu den Aktiven.
Und: Die Technischen Kommissionen der Jungschwinger und der Aktiven arbeiten nun seit etwa sieben Jahren eng zusammen.

Wir durften in den letzten Jahren noch keine Topresultate erwarten, da die Schwinger noch nicht parat waren. Der Aufbau der Jungen erfolgt schrittweise. Das Heranführen an die Spitze braucht einfach seine Zeit und ebenfalls Geduld. Wir erzielten letzte Saison zwar noch nicht Topresultate ausserhalb unseres Teilverbandes. Eine Steigerung war aber erkennbar: Wir feierten Kranzgewinne am Innerschweizerischen, auf dem Weissenstein, beim Aargauer Kantonalen und bei unserem Bergfest am Schwarzsee-Schwinget. Ich bin überzeugt, dass wir dieses Jahr weitere Schritte nach vorne tun werden. Diese Kränze hätten wir vor zwei Jahren noch nicht gemacht.

Eine Randbemerkung: Wir hatten in den letzten Jahren halt praktisch keine Ausnahmetalente wie die Berner mit Sempach, Wenger oder Stucki. Deshalb müssen wir in der Gruppe stark sein und einen grossen Team-Geist haben.

bild 3
Intensives Training in der Trainingshalle vom Schwingklub Haute-Broye
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Am Ende von Teil 1 gilt es zu erwähnen, dass der zweite Teil in Bälde folgen wird. Dabei geht es unter anderem um die Trainings-Zusammenzüge, die Leader der Südwestschweizer und um Druck vor dem Eidgenössischen. Weiter um die lateinische Mentalität der Romands, die „Neuen Richtlinien für Einladungsbegehren“ und was sich Ruedi Schläfli für 2016 wünscht.

feldwaldwiesenblogger

Wahlkampf im Kanton Schwyz – Kandidaten-Check: Ständerats-Kandidat Elias Studer (JUSO)

Der Schwyzer Jungsozialist Elias Studer ist Kandidat Nummer 3, welcher heute zu meinen fünf Fragen Rede und Antwort steht. Übrigens: Ich halte mich bei der Veröffentlichung der einzelnen Kandidaten an die Reihenfolge der bei mir eingegangenen Antworten.

Auf der Homepage von SRF habe ich zur Kandidatur der JUSO folgendes gefunden: Die Schwyzer FDP verzichtet auf eine Kandidatur bei den Ständeratswahlen und hat Stimmfreigabe beschlossen. Auch die SP tritt bei den Ständeratswahlen nicht an. Sie konzentriert sich darauf, die Wiederwahl von Nationalrat Andy Tschümperlin zu sichern.
Die Jungsozialisten hingegen haben entschieden, sich an den Wahlen zu beteiligen. Sie haben zwei Kandidaten für den Ständerat nominiert: Einer davon ist Parteipräsident Elias Studer, der andere Vorstandsmitglied Thomas Büeler.

Elias Studer hat Jahrgang 1995 und wohnt in Oberarth SZ. Der Präsident der JUSO schloss 2014 die Matura mit Schwerpunkt Wirtschaft und Recht ab. Diesen Herbst beginnt er das Studium der Soziologie an der Universität Basel.
Studer ist seit 2012 Mitglied in der JUSO und der SP. Seit 2013 ist er Vorstandsmitglied der JUSO Kanton Schwyz, seit 2013 Geschäftsleitungsmitglied der SP Kanton Schwyz und seit 2014 Präsident der JUSO Kanton Schwyz. Der Jungpolitiker ist zudem Mitinitiator und Vorstandsmitglied des Schwyzer Jugendparlaments.

Elias Studer
Bildquelle: Bote der Urschweiz (Nadine Annen)

Warum soll das Schwyzer Volk Sie zum Ständerat wählen?
Ich kämpfe für eine Gesellschaft, in der alle Leute frei sind, sich selbst zu sein und sich zu verwirklichen. Eine Gesellschaft, in der alle die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben. Ich will bessere öffentliche Dienstleistungen sowie Steuern, welche diese finanzieren können, ohne tiefe und mittlere Einkommen zu belasten. Eine stärkere Demokratie und eine Welt, in der niemand fliehen muss vor Hunger, Krieg und Zerstörung.

Mit welchen Wahlkampf-Themen machen Sie auf sich aufmerksam?
Service Public und Steuerpolitik: Wir brauchen einen starken Service Public, der dafür sorgt, dass alle Menschen die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben. Der Abbau an öffentlichen Dienstleistungen, der zurzeit in den Kantonen vor sich geht, muss gestoppt und rückgängig gemacht werden. Dazu darf man Reiche nicht mehr mit Steuergeschenken privilegieren. Leute mit tiefen und mittleren Einkommen sind steuerlich zu entlasten.

Freiheit: Freiheit bedeutet, dass alle so leben können, wie sie möchten – solange alle anderen dadurch nicht in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Freiheit bedeutet frei zu sein von Diskriminierung, so leben zu können, wie man ist; es bedeutet aber auch, frei zu sein von wirtschaftlicher Ausbeutung und ständigem Konkurrenzdruck. Freiheit ohne Gleichheit ist nur halbe Freiheit.

Globale Gerechtigkeit: Die Probleme Hunger, Krieg und Migration sind global und trotzdem müssen wir hier aktiv sein und handeln. Wir können hier etwas tun gegen Steuerflucht, Waffenlieferungen und Menschenrechtsverletzungen durch Schweizer Unternehmen. Ich kämpfe für eine friedliche und solidarische Welt. Denn wir können ändern, was uns stört.

Transparenz: Geld hat einen grossen Einfluss auf Abstimmungen und Wahlen, ohne dass das Volk weiss, wessen Geld wem warum zugutekommt. Es ist absolut undemokratisch, dass Menschen mehr politische Macht haben als andere, bloss, weil sie mehr Geld haben. Darum braucht es Transparenz in der Politikfinanzierung.

Demokratie: Wir können stolz sein auf unsere Demokratie, und trotzdem gibt es noch viel zu erreichen. Neben der Transparenz braucht es einfachere Einbürgerungen. Denn es ist ungerecht, dass rund ein Viertel der Bevölkerung nicht mitbestimmen kann, weil die Hürden für sie so hoch sind. Ausserdem braucht es mehr Demokratie in den Betrieben, die Angestellten müssen mitbestimmen können.

Wo orten Sie im Kanton Schwyz Probleme/Handlungsbedarf, wo Sie nach Ihrer Wahl sofort den Hebel ansetzen würden?
Die Steuerdumpingpolitik muss sofort gestoppt werden. Sie ist unsolidarisch und schadet der Bevölkerung – in Schwyz, in der Schweiz und international. Vom Steuerwettbewerb profitieren nur die Reichen, denn sie können dadurch von viel zu tiefen Steuern profitieren. Die Allgemeinheit leidet darunter, denn wenn die Einnahmen fehlen, werden wichtige öffentliche Dienstleistungen abgebaut und die Chancengleichheit bleibt auf der Strecke. Darum muss der Steuerwettbewerb unterbunden werden.

Ist die EU für den Kanton Schwyz eher Segen oder eher Fluch?
Die EU ist weder Segen noch Fluch. Um Probleme wie den Steuerwettbewerb, den Klimawandel oder Fluchtursachen in den Griff zu bekommen, braucht es starke internationale Organisationen und bei diesen muss die Schweiz sich mehr engagieren.

Müssen wir Schwyzer uns wegen der aktuellen europäischen Flüchtlingssituation Sorgen machen?
Wir müssen uns Sorgen um die Menschen machen, die fliehen müssen. Wir müssen uns Sorgen darum machen, dass täglich tausende an Hunger, im Krieg oder auf der Flucht sterben. Die Schweiz muss endlich Verantwortung übernehmen: Kriegsmaterialexporte müssen gestoppt werden. Unternehmen mit Sitz in der Schweiz müssen zur Rechenschaft gezogen werden für ihre Verletzung von Menschenrechten und Umweltstandards im Ausland. Die Spekulation auf Nahrungsmittel, die den Hunger vorantreibt, muss ein Ende haben.

Elias Studer und sein JUSO-Kollege Thomas Büeler bringen den Faktor Jugend in den Schwyzer Ständerats-Wahlkampf. Die Jungen sind unsere Zukunft, sie möchten dementsprechend auch mitreden und mitbestimmen können.
Ich bedanke mich bei Elias Studer für seine interessanten Antworten und wünsche ihm alles Gute für den weiteren Wahlkampf.

feldwaldwiesenblogger

„Kann ich den Joker gebrauchen?“ – Interview mit Blaise Decrauzat, Teil 1

Im Rahmen meiner Vorschau auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer führte ich anfangs August ein Interview mit Blaise Decrauzat. Blaise ist der Präsident des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes. Mein Glück war, dass der schwingbegeisterte Romand aus Echallens VD zweisprachig ist, und sehr gut deutsch spricht.

Vorweg eine Kuriosität: Man würde ja meinen, dass zum Südwestschweizer Verband theoretisch, wegen dem „Süd“ im Namen, der Kanton Tessin auch dazugehören sollte. Aber das Tessin war laut Blaise nie ein Teil des Südwestschweizer Verbandes. Der kleine Tessiner Verband gehört zum Innerschweizerischen Schwingerverband. „Das ist schlicht und einfach auch ein geografisches Problem. Über die Strasse durch den Gotthard sind die Tessiner mit der Innerschweiz verbunden“, ergänzte der SWS-Präsident.
Zum Südwestschweizerischen Schwingerverband gehören die Freiburger, die Waadtländer, die Neuenburger, Walliser und Genfer. Eigentlich auch die Jurassier, wenn sie denn Schwinger und einen Klub hätten.

Da das interessante Interview gut eine Stunde dauerte, hatte ich hinterher so viel Material beisammen, dass ich mich für zwei Blogbeiträge entschied. Heute folgt also Teil 1 des Gespräches, welches im Hotel Murten in Murten stattfand.

Blaise Decrauzat
Blaise Decrauzat
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie lange bist Du schon im Amt als SWS-Verbandspräsident?
Seit 2005, im SWS-Vorstand bin ich seit 1999. Mein Vorgänger als Präsident war der Walliser Jean-Charles Roten.

Wie schätzt Du die laufende Saison für die Südwestschweizer Schwinger ein?
Diese Saison haben wir uns einige Ziele gesetzt. Gemäss dem Technischem Leiter Ruedi Schläfli und dem Vorstand ist es bisher relativ gut gelaufen. Wir machten einen Kranz am Schwarzsee, zwei am Weissenstein-Schwinget und einer am Innerschweizerischen. Am NOS haben wir einen Kranz nur knapp verpasst.
Jetzt bleibt noch das Schwägalp-Schwinget, da wird es schwieriger. Wir gehen jedoch mit guten Hoffnungen dorthin, dass wir uns einen Kranz ergattern können.

Bemerkung: Das Interview fand am Samstag, 8. August statt, also eine gute Woche vor dem Schwägalp-Schwinget. Auf der Schwägalp verpassten zwei Südwestschweizer Schwinger, nämlich Benjamin Gapany und Steven Moser, den Kranz nur um einen Viertelpunkt.

Wir sind zudem in der Vorbereitung für Estavayer und haben ein junges Team, welches nun zusammenwachsen muss. Wir sind überzeugt, dass es für Estavayer gut laufen wird.

Welche SWSV-Schwinger könnten Deiner Meinung nach den Eidgenössischen Kranz am ESAF machen?
Kann ich den Joker gebrauchen?, meinte Blaise lachend als Einleitung zur Antwort. So wie es aussieht, vielleicht Michael Nydegger, wenn er wieder beschwerdefrei antreten kann. Weitere Kandidaten wären Benjamin Gapany, Pascal Piemontesi, Michael Matthey und vielleicht noch Marc Gottofrey sowie Steven Moser. Eventuell auch Samuel Dind. Er muss einen guten Tag haben und mehr investieren, als er momentan macht. Aber ich denke, mit den genannten Namen decken wir das Spektrum gut ab.

Bereiten sich der SWS-Verband und seine Schwinger speziell auf das ESAF vor?
Dieses Jahr trafen wir uns bisher viermal. Beim ersten Mal haben wir den Schwingern alles erklärt: Was – Wie – Wo. Die Schwinger sind aber selber verantwortlich für ihre Vorbereitung. Wir vom Verband bilden das Dach, die Schwinger müssen aber zum Beispiel selber Kraft-Training machen. Es läuft soweit gut.
Wir sehen uns nächsten Monat wieder. Erst treffe ich mich mit dem TK-Chef, dann mit dem Vorstand und später mit den Schwingern. Wir bereiten das Programm für das nächste Jahr vor. Geplant sind für 2016 mehr als vier Zusammenzüge, nämlich einer pro Monat. Dazu halten wir vermutlich zwei Trainingslager ab. Das erste im März und das zweite im August, vor dem Eidgenössischen.
Erst kürzlich führten wir ein Trainingslager in Leukerbad VS durch, welches drei Tage dauerte.

Gibt es auch einen Austausch mit anderen Teilverbänden? Gemeinsame Trainings?
Die besten Schwinger besuchen Trainings ausserhalb unseres Teilverbandes bei anderen Schwingklubs. Michael Matthey zum Beispiel wohnt in Nyon VD, und fährt einmal pro Woche nach Kirchberg BE ans Training.

Spürt man schon die Vorfreude auf das ESAF in der Romandie?
Ja, man spürt die Vorfreude. Wir haben viele Anfragen, wie es läuft und wie der Stand der Dinge ist. Diejenigen Leute, welche mit dem Schwingen zu tun haben, sind interessiert, nicht nur im Freiburgerland, sondern in der ganzen Westschweiz.

Welches sind Deine momentanen Favoriten für den Königstitel in Estavayer?
Blaise lacht. Das ist eine gute Frage. Meines Erachtens gibt es zwei Ebenen. Es gibt einerseits die bestandene Garde mit Sempach und Wenger, welche wieder gute Chancen haben. Andererseits existiert eine neue Garde mit Joel Wicki, Remo Käser und Samuel Giger. Ich spüre, dass die Jungen nachdrücken.
Wicki kenne ich persönlich seit dem Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2012 in Hasle-Entlebuch. Er ist zwar nicht der Grösste, aber ich denke, er könnte etwas reissen. Aber es ist schwierig, eine Prognose zu machen.

Welches sind Deine wichtigsten Tätigkeiten als SWS-Verbandspräsident? Welche Dinge beschäftigen Dich momentan am meisten?
Natürlich den Verband führen. Ich bin viel mit dem TK-Chef unterwegs und bei den Schwingfesten dabei. Zudem betreue ich die Schwinger vom Hintergrund aus. Ich sitze auch im Zentralvorstand (ZV) des ESV, dort bin ich verantwortlich für die Übersetzung.
Weiter gehören zu meinen Tätigkeiten Geld und Sponsoren reinholen, das ist auch wichtig. Es ist so, dass heutzutage fast niemand mehr etwas gratis macht, ausser wir vom Vorstand.
Ich bin etwa 100 bis 150 Tage im Jahr unterwegs für die Schwingerei, und tue dies aus Freude am Schwingsport.

TeamRomandie_ESAF2013-1024x495
Team Romandie am ESAF 2013 in Burgdorf
Bildquelle: schwingenonline.ch

Was beschäftigt dich momentan am meisten in deinem Amt?
Die Vorbereitung auf das ESAF in Estavayer. Einerseits sitze ich im Kern-OK. Wir sind bedacht, ein schönes Fest zu organisieren. Andererseits betreue ich vom Verband her unsere Schwinger für Estavayer. Wir wollen dabei zeigen, dass in der Westschweiz die Schwingerei lebt.
Die Zukunft ist wichtig, die haben wir in letzter Zeit leider etwas vernachlässigt. Als Pellet und Zbinden aufgehört haben, gerieten wir in ein Loch. Das haben wir jedoch sehen kommen. Wir versuchen diese Lücke aber mit unserem wirklich zahlreichen Nachwuchs aufzufüllen.

Das grösste Problem, welches mich derzeit beschäftigt, ist die Presse reinzuholen. Das würde nämlich auch einiges bringen. Die Freiburger Zeitungen wie die Freiburger Nachrichten, La Liberté oder La Gruyère haben regelmässig Artikel übers Schwingen drin. Im Kanton Freiburg lebt das Schwingen. Aber anderswo in der Romandie leider nicht so. Samuel Dind’s Sieg am Walliser Kantonalen fand keine Erwähnung in einer Neuenburger Zeitung. Dind ist ein Waadtländer, wohnt und schwingt für Neuenburg.
Genau gleich beim Westschweizer Fernsehen: Wir haben schon zweimal probiert, das Télévision Suisse Romand (TSR) an Bord zu holen. Wir haben gewusst, dass das Deutschweizer Fernsehen (SRF) an den Schwarzsee-Schwinget kommt, und versuchten, vom TSR auch jemand dorthin zu bekommen. Leider wurde nichts daraus. Das gleiche an unserem Teilverbandsfest in Genf, welches etwa 300 Meter vom TSR-Gebäude entfernt stattgefunden hat. Niemand vom TSR kam, das SRF aber war dort.
Ich sage nicht, dass ich jeden Sonntagabend fünf Minuten Schwingen am TV sehen will. Aber wenigstens könnten sie die Resultate von den Kantonalen Schwingfesten, vom Schwarzsee-Bergfest oder vom Teilverbandsfest erwähnen. Und auch ein paar Bilder zeigen, vor allem vom Schwarzsee. Denn dieses Bergfest ist immer gut besucht, und beim Teilverbandsfest haben wir immer acht gute Gäste.
Pikantes Detail: Vom Brünigschwinget zeigte das TSR Bilder. Beim diesjährigen Brünigschwinget waren jedoch keine Südwestschweizer dabei…
Aber am meisten nervt mich Genf. 300 Meter vom TSR-Studio weg, und niemand kam! Ich habe ihnen sogar noch eine Email geschrieben, und darin erwähnt, dass das SRF dort sein wird.
Als Randbemerkung: Das Südwestschweizerische fand sogar in der Tagesschau von SRF Erwähnung. In der Romandie hingegen nicht…

Das Westschweizer Fernsehen TSR ist vor zwei Jahren gekommen, als in Estavayer das Kantonale war. Dort waren sie live am Mittag dabei. Die TV-Leute stellten sich das als Hauptprobe für ESAF2016 vor. Aber ein Kantonales ist nicht das gleiche wie ein Eidgenössisches. Wenigstens sind sie gekommen, und es wurden Bilder im TV gezeigt.

Wie sieht es um den Nachwuchs in Eurem Verband aus? Welches sind Eure grössten Nachwuchshoffnungen?
Wir haben einige gute Nachwuchsschwinger: Steve Duplan, Benjamin Gapany, Victor Cardinaux und Cedric Derron sind unsere grössten Nachwuchshoffnungen. Duplan hat dieses Jahr fünf Kränze gemacht. Gapany erkämpfte sich sechs, und hat zusätzlich das Waadtländer Kantonale gewonnen. Cardinaux war diese Saison leider auch verletzt, machte aber immerhin zwei Kränze.
Von den Jungen, welche nun Ende August am ENST in Aarburg starten, werden sicher auch zwei, drei nachrücken. Der Jahrgang 1999 ist ein relativ starker Jahrgang. Wir erwarten ein paar Zweige beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag. Wir waren übrigens vor drei Jahren am ENST im Entlebuch ziemlich erfolgreich.
Beim Nachwuchs arbeiten wir gut. Das Problem ist immer der Sprung zwischen dem Jungschwinger zum Aktivschwinger. Da warten die bekannten Schwierigkeiten wie das „besondere“ Alter, eine Freundin, Ausgang und so weiter. Das ist sicher überall so, wir sind davon aber noch mehr betroffen.
Bei Steve Duplan, welcher in Ollon wohnt, erkennt man erfreulicherweise, dass er den Fokus aufs Schwingen richtet. Beim Waadtländischen und beim Neuenburger Kantonalen Schwingfest stand er dieses Jahr sogar im Schlussgang, am Neuenburger sogar gegen Christian Stucki.

Wie rekrutiert Ihr Eure Nachwuchsschwinger? Wie macht Ihr Werbung für das Schwingen in der Romandie?
Das Schwingen bedeutet bei uns nicht so viel, wie beispielsweise in der Innerschweiz. Aber wir versuchen einiges, und machen aktiv Werbung vom Verband aus fürs Schwingen in der Romandie. Wir führen auch den offiziellen ESV-Schnuppertag in unserem Verbandsgebiet durch. Zudem stellen im Kanton Freiburg und im Waadtland einige Schwingklubs bei Jugendfesten oder Märkten das Schwingen vor. Seit zwei Jahren führen wir ein Schwingfest beim Comptoir in Lausanne durch, ein grosser Anlass in der Westschweiz. Dieses Jahr wird dies sogar ein Grossanlass.
Wie vorhin schon erwähnt, probieren wir die Medien stärker einzubinden, was aber leider schwierig ist.

Cantonale NE espoirs Le Landeron
Neuenburger Kantonal-Nachwuchsschwingertag in Le Landeron
Bildquelle: arls.ch

Der ESV ist Euch eine grosse Hilfe, oder?
Ja, der ESV unterstützt uns schon viel. Sie sehen die Probleme, welche wir in der Westschweiz haben. Dabei werden auch gemeinsame Projekte durchgeführt.

In welchen Westschweizer Kantonen hat es am meisten Schwinger?
Im Kanton Freiburg, dort sind mehr als die Hälfte aller Westschweizer Schwinger beheimatet. An zweiter Stelle folgt das Waadtland, dann Neuenburg und Wallis, welche etwa gleichauf liegen. Am wenigsten hat es im Kanton Genf. Im Kanton Jura gibt es keine Schwinger und keinen Klub.
Im Jura wollte ich schon immer mal ein Teilverbandsfest durchführen. Das ist aber nicht einfach, und momentan mit der Vorbereitung aufs Eidgenössische fehlt die Zeit. Mein Ziel ist es aber weiterhin, ein Teilverbandsfest im Kanton Jura durchzuführen. Das würde in dieser Region sicher gute Werbung für den Schwingsport bedeuten. Wenn wir ein Fest zum Beispiel in Saignelégier oder Pruntrut durchführen würden, kämen die Leute. Das ist auch abhängig von der Umgebung. Im Gegensatz dazu das Teilverbandsfest dieses Jahr in der Stadt Genf, welches keine grosse Werbung für das Schwingen war.

Zum Walliser Schwingerverband: Man könnte ja eigentlich meinen, dass gerade im Oberwallis, eine der urchigsten Gegenden der Schweiz, auch viele Schwinger beheimatet sein sollten. Das ist überhaupt nicht so.
Das Problem im Walliser Verband ist die Zweisprachigkeit des Kantons. Der Kanton Freiburg ist zwar auch zweisprachig, dort aber „lebt“ die Zweisprachigkeit, im Wallis leider nicht. Das Ober- und das Unterwallis sehen sich eher als Konkurrenten. Von dort her wäre es fast besser, wenn man zwei Verbände machen würde: Einen Oberwalliser und einen Unterwalliser Verband. Im Unterwallis finden sich einige aktive Schwinger. Im Oberwallis gibt es derzeit keine aktiven Schwinger, es hat aber zehn Jungschwinger in Leukerbad. Letztes Jahr wurde in Zermatt das Gornergrat-Schwinget durchgeführt. Dies hat bisher noch nicht viel gebracht. Die Idee des Walliser Verbandes ist es, einen Schwingkeller in Visp und in Siders aufzubauen, um den Schwingsport im Oberwallis zu fördern. Aber die Distanzen sind schon weit, beispielsweise von St. Niklausen bis Visp. Dort müssen die Eltern auf alle Fälle mitmachen, wenn ein Kind Jungschwinger ist. Übrigens: Nächstes Jahr wird das Walliser Kantonale in Visp stattfinden.

In Bälde folgt der zweite Teil des Interviews mit Blaise Decrauzat. Eine Bemerkung möchte ich am Schluss des ersten Beitrages aber auf alle Fälle loswerden: Wie ich beim Interview in Murten gespürt habe, gibt der Südwestschweizer Verband unter der Führung von Blaise sein Bestes!

feldwaldwiesenblogger